Warum wir leben
Eine kurze Zusammenfassung von Klaus Opitz aus
Deutschland
Jesus antwortet auf die Frage von Mucius im 11.
Teil des Großen Johannes Evangeliums (GJE, Anm. d. Übers.) danach, warum wir
überhaupt leben, was nach dem Tod kommt und wie wir am besten in die
Lebensweisheit eingeführt werden können:
Diese drei Fragen umfassen die gesamte Weisheit aller Himmel und bilden die
Grundlage seines Lehramtes auf der Erde. Jesus erklärt, dass der Mensch aus
zwei Welten lebt, die er in sich vereinen muss: Er ist der Höhepunkt der
äußeren, materiellen Schöpfung und zugleich der Anfangspunkt der rein geistigen
Welt, die mit ihm die erste Phase des freien Selbstbewusstseins erreicht hat.
Der Mensch ist somit sowohl Anfang als auch Ende einer Kette und muss durch
sein Leben und seine freie Entwicklung das richtige Glied finden, um diese
beiden Ketten zu einer einzigen zu verbinden.
Alle Lebewesen bilden eine aufsteigende Reihe – vom Mineral über die
Pflanze und das Tier bis hin zum Menschen. Die höchstentwickelte tierische
Intelligenz – nicht die äußere Form, sondern die Entwicklung der Seele ist
entscheidend – fließt in die Menschenseele ein. Diese Seele enthält somit die
sich gegenseitig ergänzenden, höchstentwickelten Intelligenzen und spiegelt das
gesamte niedere Leben wider. So entsteht die menschliche Form als Krone der
Schöpfung.
Damit beginnt die zweite Aufgabe des Menschen: Er soll das höchstmögliche
freie Bewusstsein in der Erkenntnis seines Schöpfers und in der Entwicklung
seines inneren Selbst erreichen. Zuvor war die Seele vorwiegend auf materielle
Dinge ausgerichtet und folgte dem Recht des Stärkeren. Die Gottheit möchte
jedoch, dass ihr Schöpfungswerk sie aus Liebe kennenlernt und sich ihr nähert –
nicht aus Furcht vor ihrer Macht.
Um dies zu ermöglichen, verhüllt sich die Gottheit und schenkt dem Geschöpf
die Freiheit, sie anzuerkennen oder abzulehnen, ohne Zwang auszuüben. Nur durch
wachsende Klarheit und Einsicht in alle Dinge kann der Mensch die Weisheit und
Liebe der Gottheit erkennen, die Bewunderung und Hingabe in ihm erweckt.
Der Text betont die doppelte Natur des Menschen – materiell und spirituell
–, seine Entwicklung durch die Schöpfungshierarchie sowie das Lebensziel: die
freie Erkenntnis und Liebe zur Gottheit durch Selbsterkenntnis und spirituelles
Wachstum.
An die Menschenseele wird nun ein Führer gegeben; denn die reine Seele
allein, als vollendete und nicht weiter entwicklungsfähige Form, würde nichts
Höheres mehr über sich wahrnehmen, wenn nicht jetzt ein geistiges Fühlen – das Gewahrwerden einer Macht – in sie einflössen würde, die sie
demütigt und antreibt, ihren Schöpfer zu suchen. Dieser göttliche Funke, der
als Geist in sie gelegt wird*), muss sich gleichzeitig mit ihr entwickeln, sie
durch richtige Erziehung immer mehr durchdringen und durch Selbstunterricht in
alle Erkenntnis einführen. *) Seit Adam. Die Menschen vor Adam (die Voradamiten
oder Tiermenschen) waren eher wie die Tiere ausgerichtet.
Diese wahre Verbindung, die schon bei der Geburt des Menschen beginnt, ist
jedoch gewaltig gestört, denn während sich die Seele durch die unvermeidliche
körperliche Entwicklung entfaltet, verbleibt der innere Geist meist nur als
Embryo in ihr. Ziel des Lebens ist es jedoch, beide gleichzeitig zu entwickeln,
sodass das eine im richtigen Maße vom anderen abhängt.
Dieser Geistfunke stammt von Gott und enthält von Natur aus alle Wahrheit
und richtige Erkenntnis. Durch diesen Funken steht der Mensch in sehr enger
Verbindung mit dem Urgeist Gottes selbst und kann in
alle Geheimnisse und die Weisheit Gottes eindringen. Doch nur die wenigsten
Menschen haben davon auch nur eine Ahnung. Diese Ahnung, die manchmal nur
schwach aufleuchtet, zur vollen Gewissheit und zum Wissen werden zu lassen, ist
das Ziel Meines Amtes als Lehrer – und der Weg dorthin wird durch Meine Lehre
gewiesen.
Mein Jünger Johannes hat dir bereits gesagt, und ich bestätige es dir, dass
in den zwei Geboten „Liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst“
die zehn Gebote Moses enthalten sind – sowie alles Übrige, was der Mensch tun
muss, um den in ihm wohnenden Geistfunken zu wecken und immer mehr mit seiner
Seele zu verbinden. Denn nur durch einen Lebenswandel, der in Gottes Augen
richtig ist, und durch die Taten der Liebe für eure Nächsten findet ihr wahre
Genugtuung, inneren Frieden und den Sieg über eure Leidenschaften und den Tod.
Wer einmal die Überzeugung in sich trägt, die es ihm unmöglich macht, gegen
diese Gebote zu sündigen, spürt schon auf dieser Erde den wahren Himmel; denn
er ist unantastbar für alle Angriffe des Bösen, ein echter Herrscher in sich
selbst und aus sich selbst ein Herrscher über die Natur.
Da die Seele des Menschen alles in sich trägt, was auf der Erde an Wesen
existiert, ist es nur natürlich, dass, wenn der Geist einmal in diesem alles
umfassenden Haus die Herrschaft erlangt hat, er auch über die verschiedenen
Ebenbilder seines Ichs herrschen können muss – ebenso wie ein König, der sich
aus dem Sklavenstand zum Thron emporgearbeitet hat, nun ohne Widerstand über
all jene Stände herrscht, denen er selbst einst angehört hat. Vorausgesetzt
natürlich, der Mensch hat in sich das verbindende Glied der Kette gefunden, die
Meine Lehre ist, und beide Ketten zu einer einzigen, unzertrennlichen Kette
verbunden! Als letztes Glied der materiellen Kette, die lediglich die höchste
Seelenform und dadurch bestimmte menschliche Gestalt bildet, ist er ansonsten
vollkommen machtlos und nichts anderes als ein äußerst intelligentes, gut
entwickeltes Tier. Ich denke, ihr habt nun verstanden, warum ihr lebt und wie
ihr zur richtigen Einsicht gelangen könnt. Alle sagten erstaunt und aufmerksam
lauschend: „Ja, Herr und Meister.“
Doch Ich fuhr fort: „Nun bleibt noch die dritte Frage zu beantworten: Was
geschieht nach dem Tod mit dem Menschen? Wenn es so ist, wie Ich euch erzählt
habe, ist klar, dass der geistige Mensch, der sich im irdischen Leben nur unvollkommen
entwickeln kann, weil sein schwerer Körper eine große Last für ihn ist,
fortleben muss; denn niemand wird bei sich behaupten wollen, dass er in diesem
kurzen irdischen Leben bereits eine Vollendung erreicht hat, die ihn Gott sehr
nahebringt. Er bekommt es mit vielerlei Behinderungen im Körper und mit
Versuchungen aller Art zu tun, damit sein Charakter gestählt und sein Wille
geübt wird, sich selbst zu überwinden, das Gute immer mehr anzuziehen und
schlechte Neigungen abzulegen.
Erst jenseits tritt er in eine neue Welt ein, die ihm die Wunder Gottes und
des Universums immer mehr offenbart, wo er mit seinem geistigen Auge sieht und
nicht mit den schwachen körperlichen Augen, die ihm nur die materielle Welt
zeigen. Beim Betrachten der großen Wunderwerke erkennt er, dass echte Seligkeit
nur in der Tätigkeit liegt und dass Gott selbst das tätigste Wesen ist. Je nach
seinem Fortschritt wird ihm ein passendes Arbeitsfeld gegeben, das er mit
großem Eifer betreut; und in dieser Beschäftigung und beim Erleben seiner
nützlichen Arbeit wird er wahre Freude und höchste Seligkeit genießen.“
(GJE.11_009,05 ff.)
Über den freien Willen und Gottes Geduld
Wenn ihr wahrhaft an Mich glaubt, sollt ihr Meiner Weisheit, die alle Dinge
in der Welt leitet und entscheidet, nicht vorgreifen, sondern eure Geduld mit
der Meinen verbinden und bedenken: In dieser Welt, in der die Lebensfreiheit
auf die Probe gestellt wird, ist die Ordnung ein für alle Mal so, dass jeder
Mensch tun kann, was er will. Denn nur durch volle Willensfreiheit kann er das
ewige Leben seiner Seele erlangen. Und wie er einen vollen, freien Willen hat,
so besitzt er auch ein rechtes Denkvermögen und einen freien Verstand, mit
denen er alles Gute und Wahre unterscheiden und beurteilen kann; und er kann
dann auch entsprechend handeln, weil ihm die Kräfte dazu reichlich gegeben
sind.
Wenn der Mensch das Gute und Wahre erkennt, aber dennoch freiwillig im
Widerspruch dazu handelt, baut er sich sein eigenes Gericht und seine eigene
Hölle auf und ist dadurch hier auf Erden bereits ein vollkommener Teufel. Und
siehe, das ist dann die Strafe, die ein Mensch sich selbst auferlegt, ohne dass
Ich es will!
Haltet euch daher nicht mit Meiner großen Geduld und Liebe für die Menschen
auf, egal ob diese gut oder schlecht sind. Ich warne sie nur, wenn sie auf dem
falschen Weg sind; aber trotz Meiner Allmacht kann Ich sie nicht festhalten und
auf den rechten Lebensweg zurückführen, denn das würde bedeuten, ihnen den
freien Willen zu nehmen, was dasselbe wäre, als wenn Ich ihnen das Leben der
Seele und des Geistes entziehen würde.
Darum muss jeder wandeln, wie er will! Es ist für den Menschen mehr als
genug, dass er die Wege kennt und die festen Folgen, die er zu erwarten hat,
seien sie nun gut oder schlecht. Denn jeder Mensch, der seine Vernunft und
seinen Verstand gebraucht, weiß, was gemäß den Offenbarungen aus den Himmeln
richtig und gut – aber auch was falsch und schlecht ist. Die Wahl, danach zu
handeln, liegt ganz bei seinem freien Willen.
Wenn ihr dies gut versteht, dürft ihr nicht über Meine Geduld und Langmut
klagen; denn auf dieser Erde, die ein Erziehungshaus für die zukünftigen wahren
Kinder Gottes ist, muss das nun einmal so sein, und es kann unmöglich anders
sein. Wo die Menschen berufen sind, völlig gottgleiche Geister und Wesen zu
werden, muss umgekehrt auch ihre Willensfreiheit einen endlos freien Spielraum
haben, um ein vollkommener Teufel zu werden, der dann aber durch eigene Schuld
auf elende Weise das tragen muss, was er durch seinen eigenen Willen selbst
verursacht hat.
Ich werde darum niemanden für seine schlechten Taten durch Meine Allmacht
richten und strafen; das tut jeder selbst und auch das unabänderliche Gesetz
Meiner ewigen Ordnung, die jedem, über den Weg des Lichts der vielen
Offenbarungen, bereits vom ersten Beginn menschlichen Daseins auf dieser Erde
an bekannt ist.
Wenn ihr dies nun verstanden habt, übt euch dann in Geduld und habt ein
wahres Mitleid nicht nur mit den kranken Körpern, sondern noch mehr mit den
kranken und blinden Seelen der Menschen. Dann werdet ihr auf die am wenigsten
schwierige und schnellste Weise zu wahrer und voller Gottähnlichkeit werden und
sein wie die Engel im Himmel! (GJE.07_202,05 ff.)