Die Verklärung Jesu auf dem Berg

 

(Matthäus 17, Markus 9, Lukas 9)

 

Vorbereitung und Aufstieg

Nachdem Jesus sechs Tage lang in einem „unfruchtbaren Gebiet“ gewirkt hatte, sprach Er davon, dass auch in ähnlichen Gegenden noch viel Arbeit zu tun sei. Daraufhin nahm Er drei Seiner Jünger – Petrus, Jakobus und Johannes – mit sich und stieg mit ihnen auf einen hohen Berg, während die übrigen Jünger zurückblieben.

 

Der wahre Ort des Geschehens

Entgegen der kirchlichen Tradition war dieser „hohe Berg“ keineswegs der heutige Berg Tabor bei Nazaret, der nur 588 Meter hoch ist, sanfte Hänge besitzt und nicht direkt am See Genezareth liegt. Der wahre Ort der Verklärung lag vielmehr in unmittelbarer Nähe der alten Stadt Tiberias am See, was genau mit den biblischen Angaben übereinstimmt: Jesus hielt sich zuvor in der Region des Sees auf und stieg dann mit den drei Jüngern auf einen hohen Berg. Der Berg, den sie bestiegen, hatte steile Hänge, und obwohl man für einen gewöhnlichen Aufstieg zwölf bis dreizehn Stunden benötigen würde, gelang es Jesus und den Seinen in nur zwei Stunden – ein wahres Wunder. Von diesem Berg aus konnte man ganz Galiläa, Judäa und Palästina überblicken – sogar das Mittelmeer war zu sehen.

 

Anmerkung: Auch das heutige Nazaret ist sehr wahrscheinlich nicht das Nazaret, in dem Jesus aufgewachsen ist. Historisch und geistig deutet vieles darauf hin, dass sich das wahre „Nazaret“ in der Nähe des Sees Genezareth befand – etwa bei Kapernaum –, also dort, wo Jesus laut Matthäus 4,13 gewohnt haben soll.

 

Die Verklärung Jesu und die innere Freude der Jünger

Die Jünger waren tief bewegt vom Anblick der weiten Landschaft, und durch ihre freudige Erhebung wurde auch Jesus verklärt: Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne (Matthäus 17,2). Petrus fragte: „Herr, sind wir im Himmel oder im Paradies?“ Und Jesus antwortete: „Ihr seid zwar auf der Erde, doch zugleich im Himmel und im Paradies. Das Licht des Wortes Gottes, das in euch wirkt, lässt euer Gemüt vor Mir strahlen – und dadurch begann auch Ich vor euren Augen zu strahlen. Denn wenn das Innere vom Wahren des Glaubens und vom Guten der Liebe erfüllt ist, dann ist der Himmel in euch gegenwärtig.“

 

„Der Himmel und das Paradies bestehen darin, an Mich zu glauben und nach Meinem Wort zu handeln. So kommt das Reich Gottes in euch – wo auch immer ihr in der Unendlichkeit sein werdet.“ (Großes Evangelium Johannes [GJE] 5,234)

 

Hinweis: Am 21. Juni – dem 172. Tag des Jahres – erreicht die Sonne ihren höchsten Stand: ein bedeutsamer Bezug zur Verklärung Christi.

 

 

Die göttliche Liebe und ihre Entsprechung zur Sonne (nach Swedenborg)

Dass der Herr im Himmel als Sonne erscheint, bezeugt auch die Verklärung vor den Jüngern: Sein Gesicht strahlte wie die Sonne. Die Jünger wurden im Geist in himmlisches Licht versetzt und konnten Ihn als geistige Sonne sehen.

 

Swedenborg erklärt, dass die göttliche Liebe viel „feuriger“ ist als die materielle Sonne. Der Herr strahlt nicht unmittelbar in die Himmel, sondern Seine Liebe wird stufenweise gemildert – als Lichtgürtel – und die Engel werden durch eine dichte Wolke vor dem Übermaß geschützt. Je mehr ein Engel im Guten der Liebe steht, desto näher ist er der Sonne des Herrn. Die, die im Guten des Glaubens sind, stehen weiter entfernt – und die, die kein göttliches Gut in sich tragen, wie jene in der Hölle, stehen am weitesten entfernt. (Swedenborg, Himmel und Hölle, § 120)

 

Gespräch mit Mose und Elia

Petrus fragte Jesus, warum in der Schrift stehe, dass die Seelen der Verstorbenen im Schoß der Erde ruhen, bis sie am Jüngsten Tag durch Engel geweckt würden. Jesus erwiderte, dass Petrus dies missverstanden habe. Dann öffnete Jesus das innere Auge der drei Jünger, sodass sie sehen konnten, wie es um die „Ruhe der Altvorderen“ tatsächlich bestellt war.

 

Er rief laut: „Ephata!“ – und im selben Moment erschienen Elia und Johannes der Täufer vor ihnen. Sie sprachen mit Jesus über das, was Ihm in zwei Jahren bevorstand – nämlich die Kreuzigung. Auch Petrus hatte zuvor versucht, Ihn davon abzuhalten. Doch Jesus erklärte, dass es der Wille des Vaters sei, der in Ihm wohnt. Elia und Johannes neigten sich tief und sagten: „Dein Wille allein ist heilig.“ Jesus sagte zu Elia:

 

„Warst du nicht vor nicht allzu langer Zeit mit Mir auf Erden, und Herodes hat dich entrissen?“
Elia antwortete: „Trotz meiner ewigen Seligkeit würde ich hundertmal wieder auf Erden leben – aus Liebe zu Dir!“ Daraufhin fielen die Jünger in einen tiefen Schlaf.

 

Jesus sprach zu Elia:„Am Ende der Zeiten wirst du wieder in einen Leib zurückkehren – dann aber mit geöffnetem innerem Auge, noch klarer als zuvor als Sehel und Elia. Mose wird dich im Geist begleiten, denn sein Leib bleibt bis zum Ende der Zeiten Eigentum der Erde.“ (GJE 5,23)

 

Die Jünger im Gespräch mit den Geistern

Als die Jünger erwachten, sahen sie Jesus mit Mose und Elia. In ihrem Schlaf hatten sie geträumt, mit Propheten des Alten Bundes über das Leben im Jenseits zu sprechen. Auch Mose und Elia unterrichteten sie geistig auf dem Berg über himmlische Dinge.

 

Dann folgte, was in Matthäus 17,5–8 beschrieben ist. Jesus sagte ihnen, dass ihr Geist es eines Tages ihrer Seele offenbaren werde – wenn ihre Seelen rein genug seien, um sich mit Seinem Geist zu vereinen.

Beim Abstieg sagte Jesus: „Ihr dürft davon erst sprechen, wenn der Menschensohn auferstanden ist.“
(GJE 5,236; Matthäus 17,9)

 

Inkarnationen Johannes des Täufers  - Der Weg hinab und die Frage des Petrus

Beim Abstieg vom Berg fragte Petrus, was es bedeute, dass Elia vor dem Messias kommen müsse (Matthäus 17,10). Jesus antwortete, dass Elia bereits gekommen sei, sie ihn aber, ebenso wie Ihn, nicht erkannt hätten (Matthäus 17,13). „Nun lehre Ich eine reine Lehre und vollbringe Zeichen, wie sie zuvor auf Erden nie geschehen sind und auch nicht mehr in diesem Ausmaß geschehen werden.“ Die drei Jünger erkannten schließlich, dass Johannes der Täufer Elia war.

 

Während des Abstiegs fragte Petrus weiter. Es sei ja eigenartig mit diesem Elia: War er also dreimal in einem Körper? Das erste Mal als Seher (Anmerkung: Dies war der letzte Sohn Noahs – steht nicht in der Bibel). Das zweite Mal kam er als Elia, der nicht gestorben, sondern in den Himmel aufgenommen wurde. Als Johannes aber sei er gestorben. Was ist mit seinen beiden früheren Körpern geschehen? Wird er im Himmel, wenn alles vollendet ist, mit drei Körpern wandeln? Denn am Jüngsten Tag werden die Körper auferstehen und mit ihren Seelen vereint werden.

 

„Du hast zwar davon gehört“, sagte Jesus, „doch ohne Zusammenhang. Das kommt von deinem starken jüdischen Denken, das alles wörtlich nimmt. Ist denn nicht für ein Neugeborenes jeder Tag ein Jüngster Tag? Auch dein Geburtstag war einst ein Jüngster Tag, ist jetzt dein Ältester Tag. Wenn du stirbst, zerfällt dein Körper und wird zu Würmern und Pflanzen. Aus ihnen entstehen völlig fremde Wesen, die nichts mit deiner Seele und deinem Geist zu tun haben. Dein Tod ist also dein Jüngster Tag.“ (GJE5-237)

 

Erläuterung des Herrn – Die Verklärung Jesu

„Hier seht ihr wieder ein Ereignis aus Meinem irdischen Leben, das tiefere himmlische Bedeutungen birgt. Wie einst für die Jünger, die Mich begleiteten, ist es auch für euch und die gesamte Menschheit ein bedeutungsvolles Ereignis mit großer geistiger Tragweite für eure Zukunft. Wir wollen dieses Ereignis betrachten und verdeutlichen, welche Bedeutung es damals für Meine Jünger hatte, um danach seine geistige Entsprechung in der Gegenwart zu erkennen: wie, wann und wo es sich wiederholt und als Werk der Neuschöpfung wirkt, genauso wie einst für die drei Jünger, die Mich begleiteten und deren weiteres Leben und Handeln prägte.“

 

„Das Evangelium berichtet, dass Ich Meine Jünger Petrus, Jakobus und Johannes auf einen Berg führte. Dort sahen sie Mich verherrlicht, das heißt: mit ihren geistigen Augen als den, der Ich wirklich bin, war und sein werde. Sie sahen Mich als hohen Geist, dessen Gewand, die Wahrheit, weiß war und dessen Antlitz strahlte wie die Sonne – strahlend von Liebe.“

 

„Sie sahen außerdem die zwei mächtigen Stützpfeiler Meiner zukünftigen Lehre, die Mein Werk erleichtern und vorbereiten sollten – Mose und Elia, mit denen Ich sprach. Ferner hörten sie eine Stimme aus einer Wolke, die Worte sprach, wie sie schon bei Meiner Taufe am Jordan erklangen: ‚Dies ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe; hört auf Ihn!‘“

 

„Dieses Gesicht, das Ich den drei Jüngern zeigte, sollte ihnen einen Vorgeschmack auf ihre eigene Bestimmung geben. Petrus, den Ich den ‚Felsen‘ nannte, auf den Ich Meine Kirche bauen wollte, hatte eine ähnliche Aufgabe wie Mose, der das jüdische Volk auf Mein Kommen vorbereitete. Mose gab Gesetze und Regeln, die das jüdische Volk leichter annahm als andere, um es zum auserwählten Volk zu machen, in dessen Mitte Ich beschloss, auf die Erde zu kommen.“

 

„Wie Elia, nach seiner erneuten Inkarnation als Johannes der Täufer, im Kleinen vollbrachte, was Mose im Großen bewirken musste, war Johannes, Mein geliebter Jünger, bestimmt – durch seine besonderen Werke und weil er länger lebte als alle anderen Jünger –, in seinen letzten Jahren der Welt ihren geistigen Weg bis zur Läuterung vorauszuschreiben und ein Zeugnis zu hinterlassen, dass moralische und physische Gesetze nicht mit Füßen getreten werden dürfen.“

 

„Die lebenden Jünger und die bereits gestorbenen Mose und Elia durften Zeuge sein und Mich in Meiner vollen Herrlichkeit sehen, Mich erkennen als den, für dessen geistiges Reich sie alles opfern mussten, um die Dauerhaftigkeit Meines Werkes zu sichern. Sie sahen Mich in einer Glorie, die ein menschliches Herz nur kurz ertragen kann. Diese nie gekannte Seligkeit und Freude veranlassten Petrus zu sagen: ‚Herr, es ist gut, hier zu sein; wenn Du willst, bauen wir hier drei Hütten!‘“

 

„Doch solche Momente dienen nur zur Erweckung, Ermutigung und Stärkung in Zeiten der Gefahr und Wankelmut und sind kurz. Damit sie aber dauerhaft in Erinnerung bleiben, erklangen aus der weißen Wolke, die Mich geistig überschattete, jene geheimnisvollen Worte: ‚Dies ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe; hört auf Ihn!‘ Diese Stimme forderte Meine Jünger auf, Meine Worte genau zu hören und tief im Herzen zu bewahren, damit daraus der Baum des Lebens wächst, der die Menschheit schützt und ihr Zuflucht vor Leid und Unrecht bietet.“

 

Die Bedeutung für die Gegenwart

„Der Grund, warum Ich den Jüngern befahl, über dieses Ereignis zu schweigen, bis Ich Mein Lehrsystem mit Meiner Auferstehung vollendet hätte, war, dass andere Jünger es nicht verstanden oder bezweifelten. Auch Meine Jünger hatten nicht das gleiche Fassungsvermögen. Dies war der Ablauf dieses bedeutenden Ereignisses, das sich auch heute wiederholen muss.“

 

„Was Mose damals tat, um das jüdische Volk auf Meine Lehre vorzubereiten, geschah später durch Petrus als Gründer der Kirche. Was Elia als Johannes der Täufer war, wird heute durch Männer vollzogen, die die Kirche reinigen und läutern, damit sie den geistigen Wert nicht verliert.“

 

„Was Petrus damals als zukünftiger Stützpfeiler Meiner Lehre war, werden heute andere Männer sein, die Mein Reich neu errichten. Wie das jüdische Volk damals durch Pharisäer und Schriftgelehrte auf Abwege geriet, lebt heute die Menschheit in Ritualen und äußerlichen Gebräuchen, ohne die geistige Bedeutung Meines einfachen Evangeliums zu erfassen. Gerade jetzt müssen Männer Meine Lehre auf ihre ursprüngliche Grundlage, auf Meine Worte, zurückführen.“

 

„Auch wenn diese Männer nicht sofort Erfolg haben werden – so wie Meine Jünger auch nicht – sind sie bestimmt, das Saatgut auszubreiten. Ob es auf fruchtbare Erde, steinigen Boden oder am Weg fällt, ist unwichtig. Das Keimende wird das Verlorene ersetzen und den geistigen Grund bereiten, der würdig ist, Meine Wiederkunft zu erwarten.“

 

„So wie Ich damals die Jünger auf eine Höhe führte und ihnen einen Vorgeschmack auf den Lohn gab, der ihnen bei Treue an Mich zukommt, so führe Ich heute manchen, die sich Mir hingeben, über die irdische Welt hinaus und lasse sie die glorreiche Zukunft sehen, die sie erwartet. Ich lasse sie sogar die Seligkeit Meines mächtigen Einflusses spüren und einen Blick auf die höchste Wahrheit im rosenroten Licht der Liebe werfen, um ihnen Mein wahres Ich als Seligkeit zu zeigen, die nur in höheren geistigen Sphären erträglich ist.“

 

Die Rollen von Mose, Elia/Johannes und Petrus

„Mose baute das mosaische Gesetz auf der Grundidee auf: Es gibt nur einen Gott! Dadurch war das jüdische Volk – und kein anderes – geeignet, Mich als den Einen anzuerkennen. In einer Welt voller Vielgötterei war es unmöglich, alle Götter zu beseitigen und einen einzigen einzuführen. Bei den Juden aber war der eine Gott, wodurch der Aufbau einer göttlichen Religion leichter fiel. Mose war ein Vorbereiter, ein Arbeiter im Weinberg, der den Boden umgräbt.“

 

„Nach ihm kam derjenige, der den Weinstock beschneidet: Elia. Er beschnitt damals – und später erneut als Johannes der Täufer – die Rebenzweige, um ihre Vitalität zu fördern und bessere Früchte hervorzubringen, damit der Erntehelfer zufrieden sein würde.“

 

„Johannes der Täufer war der zweite Arbeiter in Meinem Weinberg, bis Ich selbst kam und die letzte Hand anlegte, das Fehlende ergänzte und die Frucht zur Reife brachte – neues Leben aus der verrotteten Erde um den Weinstock hervorrief, das sich verfeinerte und von grober Materie zu geistiger Frucht wurde.“

 

„Wie Mose zuvor war Petrus der Fels, auf dem Meine Kirche gebaut wurde. Keine Umwälzung konnte sie zerstören. Sie wurde zwar oft verletzt durch Machtmissbrauch, doch wie einst Meine Verklärung für Meine Apostel zugelassen wurde, sodass durch Meine irdische Form Mein göttliches Wesen schien, so geschieht es auch heute: Aus dem äußeren Prunk und Zeremoniell des Kultes beginnt das geistige Gewand durchzuscheinen. Die Erleuchtung beginnt. Aus der Nacht kommt die Dämmerung, aus der Dämmerung der Tag.“

 

„Das Licht der Wahrheit bricht durch. In allen Herzen keimt die Sehnsucht nach höherer Verzückung und Erleuchtung. Alle spüren den geistigen Wind, der die Schlafenden weckt. So wie ein Lichtstrahl einen Schlafenden erweckt, beginnt diese Erleuchtung.“

 

„Mose bereitete das jüdische Volk auf Meine Aufnahme vor; Petrus das nachfolgende Geschlecht und die Lehrer der Gegenwart, die noch kommen werden. Diese werden die neuen ‚Johannes‘ sein, die Meine Geliebten werden und bis zu ihrem letzten Tag Zeugen Meiner Liebe und Gnade sein.“

 

„So vollzieht sich jedes Mal ein geistiger Läuterungsprozess: vom Festen zum Leichten, vom Leichten zum Flüchtigen, vom Flüchtigen zum Ätherischen und schließlich zum Geistigen.“ (Predigten des Herrn 1-14 – Matthäus 17,1-13)