Ein Kommentar

 

Sehr geehrter Herr G. 

 

herzlichen Dank für Ihren Vorschlag und die Einladung zum internationalen Austausch über die Literatur von Jakob Lorber, die Bibel und verwandte wahre Propheten.

 

Vorab möchte ich darauf hinweisen, dass die Bibel einen zentralen Bestandteil der Schriften Jakob Lorbers bildet. Die von Ihnen erwähnten ähnlichen wahren Propheten sollten meines Erachtens nicht Teil dieses Austauschs sein, da sie leicht zu Verwirrung führen können.

 

Ein Teil des Inhalts der inzwischen eingestellten Zeitschrift „Jakob Lorber International“ deutet in diese Richtung. Auch Ihre Vorschläge zu den genannten Themen erscheinen mir wenig zielführend, zumal Jesus diese Inhalte selbst Lorber mitgeteilt hat. Wer das Vorwort des Herrn in „Haushaltung Gottes I“ aufmerksam liest und beherzigt, wird erkennen, dass der Herr sich niemals dem Verstand der weltlichen Klugen offenbart. Es ist daher wenig sinnvoll, von ihnen zusätzliche Erklärungen zu erwarten.

 

Persönlich bin ich durch die Lektüre von „Die Himmel geben Antwort“ von P. Gullekes im Jahr 2005 zu Jakob Lorber gekommen. Die „Haushaltung Gottes“ las ich in den Teilen I (2009), II (2010) und III (Ende 2010). Das Große Johannes-Evangelium habe ich zwischen Februar 2011 und September 2014 vollständig gelesen. „Der Prophet Jakob Lorber“ von K. Eggenstein las ich im Frühjahr 2011. „Die Fliege“ las ich 2009. Die Bibeltexte und ihre verborgene Bedeutung studiere ich bis heute mit großer Hingabe. Auch die Biografie „Jakob Lorber – Schreibknecht Gottes“ von K. G. Ritter von Leitner habe ich mehrmals gelesen. Die Zeit dafür fand ich, indem ich andere Literatur beiseitelegte.

 

Am 6. Oktober 2014 veröffentlichte ich meine ersten Twitter-Nachrichten. Unter „W. I. Twitter“ sind diese in Haiku-Form bei Google zu finden. Dies betrachte ich als meinen persönlichen Beitrag zur Verbreitung der Lorber-Schriften. Es stört mich nicht, wenn bisher keine Resonanz erfolgt – das kann sich jedoch noch ändern.

 

Mein Vorschlag: Nehmen Sie Kontakt mit der Jakob Lorber Stiftung für den niederländischen Sprachraum auf. Sie ist ein vorbildliches Beispiel.

 

Nächsten Monat, so Gott will, werde ich mein 85. bewusstes Lebensjahr vollenden. Die Vertiefung meines katholischen Glaubens verdanke ich zu einem großen Teil auch Jakob Lorber.

Ich grüße Sie im Herrn,

W.I.


Ehreninspektor des Innern und öffentlichen Dienstes seit dem 2.
Januar 1992

                             

 

Antwort

 

Lieber Herr I.

 

vielen Dank für Ihren Brief. Sie schreiben, dass frühere Ausgaben von Giuseppe und auch in Anlehnung an das Jakob-Lorber-Bulletin unnötigerweise auf der Bibel basieren und dass die Verbindung zu den Prophetenschreibern Lorber, Swedenborg und anderen eher Verwirrung stiften würde. Zudem erwähnen Sie, dass Sie Bücher lesen, die nicht von Jakob Lorber und Mayerhofer selbst stammen, wie etwa „Die Himmel geben Antwort“ von P. Gullekes. Genau so gehen wir hier manchmal vor.

 

Ich gestehe, Ihr Brief hat mich etwas überrascht und auch ein wenig traurig gemacht. Spüre ich darin ein Urteil? Sie haben recht, wenn es um ein Lesepublikum geht, das mit Jakob Lorber und der Bibel noch nicht vertraut ist. Doch unsere Leser sind in der Regel gläubig und sehnen sich nach einem internationalen Austausch. Gerade in diesen schweren Zeiten ist es uns wichtig, einander in Gott zu begegnen. Die meisten hungern nach solch einem Austausch, und diese Gelegenheit ist deshalb besonders wertvoll.

 

Im ersten Bulletin schrieb ich, und das werden Sie sicher nachvollziehen, dass der Herr dort ist, wo zwei oder mehr in seinem Namen versammelt sind. Selbst eine kleine Leserschaft von 200 Menschen ist bemerkenswert.

 

Was wäre also der Unterschied zur Jakob Lorber Stiftung, mit der ich seit 1989 verbunden bin? Ich bin bestens vertraut mit ihrem Pionierwerk bei Übersetzung und Veröffentlichung der Schriften sowie mit den deutschen Ausgaben von „Das Wort“ und der Zeitschrift „Geistiges Leben“.

 

Sie haben Recht: Die Bibel ist und bleibt das Fundament aller Offenbarungen. Ob die Verbindung zu anderen Schriften Verwirrung stiftet, hängt meines Erachtens von der persönlichen Suche jedes Einzelnen ab. Auch ich begegne immer wieder Herausforderungen auf meinem Weg. Die Schriften Jakob Lorbers sind in dieser Hinsicht unvergleichlich und führen den Leser näher zur Bibel.

 

Vor einigen Jahren erhielt ich von einem deutschen Lorberfreund ein digitales Werk, in dem alle Texte Lorbers mit den entsprechenden Bibelstellen verknüpft sind – eine mühevolle und zugleich wertvolle Arbeit. Leider konnte ich den Autor nicht ausfindig machen. Dieses digitale Buch trägt den Titel „Vom Buch des Herrn zum Herrn des Buches“. Daraus möchte ich ein paar Zitate anführen, die Ihnen vielleicht hilfreich sind:

 

„In der Botschaft Jakob Lorbers können viele Christen durch den Zeitgeist hindurch den Glauben neu finden und zur wahren Nächstenliebe gelangen. Wenn Gott durch verschiedene Menschen spricht, müsste dann nicht überall ein Glöckchen läuten? Niemals kann die Neue Offenbarung die Bibel ersetzen. Sie ist und bleibt fundamental, Wegweiser für unsere Heimkehr zum himmlischen Vater.

Dennoch kommen viele Suchende mit der Heiligen Schrift nicht mehr zurecht und haben den Weg vom ‚Buch des Herrn‘ zum ‚Herrn des Buches‘ gefunden. Gilt das für die Neue Offenbarung anders? Keineswegs.


Der Herr sagt: ‚Wer nicht in seinem Herzen das Zeugnis findet, dass Mein Wort Geist und Leben ist, den überzeugen tausend Bibelstellen nicht, weil dies nur den Einfältigen und Demütigen offenbart wird.‘ Letztlich entscheidet jeder in seinem Herzen, welchen Weg er gehen will. Es geht um die Zusammengehörigkeit.“

 

Lieber Herr I., ich gratuliere Ihnen herzlich zu Ihrem 85. Geburtstag und wünsche Ihnen auf Ihrem weiteren Weg viel Weisheit und Segen.

Mit herzlichen Grüßen, G.

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