Der Mond
1. Kapitel –
Wesen und Bestimmung des Mondes.
1. Mai 1841
[Mo.01_001,01]
Was den Mond betrifft, so ist dieser ein fester Weltkörper, mehr noch als eure
Erde, und ist gewisserart ein Kind der Erde, d. h. er ist aus den Bestandteilen
der Erde gebildet.
[Mo.01_001,02]
Er ist der Erde darum beigegeben, daß er die von der Erde ausströmende
magnetische Kraft auffange und dieselbe dann nach Bedürfnis der Erde wieder
zurückführe, aus welchem Grunde sein Lauf um die Erde auch eben so
ausschweifend ist. Denn dieser richtet
sich allezeit nach der größeren oder kleineren Quantität des anwesenden
Magnetismus auf der Erde; im Gegenteile aber richtet sich auch der Lauf des
Mondes, als Träger dieses Stoffes, nach dem allfälligen Bedürfnisse der Erde
nach diesem natürlichen Lebensstoffe. – Das ist die Hauptverrichtung des
Mondes.[4]
[Mo.01_001,03] Wenn ein Planet kleiner ist
als die Erde, so braucht er keinen Mond. Die Stelle des Mondes vertreten dann sehr
hohe Gebirge, was z.B. bei der Venus, bei dem Merkur, bei dem Mars und noch
einigen viel kleineren Planeten der Fall ist; aber was die größeren Planeten
sind, so müssen diese mit einem oder auch mehreren Monden versehen sein, um
ihren Planeten den schon bekanntgegebenen Dienst zu leisten.
[Mo.01_001,04] Auch im Monde gibt es, wie auf
der Erde, Menschen und zahllose andere Geschöpfe, nur mit dem Unterschiede, daß
kein Mond auf der dem Planeten beständig zugekehrten einen und derselben Seite
bewohnt ist, sondern allezeit auf der entgegengesetzten, weil er auf der dem
Planeten zugekehrten weder mit Luft, noch Wasser, noch Feuer nebst allem für
das organische Leben Notwendigen versehen ist.
[Mo.01_001,05] Ihr werdet fragen: Warum also?
– Die Antwort lautet: Weil kein Mond eine Bewegung um seine eigene Achse haben
darf, – und das darum, weil die Anziehung der Erde oder überhaupt jedes
Planeten in der Entfernung seines Mondes noch zu mächtig wirkend ist. Hätte nun
der Mond eine Rotation um seine eigene Achse – und wäre diese noch so langsam
–, so würde durch eine solche Rotation fürs erste die anziehende Kraft des
Planeten in dem Verhältnisse verstärkt, in welchem Verhältnisse die Rotation
des Mondes zur Rotation des Planeten stünde, d.h.: wenn der Mond in seiner
Rotation der Rotation der Erde sich zeitgemäß annähern würde, daß er sich
ungefähr in derselben Zeit um seine Achse drehte wie der Planet, so würde
vermöge der dadurch wachsenden Anziehungskraft des Planeten sich bald ein Teil
um den andern vom Monde ablösen und zur Erde stürzen. Es wäre dem Monde mit
einer so langsamen Rotation, wie sie der Planet hat, in Hinsicht auf die
verhältnismäßige Verteilung der Luft, des Wassers und somit auch des Feuers
sehr wenig gedient, und es würde alles dieses noch so sein wie jetzt, nämlich
auf der dem Planeten entgegengesetzten Seite. Denn das Wasser, die Luft und das
Feuer müssen auf einem Weltkörper durch eine verhältnismäßige Geschwindigkeit
durch die hervorragenden Berge herumgetrieben werden; ansonst würden diese fürs
organische Leben so notwendigen Elemente auf der dem Zentralkörper
entgegengesetzten Seite vermöge der Schwungkraft und ihrer eigenen flüssigen
Schwere sich anhäufen.[5]
[Mo.01_001,06] Wenn aber solches der Fall
wäre, da fraget euch selbst: Wer könnte da auf einem solchen Weltkörper leben?
Er würde nur solange leben, als er sich unter der Luft- und Wasserschicht
befinden würde; wenn aber der Planet sich aus dieser hinausdrehen würde, so
müßte er notwendig in dem luftleeren Raume ersticken, wenn er nicht schon
früher unter der Wasserschicht ersoffen wäre.
[Mo.01_001,07] Nun sehet, das wäre auch bei
dem Monde der Fall, hätte er eine nur so langsame Rotation wie die Erde! Er
müßte, um die Luft, das Wasser und das Feuer gehörig auf seiner Oberfläche zu
verteilen, eine fünfmal schnellere Drehung um seine Achse haben, d.h.: er müßte
sich in 24 Erdstunden fünfmal um seine eigene Achse drehen, was dann nichts
anderes als die schon nach fünf Jahren gänzliche Vernichtung des Mondes zur
Folge hätte, und die Erde wäre übersät mit lauter Mondpartikeln. Welche Wirkung
aber die vom Monde auf die Erde aufstürzenden Massen hervorbringen würden, das
brauche Ich euch gar nicht näher zu bestimmen, sondern sage nur so viel, daß da
niemand am Leben bleiben würde.
[Mo.01_001,08] Wenn ihr dieses ein wenig
verständig beachtet, so werdet ihr wohl begreifen, warum der Mond keine
Umdrehung hat und daher auch stets nur eine und dieselbe Seite der Erde
zukehrt.
[Mo.01_001,09] Damit ihr aber den Mond und
seine Bewohnbarkeit vollends begreift, so müßt ihr wissen, daß der Mond
eigentlich nur auf der dem Planeten zugekehrten Seite „Mond“ ist; auf der
entgegengesetzten Seite aber ist er nicht „Mond“, sondern ein ganz fester
Erdteil. Was also „Mond“ ist, das ist nicht fest, sondern sehr locker, beinahe
so wie ein etwas gefesteter Schaum des Meeres, dessen festere Teile gleich
Bergen hervorragen, dessen weichere Teile aber nischen- und trichterartig gegen
das Zentrum des ganzen Weltkörpers eingesunken sind. In einigen von denen
befindet sich noch nicht weichen könnende atmosphärische Luft, welche sich,
durch starke Fernrohre betrachtet, fast so ausnimmt, als wäre sie ein Wasser.
Alle Höhepunkte, wie auch die weniger tiefen Trichter, haben durchaus keine
atmosphärische Luft, sondern nur Äther, wie er sich in den freien Räumen
zwischen der Sonne und den Planeten vorfindet. Diese Seite des Mondes ist daher
auch von keinem organischen Wesen bewohnt, sondern ihre Bewohner sind geistiger
Art. Diese geistigen Bewohner waren bei Leibesleben lauter Weltsüchtige und
werden nun zur Besserung dahin gebannt, damit sie sich auf diese Art an der
Welt noch hinreichend vollgaffen können. Und wenn sie dann nach bedeutenden
Zeitlängen gewahr werden, daß die Weltangafferei keine Früchte trägt und sie
den dahin gesandten Lehrern Gehör leihen, so werden die Tatwilligen alsobald
von da zu einer höheren, beseligenden Freiheitsstufe geführt; die weniger
Folgsamen aber werden auf der Erde des Mondes wieder mit Leibern angetan und
müssen sich da sehr armselig und kümmerlich durchbringen. Sie haben da fürs
erste mit der großen Kälte und Finsternis zu kämpfen, fürs zweite aber dann
auch mit einer unerträglichen Hitze; denn da dauert die Nacht beinahe 14 volle
Erdtage und ebensolang auch wieder der Tag. Gegen das Ende einer jeden Nacht
wird es dort so kalt wie auf der Erde am Nordpole, und um die Mitte und gegen
das Ende des Tages wird es so heiß, daß da kein lebendes Wesen es auf der
Oberfläche aushalten kann.
[Mo.01_001,10] Die Bewohner, wie auch alle
anderen organischen Wesen, hausen da in der Erde. In dieser unterirdischen
Wohnung müssen sie sowohl die Hälfte des Tages über zubringen, als auch die
Hälfte der Nacht; es gibt daher dort auch keine Häuser und Städte, so wie bei
euch, sondern die Wohnungen sind in den Tiefen der Monderde, hie und da auch in
Gebirgsklüften und Höhlen.
[Mo.01_001,11] Es gibt da keine Bäume, die
Früchte tragen, sondern nur Wurzelgewächse, wie z.B. bei euch die Erdäpfel,
Rüben, Möhren und dergleichen. Diese Gewächse werden im Anfange des Tages
angepflanzt und zu Ende des Tages vollends reif. Im Anfange der Nachtdämmerzeit
kommen die Menschen aus ihren Höhlen hervor und ernten diese Früchte und
bringen sie alsbald in ihre unterirdischen Wohnungen, wovon sie sich dann die
Nachtzeit hindurch ernähren, wie auch den ganzen folgenden Tag hindurch.
[Mo.01_001,12] Von den häuslichen Tieren ist
bloß eine Art Erdschaf zu bemerken, welches diesen Bewohnern das ist, was den
Nordländern das Rentier.
[Mo.01_001,13] Es gibt sowohl in den Flüssen
als auch in den Seen, die auf der Monderde ziemlich häufig vorkommen, noch eine
Menge Wassertiere, wie auch einige kleine Arten von Vögeln – nicht unähnlich
euren Sperlingen –, wie auch ganze Heere von Insekten und anderen ein-, zwei-,
drei- und vierfüßigen Erdtierchen, deren Zweck und nähere Beschreibung ihr bei
einer anderen Gelegenheit vernehmen werdet. Vorderhand genüge euch das Gesagte.
[Mo.01_001,14] Vorzüglich aber hütet euch,
Meine Lieben, davor, daß ihr nicht auch dereinst Bewohner dieses armseligen
Weltkörpers werden möget! Denn dieses gelbschimmernde Schulhaus des Lebens ist
ein gar mühseliges Schulhaus, und es wäre besser, auf der Erde in einem Tage
vierzehnmal zu sterben, als dort nur einen Tag lang zu leben; denn die Bewohner
sind dort viel schlechter daran als die hier in den Friedhöfen Begrabenen.
Diese wissen nicht, daß sie begraben sind; aber die Bewohner des Mondes müssen
in ihren Gräbern leben, werden dort auch oft in ihren unterirdischen
Behausungen entweder durch Einstürze oder durch plötzliche Wasserüberflutungen
begraben.
[Mo.01_001,15] Was noch fernere
bemerkenswerte Erscheinungen sowohl der Monderde als auch deren Bewohner
anlangt, so werde Ich euch dieses bei einer nächsten Gelegenheit kundgeben. Für
jetzt aber denket über das Gesagte nach und sehet vorzüglich darauf, daß ihr
den Frühling eures Lebens wohl erkennet und benützet, – so werdet ihr selbst an
dem Monde, wenn dieser vollends vor euch enthüllt wird, ein ganz bedeutendes
Zeichen des Menschensohnes am Himmel erblicken! Amen. Das sage Ich zu euch, nun
kommend auf den Wolken des Himmels. Amen, Amen, Amen.
2. Kapitel – Die Menschen auf dem Monde.
8. Mai 1841
[Mo.01_002,01] Was die Menschen auf dem Monde
betrifft, so sind sie, wie auf der Erde, beiderlei Geschlechts, wurden aber
erst um tausend Jahre später durch einen bevollmächtigten Engel erschaffen.
[Mo.01_002,02] Was ihre natürliche Größe
anbelangt, so sind sie nur etwas über zwei Schuhe groß und haben viel
Ähnlichkeit mit den nordischen Zwergen. Sie haben einen sehr großen Bauch, der
bei ihnen eine doppelte Verrichtung hat: die eine dient zur Verdauung der
Speisen durch den gewöhnlichen Speisemagen, die andere vermöge eines zweiten
Magens zur Ansammlung einer Art leichten Gases, welches ihnen einen dreifachen
Vorteil gewährt.
[Mo.01_002,03] Fürs erste macht dieses Gas
sie leicht, so daß sie wegen des Mangels an Bauholz, vermöge dessen sie keine
Brücke über die Flüsse erbauen können, sehr leicht über jeden Fluß
hinwegspringen können. Und sind Flüsse von großer Breite oder auch hie und da
Binnenmeere vorhanden, so können sie, einem Fische gleich, leicht über die
Oberfläche hinwegschwimmen. – Das ist also der erste Vorteil dieses Magens.
[Mo.01_002,04] Was den zweiten Vorteil
betrifft, so besteht dieser darin, daß sie durch das Ausstoßen dieser Luft eine
Art Knalltöne hervorbringen, vermöge welcher sie sich gegenseitig ihre
Gegenwart in den unterirdischen Gemächern kundgeben. Auch benützen sie diese
Luft zur stärkeren Außensprache, welche freilich nur im höchsten Grade mager
ist; denn ihre Lungensprache ist äußerst schwach und still, und diese Sprache
führt dann nur der in den Mondmenschen zur Besserung eingeschichtete Geist. Der
eigentliche Mondmensch hat anfänglich einen Abscheu vor dieser Sprache; wenn
aber der Geist nach und nach besser wird, so befreundet sich dann die Seele des
Mondmenschen mit dem zu bessernden, innewohnenden Geiste eines Erdmenschen, bis
endlich die Seele des Mondmenschen mit dem gebesserten Geiste vollkommen eins
wird, welcher Zustand dann auch den meistens schmerzlosen Tod des Mondmenschenleibes
herbeiführt.
[Mo.01_002,05] Ein dritter Vorteil dieser
Magenluft ist der, daß sie sich durch ein häufiges Ausströmenlassen in der
kalten Nachtzeit ihre unterirdischen Höhlen erwärmen, welches auf folgende Art
geschieht: Da ihre Wohnhöhlen fast so aussehen, oder vielmehr von innen also
ausgehöhlt sind, daß sie beinahe einer stumpfen, großen Glocke gleichen, deren
Eingang aber vom Boden aus durch eine Art Treppe bewerkstelligt ist, so sammelt
sich dann diese ausgestoßene, leichte Luft unter dieser luftdichten Wohnglocke,
macht ihre Wohnung erträglich warm und hindert das freie Einströmen der
äußeren, überaus schwerkalten atmosphärischen Luft. Diese wird nur insoweit von
diesem leichten Gase aufgenommen, als es zum physischen Leben unumgänglich nötig
ist. – Denselben Zweck hat diese Magenluft auch in den unerträglich heißen
Tagesperioden, in welchen sich diese Mondmenschen ebenfalls unter die Erde
begeben müssen, nur mit dem Unterschiede, daß dieses Gas durch die Einwirkung
des Speisemagens in ein kühlendes Sauerstoffgas verwandelt wird, wodurch es
dann auch ihre Glockenwohnung bei mehrfältigem Ausstoßen vor dem Eindringen der
heißen Luft schützt. – Das ist also der dritte Vorteil des Windmagens.
[Mo.01_002,06] Eine andere Eigentümlichkeit
dieser Menschen ist die, daß ihr Auge von doppelter Eigenschaft ist. Die erste
Eigenschaft ist die des Schauens, wie bei euch. Die zweite Eigenschaft aber ist
diese, daß ihr Auge in ihren finsteren Gemächern ihnen auch zur Leuchte dient,
welche Eigenschaft selbst auf der Erde, sowohl bei gewissen Tieren, als auch in
manchen Gegenden bei Menschen angetroffen wird, und zwar bei denjenigen, deren
Augenpupille rot ist, wie bei den Kaninchen. Eine noch andere Eigentümlichkeit
bei diesen Menschen ist das überaus scharfe Gehör, vermöge dessen sie das
leiseste Geräusch von einer bedeutenden Ferne ganz leicht zu vernehmen imstande
sind, weshalb denn auch ihre Ohrentrichter bedeutend größer und kompakter sind.
[Mo.01_002,07] Das männliche Geschlecht ist
viel stärker denn das weibliche; aber nicht in dem Erdverhältnisse, sondern in
einem solchen, wie die Kraft eines zehnjährigen Kindes sich verhält zur vollen
Manneskraft. Daher sind auch diese Mondmänner von der größten Zärtlichkeit
gegen ihre Weiber und tragen dieselben im buchstäblichen Sinne nicht nur auf
den Händen, sondern also auf den Achseln, daß die Füße an beiden Seiten des
Halses auf der Brust herabhängen, aus welchem Grunde dort auch immer zwei
Menschen übereinander gesehen werden.
[Mo.01_002,08] Das Weib darf dort beinahe gar
keine Arbeit verrichten und wird vom Manne gefüttert, und so zwar, daß der Mann
sogar die Speise vorher recht durchkaut und dieselbe dann von seinem Munde in
den des Weibes gibt. Von seinen Achseln kommt sie außerhalb der Wohnung nur bei
Gelegenheit der Notdurft und in ihrer hohen Schwangerschaft, wenn sie der
Entbindung nahe ist. Ein Weib gebiert alldort für ihr ganzes Leben nur zweimal,
einmal am Tage und einmal in der Nacht, bringt aber allezeit vier lebendige
Kinder auf die Welt, und zwar am Tage vier Männlein und in der Nacht vier
Weiblein. Die Kinder können alsobald gehen, und es werden die Männlein alsobald
angewöhnt, das Weiblein zu tragen. Daß dort die Kinder auch manchmal schon als
Kinder sterben, ist eine ebenso natürliche Sache wie auf der Erde. Von fremden
Geistern werden sie erst dann eingenommen, wenn sie hundert Tage und darüber
alt sind.
[Mo.01_002,09] Alle diese Mondmenschen haben
ein zweites Gesicht und werden von innen aus von den dahin beschiedenen
Engelsgeistern in der Erkenntnis Gottes unterrichet. Der Unterricht, den sie da
erhalten von den Engelsgeistern, ist zugleich auch ein Unterricht für den
innewohnenden Erdmenschengeist, und so ergänzt dann die Mondmenschenseele den
Schaden, welchen ein Mensch auf der Erde durch seine übertörichte
Weltsüchtigkeit an seiner Seele erlitten hat. So hat dann solch ein im Monde
hart gebesserter Mensch eine geflickte Seele und wird sich eben dadurch ewig
von den vollkommen reinen Geistern unterscheiden. Er wird nie in ihre freien
Gesellschaften treten können, sondern sich zu ihnen geradeso verhalten wie der
Mond zur Erde, der zwar die Erde beständig begleitet, sich aber ihr doch nie
nähern kann wie ein Freund seinem Freunde.
[Mo.01_002,10] Allein diejenigen Geister, bei
denen es nicht nötig war, in einen Mondmenschen eingelegt zu werden, daß sie
sich besserten, sondern die als Geister schon einen allerbarsten Abscheu vor
der Erde bekamen, werden von da weg in höhere Regionen geführt und können in
das Kinderreich, als die höchste Seligkeitsstufe für sie, aufgenommen werden.
Jedoch höher zu gelangen, wäre für sie unmöglich; denn ihre beschränkte
Eigenschaft wäre nicht fähig, einen höheren Zustand zu ertragen, sowenig als es
ein Mensch auf der Erde, solange er noch im Leibe lebt, im feinsten Äther
lebend aushalten könnte.
[Mo.01_002,11] Sehet, das ist das Los der
besten weltgesinnten Menschen! Denn wer der Welt aus Liebe zu Mir nicht
freiwillig entsagt, sondern aus dem das Welttümliche durch solche
außerordentliche Zwangsmittel ausgetrieben werden muß vermöge Meiner großen
Erbarmung, der hat nicht frei gehandelt; wer aber nicht frei handelt, der
handelt wie ein Sklave. Wer aber kann die gezwungene Handlung eines Sklaven als
eine eigenverdienstliche ansehen? Wenn aber der Sklave seine ihn nötigende
Bedingung erfüllt, so ist seine Handlung dessenungeachtet so viel wert, daß man
ihm ein Brot zur Nahrung reicht, damit er auch lebe, insoweit er gewisserart
notgedrungen willig gearbeitet hat.
[Mo.01_002,12] Aus diesem werdet ihr nun vollends
entnehmen können, warum solche Wesen keiner höheren Seligkeit fähig sind als
wie die Kinder im Übertritte aus dem irdischen Leben in das geistige, wonach
sie selbst noch nichts als Sklaven des blinden Gehorsams sind und auch sein
müssen.
3. Kapitel – Die Tiere auf dem Monde.
9. Mai 1841
[Mo.01_003,01] Was die Tiere auf dem Monde
betrifft, so gibt es derselben, wie schon im Anfange bemerkt wurde, so wie auf
der Erde viele Arten und Klassen, sowohl in der Luft, als auch in der Monderde
und im Wasser.
[Mo.01_003,02] Unter allen diesen Tieren gibt
es nur eine zahme Gattung unter dem Namen – nach eurer irdischen Sprache –
„Mondschaf“; alle anderen Gattungen sind nicht zahm, d. h. sie befinden sich
nicht dienstbar in der menschlichen Gesellschaft. Dieses Mondschaf ist – wie
schon bemerkt – den Mondbewohnern das, was das Rentier den nordischen Völkern
ist. Seine Gestalt ist folgende: Der Leib ist ganz vollkommen rund, wie ein
gefüllter Mehlsack. Dieser Leib wird von vier Füßen getragen, welche nicht länger
als eine Spanne und mit vier Klauen versehen sind. Der Kopf ist vollkommen dem
eines Erdschafes ähnlich und sitzt auf einem eine Elle langen und eine
Viertelelle von oben nach unten breiten Halse. Es hat zwei lange Ohren, ähnlich
denen eines Esels. Auf dem Kopfe trägt es nur ein Horn, welches nach allen
Richtungen mit fingerlangen, sehr spitzigen Auswüchsen versehen ist. Ferner hat
es noch einen Schweif – ähnlich dem eines Löwen –, welcher am Ende mit einem
reichen Haarbüschel versehen ist. Seine Farbe ist weiß, und der ganze Tierleib
ist wie bei euren Schafen mit Wolle versehen.
[Mo.01_003,03] Nun, was ist wohl seine
Nützlichkeit? – Seine Nützlichkeit ist für den Mondbewohner von der größten
Bedeutung. Fürs erste nährt es ihn mit seiner reichlichen, goldgefärbten Milch.
Fürs zweite bereitet der Mondmensch aus dessen reichlicher Wolle alle seine
Kleidung, welche in einer Art Hemd und Mantel besteht und beim männlichen und
weiblichen Geschlechte gleich ist. Fürs dritte lockert es mit seinem Horne die
Erde auf, und die Menschen werfen dann in das aufgelockerte Erdreich den Samen
ihrer Wurzelfrüchte, welche Früchte dann – wie schon gesagt – in der kurzen
Zeit von euren vierzehn Tagen zur vollen genußbaren Reife gelangen. Ein solches
Tier wird nicht selten dreihundert Mondtage alt. Wenn es stirbt, so wird ihm
das Fell abgezogen und wird zu Betten verwendet in den unterirdischen
Gemächern; das Fleisch aber wird auf einen Insektenhaufen geschleppt, welche
Insekten euren Ameisen nicht unähnlich sind. Diese Insekten verzehren in kurzer
Zeit alles Fleisch von den Knochen. Wenn nun dieser Akt vor sich gegangen ist,
alsdann kommen wieder die Menschen, nehmen die Knochen samt dem Horne mit sich
und verfertigen ihre nötigen Werkzeuge daraus. – Das ist die gesamte Nützlichkeit
dieses zahmen Tieres.
[Mo.01_003,04] Es gibt noch eine Menge Tiere
auf der Monderde, welche mehr oder weniger Ähnlichkeit mit den Tieren der Erde
haben; nur sind sie alle viel kleiner als die Tiere auf der Erde und auch
sämtlich kleiner als das schon bekannte Schaf, welches alldort auch gleichsam
der König unter den Tieren ist. Unter allen den Monderdtieren sind neben dem
Schafe besonders zwei bemerkenswert, und das ist fürs erste der dreifüßige
Maulaffe und fürs zweite der einfüßige Ducker und Springer.
[Mo.01_003,05] Der dreifüßige Maulaffe ist
von der körperlichen Größe einer Katze. Sein Kopf gleicht dem eines Erdaffen,
nur mit dem Unterschiede, daß sich sein Maul bis auf den halben Hals spaltet.
Seine zwei vorderen Füße gleichen vollkommen den Affenpfoten; was aber seinen
einzelnen Hinterfuß betrifft, so gleicht dieser einem Elefantenrüssel und kann
bis auf eine Spanne zusammengezogen werden – allwann er auch zum ganzen Tiere
ganz unverhältnismäßig dick wird –, kann aber im entgegengesetzten Falle zu einer
Länge von drei Klaftern ausgedehnt werden.
[Mo.01_003,06] Ihr werdet nun freilich
fragen: „Wozu eine so sonderbare Gestalt einem Tiere?“ – Allein es soll nicht
schwer werden, euch dieses Rätsel zu lösen. Seht, wie schon bekannt, ist die
Temperatur des Mondes eine ganz andere als die Temperatur der Erde; denn im
Verlaufe eines Zeitraumes von nahezu achtundzwanzig Erdtagen wird die Monderde
von klaftertiefem Schnee überdeckt, darauf in den nächsten sieben Erdtagen oft
nach allen Richtungen überschwemmt und bald darauf wieder von einer
unausstehlichen Sonnenhitze heimgesucht.
[Mo.01_003,07] Nun sehet, diese erwähnte Tier
muß sich seiner Bestimmung wegen mit seinem Kopfe stets in der atmosphärischen
Luft befinden, daher es eben dieses rüsselartigen Fußes bedarf; denn zur Zeit
der Nacht oder des Winters steht es auf seinem verlängerten Fuße, über die
Oberfläche des Schnees hinausreichend, lockt da eine Gattung Nachtvögel, welche
den kleinen Erdfledermäusen nicht unähnlich sind, in seine Nähe, fängt sie da oder
läßt sie vielmehr in sein weit aufgesperrtes, wohltätige Wärme hauchendes Maul
fliegen und verzehrt sie da auch alsobald. – Sehet, das ist die eine Bestimmung
dieses langen Fußes.
[Mo.01_003,08] Wenn aber der Schnee zu
schmelzen angefangen hat und das Wasser oft mehrere Schuh hoch die meilenweiten
Ebenen, welche auch auf der bewohnbaren Seite des Mondes von hohen
Gebirgsringen umfaßt sind, überdeckt, alsdann muß dieses Tier ja wieder vermöge
dieses Hinterfußes mit seinem Leibe über die Oberfläche des Wassers reichen,
damit es nicht ersäuft. Zur Zeit der Tageshitze aber begibt es sich in die
Flüsse und steht da oft mehrere Tage lang also im Wasser, daß es sich mit dem
Kopfe und den zwei Pfoten über der Oberfläche des Wassers befindet. Steigt das
Wasser, so verlängert es seinen Fuß, und fällt dasselbe, so macht es den Fuß in
dem Verhältnisse eben auch kürzer. Versiegt ein solcher Fluß oft ganz, alsdann
bewegt es sich also weiter, daß es sich durch die möglichste Verlängerung des
Hinterfußes vorwärtsschiebt. Dann hält es sich mit den Vorderfüßen so lange
fest an irgendeinem Erdgegenstande, bis es den Rüsselfuß vollends an sich
gezogen hat, worauf es dann wieder die vier langen Zehen am Ende des
Hinterfußes in die Erde steckt und sodann wieder den ganzen Leib ziemlich
behende vorwärtsschiebt. Diesen Gang setzt es so lange fort, bis es wieder ein
Wasser erreicht hat, wo es sich dann schnell wieder mit dem Hinterfuße in
dasselbe auf die früher erwähnte Art begibt. Seine Nahrung am Tage ist eine Art
von fliegenden Krebsen, die euren sogenannten Hirschkäfern nicht unähnlich
sind.
[Mo.01_003,09] Was den sogenannten Springer
und Ducker, der im Besitze nur eines Fußes ist, betrifft, so ist dieses Tier
nichts anderes als eine Abart des schon bekannten Maulaffen; nur besitzt er bei
weitem mehr Elastizität als der Fuß des Maulaffen, aus welchem Grunde seine
Fortbewegung auch eine springende ist. „Ducker“ heißt er darum, weil er sich so
zusammenzuziehen imstande ist, daß er in seinem Duckzustande das Aussehen hat,
als läge ein mittelgroßer Laib Brot auf der Erde. Wenn er aber dann springen
will, so dehnt er sich plötzlich zu einer Länge von fünf Ellen aus. Durch
dieses plötzliche Ausdehnen wirft er sich dann zu einer Höhe von zwei bis drei
Klaftern – und zwar allezeit in einer bogenartigen Richtung – vorwärts, so daß
ein solcher Sprung nicht selten eine Weite von sechs bis sieben Klaftern
erreicht. Dieses Springen setzt dieses Tier oft sehr schnell nacheinander fort
und macht, besonders am Tage, eine so schnelle Bewegung, daß es jeden Vogel in
der Luft einholt. Seine Nahrung ist gleich der des Maulaffen, und so auch seine
Wohnung, so bewohnen solche Tiere nebst noch vielen anderen nur die Ebenen und
kommen mit den Menschen in gar seltene Berührung, weil diese nur auf den Gebirgstriften
wohnen.
[Mo.01_003,10] Auf den Bergen aber finden
sich außer dem bekannten Schafe und den ameisenartigen Insekten nur noch eine
bedeutende Anzahl kleiner Vögel vor, deren größte kaum die Größe von euren
Sperlingen erlangen; die kleinsten aber sind kaum etwas größer als die Fliegen
bei euch.
[Mo.01_003,11] Die Gewässer sind ebenfalls
belebt von allerlei Gattungen von Fischen, Würmern und vorzugsweise sehr vielen
Krebsen, davon schon früher eine fliegende Gattung erwähnt wurde. Auch gibt es
Schaltiere wie in den Meeren der Erde. Unter den Schaltieren ist vorzugsweise
die sogenannte „blaue Kugel“ merkwürdig, weil das ein Tier ist, das
seinesgleichen auf Erden nicht findet. Diese blaue Kugel kann sich in zwei
Halbkugeln teilen, welche mit kleinen Muskelbändern aneinander hängen. Es nährt
sich auf die Art, daß es Würmer zwischen seinen beiden Halbkugeln zerquetscht,
den Saft in sich saugt und die Larven dann wieder mit Wasser wegspült. Diese
„blaue Kugel“, welche die Größe einer großen Melone hat, besitzt noch die
Eigenschaft, daß sie zur Nachtzeit einen so starken Glanz auf ihrer Oberfläche
bietet, daß dadurch die Flüsse und Seen einen viel helleren Schimmer bekommen
als das Meer der Erde unter den Wendekreisen; denn ihr werdet wohl noch nicht
wissen, daß das Meer unter den Wendekreisen der Erde so stark leuchtet wie in
eurer Gegend der Schnee bei vollem Monde.
[Mo.01_003,12] Alle übrigen Tiere des Mondes
würden für euch weniger von irgendeinem Interesse sein, da sie fürs erste mehr
oder weniger Ähnlichkeit mit den Tieren der Erde haben – nur daß sie im
Verhältnisse viel kleiner sind – und fürs zweite, weil ihr deren geistige
Bestimmung für jetzt noch unmöglich erfassen könntet; und könntet ihr sie auch
erfassen, so würde sie euch ebensowenig nützen wie der Schnee, welcher tausend
Jahre vor Adam auf die Erde gefallen ist.
4. Kapitel – Die Oberfläche und die Geister
des Mondes.
11. Mai 1841
[Mo.01_004,01] Nachdem wir alle die Einwohner
dieses Weltkörpers kennengelernt haben, wollen wir noch seine beiderseitige
Oberfläche ein wenig näher beschauen.
[Mo.01_004,02] Was die der Erde zugekehrte
Seite betrifft, so könnt ihr dieselbe vermöge einer gut vergrößernden
Augenwaffe schon ganz wohl erkennen und ersehen, daß dieser Weltkörper keine
ebene Oberfläche, sondern eine sehr gebirgige zum Beschauen darbietet. Er ist
von der Erde nur dadurch unterschieden, daß er fürs erste keine
Wasseroberfläche zeigt und fürs zweite, daß seine Gebirge nicht so wie die der
Erde strahlenmäßig und kettenförmig von den bedeutendsten Höhepunkten
auslaufen, sondern als Ringe nur sich darstellen, indem sie dadurch größere
oder kleinere Flächen einschließend umfangen. Es gibt zwar wohl auch einzelne
Gebirgszüge, welche denen der Erde gleichen, sowohl in Hinsicht der Strahlen-,
wie auch der Kettenform; allein sie sind viel seltener, und es sind die in
Strahlenform auslaufenden eigentlich keine Gebirgsrücken, sondern eine
ununterbrochene Reihe von kleinen Ringwällen, deren Durchmesser kaum mehr als
dreißig Klafter ausmacht. Solch kleine Ringwälle laufen dann, zu vielen
Tausenden aneinandergereiht, in einer geraden Linie fort, und zwar von
irgendeinem großen Ringwalle bis wieder irgend hin zu einem größeren oder
ebenso großen oder öfter auch kleineren Ringwalle und bilden auf diese Weise
gewisserart Straßen zwischen all den Ringwällen. Wenn ihr durch irgendein mehr
vergrößerndes Fernrohr diesen Weltkörper beobachten wollt, so werdet ihr diese
Ausläufer als eine Art heller, schimmernder Strahlen entdecken und sehen, wie
sie von einem noch helleren und auch höheren Punkte nach allen Richtungen sich
ausbreiten. Ihre zellenartige Anreihung hat manche Astronomen auf die irrige
Meinung gebracht, daß sie vorgaben, Vegetation alldort entdeckt zu haben,
während sie doch auf der ganzen der Erde zugekehrten Seite nicht zu entdecken
ist und auch unmöglich je zu entdecken sein wird, weil es alldort keine gibt.
Ebendasselbe ist auch der Fall mit den noch seltener vorkommenden kettenartigen
Gebirgszügen, da sie entweder selbst aus lauter solchen Ringwällen bestehen,
welche gleich unförmlichen Zuckerhüten aneinandergereiht sind und auf ihren
Spitzen kleine, ringförmige Vertiefungen haben, oder solche aneinandergereihte,
klippenartige Aufdämmungen umfangen eine größere, oft über fünfzig Meilen weite
Fläche, welche selbst aus lauter größeren und kleineren Ringwällen besteht, in
welchen selbst oft noch einzelne Stumpfkegel mit kleinen, ringartigen
Vertiefungen vorkommen; ja selbst die kleinen Wälle und Abdachungen der Kegel
sind oft noch mit solchen kleinen Ringwällen versehen.
[Mo.01_004,03] Nun möchtet ihr wohl wissen,
wozu dies alles auf einer unbewohnten Weltkörperoberfläche!
[Mo.01_004,04] Wie wär's denn, so Ich euch
fragen möchte: Wozu all die Pünktchen, Härchen und allerverschiedenartigsten
Einkerbungen bei all den Laubblättern der Bäume, Sträucher und Pflanzen, und
dergleichen Varietäten bei all den übrigen Gegenständen der belebten und
unbelebten Schöpfung? – Sehet, da gäbe es gar vieles zu erklären, besonders
wenn ihr dazu noch bedenket, welch eine unberechenbar großartige Bedeutung ein
einzelnes Härchen auch nur einer allerunbedeutendsten Moospflanze in sich
birgt!
[Mo.01_004,05] Sehet, also ist es wohl auch
um so mehr mit einer halben Oberfläche eines ganzen Weltkörpers der Fall; daher
kann Ich euch darüber nur etwas im Allgemeinen sagen. Alle diese Ringwälle auf
der Mondoberfläche sind fürs erste zur Aufnahme des Erdmagnetismus so gestellt,
daß die Ränder der Wälle gewisserart Sauger dieses imponderablen Fluidums sind;
fürs zweite aber sind dann die verschiedenartigen Vertiefungen Aufnahmegefäße
für eben dieses Fluidum. Warum nicht alle von gleicher Größe und Tiefe sind,
dafür liegt darin der Grund, weil diese Kraft eben so verschieden ausgeteilt
werden muß, damit dann aus dem Durchschnitte solcher höchst genauen Verteilung
jene wohlabgewogene Proportion also bewerkstelligt wird, daß ihr zufolge die
ordnungsmäßige Erhaltung und Bewegung zweier sich gegenüberstehender Weltkörper
unabänderlich bedingt wird. – Sehet, das ist im Allgemeinen eine Bestimmung der
euch etwas sonderbar vorkommenden Bildung der Mondoberfläche!
[Mo.01_004,06] Eine zweite Bestimmung fast
aller dieser Vertiefungen ist die, daß in denselben, zur notwendigen Erhaltung
all dieser Gebilde, beständig atmosphärische Luft sich vorfindet und erhalten
wird gleich dem Wasser in den Vertiefungen der Erde. – Ihr werdet fragen, woher
diese Luft komme!? Und Ich sage euch: Daher die der Erde kommt, – nämlich aus
der großen Vorratskammer des unendlichen, überall mit Licht und Äther erfüllten
Raumes! Zur Nachtzeit – d.h.: wenn die der Erde zugekehrte Seite ohne Licht ist
– füllen sich diese Vertiefungen voll an mit atmosphärischer Luft. Kommt dann
das Sonnenlicht nach und nach darüber, so bildet sich in diesen zahllosen
Kesseln ein äußerst reichlicher Tau als Niederschlag, der darinnen enthaltenen
atmosphärischen Luft. Dieser Tau befestigt dann von neuem wieder alle Teile der
Mondoberfläche und sickert auch als reines Wasser durch den ganzen Mondkörper
hindurch, zur Unterstützung der jenseitigen Wasserquellen, und daraus zur
Bildung der Dünste und permanenten Luftschichten. – Sehet, das ist also eine
andere Hauptbestimmung dieser euch sonderbar vorkommenden
Mondoberflächenformation!
[Mo.01_004,07] Möchtet ihr wohl glauben, daß
all dieses Kesselgebilde der Oberfläche des Mondes noch eine dritte
Hauptbestimmung zuläßt?
[Mo.01_004,08] O ja, sage Ich: Alle diese
Kessel sind auch Wohnungen für jene zu bessernden Geister, welche aus dem
ersten Grade der Hölle gerettet werden durch die dahin gesandten Lehrer aus der
besseren und reineren Geisterwelt, mit öfterer Unterstützung aus dem ersten
Himmel.
[Mo.01_004,09] Wenn diese Geister dahin
gebracht werden, so wird ihnen aus dieser in den Kesseln befindlichen Luft ein ihr
ähnlicher Leib wieder gegeben, vermöge dessen sie sowohl Geistiges, wie auch –
nach dem Bedürfnisse ihrer Besserung – Materielles zu schauen imstande sind.
[Mo.01_004,10] Wenn sie dahin gelangen, so
bewohnen sie zuerst jene Stellen dieses Weltkörpers, welche die tiefsten und
für euer Auge zugleich die dunkelsten sind. Wenn sie sich bessern, so wird ihr
grober Luftleib immer in einen feineren verwandelt, vermöge dessen sie dann
auch in einen höherliegenden Kessel kommen; in die kleinen kommen nur einzelne
und in die größeren Kessel Gesellschaften Gleichgesinnter.
[Mo.01_004,11] Zwei Punkte von besonderer
Helle werdet ihr auf der Oberfläche entdecken, und zwar den hellsten in der
unteren südlichen Gegend und den kleineren, etwas weniger hellen, mehr in der
nördlichen Hälfte. Diese zwei Punkte sind die Erlösungspunkte, und zwar der
südliche, von dem die meisten lichten Strahlen sich ausbreiten, für diejenigen,
welche nicht nötig hatten, in den Leibern der Mondmenschen ausgeflickt zu
werden, – und der nördliche für jene, welche nicht auf einem anderen Wege von
ihrer Erdliebe zu heilen waren denn durch eine höchst marterliche Einschichtung
in den allerarmseligsten Leib eines Mondmenschen, von wo aus sie dann erst
wieder als Geister zum zweiten Male in die luftigen Kessel der euch sichtbaren
nördlicheren Oberfläche des Mondes gebracht werden und von da nach und nach zu
dem schon erwähnten nördlichen Befreiungspunkte emporrücken.
[Mo.01_004,12] Ihr müßt euch aber nicht
denken, daß eine solche Reise durch diese Behälter so leicht und geschwind
geht, als ihr sie vielleicht von Geistern erwartet. Fürs erste geht sie sehr
schwer; denn sooft ein Geist höherrückt, muß er in seinem früheren Kessel also
absterben, wie jeder von euch auf der Erde einmal leiblich sterben muß. Und
dieses Sterben ist auch allezeit mehr oder weniger schmerzlich und stets
begleitet von dem Gefühle der Möglichkeit einer ewigen Zunichtewerdung. Denket
auch, daß ein solcher Geist oft mehrere Tausende von solchen Kesseln zu
passieren hat, und daß er in einem solchen Kessel oft einen Monat, oft ein
halbes Jahr, ja oft ein ganzes Jahr und darüber verweilen muß, so werdet ihr
euch auch von der Geschwindigkeit einer solchen Wanderung einen Begriff machen!
[Mo.01_004,13] Seht, es gibt noch Geister aus
den Zeiten Abrahams auf diesem Weltkörper, die mit ihrer Reise noch nicht über
drei Vierteile zu Ende sind! Was könnt ihr erst von jenen denken, die, während
ihr da schreibt, dahin gelangen!?
[Mo.01_004,14] Sehet, das ist nun alles, was
für euch zu wissen nicht unnötig ist! Alles Übrige, vom Kleinsten bis zum
Größten, werdet ihr, wenn ihr Mich liebt über alles aus allen den Kräften, die
Ich euch verliehen habe, daß ihr Mich lieben möchtet, dann dadurch in einem
vollkommeneren Geisteszustande von Punkt zu Punkt in Meiner Gnade hellstem
Lichte erschauen. Und so ist es auch nicht nötig, euch mehr von der bewohnten
Seite dieses Weltkörpers kundzugeben, zumal dieselbe in plastischer Hinsicht
ohnehin der unbewohnten Seite völlig gleich ist, nur daß dort Materielles obwaltet,
wie hier Geistiges.
[Mo.01_004,15] Daß die Tier- und Pflanzenwelt
zur stufenrechten Bildung der Mondmenschenseele vollkommen den auf dieser Seite
abgelegten Luftleibern der Geister entspricht, welche – wie schon früher
erwähnt wurde – mittels des Wassers durch den ganzen Mondkörper gewisserart mit
hindurchgesickert werden, und daß dieselben dann auf der mageren Stufe der
Vegetation und so fort die ganze Reihe der Tierwelt hindurch wieder zum Orte
ihrer Bestimmung gelangen, das werdet ihr alles erst eben auch in dem
vollkommeneren Geisteszustande auf dem Wege Meines Gnadenlichtes wohl
unterscheidend erschauen und erkennen.
[Mo.01_004,16] Schließlich sage Ich euch, daß
Ich es bin, der euch alles dieses kundgibt. Auch euch verrate Ich Mich Selbst,
wie Ich Mich dereinst in dem Garten Gethsemane den Juden, Hohenpriestern,
Pharisäern und Schriftgelehrten verraten habe. Euch aber ist Mein Verrat aus
Mir Selbst zum Leben, wie er jenen war zum Tode; denn wie sich denen verriet
die ewige Liebe zum Gerichte und zum Falle, ebenso verrät sich euch dieselbe
ewige Liebe zum Leben und zur ewigen Auferstehung! Das aber ist der Grund und
die verborgene, unergründliche Weisheit der ewigen Liebe, daß der Fall und der
Tod euch ward durch das große Ich zum Leben und zur Auferstehung. Amen. Das
sagt der Ich vom Tode zum Leben. Amen.
5. Kapitel – Vier Fragen in Bezug auf den
Mond.
[Mo.01_005,00] 1. O liebevollster Herr und
Heiland! Wie verehren Dich die Mondmenschen? Bilden sie unter irgendeinem
sichtbaren Oberhaupte eine Kirche, einen Staat?
[Mo.01_005,00] 2. Wie erziehen sie ihre
Kinder?
[Mo.01_005,00] 3. Wofür halten sie unsere
Erde, und wissen sie, daß Du auf Erden Mensch geworden bist und durch Dein
bitteres Leiden und Sterben hinwegnahmst die Sünden der Welt?
[Mo.01_005,00] 4. Wie bewirkt der Mond das
Schlafwandeln oder den Somnambulismus?
3. Juni 1841
[Mo.01_005,01] Ihr könnt alle diese Fragen
auf der Erde selbst bis auf einen Buchstaben erfüllt sehen, und zwar aus dem
Grunde, weil zwischen den Menschen der Erde und denen auf dem Monde in
geistiger Hinsicht kein wesentlicher Unterschied ist; denn wie euch schon
ohnehin bekannt ist, sind die Mondbewohner nichts als zu bessernde Menschen von
der Erde und bringen wie jeder andere Geist ihre Werke mit sich. Daß aber die
Werke dieser Mondübersiedler gerade nicht von der besten Art sind, besagt ja
schon hinreichend ihre Versetzung dorthin.
1.
[Mo.01_005,02] Wollt ihr nun Meine Verehrung
von seiten der beiderseitigen Mondbewohner erfahren, so werft einen Blick auf
das weltsüchtige Volk dieser Erde selbst, und ihr werdet einen getreuen Spiegel
finden, der euch zeigen wird, wie zum größten Teile Meine Verehrung bei den
Bewohnern des Mondes sich gestaltet.
[Mo.01_005,03] Was tun hier die
Weltsüchtigen? Welche Ehre erweisen sie Mir, und mit welchem Lobe entrichten
sie Mir den gebührenden Zoll? Verwenden diese Weltlinge nicht alle ihre
Sorgfalt auf ihren Dreckkasten? – Die einen sind immer emsig besorgt, mit
welchen Fetzen sie den Schmeißhaufen des Geistes umhüllen sollen. Wieder andere
sind besorgt, was all für wohlschmeckende Speisen sie sich bereiten sollen, um
dieselben dann in den Magen, als der wahren Werkstätte des Todes,
hineinzuschieben. Wieder andere sind besorgt um ein prächtiges Haus, um eine
schöne, glänzende Einrichtung, weiche Stühle und Sofas, glänzende Tische und
überaus weiche Betten, um auf denselben desto leichter und bequemer am Tage wie
bei der Nacht zu faulenzen und ja sorgfältig achtzugeben, daß ihr innerer,
allergeliebtester Freund Magen ja nicht etwa irgendeinen beleidigenden Druck
oder etwa gar eine etwas schmerzhafte Quetschung erleiden möchte. Auch fürchten
sich diese Magenfreunde ganz vorzüglich vor den Strahlen der Sonne, aus welchem
Grunde sie dann wieder Sorge tragen, daß ja nicht zuviel Sonnenlicht durch die
Fenster ins Zimmer fällt, welche darum auch mit allerlei Fetzen behangen sind.
Merkt ihr nichts, daß solche Menschen schon hier eine leise Verwandtschaft
haben mit den Höhlenhockern des Mondes, welche, weil sie sich keine solchen
Prachthäuser mehr errichten können und ihre Fenster mit Fetzen zu behängen
nicht mehr imstande sind, dafür vor den Sonnenstrahlen in ihre Höhlen fliehen
und dort ebenfalls bis zum späten Nachmittage verweilen, gleich den sich
Bequem- und Guttuern auf dieser Erde, welche da aus ihren Zimmern in
wohlgepolsterte und schwingende Wagen steigen, um eine der Gesundheit des
Leibes nach ihrer Meinung wohl förderliche Bewegung zu machen!? Und wieder
andere gibt es auf dieser Erde, die kein anderes wichtigeres Geschäft kennen
als den Geld- und Sachwucher. Und wieder andere gibt es, die keine anderen
Gedanken haben, als sich auf jede mögliche Art zu putzen, welche Sorgfalt ganz
besonders vom weiblichen Geschlechte gehandhabt wird und zwar in der redlichen
Absicht, irgendeinen jungen, unerfahrenen Menschen dadurch hinters Licht zu
führen und ihn nach der Klafter zu betrügen. Solches tut freilich keine
rechtschaffene Jungfer. Denn wenn eine Jungfer ihren wahren inneren Wert
erkennt und aus diesem heraus auch den Wert des Nebenmenschen, fragt euch
selbst, wird sie sich wohl auch dann also putzen, um jemanden durch sich selbst
zu betrügen und zu tun gleich den Juden, welche das schlechte Metall putzen, um
es den Narren als Gold zu verkaufen? Ich sage: solches wird sie nicht tun, da
sie wohl erkennt, daß sie kein falsches, sondern ein echtes Gold ist, wozu es
auch keines Narren sondern eines Verständigen bedarf, der das Gold alsobald
erkennen und nehmen wird um den gerechten Preis. – Und sehet, Ich könnte euch
noch eine Menge solcher Weltlinge aufführen; allein es ist zur Erleuchtung der
Sache nicht nötig.
[Mo.01_005,04] Ihr wisset, wie Ich einstens
gesagt habe, daß sich da niemand sorgen solle, was er essen und trinken werde,
so auch nicht um das Kleid des Leibes, sondern suchen einzig und allein Mein
Reich und dessen Gerechtigkeit, welche ist Meine große Liebe zu denen, die Mich
ebenfalls, so wie Ich sie, über alles lieben. Wie ist dann Meine Verehrung
beschaffen bei jenen Menschen auf dieser Erde, von denen die bessere Art im
Durchschnitte des Tages dreiundzwanzig Stunden zur Pflege ihres Leibes
verwendet, Mich aber kaum mit einer zerstreuten Stunde abgefertigt? Heißt das
wohl „das Reich Gottes suchen“? Ich sage euch: Die Frösche in den Pfützen und
die Maulwürfe in der Erde können euch gar wohl als lehrende Apostel dienen,
denn wahrlich, der Frosch quakt die meiste Zeit des Tages in seiner Freude über
das empfundene Leben in seiner Pfütze und lobt Mich dadurch unbewußt in seiner
quakenden Freude für den Besitz des Lebens; und der Maulwurf erkennt und bahnt
sich in der finsteren Erde seine Wege, und seine Arbeit und seine lautlose Ruhe
ist ein stiller Lobgesang, durch welchen er unablässig Mich, seinen Schöpfer,
preist.
[Mo.01_005,05] Aber der Mensch, für den Ich
alles erschaffen habe, für den Ich so Großes getan habe, noch jetzt tue und
ewig tun werde, ja für den Ich unablässig sorge und alle Meine Weisheit und
Liebe für ihn verwende, mehr denn ein liebeerfülltester Bräutigam für seine
allergeliebteste teuerste Braut, – dieser Mensch findet im Tage nur kaum eine
Stunde für Mich, und diese noch dazu nur so, wie eine liederliche Köchin oft
ganz gedankenlos ein Salz in die Speise wirft, weil sie dergleichen zu tun
schon gewöhnt ist, oder um doch wenigstens sagen zu können, sie habe die Suppe
gesalzen, wenn diese öfters auch nicht besser schmeckt als ein pures, laues
Wasser ohne Öl und Salz! – Wahrlich Ich sage euch, durch eine solche Verehrung
wird euer Gott nicht fetter und dadurch euer Leben selbst auch nicht kräftiger
werden; denn das Leben eurer hölzernen Haus- und Zimmerkruzifixe, welche euch
körperlich die große Erbärmlichkeit anzeigen, wie sehr eure Verehrung und euer
Gottesdienst dem der Juden gleicht, welche doch wenigstens den Lebendigen ans
Kreuz geschlagen haben, während ihr zu dieser Arbeit lang zu faul und zu lau
wäret und euch begnügt, daß euch jemand eine solche schon vollbrachte hölzerne
Kreuzigung verkauft, welche dann auch vollkommen geeignet ist, an Meiner Statt
die Atome eurer Verehrung anzunehmen. O ihr Toren! Das geformte Holz oder Stein
oder Metall verehrt ihr also, wie der Hund verehrt einen Eckstein, den ein
Vorgänger beschnüffelt hat, drückt eure Lippen an das Holz und meint, wenn ihr
dabei noch ein sogenanntes Vaterunser und Ave-Maria geplappert habt, oder wenn
ihr in einer Kirche, aus Steinen gemacht und voll Schnitzwerk, etwa eine Stunde
lang gedankenlos und geputzt, mit einem vergoldeten Gebetbuche in der Hand,
zugebracht habt, ihr hättet Mir gedient und Mich etwa verehrt über Hals und
Kopf. O ihr Toren! Meint ihr denn, Ich sei im Holze, im Steine, im Metalle oder
in anderem eitlen Schnitzwerke aus den Händen der Tischler, Bildhauer,
Drechsler, Schlosser, Schmiede, Maurer und Maler? Wahrlich Ich sage euch: Alle
solchen Verehrer, wenn sie sich hier auf dieser Erde nicht eines anderen
bedenken werden, werden dereinst hübsch lange im Monde in die Schule gehen
müssen und alldort unter großen Mühseligkeiten geistig und oft auch körperlich
erfahren müssen, daß der lebendige Gott durchaus kein Wohlgefallen hat an einer
solchen unsinnigen Verehrung, die viel schlechter ist als jene der blinden
Heiden, welche ihrem Abgotte wenigstens aus Furcht, wennschon nicht aus Liebe,
ein ernstes Opfer bringen, wogegen ihr Mich, den lebendigen Gott, verehrt, als
wäre Ich entweder gar nicht, oder als wäre Ich im Ernste nur von Holz oder,
wenn's etwas besser geht, entweder neu- oder altgebacken aus Mehl.
[Mo.01_005,06] Wollt ihr nun wissen, worin
die Verehrung Gottes bei den Mondmenschen besteht, sowohl auf der geistigen als
auch auf der leiblichen Seite dieses Weltkörpers, so sage Ich euch, daß die
alldortige Verehrung in nichts anderem besteht als darin, daß die Menschen
alldort erst nach und nach erlernen, worin die wahre Gottesverehrung besteht,
welcher Erlernung zufolge sie dann Gott im Geiste und in der Wahrheit, und zwar
in sich selbst, zu verehren anfangen, aber nicht so, wie ihr des Tages
einstündig nur, und selbst da noch dazu überaus lau im Holze und allerlei
geistig gepriesenen Torheiten. Auch besteht die Verehrung Gottes alldort darin,
daß diejenigen, die hier ihrem Leibe dreiundzwanzig Stunden lang im Tage
wohlgetan haben, dort lange Zeit hindurch lernen müssen, solch extrafeine
leibliche Wohltaten zu entbehren, sich bis in die innerste Faser des Lebens zu
verleugnen und alles einzig und allein von Mir zu erwarten. Sie müssen ihren
Glauben oft die vielfältigsten und schwersten Prüfungen hindurch immerwährend
als lebendig bekennen, aber nicht wie ihr, die ihr entweder gar keinen Glauben
habt, oder, so ihr schon einen habt, so umfaßt dieser Mich, den lebendigen
Gott, mit eben der kleintraulichen Kraft, mit welcher er ein hölzernes,
schlecht geformtes Kruzifixlein umfaßt.
2.
[Mo.01_005,07] Und so dadurch die erste Frage
beantwortet ist, so beantwortet sich die zweite von selbst; denn wo Ich
entweder äußerlich durch dahin gesandte Engel oder innerlich Selbst als Lehrer
auftrete, da bedarf es keines kirchlichen, wie auch anderartigen Oberhauptes, –
woraus auch ihr ersehen könnt, daß derjenige, dem Ich zum Lehrer geworden bin,
alle anderen oberhäuptlichen oder nichtoberhäuptlichen Lehrer gar leicht
entbehren kann, besonders wenn das Oberhaupt viel mehr ein goldenes denn ein
geistiges ist. Und so bildet der ganze Mond nichts anderes als einen geistigen
Korrektionsstaat unter Meiner alleinigen Leitung.
[Mo.01_005,08] Nach dieser inneren Lehre
werden auch ihre Kinder erzogen. Ihr einziges Bedürfnis ist die Liebe, und aus
dieser heraus der Glaube, nach der Lehre der Geister, daß Ich ein Mensch bin
und habe solche Natur leiblich auf der Welt, von der sie ursprünglich
abstammen, angenommen, um nicht nur allein alle Menschen auf der Erde und dem
Monde zu beseligen, sondern auch alle, die in den endlosen Räumen auf zahllosen
Weltkörpern Zerstreuten in ihrer Art zu versammeln und unter dem Kreuze der
Liebe auch für sie eine bleibende Stätte zu errichten. – Sehet, das ist das
Ganze der Religion und Gottesverehrung auf dem Monde!
[Mo.01_005,09] Darum aber müssen dort die
Männer ihre Weiber herumtragen, auf daß sie durch ihre stets drückende Last von
ihrer sinnlichen Fleischeslust geheilt werden. Wahrlich sage Ich euch: es
dürfte auf der Erde ein König in seinem Staate allen den Wollüstlingen solche
unerläßliche Pflicht auferlegen, daß, so ein solcher Wollüstling mit einer
Dirne gebuhlet hat, er dieselbe dann ein ganzes Jahr hindurch auf seinem Rücken
herumschleppen und sie also Tag und Nacht, entweder liegend, sitzend, stehend
oder gehend behalten müßte! Fürwahr, er wird diesen Zeitraum hindurch des süßen
Fleisches gewiß also satt werden, wie ein Schleckbube nach dem Genusse des
Honigs, durch welchen er seinen Magen so beschwerend verdorben hat, daß er nach
der Wiederherstellung seines Magens sich vor dem Honig noch mehr fürchtet als
vor der stechenden Biene!
[Mo.01_005,10] Freilich ist dieses hier nur
gesagt zum erschaulicheren Zeugnisse für den Mond und mag auf der Erde, wo der
Mensch in seiner vollsten Freiheit ist, nicht wohl angewendet werden, weil die
Strafe wohl das Fleisch auf eine Zeitlang bessert und zur Ordnung bringt, aber
gar nicht die Seele und noch viel weniger den freien Geist, – daher in dem
Monde solche Handlung nicht als Strafe, sondern nur als innigste, bessere Liebe
stattfindet.
3.
[Mo.01_005,11] Die Frage, was die
Mondbewohner von der Erde halten, ist nach all dem ganz überflüssig. Denn
diejenigen Bewohner, die vermöge ihrer diesseitigen Stellung auf dem Mondkörper
die Erde sehen könnten, sind Geister und können das Materielle nur auf dem Wege
geistiger Entsprechungen erschauen; die jenseitigen Bewohner des Mondes aber
bekommen die Erde ja ohnedies nie zu Gesicht und kennen dieselbe nur geistig.
4.
[Mo.01_005,12] Was die letzte Frage betrifft,
so ist euer Begriff, als bewirke der Mond solches Schlafwandeln, ganz irrig.
Letzteres wird nur bewirkt um die Zeit des Vollmondes durch das intensiver werdende
magnetische Fluidum der Erde selbst. Wenn der Mond im Vollichte der Sonne ist,
so treibt das Licht das magnetische Fluidum vom Monde gewisserart wieder zur
Erde zurück, auf welche Weise dann die Erde vollgeladener wird, und Menschen,
die in ihrem Blute durch verschiedene Einwirkungen, entweder des Wassers, der
Luft oder der Eßwaren, mehr Metall haben, haben dann auch die natürliche
Fähigkeit in sich, eben dieses zurückströmende Fluidum leitend aufzunehmen.
[Mo.01_005,13] Wenn ihre Nerven dann dadurch
angefüllt sind und die Seele lästig zu drücken anfangen, dann erwacht diese,
oder sie macht sich vielmehr los von ihren leiblichen Banden und will dem
drückenden Leibe entfliehen. Der Leib besitzt nun noch einen ganz
eigentümlichen Nervengeist, welcher fürs erste höchst verwandt ist mit dem
magnetischen Fluidum, fürs zweite aber ebenso innigst mit der Seele, welche
eben durch diesen Nervengeist mit dem Leibe zusammenhängt und mit demselben
korrespondiert. Wenn die Seele sich nun aus dem Staube machen möchte, so
erweckt sie dann auch den ihr innigst verbundenen Nervengeist und dieser
natürlicherweise den Leib, und so geht dann der sogenannte Schlafzug also vor
sich, als wenn drei Menschen hintereinander hergingen, die aneinandergebunden
wären; jedoch der Geist bleibt in der Seele, darum sie auch lebendig ist. Wenn
dann ein solcher Schlafwandler sein Gesicht gegen den Mond wendet und oft auf
Dächer und Kirchtürme steigt, so geschieht es darum, damit er sich aus der
magnetüberfüllten Tiefe der Erde erhebe und dadurch seine drückende Überfülle
an diesem Fluidum vermindere, damit dann der Leib wieder geeignet werden
möchte, seine Seele mit dem Geiste durch den Nervengeist wieder aufzunehmen und
zu beherbergen. Wenn der Leib nun wieder frei geworden ist, so trägt ihn die
Seele durch den Nervengeist an die vorige Stelle zurück und vereinigt sich
daselbst erst vollends wieder mit dem Leibe. Natürlicherweise weiß nun die
Seele nichts von dem Zustande, weil sie kein Gedächtnis hat. Dieses wird von
den Philosophen irrig als ein Seelenvermögen erklärt, während die Seele nur das
weiß, was sie eben erschaut, und die Erinnerung der Seele im Leibe ist nichts
als ein wiederholtes Wiederschauen der entsprechenden naturmäßigen Eindrücke
des künstlichen Organismus des Leibes, zu welcher Anschauung sie freilich erst
durch die entsprechenden zahllosen Formen, welche der Geist in sich trägt, von
selbem erweckt wird.
[Mo.01_005,14] Nun wisset ihr alles bis auf
die eigentliche Wesenheit des magnetischen Fluidums selbst. Was dieses ist, und
worin es besteht, darüber läßt sich jedoch, um es unserem Verständnisse
näherzubringen, mit wenigen Worten nichts Genügendes sagen; denn mit wenig
Worten auf dem Wege der Weisheit würdet ihr es schwerlich je erfassen, und für
viele Worte seid ihr schon zu müde!
[Mo.01_005,15] Daher erwartet für die nächste
Gelegenheit diesen nicht unwichtigen Nachtrag, mit welchem diese Aufgabe erst
als beendet anzusehen sein soll! Und somit für heute Amen! – Ich, euer Vater.
Amen.
6. Kapitel – Das magnetische Fluidum.
5. Juni 1841
[Mo.01_006,01] Wenn ihr die Dinge vom
Kleinsten bis zum Größten betrachtet, wie sie sind der Form und der
Gediegenheit nach, einander mehr oder weniger ähnlich und auch mehr oder
weniger von ein und derselben Beschaffenheit, so entdeckt ihr an ihnen das, was
euch zuerst in die Augen fällt, – und dieses ist die Form. Nehmt ihr ein oder
das andere Ding in die Hand, so wird euch das Gefühl alsbald bekanntgegeben, ob
die betastete Sache mehr oder weniger gediegen ist. Nehmt ihr eine Sache um die
andere in die Hand, wovon jede vom gleichen äußeren Umfange ist, so werdet ihr
da noch einen dritten Unterschied erkennen, nämlich den des spezifischen
Gewichtes. Wenn ihr aber nun die Festigkeit der Körper prüfet, so werdet ihr
nicht selten finden, daß die weniger festen Körper spezifisch schwerer sind als
die ganz festen. So z.B. ist ein gleiches Volumen flüssigen Silbers bei weitem
schwerer als dasselbe Volumen des allerfestesten Eisenstahls, und dergleichen
noch gar viele Beispiele.
[Mo.01_006,02] Ja selbst Dinge von ein und
derselben Art, wie z.B. das Wasser, sind sowohl unter sich, als auch unter
ihren verschiedenen Temperaturzuständen bei gleichem Volumen gewichtuneins; so
z.B. ist ein Tropfen Regenwasser leichter als ein Tropfen aus einem Brunnen oder
aus irgendeiner anderen Quelle. So ist auch ein warmer Tropfen leichter als ein
kalter, ein gefrorener Tropfen ebenfalls leichter als jeder andere
Wassertropfen.
[Mo.01_006,03] Dieselben Unterschiede könnt
ihr in allen Dingen antreffen. Um zu erkennen, wie verschieden erst die Arten
und Gattungen und ihre Abstufungen in jeder Hinsicht – sowohl der Form, der
Gediegenheit, als auch der Festigkeit und Schwere nach – sind, da braucht ihr
nur einen Blick auf all die Dinge zu richten, und sie werden euch ohne Verzug
überlaut zurufen: „Sieh, Forscher, wie unendlich verschieden wir sind! Und doch
beruht unser Sein auf ein und demselben Gesetze, und wir alle sind aus ein und
demselben Stoffe! Und doch sind wir unter uns so, daß fast keines dem andern
vollends gleicht, sowohl in der Form, Gediegenheit, Festigkeit und Schwere!“
[Mo.01_006,04] Dieses jetzt Vorausgeschickte
ist eine notwendige Einleitung, ohne welche ihr das Nachfolgende kaum begreifen
würdet, weil ihr euch hier schon werdet gefallen lassen müssen – bevor wir noch
zu der eigentlichen Erklärung des sogenannten „Magnetismus“ gelangen werden –,
einige kleine Nüsse aus der Sphäre der Weisheit zu verschlingen, ohne welche
für euer Verständnis die Sache unmöglich für alle Zeiten gründlich dargetan
werden kann.
[Mo.01_006,05] Um also von eurer Seite der
Sache auf die Spur zu kommen, wie von Meiner Seite euch auf die rechte Spur zu
leiten, ist es vor allem nötig, daß ihr einen Blick auf die endlose
Vergangenheit werft.
[Mo.01_006,06] Denkt euch jene Periode, in
welcher im unendlichen Raume noch kein Wesen außer Mir weder geistig noch viel
weniger materiell irgendein sich gegen ein anderes darstellendes Dasein hatte!
[Mo.01_006,07] Woraus bestand da der endlose
Raum, und wohin floß die Zeit, in welcher dieser endlose Raum ewig bestand?
[Mo.01_006,08] Was war Mein Sein vor allem
Sein, und wie ist alles Sein aus diesem einzigen Sein entstanden und
hervorgegangen?
[Mo.01_006,09] Was ist nun der Raum? Was im
selben das Ursein Meiner Selbst? Und was das zeitgemäße Sein im endlosen Raume
in Mir, aus Mir und neben Mir?
[Mo.01_006,10] Seht, so äußerst schwierig
diese Fragen, freilich nur aus der untersten Stufe Meiner Weisheit, in Hinsicht
auf eine genügende Beantwortung zu sein scheinen, ebenso leicht aber auch sind
sie im Anbetrachte der zu erklärenden Sache selbst.
[Mo.01_006,11] Ein kleines Beispiel, von euch
selbst abgenommen, soll euch diese Fragen erläuternd beantworten: Jemand von
euch hätte irgendeinen Gedanken schon lange in sich herumgetragen; weil ihm
dieser Gedanke gefällt, so gesellt er zu diesem Grundgedanken noch einen
zweiten, nämlich den, ob sich der Grundgedanke nicht ins Werk setzen ließe.
Dieser zweite Gedanke findet alsobald die Möglichkeit; aber zur Realisierung
des Zweckes ist noch ein dritter Gedanke nötig, der zwar schon in den zwei
ersten Gedanken enthalten ist, und dieser ist und besteht in nichts anderem als
in dem einzigen Fragewörtchen „Wie?“. – Nun seht, diese drei Fragen sind
gestellt, und eine beantwortet die andere; aber mit dieser gegenseitigen
Beantwortung ist die Sache noch nicht fertig, ja auch nicht einmal angefangen.
Daher treten diese drei Hauptgedanken in einem Rate zusammen und befragen sich
um das wichtige „Warum?“. Und nach kurzer Beratung sagt der erste Grundgedanke:
„Weil es etwas ist, das mir vollkommen ähnlich ist!“ Der zweite Gedanke sagt:
Weil es eben aus dem Grunde ausführbar ist, weil der erste Gedanke dadurch mit
sich selbst in keinem Widerspruche steht, so er sich, wie er ist, seiner selbst
wegen manifestieren will!“ Und der dritte Gedanke sagt: „Weil in dem Grunde,
der sich selbst manifestieren will, das Hauptmittel zur Realisierung liegt, und
zwar aus dem Grunde, weil der Gedanke in seinem Fundamente sowohl mit sich
selbst als auch mit allen seinen Teilen sich nirgends widerspricht!“
[Mo.01_006,12] Nun seht, euer Gedanke wäre
dieser, daß ihr möchtet auf irgendeinem Platze ein Haus erbauen. Werdet ihr
euch nicht das Haus zuerst nach allen seinen Teilen in eurer Phantasie so
vorstellen, wie ihr es gerade am liebsten haben möchtet? Wenn ihr nun das Haus
in eurer Phantasie aufgebaut habt und habt recht viel Freude an diesem
Phantasiegebäude, werdet ihr euch da nicht fragen, ob denn in allem Ernste euer
Phantasiegebäude nicht in der Wirklichkeit auszuführen wäre? Und so ihr anders
nicht ein Haus in der Luft erbauen wollet, wird euch der zweite Gedanke ja
augenscheinlich die Möglichkeit der Realisierung eures Baugedankens zeigen; und
somit wäret ihr in zwei Punkten aus dem Grunde einig, weil der erste Gedanke
keinen Widerspruch in sich enthält und somit schon in sich selbst den zweiten
bedingt.
[Mo.01_006,13] Was jetzt folgt, ist das
„Wie?“, d. h.: „durch welche Mittel?“. Das erste Hauptmittel ist die
Möglichkeit selbst. Das zweite Mittel ist der mit der möglichen Realisierung
des Ganzen verbundene Zweck; denn es kann niemand mit einer zu realisierenden
Sache einen Zweck verbinden, bevor er nicht darüber im reinen ist, daß die
Sache selbst möglich ausführbar ist. Das dritte Mittel ist nun das Material und
die zur entsprechenden Gestaltung desselben genügende Kraft. Habt ihr nun
dieses alles beisammen und seid ihr vollkommen Herr eures Platzes, was soll
oder was könnte euch da wohl noch hindern, euren Hauptgedanken in die sichtbare
Wirklichkeit übergehen zu lassen?
[Mo.01_006,14] Nun sehet, in kurzer Zeit
werdet ihr euren Gedanken vor euch bleibend erblicken, weil ihr alle
Bedingungen zur Realisierung gefunden habt; denn ihr habt ja Material und habt
bauende Kräfte und habt Vermögen.
[Mo.01_006,15] Aber wenn ihr zurücksehet auf
Mich, als den ewigen, großen Hauptgedankenträger und unübertrefflichen
Großbaumeister, der den unendlichen Raum mit zahllosen, überaus großen und
kunstvollen Gebäuden angefüllt hat, so werdet ihr euch doch im Vorübergehen ein
wenig fragen müssen: „Woher hat denn der große Baumeister aller dieser
zahllosen großen Dinge das Material genommen?“
[Mo.01_006,16] Wenn ihr euch an die
Weltgelehrten wendet, welche wirklich sehr pfiffig sind, die werden es euch mit
der größten Leichtigkeit an den Fingern herzählen, und es werden einige sagen,
die Materie sei ebenso alt als Ich Selbst und somit ewig. – Nun seht, da haben
wir ja ein leichtes Stück Arbeit und können bauen nach Belieben! Der einzige
unerklärliche Umstand wäre dabei nur dieser, wie Ich es da mit dieser ungeheuren,
ewigen Vorratskammer der Materie angefangen habe, um bis auf die gegenwärtige
Zeit zahllose Dinge herauszudrechseln, und wann Ich eigentlich angefangen habe,
daß Ich bis auf die gegenwärtige Zeit mit der Unendlichkeit fertig geworden
bin. Setzt nicht jedes Ding einen Anfang voraus?
[Mo.01_006,17] Fragt euch aber so ein wenig
nur, ob, so ihr ein Ding nach dem andern rechnet, die unendliche Zahl auch
einen Anfang hat!? Das aber besagt ebensoviel, als daß Ich nie etwas zu
erschaffen angefangen habe; wenn es aber also wäre, was und woher wären denn
hernach die Sonnen, Welten und all die andern zahllosen Dinge, an deren Dasein
ihr doch sicherlich nicht zweifeln werdet?!
[Mo.01_006,18] Seht, diesem Pfiffikus von
einem Wegweiser werden wir nicht folgen können, weil sein erster Grundgedanke
voll Widerspruchs ist, und somit der zweite und dritte von selbst hinwegfällt.
[Mo.01_006,19] Ein anderer aber sagt, Ich
habe mit einem Worte das ewige Chaos zurechtgebracht und habe aus ihm geformt
und geordnet alle Dinge. – Es muß euch auf den ersten Blick die vollkommene
Ähnlichkeit zwischen der ersten und der zweiten Behauptung auffallen; denn was
wäre das Chaos anderes als eine schon ewig vorhanden gewesene Materie, vermöge
welcher Ich kein Schöpfer, sondern ein barer Handwerker hätte sein müssen! Und
wie reimt sich auf der anderen Seite ein ewiges Chaos und Meine ewige Ordnung
nebeneinander? – Aber vielleicht weiß noch irgendein dritter einen klugen
Ausweg?
[Mo.01_006,20] Gebt nur acht, wir haben schon
wieder einen, der da behauptet, Ich und die Materie seien ein und dasselbe! –
Diese Behauptung hätte gerade eben keinen Ungrund; nur eines dürfte dabei auch
etwas schwer einleuchtend werden – und das zwar insofern, als ihr Mich nur als
einen Geist voll Kraft, Macht und Leben erkennt, der in Sich durchaus in der
allergrößten Freiheit ist und auch sein muß, da ihr als seine Geschöpfe schon
frei seid und noch unendlich freier werden könnt! –, wie denn dieser
allerhöchst freie Geist voll Kraft und Leben Sich in zahllosen leb- und kraftlosen
Steinen und anderer toten Materie als Solcher Sich manifestierend befinden
mag!? Wahrlich, wer solches einleuchtend erweisen könnte, der müßte noch eine
viel unendlichere Weisheit besitzen als Ich Selbst! Allein von einer solchen
Überflügelung werdet ihr wohl für die ganze Ewigkeit nichts zu befürchten
haben, und zwar aus dem Grunde, weil die Weisheit aller zahllosen
vollkommensten Engelsgeister gegen die Meinige sich gerade so verhält wie ein
unendlich kleines Atom gegen den unendlich großen Raum, dessen Anfang und
dessen Ende nirgends ist!
[Mo.01_006,21] Ich brauche euch nicht noch
mehrere superkluge Wegweiser anzuführen; denn da ist einer gegen den andern
nicht um ein Haar klüger. Aber weil die Dinge doch da sind, wie ihr sie seht,
Ich aber und die Dinge nicht eins sind, sondern da Ich bin, wie Ich bin als
Gott von Ewigkeit, und die Dinge sind, wie Ich sie aus Mir, in Mir und dann
neben Mir erschaffen habe, so wird es etwa doch der Mühe wert sein, zu
erfahren, wie solche Dinge denn aus Mir, in Mir und neben Mir erschaffen worden
sind.
[Mo.01_006,22] Nun höret denn! Könnt ihr euch
nicht verschiedenes wohlgeordnetes Gutes und daher Zweckdienliches denken? O
ja, das könnt ihr allerdings; nur weil ihr selbst endlich und unmöglich gleich Mir
unendlich sein könnt, so sind auch eure Gedanken, wie ihr selbst, der endlichen
Zahl untertan. Meine Gedanken aber sind in ein und demselben Augenblicke in
größter Klarheit, wie Ich Selbst Meinem Gottwesen nach. So Ich nun will, daß
Meine Gedanken bleiben, so ist auch das Werk schon fertig; und demnach sind
alle die euch sichtbaren Werke, wie ihr selbst, weder Materie, noch geformtes
Chaos, noch Gott in der Materie, sondern sie sind festgehaltene Gedanken von
Mir.
[Mo.01_006,23] Nun, sind also diese Meine
gehaltenen Gedanken nicht aus Mir, in Mir und neben Mir? Aus Mir, weil sogar
ihr aus niemand anderem als aus euch selbst denken könnet; um wieviel weniger
erst Ich, da es außer Mir keinen zweiten Gott gibt, aus dem Ich Gedanken holen
könnte! Daß diese Gedanken daher auch in Mir sind und unmöglich in irgend
jemand anderem sein können, bedarf keines Beweises. Daß aber diese
Werkgedanken, obschon sie aus und in Mir sind, aber doch neben Mir bestehen,
werdet ihr daraus hoffentlich überaus klar entnehmen können, daß ihr doch schon
bei euren Gedanken sagen müßt, daß ihr und der Gedanke nicht ein und dasselbe
seid, – aus welchem Grunde denn um so mehr Meine Gedanken nicht Ich, sondern
nur Meine Gedanken sind!
[Mo.01_006,24] Was aber nicht Ich ist, das
ist aus dem Ich, und weil es nicht dasselbe, sondern nur von demselben
Hervorgebrachtes ist, also ist es auch im selben neben demselben. Ihr müsset
euch das „neben“ hier nicht so vorstellen wie ein Baum neben dem andern,
welches sehr unrichtig ist, da ein Baum eigentlich nur außer dem andern ist.
Also ist es nicht bei dem Denker und dessen Gedanken, da der Denker der
Schöpfer des Gedankens ist, d.h. da er aus seinen ihm innewohnenden Fähigkeiten
und den diesen entsprechenden Vollkommenheiten eine zweckmäßige, ordnungsmäßig
geformte Idee schöpft und somit er, als der tätige Schöpfer, und die aus ihm
geschöpfte Idee nicht ein und dasselbe sind, sondern sie sind wie der
Hervorbringer und das Hervorgebrachte, und daher nebeneinander. – Wenn ihr
darüber nur ein wenig nachdenkt, so werdet ihr dieses Wenige der Weisheit,
insoweit es zu dem vorliegenden Zwecke nötig ist, ja wohl leicht fassen.
[Mo.01_006,25] Da wir nun alles Nötige
vorausgeschickt haben, so wollen wir denn nun auch mit einem Hieb den
gordischen Knoten des Magnetismus auflösen! Was ist also der Magnetismus? –
Höret, und dann auch ein wenig – staunet! Der Magnetismus oder vielmehr das
magnetische Fluidum ist in allem Ernste nichts anderes als Mein eigener, Meine
Gedanken fortwährend erhaltender und leitender Wille; denn er erhält und leitet
die ganze Schöpfung und erhält jedem euch sichtbaren Wesen seine Form und seine
ordnungsmäßige Regsamkeit. Ihr selbst seid eurem formellen Wesen nach ihm für
alle ewigen Zeiten untertan, und wäret ihr es nicht, so wäret ihr auch nichts,
gleich den Gedanken, die noch nie gedacht worden sind! Aber in euch ist mehr
als bloß Mein unendlich allwirkender Wille; und dieses Mehr ist, daß ihr Meine
Lieblingsgedanken seid. Daher geht auch Meine Liebe, welche Mein eigenes
Grundleben ist, in euch über und bildet euch gleich Mir zu selbständigen Wesen,
welche, insoweit sie meine Liebe – vermöge des ihnen voraus erteilten freien
Willens – aufnehmen, auch dadurch zu dem vollkommensten, eigentümlichen Besitze
der vollsten Freiheit durch ebendiese Meine Liebe in ihnen gelangen können.
[Mo.01_006,26] Ihr wißt, daß zum sogenannten
Magnetisieren ein fester Wille in der überzeugenden Kraft des Glaubens
erforderlich ist, um jemandem auf diese Art zu helfen. Seht, da geschieht
eigentlich nichts anderes, als daß der Magnetiseur entweder bewußt oder auch
zum Teile unbewußt seine Willenskraft mit der Meinigen in Verbindung setzt und
dann dieselbe durch die Tätigkeitsrepräsentanten seines eigenen Willens auf den
Leidenden überströmen läßt, wodurch dann der Leidende gediegener, nach und nach
fester und dadurch auch gesünder oder isoliert natürlich schwerer wird. – Seht,
da habt ihr im Grunde schon alles!
[Mo.01_006,27] Diese Meine Willenskraft ist
dasjenige große Band, das alle Weltkörper aneinander bindet und sie alle um-
und durcheinander trägt. Sie ist positiv, da sie tätig wirkt, negativ in der
eigenen unwandelbaren Selbsterhaltung, welche aber ist die ewige Ordnung
selbst, – gleich als wenn ihr sagt: „Bis hierher und nicht weiter!“ Das „Bis
hierher” ist das Gesetz der ewig fortwährenden Wirkung, und „Nicht weiter“ ist
der negative Pol oder das erhaltende Gesetz der ewigen Ordnung.
[Mo.01_006,28] Und so ist eben dieser Mein
also polarisierter Wille zugleich der Grundstoff aller Dinge, mögen sie wie
immer beschaffen sein; ob sie groß, klein, gediegen, hart, weich, schwer oder
leicht sind, so sind sie also nichts als Meine allerweisesten Gedanken und
haben ihr körperliches, sichtbares Dasein durch die euch bekanntgegebene
Polarisation Meines ewigen Willens.
[Mo.01_006,29] Nun habt ihr alles! So ihr
darüber nachdenken wollt, werden euch alle Erscheinungen sonnenklar werden!
Aber alle weltlichen Erklärungen müßt ihr euch rein aus dem Sinne schlagen;
denn wahrlich sage Ich euch: sie sind der Wahrheit ferner denn ein
Schöpfungspol dem andern. Das sage Ich euch als der alleinige Urbesitzer des
allerkräftigsten Magnetismus. Amen. Begreifet es wohl! Amen.
[1] Was die Aussage der derben Kuren
betrifft, so ist hier nicht die etwa auch im 19. Jahrhundert in China
existierende Volksmedizin gemeint, sondern allein die staatlich verordnete.
[2]Das
Nochvorhandensein dieses auch in der Bibel gedachten uralten Buches ist schon
im vorigen Jahrhunderte durch Swedenborg kurz berichtet, und dessen von
Geistern empfangene Kunde hiervon ungefähr 40 Jahre darauf durch einen
Missionär von Tibet aus bestätiget worden. - Einer künftigen Enträtselung der
uralten Sanskrit- Sprache und Bilder durch gelehrt-mühsamste Hieroglyphik aber
wird‘s hier nun wohl nicht bedürfen, da der Herr in Seiner gnadenvollsten Liebe
und Weisheit Selbst seit dem Jahre 1840 unter anderem auch die Urschöpfung und
die Urgeschichte der Menschheit bis nach der Sündflut, gleichsam auf‘s Neue,
und zwar in bewundernswürdigster Klarheit und zu entsprechendstem geistigen
Verständnis in deutscher Sprache kundzugeben Sich herabgelassen hat!
- Johannes Busch.
[3] Siehe den
Vergleich Lorber Veden bei Schult "Die Veden und Upanishaden"
[4] Das ist natürlich nicht so zu verstehen,
als ob der Lauf des Mondes allein von dem magnetischen Bedürfnis '(
magnetischen Feld ) der Erde bestimmt wird. Zu einen sind die magnetischen
Felder immer elektromagnetische Felder, zum anderen läuft der Mond natürlich
zunächst in normalen Keplerbahnen ( relativistische Effekte vernachlässigt ).
Nur wird er auch vom Magnetfeld der Erde gesteuert, was hier hervorgehoben
wird. Ein Vergleich der Größenordnungen zeigt, das der Einfluß der Erdanziehung
( Kepler etwa höher ist als der mögliche Einfluß des Magnetfeldes.
Da es über das Magnetfeld des Mondes keine
Angaben gibt ( er soll keine festes Magnetfeld haben, sondern nur
magnetisiertes Gestein ) läßt sich sein Magnetfeld nur schätzen: Nimmt man an,
daß sein Magnetfeld im Verhältnis zu seiner Masse gleich groß ist wie das
Magnetfeld der Erde im Verhältnis zu ihrer Masse, dann ergibt sich, das das
Verhältnis der Kräft etwas 1/ 10E-12 tel ist.
Schwerkraftfeld der Erde: 10 N/kg * Mondmasse
Magnetfeld der Erde am Äquator: 3 10E-5
Tesla Mondmagnetfeld ( Polstärke )
Die Wirkung des Magnetfeldes ist also
allergröbst gerechnet ein Billionstel der Wirkung der Schwerkraft. Wesentlicher
dürfte da schon der Einfluß der Abschirmung des Sonnenwindes sein ...
[5]