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Jakob Lorber Briefwechsel Jesu Originaltitel: Briefwechsel zwischen Abgarus Ukkama, Fürst von Edessa, und Jesus von Nazareth. Das kleine Evangelium in Briefform.
Historisch gesichert und voll bibelgemäß, d.h. reine evangelische Botschaft ohne
jeglichen Widerspruch zur Bibel. Jesus von Nazareth offenbart Sich hier
Selbst als Mensch seiender Gott; als der Christus (Messias), Heiland,
Erlöser, der von den Propheten angekündigt und von Johannes dem Täufer
erkannt wurde. Es sind diese Briefe an und von Jesus in den letzten Monaten
und Wochen Seines Erdenlebens entstanden. Erster Brief des Abgarus an Jesus. [BJ.01_Brief_1,01] Abgarus,
Fürst in Edessa, Jesu dem guten Heilande,
der in dem Lande um Jerusalem erschienen ist, alles Heil! [BJ.01_Brief_1,02] Ich habe von Dir
gehört und von Deinen Gesundmachungen, wie Du sie
ohne Arzneimittel und Kräuter verrichtest. Denn die Rede geht, daß Du die Blinden sehen machst, die Lahmen gehen, daß Du die Aussätzigen reinigst und die unreinen Geister
austreibst und diejenigen heilst, die mit langwierigen Krankheiten kämpfen,
und endlich sogar die Toten auferweckst. [BJ.01_Brief_1,03] Nachdem ich alle
diese Dinge von Dir gehört habe, so habe ich demnach bei mir selbst
geschlossen, eines von beidem müsse wahr sein: entweder Du seiest Gott, vom
Himmel herabgekommen – oder Du, der diese Dinge tut, seiest doch zum
wenigsten ein Sohn des großen Gottes! [BJ.01_Brief_1,04] Ich ersuche Dich
daher durch dieses Schreiben, Dich zu mir zu bemühen, um die Krankheit, die
ich habe, zu heilen! [BJ.01_Brief_1,05] Ich habe auch
gehört, daß die Juden wider Dich murren und Dir
Böses zufügen wollen. – Ich aber habe eine zwar kleine, aber wohlgeordnete
Stadt, welche für uns beide hinreichend sein wird. Daher komme Du, mein
überaus hochgeachtetster Freund Jesus, zu mir und bleibe bei mir in meiner
Stadt und in meinem Lande! Da sollst Du von jedermann auf Händen und im
Herzen getragen sein. – Ich erwarte Dich mit der größten Sehnsucht meines
Herzens! [BJ.01_Brief_1,06] Gesandt durch
meinen getreuesten Knecht Brachus. Erstes Antwortschreiben von Jesus. [BJ.01_Antw.1,01] Abgarus,
du bist selig, weil du Mich nicht gesehen und doch geglaubt hast! Denn siehe,
es steht von Mir geschrieben, daß die, welche Mich
gesehen haben, nicht an Mich glauben werden, auf daß
die, welche Mich nicht gesehen haben, glauben und leben mögen in Ewigkeit! [BJ.01_Antw.1,02] Was aber das
betrifft, darum du Mir schriebst, daß Ich solle zu
dir kommen, da Ich hier im Judenlande verfolgt werde, da sage Ich dir: Es ist
nötig, daß alles das, um dessentwillen Ich gekommen
bin in die Welt, an diesem Orte an Mir erfüllt werde, und daß
Ich, nachdem dieses alles in der Kürze an Mir erfüllt sein wird, zu Dem
aufsteigen werde, von dem Ich ausgegangen bin von Ewigkeit. [BJ.01_Antw.1,03] Sei aber geduldig in
deiner leichten Krankheit! So Ich in den Himmel werde aufgenommen sein, da
werde Ich einen Jünger zu dir senden, damit er deine Krankheit heile und dir
und allen, die bei dir sind, die wahre Gesundheit gebe! [BJ.01_Antw.1,04] Geschrieben durch
Jakobus, einen Jünger des Herrn Jesu Christi, und übersandt durch Brachus, des Königs Boten, aus der Gegend Genesareth. [BJ.01_Antw.1,05] Bald darauf, als Abgarus vom Herrn Jesus diese überhimmlische Antwort
erhalten hatte, begab es sich, daß dieses Königs
ältester Sohn und Thronfolger in eine tödliche Fieberkrankheit verfiel, zu
der alle Ärzte in Edessa sagten, daß sie unheilbar sei. Das brachte den armen Abgarus nahe zur Verzweiflung. In solcher seiner
übergroßen Betrübnis schrieb er abermals an den guten Heiland Jesus. Zweiter Brief des Abgarus an Jesus. [BJ.01_Brief_2,01] Abgarus,
ein armseliger Fürst in Edessa, Jesu dem guten Heilande, der erschienen ist in dem Lande um Jerusalem,
alles Heil und alle Ehre Gottes! [BJ.01_Brief_2,02] O Jesus, Du guter
Heiland! Siehe, mein ältester Sohn, der Thronerbe, der sich mit mir über die
Maßen auf Deine Ankunft in meiner Stadt freute, ist todeskrank geworden. Ein
böses Fieber hat sich seiner bemächtigt und droht ihn in jedem Augenblicke zu
töten! – Ich aber weiß, wie es mir der Bote beteuert hat, daß
Du derlei Kranke ohne Arznei bloß durch Wort und Willen in die Ferne heilest!
O Jesus, Du guter Heiland, Du wahrhaftiger Sohn des allerhöchsten Gottes, das
Du sicher bist – lasse also auch meinen Sohn, der Dich so sehr liebt, daß er für Dich sogar in den Tod gehen möchte, wieder
gesund werden durch Dein mächtiges Wort und Willen! [BJ.01_Brief_2,03] O Jesus, Du guter
Heiland! bescheide mich, der ich auch krank bin, nur diesmal nicht auf die
Zeit nach Deiner mir verkündeten Himmelfahrt; sondern helfe, helfe, helfe
sogleich meinem Sohne! [BJ.01_Brief_2,04] Geschrieben in
meiner Stadt Edessa, übersandt durch den früheren
getreuen Boten. Zweites Antwortschreiben von Jesus. [BJ.01_Antw.2,01] Abgarus,
groß ist dein Glaube! Und darum könnte es mit deinem Sohne wohl besser
werden. Aber da Ich bei dir Liebe gefunden habe, mehr als in Israel, so will
Ich dir auch mehr tun, als so du nur allein geglaubt hättest! [BJ.01_Antw.2,02] Siehe, Ich, der Herr
von Ewigkeit, nun ein Lehrer der Menschen und ein ewiger Befreier vom ewigen
Tode, werde deinem Sohne das ewige Leben schenken vor Meiner Auffahrt, da er
Mich ungesehen und ungekannt vor Meinem bevorstehenden Leiden für alle
Menschen aus seinem ganzen Herzen geliebt hat. Und so wirst du, Mein lieber Abgarus, wohl deinen Sohn dem Leibe nach verlieren in der
Welt, aber dem Geiste nach tausendfach gewinnen in Meinem ewigen Reiche! [BJ.01_Antw.2,03] Glaube aber ja
nicht, daß dein Sohn, so er sterben wird, im Ernste
sterben wird! – Nein, nein! Sondern wann er stirbt, da erst wird er erwachen
vom Todesschlaf dieser Welt zum wahren, ewigen Leben in Meinem Reiche,
welches ist geistlich und nicht leiblich. [BJ.01_Antw.2,04] Darum lasse dich
nicht betrüben in deiner Seele! Denn siehe und schweige: Ich allein bin der
Herr, und außer Mir ist keiner mehr! Darum tue Ich frei, was Ich tue, und
niemand kann zu Mir sagen: Tue das oder tue das nicht! [BJ.01_Antw.2,05] Was Ich aber nun
tue, und es zulasse, daß Ich wie ein schwacher
Mensch verfolgt werde, das habe Ich schon ehedem vorgesehen, ehe noch die
Erde gegründet war und eher, als Sonne, Mond und Sterne vom Himmel herab der
Erde leuchteten. Denn Ich ging darum aus von Meinem Vater, der in Mir ist,
wie Ich in Ihm! Der Vater aber ist das Höchste, denn Er ist Meine Liebe, Mein
Wille. Der Geist aber, der aus Mir und dem Vater gehet, wirkend von Ewigkeit
zu Ewigkeit, ist das Heiligste. Und das alles bin Ich, der dir nun solches
offenbaret! [BJ.01_Antw.2,06] Darum betrübe dich
nicht, da du nun weißt, wer Der ist, der dir nun solches veroffenbaret
hat! Schweige jedoch davon bis dahin, da Ich werde am Pfahle erhöht werden
von den Juden, davon dir sobald Kunde wird, als es geschehen wird, denn sonst
würde die Welt vor der Zeit fallen! [BJ.01_Antw.2,07] In diesen Tagen aber
wird ein armer Jüngling in deine Stadt kommen. Diesen nehme auf und tue ihm
Gutes, so wirst du darob Mein Herz erfreuen, –
darum Ich deinem Sohne eine so große Gnade erweise und ihn ob seiner Liebe
vor Mir dahin gehen lasse, da Ich hingehen werde nach der Erhöhung am Pfahle.
– Amen. [BJ.01_Antw.2,08] Geschrieben zu Kana
in Galiläa durch den Jünger Johannes und übersandt durch des Königs Boten. Dritter Brief des Abgarus an Jesus. [BJ.01_Brief_3,01] Abgarus,
ein kleiner Fürst in Edessa, Jesu dem guten Heilande, der im Lande um Jerusalem erschienen ist, alles
Heil in Ewigkeit! [BJ.01_Brief_3,02] Aus Deinem
herrlichen Gnadenbriefe, den Du o Herr, Herr Gott von Ewigkeit, mir
bestaubtem Wurme vor diesem meinem jetzt an Dich gerichteten Schreiben allergnädigst zugesandt hast zu meinem und meines Sohnes
übergroßem Troste, habe ich klarst ersehen, daß in
Dir die höchste Liebe wohnen muß. Denn sonst wäre
es rein unmöglich, daß Du, als der einige Herr
aller Himmel wie dieser Erde, mir, einem Wurme vor Dir, meines Dich über
alles liebenden Sohnes wohlgedenkend, einen so allmächtig wirkenden Trost
hättest können zukommen lassen! – Ich kann Dir, o Herr, dafür doch wohl
nichts anderes tun als, vor Deinem allerheiligsten
Namen in den Staub meiner Nichtigkeit sinkend, Dir meinen und meines Sohnes
Dank darbringen. Nimm diesen unsern heißesten Dank als ein Pfand unserer
heißesten Liebe gnädigst an und gedenke unser
allezeit in Deiner für mich unbegreiflichen Milde! [BJ.01_Brief_3,03] Meines sehr kranken
Sohnes Liebe zu Dir hat mir ein liebes Begehren nach Dir vor ein paar Tagen
kundgetan. Herr, vergib es mir, so ich es Dir durch dieses Schreiben wieder
kundtue! – Wohl weiß ich es, daß Dir unsere
Gedanken schon eher bekannt sind, als ich und mein Sohn sie noch gedacht
haben. Aber demungeachtet schreibe ich Dir, wie man einem Menschen schreibt,
und tue das nach dem Rate jenes von Dir mir anempfohlenen armen jungen
Menschen, der sich nun schon bei mir, bestgehalten, befindet, der da mir
sagte, daß ja jedermann so zu Dir kommen müsse, der
von Dir etwas erhalten will. [BJ.01_Brief_3,04] Dieser junge Mensch
gab vor, Dich gesehen zu haben. Er hat eine zwar sehr einfache, aber sonst,
wie es mir vorkommt, sehr richtige und treffende Darstellungsgabe. Dieser
junge Mensch, seiner Fähigkeit zufolge mir sehr teuer, beschrieb uns jüngst
zu unserer größten Freude Deine Gestalt auf eine so anschauliche Weise, daß ich und mein Sohn, der noch lebt, aber wohl schon
höchst schwach ist, Dich förmlich zu sehen glaubten. In meiner Stadt aber
lebt ein sehr großer Künstler in der Malerkunst. Dieser malte mir sogleich
nach der Darstellung des jungen Menschen Deinen Kopf mit der Brust. Mich und
meinen Sohn überraschte dieses Bild um so höchst
erfreulicher, als mir der arme junge Mensch beteuerte, daß
Du, o Herr, gerade also aussähest! [BJ.01_Brief_3,05] Darum aber habe ich
nun auch diese Gelegenheit benützt, durch den treuen Überbringer dieses
meines gebührendsten Dankschreibens Dir Dein eigen Bild zu übersenden, auf daß Du es selbst besehen möchtest und mir dann kundtun
durch den Boten, ob dieses Bild Dir wohl gleichsieht? [BJ.01_Brief_3,06] O Herr Jesus, Du
guter Heiland aller Menschen, zürne uns ja nicht darob!
Denn nicht eine verächtliche Neugierde, nein, sondern reine, übergroße Liebe
zu Dir trieb uns dazu, uns dies allerteuerste Kleinod unseres Herzens also
anfertigen zu lassen, auf daß wir von Dir uns doch
irgendeine Vorstellung machen können, der Du unsere Herzen bis in die tiefste
Tiefe mit Deiner Liebe erfüllt hast und bist geworden unser größter Reichtum,
unser größter Trost und unseres Herzens köstlichster Brautschmuck im Leben
und im Tode! [BJ.01_Brief_3,07] O Herr, höre ja
nimmer auf, unser in Deinem Herzen zu gedenken! – Dein für uns heiliger Wille
geschehe! Drittes Antwortschreiben von Jesus durch denselben Boten des Königs
innerhalb zehn Tagen. [BJ.01_Antw.3,01] Meinen Segen, Meine
Liebe und Meine Gnade dir, Mein geliebter Sohn Abgarus! [BJ.01_Antw.3,02] Ich sagte hier in
Judäa wohl oft zu denen, denen Ich von allerlei Übeln des Leibes geholfen
habe: Siehe, das hat dir dein Glaube getan! – Aber noch keinen habe Ich
gefragt: Liebst du Mich? Und noch keiner hat es Mir aus der Tiefe seines
Herzens gesagt: Herr! ich liebe Dich! [BJ.01_Antw.3,03] Du aber glaubtest
lange schon zuvor, ohne Mich gesehen zu haben, daß
Ich der Einige es bin. Und nun liebst du Mich schon wie einer, der lange
schon wiedergeboren wäre aus dem Feuer des Geistes. [BJ.01_Antw.3,04] O Abgarus! Abgarus! Wüßtest du und könntest du es fassen, wie sehr Ich dich
darum liebe und welch eine große Freude du Meinem ewigen Vaterherzen machest
– dich würde die zu große Seligkeit dessentwegen erdrücken, daß du nimmer leben könntest! [BJ.01_Antw.3,05] Sei aber standhaft bei
allem, was du mit der Zeit von den bösen Juden über Mich hören wirst, die
Mich bald in die Hände der Henker übergeben werden. So du aber das hören
wirst und wirst dich nicht ärgern darob, so wirst
du geistig nach deinem Sohne der Erste sein, der lebendigen Anteil an Meiner
Auferstehung vom Tode haben wird. [BJ.01_Antw.3,06] Wahrlich, wahrlich
sage Ich dir: Die da glauben Meiner Lehre, daß sie
von Gott ist ausgegangen, die sollen auferwecket werden am jüngsten Tage,
allda ein jeder sein rechtes Gericht finden wird. Aber die Mich wie du
lieben, die werden den Tod nimmer schmecken! Sondern wie schnell da ist der
schnellste Gedanke, also schnell auch werden sie aus diesem Leben des Leibes
in das allerhellste ewige Leben verklärt werden und werden Wohnung nehmen bei
Mir, ihrem Vater von Ewigkeit. Solches behalte jedoch sorgfältig bei dir
geheim, bis Ich werde auferstanden sein! [BJ.01_Antw.3,07] Dann aber wird
alsbald ein Jünger zu dir kommen, wie Ich dir schon im ersten Briefe
verheißen habe, und wird, bis auf deinen Sohn, der vor Mir gehen wird ohne
Schmerz in Mein Reich, dich und dein ganzes Haus gesund machen leiblich und
geistlich. [BJ.01_Antw.3,08] Ob der Ähnlichkeit
zwischen Meiner Außengestalt und deinem Mir durch deinen Boten zugesandten
Bilde wird dich dein Bote, der Mich nun schon zum dritten Male sah, auf das
getreueste benachrichtigen. Wer ein Bild in deiner Absicht von Mir will, dem
sei es keine Sünde! Denn da erduldet die Liebe ja alles. Aber wehe denen, die
Mich zu einem Götzen gestalten werden! – Halte aber auch das Bild geheim! [BJ.01_Antw.3,09] Geschrieben in Judäa
durch Meiner Jünger einen, der Meinem Herzen nahe ist, und übersandt wieder
durch denselben Boten. [BJ.01_Antw.3,10] Mein Heil deinem
Hause! – Amen. Vierter Brief des Abgarus an Jesus sieben
Wochen nach dem dritten geschrieben. [BJ.01_Brief_4,01] Abgarus,
ein kleiner Fürst in Edessa, Jesu dem guten Heilande, der im Lande um Jerusalem erschienen ist und
nun verfolgt wird von einem Ende zum andern von den dummen, blinden Juden,
die nicht erkennen das heilige Urlicht, die Sonne
der Sonne in ihrer Mitte, alles Heil! [BJ.01_Brief_4,02] O Du mein guter
Heiland Jesus! Nun ist geschehen in der Wirklichkeit an meinem lieben Sohne,
was Du, o Herr, mir im zweiten Briefe vorhergesagt hast. Er ist vor ein paar
Tagen gestorben und hat mich auf dem Totenbette noch angelegentlichst
mit vielen Tränen im Auge gebeten, ich möchte Dir mit diesem Schreiben seinen
innigsten Dank ausdrücken dafür, daß Du ihn
wirklich so ganz ohne Schmerzen und ganz ohne Furcht vor dem Tode des Leibes
hast gnädigst dahinscheiden lassen. [BJ.01_Brief_4,03] Dein Bild hat er
wohl bei tausend Male an sein Herz gedrückt, und sein letztes Wort war: „O Du
mein guter Vater Jesus! O Jesus, Du ewige Liebe, der Du allein das wahre
Leben bist von Ewigkeit! Du, der Du jetzt wie eines Menschen Sohn wandelst
unter denen, die Deine Allmacht ins Dasein rief und ihnen Gestalt und Leben
gab – Du allein, ja Du bist meine Liebe in Ewigkeit! – Ich lebe, ich lebe,
ich lebe durch Dich in Dir ewig!!!“ [BJ.01_Brief_4,04] Nach diesen Worten
verschied mein lieber Sohn. Wohl wirst Du, o Herr, es wissen, daß da so das irdische Ende meines Sohnes war und daß ich und mein ganzes Haus viel geweint haben um ihn.
Aber dennoch schreibe ich Dir dieses wie ein Mensch dem Menschen, dieweil es
also mein sterbender Sohn vor seinem irdischen Ende sehnlichst gewünscht hat. [BJ.01_Brief_4,05] O Herr, vergib mir
armem Sünder vor Dir, so ich Dir nun schon durch ein viertes Schreiben zur
Last werde und Dir, o Herr, vielleicht irgendeine Störung in Deinem
allerheiligst wichtigsten Geschäfte bewirke. [BJ.01_Brief_4,06] Schließlich wage
ich noch die Bitte diesem Schreiben anzufügen, daß
Du Deinen Trost mir nicht entziehen möchtest! Denn siehe, mich hat nun nach
meinem Sohne dennoch eine große Traurigkeit befallen, der ich bei meinem
festesten und wie möglich besten Willen nicht ledig werden kann. Daher bitte
ich Dich, Du guter Heiland, Du bester Vater von Ewigkeit, Du wollest von
diesem großen Schmerze mich frei machen. Aber nicht mein, sondern Dein
heiliger Wille geschehe! Vierte, eigenhändige Antwort von Jesus in griechischer Zunge, während die
früheren in jüdischer Zunge abgefaßt waren. [BJ.01_Antw.4,01] Mein geliebter Sohn
und Bruder Abgarus! Was deinen Sohn betrifft, so
weiß Ich alles, und es ist Mir überaus lieb, daß es
mit ihm ein so schönes Ende für diese Welt, aber einen noch bei weitem
schöneren Anfang in Meinem Reiche genommen hat. [BJ.01_Antw.4,02] Du aber tust wohl
daran, so du um ihn ein wenig trauerst, denn siehe, der Guten gibt es wenige
auf der Welt. Die aber da sind wie dein Sohn, die sind wohl einer Nachtrauer
wert! [BJ.01_Antw.4,03] Siehe, auch Ich
weine deinem Sohne eine köstliche Träne nach! – So ward alle Welt aus einer
Träne aus Meinem Auge, und so wird der neue Himmel auch wieder gestaltet. [BJ.01_Antw.4,04] Ich sage dir, daß da gute Tränen von einem übergroßen Werte im Himmel
sind. Denn mit diesen allerköstlichsten Juwelen wird der Himmel gezieret in Ewigkeit. Aber mit bösen Haß-,
Neid- und Zorntränen wird die Hölle in ihren Festen gestärkt. [BJ.01_Antw.4,05] Daher sei dir das
der größte Trost, daß du trauerst um den Guten!
Behalte aber diese Trauer noch eine Kürze, bis du nach Mir trauern wirst eine
Kürze; dann aber wird dich Mein Jünger von allem frei machen. [BJ.01_Antw.4,06] Sei aber fortan sehr
barmherzig, so wirst du auch eine große Erbarmung finden! Vergiß
der Armen nicht! Diese sind allzumal Meine Brüder! Was du ihnen tust, das
tust du Mir, und Ich werde es dir vergelten hundertfältig. [BJ.01_Antw.4,07] Suche das Große, das
ist Mein Reich, so wird dir auch das Kleine dieser Welt zukommen! So du aber
suchtest das Kleine, da könntest du des Großen nicht wert erachtet werden. [BJ.01_Antw.4,08] Du aber hast (in
deinem Gefängnisse) einen Verbrecher, der nach deinem weisen Gesetze den Tod
verdient hat. Ich aber sage dir, Liebe und Erbarmung stehen höher denn
Weisheit und Gerechtigkeit! Handle daher mit ihm nach der Liebe und nach der
Erbarmung, so wirst du eins sein mit Mir und mit Dem, der in Mir ist und von
dem Ich ausgehe als Mensch dir gleich. – Amen. [BJ.01_Antw.4,09] Von Mir Selbst geschrieben zu Kapharnaum
und übersandt durch deinen Boten. Fünfter Brief des Abgarus an Jesus geschrieben
drei Wochen nach der Antwort des Herrn auf den vierten Brief. [BJ.01_Brief_5,01] Abgarus,
ein kleiner Fürst in Edessa, Jesu dem guten Heilande, der im Judenlande um Jerusalem erschienen ist
als das Urlicht, als die ewige Urkraft, die alles
neu umschaffet – Himmel, Welten, Wesen – und nicht erkannt wird von den
Ersten, die berufen sind, wohl aber von denen, die bereits Tausende von
Jahren in der Finsternis schmachteten, – alles Heil von uns Kindern der
Nacht! [BJ.01_Brief_5,02] O Herr! Welcher
Sterbliche kann wohl die Größe Deiner Liebe zu uns Menschen, die wir nur
Deine Geschöpfe sind, fassen – aus welcher Liebe Du nun alles neu gestalten
willst, und willst aber dabei selbst einen Weg wandeln, der nach meinen
menschlichen Begriffen für Gott fast unmöglich und undenkbar zu sein scheint! [BJ.01_Brief_5,03] Bist Du auch hier
auf dieser Erde, die Du mit einem Hauche verwehen könntest, als ein ganz
einfacher Mensch unter den Menschen gegenwärtig, so regierest und erhältst Du
aber aus Deinem innersten Gottwesen dennoch die ganze Unendlichkeit! Und
jeder Staub der Erde, jeder Tropfen im Meere, Sonne, Mond und alle zahllosen
Sterne horchen der Allmachtstimme Deines Herzens, das da der ewige
Mittelpunkt aller Dinge und Wesen in der ganzen Unendlichkeit ist. [BJ.01_Brief_5,04] O wie endlos selig
müssen Deine Jünger sein, so sie Dich am hellsten Tage ihres Geistes nur so
erkennen, wie ich armer Sünder aus meiner Nacht! [BJ.01_Brief_5,05] O wäre ich nur
nicht lahm an meinen Füßen, wie lange schon wäre ich bei Dir! So aber sind
meine elenden Füße mir ein Hindernis zu meiner größten Seligkeit geworden.
Aber das alles ertrage ich nun gerne, weil Du, o Herr, mich nur insoweit für
würdig befunden hast, mit mir armem, dummem Tropfe brieflich zu reden und
mich über so viele Wunderdinge zu belehren, über die man freilich wohl nur
von Dir, o Herr, nie aber von einem Menschen belehrt werden kann. [BJ.01_Brief_5,06] Was wußte ich wohl früher von einem Leben nach dem Tode? –
Alle Weisen der Welt hätten mir dieses Rätsel nicht enthüllt. Denn unsere
Vielgötterlehre hat wohl eine dichterische Unsterblichkeit, die aber ebensowenig der Wirklichkeit gleicht wie ein leerer Traum
dem andern, in dem man bald auf dem Meere zu Fuße geht und fährt übers Land
zu Schiffe. [BJ.01_Brief_5,07] Du, o Herr, aber
hast es mir im Worte und in der Tat gezeigt, wie nach dem Tode dieses unseres
sehr gebrechlichen Leibes erst ein vollkommenstes, wahrhaftiges, freiestes
Geistesleben seinen Anfang nimmt und nimmerdar
verändert wird ewig. [BJ.01_Brief_5,08] Aus diesem Grunde
aber habe ich es mir nun auch zur unerläßlichen
Aufgabe gemacht, Dir, o Herr, für diese endlos große Gnade durch dieses
Schreiben meinen gebührendsten Dank darzubringen, der freilich gegen diese
Deine endlos große Gnade in das reinste Nichts zerfällt. [BJ.01_Brief_5,09] Aber was, o Herr,
könnte ich Dir auch geben, das Du mir nicht zuvor gegeben hättest!? [BJ.01_Brief_5,10] Ich denke, ein
rechter Dank aus dem Herzen scheint mir noch das dem Menschen am meisten
Eigenste zu sein, weil der Undank sicher sein volles Eigentum ist. Daher auch
kann ich, o Herr, Dir nichts darbringen als eben meinen geringen Dank – aber
dennoch mit der vollsten Versicherung, daß ich nun
bereit bin, in meinem kleinen Staate alles sogleich einzuführen, was Du, o
Herr, mir gnädigst gebieten möchtest, – also wie
ich nach Deinem Wunsche den großen Staatsverbrecher nicht nur alsogleich aus dem Kerker heben, sondern ihn auch
sogleich in meine Schule und an meinen Tisch bringen ließ. [BJ.01_Brief_5,11] Ob ich daran recht
getan oder etwa, wie man zu sagen pflegt, des Guten zuviel
getan habe, das zu beurteilen reicht mein menschlicher Verstand nicht hin.
Darum komme ich, o Herr, auch in diesem Stücke zu Dir mit diesem Schreiben, daß Du mir darüber die rechte Weisung gnädigst
erteilen möchtest. [BJ.01_Brief_5,12] Meine Liebe, meinen
Dank und meinen kindlichsten Gehorsam Dir, o Herr Jesus, ganz allein! Dein
Wille geschehe! Fünftes Antwortschreiben von Jesus. [BJ.01_Antw.5,01] Höre du, Mein
geliebter Sohn und Bruder Abgarus! Ich habe nun bei
zweiundsiebzig Jünger, darunter zwölf Apostel; aber alle zusammen haben nicht
solche Sehekraft wie du allein, der du ein Heide
bist und Mich nie gesehen hast und nicht alle die vielen Wunder seit Meiner
Menschwerdung, seit Meiner Geburt. [BJ.01_Antw.5,02] Darum aber sei auch
der besten Hoffnung; denn siehe, es wird geschehen, und es ist schon
geschehen, daß Ich den Kindern das Licht nehmen
werde und werde es in der Fülle geben euch Heiden! Denn siehe, erst vor
kurzem habe Ich unter den hier mitunter lebenden Heiden, Griechen und Römern
Glauben gefunden, desgleichen in ganz Israel nicht anzutreffen ist. Liebe und
Demut aber sind nun unter den Juden ganz fremde Eigenschaften des
menschlichen Herzens geworden, während Ich sie nicht selten unter euch im Vollmaße antreffe. [BJ.01_Antw.5,03] Siehe, darum werde
Ich es den Kindern nehmen und werde es euch geben, das ist: all Mein Reich
zeitlich und ewig! Die Kinder aber sollen sich nähren vom Unflate
der Welt! [BJ.01_Antw.5,04] Du möchtest Meinen
Willen in deinem Staate zum Gesetze machen. – Das wird sich vorderhand noch
nicht tun, denn siehe, es gehört zu allem eine gewisse Reife. Aber Mein
Gesetz ist nichts als Liebe. Willst du schon in deinem Staate etwas von Mir
einführen, so führe dieses Gesetz ein, dann wirst du mit Meinem Willen ein
leichtes Werk haben! Denn siehe, Mein Wille und Mein Gesetz sind so völlig
eins, wie da Ich und der Vater völlig eins sind. [BJ.01_Antw.5,05] Freilich liegt dann
in Meinem Willen noch so manches, was du nun nicht fassen könntest. Wenn aber
Mein Jünger zu dir kommen wird, der wird dich in alles leiten. Und so du
durch ihn auf Meinen Namen getauft wirst, dann wird der Geist Gottes über
dich kommen und wird dich selbst in allen Dingen unterweisen. [BJ.01_Antw.5,06] Mit dem Verbrecher
hast du völlig recht getan. Denn siehe, Ich tue mit euch Heiden ja dasselbe.
Deine Tat aber sei dir ein guter Spiegel dessen, was Ich schon tue und später
in der Fülle tun werde. [BJ.01_Antw.5,07] Das zu deiner Ruhe
und zu deinem Segen! – Amen. Sechster Brief des Abgarus an Jesus zehn Wochen
später geschrieben. [BJ.01_Brief_6,01] Abgarus,
ein kleiner Fürst in Edessa, Jesu dem guten Heilande alles Heil, der um Jerusalem erschienen ist, ein
Heil allen Völkern, die eines guten Herzens sind und den rechten Willen haben,
nach Seinem Worte ihr Leben einzurichten! [BJ.01_Brief_6,02] O Herr, vergib mir
meine große Dreistigkeit und mein schon wahrhaft unverschämtes Zudringen zu Dir! Aber Du weißt es ja, daß gute Ärzte bei den Menschen stets in größtem Ansehen
standen, weil sie allezeit noch in den Dingen der Natur die sichersten
Kenntnisse besaßen, darum sich bei großen Erscheinungen in der Natur
jedermann gerne an sie wandte, um von ihnen einen wennschon matten Aufschluß zu erhalten. [BJ.01_Brief_6,03] Um wie endlos höher
über alle naturkundigen Ärzte der Welt stehst Du in meinen Augen, der Du
nicht nur Arzt in allen Dingen, sondern auch zugleich Schöpfer und Herr aller
Natur bist von Ewigkeit!!! Dir kann ich daher nun ganz allein meine
gegenwärtige sonderbare Staatsnot vortragen und Dich dann aus aller Tiefe
meines Herzens um die gnädige Abwendung dieser sonderbaren Not anflehen. [BJ.01_Brief_6,04] Siehe, wie Du es
sicher vom Grunde schon lange weißt, ist vor zehn Tagen hier ein kleines
Erdbeben verspürt worden, welches, Dir ewig Dank, ohne besondere Spuren
vorüberging. Ein paar Tage nach diesem Erdbeben fing (jedoch) alles Wasser
an, trüb zu werden, und jeder Mensch, der das Wasser trank, bekam
Kopfschmerzen und ward darauf ganz unsinnig. [BJ.01_Brief_6,05] Ich gab da sogleich
ein strenges Gebot heraus, daß da in meinem ganzen
Lande das Wasser so lange niemand gebrauchen darf, bis ich es wieder zu
gebrauchen gebieten werde. Unter der Zeit aber sollen alle meine Staatsbürger
zu mir nach Edessa kommen, allwo
sie Wein und Wasser bekommen werden, das ich nun für den Zweck auf großen
Schiffen eigens von einer ziemlich entfernten griechischen Insel holen lasse. [BJ.01_Brief_6,06] Ich glaube, weil
mich zu dieser Handlung rein nur die Liebe zu meinem Volke und die wahrste
Erbarmung über dasselbe antrieb, keine schlechte Tat begangen zu haben. Darum
bitte ich Dich, o Herr, in aller Demut und Zerknirschtheit meines Herzens, Du
wollest mir und meinem Volke aus dieser Not helfen! [BJ.01_Brief_6,07] Denn siehe, es will
sich das Wasser nicht klären, und dessen tolle Wirkung ist stets die gleiche.
O Herr, ich weiß, daß Dir alle guten und bösen
Kräfte und Mächte untertan sind und müssen weichen
Deinem Winke; daher bitte ich Dich, Du wollest Dich gnädigst
meiner erbarmen und mich wegen des armen Volkes befreien von dieser Plage!
Dein göttlicher heiliger Wille geschehe! [BJ.01_Brief_6,08] Als der Herr diesen
Brief gelesen hatte, erregte Er sich tief in Seinem Innern und sprach laut
wie ein Donner: „O Satana, Satana!
Wie lange willst du Gott, deinen Herrn, noch versuchen!? Was tat dir, du
ärgste Schlange, dies arme, gute Völklein, daß du es also scheußlich plagest? [BJ.01_Brief_6,09] Auf daß du wieder erfahrest, daß
Ich dein Herr es bin, so habe es in diesem Lande von diesem Augenblicke an
ein Ende mit deiner Bosheit! Amen. [BJ.01_Brief_6,10] Hast du dir einst
nicht bloß der Menschen Fleisch bedungen, es zu proben, was Ich dir
gestattete wie bei Hiob?! Was machst du mit Meiner Erde?! – Hast du Mut, so
greife Mich an! Aber Meine Erde und die Menschen, die Mich in ihren Herzen
tragen, lasse in Ruhe bis zur Zeit, die Ich dir zur allerletzten
Freiheitsprobe gönnen werde!“ Nach diesem Ausruf erst erging durch einen Jünger an den Abgarus folgende Sechste Antwort des Herrn Jesus. [BJ.01_Antw.6,01] Mein lieber Sohn und
Bruder Abgarus! Diesen argen Streich hat dir nicht
dein Feind, sondern allein Mein Feind gespielt! Du jedoch kennest diesen
Feind nicht; Ich aber kenne ihn schon gar lange. [BJ.01_Antw.6,02] Dieser Mein Feind
ist der alte unsichtbare Fürst der Welt und hatte bisher eine große Macht
nicht nur auf dieser Erde, die sein Haus ist, sondern auch in den Sternen.
Allein seine Macht wird nur noch eine kurze Zeit dauern, und bald wird der
Fürst dieser Welt geschlagen werden. [BJ.01_Antw.6,03] Du aber fürchte ihn nimmerdar! Denn für dich und dein Volk habe Ich ihn nun
geschlagen. – Gebrauche daher nun ganz ruhig das Wasser deines Landes, denn
es ist in diesem Augenblicke rein und gesund geworden. [BJ.01_Antw.6,04] Siehe, dieweil du
Mich liebst, ist dir Arges begegnet. Weil aber deine Liebe zu Mir mächtiger
ward in der Bedrängnis, so hat deine Liebe gesiegt über alle Macht der Hölle,
und du bist nun für alle Zeit frei vor solchen höllischen Ausgeburten! [BJ.01_Antw.6,05] Daher wird es
kommen, daß der Glaube großen Versuchungen
preisgegeben wird und wird durch Wasser und Feuer wandeln müssen. Aber das
Feuer der Liebe wird das Glaubensprobefeuer ersticken und das Wasser mit
seiner Allgewalt verdampfen. [BJ.01_Antw.6,06] Wie es aber nun
deinem Lande natürlich ergangen ist, so wird es dereinst vielen aus Meiner
Lehre ergehen geistig; sie werden auch sehr unsinnig werden, die aus den
Pfützen der falschen Propheten trinken werden! [BJ.01_Antw.6,07] Meine Liebe, Meinen
Segen und Meine Gnade dir, Mein Bruder Abgarus! –
Amen. Siebter Brief des Abgarus an Jesus neun Wochen
nach Empfang der sechsten Antwort an den Herrn geschrieben und fünf Tage vor
dem Einzug in Jerusalem an den Herrn gelangt. [BJ.01_Brief_7,01] Abgarus,
ein kleiner Fürst in Edessa, Jesu dem guten Heilande alles Heil, der erschienen ist in der Gegend um
Jerusalem, ein Heil allen Völkern, ein Herr und ein gesalbter König von
Ewigkeit, ein Gott aller Kreatur, aller Menschen und aller Götter, der guten
wie der bösen! [BJ.01_Brief_7,02] O mein Gott, o mein
Herr, o Du alleiniger Erfüller meines Herzens und
vollster Inbegriff aller meiner Gedanken! Ich weiß es zwar wohl schon aus
Deinem ersten gnädigsten Briefe an mich, daß mit
Dir nach Deinem eigenen unbegreiflichen Ratschlusse das alles geschehen muß, was eben die argen jerusalemitischen
Juden mit Dir vorhaben. [BJ.01_Brief_7,03] Ich kann es mir
wohl auch dunkel vorstellen, daß das alles schon so
wird sein müssen. Aber daß sich mein Dich nun über
alles liebendes Herz dagegen sträubet, von meiner menschlichen Seite
betrachtet, das wirst Du, o Herr, sicher noch besser einsehen als ich, ein
schwacher Mensch. Daß ich aber vollen Grund habe,
Dir, o Herr, solches zu berichten, wird die Folge zeigen im Verlaufe dieses
meines Schreibens. [BJ.01_Brief_7,04] Siehe, ich als ein
römischer Vasall, ein naher Verwandter des Tiberius, der da Kaiser (Cäsar) in
Rom ist, habe auch in Jerusalem meine römischen getreuen Beobachter, die
besonders ein scharfes Auge auf das dortige überaus hochmütige Priestertum
haben. Diese meine Beobachter haben mir genau berichtet, was diese stolzen,
übermütigen Priester und Pharisäer mit Dir vorhaben. [BJ.01_Brief_7,05] Sie wollen Dich
nicht nur nach ihrer Art steinigen oder verbrennen; nein, das ist ihnen viel
zu wenig, sondern sie wollen an Dir ein Exempel der allerunmenschlichsten
Grausamkeit statuieren! – Höre, o Herr! Diese Bestien in Menschengestalt
wollen Dich an das Kreuz mit scharfen Nägeln heften lassen und Dich so lange
daran hängen lassen, bis Du langsam vor den ungeheuersten Schmerzen stürbest
am Schandpfahle! Und dieses Meisterstück menschlicher Bosheit wollen sie an
diesem bald kommenden Osterfeste ausführen! [BJ.01_Brief_7,06] Herr, sei es, wie
es wolle – aber mich hat es bis ins Innerste empört! Ich weiß, wie diese rein
sinnlichen und herrschsüchtigen Bestien Dich gar nicht darum töten wollen,
weil Du Dich als ihren verheißenen Messias ausgibst vor dem Volke. O das
würde diese priesterliche Hyänenbrut wenig kümmern; denn ich weiß es nur zu
gut, daß sie bei sich weder an einen Gott, noch
viel weniger an Dich glauben und unter sich aus einer Gotteslästerung sich
wenig machen. [BJ.01_Brief_7,07] Aber sie haben
einen ganz anderen Plan! – Siehe, diese Bestien wissen, daß
sie von Rom ihrer geheimen Konspirationen wegen mit Argusaugen beobachtet
werden. Und der sehr scharfsichtige Pilatus hat einen solchen
hohepriesterlichen Aufstandsversuch, so fein er
auch angelegt war, schon im vorigen Jahre genau durchschaut und hat, wie Du
es weißt, bei fünfhundert Arme und auch Wohlhabende, zumeist leider Galiläer,
vor dem Vorhofe am Feste ergreifen und sogleich enthaupten lassen, wodurch er
sich freilich die Feindschaft des Herodes zuzog, da das meistens seine
Untertanen getroffen hat. [BJ.01_Brief_7,08] Dieses Beispiel
wirkte stark erschütternd auf die Gemüter der Templer. Um die lästige Scharte
auszuwetzen, haben sie nun Dich ausersehen, wollen Dich als einen
Staatsrebellen beim Pontius anklagen und Dich auch als den Haupträdelsführer
des vorjährigen Aufstandes bezeichnen, um sich auf diese Art vor dem
römischen Hofe wieder weiß zu waschen und dadurch Roms lästige Argusaugen von
sich abzuwenden, um dann wieder leichter ihre Hochverratspläne
zu schmieden, was ihnen aber auf keinen Fall gelingen wird. Du siehst es ohne
dies mein Schreiben auch, und endlos besser, daß
sie von Rom aus auf ein Haar durchschaut sind. [BJ.01_Brief_7,09] Willst Du, o Herr,
einen Dienst von mir, Deinem innigsten Freunde und Anbeter, so sende ich darob sogleich Eilboten nach Rom und zu Pontius, und ich
stehe Dir dafür, daß diese Bestien in gleicher Zeit
in dieselbe Grube fallen werden, die sie Dir bereitet haben! [BJ.01_Brief_7,10] Doch da ich Dich, o
Herr, nur zu wohl kenne und wohl weiß, daß Du
keines Menschen Rates bedarfst, so wirst Du wohl tun, was Dir am besten deucht. Ich als Mensch aber habe das als eine meiner
ersten Pflichten angesehen, Dir die Sache also getreu kundzugeben, wie sie
sich auf ein Haar also und nicht anders verhält – verbunden mit meinem
herzinnigsten Danke für Deine Gnade, die Du mir und meinem Volke erwiesen
hast. [BJ.01_Brief_7,11] O Herr, lasse mich
wissen, was ich hier für Dich tun soll! – Dein allzeit heiliger Wille
geschehe! Siebtes und letztes Antwortschreiben von Jesus. [BJ.01_Antw.7,01] Höre, Mein geliebter
Sohn und Bruder Abgarus, es verhält sich richtig
alles genau also, wie du Mich nun benachrichtiget hast. Aber dessenungeachtet muß mit Mir
alles also geschehen, weil sonst kein Mensch ewig je das ewige Leben
erreichen könnte – was du jetzt freilich nicht einsiehst, aber in Kürze
dieses große Geheimnis einsehen wirst. [BJ.01_Antw.7,02] Daher lasse
vorderhand deine Mir freundlichst dargebotenen Schritte für Meine
Rechtfertigung. Denn sie würden da wenig fruchten, wo des Vaters ewige Macht
waltet, der in Mir ist und Ich als ein Mensch von Ihm ausgegangen bin. [BJ.01_Antw.7,03] Darum erschrecke
dich Mein Kreuz ja nicht, an das Ich geheftet werde, – denn siehe, gerade
dieses Kreuz soll für alle künftigen Zeiten der Grundstein zum Reiche Gottes
und zugleich die Pforte in dasselbe werden! [BJ.01_Antw.7,04] Ich aber werde nur
drei Tage lang dem Leibe nach tot sein. Am dritten Tage aber werde Ich als
ein ewiger Überwinder des Todes und der Hölle wieder vom Tode in Jerusalem
auferstehen und Mein allmächtiges Gericht wird treffen alle Täter des Übels. [BJ.01_Antw.7,05] Für die aber, die
Meines Herzens sind, werde Ich dann die Pforte der Himmel weit auftun vor
ihren Augen! [BJ.01_Antw.7,06] Wenn du aber in
wenigen Tagen wirst am Tage die Sonne ganz verfinstert erschauen, dann denke,
daß Ich, dein größter Freund und Bruder, am Kreuze
gestorben bin! – Erschrecke aber nicht darob! Denn
das alles muß so kommen, und den Meinen wird
dennoch kein Haar gekrümmt werden. [BJ.01_Antw.7,07] Wann Ich aber
auferstehen werde, in dem Augenblick sollst du ein Wahrzeichen bekommen,
daran du Meine Auferstehung sogleich erkennen wirst! [BJ.01_Antw.7,08] Meine Liebe, Gnade
und Mein Segen mit dir, Mein lieber Bruder Abgarus!
– Amen. _______ * _______ |