Epistula Apostolorum

 

 

Wir, Johannes und Thomas und Petrus und Andreas und Jakobus und Philippus und Bartholomäus und Matthäus und Nathanael und Judas Zelotes und Kephas, wir haben geschrieben an die Kirchen des Ostens und des Westens, nach Norden und Süden.

 

Das wissen wir: unser Herr und Heiland Jesus Christus ist Gott, Sohn Gottes, der gesandt worden ist von Gott, dem Herrscher der ganzen Welt, dem Schaffer und Schöpfer dessen, was mit jedem Namen benannt wird, der über allen Herrschaften ist, als Herr der Herren und König der Könige, der Gewaltige der Gewaltigen, der Himmlische, der über Cherubim und Seraphim ist und zur Rechten des Thrones des Vaters sitzt, der durch sein Wort den Himmeln gebot und die Erde und, was auf ihr ist, erbaute und das Meer begrenzte, daß es nicht seine Grenze überschreite, und machte, daß Tiefen und Quellen sprudeln und auf der Erde fließen Tag und Nacht; der die Sonne, den Mond und die Sterne am Himmel gründete und der Licht und Finsternis schied, der der Hölle gebot und im Augenblick entbietet den Regen zur Winterszeit und Nebel, Reif und Hagel und die Tage zu ihrer Zeit; der erschüttert und festigt; der den Menschen nach seiner Gestalt und seinem Bilde geschaffen hat; der durch die Patriarchen und Propheten in Bildern geredet hat und in Wahrheit durch den, den die Apostel verkündigt und die Jünger betastet haben. Und Gott, der Herr, der Sohn Gottes -wir glauben: das Wort, welches aus der heiligen Jungfrau Maria Fleisch wurde, wurde in ihrem Schoße verursacht vom heiligen Geiste, und nicht durch Lust des Fleisches, sondern durch den Willen Gottes wurde es geboren und wurde in Bethlehem in Windeln gewickelt und offenbart und daß es großgezogen wurde und heranwuchs, indem wir es sahen.

 

Darauf war eine Hochzeit in Kana von Galiläa. Und man lud ihn ein mit seiner Mutter und seinen Brüdern. Und Wasser machte er zu Wein, und Tote weckte er auf und machte, daß die Lahmen gingen; dem die Hand verdorrt war, streckte er sie wieder aus, und die Frau, welche zwölf Jahre an Blutfluß litt, berührte den Saum seines Gewandes und ward sofort gesund; und indem wir nachdachten und uns wunderten über die Wundertat, welche er vollbrachte, sagte er zu uns: „Wer hat mich berührt?“ Und wir sagten zu ihm: „O Herr, das Menschengedränge hat dich angerührt. „ Und er antwortete und sagte zu uns: „Ich habe gemerkt, daß eine Kraft von mir ausgegangen ist.“ Zu der Zeit trat vor ihn jenes Weib, antwortete ihm und sagte zu ihm: „Herr, ich habe dich berührt.“ Und er antwortete und sagte zu ihr: „Geh, dein Glaube hat dich gesund gemacht.“ Dann machte er die Tauben hören und die Blinden sehen, und die Besessenen trieb er aus, und die Aussätzigen reinigte er. Und der Dämon Legion, den ein Mann hatte, begegnete Jesus, schrie und sagte: „Bevor der Tag unseres Verderbens herangekommen ist, bist du gekommen, um uns zu vertreiben.“ Der Herr Jesus aber schalt ihn und sprach zu ihm: „Geh aus diesem Manne heraus, ohne ihm irgend etwas zuzufügen!“ Und er ging in die Säue hinein und versenkte sie im Meer, und sie erstickten. Darauf wandelte er auf dem Meer, und es bliesen die Winde, und er schalt sie, und die Wogen des Meeres beruhigten sich. Und als wir, seine Jünger, keinen Denar hatten, sagten wir zu ihm: „Meister, was sollen wir machen hinsichtlich des Steuereinnehmers?“ Und er antwortete und sagte zu uns: „Einer von euch werfe die Angel, die Reuse, in die Tiefe und ziehe einen Fisch heraus, und er wird in ihm einen Denar finden. Den gebt dem Steuereinnehmer für mich und für euch!“ Als wir darauf kein Brot außer fünf Broten und zwei Fischen hatten, gebot er den Leuten sich zu lagern, und es belief sich ihre Zahl auf 5000 außer den Kindern und Frauen, denen wir Brotstückchen vorlegten; und sie wurden satt, und es blieb davon übrig, und wir trugen zwölf volle Körbe von Brocken weg, indem wir fragten und sagten: "Welche Bewandtnis hat es mit diesen fünf Broten?“ Sie sind ein Bild unseres Glaubens betreffs des großen Christentums und d. h. an den Vater, den Herrscher der ganzen Welt, und an Jesum Christum, unsern Heiland, und an den heiligen Geist, den Parakleten, und an die heilige Kirche und an die Vergebung der Sünden.

 

Diesen, für den wir Zeugen sind, kennen wir als den, der gekreuzigt ist in den Tagen des Pontius Pilatus und des Fürsten Archelaus, der zwischen zwei Räubern gekreuzigt ist, und mit ihnen zusammen hat man ihn vom Holz des Kreuzes abgenommen, und er ist begraben an einem Orte, der qaränejö (Schädelstätte) heißt, wohin drei Frauen: Sara und Martha und Maria Magdalena gingen. Sie trugen Salbe, um sie auszugießen auf seinen Leib, indem sie weinten und trauerten. Und sie näherten sich dem Grabe und fanden den Stein da, wohin man ihn abgewälzt hatte vom Grabe, und sie öffneten seine Tür und fanden seinen Leib nicht.

 

Und wie sie trauerten und weinten, erschien ihnen der Herr und sprach zu ihnen: „Weinet nicht mehr! Ich bin's, den ihr suchet. Es gehe aber eine von euch zu euren Brüdern und sage: Kommet, unser Meister ist auferstanden von den Toten.“ Und Maria kam zu uns und sagte es uns. Und wir sprachen zu ihr: „Was ist uns und dir, O Weib? Wer gestorben und begraben ist, kann denn der wieder leben?“ Und wir glaubten ihr nicht, daß unser Heiland von den Toten auferstanden wäre.

 

Darauf ging sie zu unserm Herrn zurück und sprach zu ihm: „Niemand von ihnen hat mir geglaubt in betreff deiner Auferstehung.“ Und er sprach zu ihr: „Es möge eine andere von euch hingehen, indem sie dies wiederum zu ihnen sagt. „ Und Sara kam und tat uns dasselbe kund, und wir beschuldigten sie der Lüge. Und sie kehrte zu unserm Herrn zurück und sprach zu ihm wie Maria.

 

Darauf sprach der Herr zu Maria und zu ihren Schwestern: „Lasset uns zu ihnen gehen!“ Und er kam und fand uns drinnen verhüllt. Und wir zweifelten und glaubten nicht. Wie ein Gespenst kam er uns vor, und wir glaubten nicht, daß er es wäre. Aber er war es. Und also sprach er zu uns: „Kommet, fürchtet euch nicht! Ich bin euer Lehrer, den du, Petrus, ehe der Hahn krähte, dreimal verleugnet hast, und jetzt verleugnest du wiederum?“ Und wir gingen zu ihm, indem wir dachten und zweifelten, ob er es auch wäre. Und er sprach zu uns: „Weshalb zweifelt ihr und seid ihr ungläubig? Und damit ihr erkennet, daß ich es bin, so lege, Petrus, deine Hand und deine Finger in das Nägelmal meiner Hände und du, Thomas, in meine Seiten und du auch, Andreas, sieh, ob mein Fuß auf die Erde tritt und dabei eine Spur hat.

 

Denn es steht geschrieben im Propheten: Ein Gespenst, ein Dämon aber hat keine Spur auf der Erde.“

 

Wir aber nun betasteten ihn, daß er wahrhaftig im Fleisch auferstanden wäre. Und darauf fielen wir vor ihm auf unser Angesicht, baten ihn um Verzeihung und flehten ihn dafür an, daß wir ihm nicht geglaubt hatten. Darauf sprach unser Herr und Heiland zu uns: „Steht auf, und ich werde euch offenbaren, was auf Erden und was oberhalb der Himmel ist, und eure Auferstehung, die im Himmelreich, um derentwillen mein Vater mich gesandt hat, daß ich euch und die, welche an mich glauben, hinaufführe.

 

Und was er offenbar hat, ist dies, wie er zu uns sprach: „Während ich vom Vater des Alls her kam, indem ich an den Himmeln vorüberging, wobei ich die Weisheit des Vaters anzog und in seiner Kraft von seiner Kraft her mich kleidete, war ich in den Himmeln. Und indem ich an den Engeln und Erzengeln vorüberging in ihrer Gestalt und wie einer von ihnen, ging ich vorüber an den Klassen, Herrschaften und Fürsten, indem ich das Maß der Weisheit des Vaters, der mich gesandt hat, besaß. Und die Erzengel Michael und Gabriel, Raphael und Uriel folgten mir bis zum fünften Himmelsfirmament, indem ich ihnen vorkam wie einer von ihnen. Derartige Kraft ist mir vom Vater gegeben. Dann machte ich, daß die Erzengel mit der Stimme außer sich gerieten und hingingen zum Altar des Vaters und dem Vater dienten in ihrem Werk, bis daß ich zu ihm zurückkehre.

Dieses tat ich so in der Gestalt seiner Weisheit. Denn ich ward in jedem alles bei ihnen, damit ich den Willen des Erbarmens des Vaters... und die Herrlichkeit dessen, der mich gesandt hat, vollende und zu ihm zurückkehre.

 

Wisset ihr, daß der Engel Gabriel gekommen ist und der Maria Botschaft brachte?“ Und wir sprachen zu ihm: „Ja, O Herr.“ Und er antwortete und sprach zu uns: „Erinnert ihr euch nicht, daß ich vordem euch gesagt habe, daß ich den Engeln wie ein Engel geworden bin?“ Und wir sprachen zu ihm: „Ja, O Herr.“ Und er sprach zu uns: „Damals erschien ich in der Gestalt des Erzengels Gabriel der Jungfrau Maria und redete mit ihr, und ihr Herz nahm mich auf, sie glaubte und lachte, und ich, das Wort, ging in sie ein und wurde Fleisch, und ich selbst war für mich selbst Diener und in der Gestalt eines Engelsbildes, so werde ich tun, nachdem ich zu meinem Vater gegangen bin.

 

Und ihr begeht also das Gedächtnis meines Todes, d. h. das Pascha, dann wird man einen von euch um meines Namens willen ins Gefängnis werfen, und er wird sehr betrübt und traurig sein, weil, während ihr das Pascha feiert, er, der in Gewahrsam ist, es nicht mit euch gefeiert hat. Und ich werde meine Kraft in der Gestalt eines Engels senden, und das Tor des Gefängnisses wird sich öffnen, und er wird herauskommen und zu euch kommen, um mit euch zu wachen und zu ruhen. Und wenn ihr beim Hahnenschrei meine Agape und mein Gedächtnis vollendet, so wird man ihn wiederum nehmen und ihn zum Zeugnis ins Gefängnis werfen, bis daß er herausgeht, um zu predigen, wie ich euch befohlen habe. Und wir sprachen zu ihm: ,,O Herr, hast du denn nicht das Trinken des Pascha vollendet? Obliegt es uns denn, es wiederum zu tun?“ Und er sprach zu uns: "Ja, bis daß ich komme vom Vater mit meinen Wunden.“

 

 

Und wir sprachen zu ihm: ,,O Herr, groß ist dies, was du uns sagst und offenbarst. In was für einer Kraft und Gestalt steht es dir bevor zu kommen?“

 

Und er sprach zu uns: "Wahrlich, ich sage euch, ich werde kommen, wie die Sonne, die erglänzt, so werde ich, indem ich siebenmal mehr als sie in Herrlichkeit leuchte, während ich auf dem Flügel der Wolke getragen werde in Glanz und indem mein Kreuz vor mir einhergeht, auf die Erde kommen, daß ich richte die Lebendigen und die Toten.“

 

 

Und wir sprachen zu ihm: ,,O Herr, wieviel Jahre noch?“ Und er sprach zu uns: "Wenn das hundertundfünfzigste Jahr vollendet ist, zwischen Pfingsten und Pascha wird stattfinden die Ankunft meines Vaters.“ Und wir sprachen zu ihm: ,,O Herr, jetzt hast du zu uns gesagt: Ich werde kommen -und wiederum hast du gesagt: es wird kommen, der mich gesandt hat.“ Und er sprach zu uns: "Ich bin ganz im Vater und der Vater in mir.“ Darauf sprachen wir zu ihm: "Wirst du uns wirklich bis zu deiner Ankunft verlassen? Wo werden wir einen Lehrer finden?“ Und er antwortete und sprach zu uns: "Wisset ihr nicht, daß ich bis jetzt sowohl hier als dort war bei dem, der mich gesandt hat?“ Und wir sprachen zu ihm: ,,O Herr, ist es denn möglich, daß du sowohl hier als dort seiest?“ Und er sprach zu uns: "Ganz bin ich im Vater und der Vater in mir nach seinem Bilde und nach seiner Gestalt und nach seiner Kraft und nach seiner Vollkommenheit und nach seinem Lichte, und ich bin sein vollkommenes Wort.

 

Aber siehe, ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebet und gehorchet einander und daß beständig Friede zwischen euch herrsche. Liebet eure Feinde, und was ihr nicht wollt, daß man euch tue, das tut auch ihr keinem andern.

 

Denn wahrlich, ich sage euch: wie mich der Vater von den Toten auferweckt hat, gleicherweise werdet auch ihr im Fleisch auferstehen, und er wird euch emporsteigen lassen über die Himmel an den Ort, von dem ich von Anfang an zu euch geredet habe, den euch bereitet hat, der mich gesandt hat. Und deshalb habe ich alle Barmherzigkeit vollendet: ohne gezeugt zu werden, bin ich von Menschen geboren und, ohne Fleisch zu haben, habe ich Fleisch angezogen und bin aufgewachsen, damit ich euch, die ihr im Fleisch gezeugt werdet, wiedergebäre und ihr in der Wiedergeburt die Auferstehung in eurem Fleisch erhaltet, einem Gewande, das nicht vergehen wird, mit allen, die hoffen und glauben an den, der mich gesandt hat; denn so hat mein Vater an euch Wohlgefallen gefunden, und denen, welchen ich will, gebe ich die Hoffnung des Reiches.“

                                                                                            

Darauf sprachen wir zu ihm: "Groß ist, wie du hoffen läßt und redest.“ Er antwortete und sprach zu uns: "Glaubt ihr, daß alles, was ich euch sage, geschehen wird?“ Und wir antworteten ihm und sprachen zu ihm: „Ja, O Herr.“ Und er sprach zu uns: „Wahrlich, ich sage euch, daß ich alle Gewalt von meinem Vater empfangen habe, damit ich die in Vergänglichkeit Befindlichen in die Unvergänglichkeit und die im Irrtum Befindlichen in die Gerechtigkeit und die im Tode Befindlichen ins Leben zurückführe und damit die in Gefangenschaft Befindlichen entfesselt werden, wie das, was von seiten der Menschen unmöglich ist, von seiten des Vaters möglich ist. Ich bin die Hoffnung der Hoffnungslosen, der Helfer derer, die keinen Helfer haben, der Schatz der Bedürftigen, der Arzt der Kranken, die Auferstehung der Toten.“

 

Nachdem er dies zu uns gesagt hatte, sprachen wir zu ihm: „O Herr, steht es wirklich dem Fleisch bevor, mit der Seele und dem Geist zusammen gerichtet zu werden, und wird die eine Hälfte davon im Himmelreich ruhen und die andere ewiglich gestraft werden?“

 

Und er sprach zu uns: „Wie lange noch fragt und forscht ihr?“

 

Und wir sprachen wiederum zu ihm: „O Herr, es ist aber nötig, weil du uns befohlen hast, daß wir predigen, verkünden und lehren, damit wir, indem wir genau von dir hören, gute Verkündiger werden und sie lehren, daß sie an dich glauben. Deshalb befragen wir dich.“

 

Er antwortete und sagte zu uns: „Wahrlich, ich sage euch, das Fleisch jedes Menschen wird auferstehen mit seiner Seele und seinem Geiste.“

Darauf sprach er zu uns: „Fällt das Fleisch oder Geist hin?“ Und wir sprachen zu ihm: „Das Fleisch.“ Und er sprach zu uns: „Was nun hingefallen ist, wird auferstehen, und was krank ist, wird gesund werden, damit daran mein Vater gepriesen werde; wie er an mir getan hat, so werde ich tun an euch und an allen, die an mich glauben.“ Wahrlich ich sage euch: „Das Fleisch wird auferstehen mit der Seele lebendig, damit sie bekennen und gerichtet werden mit dem Werk, was sie getan haben, es sei Gutes oder Böses, es werde zu einer Auswahl und Darstellung für die, welche geglaubt und getan haben das Gebot meines Vaters, der mich gesandt hat. Darauf wird das gerechte Gericht stattfinden; denn so will es mein Vater, und er sprach zu mir: Mein Sohn, am Tage des Gerichts sollst du dich vor dem Reichen nicht scheuen und des Armen nicht erbarmen, sondern übergib einen jeden gemäß seiner Sünde ewiger Bestrafung. Denjenigen aber, die mich geliebt haben und mich lieben und welche mein Gebot getan haben, werde ich Ruhe im Leben verleihen im Reiche meines himmlischen Vaters. Siehe, schaut, was für eine Macht er mir verliehen hat, und er hat mir gegeben, daß, ...was ich will und wie ich gewollt habe, ...und denen ich Hoffnung erweckt habe. Und deswegen bin ich hinabgestiegen und habe geredet zu Abraham und Isaak und Jakob, zu euren Vätern, den Propheten, und habe ihnen Botschaft gebracht. Wer aber an mich glaubt und mein Gebot nicht tut, hat, obwohl er an meinen Namen glaubt, keinen Nutzen davon. Vergeblich ist er einen Lauf gelaufen. Sein Ende ist für das Verderben und für die Strafe großen Schmerzes bestimmt, denn er hat gesündigt gegen mein Gebot.

 

Euch aber habe ich gegeben, daß ihr Kinder des Lichtes in Gott seid und rein seid von aller Bosheit und aller Macht der Fürsten und denjenigen, die durch euch an mich glauben, will ich ebenso tun, und wie ich euch gesagt und verheißen habe, daß er aus dem Gefängnis herausgehen und aus den Fesseln und den Lanzen und dem schrecklichen Feuer befreit werden soll.“

 

Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, in jeder Hinsicht hast du uns erfreut und uns Ruhe gegeben; denn in Treue und Zuverlässigkeit hast du unseren Vätern und den Propheten und ebenso uns und jedem verkündigt.“

 

Und er sprach zu uns: „Wahrlich, ich sage euch: euch und alle, die glauben, und auch die, welche noch glauben werden an den, der mich gesandt hat, werde ich aufsteigen lassen in die Himmel, an den Ort, welchen zubereitet hat den Auserwählten und Auserwähltesten der Vater, der geben wird die Ruhe, die er verheißen hat, und das ewige Leben. Diejenigen aber, die gegen mein Gebot gesündigt haben, anders lehren, abziehen und hinzufügen und für ihre eigene Ehre wirken, indem sie abwendig machen diejenigen, welche recht an mich glauben, werde ich dem Verderben übergeben.“

 

Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, wird denn eine andere Lehre existieren?“ Und er sprach zu uns: „Wie die Guten und Schönes Vollbringenden werden auch die Bösen offenbar. Und dann wird eintreten ein gerechtes Gericht nach ihrem Werk gemäß dem, wie sie gehandelt haben, und man wird sie dem Verderben übergeben.“

 

Und wir sprachen zu ihm: „Selig sind wir, die wir dich sehen und hören, wie du zu uns redest, und deren Augen solche Krafttaten gesehen haben, die du getan hast.“ Und er antwortete und sprach zu uns: „Aber vielmehr selig werden die sein, welche mich nicht sehen und doch an mich glauben, denn sie werden Kinder des Reiches genannt werden und werden Vollkommene in dem Vollkommenen sein; diesen werde ich werden ewiges Leben im Reiche meines Vaters.“

 

Und wir sprachen wiederum zu ihm: „O Herr, wie wird es möglich sein, zu glauben, daß du uns verlassen wirst, wie du sagst: es kommt Zeit und Stunde, wo es dir bevorsteht, daß du zu deinem Vater gehst?“ Er antwortete und sprach zu uns: „Gehet und predigt den zwölf Stämmen Israels und den Heiden und Israel und dem Lande Israels nach Osten und Westen, Norden und Süden, und viele werden an mich, den Sohn Gottes, glauben.“

 

Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, wer wird uns glauben und wer wird auf uns hören und wie können wir tun und lehren und erzählen die Wunder und Zeichen und Krafttaten, wie du sie getan hast?“ Und er antwortete und sprach zu uns: „Geht und predigt die Barmherzigkeit meines Vaters; wie mein Vater getan hat durch mich, werde ich auch tun durch euch, indem ich mit euch bin, und ich werde euch geben meinen Frieden und meinen Geist und meine Kraft, damit es euch widerfahre, daß sie glauben. Auch ihnen wird diese Kraft gegeben und vererbt werden, damit sie sie den Heiden geben.

Und siehe, ihr werdet einen Mann treffen, dessen Name Saul ist, d. i. verdolmetscht Paulus. Er ist Jude, beschnitten nach der Vorschrift des Gesetzes, und er wird meine Stimme vom Himmel her hören mit Schrecken, Furcht und Zittern; und seine Augen werden verfinstert und durch eure Hand mit Speichel bekreuzt werden. Und alles tut ihm, wie ich euch getan habe. Und dieser Mann -sobald seine Augen aufgetan werden -wird Gott, meinen himmlischen Vater, preisen. Und er wird stark werden unter den Völkern und wird predigen und lehren, und viele werden erfreut werden, wenn sie hören, und werden gerettet werden. Darauf wird man ihn hassen und in die Hand seines Feindes ausliefern, und er wird vor sterblichen Königen bekennen, und die Vollendung des Bekenntnisses zu mir wird über ihn kommen; dafür, daß er mich verfolgt und gehaßt hatte, wird er zu mir bekehren und predigen und lehren, und er wird unter meinen Auserwählten sein, ein auserwähltes Rüstzeug und eine Mauer, die nicht fällt. Der Letzte der Letzten wird Prediger für die Heiden werden, vollkommen im Willen meines Vaters.

 

Wie ihr aus den Schriften erfahren habt, daß eure Väter, die Propheten, über mich geredet haben und es an mir erfüllt ist -dieses Wahrhaftige sprach er -so werdet auch ihr ihnen zum Führer!

 

Und jedes Wort, welches ich zu euch geredet habe und welches ihr über mich geschrieben habt, daß ich das Wort des Vaters bin und der Vater in mir ist, werdet ihr auch an jenen Mann weitergeben. Lehret und erinnert ihn, was in den Schriften über mich gesagt und erfüllt worden ist, und dann wird er den Heiden zum Heil sein.

 

Und wir sprachen zu ihm: ,,O Meister, haben wir mit ihnen zusammen eine Hoffnung auf das Erbe?“ Er antwortete und sprach zu uns: "Sind die Finger der Hand gleich oder die Ähren auf dem Felde, oder geben die fruchttragenden Bäume gleiche Frucht? Bringen sie nicht je nach ihrer Natur Frucht?" Und wir sprachen zu ihm: ,,O Herr, redest du wieder im Gleichnis zu uns?“ Und er sprach zu uns: "Seid nicht betrübt! Wahrlich ich sage euch, meine Brüder seid ihr, Genossen im Himmelreich bei meinem Vater, denn so hat es ihm gefallen. Wahrlich, ich sage euch, auch denjenigen, die ihr gelehrt haben werdet und die an mich gläubig geworden sein werden, werde ich diese Hoffnung geben.“

 

 

Und wir sprachen wiederum zu ihm: "Wann, Herr, werden wir jenen Mann treffen, und wann wirst du zu deinem Vater und auch unserem Gott und Herrn gehen?“ Und er antwortete und sprach zu uns: "Jener Mann wird aus dem Lande Cilicien ausziehen nach Damaskus in Syrien, um die Kirche, die euch zu schaffen obliegt, zu zerreißen. Ich bin es, der durch euch zu ihm reden wird, und er wird eilends kommen. In diesem Glauben wird er sein, damit erfüllt werde das Wort des Propheten, der da spricht: Siehe, aus dem Lande Syrien will ich zu rufen anfangen ein neues Jerusalem, und Zion will ich mir unterwerfen und es wird gefangen werden, und die Unfruchtbare, die keine Kinder hat, wird kinderreich sein und wird Tochter meines Vaters genannt werden, mir aber meine Braut, denn also hat es gefallen dem, der mich gesandt hat.

 

Jenen Mann aber werde ich abwenden, daß er nicht hingeht und den bösen Plan vollbringt, und durch ihn wird Ehre meines Vaters eintreten. Denn nachdem ich fortgegangen bin und bei meinem Vater weile, werde ich vom Himmel her mit ihm reden, und es wird alles geschehen, wie ich es euch über ihn vorhergesagt habe.“

 

Und wir sprachen wiederum zu ihm: „O Herr, so Bedeutsames hast du zu uns geredet und uns verkündigt und hast uns nie ausgesprochenes Großes offenbart und in jeder Hinsicht hast du uns beruhigt und hast dich uns gnädig erwiesen. Denn nach deiner Auferstehung offenbartest du uns dies alles, damit wir wirklich gerettet würden. Du sagtest uns aber nur, daß Zeichen und Wunder am Himmel und auf Erden geschehen würden, ehe das Ende der Welt einträte. Daß wir es also erkennen, lehre uns!“

 

Und er sprach zu uns: „Euch werde ich lehren und zwar nicht nur, was an euch geschehen wird, sondern auch an denjenigen, die ihr lehren werdet und die glauben werden, und es gibt solche, die hören und an mich glauben werden. In jenen Jahren und in jenen Tagen wird dies geschehen.“

 

Und wir sprachen wiederum zu ihm: „O Herr, was ist denn das, was geschehen wird?“

 

Und er sprach zu uns: „Dann werden die Gläubigen und auch die, welche nicht glauben werden, ein Horn am Himmel sehen und das Gesicht großer Sterne, die während es Tag ist, sichtbar sind, und einen Drachen, indem er vom Himmel bis zur Erde reicht und indem Sterne, die wie Feuer sind, herabfallen und große Hagelschlossen von heftigem Feuer, und wie Sonne und Mond miteinander streiten, und beständig der Schrecken von Donner und Blitzen, Donnerkrachen und Erdbeben, wie Städte einstürzen und bei ihrer Zerstörung Menschen sterben, beständig Dürre infolge des Ausbleibens des Regens, eine große Pest und ein ausgebreitetes und häufiges schnelles Sterben, so daß denen, die sterben, das Begräbnis fehlen wird; und es wird das Hinausgetragenwerden von Kindern und Verwandten auf einer Bahre geschehen. Und der Verwandte wird sich seinem Kinde nicht zuwenden noch die Kinder ihrem Verwandten, und ein Mensch wird sich seinem Nächsten nicht zuwenden. Die Verlassenen aber, welche verlassen wurden, werden auferstehen und die sehen, welche sie verlassen haben, indem sie sie hinausbrachten, weil Pest war. Alles ist Haß und Bedrängnis und Eifersucht, und dem einen wird man nehmen und dem anderen schenken, und schlimmer wie dies wird sein, was nach diesem kommt. Beklagt die, welche seinem Gebot nicht gehorcht haben!

 

Dann wird mein Vater wegen der Bosheit der Menschen in Zorn geraten; denn zahlreich sind ihre Versündigungen, und der Schauder vor ihrer Unreinheit ist sehr wider sie in der Verderbnis ihres Lebens.“ Und wir sprachen zu ihm: "Was, Herr, was wird denen zuteil, die auf dich hoffen?“ Und er antwortete und sprach zu uns: „Wie lange seid ihr weiter trägen Herzens? Wahrlich, ich sage euch, wie der Prophet David über mich und die Meinigen gesprochen hat, so will er es auch über die, welche an mich glauben werden. Es werden aber in der Welt Betrüger und Feinde der Gerechtigkeit sein, und sie wird treffen die Prophezeiung Davids, der sagte: ,Ihre Füße sind eilend zum Blutvergießen, und ihre Zunge flicht Betrug, und Schlangengift ist unter ihren Lippen. Und ich sehe dich, wie du mit einem Dieb umherläufst und mit einem Hurer ist dein Anteil. Indem du ferner dasitzt, schmähst du deinen Bruder und indem du legst einen Fallstrick dem Sohne deiner Mutter. Was meinst du, soll ich sein wie du? Und nun sehet, wie der Prophet Gottes über alles geredet hat, damit erfüllt werde alles, was zuvor gesagt worden ist.“

 

Und wiederum sprachen wir zu ihm: „O Herr, werden dann nicht die Heiden sagen: Wo ist ihr Gott?“ Er antwortete und sprach zu uns: „Daran werden die Auserwählten offenbar werden, daß sie, nachdem sie durch eine solche Not bedrängt worden sind, hinausgehen.“ Und wir sprachen zu ihm: „Wird ihr Ausgang aus der Welt eintreten durch eine Pest, die sie gequält hat?“ Und er sprach zu uns: „Nein, sondern, wenn sie Qual leiden, wird ihnen solches leiden zu einer Prüfung werden, ob sie Glauben haben und ob sie dieses meines Wortes gedenken und mein Gebot tun. Diese werden auferstehen, und ihr Verweilen wird wenige Tage dauern, damit gepriesen werde, der mich gesandt hat, und ich mit ihm. Denn er hat mich zu euch gesandt. Dieses sage ich zu euch. Ihr aber sagt es Israel und den Heiden, damit sie hören; auch sie sollen gerettet werden und an mich glauben und der Not der Pest entgehen. Und wer der Not des Todes entgangen ist, einen solchen wird man nehmen und ihn im Gefängnis verwahren unter Peinigung wie der eines Diebes“.

 

Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, werden sie gleich werden den Ungläubigen, und wirst du ebenso die bestrafen, welche der Pest entgangen sind?“ Und er sprach zu uns: „An meinen Namen glaubend, haben sie das Werk der Sünder getan, wie Ungläubige haben sie gehandelt.“ Und wir sprachen wiederum zu ihm: „O Herr, haben die, welche entgangen sind, in diesem Teil kein leben?“ Er antwortete und sprach zu uns: „Wer die Verherrlichung meines Vaters getan hat, der ist die Wohnung meines Vaters.“

 

Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, lehre uns, was nach diesem geschehen wird!“

 

Und er sprach zu uns: „In jenen Jahren und Tagen wird Krieg über Krieg sein und die vier Ecken der Welt werden erschüttert werden und werden sich gegenseitig bekriegen. Und darauf wird eintreten eine Wolkenbewegung, Finsternis und Dürre und Verfolgung derer, die an mich glauben, und der Auserwählten.

 

Darauf Uneinigkeit, Streit und Bosheit des Handelns gegeneinander. Darunter gibt es solche, die an meinen Namen glauben und trotzdem der Bosheit folgen und eitle lehre lehren. Und diesen wird man folgen und wird sich ihrem Reichtum, ihrer Verworfenheit, ihrer Trunksucht und ihrem Bestechungsgeschenk unterwerfen, und Ansehen der Person wird unter ihnen herrschen.

 

Diejenigen aber, welche das Antlitz Gottes schauen wollen und welche die Person der sündigen Reichen nicht berücksichtigen und sich nicht scheuen vor den Menschen, die sie verführen, sondern sie tadeln, diese werden beim Vater gekrönt sein, wie auch die, welche ihre Nächsten tadeln, gerettet werden. Dieser ist ein Sohn der Weisheit und des Glaubens.

 

Wenn er aber nicht ein Sohn der Weisheit geworden ist, so wird er hassen und verfolgen und sich nicht zuwenden seinem Bruder und wird ihn verachten und ihn abweisen.

 

Die aber, welche wandeln in Wahrheit und in der Erkenntnis des Glaubens an mich und die Erkenntnis der Weisheit haben und Geduld um der Gerechtigkeit willen, indem man sie, die nach Armut streben, verachtet und sie trotzdem aushalten, groß ist ihr Lohn. Die man schmäht, quält und verfolgt, indem sie bloß sind und indem man hochmütig gegen sie ist und indem sie hungern und dürsten und weil sie ausgehalten haben -selig werden sie sein in den Himmeln und werden immerdar mit mir sein.

 

Wehe denen, die sie hassen und verachten! Und ihr Ende ist für das Verderben.“

 

Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, wird dies allen widerfahren?“ Und er sprach zu uns: „Wie wird das Gericht der Gerechtigkeit geschehen, den Sündern und den Gerechten?“ Und wir sprachen zu ihm: „Wird man an jenem Tage nicht zu dir sagen: Du hast führen lassen zu Gerechtigkeit und Sünde und hast geschieden Finsternis und Licht, Böses und Gutes?“ Und er sprach zu uns: „Adam ist die Macht gegeben worden, daß er von den zweien, was er wollte, erwähle, und er wählte das Licht und streckte seine Hände aus und nahm es und ließ die Finsternis und entfernte sich von ihr. Ebenso ist jeder Mensch ermächtigt, zu glauben an das Licht, dies ist das Leben des Vaters, der mich gesandt hat. Und wer an mich geglaubt hat, wird leben, wenn er das Werk des Lichtes getan hat.

 

Wenn er aber bekennt, daß das Licht ist, und tut das der Finsternis, so hat er weder etwas, was er zur Verteidigung wird sagen können, noch wird er das Antlitz erheben können und anblicken den Sohn, der ich bin. Und ich werde zu ihm sagen: Du hast gesucht und gefunden, hast gebeten und empfangen. Was tadelst du uns? Weshalb hast du dich von mir und meinem Reiche entfernt? Du hast mich bekannt und dann doch verleugnet. Nun also sehet, daß jeder ermächtigt ist, sowohl zu leben als zu sterben. Und wer mein Gebot tut und bewahrt, wird ein Sohn des Lichtes, d. h. meines Vaters, sein. Und denen die bewahren und tun, um derentwillen bin ich herabgestiegen vom Himmel, ich, das Wort, bin Fleisch geworden und bin gestorben, indem ich lehrte und überführte, daß die einen gerettet werden, die andern aber ewiglich zugrundegehen werden, indem sie im Feuer gestraft werden am Fleisch und am Geist.“

 

Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, wir sind wahrlich betrübt ihretwegen.“ Und er sprach zu uns: „Ihr tut gut daran, denn also sind besorgt die Gerechten um die Sünder und beten und flehen zu Gott und bitten ihn.“ Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, fleht dich niemand an?“ Und er sprach zu uns: „Ja, ich werde hören die Bitte der Gerechten für sie.“ Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, dies alles hast du uns gelehrt und hast uns belebt und dich uns gnädig erwiesen. Und wir werden es denen, denen es gebührt, predigen. Wird uns aber bei dir Lohn zuteil werden?“

 

Und er sprach zu uns: „Geht und predigt und werdet gute Diener und Knechte!“

 

Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, du bist unser Vater.“ Und er sprach zu uns: „Sind alle Väter und alle Diener, alle Lehrer?“ Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, hast du nicht gesagt: Nicht nennt jemanden auf Erden Vater und Meister, denn einer ist euer Vater und Lehrer: der in den Himmeln! Jetzt sagst du uns, daß wir wie du vielen Kindern Väter werden sollen und auch Lehrer und Diener.“

 

Und er antwortete und sprach zu uns: „Ihr habe recht gesagt. Wahrlich, ich sage euch: alle, die auf euch gehört und an mich geglaubt haben, werden erhalten das Licht des Siegels, das in meiner Hand ist, und durch mich werdet ihr werden Väter und Lehrer. „

 

Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, wie ist es möglich, daß dies drei an Einem werde?“

 

Und er antwortete und sprach zu uns: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Väter werdet ihr genannt werden, weil ihr liebreich und barmherzig ihnen offenbart habt, was im Himmelreich ist..., weil sie durch meine Hand empfangen werden die Taufe des Lebens und die Vergebung der Sünde. Und Lehrer: weil ihr ihnen mein Wort überliefert ohne Schmerz und sie zurechtgewiesen habt und sie sich bekehrt haben in dem, worin ihr sie getadelt habt. Und vor ihrem Reichtum habt ihr euch nicht gescheut und habt nicht die Person berücksichtigt, sondern ihr habt das Gebot des Vaters bewahrt und es getan. Und ihr habt Lohn bei meinem himmlischen Vater; und jenen wird Sündenvergebung und ewiges Leben und Anteil am Reich zuteil werden.“

 

Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, wenn sie einen zehntausendfachen Mund hätten, würden sie dir nicht danksagen können, wie es sich geziemt.“ Und er antwortete und sprach zu uns: „Dies sage ich euch, damit ihr tut, wie ich euch getan habe; und seid wie die klugen Jungfrauen, die Licht angezündet und nicht geschlummert haben und die mit ihren Lampen dem Herrn, dem Bräutigam, entgegengegangen und mit ihm in das Bräutigamsgemach eingegangen sind. Die Törichten aber, die mit ihnen redeten, vermochten nicht zu wachen, sondern schliefen ein.“

 

Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, wer sind die Klugen und wer die Törichten?“ Und er sprach zu uns: „Die Klugen sind diese fünf, die der Prophet Töchter Gottes nennt, deren Namen man höre.“ Wir aber waren traurig und betrübt und weinten über die, welche ausgeschlossen worden waren. Und er sprach zu uns: „Die fünf Klugen sind diese: der Glaube, die Liebe, die Freude, der Friede, die Hoffnung. Sobald die, welche an mich glauben, diese haben, werden sie denen, die an mich und an den, der mich gesandt hat, glauben, Führer sein. Ich bin der Herr und ich bin der Bräutigam, mich haben sie empfangen und mit mir sind sie hineingegangen in das Haus des Bräutigams und haben sich mit dem Bräutigam zu Tisch niedergelegt und sich erfreut.

 

Die fünf Törichten aber haben geschlafen und, als sie erwachten, kamen sie zum Haus des Bräutigams und klopften an die Türen, denn man hatte sie verschlossen; und sie weinten, weil sie verschlossen waren.“ Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, diese ihre klugen Schwestern nun, die im Hause sind, öffnen sie ihnen nicht und sind sie ihretwegen nicht traurig?“ Und er sprach zu uns: „Ja, sie sind traurig und bekümmert ihretwegen und flehen den Bräutigam an und konnten noch nicht etwas erlangen ihretwegen.“ Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, wann werden sie um ihrer Schwestern willen hineingehen?“ Und er sprach zu uns: „Wer ausgeschlossen ist, der ist ausgeschlossen.“

 

Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, ist diese Sache entschieden? Wer sind nun diese Törichten?“ Und er sprach zu uns: „Höret: Einsicht, Erkenntnis, Gehorsam, Geduld, Barmherzigkeit. Diese haben geschlafen unter denen, welche geglaubt und mich bekannt haben.

 

Und indem die, welche geschlafen haben, mein Gebot nicht tun, werden sie außerhalb des Reiches und der Hürde des Schafhirten stehen; und wer außerhalb der Hürde stehengeblieben ist, den wird der Wolf fressen.

 

Und obwohl er hört, wird er gerichtet werden und sterben, und viel Leiden und Mühsal und Geduld wird auf ihm sein, und obwohl er böse gequält wird und obwohl er zerstückelt und mit langer und schlimmer Strafe zerfleischt wird, wird er doch nicht schnell sterben können.“

 

Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, schön hast du uns alles offenbart. „ Und er sprach zu uns: „Versteht und begreift diese Worte!“ Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, diese fünf sind es, durch die sie die Aussicht haben, in dein Reich einzugehen, und fünf, die ausgeschlossen sind, wodurch sie außerhalb deines Reiches sein werden. Jedoch sie, welche gewacht haben und mit dem Herrn, dem Bräutigam, hineingegangen sind, werden sich nicht freuen wegen derer, die geschlafen haben.“ Und er sprach zu uns: „Sie werden sich freuen, daß sie hineingegangen sind mit dem Herrn, und werden betrübt sein um derer willen, die geschlafen haben, denn sie sind ihre Schwestern. Und diese Töchter Gottes sind zehn.“ Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, deiner Größe entspricht es, daß du ihren Schwestern Gnade erzeigest.“ Und er sprach zu uns: „Diese Sache ist nicht die eurige, sondern dessen, der mich gesandt hat, indem auch ich mit ihm übereinstimme. Ihr aber, indem ihr hingeht, predigt und lehret wahr und recht, indem ihr niemandes Person anseht und fürchtet, besonders aber nicht die der Reichen, an denen etwas gefunden wird, die mein Gebot nicht tun, die in ihrem Reichtum schwelgen.“

 

Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, sprichst du allein von den Reichen zu uns?“ Und er sprach zu uns: „Auch jener, der nicht reich ist, kann ein Almosen an die Armen und Bedürftigen nicht verweigern.

Wenn aber einer seine Last d. i. die Sünde, die er gegen die Person seines Nächsten getan hat, tragend fällt, so soll sein Nächster zur Vergeltung für das, was er seinem Nächsten Gutes getan hat, ihn zurechtweisen. Und wenn ihn sein Nächster zurechtgewiesen hat und er sich bekehrt hat, so wird er gerettet werden, und der, welcher ihn zurechtgewiesen hat, wird das ewige Leben erlangen.

 

Wenn er aber sieht, wie dieser, der ihm etwas erweist, sündigt, und begünstigt ihn, ein solcher wird in einem großen Gericht gerichtet werden. Denn ein Blinder, der einen Blinden führt, die beiden werden in eine Grube fallen. Ebenso werden der Begünstiger, der die Person ansieht, und auch der, den er begünstigt und dessen Person er ansieht, beide mit einer Strafe gestraft werden, wie der Prophet gesagt hat: Wehe den Begünstigern, die den Sünder um eines Bestechungsgeschenkes willen gerecht sprechen, deren Gott ihr Bauch ist! Seht ihr, wie das Gericht ist? Wahrlich ich sage euch: An jenem Tage werde ich mich vor dem Reichen nicht scheuen und mit dem Armen kein Erbarmen haben.

 

Wenn du mit deinen Augen gesehen hast, wie einer sündigt, so züchtige ihn, du allein unter vier Augen. Wenn er auf dich hört, so hast du ihn gewonnen. Wenn er aber nicht auf dich hört, so tritt zu zweit oder höchstens zu dritt auf, züchtige deinen Bruder! Wenn er aber auch dann nicht auf dich hört, so soll er dir wie ein Heide und Zöllner sein.“

 

Wenn du eine Sache hörst, so schenke keinen Glauben gegen deinen Bruder und verleumde nicht und liebe es nicht, Verleumdung anzuhören. Denn so steht geschrieben: Laß dein Ohr nichts gegen deinen Bruder anhören, sondern nur wenn du gesehen hast, tadele, züchtige und bekehre ihn.“

 

Und wir sprachen zu ihm: „Herr, du hast uns in allem gelehrt und ermahnt. Aber, Herr, soll denn unter den Gläubigen, die unter ihnen an die Predigt deines Namens glauben werden, Entzweiung und Streit und Eifersucht und Verwirrung und Haß und Bedrängnis sein? Denn du hast doch gesagt: sie werden einander tadeln, ohne die Person angesehen zu haben. Sündigen diese, die da hassen den, der sie gezüchtigt hat?“

 

Und er antwortete und sprach zu uns: „Warum wird nun das Gericht stattfinden? Damit man den Weizen in seine Scheuern lege und seine Spreu ins Feuer werfe.“

 

...Welche also hassen, und wer mich liebt und wer die tadelt, die mein Gebot nicht tun, diese werden also gehaßt und verfolgt werden, und man wird sie verachten und verspotten.

 

Man wird auch absichtlich sagen, was nicht wahr ist, und es wird zu einer Zusammenrottung kommen gegen die, welche mich lieben. Diese aber werden sie tadeln, damit sie gerettet werden. Und diejenigen, welche sie tadeln und züchtigen und ermahnen werden, wird man hassen und absondern und verachten, und die ihnen Gutes zu tun wünschen, werden daran gehindert werden. Aber diese, welche so erduldet haben, werden beim Vater als Märtyrer gelten, weil sie um die Gerechtigkeit geeifert haben und nicht mit verderblichem Eifer geeifert haben.“

 

Und wir sprachen zu ihm: „Wird, Herr, solches auch in unserer Mitte eintreten?“ Und er sprach zu uns: „Fürchtet euch nicht vor dem, was nicht bei vielen, sondern nur bei wenigen eintreten wird!“ Und wir sprachen zu ihm: „Sage uns, auf welche Weise!“

 

Und er sprach zu uns: „Es wird eine andere Lehre und Streit kommen, und indem sie ihre eigene Ehre wollen und eine nichtsnutzige Lehre hervorbringen, wird dabei ein Ärgernis des Todes eintreten, und sie werden lehren und selbst die, welche an mich glauben werden, von meinem Gebot abwenden und sie aus dem ewigen Leben herausbringen. Wehe aber denen, die dies mein Wort und mein Gebot zum Vorwand benutzen, und auch denen, die auf sie hören, und denen, die sich entfernen vom Leben der Lehre, denen, die sich entfernen vom Gebot des Lebens, sie werden mit ihnen ewiglich gestraft werden.“

 

 

Und nachdem er dies gesagt und das Gespräch mit uns beendigt hatte, sprach er wiederum zu uns: „Siehe, nach drei Tagen und drei Stunden wird der, welcher mich gesandt hat, kommen, damit ich mit ihm gehe.“ Und wie er sprach, trat Donner und Blitz und Erdbeben ein, und die Himmel spalteten sich, und eine lichte Wolke kam und nahm ihn fort. Und die Stimme vieler Engel hörten wir, wie sie sich freuten und priesen und sprachen: „ Versammle uns, Priester, im Licht der Herrlichkeit!“ Und als er sich dem Firmament des Himmels genähert hatte, hörten wir ihn sagen: „Gehet hin in Frieden!“

 

Gnostische Evangelien

 

 

Eingescannt aus: Erich Weidinger, Die Apokryphen, Verborgene Bücher der Bibel. ISBN 3-86047-474-X Weltbild Verlag

 

Eine noch weit ausführlichere wissenschaftliche Übersetzung aus dem äthiopischen und koptischen gibt es bei Wilhelm Schneemelcher nachzulesen – ISBN 3-16-147252-7