DIE
FLIEGE
Einblicke
in die Wunder der Schöpfung.
Durch
das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber.
Nach
der Sechsten Auflage 1988.
Lorber-Verlag
– Hindenburgstraße 5 – D-74321 Bietigheim-Bissingen.
Alle
Rechte vorbehalten.
Copyright
© 2000 by Lorber-Verlag,
D-74321 Bietigheim-Bissingen.
Vorwort
des Herrn.
3.
September 1840
[Fl.01_000,01]
Es ist gut, des öfteren auf so manches das
Gefühlsauge zu richten und da Meine Liebe und Weisheit zu gewahren und wäre der
zu betrachtende Gegenstand noch so gering; denn es liegt doch immer etwas
Unendliches darin, und so ist es auch würdig eines geistigen Blickes, da alles,
worin sich Unendliches birgt, von Mir ein Atom ist, in dem ein ewiges Sein
waltet.
[Fl.01_000,02]
So Ich euch nun in einem kleinen Liede eine unbeachtete Fliege etwas vorsumsen
lasse, so denket, daß auch dieses geringe Tierchen
nicht zu den Ungezählten gehört; denn so Mir die Atome des Lichtes und die
Monaden des Äthers durch alle Unendlichkeiten und Ewigkeiten nach ihrer Zahl
genau bekannt sind, wie soll es eine Fliege nicht sein, zu deren Bildung doch
mehr als eine ganze Milliarde von Atomen nötig sind?
Die
Fliege.
[Fl.01_000,03]
Es sumset die muntere Fliege in lustiger Weise / Ein artiges Liedchen Mir,
mächtigem Schöpfer, zum Preise; / Sie sumset in wonniger Freude gar sinnig von
Liebe / Und kreiset im Meere der Liebe aus innerem Triebe / Und redet gar
deutlich vernehmliche Worte der Gnade / Und kündet und zeiget zu gehen euch
ärmliche Pfade.
[Fl.01_000,04]
Sehet das Tierchen, wie munter und fröhlich es kreiset, / Und wie es ganz
sorglos gehorsam dem Triebe sich weiset / In dankbarer Haltung der Richtung,
die Ich ihm gegeben; / Und nie wird es, so wie ihr, nach dem Verbotenen
streben! / Ich sage, umsonst ist es euch nicht so nahe gestellt, / Und ist auch
das Mittel so klein, ist's von Mir doch erwählt!
[Fl.01_000,05]
Ein Flügelpaar leicht, gleich dem Äther, hab' Ich ihr gegeben, / Damit sie sich
sollte erleichtert in Lüfte erheben / Und kreisen da munteren Fluges in
Strahlen der Sonne / Und saugen da Licht mit den Äuglein der goldenen Krone, /
Dann tragen dasselbe zum Leben der toten Gebilde / Und zeugen der Härte von
Meiner belebenden Milde.
[Fl.01_000,06]
So hab' auch gegeben Ich weise ihr sechs leichte Füße / Und hab' ihr gegeben,
damit sie empfinde die Süße / Des Lebens, zum Saugen der Kost einen tauglichen
Rüssel. / Und sehet, was Ich euch gesaget, nehmt es
als Schlüssel / Und denket im Herzen so über die Fliege: / Ich sage: die
Fliege, die Fliege, sie singt euch vom Siege!
[Fl.01_000,07]
Seht, das sei euch unterdessen eine kleine Aufgabe; diese sollet ihr in freier,
Mir geweihter Zeit ausarbeiten! – Dieses kleine unbedeutende Thema habe Ich
euch gegeben, damit eure Demut eine gute Nahrung fände; später aber wird auch
dieses Tierchen von Mir ohnehin im Zeugnis der Natur vorkommen vom Grunde aus,
Amen. Ich, dem alle Dinge wohlbekannt sind, gebe euch dieses. Amen, amen, amen.
1.
Kapitel – Die Entstehung der Fliege.
8.
März 1842
[Fl.01_001,01]
Die Fliege, ein kleines Tierchen zwar und nicht selten lästig dem Menschen wie
auch vielen anderen lebenden Geschöpfen der Erde, besonders zu jener Zeit des
Jahres, da der Sonne Strahlen heftiger den Boden der Erde berühren, ist aber
dennoch in der Ordnung der Dinge so unbedeutend nicht und auch nicht also
zwecklos, als sie eben zu sein scheint.
[Fl.01_001,02]
Um das alles vollkommen und nützlich einzusehen, wollen wir eine kleine
Vorbetrachtung über die natürliche Beschaffenheit dieses Tierchens machen.
[Fl.01_001,03]
Es wäre wohl überflüssig, euch die Gestalt der eben zu besprechenden Fliege der
Form nach kundzugeben, nachdem ihr doch schon ganz sicher werdet mehrere
Fliegen gesehen haben; aber ihre merkwürdigen Einzelheiten und die Art ihrer
Entstehung sind da auf keinen Fall zu umgehen, sondern mit recht vielem Fleiße
und aufmerksamen Geistes zu beachten.
[Fl.01_001,04]
Wie entsteht demnach die Fliege?
[Fl.01_001,05]
Dieses wissen zwar Naturgelehrte, daß die Fliege eine
Art Eier lege, welche so klein sind, daß sie vom
menschlichen Auge kaum wahrgenommen werden, und haben daher auch ein so
geringes Gewicht, daß sie gleich dem Sonnenstaube
sich gar leicht in der Luft schwebend erhalten können.
[Fl.01_001,06]
Wohin aber legt die Fliege ihre Eierchen, da die Zahl dieser von einer Fliege
gelegten Eierchen nicht selten Millionen übersteigt, und wo und wie werden sie
ausgebrütet? Ihr habt sicher noch nie eine junge Fliege gesehen; die Mücklein
aber dürfet ihr ja nicht etwa für junge Fliegen ansehen.
[Fl.01_001,07]
Sehet, die Fliege legt ihre Eier, so sie einmal legreif
geworden ist, überall hin, wo sie sich nur immer hinsetzt, und kümmert sich
dann weiter gar nicht mehr darum, was mit ihnen geschieht. Millionen werden von
den Winden in alle Weltgegenden geführt und zerstreut; Millionen kommen in das
Wasser; ja ihr könnt euch beinahe kein Ding auf der Erde denken, das da
verschont bliebe von den Eiern der Fliege, so wie der Fliege selbst kein Ding gewisserart zu heilig ist, darum sie sich nicht auf
dasselbe setzen und dasselbe beschnüffeln möchte. Also ist außer der glühenden
Kohle und der lodernden Flamme auch beinahe kein Ding, das sie nicht mit ihren
Eierchen beklecksen möchte.
[Fl.01_001,08]
Wohin alsonach die Fliege ihre Eierchen legt, und wie
sie aussehen, wüßten wir jetzt schon; wie sie aber
ausgebrütet werden und wie viele von den unzählbar gelegten, davon soll
sogleich die Rede sein.
[Fl.01_001,09]
Alle diejenigen Eierchen, welche entweder an den feuchten Mauerstellen der
Häuser, vorzugsweise der Tierstallungen, oder an faulem Holze, oder an was
immer anderem Moderfeuchtigkeit Haltendem gelegt werden, kommen fast meistens
davon; was aber da ein Raub der Winde und des Wassers geworden ist, davon
werden freilich wohl unbeschreiblich wenige zu Fliegen ausgebrütet, – obschon dessenungeachtet nichts verlorengeht, daß
es irgendeine andere weise Bestimmung verfehlen sollte, ja sogar diejenigen
nicht, welche von Menschen und Tieren nicht selten zu Millionen mit einem
Atemzuge eingeatmet werden. Doch lassen wir diejenigen, welche den vielen
anderen Bestimmungen zugeführt werden, und wenden uns sogleich zu denjenigen,
welche da ausgebrütet werden.
[Fl.01_001,10]
Wie also werden denn diese ausgebrütet?
[Fl.01_001,11]
Sehet, wenn die Sonne einmal hinreichend die Erde zu erwärmen anfängt, da
fangen diese Eierchen auch an zu wachsen, bis sie einmal so groß werden, daß sie auch ein mittelmäßig scharfes Auge zu entdecken
imstande ist, und zwar als einen weißlichtgrauen Blumenstaub, natürlicherweise
an den Stellen nur, da sie von der Fliege hingelegt wurden. Das ist dann die
Zeit der Ausbrütung, welche also vor sich geht:
[Fl.01_001,12]
Die Eierchen springen da auf, von den erwachten Geistern der in einem solchen
Eichen angesammelten ordnungsmäßigen Vorgangstierchen genötigt. Diese Geister
vereinigen sich in der Gestalt eines kaum sichtbaren kleinen weißlichten
Würmchens zu einem Leben. Dieses Würmchen nährt sich dann einige Tage von der
Feuchtigkeit der Stelle, da es ausgebrütet wurde, welche Nahrungszeit gerade
eben nicht bestimmt ist, sondern allzeit von dem Umstande der Reichlichkeit des
vorhandenen Nahrungsstoffes abhängt.
[Fl.01_001,13]
Jedoch bis daher geht es mit der Zeugung der Fliege ganz natürlich vor sich.
[Fl.01_001,14]
Ich habe euch aber schon gleich anfangs gefragt, ob ihr noch nie eine junge
Fliege gesehen habt. Sehet, darin liegt das eigentliche Wunder dieses Tierchens
begraben. Es ist auf einmal da, ganz vollkommen ausgebildet, und niemand weiß,
woher es kam, und wo sein Geburtsort ist.
[Fl.01_001,15]
Wie geschieht denn dieses Wunder?
[Fl.01_001,16]
Ihr habt vielleicht schon dann und wann von alten Leuten sagen hören: Die
Fliegen entstehen zum Teil aus einer Art Staub und zum Teil aus den zerstreuten
Körperteilen alter, toter Fliegen. – Dem Anscheine nach ist es wohl also, aber
der Wirklichkeit nach freilich wohl nicht.
[Fl.01_001,17]
Denn so das Würmchen einmal die Reifegröße erhielt, welche ungefähr die
Ausdehnung hat wie ein kleiner Beistrich bei einer mittelmäßig großen Schrift,
sodann zerplatzt das Würmchen und zerlegt dadurch das Innere nach außen.
Alsdann dehnt sich die frühere Außenhaut des Würmchens zum eigentlichen Leibe
der Fliege aus, wohlversehen mit allen den innern Verdauungsgefäßen; die
frühere Innenseite des Würmchens aber bringt dann die äußeren sichtbaren Teile
der Fliege hervor, welche, sobald diese Umkehrung vor sich ging und sie mit der
äußeren Luft in Berührung kommen, binnen längstens fünf bis sieben Sekunden zu
ihrer vollkommenen Ausbildung gelangen, bei welcher Gelegenheit die Fliege auch
ganz vollkommen fertig ist.
[Fl.01_001,18]
Sehet, das wäre demnach die Geburt oder vielmehr die gewiß
nicht wenig merkwürdige Entstehung der Fliege, und sie muß
jedem Betrachter wunderbar genug vorkommen. Allein dieses alles ist dessenungeachtet noch das am wenigsten Wunderbare bei
diesem Tiere. Was da noch folgen wird in der möglichsten Kürze, darüber werdet
ihr erst groß erstaunen und euch verwundern, – und so lassen wir dieses
Merkwürdige an einem nächsten Tage folgen. –
2.
Kapitel – Die Füße der Fliege.
11.
März 1842
[Fl.01_002,01]
Es wird euren Augen nicht entgangen sein, und gar oft werdet ihr schon bemerkt
haben, wie die Fliege mit ihren sechs Füßchen auf einer aufrechtstehenden,
allerfeinst polierten Fläche ebenso behende
forttrippelt wie auf einem Tische, der sich in einer ganz horizontalen Lage
befindet.
[Fl.01_002,02]
Wie ist aber solches diesem Tierchen möglich, nachdem seine Füße, obschon jeder
in zwei sehr kleine spitzige Krallen auslaufend, dennoch äußerst glatt sind?
[Fl.01_002,03]
Sehet, das ist schon etwas Wunderbares, wenn ihr bedenket, daß
auf einer aufrechtstehenden polierten Fläche ohne ein klebriges Bindungsmittel
nicht einmal das allerleichteste Federflaumchen hängenbleibt, – wie kann
demnach der Fliege solches möglich sein ohne Beihilfe eines klebrigen Mittels?
[Fl.01_002,04]
Es haben aber einige sehr tätige Naturforscher mittels stark vergrößernder
Kleinschauwerkzeuge gefunden, daß die Fliege und alle
Tierchen ihres Geschlechts an ihren Füßen zwischen den zwei Krallen eine Art
sehr elastischer Glöckchen angebracht haben, welche sie gleich äußerst kleinen
Luftrezipienten zum Verdünnen der Luft gebrauchen dürften, und zwar auf
folgende Weise: Wenn da eine Fliege den einen oder den andern Fuß z.B. an eine
aufrechtstehende Glasscheibe setzt, so saugt sie sobald die im Glöckchen
befindliche Luft in sich, wodurch dann der mit dem luftleeren Glöckchen
versehene Fuß von der Schwere der das Glöckchen von außen umgebenden Luft an
der besagten Fläche festgehalten wird.
[Fl.01_002,05]
Allein zu dieser Verrichtung müßte dann eine jede
Fliege in sich eigene Luftpumpen haben! Und in welcher Schnelligkeit müßten diese von einem unaussprechlich gewandten Mechaniker
gehandhabt werden, damit sie dem äußerst geschwinden und allerunbestimmtest
launigen Getrippel der Fliege vollends Genüge leisten sollten?!
[Fl.01_002,06]
Sehet, solches ist nicht leicht denkbar, obschon die Fliege ganz richtig im
Besitze solcher scheinbaren Luftglöckchen ist! Wenn aber demnach die Fliege
nicht auf die von den Naturforschern vermeinte Art sich mit ihren Füßen auf der
besagten Fläche hält, auf welche Art hält sie sich hernach? – Die Antwort wird
aus der folgenden Darstellung sehr leicht zu entnehmen sein.
[Fl.01_002,07]
Wenn ihr nur einmal eine Fliege recht aufmerksam betrachtet habt, so müsset ihr
ja wohl bemerkt haben, daß die Fliege allenthalben an
ihrem kleinen Körper mit kleinen Härchen und anderen kleinen hornartigen
Spitzen versehen ist, ja sogar das Flügelpaar an den äußersten Rändern mit
einer Unzahl strahlenartig auslaufender Spitzfederchen.
[Fl.01_002,08]
Wozu der Fliege alles dieses? Sehet, jetzt werden wir die erwünschte Antwort
bald heraus haben!
[Fl.01_002,09]
Diese Härchen und Spitzchen sind lauter wohltaugliche Elektrizitätssauger, und
diese von der Fliege dadurch in sich gesogene Elektrizität strömt dem negativen
Teile nach, welcher zugleich auch der anziehende oder zusammenziehende ist,
unablässig fort durch die Füßchen in die schon bekannten Glöckchen, wodurch
dann diese Teile sehr hungrig werden nach der positiven Elektrizität. Da sich
aber diese vorzugsweise an den polierten Flächen aus der Luft ansammelt, so ist
es dann ja auch ganz natürlich, daß die Fliege auf
jeder wie immer gestellten polierten Fläche zum Behufe ihres Gehens haften
bleiben muß, indem sich schon altbekanntermaßen
entgegengesetzte Polaritäten immerwährend anziehen.
[Fl.01_002,10]
Sehet, das ist demnach die Antwort auf die obige Frage.
[Fl.01_002,11]
Aber ihr werdet da sagen: Da geht es dann ja ganz natürlich zu, wie ist es
demnach ein Wunder? – worauf Ich euch freilich wohl nichts anderes zur Antwort
geben kann als: Je natürlicher euch eine Sache vorkommt, desto wunderbarer ist
sie auch darum, weil sie kein vergängliches und darum auch wenig nützendes,
sondern ein bleibendes und demnach stets und für alle Zeiten wohlnützendes
Wunder ist für den, der es in Meinem Namen beachten will! Denn ihr brauchet nur
ein wenig nachzudenken, und es muß euch sobald
einleuchtend werden, an welchem Wunder da mehr gelegen ist, ob an dem Durchzug
der Israeliten durch das Rote Meer, oder ob an der Beständigkeit eines
fruchttragenden Baumes, der heutzutage noch dieselben Früchte trägt, die er
getragen hat zu den Zeiten Adams, und an unserer Fliege, die heutzutage noch
dieselbe ist, wie sie um einige sehr viele Millionen Jahre vor Adam war! –
Urteilet nun selbst, welches Wunder sonach größer und wichtiger ist!
[Fl.01_002,12]
Wenn demnach die Fliege, sowohl vermöge ihrer Entstehung als vorzugsweise
zufolge ihres Fortbestehens und allerzweckdienlichsten Gebrauches aller ihrer
lebensfähigen Bestandteile und ganz besonders zufolge ihrer noch bis jetzt ganz
unbekannten doppelten Nützlichkeit, eine wunderbare, ja großwunderbare
Erscheinung von Mir benannt wird, so kann ja das Gehen einer Fliege auf einer
polierten Fläche mit bei weitem größeren Recht ein Wunder genannt werden –
wovon sich jeder Mensch noch täglich überzeugen kann, wenn er nur einigermaßen
diese Erscheinung je in seinem Herzen gewürdigt hat – als der Einsturz der
Mauern Jerichos durch den Posaunenschall unter der Anführung Josuas.
[Fl.01_002,13]
Denn das erste geschieht noch tagtäglich zahllosfach vor euren Augen, während
vom zweiten außer in der Schrift auf der ganzen Erde keine Spur mehr vorhanden
ist. Wer demnach von dem wunderbaren Einsturze Jerichos einen Nutzen schöpfen
will, der muß dieses Faktum vorerst schwerfällig blindlings
glauben, während er an einem Sommertage von mehr denn tausend solchen
Großwundern erster Art heimgesucht wird, die ihm alle oft schon überlästig
zurufen: Sieh, du stolzer, hochmütiger Mensch, wie reichlich hat der große
heilige Schöpfer lebendige Wunder um dich geschaffen, aus denen du ersehen
sollst und lebendig erkennen in dir, wie nahe dir der Herr des Lebens ist!
[Fl.01_002,14]
Urteilet demnach wieder selbst, welches Wunder da in Beziehung auf euch größer
und wichtiger ist! Ich meine aber, eine an euren Ohren vorübersummende Fliege,
eine zirpende Grille, ein zwitschernder Sperling und ein bescheidenes
Frühjahrsveilchen singen einem liebeverständigen Herzen nicht minder ein
erhaben hohes Lied zu Meinem Lobe denn Salomon in aller seiner Weisheit und
königlichen Pracht!
[Fl.01_002,15]
Salomons Weisheit ist wohl eine hohe Weisheit denen, die selbst in der Weisheit
Salomons sich befinden; aber in dem Liede der lebendigen wie auch stummen Natur
liegt Größeres und endlos Tieferes denn in aller Weisheit des Sohnes Davids.
[Fl.01_002,16]
Und so erzählt euch eine Fliege in ihrem raschen Fluge wunderbar, welche
heilige Kraft ihre leichten Schwingen in die hurtigste Bewegung setzt und trägt
durch diese wohlgemut das Wundertierchen nach allen möglichen Richtungen hin
und her, auf und ab, und sagt euch noch allzeit hinzu: So der heilige Vater
schon solches endlos erhaben Wunderbare tut an mir winzigem, verachtetem
Tierchen, was wird Er erst an euch, Seinen Kindern, alles tun!
[Fl.01_002,17]
Ist solches nicht Weisheit über Weisheit und Wunder über Wunder?
[Fl.01_002,18]
Der letzte Verlauf dieser Mitteilung aber wird euch erst vollends das Wunder
enthüllen; und so lassen wir für heute des Guten und Wahren zur Genüge sein. –
3.
Kapitel – Die Fliege als Ausgleicher der Luftelektrizität.
15.
März 1842
[Fl.01_003,01]
Was wir somit bis jetzt von der Fliege kennengelernt haben, ist doch sicher
wunderbar, ja überwunderbar; aber eines der viel größeren Wunder dieses
Tierchens liegt in seiner Bestimmung, und mit dieser auch in der Art und Weise,
wie es seiner Bestimmung entspricht.
[Fl.01_003,02]
Wie vielfach ist aber die Bestimmung dieses Tierchens? Kann sie wohl einfach
sein? Und so sie es wäre, wie wenig wäre das! Kann sie vielfach sein?
[Fl.01_003,03]
Es gibt in der ganzen Schöpfung nirgends ein Ding, das da mehr als zwei
Polaritäten hätte, nämlich eine bejahende und eine verneinende. Und so gibt es
auch nur ein Oberes und ein Unteres, welches sich einander gegenübersteht; denn
das Mittlere ist nichts denn eine Verbindung des Oberen und Unteren. Und also
gibt es auch ein Äußeres und ein Inneres, ein Materielles und ein Geistiges,
ein Gutes und ein Böses, ein Wahres und ein Falsches.
[Fl.01_003,04]
Wenn demnach von dem Zweck des Daseins eines Wesens die Rede ist, so kann dieser
sich auf nirgend anderswohin erstrecken als nur auf eine dieser zwei
Polaritäten. Und so lasset uns denn sehen, für was alles die Fliege taugt.
[Fl.01_003,05]
Nehmen wir einmal den äußeren Pol.
[Fl.01_003,06]
Es muß euch ja auffallen, warum zur Winterszeit nur
wunderselten irgend ein solches Tier zu ersehen ist, während doch zur warmen
Sommerszeit alles schwirrt und wimmelt von derlei kleinen beflügelten Bewohnern
der Luft.
[Fl.01_003,07]
Sehet, Meine lieben Kindlein, wir werden jetzt sogleich wieder ein Wunder
unserem Tierchen entlocken!
[Fl.01_003,08]
Wie die Fliege also voll Härchen und Spitzchen ist, haben wir schon bei der
Entdeckung des ersten Wunders gesehen, da Ich euch ihr Gehen erläuterte. Allein
das ist nicht die einzige Ursache, darum dieses Tierchen so behaart und
bestachelt ist. Ihr werdet sobald erfahren, wozu jedem dieser Tierchen auch ein
Flügelpaar zum Fliegen verliehen ist.
[Fl.01_003,09]
Sehet, dieses Tierchen wird durch das Einsaugen des elektrischen Stoffes (auf
die schon bekannte Weise) so leicht, daß es gegen die
Anziehungskraft der Erde nicht das allergeringste Gewicht mehr äußert und darum
von seinem kleinen Flügelpaare dann gar leicht in allen Richtungen der Luft
herumgetragen wird.
[Fl.01_003,10]
Warum wird es aber also herumgetragen, oder warum muß
die Fliege, je wärmer es ist, auch desto hurtiger nach allen Richtungen hin und
her fliegen? – Gebet nur recht schön acht; jetzt werden wir es bald
herausbekommen!
[Fl.01_003,11]
Sehet, diese Millionen und Millionen Fliegen sind allda beordert, das von der
Sonne zu reichlich ausgeströmte, sogenannte elektrische Feuer aufzuzehren und
es auf diese Weise zu schwächen, damit es sich nicht durch die eigene
Überladung in sich selbst entbinde und dadurch einer ganzen Welt den Garaus
mache! Denn sehet, dieses elektrische Fluidum ist gar ein überaus mächtiges
Feuer, – es versteht sich von selbst, in seiner bejahenden Sphäre! Solange die
verneinende Elektrizität eines Erdkörpers im Gleichgewicht steht zu der
bejahenden, die da entwickelt wird aus den Strahlen der Sonne, so lange ist
keine Entbindung der bejahenden Elektrizität möglich. Wenn aber die bejahende
Elektrizität nur um ein Tausendstel die verneinende übersteigt, so ist auch
eine freie Entbindung der bejahenden so gut als gänzlich unverhinderlich.
Wie wird sonach einem solchen allgemein verheerenden Übel vorgebeugt?
[Fl.01_003,12]
Sehet nun unsere Tierchen an, wie sie da allerfleißigst
nach allen möglichen Richtungen hin und her schießen und in ihrem schnellen
Fluge die Mehrheit der bejahenden Elektrizität in sich saugen, allwo ihre
Polarität sobald verkehrt wird, indem diese Tierchen das Positive, das da
gleich ist dem Sauerstoff, in sich verzehren, den negativen Teil aber also
wieder aushauchen wie der Mensch den Stickstoff der in sich gesogenen
atmosphärischen Luft, sobald die Lunge aus derselben den Sauerstoff zur
Ernährung des Blutes aufgenommen hat.
[Fl.01_003,13]
Aber ihr möchtet Mich hier fragen: Ja, vermögen denn diese Tierchen wohl soviel
auszurichten?
[Fl.01_003,14]
Und Ich sage euch darauf: O ja, Meine Lieben! Denn sehet, eine einzige Fliege
verkehrt an einem heißen Sommertage so viel bejahender Elektrizität in sich, daß – so diese könnte in ein Gefäß gesammelt werden – sie
hinreichend kräftig genug wäre, in einem Augenblick einen zehnmal größeren
Berg, als euer Schloßberg ist, in Staub zu
verwandeln, – also wie auch mit der Menge der Luft, welche ein Mensch in einem
Tage aus- und einhaucht, wenn sie sich entzünden würde, ganz Europa könnte also
zerstört werden, daß es seine jetzige Gestalt so ganz
und gar einbüßen würde, darum dann niemand mehr erkennen möchte, daß es einstens war, oder wie es jetzt ist, ein
wohlbevölkertes und fruchtbares Land.
[Fl.01_003,15]
Damit euch aber dieses nicht zu fabelhaft klingt, so mache Ich euch aufmerksam
auf die geringfügige Ursache (in naturmäßiger Hinsicht betrachtet) eines großen
Erdbebens, welches nahe auf einer ganzen Erdhälfte und darüber verspürt wurde.
Sehet, solcher Grund lag in tausend Kubikfuß eingeschlossener Luft, welche sich
durch die bekannten äußeren Druckumstände entzündete!
[Fl.01_003,16]
Nehmet ihr nun an, daß ein Mensch in viermaligem
Atmen einen Kubikfuß Luft verzehrt oder vielmehr verkehrt und austauscht,
denket euch, wie oft der Mensch des Tages Atem holt, und ihr werdet erstaunen
vor dem Volumen der Luft, welche nur ein Mensch des Tages hindurch – oder
bestimmter gesagt – im Verlaufe von 24 Stunden verzehrt oder vielmehr verkehrt
hat. Wenn ihr dieses nach dem Vorhergesagten nur ein wenig beurteilet, so wird
es euch dann sicher nicht mehr zu wunderlich klingen, so Ich vorher durch den
Atem, den der Mensch des Tages ein- und aushaucht, ganz Europa möglich
zerstörbar darstellte.
[Fl.01_003,17]
Also muß es euch auch nicht wundern, was Ich von der
Elektrizität, die eine Fliege in einem Tage verkehrt, gesagt habe. Und so eine
Fliege schon solches verrichtet, was werden da erst so viele Millionen und
Millionen ausrichten?!
[Fl.01_003,18]
Nun, Meine Kindlein, ist das nicht ein Wunder, daß
Ich durch so unbedeutend kleine Tagwerker eine ganze Erde vor dem plötzlichen
Untergange behüte?!
[Fl.01_003,19]
Doch dieses alles ist nur ein kleiner Nebenzweck dieses Tierchens, und somit
noch nicht das größte Wunder. Geduldet euch aber nur, die Hauptsachen werden
erst kommen, – und so lassen wir's für heute wieder gut sein. –
4.
Kapitel – Die Fliege als Lebensretter des Menschen.
16.
März 1842
[Fl.01_004,01]
So hätten wir denn gesehen, wie dieses Tierchen seiner Bestimmung entspricht
für den negativen Pol. Doch das bereits Bekannte ist nicht der ausschließend
negative Zweck dieses Tierchens, sondern da gibt es noch eine Menge Nebenzwecke
also gestaltet, wie gestaltet ein weiser Hausherr seinen Arbeitern nicht nur
eine verrichtende Bestimmung gibt, sondern einem jeden Arbeiter verschafft er
neben der Hauptarbeit noch allerlei kleine nützliche Nebenverrichtungen, damit
keine Wendung der Arbeiter unnutzbringend sein solle. Und so wollen wir denn,
bevor wir auf einen anderen Hauptteil der Verrichtung dieses Tierchens
übergehen, noch einige solcher Nebenverrichtungen dieses Tierchens
kennenlernen.
[Fl.01_004,02]
Sehet, Meine lieben Kleinen, es wird euch im Sommer öfter wohl recht lästig
werden, wenn so in einem Zimmer recht viele Fliegen herumfliegen und euch
belästigen, besonders wenn sie so recht zudringlich werden. Allein deswegen
soll niemand dieses Tierchen schelten; denn eben an solchen Tagen verrichten
sie einen sehr wichtigen kleinen Nebendienst, und zwar am allermeisten nützend
den Menschen wie auch den Tieren des Hauses, welche der Mensch zu seinem Dienste
verwendet. Ihr möchtet wohl schon recht gerne wissen, worin dieser nützliche
Nebendienst besteht? Aber nur eine kleine Geduld, denn es gehört noch eine
kleine Erinnerung voraus, – dann aber sollet ihr es auch alsogleich
haben!
[Fl.01_004,03]
Sehet, Meine lieben Kindlein, an einem solchen sehr warmen Sommertage,
besonders zu einer Zeit, so ihr irgend bemerket, daß
das Quecksilber in der sogenannten Wetterröhre sehr nieder steht, werden
zahllose Milliarden und Milliarden von atomischen Tierchen aus dem
niederstehenden Äther in die atmosphärische Luft ausgeboren, denen zufolge ihr
nicht selten die Luft also bläulich verdichtet ersehet, daß
es euch schwer wird, auch nur einige Stunden entfernte Gegenden auszunehmen.
[Fl.01_004,04]
Wenn ihr da Atem holet, so spazieren bei solcher Gelegenheit allzeit mehrere
Trillionen in euch. Obschon aber diese Tierchen so klein sind, daß ihr tausend Millionen auf einem Haufen noch gar nicht
bemerken würdet, so macht aber dessenungeachtet die
Summe von mehreren Dezillionen, die ein Mensch
manchmal an einem solchen Tage einatmet, doch schon etwas so ziemlich
Bedeutendes aus und könnte ganz vollkommen genügen – da diese Tierchen dem
leiblichen Leben höchst gefährlich sind –, um den Menschen sodann plötzlich das
naturmäßige Leben zu nehmen. Denn die dem naturmäßigen Leben unzuträgliche
Beschaffenheit dieser Tierchen ist nahe das, was da ist die allervollkommenste
sogenannte Blausäure.
[Fl.01_004,05]
Nun, solches wissen wir jetzt; was aber dabei die Fliege zu tun hat, solches wissen
wir noch nicht. Allein eben das ist der schon früher besprochene Nebendienst
dieser Tierchen, den ihr nach dieser Vorausschickung nun sogleich haben sollet.
[Fl.01_004,06]
Sehet, derjenige Teil dieser „atomischen Äthertierchen“, welche der Mensch einatmet,
ist seiner Gesundheit gerade nicht der gefährlichste, weil er sobald von dem zu
dieser Zeit ohnehin am nötigen Sauerstoff armen Blute begierig und wohldienlich
aufgenommen wird; aber ganz anders verhält es sich mit demjenigen Teile, der
sich an der äußeren Haut ansetzt und vorzüglich an denjenigen Stellen, wo die
Poren zumeist offen stehen.
[Fl.01_004,07]
Wenn daselbst diese Tierchen eindringen, so nehmen sie gegen die vom Blute
aufgenommenen einen positiven Charakter an. Solange dieser äußere Pol den
inneren Pol nicht überwiegt, so lange ist auch keine Gefahr vorhanden, was z.B.
bei einer mittleren Temperatur der Fall ist. Überwiegt aber dieser äußere Pol
den inneren nur um ein Millionstel, dann besteht für das Leben auch schon die
höchste Gefahr, da sich bei dieser Gelegenheit im Menschen eine Polverkehrung
veranstalten könnte, was dann ebensogut wäre, als so
jemand sich mit einer Nadel stechen möchte, die er zuvor getaucht hätte in die
allerdichteste Blausäure.
[Fl.01_004,08]
Würde aber der äußere positive Pol plötzlich bis zu einem hundertsten Teile
überwiegend gegen den inneren negativen Pol, sodann geschähe plötzlich eine
sichtbare elektrische Entladung, durch welche der Mensch binnen wenigen
Augenblicken also vernichtet werden möchte, daß da
von seinem ganzen Leibe nichts als eine halbe Handvoll übelriechender Asche
übrigbliebe.
[Fl.01_004,09]
Was den ersten Fall anbelangt, da sehet die Pestkrankheiten an; diese sind
nichts als lauter solche Folgen. Was aber den zweiten Fall anbelangt, so kommt
dieser wohl freilich seltener vor, aber gänzlich unerhört sind die sogenannten
Selbstverbrennungen nicht, besonders in den südlichen Ländern.
[Fl.01_004,10]
Da wir nun solches wissen, so werfen wir denn einen Blick auf unsere kleinen
Hausarbeiter und beobachten sie, was sie da tun.
[Fl.01_004,11]
Sehet, unsere Fliege hat auch ein Augenpaar, welches für dieses Tierchen so
groß ist, daß es nahe den siebenten Teil seines
ganzen Wesens ausmacht. Ein jedes Auge für sich ist aber nicht etwa ein
einzelnes Auge, sondern besteht wieder aus mehr denn tausend kleinen Augen.
Diese Augen sind so ordnungsmäßig aneinandergereiht wie die Zellen eines
Bienenstockes und laufen, ein jedes für sich kegelförmig zugespitzt, endlich
alle auf einen gemeinsamen Sehpunkt zusammen und dienen auf diese Weise dem
Tierchen als ein für euch unbegreiflich stark vergrößerndes Mikroskop, mit
dessen Hilfe dann dieses Tierchen sogar jedes einzelne der vorerwähnten
atomischen Tierchen sehen kann.
[Fl.01_004,12]
Zudem ist aber auch ihr Magen also eingerichtet, daß
ihnen eben diese Tierchen eine Hauptnahrung geben. So dann eine oder die andere
Fliege an der Haut des Menschen einen ganzen Klumpen vorerwähnter atomischer
Tiere ersieht, so fliegt sie sobald dahin und gibt leichtlich
nicht eher nach, als bis sie ihren Fund aufgezehrt hat.
[Fl.01_004,13]
Nebst den Augen aber hat dieses Tierchen auch noch ein Paar kleiner
Fühlhörnchen, welche ihm statt der Nase dienen; und da es die Augen nur in
kurzen Distanzen gebrauchen kann, so dienen ihm diese Fühlhörnchen oft auf sehr
weite Distanzen, ja Ich sage euch: Es gibt einige Fliegen, die mittels dieser
Fühlhörnchen irgendeine ihnen wohlschmeckende Nahrung stundenweit riechen.
[Fl.01_004,14]
Sehet nun, Meine lieben Kindlein, da haben wir ja schon wieder ein Wunder
dieses Tierchens oder den besprochenen Nebenzweck seines Daseins!
[Fl.01_004,15]
Ist das nicht ein gar nützlicher Dienst dieses Tierchens? Ja, Ich sage euch,
solches könnt ihr euch wohl merken: Wenn an irgendeinem Ort, besonders zur
Sommerszeit, dieses Tierchen sich plötzlich verliert, dann könnet ihr solches
auch als ein sicheres Zeichen annehmen, daß sodann
Ich mit einer gewaltigen Zuchtrute nicht ferne bin!
[Fl.01_004,16]
So wie aber dieser Nebendienst dieses Tierchens nun wohl erkennbar dasteht, auf
eine gleiche Weise stehen diesem Tierchen noch mehrere solcher wohlnützlichen
Dienste zu.
[Fl.01_004,17]
Wollten wir alles samt und sämtlich kennenlernen, so müßte
Ich euch mehrere Jahre davon diktieren; ihr könnet es aber als sicher annehmen,
daß alles, was da ist, und somit sicher auch die
Fliege, nicht für einen, sondern für tausenderlei gute Zwecke da ist.
[Fl.01_004,18]
Um somit unsere Sache nicht so sehr in die Länge zu dehnen, will Ich euch,
bevor wir zu dem positiven Pol dieses Tierchens übergehen, nur noch zwei solche
nützliche Nebenzwecke zur Bestätigung dieser Meiner Kundgebung ersichtlich
machen, – und so lassen wir es wieder für heute bei dem bewendet sein. –
5.
Kapitel – Die Fliege als Erhalterin gesunder Luft.
17.
März 1842
[Fl.01_005,01]
Ihr werdet an einem warmen Sommertage schon zu öfteren
Malen die Erfahrung gemacht haben, daß besonders an
einem schwülen Nachmittage sich nicht selten des müden Menschen ein süßer
Schlaf bemächtigen will. Wer da noch in der vollen Jugend ist, der kann sich
denselben wohl durch allerlei Mittel vertreiben, dergleichen da wären besonders
leibliche Bewegungen oder sonstige unterhaltende Stellungen, in welchen der
jugendliche Mensch also geweckt wird, daß der Schlaf
ihn nicht so leicht bemeistern kann.
[Fl.01_005,02]
Aber ganz anders verhält es sich mit schon ganz bejahrten Menschen, deren
Glieder schon vieles mitgemacht haben und daher auch steifer, mühseliger und
schläfriger geworden sind. Wenn bei denen an einem solchen Tage die sie
umgebende Luft ihres Lebensstoffes in Hinsicht auf ihren Bedarf ermangelt, so
tritt dann auch sobald die erwähnte Schläfrigkeit ein, und ein solcher Mensch
vermag sich da nicht aufrechtzuerhalten. – Damit ihr aber das Nachteilige
solchen Schlafes vollkommen ersehen möget, so ist es notwendig, vorher einen
Blick auf den natürlichen Schlaf des Menschen zu werfen.
[Fl.01_005,03]
Warum wird denn der Mensch natürlicherweise zur Nachtzeit schläfrig und nicht
also am Tage? Die Ursache ist zwar ganz natürlich; aber da gar viele das Gebiet
der natürlichen Sphäre noch nicht erkannt haben, so ist ihnen auch zumeist die
Ursache des natürlichen Schlafes unbekannt.
[Fl.01_005,04]
Und so sehet denn: Wenn das Licht der Sonne als der positiv polarische Teil des
natürlichen Lebens seine Strahlen auf eine oder die andere Erdhälfte nicht mehr
spendet, so wechselt auf der Erde die Polarität auch immerwährend, so zwar, daß sooft für irgendeinen Teil der Erde die Sonne
untergegangen ist, derselbe auch schon sogleich anfängt, negativ polarisch zu
werden.
[Fl.01_005,05]
Der negative Pol des Lebens aber entspricht ganz vollkommen dem gleichen der
Erde. Wie dieser aber an und für sich der natürlichen Lebenstätigkeit
widerstrebt, also auch der dementsprechende im Menschen, indem er die positive
Elektrizität im Menschen mehr und mehr aufzehrt, und dieser somit die äußere
Lebenstätigkeit auch mehr und mehr verliert, – bei welcher Gelegenheit dann
jene zarten beweglichen Teile, als z.B. die Augenlider sind, diesen Nachlaß zuerst verspüren und sich darum auch nicht mehr
aufrechtzuerhalten vermögen und bald nach ihnen sonach auch alle anderen Teile
des Leibes in denselben geschwächten Zustand übergehen, welcher Zustand dann
den natürlichen nächtlichen Schlaf beim Menschen ausmacht. Fängt dann wieder
der Morgen und der Aufgang der Sonne sich zu nähern an, so vermehrt sich auch
oder wird stets stärker und stärker der positive Pol, und der Mensch wird
geweckter und geweckter, d.h. sein Schlafzustand wird schwächer, welches
Abnehmen der negativen Polarität und verhältnismäßige Zunehmen der positiven so
lange andauert, bis der Mensch vollkommen wach wird.
[Fl.01_005,06]
Es fragt sich jetzt nur noch einzig darum, in welchem Verhältnis der natürliche
Schlaf zu dem vorerwähnten Tagesschlaf steht. Ist dieses begriffen, so haben
wir schon nahe die ganze bedungene Sache.
[Fl.01_005,07]
Dieser Tagesschlaf ist dem natürlichen Schlafe ganz entgegengesetzt, nachdem er
nicht von einer Abnahme der positiven Elektrizität herrührt, sondern nur von
der Übersättigung derselben, – und Übersättigung aus dem Grunde, weil ein
weniger regsamer Körper all die aufgenommene Elektrizität nicht mehr
aufzuzehren oder vielmehr auszutauschen vermag in die gerechte Vielheit der
negativen.
[Fl.01_005,08]
Wenn sonach das Positive anfängt zu überwiegen, so fängt dann auch das Negative
in demselben Verhältnisse an, sich zu vermindern. Was ist nun die Folge davon?
Solches ist sehr leicht zu begreifen.
[Fl.01_005,09]
Wenn ihr betrachtet, wie zwei ungleich kräftige Menschen miteinander ringen: Je
schwächer der Schwächere wird, desto mehr Gewalt bekommt der Stärkere über ihn.
Ist aber einmal der Schwache vollends besiegt, so hat es auch mit der Stärke
des Stärkeren ein Ende, darum er nichts mehr hat, auf das er seine
überwiegenden Kräfte stützen könnte. Jede Kraft aber ist so gut wie keine Kraft
mehr, sobald sie keinen Stützpunkt hat oder nichts, an das sie sich lehnen
könnte.
[Fl.01_005,10]
Sehet nun, Meine Lieben, gerade also verhält es sich auch mit dem Menschen, so
er am Tage vom Schlafe befallen wird, das heißt und wohlgemerkt, an einem mit
Elektrizität überfüllten schwülen Sommertage! – Was haben aber da denn schon
wieder unsere Fliegen zu tun?
[Fl.01_005,11]
Sehet, da wird sogleich wieder ein sehr bedeutender Nebenzweck dieser Tierchen
von großer Nützlichkeit herauskommen, und zwar einer von den zwei schon gestern
im vorhinein versprochenen!
[Fl.01_005,12]
Sehet, diese Tierchen umschwirren und umsumsen und
umtrippeln gar sorgfältig einen solchen Tagschläfer und saugen durch ihre Füße
und ihre sonstigen Härchen und Spitzchen die zu viele positive Elektrizität in
sich, damit dadurch bei dem Schläfer diese positive Elektrizität – ungeachtet
ihres übermäßigen Vorhandenseins – nicht gänzlich die negative unterdrücken
kann und demzufolge der schlafende Mensch sein natürliches Leben auch
forterhält.
[Fl.01_005,13]
Wenn aber solches nicht der Fall wäre, daß da solche
unbeachteten Regulierer dieses natürlichen Lebensstoffes tätigst das möglichste
Gleichgewicht aufrechterhielten, so wäre es mit dem natürlichen Leben auch in
demselben Augenblick aus, sobald die positive Elektrizität die negative
gänzlich besiegt hätte.
[Fl.01_005,14]
Der schlafende Mensch treibt diese lästigen Erwecker,
solange er nur immer kann, zwar fleißig weg, – allein das tut nichts zur Sache,
denn solange er noch diese kleinen Belästiger von seinem Leibe abzuwehren
vermag, so lange auch ist noch keine Gefahr für sein Leben vorhanden. Hat ihn
aber einmal der Schlaf vollends gelähmt, da haben dann auch diese Belästiger
ganz freien Spielraum und verhüten unfehlbar, daß dem
Schlafenden etwas sein Leben Gefährdendes zustoßen könnte. Hat sich mit der
Zeit und manchmal allein durch die tätige Mitwirkung dieser Belästiger die
gegenseitige Polarität wieder mehr und mehr ausgeglichen, alsdann wird der
Schläfer wieder wach und treibt emsig diese gewisserart
kleinen Naturlebensschutzgeister von seinem Leibe. Allein da mag er sie auch
immerhin wegtreiben; denn so er wieder wach geworden ist, ist auch alle Gefahr
so gut wie vollkommen vorüber.
[Fl.01_005,15]
Nun, Meine lieben Kleinen, wie gefällt euch diese Nebenverrichtung dieses
Tierchens? Ihr müßt ja sagen, daß
solches überaus weise und gütig von Mir eingerichtet ist, und Ich sage euch
noch hinzu: Wenn ihr dereinst erst den vollkommenen Zweck eines solchen
Tierchens im Geiste werdet überschauen können, dann werdet ihr euch erst
wundern und sagen: Wie groß und gut bist Du, o heiliger Vater, da Du schon in
solche unbedeutend scheinende Geschöpfe solche unergründlich wohlweisen Zwecke
gelegt hast! Wer kann Dir auch nur für eine Fliege genug danken, Dich loben und
preisen?! Woher aber werden wir erst Worte, Gedanken und Empfindungen nehmen,
um Deine Erhabenheit, endlose Liebe und Weisheit in einem vollkommeneren Deiner
Geschöpfe zu beloben, zu empfinden und dankbarst anzuerkennen?!
[Fl.01_005,16]
Ja, Meine lieben Kindlein, in einer Sonne liegt freilich wohl noch Größeres
denn in einer Fliege. Wer aber Mich erkennen will, der muß
zuerst in die kleine Schule gehen und in dieser den lieben Vater zu erkennen
anfangen. Hat er in dieser bestanden, so wird er sicher auch hernach in der
größeren bestehen und wird sich freuen über die Maßen, da er daselbst erkennen
wird, daß derselbe liebevollste heilige Vater, der da
selbst die kleine Fliege lenkt und leitet in ihrem kleinen Wirkungskreise, dort
Sonnen führt durch ungemeßne Bahnen und den
erhabensten und mächtigsten und vollkommensten Geistern vorschreibt Gesetze der
ewigen Liebe.
[Fl.01_005,17]
Sehet, Meine Lieben, solches alles werdet ihr erst dereinst vollkommen
erkennen, – und lasset uns denn wieder zurückkehren in dessen enge und bis
jetzt noch völlig unbeachtete Wirkungskreise, das heißt: laßt
uns wieder zurückkehren zu unserer kleinen Fliege und an derselben noch einen
wohlnützlichen Nebenzweck beachten! –
6.
Kapitel – Die Fliege als Nahrungsmittelchemiker und Elektrizitätsverteiler.
18.
März 1842
[Fl.01_006,01]
Ihr werdet sicher schon öfter bemerkt haben, daß die
Fliegen sich vorzugsweise gern an jene Orte setzen, wo es etwas zu naschen
gibt, aus welchem Grunde sie auch bei einer Mahlzeit als ungebetene Gäste sehr
gern in großer Menge sich einfinden und daselbst mit großer Begierde sich über
die Speisen und deren Überbleibsel hermachen. Ihr werdet auch bemerkt haben, daß sich diese Gäste bei einer Mahlzeit dann um so häufiger
einfinden, wenn die Tage recht schwül werden und die Zimmer, da gespeist wird,
niedrig und moderduftend sind.
[Fl.01_006,02]
Aber jetzt entsteht denn schon wieder eine Frage, und es werden viele sagen:
Ja, sollten wir denn diese Schmarotzer auch da loben, wenn sie uns unsere
Mahlzeit verunreinigen und uns bei jedem Bissen, den wir in den Mund stecken,
nicht selten bis zur Unausstehlichkeit lästig werden?
[Fl.01_006,03]
Allein, Ich sage euch darauf: Also fragt, urteilt und ärgert sich nur der
höchst kurzsichtige Mensch! Denn könnte er es sehen und vollends begreifen die
große Wohltat, die ihm eine Fliege dadurch erweist, so sie sich auch nur auf
zwei Augenblicke lang auf den Bissen oder Löffel setzt, den er zum Munde führt,
– wahrlich er täte nicht zuviel, wenn er, wie ihr zu sagen pflegt, die Fliege
vergolden ließe!
[Fl.01_006,04]
Denn sehet, alle Speisen, mit sehr geringer Ausnahme, haben vermöge des in
ihnen enthaltenen Zuckerstoffes das Eigentümliche, daß
sie namentlich an einem so recht schwülen Tage aus der verdorbenen Luft allen
Stickstoff an sich ziehen. So da die Speise nur eine kurze Zeit irgend
stehenbleibt, so wird diese arge Luft in ihr dadurch sogleich bemerkbar, daß fürs erste die Speise leicht in eine Säuerung übergeht,
oder über mancher wird sobald ein Schimmel bemerkt, oder manche ändert die
Farbe, oder manche wird an den Rändern, da sie am wenigsten dicht ist, ein
mattbläuliches Aussehen bekommen. – Sehet, das sind lauter Wirkungen der
verdorbenen Luft!
[Fl.01_006,05]
Ja, was tun denn aber die Fliegen dabei? – Sehet, da die Fliege, wie wir schon
wissen, vermöge ihrer Einrichtung eine kleine herumfliegende elektrische
Flasche ist, so ist sie auch nach allem begierig, was in ihr natürliches Gebiet
einschlägt.
[Fl.01_006,06]
Diese verdorbene Luft ist negativ-elektrischer Art und sondert daher alle
positive Elektrizität oft in einem so hohen Grade ab, daß
da nicht selten entweder in einem solchen Zimmer oder noch mehr in den in einem
solchen Zimmer genossenen Speisen sich kein Fünkchen positiver Elektrizität
mehr befindet.
[Fl.01_006,07]
Jetzt kann sich dann ein jeder denken: Wenn in einem solchen Zimmer nicht
häufig diese munteren Elektrizitätsträger sich einfinden würden, wie würde es
da bald aussehen mit der leiblichen Gesundheit des Menschen? Aber das wäre noch
das wenigste; denn solange die verdorbene Luft sich noch in dem ganzen Raume
des Zimmers aufhält, hat sie auch noch immer soviel Spannkraft, daß sich wenigstens die Lunge bei der Einatmung derselben
auszudehnen vermag. Wird aber diese Luft einmal aller ihrer Spannkraft ledig,
so fällt sie dann als ein schmutzig dunstiger Tau namentlich auf die ihr
verwandten Teile, wie da die Speisen es sind, nieder. Wenn sodann ein Bissen,
den der Mensch genießen will, schon mehrfach also betauet ist, so setzen sich
dann auch gerne eine oder mehrere Fliegen dahin und lassen vom Überfluß ihrer positiven Elektrizität über den Gegenstand
ausströmen, den sie bekriechen.
[Fl.01_006,08]
Was ist nun die Folge dieses Aktes? – Ich sage: Nichts mehr und nichts weniger,
als daß dadurch diese niedergeschlagene böse Luft
sobald gewisserart wieder belebt wird und flüchtig, –
entsteigt dann dem zu genießenden Bissen oder der noch in einer Schüssel
befindlichen Speise, durch welchen Zersetzungsprozeß
die Speise wieder unschädlich genießbar wird, während im Gegenteil oder in
Ermangelung dieser kleinen lästigen Chemiker nicht selten an einem solchen
schwülen Tage, besonders in einem vorerwähnten Zimmer, selten ein Mensch über
die Mahlzeit hinaus leben dürfte.
[Fl.01_006,09]
Wie gefällt euch nun dieser Nebendienst? Ist das nicht wieder ein Wunder, ja
ein bleibendes Wunder, welches heutzutage noch also wirksam ist, wie es war in
den urältesten Zeiten, in welchen Menschen gelebt haben?
[Fl.01_006,10]
Aber ihr werdet euch vielleicht denken und dann sagen: Nein, aber das geht doch
schon etwas ins zu Außerordentliche über! Eine Fliege sollte einen solchen
Wirkungskreis haben?!
[Fl.01_006,11]
Und Ich sage euch darauf: Nicht nur einen solchen Wirkungskreis, von dem ihr
jetzt erst ganz etwas Unbedeutendes kennet, sondern einen solchen Wirkungskreis
hat dieses unscheinbare Geschöpfchen, daß er für eure
Begriffe so gut wie unendlich ist. Denn sollte Ich euch alles kundgeben, was
dieses Tierchen betrifft, so würden hunderttausend Schreiber in einer Million
von Jahren nicht fertig werden, so sie auch Tag und Nacht ohne Unterlaß schreiben möchten.
[Fl.01_006,12]
Also wundert euch nicht zu hoch über die etlichen Punkte nur, die Ich euch
bekanntgegeben habe! Wer aber da einen richtigen Weg gehen will, der denke, daß von Mir aus jedes noch so unscheinbare Ding einen
unendlichen Wert hat.
[Fl.01_006,13]
Solche Gedanken werden jedem Menschen sehr gut zustatten kommen, da sie fürs
erste ihn im beständigen Zustande der Demut erhalten, andererseits aber auch klärlich zeigen werden, auf welchem Standpunkte sich sonach
erst ein gerechter Mensch befindet, an dem doch sicher mehr gelegen sein wird
als an einer ganzen Trillion von Fliegen.
[Fl.01_006,14]
Doch da wir uns nun im Gebiete der Fliegen befinden, so wollen wir in demselben
nicht den Wert eines Menschen ermessen, sondern wollen dafür diesem schon
besprochenen Nebenzwecke der Fliege noch eine kleine Aufmerksamkeit schenken.
[Fl.01_006,15]
Ihr werdet auch bemerkt haben, daß die also
gesättigten Fliegen dann sehr gern an glänzende Gegenstände fliegen und
dieselben nicht selten ganz gewaltig beschmatzen. Da werdet ihr, Meine lieben
Kleinen, euch wohl untereinander fragen: Sollte etwa das gar auch noch etwas
Nützliches sein?
[Fl.01_006,16]
O ja, sage Ich euch; dieses ist gar sehr nützlich, und es wäre ohne dem die
vorher besprochene chemische Arbeit dieser Tierchen nur zur Hälfte nützlich, so
dieser zweite, geringfügige Akt nicht sobald erfolgen würde.
[Fl.01_006,17]
Wir wissen schon aus dem Früheren, daß die Fliege
zuallermeist eine negativ-elektrische Nahrung zu sich nimmt, und sie ist sonach
ein wahrer Giftsauger, sowohl aus der Luft, von Menschen und von Tieren, als
auch von all den Speisen, die der Mensch genießt.
[Fl.01_006,18]
So kann demnach auch ihr Unrat, wenn gerade auch nicht mehr schädlich-giftig,
aber dennoch rein elektrisch negativ sein. Wir wissen aber auch, daß die positive Elektrizität sich zumeist an die polierten
Gegenstände drängt. – Sehet, jetzt werden wir es bald heraushaben! – Damit sich
dann aber in einem an positiver Elektrizität armen Gemach die wenige positive
Elektrizität, die sich da an den polierten Gegenständen aufhält, gehörig
verteilt, so bekleistern diese Chemiker sorgfältig solche polierten
Gegenstände, wodurch dann diese stets mehr und mehr an der Kraft verlieren, die
nötige und der Zimmerluft unentbehrliche positive Elektrizität anzuziehen. Wenn
ihr etwa dieses schwer glauben solltet, so stellet nur vergoldete Gegenstände
in ein solches Zimmer, und ihr könnet versichert sein, daß
sie von diesen Chemikern binnen kurzer Zeit also bekleistert werden, daß ihr gar wenig vom Golde mehr werdet durchblitzen sehen.
[Fl.01_006,19]
Ja, warum haben aber diese Tierchen gerade auf das Gold eine solche Passion?
[Fl.01_006,20]
Darauf sage Ich euch nichts anderes als: Warum vergoldet ihr denn eure
Blitzableiter?
[Fl.01_006,21]
Ihr müßt darauf antworten: Weil das Gold namentlich
die positive Elektrizität außerordentlich stark an sich zieht. – Aber, werdet
ihr sagen, die Fliegen beschmutzen auch die Fensterscheiben, und das Glas zieht
bekanntermaßen die Elektrizität nicht an!
[Fl.01_006,22]
Das ist zwar wahr, aber Ich frage euch dagegen: Warum verwendet man denn
gläserne Scheiben oder Zylinder als wohltaugliche Mittel, um die in der Luft
freie Elektrizität durch eine geringe Reibung ersichtlich zu machen?
[Fl.01_006,23]
Sehet, jetzt habe Ich euch schon wieder gefangen und gebe euch zur Antwort:
Weil die Elektrizität sich eben an den Glasscheiben vorzugsweise gerne
ansammelt, und wenn diese dann nur ein wenig gerieben werden, so wird sie auch
sobald ersichtlich!
[Fl.01_006,24]
Da wir nun solches wissen, so können wir ja auch füglich unsere kleinen
Chemiker dahin schmatzen lassen, damit diese Elektrizitätshalter stets rauher werden und daher auch stets unfähiger, die
Elektrizität an sich zu halten, und diese dadurch dann gezwungen wird, sich mit
der anderen Zimmerluft gerechter zu vermengen.
[Fl.01_006,25]
Nun, was saget ihr jetzt dazu, so ihr das Gesagte nur ein wenig aufmerksam
durchgehet? Sehet, also nicht einmal ein unbedeutendster Fliegenschmatzer
ist ohne Meine Weisheit und Vorsehung an die Stelle gelegt, da er sich
befindet, da er doch nur ein purer Unrat eines solchen unbedeutenden Tierchens
ist.
[Fl.01_006,26]
Was solle man denn dagegen einem Menschen für eine Antwort geben, der mit
seiner hohen Vernunft die Bestimmung des Menschen selbst annulliert? – O der
entsetzlichen Torheit!
[Fl.01_006,27]
So Ich schon also sorge, daß das Allerunscheinbarste
eine überaus nützliche Bestimmung in sich birgt, und einer unbedeutendsten
Fliege alle ihre unscheinbarsten Verrichtungen also wohl nützend vorschreibe, –
um wieviel mehr werde Ich für den Menschen sorgen,
der da nicht nur ein Geschöpf, sondern ein wahrhaftes Kind Meiner Liebe ist
oder es zum allerwenigsten werden solle, das heißt: daß
er erkennen solle, daß Ich ihm ein Vater bin und
nicht bloß ein Schöpfer wie den Steinen und Erdklötzen!
[Fl.01_006,28]
Es muß aber ja schon ein nur einigermaßen kindlich
frommes Herz sagen, daß Ich sogar väterlich sorge für
das stumme Gras auf dem Felde, – und solches ist wahr, ja überaus vollkommen
wahr; denn nur der Vater gibt Speise und Trank allen Dingen, die auf was immer
für eine Art speise- und trankfähig sind. Wenn Ich aber auf diese Weise schon
für die stummen Dinge also väterlich sorge, da werde Ich doch sicher für
diejenigen Wesen um so mehr als Vater sorgen, die Ich wahrhaft nach Meinem
Ebenbilde als Kinder aus Meiner Liebe hervorgehen ließ!
[Fl.01_006,29]
Solches beachtet wohl! Und es ist sicher der Mühe wert, Meine väterliche Sorge
an den kleinen Dingen zu beachten, damit es dem Zweifler doch einmal klar
werden möchte, daß Ich nicht ein allesfressender,
unbegreiflicher Macht-Gott bin, sondern daß Ich nur
einzig und allein ein wahrer Vater bin allen Meinen lieben Kindern, und bin
kein verschwenderischer Vater, sondern ein überaus wirtschaftlicher, der sogar
den Unrat einer Fliege noch zum Besten Seiner Kinder zu verwenden weiß.
[Fl.01_006,30]
Ja, Ich sage euch, da gibt es noch zahllose und viel unbedeutendere Dinge, und
doch lasse Ich das Allerunendlichgeringste nicht zugrunde gehen! Da Ich
demzufolge doch sicher nicht ein alles auffressender Gott, sondern ein selbst
das Geringste erhaltender Vater bin und wirtschafte also überaus getreu für
Meine Kinder, – wie groß demnach muß die Blindheit
eines Menschen sein, die Mir Meine unablässige, allerkümmerlichste Vatersorge
um Meine Kinder streitig machen will?!
[Fl.01_006,31]
Meine lieben Kindlein! Glaubet es Mir sicher: Ich bin Tag und Nacht sogar für
das Wachstum eines jeden Härchens auf eurem Leibe besorgt, was doch gar bald
samt dem Leibe in Verwesung übergehen wird; um wieviel
mehr erst werde Ich dann sicher besorgt sein für eure unsterbliche Seele und
euren ewigen Geist aus Mir!
[Fl.01_006,32]
Ja, ja, Meine Lieben! Beachtet nur diese kleine Fliege; sie singt euch wahrlich
vom Siege, welchen ihr aber erst vollkommener in der nächstfolgenden
positiv-polarischen Darstellung deutlicher und deutlicher erkennen werdet!
[Fl.01_006,33]
Und so lassen wir es für heute bei dem bewendet sein! –
7.
Kapitel – Die Fliege, ein Sammelpunkt des Lebens aus Gott.
19.
März 1842
[Fl.01_007,01]
Nachdem wir bereits den negativ-polarischen Teil
dieses Tierchens kennengelernt haben, welcher eigentlich der materielle Teil
ist, so wollen wir uns nun zu dem positiv-polarischen Teil dieses Tierchens
wenden, um allda erst das hauptsächlich Wunderbare mit einigen aufmerksamen
Blicken zu erschauen.
[Fl.01_007,02]
Wer je eine Fliege gesehen hat, der wird doch unmöglich ihr das Leben
abstreiten können und wird vielmehr sagen müssen: Dieses Tierchen ist nicht nur
lebendig, sondern was sein Leben betrifft, so hat es in naturmäßiger Hinsicht
ja sogar ein vollkommeneres Leben als so manche Tiere, die sich schon auf einer
bei weitem höheren Stufe der Vollkommenheit befinden. Ja, er wird am Ende noch
sagen: Wahrhaftig wahr, so ich meine übrigen Eigenschaften beibehalten könnte,
so wäre ich als Mensch der erste, der mit dem sehr bequem eingerichteten Leben
einer Fliege tauschen möchte!
[Fl.01_007,03]
Wenn nun ein Mensch solches Zeugnis einem Tierchen geben muß,
so wird da etwa doch nicht eines näheren Beweises vonnöten sein, um daraus erst
ersehen zu müssen, daß die Fliege ein vollkommen
lebendiges Tierchen ist?!
[Fl.01_007,04]
Also die Fliege lebt, das wüßten wir bereits; aber
wie sie lebt, und warum sie lebt, sehet, Meine lieben Kleinen, das ist eine
ganz andere Frage! Damit ihr aber dieses soviel als möglich gründlich begreifen
möget, so wird es notwendig sein, zuvor einen allgemeinen Blick über das Leben
selbst zu werfen.
[Fl.01_007,05]
Und so höret denn: Das ganz eigentlichst freieste
Leben ist nur in Mir, welches Leben aber also beschaffen ist und in einer also überschwenglich großen Vollkommenheit dasteht, daß es in seiner Sphäre ewig nie von einem geschaffenen
Wesen kann ergriffen und erfaßt werden –, darum es
ist ein heiliges Leben, und da es ist ein heiliges Leben, so ist es auch ein
ewiges und ein unendliches Leben.
[Fl.01_007,06]
Denket euch die ganze Unendlichkeit oder einen Raum, in dem sich ein Mittelpunkt
befindet, von welchem nach allen Seiten endlose Strahlen auslaufen, deren
Anfang zwar der Mittelpunkt, aber deren Ende ewig nirgends mehr anzutreffen
ist!
[Fl.01_007,07]
In diesem Zentrum ist alle lebende Kraft der ganzen Unendlichkeit vereinigt und
geht von diesem Zentrum wieder in die ganze Unendlichkeit aus. Damit aber diese
lebende Kraft sich nicht zu sehr in das Allerunendlichste zerstreue und daher
in sich selbst schwächer werde, so hat sie sich durch die ganze Endlosheit des ewigen Raumes auch endlos viele
Lebenssammelpunkte geschaffen, in welchen sich das Leben gewisserart
selbst auffängt und sodann wieder zurückkehrt zu seinem urewigen Zentralsitze.
[Fl.01_007,08]
Sehet, Meine lieben Kleinen, jetzt habe Ich euch ein gar außerordentlich großes
Geheimnis enthüllt, – ja, Ich sage euch, ein Geheimnis, welches, solange die
Erde von Menschen bewohnt ist, nur sehr wenigen und selbst dann nur dunkel
angedeutet wurde!
[Fl.01_007,09]
Aber so ihr dieses Geheimnis ein wenig verstehet, da wird sich euch in jedem
Falle die bedeutungsvolle Frage von selbst aufwerfen, welche also lauten wird:
Ja, aber warum muß denn solches geschehen? Kann denn
Gott je schwächer werden in Seinem Leben?
[Fl.01_007,10]
Und Ich sage euch darauf: Solches ist freilich wohl unmöglich, solange Gott in
Sich Selbst allein verbleiben will und will durchaus keine Geschöpfe in Sich
und aus Sich schaffen und formen.
[Fl.01_007,11]
Wenn aber dem Bedürfnisse Seiner unendlichen Liebe zufolge, Er schon –
wenigstens für eure Begriffe – von vielen Ewigkeiten her erschaffen hat
Geschöpfe überaus mannigfacher Art, vom vollkommensten Geiste abwärts bis zum
allerunbedeutendsten atomischen Tierchen, und allen diesen überaus endlos
zahllosen Wesen das Leben gab, jedem nach seiner Art, – saget Mir einmal, durch
welches Leben hat denn der Schöpfer diese zahllosen Wesen belebt, belebt sie
jetzt noch und wird sie ewig beleben!?
[Fl.01_007,12]
Hat Er etwa irgendwo außer Sich ein Privatleben, mit welchem Er alle diese
Wesen belebt, ohne deshalb nötig zu haben, sie aus Seinem eigenen Leben zu
beleben? Ich bin der Meinung, eine solche Annahme möchte etwa doch schon einem
Steine undenkbar möglich vorkommen. Da der Schöpfer also kein solches
Privatleben hat, so wird es ja etwa doch klar sein, daß
Er alle diese geschaffenen Wesen aus Sich beleben muß.
[Fl.01_007,13]
Wenn demnach alle diese Wesen mit ihrem erhaltenen Leben sich ewigfort hinaus vom Zentrum weg bewegen würden, so würde
sich dadurch ja doch ganz natürlicherweise die Zentralkraft offenbar nach und
nach schwächen müssen, obschon sich das Leben zwar als solches ewig nie
verlieren könnte, da es ein unendliches Leben ist; aber doch könnte es statt ewigfort stärker, ebenalso
schwächer werden, da es sich dadurch selbst einer unendlichen Teilung aussetzen
würde.
[Fl.01_007,14]
Damit ihr ein solches Schwächerwerden noch inniger
versteht, so mache Ich euch nur auf die endlose Teilbarkeit der Materie selbst
aufmerksam; denn ihr könnt euch zufolge dieser Teilung selbst noch in einem
Atome endlos viele Teile denken. Aber wird das Atom dadurch stärker, so ihr es
endlos teilet, oder umgekehrt? Ihr könnt zwar das Atom durch eine ewig
fortdauernde Teilung nicht aufheben, aber solches möget ihr auch verstehen, daß sodann das also unendlich geteilte Atom nicht mehr die
Stärke haben wird, wie es sie gehabt hat vor der Teilung.
[Fl.01_007,15]
Wenn ihr nun solches einigermaßen begreift, so wird sich euch wieder eine Frage
aufwerfen, und ihr werdet da sagen: Ja, wenn es also ist, da hätte ja der
Schöpfer besser getan, so Er von Ewigkeit her nichts erschaffen hätte!
[Fl.01_007,16]
Allein statt euch hier mit einer Gegenantwort zu kommen, will Ich euch Selbst
um etwas ziemlich vielen Menschen Bekanntes fragen.
[Fl.01_007,17]
Warum werden denn diejenigen Menschen gewöhnlich – wenigstens naturmäßig –
stärker, welche schon von Jugend auf durch allerlei schwere Arbeit ihre Kräfte
geübt haben? – Das ist Nummer eins.
[Fl.01_007,18]
Nummer zwei: Warum hängt man denn einem Hufeisenmagnet nach und nach immer
größere Gewichte an?
[Fl.01_007,19]
Nummer drei: Durch welche Mittel wird denn ein Mensch zu einem Künstler und
Virtuosen in einer oder der anderen Kunst?
[Fl.01_007,20]
Geht euch bei diesen sehr bedeutungsvollen Fragen noch kein Licht auf?
[Fl.01_007,21]
Warum wird denn das gehämmerte Metall stärker und bekommt eine desto größere
Spannkraft, wenn es gehämmert wird, als das gleiche ungehämmerte?
[Fl.01_007,22]
Warum wird von einem und demselben Baume das Holz fester und unzerstörbarer, je
mehr irgend ein Baum den Stürmen ausgesetzt war?
[Fl.01_007,23]
Sehet, und merket es denn, warum da in der weiten Unendlichkeit so endlos viele
Lebensaufhaltspunkte gesetzt worden sind! Sehet,
höret, und verstehet es: Damit sich das urewige Leben selbst immer mehr und
mehr übe und sonach an der endlosen Kraft auch ewig und endlos zunehme, und das
aus dem Grunde, weil auf diese Weise das von dem Mittelpunkte ausgehende Leben
stets vervollkommneter und intensiver in das Zentrum zurückkehrt!
[Fl.01_007,24]
So wir dieses wissen und verstehen, so werden uns, Meine lieben Kleinen, auch
die ersten zwei gestellten Fragen, wie und warum nämlich die Fliege lebt, so
gut wie schon vollkommen beantwortet sein. Denn wie sie lebt, beantwortet sich
ja schon aus dem, daß sie ebenfalls ein solcher
gestellter Sammelpunkt für das ausgehende Leben aus dem Zentrum ist und nimmt
daher in sich sammelnd gleichsam die Leben von einer Unzahl Vorgangstierchen in
sich auf.
[Fl.01_007,25]
Also die erste Frage muß selbst einem Blinden schon
ersichtlich klar sein.
[Fl.01_007,26]
Es wird aber demzufolge nun auch sicher niemandem mehr schwerfallen, schon im
voraus ganz klar zu bestimmen, warum sie lebt, nämlich: Damit die Summe ihres
Lebens übergehe und somit zurückkehre in ein vollkommeneres und schon
intensiveres Leben, und also fort und fort aufwärts bis zur Seele des Menschen,
welche da zugleich auch in sich zur Aufnahme des intensivsten Lebens aus Mir
fähig wird, welches Leben sich da mit Mir – wie ihr wißt
– durch die Liebe nun wieder vollends zu einer Kraft vereinigen kann.
[Fl.01_007,27]
Wenn ihr nun unser Tierchen von diesem Standpunkte aus betrachtet und nicht
ausruft: Die Fliege, die Fliege, sie singt uns vom Siege!, so müsset ihr mit
dreifacher Blindheit und Taubheit behaftet sein!
[Fl.01_007,28]
Doch das bisher Gesagte über dieses Tierchens positive Polarität diene euch nur
als eine tüchtige Vorleitung, damit ihr das, was da noch folgen wird, desto
gründlicher verstehen möget. Überdenket es wohl; die nächste Fortsetzung wird
euch erst etwas näher in das Wesen dieses Tierchens hineinsehen lassen, – und
somit lassen wir es für heute wieder gut sein! –
8.
Kapitel – Die Fliege und die Entstehung der Kometen.
20.
März 1842
[Fl.01_008,01]
Damit ihr aber das folgende Großwichtige gründlich verstehet, so wird es noch
nötig sein, auf das bereits Gesagte einen kleinen Rückblick zu machen, d.h. nur
auf den positiv-polarischen Teil unserer Fliege, wie sie ist ein Sammelpunkt
des Lebens.
[Fl.01_008,02]
Werfet einen wohlbeachtenden Blick zur Sonne! Wer aus euch kann es wohl
ermessen, wie weit hinaus von ihr die letzten Strahlen reichen? Gewiß wird das keine unbedeutende Distanz ausmachen. So ihr
das Alter der Sonne auf mehr denn hunderttausend Dezillionen
Jahre ansetzet, in welchem für euch undenkbar langen Zeitraume die Sonne ihre
Strahlen fortwährend in den unendlichen Raum hinausgeschickt hat, so zwar, daß diejenigen Strahlen, welche zuerst von ihr ausgingen,
noch jetzt auf dem schnellen Wege in die weite Unendlichkeit hinaus sind, dafür
aber auch noch zahllos mehr Strahlen zu ihr wieder von den Punkten
zurückgekehrt sind, von denen sie aufgefangen wurden, so werdet ihr das voraus
Gesagte über die Lebenansammlungspunkte um so
sicherer und gründlicher einsehen, da euch die tagtäglich scheinende Sonne
überlaut sagt: Sehet, so lange schon spende ich meine Strahlen in die weite
Unendlichkeit hinaus, und dennoch ist mein Licht um nichts schwächer geworden,
als es war vor für euch unendlich langen Zeiten!
[Fl.01_008,03]
Aber ihr werdet hier leicht fragen: Wie wird denn die Sonne diejenigen Strahlen
wieder zurückbekommen, welche seit ihrer ersten Entstehungsperiode noch immer
im Ausgehen in die unendlichen Raumfernen begriffen sind?
[Fl.01_008,04]
Und Ich sage euch aber, daß solches der Sache soviel
wie gar nichts schadet; denn mögen sich die Strahlen noch dezillionenmal
weiter entfernen, als sie sich schon entfernt haben, so werden sie doch einmal
sicher irgend einen Punkt finden, der ihnen den Weg versperren und sie zum
Rückzuge nötigen wird.
[Fl.01_008,05]
Aber möchtet ihr vielleicht sagen: Wie ersetzt sich denn das Sonnenlicht,
nachdem vermöge der weiten Reise des Lichtes und zufolge der wenigen sichtbaren
Aufhaltspunkte das ausgegangene Licht sicher nur sehr
spärlich zurückkehrt?
[Fl.01_008,06]
Allein auch dieses schadet unserer Sache gar nichts; denn dafür, daß die Sonne ihre eigenen ausgeschickten Strahlen nur
spärlich zurückbekommt, ist sie aber anderseits selbst ein Sammelpunkt und
nimmt als solcher von mehr denn einer Milliarde Sonnen die Strahlen auf, läßt dieselben in sich intensiv werden und spendet sie dann
wieder in dichter Masse aus.
[Fl.01_008,07]
Nun sehet, wenn ihr dieses ein wenig beachtet, so werdet ihr ja doch schon mit
den Fingern leicht finden, wie gestaltet von Mir aus von Unendlichkeit zu
Unendlichkeit die Wirtschaftung des Lichtes eingerichtet ist, und daß auf diese Weise auch nicht das allerkleinste Atom im
endlosen Äther der Unendlichkeit zwecklos schwimmt!
[Fl.01_008,08]
Solches ist für den Großes zu denken ungewohnten Geist wohl etwas schwer zu
fassen; aber ein schöpferisches Beispiel, das Ich euch noch hinzufügen will,
wird euch von der Rückkehr und dem wirtschaftlichen Austausch der Strahlen für
das Verständnis eures Geistes sicher einen überaus guten Dienst leisten.
[Fl.01_008,09]
Und so sehet denn: Allda in den für eure Begriffe freilich wohl sehr weiten
Zwischenräumen die Strahlen zweier Sonnen sich begegnen, allda auch werden eben
diese ausgehenden Strahlen sich nach und nach selbst zum gegenseitigen
Aufnahmepunkte.
[Fl.01_008,10]
Ihr fraget jetzt schon: Wie und auf welche Weise denn?
[Fl.01_008,11]
Diese Frage ist wohl sehr leicht und verständlich zu beantworten, so ihr doch
sicher annehmen müßt, daß
der ausgehende Strahl, da er in Zeit und Raum enthalten ist, doch sicher etwas
wenn auch noch so unwägbar Subtiles, aber dennoch Materielles ist.
[Fl.01_008,12]
Wenn denn solche Strahlen zweier Sonnen sich begegnen, so sind sie auch
natürlich als Strahlen einer Sonne von gleicher Polarität. Ihr wißt aber, daß sich gleiche
Polaritäten nimmerdar anziehen, sondern stets
abstoßen. Nun, so ihr nur ein wenig gutes Verständnis im Herzen besitzet, so müßt ihr ja zufolge des bereits Gesagten mit den Händen
greifen, daß wenn also sich begegnende Strahlen sich
gegenseitig abstoßen, sie sich somit auch selbst gewisserart,
wie ihr zu sagen pflegt, zu Heimtreibern dienen.
[Fl.01_008,13]
Was geschieht aber, so sich Strahlen mehrerer Sonnen ganz natürlich
notwendigerweise in einem solchen von allen diesen Sonnen nahe gleich fernen
Zwischenraume begegnen, so zwar, daß von allen
möglich denkbaren Seiten sich die Radien begegnen?
[Fl.01_008,14]
Das ist jetzt freilich eine ein wenig etwas andere Frage. Um euch aber von der
Hauptsache nicht zu lange aufzuhalten, so sage Ich es euch alsogleich
offen hin, was ihr auch bei nur einigermaßen gediegenerem Nachdenken gefunden
haben würdet, daß an dieser Stelle sich ein
Strahlenkonflikt bildet, und zwar aus dem Grunde, weil auch ein Teil der
Strahlen die Linie des anderen Teiles ganz gerade durchschneidet und sich allda
begegnet, – welche Kreuzung der Strahlen ihr euch also vorstellen müßt, als so ihr mehrere solche Kreuze also übereinander
gelegt hättet, daß da von einem Mittelpunkte eine
Menge auslaufender Strahlen ersichtlich würde.
[Fl.01_008,15]
Diese durchlaufenden Strahlen neutralisieren notwendigerweise die Polarität und
werden dadurch hinderlich, daß die andern, ihnen
gerade in die Quere laufenden Strahlen sobald wieder ihren Rückzug antreten
möchten. Sonach geschieht hier mit der Länge der Zeiten ein Strahlen-, oder für
euch noch verständlicher, ein schimmernder Lichtknäuel, welcher mit der Länge
der Zeiten solcher Strahlenansammlung eine Art feindunstiger Dichtigkeit
bekommt und somit auch immer schwerer und schwerer wird.
[Fl.01_008,16]
Es kommt nun darauf an – da die Sonnen sich ebenfalls gleich den Planeten um
einen anderen Zentralkörper bewegen –, welche Sonne auf ihrem weiten Wege
diesem Lichtknäuel näher kommt; und die Folge ist, daß
sie auch dann ganz natürlicherweise eben diesen Knäuel in ihr Gebiet zieht und
ihn somit verspeist.
[Fl.01_008,17]
Da ihr nun dieses wißt, so sage Ich euch, daß dieses die ganz allereigentlichste Entstehungsart der
Kometen ist!
[Fl.01_008,18]
Aber Ich vernehme schon wieder eine Frage in euch, welche also lautet: Ja, wie
kommt es denn aber hernach, daß solche Kometen
fortbestehen und somit von der Sonne, die sie angezogen hat, nicht gänzlich
aufgezehrt werden?
[Fl.01_008,19]
Ihr könntet die Antwort zwar schon aus dem Gesagten heraus ziehen; allein um
euch die Mühe des vielen Nachdenkens zu ersparen, sage Ich euch lieber alsogleich, daß der Grund in der
vorher erwähnten Neutralisierung der Strahlen liegt. Denn sehet, durch diese
Neutralisierung oder – für euch noch verständlicher gesprochen – Abspannung
nehmen die also sich angesammelten Strahlen einen negativen Charakter an und
bilden also schon der Sonne gegenüber einen polarisch entgegengesetzten Punkt,
welcher dann nach dem ewigen Gesetz Meiner Ordnung schon fortwährend imstande
ist, ihm begegnende positiv-polarische Sonnenstrahlen aufzunehmen und sie
abzuspannen und sie also für seine eigene Nahrung zu gebrauchen.
[Fl.01_008,20]
Daß ein solcher Komet solches tut, bezeugt euch
hinreichend fürs erste sein oft sehr weitgedehnter, ihn umgebender Dunstkreis,
welcher sich gewöhnlich auf der der Sonne entgegengesetzten Seite in einen weiten,
sogenannten Schweif ausdehnt. Was ist aber eigentlich dieser Schweif?
[Fl.01_008,21]
Sehet, dieser Schweif ist an und für sich nichts anderes als eine Verzögerung
der von der Sonne auslaufenden Strahlen, welche durch die negative Polarität in
ihrem ursprünglichen, von der Sonne ausgehenden Wurfschwunge gehemmt und durch
den Rücktritt ihres Weges zu dem sie anziehenden Körper als eine überaus zarte
Dunstmasse sichtbar werden.
[Fl.01_008,22]
Sehet nun, dadurch ist der Sonne zwar ein neuer Kostgänger hinzugewachsen,
und er wird gar viele Strahlen speisen, bis er zu einer planetarischen
Dichtigkeit gelangen wird. Hat er aber diese einmal erreicht, so gibt er dann,
durch seine eigene Zentralschwere genötigt, der Sonne unbeschadet seiner
Wesenheit ihre Strahlen zahllosfach zurück, nachdem er bei seiner
planetarischen Stellung nicht nur die Strahlen derjenigen Sonne aufnimmt, in
deren Gebiete er sich befindet, sondern die Strahlen zahlloser Sonnenkörper,
die ihn von allen Seiten umgeben, saugt er in Massen auf und führt sie dann gewisserart seiner Mutter zu.
[Fl.01_008,23]
Nun, das wüßten wir jetzt; aber in euch wird schon
wieder eine Frage rege und ihr fraget: Ja, was wird denn aber unsere kleine
Fliege mit diesen Kometenbildungen und Sonnenstrahlenzurücksendungen zu tun
bekommen?
[Fl.01_008,24]
Ich aber sage euch darauf: Nur noch eine ganz kleine Geduld, und wir wollen sie
dann sogleich hinter dem großen Brausen eines also neu entstandenen Weltkörpers
einhersumsen lassen!
[Fl.01_008,25]
Bevor wir aber doch solches füglichermaßen tun
können, müssen wir ja notwendigerweise einen flüchtigen Blick auf die Strahlen,
die da einer Sonne entströmen, selbst werfen und da ersehen, was denn
eigentlich diese einer Sonne entströmenden unwägbaren Lichtteilchen an und für
sich sind.
[Fl.01_008,26]
Zum Teile wißt ihr solches zwar schon ohnehin; dessenungeachtet aber wird es der Sache keinen Schaden
bringen, so hier eine kleine Wiederholung geschieht, und so höret denn: Diese
ausgehenden Lichtatome sind auch zugleich, wie ihr schon wißt,
die erste Stufe und der Entstehungsgrund der euch schon einmal bekanntgegebenen
Lichttierchen.
[Fl.01_008,27]
Sehet nun, diese Ansammlungen solcher Strahlenatome zu einem späterhin
werdenden Planetenknäuel sind auch zugleich Ansammlungen des tierischen Lebens,
nämlich in einem solchen Planetenknäuel.
[Fl.01_008,28]
Wie äußert sich aber dieses tierische Leben zuerst auf einem solchen neuen
Planeten?
[Fl.01_008,29]
Das tierische Leben äußert sich notwendigerweise zweifach, und zwar zuerst in
einem negativen Leben, welches da ist das Pflanzenleben. Hat dieses Leben
einmal die gehörige Sättigung bekommen und vermag nicht mehr alles vorhandene
polarische Leben in sich aufzunehmen, so bildet sich ja natürlicher- und
notwendigerweise ein positiv-polarisches Leben aus und hat zufolge der
Übersättigung des negativen Lebens dann eine hinreichende Nahrung für sich.
[Fl.01_008,30]
Wie gestaltet aber äußert sich dieses erste positiv-polarische Leben?
[Fl.01_008,31]
Nehmet nur ein Mikroskop zur Hand und beschauet entweder irgendeinen durch
beigemischte Pflanzenteile faulenden Wassertropfen, oder betrachtet selbst den
Saft ausgepreßter Pflanzen, und ihr werdet da zu
eurer nicht geringen Verwunderung ganze Heere von Tierchen erblicken, wodurch
es euch nach dieser Erklärung ohne große Mühe sobald klar wird, wie sich der
negative Lebenspol umwendet und dann übergeht in das positiv-polarische Leben.
[Fl.01_008,32]
Sehet nun, Meine lieben Kleinen, so sich nun allda das tierische Leben zu
bilden anfängt, so kann es dann auch nicht mehr in eine Stockung übergehen,
sondern beginnt seinen Rücktritt allmählich wieder – dem Urzentrum alles Lebens
zu!
[Fl.01_008,33]
Da aber der ewigen Ordnung zufolge überall ein Stufengang beobachtet wird,
welcher an und für sich nichts anderes ist als eine stets vollkommenere und
größere Dichterwerdung des Lebens – was auch ganz natürlich also hergeht wie
mit den zurückkehrenden Strahlen, die auch natürlicherweise stets intensiver
werden, je näher sie ihrem ursprünglichen Ausgangspunkte rücken –, so ist
demnach ja auch natürlich, daß das Leben nicht in
dieser Zerstreutheit seinem Ursprunge wieder zueilen kann, sondern es sammelt
sich in stets dichteren Formen und kehret also wieder seinem ewigen Ursprunge
zu.
[Fl.01_008,34]
Welches ist aber demnach die nächste Stufe, in welcher sich dieses erste
positiv-polarische Leben konsolidiert?
[Fl.01_008,35]
Nun, Meine Lieben, lassen wir unsere Fliege auftreten! Sehet, das ist das erste
Tierchen, von welchem ein also neu entstandener Planet bevölkert wird; denn wie
ihr wißt, nimmt dieses Tier noch heutigentags solche
Nahrung zu sich, durch welche ein trillionenfaches
Leben in ihr zu einem Leben wird! Und so werdet ihr es jetzt wohl begreifen,
warum Ich früher sagte: Nur noch eine kleine Geduld, und wir werden unsere
Fliege bald hinter dem gewaltigen Rauschen unseres neuen Planetenklumpens einhersumsen hören!
[Fl.01_008,36]
Auch werdet ihr das Höhere begreifen, wie die Fliege demnach wird und ist zu
einem Sammelpunkte des Lebens.
[Fl.01_008,37]
Ich sage euch aber noch hinzu, daß in dieser
Betrachtung als Sammelpunkt des Lebens eine einzelne Fliege mehr zählt als
unser ganzer früher gebildeter Planetenklumpen! Und wenn ihr solches beachtet,
so werdet ihr auch einsehen, wie hoch das Leben selbst nur in einem ersten
Fünkchen über die äußere Materie erhaben ist, und werdet demnach auch einsehen,
um wie vieles das Leben eines einzelnen Menschen höher steht als alle Sonnen
und Planeten einer ganzen euch bekannten Hülsenglobe.
[Fl.01_008,38]
Und so ihr dieses begreifet, so wird es euch auch nicht schwer werden zu
begreifen, warum Ich als das Urleben alles Lebens, als Vater und Erlöser kam
zur Erde und habe da den Menschen Mir zum Kinde gemacht und ihm einen Weg
bereitet zu Meinem Herzen. Und endlich werdet ihr auch daraus wieder um ein
Tüchtiges mehr begreifen können, warum Ich zu euch sagte: Die Fliege, die
Fliege, sie singt euch vom Siege!
[Fl.01_008,39]
Der Sieg ist zwar noch nicht vollkommen da, aber die Nachfolge und die fernere
Mitteilung wird euch klärlich ersehen lassen, wieviel des Sieges schon allhier vorhanden ist, – und so
lasset es für heute wieder gut sein!
9.
Kapitel – Die Ursache und das Wesen des Lichtes.
22.
März 1842
[Fl.01_009,01]
Wir haben in der vorhergehenden Mitteilung unsere Fliege somit als erstes Tier
hinter einem neu gebildeten Planeten einhersumsen
hören.
[Fl.01_009,02]
Es wird kaum nötig sein, diese Redefigur näher zu erklären, jedoch kann um
manches Schwächeren willen beigefügt werden, daß
dieses nur zeitlich, aber nicht räumlich zu nehmen ist, wodurch dann jemand auf
die Idee gelangen könnte, als würde ein ungeheuer großer Fliegenschwarm gleich
einem Kometenschweif einem solchen Planeten nachjagen. Solches ist also nur
zeitlich zu verstehen, wie da aus einer Vorbildungsperiode eine entwickeltere und vollkommenere folgt.
[Fl.01_009,03]
Solches wüßten wir also bereits; ihr aber werdet nun
meinen: Was wird denn nun der armseligen Fliege noch Höheres und eigentlich
Siegreicheres abzugewinnen sein? Denn wir haben sie jetzt, dieser Enthüllung
zufolge, vom Ursprunge aus gesehen und haben an ihr bei all den wunderbaren
außerordentlichen Verhältnissen am Ende doch nur – nichts mehr und nichts
weniger – eine der göttlichen Ordnung zwar wohl entsprechende, aber sonst nur
,gewöhnliche‘ Fliege gefunden, dergleichen wir zur Sommerszeit in großen
Schwärmen zur Genüge zu Gesichte bekommen.
[Fl.01_009,04]
Sehet, das ist eine wohlgeratene Bemerkung und taugt sehr gut, um auf diesem
Grunde ein neues, festes Gebäude aufzuführen.
[Fl.01_009,05]
Bevor wir uns aber doch über das Gebäude selbst hermachen wollen, müssen wir zu
einem tüchtigen Vorbau schreiten, um uns gehörig vor den Angriffen zu
verwahren; denn sonst dürfte unser armes Tierchen nicht gut durchgehends mit
dem Leben davonkommen, besonders in dieser Zeit, wo es gar so viele gelehrte
Mückenfänger und tiefwissenschaftliche Fliegenpracker gibt.
[Fl.01_009,06]
Wo werden wir aber unsere Schanzen aufwerfen? – Sehet, das wird nicht schwer
auszumitteln sein!
[Fl.01_009,07]
Da es allzeit dort die meisten Mißmeinungen oder
insgemein Hypothesen gibt, wo es dem kurzsichtigen Menschenverstande am
wenigsten gestattet ist, in die lichte Sphäre der Wirklichkeit hineinzublicken,
da auch werden die allerverschiedenartigsten Theorien aufgeführt, von denen
immer, wie eine französische Kleidermode, die letzte die herrschende Oberhand
führt.
[Fl.01_009,08]
Worin besteht aber dieses, worüber in dieser gelehrten Zeit insgeheim nahe
ebensoviel Theorien existieren, als es Gelehrte selbst gibt?
[Fl.01_009,09]
Sehet, das liegt und besteht im Lichte!
[Fl.01_009,10]
Darum wollen wir einige aufmerksame Blicke auf das Licht selbst werfen, und das
wird der Vorbau sein, und sodann erst zu unserer Fliege übergehen!
[Fl.01_009,11]
Wir wollen somit die Hauptfrage stellen: Was ist das Licht an und für sich
selbst, und wie pflanzt es sich fort?
[Fl.01_009,12]
Um dieses darzutun, wird es keineswegs nötig sein, was immer für eine
bestehende irrige Theorie namentlich anzuführen, sondern wir stellen unsere
Erklärung auf, und diese mag euch und jedem zu einem Probiersteine dienen, um
auf demselben zu erproben, wieviel des edlen oder
unedlen Metalls in all den anderen aufgeführten Theorien sich befindet.
[Fl.01_009,13]
Was ist also das Licht?
[Fl.01_009,14]
So ihr das Licht, wie es in der Zeit und im Raume zur Erscheinung kommt, wohl
und gründlich erfassen wollt, da müsset ihr dasselbe weder ganz materiell noch
ganz geistig betrachten, sondern materiell und geistig in Verbindung und es
ansehen als eine also gestellte Polarität, da der geistige Teil den positiven,
der materielle aber den negativen Pol ausmacht.
[Fl.01_009,15]
Diese Polarität ist aber also gestellt, daß sie sich
nicht verhält wie Vorderes und Hinteres, sondern wie Inneres und Äußeres, allda
dann ist das Innere der positive und das Äußere der negative Pol.
[Fl.01_009,16]
Wie kommen aber diese beiden Polaritäten sonach als Licht zur Erscheinung?
[Fl.01_009,17]
Sehet, diese Schwierigkeit soll bald gehoben sein! Wenn ihr einen sogenannten
Feuerstein nehmet und streichet mit einem gehärteten Eisen darüber hinweg, so
werdet ihr auch alsobald eine Menge sprühender Funken
der Stelle entfahren sehen, an welcher das gehärtete Eisen den Stein bestrich.
Diese Funken waren Licht; wo haben sie denn das Leuchten hergenommen – aus dem
Steine oder aus dem Eisen? Oder aus beiden zugleich?
[Fl.01_009,18]
Es ist nicht nötig, hier noch näher zu erwähnen, daß
bei diesem Akte die Fünklein lediglich vom Eisen
herrühren, von dem äußerst kleine Teile durch den harten Stein abgeritzt wurden
und sich dadurch entzündeten, da die in den Poren des Eisens eingeschlossenen
Luftteilchen nicht dem durch das Streichen bewirkten Drucke ausweichen konnten
und sich daher entzündeten und die also abgelösten Eisenteilchen sobald in den
Weißglühzustand versetzten.
[Fl.01_009,19]
Dieses wüßten wir; aber auf welche Weise wird denn
die also gequetschte Luft entzündet, und was ist demnach das Leuchtende bei dem
Akte der Entzündung der Luft?
[Fl.01_009,20]
Hier kann die Sache unmöglich mehr anders erklärt werden, als daß es euch zu wiederholten Malen kundgegeben wird, daß da die Luft zur Hälfte nichts anderes ist als ein
materieller Leib der in ihr enthaltenen intellektuellen Geister. Die Physiker
würden es zwar lieber hören, wenn Ich hier anstatt Geister ‚freie, ungebundene
Kräfte‘ gesetzt hätte; allein, die wir aber gründlich gehen wollen, nehmen auch
statt der Eigenschaft die mit der Eigenschaft behaftete Sache selbst, welche da
ist der Geist selbst oder, nachdem wir es hier nicht mit einem, sondern mit
sehr vielen Geistern zu tun haben, alsonach die
Geister selbst.
[Fl.01_009,21]
Da wir nun solches festsetzen, so können wir jetzt der Sache alsogleich auf die alleruntrüglichste Spur kommen, und so
vernehmet es denn: Da der Geist eine positiv-polarische Kraft ist, so strebt er
fortwährend nach der allerungebundensten Freiheit und
ist im gebundenen Zustande nur so lange ruhig, als er von der ihn umgebenden
negativen Polarität oder – noch verständlicher – von seiner Hülse keine
ungewöhnliche Beeinträchtigung erfährt. Erleidet aber diese von außen her was
immer für einen Druck, so wird der Geist sobald aus seiner angewohnten
Beengungssphäre geweckt und gibt sein Dasein durch seine ausdehnende Bewegung
zu erkennen, welches Erkennen sich dann allzeit durch das euch bekannte
Phänomen des Leuchtens kundgibt.
[Fl.01_009,22]
So weit hätten wir es nun gebracht; aber dessenungeachtet
wird ein jeder sagen: Solches mag wohl richtig sein; aber was das eigentliche
Leuchten an und für sich ist, wissen wir denn doch noch nicht!
[Fl.01_009,23]
Ich aber sage: Nur noch eine kleine Geduld; denn ihr wißt
es ja alle, daß eine bejahrte, umfangreiche Eiche
nicht auf einen Hieb fällt!
[Fl.01_009,24]
Wir werden somit auch mit dem ganz eigentlichen Leuchten ja wohl noch
zurechtkommen.
[Fl.01_009,25]
Was ist demnach dieses Leuchten an und für sich?
[Fl.01_009,26]
Ein Beispiel wird euch die Sache anschaulich machen. Was bemerket ihr an einem
Menschen, dessen Herz noch voll Hochmutes ist, so er von irgendwoher einen so
recht derben, demütigenden Stoß erhält? Wird er nicht sobald über die Maßen in
Zorn geraten, also zwar, daß er darob am ganzen Leibe
vor Grimm zu beben wird anfangen und seine Augen glühend werden, als wäre
hinter ihnen eine Feueresse angebracht, und seine Haare sich sträuben werden
nach allen Seiten? So er sich in seiner ebengesinnten Umgebung befindet, wird
diese nicht auch sobald, wenn auch nicht in diesem hohen Grade, aber dennoch
nach dem Grade der Befreundung, entweder mehr oder minder mit zornig werden?
[Fl.01_009,27]
Ich bin der Meinung, diese Erscheinung bedarf hier keiner näheren Erklärung,
sondern ihr braucht nur auf ein Kriegsheer eure Augen zu richten, und es kann
euch unmöglich entgehen, wie diese Zornausstrahlung oder „Grimmfieber“ Tausende
und abermals Tausende ergreift und mitreißt in das blutige Gefecht.
[Fl.01_009,28]
Nun, so ihr dieses nur einigermaßen innerlich betrachtet, so hätten wir unser
Leuchten an und für sich ja so gut wie vollends erläutert; denn der in der
negativen Polarität eingeschlossene positiv-polarische Geist gerät durch einen
Stoß ebenfalls in einen Zorn, welcher da ist ein Innewerden seiner
Gefangenschaft. Durch dieses Innewerden erwacht in ihm die große Begierde, sich
auszudehnen oder frei zu machen.
[Fl.01_009,29]
Da aber seine äußere, negative, ihn umgebende Polarität also beschaffen ist, daß sie zwar bis zu einem gewissen Grade wohl ausdehnbar,
sonst aber dennoch unzerstörbar oder vielmehr unzerreißbar ist, so dehnt sich
der frei werden wollende Geist in derselben zwar so weit aus, als es tunlich
ist; da er aber dessenungeachtet nicht durchbrechen
kann, so zieht er sich schnell wieder zurück und versucht aber dann wieder mit
– irrig vermeinter – erneuerter Kraft seine Hülle zu zerreißen, – welchen Akt
mancher Geist in einer Sekunde viele tausend Male zu wiederholen imstande ist.
Dieser Akt wird der „Grimm“ genannt und ist begleitet von dem stets wachsenden
Zorn.
[Fl.01_009,30]
Was ist aber alsonach die ersichtliche Folge dieses
Aktes, welcher an und für sich das wahrhafte „Grimmfieber“ genannt werden kann?
[Fl.01_009,31]
Nichts anderes, als daß die einem solchen
zornergrimmten Geiste nahe stehenden anderen, noch ruhigen Geister dieses
Fieber wahrnehmen, nachdem sie an ihrer äußeren Polarität in ein ähnliches
Mitfieber gesetzt werden, welche Fortpflanzung der Mitfieberung natürlicherweise
um so schneller fortgesetzt werden kann, da die negativen Umhüllungen der
Geister, aus denen eigentlich die Luft besteht, knapp aneinanderliegen.
[Fl.01_009,32]
Nun haben wir eigentlich schon das Ganze. Denn eben dieses Fiebern eines
solchen Geistes wird vom Auge sowohl der Tiere als auch vorzugsweise des
Menschen wahrgenommen – und diese Wahrnehmung ist eigentlich das, was ihr das
„Leuchten“ nennt –, weil das Auge also eingerichtet ist, um diese
allerleisesten Schwebungen wahrzunehmen. Und zwar aus dem Grunde, weil auch
jegliches Auge mehr oder weniger an und für sich selbst zur Hälfte geistig ist
und zur Hälfte materiell und hat mit dem, was da „Licht“ genannt wird, eine
ganz gleiche Polarität, darum es dann auch alles ihm Verwandte aufnehmen und empfinden
kann.
[Fl.01_009,33]
Wenn dann auf diese beschriebene Weise irgend eine solche geistige Polarität in
sich erbrennt, so findet auch dabei allzeit der Akt
der Beleuchtung statt. Die Beleuchtung aber ist dann an und für sich wieder
nichts anderes als das Mitergriffensein derjenigen geistigen Polaritäten,
welche sich in der Nachbarschaft einer solchen in sich erbrannten geistigen
Polarität befinden, – welche Fortpflanzung je nach dem Grade der Größe und
Heftigkeit einer entzündeten geistigen Polarität entweder nähere oder weitere
Distanzen ergreift und sie, wennschon nicht in einen zu heftigen, aber doch
empfindlichen Fieberzustand versetzt. Natürlicherweise wird das Fiebern immer
schwächer, je entfernter dem Raume nach sich andere geistige Polaritäten von
der eigentlichen in sich erbrennenden Hauptpolarität befinden.
[Fl.01_009,34]
Nun werdet ihr sagen: Über das Leuchten wären wir jetzt wohl im klaren, aber
noch nicht über das, warum wir beleuchtete Gegenstände ihrer Form nach
erschauen, und auch noch nicht über die Beschaffenheit des verschiedenartigen
Lichtes und namentlich des Lichtes der Sonne.
[Fl.01_009,35]
Allein Ich sage euch hier nur noch soviel, daß
solches wohl keine große Kunst mehr sein wird, nachdem wir in dieser Hinsicht
ganz gründlich schon die allergrößte Schwierigkeit besiegt haben.
[Fl.01_009,36]
Was demnach die Anschauung der Gegenstände betrifft, so ist diese an und für
sich nichts anderes als eine durch die materielle, feste Form eines
Gegenstandes ihr vollkommen entsprechende Verhinderung solcher uns schon
bekannten Fortpflanzung, oder sie ist eine verdoppelte Rückkehr von irgendeinem
Gegenstande, von welchem sie einen Afterstoß erhielt oder, so ihr es leichter
versteht, einen Gegenstoß.
[Fl.01_009,37]
Was aber das Licht der Sonne anbelangt, so ist ihr Leuchten mit dem Leuchten
eines uns bekannten Fünkchens gleichartig. Der Unterschied liegt nur darinnen, daß das weiße Licht der Sonne dem Beben der Liebe fast auf
dieselbe Weise entstammt, wie das euch bekannte rötliche Brandlicht dem Beben
des Zornes; und da das Licht der Sonne dem Beben der Liebe entstammt, so ist
auch seine Fortpflanzung unterschieden von der Fortpflanzung des Lichtes,
welches dem Beben des Zornes entstammt.
[Fl.01_009,38]
Worin aber dieser Unterschied besteht, und wie demzufolge wir zu unserem Siege
hinsichtlich unseres Tierchens gelangen werden, soll euch nächstens klärlich gezeigt werden.
[Fl.01_009,39]
Und somit lassen wir es für heute wieder gut sein. –
10.
Kapitel – Das Wesen des Äthers und des Sonnenlichts.
23.
März 1842
[Fl.01_010,01]
Ihr werdet vielleicht schon dann und wann gehört haben, daß
je tiefer eine Gegend der Erde ist, desto dichter auch die Luft in derselben
ist. Dieses ist eine ganz natürliche Folge, nachdem nicht nur die Luft, sondern
alle Dinge, je näher sie strahlenförmig dem gemeinsamen Mittelpunkte rücken,
auch desto dichter werden. Je mehr sie sich aber von diesem Mittelpunkte
entfernen, desto lockerer kommen sie auch nebeneinander zu stehen.
[Fl.01_010,02]
Was an und für sich die einen Erdkörper umgebende Luft ist, wüßten
wir sonach schon zum Teil aus dem Verlaufe der gegenwärtigen Mitteilung, noch
mehr aber aus anderen schon lange gegebenen Erläuterungen über die Dinge der
naturmäßigen Welt.
[Fl.01_010,03]
Um euch, Meine Lieben, jedoch eines längeren Nachsuchens zu entheben, so sage
Ich es euch noch einmal, daß die Luft, wie alle
gesamte Materie, nichts anderes als ein geistig-materieller und
materiell-geistiger Konflikt ist, und daß alle diese
geistigen Potenzen, je tiefer sie liegen, sie auch desto ärger sind, und je
höher über den Planeten sie sich aufhalten, sie auch desto lieblicher,
friedsamer und beständiger sind.
[Fl.01_010,04]
So wir nun dieses wissen, da wird es uns doch nicht schwer sein, wenigstens in
einem allgemeinen Überblick die Erde samt der sie umgebenden Luft nach ihrem
Gehalte zu erkennen und darob mit leichtem Mute zu sagen: Das Gesamtwesen des
Erdkörpers samt der ihn umgebenden Luft, soweit hinaus auch diese reicht, ist
nichts als eine Gradation der Geister, welche sich in einem solchen Planeten
gesetzt hat, um den uns schon bekannten Rückweg anzutreten.
[Fl.01_010,05]
Ja, werdet ihr fragen, was erfüllt denn hernach den weiten Raum zwischen der
Sonne und einem Planeten?
[Fl.01_010,06]
Die Naturforscher lassen hier einen äußerst leichten und nachgiebigen Äther
auftreten. Was würden aber die Physiker sagen, so sie ersichtlich dartun müßten, was denn dieser Äther an und für sich ist?
[Fl.01_010,07]
Wahrlich, eine solche Frage würde sich schwer einen Preis von fünfzig Dukaten
erringen! Denn fürs erste läßt sich der Äther durch
kein Mikroskop betrachten, nachdem schon die viel dichtere Luft von keinem
Mikroskop mehr partiell empfunden wird; aber chemisch könnten die Physiker den
Äther untersuchen, so sie in ihre Retorten irgend einen bekommen könnten. Aber
da die Region des eigentlichen Äthers erst bei einer Höhe von zwei, drei, vier
und bis gegen den Nordpol hin gar erst zehn deutsche Meilen hoch über der Erde
beginnt, so wird es wohl allen Naturforschern etwas schwer werden, sich zum
Behufe ihrer Untersuchung bei ihrem Leibesleben von dorther einen Äther zu
verschaffen.
[Fl.01_010,08]
Wir aber wollen einen viel bequemeren und sichereren Weg gehen, nämlich den des
inneren Glaubens, Vertrauens und den Weg der wahren Liebe. Auf diesem Wege
steht einem Ochsen- und Schafhirten der Sirius beschaulich näher, als auf dem
finsteren Wege des überaus kurzsichtigen Forschens von seiten
des menschlichen Verstandes ein Regentropfen, der dem überaus mathematischen
Naturforscher auf die Nase gefallen ist.
[Fl.01_010,09]
Und so sagen wir: Der Äther ist ebenfalls ein geistiges Wesen, welches sich
zwar zu allen Planeten positiv, zu den Sonnen aber negativ verhält.
[Fl.01_010,10]
Den Äther bilden somit äußerst reine, friedliche und duldsame Geister; denn
wären sie das nicht, wie schwer würden es da die Weltkörper haben auf dem Wege
um die Sonne, welcher da ist eine weitgedehnte Bahn, durch welche sich der
Planet mit außerordentlicher Geschwindigkeit bewegen muß!
[Fl.01_010,11]
Da aber diese Äthergeister alsonach äußerst reine,
friedsame und nachgiebige Geister sind, so findet an ihrem Dasein nichts irgend
ein Hindernis in seiner Bewegung, – und möge das sich bewegen wollende oder zu
bewegen genötigte Wesen oder Ding noch so gering und unscheinbar sein.
[Fl.01_010,12]
Sehet nun, Meine Lieben, da wir nun dieses wissen, so wird es wohl nicht mehr
schwer sein, das Leuchten einer Sonne und die Fortpflanzung ihres Leuchtens zu
ermitteln! Jedoch bevor wir noch solches zu tun vermögen, müssen wir gegenüber
den Planeten auch der leuchtenden Sonne einige Augenblicke schenken und uns
fragen: Wie sieht es da aus, und was geschieht daselbst?
[Fl.01_010,13]
Solches ist ja doch notwendig; denn sonst müßt ihr
über kurz oder lang euch ja doch selbst fragen: Wie kann man jemandem die
Wirkung erklären, so man ihm die Ursache der Wirkung verschweigt?
[Fl.01_010,14]
Daß die Sonne ein äußerst stark leuchtender
Weltkörper ist, braucht niemandem näher erklärt zu werden; denn solche
Erklärung geben jedem seine eigenen gesunden Augen.
[Fl.01_010,15]
Wie aber wird sie also überaus stark leuchtend? Und wie sieht es auf ihrer
Oberfläche aus und also auch bis zu ihrem Mittelpunkte?
[Fl.01_010,16]
Sehet, das ist eine ganz andere Frage, welche noch in aller Kürze beantwortet
sein muß, bevor wir zu unserem Hauptthema
fruchtbringend zurückkehren können!
[Fl.01_010,17]
Es muß euch bei den Sonnen zuallererst schon ihre
außerordentliche Größe auffallen, derzufolge eine
Sonne nicht selten eine, ja mehrere Millionen Male größer ist denn ein oder der
andere ihrer Planeten.
[Fl.01_010,18]
Was ist sonach die Sonne für sich selbst?
[Fl.01_010,19]
Die Sonne für sich selbst ist ein Planet von vollkommenem Zustande, und alle
anderen Planeten sind nur Trabanten dieses großen und vollkommenen Planeten.
[Fl.01_010,20]
Woher rührt denn hernach das außerordentliche Licht, das einen solchen
vollkommenen Planeten umgibt?
[Fl.01_010,21]
Das Licht rührt von der geistigen Liebefreude der diesen vollkommenen Planeten
umgebenden Geister her.
[Fl.01_010,22]
Sind diese Geister etwa schon vollendete Geister?
[Fl.01_010,23]
Diese Frage muß wieder geschieden werden, und zwar in
sieben verschiedene Punkte, welche aber dessenungeachtet
eben nicht zu schwer gründlich zu verstehen sein dürften, da sie sich in der
schönsten Ordnung nebeneinander befinden.
[Fl.01_010,24]
Diese sieben Punkte sind demnach sieben verschiedene Geistergattungen in der
Sonne, welche miteinander gemeinschaftlich das große Licht der Sonne bedingen.
[Fl.01_010,25]
Wollt ihr die innere Natur dieser Geister näher erkennen, so blicket auf die
sieben Gebote der Nächstenliebe und – diesen sieben Geboten zur Unterlage – die
drei, durch welche der Mensch sein Verhältnis zu Gott, seinem Schöpfer,
erkennen soll, so habt ihr dann sobald den vollendeten Zyklus des Geisterverbandes
auf einem Sonnenkörper. Auch die Farben eines Regenbogens geben euch diese
Ordnung zu erkennen.
[Fl.01_010,26]
Was folgt aber nun aus dieser Vorerinnerung?
[Fl.01_010,27]
Aus dieser Vorerinnerung folgt nichts anderes, als daß
die Sonne in ihrer inneren Sphäre ein Sammelplatz ist von siebenfachen
Geistern. Darunter sind solche, welche zur Prüfung von der Sonne erst hinaus in
die Planeten versetzt werden, und wieder solche, welche als schon vollendet
zurückgekehrt sind; und es bildet dann die erste, noch zu vollendende Klasse
des Sonnenkörpers inneren Gehalt, die zweite, aber schon vollendete, des
Sonnenwesens äußere lichte Umhüllung.
[Fl.01_010,28]
Sehet, so ihr ein bißchen scharf zu sehen imstande
wäret, so wäre eigentlich der Stein des Anstoßes schon gehoben; aber da ihr
noch immer von schwachen Augen und daneben auch etwas harthörig seid, so muß Ich euch schon noch hinzusetzen, daß
diese Geister es sind, welche durch ihr Liebe- und Wonnebeben das eigentliche
Leuchten der Sonne ausmachen.
[Fl.01_010,29]
Was aber die Fortpflanzung dieses Lichtes betrifft, so mache Ich euch bloß nur
auf die noch zu vollendenden Geister aufmerksam, die sich da noch immerwährend
von der Sonne entfernen müssen, – so habt ihr ja diejenige Fortpflanzung des
Lichtes auf ein Haar erläutert, davon schon bei der Bildung des Planetenknotens
vorerst die Rede war, und auch habt ihr hiermit das Wesen der euch schon oft
erwähnten, von der Sonne ausgehenden atomischen Tierchen, durch welche die
Schwingungen der schon vollendeten Geister als eine stärkende Gabe an die die
Sonne verlassenden unvollendeten Geistern auf die Reise ihrer Vollendung
mitgegeben werden.
11.
Kapitel – Die Fliege als Licht- und Lebenssammler.
24.
März 1842
[Fl.01_011,01]
Ihr werdet euch wohl auch fragen und sagen: Es ist alles gut und wahr; aber was
treibt denn die Geister der ersteren Art, die noch unvollendet sind, hinaus von
der Sonne in die endlosen Räume?
[Fl.01_011,02]
Und ich gebe euch darauf zur Antwort: Nichts anderes als Meine ewige Ordnung,
vermöge welcher diese aus der Sonne wandernden Geister zwar eine
positiv-polarische Sättigung haben, aber vom Grunde aus an und für sich nur
negativ sind.
[Fl.01_011,03]
Was geschieht denn aber, so zwei gleiche Pole sich nahe zu stehen kommen?
Nichts anderes, als daß sie sich so lange abstoßen,
bis der bloß nur positiv genährte, aber doch im Grunde an und für sich nur
negative Pol alles Positive hintangegeben hat.
[Fl.01_011,04]
Nun sehet, also sind diese uns bekannten atomischen Wesen im Grunde negative
Wesen und können so lange in der Sonne bleiben, solange sie lediglich diesen
Charakter beibehalten. Nehmen sie aber allzu gierig eine Lichtsättigung aus dem
positiven Polgebiete der Sonnengeister an, so daß sie
sich dadurch dem Wesen des Lichtes nach sehr wenig mehr unterscheiden von den
eigentlich positiv-polarischen Geistern, welche die schon vollendeten sind, so
werden sie dann auch sobald von den positiv-polarischen Wesen hinausgetrieben,
und das mit einer wahrhaft geisterhaften Geschwindigkeit.
[Fl.01_011,05]
Diese also hinausgetriebenen Geister sind das eigentliche ausstrahlende Licht
der Sonne, welches sich, wenn es auf einen Weltkörper fällt, dem positiven
Teile nach demselben mitteilt, und welches alsonach
das mitgenommene Licht oder vielmehr die noch fortdauernde Liebfreudebebung der
vollkommenen Geister ist.
[Fl.01_011,06]
Dem negativen Teile nach aber werden, besonders bei der Annäherung an einen
Weltkörper, diese ausgehenden atomischen Wesen bald ledig ihres positiven
Teiles und kehren dann als antipolarische Wesen wieder zur Sonne zurück, – und
das ist das Zurückstrahlen des auffallenden Lichtes aus der Sonne. Und da diese
Wesen vermöge ihrer großen Schnelligkeit allzeit in einer geraden Linie sich
bewegen, so wird es auch erklärlich, warum vom Sonnenlicht beleuchtete
Gegenstände überaus klar zu sehen sind, besonders wenn in der atmosphärischen
Luft keine Aufregungen stattfinden.
[Fl.01_011,07]
Wie aber eine also erleuchtete Form allen ihren Teilen nach vollkommen gesehen
werden kann, rührt wieder daher, weil jede Materie, aus welcher eine Form
gebildet ist, ebenfalls – wie ihr schon wißt – nichts
als ein Konflikt geistiger Potenzen ist.
[Fl.01_011,08]
Wenn sonach diese schnellen Lichtträger aus der Sonne an eine Form stoßen, so
nimmt die Form – je nachdem sie ihrem inneren Gehalte nach beschaffen ist –
sobald die ihr zusagenden Teile an sich und läßt das
für sie Unbrauchbare wieder in der allerhöchsten Schnelligkeit nach allen
Richtungen hin von sich weggehen.
[Fl.01_011,09]
Sonach ist denn das Auge nur ein Aufnahmeorgan für die mannigfachen
Unterschiede des Haupt- oder des zurückgeworfenen Lichtes; und diese
mannigfachen Unterschiede des Lichtes sind dann auch natürlicherweise die
Bildner aller der verschiedenen Dinge in dem für solche Lichtunterschiede tauglichen
Auge.
[Fl.01_011,10]
So ihr nun dieses wisset und, soviel es mit leiblichen Sinnen nur möglich ist,
begreifet, so muß es euch ja endlich doch klar
werden, daß somit alles, was sich nur immer materiell
darstellt, im Grunde dennoch nichts Materielles, sondern lauter Geistiges ist;
nur könnet ihr das Geistige nicht schauen, weil ihr noch nicht in der geistigen
Polarität seid. Werdet ihr euch aber einmal in der geistigen Polarität
befinden, alsdann wird sobald die entgegengesetzte Erscheinlichkeit
eintreten, vermöge welcher ihr dann nur das Geistige schauen werdet, aber alles
Materielle euch werdet also hinzudenken müssen, wie jetzt das Geistige zum
Materiellen; darum es euch nun auch nicht allzusehr
wundernehmen muß, so ihr im Verlaufe dieser
Mitteilung hie und da auf Punkte treffet, die euch nicht allzu klar werden
können. Denn sollten euch nun schon alle diese Verhältnisse ganz vollkommen
klargemacht werden können, so müßtet ihr ganz aus der
Materie ins rein Geistige hinübertreten, was für jetzt noch nicht an der Zeit
ist.
[Fl.01_011,11]
Aber soviel es nur immer möglich ist, das Geistige hinein ins Materielle zu
erfassen, ist euch im Verlaufe dieser Mitteilung auch zur Genüge gezeigt, welch
einen seichten Weg diejenigen einschlagen, welche nichts als die Materie vor
sich haben; und wie unverständlich auch werden hingegen diejenigen, welche bei
ihren Forschungen überall weit über die Materie hinaus ihre Weisheitssprünge
machen.
[Fl.01_011,12]
Nachdem wir somit im kurzmöglichsten Blick die Unterschiede zwischen Licht und
Licht, und Leuchten und Leuchten dargestellt und, soviel möglich, euch
gründlich verständlich gezeigt haben, so haben wir auf diese Weise auch den
schon besprochenen Vorbau zu unserem Siegesgebäude gemacht und wollen uns
sonach wieder zu unserem bereits schon ganz in Vergessenheit geratenen Tierchen
wenden.
[Fl.01_011,13]
Aber Ich sehe schon wieder eine neue Frage in euch, und diese lautet also: Ja,
was wird denn aber jetzt auf einmal unsere arme Fliege zwischen Sonnen und
Erden und zwischen all diesen jetzt aufgeführten Licht erzeugenden und Licht
tragenden Geistern zu tun bekommen?
[Fl.01_011,14]
Diese Frage soll sobald beantwortet werden, so ihr da saget: Zwischen Licht
erzeugenden und Licht tragenden Geistern, was soll da die Fliege?
[Fl.01_011,15]
Die Fliege, sage Ich, soll hier ein Medium machen und soll zum Licht sammelnden
Geiste werden.
[Fl.01_011,16]
Sehet, hier liegt der große Knoten begraben!
[Fl.01_011,17]
Könntet ihr je sagen: Wir begreifen nun dieses Wesen! und müßtet
euch dabei selbst das allerlauteste Zeugnis geben, daß
ihr nicht wisset, auf welchem Standpunkte es sich befindet, – was wäre da euer
Verstehen?
[Fl.01_011,18]
Ja wahrlich sage Ich euch: Es wäre da wenig Unterschiedes zwischen dem, wie ihr
die Fliege oder ein anderes Ding sehet, oder wie dieses Tierchen gesehen wird
von einem anderen Tier, außer daß ihr es benennen
könnet und sagen, daß es sechs Füße habe, zwei
Flügel, einen Leib, einen Kopf und gehöre in das Reich der fliegenden Insekten,
– und dann vielleicht noch zwei oder drei Hypothesen darüber.
[Fl.01_011,19]
Also der Standpunkt eines Dinges ist sonach die Grundbasis, von welcher aus
betrachtet das Ding erst in seiner vollen Wahrheit erscheint.
[Fl.01_011,20]
Was aber ist die Wahrheit eines Dinges?
[Fl.01_011,21]
Sehet und höret! Das Geistige eines Dinges ist die Wahrheit! Solange dieses
nicht ermittelt ist, gleicht alles einer tauben, hohlen Nuß,
da nichts innen ist.
[Fl.01_011,22]
Also der Standpunkt ist die Basis; solches haben wir ausgesprochen, und solches
auch muß sich bewähren. Sehet also unsere Fliege auf
diesem Mittelstandpunkte!
[Fl.01_011,23]
Ist sie allein geistig oder allein materiell?
[Fl.01_011,24]
Nein, müsset ihr sagen, sie ist materiell zu einem Teile – und, darum sie lebt,
geistig zum anderen Teile. Sie befindet sich wie zahllose andere Wesen zwischen
den zwei Hauptpolaritäten, nämlich zwischen der positiv lebendigen Polarität
der Sonne und der negativen Polarität des der Sonne gegenüberstehenden
Planeten.
[Fl.01_011,25]
Das will soviel sagen: Sie ist somit neutral, das heißt, weder ganz positiv,
noch ganz negativ. Ja also ist es richtig, gut und wahr: weder alleinig
Lichterzeuger, noch alleinig Lichtträger, sondern Lichtsammler.
[Fl.01_011,26]
Was ist aber das Licht?
[Fl.01_011,27]
Solches wissen wir, daß es sich repräsentiert aus der
Beweglichkeit des Lebens; also ist Licht und Leben eines und dasselbe, und das
Licht ist somit nur eine Erscheinlichkeit des Lebens.
[Fl.01_011,28]
Da aber unsere Fliege ein Sammler ist des Lichtes, wessen Sammler ist sie dann
noch? Oder vielmehr: Ist sie dann nicht – ein Sammler des Lebens?
[Fl.01_011,29]
Wie äußert sich dieses Leben in der Fliege denn nun? Äußert es sich etwa auch
noch in einem prunkenden Licht?
[Fl.01_011,30]
Ihr müßtet blind sein oder ein phantastisches Auge
haben, so ihr je von einer Fliege behaupten könntet, ihr hättet sie gleich
einem Johanniskäferchen selbstleuchtend herumfliegen sehen. Ja, die Fliege
bewahrt ganz musterhaft das Leben in sich, sie läßt
es nicht mehr ausstrahlen, und ein dunkles Kleid hat sie angezogen, damit das
Leben ja um so mehr sich vermehren könne in ihr.
[Fl.01_011,31]
Sehet nun, Meine Lieben, wer das Wesen der Demut an der Fliege nicht erkennt,
der muß mehr denn dreimal hintereinander blind sein!
[Fl.01_011,32]
Ihr wißt ihre vielseitige Nützlichkeit; aber das
Licht der Welt erkennt sie nicht. Und so muß die
fleißige, die emsige, durch jede ihrer Bewegungen sogar nützende Fliege aller
Verachtung preisgegeben sein. Warum denn aber das? Weil die Fliege ein
Lebenssammler ist und lieber das Leben in sich vermehrt, als mit demselben,
sich selbst zerstörend, prunkt.
[Fl.01_011,33]
Sehet ihr nun den Standpunkt, wie von ihm aus nun Strahlen nach allen
Richtungen ausschlagen, damit ihr wohlerleuchtet ersehen möchtet den Sieg,
welchen dieses Tierchen allzeit mutig erkämpft?
[Fl.01_011,34]
Was ist aber eigentlich dieser Sieg?
[Fl.01_011,35]
Gehen wir nur auf unseren Standpunkt zurück und beachten alle Punkte wohl, die
wir bisher vernommen haben! Ja, vom ersten Entstehungsgrunde des Lichtes
ausgehend, alles vom Lichte Kundgegebene wohl beachtend, müssen wir ja doch mit
Händen und Füßen zugleich begreifen, daß unter allen
denkbaren Aufgaben die Aufgabe am schwersten zu lösen ist, nämlich:
[Fl.01_011,36]
Wie läßt sich das freie Leben binden, und wie vorher
das frei herumschwärmende Leben sammeln?
[Fl.01_011,37]
Wir haben bei der Bildung des Planeten gehört, daß da
die Fliege als erstes sichtbares Geschöpf einen solchen Planeten bewohnt. Also
hier sahen wir die Fliege zuerst das zerstreute Leben in sich versammelt
aufnehmen; jetzt nach dem Lichte sehen wir die Fliege wieder zwischen Sonnen
und Planeten als einen Lebenssammler.
[Fl.01_011,38]
Was ist der Unterschied zwischen jetzt und derjenigen Urzeit, da noch die
Fliege der alleinige Bewohner eines Erdkörpers war?
[Fl.01_011,39]
Einerseits gar keiner, denn heute noch wie damals entspricht sie vollkommen
ihrer Natur und Ordnung; aber anderseits wieder ein unendlicher, denn sie steht
nun auf der untersten polarischen Spitze nicht nur der Sammlung des Lebens,
sondern auch der Umkehr desselben zu stets größeren und innigeren Potenzen und
endlich bis zur allerhöchsten Potenz des Urlebens selbst.
[Fl.01_011,40]
Damals war zwischen ihr und der unendlichen Potenz noch eine unendliche Kluft;
jetzt ist sie ausgefüllt durch das Wesen des Menschen, wie durch die fast
endlose Vorreihe der Wesen vor dem Menschen. Ist solches nicht als ein endloser
Unterschied zwischen damals und jetzt zu betrachten?
[Fl.01_011,41]
Damals ist es euch gezeigt worden, was dieses Tierchen da war; jetzt wird euch
zwar auch dasselbe gezeigt, – aber in demselben wird euch auch der Sieg
gezeigt. Und darum ist auch ein endloser Unterschied zwischen damals und jetzt.
Denn damals hätte euch noch keine Fliege können singen vom Siege; jetzt aber
kann sie solches. Und so ist auch zwischen ihrem damaligen und jetzigen Liede
ein endloser Unterschied.
[Fl.01_011,42]
Und was ist dieser endlose Unterschied selbst?
[Fl.01_011,43]
Das ist eben der Sieg!
[Fl.01_011,44]
Und was ist denn der Sieg?
[Fl.01_011,45]
Hier öffnet eure Hand und ergreifet den Sieg bei eurer eigenen Nase! So ihr's
aber noch nicht merken solltet, da muß Ich es euch ja
geradehinaus sagen: Das erhaltene Leben ist der Sieg!
[Fl.01_011,46]
Wie aber behielt die Fliege das Leben?
[Fl.01_011,47]
Sie behielt es durch ihre große Tätigkeit; denn das Leben will geübt sein! Sie
behielt es ferner durch ihre große Demut; denn das Leben will versammelt sein!
Sie behielt es durch die blindeste Unterwerfung in Meinen richtenden Willen;
denn alles Leben muß gerichtet werden, wenn es sich
dereinst gewisserart selbst finden und sich selbstbewußt erkennen soll!
[Fl.01_011,48]
Wenn ihr nun diese Punkte betrachtet und betrachtet die Gesetze, welche von Mir
aus an euch ergangen sind für die ewige Erhaltung des Lebens, und vergleichet
dieses alles wohl miteinander, stets vor Augen habend, was der Sieg ist, so
werdet ihr doch auch endlich einmal erkennen, was da gemeint ist unter den
Anfangsstrophen der Fliege, allda es lautet: Die Fliege, die Fliege, sie singt
euch vom Siege!
[Fl.01_011,49]
Denn dieses schon vor längerer Zeit euch gegebene Liedchen, aus wenigen
Strophen bestehend, kann vom Anfange bis zum Ende nur als eine Anfangsstrophe
zu diesem euch nun gegebenen großen Liede betrachtet werden. Da ihr in diesem
großen Lied erst das eigentliche Siegeslied der Fliege erkennt, und da wir nun
den Sieg erkannt haben, so lasset uns jeder bei sich selbst diesen Sieg
erschauen und wohl beachten, damit wir dadurch fähiger und fähiger werden, uns
gegenseitig stets mehr und mehr näher zu kommen und also den endlichen
allergrößten Sieg zu erfahren an sich, welcher Sieg da ist die
Wiedervereinigung jedes einzelnen Lebens mit Meinem urewigen Leben.
[Fl.01_011,50]
Wie aber solches ohne die allergeringste Beeinträchtigung vor sich gehen wird,
wodurch jedes Leben sich selbständig bleibt ewiglich, ungeachtet es mit dem
Urleben in der innigsten Verbindung steht, darüber soll uns in der nächsten und
letzten Mitteilung die Fliege noch ein kleines Liedchen singen!
12.
Kapitel – Die Fliege als Symbol der Demut.
25.
März 1842, Karfreitag
[Fl.01_012,01]
Was unter dieser Beeinträchtigung verstanden wird, habt ihr zwar schon im
Verlaufe dieser Mitteilung zur Genüge gehört, ja nicht nur im Verlaufe dieser,
sondern auch mehrerer anderer Mitteilungen habt ihr es schon zu öfteren Malen empfangen, wie man dessenungeachtet
für sich allein dastehen kann, wenn man sich auch in seinem Herzen auf das
innigste vereinigt mit seinem Schöpfer. Es ist euch aber dessenungeachtet
noch immer dunkel ums Gefühl, und der Glaube hat noch ein hartes Feld, und die
Seele nimmt es schwer auf, wie der Mensch im Geiste ein vollkommen freies,
selbständiges Leben haben könne, welches aber doch also gebunden ist mit dem
Urleben des Schöpfers, daß es mit diesem vollkommen
nur ein Leben ausmacht.
[Fl.01_012,02]
Ja, wahrlich solches in der irdischen Beschränktheit zu erfassen, ist wohl
außerordentlich schwer, und Ich sage euch: Wer es nicht lernt von dem
bescheidenen Liedchen der Fliege, oder nun noch deutlicher gesprochen, wer es
nicht lernt aus der wahren, allerinnersten Demut auf dem Wege des Kreuzes, ja
noch deutlicher und heller gesprochen, wer es nicht lernt von Mir, dem Vater,
der Ich die allerhöchste und allerinnerste Demut Selbst bin, der wird es nicht
begreifen, und sicher auch zu häufigen Malen ewig nimmerdar
verstehen, nämlich, wie Vater und Kinder vollkommen Eines sein können.
[Fl.01_012,03]
Damit ihr euch aber davon eine gegründetere
Vorstellung machen könnt, so wollen wir die Blicke noch auf zwei große Dinge
richten, nämlich auf einen großen Menschen, der da heißt „Welt“, und auf einen
anderen großen Menschen, der da heißt der „Himmel“.
[Fl.01_012,04]
In Hinsicht auf den ersten Menschen, in formell-materieller Hinsicht
betrachtet, sind ganze Hülsengloben voll Sonnen und Welten kaum Nervenwärzchen
seines Wesens zu nennen, und so dieser Mensch auch in dieser seiner Größe sich
vollkommen als ein Leben ansieht also, wie ihr euch als ein Leben ansehet, –
besteht er darum wirklich nur aus einem Leben?
[Fl.01_012,05]
Ich meine, um das einzusehen, daß dieser große
Weltenmensch ein gar vielfaches Leben lebt, brauche es weiter gar nichts, als
nur einen Schwarm Fliegen anzusehen, und sie werden es durch ihr Gesumse
kundgeben, daß schon sogar sie als erste Tierlein für
sich ein abgeschlossenes Leben haben. Um wieviel mehr
muß der Mensch für sich dasselbe bekennen, und noch
mehr eine ganze Erde voll Völker und anderer lebender Wesen zahlloser Arten,
und noch bei weitem viel mehr eine Sonne mit ihren vollendeten Wesen, und noch
bei weitem viel mehr eine Zentralsonne um die andere mit ihren
allervollkommensten und allermächtigsten Geistern, und endlich noch mehr eine
abgeschlossene Hülsenglobe für sich, die doch ein nahe endloser Inhalt ist
sogar schon von zahllosen Weltkörpern, geschweige erst von den Wesen auf
denselben.
[Fl.01_012,06]
Und doch sind all die Hülsengloben, alle Zentralsonnen, alle Nachzentralsonnen,
alle Planetarsonnen und alle andern Nebensonnen mit ihren Planeten und all den
Wesen auf denselben, in eigentlichster Hinsicht betrachtet, nichts als
Körperteile dieses großen Weltenmenschen, der für sich ein so gut
abgeschlossenes Leben hat wie jeder Mensch von euch auf der Erde und samt
dieser in diesem großen Weltenmenschen.
[Fl.01_012,07]
Sehet, das ist nun die Betrachtung von der materiellen Seite.
[Fl.01_012,08]
Nun lenken wir unseren Blick auf den Himmelsmenschen, gegen dessen Größe sich
dieser vorhin ausgesprochene große Weltenmensch gerade so verhält, wie ein
trillionster Teil eines Atoms gegen die Größe des vorbekannten Weltenmenschen.
[Fl.01_012,09]
Ja, der Himmel in seiner menschlichen Hinsicht ist so groß, daß
alle die zahllosen Milliarden der Hülsengloben, aus denen dieser große
vorbenannte Weltenmensch besteht, sehr bequem in dem Rohre eines Härchens auf seinem
Leibe Platz hätten, so zwar, daß sie alle ihre
Bewegungen im selben machen könnten, ohne nur je die Wände dieses Haarröhrchens
zu berühren!
[Fl.01_012,10]
Nun denket euch, wie viel Leben hat nun dieser Himmelsmensch schon in einem
Haarröhrchen oder wenigstens in einem dem Haarröhrchen entsprechenden anderen
Leibesteile, und wie viel Leben muß er dann erst in
einem Gliede haben, wie viel in seinem Herzen erst, und wie viel in seinem
ganzen Leibeswesen, – und doch denkt dieser ganze Himmelsmensch für sich nur
als ein einfacher, für sich allein bestehender Mensch, während doch in ihm
zahllose Milliarden und Milliarden der allervollkommensten Engel und Geister
alle also abgeschlossen für sich denken und leben wie der große Himmelsmensch!
[Fl.01_012,11]
Ja, in dem Himmelsmenschen gibt es noch andere Verhältnisse, durch welche
vollkommen gleichdenkende und gleichliebende Wesen einen Verein bilden, der,
für sich genommen, entsprechend einem irdischen Weltkörper oder wenigstens
einem Teile desselben, vollkommen einen Menschen darstellt, welcher wieder ganz
auch vollkommen für sich denken und fühlen kann, so als wäre er nur ein einzeln
für sich dastehender Mensch.
[Fl.01_012,12]
Ja, Ich sage euch noch hinzu: Es gibt in Meiner Unendlichkeit sogar mehrere
solcher Himmel, und jeder Himmel ist für sich wieder ein vollkommener Mensch,
und alle die Himmel bilden erst zusammengenommen wieder einen also unendlichen
Menschen, welcher von niemandem gedacht und empfunden werden kann denn allein
von Mir, da er eigentlich Mein Leib selbst ist oder der Gott in Seiner
Unendlichkeit, der da Seine Selbst- und Alleinheit gewiß
auf das allerbestimmteste und allerklarste denkt und fühlt, – und doch welche
Vielheit des Lebens in Ihm!
[Fl.01_012,13]
Wenn ihr diese zwei Bilder nun nur ein wenig vergleichet und dann im Geiste
durchgehet, so wird es euch ja doch nimmer entgehen können, daß
in einem ewigen und unendlichen Leben sich zahllose Leben frei bewegen können
und genießen allda die allerhöchsten Wonnen des Lebens vollkommen, während sie
doch nur Teile des einen Hauptlebens in Gott sind.
[Fl.01_012,14]
Sehet, solches singt also die Fliege in der Demut; und die Demut ist die
eigentliche wahre Hauptfliege des Menschen selbst! Denn wie die Fliege im
Weltteile anfängt, in sich den Sieg über das Leben zu gewinnen, also fängt auch
die Demut im Menschen an, auf dieselbe Weise das allerfreieste Leben aus Gott
aufzunehmen und es einzuschließen in sich und dann durch ihre Beharrlichkeit
und durch ihren Mut groß- und starkzuziehen in sich dieses ewige Heiligtum,
welches da ist der lebendige Christus in einem jeden wahren Menschen. Und wenn
dessen Leben übergegangen ist in alle Teile der Seele und durch die Seele auch
in den fleischlichen Leib, so ist dann solche Erscheinlichkeit,
ja wirkliche Handlung im Geiste ja doch ein Sieg, ja wahrlich der allerhöchste
Sieg, welchen je ein Mensch sich erkämpfen könnte; denn durch diesen Sieg hat
er ja in sich das allerhöchste Leben Gottes gefangengenommen, hat es sich zu
eigen gemacht durch die Liebe und wurde nun Eins mit dem ewigen Gott, dem Vater
aller Liebe.
[Fl.01_012,15]
Saget Mir, ist solches nicht ein Sieg, von dem euch die Fliege singt?
[Fl.01_012,16]
Wollt ihr aber die Fliege, die euch da singt von diesem Siege, recht verstehen,
da fraget die eigene wahre Fliege in euch, welche da ist die vollkommene Demut,
und diese wird euch die große Antwort geben: Ja, durch sie werdet ihr es
empfangen, was da ist ein rechter wahrer Sieg!
[Fl.01_012,17]
Wie aber die Liebe ist eine Frucht der Demut, so ist die ewige Wahrheit oder
das Licht allen Lichtes eine Frucht der Liebe; und so die Liebe wächst aus der
Demut und die Wahrheit aus der Liebe, so ist das ein rechtes Wachstum und ist
ein wahrer Baum des Lebens und ein wahrer Baum aller heiligen Erkenntnis des
Lebens, und alles, was desselben ist zeitlich und ewig.
[Fl.01_012,18]
Wer aber da die Geheimnisse des Lebens etwa gar durch seinen Weltverstand
ermitteln will, der wird wohl nimmer dieselben irgend ermitteln, sondern wird
durch den Verstand noch das wenige Leben verlieren, das er sich ehedem in
seiner Kindheit erwirtschaftet hatte. Denn wahrlich sage Ich euch: Wer solches
innere Wort, wenn es sich kundgibt – entweder in eines jeden bessergesinnten
Menschen Herzen durch mahnendes Gewissen oder als vernehmliches Wort durch den
Mund eines Geweckten –, nicht mit kindlich einfältig-frommem Sinne glaubt und
dann aber nicht nur ein bloßer Hörer solchen Wortes verbleibt, der sich
höchstens bloß verwundert, bald über dieses, bald über jenes, was darinnen
vorkommt, – sondern ein Täter desselben wird, da sage Ich euch noch einmal:
Wahrlich, wahrlich, es wird das Hören und Sehen niemanden in den Himmel
bringen, sondern allein das Tun!
[Fl.01_012,19]
Ihr habt aber im Verlaufe dieser Mitteilung vernommen, daß
das Leben nicht ehedem zurückkehren kann, bevor es gerichtet wird; und zugleich
müßt ihr auch wissen aus dem Evangelium, allda es
heißt: „Nicht Ich, sondern das Wort, das Ich zu euch geredet habe, wird euch
richten.“
[Fl.01_012,20]
Sehet, sonach ist das Wort ein Richter für den, der es tut, zum ewigen Leben –
und für den, der es nicht tut, zum ewigen Tode; denn niemand kann zur Gewißheit gelangen außer auf dem tätigen Wege des Kreuzes
nach dem Worte, welches da nichts als die Demut und die Liebe predigt. Wer aber
da ist ein bloßer Hörer und tut nicht nach dem ihn zum Leben richten sollenden
lebendigen Worte, der wird sich auch nicht vereinen können mit der
positiv-lebendigen Kraft desselben, sondern wird verbleiben in seiner negativen
Polarität des Todes, aus welcher da wohl schwerlich ewig je sich wieder ein
positiv-polarisches Leben entwickeln wird.
[Fl.01_012,21]
Was sind aber die ersten Kennzeichen eines solchen Gerichtes zum Tode bei einem
Nichttäter des Wortes?
[Fl.01_012,22]
Die ersten Kennzeichen sind die Zweifel an der Echtheit eines oder des anderen
Teiles göttlicher Offenbarung.
[Fl.01_012,23]
Was ist aber ein solcher Zweifel denn an und für sich?
[Fl.01_012,24]
Ein Zweifel ist da nichts anderes als eine Ohnmacht des inneren Lebens, zufolge
welcher der Geist in sich zurücksinkt und in der Seele kein anderes denn ein
mattes naturmäßiges Zwielicht scheint, wobei ein Teil des Lichtes noch von den
matter und matter werdenden Strahlen des Geistes, ein Trugteil des zunehmenden
Lichtes aber von der alle Sinne täuschenden Welt herrührt.
[Fl.01_012,25]
Wohin hernach solche Geistesohnmachten führen, das wird keiner großen Erklärung
mehr bedürfen, so der Geist nicht bald wieder von neuem erweckt wird durch ein
kräftiges Tun nach dem Worte.
[Fl.01_012,26]
Wer aber da im Verlaufe dieses Lebens nicht wird übergehen in die wahre
positive Polarität des ewigen Lebens, der wird sich selbst richten für die
negative Polarität, aus welcher er ewig nimmerdar
erstehen wird.
[Fl.01_012,27]
Es verhalten sich aber diese beiden Polaritäten wie Geistiges und Materielles,
oder wie lebendige innere Frucht und wie tote äußere Schale.
[Fl.01_012,28]
Wer da übergehen wird in die Frucht, der wird übergehen ins Leben; wer aber da
wird übergehen in die Schale, der wird auch übergehen in den Tod.
[Fl.01_012,29]
Ihr wisset aber ja schon, daß in jeglichem Dinge, und
also sicher noch um so mehr in Gott, sich zwei Polaritäten befinden; und wie
das göttliche Sein ein ewiges ist, also müssen auch diese zwei Polaritäten ewig
sein.
[Fl.01_012,30]
Wer da durch das Wort gerichtet wird, oder sich vielmehr selbst richtet nach
dem Worte, der nimmt das Leben in sich auf und entspricht der göttlichen
positiven Polarität, welche da ist das allerfreieste und unumschränkteste Sein.
[Fl.01_012,31]
Wer aber das Wort nicht tatsächlich aufnimmt in sich, sondern es bloß nur durch
seinen negativen Verstand laufen läßt, den wird das
Wort selbst richten hin zur negativen Polarität, welche da ist das Grundprinzip
alles Materiellen und somit alles Todes und alles Beschränktseins;
– woraus da hervorgeht, daß die naturmäßige Welt ebensowenig ewig je mehr ein Ende nehmen wird wie die
geistige, sondern wird bleiben als eine ewige negativ-polarische Unterlage
alles Geistigen und Freien. Welches Los demnach das glücklichere ist – für alle
Ewigkeiten der Ewigkeiten entweder der negativen oder der positiven Polarität
Gottes einverleibt zu werden, oder: ein ewig wonnevollst
freiester Engelsgeist zu sein, oder ein gebannter Satan in einem toten Steine
–, solches möget ihr nun selbst entscheiden.
[Fl.01_012,32]
Wahrheit ist zwar für den Lebendigen überall, aber für den Toten gibt es in der
ganzen Ewigkeit nirgends ein Licht.
[Fl.01_012,33]
Und solches ist bei sich zu tragen, solches, was da allzeit die Wahrheit soll
besagen; und eben solches ist ein überaus gutes Ding, ja das ist der ewige Ring
des Lebens, in den ihr eindringen sollet, der sich aber nicht nur zur
Unterhaltung des Verstandes, sondern ernst in der Tat nur drehet, und durch
diese erst die Wahrheit als des wahren Lebens Licht in ihm erstehet und ihn
durch-und-durchwehet.
[Fl.01_012,34]
Sehet, wenn ihr nun dieses begreifet, da werdet ihr auch wohl begreifen, daß der Ton ist wie die Pfeife, oder das Licht wie das
Leben, und der Lohn wie die Arbeit, oder die Erkenntnis oder das Selbstbewußtsein des ewigen Lebens in sich wie die Tat nach
dem Worte; und wie der Berg, also des Krümme, oder wie geartet das Leben, so
gestaltet auch der Pol desselben; und wie das Herz, also auch dessen Stimme,
oder wie die Demut im Herzen, also auch das lebendige Wort im selben.
[Fl.01_012,35]
Nun werdet ihr wohl kaum mehr fragen: Wer mag dies in sich begreifen; wem wird
dieser Ölzweig reifen? Denn ihr wißt aus dem Verlaufe
dieser Mitteilung, was die Wahrheit und was das Licht ist, und werdet demnach
auch wissen und leicht begreifen, wie die Wahrheit ist ein Licht dem Lichte,
und ein Licht dem Lichte zum Gerichte, d. h. entweder zum Gerichte, das da
kehret das Leben zum Leben, oder umgekehrt, wie ihr es schon wißt.
[Fl.01_012,36]
So ihr alles das Gesagte wohl überdenket, möget ihr da die Frage noch nicht
verstehen: Kannst du nun um Sonnen freien, wie im Licht die Erd' entweihen?
Oder auf deutsch gesagt: Kannst du zweien Herren dienen?
[Fl.01_012,37]
Denn wer da um Sonnen oder um lebendige Vollendung freiet, wie kann der mit
diesem Lichte sich zur Außenwelt wenden, um durch dieselbe sich zu
bevorteilen?! Oder damit ihr es noch deutlicher versteht: Wie will der durch
seinen Verstand göttliche Wahrheiten ziehende Mensch dadurch zum ewigen Leben
gelangen, so er nicht das Wort in sich zur Tat will kommen lassen?!
[Fl.01_012,38]
Ein solcher ist ja, der im geraubten Lichte das Erdreich, auf welchem er fürs
Leben tätig sein soll, durch seine Trägheit entweiht! Oder wissen solches nicht
schon sogar die Physiker, daß sich gleiche Polaritäten
nie anziehen, sondern allzeit abstoßen? So aber die Erde faul und träge ist für
sich, wird sie da wohl je können durch Untätigkeit belebet werden?!
[Fl.01_012,39]
Daher ist dieses ja klar, daß man zweien Herren nicht
dienen kann, – also nicht zugleich dem müßigen Verstande und der lebendigen
Tat.
[Fl.01_012,40]
Wer aber da um Sonnen freien kann, der soll ja mit dem Lichte die Erde nicht
entweihen, sondern sie vielmehr segnen durch seine Tat, damit ihm da auch aus
der Erde eine Sonne wird.
[Fl.01_012,41]
Und also ist der Aufruf an den finstren Zweifler, daß
er fliehen solle, wenn Ich Sonnen niederziehe, vollgültig. Aber wohin soll er
fliehen?
[Fl.01_012,42]
Die Fliege mag er fragen, und sie wird es ihm sagen, welchen Zug das Leben
nimmt, und wie es dann zurückkehren solle, ausgerüstet mit großen
Wucherprozenten; aber die Fliege wird ihm auch noch sagen, wohin er noch
fliehen kann, ja vielmehr fliehen muß, so er nicht
zurückkehren mag durch die Tat des Wortes zum ewigen Leben alles Lebens.
[Fl.01_012,43]
Wer da nur schon ein wenig seine Augen geöffnet hat, der wird auch gar nicht
lange zu suchen brauchen, um die ganze Unendlichkeit voller Hirsche zu
erblicken, die da wahrlich um die Wette rennen zum Urziele, dahin das Leben
schon in unserer Fliege seine Richtung nahm; denn „Hirsche“ und „stets freier
werdendes Leben“ bezeichnen ein und dasselbe.
[Fl.01_012,44]
Wißt ihr nun das, so wisset ihr auch, wer und wie er
da heben kann die endlose Kette der Wesenreihe, die da aufsteigt zum Urborne
alles Lichtes und alles Lebens.
[Fl.01_012,45]
Es ist aber die Frage hier gestellt an den Verstandesmenschen, ob auch er, der
Tatlose, zu heben vermag diese Kette, und gleicherweise auch die zweite und
letzte Frage: Magst du der Wahrheit Spur nicht finden, nämlich durch die Tat,
wer wird dich sonach der Nacht des ewigen Todes entbinden?
[Fl.01_012,46]
Ich meine, diese letzte Frage bedarf etwa wohl keiner Erläuterung mehr, sondern
es wird euch doch schon aus dem Verlaufe dieser Schrift hinreichend bekannt
sein, daß man, um sich der Nacht des ewigen Todes zu
entbinden, ein lebendiger Täter des Wortes sein muß,
– und nicht bloß ein Hörer, endlich gar ein Kritiker, ja was noch mehr ist, ein
Verächter und sodann gar ein Leugner Meines Wortes.
[Fl.01_012,47]
Wer aber da sein will ein wahrer Täter des Wortes, dem muß
dasselbe also vollkommen ernst sein, darum er dann mit Meinem lieben David
aussprechen kann: „Gott ist mein rechter Ernst; ich will singen und dichten;
das ist auch meine Ehre. Wohlauf denn, ihr Psalter und Harfen! Ich will frühe aufsein. Ich will Dir danken, Herr, unter den Völkern und
will Dir lobsingen unter den Leuten; denn Deine Gnade reicht, soweit die Himmel
sind, und Deine Wahrheit, soweit die Wolken gehen. Erhebe Dich, Gott, über den
Himmel, Deine Ehre über alles Land; auf daß Deine
lieben Freunde erlediget werden, hilf mit Deiner Rechten und erhöre mich!“
(Psalm 108).
[Fl.01_012,48]
Singt hier nicht David, daß Gott sein rechter Ernst
ist?
[Fl.01_012,49]
Wie kann aber Gott sonst bei den Menschen sein als im Worte?! Also das Wort muß dem Menschen ein Ernst sein, darum er es singen soll
oder hören und dann dichten oder tun; und das ist die Ehre oder das Licht des
Menschen selbst.
[Fl.01_012,50]
Wohl ruft hier David Psalter und Harfen auf und will frühe aufstehen, um was
denn zu tun?
[Fl.01_012,51]
Nichts als das Wort; denn wer das Wort in sein Herz aufnimmt und tut danach,
der dankt und lobsinget Mir auf den besten Psaltern und Harfen, – und tut
solches unter Völkern und unter Leuten, oder er befindet sich in der Mitte der
zwei euch schon bekannten Polaritäten und strebt mitten hindurch zu Gott empor,
und läßt sich weder irremachen von den Völkern, noch
von den Leuten, oder von seinem Verstande, noch von seiner Trägheit.
[Fl.01_012,52]
Ja wahrlich, wer solches tut, dem Gott, wie dem David, ist ein rechter Ernst,
der weiß gar wohl, wie weit Meine Gnade reicht, oder wie weit das Leben von Mir
in alle ewigen Räume hinausgeht, welches da sind die Himmel, von denen euch
heute Genügendes gesagt wurde; auch weiß er, was die „Wolken der Wahrheit“
sind, nämlich daß sie sind die Geister des ewigen
Lebens.
[Fl.01_012,53]
Ja, wem da Gott ist ein rechter Ernst, der erkennt in sich den Sieg und ruft
ebenfalls mit David: „Erhebe Dich, Gott, über den Himmel – oder über dieses
mein früheres Leben –, und Deine Ehre – oder Dein lebendiges Licht – ströme aus
über alle Lande meines Wesens, auf daß dadurch alle
lieben Freunde, oder alle, die sich dem Leben zugekehrt haben, auf welcher
Stufe sie sich auch noch immer befinden möchten, bald von allem, was des Todes
ist, erlediget werden möchten!“
[Fl.01_012,54]
Ja, dem Gott, wie dem David, ein rechter Ernst ist, der wird gleich ihm noch am
Ende rufen: „Herr, mein Gott und mein Vater, siehe, mein Herz ist übervoll von
Liebe zu Dir! Siehe, aus dieser Tiefe meiner Demut flehe und schreie ich zu
Dir, auf daß Du mir helfen möchtest mit Deiner
Rechten, oder daß Du mir geben möchtest das wahre
Licht des Lebens und ich dann mit Dir werden könnte ein einzelnes vollkommenes
Leben; und also erhöre mich, mein Gott!“
[Fl.01_012,55]
Sehet, das ist eine rechte Bitte für den, der da bei sich sagen kann im Geiste
und in aller Wahrheit: „Gott ist mein rechter Ernst!“
[Fl.01_012,56]
Denn wem Gott ein rechter Ernst ist, der wird sich auch vollkommen kehren zu
Gott und wird nicht mit dem einen Auge zurückschauen auf die Welt und bloß mit
dem andern aufblicken zu Gott. Er wird nicht nur seine Augen, sondern sein
ganzes Wesen wird er erheben zu Gott! Aber wie es jetzt an der Zeit ist,
glaubet es Mir, da gibt es gar wenig Ernstes zu Gott, und die Menschheit ist
samt und sämtlich in die größte Lauheit übergegangen, und den letzten Tropfen
lebender Kraft, den sie noch innehat, verwendet sie lediglich für Weltliches.
[Fl.01_012,57]
Wieviel des zurückkehrenden Lebens zu Mir da
herauskommen wird, das werdet ihr ohne große Kopfbeschwerden an den Fingern
abrechnen können, und seid versichert, die Worte „zahllos“ und „unendlich“
werden wir hier nicht gebrauchen!
[Fl.01_012,58]
Aber solle uns deshalb etwa bange sein? O Meine lieben Kindlein, mitnichten!
Denn dessenungeachtet geht doch alles den Weg,
welchen Mein richtendes Wort vorschreibt, entweder aufwärts oder abwärts; und
so ganz frei gesprochen: Obschon die Erde um ein teures Lösegeld erkauft wurde
und wurde in das Zentrum gestellt zwischen Meine zwei unendlichen Polaritäten,
so befinden sich aber dessenungeachtet in der weiten
Unendlichkeit noch gar viele Erden, auf welchen treuere Kinder wandeln als auf
dieser alleinig undankbarsten, – und doch habe Ich keiner das getan denn dieser!
[Fl.01_012,59]
Doch die Ewigkeit ist noch nicht zu Ende; ihre Fortdauer ist endlos! Wehe
dieser Erde, so Ich Mein Herz von ihr abwenden werde und zuwenden einer andern!
[Fl.01_012,60]
Solches beachtet wohl, was alles ihr in dieser Fliege empfangen habt, und tut
danach! Haltet ferne euren Verstand, aber desto näher euer Herz, so werdet ihr
den wahrhaften Sieg des Lebens in euch erkennen und werdet euch aufschwingen
können zu dem siebenfachen Lichte, und zum dreifachen Lichte über das
siebenfache Licht!
[Fl.01_012,61]
Solches sage Ich euch aber noch schließlich hinzu: So da jemand hätte einen
Zweifel und könnte nicht vollends glauben solcher Mitteilung, auf daß er dadurch tätig würde in seinem Herzen, der tut
besser, so er es nicht anrührt; denn hat er es angerührt, so hat er sich
verstärkt den inneren Richter zum Tode. Hat er es aber nicht angerührt, so wird
sein Gericht auch leichter und der Weg zum negativen Pol erträglicher, und
vielleicht nach Ewigkeiten möglich umwendbar.
[Fl.01_012,62]
Wer es aber liest und es betrachtet als einen kräftigen Wegweiser zum Leben und
tut danach, wahrlich, der hat auch schon den Sieg in sich, welches Alles ist
der allein heilige Liebewille eures Vaters ewig. Amen. – – –
13.
Kapitel – Ein Trost aus der hohen Weisheit, die allhier zu lösen ist.
6.
März 1842, Sonntag
[Fl.01_013,01]
Solches ist bei sich zu tragen, / Wahrheit allzeit zu besagen, / Das ist gar
ein gutes Ding, / Einzudringen in den Ring, / Der sich allzeit ernst drehet, /
Da die lichte Wahrheit wehet.
[Fl.01_013,02]
Wie die Pfeife, so der Ton, / Wie die Arbeit, so der Lohn, / Wie der Berg, also
des Krümme, / Wie das Herz, also des Stimme! / Wer mag dies in sich begreifen?
/ Wem wird dieser Ölzweig reifen?
[Fl.01_013,03]
Wahrheit ist ein Licht dem Lichte, / Licht dem Lichte zum Gerichte. / Kannst du
nun um Sonnen freien, / Wie im Licht die Erd' entweihen? / Finstrer Zweifler,
fliehe, fliehe, / So Ich Sonnen niederziehe! / Sieh, die Hirsche rennen Wette;
/ Magst du heben diese Kette? / Magst der Wahrheit Spur nicht finden, / Wer
wird dich der Nacht entbinden? – –