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Johannes Klotter Wege in ein neues christliches Zeitalter Über Jahrzehnte hinweg hat Johannes
Klotter alle Kraft, die ihm der Beruf übrig ließ, dem Studium und der
Bekanntmachung der visionären Theologie Emanuel Swedenborgs gewidmet. Die
Zeugnisse dieses rastlosen Bemühens finden sich verstreut über zahlreiche
Jahrgänge und Hefte der beiden vom Zürcher Swedenborg-Verlag herausgegebenen
Zeitschriften “Neukirchenblatt“ und “Offene Tore“. Vielen Menschen hat er
damit zu einem Schatz von Wahrheiten verholfen, die sein eigenes Leben reich
gemacht hatten. Er selbst ist schon seit einiger Zeit in jenen Bereichen, aus
denen zur Erde zurückzukehren weder wünschenswert noch möglich ist. Seine
Gattin Erika aber möchte den Anlaß seines 85. Geburtstags am 28. März 1989
benutzen, um wenigstens einen Teil seiner Arbeiten in einem Sammelband besser
zugänglich zu machen. Leider kam nur ein Faksimilenachdruck
in Frage, und da die Druckvorlagen nicht immer einwandfrei waren — die
genannten beiden Zeitschriften mußten seinerzeit mit sehr geringen Mitteln
herausgebracht werden —‚ ist das Ergebnis nicht in allen Teilen erfreulich.
Aber wer in dieser Welt die Wahrheit zu fördern sucht, muß es lernen, sich
nach der Decke zu strecken. Und so kann der Herausgeber nur hoffen, daß man
sich durch die Mängel der Präsentation nicht am Eindringen in den wertvollen
Inhalt hindern lassen wird. (Dr. Friedemann Horn) Die Einheit von Wissenschaft
und Theologie im Werk Swedenborgs. Emanuel Swedenborg wurde am 29. Januar
1688 in Stockholm geboren und starb am 29. März 1772 in London. Sein Vater,
Jesper Swedberg, war ein bekannter Bischof der lutherischen Kirche Schwedens.
Seine Großväter väterlicher- und mütterlicherseits waren erfolgreiche
Bergwerker und Grubenbesitzer, die es zu einem gewissen Wohlstand gebracht
hatten; das kam seiner Familie und ihm selbst gut zustatten. Als Emanuel acht Jahre alt war, starb
seine Mutter, und wenige Wochen nachher verlor er auch seinen ältesten
Bruder. Das hinterließ tiefgehende Eindrücke in dem jungen Menschen. Das
nächste Jahrzehnt verlebte er in Uppsala, der Universitätsstadt. Hier besuchte
er die Schule und die Universität. Er studierte Mathematik, Physik, Mechanik,
Astronomie und vor allem auch Philosophie und alte Sprachen. Er verließ die
Universität 1709, also 21-jährig. Im Blick auf all die Studienfächer, die
Swedenborg auf der Universität betrieben hatte, erscheint es ganz wesentlich,
daß seine Abschlußprüfung (mit einer öffentlichen Disputation, wie man es
damals nannte, in lateinischer Sprache) ein philosophisches Thema behandelte,
nämlich die Sentenzen des Lucius Annaeus Seneca und des Publius Syrus. Dieser
philosophische Abschluß seiner Studien zeigt, daß Swedenborg alles unter
philosophischen und wahrscheinlich auch unter religiösen Gesichtspunkten
betrachtete, daß er also Naturwissenschaften, Technik, Mechanik, Geologie und
Astronomie nicht als von der Philosophie und Religion unabhängige Gebiete
ansah, sondern schon vor seiner Berufung in allem eine große Einheit
erblickte oder wenigstens zu erblicken trachtete. Nach seinem Studium wurde Swedenborg
ein hervorragender Ingenieur und Naturwissenschafter. Von 1710 bis 1719
widmete er sich den experimentellen Wissenschaften: Technik, Mineralogie,
Geologie, Astronomie, aber auch der Anatomie und Psychologie. Zu diesem Zweck
unternahm er ausgedehnte Reisen, z.B. 1710 nach London, wo er mit berühmten
Gelehrten zusammentraf. Im August 1713 finden wir ihn in Paris, dann in
Holland und Pommern, das damals zu Schweden gehörte. In dieser Zeit arbeitete
er Pläne aus für technische Erfindungen wie Unterseeboote, Schleusen zum
Schiffheben, Krafterzeugung durch Feuer bei fehlender Wasserkraft,
Flugmaschinen und ähnliche Dinge. Sehr intensiv befaßte er sich auch mit dem
Problem der Ortsbestimmung auf dem Meer für die Schiffahrt. Um sich
auszuspannen, beschäftigte er sich mit Literatur und verfaßte selbst Gedichte
in lateinischer Sprache. An ihnen erkennt man die große
Begeisterungsfähigkeit dieses jungen Menschen. Nach Schweden zurückgekehrt, gibt er
eine technisch-wissenschaftliche Zeitschrift heraus. Er wurde 1716
außerordentlicher Beisitzer ohne Gehalt im Minenkollegium, das man heute mit
einem Wirtschaftsministerium vergleichen könnte. Das Angebot einer Professur
in Uppsala lehnte er ab. 1724 wurde er im Minenkollegium als ordentlicher
Beisitzer angestellt. An technischen Ausführungen leistete er damals vor
allem während der Belagerung von Fredrickshall 1718 den Überlandtransport von
8 Kriegsschiffen und Schaluppen, den Bau einer großen Werftanlage in Karlskrona
und den teilweisen Bau eines Binnenkanals. Nicht zur Ausführung kamen Pläne
Swedenborgs für den Bau eines astronomischen Observatoriums, für die
Gewinnung von Salz aus dem Meerwasser, für neue Erzschmelzöfen, für ein
Dezimalsystem der Währungen, Maße und Gewichte und ähnliches. 1719 wurde er und seine Geschwister
geadelt; damit war verbunden, daß er seinen Familiennamen Swedberg in
Swedenborg änderte. Als der älteste der noch lebenden Söhne der Familie bekam
er einen Sitz im Parlament, d.h. im Oberhaus oder Haus des Adels. 1720 begab
er sich wieder auf eine längere Auslandsreise um in vielen Ländern die
Bergwerkstechnik zu studieren. In dieser Zeit begann auch seine rein wissenschaftliche
Tätigkeit mit Veröffentlichungen. Schon einige kleinere Schriften
verschafften ihm europäischen Ruhm und brachten ihn in Verbindung mit
führenden Wissenschaftlern und Philosophen. Er wurde Mitglied der königlichen
Akademie in Schweden und korrespondierendes Mitglied der wissenschaftlichen
Akademie in St. Petersburg. Seine Zugehörigkeit zum Oberhaus des schwedischen
Parlaments seine weiten verwandtschaftlichen und persönlichen Beziehungen zu
allen hochstehenden Familien und zum schwedischen Königshaus und seine genaue
Kenntnis der politischen Strömungen benutzte er, um sich bis zu seinem
Lebensende für das politische und soziale Wohl seines schwedischen Vaterlands
einzusetzen. Viele Memoranden die er dem Parlament vorlegte, zeugen von
seinem klaren politischen Blick, seiner Kenntnis von wirtschaftlichen
Zusammenhängen, Währungsfrage und vielem mehr. Also auch in weltlichen Dingen
war Swedenborg ein tiefgründiger, ausgereifter Geist, der das Gebot der
Nächstenliebe ernst nahm und auf allen diesen Wegen in die Tat umsetzte.
Viele seiner Reisen hatten den Zweck, neue Werke im Ausland zu veröffentlichen.
Er gab sie vorwiegend in Holland und England zur Drucklegung und Veröffentlichung,
weil er dort keine Zensur und keine Verfolgungen befürchten mußte. Das gilt
besonders für seine späteren theologischen Werke. Aus
Swedenborgs wissenschaftlichem Werk. Swedenborgs Denken und Forschen
entsprang letzten Endes seinem innersten Bewußtsein von Gott. Selbst seine
naturwissenschaftlichen Arbeiten gehen aus von der Ehrfurcht vor dem
Schöpfer, vor den Gesetzen, die der Schöpfer in die Natur gelegt hat, und von
der Anwendung dieser Gesetze zum Wohl seiner Mitmenschen. So bleibt
Swedenborg nicht stehen bei dem Vollbringen technischer Aufgaben, sondern
sein Geist ist wach, um den Zusammenhängen nachzuspüren, die zwischen Gott
und der Welt mit allen ihren Erscheinungen bestehen. Um diesen Geheimnissen
auf die Spur zu kommen, hielt er es für notwendig, zuerst einmal möglichst
viele Kenntnisse von den Vorgängen in der Natur zu sammeln, denn ohne die
Erfahrung der Natur kann keine innere Erkenntnis aufgebaut werden. Über die
Bedeutung der wissenschaftlichen Arbeiten Swedenborgs schreibt die
Encyclopedia Britannica: “Auf beinahe allen Gebieten wissenschaftlicher
Tätigkeit war Swedenborg seiner Zeit voraus.“ Seine wissenschaftlichen
Arbeiten in Mathematik, Physik, Mechanik, Astronomie, Metallurgie, Chemie,
Geologie, Magnetismus und Anatomie waren nie Selbstzweck und erschöpften sich
nicht in den Ergebnissen dieser einzelnen Disziplinen, sondern dienten ihm
immer nur als Hilfsmittel, als Material für die Lösung jener philosophischen
und im Grunde religiösen Fragen nach Gott und den letzten Dingen. Das ist das vielleicht Einzigartige
und Großartige an Swedenborg, dem Wissenschafter, und unterscheidet ihn
grundsätzlich und wesentlich von den Wissenschaftern unserer Zeit. Wir sind
heute daran gewöhnt, daß die Naturwissenschafter ihr Fachgebiet rein
materialistisch betrachten, so als ob es unabhängig wäre von jedem
Zusammenhang mit den höheren, mit den geistigen Welten, so als ob die
Ursachen allen Geschehens auf der natürlichen Ebene lagen und aus der Natur
entsprängen, und so als ob die Natur und die Welt auf Gott und seine einwirkenden
Kräfte verzichten könnte. Im Grunde genommen sind unsere heutigen
Naturwissenschaften atheistisch. Zwar gelten nicht alle modernen
Naturwissenschafter und Philosophen von einer ausgesprochenen Leugnung Gottes
aus; viele sind einfach agnostisch, d.h. sie lassen die Frage nach Gott
beiseite. Aber der ganze Trend unserer Zeit geht dahin, für alles eine
natürliche und materialistische Interpretation zu suchen. Swedenborg will aber die wahren
Beziehungen aufdecken zwischen der Natur und Gott, also zwischen den
wissenschaftlichen Tatsachen und den Lehren der göttlichen Offenbarung. Oder anders ausgedrückt: Er
betrachtet die Natur und alle ihre Erscheinungen in Verbindung mit der
Überzeugung und dem Glauben an göttliche Liebe und göttliche Weisheit, weil sie
die Schöpferischen und erhaltenden Kräfte hinter bzw. in allen Dingen sind. Man mag zwar die Auffassung vertreten, seit Swedenborg habe die
Wissenschaft auf allen Gebieten so große Fortschritte gemacht, daß das Wissen
seiner Zeit keine Grundlage für heute mehr bilden kann. Dem ist
entgegenzuhalten, daß es nicht auf die einzelnen Tatsachen, sondern auf die
Grundthemen der Swedenborgschen Naturerkenntnisse und ihre philosophische
Verarbeitung ankommt. Seine naturwissenschaftlichen Arbeiten und seine Philosophie
waren ein kühner Vorstoß in ein völlig unbearbeitetes Gebiet menschlichen
Denkens, und diese Systematik hat bleibende Bedeutung. Die wissenschaftliche
Entwicklung seit Swedenborgs Zeiten hat uns nicht von den Ideen entfernt die
in seinen Werken enthalten sind, sondern hat uns viel Material an die Hand
gegeben, um Seine Werke besser zu verstehen und zu zeigen, daß es eine innere
Natur gibt, die sich in der Welt von Raum und Zeit manifestiert. Bleibenden
Wert hat sein Denken vor allem auch dadurch, daß er bestimmte fundamentale
Lehrsätze aufgestellt hat, womit wir die göttliche Schöpfung anhand der Natur
verstehen können. Dazu gehört die Lehre von den Graden, in welcher unterschieden
wird Zwischen dem, was zusammenhängt (continuum) und dem, was getrennt oder
stufenartig (discretum) ist; dann die Lehre von den Formen, wodurch wir
Realitäten in der Natur, im menschlichen Inneren, also in der Psyche, und
auch Realitäten in der geistigen Welt erkennen; dann die Lehre von den
Entsprechungen welche weit mehr als Ähnlichkeiten und Analogien bedeuten und
es möglich machen, die Beziehungen zu erkennen zwischen dem, was auf
verschiedenen Ebenen des Seins ist oder geschieht. In seinem Streben nach den höchsten Zielen der Erkenntnis versuchte
Swedenborg, wenn möglich, die innere Natur zu entdecken und zu finden, wo die
lebendige Kraft ist, die die Lebensvorgänge bewirkt, und wo die Seele, diese
lebende Essenz, im menschlichen Körper vorhanden ist und wie sie geartet ist.
Zuerst ging er daran, die Beziehungen aufzudecken die zwischen dem Universum
und Gott bestehen, der es geschaffen hat und fortwährend erhält; dann wollte
er die Beziehungen zwischen der Natur und dem Übernatürlichen, zwischen
Körper und Seele, finden. Diese Fragen waren immer als undurchdringliches Mysterium
angesehen worden. Auch die philosophischen Denker unserer Tage meinen es;
aber sie gingen dazu über, alles Übernatürliche zu leugnen, weil alles menschliche
Denken abhängig ist von den Vorstellungen, die sich aus den Wahrnehmungen der
körperlichen Sinne ergeben. Tatsächlich kann der Mensch nur denken in
Begriffen von Raum und Zeit, Größe, Form, Maß, Bewegung usw. Wollten wir
versuchen, unser Denken von solchen Begriffen zu lösen, so bliebe nur ein
Vacuum. Aber diese Begriffe können der übernatürlichen Welt nicht zugeordnet
werden. Das ist das große Dilemma. Nun gehören aber zum menschlichen Erfahrungsbereich nicht nur die
Vorgänge in der Natur, der Physis, sondern darüber hinaus auch die Dinge der
Metaphysik wie Liebe, Wille, Leben, Bewußtsein. Sie sind nicht der
Vorstellungswelt der Natur entnommen und nicht aus ihr abzuleiten. Die
übliche Philosophie, die auf der natürlichen Vorstellungswelt aufbaut, ist
deshalb unzureichend, stückhaft. Man könnte sie die experimentelle
Philosophie nennen. Swedenborg beschritt ganz neue Wege, indem er die Natur
und die Vorgänge in ihr als Wirkungen erkannte, deren Ursachen auf einer ganz
anderen Ebene liegen. Sein philosophisches Problem war: Wie verursacht die übernatürliche
Welt die Erscheinungsformen der natürlichen Welt? Wie greift die
übernatürliche Welt in die natürliche Welt ein? Oder noch anders: Auf welche
Weise können die natürlichen Erscheinungsformen zurückgeführt werden auf ihre
über der Natur liegenden Ursachen? In seinem ersten großen theoretischen Werk Principia rerum
naturalium gibt er eine tiefgründige Theorie des Ursprungs der Dinge,
also eine Theorie der Schöpfung. Swedenborg schreibt dazu: “Wenn alle unsere
Bemühungen zu einem guten Ende kommen sollen, so müssen sie mit dem
Unendlichen d.h. mit Gott beginnen. Der Anfang aller Dinge liegt in Gott.
Alle endlichen Dinge haben in ihm ihren Ursprung. Von ihm haben wir unsere
Seele und aus ihm leben wir. Durch ihn sind wir gleichzeitig sterblich und unsterblich.
Kurz: Alles verdanken wir Gott.“ So oder ähnlich haben zwar auch andere
christliche Philosophen gedacht, aber dann gerieten sie schon beim ersten
Schritt in große Verlegenheit bei der Frage: Hat die Schöpfung aus schon vorhandenen
Teilchen oder Elementen begonnen? Da sie das nicht erkennen konnten, flüchteten
sie in die mystische Absurdität, Gott habe die Welt aus Nichts geschaffen. Swedenborg sagt aber etwa so: Gott setzte seine unendliche Liebe und
Weisheit in Bewegung auf das Ziel einer Schöpfung. Dadurch setzte er der von
ihm ausgehenden Kraft schon eine Begrenzung. Erschaffen ist im eigentlichen:
Begrenzen des Unendlichen. In diesem Begrenzen entsteht Endliches. Die Begrenzung
setzt sich fort durch immer neue Stufen oder Grade hindurch bis zu den
letzten materiellen Dingen, die etwa die Mineralien sind. In ihnen ist die
Kraft des Unendlichen nahezu zur vollen Ruhe gekommen. Heute wurde die
Wissenschaft diese im Weltall begrenzt gewordene Kraft des Unendlichen
Energie nennen. Nun sagt die heutige Wissenschaft aber auch: Energie und
Materie sind umwandelbar; Materie kann in Energie verwandelt werden, z.B.
durch einfachen Verbrennungsvorgang Holz oder Kohle verbrennt und ergibt
Wärmeenergie. Oder: Prallt im Atom ein Elektron mit einem Proton zusammen, so
verschwinden sie als Substanzen und es entsteht das, was wir Atomenergie
nennen. Der umgekehrte Vorgang aber, nämlich die Verwandlung von Energie in
Materie ist Schöpfung, Erschaffen, das nur Gott möglich ist. Das kann uns
dazu verhelfen zu erkennen, daß alles aus der Kraft Gottes erschaffen wurde. Die Wissenschaft nimmt allerdings an, die Energie sei aus sich
vorhanden, denn wissenschaftliche Methoden können nicht über das
Experimentelle hinaus ins Geistige, Unendliche, ins Göttliche greifen.
Deshalb gilt heute die Existenz eines Schöpfers, also Gott, nicht als
notwendige Arbeitshypothese in Naturwissenschaft und Philosophie. Swedenborg
lehrt, daß die Kraft von Gott her durch die innere Natur hindurch wirkt.
Durch die vielen Stufen hindurch wird die Kraft immer weiter begrenzt, und
sie wirkt durch die Stufen hindurch nach den Gesetzen der Reihen, der Grade,
der Formen und Entsprechungen. Wir sahen schon: Die wissenschaftliche Entwicklung seit Swedenborgs
Zeiten hat uns nicht von den Ideen entfernt, die in seiner Philosophie
enthalten sind, sondern hat uns viel Material an die Hand gegeben, um eben
diese Philosophie besser zu verstehen. Das sei kurz gezeigt an der modernen
Atomtheorie. Sie sagt, die Atome, aus denen alle natürlichen Substanzen
bestehen, setzen sich zusammen aus Elektronen, Protonen und Neutronen: diese
bewegen sich mit so unvorstellbarer Geschwindigkeit, daß von der inneren
Struktur jedes Atoms eigentlich nur als von einem Kraftfeld gesprochen werden
kann. Swedenborg spricht von der Begrenzung der unendlichen Kraft Gottes bis
zur Materie. Findet seine Lehre nicht eine Bestätigung durch die Atomtheorie? Wir sind geneigt zu fragen: Warum befaßte sich Swedenborg so
ausführlich und ins einzelne gehend mit der Schöpfung und der Entstehung der
Materie, die doch dem Menschen gegenüber, um den es ihm letztlich allein
geht, gewissermaßen tot ist? Darauf ist zu antworten: Er hatte erkannt, daß
es absolut notwendig ist, zuerst die Natur oder den Makrokosmos und die
Schöpfung als Ganzes zu verstehen, wenn man den Mikrokosmos Mensch verstehen
will. Denn da, wo die unendliche Kraft Gottes durch die immer weitere
stufenweise Begrenzung gewissermaßen zur Ruhe gekommen ist, im Mineral des
Naturreichs, da beginnt die große Umkehr durch das Pflanzenreich und Tierreich
hinauf zum Menschen, dem eigentlichen Ziel der Schöpfung, dem Menschen, der
aufnahmefähig ist für die von Gott ausströmende Liebe, der mit seiner Liebe
Gott anbeten und sich mit ihm verbinden kann. Die inneren Stufungen des Menschen
entsprechen den Stufungen der äußeren Schöpfung. Der Mikrokosmos, der Mensch,
steht in Entsprechung zum Makrokosmos, der großen Schöpfung. Nach dem Makrokosmos wandte sich Swedenborg konsequenterweise dem Mikrokosmos
zu. Das geschah vorwiegend in den zwei großen Werken Regnum Animale
und Economia Regni Animalis, d.h. vom Reich der belebten Dinge und vom
Reich der Seele. Ausgangspunkt war auch hier, daß alle Dinge von der
göttlichen Liebe und Weisheit erschaffen sind. Swedenborg ging also auch bei
der Suche nach der Seele von der Anerkennung Gottes aus. Auch hierbei
unterscheidet er sich grundsätzlich von den wissenschaftlichen Philosophen
und Psychologen seiner Zeit und bis herab in unsere Zeit. In modernen Abhandlungen
spricht man nicht einmal mehr von der Seele. Zwar gibt es Seelentheorien über
Tiere, und man spricht auch von einem primitiven Animismus, aber es wird kein
Versuch gemacht, nach den Ursachen zu forschen, obwohl man doch meinen
sollte, daß die wissenschaftliche Psychologie nach den inneren Ursachen
mentaler Vorgänge sucht. Es scheint, daß die Psyche, also das Material, mit
dem die Psychologie ausschließlich umgeht, einfach als vorgegeben hingenommen
wird, so wie die Naturwissenschaft die Energie als vorhanden voraussetzt.
Schon Swedenborg sah, daß die Wissenschaft in diesem Trend immer mehr in Materialismus
sinken mußte und damit zusammenhängend in Zweifel an Gott und in die Leugnung
eines Lebens nach dem Tod. Er sagt aber: Die Existenz Gottes ist eine
notwendige Wahrheit in jeder gesunden Philosophie. Und er hoffte, die Seele
mit analytischen Untersuchungen im menschlichen Körper zu beweisen. Er war
davon überzeugt, daß die Tätigkeit der Seele ihr Zentrum im Gehirn hat.
Dieser Ort ist das innerste Sensorium, und an dieser Grenze endet der Aufstieg
des körperlichen Lebens, jenseits dieser Grenze beginnt das Leben der Seele
als eines geistigen Wesens. Dazu lehrt Swedenborg: Wir sind organische Wesen, durch welche die
unteren Dinge aufsteigen und die höchsten herabsteigen. Die unteren Dinge oder
niederen Wahrheiten erreichen unser Inneres auf dem Weg über die Sinne; die
höheren Wahrheiten kommen zu uns auf dem Weg der Intuition oder des Gewahrwerdens
oder Innewerdens (der perceptio). (Wenn wir nur den höheren Wahrheiten den
Namen Wahrheit geben, und die sogenannten niederen Wahrheiten als Tatsachen
oder Wirklichkeiten bezeichnen dann ist die Unterscheidung viel leichter!).
Die durch die unteren Stufen oder Lebensgrade eindringenden Tatsachen und
Wirklichkeiten und die von der oberen Stufe oder dem oberen Lebensgrad
einfließenden höheren Wahrheiten treffen zusammen im mittleren Lebensgrad des
menschlichen Inneren; Swedenborg bezeichnet ihn in seiner Sprache mit Mens
Rationalis, was wir vielleicht mit “Inneres Gemüt“ übersetzen können. Wie die
beiden anderen Lebensgrade ist auch dieses innere Gemüt des Menschen eine
organische Form; sie wird angefüllt und erfüllt mit allen Liebearten und Wahrheiten,
die einerseits von oben, anderseits von unten kommen. Es sind Tugenden und
Laster. In dieser Stufe hat der Mensch seine Vernunft, beide zu erkennen,
zwischen beiden zu entscheiden; er soll das Gute aufnehmen und das Böse
verwerfen. Deshalb ist dies die eigentlich menschliche Stufe, nämlich die der
Fähigkeit zu denken, zu urteilen, frei zu entscheiden. Hier ist das Feld des
Kampfes zwischen Gut und Böse, Himmel und Hölle: hier verbindet sich das
Geistige mit dem Natürlichen; hier ist das eigentliche Menschsein, gebildet
aus Geistigem und aus Natürlichem. An diesem Ort des menschlichen Organismus
treffen sich auch Wissenschaft und Religion, und dort finden sie letzten
Endes zu ihrer Einheit zusammen bis hierher, auf diese mittlere Stufe, die
Stufe des rein Menschlichen, kann der Mensch sein Bewußtsein erheben, und von
hier fließt aus, was der Mensch als Ergebnis seiner Entscheidungen tut. Das ist auch die innere Bedeutung der Vision Jakobs, als er im Traum
eine Leiter sah, die auf der Erde stand: oben reichte sie zum Himmel und über
ihr stand Gott; die Engel Gottes stiegen auf ihr auf und ab. Die innere
Sinnbedeutung dieser Vision ist: Der Mensch ist so beschaffen, daß durch ihn
das Göttliche des Herrn herabsteigt bzw. einfließt bis ins äußerste
Natürliche und von diesem letzten der Natur wieder aufsteigt zum Herrn. Denn
der Mensch ist das Medium, das Mittel der Einung des Göttlichen mit dem Natürlichen
und der natürlichen Welt mit dem Göttlichen. An der Jakobsleiter obenauf ist
Gott. Das heißt aber: Bei einem jeden Menschen wie auch bei einem jeden Engel
ist eine innerste oder höchste Stufe, oder ein Innerstes und Höchstes, in
welches das Göttliche des Herrn zuerst einfließt. Dieses Innerste oder Höchste
kann genannt werden: Der Eingang des Herrn zum Engel und zum Menschen, und
seine eigentliche Wohnung bei ihm. Diese oberste Stufe im Individuum ist also
die organische Form oder das Gefäß, das erfüllt werden kann von allen Liebearten
und allen Wahrheiten, die von oben, d.h. von Gott einfließen. In diese
höchste Stufe des menschlichen Inneren wirkt der Geist ein, und das
Aufnahmeorgan ist die Seele. Alle diese Grundsätze sind von größter Bedeutung; sie bringen die
Vernunft des Menschen so in Ordnung, daß er die geistigen Wahrheiten
aufnehmen kann. Mit dieser Vorbereitung ist Swedenborg vom Herrn geleitet
worden, Schritt für Schritt, von Stufe zu Stufe, auch schon bevor ihm die
Sicht in die geistige Welt geöffnet wurde. Aus Swedenborgs Werk nach seiner Berufung. Swedenborgs Erfahrungen in der geistigen Welt begannen im Jahr 1743. Da
wurden ihm die geistigen Augen zum ersten Mal geöffnet. Die weitere Einführung
erfolgte von Stufe zu Stufe, bis er von April 1745 bis zu seinem Lebensende
mit Engeln und Geistern verkehren durfte, mit ihnen sprach wie ein Mensch mit
einem anderen Menschen. Er wurde stufenweise in das innere himmlische Licht
und in das Verständnis solcher Dinge eingeführt, die vom natürlichen Licht
her unmöglich zu sehen und zu begreifen sind. Die vom Herrn empfangenen
Erleuchtungen und das in der geistigen Welt Gesehene und Gehörte veröffentlichte
er in mehreren Büchern. Seine Hauptwerke sind: - Himmlische Geheimnisse im Worte Gottes - Vom Jüngsten
Gericht - Himmel und Hölle - Göttliche Liebe und
Weisheit - Die erklärte
Offenbarung des Johannes - Die enthüllte
Offenbarung des Johannes - Die Göttliche
Vorsehung - Die Eheliche Liebe - Die Wahre
Christliche Religion Aus seinem Buch “Himmel und Hölle“
erfahren wir den Aufbau und die Gliederung der Himmel und der Höhlen und
vieles über ihre Bewohner. Im allgemeinen gibt es drei Himmel, die den drei
Stufen des menschlichen Inneren entsprechen. Sie sind auch vorgebildet durch
die drei Stockwerke der Arche Noah und durch die Stiftshütte mit dem
Allerheiligsten, dem Heiligen und den Vorhöfen. In jedem der drei Himmel gibt
es unzählige Engelsgesellschaften. Im obersten Himmel leben alle Engel der
himmlischen Ordnung gemäß in der Liebe zum Herrn und seinen Wahrheiten. Ihre
Lebensfreude besteht darin, möglichst großen Nutzen für die anderen zu
schaffen. Die Ordnung in den Himmeln ist so vollkommen, daß alle Himmel
zusammengenommen in ihren Funktionen vor dem Herrn wie ein Mensch, der “Homo
maximus“, erscheinen. Im ganzen Himmel wird kein anderer Gott anerkannt als
der Herr allein. Die Engel können das Göttliche nicht in Drei aufteilen, weil
sie wissen und wahrnehmen, daß das Göttliche Eins ist und im Herrn ist. Jeder
Engel hat vollkommene Menschengestalt, und es besteht eine Entsprechung aller
Teile des Himmels mit allen Teilen des Menschen. Auch besteht eine
Entsprechung zwischen der natürlichen Welt und der geistigen Welt. Das
Natürliche besteht und entsteht aus dem Geistigen als Wirkung aus ihrer
geistigen Ursache. So steht also der Himmel und alles, was in ihm ist, in
einem Entsprechungsverhältnis zur natürlichen Welt und allem was in ihr ist. Der Mensch gehört gleichzeitig der geistigen und der natürlichen Welt
an. Alles, was in Seiner natürlichen Welt, d.h. seinem Körper, dessen Sinnen
und Handeln vorgeht, entsteht aus seiner geistigen Welt, d.h. seinem Willen
und Verstand, und heißt Entsprechendes, Abbildung, Abbild (correspondentia) Damit wir aber nicht falsche Begriffe von den Himmeln, von ihren
Bewohnern und überhaupt von der geistigen Welt bekommen, lehrt uns
Swedenborg, daß wir geistig denken müssen, unabhängig von Raum und Zeit, denn
geistige Dinge sind nicht an Raum und Zeit gebunden. Zwar scheinen auch dort
die Dinge abzulaufen im Zeitmaß von Stunden, Tagen und Jahreszeiten, und im
Raummaß von Plätzen, Orten und Gegenden. Aber diese Erscheinungen von Raum
und Zeit sind dort geistig und ergeben sich aus dem Zustand der Engel.
Solange die Engel in der frischen Aufnahme des göttlichen Geistes sind,
empfinden sie das als die Morgenstunde; wenn sie begierig das Licht der
Weisheit in sich aufnehmen, ist es für sie Mittag; sind sie erfüllt von der
Wärme und dem Licht ihrer Lebenssonne und haben sie daraus ihre Nutzwirkungen
für die Engelsgesellschaft vollbracht, in der sie leben, so erscheint es
ihnen, als sei es Abend, und sie ruhen, um sich für die erneute Aufnahme
alles Lebens aus Gott fähig zu machen. Licht entspricht der Wahrheit, Wärme
entspricht der Liebe, denn Wahrheit ist geistiges Licht. Liebe ist geistige
Wärme. Und so besteht auch ein Entsprechungsverhältnis des Himmels und des
Zustandes des inneren Menschen zu allen Dingen der Erde, zu ihrem Tierreich,
Pflanzenreich und Mineralreich. So stellt sich dort Inneres vermöge der
Entsprechungen im Äußeren dar, als schöne Gärten mit Pflanzen und Blumen,
Bäumen mit Blüten und Früchten. Die göttliche und die geistige Lehre und die
Lehrsysteme, in denen die Engel leben, erscheinen dort wie Städte und
sonstige menschliche Ansiedlungen, und sie haben daran ihre Freude und Seligkeit,
weil sie wissen, daß ihnen das alles entsprechend ihrem inneren von Gott gegeben
wird. So können wir mit Fug und Recht sagen: Durch Swedenborg ist die
geistige Welt für uns durchsichtig, erkennbar, begreifbar geworden. Auch in der Hölle gibt es die Dreiteilung, und in jeder Hölle gibt es
viele Gesellschaften von höllischen Geistern, die nichts von Gott wissen
wollen, sondern alles sich selbst, ihrer Vernunft und ihrer eigenen Großartigkeit
zuschreiben. Sie haben in ihrem Inneren nicht die Wärme und das Licht des
göttlichen Einflusses, weil sie ihn schon während ihres Erdenlebens ablehnten.
Deshalb müssen sie ihrer inneren Öde entsprechend in sandigen, rauhen und
kalten Gegenden leben, wo sie kaum etwas zu ihrer Nahrung finden, und ein
miserables Leben führen, weil eben ihr Geist nur ein schwaches, ärmliches
Leben hat. Sie haben sich nicht fähig gemacht, Aufnahmegefäß und Organ zu
sein für das aus Gott kommende Leben der Liebe und der Wahrheit. Der Mensch
ist Mensch nur im Maße dieser Aufnahmefähigkeit, und auch der Engel ist
nichts als Organ für die göttliche Liebe und Wahrheit. Swedenborgs Werke sind Lehrwerke. Sie entstanden aus den göttlichen
Erleuchtungen, die er in seinem Inneren, in seiner preceptio empfangen hat.
Was er überdies in den geistigen Welten, in den Himmeln und den Höhen gesehen
und gehört hat, gibt er meist als den Lehren angehängte “Denkwürdige
Erscheinungen“ wieder, die zum leichteren Verständnis der Lehren dienen. Er
schrieb diese “Denkwürdigkeiten“ also nicht wie eine sonderbare Lektüre zu
unserer Belustigung, sondern damit wir auch daraus lernen und begreifen, daß
die ganze geistige Schöpfung von der Liebe und Weisheit Gottes lebt und
erhalten wird, d.h. daß alle in den geistigen Welten Lebenden Gefäße oder
Organe für Gottes Liebe und Weisheit sind, und daß die natürliche Welt
gewissermaßen als äußerste Rinde und Schale geschaffen wurde, damit auf ihr
das Menschengeschlecht leben und sich geistig heranbilden und ausreifen kann
für den Übergang in die geistige Welt. Mit dem Ablegen des Körpers geht der Mensch in die geistige Welt
hinüber, jenachdem wozu er herangereift ist, in den himmlischen oder in den
höllischen Zustand und in die diesem Zustand entsprechende Umgebung. Meistens
geht eine kürzere oder längere Zustandsklärung in der Geisterwelt voraus, die
zwischen Himmel und Hölle liegt. Nicht willkürliche Gnade oder Prädestination
(Vorausbestimmung) bringt den Menschen in den Himmel oder in die Hölle,
sondern der während des Erdenlebens erreichte Zustand bewirkt es. Alle Engel in den Himmeln und alle Teufel in den Höllen sind aus dem
Menschengeschlecht. Das Menschengeschlecht ist die Pflanzschule, aus der in
freier Entscheidung die Bewohner der Himmel und der Höllen hervorgehen. Oft
wird angenommen, Engel seien Wesen einer höheren Lebensordnung als urgeschaffene
Wesen. Einige von ihnen hätten sich gegen die göttliche Autorität aufgelehnt
und seien ausgestoßen worden. So seien sie Teufel geworden. Swedenborg lehrt
dagegen: Nicht ein einziger Engel wurde ursprünglich als Engel geschaffen,
und kein Teufel der Hölle wurde als Lichtengel erschaffen und ist dann gefallen,
sondern alle im Himmel und in der Hölle stammen aus dem Menschengeschlecht,
nicht nur dieser Erde, sondern aller Erden. Und weil der Himmel aus dem
Menschengeschlecht ist und daher die Engel in ihm von beiderlei Geschlecht
sind, deshalb gibt es im Himmel auch Ehen wie auf der Erde. Der Geschlechtsunterschied
liegt primär im Geistigen, nur sekundär im Körperlichen, genau wie die ganze
Schöpfung aus dem Geistigen kommt und das Natürliche nur die letzte Grundlage
für das Geistige ist. Die Lehre Swedenborgs über die eheliche Liebe gibt dem
Menschen die überaus befriedigende Aufklärung und Hinweisung für sein eigenes
Leben. Aus dem Werk “Die Göttliche Liebe und
Weisheit“ sei folgendes zusammengefaßt: Gott ist der einzig
Lebendige, der einzig Seiende; alle geschaffenen Dinge haben von ihm ihr
Sein. Was von Gott geschaffen ist, hat aber nicht selbst göttliches Sein, sondern
alles Geschaffene ist Empfangsgefäß oder Organ, durch welches das Leben Gottes
wirkt. Leben und Kraft sind geistig, die Materie ist nur das Mittel, durch das
sie sich auf der natürlichen Ebene darstellen können. Das Geistige und das
Natürliche stehen zueinander wie Ursache und Wirkung, zwischen beiden besteht
also eine dauernde und enge Beziehung, ein Entsprechungsverhältnis. Und so
ist die natürliche Welt ein Abbild, ein Spiegel der geistigen Welt. Die Wahrheit, die unmittelbar vom Herrn als dem Unendlich-Göttlichen
ausgeht, kann von keinem lebenden Wesen, welches doch begrenzt ist, aufgenommen
werden, auch nicht von einem Engel. Der Herr schuf deshalb die Abstufungen
durch die die von Ihm ausgehende Wahrheit übermittelt und zum Teil aufgenommen
werden kann. So abgestuft ist die göttliche Wahrheit wie sie in den Himmeln
ist. In den weiteren Abstufungen wird sie von der Vernunft erfaßbar und
menschlich erfahrbar. Das göttliche Leben steigt so herab durch die Himmel in
die natürliche Welt, es fließt ein oder wird aufgenommen je nach dem Zustand
und der Aufnahmefähigkeit des Engels und des Menschen. Das Einfließen ist
aber nicht wie das Zusammenfließen eines Dinges mit einem anderen, so wie
Flüssigkeiten in einem Gefäß zusammengegossen werden, denn Unendliches kann
sich nicht mit dem Endlichen mischen. Das Unendliche kann vom Endlichen nicht
einmal gefaßt und gehalten werden. Sondern Einfließen ist ein
Aufeinanderwirken. Das Unendliche, das durch endliche Substanzen und deren Stufen
wirkt, verändert dabei seine Wirkung, sie gleicht sich an und verhält sich
entsprechend dem Aufnahmeorgan. Es wurde schon dargelegt, daß auch im Menschen verschiedene Stufen von
Organen und Kräften sind. Eine Stufe ist innerhalb der anderen, die geistige
Stufe ist innerhalb der natürlichen. Und doch ist jede Stufe getrennt von der
anderen und behält ihre ursprünglichen Eigenschaften, ohne daß ein Zusammenfließen
in eine Mischung erfolgt. Das nennt Swedenborg getrennte, nicht
zusammenfließende (discrete) Stufen oder Grade. So sind z.B. Wirkung und
Ursache getrennt, und doch finden wir in der Wirkung die Ursache wieder; und
in der Ursache steckt der Endzweck, der eigentlich die Ursache der Ursache
ist. Der Endzweck gehört dem Geistigen an. Entsprechend verhält es sich mit
den Organstufen. Das kann kurz auch so ausgedrückt werden: Alles geht von
Gott aus. Das von Ihm Ausgehende ist in allen geistigen Dingen zu finden, und
beides zusammen in der natürlichen Wirkung. Und doch ist Gott nicht vermischt
mit der Natur, sondern er bleibt Gott und ist nicht selbst die Natur und auch
nicht selbst die geistige Welt. Seine Wirkungen sind in der geistigen Welt
und durch diese in der natürlichen Welt. Bisher wurde etwas abstrakt von Gott, vom Unendlichen, von dem von Ihm
ausgehenden Leben und Seiner Kraft gesprochen, aber der Grundstein der durch
Swedenborg wieder aufgedeckten Gotteslehre, den wir in allen seinen Werken
finden, ist: Jesus Christus ist Gott in Person und Wesen. Die ganze Dreieinheit
ist in Jesus Christus. Er ist nicht einfach die zweite Person in einem
Dreipersonengespann, einem Triumvirat. Bei dem einheitlichen Gott wird Vater
genannt, was das Innere des Göttlichen ist. Kein Mensch kann es sehen oder
erfassen; es ist die unerschöpfliche, unaussprechbare Liebe Gottes. Diese
Liebe gab und gibt den Anstoß zu allem, was aus ihm hervorgegangen ist und
hervorgeht. Alles ist aus der göttlichen Liebe geschaffen. Und diese innerste
göttliche Liebe ist eins mit der göttlichen Weisheit. Seine Weisheit bildet
die Ideen, die der Schöpfung zugrunde liegen. Sie stellt sich uns erkennbar
dar als das Wort, das Fleisch geworden ist. Das ist der Sohn. Die
damit verbundene Kraft, die ausstrahlt und wirkt, nämlich aus der göttlichen
Liebe durch die göttliche Weisheit, ist der Heilige Geist. In der
Person des göttlichen Erlösers sind die drei vorhanden und eins. Gott nahm die menschliche Natur an, damit er die bösen Geister, die ihn
in seinem Menschlichen angreifen durften, besiegen und so die Menschheit
erlösen konnte. Es ist also nicht so, daß er als Unschuldiger die Stelle des
Schuldigen übernahm, daß er stellvertretend für den sündigen Menschen litt.
Die Erlösung wird für den Menschen nur wirksam, wenn er sein Inneres umkehrt,
Gott anerkennt, die göttlichen Lehren in sich aufnimmt, mit seiner Liebe
erfaßt und danach lebt. Gott gibt die Kraft dazu, denn er hat in seinem
Menschlichen das Böse überwunden. Die Gotteslehre bildet in jeder Kirche das Kernstück; davon hängt
unsere Vorstellung von Gott, von seinem Verhältnis zur Schöpfung und zum
Menschen ab. Und jeder Mensch bekommt im geistigen Reich und in den Himmeln
den Platz, der seiner aus Liebe gebildeten Vorstellung von Gott entspricht. Die Lehre vom Herrn finden wir ausführlich in Swedenborgs Werk “Die Wahre Christliche Religion“. Es enthält des
weiteren die Lehren des Neuen Himmels und der Neuen Kirche über die Heilige
Schrift, über Glauben, Nächstenliebe, Willensfreiheit, über Buße und
Wiedergeburt, über Sündenvergebung, über die Taufe, das Heilige Abendmahl
usw. Die Lehre über die Heilige Schrift ist etwas vollständig Neues und
Einzigartiges und bringt weitreichende Erkenntnisse. Die Heilige Schrift
ist das Wort Gottes, und in ihr ist die göttliche Wahrheit selbst. Weil
das Wort auch für die unterste Stufe, d.h. die natürliche Ebene besteht, ist
es dieser angemessen worden und im natürlichen oder Buchstabensinn
geschrieben. Mit anderen Worten: Das Göttliche und Geistige ist in Erzählform
gekleidet von Völkergeschichte, Menschenschicksalen und Naturereignissen.
Aber alle diese Erzählungen haben einen inneren geistigen Sinn. Swedenborg
sagt: “Im letzten, untersten Sinn ist das Wort natürlich, im inneren Sinn
geistig, im innersten Sinn himmlisch. Durch alle diese Sinnbedeutungen geht
das Göttliche.“ So nimmt die göttliche Wahrheit verschiedene Formen an, indem
sie von Gott durch die Himmel bis zur Erde herabsteigt. Der geistige Sinn
erscheint nicht unmittelbar aus dem Wortlaut, sondern ist in ihm versteckt,
so wie der Gedanke in der Rede oder die Seele im Körper. Je nach unserer Aufnahmefähigkeit
oder unserem Reifezustand erkennen wir den geistigen Sinngehalt oder nur den
natürlichen Wortlaut; sie stehen durch die Entsprechungen in einer Beziehung
zueinander. Die drei Stufen des engelischen und des menschlichen Inneren — die
natürliche (beim Engel heißt sie die natürlich-geistige) Stufe, die rein
innere oder geistige Stufe und die himmlische Stufe — drücken auch die
Aufnahmefähigkeit für die verschiedenen Sinnbedeutungen der Heiligen Schrift
aus. Oder anders ausgedrückt: Der Mensch und der Engel nimmt diejenige
Sinnbedeutung auf, für die sein Inneres ausgereift und geöffnet ist. Ist das
Innere des Menschen und des Engels nur für die natürliche Sinnbedeutung geöffnet,
so ist er im untersten oder natürlich-geistigen Himmel; ist er geöffnet für
die geistige Sinnbedeutung, so befindet er sich im mittleren oder geistigen
Himmel; ist er geöffnet für die himmlische Sinnbedeutung, so befindet er sich
im obersten Himmel. Die drei Stufen des inneren Menschen oder besser gesagt die drei Stufen
der Geistgestalt des Menschen und des Engels sind in der Heiligen Schrift
dargestellt durch die drei Naturreiche, Das Mineralreich mit seinen Felsen,
Mineralien, Flüssigkeiten und Gasen bilden all das vor, was in der menschlichen
Natur bewegungslos und leblos ist, d.h. die Anlagen und Neigungen und das
Gedächtniswissen. Das Pflanzenreich bildet vor, was in unserem Willen und in
unseren Gedanken vor sich geht. So sprechen wir und spricht der Herr in
seinen Gleichnissen davon, daß die Saat der Wahrheit gesät wird, daß Ideen
keimen, Wurzel fassen und reifen. Das Tierreich stellt dar, was im inneren
Menschen lebendig geworden ist, d.h. sein Wollen, sein Denken und sein Tun. Die Bibel handelt also nur von geistigen, himmlischen und göttlichen
Dingen, sie spricht diese aber in natürlicher Form aus. Deshalb ist sie nur
in solchen Entsprechungen geschrieben, und sie ist voll von diesen
Entsprechungen. Überall wo in der Bibel von Steinen, Pflanzen, Tieren,
Menschen die Rede ist, sieht das geistige Verständnis nicht diese natürlichen
Dinge, sondern das, was ihnen entspricht und im geistigen Licht steht, d.h.
niedere bzw. höhere und vollkommenere Formen der Einwirkung der göttlichen
Liebe und Weisheit in die Geistgestalt des Menschen und des Engels. Das ist auch der Fall bei den oft abstrus erscheinenden Erzählungen und
Vorkommnissen in der Offenbarung des Johannes. In zwei Werken hat Swedenborg
die innere Sinnbedeutung aller Kapitel der Offenbarung des Johannes
aufgedeckt und ausführlich erklärt. Auch die ganze Schöpfungsgeschichte im 1.
Buch Moses ist nichts anderes als die in Entsprechungen ausgedrückte
Schilderung des geistigen Werdegangs oder der Wiedergeburt des Menschen in
den aufeinanderfolgenden Stufen. Weil nur der Buchstabensinn der Heiligen Schrift, nicht aber die
Entsprechungen des geistigen und himmlischen Sinns bekannt waren, sind so
viele Irrtümer und falsche Lehren entstanden. Zu diesen Irrtümern gehört auch
das falsche Verständnis alles dessen, was der Herr vom sogenannten Ende der
Welt, vom “Jüngsten Gericht“ und von seinem Wiederkommen sagte. Gestützt auf
das 24. Kapitel des Matthäus (und die etwa gleich lautenden Markus 13 und
Lukas 21) sowie auf die letzten Kapitel der Offenbarung des Johannes ist die
Auffassung der beiden großen Konfessionen der christlichen Kirche die,
Christus würde in den Wolken des Himmels wiederkommen alle Menschen (die
Lebendigen und die Toten) versammeln, um Gericht zu halten; die Heiligen
würden mit ihrem Herrn in den Himmel auffahren, und die Welt würde durch
Feuer zerstört werden. Dann würde ein neuer Himmel und eine neue Erde geschaffen
werden, und Christus würde von Ewigkeit zu Ewigkeit regieren. Jedoch kann man
nur aus dem geistigen Sinn, der hinter dem Buchstabensinn versteckt ist, erkennen,
was diese Darstellungen bedeuten. Danach hat die Wiederkunft Christi bereits
stattgefunden, und zwar als er Seinem Diener den geistigen und himmlischen
Sinn seines Wortes öffnete und sich als der alleinige Herr und Gott in aller
Herrlichkeit manifestierte. Und weil alles, was auf der Erde, also auch beim
Menschen dieser Erde bewirkt wird, seine Ursache im geistigen Reich hat,
mußte diese Klarheit zuerst dort, im geistigen Reich, wiederhergestellt
werden. Das geschah beim Jüngsten Gericht, welches in der geistigen Welt
stattgefunden hat. Es war die Voraussetzung für den Durchbruch des
himmlischen Lichts bis auf die Erde, bis in den menschlichen Bewußtseinsbereich. Durch das Jüngste Gericht ist im Himmel alles neu geworden. Und das aus
dem neuen Himmel herabsteigende geistige Licht macht in den Menschen, die es
aufnehmen, die Neue Erde, die im 21. Kapitel der Johannes-Offenbarung
vorausbeschrieben wurde. Das also ist der neue Himmel und die neue Erde. Es wurde schon gesagt, daß im Himmel die Lehren und die Lehrsysteme wie
Ansiedlungen und Städte erscheinen. So ist in den von Gott aus dem neuen
Himmel einfließenden Lehren das Neue Jerusalem auf die neue Erde
herabgekommen. Zeitwende — in ein neues christliches Zeitalter. Wird von einem neuen christlichen Zeitalter gesprochen, so wird meist
angenommen, es müsse durch Umstürze heraufgeführt werden, ähnlich einem Weltuntergang,
begleitet von all den apokalyptischen Schrecken, die so gerne vorgebildet
worden sind. Aber Zeitalter sind gekommen und vergangen, und wieder neue sind
gekommen. Jedes von ihnen läuft, unbeschadet mancher Explosionen, in
fließender Entwicklung ab, so wie es beim Lebenslauf eines Menschen
geschieht. Die Kindheit wird in langsamem Übergang abgelöst von dem
Jugendalter, dieses vom Mannesalter, und der Mensch erreicht die volle Reife,
um dann mehr oder weniger langsam ins Greisenalter hinüberzugleiten. Der
Mensch altert, weil er die wirkenden Lebenskräfte immer weniger aufnehmen
kann. In der Stetigkeit der Entwicklung liegt es begründet, daß Vorzeichen
und Anzeichen des neuen, des kommenden Zustands sich schon in der
vorhergehenden Zeitperiode zeigen, dann wieder scheinbar verschwinden, um
doch wieder, und häufiger, aufzutreten, bis sie dauernd da sind und die Dinge
der früheren Zeit völlig verdrängen. Die für alles Organische grundlegenden Begriffe: Geburt, Jugend, Reife,
Alter, Lebensdauer, Tod gelten auch für ganze Menschheitskulturen. So besteht
menschliche Geschichte aus gewaltig ausgedehnten Zeitläufen. Wir können ihre
Phasen auch mit Frühling, Sommer, Herbst und Winter oder Morgen, Mittag,
Abend und Nacht benennen. Dürfen wir aber auch für die Religionen und die Religionsgeschichte von
Zeitaltern sprechen? Und sehen wir solche Zeitalter, wenn wir den Blick auf
die Bibel, also das Alte Testament und das Neue Testament, werfen? Diese
Frage kann bejaht werden. Seit dem biblisch geschilderten Beginn der
Menschheitsgeschichte gab es mehrere Zeitalter oder Äonen; das erste ist das
mit Adam begonnene, das bis zur Sintflut reichte; das zweite begann mit Noah;
das dritte war das israelitische; das vierte das christliche Zeitalter. Der Verlauf dieser Zeitalter oder Äonen ist bezeichnet mit: Zeiten,
Zeitläufe und Erfüllung der Zeiten. Diese Worte haben nichts zu tun mit dem
technischen Zeitmaß von Sekunden, Stunden, Tagen und Jahren, die vom
astronomischen Ablauf bestimmt sind, sondern sie bezeichnen den Zustand, den
Entwicklungszustand der Gruppen oder, abstrakt, der betreffenden Kulturen und
Religionen. Natürlich gibt es innerhalb einer Gruppe unendlich viele Variationen,
und innerhalb ihres Gesamtzustands Einzelentwicklungen, so wie es in der
natürlichen Welt immer gleichzeitig Kinder, Jugendliche, Männer und Greise
gibt. Wir brauchen uns durch diese Vielfältigkeit aber nicht beirren zu
lassen in der Betrachtung der großen Entwicklungslinien, denen auch die Religionen
folgen von ihrem Beginn bis zu ihrem Ende. Es wurde gesagt, das vierte der biblisch genannten Zeitalter sei das
christliche. An welchem Punkt seiner Entwicklung seines Ablaufs stehen wir?
Dazu sagte ein berühmt gewordener Theologe: Wir gehen einer völlig religionslosen Zeit entgegen; die Menschen
können einfach so wie sie einmal sind, nicht mehr religiös sein. Auch
diejenigen, die sich ehrlich als religiös bezeichnen, praktizieren das in
keiner Weise. Die Zeit der Religion ist vorbei. Der Mensch hat gelernt, in
allen wichtigen Fragen mit sich selbst fertig zu werden - ohne Zuhilfenahme
der „Arbeitshypothese“ Gott.
(Bonhoeffer) Und wir hören aus psycho-analytischer Sicht auf Grund langer Forschungen: Die Zeit dessen, was nach außen christlicher Glaube oder Religion zu
sein scheint, nähert sich ihrem Ende. Die Zeit des Christentums, das
christliche Zeitalter, geht zu Ende.
(Affemann) Das sind schwere Urteile! Sind sie richtig? Können die Abläufe dieses
christlichen Zeitalters bis zu einem solchen Endzustand erkannt werden? Und
welches sind die Ursachen? Dieses christliche Zeitalter erlebte seine Kindheit seinen Morgen oder
Frühling in der apostolischen Zeit, als Jesus selbst all das lehrte, was in
den Evangelien aufgeschrieben wurde und als die Apostel die Lehren mündlich
und schriftlich weitergaben und auslegten. Die erste Christenheit nahm sie in
kindlicher Einfalt und Herzlichkeit auf. Die Kirchengeschichte der ersten drei Jahrhunderte zeigt dann den
Übergang in die Jugendzeit, wo alles begierig — intellektuell — aufgenommen
und verarbeitet wurde, und wo die Einflüsse der Religionen und Philosophien
der Umwelt einwirkten und zu verstandesmäßiger Verarbeitung drängten, wo auch
sogenannte Irrlehren auftraten und heftig bekämpft wurden. Auf mehreren
Konzilen wurden theologische Lehrsätze aufgestellt, besonders über die
Lehrautorität, die Trinität über den Glauben und anderes mehr. Seitdem das
Christentum Staatsreligion wurde, fand es äußerlich eine weite Verbreitung,
aber es darf bezweifelt werden, daß das innere Wachstum damit Schritt hielt.
Es trat eine gewisse Erstarrung ein, die dogmatisch ihren Ausdruck in der
Scholastik fand. Scholastik, Philosophie, Aufklärung, Mystik. Die Scholastik wollte das System der kirchlichen Dogmen vor der
Vernunft rechtfertigen. Der Versuch, die Lehren der Kirche auf
philosophischem Weg auch zu begründen, fand aber bald seine gefährliche Konsequenz
darin, daß das philosophische Denken, je mehr es erstarkte, umso
selbständiger und selbstbewußter wurde und umso kühner sich den Dogmen kritisch
gegenüber stellte. Die Philosophie des Mittelalters wandte sich ab von der metaphysischen
Begründung der allgemeinen Begriffe, hin zu den sensualistischen Theorien
über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis. Dabei hat sie die
merkwürdigsten Gegenpositionen bezogen, einerseits in der Mystik,
andererseits im Skeptizismus, der in allen Ländern der christlichen Kultur,
wo philosophiert wurde, zu finden ist. Gewaltige Veränderungen im Denken des christlichen Kulturkreises
ergaben sich besonders seit den Anfängen der Naturwissenschaft, und vor
allem, als das ptolemäische System, auf dem die Scholastik fußte, durch das
kopernikanische über den Haufen geworfen wurde. Die naturwissenschaftliche
Weltanschauung forderte das Recht der freien Forschung gegenüber der
Orthodoxie. Und die damit verbundene Naturphilosophie beansprucht, die Natur
als die Offenbarung Gottes zu betrachten. So vollzog sich die Trennung von Philosophie und Theologie. Der aus der
Skepsis geborene Empirismus schließt die Erkenntnis der Gottheit und der
menschlichen Seele von der wissenschaftlichen Forschung aus: für die
philosophische Erkenntnis bleibe nur die Natur, und der wahre Zusammen hang der
Dinge sei der der mechanischen Kausalität. So verfiel die Philosophie in den Naturalismus, der alle religiösen
Fragen ausschließt und meint, die Möglichkeiten der Erkenntnis ergäben sich
ausschließlich aus der Natur. Dann kommen die moralischen und religiösen Aufklärer. Sie sind
Rationalisten, die den Ausgangspunkt und das Selbstbewußtsein in der Vernunft
suchen. Für sie ist die Selbstherrlichkeit der Vernunft die Grundlage aller
Wissenschaft. Das selbstbewußt gewordene Denken verlangt, nach allen Seiten
hin sich selbst die Gesetze zu geben, in vernünftiger Überlegung selbst die
Prinzipien des Tuns und Lassens zu finden, und über sich selbst keinen
anderen Richter anzuerkennen. Neben all diesen Bewegungen geht aber auch die Mystik jahrhundertelang
einher, in der späteren Form des Pietismus mit seiner Sehnsucht nach
Gottliebe und Gotterkenntnis. Der Versuch, Mystizismus und Rationalität
miteinander zu verbinden, daß sie einander durchdringen, ist mißlungen (vgl.
Böhme, Pascal). In all diesen Entwicklungen handelt es sich natürlich nicht nur um
erkenntnistheoretische Prinzipien, sondern letzten Endes geht es um die Frage
nach der Wahrheit. Denn in der Frage: Wie erkennt der Mensch? liegt schon
vorher die Frage: Was liegt vor, oder was ist zu erkennen gegeben, oder
schlicht: Was ist Wahrheit? Aus den vielerlei erkenntnistheoretischen Prinzipien, die wir in großen
Zügen und in Etappen verfolgt haben, entsteht somit die erschütternde Frage:
Gibt es viele Wahrheiten, ebenso viele wie Erkenntnisprinzipien? Gibt es
sinnliche Wahrheit, und in der Natur liegende Wahrheit, und Vernunftwahrheit,
und mystische Wahrheit, und religiöse oder Gotteswahrheit? Gibt es äußere
Erfahrungswahrheiten und innere Erfahrungswahrheiten, und solche, die
jenseits einer Grenze liegen, einer Grenze, die der Mensch nicht übersteigen
kann? Und kommen diese dann zum Menschen, weil er sie nicht selbst hätte
finden können? Und gibt es eine Versöhnung zwischen diesen vielen Wahrheiten
und zwischen den vielen Arten von Erkenntnisfähigkeiten? Es ist ein leidenschaftliches Schauspiel, das diese Kämpfe innerhalb
der Kultur dieses christlichen Zeitalters dem Beobachter bieten. Auf diese
Kämpfe konnte nicht verzichtet werden, weil der einzelne Mensch daraus seine
Anschauungen gewinnen und Prinzipien bilden konnte, die seine innere
Landschaft ausmachen, die Ebene der mens humana, das menschliche Innere. Andere Kulturkreise haben in den Auseinandersetzungen und Kämpfen ihrer
führenden Geister z.T. ganz andere Ergebnisse hervorgebracht. Ihre geistigen
Landschaften erzeugten dort deshalb auch ganz andere Früchte. Man kann nicht
sagen: richtig oder falsch, sondern anders. Das Kriterium liegt nicht in der
rationalen Betrachtung, sondern auf höherer Ebene. Es liegt auch in der logischen Folge der kulturellen Entwicklung, daß
die Frage nach der Erkenntnisfähigkeit des Menschen sich ausweitete zu der
Frage nach der Zusammensetzung, nach dem Aufbau des Menschen, der der Träger
dieser Erkenntnisfähigkeiten und dieser Erkenntnisse ist. Und hier, in der
relativ jungen Wissenschaft der Psychologie kommen selbstverständlich auch
wieder alle Standpunkte vor, die wir als Ausgangspunkte der verschiedenen
philosophischen Systeme angetroffen haben. Ein besonderes Gebiet im menschlichen Denken machen die
Entwicklungstheorien aus. Auch hier widerstreiten so viele Ansichten wie es
Ansatzpunkte und Ausgangspunkte im menschlichen Denken gibt. Im Begriff der
Monade (Leibniz) wurde versucht, einen gemeinsamen Stoff zu haben: die
niederen Monaden für die Materie und die höchste Monade für die Gottheit. So
wollte man Materie, Vernunft und religiöse Wahrheit miteinander vereinbaren. Einfluß des historischen und wissenschaftlichen
Denkens. Es konnte nicht ausbleiben, daß die verschiedenen Richtungen der
Philosophie einen großen Einfluß ausübten auf die Theologie, ihre Dogmen und
die kirchliche Wirklichkeit. Das ist besonders der Fall seit der Epoche der
Aufklärung, also seit dem 17. und 18. Jahrhundert, d.h. seit dem Aufkommen
eines auf Vernunft und Erfahrung begründeten Verständnisses der Welt, der
Geschichte und des Menschen, und seit dem Aufkommen eines modernen
wissenschaftlichen und speziell historischen Denkens. Seither gibt es eine
historisch-kritische Bibelwissenschaft. Man kann sagen, die historisch-kritische
Bibelbetrachtung ist keine originär theologische, sondern eine abgeleitete
Erscheinung, beeinflußt von den philosophischen Ideen, denn sie erkennt als
Kriterien der Wahrheit nur die verschiedenen philosophischen Prinzipien an. In
ihr stellt der Mensch sich und seine Vernunft als obersten Maßstab, von dem
aus er glaubt, auch Gott beurteilen zu können.? Dabei vergessen die Rationalisten, daß die menschliche Vernunft auch
etwas von Gott Geschaffenes ist. Sie ist nicht ungeschaffen und nicht
unendlich, sondern begrenzt, und kann deshalb nicht ins Unendliche greifen,
sondern nur das erfassen, was wie sie endlich ist. Aus ihrer rational notwendigen Begrenztheit heraus meint die
historisch-kritische Bibelwissenschaft, die eigentümliche Form, in der die
religiösen Überzeugungen in den religiösen Urkunden niedergelegt sind, müsse
erklärt werden aus dem Geist der Zeit ihrer Entstehung. Dann trat aber der
historische Charakter der Betrachtung weit hinter den kritischen zurück. Die
Kritik setzte besonders gegen die Offenbarung ein. Die jüdische Offenbarung
sei unwahr, weil sie keiner der Anforderungen entspreche, die man an die
wahre Offenbarung Gottes stellen müsse. Die positive Offenbarung wird
verworfen, weil sie den Vernunftbegriffen vom Wesen der Gottheit
widerspricht. Hier kommt deutlich der sensualistische und rationalistische
Charakter der Kritik zum Ausdruck. Das Resultat dieser historisch-kritischen Untersuchungen der Bibel ist
denn auch: sie sei ein menschliches Machwerk und trage in jeder Beziehung die
Spuren davon an sich. Sie sei zwar historisch glaubwürdig, und die in ihr
erzählten Tatsachen hätten sich größtenteils wirklich zugetragen, aber da
keine göttliche Offenbarung als übernatürliche Wirksamkeit möglich sei,
bleibe nur übrig, daß es sich, wo angeblich Offenbarungen vorkommen, um
absichtliche Täuschungen handle. Wie sehr die Theologie abhängig geworden war von den Zeitströmungen in
der Philosophie zeigt sich daran, daß sie dieser philosophisch geprägten
historisch-kritischen Bibelbetrachtung nichts entgegenzusetzen hatte, sondern
sie völlig übernahm. Zu den modernsten Formen dieser philosophisch-naturwissenschaftlichen
Überflutung zählen die „Gott-ist-tot-Bewegung“ und die „Entmythologisierung“. Seit einigen Jahren ist Gott gestorben. Wenigstens behaupten nicht
wenige moderne Theologen und Philosophen: Gott ist tot. Die Bewegung ging, so
weit ich feststellen konnte, von der existentialistischen Leugnung der
Transzendenz Gottes aus. Das ist durchaus folgerichtig vom Ausgangspunkt der
Existentialphilosophie. Von hier aus gehen dann die verschiedenen Wege, die
in der „Gott-ist-tot-Bewegung“ zu finden sind. Die einen sagen, der Begriff
Gott sei völlig bedeutungslos geworden für den Menschen und so für unser
Bewußtsein nicht mehr existent. Andere gehen bis zur vollständigen Leugnung eines
Gottes über den Menschen. Nun ist es aber doch so: Die Transzendenz wird immanent, als die
Wirkungen Gottes; ohne diese Immanenz ist sie abstrakt und leblos. Aber auch
die Immanenz darf nicht absolut gesetzt werden. Reiner Immanentismus, der
sich absolut setzt und die Transzendenz leugnet, trennt den Strom von der
Quelle. Das gilt nicht nur für die Gottesanschauung, sondern auch für das
menschliche Leben. Wird es vergottet, so hört jedes authentische Leben auf;
will es ohne transzendente Beziehung gelebt werden, so beraubt es sich seiner
eigenen Quelle und kann nur vertrocknen und eingehen. Es ist aber von großem Interesse, daß es in der „Gott-ist-tot-Bewegung“
auch Theologen gibt, die zwar jeden transzendenten Gottesbegriff ablehnen,
aber doch darauf hinweisen, man solle sich mit dem sichtbaren, inkarnierten
(= Fleisch gewordenen) Gott Jesus Christus befassen*. * Anmerkung des Schriftleiters: Eins der kuriosesten Erlebnisse
meiner letzten USA- Reise (1967) bestand darin, daß ich an einem Kirchturm in
Riesenlettern las: „God is dead“ (Gott ist tot) und als ich um die Ecke
herumfuhr auf der anderen Seite: „Jesus is alive“ (Jesus lebt). Natürlich ist es schwer, eine so in fließender Entwicklung befindliche
Bewegung wie die des Existentialismus und die innerlich sehr eng mit ihr
zusammenhängende „Gott-ist-tot-Bewegung“ mit ausreichender Genauigkeit zu
überblicken, aber es scheint, daß gerade in Deutschland einige Verzerrungen
überbetont wurden, nämlich die, die das Göttliche nur immanent anerkennen und
Gott gleichsetzen mit des Menschen besserem Selbst. Die historisch-kritische Bibelbetrachtung führte zwangsläufig auch zu
dem Problem der Entmythologisierung. Was ist der Ausgangspunkt und was das
Ziel der Entmythologisierung? Ausgangspunkt ist die Auffassung, die Bibel enthalte Berichte, die
wegen ihrer Widersprüche zur Erfahrung unmöglich geschichtliche Tatsachen
sein können und deshalb Mythen genannt werden müssen. Mythisch sei das
Weltbild des Neuen Testaments, weil es die Welt in drei Stockwerke gliedert;
in der Mitte befinde sich die Erde, über ihr der Himmel und unter ihr die
Hölle. Mythisch sei die biblische Historie weil sie ihre Bewegung und
Richtung durch übernatürliche Mächte erhält. Mythisch seien die Wunder. Ein
Mythos sei es, daß dieser Äon, also dieses Zeitalter, seinem Ende zueile, und
zwar seinem baldigen Ende, das sich in einer kosmischen Katastrophe
vollziehen würde. Dem mythischen Weltbild entspreche auch die Darstellung der
Heilsgeschichte: ein Gottwesen erscheint auf der Erde als ein Mensch, stirbt
am Kreuz; durch seine Auferstehung werde der Tod zunichte gemacht; der
Auferstandene sei zum Himmel erhöht worden; er werde zu dieser Endzeit
wiederkommen auf den Wolken des Himmels; dann werden die Toten auferweckt zum
Gericht. Mythisch sei auch die Aussage von Gott als dem Schöpfer, vom Thron
Gottes im Himmel und vom Sitzen Christi zur Rechten Gottes. Kein erwachsener
Mensch stelle sich Gott als ein oben im Himmel vorhandenes Wesen vor; ja, den
Himmel im alten Sinne gibt es nicht mehr, und ebenso wenig gebe es die Hölle.
Das alles beweise die moderne Wissenschaft. Aber auch aus dem Selbstverständnis des modernen Menschen sei es ihm
unmöglich, den neutestamentlichen Glauben in dieser Form zu behalten. Der
moderne Mensch verstehe sich als ein einheitliches Wesen ohne den Eingriff
fremder dämonischer Mächte in sein inneres Leben. Das sind kurz gefaßt die Ausgangspunkte der Entmythologisierung. Das Ziel der Entmythologisierung bestünde darin, die vom mythologischen
Weltbild unabhängige Wahrheit herauszufinden, falls eine solche überhaupt
darin enthalten ist. Um dieses Ziel zu erreichen, sei es die Aufgabe der
Entmythologisierung, die christliche Botschaft aus ihrer mythischen Sprache
in die Sprache des heutigen Menschen zu übersetzen und die zeitgebundenen
Denkweisen und Vorstellungen kritisch auszulegen nach den Maßstäben des
immanent kausalen Geschichtsdenkens und des modernen naturwissenschaftlichen
Weltbildes; es solle interpretiert, nicht aber unbedingt eliminiert werden. Dazu, daß Naturwissenschaft als Maßstab genommen wird, ist kurz zu
bemerken: Wer würde wohl auf den Gedanken kommen, heiße Liebe oder kalten Haß
und Holm mit dem Thermometer zu messen, um festzustellen, ob es sie gibt?
Jede Antwort erübrigt sich. Der Psyche zugehörige Dinge, wie Liebe, Haß und
Hohn, sind eben etwas ganz anderes als die materiellen Dinge, die mit
Thermometer und Zollstock gemessen und in naturwissenschaftliche Begriffe
eingeordnet werden können. Und wenn vom Jammertal gesprochen wird, wem würde es einfallen,
naturwissenschaftliche Maßstäbe anzulegen, um vielleicht zu erforschen, wie
tief es ist? Es ist doch vielmehr so, daß selbst ein Mensch, der auf der
Bergspitze in einem wunderschönen Bungalow wohnt, in einem elenden Jammertal
lebt, wenn ihn eine Schuld bedrückt und nicht mehr losläßt. Das alles sind doch Ausdrucksformen, die im Bewußtsein des Menschen
nicht physikalisch, sondern psychologisch und geistig, man könnte auch sagen,
existentiell, zu verstehen sind. Für den ehrlichen Christen sind doch auch Himmel und Hölle
Ausdrucksformen seines Existenzbewußtseins, das zwischen Gut und Böse
gestellt ist. Soll denn das fromme Weltbild, das Himmel und Hölle als
geistigen Zustand kennt, nun ungültig sein, weil es mit dem physikalischen
Weltbild nichts mehr gemein hat?! Man sieht, daß die Entmythologisierung naturwissenschaftliche Begriffe
anwendet auf Dinge, die nicht auf dem Gebiet der Naturwissenschaften liegen. Das ist der logische Fehler das ist der Irrtum der Entmythologisierung,
nämlich das völlige Unverständnis für inneres Denken. Aber das ist typisch
für unsere naturwissenschaftliche Zeit, die sich anmaßt, alles abzutun, was
sie selbst nicht mehr versteht. Nun muß gefragt werden: Wie sieht das Ergebnis der Entmythologisierung
aus? Alles in der sogenannten mythischen Sprache Gesagte ist
unglaubwürdig geworden und verworfen worden, mit den Worten: Die mythische
Eschatologie (also die Endzeiterwartung) ist im Grunde durch die einfache
Tatsache erledigt, daß Christi Parusie, also sein Wiederkommen, nicht, wie
das Neue Testament erwartete, alsbald stattgefunden hat, sondern daß die Weltgeschichte
weiterlief und — wie jeder Zurechnungsfähige überzeugt ist — weiterlaufen
wird. Erledigt ist durch die Kenntnis der Kräfte und Gesetze der Natur der Geister-
und Dämonenglaube. In das geschlossene System der natürlichen Kräfte des sich
biologisch verstehenden Menschen kann ein übernatürliches Etwas, das
„Pneuma“, der Geist, nicht eindringen und in ihm wirksam werden. Die Wunder
des Neuen Testaments sind erledigt. Erledigt sind auch die Geschichten der
Höllen- und Himmelfahrt Christi; erledigt ist die Erwartung des „mit den
Wolken des Himmels kommenden Menschensohns“. Und das göttliche Wesen Jesu
Christi wird geleugnet, weil es angeblich aus dem mystischen Gnostizismus
stammt. So radikal ist also entmythologisiert! Das heißt aber: So sind alle Anschauungen und Begriffsbilder des
christlichen Glaubens umgeworfen und zerstört worden! Was bleibt nach der Entmythologisierung, die alles als
„erledigt“ ansieht, was im Bewußtsein des Christen zu tun hat mit Himmel und
Hölle, Wirkung des Geistes im Menschen, den Wundertaten Jesu, seiner Wiederkunft,
mit der Eschatologie und der ganzen Hoffnung des Christen? Was bleibt? Es bleibt die Naturwissenschaft, es bleibt das
Selbstverständnis des Menschen aus dem Existentialismus. Aber dazu wird uns
theologisch noch etwas angeboten: nämlich das Selbstverständnis des Christen
als seine totale Verfallenheit; also bedürfe er der Erlösung durch etwas, das
er selbst nicht ist. Das müsse eben im Glauben erfaßt werden als das Paradoxon
und Skandalon des christlichen Glaubens. Da ist zu fragen: Muß für das doch so hochgepriesene
existentialistische Selbstverständnis des modernen Menschen solcher Glaube
nicht tatsächlich ein Ärgernis, für sein Denken und Fühlen widersinnig sein? Der
moderne Mensch wird solchen Glauben mehr als alles andere ablehnen. Wem will die Kirche dann überhaupt
noch verkündigen, und was? Diese Frage stelle nicht ich, sondern man vernimmt
sie von verzweifelten Theologen, die fragen: Was sollen wir predigen? Es ist dunkel geworden. Es ist die Nacht dieses Zeitalters
angebrochen, trotz aller zivilisatorischen Errungenschaften, wie Auto, Flugzeug,
Weltraumfahrt und anderes mehr. Alle geistigen Kräfte, die die Christenheit
aus dem Wort Gottes bezogen hat, erreichen den Menschen nicht mehr. Das erste
christliche Zeitalter hat sich erschöpft; es ist das eingetreten, was die
Schrift „syntheleia “oder „consummatio nennt. Ist das das Ende oder dürfen wir hoffen? Ist nun die Christenheit dazu verurteilt, so unterzugehen in Nacht und
Verzweiflung? Gibt es kein Licht, das den Menschen aus dieser geistigen
Dunkelheit und Verwirrung herausführen kann? Zwar geht die Sonne jeden Tag
neu auf, aber sie ist es nicht, die die geistige Nacht beseitigen kann. Wenn
es ein Licht geben sollte, das den Menschen befreit, wie müßte es aussehen
und wie könnte die Befreiung geschehen? Welche Wege führen in ein neues christliches
Zeitalter und somit in eine neue christliche Existenz des Menschen? Es gibt
manche Paradiesvorstellungen aber alle mußten sich als trügerisch erweisen,
und sie konnten nicht verhindern, daß es geistig Nacht wurde, weil sie alle
sich auf das natürliche Dasein bezogen und von einem Menschenbild ausgingen,
das es nicht gibt und das nicht wahr ist. Schon mehrere Zeitalter sind gekommen und gegangen; jedes hatte seine
Kindheit, Jugendzeit, Reife und Absterben, oder seinen Morgen, Mittag und
Abend erlebt. Aber nach dem Untergang und aus der Nacht wurde immer wieder
ein Morgen, ein neues Zeitalter wurde geboren, und es hat aus seiner
geistigen Kraft alles neu gemacht. Im Ablauf des natürlichen menschlichen Daseins sind nicht außerhalb von
ihm liegende Ursachen maßgebend für sein Aufsteigen und seinen Verfall, denn
das Sonnenlicht und die Sonnenwärme, die Vegetation und die Tierwelt sind die
gleichen. Sondern die Ursachen des Verfalls liegen im Menschen; er verändert
seine Aufnahmefähigkeit für die lebenspendende Einflüsse. Solange diese
Aufnahmefähigkeit zunimmt, wächst der Mensch, nimmt sie ab, so beginnt die absteigende
Kurve. Dasselbe Verhältnis von Einfließen und Aufnehmen gilt für das geistige
Leben des Einzelmenschen und ganzer Zeitalter. Wenn sie ihrem Ende entgegengehen
und absterben, ist nicht etwa die Quelle der geistigen Kraft versiegt sondern
die Aufnahmebereitschaft und Aufnahmefähigkeit gingen zu Ende. Nicht der
Geist stirbt, nicht Gott ist tot, sondern die Formen sterben oder werden
unnütz, in denen er sich manifestieren will. So hängt auch das Heraufkommen eines neuen christlichen Zeitalters
davon ab, daß die Menschen wieder aufnahmefähig werden für die christliche
Botschaft. Aber es ist unmöglich, auf das Urchristentum zurückzugehen und so
zu tun, als ob seither nichts geschehen wäre. Ein Zeitalter kann nicht
zurückgedreht, Geschichte nicht rückgängig gemacht werden. Ein neues
Zeitalter sieht nicht so aus wie das vorherige, in diesem Zeitalter hat der
Mensch seine Aufnahmefähigkeit verschlossen, und so erhebt sich die Frage:
Gibt es ein Verständnis des Neuen Testaments und der ganzen Heiligen Schrift,
das den modernen Menschen anspricht und befähigt, wieder etwas zu verspüren
von der ihr innewohnenden Kraft, so daß er sein inneres Leben wieder freudig
aufbauen kann und geistlose Dogmen der Theologie und Philosophie überwindet? Die philosophisch begründete Abkehr vom Christentum hat weiteste Kreise
erfaßt und das Bewußtsein in dieser Epoche stark geprägt. Das kann nicht
einfach übersprungen werden. So verdichtet sich die Frage in diese: Gibt es
eine Alternative zu den Negationen und besonders zur Entmythologisierung,
eine Alternative, die die christliche Botschaft wieder zu lebendigem
Bewußtsein bringt und den Menschen innerlich belebt? Also die Wege in ein
neues christliches Zeitalter zeigt? Diese Frage kann vorbehaltlos mit Ja beantwortet werden. Die Alternative zur Entmythologisierung. Dazu ist auszuführen: 1. Das Wort Gottes ist weder in
der Zeit noch in den Auffassungen des 20. Jahrhunderts aufgezeichnet worden.
Es wendet sich an die Menschen aller Zeiten und Völker, an Einfache und
Gebildete. Deshalb ist es so geschrieben, daß die Einfachen es in ihrer
Einfachheit, die Intelligenten gemäß ihrer Intelligenz aufnehmen können. 2. Metaphysisches und Geistiges, wie Leben, Liebe, Bewußtsein, Wille,
sind für den Menschen nicht denkbar, Sein Denken kann sich nur mit ihren
Manifestationen, ihren Wirkungen in der geschaffenen Welt befassen, d.h. in
den ihm begrifflich zugänglichen Dingen, die im Gedächtnis haften und wieder
hervorgeholt werden können. Ohne solche Begriffe kann der Mensch nicht
denken. Sein Denken ist abhängig vom sinnenfälligen Eindruck, der — in Form
der Wahrnehmung und der damit verbundenen Vorstellungswelt — das Material
liefert, mit dem das Gedächtnis und das Denken umgeht. Auch das
Metaphysische, das Geistige, ja das Göttliche, das in der Bibel enthalten
ist, mußte begrifflich ausgedrückt werden. Das geschah, indem die Bibel ihre
Manifestationen, ihre Wirkungen in den Dingen der Natur und im menschlichen
Bereich darstellt. 3. Wenn wir vom Geistigen
sprechen, müssen wir mit Gott, dem Unendlichen beginnen. Wie uns die Bibel
kündet, ist Gott das Leben selbst. Leben ist das ungeschaffene Sein, in
seiner Allmacht und Allwissenheit. Dieses göttliche Leben will und kann nicht
auf sich selbst beschränkt sein. Es strahlt aus und gibt all dem von ihm Geschaffenen
die Existenz, also ein abgeleitetes Leben. Dieses abgeleitete Leben wird aber
empfunden, als sei es originäres Leben. Alles, was in den geistigen und
natürlichen Gebieten als Leben erscheint, sind die Auswirkungen des in Gott
einzig seienden Lebens. In diesen Wirkungen zeigt sich das einzig Seiende,
und wir nennen sie das Existierende. Alles Geschaffene ist Empfänger, ist Organ oder Gefäß, das diese
einwirkenden Lebensimpulse aufnimmt. Selbst die höchste Stufe der
menschlichen Psyche und des menschlichen Bewußtseins ist nur die Organform,
in die die Kräfte des Geistes von oben einfließen, um diese Organform zu
beleben. Vielleicht meint die Psychoanalyse etwas Derartiges, wenn sie sagt:
Anscheinend haben alle mentalen Vorgänge ihren Ursprung im Unbewußten. Der Einfluß geschieht so, daß die geschaffene Substanz beeinflußt wird,
also ihren Zustand verändert. Nur so erfährt alles Geschaffene das Leben. Es
ist unmöglich, daß das göttliche Leben selbst als solches sich mit dem
Geschaffenen vereinigt. Das Geschaffene kann nie selbst Gott und göttlich
werden. 4. Der Mensch ist das eigentliche Ziel der Schöpfung. Er ist die
vielschichtige Organform, in der das von Gott einfließende Leben sich am
vollkommensten manifestieren kann, denn er ist geschaffen, um Bildnis und
Gleichnis Gottes zu werden. Die anderen geschaffenen Bereiche — Mineralreich,
Pflanzenreich, Tierreich — sind nur Vorstufen für die Zubereitung des
menschlichen Aufnahmegefäßes; sie unterliegen dem geschöpflichen Zwang. Der
Mensch dagegen, der die Krönung der Schöpfung ist, kann den Einfluß des
geistigen Lebens in Freiheit aufnehmen, oder aber sich ihm verschließen. Das
Streben nach dem aus Gott einfließenden Leben und die Bemühungen, alles
Entgegenstehende zu überwinden und zu beseitigen, ist die dem Menschen
gestellte Aufgabe. In dem Maße, wie er sie erfüllt, wird er vervollkommnet 5. Zu den philosophischen Richtungen, die das eigentliche Christentum
überschwemmt und ertränkt haben, gehört die monistische Auffassung, Materie
sei von sich aus mit Leben begabt; das Leben sei nur eine Emanation, ein
Ausfluß der Materie. Das steht im Widerspruch zur biblischen Dualität von Geist
und Materie. 6. Gott ist die Quelle alles
Lebens. Er ist die Ursache aller Lebenswirkungen in den geschaffenen
Dingen. Ursache und Wirkung entsprechen einander. In allem ist das Leben in
entsprechender Form zu finden; sub specie aeternitatis unter dem Gesichtspunkt
der Ewigkeit, ist alles Entsprechung. 7. Das Wort Gottes ist von Gott
in die Welt zum Menschen, gesprochen, also von oben gegeben und nach
unten wirkend. Das Wort Gottes ist kein Lehrbuch der Geschichte oder der
Naturwissenschaft, sondern handelt nur von geistigen, himmlischen und
göttlichen Dingen und ihrem Bildnis und Gleichnis im Menschen, also kurz
gesagt: vom ureigentlichen Leben und seinen Wirkungen. Das das Denken nicht
das Leben selbst, sondern nur seine Wirkungen begrifflich erfassen kann,
spricht die Bibel vom Leben nur in der ihm so entsprechenden natürlichen Form
der Wirkungen. Deshalb ist die Bibel nur in solchen Entsprechungen
geschrieben, und sie ist voll von diesen Entsprechungen des Lebens. Überall,
wo in der Bibel z.B. von Steinen, Pflanzen, Tieren die Rede ist, sieht das
geistige Verständnis nicht diese natürlichen Dinge, sondern es sieht sie als
die Entsprechungen des Lebens; oder anders ausgedrückt: als die niederen bzw.
höheren und vollkommeneren Formen des Urlebens und des menschlichen Lebens
als seinem Bildnis und Gleichnis. Das wird der innere Sinngehalt der Bibel
genannt. Auf den Menschen bezogen, handelt dieser innere Sinngehalt also vom
inneren, vom geistigen Menschen und den Stufen, die sein gesamtes Leben
ausmachen. Heute kann erwartet werden, daß die Entsprechungen auf Verständnis und
Interesse stoßen, ist doch diese Zeit ganz besonders auf Psychologie
ausgerichtet. 8. Es sind viele Stufen von den untersten zu den höchsten
Lebenspotenzen des Menschen, viele Lebensgrade. Diese fließen aber nicht
ineinander über, sondern sind voneinander getrennt wie durch eine
Scheidewand. Deshalb sind die Dinge der oberen oder inneren Stufen oder Grade
den tieferen oder mehr auswendigen Graden nicht bekannt. Das Natürliche
erkennt das Geistige nicht. Wir sollten deshalb nicht versuchen, Geistiges
von unten, von menschlicher Begrenzung aus zu verstehen und zu beurteilen,
oder gar alles zu verurteilen, was unserem natürlichen Verständnis nicht
einleuchtet. Das natürliche Denken ist gebunden an die Idee von Raum und
Zeit. Aber der innere Sinngehalt im Worte Gottes ist erfüllt von seinem Leben
und seinem Geist, der unabhängig von Raum und Zeit unvergleichlich viel
tiefgründiger, unendlich höher ist als der Sinngehalt, den Menschen je in ihren
Worten festhalten können. 9. Im inneren Sinngehalt werden die mentalen und geistigen Vorgänge im
Menschen, die sonst nur in Abstraktionen dargestellt werden könnten, mit
durchaus konkreten Begriffen und Bildern aus der Mineral-, Pflanzen- und
Tierwelt anschaulich gemacht. Es besteht nämlich eine Parallelität, eine
Entsprechung des Aufbaus der Natur — vom Mineralteich über das Pflanzen reich
zum Tierreich und Menschen — mit dem Aufbau des mentalen Lebens im Menschen,
von den Außendingen über seine Wahrnehmung und sein Gedächtnis zum bewußten
Denken und Handeln. Diese Lebensgrade sind im Menschen von Geburt an potentiell
vorhanden; sie müssen durch Ausbildung wachsen und belebt werden. Deshalb gehört zum ersten oder untersten Grad des Mentalen alles, was in
ihm noch nicht lebendig ist, was der Mensch noch nicht mit seinem Leben verbunden
hat, also die ihm zum Erkennen vorgelegten Dinge und Meinungen,
Wissenschaften, Lehrsätze und dergleichen. Diese für ihn noch leb losen Dinge
werden deshalb in Entsprechung dargestellt durch alle Formen des
Mineralreichs. Im zweiten oder mittleren Grad des Menschen nimmt er diese Dinge wahr,
er sammelt sie in sein Gedächtnis und seine Vorstellungswelt. Das entspricht
dem pflanzlichen Wachstum durch Aufnahme der Mineralstoffe. Die Psyche des
Menschen auf dieser Lebensstufe wird deshalb ausgedrückt durch die Formen des
Pflanzenreichs. Dem dritten oder oberen Grad des Menschen gehört an, was von den
Wahrnehmungen und dem Erkennen in ihm lebendig wird in Form des Denkens, der
Willensentscheidung und des Tuns. Das wird in Entsprechung dar gestellt durch
die Formen des Tierreichs. Es handelt sich also bei den Pflanzen und Tieren der Bibel nicht um
Darstellungen und Belehrungen aus der Botanik und der Zoologie, sondern um
untere und höhere Stufen des mentalen Lebens des Menschen. Wir dürfen hier aber nicht meinen, die körperliche natürliche Substanz
der Pflanzen und Tiere mache die innere Substanz des Menschen aus. Pflanzen
gehen unter, und Tiere sterben und vergehen. Sondern der Aufbau des inneren
Menschen läuft parallel dem Aufbau in der Natur über Mineral, Pflanze und
Tier. Beide entsprechen einander, sind aber nicht dasselbe. 10. Der innere Sinngehalt der Bibel spricht also immer von den
Zuständen und Lebensvorgängen des inneren, des geistigen Menschen; denn dies
ist der eigentliche Mensch, der fähig ist, seine Lebensvorgänge nach dem
Einfluß des Lebens aus Gott zu gestalten. Die äußere körperliche Hülle ist
dem Menschen nur hinzugegeben, um während seines natürlichen Daseins seinem
individuellen mentalen Leben eine Festigung, eine Begrenzung, eine Hülle zu
geben. 11. Jede Pflanzenart und jede Tierart entspricht ganz spezifischen
Eigenschaften der menschlichen Psyche. Jeder Mensch hat eine Menge solcher
Eigenschaften, je nach seiner spezifischen Organform, die den Einfluß in
bestimmte Lebensvorgänge umsetzt. Denn der Einfluß wird gemäß der
aufnehmenden Form umgesetzt. Wenn also in der Bibel z.B. ein Tier genannt wird, so ist damit die ihm
entsprechende Organform innerhalb der menschlichen Psyche gemeint und — durch
Abstraktion von der Form zum Inhalt — wird etwas vom Leben ausgesagt, nämlich
von der Art, wie dieser Mensch das einfließende Leben aufnimmt bzw. verändert.
So spezialisiert sich der Einfluß, so wird aus dem unendlichen Leben das —
abgeleitete — individuelle Leben. Die Organform kann das einfließende Leben
aber auch pervertieren, d.h. in Böses verkehren. 12. Nun einige Beispiele aus der großen Fülle der in der Bibel enthaltenen
Entsprechungen. Dabei sei noch vorausgeschickt, daß die Gesetze der
menschlichen Psyche sowohl für profane wie auch für religiöse Lebensvorgänge
gelten; in der Bibel geht es nur um die religiösen. Minerale, Steine, Felsen sind wie gesagt Entsprechungen des
Ausgangspunktes oder der Grundlagen; so stehen der Fels und die Mauern für
die feste Wahrheit, z.B. in Matthäus 16, 18: „Auf diesen Felsen will ich
meine Kirche bauen“, oder Offenbarung 21, 19: „Die zwölf Gründe der Mauer um
die Stadt waren geschmückt mit allerlei Edelsteinen“. Auch das Gleichnis vom
Kaufmann und der kostbaren Perle gehört hierhin. Pflanzen, Bäume usw. sind Entsprechungen der Organform des
Gedächtnisses, der Vorstellungswelt und Prinzipien: so in Psalm 1, 3: „Ein
solcher Mensch ist wie ein Baum“, d.h. seine Psyche ist erfüllt von den
Wahrheiten, seine Vorstellungswelt besteht aus ihnen. So ist der Feigenbaum
überall, wo er in der Bibel vorkommt, die Entsprechung der aus den
natürlichen Bereichen angesammelten Wahrnehmungen und Vorstellungen; der
Weinstock ist die Entsprechung der aus den geistigen Bereichen, und der
Olivenbaum der aus den himmlischen Bereichen angesammelten Wahrnehmungen und
Vorstellungen, oder, anders ausgedrückt: Entsprechung der Organform für das
natürliche Prinzip ist der Feigenbaum, für das geistige der Weinstock und für
das himmlische der Olivenbaum. Tiere sind, wie gesagt, Entsprechungen der Organform des denkenden,
fühlenden, tätigen Menschen. So ist die Schlange die Entsprechung der
Organform des Sinnlichen, Sinnenfälligen. Die Schlange führte weg vom
paradiesischen Zustand in den sinnlichen Zustand. Diese Abwärtsentwicklung
jenes Zeitalters wird in der Entsprechungssprache als Verführung durch die
Schlange dargestellt. Stier und Kalb sind Entsprechungen der Organform für den Willen und das
Denken des natürlichen Menschen; Schaf und Lamm für die Vernunft des Menschen,
die sich vom Geistigen führen läßt, vgl. Psalm 23 und 100, 3. Jesus wird als
das Lamm Gottes bezeichnet, weil er seine menschliche Vernunft ganz dem
Göttlichen in sich unterwarf; das Opferlamm bedeutet die völlige Hingabe
unter das Göttliche und die Wiedergewinnung der göttlichen Herrlichkeit, die
Rückkehr aus der Inkarnation. Die Ziege und der Bock sind Entsprechungen der Organform im Menschen,
in welcher das Natürliche sich dem Geistigen unterwirft, bzw. als Bock sich
widersetzt. Vögel entsprechen der Organform des Intellekts, der sich in die Höhe,
ins Geistige, erhebt — etwa der Adler. 13. Die in der Bibel genannten Länder sind ebenfalls Entsprechungen
mentaler und geistiger Zustände des Menschen. So weiß jeder klar denkende
Christ, daß das Gelobte Land der Bibel den guten geistigen und himmlischen
Zustand des Menschen bedeutet. Auch alle kosmischen Bildvorstellungen wie Sonne, Mond und Sterne
bezeichnen nicht diese natürlichen Himmelskörper, sondern sind Entsprechungen
der auf den inneren Menschen einwirkenden geistigen Kräfte von oben. 14. Aus allem bisher Gesagten geht deutlich hervor, daß die Organform
des Menschen aus mehreren Stufen besteht. Sie sind gewissermaßen Ebenen, die
die so vielfältige innere Landschaft des Menschen darstellen. Das ist auch die Entsprechungsbedeutung der Vision Jakobs, als er im
Traum eine Leiter sah, die auf der Erde stand; oben reichte sie bis zum
Himmel, und über ihr stand Gott. Die Engel Gottes stiegen an ihr auf und
nieder. Die innere Sinnbedeutung dieser Vision ist: Der Mensch ist so
beschaffen, daß durch ihn das Leben Gottes herabsteigt bzw. einfließt bis ins
äußerste Natürliche, und von diesem Letzten der Natur wieder aufsteigt zu
Gott. Denn der Mensch, und nur der Mensch, ist das Medium, das Mittel der
Einung des Göttlichen mit dem Natürlichen und der natürlichen Welt mit dem
Göttlichen. An der Jakobsleiter obenauf steht Gott. Das heißt aber: Bei einem
jeden Menschen gibt es eine innerste oder höchste Stufe seiner Organform,
oder ein Innerstes und Höchstes, in welches das Göttliche des Herrn zuerst
einfließt. Diese oberste Stufe im Individuum ist also die organische Form
oder das Gefäß, das erfüllt werden kann von allen Liebearten und allen
Wahrheiten, die von oben, d.h. von Gott einfließen. In diese höchste Stufe
des menschlichen Inneren wirkt der Geist direkt ein, und dieses Aufnahmeorgan
wird die Seele genannt. 15. Da des Menschen Inneres mehrere Stufen wie Landschaften hat, nähern
wir uns dem Bild von den drei Stockwerken, das fälschlicherweise als mythisches
Weltbild der Alten aufgefaßt worden ist und entmythologisiert werden müßte.
Das Maß des inneren Menschen reicht von der Erde zum Himmel und zur Hölle,
d.h. er kann sein Leben zum Himmel und zur Hölle ausrichten. Das ist aber
nicht Mythos, sondern die in Entsprechungen ausgedrückte Wahrheit vom inneren
Menschen. 16. Die Entmythologisierer stellen doch die Frage nach der Wahrheit,
die vom Mythos unabhängig ist. Die Antwort auf ihre Frage lautet: Die Sprache
der Bibel besteht nicht aus Mythen, sondern aus Entsprechungen, und die für
den modernen Menschen verständliche Wahrheit ist auf dem Wege über die Entsprechungen
zu finden. Die christliche Botschaft ist nicht zu entmythologisieren, sondern
die Aussagen der Bibel sind nach ihrer exakten Entsprechungsbedeutung zu
verkündigen. 17. Können wir auch die übrigen angeblichen Mythen von ihrer Umhüllung
frei machen, um die in ihnen steckende Wahrheit zu entdecken? Ja! 18. Da ist ein Hauptanliegen der Entmythologisierer das im Neuen
Testament vorausgesagte angeblich baldige Ende dieses Äons, das sich in einer
kosmischen Katastrophe vollziehen werde. Sie sagen, diese mythische
Eschatologie lasse sich leicht auf die jüdische Apokalyptik zurückführen. Die
jüdische apokalyptische Lehre finden wir in mehreren Propheten des Alten
Testaments, in denen es z.B. heißt: Jes. 24, 18: „Es wird die Erde mit Krachen zerbersten, zerbrechen und
zerfallen“, 51, 6: „Der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie
ein Kleid veralten“. Hesekiel 31, 7 —8: „Ich will den Himmel verhüllen und
seine Sterne verfinstern, und die Sonne mit Wolken überziehen, und der Mond
wird nicht mehr scheinen“. Joel 2, 10: „Sonne und Mond werden finster, und
die Sterne verhalten ihren Schein“; 4, 15: „Sonne und Mond werden sich verfinstern,
und die Sterne werden ihren Schein verlieren.“ Und im Neuen Testament heißt es: Matth. 24, 29—30: „Sonne und Mond
werden ihren Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und
die Kräfte der Himmel werden sich bewegen. Und alsdann wird erscheinen das
Zeichen des Menschensohnes im Himmel; und alsdann werden wehklagen die Geschlechter
auf Erden und werden kommen sehen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels
mit großer Kraft und Herrlichkeit.“ Diese Sätze scheinen das Ende der sichtbaren Welt vorauszusagen,
besonders im Zusammenhang mit zwei anderen Versen (3, 14) desselben Kapitels,
in denen das „Ende der Welt“ genannt wird. Ein folgenschwerer Übersetzungsfehler. Zuerst ist festzuhalten, daß der griechische Urtext nichts vom „Ende
der Welt“ sagt; die falsche Übersetzung „Ende der Welt“ entstand aus der
vorgefaßten Meinung, es müsse sich darum handeln. Das griechische ´syntheleia
tou aionos´ (lat. consummatio saeculi) heißt Erfüllung des Zeitalters. Die jüdische Apokalyptik, aus der einige Verse zitiert wurden, drückt
Entsprechungen aus. Es handelt sich dort um die geistige Epoche des jüdischen
Zeitalters und um sein Ende. Das israelitische Zeitalter des Alten Testaments
hatte seine Zeit erfüllt und ist untergegangen; aber bei seinem Untergang und
dem Beginn des christlichen Zeitalters ist nichts eingetroffen von all diesen
weltuntergangsähnlichen Vorbildungen. Das Erscheinen Jesu brachte, geistig
gesehen, eine Welt zum Zusammenbruch; seine Lehren, seine Passion, seine
Auferstehung und die Gründung seiner Kirche waren weltumstürzend, aber nicht
der Weltuntergang. Wenn nun Jesus nach Matthäus 24 ähnliche Worte und Begriffe verwendet
wie die Propheten des Alten Testaments, wäre es Blasphemie, zu unterstellen,
Jesus Christus sei bei seinen Aussagen in den Begriffen der jüdischen
Apokalyptik befangen gewesen. Er sprach in Gleichnissen, Matth. 13, 13. 34 —
also in Entsprechungen. Was bedeuten aber die Prophezeiungen in Matth. 24 wirklich? Das sehen
wir aus ihrer Entsprechungsbedeutung. Im ersten Teil wurde davon gesprochen,
daß dieses erste christliche Zeitalter erfüllt ist, verbraucht ist, weil die
Menschen in natürliches, weltliches Denken und Wollen gesunken und dadurch
nicht mehr fähig sind, die geistige Potenz der christlichen Botschaft in sich
aufzunehmen. So ist es Nacht und Winter geworden. Genau das ist der geistige
Sinn der Voraussage, daß Sonne und Mond den Schein verlieren und die Sterne
vom Himmel fallen. Alle Religion ist Aufnahme aus Gott. Gott ist ewig und ist die Quelle
alles Lebens im Menschen, gleichwie die Sonne alles in der Natur lebendig
macht. Wenn aber der Mensch das Leben aus Gott nicht in sich aufnimmt,
sondern sich diesem Einfluß verschließt, dann wird es dunkel und kalt in ihm,
dann scheint in ihm nicht mehr die Sonne des Lebens. Der Mensch führt selbst
diese Verdunkelung in sich herbei. In diesem Entsprechungssinn sind die Worte
Sonne, Mond und Sterne gebraucht. Das ist nicht Mythos sondern vom Blickpunkt
Gottes aus, der ja diesen Blick in die Zukunft warf, die Schilderung des
Untergangs einer geistigen Epoche. Weder in der jüdischen Apokalyptik noch
hier ist es der Untergang der physikalischen, der kosmischen Welt. Die Wolken des Himmels bezeichnen die Dunkelheit dieses vergehenden
Zeitalters. Das Erscheinen des Menschensohnes mit großer Kraft und
Herrlichkeit ist die Wiederherstellung des reinen und klaren Lichts seiner
Lehre, der helle Beginn eines neuen christlichen Zeitalters. Petrus, die Kirche und die Schlüssel des Himmelreichs. Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen; die
Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel
des Himmels geben, und alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im
Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im
Himmel gelöst sein. (Matth. 16, 18 f) Diese Worte des Herrn gelten allgemein als Weltauftrag Christi an
Petrus und bedeuten so die Geburtsstunde des Papsttums und die Einsetzung des
“Apostelfürsten“ zum ersten Papst. Die hiernach gebildete Kirchenlehre bindet
an die geistige Autorität des Papstes, der sich selbst als der Nachfolger des
Apostels Petrus als Empfänger dieses Weltauftrags ansieht. Er beansprucht die
absolute Lehrautorität und auch für die nachgeordnete Geistlichkeit die Schlüsselgewalt
über Himmel und Hölle gegenüber allen Christen. Daraus ergibt sich auch der
Anspruch, die päpstliche Kirche sei die allein seligmachende. Gegen die Echtheit dieses Auftrags als Weltauftrag und Petrus als den
Beginner des Papsttums „werden heute auch auf nicht-katholischer Seite nur
noch in sehr geringem Maße ernsthafte Zweifel erhoben, und dies umsoweniger,
als sich an verschiedenen Stellen des Neuen Testaments, in denen Petrus als
der Wortführer der Apostel in Erscheinung tritt, entscheidende Belege für die
Interpretation des sogenannten Primats finden, wie sie im römischen Papsttum
manifestiert ist“ (Hans Kühner, Lexikon der Päpste). Tatsächlich befinden sich die protestantischen Wortführer und Laien in
beinahe auswegloser Verlegenheit diesem Anspruch gegenüber, weil sie sich dem
Begriff des “Weltauftrags“ nicht entwinden können. Sie bejahen ihn zu meist,
allerdings dann mit der Variante, daß durch die Reformation, die die Kirche
erneuert habe, die ursprünglich gegebene geistige Gewalt nun auch für ihre
Geistlichen gelte. Sie beanspruchen sie allerdings nur in gemäßigtem Umfang. Eine Beleuchtung des geistigen Sinngehalts der Worte Jesu an Petrus
möge deshalb als ein „Beitrag zum neuen christlichen Zeitalter“ dienen (wie
der Untertitel unserer Zeitschrift OFFENE TORE lautet). Der Evangelist Matthäus hat im 16. Kapitel das ganze Gespräch zwischen
Jesus und den Aposteln wiedergegeben. Es beginnt mit der Frage an die Jünger:
Wer, sagen die Leute, daß ich bin, ich, des Menschen Sohn? Und wer sagt denn
ihr, daß ich sei? Diese Frage beherrscht das ganze Gespräch, und alle
Aussagen hängen von der Antwort auf diese Frage ab. Auch des Himmelreichs
Schlüssel stehen in engstem Zusammenhang damit. Es ist erstaunlich, wie diese einfache, harmlos klingende Frage die
Spannungen der damaligen Zeit aufreißt. Tatsächlich zeigen diese Worte die
Situation jener Tage, die Spannungen im jüdischen Volk und in der jüdischen
Kirche, den geistesgeschichtlichen Aufbruch, der mit dem Erscheinen Jesu
geschehen ist und die seitherigen zweitausend Jahre geprägt hat, ohne daß die
Spannungen seit jener Zeit nachgelassen hätten. Denn auch heute noch liegt
die geistige Entscheidung in der Antwort auf die Frage: Wer ist ER, der Menschensohn? Der
Messias der Juden. Die Heilige Schrift des Alten Testaments ist voll von den Voraussagen
auf das Kommen des Herrn, des Messias. Über den zu erwartenden Messias
dachten die Juden nicht anders, als daß er ein sehr großer Prophet sein
würde, größer als Moses und Elias, und ein sehr großer König, größer als
David und Salomo. Er würde sie durch erstaunliche Wunder ins Land Kanaan
führen, er sollte ein König sein, der sie über alle Nationen und Völker der
Erde erheben und diese ihnen untertan machen würde. Mit dieser Sehnsucht
erwarteten ihn die Juden. Die Apostel und Jünger hatten vom Herrn zuerst auch
keine andere Vorstellung, als daß er dieser Messias sei und ein irdisches
Reich aufbauen sollte, in dem sie selbst groß sein würden. Bei den
Schülern Johannes des Täufers und bei den Pharisäern. Ganz offen, so berichtet Matth. 11, 2 f. läßt Johannes der Täufer, als
er im Gefängnis war, durch seine Jünger den Herrn fragen: „Bist du, der da
kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ Johannes meinte auch
nur einen irdisch mächtigen Messias, der das Reich der Juden aufrichten
sollte. Und an anderer Stelle wird, nochmals gefragt: „Was haltet ihr von
Christus? Wessen Sohn ist er?“ (Matth. 22, 41—46) Jesus selbst stellt diese
Frage an die versammelten Pharisäer, und sie wußten nur zu antworten: „Davids Sohn“. Darauf die sehr mysteriös klingende Antwort Jesu mit den
Worten des Psalmsängers: „Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu
meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel meiner Füße setze“ (110).
Und die Pharisäer wurden völlig verwirrt, als Jesus hinzufügte. „ Wenn nun
David ihn seinen Herrn nennt, wie ist er dann sein Sohn? Niemand konnte ihm
ein Wort antworten.“ Den Anhängern des Täufers antwortete Jesus, wie wir wissen, mit dem
Hinweis auf das, was sie im Volk gesehen und gehört hatten, nämlich daß die
Blinden sehen, die Lahmen gehen und die Aussätzigen rein werden, daß die
Tauben hören und die Toten auferweckt werden und daß das Evangelium den Armen
gepredigt werde. Die Schüler des Täufers wußten das alles, aber sie fanden
darin keine letzte Antwort auf ihre Frage. Die Pharisäer haben die Wundertaten des Herrn auch zu Ohren bekommen,
denn sie hatten einen guten Nachrichtendienst in Jerusalem und im ganzen jüdischen
Land. Sie verstanden diese Wundertaten aber nicht. Darum konnten sie auf die
Frage, wessen Sohn er sei, d.h. aus welchem Geist und mit welcher Kraft er
diese Wunder verrichtete, keine Antwort geben. Ebenso haben die Jünger des Herrn alles das selbst miterlebt, sie haben
mit eigenen Augen die Wundertaten des Herrn gesehen und seine Worte,
besonders diejenigen der Bergpredigt, gehört. Objektive oder innere Antwort. In der Kenntnis der objektiven Geschehnisse sind sie alle gleich, die
Pharisäer, die Schüler des Täufers und die Jünger des Herrn. Auf das nur
objektive Wissen kommt es aber nicht an, es kann für sich allein keine
Antwort auf die Frage geben, wer der Herr ist. Deshalb werden auch nur die
wirren Antworten gegeben, er sei der wiedergekommene Elias, oder Jeremias,
oder der Propheten einer. Auch die Pharisäer, die doch die Führer des Volkes
und in der Schrift gelehrt waren, wußten aus ihrer Kenntnis der geschehenen
Dinge keine Antwort zu geben. Wer sein Wissen um solche göttlichen Taten und
Lehren nicht in seinen inneren Menschen dringen läßt, wer nicht eine Saite
des inneren Menschen davon anrühren läßt und zum Klingen bringt, wer von den
Worten des Herrn und seinen Taten, von dem Ethos seiner Lehre, von seiner Göttlichkeit
nicht innerlich angesprochen ist und von dorther Antwort gibt, der bleibt auf
die Frage, wer der Herr sei, stumm oder ist verwirrt oder kann nur
nichtssagende Dinge von sich geben. Es geht also um die innere Lebendigkeit, die allein fähig ist, das
Geschehene und Gehörte als die göttlichen Taten des Herrn und sein göttliches
Wort zu erkennen. Das setzt voraus, daß der Mensch von innen her erleuchtet
ist mit der Klarheit, die alle äußeren Dinge im richtigen Licht und in der
richtigen Erkenntnis zeigt. Jesus hatte seine Frage: Und wer sagt denn ihr, daß ich sei? an alle
Jünger gerichtet. Die Antwort kam von Petrus zwar gewissermaßen für alle
Jünger, doch ist es nicht gleichgültig, daß es gerade er, Simon Jonas Sohn,
war, der antwortete: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ In dem Apostel Petrus steht also der Mensch vor uns, der aus seinem
erleuchteten Inneren heraus erkannte: Du bist Christus, der Sohn des
lebendigen Gottes. Er sprach die Wahrheit aus, die sein Inneres ihm diktierte,
die Wahrheit, die aus dem tiefsten Grund nur desjenigen Menschen kommen kann,
in dessen Innerstem Gott lebendig ist und vernehmlich spricht. Diese von Gott
kommende Wahrheit ist denn auch die göttliche, die absolute Wahrheit. Die Aussage, Jesus sei der Sohn des lebendigen Gottes, zielt nicht auf
seine Geburt durch die Jungfrau Maria ab, sondern bezeugt, daß er
wesensgleich mit Gott ist, Inkarnation, sichtbar geworden in der Natur, also
beides: Gott und Mensch, Gott sichtbar geworden in dem Menschen Jesus. Anerkennung der
Göttlichkeit des Herrn. Und vom Menschen her gesehen ist diese Aussage: „Du bist Christus, der
Sohn des lebendigen Gottes“ die reine Anerkennung der Göttlichkeit des Herrn.
Wer die Gnade hat, von Gott belehrt zu sein, kann so sprechen. Alle anderen
verdunkeln das Licht in sich, je nach ihrer subjektiven inneren Gestalt, und
in diesem Dämmer oder Dunkel kann der Mensch die innere Wahrheit nicht mehr
sehen, er ist nicht mehr in der Lage, aus den irdischen sogenannt objektiven
Erscheinungen zurückzuschließen auf den geistigen Grund, aus dem sie
entstehen, wie die Wirkung aus den Ursachen. Und er ist also auch nicht mehr
in der Lage, auf die vom Herrn gestellte Frage eine gültige Antwort zu geben.
Auch Petrus kam ganz und gar nicht von sich aus zu der Erkenntnis, die er
bekannte; sie ist ihm durch unmittelbare Offenbarung zuteil geworden. Es kommt dabei nicht darauf an, wer und was der Mensch Petrus war,
welche Bildung er als einfacher Fischer besaß. Er war in diesem Augenblick
das Instrument für die in seiner Antwort zutage tretende göttliche
Offenbarung: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Deshalb sprach
der Herr zu ihm: „Nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern
mein Vater, der im Himmel ist.“ Und abstrakt: Wahrheit und Glaube: Somit müssen wir abstrahieren von
dem natürlichen Menschen Petrus und müssen in ihm das Instrument dieser göttlichen
Aussage sehen. In solcher Abstraktion stellt Petrus die in ihm lebendige, von
Gott ausgehende Wahrheit, und (im Menschen sie reflektierend) die Anerkennung
dieser Wahrheit, die feste Überzeugung, also den echten Glauben an sie, dar. Auf diese durch Petrus geschehene Offenbarung: Du bist Christus, der
Sohn des lebendigen Gottes! antwortete Jesus: „Selig bist du, Simon, Jonas
Sohn, denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater
im Himmel. Mit dieser Antwort bestätigt der Herr, daß Petrus richtig
gesprochen hatte, richtig nicht in Übereinstimmung mit irgendeiner
Lehrmeinung, mit irgendeiner der zahlreichen jüdischen Lehren, sondern
richtig im absoluten Sinn, denn was vom Vater im Himmel kommt, ist die absolute
Wahrheit, die aus der Liebe des himmlischen Vaters geworden ist und mit ihr
ist. Aus dieser Liebe Gottes und seiner Wahrheit besteht das innere Himmelreich,
und alle, die im Himmel leben, leben in und aus dieser Liebe und Wahrheit. Woraus sonst hätte die richtige Antwort auf die Frage des Herrn: „Wer,
sagt denn ihr, daß des Menschen Sohn sei?“ fließen können? Nicht Fleisch und
Blut offenbaren das. Fleisch und Blut wären der Ausgangspunkt für eine andere
und somit falsche Antwort gewesen, denn sie sind nur dem natürlichen Denken
und Fühlen zugeordnet, das aus seinen Sinneseindrücken entsteht. Die
körperlichen Sinnesorgane und Fleisch und Blut dienen dem Menschen nur für
seine Existenz in dieser Welt mit ihren natürlichen Gegebenheiten. Also nicht aus seinem natürlichen Denken mit dem daraus gebildeten
Verstand, sondern aus göttlicher Offenbarung, die durch diesen Verstand
hindurch geschah, antwortete Petrus. Seine Antwort ist eine bleibende
Offenbarungstatsache, von da ab geschichtlich fixiert. Petrus war das
Instrument dieser Offenbarung, er hat sich ihr unterworfen und verbunden und
ist so die personifizierte Anerkennung Gottes, also das, was wir mit dem
lebendigen Glauben an den Gottmenschen bezeichnen können. Als Instrument der Offenbarung, als Zeuge der Gottessohnschaft des
Herrn steht er in diesem Augenblick vor uns, losgelöst von seinen
menschlichen Schwächen, ganz der durch ihn wirkenden Offenbarung hingegeben,
die er mit seinem Munde aussprach. Gott sprach in ihm, und er reflektierte
die göttliche Wahrheit. Nur die völlige Unterwerfung unter den Geist Gottes,
nur der ungehinderte Durchbruch der Illumination befähigte ihn hierzu. Kein
Falsches und kein Böses, das dem natürlichen Menschen sonst stets anhaftet,
konnte diesen Durchbruch des Lichts und der Wahrheit hindern, völlig selbst
entäußert war der Mensch Petrus in dem Augenblick seiner Aussage, nur
Instrument dieser göttlichen Offenbarung. In solcher Selbstentäußerung war
sein erleuchtetes Innere identisch gewesen mit der göttlichen Wahrheit, die
er aussprach, und mit der uneingeschränkten Anerkennung der Göttlichkeit des
Herrn. Anerkennung ist untrennbar mit Gehorsam verbunden. Gehorsam gegenüber
der Erleuchtung, die sein Inneres erfahren hatte. Gehorsam, den der Körper
mit seinen Sinnen leistete, als er die Offenbarung aussprach. Das bedeutet
Petrus in dieser Erleuchtung. In seinem sonstigen Sprechen und Tun verhielt sich Petrus meistens
rührend menschlich, aber menschlich d.h. gegen Gott gerichtet. Aus sich
selbst handelte er, wenn er dem göttlichen Licht den Zugang in sich verwehrte,
da verriet er den Herrn dreimal, da gab er dem Herrn den menschlich
verständlichen Rat, sich zu schonen und sich nicht nach Jerusalem in die
Hände seiner Feinde zu begeben; dafür wurde er vom Herrn schärfstens
verwiesen (Matth. 16, 23): „Hebe dich hinweg von mir, Satan, du bist mir ein
Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist“. So
auch vermochte er nicht, mit dem Herrn in Gethsemane zu wachen. Was Petrus tat und sagte, muß immer danach beurteilt werden, ob es mit
der göttlichen Wahrheit, die immer aus Offenbarung stammt, übereinstimmt oder
nicht. Die Gnade der Offenbarung, die Petrus damals zuteil wurde, die innere
Erleuchtung, ist kein Dauerzustand in ihm und in keinem Menschen. Wenn dann der Herr sagt (Matth. 16, 18): „Du bist Petrus, und auf
diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen
sie nicht überwältigen“, so spricht er nicht das Fleisch und Blut an, das ja
die Göttlichkeit des Herrn gar nicht offenbart hatte, er spricht nicht den
Menschen Simon Jonas in seiner irdischen Gebundenheit, als den wir ihn in
fast allen sonstigen Episoden kennen, sondern er spricht ihn mit dem Namen
Petrus an als den Repräsentanten dieser Offenbarung, und er spricht die durch
Petrus repräsentierte Anerkennung der Göttlichkeit des Herrn an. Sinnbild für
Anerkennung und Glaube. Diese Anerkennung ist die Grundlage, die Voraussetzung, der Eingang zur
Kirche im Menschen. Diese durch den Apostel Petrus versinnbildlichte Anerkennung
ist die hier allein bedeutsame und wichtige Tatsache, nicht der Apostel
Petrus als solcher und noch weniger der Mensch Petrus. Vorbildung für
jeden Menschen. Diese Anerkennung, dieses geistig Heilige, muß in jedem Menschen
wiederholt werden, weil sie der Anfang, die Grundlage für den Aufbau der
Kirche in ihm ist. Wir sprechen von dem “alten Adam“ und meinen damit die gefallene Natur
in uns, oder vom “ungläubigen Thomas“ und meinen den Unglauben im Menschen.
Adam und Thomas sind hierbei Vorbildungen dieser Eigenschaften und Zustände
und geben nur den Namen für das Ungeistige ab, das im Menschen ist. So ist
Petrus Vorläufer und Vorbildung für die Anerkennung Gottes in Christus, die
im Menschen lebendig sein soll. Petrus ist der Name für die innere Haltung
derjenigen Menschen, die die Göttlichkeit des Herrn anerkennen. Solange
dieser Glaube und diese Anerkennung in ihm bestehen, kann die Hölle nicht aufkommen
gegen die so in ihm gebaute Kirche. Es genügt, wenn der Mensch weiß, daß Petrus solch Geistiges, Zeitloses,
Immaterielles versinnbildlicht. Dieses Geistige ist immer und ewig dasselbe
zu allen Zeiten und für alle Menschen. Auf den Menschen Petrus läßt sich
nichts aufbauen. Nicht der menschliche Petrus, sondern die durch ihn damals
bezeugte Anerkennung und der feste Glaube sind die Grundlagen der Kirche. Die
Illumination und Offenbarung war eine Gnade des Herrn und nicht aus des
Petrus eigenem Wesen geschehen. Völlig belanglos bleibt es also, ob in der
jungen Christenheit der Mensch Petrus Bischof von Rom geworden war. Petrus
als Sinnbild der Anerkennung der Göttlichkeit des Herrn, als Repräsentant
dieser Wahrheit, ist Typus, nicht Mensch. Das Bekenntnis des Petrus, die innere Wahrheit, die er aussprechend
bekannte, ist eine feste innere Substanz und ist der Fels; nicht die Person
Petrus ist der Fels. Wer möchte annehmen, die Kirche sei auf den Menschen Petrus aufgebaut,
der den Herrn verraten hat! Dieser Verrat geschah aus dem Menschlichen des Petrus.
Ist die Kirche denn auf einen Menschen gegründet, nicht vielmehr auf den
Herrn, also auf der vom Herrn ausgehenden geistigen Wahrheit und auf deren
Anerkennung, auf den festen Glauben, der durch sie im Menschen entsteht!
Diese Wahrheit, also die Göttlichkeit des Herrn, ist der Felsengrund und die
Unüberwindlichkeit der Kirche, nicht aber etwa die Festigkeit und
Überzeugungstreue des Mannes Petrus. So ist die Kirche gegründet, und sie wird gebaut auf der Anerkennung
der Göttlichkeit des Herrn. Diese Anerkennung ist also die Hauptsache der
Kirche und deshalb auch das Erste der Kirche. Ohne diesen Glauben kann die
Kirche überhaupt nicht beginnen. „Auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde
bauen“ heißt also: auf die göttliche Wahrheit, daß der Herr der Sohn des
lebendigen Gottes ist. In ihm ist Gott und Mensch verbunden und eins, und aus
ihm wirkt die göttliche Allmacht. Wenn der Mensch nicht in der Ordnung lebt,
d.h. wenn er nicht Gott und seine Allmacht und den in dieser Allmacht
liegenden Schutz verehrt, und wenn der Mensch nicht auch selbst gegen das
Böse und Falsche in sich ankämpft, muß er notwendigerweise absinken. Die
Anbetung und der Kampf gegen das Böse und Falsche sind in jedem Menschen und
für jeden Menschen die Voraussetzung dazu, daß er in sich Kirche baut und daß
diese Kirche in ihm allen Versuchungen standhält. Die geschichtliche
Tatsache, daß Petrus jene Aussage gemacht hat, ist als solche für den
einzelnen Menschen bedeutungslos. Sondern erst, wenn der Mensch das Bekenntnis
der Gottessohnschaft Jesu zu seiner inneren Wirklichkeit macht, die sein
ganzes Bewußtsein überstrahlt, wenn er also diesem Bekenntnis alles unterordnet,
dann baut der Mensch in seinem ganzen Wesen die innere Kirche in sich auf. Auch am Ende der Bergpredigt spricht der Herr im gleichen Sinn vom
Felsen (Matth. 7, 24): „Wer diese meine Worte hört und in die Tat umsetzt,
ist einem klugen Manne zu vergleichen, der sein Haus auf den Felsen gebaut
hat.“ Der Fels ist aber nicht die Kirche selbst, sondern auf ihn wird die
Kirche gebaut! Der innere und der äußere Mensch. Damit das alles verständlich wird, muß noch erklärt werden: Ein jeder
Mensch hat ein Inneres und ein Äußeres. Durch das Innere ist er in der
geistigen, durch das Äußere in der natürlichen Welt. Zum äußeren Menschen
gehört auch sein von der natürlichen Welt genährtes Denken, Wollen und
Fühlen; der Körper ist nur ein weiter hinzugefügtes Äußeres, denn der Körper
tut nichts aus sich. Zum inneren Menschen gehört dagegen das aus der
geistigen Welt und dem Himmel genährte Denken und Wollen. Insoweit ein Mensch
nicht aus dem Himmel denkt und will, sondern nur aus der Welt, insoweit wird
der geistige, innere Mensch verschlossen. Denn der innere Mensch ist nach dem
Bilde des Himmels, der äußere nach dem Bilde der Welt geschaffen. Seine
äußeren Sinne sind der Welt angepaßt, seine inneren Sinne dem Himmel. Diese inneren
Sinne und Bereiche werden geöffnet durch die Anerkennung des Herrn und den
Glauben an ihn, und sie werden ausgebildet durch die Kenntnisse der
Wahrheiten und des Guten, die vom Herrn ausgehen und durch das Wort Gottes
vermittelt werden. Die innere und die äußere Kirche. So wie es einen äußeren und einen inneren Menschen gibt, so gibt es bei
dem dem Herrn innerlich zugewandten Menschen zu der äußeren eine innere Kirche.
Die äußere Kirche ist die Umhüllung und Außenform der inneren Kirche. Und wie
der äußere Mensch dem inneren sich unterordnen muß, so muß auch die äußere
Kirche der inneren untergeordnet sein. Der äußere Gottesdienst ist absolut
leblos, wenn nicht ein innerer Gottesdienst vorhanden ist, der ihn belebt und
heiligt. Deshalb ist die eigentliche Kirche im Menschen und nicht außerhalb
seiner. Das Göttliche, das vom Herrn einfließt, nämlich Gottesliebe und Nächstenliebe
und seine Wahrheit, macht das, was man im eigentlichen Kirche nennt, wenn der
Mensch sie in sich aufnimmt aus dem Wort Gottes. Die Liebe zum Herrn
verbindet den Menschen mit dem Herrn. Gottesliebe und Nächstenliebe sind des inneren Menschen Liebearten, der
Glaube gehört zum Denken, das aus ihnen und aus den Wahrheiten erwächst.
Damit Kirche im Menschen vorhanden ist, muß also diese geistige Liebe und das
Denken in und aus den geistigen Wahrheiten da sein. Solche Menschen sind im
Leben des Guten und im Glauben der Wahrheiten und gehören zur Kirche. Man meint zwar, die Kirche sei da, wo das Wort ist und der Herr gekannt
wird, aber die Kirche besteht tatsächlich nur aus solchen Menschen, die den
Herrn als Gott anerkennen und lieben und durch das Wort die Wahrheiten vom
Herrn lernen und danach tun. Die anderen sind nicht wirklich Kirche. Zur
Kirche gehören also diejenigen, die nach den Wahrheiten des Wortes ein Leben
der Liebe und des Glaubens leben. So ist die Kirche im Menschen, denn Kirche
ist Kirche nur gemäß Liebe und Glauben, und diese sind im Menschen. Wenn sie
nicht in ihm sind, ist bei ihm keine Kirche. Der Mensch, der diese Liebe und
diesen Glauben in seinem Handeln nach außen dringen läßt, lebt auch äußere
Kirche. Die innere Kirche ist im Herzen, die äußere in den Handlungen. Dann
macht das Innere und das Äußere des Menschen eins aus, und dann sind die
innere und die äußere Kirche bei ihm im richtigen Verhältnis, sie sind
untrennbar, wie eins. Dann fließt das Gute unmittelbar vom inneren Menschen
in den natürlichen Menschen. Ohne dieses Einfließen gibt es keine echte
Kirche beim Menschen. Die Kirche im inneren oder geistigen Menschen und die
Kirche im äußeren oder natürlichen Menschen müssen zu einem werden wie
Ursache und Wirkung. Die wahre Kirche ist also nur bei denjenigen, die im geistig-Guten und
zugleich im natürlich-Guten sind, und sie ist da nicht, wo dieses Gute fehlt.
Nicht die Glaubenslehre, sondern ein Leben nach ihr, d.h. in der Gottes- und
Nächstenliebe, macht die Kirche aus, und so baut der Herr die Kirche bei den
Menschen, die als erstes ihn als Gott anerkennen und ihn auf diese Weise in
sich wirken lassen. Das Göttliche des Herrn macht die Kirche. Nun stellen aber nicht die Menschen als solche die Kirche dar, sondern
immer nur der Herr bei ihnen, d.h. in ihnen. Die Kirche wird im Menschen
bewirkt durch das Göttliche, das er aus dem Herzen aufnimmt. Dieses Göttliche
des Herrn macht die Kirche bei ihm. Jeder Mensch, der den Herrn als seinen
Gott anerkennt und liebt und in der Liebe zum Nächsten begründet ist, ist
eine Kirche im einzelnen, weil der Herr so in ihm lebt, und die allgemeine
Kirche setzt sich aus solchen Menschen zusammen. Die Grundlage der Kirche ist
somit Gott der Herr, und die Grundlage wird im Menschen gelegt, der ihn
anerkennt und liebt, wie das Wort Gottes es lehrt. Aus diesem Grund muß jede kirchliche Lehre aus dem Wort Gottes bezogen
sein; von anderswoher als aus dem Worte Gottes gibt es keine Lehre für die
Kirche. Wo keine innere Kirche und keine solche Lehre vorhanden sind, hat der
äußere Gottesdienst nicht eigentlich mit Kirche zu tun, sondern er besteht
nur aus äußeren Bewegungen und Tönen, und die sie begleitenden Gedanken
kommen nur aus dem natürlichen Gedächtnis, und die Neigungen dazu sind nichts
als äußere Gewohnheiten. Nur der innere Gottesdienst, also der in des
Menschen Innerem lebendige Gottesdienst, belebt und heiligt den äußeren Gottesdienst,
der sonst absolut leblos wird. Die Schlüssel des Himmelreichs. Von der so im Inneren des Menschen gegründeten und auch nach außen
wirkenden Kirche sagt der Herr, sie werde von den Mächten der Hölle nicht
überwunden werden. Und der im Menschen bestehenden festen Grundlage, auf der
diese Kirche aufgebaut ist, gibt er aus seiner Allmacht die Zusage: „Ich gebe
dir die Schlüssel des Himmelsreichs. Was du binden wirst auf Erden, wird im
Himmel gebunden sein, und was du lösen wirst auf Erden, wird im Himmel gelöst
sein.“ Untrennbar hierzu gehört Matth 18, 18: „Mir ist gegeben alle Gewalt im
Himmel und auf Erden.“ Das ist die dem Herrn als Sohn des lebendigen Gottes innewohnende
göttliche Macht und Gewalt. Sie ist ein Attribut dieser Göttlichkeit. Ein
Mensch kann dieses Attribut nicht übernehmen, und der Herr kann sich dieses
Attributs nicht entäußern; er würde sonst aufhören, Gott zu sein. Die Verbindung
des inneren und äußeren Menschen Bei dem Menschen, der aus dem Wort Gottes in der Gottes- und Nächsten
liebe lebt und sein ganzes Wesen danach ausrichtet, fließt sein Inneres in
sein Äußeres ein und ist so auch in diesem vorhanden. Das Äußere wird in
einer Verbindung, Verkettung mit dem Inneren gehalten, und die in sein
Inneres einfließende Kraft und Macht Gottes wirkt bei ihm vermöge dieser
Verbindung und Verkettung sogar bis ins letzte Äußere. Das Böse und Falsche, also das, was dem Guten und Wahren der in ihm
gegründeten Kirche entgegensteht, wird vom Herrn beseitigt, falls der Mensch
kraft seines freien Willens die ihm gegebenen Fähigkeiten dazu benutzt,
zuerst den Herrn als Gott anzuerkennen, und sodann das vom Herrn einfließende
Gute und seine göttlichen Wahrheiten in sich aufzunehmen und von seinem
Inneren nach außen wirken zu lassen. Erkennt der Mensch die Göttlichkeit des Herrn an, so öffnet er sich dem
Einfluß des Herrn, so wie der Himmel diesem Einfluß offensteht, und wenn der
Mensch den Einfluß des Guten und Wahren wirklich aufnimmt und danach lebt,
stellt er so auch die Verbindung mit dem Himmel in sich her. Dann ist sein innerer
Mensch in den himmlischen Gefilden. Binden und
Lösen. Der gebundene Mensch, der getrennte Mensch. Hiermit ist gezeigt, daß der Mensch, der Gottes Einfluß in sich wirken
läßt, hier auf Erden für den Himmel bindend oder lösend wirken kann, d.h. daß
er sich hier auf Erden seinen Himmel selbstverantwortlich schafft oder
verscherzt. Der Glaube an den Herrn als den Gottessohn ist das erste
Bindeglied zwischen Erde und Himmel. Dieser Glaube ist durch Petrus, den
Fels, repräsentiert, versinnbildlicht, wie oben ausführlich dargelegt worden
ist. Wenn das Innere des Menschen und sein Äußeres, oder sein Geistiges und
sein Natürliches verbunden, d.h. in Übereinstimmung gebracht worden sind,
dann verdrängt der Herr das Böse und Falsche, das im natürlichen Menschen
ist. Ist der innere und äußere Mensch aber nicht verbunden, d.h. nicht in
Übereinstimmung gebracht, dann kann das Böse und Falsche nicht verdrängt
werden, weil dieser Mensch dann nichts aus den Himmeln in und durch seinen
inneren Menschen aufnimmt. Ein solcher Mensch nimmt also nur von der Welt her
auf, und seine Vernunft ist nur den weltlichen Dingen aufgeschlossen. Ist der natürliche Mensch so von seinem Inneren getrennt, so bleibt
dieses Innere gewissermaßen leblos und leer, weil es vom geistigen Zufluß
abgeschnitten ist. Einem solchen Menschen sind die Dinge des Himmels und der
Kirche völlig dunkel, und infolgedessen leugnet er sie. Denn der natürliche
Mensch sieht diese Dinge von sich aus nicht. Unter dem natürlichen Menschen
wird auch hier nicht eigentlich sein Körper verstanden, sondern sein nur auf
das Natürliche und Weltliche gerichtetes Denken und Wollen. Ein Mensch, der durch die Kraft des Herrn sein Inneres für den Himmel
fähig gemacht hat, wird vom Herrn in den Himmel geführt, ob er von einem
Priester Absolution erhalten hat oder nicht, ob er exkommuniziert worden ist
oder nicht. Ein Mensch, der jedoch nicht auf dieser festen Grundlage steht,
der sein Leben im Gegensatz zu den Geboten der Liebe und Wahrheit gelebt,
sein Inneres also nicht für den Himmel fähig gemacht hat, kann seines eigenen
Widerstandes wegen nicht in den Himmel geführt werden, ob er auch hundertmal,
selbst auf dem Totenbett, Absolution erhielte. Der Herr sprach zu seinen Jüngern (Joh. 20, 22 f.): „Nehmet hin den
Heiligen Geist; welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und
welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten“ Hiermit ist das gleiche gesagt wie mit den Schlüsseln des Himmelreichs.
Die wirkende Kraft ist die Kraft des Heiligen Geistes in den Menschen, die
den Herrn als Gott anerkennen und seine Kraft in sich hinein wirken lassen.
Dieser Heilige Geist wirkt, aber nicht Petrus und nicht die anderen Jünger. Das ist die göttliche Macht. Sie wirkt nur zusammen mit dem freien
Willen des Menschen bindend für den Himmel. Wie könnte der Mensch ohne den
freien Willen den Herrn anerkennen als den Gott des Himmels und der Erde und
als seinen Erlöser? Die übrigen Jünger waren wie Petrus ganz einfach Menschen und haben
niemals eine solche Macht an anderen Menschen gehabt. Diese Macht hat der
Herr allein, und sie wirkt in Form seines Einflusses in den Menschen hinein. Der Heilige Geist erläßt oder behält einem Menschen die Sünde, bindet
oder löst im Himmel. Das kann keiner der Apostel von sich aus tun. Sie haben
nicht die Verfügungsgewalt über den Heiligen Geist, auch Petrus nicht, sie
können nicht von sich aus autoritativ einem Menschen Sünde erlassen oder
behalten, für den Himmel binden oder lösen. Sobald ein Jünger, Petrus oder
ein anderer Apostel, von sich aus menschlich wirken wollte, würde nicht der
Heilige Geist in ihm wirken. Und nirgends ist die Rede davon, daß der Heilige
Geist weiter von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Er muß originär
empfangen werden und wirken. Es ist eine Konfrontation des inneren Menschen mit dem wirkenden Geist
Gottes, und es ist des Menschen Entscheidung, ob er sich diesem
Geisteseinfluß unterwirft oder ihm Widerstand leistet, d.h. ob er die Gebote
und Lehren handelnd beachtet oder sie ablehnt und aus dem Eigenen leben will. Auch jetzt ist es die Konfrontation des Menschen mit dem Geist in ihm,
die die Entscheidung bringt, ob ihm die Sünden erlassen oder behalten werden,
d.h. ob er den Heiligen Geist und die durch ihn gegebenen Lehren und Gebote
in seine Gedanken und Handlungen wirken läßt, zur Richtschnur seines Lebens
macht, sein Leben tätig danach führt, oder ob er ihn ablehnt und nach rein
menschlichen und natürlichen Maßstäben lebt. Der Herr hat es gelehrt und gepredigt,
was sein Geist bei dieser Konfrontation vom Menschen verlangt. Der Herr wirkt,
der Mensch kooperiert. Durch den Heiligen Geist bewirkt der Herr die Verbindung, also die
Rettung des Menschen, mit Hilfe der Dinge, die der Mensch in seinem Leben
denkt, will und tut. Nur so kann sein Inneres zubereitet werden. Dieses
Innere ist sein geistiger Zustand, der seinen Himmel oder seine Hölle
ausmacht. Aber nur in der Kraft und mit der Hilfe des Herrn kann der Mensch
sein Leben so führen, daß sein Inneres für den Himmel reif wird. Gottes Macht
wirkt in denjenigen, die ihn als den Gott Himmels und der Erde anerkennen.
Diese Anerkennung also ist im Menschen die Vorbereitung für das Einwirken
Gottes in ihn, sie macht ein Leben möglich, welches sein Inneres zubereitet,
es kräftigt und festigt, so daß das, was er auf Erden gebunden oder gelöst
hat, für ihn im Himmel gebunden oder gelöst ist. Dieses Binden im Himmel
geschieht nur durch das Erdenleben des Menschen in der Kraft des Herrn. Denn
gut ist nur das, was der Mensch aus dem Herrn tut. Zwar sieht, was der Mensch
aus dem Herrn tut, äußerlich genau so aus wie das, was er von sich aus tut; aber
das muß so sein, weil, was der Herr in ihm wirkt, vom Menschen nach außen so
gelangen muß, wie wenn er es allein und von sich aus tun würde. Nur so kommt
die wirkliche Verbindung zustande. Kein anderer Mensch, kein Petrus, kein Bischof und kein Geistlicher
kann das Innere eines Menschen zu etwas machen, was nicht im Denken und
Wollen, kurz gesagt im Leben dieses Menschen seinen Vorläufer, seine
Entsprechung hat. Die Kirche im Menschen ist an sich geistig, und sie erstreckt sich bis
in den natürlichen Menschen, d.h. in seinen Willen, seine Vernunft und seinen
Verstand. Durch die verstandesmäßig übernommenen Wahrheiten aus dem Worte
Gottes wird seine Vernunft fähig, das Geistige einfließen und wirken zu
lassen. Denn der Mensch schöpft das Licht des Himmels, welches das geistige
Licht ist, durch seine von den Wahrheiten ausgebildete Vernunft. Auf diese
Weise gründet der Mensch die Kirche in sich aus der Kraft des Wortes Gottes. Wenn das Natürliche des Menschen nicht von seiner aus der geistigen
Welt erleuchteten Vernunft regiert wird, ist das Band zum Himmel
unterbrochen. Der Mensch hält dann die Dinge der Welt für alles, und den
Himmel für wenig oder nichts. Allerdings ist es ein tiefes Geheimnis, welcher Art die Stufenunterschiede
von dem äußeren und inneren Menschen, vom Körper zur Seele und von der natürlichen
zur geistigen Welt sind. Jedenfalls ist die Verbindung des inneren mit dem
äußeren Menschen nur sehr dunkel, solange sein Wissen und seine Kenntnisse in
den geistigen Dingen nicht ausgebildet sind. Aber die jedem verständliche
Regel lautet: Die Liebe zu Gott und zum Nächsten verbindet den inneren und
den äußeren Menschen; Eigenliebe trennt sie. Aber wenn die entsprechende Übereinstimmung des inneren mit dem äußeren
Menschen nicht auf Erden, d.h. während seines Körperlebens erfolgt, geschieht
sie später keineswegs mehr. Das ist so, weil die Vernunft und der Verstand
gewissermaßen Gefäße für das Einfließen des Geistes sind und nur vom Natürlichen
her, aus der natürlichen Erfahrung gebildet werden können. Sind während des
Erdenlebens diese Gefäße dafür befähigt und ausgebildet worden, so können die
Wahrheiten in sie einfließen. Sobald durch das Ableben des Körpers die
natürliche Erfahrung aufhört, ist die Neubildung solcher Gefäße unmöglich
geworden (2. Kor. 5, 10; Matth. 16, 27; Offb. Joh. 20, 12 f.; Röm. 2, 6). Es ist gezeigt worden, daß der Mensch das, was er auf Erden im Glauben
und in der Liebe zum Herrn bindet, für den Himmel bindet, d.h. sein Inneres,
das sich dem Einfluß von oben durch die Anerkennung der Göttlichkeit des
Herrn öffnet — das ist ja der Anfang und die Grundlage der Kirche in ihm,
also der Fels —‚ kann sich durch tätige Befolgung der Lehren des Wortes mit
dem Himmel verbinden. Dabei heißt auf Erden: während des irdischen Lebens des
Menschen. Und Lösen auf Erden: Der Mensch, der den Herrn nicht als Gott
anerkennt, schafft in sich nicht die Grundlage für die Kirche in ihm, er
bindet sich nicht mit der geistigen Welt und dem Himmel, oder — bei
nachträglicher Leugnung — unterbricht er diese Verbindung, er schneidet sie
ab. Also während seiner Lebenszeit auf Erden („was du binden wirst auf
Erden“) verbindet sich der anerkennende Mensch mit dem Himmel, macht sich der
Mensch, der den Herrn als seinen Gott in sich aufnimmt, bereit für den
Himmel, indem er die Bindung seines äußeren Menschen mit seinem inneren Menschen
herstellt. Oder er löst während seiner Lebenszeit diese Verbindung, weil er
den Herrn nicht anerkennt und aufnimmt, und schließt sich somit selbst vom
Himmel aus. Die Macht des
Herrn ist nicht beim Menschen. Der Himmel selbst besteht jedoch durch die Macht Gottes, und somit
liegt es auch ausschließlich in dieser seiner Macht, den Menschen, der für
den Himmel vorbereitet ist, tatsächlich in den Himmel einzuführen. Auch die
klugen Jungfrauen des Gleichnisses (Matth. 25, 1—12) können, obwohl sie
brennende Lampen haben, erst dann eintreten, wenn der Herr den Festsaal
öffnet. Wie kann dann noch die Rede sein von einer Übertragung der göttlichen
Macht auf den Menschen Petrus? Eine solche Übertragung ist nicht erfolgt, die
göttliche Macht ist nie in Petrus gewesen und konnte es nicht sein. Es ist eine verhängnisvoll falsche Lehre, diese göttliche Kraft und
Macht könne in einem Menschen sein und nicht im Herrn allein. Und der Himmel
könne geöffnet oder geschlossen werden durch den Spruch eines Priesters: ich
gebe Absolution, oder ich exkommuniziere. Niemals hat ein Priester durch
seine Absolution einem in seinem Leben nicht für den Himmel vorbereiteten
Menschen den Himmel geöffnet; und niemals wurde einem für den Himmel
innerlich vorbereiteten Menschen durch einen Priester der Himmel
verschlossen. Ein Mensch kann nie für einen anderen den Himmel öffnen oder
schließen. Das ist einzig und allein die Macht des Herrn und die Mitwirkung
des Menschen selbst. Alle Macht für das andere Leben beruht auf der Liebe und
dem Glauben aus dieser Liebe; beide sind des Herrn im Menschen. Nur hierauf
ist die Kirche gebaut, und niemals auf einen Menschen, schon gar nicht auf
Petrus und seinen Amtsnachfolgern. Das ist ausgesagt auch in Offb. Joh. 1, 17
f. bzw. 3, 7: „Ich bin der Erste und der Letzte; ich habe die Schlüssel der
Hölle und des Todes.“ „Der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat die Schlüssel Davids, der
auftut und niemand schließt zu, der zuschließt und niemand tut auf.“ Ein Mensch, der sich die göttliche Macht anmaßen wollte, und sei es im
Auftrag und mit Zustimmung der kirchlichen Institution, könnte nicht anders
als aus seinem eigenen Menschlichen heraus eine autoritäre Macht despotisch
ausüben. Es ist also auch gar nicht die Aufgabe der Institution Kirche und
ihrer Diener, hier auf Erden zu binden oder zu lösen mit Wirkung für den
Himmel. Die Aufgabe der
institutionellen Kirche. Die Kirche und ihre Diener können und sollen das Wort Gottes verkünden,
die Lehre verbreiten, die Lehre lehren, und so den Menschen den rechten Weg
zeigen. Was der Mensch mit dieser Lehre für sein Leben macht, ob er den
rechten Weg beschreiten will, ist Sache des einzelnen Menschen allein. Und es
bleibt ausschließlich seine Sache, ob er den Herrn erkennt, nach seinen
Geboten lebt und die göttlichen Wahrheiten übernimmt, die das Wort ihm
vermittelt. Nur dieses freie Tun aus dem Glauben und der Anerkennung bindet
für den Himmel, aber das Unterlassen löst vom Himmel. Es handelt sich bei alledem keineswegs gleich um den Himmel als
künftigen Aufenthaltsort, sondern es handelt sich um die Neugeburt und
Wiedergeburt, also den Zustand, der den inneren Menschen zum Himmelsbürger
macht. So wie die Anerkennung des Herrn als Sohn des lebendigen Gottes die
Grundlage schafft, auf der die Kirche im Menschen aufgebaut werden kann, so
ist diese Anerkennung auch der Anfang, der Schlüssel, auf dem Weg zum
Himmelreich im Menschen. Nur wer dieses Himmelreich in sich trägt, kann nach
dem Ablegen des Körpers in das neue Leben kommen, das man Himmel nennt. So besagt der Fels, auf dem die Kirche errichtet wird, und der
Schlüssel zum Himmelreich genau dasselbe. Das Natürliche
ist Abbild des Geistigen Alles Äußere, Natürliche, ist nur ein Bild, ein Abbild des inneren, des
Geistigen. Das Bild, das Abbild, steht in einem Entsprechungsverhältnis zum
Inneren, zum Geistigen, zum Lebendigen. Es ist nicht selbst das Innere und
Lebendige. Das Äußere, das Natürliche, existiert nur, damit das Lebendige
sich im Äußeren manifestiere. Die unendliche Vielfalt, die wir im Natürlichen
antreffen, ist ein Zeichen und Beweis für die unendliche Vielfalt des
Geistigen, für die Unendlichkeit des Geistes. Der Geist ist das Leben, und er hat die Macht; das äußere, die Natur,
ist nur Form dieses Lebens, Wirkung dieses Lebens. So ist auch der Apostel die Versinnbildlichung des Geistigen im
Natürlichen. Er ist niemals die Materialisation oder gar Identifikation des
Geistigen oder dessen, was geistig die Kirche ausmacht. Und die Worte des Herrn müssen in ihrer geistigen Bedeutung verstanden
werden. Nur wer lediglich den Buchstabensinn des Wortes aufnimmt, ohne seine
geistige Bedeutung zu beachten, kann meinen, der Herr habe auf Petrus und die
anderen Jünger Macht übertragen. Aus diesem Buchstabenglauben entstand die
Lehre, es stünde in menschlicher Macht, wen man will in den Himmel
einzuführen oder von ihm auszuschließen. Dieses Einführen oder Ausschließen
ist aber Wirkung des Glaubens und der Wahrheiten des Glaubens, die vom Herrn
ausgehen. Diese Macht gehört somit allein dem Herrn und keineswegs irgendeinem
Menschen. Das jüdische Volk und die jüdische Kirche bestanden aus den bekannten
zwölf Stämmen; sie zusammen ergeben die Einheit des Volkes und stellen die
Einheit der Kirche nur vor. Jeder einzelne Stamm stellt einen Teil, der
Bestandteil der ganzen Kirche, aber doch individuell in seiner Eigenart ist,
vor, d.h. er versinnbildlicht ihn. Der Herr erwählte zwölf Apostel, die er aussandte, seine Lehre und die
frohe Botschaft vom Reich Gottes zu verkündigen. Als Beauftragte des Herrn
repräsentieren sie die christliche Lehre; sie sind Träger dieses Auftrags,
und so sind alle geistigen Dinge der neuen Lehre des Herrn repräsentiert oder
sichtbar bezeichnet durch die zwölf Apostel. Und wenn gesagt ist, daß sie auf
zwölf Thronen sitzen werden, um die zwölf Stämme Israels zu richten, so wird
damit bezeichnet, daß alles, was Kirche ist (und ihre Gegner) gerichtet
werden muß nach der Lehre des Herrn, deren Verkündiger die Apostel waren. In Matth 18, 16 sind die gleichen Worte: „Was ihr binden werdet auf
Erden, das wird im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr lösen werdet auf
Erden, wird im Himmel gelöst sein“ an alle Jünger gerichtet und nicht an
Petrus allein. Auch hier repräsentieren die Apostel die Botschaft des Herrn,
die sie im Auftrag des Herrn lehrten und verbreiteten. „Ihr seid es nicht,
die da reden, sondern eures Vaters Geist ist es, der durch euch redet“
(Matth. 10, 20). Die göttliche Liebe und die göttliche Wahrheit dieser
Botschaft verbinden den Menschen, der sie hier freudig in sich aufnimmt, mit
dem Himmel, und sie lösen aus der Verbindung mit dem Himmel alle diejenigen,
die diese Lehre und Botschaft negieren und ablehnen. Grundlage und Anfang
dieser Botschaft ist die Göttlichkeit des Herrn. Der Mensch, der ihn nicht
als Gott anerkennt, verschließt der Botschaft den Zugang, er bietet ihr keine
Grundlage in seinem Inneren, sie geht an ihm vorbei oder über ihn hinweg. Kein Vikariat Jesu und keine Sukzession Petri. Aus diesem Verständnis, was Petrus und der Fels sowie die Schlüssel des
Himmelreichs bedeuten, ist nun noch ein Blick zu werfen auf das, was aus dem
Unverständnis der Worte des Herrn entstanden ist. Die Worte des Herrn wurden
als Weltauftrag an Petrus aufgefaßt und dienten zur Einsetzung des Petrus zum
ersten Papst und somit zur Einsetzung des Papsttums überhaupt. Petrus galt
als Wortführer aller Apostel, daher entstand sein Primat. Ohne die geistige Bedeutung zu beachten, wurde aus dem Buchstaben der
Worte des Herrn gefolgert, die Macht sei dem Petrus gegeben und sogar weiter
auf seine Nachfolger übertragen worden, und so habe der Herr dem Petrus die
Funktion abgetreten, sein Stellvertreter auf Erden zu sein (Vikariat) und
seinen Nachfolgern nach ihm (Sukzession). Der Herr hat jedoch nicht das
geringste von seiner Macht abgetreten. Der Herr baut seine Kirche auf der —
im Inneren des Menschen sich vollziehenden — Anerkennung der Göttlichkeit des
Herrn auf, also auf dieser Wahrheit über den Herrn, aber keineswegs auf
Petrus oder seinen angeblichen Nachfolgern. Petrus hat niemals eine Macht oder himmlische Schlüsselgewalt ausgeübt;
sie ausüben wollen, wäre gegen das Göttliche gehandelt. Wie könnte ein
Mensch, und sei er Papst, oder ein einfacher Priester, der sich solche Macht
anmaßt, die allein dem Herrn gehört, noch den Herrn anbeten in der Liebe und
im Glauben an die göttliche Alleinmacht des Herrn? Und die Meinung, die
göttliche Macht sei auf ihn übertragen worden, führt ihn dazu, nach eigenem
Ermessen diese angebliche Macht zu benutzen und sich an die Stelle Gottes zu
setzen, die Menschen beherrschen und die Welt regieren zu wollen. Das zeigen sogar die Worte, die dem Papst bei seiner Krönung zugerufen
werden: Wisse, daß du bist der Vater der Fürsten und Könige, der Lenker des
Erdkreises... Was kann dann noch von den göttlichen Wahrheiten in den Herzen derjenigen
verbleiben, die sich so an die Stelle Gottes gesetzt haben? In ihnen ist
jeder Gottesdienst erstickt. Die Dinge der Kirche sind zum Dienst für diese
Substitution geworden, nicht mehr zum Dienst am Herrn. Wer sich die Macht
Gottes anmaßt, hat Gott abgesetzt und ist im Grunde seines Herzens Atheist.
Wie sollte ein solcher über den Himmel Gottes bestimmen und verfügen können? Die Lehre aus dem Wort Gottes muß den Menschen verkündigt und gepredigt
werden. Das geschieht durch Menschen, die ein solches Lehramt innehaben.
Lehrer dieser Art sind Menschen, die in sich die Kirche lebendig gemacht
haben und aus ihrem lebendigen Inneren heraus sprechen und lehren. Sie werden
durch ihren Glauben und ihr Bekenntnis legitimiert und berufen, aber keineswegs
durch Sukzession, weder als Priester noch als Lehrer. Ihre Ausbildung und
ihre Reife in der Lehre kann und muß überwacht und kontrolliert werden. Das
hat aber nichts mit Sukzession von Mensch zu Mensch zu tun. Jeder, der den Herrn als den Sohn des lebendigen Gottes anerkennt und
bekennt, der so den ersten Schritt zum Aufbau der Kirche in sich getan hat,
wird, wenn er auf diesem Weg weiter schreiten will, vom Herrn direkt durch
das Wort Gottes und die Lehre belehrt. Die Anleitung hierzu kann nur ein äußeres
Darreichen und Erklären sein. Der wirkende Geist Gottes braucht keine anderen
menschlichen Dienste. Aus dem geistigen Verständnis der Worte des Herrn und aus vernünftigen
Erwägungen wird also klar, daß es keine Übernahme der Macht Gottes durch
einen Menschen gibt, und dann ist auch eine Weiterübertragung auf den
Nachfolger nicht möglich. Es gibt keine Sukzession, wo schon die erste
Einsetzung nicht stimmt. Die Kirche ist kein Erbhof, auch keine Erbmonarchie,
ebensowenig eine Wahlmonarchie. Könnte man sich einen Übergang der Macht Gottes, die ein Attribut
seines Heiligen Geistes ist, auf einen Menschen und von diesem auf einen
anderen überhaupt vorstellen? So etwas liegt nicht im Bereich der
Vorstellung, sondern blinden Autoritätsglaubens und ist außerhalb der
geistigen Realität. Der Herr kann bewirken — das haben die vorstehenden Ausführungen
gezeigt —, daß ein Mensch aus dem göttlichen Geist und aus seiner Lehre in
der Gottes- und Nächstenliebe lebt und handelt. Nur so kann der Herr in den
Menschen direkt einfließen. Aber es gibt keinen Einfluß durch einen
Nebenkanal oder einen indirekten Kanal. Nur der Mensch, der die Lehre des
Herrn in sich aufnimmt, nach seinen Geboten lebt, sein Inneres so für die
Aufnahme der göttlichen Wahrheiten befähigt und in seinem lebendigen Wesen
die Glaubensanerkennung zu einer unumstößlichen inneren Tatsache macht,
bekommt die Kraft verliehen, daß diese innere Kirche dann sein ganzes, auch
sein äußeres Leben beherrscht. Sie ist abhängig von der dauernden inneren
Verbindung zum Herrn und wird unterbrochen, sobald er in seinem Leben und Tun
den Herrn verleugnet, so wie Petrus ihn verleugnet hat, oder als Mensch groß
im Himmel erscheinen will, wie es die Jünger in menschlicher Versuchung taten. Auch vom Institutionellen her wird klar, daß es keinen Einfluß vom
Herrn durch einen indirekten Kanal geben kann. Als solchen indirekten Kanal
stellt man sich eine durch rituelle Handauflegung zu vollziehende Vererbung
oder Übertragung apostolischer Autorität, Lehrgewalt und Sendung vor und
setzt dabei einfach eine durch historischen Nachweis geschützte supranaturale
Jurisprudenz, geltendes Kirchenrecht und kirchliche Übung voraus. Die
Übertragung bestünde darin, daß von einem höchsten kirchlichen Amtsträger,
d.h. von einem Bischof die Autorität auf seinen Nachfolger und damit auch auf
die von diesem zu ordinierenden untergeordneten Amtsträger gewisserart
überströme. Es gäbe das nämlich da, wo die Reihe der Vorgänger des ordinieren
den Bischofs sich durch die Jahrhunderte hindurch nachweisbar ohne Unterbrechung
auf einen der zwölf ihrerseits durch Jesus Christus ordinierten Apostel als
den ersten Bischof des betreffenden Bereichs zurückführen lasse, und immer träten
die gewünschten Folgen auch für den beteiligten niederen Klerus ein. Es ist
klar, daß es dazu des Heiligen Geistes und der Glaubensanerkennung überhaupt
nicht bedürfte, sondern nur eines bestimmten Rechtsdenkens und eines
archäologischen Wissens um jene Zusammenhänge. (So Karl Barth.) Keine
institutionelle Verfügungsgewalt. Gibt es eine Institution und in ihrem Rahmen einen Organisationsritus,
in dessen Vollzug der Heilige Geist von einem Mann auf den anderen kommen
muß, in welchem über ihn verfügt wird, an dessen Vollzug seine Gegenwart und
Aktion also gebunden ist? Die Frage stellen, heißt schon, sie verneinen. Als
ob der Heilige Geist ein rechtliches oder technisches ES, ein Requisit wäre,
das sich in der Macht eines oder mehrerer hervorragender Glieder der Gemeinde
so befände, daß es von diesen ohne weiteres auch in die Macht anderer
übergehen könnte, einfach deshalb, weil es institutionell so vorgesehen ist
und der Vorgang rechtlich und rituell ordnungsgemäß stattfindet! (Karl Barth) Die Meinung, in dieser Weise über den Heiligen Geist verfügen zu
können, ist eine Anmaßung; und es ist ein Wahn, durch den Absolutionsspruch
eines Priesters könne einem Menschen der Himmel geöffnet werden. Diese
Wahnvorstellung bringt den Menschen vom richtigen Weg ab und hindert ihn
daran, sein Lebensziel, nämlich die Neugeburt und Wiedergeburt, zu erreichen;
nur sie führen ihn nach dem Ablegen des Körpers in das ewige Himmelreich. Die Institution und ihre Diener, die mit ihrem Machtanspruch solche
Wahnvorstellungen aufrecht erhalten und weiter nähren, laden eine Unsagbare
Verantwortung und Schuld auf sich. Die Geschichte des Abendlandes berichtet ausreichend darüber, welche
Folgen aus ihrem Autoritätsanspruch und dieser Herrschaftspraxis entstanden
sind. Niemand kann aber berichten über die Not, die unendlich viele Menschen
in ihrem Inneren gelitten haben und leiden, weil sie sich in ihrem Glauben an
den Herrn, in ihrer Liebe zu ihm und zum Nächsten durch falsche, aber
irreformable Definitionen in Sachen des Glaubens, der Moral und der Riten
vergewaltigt fühlen und nicht mehr frei sind, nach dem Worte Gottes zu
glauben, zu leben und auf diese Weise die innere Kirche in sich aufzubauen
und sich dem Himmel zu verbinden. Die verborgene Einheit im Wort Gottes. Eine
Schriftstudie. Die meisten Menschen unter uns halten das Buch, das im allgemeinen noch
»Die Heilige Schrift« genannt
wird, bestenfalls für ein Buch wie jedes andere; sie staunen nur darüber, daß
es noch Leute gibt, die ihm eine Sonderstellung einräumen. Je nach Bildung
oder Herkommen meinen sie, es sei veraltet und überholt, weil es wissenschaftlichen
Ansprüchen nicht genügt, oder es sei eines unter den vielen mystischen Büchern,
das gerade noch den Kirchen für ihre Zwecke dient; schon der Stil und der
Inhalt seien so zusammengewürfelt, daß es schwer, wenn nicht gar unmöglich
ist, eine einheitliche Linie, einen roten Faden zu sehen. Und dabei soll es
Gottes Offenbarung, das Wort Gottes sein! Wenn es wenigstens in einem besseren
Stil geschrieben wäre! Tatsächlich fehlt es nicht an Versuchen, die Heilige Schrift zu modernisieren,
aber die Neuerungen konnten das Verständnis für ihren Inhalt nicht wecken.
Die meisten Leser meinen, die Heilige Schrift behandle vorwiegend
weltlich-historische Ereignisse und beachten nicht, daß in ihr Dinge
geistiger und himmlischer Art enthalten sind. Rein irdisches und materielles
Denken verschließt sich ihrem Verständnis. Der Mangel liegt also nicht an den
Dingen der Schrift, sondern in den betreffenden Menschen, die sich nicht zu
dem erheben können, wozu sie eigentlich geschaffen und kraft ihres mentalen
und geistigen Aufbaus befähigt sind. Worin besteht dieser Aufbau, und welche Möglichkeiten verschafft er? Der Mensch und das Wort Gottes. Der Aufbau des Menschen besteht aus mehreren Stufen; diese Stufen
finden sich in entsprechender Weise auch im Worte Gottes. Es wurde schon gesagt, daß die Heilige Schrift Geistiges und
Himmlisches enthält; das ist so, weil sie das Wort Gottes wiedergibt*. * Im Alten Testament sind das: die 5 Bücher Mose, Josua, Richter,
Samuel, Könige, Psalmen sowie alle Propheten; im Neuen Testament: die
Evangelien und die Offenbarung des Johannes. Wie aber kann ein Mensch Geistiges und Himmlisches fassen und
aufnehmen? Das ist nur möglich auf dem Weg über die natürlichen Dinge, von
denen er sich eine Vorstellung machen kann, die also in Raum und Zeit stehen
und seinen Sinnen zugänglich sind, denn sein Vorstellungsvermögen und sein
Denken sind von den äußeren Sinnen abhängig. Deshalb mußte das Wort Gottes in
Begriffen festgehalten werden, die der Natur und dem äußeren Leben entnommen
sind, die aber in sich das Geistige und Himmlische enthalten, um derentwillen
das Wort Gottes in der Heiligen Schrift gegeben wurde. Das Geistige und das
Himmlische sind aber nicht die in ihr erwähnten Gegenstände und Personen,
sondern es wird durch sie nur vorgebildet und unserem Denken und Empfinden
nahe gebracht. Die Wirklichkeit oder das Wesen von Geistigem und Himmlischem
kann nur erfaßt werden, wenn das Denken und Empfinden von den physischen Erscheinungsbildern
unabhängig geworden ist, ihnen gewissermaßen antithetisch gegenübersteht und
ihnen eine Bedeutung gibt. Das menschliche Verstehen bezieht sich auf diese
Bedeutung. Das wird deutlicher, wenn wir uns klar machen, daß wir beim Lesen nur
Buchstaben vor Augen haben; die daraus gebildeten Wörter bringen ein
Vorstellungsbild hervor, und ihm legen wir im Zusammenhang des Textes eine
Bedeutung bei. Denselben Vorgang haben wir beim Hören, das nur von
Luftschwingungen ausgelöst wird. Über das Ohr und das Gehirn setzen sie sich
in Vorstellungen, Denken und Empfinden, also in mentale Vorgänge um. Den umgekehrten Weg hatte der Autor oder Sprecher vorher beschritten:
er hatte Worte, Begriffe und Bilder von Objekten geschaffen, in die er seine
Gedanken, Empfindungen, Vorstellungen und Absichten einkleidete, um sie
festzuhalten; so sind sie auf der materiellen Ebene beständig geworden und
können vom Leser oder Hörer aufgegriffen, aufgenommen, nachgebildet und
selbst erlebt werden. Das geschriebene Buch oder das ausgesprochene Wort ist
die Brücke vom Denken und Fühlen des Autors zum Denken und Fühlen des Lesers
oder Hörers, in dem beides wieder lebendig wird im Maß seiner
Aufnahmefähigkeit. Auf die gleiche Weise ist das Wort
Gottes, das in der Heiligen Schrift festgehalten ist, die Brücke
von Gott zu den Menschen. Es erscheint in der Einkleidung des natürlichen
Wortes. Zuerst nimmt der Mensch nur den natürlichen Wortzusammenhang oder
Wortsinn auf und verarbeitet ihn, dann erfaßt er in seinem Inneren die in die
Worte eingekleidete Bedeutung, also das von Gott hineingelegte Geistige, und
dieses regt das Innere des Menschen selbst an. So kann das Wort Gottes den
inneren Menschen erleuchten und erwärmen, überhaupt beleben bis zum Höchst
maß seiner geschöpflichen Fähigkeit. Denn die Stufen oder Grade, durch die
das Wort Gottes herabkommt durch die Himmel bis zur Welt, also vom Geistigen
bis zur Fixierung im Buchstaben, entsprechen den Stufen oder Graden, die das
Innere des Menschen ausmachen. Der Mensch besteht aus Äußerem und Innerem. Das Äußere, sein Körper mit
all den Sinnesorganen, ist die Umkleidung seines Inneren, des geistigen
Menschen. Er wird als äußerer Mensch in die Welt hineingeboren. Sein Inneres
umfaßt drei Stufen oder Grade; sie sind potentiell angelegt von der Zeugung her.
Der erste ist der dem Äußeren am nächsten liegende Grad; er entspricht dem
ersten Himmel. Weiter innen liegt der mittlere Grad, der dem zweiten oder
mittleren Himmel entspricht. Und ganz innen ist der dritte Grad, der dem
dritten oder obersten Himmel entspricht. In den gleichen jeweiligen Graden
sind die Engel: im Lebensgrad des obersten Himmels diejenigen, die himmlische
Engel genannt werden; in dem des mittleren Himmels die geistigen Engel, und
in dem des ersten oder unteren Himmels sind die Engel, die himmlisch-natürlich
und geistig-natürlich genannt werden. Die Entwicklung des Menschen geht von außen nach innen. Die inneren
Grade öffnen sich nicht vor dem Erwachsenenalter, denn erst die bis dahin
gewonnene äußere Reife ist die Grundlage für die weitere Entwicklung. So ist der Mensch in seinem Inneren nicht nur wie ein Abbild des
Himmels, sondern er trägt die drei Grade des Himmels in sich. „Das Reich
Gottes (das Himmelreich) ist inwendig in euch“ (Luk. 17, 21). Je mehr sein
Inneres aufgeschlossen ist, in einem desto inwendigeren Himmel ist er. Das
Öffnen geschieht stufenweise, wenn er die Wahrheiten, also die inneren
Sinnbedeutungen des Wortes Gottes, in sich aufnimmt, sich davon anregen läßt
und sein Tun danach ausrichtet. Die unterste Stufe oder der unterste Himmel
ist die Grundlage für den mittleren und den obersten Himmel. Im untersten
Himmel sind diejenigen, die von Gott und seinem Wirken überzeugt sind und aus
Gehorsam moralisch leben; das liegt auf der Ebene der dem Natürlichen
nächstliegenden Sinnbedeutung des Wortes Gottes. In der nächsten Stufe (dem
zweiten Himmel) sind diejenigen, die die Wahrheiten aus dem geistigen
Sinngehalt des Wortes Gottes ins Gedächtnis und den Verstand aufnehmen, sie
wollen und aus Freude befolgen oder tun. In der obersten Stufe sind, die vom
Wort, aus seiner himmlischen Sinnbedeutung angeregt werden und es ins Tun
übernehmen; das liegt auf der Ebene des dritten Himmels und seiner
himmlischen Engel. So öffnet das Wort den inneren Menschen und führt ihn in
die Himmel ein. Das Wesentliche am Menschen ist sein dreistufiges Inneres, und er ist
an sich betrachtet ein Geist; der ihm beigefügte Körper mit seinen Sinnen ist
nur das Werkzeug für seinen Geist. Mit diesen Sinnen nimmt er das Wort auf
und führt es seinem Verstand und Willen zu. Je nachdem er den von Gott
kommenden Einfluß auf Verstand und Willen wirken läßt, öffnen sich seine
weiter innen liegenden Grade in der angegebenen Weise. Der Körper dient des
weiteren dazu, daß er das als wahr und gut Erkannte tätig ins Leben umsetzt;
das Geistige muß durch den Menschen ins Natürliche wirken und sich dort
darstellen. So ist der Körper der notwendige Ausgangspunkt für den Aufbau des
inneren Menschen, gleich wie das Wort Gottes als Buch und Buchstabe der
Ausgangspunkt dafür ist, daß der Mensch die im Buchstaben verborgenen inneren
Sinnbedeutungen in sich aufnimmt. Der Körper ist auch der Schlußpunkt, weil
er das Tun ausführt, das vom inneren Menschen angeregt wird. (HG 61) Alles dasjenige aus dem Wort, was in die inneren Lebensgebiete dringt,
wird Geistiges, alles, was in ihnen darüber hinaus die Liebe zum Herrn
anregt, wird Himmlisches genannt. Darin unterscheiden sich auch die Engel des
mittleren (geistigen) Himmels von denen des obersten Himmels, deren
Lebensbewußtsein vor allem in der Liebe zum Herrn beruht. Das innerliche
Aufnehmen des Wortes Gottes ist der einzige Weg, der den Menschen schon
während seines Erdendaseins ins geistige und auch ins himmlische Leben führt,
denn so werden seine inneren oder höheren Lebenssphären geöffnet, und dann
spielt sich sein eigentliches Leben auf diesen höheren Ebenen ab. Er
empfindet Freude, wo vorher Unlust, Beschwernis, Angst und Traurigkeit ihn
beherrschte; anstelle der Gedanken über die Sinnlosigkeit tritt ein Empfinden
für das hohe Ziel seines Lebens, er bekommt Lust, dem Ziel näher zu kommen
und fühlt, daß ihm die Kraft dazu gegeben wird. Allerdings widerstrebt das
ihm während seines Erdenlebens noch anhaftende Natürliche und bringt manche
Rückschläge, Versuchungen und Kämpfe. Die Wahrheiten des Wortes Gottes, die der Mensch in seine inneren
Lebensgebiete aufnimmt, machen ihn geistig. Dagegen machen Kenntnisse und
Gelehrsamkeit in den äußeren, weltlichen Bereichen den Menschen noch
keineswegs geistig. Alles Wissen aus den Natur- und anderen Wissenschaften,
wie Psychologie oder Soziologie, bleibt auf der natürlichen Ebene; es dient
zwar als Grundlage für den geistigen Grad, öffnet diesen aber noch nicht,
auch wenn im üblichen Sprachgebrauch die Beschäftigung mit ihnen als geistige
Tätigkeit bezeichnet wird. Zur richtigen Unterscheidung vom wirklich
Geistigen sollte man sie als intellektuelle Tätigkeit bezeichnen. Nur das
Wort Gottes lehrt und vermittelt wirklich Geistiges und Himmlisches (LW
237). Die geistige Stufe oder der spirituelle Grad im Menschen wird von Leben
erfüllt, wenn er das lebhafte Verlangen danach hat, seine geistigen
Kenntnisse aus dem Wort Gottes für seine Mitmenschen zu verwenden, denn darin
besteht die Nächstenliebe. Diese geistige Stufe im Menschen weitet sich umso
mehr aus, je mehr seine Kenntnisse ausgefüllt werden von den Wahrheiten über
das geistige Leben und seine Nutzwirkungen. Wenn er also die Wahrheiten, die er im Wort Gottes findet, zur
Grundlage seines Lebens macht, kann er die ganze Höhe dieser Stufe erreichen. Aber die nächste, die himmlische Stufe wird hierdurch in ihm noch nicht
geöffnet. In ihr herrscht die Liebe zu Gott auf Grund der Wahrheiten des
Wortes Gottes. Diese Liebe zu Gott wird ihm geschenkt, wenn er aus dem Wort
das Verlangen danach hat und sie zur neuen Grundlage seines Lebens mit allem
Denken und Tun macht. Anleitung dazu geben ihm die Gebote in ihrem geistigen
und himmlischen Sinn. Was diese himmlische Stufe in ihm erfüllt, macht auch
den obersten Himmel aus: Gottesverehrung und das innerste Verständnis des
Wortes regen seine Liebe und sein Tun immer mehr an, so daß er in seinem
Inneren schon ein Bewohner der Himmel ist. Aber nur die Kenntnisse aus dem
Wort öffnen die inneren Stufen noch nicht, sondern sie sind wie Bausteine,
die sich dort ansammeln. Erst wenn der Mensch aus Liebe zum Herrn und zum
Nächsten mit Ernst und Beharrlichkeit darin leben und bleiben will, baut der
Herr sie für ihn zusammen, und er findet seine himmlische Wohnung und Heimat.
In alle Fülle und mit seinem ganzen Bewußtsein kommt der Mensch in die während
seines irdischen Daseins geöffneten Lebensstufen, jedoch erst, wenn er seinen
natürlichen Grad mit dem Körper abgelegt hat und in die Wirklichkeit des anderen
Lebens übergegangen ist. Die Einheit des Wortes Gottes. Gott ist der Urheber und Ausgangspunkt alles Bestehenden in den
geistigen und in den natürlichen Bereichen. Er ist die Quelle alles Lebens.
„Bei Dir ist die Quelle des Lebens, in Deinem Licht sehen wir das Licht“
(Psalm 36, 10). Er ist unendlich, wogegen alles Geschaffene: Himmel und Erde,
Engel und Menschen endlich und dazu geschaffen sind, Sein Leben aufzunehmen
und es in sich zu verwirklichen, im Maß der in sie gelegten Möglichkeiten. Auch das Wort Gottes ist von Gott ausgegangen, es ist Seine
Ausstrahlung, es ist Seine Verwirklichung und Realisation, Seine „Wahrheit“,
es ist Gott außerhalb Seiner Selbst, so wie das Licht und die Wärme von der
Sonne her stammt und für die sie aufnehmenden Menschen und Objekte „die
Sonne“ sind, zwar nicht der Himmelskörper, sondern das, was von ihr außerhalb
ihres Ursprungs und Zentrums ist. Im Licht der Sonne ist ihre Wärme. So ist
in der Wahrheit des Wortes Gottes Seine Liebe enthalten. Sie kann den inneren
Menschen erwärmen; die Wahrheit erleuchtet ihn. So wird er innerlich belebt.
Denn das ausstrahlende Wort, das Göttlich-Wahre, durchstrahlt auf seinem Weg
herab zur Erde der Reihe nach die drei Himmel und paßt sich in jedem von
ihnen der Aufnahmefähigkeit der Engel an (EO 1073). So werden die Engel und
auch die inneren Bereiche oder Grade der Menschen, weil sie auch geistig und
himmlisch sind, belebt. So verwirklicht sich das Leben Gottes in des Menschen
Lebensstufen ebenso stufenweise oder gradweise, es gleicht sich ihnen an und
wird erkannt und empfunden, als wäre es abgestuft, und doch ist es ein
einheitliches Leben. Es liegt am Stufenbau des Menschen, daß wir vom
Natürlichen, Geistigen und Himmlischen als jeweils einem Gesonderten sprechen
müssen, denn wir können den unendlichen Gott einheitlich nicht erfassen,
sondern nur so wie er, sich begrenzend, in die vorgegebenen Stufen strahlt
und sich erleben läßt. Das gleiche gilt vom Worte Gottes. Das vom Herrn ausstrahlende
Göttliche bleibt in seinem Wort durch alle Stufen hindurch bis zur letzten
oder untersten, d.h. natürlichen Stufe enthalten, und wird in der höchsten
Stufe das Göttlich-Himmlische, in der mittleren das Göttlich-Geistige, in der
untersten das Göttlich-Natürliche genannt. Das Göttliche bleibt erhalten,
aber in den Stufen wird es je nach deren Eigenart umhüllt und begrenzt, damit
es aufgenommen werden kann. Die Engel des obersten Himmels nehmen das
Himmlische des Wortes Gottes, die Engel des mittleren Himmels, das Geistige,
die im unteren Himmel das Natürlich-Himmlische und Natürlich-Geistige, die
Menschen auf der Erde aber nur das Natürliche des Wortes Gottes auf, weil
ihre Sinne natürlich begrenzt sind. Aber die innerlich aufgeschlossenen Menschen
erfassen das Wort Gottes darüber hinaus wie die Engel. So sprechen wir vom
himmlischen Sinn, vom geistigen Sinn und vom natürlichen Sinn des Wortes
Gottes. Der natürliche Sinn umkleidet und verdeckt den geistigen Sinn, und
dieser den himmlischen Sinn. Im natürlichen Sinn ist also der geistige und
der himmlische Sinn wie verborgen. Der geistige Sinn zeigt hauptsächlich die göttlichen Wahrheiten und
handelt von der geistigen Kirche, die aus ihnen entsteht und besteht; das
Himmlische des Wortes bezieht sich auf den Herrn und auf das Göttlich-Gute.
In seinem natürlichen oder Buchstabensinn ist das Wort nur auf der Erde. Nur
dieser natürliche Wortsinn ist in Raum und Zeit eingebettet, weil der
natürliche Mensch nur in diesen Kategorien denken kann. Der geistige und der
himmlische Sinn sind davon unabhängig; das Geistige und das Himmlische
handeln von Seinszuständen. Zwischen den Sinnbedeutungen besteht eine
Beziehung, die Entsprechung genannt wird (LW 7). Wie in der ganzen Schöpfung
und in den Stufungen des Menschen entspricht auch im Wort das Natürliche dem
Geistigen und dem Himmlischen, weil das Natürliche aus Geistigem und Himmlischem
entstanden ist. Obwohl das Wort Gottes von seiner ersten Offenbarung ab äußerlich viele
Fährnisse erlitt, wurde die Sinnbedeutung des Buchstabensinns nicht verstümmelt,
damit er Träger des geistigen und himmlischen Sinns bleiben konnte (OE 1085).
Das geschah aus göttlicher Vorsehung. So blieb die vertikale Einheit des
Wortes Gottes voll erhalten, und es ist durchweg göttlich wie sein Ursprung.
Und das uns gegebene Wort Gottes ist vor unseren Augen mit all seinen Sinnbedeutungen;
in ihm sind all die Reichtümer enthalten, die im Geistigen und Himmlischen
liegen. Somit ist es auch die Quelle des geistigen und himmlischen Lebens des
Menschen. Solange er auf der Erde lebt, kann er allerdings nur wenig davon in
sein Bewußtsein aufnehmen, aber ihm unbekannt bildet das Wort Gottes seine
geistige und himmlische innere Gestalt aus. Jede Stufe lebt von der höheren
Stufe, von deren Einfluß bzw. Einwirkung. Im Grunde ist alles nach oben, nach
dem Höheren gerichtet, und zuletzt nach Gott, weil Er die Ursache und Kraft
in allen Dingen ist, ihr Anfang und ihr Endzweck. Der Buchstabensinn des Wortes scheint sehr einfach; nur der innere Sinn
legt die Entsprechungsbedeutungen frei und zeigt, was das Wort Gottes
wirklich aussagt. Die Kritiker am Worte Gottes sollten bescheidener sein und
nicht negieren, was sie nicht verstehen. Wenn sie leugnen, setzen sie ihre
Beschränkung aufs Natürliche als Maßstab, ohne Rücksicht auf die höheren
Lebensstufen des Menschen. Nach diesem Maß dürfte überhaupt nichts gelehrt
und gelebt werden, was da Natürliche übersteigt und die höheren Stufen in ihm
ausmacht. Das wäre eine tödliche Vergewaltigung des inneren Menschen. Dieser
kann nur mit den reichen Gütern der Liebe und Weisheit erfüllt und lebendig
gemacht werden, wenn er sie aus dem Worte Gottes schöpft. Der Mensch ist für
den Himmel, für ein geistiges und himmlisches Leben geboren. Das Wort Gottes
ist das Medium, das vermittels des Menschen und des Engels die Erde mit dem
Himmel und den Himmel mit Gott dem Herrn verbindet. Das Wort kam von Gott herab und steigt wieder zu Ihm auf. In seinem natürlichen Verstehen
nimmt der Mensch den Buchstabensinn auf, der weltliche Dinge und die
Geschichte von Menschen und Völkern beschreibt. Ist die natürlich-geistige
Stufe im Leser geöffnet, dann fällt der bloße Buchstabensinn wie eine Schale
ab, und er erkennt den inneren Sinn dieser weltlichen Geschichten, so wie er
auch im untersten Himmel aufgenommen wird. Ist die geistige Stufe im Leser
geöffnet, so dringt sein Verstehen vor bis zur geistigen Bedeutung, die
losgelöst von Personen, Völkern, Zeit und Raum, reine Wahrheiten enthält; so
nehmen auch die Engel des mittleren Himmels das Wort auf. Ist im Menschen die
himmlische Stufe geöffnet, dann nimmt er die volle Weisheit aus der göttlichen
Liebe auf, gleich den Engeln des obersten Himmels, und Gott Selbst kann in
diesem innersten Bereich des Menschen wohnen. So kehrt Gottes Wort im
Menschen zu Gott zurück und führt ihn heim zu Gott. Es hat seinen Nutzen
erbracht, hat die aufsteigenden Stufen im Menschen geöffnet und ihn seiner
himmlischen Bestimmung zugeführt. Die Öffnung der Stufen in aufsteigender Richtung ist der Weg der Wiedergeburt
des Menschen. Dieser Weg und das Ziel sind im Wort immer wieder beschrieben.
Deshalb ist das Wort Gottes die Quelle aller Weisheit des Menschen und der
Engel zum himmlischen Dasein. Die ganze Heilige Schrift, die das Wort Gottes wiedergibt, handelt von
Gott dem Herrn und Seinen Taten. Er ist das Wort: Im Anfang war das Wort, und
das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort (Joh. 1,1). Alles ist durch
dasselbe geworden (ebenda, Vers 3). In ihm war das Leben, und das Leben war
das Licht der Menschen (ebenda, Vers 4). Das Licht scheint in der Finsternis,
und die Finsternis hat‘s nicht begriffen (ebenda, Vers 5). Es war in der Welt,
aber die Welt erkannte es nicht (Vers 10). Und das Wort ward Fleisch und
wohnte unter uns, und wir schauten seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als
des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit (Vers 14). In den Versen 1 und 3 ist enthalten, daß die ganze Schöpfung von Gott
stammt, nicht nur die materielle Welt und die Körper der Menschen, sondern
(Vers 4) auch die geistige Schöpfung, also auch der innere Mensch. Mit dem
Wort „Licht“ drängt sich uns schon der Vergleich mit der Sonne auf, deren
Strahlen unsere Welt erwärmen und erleuchten, also das Leben geben. Vers 5
handelt von den inneren Menschen; sie nahmen es nicht in ihr Inneres auf.
Aber Vers 14 sagt uns, daß das Licht und das Leben des Wortes in Jesus
Christus die Gnade und Wahrheit Gottes offenbarte. Richtig verstanden bedeuten diese Verse in äußerst verkürzter Form: Das
Wort Gottes handelt im Alten und im Neuen Testament vom Herrn und nur vom
Herrn, der der Ausgangspunkt oder Anfang aller Dinge und ihr Leben ist;
dazu gehört auch, daß in beiden Testamenten die Rede auch von denjenigen ist,
die sich dem Herrn widersetzen: Die Finsternis hat das Wort nicht begriffen
(Vers 5). Die Welt erkannte es nicht (Vers 10). Gäbe es das Wort Gottes nicht, so wüßte niemand davon, daß es einen
Gott, Himmel und Hölle, ein Leben nach dem irdischen Tod gibt (LHS 114). Mit
der Ablehnung des Wortes geht dieses Licht verloren, gehen im Menschen die
von Gott ihm zugänglichen Wahrheiten verloren, und es bleiben ihm nur die
Kenntnisse, die sich aus seinem Sinnenleben ergeben (LHS 2). Im Alten
Testament sprach Gott durch Moses und die Propheten, auch das sind also
Gottes Wahrheiten, wenngleich vielfach in so verdeckter Form, daß es schwer
fällt, sie darin noch zu erkennen. Im Neuen Testament sprach der Herr meist selbst;
im übrigen sprach der heilige Geist durch die Menschen. Das Wort Gottes vermittelt die göttlichen Wahrheiten; sie werden im
Himmel geistig und von den Menschen natürlich aufgenommen. Heutzutage herrscht die Meinung vor, das Alte Testament berichte fast
nur von den Geschehnissen in der jüdischen Kirche und sei für uns deshalb
ohne großes Interesse, denn was Moses und die Propheten gesagt haben, sei nur
für jene Zeiten und ihre Verhältnisse bestimmt gewesen; das gelte auch für
die von ihm verkündeten moralischen Gesetze, sie könnten keine allgemeine
Bedeutung beanspruchen; und das Neue Testament behandle großenteils aus dem
Alten Testament wiederholte Vorschriften, die zur Gründung der christlichen
Kirche benutzt worden sind. Diese modernen Meinungen sind im höchsten Grade oberflächlich, weil sie
weit vom inneren Wesen sowohl des Alten wie des Neuen Testaments entfernt
sind. Beide lehren, daß es einen, und nur einen Gott gibt und dieser eine
Gott unser Herr ist, und sie handeln überhaupt nur von diesem einen Gott und
der Kirche, die Er auf Erden errichtet hat und immer neu aufrichten wird, von
Seiner Ankunft auf der Erde, Seinen Kämpfen, Seiner Verherrlichung, von der
Erlösung und vom Himmelreich, und gleichzeitig von den Menschen und Mächten,
die sich all dem widersetzen (LH 37). Das Alte Testament ist nach seinem inneren Sinn Vorausbild, Vorausschau
und Vorausdarstellung des Kommens des Herrn und Seines Lebens; es bedient
sich hierbei der zu diesem Zweck ausgewählten jüdischen Geschichte und der
jüdischen Kirche, deren Gegebenheiten so wie sie waren dazu angelegt worden
waren, um das Zukünftige, zeitlich noch Ausstehende voranzuzeigen: die
jüdische Kirche war eine Vorbildung der vom Herrn auf der Erde zu errichtenden
Kirche. Unter „Kirche“ ist hier nicht die jeweilige Institution, sondern sind
die Menschen zu verstehen, die in ihrem Inneren diese Kirche bilden. Was ist unter Vorausbild zu verstehen? Wer etwas beabsichtigt, macht sich zuerst in seiner Vorstellung ein
Bild davon und erwägt die Mittel, mit denen er seinen Plan ausführen kann;
aber allem voran steht der Zweck, warum er es überhaupt tun will. So ist das,
was er schaffen will, zuerst in seinem Geist vorhanden, bevor es materielle
Gestalt gewinnt. Das Geistige geht dem Materiellen voran. Das Werk verkörpert
oder materialisiert den Geist, aus dem es geworden ist. Jedes Kunstwerk zeigt
den Geist seines Schöpfers. Das „Leben“ des Werks ist nicht in der Materie,
sondern im Geist. Dieser Vergleich zeigt das Verhältnis des Alten zum Neuen Testament.
Der Herr ist in die Welt gekommen, um alles auszuführen, was Sein Wort
göttlich und geistig enthält, also um die göttlichen Wahrheiten auch in der
irdischen Seinsebene zu verwirklichen und sich auf dieser Ebene mit ihnen zu
identifizieren, also selbst in allem die göttliche Wahrheit, das Wort zu
werden. Im Geistigen war das Wort schon da, war alles geschehen, wie es z.B. in
den Propheten und in den Psalmen steht. Denn in jenen Bereichen ist alles Geistige
effektiv, geistige Wirklichkeit, weil dort alle geistigen Vorgänge sich
anschaulich darstellen, genau wie die Vorausschau im Menschen. Das sehen wir
u.a. aus 2. Mose 25, 1. 9: Jehovah redete zu Mose und sprach: »Nach allem,
wozu ich dich das Vorbild der Wohnung und das Vorbild aller seiner Geräte
sehen lasse, so sollt ihr es machen«. Die geistigen und himmlischen Engel
beachten aber hinter dem Anschaulichen nur die geistige Bedeutung, den
geistigen Kern. Alles was im Alten Testament dargestellt ist, sind solche
Anschaulichkeiten aus der geistigen Welt, die dem Moses, den Propheten und
den Psalmisten gezeigt wurden. Sie haben das weiter gegeben in Worten und
Bildern, zumeist ohne selbst den geistigen Kern erkannt zu haben. Es sind himmlische
Vorbilder von dem, was im Leben des Herrn sich erfüllen sollte. So kam der
„Logos“ von Gott herab, aber „die Finsternis hat‘s nicht begriffen.“ Daraus können wir das Verhältnis zwischen dem Alten und Neuen Testament
ganz neu verstehen. Das Neue Testament ist die Erfüllung in der natürlichen
Welt von all dem, was in der geistigen Welt schon anschaulich vorhanden war
und im Bilderbuch des Alten Testaments gezeigt wurde. Erfüllen heißt hier: Durchdringung
der natürlichen Welt von der geistigen her. Das Verhältnis zwischen dem Alten
und Neuen Testament ist also kein zeitlicher, sondern ein seinsmäßiger
Unterschied auf verschiedenen Seins-Ebenen. So hat der Herr die Wahrheiten seines göttlichen Wortes ausgeführt und
ausgefüllt, erfüllt; Er ist auch auf der letzten, der irdischen Seinsebene
Sein Wort geworden, wie Er es schon auf der geistigen und himmlischen Ebene
war und ist. Das Alte Testament ist nicht überholt, sondern enthält unglaublich
viele Anschauungsbilder für das Kommen und Wirken des Herrn und das Dasein
der Himmel, in denen Er ist. Da die Anschauungsbilder Formen sind, in denen
die geistige Wirklichkeit dargestellt ist, können wir aus der Entsprechung,
die zwischen der geistigen Wirklichkeit und ihren irdischen Anschauungsformen
besteht, schon im Alten Testament viel vom Herrn sehen, was in den viel
knapperen Evangelien nicht ausgesprochen ist. Altes und Neues Testament
ergänzen sich; das eine kommt ohne das andere nicht aus. Das Leben des Herrn auf Erden ist Vorbild und Beispiel für das geistige
Leben jedes Menschen; deshalb haben die Vorausbildungen des Alten Testaments
größte, ich möchte sagen lebentragende Bedeutung auch für jeden Menschen, der
dem Herrn nachfolgen will. So unerwartet es erscheint, so ist doch schon die Schöpfungsgeschichte
in 1. Mose 1, die wir als Darstellung der Erschaffung des geistigen Menschen
oder seiner Wiedergeburt kennen, auch ein summarisches Bild von den
aufeinanderfolgenden Stadien, die der Herr auf seinem Weg zu seiner
Verherrlichung durchlief; denn seine Verherrlichung ist Urbild und Vorbild
für unsere Wiedergeburt. Auch die Geschichte des jüdischen bzw.
israelitischen Volkes ist Anschauungsform oder Prophetie für jede Einzelheit
des Lebens und der Verherrlichung des Herrn, sowie für sein Wirken. Die
Propheten personifizieren das Wort und sprechen, als ob es sich nur um Dinge
ihrer Zeit handelte; das gilt aber nur im Buchstabensinn, der an Raum und
Zeit gebunden ist. Der innere Sinn ist unabhängig von Raum und Zeit. Die
kommenden Dinge und Seinszustände sind bei Gott gegenwärtig. So verstehen wir
unseren Herrn Jesus Christus als das in der Natur verwirklichte Wort Gottes,
als die Inkarnation Gottes. Genügt es nun, das zu wissen, so als handle es sich nur um einen
Menschen, der vor etwa zweitausend Jahren gelebt hat und wieder von der Erde
verschwunden ist, ohne Spuren seines leiblichen Daseins zu hinterlassen?
Nein! Denn es geht im Grunde ja gar nicht um einen anderen, mir gewissermaßen
fremden Menschen, sondern es handelt sich um des Herrn Leben und Einfluß in
mich, um mein Leben mit dem Herrn und im Herrn. Das liegt nicht auf der
natürlichen Ebene und besteht nicht in natürlichen Abläufen, sondern auf der
geistigen und himmlischen Ebene mit ihren Seinszuständen. Sie werden schon im
Alten Testament recht ausführlich geschildert; das Alte Testament hat im
inneren Sinn geistige und himmlische Bedeutung, denn alle dortigen Abläufe
haben diesen inneren Kern, sind innerlich eins damit. Darin liegt die Einheit
von Altem und Neuem Testament, obwohl die Abläufe im Natürlichen völlig
verschieden sind. Im allerinnersten, göttlichen Sinn ist das Alte Testament völlig eins
mit dem Neuen Testament; er, d.h. dieser allerinnerste Sinn, ist der
eigentliche Kern aller ihrer Abläufe. Im himmlischen Sinn ist diese Einheit
schon nicht mehr ganz so deutlich, noch weniger im geistigen Sinn, und am
allerschwersten ist diese Einheit im natürlichen oder Buchstabensinn zu
finden, weil die Sinn-Inhalte sich immer weiter vom Kern entfernen und die
ihnen eigentümlichen Abläufe als unzusammenhängende Teile erscheinen. Gott
ist immer und überall der Ich Bin, er ist der gleiche im Alten und im
Neuen Testament. Seine Wahrheit nimmt in beiden verschiedene Formen an,
bleibt aber die gleiche. Nicht im Äußeren, sondern im Inneren und völlig im Innersten
besteht die Einheit. Bei verschiedenen Menschen sind ja auch die Auswirkungen
des inneren Zustands, also die Nutzwirkungen, die sie erbringen, ganz verschieden
voneinander, obwohl sie aus einem gleichen oder ähnlichen Inneren stammen
können. Das Göttliche ist eins und einheitlich die göttliche Liebe in der
göttlichen Weisheit; nur die Ausstrahlungen sind verschieden von Sphäre zu
Sphäre, die wir die Himmel, die geistige Welt, die natürliche Welt und die
Höhen nennen. So spaltet sich die eine göttliche Wahrheit für das Verständnis
der Menschen bei den Abläufen auf den verschiedenen Ebenen in der Weise auf,
daß wir in dem uns zugänglichen Wort Gottes den inneren Sinn unterscheiden
nach den Dingen, die das Reich des Herrn, seine Kirche, die Errichtung seiner
Kirche, die Wiedergeburt des Menschen, und auch die dagegen wirkenden
Widerstände betreffen (HG 6827). Die Wiedergeburt des Menschen im Abbild der
Verherrlichung des Herrn ist im Worte Gottes das zentrale Anliegen, von dem
alles abhängt und auf das alles hindeutet (HG 9389). Die Engel des dritten
Himmels erkennen es am meisten, weil sie mehr als alle anderen in der Liebe
zum Herrn und deshalb in der höchsten Weisheit sind und in allen Werken des
Herrn sofort den innersten Sinn erfassen (OE 435). Daraus wissen sie z.B.,
daß jeder der zwölf Stämme Israels ein Teilstück aus der Verherrlichung des
Herrn, der Neuordnung der Himmel, der Unterwerfung der Höhen, des Aufbaus der
Kirche und der Wiedergeburt des Menschen personifiziert. Der innerste Sinn
zeigt all diese Werke des Herrn an seinen Reden, Taten und seinem Leiden
während er auf Erden war. Der innere Sinn, den die Engel des zweiten oder mittleren
Himmels erfassen, entfernt sich schon von diesen innersten Kernstücken; im
äußeren Sinn (der Engel im untersten Himmel) bleiben sie im Dunkel, und der
natürliche Buchstabensinn enthält nur die irdischen Vorgänge ohne inneren
Zusammenhalt. Engel und Menschen können die Liebe und Wahrheit Gottes nur aus seinen
Werken ermessen und angeregt, d.h. innerlich belebt werden. Der direkte Kontakt
zwischen Schöpfer und Geschöpf würde das Geschöpf vernichten, so wie
natürliche Organformen im Zentrum der Sonne vergehen müßten, aber in den
Ausstrahlungen der Sonne zur Fülle ihres Lebens gelangen können. In den
Ausstrahlungen Gottes sind seine Werke, und diese sind in seinem Wort dargestellt,
um Engel und Menschen innerlich zu beleben. Das Wort Gottes kommt von oben
und geht nach unten, wie die Strahlen der Sonne. Hat es unten, im natürlichen
Leben des Menschen sein Werk begonnen und weitergeführt dann steigt es in ihm
auf in die höheren Bereiche seines Inneren und trägt ihn, d.h. seine
geistigen Organformen während der Wiedergeburt zu den Himmeln, also von unten
nach oben. Auch der Herr mußte in dieser Ordnung sein größtes Werk, die Erlösung
bringende Verherrlichung, von unten, in seiner menschlichen Natur beginnen
und vollbringen. Er mußte wie jeder Mensch zuerst Kind sein, heranwachsen,
Kenntnisse und Wissen sich aneignen und seine Vernunft ausbilden. Lukas 2,
40: „Das Knäblein wuchs und ward mächtig am Geist, erfüllt mit Weisheit, und
die Gnade Gottes war auf ihm“. Das ist vorgebildet in dem Aufenthalt Abrahams
in Ägypten (1. Mose 12) und in Gerar (ebenda, Kap. 20). Abraham bildet das
Innerste, Isaak das Innere und Jakob das Natürliche des Herrn in seiner
Inkarnation, also des Menschen Jesus, dar; und im entsprechenden Sinne beim
Menschen, der in der Wiedergeburt steht, Abraham das Himmlische, Isaak das
Geistige und Jakob das Natürliche. Alles was von Abraham, Isaak und Jakob
berichtet wird, bezieht sich im innersten Sinn des Wortes auf den Herrn und
seine Verherrlichung. Jede seiner Wesensstufen ist als Einzelperson dargestellt
und konnte so dem natürlichen Verständnis angepaßt werden. Die Veränderungen
der Lebensverhältnisse von Abraham, von Isaak und von Jakob zeigen die Wandlungen,
den Aufstieg im Lauf der Verherrlichung des Herrn, und sie zeigen auch den
Weg der Wiedergeburt vom Natürlichen ins Geistige und Himmlische. Die 12 Söhne Jakobs (ab 1. Mose 30), nach denen die 12 Stämme Israels
benannt sind, stellen vor, wie in den Menschen, in der Kirche und im
Himmelreich die göttliche Liebe und Wahrheit des Wortes sich als Dinge des
Glaubens, der Nächstenliebe, der Überzeugung und des tätigen Lebens
verwirklichen. Deshalb tragen sie das Siegel des lebendigen Gottes: Die
Knechte unseres Gottes auf ihren Stirnen besiegelt... Und ich hörte die Zahl
der Besiegelten: 144000 Besiegelte aus jedem Stamme Israels (Offb. Joh. 7, 3
f.) Und deshalb waren auf den 12 Toren der Heiligen Stadt, des Neuen
Jerusalem Namen geschrieben, welche sind die der 12 Stämme der Söhne Israels
(ebenda 21, 12). Diese Beispiele zeigen, wie es zu verstehen ist, daß der Herr während
seines Erdenlebens „erfüllt“ hat, was im Alten Testament vorausgesagt ist,
wie also im geistigen Sinn diese Voraussagen das Leben des Herrn beschreiben
(HG 5620). Und er fing an mit Moses und allen Propheten und legte ihnen in
allen Schriften aus, was über Ihn geschrieben war... daß alles er füllt
werden müßte, was in Moses Gesetz und in den Propheten und Psalmen von Mir
geschrieben steht (Luk. 24, 27. 44). Denn wenn es bei Matthäus heißt: Ihr sollt nicht wähnen, daß ich
gekommen sei, das Gesetz und die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen
aufzulösen, sondern zu erfüllen (5, 17), so bedeutet das nicht, wie meist
geglaubt wird, daß er durch eigenes Befolgen der Gebote den Zorn Gottes
besänftigt habe und zum Mittler geworden sei, sondern es bedeutet, daß er all
das, was nach dem geistigen Sinn im Alten Testament gesagt ist, in seinem
Menschlichen verwirklicht hat, nämlich die Unterwerfung der Höllen, die
Ordnung der Himmel, seine Verherrlichung und die Erlösung; und er hat
gelehrt, daß das Wort dem geistigen Gehalt nach zu verstehen und zu leben
ist. Somit verloren die vorbildenden natürlichen Entsprechungsbilder und
Riten und Gebräuche der jüdischen Kirche von da ab ihren Wert als Gesetz,
denn sie sollten auf Ihn hinweisen und vorbereiten. Das alles aber ist geschehen, damit die Schriften der Propheten
erfüllet würden (Matth. 26, 56). ... und es wird alles vollendet werden, das
geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn (Luk. 18, 31). Der
Herr verwies auch sonst oft auf das Alte Testament: Die Schrift zeuget von
mir (Joh. 5, 39). ...auf daß die Schrift erfüllet werde (Mark. 14, 49). Da
ward die Schrift erfüllt, die da sagt: Er ist unter die Übeltäter gerechnet
(= Jes. 53, 12) (ebenda 15, 28). Auf daß die Schrift erfüllet würde: Sie
teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand. Meine
Zunge klebt an meinem Gaumen... (Joh. 19, 24. 28; vgl. Ps. 22, 19, 16). Denn
solches ist geschehen, daß die Schrift erfüllet würde: Ihr sollt ihm kein
Bein zerbrechen (Joh. 19, 36; vgl. 2. Mose 12, 43 und 46: Dies ist die Weise,
Passah zu halten: ... und sollt kein Bein an ihm zerbrechen). Aber erst der innere Sinn der Texte des Alten Testaments enthält das
göttlich Wahre dieser Vorgänge, d.h. ihre innerste Bedeutung, wie sie in den
Himmeln verstanden wird. Die im Alten und Neuen Testament übereinstimmenden
Vorgänge sind nur die äußere Form. Was im Natürlichen stattfand, mußte vorher
in der geistigen Welt sein, aus der heraus dann die Erfüllung im Natürlichen
geschah (OE 1088). Das Geistige ist stärkere, lebendigere Realität als das
Natürliche. Im Natürlichen verwirklicht sich das Geistige und kommt zur Ruhe.
Jedoch hat der Mensch die Freiheit, dem Antrieb nicht nachzugeben. Er ist
weder vorausbestimmt (prädestiniert), noch ist seine Willensfreiheit gehemmt. Der Herr hat das Geistige, das Göttlich-Wahre des Wortes während seines
Erdenlebens bis ins Kleinste befolgt, sich ihm unterworfen; so hat er das
Wort zur natürlichen Verwirklichung gebracht, er hat sich mit ihm
identifiziert und ist in diesem Natürlichen das Wort geworden. Auch zum Verrat des Judas-Ischariot heißt es: Es muß die Schrift
erfüllt werden: Der mein Brot ißt, der tritt mich mit Füßen (Joh. 13, 18 =
Psalm 41, 10). Wir erinnern uns, daß das Alte Testament nicht nur den Herrn, sondern
auch das seinem Wirken widerstrebende Böse und Falsche vorbildet, und zwar in
Gestalten der Geschichte des jüdischen Volkes. Judas ist die Personifizierung
des Widerparts zur Wiedergeburt und stellt den gefallenen Teil der
menschlichen Natur dar. Es heißt nicht, Judas mußte handeln wie er tat, damit
die Schrift erfüllt würde, sondern es heißt, die Schrift müsse erfüllt werden.
Gott wußte, daß das Böse einen Menschen finden werde. So unterlag Judas nicht
einem unabwendbaren Schicksal, sondern der eigenen Begierde, der
willentlichen hartnäckigen Weigerung gegen das Göttlich-Wahre, das er im
Herrn erkannt hatte. Die Gebote im Alten und Neuen Testament. Die Zehn Gebote waren das universale göttliche Gesetz für die
menschliche Gesellschaft. Es waren keine neuen Gesetze, die für einen kleinen
Volksstamm, die Nachkommen Jakobs, gegeben wurden, sondern sie waren viel
früheren Zivilisationen bereits bekannt. Sie wurden den Juden in der
seltsamen und mit Wundern verbundenen Weise verkündet, um deutlich zu machen,
daß es nicht nur Moralgesetze für die Aufrechterhaltung der Gesellschaft in
der Welt, sondern auch göttliche Gesetze für das geistige und himmlische
Leben sind (WCR 282). Deshalb bestätigte sie der Herr „Willst du ins Leben
eingehen, so halte die Gebote“ (Matth. 19,17) und ersetze sie nicht durch andere,
sondern hob sie lediglich auf eine höhere Ebene: Ihr sollt nicht wähnen, daß
ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht
gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen (Matth. 5, 17). Auch mit den Worten: Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander
liebet (Joh. 13, 34) tat er nichts hinweg, sondern zeigte lediglich, in
welchem Geist die Gebote gehalten werden sollen. Auch all die Gesetze und
Statuten, die den Juden nach den 10 Geboten noch gegeben wurden, sind
natürliche Entsprechungen für immer gültige geistige Dinge und behalten
deshalb ihre geistige Gültigkeit, auch wenn sie für die natürliche Beachtung
abgeschafft sind. Das Priestertum des Alten Testaments ist Vorbildung des Herrn
hinsichtlich seiner Erlösungstaten und war zuerst personifiziert durch
Melchisedek (HG 10047). Er „war ein Priester Gottes des Höchsten“ (1. Mose
14, 18) und segnete Abraham: „Du bist ein Priester ewiglich nach der Weise
Melchisedeks“ (Ps. 110, 4). Das ist die göttliche Liebe, mit der Abraham
gesegnet wurde; das bedeutet: Die göttliche Liebe stattete den Herrn mit der
Kraft aus, daß er die Kämpfe gegen die Höllen bestehen konnte; durch seine
Siege über sie erwarb er die göttliche Allmacht, das Königtum, zur Erlösung.
Das ist der innere Sinn des sonst so mysteriösen 1. Verses des gleichen 110.
Psalmes: Ein Psalm Davids: Der Herr (= die göttliche Liebe) sprach zu meinem
Herrn (Jesus, die göttliche Wahrheit oder das Wort): Setze dich zu meiner
Rechten, bis daß ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege. Und ferner:
Nach deinem Sieg... Du bist ein Priester ewiglich, nach der Weise
Melchisedeks (ebenda, Vers 4). Das bedeutet: nach der Verherrlichung, der Vereinigung des Sohnes mit
dem Vater, der göttlichen Wahrheit mit der göttlichen Liebe in Ihm ist Er für
die Menschen der ewige Priester und König, ihr Erlöser. Das Priestertum wurde
dann übernommen von Aharon, seinen Söhnen und von den Leviten. Das Priestertum
Aharons bezieht sich auf die Erlösung derer im himmlischen Reich, das der
Söhne Aharons auf die im geistigen Reich, und das der Leviten auf die im geistig-natürlichen
Reich. Auch diese Priester stellen allein den Herrn in seinen Erlösertaten
dar; diese selbst sind versinnbildlicht darin, daß das Amt des Priesters in
verschiedenen Verrichtungen bestand: sie legten die Schaubrote aus (= Nahrung
aus den Himmeln), sie zündeten die Lampen an (= innere Erleuchtung), sie
verbrannten die wohlriechenden Kräuter (tätige Liebe aus den Erkenntnissen),
und im übrigen verkündeten sie das Wort Gottes und die Gesetze und legten sie
aus. In allen Vorschriften und Gebräuchen der jüdischen Kirche, ihren
Opfern, Sabbathen und Feiertagen sind die Geheimnisse der Verherrlichung des
Herrn vorgebildet, und deshalb auch für die Wiedergeburt des Menschen. Darauf
beziehen sich seine Worte: Es muß alles erfüllet werden, was von mir geschrieben
ist im Gesetz Moses, in den Propheten und in den Psalmen (Luk. 24, 44), und
die Worte: Moses hat von mir geschrieben (Joh. 5, 46). Die Opferungen bedeuten nicht das, was die christliche Kirche heute
meint, den „Opfertod“ des Herrn, sondern die Reinigung vom Bösen und Falschen
und die Einpflanzung des Wahren und Guten sowie deren Verbindung miteinander. Die erste Prophezeiung auf die Ankunft des Herrn und seine Erlösertaten
finden wir schon am Anfang der Bibel: (Jehovah sprach zur Schlange) Ich will
Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, zwischen deinem Samen und
ihrem Samen. Er soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihm die Ferse
verletzen (1. Mose 3, 15). Der Herr ist in die Welt gekommen, als die Zeit erfüllt war. Das war,
als die Menschen der jüdischen Kirche nichts mehr von Jehovah wirklich
kannten. Fast überall im prophetischen Wort des Alten Testaments ist von der
Zerrüttung der Kirche und vom Gericht die Rede. Das wird verstanden unter den
Verwüstungen der Weinberge und Städte an folgenden Stellen: Seine (des
Weinbergs) Wand soll weggenommen werden, daß er verwüstet werde. Ich will ihn
wüst liegen lassen, ... daß Disteln und Dornen darauf wachsen... Daher hat
die Hölle den Schlund weit aufgesperrt, ... daß hinunterfahren beide, ihre
Herrlichen und der Pöbel, ihre Reichen und Fröhlichen (Jes. 5, 5 f. 14). ...
bis daß die Städte wüste werden ohne Einwohner und die Häuser ohne Leute und
das Feld ganz wüst liegt (ebenda 6, 11). Es haben Hirten, und deren viele,
meinen Weinberg verdorben und meinen Acker zertreten; sie haben meinen
schönen Acker zur Wüste gemacht, sie haben‘s öde gemacht (Jer. 12, 10). Die bekanntesten Parallelstellen, die die Ankunft des Herrn vorher
sagen und die sie bestätigen, sind: Siehe, eine Jungfrau wird empfangen und
einen Sohn gebären, und seinen Namen nennen: Immanuel (Jes. 7, 14) ... das
ist verdolmetscht: Gott mit uns. (Matth. 1, 22 f.) Ein Kind ist uns geboren,
ein Sohn ist uns gegeben, der auf seiner Schulter das Fürstentum hat; und
sein Name wird genannt: Wunderbar, Rat, Gott, Held, Vater der Ewigkeit, des
Friedens Fürst (Jes. 9, 5). ... und auf Ihm ruht der Geist Jehovahs, der
Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Macht (Jes.
11, 2). Der Geist des Herrn ist über mir. Der Herr hat mich gesalbt und mich
gesandt, den Elenden zu predigen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, den
Gefangenen Freiheit zu verkündigen (Jes. 61, 1). Das ist mein Knecht, den ich
erwählt habe... Ich will meinen Geist auf ihn legen, und er soll den Heiden
das Gericht verkünden (Matth. 12, 18). Das ist unser Gott, auf den wir harreten
(Jes. 25, 9). Der Herr kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen; er wird
seine Herde weiden wie ein Hirte (Jes. 40, 10). Vergleiche Matth. 3, 17.
Saget der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt (Jes. 62, 11). Vergleiche
Matth. 21, 5. So oft wurde das Kommen des Herrn vorausgesagt und immer wieder sein
Name ins Gedächtnis gerufen, damit sie nicht aufhörten, ihn anzubeten, denn
sonst hätte Jehovah keinen Zugang und sie keinen Weg mehr zu Jehovah
gefunden. Das Wort des Alten Testaments hat aber nicht allein das Kommen des
Herrn vorausgesagt, sondern an sehr vielen Stellen das Leben des Herrn, seine
Versuchungen und seine Verherrlichung beschrieben, und das Gericht über die
jüdische Kirche angekündigt. Die Versuchungen, denen sich der Herr unterzog. Während seines ganzen Lebens auf Erden machte der Herr zwei
verschiedene Seinszustände bzw. die Veränderungen von dem einen in den
anderen Zustand durch. Der erste war seine Entäußerung durch Versuchungen,
der zweite seine Verherrlichung oder Vereinigung mit dem Vater in Ihm. Die
Versuchungen des Herrn sind im Alten Testament sehr ausführlich in den
Entsprechungsformen und Entsprechungsbegriffen des Buchstabensinnes beschrieben,
aber nur knapp im Neuen Testament, weil es nicht möglich ist, sie in der
offenen Sprache darzulegen, denn sie fanden verborgen in seinem Innersten
statt und konnten nur ihm bekannt sein (LH 12). Die Versuchungen seit seiner Jugend sind summarisch angedeutet im Krieg
der Könige gegen Abraham, der, wie schon ausgeführt, den Herrn vorbildet.
Dieser Krieg nach 1. Mose 14 beschreibt die Kämpfe des jungen Jesus, als er
die ersten Kenntnisse erworben hatte. Kriege bedeuten Kämpfe in den
Versuchungen, die Könige sind hier das Falsche, das gegen die göttliche
Wahrheit auftritt (HG 1664). Die knappe Darstellung im Neuen Testament von
allen Versuchungen finden wir ziemlich zu Anfang: Da ward Jesus vom Geist in
die Wüste geführt, auf daß er vom Teufel versucht würde (Matth. 4, 1—10). ...
und war allda in der Wüste 40 Tage und ward versucht von dem Satan und war
bei den Tieren, und die Engel dienten ihm (Mark. 1, 13). Jesus war vom Geist
in die Wüste geführt und 40 Tage lang vom Teufel versucht. Und er aß nichts
in denselbigen Tagen, und da dieselben ein Ende nahmen, hungerte ihn... (Luk.
4, 1—13). Der Zustand der Entäußerung des Herrn ist im Alten Testament an vielen
Stellen beschrieben, bei den Propheten wie in den Psalmen: Er hilft sich
selbst mit seinem Arm... und er kleidet sich mit Eifer als der seinen
Widersachern vergelten und seinen Feinden mit Grimm bezahlen will (Jes. 59,
16. 18). Ich trete die Kelter allein. Ich habe sie gekeltert in meinem Zorn
und zertreten in meinem Grimm. Daher ist ihr Blut auf meine Kleider
gespritzt. Ich habe die Völker zertreten in meinem Zorn (ebenda 63, 3. 6). Fürwahr,
er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen; er hat seine
Seele zum Tod entäußert. (Jes. 53, 4f., 12). Ach Herr, wie sind meiner Feinde
so viel und setzen sich so viele wider mich (Psalm 3, 1). Vernimm mein
Schreien, mein König und mein Gott (5, 3). Mein Gott, mein Gott, warum hast
du mich verlassen? (22, 2) In deine Hände befehle ich meinen Geist (31, 6).
Wie ein Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu
dir. Mein Gott, betrübt ist meine Seele in mir (42, 2). Mein Herz ängstet
sich in meinem Leibe, und des Todes Furcht ist auf mich gefallen (55, 5).
Gott, hilf mir, denn das Wasser geht mir bis an die Seele, ich versinke in tiefem
Schlamm, da kein Grund ist; ich bin im tiefen Wasser, und die Flut will mich
ersäufen. Der Eifer um dein Haus hat mich gefressen. Sie geben mir Galle zu
essen und Essig zu trinken in meinem großen Durst (69). Der Zustand der Entäußerung war der Zustand seiner Demütigung vor dem
Vater; da betete er zum Vater und sagte, er tue des Vaters Willen; und alles,
was er sagt und tut, schreibt er dem Vater zu (WCR 104). Der äußerste Zustand
seiner Entäußerung war in Gethsemane, vor Pilatus und am Kreuz. Vorher betete
er zum Vater: Vater, die Stunde ist hier, daß du deinen Sohn verklärst.
Verkläre mich mit der Klarheit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war(Joh.
17, 1. 5). Meine Seele ist betrübt bis in den Tod (Mark. 14, 34). All das ist vorausgesagt in Jesaja 53, 12: „Er hat seine Seele zum Tod
entäußert“. Eine prophetische Voraussage ist auch die Geschichte des Jonah,
als er drei Tage im Bauch des großen Fisches verbrachte: Jonah war im Leibe
des Fisches drei Tage und drei Nächte (2, 1). Dazu Matth. 12, 40: „Denn wie
Jonah drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, also wird des
Menschen Sohn drei Tage und drei Nächte mitten in der Erde sein.“ Und Matth.
16, 4: „Es soll kein anderes Zeichen gegeben werden als das Zeichen des
Propheten Jonah.“ Die stärksten und innersten Versuchungen, die der Herr durchgemacht
hat, sind in 1. Mose 22 vorgebildet durch die Opferung Isaaks seitens
Abrahams. Isaak stellt dasjenige im Menschen dar, was die Grenze zum
Geistigen und Göttlichen bildet, also die oberste menschliche Sphäre; auch
sie mußte dem Göttlichen des Herrn unterworfen werden, indem alles darin
enthaltene Menschliche verdrängt wurde (HG 2776 ff.). Gott hatte dem Abraham
geboten, in das Land Morija zu gehen und dort auf einem Berg seinen Sohn zu
opfern. In diesem Land wurde später Jerusalem gebaut, wo der Herr den
äußersten Grad der Versuchung, die Kreuzigung, erlebte. Ähnliche Zustandsveränderungen macht der Mensch im Laufe seiner
Wiedergeburt durch, denn der Herr machte sein Menschliches göttlich in einem
ähnlichen Vorgang, wie er den natürlichen Menschen geistig macht (HG 933; WCR
115). Solche Zustandsveränderungen finden in der ganzen Schöpfung statt, wie
Tag und Nacht, Sommer und Winter, Saat und Ernte, Wachen und Schlafen; es
sind Urphänomene alles Geschaffenen und Geschöpflichen. Nachdem der Herr diesen ersten Seinszustand der Entäußerung alles
Menschlichen vollendet hatte, trat er in den zweiten Zustand, den der
Verherrlichung ein. Diese Verherrlichung, die Vereinigung mit dem Vater in
Ihm, war nicht selbst ein letztes Ziel, sondern sie war das Mittel zu dem
letzten Ziel, nämlich der Erlösung und Seiner Verbindung mit dem einzelnen
Menschen. Das ist das Endziel Seiner göttlichen Liebe, aus der die ganze
Schöpfung entstand, und aus der auch die Neuschöpfung des Menschen, seine
Wiedergeburt, notwendig wurde. Die Verherrlichung ist im Alten Testament beschrieben, z.B.: Der Herr
sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde
zum Schemel deiner Füße lege. Herrsche unter deinen Feinden. Nach deinem Sieg
wird dir dein Volk williglich opfern. Du bist ein Priester ewiglich nach der
Weise Melchisedeks(Ps. 110). Vergleiche dazu Matth. 22, 44, Mark. 12, 36,
Luk. 20, 42, 22, 69. Der Herr ist König. Die Himmel verkündigen seine
Gerechtigkeit, und alle Völker sehen seine Ehre (Ps. 97, 1. 6). Und im Neuen Testament, zum Beispiel: Des Menschen Sohn wird sitzen auf
dem Throne seiner Herrlichkeit (Matth. 19, 28). Die Zeit ist gekommen, daß
des Menschen Sohn verklärt werde. Vater, verkläre deinen Namen. Da kam eine
Stimme vom Himmel: Ich habe ihn verklärt und will ihn abermals verklären
(Joh. 12, 23, 28). Nun ist des Menschen Sohn verklärt und Gott ist verklärt
in ihm (Joh. 13, 31). Und er ward verklärt vor ihnen, und sein Angesicht
leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht (Mt. 17,
2). Jesus sprach: Die Stunde ist da, Vater, daß du deinen Sohn verklärest,
auf daß dich dein Sohn auch verkläre (Joh. 17, 1). Es ist vollbracht (Joh.
19, 30). In diesem Zustand der Verklärung war der Herr auch, als er Wunder tat,
und als er sagte: „Ich und der Vater sind eins; der Vater ist in mir und ich
bin im Vater; alle Dinge des Vaters sind mein; ich habe Macht über alles
Fleisch.“ Die Verherrlichung ist die endgültige Vereinigung, die Einheit mit dem
Vater, der göttlichen Liebe mit der göttlichen Wahrheit; in dieser Einheit
ist der Herr nun auch im Göttlich-Menschlichen. Hiervon gilt: Mir ist gegeben
alle Gewalt im Himmel und auf Erden (Mt. 28, 18). Aus dieser Macht in seinem Göttlich-Menschlichen hat der Herr die Höhen
unterjocht und die Höhlen wie die Himmel in den Zustand Seiner Ordnung
gebracht. Hierauf baut die Erlösung auf, kraft des Göttlich-Menschlichen des
Herrn in der Verbindung mit seiner göttlichen Wesenheit (HG 2457, 2833). Um
jeden Menschen ist die Hölle, denn er wird in Böses aller Art geboren, und
ohne die Neuordnung der Höllen und der Himmel hätte niemand erlöst werden
können. Das Göttliche Selbst (der Vater) ohne das Göttlich-Menschliche (der
Sohn) kann nicht bis zum Menschen vordringen, nicht einmal zum Engel, seitdem
die Menschheit sich völlig vom Herrn entfernt hatte. Das Alte Testament ist
voll von dieser Erlösungssehnsucht, z. B.: Mache dich auf, hilf uns und erlöse uns um deiner Güte willen (Ps. 44,
27). Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst (Jes. 43, 1). Israel wird erlöst durch den Herrn, durch eine ewige Erlösung (Jes. 45,
17). Ich bin der Herr, dein Heiland und dein Erlöser (Jes. 49, 26). Gott, erlöse Israel aus aller seiner Not (Ps. 25, 22). Gott wird meine Seele erlösen aus der Hölle Gewalt (Ps. 49, 16). Er wird ihre Seele aus dem Trug und Frevel erlösen (Ps. 111, 9). Erlöse mich auch und errette mich (Ps. 144, 11). Die Wiedergeburt des Menschen. Der Mensch kann nicht erlöst werden, wenn er nicht wiedergeboren wird
(HG 5280). Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum
Vater, denn durch mich (Joh. 14, 6). Der Herr führt den Menschen zur Wiedergeburt in der gleichen Ordnung,
die zu Seiner Verherrlichung führte. Die Verherrlichung des Herrn ist das Ur-
und Vorbild der Wiedergeburt des Menschen; Seine Entäußerung für die Kämpfe,
die der Mensch bis zur Wiedergeburt bestehen soll. Weil der Herr das alles
vollbracht hat, ist Er es, der im Menschen die Kämpfe für ihn ausficht, wenn
der Mensch sich Ihm völlig anvertraut und hingibt. Das Fest der ungesäuerten Brote und das Osterfest, wurde eingerichtet, um in den
Menschen wach zu erhalten, daß der Herr es ist, der sie aus der Hölle befreit
hat durch Seine Versuchungskämpfe und Seine Verherrlichung. Das Fest der ungesäuerten Brote sollst du halten (2. Mose 34, 18). Wo
willst du, daß wir dir das Ostermahl bereiten? (Mt. 26, 17). Das tut zu
meinem Gedächtnis (Luk. 22, 19). Vor seiner Verherrlichung war der Herr in seinem Menschlichen
zwiespältig, wie wir alle es von uns aus sind; er hat die Macht der Höllen in
vollem Umfang gespürt, ihnen aber nie die Möglichkeit gegeben oder gelassen,
zur Auswirkung zu kommen. Ihm folgend, sollten wir, trotz der brutalen Zeit,
in der wir leben, alles aufwenden, daß der Herr in uns immer mächtiger
wird... Alle weltlichen Brutalitäten kommen aus der Hölle, weil so viele
Menschen in sich dem Bösen ein Wirkungsfeld eröffnen. Aber die geistige Welt
und die Himmel sind viel substantieller und realer; in ihnen herrscht unser
Herr, und auch im Menschen kommt Er zur Herrschaft, sofern der Mensch, wenn
auch nach vielen Kämpfen und nach Überwindung seiner selbst, gelernt hat,
sich Ihm völlig hinzugeben. Die Entwicklung vom natürlichen zum geistigen Menschen. Wenn wir unsere Umwelt, vor allem die Menschen um uns beobachten, so
sehen wir, daß die meisten nur im Strom der anderen Menschen und der
Ereignisse mitschwimmen wollen, ohne nach Anfang und Ende, nach den Ursachen
und Zwecken der Gegebenheiten zu fragen. Sie meinen, es habe ja doch keinen
Zweck, nach Ursprung und Sinn zu forschen und man könne doch nichts ändern.
Ihnen bleibt als Lebenserfüllung meist nur der Genuß. Wer aber mit dem Fragen beginnt, sollte sich davor hüten, sich mit den
klischeehaften Antworten zufrieden zu geben, die von allen Seiten angeboten
werden mit Versprechungen von Glück, Zufriedenheit und Lebenserfüllung. Keine
von ihnen hält, was sie verspricht. Soll das Fragen zu etwas führen, dann darf es sich nicht mit
vorgegebenen Antworten belasten. Der Mensch tritt allein in die Welt, er muß
sich durchkämpfen, und allein verläßt er sie wieder. Wie überall im Leben, so auch in der Neuen Kirche, müssen wir ausgehen
von dem, was ist. Wir dürfen nicht so tun, als könnten wir uns in ein
imaginäres Dasein, in ein Wolkenkuckucksheim zurückziehen, dort das Glück und
die Glückseligkeit genießen. Das wäre Illusion, die sich eines Tages bitter
strafen würde. Was findet der nach Ursachen und Zwecken der Gegebenheiten und vor
allem seines eigenen Lebens Fragende vor? Er findet zuerst sich selbst und
die Umwelt, in die er hineingestellt ist. Er selbst und die Umwelt bleiben
für ihn lange die einzigen Realitäten, die für ihn Bedeutung haben. Was ist das, die Umwelt? Sie besteht doch nur insoweit ich Beziehung zu
ihr habe und nach der Art meiner Beziehung zu ihr. Bevor solche Beziehungen
entstehen, bedeutet sie nichts für mich und ich bin im Grunde allein. Von
diesem Punkt der Mitte aus beginne ich mit ihr zu leben. Wie gewinnt der Mensch überhaupt Beziehungen zu seiner Umwelt? Er nimmt
aus ihr Empfindungen auf, indem er sieht und hört und tastet. Mit Hilfe
dieser Sinnesempfindungen erforscht er seine Umwelt. Das geschieht so nicht
nur im Kindesalter, sondern auch im Erwachsenenalter und so weiter während
des ganzen Lebens. Jeder nutzt sie. Er forscht die Umwelt aus und nutzt sie
soweit möglich zu seinem eigenen Vorteil. Dagegen soll nichts gesagt werden,
denn hierauf baut alle Wissenschaft und Technik wie auch alles
Wirtschaftliche auf. Sie dienen ihm zur notwendigen Befriedigung seiner
natürlichen Bedürfnisse und zur Erleichterung seines Lebens. Mit all den Dingen, die außerhalb von ihm sind und ihn umgeben
verbinden ihn seine fünf Sinne. Das Auge sieht die Formen und Farben, das Ohr
vernimmt die Töne und sonstigen Geräusche, die Haut tastet nach hart und
weich, eben und uneben usw., die Zunge schmeckt die Unterschiede in
Flüssigkeiten und Festem, die Nase riecht die Unterschiede in der Luft. Alle
Sinnesorgane nehmen Eindrücke auf und leiten sie durch Nervenstränge ins
Gehirn weiter. Dadurch bildet sich sein inneres Sensorium mit der Vorstellungswelt
und dem Gedächtnis. Alle Bilder dieser Vorstellungswelt und der ganze Inhalt
seines Gedächtnisses stehen seinem Denken und Nachdenken zur Verfügung. Es
vollzieht sich in der sogenannten Verbundstufe. Der natürliche Mensch besteht also aus dem Körper mit seinen
Sinnesorganen, (d.h. dem äußeren Sensorium) den Bewegungsorganen und seiner
Vorstellungswelt mit dem Gedächtnis, d.h. dem inneren Sensorium, und der
Verbundstufe, die ihn zum Denken und Nachdenken befähigt. Diese verschiedenen
menschlichen Stufen hängen engstens miteinander zusammen und hängen
voneinander ab. Man könnte sagen, sie bilden ein geschlossenes System, und
man könnte meinen, das Leben auf diesen Stufen und von einer zur anderen
Stufe mache das ganze menschliche Leben aus. Das ist tatsächlich die Vorstellung zahlloser Menschen; das ist die
Anschauung der Materialisten, die naturalistisch-materialistische
Weltanschauung. Sie geht nur von den materiellen Gegebenheiten der Umwelt
aus, ihrem Zusammenhang mit dem Menschen und ihrem Einwirken auf sie. Die Naturalisten und Materialisten leugnen das Vorhandensein weiterer
Lebensebenen und ihrer Kräfte, vor allem die Existenz einer geistigen Welt
oder geistiger Welten, von Himmeln und Höllen, und letzten Endes die Existenz
Gottes, vor allem und ganz einfach weil sie all das nicht mit ihren Händen
greifen und auch nicht mit den übrigen Sinnen erfassen können. Nun ist es für einen normalen Menschen aber gar nicht schwer, sich über
solche naturalistisch-materialistische, also atheistische Anschauungen zu
erheben. Er muß dazu keineswegs mit geschlossenen Augen einen gewagten
Schritt ins Dunkle, Ungewisse oder gar Mystische tun, sondern er braucht dazu
nur seine Vernunft. Sofern seine Vernunft nicht verdorben, nicht blind geworden ist, kann
er leicht folgende Überlegung anstellen: Die Natur unterliegt und gehorcht
unabänderlichen mathematischen, geometrischen und sonstigen Gesetzen; das ist
besonders deutlich in den astronomischen Vorgängen und den aus ihnen
ablesbaren Gesetzen. Die Sterne und der ganze Kosmos bewegen sich nach
Gesetzen, die ihnen eingegeben sind. Wohl kann der Mensch diese Gesetze durch
Beobachtungen und Berechnungen erfassen, und er hat sie - oder wenigstens
einen Teil von ihnen - erfaßt, und er benutzt diese Kenntnisse zu seinen
weiteren Forschungen. Heißt das aber, er, der Mensch habe diese Gesetze
gemacht? Das heißt es doch keineswegs! Diese Gesetze haben bestanden und der
Kosmos bewegte sich nach ihnen, ehe es Menschen gab. Das gilt nicht nur für
den Makrokosmos, sondern auch für den natürlichen Teil des Mikrokosmos
Mensch. Oder könnte der Mensch sich selbst erschaffen haben und außerhalb der
natürlichen Gesetze leben? Die Naturgesetze, aber auch die Erhabenheit und Schönheit der Natur
sind so übermenschlich groß und weisen hinauf in die Richtung zum Göttlichen.
Erhabenheit und Schönheit sind allerdings schon Begriffe, die nicht mehr zur
Natur selbst gehören, sondern sie gelten nur für diejenigen, die ein
Empfinden dafür haben. Empfinden liegt außerhalb der
mathematisch-geometrischen Naturgesetze. Die Naturgesetze hat der Mensch nicht geschaffen, das gleiche gilt für
alle einzelnen physikalischen und chemischen Gesetze. Sie sind nicht
menschliches Machwerk, sie sind gegeben. Sie entstammen einer transzendenten,
einer geistigen Welt. Es gibt keine Materie ohne das Gesetz, dem sie folgt,
also ohne dieses geistige Element. Und ohne geistige Welt gibt es auch kein
Empfinden für die Erhabenheit und Schönheit der Natur, von Harmonien der
Farben und Töne. Max Planck wußte das, er schrieb: ‘Wir waren ausgegangen von einer einzelnen Fachwissenschaft und sind
durch Fragen rein physikalischer Art hinausgeführt worden über Sinnenwelt in
die reale metaphysische Welt, die uns wegen der Unmöglichkeit, sie direkt zu
erkennen, als etwas Geheimnisvolles und unbegrenzt Erhabenes entgegentritt,
während sie doch wieder bei unserem Versuch, sie abzubilden, innere Harmonie
und Schönheit ahnen lässt. Die vollkommenste Harmonie und damit die strengste
Kausalität gipfelt in der Annahme eines idealen Geistes, der sowohl das
Walten der Seelenkräfte als auch die Vorgänge im Geistesleben der Menschen
bis ins einzelne und kleinste in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft
durchschaut und lenkt.‘ Wir haben gesagt, der Mensch findet zuerst nur sich selbst und seine
Umwelt vor, in die er hineingestellt ist und die er mit seinen Sinnen
wahrnimmt. Er selbst und seine Umwelt bleiben ihm lange die einzigen Realitäten,
die für ihn Bedeutung haben. Nun haben wir gesehen, daß etwas Drittes
dazukommt: die Welt der Transzendenz. Aus ihr stammen die Naturgesetze, die
das Verhalten der Natur bestimmen; aus ihr stammt aber auch der menschliche Geist,
der die Wirkungen der Naturgesetze beobachtet und daraus Erkenntnisse
schöpft, der aber auch fähig ist zu den Empfindungen von Erhabenheit und
Schönheit dessen, was er erkennt, der sich also in liebende Beziehung zum Erkannten
setzen kann. Die Welt der Transzendenz, die alles - Erkenntnisse, Empfinden und
liebende Beziehungen - macht, besitzt offenbar Intelligenz, Weisheit,
Empfinden und Liebe in einem über alle Natur und über alles Menschliche
hinausgehenden unausschöpflichen Mass. In die Natur, einschließlich des
natürlichen Teils des Menschen, wirkt sie nach den unabänderlichen
Gesetzmäßigkeiten; in den anderen Teil des Menschen, in dem seine
Erkenntnisse und Empfindungen beheimatet sind, wirkt sie in der Freiheit des
Geistes, denn dieser andere Teil des Menschen ist der innere oder geistige
Mensch. Der Mensch gehört nicht nur zur Welt der Natur, er gehört auch zur
Welt des Geistes, die mehr ist als was Sinne wahrnehmen und der Verstand erschließen
kann. Er ist gewissermaßen in den Geist eingetaucht. Der Urgrund, aus dem alles Sein floß, ist der Geist, ist GOTT, von dem
es heißt: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Die Betrachtung des organischen Menschen haben wir bisher eingeschränkt
auf die Fähigkeit seiner Sinneswahrnehmung, auf seine Vorstellungswelt und
auf sein Gedächtnis und sein Denken. Diese Fähigkeit und die ihnen dienenden
Organe - von den Sinneswerkzeugen über die Nervstränge bis zu den Hirnzellen
- gehören dem natürlichen Menschen und seiner natürlichen Sphäre zu. Da er
aber nicht nur zur natürlichen sondern auch zur geistigen Welt gehört, und
das Geistige sich im Natürlichen ausdrückt, muß auch ein Organ in ihm
vorhanden sein, das die Dinge der geistigen Welt aufnimmt und weiterleitet.
Dieses geistige Organ ist seine SEELE. Sie nimmt aus der geistigen
Welt auf und leitet in die Verbundstufe weiter, also gewissermaßen nach
unten. Da andererseits die Sinnes- und Bewußtseinsvorgänge aus der
natürlichen Sphäre der Welt bis zu dieser Verbundstufe aufsteigen, findet auf
dieser Stufe die Verbindung mit dem Einfließen aus der Seele statt. Diese
Zwischen- oder Mittelebene ist somit die Verbundebene; hier ist der
Treffpunkt von oben und unten. Das Leben auf dieser Stufe ist also angefüllt
mit allem Wollen und allen Wahrnehmungen. die einerseits von oben, d.h. von
der geistig- himmlischen Stufe der Seele, andererseits von unten, von der
natürlichen Stufe kommen. Hier ist der Treffpunkt aller Lebensprinzipien, es
seien Tugenden oder Laster. Auf dieser Stufe hat der Mensch seine Vernunft,
beide zu erkennen, zwischen beiden zu entscheiden. Deshalb ist dies die
Vernunftstufe, die eigentlich menschliche Stufe, nämlich die Stufe des
Denkens, des Urteilens, des freien Entscheidens. Hier ist das Feld des
Kampfes zwischen Gut und Böse, Himmel und Hölle, hier verbindet sich das
Geistige mit dem Natürlichen. Hier werden die eigentlich menschlichen
Entscheidungen im freien Entschluß getroffen. Und von hier fließt aus, was
der Mensch als Ergebnis seiner Entscheidungen tut. Hier spielt sich das eigentliche
mentale Dasein, die Psyche, des Menschen ab. Hier ist die echte MENS
HUMANA. Bis zu ihr hinauf reicht das Bewußtsein des Menschen. Der Mensch ist eine Seele und hat einen Körper. Alle Zwischenstufen
ergeben sich aus der Seele und haben teil an ihr und am Körper. Der Körper
stellt die Organe zur Verfügung, damit die verschiedenen Lebenspotenzen zur
Wirkung kommen. So ist das menschliche Dasein unendlich vielfältig, ein dauerndes Hin
und Her, ein Auf und Ab zwischen der Seele und dem Körper, beglückend reich,
wenn es mehr aus der Seele lebt; einsam, ärmlich und trostlos, wenn es sich
auf den Körper und seine Sinne beschränken will. Der Mensch ist dazu erschaffen, daß er sein Bewußtsein und seine
Vernunft verbinde mit dem Wesen seiner Seele, daß er sein natürliches Leben
verbinde mit der höheren Quelle des Lebens. Wirkliche Freude auf Erden ist
nur da, wo die Dinge, Aufgaben und Betätigungen in dieser Welt verbunden
werden mit dem Bewußtsein von Gott und der Verantwortung vor Gott und den
Menschen. Der Mensch empfindet echte Lebensfreude also nur dann, wenn er mit
dem Urgrund aller Dinge verbunden ist, so daß sein Leben zurückstrahlt zu
ihm, seinem Schöpfer, seinem Herrn und Gott. Der Mensch: ein lebendiger Mikrokosmos. Das geistige
Leben im Menschen. Wenn wir im ersten Teil gesagt haben, der fragende Mensch findet zuerst
nur sich selbst und seine Umwelt, die er mit seinen Sinnen wahrnimmt, und er
selbst und seine Sinne bleiben ihm lange die einzigen Realitäten, die für ihn
Bedeutung haben, so haben wir im Lauf unserer Darlegungen aber auch gezeigt,
daß der Mensch ein vielschichtiges Lebewesen ist. Er hat teil an der
natürlichen und hat teil an der geistigen WELT. Beide stellen sich ihm auf
verschiedenen Ebenen seiner menschlichen Struktur dar. Diese Struktur reicht
vom untersten Natürlichen bis zum obersten Geistigen und Himmlischen, umfaßt
also die ganze Skala natürlicher und geistiger Strukturen. Das ist so kraft
Schöpfung und seit der Schöpfung. Der Mensch ist Bild und Abbild alles
Natürlichen und alles Geistigen, er ist ein kleines Universum, ein Mikrokosmos. Es kann deshalb unpassend erscheinen, wenn gesagt wurde, der Mensch
finde zuerst nur seine Umwelt und sich selbst, so als ob er darin
hoffnungslos verloren wäre. Wenn er den in die Schöpfung gelegten natürlichen
und geistigen Gesetzen folgt, dann füllt sein kleines Universum sich mit
Leben in einem Ausmaß und einer Fülle, die weit über das Maß seines eigenen
Bewußtseins hinausgehen. Er hat es wirklich nicht nötig, sich allein und
einsam zu fühlen, denn er ist von Anfang an nicht auf sich allein gestellt,
sondern von Geburt an besteht ein universaler Einfluß von Gott in seine
Seele, daß es einen Gott gibt und daß Er Einer ist. Und dazu hat Gott noch
mit einem Bestand an Vertrauen, Zuneigung, Zärtlichkeit beschenkt, die sich
im Verhalten zu seinen Eltern und später zu Freunden und Mitmenschen zeigen.
Das ist sein Startkapital fürs geistige Leben. Diese Gaben sind ihm zwar unbewußt,
führen ihn aber dazu ein, daß er während seiner irdischen begrenzten Zeit und
seiner nachirdischen Ewigkeit das von Gott einfließende Leben aufnehmen und
empfinden kann als wäre es sein eigenes. Und so kann ihm die Wesensart Gottes
als göttliche Liebe und Weisheit, also als Göttlich-Menschliches menschlich
bewußt werden. Jedoch kann er das Unendliche und Ewige, also das Wesen Gottes
an sich, nicht erfassen, weder als Mensch noch dann als Engel. In den ihm verliehenen Gaben ist Gott aber immer beim Menschen und
bleibt bei ihm. Wer diese Gaben in sich wirken und wachsen lässt, der hat den
Zugang zum geistigen Leben gefunden; er braucht keine mühsam und illusorisch
aufgebauten Beweise. Auf seinem Lebensweg vertieft es sich durch menschliche
Erfahrung, die in seinem Inneren geschieht, unabhängig, ja gewissermaßen
antithetisch zu den natürlichen Erscheinungen und ihren ursächlichen Aufeinanderfolgen.
Sein geistiges Leben wächst und vertieft sich aber vor allem aus dem Wort
Gottes, das ihm Gott und die geistigen Ursachen und Wirkungen geistiger Dinge
offenbart; im Buchstabensinn des Wortes sind sie durch ihre natürlichen
Entsprechungen dargestellt. Gott und seine Eigenschaften der Liebe und Weisheit oder sein
göttliches Menschsein können nicht anders bekannt sein als aus OFFENBARUNG,
d.h. aus dem Wort. Im menschlichen Inneren findet das Wort Gottes Echo,
Widerklang, der zu den geistigen Erkenntnissen führt, die ihrerseits ihn mit
Liebe zum himmlischen Leben und zu Gott dem Vater erfüllen, der die Quelle
alles Lebens ist. Das Wort Gottes zeigt auch, das ein durchgehender Zweck in
der Schöpfung vorhanden ist. Er spiegelt sich in der allem Geschöpflichen
gegebenen Ordnung und in den organischen Formen. Das Ziel, für das die
Schöpfung bewirkt wurde und da ist, ist ein Himmel aus dem Menschengeschlecht,
ein Himmel unsterblicher Geister. Sie sind unsterblich, weil sie Verbindung
mit Gott haben. Verbindung mit Gott heißt nicht ein Aufschlucken, ein Eingehen
der Seele ins Unendliche, ihre Auflösung in der Vereinigung mit Gott, denn
das würde den Zweck der Schöpfung zunichte machen. Je mehr ein Mensch mit dem
Herrn verbunden ist, umso deutlicher fühlt er seine Individualität, seine
Freiheit und die ihm eigene Nützlichkeit. Jeder Mensch ist geschaffen und
geboren nicht um seiner selbst willen oder um allein zu sein, sondern zu
einem Nutzen an einem vorgesehenen Platz im Großen Menschen der himmlischen
Nutzwirkungen. Sein Leben auf Erden befestigt in ihm eine herrschende Liebe,
welche ihn auf seinen Platz im Himmel führt oder, falls er sich nicht in die
himmlischen Nutzleistungen einfügt, auf einen Platz in der Hölle. Liebe
ist das Leben des Menschen. Die Erde ist die Pflanzschule des Himmelreichs. Wir haben schon davon gesprochen, daß in der Schöpfung ein
durchgehender Zweck vorhanden ist. Dieser Zweck ist für die Sinneserfahrung
des Menschen allerdings nicht greifbar, er ist für Augen und Ohren und Hände
nicht faßbar. Weil moderne Menschen nur an das glauben, was die Sinne ihnen
vermitteln, sehen sie den Menschen nur als physischen Organismus ohne Sinn
und Zweck, und auch die ganze Schöpfung ist für sie nur ein Apparat, der so abläuft
wie er es tut, weil er nun einmal so angefangen hat und nicht mehr gestoppt
werden kann. Zur Schöpfung gehört auch der Mensch. Rein biologisch gesehen, also vom
Körperbau und den Körperfunktionen her, unterscheidet er sich wenig vom Tier,
aber daraus braucht doch noch lange nicht der Schluß gezogen zu werden, der
Mensch sei nichts anderes als ein Tier! Tiefer blickende Vergleiche
überzeugen rasch vom Gegenteil. Was das Tier nicht besitzt und was den
Menschen deshalb über das Tier erhebt, ist auch seine Fähigkeit, über das
materielle Vorhanden sein der Dinge hinaus aus ihrem Zusammenspiel und
Zusammenwirken die Überzeugung von Zusammenhängen zu gewinnen, die einem Sinn
und Zweck dienen. Dieses Vernunftdenken besitzt das Tier nicht, es handelt
nur nach Instinkten, die auf Nahrungssuche, Fortpflanzung, Schutz und
Verteidigung vor Feinden und ähnliche, nur das körperliche Dasein betreffende
Betätigungen beschränkt sind. Nur das sind seine Antriebe oder Motivationen,
um diesen modernen Ausdruck zu gebrauchen. Im Menschen liegen aber von Geburt
an die Neigung, der Wille, das Verlangen, sein Denken und seine Empfindungen
auf höhere Dinge zu richten, als nur das nackte körperliche Dasein. Das hängt
damit zusammen, daß ein universaler Einfluß von Gott in seine Seele besteht,
daß es einen Gott gibt und daß Er einer ist. Dieser Einfluß öffnet in seiner
Organstruktur den Weg zu den geistigen Welten ist anfänglich nur eine
Möglichkeit, er muß durch Ausbildung und innere Erfahrungen auf diesem Weg
weiter geführt werden zu den über der Materie und dem Körper liegenden Dingen
der Transzendenz, d. h. zu den Kenntnissen und dem Verstehen von den geistigen
Wirkungen, Ursachen und Zwecken. So sieht er, daß die Vorstellung von einer Schöpfung ohne Schöpfer
sinnlos ist, und er sieht, daß sie von dem erhabenen Schöpfer einen Zweck
haben muß und daß alles Geschaffene zu diesem Zweck hinstrebt. Dieser Zweck
ist der Mensch; er ist aber nicht Selbstzweck. Mit ihm ist ein höheres Ziel
verbunden, nämlich das Himmelreich aus dem Menschengeschlecht. Die Erde ist
die Pflanzschule für das Himmelreich. Was geht in dieser Pflanzschule alles vor sich, was auf das Himmelreich
abzielt? Woraus besteht dieses Himmelreich, und was macht es eigentlich dazu,
Himmelreich zu sein? Wenn wir mit unserem natürlichen Verstehen betrachten und beurteilen,
was auf der Welt vorgeht, so sehen wir wenig oder nicht, was zum Himmelreich
führen könnte. Ich will hier kein Bild malen von den Zuständen auf der Erde,
Sie wissen das alles so genau oder ungenau wie ich, würden wir uns bei unseren
Fragen nur mit den Zuständen auf der Erde beschäftigen und dabei verweilen,
so würden wir einen völlig falschen Weg gehen, der uns nie ans Ziel führt.
Wir dürfen aber auch nicht meinen, an den allerdings alles andere als
erfreulichen weltlichen Ereignissen, z.B. Katastrophen, Atomgefahren,
Umweltschmutzung, Kriegen usw. wie an einem Zifferblatt einer Uhr ablesen zu
können, es sei fünf Minuten vor zwölf, also wir stünden ganz knapp vor dem
Weltuntergang, dem das letzte Gericht und das Reich Gottes folgt. Nein, mit
solchen Gedanken dürfen wir nicht daran gehen, etwas vom Reich Gottes und dem
Himmel verstehen zu wollen. Die Erde ist die Pflanzschule für das Himmelreichs heißt nicht, daß die
Erde und das ganze Universum, von dem sie ein Teil ist, nach großen
Umwälzungen übergeht ins Himmelreich oder daß das Reich Gottes auf ihrem
Boden entsteht. Zwar scheinen viele Stellen im Alten und im Neuen Testament
vom Weltuntergang als der Voraussetzung für das Entstehen des Gottesreichs zu
handeln, und die verschiedenen Kirchen und Sekten in der Christenheit
verstehen diese Stellen nicht anders, aber dennoch besagen diese Stellen
etwas völlig anderes, wenn sie richtig verstanden werden. Sie beschreiben
nämlich nicht Vorgänge im Weltgeschehen, sondern in der geistigen Welt und im
Menschen, in seinem Inneren. Nicht der äußere oder Buchstabensinn der
heiligen Schrift bringt uns ihre Wahrheit nahe, sondern nur ihr innerer Sinn,
der geistige Sinn, der vom geistigen Reich des Herrn und von Seinem Himmelreich
handelt, also von dem, was auch in des Menschen innerem vorgeht. Nur das Äußere
des Menschen gehört der natürlichen Welt zu, sein Inneres gehört zur geistigen
Welt. Beide entsprechen einander, und so sind die weltlichen Aussagen der Heiligen
Schrift Entsprechungen des Geistigen und des inneren Leben der Menschen,
nicht ihres natürlichen Lebens. ‚Die Erde ist die Pflanzschule des Himmelreichs.’ Was ist hiermit im
geistigen oder inneren Sinn ausgesagt? Der Mensch wird auf der Erde geboren,
um während seines irdischen Daseins durch Belehrung vor allem aus dem
geoffenbarten göttlichen Wort und durch Lebenserfahrung sein Inneres
auszubilden und auszureifen. Hat er dies erreicht, dann geht beim Absterben
des Körpers seine innere Geistesgestalt in das geistige Reich über und lebt
dort für immer. Die von Gott geschaffene Erde hat also den letzen Zweck, daß der Mensch
sich auf ihr geistig ausbilden und zu einem möglichst hohen Grad geistig
ausreifen kann, auf das Ziel hin, daß die so Ausgereiften das Himmelreich
ausmachen. Zweck und Ziel der Erdenschöpfung ist also, Menschen zu bilden,
die zu Bewohnern des Himmelreich heranreifen. In diesem Sinn ist die Erde die
Pflanzschule für das Himmelreich. Der innerlich aufgeschlossene Mensch sieht
und erkennt diese göttlichen Absichten und stellt sich bewußt in diesen
Entwicklungsstrom. Die göttliche Liebe und die göttliche Weisheit sind die
innersten Antriebe für alles Geschehen. In dem wundervollen Werk Swedenborgs ‚Himmel
und Hölle’ heißt es (Nr. 435): Der Mensch hat, was die Tiere nicht haben, ein Innerstes, in welches
das Göttliche einfließt, es zu sich erhebt und dadurch mit sich verbindet.
Infolgedessen kann der Mensch über Gott und über die göttlichen Dinge, welche
die des Himmels und der Kirche sind, denken und Gott aus diesen und in ihnen
lieben und so mit ihm verbunden werden. Was mit dem Göttlichen verbunden
werden kann, das kann nicht zerfallen. Es mußten Menschen da sein, daß aus ihnen das Himmelreich aufgebaut
werden konnte, und es müssen immer wieder Menschen sein, daß es weiter gebaut
und vervollkommnet werden kann. Was der Mensch liebt, das belebt und erfreut ihn; wie seine Liebe
geartet ist, so ist sein Leben geartet. Ist es Liebe zu Gott, so lebt er im
Reich Gottes und im Himmelreich und erfreut sich all der göttlichen Gaben der
Weisheit aus der Liebe. Wer nichts davon erfahren hat, mag denken, das sind
abstrakte Dinge, für die es nicht lohnt, sich anzustrengen. Der so denkt,
erfährt nichts vom vollkommenen Leben und seinem Glück, sondern bleibt in den
Niederungen des Daseins mit all seiner Last und Qual. Ein Leben zu Gott in
nützlicher Liebtätigkeit und dem sich daraus ergebenden Glücksempfinden und
hellen Bewußtsein ... oder ein dumpfes Leben in Angst und Verzweiflung, das
sind die nicht abstrakten, sondern durchaus konkreten Alternativen. Es ist
etwas daran, sich dem Himmel zuzuwenden! Unser irdisches Leben gibt uns ausreichend
Gelegenheit dazu. Die Erde ist die Pflanzschule für das Himmelsreich. So haben wir Sinn
und Zweck der Schöpfung und das Ziel des menschlichen Lebens auf ihr
dargestellt. Die Erde ist der Pflanzboden, das Himmelreich ist das Ziel des
Menschenlebens. In vielen Gleichnissen sprach Jesus von Pflanzen und ihrer
Entwicklung. Wer die Entsprechungen kennt, weiß diese Gleichnisse richtig auf
den Menschen und seine Entwicklung anzuwenden. Die Entsprechungen führen in
tiefe Erkenntnis über das geistige Leben, sie sind aber nicht einfach
Vergleiche zwischen Pflanze und Mensch. Würden wir sie nur als Vergleiche
ansehen, so würden wir uns bald in unlösbare Widersprüche verfangen. Wir gehen weiter davon aus, daß die Erde die unerläßliche Grundlage für
die Entwicklung jedes Menschen ist. Wir halten uns nicht mit der Entwicklung
des natürlichen Menschen auf, seines natürlichen Teils, denn das ist Sache
der Biologie und Anthropologie: wir betrachten den geistigen Teil des Menschen,
der sich innerhalb seines natürlichen Teils wie auf einem Pflanzboden
entwickelt! Auch dem Geistigen ist wie einem Samen eine Potenz eingegeben: Es
besteht ein universaler Einfluß von Gott in die menschliche Seele, daß es
einen Gott gibt und daß er Einer ist. Und dazu hat Gott jedem Menschen von Geburt
an noch mit einem Bestand an Vertrauen, Zuneigung und Zärtlichkeit beschenkt;
das zeigt sich im Verhalten zu seinen Eltern und später zu Freunden und
Mitmenschen. Diese Gaben sind ihm unbewußt, führen ihn aber dazu ein, daß er
während seines ganzen Lebens das von Gott einfließende Leben aufnehmen kann,
sofern er sich weiter dafür offen hält und es nicht verdrängt. Diese
eingegebene Potenz, diese Vorleistung des Herrn, dieses Startkapital, das den
Menschen zum geistigen Leben befähigt, ist in dem Gleichnis von den
anvertrauten Pfunden deutlich gemacht. (Mat. 25 Verse 14-30). Von vielen
wurde dieses Gleichnis verworfen als echt jüdische Krämer- und
Wucherermentalität. Damit hat es aber wirklich nichts zu tun. Oder ist es
vielleicht einem Samenkorn zu verübeln, daß es aus dem es umgebenden Erdreich
Nahrung und aus dem Sonnenschein Licht und Wärme an sich zieht, um zu wachsen
und Frucht zu bringen? Wie töricht wäre ein solcher Gedanke! Auch im geistigen
Leben muß der Mensch geistige Nahrung ansammeln und sich assimilieren, damit
es wachse und geistige Frucht des Verstehens geistiger Dinge und der
Nutzleistungen aus Liebe zum Herrn und zum Nächsten erbringe. Zwar bekommt im Gleichnis der eine Knecht fünf, der andere zwei und der
Dritte nur ein Pfund. Zahlen bezeichnen im Wort Gottes nicht Quantitäten
sondern Qualitäten, und in diesem Gleichnis bezeichnen die Pfunde die von
Gott gegebene Fähigkeit, aus dem Guten und Wahren zu leben, und wie er sie
während seines irdischen Daseins genutzt hat. Im anderen Leben werden die
Maße offenbar, d.h. die Qualität seiner Liebe und seines Verstehens. Zwar gibt der Herr das Leben, vor allem das geistige Leben, aber der
Mensch muß es leben wie aus sich selbst. Er muß alle in seinem Natürlichen
liegenden Hemmnisse und Widerstände gegen das geistige Leben wie aus eigener
Kraft beseitigen, um dem geistigen Leben zum Durchbruch zu verhelfen, damit
es sich stärkt und viel Frucht bringe. Das steckt in dem Auftrag an die
Knechte, mit ihrem Startkapital zu wuchern. Der erste und der zweite Knecht
haben adaequate Nutzleistungen erbracht. Der letzte Knecht hat sein eines
Pfund in die Erde vergraben, er hat seine geistigen Anlagen ins Natürliche
versenkt und unfruchtbar gemacht, er kann seinem Herrn keinen geistigen
Gewinn vorweisen. Bei der Abrechnung über sein Leben zeigt es sich, daß er
nichts erbracht hat; er kann nicht in das Himmelreich kommen, weil sein
innerer Zustand nicht dem himmlischen Dasein entspricht. Vom natürlichen zum geistigen Leben. Aber noch in einer anderen Betrachtungsweise ist die Erde Pflanzschule
des Himmelreichs, und da greifen wir zurück auf den Aufbau des Menschen,
seine verschiedenen Organe und deren Funktionen, angefangen mit den
Sinneswerkzeugen, also Auge, Ohr usw. Die durch sie vermittelten
Sinneseindrücke des Sehens, Hörens usw. bewirken Bewegungen und Veränderungen
in den Hirnzellen, und diese wiederum machen das Gedächtnis und die
Vorstellungswelt. Dem Denken stehen die Vorstellungswelt und das Gedächtnis
als Material zur Verfügung. Alles bis hierher gehört dem natürlichen
Lebensbereich des Menschen an. In ihm kann er nahezu unendlich viele Kenntnisse
ansammeln und aufstauen. Wir fragen: Ist das aber der einzige Zweck des überaus vollendeten
Aufbaus des natürlichen Organbereiches des Menschen? Dient er nur zur
Bewältigung des natürlichen Lebens innerhalb der Umwelt, in der er sich
befindet? NEIN! Sondern dem Menschen sind noch andere Aufgaben und Ziele
gestellt, nämlich der Aufbau seines geistigen Lebens. So ist nun die Frage: Wie kann er während seines natürlichen Lebens das
geistige Leben bauen? Diese Entscheidung über sein Leben trifft der Mensch
selbst in eigener Zuständigkeit und eigener Verantwortung. Hier ist er am
wirklich entscheidenden Punkt angekommen, am Kreuzweg seines Lebens, und er
muß sich entscheiden: Will er nur im natürlichen Lebensbereich bleiben und
nur natürliche Ziele und Zwecke verfolgen, z.B. die Liebe zu sich selbst in
Form von Selbstgefühl, Wohlbefinden, Erhabenheit über andere oder die Liebe
zur Welt in Form von Reichtum, Würde, Macht, Geltung und vieles andere oder
aber will er die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten vorwiegend im Dienste
für andere und vor allem für das geistige Leben und den Aufbau des
Himmelreichs im Dienste des Herrn und aus Liebe zu Ihm einsetzen und
verwenden? Über das natürliche Leben und seine häufigsten Triebkräfte,
Selbstliebe und Weltliebe, zu reden, können wir uns ersparen. Jeder von uns
hat genügend Lebenserfahrung. Wir dürfen nicht übersehen, daß auch für seinen Weg zum Himmelreich
natürliches Leben und die mittels seiner Sinne und mentalen Organe erworbenen
Kenntnisse die Voraussetzung sind. Auch in diesem Sinn ist die Erde
Pflanzschule des Himmelreichs. Dieses natürliche Leben muß zu einer gewissen
Reife gelangt sein, ehe es sich in der einen oder anderen Richtung - zum nur
natürlichen Leben oder zum geistigen Leben - entscheidet. Diesen zweiten Weg
zu gehen, dazu helfen ihm der in seine Seele wirkende universelle Einfluß,
daß es einen Gott gibt und daß er Einer ist, und außerdem helfen die ihm von
Geburt geschenkte Fähigkeit des Vertrauens, der Zuneigung, der Zärtlichkeit.
So ist sein Inneres schon seit seiner Geburt auf das Geistige und Himmlische
angelegt zu dem einzigen Zweck, ihn auf dem Weg zur inneren Vervollkommnung
zu führen. Der Weg vom Natürlichen zum Geistigen. Wie aber verläuft der Weg aus dem Natürlichen ins Geistige, aus dem
Natürlich-Wahren, das ihn umgibt und sein Denken erfüllt, ins Geistig-Wahre,
das er nicht sieht und nicht erkennt? Hiermit ist nicht gemeint, wie er nach
dem Ablegen des irdischen Körpers ein Geist wird oder in den Himmel kommt, sondern
es ist gemeint, wie während seines irdischen Daseins sein Inneres, das schon
seit seiner Geburt auf das Geistige und Himmlische angelegt ist, mit Geistigem
und Himmlischen belebt wird, so daß er nach dem Ablegen des Körpers in die
geistige und himmlische Welt wie in sein Eigenes eintritt. Alle seine natürlichen, geistigen und himmlischen Potenzen sind
schöpfungshalber gegeben und in ihm zu dem einzigen Zweck hinein gelegt, ihn
auf den Weg zur inneren Vervollkommnung zu führen. Es scheint nur, daß der
Mensch sich selbst führt, sondern der Herr führt ihn, denn Wille und
Verstehen ist vom Herrn in ihn gelegt. Der Mensch ist das Gegenüber, damit er den Herrn liebe wie der Herr ihn
liebt, und den Nächsten wie sich selbst, und daß er an den Herrn glaubt wie
aus sich selbst. Ohne dieses Reziprok wäre der Mensch wie ein Automat, in
welchem der Herr nicht sein kann. Der Herr hat vorgesehen, daß im Menschen
die Liebe und Weisheit, die von Ihm ausgehen, immer mehr aufgenommen werden,
wenn er erwachsen und alt wird. Wille und Verstand werden Aufnahmegefäße genannt, weil der Wille nicht
etwas abstraktes Geistiges, sondern substantiell Gegenständliches ist, das
geformt ist für die Aufnahme der Liebe, die vom Herrn ausgeht. Auch das
Verstehen ist nicht etwas abstrakt Geistiges, sondern substantiell
Gegenständliches, das geformt ist für die Aufnahme der Weisheit, die vom Herrn
ausgeht. Liebe und Weisheit bestehen aktualiter, sie sind innerhalb in den
Substanzen, die den Cortex im Gehirn ausmachen, und da und dort in der medullaren
Substanz des Kleingehirns und als Kern des Rückenmarks. Wille und Verstand
sind dort Aufnahmegefäße; sie sind Anfang und Prinzip aller Fibern des
Körpers, aus denen alle Sinnes- und Bewegungsorgane gebildet sind. Die ihm gegebenen Anlagen und Fähigkeiten muß der Mensch nacheinander
ausbilden und beleben, und zwar beginnend von unten, vom Natürlichen her,
durch Wissen aller Art und Kenntnisse verschiedener Gattung. Das zuerst
erworbene einfache Wissen dient dazu, sich weiteres zusammenhängendes Wissen
anzueignen und Kenntnisse zu sammeln, die er im Gedächtnis aufbewahrt. Dann
nimmt er die Grundsätze des zivilen und moralischen Lebens und die Lehrsätze
des religiösen Lebens in sich auf. Das alles bleibt vorerst nur aufgestautes
Gedächtniswissen, das noch nicht innerlich belebt. Erst wenn er zu dem oder jenem
Wissen Neigung empfindet, wird sein inneres belebt. Die aus den natürlichen
Erfahrungen gewonnenen Erkenntnisse sind aber noch verkrampft mit den
Begriffen von Raum und Zeit und sind behaftet mit Sinnestäuschungen, die
natürliche Lüste und Begierden anregen, und haben noch sehr viel Falsches an
sich, falsche weltanschauliche, wissenschaftliche und moralische Lehren.
Diese Kenntnisse von solcher Umkleidung zu befreien und zu reinigen, um sie
im Inneren anzusiedeln, wo die Kategorien von Wahrem und Gutem und nicht von
Raum und Zeit gelten, ist sehr schwierig, vor allem solange er nur vom Natürlichen
aus über geistige Werte urteilt und vernünftelt und nicht kraft des
Einflusses aus der geistigen Welt und letzen Endes von Gott sein Denken und
Wollen lenken läßt, um die geistigen Werte zu erkennen und in sich
aufzunehmen. Hierin liegt die seiner Verbundstufe zugeordnete Freiheit der
Entscheidung, denn die Verbundstufe ist nach unten und nach oben, nach außen
und nach innen geöffnet. Das ist die Entscheidung, die sein weiteres Leben
bestimmt. Im Verlauf seines Lebens wird er häufig vor solchen Entscheidungen
gestellt. Je öfter er sich nach außen oder unten gewendet hat, umso schwieriger
und bald unmöglich wird die Entscheidung für das geistige Leben. Der Mensch
ist Mensch nicht vermöge seines Körpers, sondern vermöge des geistigen
Lebens, das ihn innerlich erfüllt. Es ist wie eine Umkehr, von den als
Ausgangspunkt dienenden Kategorien des Denkens - also Raum, Objekte, Zeit -
überzugehen in die dem geistigen Leben zugehörigen Kategorien des Wahren und
Guten und sie zur Richtschnur seines Lebens zu machen. Da ist im eigentlichen
mit der Aufforderung des Herrn gemeint, sich im Geist zu ändern (griechisch:
metanoeite), das sehr mißverständlich mit ‘tut Busse‘ übersetzt wurde und zu
den weinerlichen Bußformen und Bußübungen der Kirchen geführt hat, die nicht
zum Ziel führen, weil sie nur natürliche Emotionen sind. Der richtige Weg der Umkehr besteht darin, daß der Mensch sich immer
wieder darum bemüht, sich in seinem Denken und Wollen aus dem Natürlichen
herauszuwinden, mit dem seine physische Natur unlösbar verknüpft ist und
weiterhin darin leben muß. Das geistige Leben ist eben innerhalb des
natürlichen und braucht dieses als seine Grundlage und dazu noch als die
Ebene seiner Auswirkungen und Nutzwirkungen. Nicht mehr natürliche Ziele und
Zwecke, denen das Geistige dienstbar sein müßte, sollen ihn bestimmen,
sondern Ziel und Zweck soll das geistige Leben sein, dem das natürliche
dient. Das ist die Umkehr, die ins geistige Leben führt. Allerdings kann er im irdischen Dasein das Denken nie von irdischen
Dingen völlig lösen, denn ohne die Vorstellung davon kann er nichts denken.
Er muß sich zuerst im natürlichen Leben umsehen und einrichten und dann die
Lehren vom geistigen Leben in sein natürliches Denken aufnehmen. Hat er sie
mit seinem Wollen verbunden, befolgt er sie also und macht sie zur
Richtschnur seines Lebens, dann tritt er ins geistige Leben ein. Aus sich
selbst und mit abstraktem Denken oder gefühlvollem Schwung kann keiner das
geistige Dasein erlangen. Worin besteht das geistige Dasein? Das geistige Dasein besteht im geistig Wahren aus dem geistig Guten.
Die unterste Stute ist: Das Wahre wissen. Das gibt aber noch keine geistige
Qualität, denn selbst der böseste Mensch kann solches Wissen in sehr hohem
Maße besitzen. Die zweite Stufe ist, dieses Wahre innerlich anerkennen und im
Leben ausprobieren oder testen. Aber auch darin liegt noch kein geistiger
Wert. Dieser kommt erst in der dritten Stufe. Sie besteht darin, auf Grund
der Lebenserfahrungen der zweiten Stufe von deinem Wahren überzeugt zu sein
und es in allen Lebenslagen anzuwenden. Dieses aufsteigende Denken muß
verbunden sein mit der entsprechenden Veränderung des Willens; er muß zuerst
viel liebgewordenes Böses und Falsches ausmerzen, sonst kann der nächste
Schritt nicht getan werden, der darin besteht, das Wahre anzuerkennen und
darauf die Neigungen auf Gottes- und Nächstenliebe auszurichten. Durch viel
Übung wird dieser Grad des Wahren und mit ihm verbundenen Guten zu einem
festen Bestandteil des Charakters. In die höchste Stufe des geschöpflichen geistigen Daseins gelangt der
Mensch durch das Aufnehmen des geistig und himmlisch Wahren, das im Wort
Gottes enthalten ist. Er wird dazu befähigt und getrieben aus uneigennütziger
Liebe zum Herrn und zum Nächsten oder Mitmenschen. Dieses Wahre bildet in ihm
religiöse Kenntnisse, aufgebaut auf inneren Erfahrungen. Religiöse Kenntnisse
beziehen sich auf das, was geistig und himmlisch ist. Dazu gehört auch die
Kenntnis, daß Gott existiert und daß der Mensch Ihn nach den ihm gegebenen
Möglichkeiten erfassen kann. Religiöse Kenntnisse stehen weit über der Vernunft des Menschen, sind
aber nicht unvernünftig oder irrational, sie werden nur nicht auf dem Weg
über die Vernunft erworben. All das Wahre, das er wie zur Vorbereitung in
sich aufgenommen hat, muß verbunden werden mit den höchsten Graden des Wahren
aus der Seele, das er kraft der ihm gegebenen inneren Fähigkeit (perceptio)
aufnimmt, die über der Vernunft ist. Auch dieses höchste menschlich überhaupt
erfaßbare Wahre mußte dem Menschen vorgelegt werden, damit er von seiner
liebe getrieben es aufnimmt und in sich behält, denn er ist für den Himmel
geboren. Dieses Wahre, genannt das Wahre des Glaubens, sind die
Ordnungsgesetze des Himmelreichs, in dem er ewig leben soll. Denn das
irdische Dasein ist ja nur die vorbereitende Schule für die Himmel. Jeder
Mensch wählt und findet seinen Platz im Himmel aus seiner Gottesvorstellung,
d.h. seiner Liebe zu Gott und seiner Weisheit. Vom natürlichen zum geistigen Gottesverständnis. Es wurde schon ausführlich dargestellt, auf welchem Weg der Mensch zur
echten Gottesvorstellung kommt. Er hat von Gott selbst die ausreichende
Starthilfe bekommen; das ist der Einfluß in die Seele, daß es einen Gott gibt
und daß er Einer ist. Die noch allerfeinsten, ich möchte sagen, himmlischen
Organe des kleinen Kindes reagieren auf diesen Einfluß und übertragen ihn auf
seine Lebensäußerungen. So ist dem Kind auch eingegeben, daß Gott Mensch ist.
Es empfindet das ganz natürlich, und selbst bis zum Erwachsenenalter
verbindet es diese Vorstellung noch mit den natürlichen Begriffen von Raum
und Zeit und einem Menschen gleich einem irdischen Menschen. Im
Erwachsenenalter, d.h. sobald er vernünftig denken kann, d.h. als reifer
Mensch, muß sein Denken sich grundlegend ändern. Er muß lernen, in dem Herrn
nicht mehr nur eine raum- und zeitgebundene Person zu sehen, sondern er muß
des Herrn göttliche Liebe und Weisheit zu sehen und zu erkennen suchen, die
sein eigentliches Wesen sind. Auch schon jeder Mensch ist nicht deshalb
Mensch, weil eine menschliche Körperform in Raum- und Zeitbeziehung hat,
sondern weil er als Organform geschaffen ist, die fähig ist, auf die
einfließende göttliche Liebe und das göttlich Wahre zu reagieren und es auf
seinen eigenen Lebensebenen zu verwirklichen. Weil Gott schon immer Mensch war und ist, deshalb haben wir, seine
höchste Schöpfungsform, menschliche Gestalt im Inneren, d.h. eine menschliche
Geistesgestalt, wie auch im Äußeren, eine natürliche Menschengestalt, die ihr
Dasein auf der natürlichen Ebene hat. Ein normaler Mensch liebt eine andere Person nicht nur wegen ihrer
Menschengestalt, sondern wegen ihres inneren Wesens. Das ist menschenwürdiges
Leben, während die nur auf die Gestalt gerichtete Liebe der rein natürlichen
Sphäre angehört und nicht menschenwürdig ist. So steht es auch mit des Menschen
Liebe zu Gott. Er soll Gott lieben wegen Seiner göttlichen Wesensart und
dabei an seine Person nur denken, weil die Wesensart in seiner Person verkörpert
ist. Das ist geistiges Denken und Lieben; es ergreift die Wesensart und die
Person. Richtet sich Denken und Lieben nur auf die Person des Herrn, dann ist
es nur natürliches Denken und Lieben; es führt sehr leicht zu der Idee, die
Natur habe den Geist hervorgebracht und entwickle sich aus sich selbst bis
zum göttlichen Sein. Aus solchem natürlichen Denken ist der Naturalismus, Materialismus und
Atheismus entstanden. Die innere Ursache für Zweifel und für die Leugnung
Gottes liegt zwar in der Selbst- und Weltliebe des Menschen, der sich selbst
und sein Denken zur höchsten Autorität für alle weltlichen und geistigen
Dinge erhoben hat und nicht anerkennt, daß er nur aus dem Einfluß Gottes
leben und echte Wertmaßstäbe setzen und Gott anerkennen kann. Der Mensch lebt
nur als Bildnis und Gleichnis Gottes; nimmt er das Gottesbild weg, dann
entzieht er sich die Grundlage für sein inneres Leben. Das Gottesbild in ihm ist gewissermaßen der Brennpunkt, auf den sich
seine Vorstellungen von göttlicher Liebe und Weisheit vereinigen können.
Göttliche Liebe und Weisheit und auch alle anderen göttlichen Eigenschaften
wie Allmacht, Allwissenheit, Allgegenwart sind unendlich und vom Menschen
nicht ergreifbar, erfaßbar. So stünde der Mensch dem unendlichen Nichts
gegenüber, wenn er diese göttlichen Eigenschaften nicht in dem Brennpunkt des
Gottesbildes sehen könnte, des Gottesbildes, das sich als Gottmensch in ihm
darstellt. Oder hat Gott etwa andere Gestalt und Form, etwa die Gestalt eines
Tieres oder die Form einer Kugel, die geometrisch gesehen eine vollkommene
Form ist? So zu denken wäre Götzenkult, und wo bliebe da göttliche Liebe,
Weisheit, Vorsehung und Fürsorge für Seine Schöpfungen, Himmel und Erde und
die Menschen, die geschaffen wurden, um ein gottnahes Leben in den Himmeln zu
führen. Gott ist Mensch: nicht
ein Mensch, sondern der Mensch, der einzige Mensch, aus dessen
Ausstrahlung von Liebe und Weisheit alle Himmel und alle geistigen sowie die
natürlichen Welten geworden sind als Heimstätten für den natürlichen und aus
ihm den geistigen und himmlischen Menschen, also Engel. Die Erde ist die
Pflanzschule und Vorschule für das Himmelreich. Der Same, der in dieser
Pflanzschule verwendet wird, ist der göttliche Einfluß in die Seele eines
jeden Menschen. Um diesen Samen herum bilden sich mit Hilfe der kosmischen
Sphären, ihrem Licht und ihrer Wärme die geistigen und natürlichen Potenzen
und Substanzen, die den Menschen befähigen, in der Natur und dann in den
geistigen Sphären zu leben. Der Mensch kann wachsen und weiterbestehen nur aus dem fortwährenden
Einfluß aus Gott. Das gilt für die rein natürliche Sphäre seiner irdischen
Existenz, aber vor allem für die geistige Sphäre, in der er während seines
Erdenlebens seine Geistesgestalt in sich aufbaut. Aus sich selbst kann kein
Mensch diese Geistgestalt erringen also geistig und himmlisch werden, denn
was endlich ist, kann sich dem Unendlichen nicht nähern oder gar selbst
unendlich werden. Aber der unendliche Gott kann sich seinen endlichen Geschöpfen
offenbaren, Seine Liebe und Weisheit zeigen in einer Weise, die von den
Menschen erfaßt und aufgenommen werden kann. Die höchsten Offenbarungen Gottes sind durch Sein Wort geschehen. Denn
in ihm stellt Er sich selbst dar als Gottmensch in der Tätigkeit Seiner Liebe
und Weisheit. Diese Selbstdarstellung Gottes in seinem Wirken weckt und
vergrößert immer mehr das Verständnis des Menschen für das eigentliche Wesen
Gottes, sie erregt im Menschen die Schwingungen, die zu Gott zurückstrahlen
und ihn mit seinem Herrn und Vater verbinden. Es gibt keinen anderen Weg zu
Gott und zur Verbindung mit Ihm als das Wort Gottes. Es erleuchtet den
Menschen. Im Wirken Gottes sind alle seine Eigenschaften vereinigt, einheitlich
und mittätig. Nur zur intellektuellen Analyse halten wir sie auseinander als
Liebe, Erbarmen und Gnade, als Weisheit, Allwissenheit und Allmacht, als
Allgegenwart und Vorsehung und vieles andere. Sie sind aber nicht in solcher
oder ähnlicher Weise in Gott getrennt, wie wenn er einmal aus dieser, ein
anderes Mal aus jener Eigenschaft handeln würde. Unsere menschliche endliche
Beschränktheit verhindert es, daß wir den Unendlichen in einem sehen können.
Wir können nur eine dunkle Ahnung davon bekommen, daß in jedem Tun Gottes sie
alle beisammen und beteiligt sind. Sein Tun und Wirken ist aber nicht wie das
menschliche Tun in zeitliche Abschnitte aufgeteilt, jetzt dies, dann das und
jenes, um am Ende doch etwas Gesamtes fertig zu bringen, sondern Gottes
Wirken geschieht aus allen seinen Eigenschaften heraus immer einheitlich in
aller Fülle und aller Macht. Wir können das nicht lassen, sondern nur anbetend
Ihn in uns wirken lassen. Aber verstehen wir da nicht doch wieder dem Unendlich-Unfaßbaren
gegenüber und können Ihn nicht fassen, stehen wir da nicht vor dem unfaßbaren
Nichts, wie wenn wir mit tausend Händen hinausgreifen wollten, aber sie
können nichts fassen, sie bleiben leer? Wir sind dem Unendlichen gegenüber
tatsächlich weniger als ein Staubkorn im unendlichen Raum, allein, hilflos,
ohne Richtung nach oben oder unten, nach rechts oder links, ohne Boden, ohne
Himmel, ohne Licht, ohne Wärme und ohne einen echten Menschen als Gegenüber. Aber siehe! Das Unendliche, der Unendliche verdichtet sich, nimmt
Gestalt an, steht uns gegenüber, wir können Ihn mit unserem geistigen Auge
sehen und erkennen, wir können, jeder von uns, uns an Ihn hängen, uns an Ihm
festhalten, an Ihm, dem Unendlichen, der Mensch geworden ist, der uns, jeden
von uns, sieht und anschaut. Die aus seinen Augen und seiner ganzen Gestalt
strahlende Liebe nimmt uns auf, umgibt uns und hält uns. Wir sind wieder in
fester Umgebung. Wir haben den Blickpunkt gefunden, die Gestalt, auf die
fortan unser ganzes Leben sich konzentriert, wir haben unseren Herrn
Jesus-Christus gefunden, denn Er ist es, in dem der Unendliche, Seine Liebe,
Weisheit, Kraft und Macht, Allmacht, Allwissenheit, Vorsehung, Allgegenwart
wie in einem Brennpunkt sich vereint und von Ihm aus in sanften lebenbringenden
Strahlen auf uns und in uns hinein wirkt. Das bedeutet es, wenn wir gelernt haben und nachsprechen: Gott ist in
Jesus-Christus Mensch geworden. Das Wort ist Fleisch geworden und wohnt unter
uns. In Ihm haben wir den Zielpunkt gefunden für unsere Vorstellungen und
Gedanken von dem Unendlichen und Seinen unfaßbaren Eigenschaften. In seinem
Wirken erkennen wir seine Liebe und seine Weisheit, und indem wir sie in uns
aufnehmen und wirken lassen, ohne eigensüchtigen Widerstand zu leisten,
strahlt die Sonne des Lebens in uns und bringt unser inneres Leben zum
Wachsen, zum Blühen und Fruchtbringen. Unsere innere Geistesgestalt empfängt
das alles von dem Menschen Jesus aus Gott, Mensch zu Mensch, Auge zu Auge,
Mund zu Mund und Herz zu Herz. Und wenn unsere Liebe von ihm erfüllt ist und
zurückstrahlt, werden wir eins mit ihm, Er in uns und wir in ihm, und dann
erfüllt Er uns mit aller Erkenntnis Seiner Göttlichkeit und wirkt in uns zum
Guten in diesem Leben und in seinen Himmeln. In Jesus-Christus allein ist die höchst vollkommene, unendlich
vollkommene Verbindung zwischen Gott und Mensch zustande gekommen, so daß
alles Göttliche ungehindert in Ihn und durch Ihn wirken kann. So ist Er die
göttliche Liebe in menschlicher Form oder die Form der göttlichen Liebe und
der göttlichen Weisheit, die auch das WORT erfüllt und das Wort ist. ‘Das
Wort ward Fleisch.‘ Da unser Denken von sinnfälligen Begriffen wie Raum und Zeit und
Objekte und Personen ausgeht, müssen wir in unserem mehr äußeren Denken Ihn
als menschliche Person sehen, so wie die Jünger Ihn gesehen haben. Liebe und
Weisheit usw. selbst sind abstrakte Begriffe; deshalb sind göttliche Liebe
und göttliche Weisheit samt all den anderen göttlichen Eigenschaften nur in
Verbindung mit dem göttlichen Menschen Jesus und seinem Wirken für uns
sichtbar und erkennbar. Der Sohn Jesus-Christus ist die Verkörperung, die
körperliche Wirklichkeit Gottes des Vaters, Er ist die erfaßbare Form des
unfaßbaren Gottes. Das äußere Denken ist die Grundlage, Stütze und Zwischenstufe
für das innere Denken. Dieses innere Denken ist den Engeln des Himmels eigen;
es macht frei von den Bindungen an Raum und Zeit und sieht nicht die geschichtliche
Person Jesu, der ja aus seinem irdisch-materiellen Dasein wieder ausgetreten
ist, sondern es sieht Gott als Menschen aus ungeschaffener göttlicher
Substanz, in der alle seine göttlichen Eigenschaften ihren Urgrund haben, aus
dem sie ausstrahlen und Leben bringen. In der Kindheit und Jugend denkt der Mensch nur natürlich, seine
Vorstellungen von Gott bilden sich aus der Person Jesu-Christi. Aber wenn der
Mensch innerlich wach wird, findet ein Wandel statt, und er denkt über die
Person hinaus an seine Wesenseigenschaften. Solange er nur an die Person Jesu
denkt, ist er viel zu sehr an die geschichtliche Person Jesu gebunden, die er
irgendwie mit seiner eigenen Person vergleicht oder gleichsetzt; das verführt
leicht zur Leugnung Seiner Göttlichkeit und zuletzt zum Atheismus. Denken wir durch die Person Jesu hindurch oder vielmehr in Seine Person
hinein an Seine göttlichen Eigenschaften, dann sollen wir den Herrn auch
nicht als Person lieben. Nur natürliches Denken bleibt daran hängen, den
Herrn als natürliche Gestalt zu lieben; wer aber über das Natürliche hinaus
auch geistig denkt, wird gewahr, daß der böse Mensch wie der gute Mensch den
Herrn als Person lieben kann. Solche Liebe geht vom Menschen aus und ist
etwas ganz anders als was der Herr geboten hat: Wer mich liebt, der tut meine
Gebote. Im Himmel, also auch für den inneren Menschen, bedeutet Liebe zum Herrn
die Liebe zum Guten, das von Ihm und aus Ihm ist. Dieses Gute lieben heißt:
aus Liebe Gutes wollen und tun und nach Seinen Geboten leben. (HH 15, AE
433). Das setzt aber voraus, daß wir aus dem Wort Gottes diese Gebote und
möglichst viel über das Wesen Gottes gelernt haben und unser Leben danach
ausrichten. Wenn wir so denken und lieben und tun, dann nehmen wir das Göttliche
des Herrn in unseren obersten Lebensgrad auf, der der eigentlich menschliche
Grad ist. Er wird in uns vom Herrn geboren und wächst im inneren und nicht
von außen her, denn der Herr ist der alleinige und einzig wirkliche Mensch;
nur Er kann uns das Menschsein geben. Alles übrige an uns sind die tieferen
Grade des Lebens; diese werden gebildet aus der natürlichen Umgebung, aus
Erbgut und aus Erziehung, und sind dazu da, Gefäß zu werden, das der Herr von
innen öffnet und mit wahrlich Menschlichem erfüllt. Das Gefäß ist natürlich
und wird in der Natur gebildet; das Menschliche ist geistig und himmlisch bis
zum vollen Maß, wenn der Herr von innen einfließt und aufgenommen wird bis in
die unteren Lebensgrade und den natürlichen Körper. Das geschieht, wenn der
Mensch aus Liebe zum Herrn das Böse meidet und das Gute nach Seinen Geboten
tut. Das ist der Entwicklungsgang des Menschen: zuerst, (vom äußeren Denken
her) die Person unseres Herrn Jesus-Christus lieben, dann seine göttlichen
Wesenheiten sehen und erkennen und in Seiner Person lieben. So liebt er den
Herrn nicht als Menschen, sondern er liebt die göttliche Liebe und Weisheit
in menschlicher Form. Das Göttlich-Menschliche ist keine Abwertung gegenüber
dem Göttlichen; es ist die Daseinsform, (existere) des göttlichen Wesen
(esse), also der sichtbare und ansprechbare Gott. Sein ist das Reich und die
Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Das Geistige im Menschenleben. Wer heutzutage öffentlich vom Geistigen und von Geistern spricht,
unternimmt eine schwierige und meist undankbare Aufgabe, die ihn der
Lächerlichkeit aussetzt, weil unter Geist und Geistern allgemein nur noch
Gespenster, Spukgestalten in alten Schlössern und auf Friedhöfen oder auch
Schreckenserscheinungen aus unbekannten Ursachen oder Visionen und anderes
mehr verstanden werden. Der Hexenwahn hat unzählige Opfer gefordert. Man
spricht vom leibhaftigen Teufel, und Krankheiten werden mit Geisteraustreibung
behandelt. Der Aberglaube treibt die seltsamsten Blüten. Der Aberglaube ist darauf aus, die unbekannten Ursachen natürlicher
Erscheinungen dem Übernatürlichen zuzuschreiben, man versucht schon gar keine
vernünftigen Erklärungen. Aberglaube erzeugt Furcht, oft auch einen
Heiligkeitswahn oder Sendungsglauben, er führt nicht zu innerer Freiheit,
sondern zur Versklavung an Gebräuche und Personen; Aberglaube geht nicht auf
göttliche Offenbarung zurück, sondern entsteht aus menschlicher Unwissenheit
und Ängsten und wird geschürt von gewissenloser Gewinnsucht. Er kann nur
entstehen, wo kein Glaube an Gott und kein Vertrauen zu seinen allwirkenden
Ordnungsgesetzen herrscht. Mehr noch als Aberglaube verhindert der moderne
Skeptizismus jede vernünftige Einsicht in das Wesen des Geistes und der
geistigen Welt. Nun ist es Tatsache, daß die Existenz von Geistern mit unseren
Sinneswerkzeugen des Sehens und Hörens nicht schlüssig nachgewiesen werden
kann. Diese Tatsache bedeutet aber keineswegs, daß es eine geistige Welt und
Geister in ihr nicht gäbe, die unser Leben innerlichst und in geordneter
Weise beeinflussen, die sich aber experimenteller Nachprüfung entziehen. Es
ist nicht zu leugnen, daß wir noch vor vielen ungelösten Problemen stehen,
und es gibt noch unergründete Tiefen im Inneren des Menschen. Die empirische
Wissenschaft bietet noch nicht einmal befriedigende Erklärungen für die
ständigen Vorgänge unseres Denkens, unseres Gedächtnisses, unserer Gefühle und
Emotionen. Blieben wir angewiesen auf empirische Wissenschaften und ihre
sensuellen Methoden, es wäre genau genommen überhaupt kein Fortschritt in
Richtung auf geistige Erkenntnisse möglich. Wir wollen uns nicht bei Spekulationen
aufhalten, wohin wir trotz aller wissenschaftlichen und technischen Entwicklung
geraten würden, wenn unser Leben nicht auf ethischen Grundlagen aufbauen
könnte, die ihrerseits aus dem Geistigen stammen. Neben Aberglaube und
Skeptizismus steht als Drittes der Naturalismus. Ungezählte Menschen glauben und sind überzeugt, daß das, was sie Natur
nennen, das einzig wirklich Bestehende ist, daß sie aus sich selbst besteht,
ja sogar, daß sie aus sich selbst geworden ist, und daß aus ihr und ihrer
toten Materie das Leben entsprungen sei, so daß auch die menschliche
Fähigkeit zu denken und zu wollen ein Naturphänomen ist. Wer das meint, hat
keine Vorstellung davon, daß etwas Geistiges unabhängig von der Natur
besteht. Aus sich selbst kann der Mensch auch gar keine anderen Vorstellungen
haben. Und doch, wenn er nicht ganz unverständig den Dingen der Natur und
sich selbst gegenüber ist, muß er erkennen, daß aus dem Leblosen, aus dem,
was tot ist, kein Leben entstehen und bestehen kann. Darüber haben wir schon
im vorigen Jahr gesprochen, als wir das Thema „Der Entwicklungsgang vom
natürlichen zum geistigen Menschen“ behandelten. Nicht aus dem Natürlichen heraus kann der Mensch geistig werden,
sondern sein geistiges Leben ist abhängig von einer geistigen Welt und
letzten Endes von göttlichen Offenbarungen. Ohne sie kann der Mensch weder
wissen, daß es einen Gott gibt, der die Quelle alles Lebens ist, noch daß es
eine geistige Welt und Himmel und Hölle gibt, noch auch daß alle Funktionen
des Denkens und Wollens, wie auch alle körperlichen Funktionen abhängig sind
von dieser Quelle des Lebens und ihrem Einfließen. Wollen, Denken und Tun sind die eng miteinander verbundenen
Grundpfeiler des menschlichen Lebens, das aus diesem Einfließen bewirkt wird.
Das erste ist das Wollen oder der Wille, der darauf abzielt, das zu
erreichen, was man liebt. Wir wollen, was wir lieben, und wir lieben, was wir
wollen. Unsere Liebe und unser Wollen oder unser Wille ist dasselbe und ist
zugleich das Innerste unseres eigentlichen Lebens. Liebe ist nicht etwas Abstraktes oder nur Eingebildetes, auch nichts
Materielles aus Atomen und Molekülen, sondern etwas Geistiges, eine geistige
Substanz, die was sie liebt und was ihr entspricht, ergreifen und mit sich
verbinden will. Was aus Atomen und Molekülen besteht, hat keinen Willen,
sondern ist geleitetes Objekt. Unser ganzer Körper ist nicht selbsttätig,
sondern er wird geleitet, einerseits von unserem Willen, anderseits (soweit
es seine uns unbewußten Vorgänge betrifft) von dem direkten geistigen Einfluß. Unser Wille als geistige Substanz gehört ebenso wie der direkte Einfluß
nicht der natürlichen, sondern der geistigen Welt an. Der Mensch ist
Bestandteil und Bewohner zweier Welten, der natürlichen und der geistigen.
Mit seinen natürlichen Sinnen sieht und empfindet er die Dinge und Vorgänge
der natürlichen, mit seinen geistigen Sinnen diejenigen der geistigen Welt. Das Geistige geht dem Natürlichen voran, nicht nur im allgemeinen
Geschehen aus dem direkten Einfluß, sondern auch in allem menschlichen Geschehen:
Was wir tun, haben wir zuerst gewollt und zu tun beschlossen; aus der
geistigen Substanz des Wollens entsteht das Tun. Es besteht also eine
Dualität zwischen Geist und Natur in der Art von Ursache und Wirkung: Der
Geist ist die Ursache für alles Geschehen in der Natur des Weltalls und in
der Natur des menschlichen Körpers. In der Wirkung sind Geist und Natur wie
eins, aber doch sind sie zwei, denn es gibt keine Wirkung ohne Ursache. In
der Ursache ist die Wirkung vorgegeben, die Wirkung ist das Ergebnis der
Ursache, das Natürliche ist das Ergebnis von Geistigem und ist vom Geistigen
vorgezeichnet, vorgebildet und entspricht dem Geistigen. Im Natürlichen
stellt sich das Geistige dar, es ist das Abbild des Geistigen. Das
eigentliche Reale ist das Geistige; im Natürlichen erhält das Geistige nur
seinen sichtbaren und zeitlichen Bestand. Aus diesen keinesfalls schwierigen Erwägungen heraus können wir klar
sehen, daß es zwei Welten gibt, die der Natur und die des Geistes. Unter
„Welt des Geistes“ ist insgesamt alles Geistige zu verstehen, wo und wie
immer es ist. Allerdings fällt nicht darunter, was man im Unterschied zur
körperlichen Tätigkeit üblicherweise als geistige Tätigkeit im Sinne intellektueller
Tätigkeit bezeichnet, denn diese liegt in den natürlichen Fähigkeiten des
Menschen. Auch wenn wir die Welt des Geistes mit den fünf Sinnen des Körpers
nicht sehen, existiert sie dennoch. Es ist ein Kardinalfehler, nur das als
existent anzusehen, was unsere körperlichen Sinne bezeugen. Das ist der
Fehler aller Anschauungen, die allein von den Naturwissenschaften abgeleitet
sind und mit ihren Methoden begründet werden. Daß die Naturalisten alles
Geistige leugnen und demzufolge zu Atheisten geworden sind, löst das Geistige
nicht auf und bringt es keineswegs zum Verschwinden. Der falsche Glaube, es gäbe Gott gar nicht, und das Leben sei im
Menschen ohne Gott vorhanden und gehöre dem Menschen selbst, kommt auch
daher, daß der Mensch das Leben dauernd und unaufhörlich empfindet und sich
deshalb gar nicht vorstellen kann, daß es von dem Einfluß Gottes abhängig
ist. Er sagt: Seht, ich lebe, auch ohne an Gott zu glauben, also brauche ich
ihn nicht. Wissenschaftler haben das so ausgedrückt: Wir können auf Gott als
Arbeitshypothese verzichten. Wir haben gesagt: Gott ist die Quelle alles Lebens. Und das
heißt, Er ist die Quelle des Lebens der geistigen wie der natürlichen Welt.
Letzte res ist gleichsam nur die Fortsetzung des Lebens der geistigen Welt.
Unser Körper ist eingegliedert in die natürliche Welt, aber das Leben des
Körpers kommt, wie alles Leben, aus der geistigen Welt und letzten Endes aus
der göttlichen Lebenssphäre. Der geistigen Welt gehört unser Wollen und
Denken zu, denn Wollen und Denken vermitteln das Leben in den Körper hinein. Unser Wollen und Denken geht von den geistigen Substanzen Liebe und
Verstehen aus. Diese Substanzen müssen von etwas angeregt, beeinflußt werden,
damit sie in Wollen und Denken tätig werden können. Diese Beeinflussung kommt
durch die geistige Welt. Liebe und Verstehen sind — bildlich gesprochen — die
Aufnahmegefäße für diesen Einfluß, für das geistig Fließende, das wir das
Gute und das Wahre nennen. Die dem Menschen gegebene Liebe ist das Gefäß für
das Gute, das ihm gegebene Verstehen das Gefäß für das Wahre. Weniger
bildlich gesprochen, müßten wir sagen: Die Liebe wird vom Guten, das
Verstehen vom Wahren angeregt und führt zum Wollen und Denken. Im Wollen und
Denken wird das an sich rein geistige Gute und Wahre konkretisiert und
menschlich individualisiert. Die Fähigkeit zum Wollen und Denken ist jedem
Menschen von Gott eingegeben, ihm eingeboren, aber was er will und denkt,
liegt im individuellen menschlichen Bereich und ist deshalb bei jedem Menschen
verschieden von jedem anderen Menschen. Kraft dieser individuellen Verfügbarkeit
liegt es am Menschen, ob er Gutes will und Wahres denkt, oder ob er Böses
will und Falsches denkt. Will er Böses statt Gutes und denkt er Falsches
statt Wahres, so kommt das zwar auch vermöge des Einflusses oder der
Anregungen aus der geistigen Welt, aber aus ihren unteren Bereichen oder
Höllen. Swedenborg, der begnadete Seher, der unter Gottes Leitung während
seiner irdischen Lebenszeit tiefe Einblicke in die geistige Welt haben
durfte, berichtet in der „Erklärten Offenbarung“: Im Himmel ist wohlbekannt, daß es nur eine Quelle des Lebens gibt, aus
der alles Leben kommt und dauernd einfließt. Kein Engel des oberen Himmels
hat daran den geringsten Zweifel, denn die Engel dieser Himmel empfinden den
Einfluß. Durch viele Beispiele wurde mir dies gezeigt: Als in der geistigen
Welt bei solchen Geistern, die geglaubt hatten, aus sich selbst zu leben und
die nicht mehr wahr haben wollten, daß sie aus dem Herrn leben, der Einfluß
in ihr Denken teilweise genommen wurde, fielen sie wie leblos hin. Sobald der
Einfluß wieder kam, erhoben sie sich wie vom Tod. Daran erkannten diese
Geister selbst, daß ihnen das Leben nicht gehört, sondern daß es andauernd
einfließt, und daß Menschen, Geister und sogar die Engel nur Gefäße für die
Aufnahme des Lebens sind. Das Leben an sich kommt nur von Dem, der Selbst das
Leben ist, und jedes Ding muß im Zusammenhang mit dem Ersten sein, um etwas
zu sein. Daraus sieht man auch, wie falsch diejenigen denken, die den
Ursprung des Lebens in der Natur suchen und meinen, der Mensch lerne zu denken
von der Natur her und aus der Ordnung der Natur. (Nr. 349) Die Enthüllungen Swedenborgs sind ein einzigartiges Zeugnis für die
Beziehungen von Geist und Natur zueinander und für die Verbindung von Geist
und Körper beim Menschen. Mit den Offenbarungen Swedenborgs ist ein neues Zeitalter angebrochen,
in dem nicht mehr nur natürliche, sondern auch geistige Erkenntnisse
erreichbar sind, und zwar anhand der offenbarten Grundtatsachen, wonach der
Mensch nicht nur ein vergängliches körperlich- natürliches, sondern zugleich
ein unvergängliches geistiges Leben hat; daß es geistige Welten
einschließlich Himmel und Hölle gibt; daß die Menschen nach dem Tod ihres
Körpers dort weiterleben, und daß Gott der Herr alle natürlichen und geistigen
Schöpfungsbereiche regiert. Swedenborg hat diese Grundtatsachen in seinen
vielen Werken bekannt gemacht und schon einen ungeahnten Einfluß auf die
geistige Entwicklung der zivilisierten Welt genommen. In dieser Vortragsreihe
beschränken wir uns auf das Geistige im Menschenleben. Swedenborg sagt: Die ganze Schöpfung und alles in ihr ist entstanden
und besteht weiter aus Gott (HG 5711). Das eigentlich Göttliche ist seine
Liebe. Gottes Leben ist die Kraft seiner Liebe, wirkend in seiner Weisheit. Im ganzen Universum wirkt das Leben Gottes, denn im Größten wie im
Kleinsten ist die göttliche Liebe verwirklicht. Oder anders ausgedrückt: Das
ganze Universum besteht aus unendlich vielfältigen Organen zur Aufnahme und
Auswirkung des Lebens aus Gott. Sein Leben oder die Kraft seiner Liebe strömt
aus und strahlt aus. Dieses Ausstrahlen der unendlichen Lebenspotenzen kann
von unserem unzureichenden Verstehen nur vergleichsweise erfaßt und begriffen
werden als eine Sphäre, die alles erfüllt und durchdringt, so wie die
Strahlen einer Sonne, wenn sie nicht behindert werden, alle Welten
durcheilen. Das Ausstrahlen macht selbst diese Sphäre, die wir Reflexsphäre
oder erste Aura nennen. Sie ist erfüllt von nichts als diesen Ausstrahlungen
und ist die erste Verwirklichung, das erste Gegenüber, das im Rahmen seiner
Bedingungen sich von den göttlichen Ausstrahlungen anregen läßt. Die Ausstrahlung
und ihre Wirkung setzt sich fort und bildet weiter Sphären oder Ebenen, wo
die Schwingungen langsamer werden und sich verdichten. Dabei haben wir es
immer mit Kräften zu tun und mit Elementarteilchen oder Substanzen, in die
hinein und durch die die Kräfte weiter wirken innerhalb der ersten Sphäre
bilden sich Einzelvolumen der zweiten Sphäre oder Aura. Sie sind weniger
subtil und haben langsamere Bewegungen. Alle Sphären vibrieren voller Leben
und streben danach, sich auszuformen, zu erschaffen. Die zweite Sphäre oder Aura ist schon so weit konkretisiert, daß ihre
Kräfte des Magnetismus im natürlichen Universum die Solarsysteme ausbilden
und bewegen, d.h. in dieser Aura und aus ihren Elementarteilchen entstehen
die nahezu unendlich vielen Sonnensysteme mit ihren Sonnen. Und aus den
Sonnen entstehen die Planeten, die um ihre Sonne kreisen und mit ihr zusammen
ein eigenes geschlossenes Sonnensystem bilden. Keine zwei Sonnensysteme
gleichen sich in Größe und Form, und ihre Ausstrahlungen sind ebenso
verschieden. Die dritte Aura oder Sphäre (die dritte Ordnungsstufe mit den Kräften
der Elektrizität usw.) bildet sich um die Planeten und Erdkörper, so auch um
unsere Erde, durch Einwirkung der Sonnenstrahlung auf sie und die
Rückstrahlung. Swedenborg nennt diese dritte Aura den Äther. Seine Bewegungen
und Teilchenschwingungen werden von uns als Licht empfunden. Die vierte Aura oder Sphäre (die 4. Ordnungsstufe) ist unsere
Luftatmosphäre, deren Teilchenschwingungen von uns als Ton empfunden werden,
sowie das ganze Gebiet der atomaren Welt, in der sich letzten Endes das
gebildet hatte, was wir das Mineralreich nennen. So ging die Schöpfung stufenweise vor sich, und diese Stufen sind an
den geschaffenen Dingen ersichtlich. Jeweils wirkt die Kraft der höheren
Stufe in die tiefere ein; so ist die tiefere Stufe immer der höheren unterworfen. Der materiellen Natur fehlen alle höheren Eigenschaften. Sie kann nicht
als geistig betrachtet werden, aber sie reagiert dauernd auf die Anregungen,
denen sie vermittels der Sphären ausgesetzt ist. Die Ordnung dieser
Anregungen und ihrer Wirkungen kann als die Naturgesetze bezeichnet werden.
Es ist also grundfalsch zu meinen, die Naturgesetze seien aus der Natur
entstanden — das ist ganz widersinnig —sondern die Natur ist aus den
Naturgesetzen entstanden, und das sind die von Gott gegebenen Ordnungsgesetze,
die in den verschiedenen Stufen oder Sphären herrschen. Das Göttliche konnte nichts direkt aus sich Selbst erschaffen. Aber aus
den ausstrahlenden Atmosphären hat Gott alles göttliche Leben herausgenommen.
Das geschah durch fortlaufend geringere Aktivität, bis zu letzt etwas
entstand, was so leblos war, daß es keine Atmosphäre mehr war, sondern
ruhende Substanz, nämlich das, was wir Materie nennen. (GLW 4, 302) So verstehen wir sogar mit unserem begrenzten Verstand, daß Schöpfung
im eigentlichen die von Gott gewollte Begrenzung seiner Allmacht und Unendlichkeit
in Gebilde ist, in die er immer leitend und ordnend eingreift. Die bisher geschilderten Schöpfungsvorgange können wir Involution
nennen. Nun beginnt die zweite große Schöpfungsperiode, für die wir das Wort
Evolution übernehmen können, wenn wir diesem Wort auch eine völlig andere
Bedeutung geben als die Naturwissenschaften. Mit der Evolution wird der
Kreislauf der Schöpfung vollendet und in Gang gehalten. Der Zweck der ganzen Schöpfung — Involution und Evolution — ist und war
es, Wesen zu erschaffen, die fähig sind, das Leben, das einzig in Gott
vorhanden ist, aufzunehmen und so zu empfinden, als wäre es ihr eigenes. Das
Leben der Geschöpfe ist stets nur ein abgeleitetes Leben. Deshalb muß man von
den Geschöpfen und von ihren einzelnen Organen als lebensvermittelnden und
nicht als lebendigen Organformen sprechen. Beispiele dafür sind unsere Sinnesorgane, z.B. das Auge. Dieses Organ
sieht nicht selbst, sondern vermittelt nur das Sehen, das an sich ein
geistiger Vorgang ist. Dem Menschen erscheint es aber, als würde sein Auge
sehen. Genau so ist es mit allen anderen Organen, aus denen der Mensch
besteht. Die lebensvermittelnde Tätigkeit aller Organe — der körperlichen,
mentalen und seelischen — zusammengenommen er scheint uns als das Leben. Wie wurden die das göttliche Leben vermittelnden Wesen geschaffen oder
wie kam der Geist in die Welt, mit anderen Worten: Wie verlief die Evolution?
Die am Ende der Involution entstandene Materie bildet den Ausgangspunkt der
Evolution; sie ist die Matrix und die Grundlage, die bei allem weiteren
Geschehen beteiligt ist und bleibt — wohlgemerkt: sie ist nur beteiligt und
nicht allein. Das Leben entsteht nicht aus der Materie. Leben ist einzig in
Gott, aber die lebenvermittelnden Organe entstehen mit Hilfe der Materie, und
zwar in aufsteigender Folge, genau entsprechend der absteigenden Folge oder
Involution der Sphären der göttlichen Ausstrahlungen, die mit der ersten Aura
oder Reflexsphäre beginnt und mit der irdischen Sphäre und ihrer Materie
endet. So beginnt die aufsteigende Folge mit der Materie. Die Sonnenstrahlen, ihr Licht und ihre Wärme, beeinflussen die Materie,
bewirken in ihr eine Unruhe, eine Tätigkeit, einen Metabolismus. Daher kommt
es, daß alle Materie selbst wieder irgendwie ausstrahlt. Ohne diese
Ausstrahlung gäbe es keinen Beginn und keine Fortentwicklung, gäbe es keine
Evolution. Die Ausstrahlung oder Emanation besteht aus allerfeinsten
Partikeln der ausstrahlenden Substanz. Aus allen Substanzen gehen Emanationen
eigener Art hervor. Die ausgestrahlten Partikel schweben in der ihnen angepaßten
Umgebung, vorerst nutzlos. Wenn sie in der genügenden Menge und geeigneten
Art vorhanden sind, werden sie von der Kraft der übergeordneten Sphäre
erfaßt. So schaffen sich die Sphären Substanzen, in die hinein und durch die
sie mit ihren Potenzen wirken können. Unsere Luftatmosphäre nimmt die Emanationen aller festen, flüssigen und
gasförmigen Substanzen auf. In sie hinein können die Potenzen der
nächsthöheren Sphäre, Äther genannt, wirken, d.h. die im Äther vorhandene
schöpferisch-geistige Formkraft durchdringt sie und bildet sie zu neuen
Formen aus, die den im Äther liegenden Tendenzen entsprechen. Solche Formen
und die ihnen innewohnenden Tendenzen sind der Anfang der pflanzlichen
Keimzelle. Das Leben der Zelle ist nicht ergründbar allein aus der chemischen
und physikalischen Zusammensetzung ihrer Bestandteile. Darin liegt der große
und grundlegende Irrtum der Zellforschung, wie überhaupt der ganzen
wissenschaftlichen Genetik. Die pflanzlichen Keimzellen bilden mit Hilfe der in der Natur
vorhandenen und sie umgebenden gröberen Stoffe den Samen der Pflanze. Er ist
gewissermaßen dreischichtig: außen die groben Stoffe der Natur, innen die
„neuen Formen“ oder Keimzellen und im Innersten die Formkraft des Äthers,
d.h. der Äthersphäre, also einer der Stufen, auf denen die göttliche Ausstrahlung
begrenzt wurde, und ist deshalb ein geistiges Element. So wirkt auch in der
pflanzlichen Keimzelle die Kraft Gottes als Formkraft des Äthers. Die nächsthöhere Organform zur Aufnahme des Lebens nach dem
Pflanzenreich ist das Tierreich. Die zu einer gewissen Vielfalt und
Ausbreitung gelangte Pflanzenwelt gab und gibt Emanationen von sublimerer
Zusammensetzung ab, die in die Äthersphäre gelangen, weil sie ihr homogen
sind. Die geistigen Kräfte der darüberliegenden zweiten Aura, genannt die
magnetische Aura, erfassen diese Emanationen und bilden neue höhere Formen
aus. Das sind die tierischen Keimzellen. Auch diese umkleiden sich mit den
Substanzen der tieferen Stufen und bilden den Samen, und aus ihm die
verschiedenen Tierarten. Im Inneren des Samens ist die Formkraft der zweiten,
der magnetischen Aura, mit ihrer schier unendlichen schöpferischen
Variabilität, weil diese Aura ihrem göttlichen Ursprung näher ist. Die Kräfte aus allen Stufen, die den Körper der Tiere ausmachen, also
aus dem Mineralreich, dem Pflanzenreich und dem Tierreich, tragen zum Leben
jedes Tieres bei. Im äußersten Organbereich, also im rein Körperlichen, sind
es die Kräfte der vierten Stufe, also Luft, Wasser, Erde; im mittleren
Organbereich sind es die Kräfte der dritten Stufe, also der Äthersphäre, und
im innersten Organbereich sind es die Kräfte der zweiten oder magnetischen
Sphäre. Aus den Kräften dieser zweiten Aura hat das Tier seinen Instinkt: der
Instinkt richtet sich auf die geeignete Nahrung, auf den Schutz vor Feinden
und vor den Unbilden der Natur, sowie auf die Fortpflanzung. Auch hier bleibt festzustellen, daß die Kräfte der verschiedenen
Stufen, die im Tier verkörpert sind, aus den Ausstrahlungen von Gott stammen,
d.h. die Kräfte sind Begrenzung dieser Ausstrahlung, so daß auch die Tiere
unter der göttlichen Herrschaft stehen. Diese zeigt sich im allgemeinen in
der von Gott geschaffenen Ordnung, und im besonderen in dem Einfluß in die
lebenvermittelnden Organe jedes einzelnen Tieres. Es sind ja keine
statischen, sondern dynamische Kräfte; sie stellen sich auf die
augenblicklichen Erfordernisse jedes Tieres ein. Der Mensch als die höchste natürliche Organform ist nach dem gleichen
Evolutionsprinzip entstanden. Die sublimsten Emanationen der Tierwelt, die
der zweiten Aura homogen sind, können Art- oder Spezifikalintelligenzen
genannt werden. Sie werden von den höchst schöpferischen, also geistigen
Formkräften der ersten Aura oder Reflexsphäre innigst erfaßt, welche aus ihnen
neue Formen bilden, die dieser ersten Aura entsprechen. Diese neuen Formen
sind Menschen. So hat der Mensch alle Schichtungen mit ihren Kräften in sich,
die die Involution hervorgebracht hat. Mit anderen Worten: Die vierfache Organform oder die vier Potenzstufen
im Menschen entsprechen den vier Stufen in der Natur. Die einer Stufe
zugehörigen Organe im Menschen werden von den Kräften dieser Stufe bewegt.
Das Leben in den Organen aller Stufen macht zusammengenommen das Leben des
Menschen aus. Es stammt aus dem Leben Gottes, es wird von Ihm geleitet. Die makrokosmischen Stufen dienen also dem Aufbau und der Erhaltung der
entsprechenden Stufen im Menschen. Der Makrokosmos ist Voraussetzung für den
Mikrokosmos Mensch. Durch Involution und Evolution wurden die von Gott
ausstrahlenden Kräfte individualisiert, so daß Menschen im Rahmen ihrer Geschöpflichkeit
daran teilnehmen und ein Leben des freien Willens und der Vernunft führen
können. Der Körper steht im Dienst des Geistes, damit dieser sich auswirken
kann. Involution und Evolution hängen in einem fortwährend sich
wiederholenden Prozeß zusammen. Die ausstrahlende Kraft Gottes ist nicht den
Bruchteil einer Sekunde unterbrochen; geschähe das, dann wäre dies das Ende
der ganzen Schöpfung, des Weltalls wie des Menschengeschlechts. Dies ist das
Bild von Involution und Evolution und des Entstehens des Menschengeschlechts,
wie wir es aus den wissenschaftlichen und theologischen Werken Swedenborgs
herausschälen. Nach diesen Ausführungen fällt die Antwort auf die Frage nicht mehr
schwer: Wie kam der Geist in die Welt, die doch anscheinend nur aus Materie
besteht? Die Antwort lautet: Der Geist ist nicht etwa getrennt von der
Materie und von den aus ihr gewordenen Formen, ist auch nicht nachträglich in
diese hineingelegt worden oder „gerutscht“, sondern der Geist war zuerst, die
Materie entstand aus dem Geist Gottes. Der Geist ist nicht eine zweite
Substanz, die sich in noch unerforschter Art in oder neben der ersten, der
Materie, aufhält. Vielmehr verleiht der Geist der Materie ihre Qualität, und
es gibt keine Materie oder andere Substanz, also Quantität, ohne Qualität.
Quantität hat Beziehung zu: Raum, Zeit, Objekt, liegt also im Rahmen der
Natur. Dagegen Qualität hat Beziehung zum Geistigen, also letzten Endes zu
Gutem und Wahrem, und liegt überhaupt nur im Geistigen. Geistiges an sich ist
nur erfaßbar, wenn von Raum- und Zeitbeziehungen, also Natur, abstrahiert
wird. Das Werden des einzelnen Menschen geschieht in einer Art von
Entsprechung zur großen Schöpfung, die, wie wir gesehen haben, aus Involution
und Evolution besteht. Der organische Aufbau des Menschen geht von der Seele
aus. In der richtigen Betrachtung müssen wir sagen: Der Mensch ist Seele und hat einen Körper. Im Mutterleib wird nur der
äußere Mensch, d.h. sein Körper gebildet, aber in ihm sind von der Seele her
alle Potenzen angelegt für die Entwicklung in die höchsten Stufen seines
Menschseins. Da im Universum vier Potenzstufen bestehen, muß die Seele durch
ebensoviele Stufen herabsteigen und sich da bei jeder dieser Stufen anpassen,
um alle Organformen zu bilden, die diesen Stufen entsprechen. Die Seele
empfängt das Leben unmittelbar von Gott. Die Reflexsphäre oder erste Aura ist
der Ursprung der menschlichen Organform. In ihr und aus ihr wird die Seele
gebildet. Bildhaft können wir uns das so vorstellen: In einem ruhigen Wasser
entsteht ein Strudel, dessen Zentrum sich wie eine Spindel um sich selbst
dreht, und dessen Außenseiten sich in großer Geschwindigkeit um dieses
Zentrum herum bewegen. So etwa entsteht in der Reflexsphäre eine lebende,
eine Organ-Form, in die das Leben, Gottes Leben, einfließt und dort so wirkt,
als hätte die Organform das Leben aus sich selbst. Diese Einzelbewegung,
dieses Einwurzeln in die erste Aura, ist die Individualisierung zum Menschen.
Der individuelle Anteil oder die Seele hat als Organismus die Fähigkeit und
Kraft, nachfolgend alle Stufen der Menschenform zu bilden und sich in ihnen
darzustellen. In der Seele ist Gott beim Menschen. Er ist die Kraft der Seele, so wie
im Bild des Strudels die Bewegung des Wassers von einer Kraft her rührte. Die
Seele wird in vollkommener Weise geleitet von dem Leben Gottes — seiner Liebe
und Weisheit —‚ das in der Ursphäre in vergleichbarer Weise vorhanden ist wie
das Licht und die Wärme in unserer Sonne. Deshalb sprechen wir von der
Ursphäre als der geistigen Sonne. Ihre Ausstrahlung geht in das
menschlich-geistige Fluidum über, vergleichbar wie das Licht und die Wärme
unserer Sonne in die natürlichen Organformen wirken und sie beleben. Das
menschlich-geistige Fluidum leitet diese Lebenswirkungen weiter in die nachfolgenden
Stufen des individuellen Organismus, in alle Stufen des menschlichen Inneren.
Es verwirklicht sich dort entsprechend den Bedingungen der betreffenden
Stufe. So ist die Seele das Prinzip, der Anfang, das Ein und Alles der
Menschenform. All unsere Fibern und Gewebe, unsere Organe, unsere Nerven und
unser Blut sind eingetaucht in den Strom unserer Seele. Und da die Seele aus
der Kraft der göttlichen Ursphäre lebt, so ist diese Sphäre für die Seele wie
etwas ihr Verwandtes, Gleichgeartetes, Vertrautes, Anziehendes und
Beglückendes. Davon kann der Mensch etwas empfinden beim Anblick eines Baumes,
einer Blume, beim Geruch ihres Duftes, an allen harmonischen Formen, Farben
und Tönen und auch beim Anblick der doch so weit von ihm entfernten Sterne. Die Fähigkeit, sich von der Ursphäre, also von der Liebe und Weisheit
Gottes, vermittels der Reflexsphäre anregen zu lassen, ist die
Wesenseigenschaft des menschlich-geistigen Fluidums. Dieses Fluidum ist auch
der innerste Bestandteil des menschlichen Samens. So breitet sich das
Menschengeschlecht durch menschliche Zeugung aus, und jeder Mensch hat kraft
Zeugung das Leben seiner Seele, d.h. geistige Qualität. Wie schon gesagt: Der
Mensch ist eine Seele und hat einen Körper. Dieser wird von der Seele gebaut
mit Hilfe all der Stoffe und Kräfte, die sie aus dem Mutterleib zu diesem
Zweck heranzieht. Das ist die Entsprechung zur Evolution. So wird der menschliche Körper in dieser natürlichen Welt aus der
formgebenden lebendigen Kraft der Seele aufgebaut mit Hilfe der ihr zur
Verfügung stehenden groben Stoffe aus der natürlichen Welt. Von allem, was am Menschen ist, ist die Seele allein zu Gott geöffnet,
und daher kommt das Leben der Seele selbst, oder besser gesagt: ihres
Intellektoriums, dann des Menschen Denken und Wollen und das Leben seines
Körpers. Herr über alles und in allem des ganzen Universums ist Gott. Herr über
alles im Menschen ist der gleiche Gott; er fließt ein in die Seele, die von
ihm erhalten wird. Das Fluidum der Seele behält diese Verbindung. Die Seele
löst sich nicht aus der Verbindung der Reflexsphäre, diese umgibt sie
weiterhin. Damit die Seele in den Körper hineinwirken kann, richtet sie sich ein
Organ zu, den reinen Cortex oder die innerste Hirnrinde. Der reine Cortex
umschließt das menschlich-geistige Fluidum in der gleichen Weise wie eine
Ader das in ihr fließende Blut. Fluidum und reiner Cortex gehören zusammen
und sind das Innere und das Äußere der Seele. Der Bestand und die Funktion
auch des reinen Cortex wird deshalb von der Ursphäre oder der geistigen Sonne
und der Reflexsphäre gewährleistet. Die nächste Organform sind die Hirnzellen. Sie leben und wirken mit
Hilfe der zweiten, der magnetischen Aura; das darauffolgende innere Sensorium
mit Hilfe der dritten Aura, Äther genannt; das letzte, das äußere Sensorium
und der Körper haben ihren Bestand und ihre Funktion durch die sie umgebende
Luft und die Substanzen der Erde. Der Körper ist bekanntlich im Gleichgewicht
zwischen dem atmosphärischen Druck und dem Druck in ihm. Dasselbe
Gleichgewicht besteht auf den anderen Stufen zwischen den entsprechenden
Sphären und Organen. Bei alledem müssen wir eines im Auge behalten: Die Seele ist nicht
unser, sie gehört nicht uns im Sinn eines verfügbaren Eigentums, sie ist
nicht unser Leben, obwohl sie uns formt, aufbaut, zum Menschen macht.
Vielmehr ist sie Gottes, denn sie hat ihr Leben nur von und aus Ihm. In der
Seele wirkt der Herr allein und unmittelbar. So ist Gott mit jedem Menschen
verbunden, und so hat Er, allgegenwärtig und allwissend, das ganze
Menschengeschlecht vor sich. Das Allerinnerste des Menschen, seine Seele,
steht nicht in der Obhut von Engeln, denn im Aufbau des Menschen ist sie weit
oberhalb der engelischen Himmel, und auf sie einwirken kann nur der Herr;
Seine Lebenssphäre fließt unmittelbar in die Seele ein. Aus dem Leben Gottes ist ihre Qualität in aller Fülle in der Seele des
Kindes, des Erwachsenen und des Greises, des guten und des bösen Menschen,
des Engels im Himmel und des Teufels in der Hölle. Erst die unterhalb der
Seele liegenden Organe können sich gegen das weitere Zufließen des Lebens aus
der Seele verhalten und es — wie es bei den Bösen geschieht — pervertieren,
also ihr Gutes in Böses und ihr Wahres in Falsches verkehren. Denn die Seele
fließt in diese tieferen Bereiche, ohne sich damit zu vereinen. Der Körper
kann nicht das Leben der Seele leben, aber die Seele wirkt dort hinein, je
nach der Fähigkeit und Eigenart der aufnehmenden Organe. Das Leben des Körpers zeigt sich in der Welt als mechanische Bewegung
der äußeren Organe des Körpers und als die Tätigkeit der Sinne. Dieses
körperliche Leben ist die unterste Stufe des einfließenden Lebens und ist die
Grundlage und Basis für alles menschliche Leben. Bei der Geburt ist das Leben
des Menschen, streng genommen, nur in seiner Seele und in seinem Körper. Die
Organe unterhalb der Seele auf den verschiedenen Stufen wurden von ihr zwar
im Mutterleib angelegt, sie sind bei der Geburt aber doch nur potentiell
vorhanden, d.h. sie müssen nach der Geburt und während der ganzen irdischen
Lebenszeit durch Übung weiter ausgebildet und vervollkommnet werden, um den
Einfluß der Seele lebendig zu verwirklichen und ein ausgereiftes körperliches
und mentales Leben zu führen. Die Organe der verschiedenen Stufen sind
unkultivierten Feldern vergleichbar, die der Bauer durch seine Arbeit mit
Hilfe des Lichts und der Wärme der Sonne in blühende und fruchtbare Felder
oder Gärten verwandelt. Man denke an die biblischen Gleichnisse, z.B. vom
geduldigen Landmann (Mark. 4, 26- 29), vom Sämann (Matth. 13, 3-9), vom
Unkraut unter dem Weizen (Matth. 13, 24-30). Im Alten wie im Neuen Testament
ist immer wieder die Rede vom Weinberg des Herrn. Deshalb kann man von den inneren
Ebenen und Landschaften des Menschen und ihrem blühenden und fruchtbringenden
oder ihrem verwahrlosten Zustand sprechen. Der Herr (in der geistigen Sonne) strahlt seine Liebe als geistige
Wärme und seine Weisheit als geistiges Licht auf sie aus und will Wachstum,
Blüte und Frucht in diesem Inneren des Menschen bewirken. Jede Stufe oder
jeder Lebensgrad im Menschen ist eine solche Ebene zur Aufnahme des Lebens
aus Gott, sie nimmt es auf je nach ihrer Eigenart, und so wirkt das Leben
ein. In der dabei gewonnenen Form fließt es in die nächste Stufe darunter
ein. Alle Stufen sind von einander getrennt und sind nicht durchlaufend für
das direkte Leben aus Gott. Deshalb lebt jeder Lebensgrad wie für sich selbst
und wie aus sich selbst, weil er den Einfluß und die Abhängigkeit von den
höheren Lebensgraden nicht empfindet. Jedenfalls sind die Dinge der höheren
Lebensgrade den jeweils tieferen verborgen. Während die Leitung und die Herrschaft über das ganze Leben des
Menschen von Gott durch die Seele in alle Lebensstufen von oben nach unten,
also von den feinsten durch die mittleren Stufen bis zum Körper und den
Sinnesorganen dringt, müssen alle diese Organe, um den Einfluß Gottes
aufzunehmen und wirksam zu machen, ausgebildet werden, denn sie sind bei der
Geburt nur als Anlagen oder potentiell vorhanden. Wir haben schon gesagt, der
materielle Körper und seine Sinne sind die organische Grundlage für das
äußere und innere (körperliche oder geistige) Leben. Von dieser Grundlage aus
müssen auch bei jedem Lebensvorgang alle Stufen belebt werden, zuerst die
körperlichen selbst und dann aufsteigend die mentalen und die geistigen
Fähigkeiten. Zuerst werden die fünf Sinne als äußeres Sensorium von außen
angeregt; diese Sinneseindrücke werden durch die Nervenstränge ins innere
Sensorium geleitet, dort bewußt wahrgenommen und dem Gedächtnis zugeführt. So
bildet sich die ganze Vorstellungswelt des Menschen. Sie besteht niemals
unabhängig von den Organen des äußeren und des inneren Sensoriums, denn
Vorstellungswelt und Gedächtnis sind an die körperlichen, also noch
materiellen Organstrukturen gebunden und ergeben sich aus der Bewegung dieser
Organe und dem von der Seele kommenden Einfluß. Aus dem Vorrat der Vorstellungswelt und des Gedächtnisses schöpft die
nächst höhere Stufe, das „Verbundgemüt“, das gerade Benötigte und verbindet
und vermischt es mit den aus der Seele kommenden Einflüssen, die hier noch am
stärksten und lebendigsten sind. Im Verbundgemüt wird diese Mischung denkend
und fühlend verarbeitet, um dann in die Tat umgesetzt zu werden. An der oberen Schwelle des Verbundgemüts ist die Bewußtseinsgrenze. Die
Seele ist also außerhalb des menschlichen Bewußtseins. Ihr Inneres, das
Fluidum, wird direkt aus der göttlichen Universalsphäre angeregt. Diese
Anregung oder dieser Einfluß geht auf ihre äußere Organform oder den reinen
Cortex über. Seine Funktion besteht darin, alle zu ihr aufsteigenden, von
außen kommenden Sinneseindrücke im Licht der Seele geistig zu erfassen, zu
verstehen und zu beleben, sonst bleiben sie Linien und Nervenbewegungen.
Dieses Verstehen oder Innewerden, die perceptio, steht im himmlischen Licht
der Seele und ihrer Wärme und ist das Leben des Intellektoriums. Das Intellektorium
wird in allen Dingen von der Seele unterrichtet; es selbst wird von außen
oder unten her nicht verändert. Dieses reine Intellektorium und sein Organ,
der reine Cortex, bilden die erste organische menschliche Ebene, wo der eigentliche,
endlich geschaffene Mensch beginnt. Es liegt oberhalb des menschlichen
Bewußtsein, also oberhalb seines Denkens und Wollens. Das Intellektorium kann
dem Menschen alles verständlich machen, weil es im Licht des Himmels steht
und deshalb alles Wahre aus dem göttlichen Einfließen kennt. Das Wahre kann
aber erst dann weiterfließen, wenn ein harmonisches Verlangen danach besteht.
Das Weiterfließen geschieht in die schon erwähnte Verbundstufe. Ihre Organe
sind die Hirnzellen. Sie stehen mit der zweiten Aura in entsprechender
Verbindung. Der Mensch hat mehrere Milliarden Hirnzellen, und doch sind nicht
zwei von ihnen gleich oder haben die gleiche Funktion. Diese Organform heißt
die Verbundstufe, weil sie nicht nur den geistigen Einfluß, die Kräfte und Bewegungen
aufnimmt, die von der Seele kommen, sondern sie übernimmt auch die Sinnes-
und Bewußtseinsvorgänge aus der Welt. In den oberen Zugang der Hirnzellen
greift der reine Cortex ein, am unteren Zugang enden die Nerven, die die
Sinneseindrücke hierher leiten. In der Verbundstufe geschieht die Verbindung der Sinnes- und
Bewußtseinsvorgänge aus der Welt mit dem Einfließen aus der Seele. Diese
Zwischen- oder Mittelebene ist deshalb die Verbundebene. Hier ist der
Treffpunkt von oben und unten. Das Leben auf dieser Stufe ist also angefüllt
mit allem Wollen und allen Wahrnehmungen, die einerseits von oben, d.h. von
der geistig-himmlischen Stufe der Seele und ihres Intellektoriums,
andererseits von unten, von der natürlichen Stufe, d.h. von den fünf Sinnen,
der Vorstellungswelt und dem Gedächtnis kommen. Hier ist der Treffpunkt aller
Lebensprinzipien, es seien Tugenden oder Laster. Auf dieser Ebene hat der
Mensch seine Vernunft, beide zu erkennen, zwischen beiden zu entscheiden.
Deshalb ist dies die Vernunftstufe, die eigentlich menschliche Stufe, nämlich
die Stufe des Denkens, des Urteilens, des freien Entscheidens. Hier ist das
Feld des Kampfes zwischen Gut und Böse, Himmel und Hölle, hier verbindet sich
das Geistige mit dem Natürlichen. Hier ist das eigentliche Menschsein,
gebildet aus Geistigem und Natürlichem; hier werden die menschlichen
Entscheidungen — im freien Entschluß — getroffen, von hier fließt aus, was
der Mensch als Ergebnis seiner Entscheidungen tut. Hier spielt sich das
eigentlich mentale Leben, die Psyche, des Menschen ab. Hier ist die echte
mens humana. Wenn die Organe ausgebildet sind und den Lebenspotenzen zur Verfügung
stehen, gibt es folgende Stufen der Wesensart im Menschen: 1. Das natürliche und natürlich-geistige Leben; es vollzieht sich im
Körper und seinen Sinnen, also im äußeren bzw. inneren Sensorium. 2. Das menschlich-geistige Leben auf der Stufe des Verbundgemüts, wo
die Dinge der Sinneseindrücke, des Gedächtnisses und der Vorstellungswelt
sich mit dem geistigen Einfluß aus der Seele verbinden. 3. Das himmlisch-geistige Leben oberhalb des Bewußtseins aus dem
ungetrübten Einfluß der Seele und des Intellektoriums. So ist das menschliche Dasein unendlich vielfältig, ein dauerndes Hin
und Her, ein Auf und Ab zwischen der Seele und dem Körper, beglückend reich,
wenn es mehr aus der Seele lebt; einsam, ärmlich und trostlos, wenn es sich
auf den Körper und seine Sinne beschränken will. Grade des
Lichts und der Wärme. So ist, was zum inneren oder geistigen Menschen gehört, stufenweise
verschieden, aber voneinander abhängig; ebenso ist das Licht — das Verstehen
— und die Wärme — die Liebe —welche der Mensch innerlich empfängt, sehr
verschieden. Was dem Körper am nächsten ist, hat sehr grobes Licht, weil die
gröberen Organe kein helleres Licht durchlassen oder aufnehmen. Der Grad des
Lichts hängt von der Art und dem Zustand des jeweiligen Organs ab. In dem
groben Licht zeigt sich Falsches und Böses verschiedener Art und sogar
Skandalöses gegen das Himmlische und Göttliche, sowie schändliche und infame
Dinge. Das kommt daher, daß solches Licht in den Höllen herrscht, und mit
diesem Licht fließen die Höllen in den Menschen ein; solche Menschen denken
nicht über das hinaus, was die Sinne zeigen. Sie verachten alles echte
Geistige. In diesem Licht befinden sich aber auch solche, die nicht sehr böse
sind, sondern nur ihre inneren Fähigkeiten nicht ausgebildet haben. Es ist erstaunlich, daß die meisten Gelehrten im Sinnlichen
sind. Wohl kann alles weltliche Wissen dazu führen, weise zu werden, aber
auch dazu, unweise, also geistig stumpf zu werden, wenn die betreffenden
Menschen nichts mehr Gott, sondern alles der Natur, der eigenen Klugheit und
dem Zufall zuschreiben. Das kommt daher, daß sie alles Leben in den Körper verlegen
und sich durch ihre Wissenschaften und Philosophien in der Meinung verfestigt
haben, es gäbe kein Leben der Seele und des Geistes nach dem Tode. Dadurch
haben sie ihr Inneres verschlossen. Sie sind geistig blind und taub, auch
wenn man ihnen die höchsten Wahrheiten vorträgt. Erhebt sich der Mensch jedoch mehr nach innen, dann kommt er in ein
milderes Licht. Er wird näher zu dem geführt, was recht und gerecht ist, denn
er befindet sich näher am Licht des Himmels. Der Mensch kann noch weiter nach
innen erhoben werden; je mehr das geschieht, in desto helleres Licht kommt
er, und zuletzt kann er in das Licht des Himmels kommen. Dieses Licht ist die
Weisheit und Intelligenz aus dem Herrn. Die drei Himmel unterscheiden sich nach der Erhebung ins Innere, also
nach dem Grad des Lichts. Der dritte, innerste Himmel ist im stärksten Licht,
also in einer Weisheit über derjenigen des zweiten und des ersten Himmels. Wie mit dem Licht, so ist es auch mit der Wärme, die des Menschen Lebenswärme
ist. Diese Lebenswärme kommt nicht von der Wärme der irdischen Sonne, sondern
ist geistiger Natur, also Liebe, die vom Herrn ausgeht. Die Engel sind in
dieser Wärme. Je mehr der Mensch in der geistigen Liebe ist, desto mehr ist
er in dieser Lebenswärme. Der Körper und auch das Sensuelle sind dagegen in
der Wärme der Welt. Wer während seines Lebens in der geistigen Lebenswärme
über die Sinnessphäre erhoben worden ist, der ist abwechselnd im Licht der
Sinne und im inneren Licht. Wenn er in den weltlichen Beschäftigungen und Sorgen
unter anderen Menschen oder in den Genüssen ist, dann ist er im sensuellen
Leben. In diesem Zustand widerstrebt es ihm, an Gott und die geistigen Dinge
zu denken und davon zu sprechen. Er würde sich aus ihnen gar nichts machen,
wenn nicht der Herr ihn wieder über das Äußere in das Innere erhöbe. Wenn er
dann im inneren Licht ist, denkt er gerecht und ehrlich, und in noch
innerlicherem Licht denkt er aus dem geistig Wahren und Guten. So können wir rückblickend sagen: Der Mensch besteht aus nichts anderem
als aus Organformen zur Aufnahme des Lebens; eine Form ist innerhalb der
anderen. Wenn eine Form aufgelöst wird, so besteht die höhere, die
inwendigere, weiter. Jeder hat das Leben nach der geistigen Form seines
Inneren, die er erworben hat durch sein Wollen und Tun, sein Denken und
Sprechen. (Wo auch immer Leben sich zeigt, es liegt nicht in den natürlichen
Formen und ist auch nicht identisch mit ihnen.) Der Mensch ist dazu erschaffen, daß er unter der weisen Führung des
Herrn sein Bewußtsein und seine Vernunft verbinde mit dem Wesen seiner Seele,
daß er sein natürliches Leben verbinde mit der höheren Quelle des Lebens.
Wirkliche Freude auf Erden ist nur da, wo die Dinge, Aufgaben und
Betätigungen in dieser Welt verbunden werden mit dem Bewußtsein von Gott und
der Verantwortung vor Gott und den Menschen. Der Mensch empfindet echte
Lebensfreude also nur dann, wenn er mit dem Urgrund aller Dinge verbunden
ist, so daß sein Leben zurückstrahlt zu Ihm, seinem Schöpfer, seinem Herrn und
Gott. Das Geistige im Körper und Gehirn wirkt ins natürliche Leben hinein und
kann deshalb der natürlich-geistige Grad genannt werden. Das Geistige im Menschen
ist die Ursache des Physischen. Es ist das Aktive, während der Körper das
Passive ist. Es ist die Eigenart natürlicher Substanzen, gegen geistige Substanzen
Widerstand zu leisten und zu reagieren. Auf Grund dieses Widerstands kann das
unterste Geistige dort getrennt werden von den höheren Graden und kann
pervertiert werden in „geistige Substanzen wie sie in der Hölle sind.“ Die Lebensordnung im Menschen. Wie wir gesehen haben, beginnt der Schöpfungskreis mit dem Unendlichen
und kehrt zum Unendlichen zurück, denn Gott ist Anfang und Ende. Der
eigentliche Zweck, weshalb das Universum erschaffen wurde, ist der Mensch,
geschaffen in das Universum hinein, Bildnis Gottes, damit dieses Universum,
das auch alle Himmel umfaßt, erfüllt werde vom Leben Gottes in seinen
Geschöpfen. Sein Leben fließt in alle Himmel und alle Galaxien von Welten, und so
ist Er in allen. Er gibt allen Geschöpfen Sein Leben, soweit es aufgenommen
wird. Der Herr allein ist das Leben; was dem Menschen als Leben erscheint,
ist nur ein Empfangen. Empfangen ist das Leben des Menschen. Hier stellt sich aber unserem Denken eine gefährliche Klippe in den
Weg, nämlich zu meinen, der Mensch könne empfangen, was göttlich ist, Gott
habe einen Teil seiner Substanz in den Menschen verlegt, dieser könne dadurch
ein gottähnliches oder gottgleiches Leben erreichen. Aber: Leben ist nur in
Gott, Menschen haben ein abgeleitetes Leben aus der Lebenssphäre Gottes. Aber
nicht in der Weise, wie ein Geber etwas gibt und sich dann zurückzieht und
die Gabe dem Beschenkten überläßt. Der Mensch ist und bleibt Geschöpf. Alle
Schöpfung ist Gefäß, Empfänger der Anregungen, die von der Lebenssphäre
Gottes ausgehen. Der Mensch kann sich anregen lassen, kann Gutes und Wahres
nur empfangen, wenn er wie aus sich selbst denkt und handelt, denn nur so ist
er zum Empfangen bereit. Das hängt zusammen mit der Verbindung des inneren
und des äußeren Menschen durch Entsprechung. ist die Entsprechungsbeziehung
unterbrochen, dann kann das vom Herrn durch das Innere Kommende nicht das
Außen erreichen, denn das Empfangen und das Innewerden die perceptio —
geschieht je nach dem Zustand des inneren Menschen, seiner mens, die gebildet
ist aus den Kenntnissen, die ihm durch Lehren vermittelt worden sind. Sind
diese wahr, so geschieht das Innewerden aus dem Licht, das ihn innerlich
erleuchtet. Der innere, also der geistige Mensch ist nach dem Bilde des Himmels
erschaffen, d.h. als Abbild alles Himmlischen und Geistigen, das vom Herrn
ausgeht. Himmlisches heißt, was der Liebe zum Herrn und zum Nächsten
angehört, Geistiges, was zum Verstehen des Glaubens gehört. Die ursprüngliche Ordnung im Menschen bestand darin, daß Wille und
Verstehen eins waren. Auf solche Weise werden die Tiere durch ihr unbewußtes
Wollen (wir nennen es heute Instinkt) geführt, denn dieser Instinkt besitzt
all das, was ihnen zu wissen nötig ist; deshalb brauchen sie nicht besonders
belehrt zu werden. All dieses Wissen ist ihnen mit ihrem Instinkt eingeboren.
Dieser Instinkt wird zur Tätigkeit angeregt durch den allgemeinen Einfluß aus
der geistigen Welt. Die ersten Menschen wurden in diese Ordnung ihres Lebens geboren und
waren vor dem sogenannten Sündenfall in der instinktiven Kenntnis von allem,
was sie für ihr natürliches Leben brauchten, und sie hatten die Fähigkeit, in
sich die Erkenntnisse geistiger Weisheit zu entwickeln. Das erste Menschengeschlecht
wurde so durch keinen anderen Einfluß als den allgemeinen Einfluß geleitet.
Das ist so zu verstehen: Unter dem allgemeinen Einfluß stehen bei uns heute noch alle unbewußten
Lebensabläufe, z.B. die Tätigkeit des Herzens, der Lunge, des Bluts, der Nerven
und vieles mehr, aber auch die Art, wie Gedanken ins Sprechen übergehen usw.,
also wahrscheinlich all das, was vom Kleinhirn geregelt wird. Beim ersten Menschengeschlecht
waren in dieser Ordnung des Lebens, d.h. unter diesem allgemeinen, direkten
Einfluß auch die Dinge seines geistigen Lebens, vor allem sein Wollen und
sein Denken. Wir erinnern uns, daß er aus der Reflexsphäre, der ersten
Schöpfungssphäre, die unmittelbar von Gott angeregt wurde, entstanden ist.
Wäre der Mensch in der höchsten Ordnung, für die er geschaffen worden ist,
geblieben, d.h. in der Liebe zum Herrn und zum Nächsten, dann würde er durch
Geburt alles Wissen mit auf die Welt bringen, nicht nur für sein weltliches
Leben, sondern auch alles Wissen geistiger Wahrheiten und alles himmlische
Wollen, denn er kann, was Tiere nicht können: an den Herrn denken und in
Liebe mit Ihm verbunden werden. Der allgemeine Einfluß geht aber noch weiter. Er kann bezeichnet werden
mit der Ordnung in den Sphären der Schöpfung. Die Sphäre des göttlich Guten,
also die Zweckbestimmung, die Gott in seine materiellen und geistigen
Schöpfungen legte, erfüllt alle Himmel und erhält sie in ihrem Bestand. In
dieser Sphäre wirkt seine Vorsehung auf die Endbestimmung hin. In dieser
Sphäre liegt die Erhaltung des Universums vermöge der dauernden Fortzeugung
aller Lebensformen, also die Vermehrung der Zellen, und der Impuls der
Geschlechter zur Vereinigung. Natürliche Liebearten innerhalb dieser Sphäre
sind ein freies Geschenk durch den allgemeinen Einfluß des Herrn, um seine
Schöpfungen weiterzuführen. Der Körper wird vom Herrn unter dem allgemeinen
Einfluß gehalten als ein Instrument für des Menschen Inneres oder seinen
Geist. Aber dieser Geist des Menschen wird von dem besonderen Einfluß aus guten
und bösen Geistern geleitet, welche seine Freiheit sicherstellen in Sachen
des Denkens und Wollens. Aber selbst in seinem Geist dominiert der allgemeine
Einfluß. Nur in den dünnen Randgebieten wirkt die freie Entscheidung. In den
Tiefen seines Geistes und in der sie umgebenden geistigen Welt geschehen alle
Dinge aus allgemeinem Einfluß, d.h. folgen vorgegebenen Gesetzen des Denkens.
Dadurch hat der Mensch die Fähigkeit zu vernünftigem, analytischem und
logischem Denken. Ein allgemeiner Einfluß muß in das Innere des Menschen fließen. So
heißt es: „Es besteht ein universaler Einfluß in die Seelen aller Menschen,
der sie zu erkennen befähigt, daß es einen Gott gibt und daß Er Einer ist“
(WCR 8). Kein Mensch wird durch Einfluß belehrt; aber das vorgegebene Fließen in
den Organen des Geistes ist so gestaltet, daß er solche Wahrheiten
akzeptiert. Auf Grund des allgemeinen Einflusses aus den Himmeln sind die
Menschen disponiert, von Gott nach der menschlichen Form zu denken, aber
unterschiedlich nach dem Zustand ihrer Erkenntnisse, und vorausgesetzt, daß
in ihm dadurch einigermaßen Ordnung herrscht, daß er Böses als Sünde meidet.
Auch die Erkenntnis der Unsterblichkeit ist universal. Solche allgemeinen
Vorstellungen sind universal, sind eingepflanzt oder intuitiv, d.h. sie
kommen von einem allgemeinen Einfluß. Wir hätten nicht die Fähigkeit zu
denken, wenn nicht bestimmte Generalia in unser Inneres eingepflanzt wären,
die uns nicht bewußt sind. Anders als die Tiere konnte der Mensch diese ursprüngliche Ordnung
seines Lebens verändern, aber nur was sein geistiges Leben, also Wille und
Verstehen betrifft. Und er hat diese ursprüngliche Ordnung pervertiert. Er
hat die Ordnung Gottes bei sich ins Gegenteil verkehrt, in dem er in seinem
mittleren Lebensbereich die von unten, vom Sinnlich- Körperlichen kommenden
Eindrücke und ihre Lüste nicht mehr unter das von Gott durch die Seele
einfließende Leben stellte, sondern alles aus dem Sinnlichen erkennen und
sich selbst leben wollte. Das ist bildhaft in der biblischen Sprache der
Entsprechungen dargestellt an dem Sündenfall des ersten Menschenpaares und
der Vertreibung aus dem Paradies. Der Sündenfall bedeutet, daß die Menschen
nach vielen Generationen so stark in sich anhäufendes Erbübel verstrickt
wurden, daß ihr natürliches Wollen und Denken sich vom Geistigen und
Himmlischen trennte. Die Folge davon war, daß der Mensch nicht mehr durch den
allgemeinen, also unbewußten Einfluß allein geleitet werden konnte, denn das
wäre ein allgemeiner Einfluß aus den Höllen gewesen; sein böser Wille hätte
sein Verstehen geleitet. Er wäre als menschliches Wesen zugrundegegangen. Deshalb hat der Herr das Wesen des Menschen geändert, so daß sein Wille
vom Verstehen getrennt wurde und sein Verstehen in einer gewissen
Unabhängigkeit von seinem verderbten Willen aufgebaut werden konnte. Nun
konnte und kann er — im Gegensatz zu seinem bösen Wollen — belehrt werden
über das Wahre und Gute, er kann darüber ach denken, er kann so in seinem
Verstehen eine neue Welt aufbauen und sich allmählich trennen von seinem
angeborenen Bösen. Auf diese Weise konnte und kann er vom Herrn auf eine neue
Art geleitet werden. Das geschieht durch den besonderen Einfluß. Der besondere
oder partikulare Einfluß. Der besondere oder einzelmenschliche Einfluß ist ein begrenztes
Einfließen einer Reihe von Engeln und Geistern in jeden einzelnen Menschen,
genau nach den Bedürfnissen seines einzigartigen geistigen Lebens. Diese
Geister und Engel sind so ausgewählt und werden so eingesetzt, daß der Mensch
die Freiheit der Entscheidung behält. Zu diesem Zweck wurden zwei gute und
zwei böse Geister seine Begleiter. Gute Geister können ihn beeinflussen durch
die Überreste (reliquiae), die seit seiner Geburt in ihn eingepflanzt sind,
während die bösen Geister seine bösen Gelüste erregen wollen. Die guten Geister
regen seine Neigungen so an, daß diese in sein Bewußtsein gelangen und von
seinem neuen Verstehen geprüft und gefiltert werden können, ehe sie in die
Tat umgesetzt werden. Der Mensch ist nicht mehr ohne weiteres Beute seiner
angeborenen Instinkte. Das war die Rettung des Menschengeschlechts, die in
der biblischen Sprache der Entsprechungen geschildert wird durch Noahs
Rückzug in die Arche, deren unterstes Stockwerk verschlossen wurde. Er kann nun aus dem Verstehen des Wahren und Guten handeln, weil er sieht,
was Böses und Falsches ist, und so kann er aus freiem Entschluß dem Bösen
widerstehen, sobald es ihn immer wieder anficht. Wäre diese Zwischensetzung
von Engeln und Geistern nicht erfolgt, dann stieße das einfließende göttliche
Leben direkt auf das verderbte menschliche Wesen und würde es vernichten. Es ist eine unendliche Gnade des Herrn, daß er jedem Menschen solche
Engel und Geister beigibt; sie mildern die Wirkung des einfließenden Lebens
Gottes auf die inneren Lebensebenen des Menschen und machen es für ihn
erträglich. Das gewaltige Ausmaß dieser Führung des Herrn kann uns nur mit
immer größerer Bewunderung für Seine Liebe und Fürsorge gegenüber dem ganzen
Menschengeschlecht erfüllen. Nur anbetend können wir Ihm begegnen. Die Entscheidungsfähigkeit, die Willensfreiheit, die Wahl zwischen
Gutem und Bösem ist dem Menschen bei der Geburt noch nicht gegeben, aber er
kann sie durch den Einfluß aus den Himmeln in sich entwickeln. Der Mensch muß
sich bald entscheiden, denn was er von seinen Eltern und vielen Vorfahren
geerbt und von sich aus noch verstärkt hat, ist Liebe zu sich selbst und zur
Welt, aber keineswegs Liebe zu Gott und zum Mitmenschen oder Nächsten, ist
also gegen die ursprüngliche Ordnung gerichtet. Daher ist alle Unordnung im
menschlichen Leben entstanden. Durch den besonderen Einfluß wurde der allgemeine Einfluß nicht
beseitigt; er besteht in den Menschen hinein weiter für die Dinge, die in der
Lebensordnung sind, d.h. die sogenannten unbewußten Vorgänge, die außerhalb
seines Verfügungsbereichs sind. So hat der Mensch z.B. keine freie Bestimmung
über seine Seele und über die geheimen Vorgänge in seinem Körper. Aber geistige Liebearten, also des Menschen Neigung zum Guten und
Wahren kann nur durch den besonderen Einfluß empfangen und behalten werden,
und dieser Einfluß geschieht nach frei gewählter Zugesellung von Geistern und
Engeln. Entsprechen unsere Geister nicht mehr unserer geänderten
Willensrichtung, so können wir die neue Richtung nicht etwa ihnen aufdrücken,
sondern sie müssen sich zurückziehen und werden durch geeignetere ersetzt.
Der Mensch hat so die freie Entscheidung darüber, welche besonderen Geister
er haben will. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, daß selbst bei den geistigen
Vorgängen des Wollens und Denkens, in denen der Mensch zu einem gewissen Maß
frei ist, das Material, das zum Denken und Empfinden führt, letzten Endes von
außen auf uns zukommt. Deshalb geschahen die ursprünglichen echten
Offenbarungen in Entsprechungen zwischen natürlichen und geistigen Dingen,
d.h. Geistiges wurde darin durch das ihm entsprechende Natürliche ausgedrückt
und bezeichnet. Denn aus rationalem, also natürlichem Denken können wir keine
Kenntnisse von Gott und dem Himmel bekommen. Die innere Erleuchtung wird dem
Menschen nur gegeben, wenn sein Inneres von engelischen Sphären umgeben ist,
die ihn in der Liebe zum geistig Wahren halten. Die Quelle des Lichts ist
aber nur der Herr, nicht die Engel, und zwar in Seinem Wort. Nachdem der Herr
selbst sein altes Wort erfüllt und sein neues Wort gegeben hat, manifestiert
er sich den Menschen nur durch sein Wort im inneren Sinn, denn es ist die
göttliche Wahrheit, ist der Herr Selbst im Himmel und im Inneren des
Menschen. Wenn wir das Ausmaß der allgemeinen Ordnung bedenken, die durch den
allgemeinen Einfluß in den Menschen besteht, so sehen wir ein, daß wir nur einen
geringen Anteil daran haben, wie unser Leben verläuft. Ohne bewußte Mitwirkung
geschieht auch das körperliche Wachsen, ja schon die Ausbildung des Embryo im
Mutterleib, auch die Verwertung der Nahrung und ihr Übergang ins Blut. Dies
und noch viel mehr wird meist der Natur zugeschrieben. Die Natur hat jedoch
keine Intelligenz, und doch zeugen die genannten Vorgänge von höchster
Intelligenz, denn der so intelligent sich dünkende homo sapiens hat nicht
einmal ihren Ablauf erkannt und ist noch viel weniger zu ihrem Nachvollzug
fähig. So alltäglich und normal diese Vorgänge sind, wenn wir nicht von
menschlicher Eitelkeit geblendet sind, stehen wir ehrfürchtig vor dieser
Vollkommenheit und sehen die unfaßbare Liebe und Weisheit unseres Schöpfers,
der das alles gemacht hat und jede Sekunde weiter bewirkt. Alles Bestehen ist
fortwährendes Erschaffen, in dem die Lebenssphäre Gottes in die menschliche
Seele fließt und von dort her diese Wunder bewirkt. Der Herr allein herrscht
auch im alltäglichen Ablauf des Menschenlebens. Gottes unmittelbares Werkzeug und Wirkungsorgan im Menschen ist die
Seele. Sie ist geschaffen als Sein Bildnis und Gleichnis; das Leben, das sie
von Gott erhält, ist das Vorbild, die Ursache und die Kraft des Lebens im
menschlichen Körper. Gottes unmittelbares Einwirken kann nicht einmal von den
obersten Engeln erkannt und verstanden werden. Auch der Mensch hat nicht die
Macht über seine Seele, sondern nur über das, was in seiner Verbundstufe
seiner Entscheidung unterliegt, und er hat keine oder doch nur eine sehr
beschränkte Macht über die unterhalb der Verbundstufe liegenden
Lebensvorgänge des inneren und des äußeren Sensoriums. Vom Herrn wird auch alles geleitet, was Engel und Geister wollen,
erkennen und tun, denn es gibt nur ein Leben, nämlich Seines. Alles andere
ist das Einfließen, oder besser gesagt: Sein Einwirken auf organische Formen
(geistige und materielle), die dazu geschaffen und voll kommen geeignet sind,
die Einwirkungen aus der Sphäre seines Lebens aufzunehmen und dabei so zu
empfinden, als wäre es ihr eigenes. Gott ist das einzige Sein, alles andere
ist von ihm abgeleitetes Dasein. So ist alles Dasein von den Engeln im Himmel
bis herab zu den einfachsten Lebensformen der Natur in unlösbarer Verbindung
zum Herrn. Das von Ihm kommende Leben enthält die Absicht, das abgeleitete
Leben der geschöpflichen Organformen möglichst nahe an Seine Vollkommenheit
heranzuführen. Diese Absicht ist die im Einfließen wirkende Vorsehung. Der Mensch: ein Empfänger des Lebens. Der Mensch ist ein Konglomerat von Organen, die nicht selbst leben,
sondern Leben aufnehmen, indem sie auf das reiche Leben reagieren, das von
innen und von außen auf sie eindrängt. Er ist der Sammelpunkt, auf den alles einfließende
Leben sich konzentriert. Er ist der Endzweck, in dem die ganze Schöpfung sich
erfüllen soll. Die Fähigkeit, Leben aufzunehmen, hat der Mensch aus dem Leben des
Herrn, der allein das Leben, der allein Gott ist. Sein göttliches Leben in
Seiner Liebe und Weisheit kann nicht auf andere übertragen werden, denn alles
Geschöpfliche ist nur vielfältige Organform, die auf das aus dem Leben Gottes
Ausstrahlende reagiert und auf diese Weise selbst zu leben scheint. Wenn von
Einfluß und Einfließen gesprochen wird, so darf darunter niemals eine
Übertragung verstanden werden im Sinn der Gabe eines Gebers an den
Empfangenden, wobei dieser das Empfangene als sein Eigentum behält, auch wenn
der Geber sich zurückzieht. Einfluß und Einfließen bezieht sich also nicht
auf etwas Quantitatives, das nur in Raum- und Zeitbeziehung (also nur auf der
irdischen Ebene) da sein kann, sondern auf Qualitatives, auf Zuständliches,
weil der Einfluß den Zustand der Organformen ändern soll. Die Organformen
selbst gehören der geschöpflichen Natur an, ihr Zustand und ihre Zustandsveränderung
gehören dem Geistigen an und werden von Gott bewirkt, weil die Organe in der
ihnen angepaßten Weise auf das allgegenwärtige Göttliche, d.h. seine Liebe
und Weisheit reagieren. So ist Einfluß und Einfließen nicht mechanischer
Übertragungsvorgang auf einen Empfänger, sondern dessen Zustandsveränderung
vermöge der göttlichen Liebe und Weisheit. In den vorangegangenen Ausführungen über die Schöpfung der natürlichen
und aller geistigen Organe wurde dargelegt, daß zwischen Gott und den natürlichen
Organformen mehrere Sphären mit ihren Lebensorganen sind. Diese stellen
mehrere absteigende Grade von Liebe und Weisheit (in ihren Bewohnern) dar,
nämlich den Engeln in den drei Himmeln und den Geistern in der Geisterwelt.
Engel und Geister befinden sich also bezüglich ihrer Liebe und Weisheit zwischen
Gott und Mensch. Diese Zwischengrade haben ihre organische Basis auch im Menschen: 1) Seine Seele steht ewig unter der Obhut des Herrn, sie besteht aus
höheren geistigen Substanzen, die feinstens auf Gottes Liebe und Weisheit
reagieren. Der Kontrolle des Menschen sind sie entzogen. 2) Sein Geist (mens). Er besteht aus niedereren geistigen Substanzen;
sie werden von Gott mittelbar durch die Seele angeregt, und in ihm sind auch
Neigungen, Gedanken und Kenntnisse gebündelt oder zusammengefaßt, die er von
anderen Geistern aufnimmt. Und zuletzt: 3) Sein Körper. Er empfängt aus den Materien der Erde und aus den
Atmosphären und wird unmittelbar von Gott und mittelbar von des Menschen
Geist angeregt. Die Fähigkeit, Leben aufzunehmen, hat der Mensch also allein aus der
Lebenssphäre des Herrn. Sie gibt seinem Inneren Wollen und Verstehen
unmittelbar aus Gott selbst und auch mittelbar durch die Himmel und die
geistige Welt. Auch in des Menschen äußeres Natürliches fließt der Herr
unmittelbar, wie auch mittelbar durch die geistige Welt ein. Der mittelbare
Einfluß oder Seine mittelbare Herrschaft über des Menschen Geist und Körper
geschieht vermittels der geistigen Welt, also die Himmel und die Höllen. Wie wirkt die
geistige Welt in den Menschen? Das Geistige wirkt nicht in der Art der physischen Kräfte direkt auf
die Materie der körperlichen Organe, sondern es verleiht Qualitäten. Oder
anders ausgedrückt: Im Geistigen herrschen nicht die Kategorien von Raum und
Zeit, sondern von Gutem und Wahrem. Alles, was im Natürlichen als Leben
erscheint, stammt aus der geistigen Welt. Der Mensch kann aus sich selbst
weder denken noch wollen, sondern alles ist geistige Einwirkung. Nur die
Fähigkeit zu denken und zu wollen liegt schöpfungshalber in ihm, aber das sie
anregende Gute und Wahre, oder bildlich gesprochen das Material, das das
Wollen und Denken auslöst und ausfüllt kommt vom Herrn durch den Himmel, also
durch die Engel, die beim Menschen sind. Wird das Gute und Wahre nicht
aufgenommen, weil keine Neigung dazu vorhanden ist, so kommt Böses und Falsches
aus der Hölle durch die bösen Geister, die beim Menschen sind. Der Wille des
Menschen und sein Verstehen sind die Aufnahmegefäße, die auf die Sphäre von
Engeln und Geistern ansprechen. Der Mensch ist frei, insofern er
entscheiden kann, welche Geister bei ihm sein sollen. Deshalb nimmt der
Mensch ganz verschieden auf, und zwar je nach der Art und Qualität, die er
durch seine Lebensweise seinem Inneren gegeben hat. Von den Bösen wird das
Gute und Wahre in Böses und Falsches verkehrt, aber von den Guten wird das
Gute als Gutes und das Wahre als Wahres aufgenommen. Einen Vergleich haben wir beim Licht: Das Sonnenlicht trifft auf die
Gegenstände. Je nach der Form ihrer Teile wird das Licht in verschiedenartige
Farben verändert. Während der Mensch in der Welt lebt, prägt er die
allerfeinsten Substanzen seines Inneren, so daß man sagen kann, daß er sein
Inneres, d.h. die Qualität seines Inneren, formt. Je nach dieser Form wird
das Leben des Herrn aufgenommen. Damit das Leben des Herrn im Menschen mittelbar durch den Himmel und
die geistige Welt einwirken kann, sind bei ihm sowohl Engel als auch Geister.
Swedenborg sagt, er sei belehrt worden, daß bei jedem Menschen zwei Geister
und zwei Engel sind. Durch die beiden ihm beigegebenen Geister besteht eine Verbindung mit
der Hölle (den höllischen Sphären), und durch die beiden Engel mit dem
Himmel. Geister aus der Hölle sind deshalb bei ihm, weil der Mensch aus sich
selbst dauernd im Bösen aus seiner Selbst- und Welt- liebe ist. Ohne diese
Verbindung mit dem Himmel und der Hölle könnte der Mensch nicht einen
einzigen Augenblick leben. Das wissen die Menschen im allgemeinen nicht, weil
sie diese Engel und Geister nicht sehen und empfinden können. Und sie glauben
nicht, was sie nicht sehen; sie glauben ja auch nicht an Himmel und Hölle. Nicht immer bleiben die gleichen Geister beim Menschen, sondern sie
wechseln je nach den inneren Zuständen des Menschen, d.h. den Zuständen
seiner Neigungen und Endzwecke. Im allgemeinen gilt: so wie die Menschen
sind, derart sind auch die Geister bei ihnen: beim Geizigen sind Geister des
Geizes, beim Selbstgefälligen sind Geister der Selbstgefälligkeit, beim
Rachsüchtigen Geister der Rachsucht, beim religiösen Schwärmer sind es
Schwärmgeister oder Enthusiasten. Das sind nur wenige Beispiele aus der
unendlichen Vielfalt von Geistgesellschaften, die der herrschenden Liebe der
Menschen entsprechen. Die Menschen ziehen Geister ihrer eigenen Art an.
Ändert der Mensch seinen Zustand, so werden auch seine Geister ausgetauscht.
Beim heranwachsenden Kind sind andere Geister als beim kleinen Kind, wie der
andere in seiner Jugend und beim Erwachsenen sowie im Alter. Die Geister und
Engel, die beim Menschen sind, werden Abgesandte genannt, weil sie die Verbindung
mit der Hölle bzw. dem Himmel herstellen. In dem Abgesandten sind die
Gedanken und Worte vieler zusammengefaßt; diese vielen erscheinen wie ein
einziger. Der Abgesandte denkt nichts aus sich selbst, sondern nur aus den
anderen. So geschieht durch den abgesandten Geist die Verbindung des Menschen
mit seiner entsprechenden Gesellschaft. Ohne Geister hätten wir kein menschliches Bewußtsein, wir könnten im
Denken und Gedächtnis den Dingen keine Bedeutung beilegen. Unsere Worte und
unsere Vorstellungswelt hätten keine Sinnbedeutung, würden nicht Geister alle
Zusammenhänge sehen und alle Gedanken und Freuden auslösen, die mit den äußeren
Erscheinungsbildern zusammenhängen. Den Geistern ist es gegeben, die
geistigen Zusammenhänge zu sehen. Wie sonst wäre es erklärlich, daß der
Anblick einer Blume und das Riechen ihres Duftes in uns Freude und Entzücken
her vorrufen? So ist es mit allem, was unseren Sinnen zugänglich ist. Die
Geister, die mit der geistigen Welt verbunden sind, also mit der Welt des
Denkens und Empfindens, kommunizieren mit unseren Fähigkeiten des Denkens und
Empfindens und regen diese an, wenn sie durch unsere Sinne in Kontakt kommen
mit den äußeren Symbolen des Denkens und Empfindens. Die Verbindung mit
Geistern ist also die Voraussetzung und die Quelle des menschlichen
Bewußtseins, welche das eigentliche menschliche Leben ist gegenüber dem Leben
der Tiere und Pflanzen. Der Geist, der beim Menschen ist, weiß was der Mensch gedacht hat,
sogar das Allergeringste seines Denkens und seiner Neigungen, das dem
Menschen selbst gar nicht ins Bewußtsein gekommen ist. Die Geister besetzen
beim Menschen sein ganzes Gedächtnis und sein Gedächtniswissen. Die Engel
beim Menschen sind nicht wie die Geister in seinen materiellen Vorstellungen,
sondern in mehr inneren Dingen. Aber auch ihre Grundlagen sind in den
Außendingen des Menschenlebens. Da die Umwelt, ihre Menschen und Objekte so überaus starke Eindrücke
auf uns ausüben, fällt es uns schwer zu glauben, daß unsere immer wieder sich
ändernde innere Verfassung bezüglich unserer Gefühle und Gedanken aus dem
Geistigen entsteht. Diese Schwierigkeit entfällt, wenn wir bedenken, daß die
Sinneseindrücke ohne Empfindung bleiben müßten und die Worte der anderen
Menschen ohne Sinnbedeutung wären, wenn aus der geistigen Welt nicht das
Licht des Verstehens käme. Worte und Gedächtnisbilder wären ohne Sinn oder
Bedeutung, wenn keine Geister da wären, die die Zusammenhänge sehen und alle
Gedanken und Empfindungen hervorrufen können, die mit diesen toten Symbolen
innerlich verbunden sind. Der Mensch denkt natürlich, aber die Geister denken
geistig. Die natürlichen Gedanken und die geistigen Gedanken können nicht
direkt miteinander verbunden werden, sondern sie haben nur Entsprechung
zueinander, nur in der Entsprechung machen sie eins aus. So ist im Menschen die geistige Welt verbunden mit der natürlichen; bei
ihm fließt die geistige Welt in die natürliche Welt. Durch diese Verbindung
und den Einfluß besteht der Verkehr zwischen beiden. Vom Geist werden auf den
Menschen nicht Gedanken übertragen, sondern Neigungen; und nur wenn diese mit
seinen eigenen übereinstimmen, werden sie vom Menschen ins Denken übernommen.
Geister flößen dem Menschen nicht neue Gedanken ein. Wie wirken die
Geister im Menschen? Sie bemächtigen sich aller Dinge seines Gedächtnisses, also alles
dessen, was er seit seiner Jugend gelernt und erfahren hat. Die Geister
meinen, all das gehöre ihnen. Sie wissen alles, was der Mensch weiß; d.h.
wenn sie zum Menschen kommen, ergreifen sie davon Besitz, und sie glauben,
diese Kenntnisse seien ihre eigenen. Sie übernehmen auch alle Ansichten, die
der Mensch sich zugelegt hat, sowohl die Ansichten in bürgerlicher als auch
in moralischer und sogar geistiger Hinsicht. Deshalb sind bei denen, die in
falschem Glauben und in Illusionen über das Wahre des Glaubens sind, Geister
genau der gleichen Art. Das ist so, damit der Mensch in seiner Freiheit
bleibt und nicht gestört wird durch das Eigene des Geistes. Aber sie dringen
nicht vor in die Sprache und das Handeln des Menschen, denn dieses Äußere
unterliegt dem allgemeinen Einfluß aus dem Herrn ohne Vermittlung besonderer
Geister und Engel. Aber obwohl die Geister in das Denken und Wollen
einfließen, wissen sie nicht, daß sie beim Menschen sind, denn sie sind der
Meinung, dieses Denken und Wollen sei ihr eigenes. Sie vermitteln den besonderen Einfluß des Herrn in den Menschen, haben
aber nichts mit dem Einfluß in den Körper zu tun, also mit dem, was aus den Gedanken
in die Sprache und aus dem Willen in die Handlungen des Körpers fließt, denn
das geschieht nach der Ordnung des allgemeinen Einflusses. Sie sprechen nicht
körperlich die Sprache des Menschen, sie sehen auch nicht durch seine Augen
die Dinge der Welt, noch hören sie durch seine Ohren, denn das wäre
Besessenheit. Würden die bösen Geister merken, daß sie beim Menschen und doch von ihm
getrennte Geister sind, und könnten sie in seinen Körper einfließen, dann
würden sie mit allen Mitteln versuchen, ihn umzubringen, denn sie haben einen
tödlichen Haß gegen die Menschen. Die Engel beim Menschen besitzen von ihm das, was noch weiter innen
ist. Weil die Engel und Geister so eng mit ihm verbunden sind, kann der
Mensch nicht anders als fühlen und sicher sein, daß er selbst denkt und will. Aus all dem wird deutlich, daß die Geister, die den besonderen Einfluß
des Herrn vermitteln, im Inneren des Menschen, in Verbindung mit seinen
Gedanken und seinem Wollen, also mit seinem eigenen Geist sind. Denn des
Menschen Inneres, sein Denken und Wollen, gehört der geistigen Welt an. Der
Mensch ist in seinem Eigentlichen ein Geist, und er gehört selbst der
geistigen Welt an und lebt mit seinem Wollen und Denken auf derselben Ebene,
auf der seine Geister leben. Sie sind seine intimsten Freunde, er hat keinen
Grund, vor ihnen Angst zu haben, intimer als es zwischen zwei Menschen sein
kann. Nur sein Körper lebt, anders als die Geister, auf der materiellen
Ebene, und zwar aus dem direkten Einfluß des Herrn und ohne Vermittlung von
Geistern; diese können nicht mit seinem Mund sprechen, nicht mit seinen Augen
sehen, nicht mit seinen Ohren hören, fühlen nicht mit seinen Händen und bewegen
diese nicht. Auf die nun ausführlich dargestellte Weise ist der Mensch vermittels
der Geister und Engel mit dem Himmel und mit der Hölle verbunden: mit dem Himmel
durch die Nächsten- und Gottesliebe, aber mit den Höhen durch die Selbst- und
Weltliebe. Die Geister sind unsere Freunde, wurde gesagt, wir brauchen uns vor ihnen
nicht zu fürchten, denn sie sind ja keine Gespenster, sondern sind in ihrer Wesensart
uns Menschen gleich; deshalb die intime Verbindung mit ihnen. Sie sind wie
wir Menschen gut oder böse, und auch gut und böse in engster Vermischung,
genau wie wir Menschen. Diese intime Verbindung hat aber auch das Furchtbare an sich, daß es
dem Menschen, der sich aus den Verstrickungen des Bösen lösen will, von
seinen Geistfreunden sehr schwer gemacht wird, sich aus ihrer Umklammerung zu
befreien, sie zu verlassen, und sich in die Geistgesellschaften zu begeben,
die seinem neuen Wollen und Denken entsprechen. Das soll vorerst nur ein
Hinweis auf die Mühen und Kämpfe sein, die der Mensch durchzustehen hat, der
den steilen Weg zur Wiedergeburt geht. Der an die Hölle gebundene Mensch kann nur durch da vom Herrn kommende
Göttliche frei werden. Die aber nur an das denken, was ihren Körper und die
weltlichen Vorgänge angeht, wollen gebunden bleiben und wollen nichts vom
ewigen Leben wissen; sie empfinden Abscheu, wenn davon gesprochen wird. Die
Geister dieser Sphäre, die beim Menschen sind, verbreiten Unruhe und
Skandale. Der Mensch wäre nicht frei, wenn ihm die Gegenwart der Geister fühlbar
bewußt wäre. Es ist notwendig, daß das Bewußtsein der Geister und Menschen
auf zwei verschiedenen Ebenen und in ganz verschiedener Umgebung liegt. Die
beiden Welten, die geistige und die natürliche, müssen getrennt sein, auch
wenn sie im Menschen ihre Kontaktpunkte und Kontaktebenen haben. Jeder Geist
kann sogar mit vielen Menschen gleichzeitig verbunden sein. Ohne die materiellen
gedanklichen Grundlagen, die sie vom Menschen haben, wäre dem mentalen Leben
der Geister die Grundlage entzogen. Es kommt auf den Menschen an, ob er gute oder böse Geister bei sich
hat, und er muß Geister verschiedener Art bei sich haben, damit der Einfluß
des Lebens des Herrn durch ihre Vermittlung sich vielfach und reich gestalten
kann. Bei jedem Menschen sind, wenn auch wechselnd, zwei Geister und zwei
Engel. Es sind jeweils zwei, weil es zweierlei Arten Geister und zweierlei
Arten Engel gibt, die den zwei Fähigkeiten des Menschen, nämlich seinem
Wollen und seinem Verstehen entsprechen. Die beiden Arten sind voneinander
ganz verschieden; die eine Art heißt einfach Geister, die andere Art heißt
Genien. Die Genien wirken auf die Neigungen und Begierden des Menschen ein.
Sie spüren sehr geschickt auf, was des Menschen Begehren ist; sie flößen
Böses ein, wenn der Mensch keine oder wenig Neigung zum Guten hat, denn die
Lust ihres Lebens ist es, Gutes in Böses zu verkehren und das Böse als Gutes
erscheinen zu lassen. Die nur Geister heißen, verbreiten dagegen Falsches und
wenden sich gegen das Wahre; es ist die Freude ihres Lebens, wenn sie Wahres
als Falsches und Falsches als Wahres erscheinen lassen können. Denn sie wirken
ins Intellektuelle, ins Denken. Bei jedem Menschen sind auch zwei Engel, weil es auch zwei Arten von
Engeln gibt, von denen die eine auf die Willensebene, also auf seine
Liebearten und Absichten wirkt (sie heißen himmlische Engel), die andere auf
die Ebenen des Intellektuellen, also auf seinen Glauben, seine Prinzipien,
also sein Wahres. Diese heißen geistige Engel. Den himmlischen Engeln
entgegengesetzt sind die Genien, den geistigen Engeln die Geister. Der Mensch, der im Glauben steht, meint, bei ihm seien nur Engel des
Himmels, die höllischen Geister seien ihm völlig fern. Aber wer in den
Begierden und Lüsten der Selbstliebe und der Weltliebe ist und sie als
Endzweck hat, obwohl er gläubig ist, bei dem sind diese Geister nahe, ja in
ihm, und sie lenken seine Gedanken und seine Neigungen. Die Engel des Himmels
können keinesfalls in die Sphäre dieser Geister eindringen, sie sind
außerhalb dieser Sphäre. Wenn die höllischen Geister näher kommen, ziehen
sich die Engel zurück, wenden sich aber nie völlig ab vom Menschen, sonst
wäre es um ihn geschehen: er könnte nicht leben, wenn er keine Kommunikation
mit dem Himmel durch Engel hätte. Die Engel beobachten dauernd mit Sorgfalt, was die bösen Geister und
Genien vorhaben und beim Menschen ausrichten. Wenn der Mensch es zuläßt, wenden
sie das Böse in Gutes und zum Guten. Der Herr stellt den Menschen ins
Gleichgewicht zwischen dem Bösen und dem Guten, und zwischen dem Falschen und
dem Wahren, und zwar einerseits durch die Geister, andererseits durch die
Engel, damit der Mensch im Zustand der Freiheit ist. Er muß in dieser
Freiheit sein, damit er gerettet werden kann, denn nur so kann er vom Bösen
abgewendet und zum Guten geführt werden. Bei all dieser Beschäftigung mit Geistern dürfen wir aber nicht
vergessen, daß es der Herr allein ist, der Leben in sich hat und das Leben
selbst ist. Er ist der Ursprung alles Lebens in allen seinen Geschöpfen,
denn er ist die Sonne des Himmels. Genau wie die natürliche Sonne Wärme und
Licht ausstrahlt, so strahlt die Sonne des Himmels die geistige Wärme und das
geistige Licht aus. Die geistige Wärme macht die Lebenswärme im Menschen,
also seine Liebefähigkeit, und das geistige Licht macht das Verstehen, und füllen
sie aus mit dem, was wir das Gute der Liebe und das Wahre des Glaubens
nennen. Die Engel und die Geister vermitteln das Einfließen dieser geistigen
Strahlungen bis zum Menschen und dämpfen ihn oder passen ihn der Aufnahmefähigkeit
des Menschen an. Das geistige Licht, das im Wesentlichen göttliche Weisheit
ist, wird vom menschlichen Verstehen aufgenommen, sofern dieses durch
Kenntnisse befähigt worden ist, es wahrzunehmen, sonst bleibt das Verstehen
unempfänglich. Die Geister beim Menschen bemerken nicht nur alles in seinem Denken und
Wollen, sondern noch viel mehr, was der Mensch selbst nicht bemerkt; und die
Engel noch viel mehr als die Geister, weil sie die Absichten und Endzwecke
erkennen. Vor ihnen ist absolut nichts verborgen. Daher die ungeahnte Einwirkungsmöglichkeit
der Geister und die höchst subtile der Engel in das Allerinnerste des
Menschen. Für die Engel hat das Beisammensein beim Menschen aber noch eine ganz
besondere Bedeutung: Das Wort Gottes in seiner göttlich verordneten
Reihenfolge weltlicher Gedankenbilder — also sowohl die historischen als auch
die prophetischen und gleichnishaften — das vom Menschen aufgenommen wurde,
stellt für sie die unterste Grundlage ihres Verstehens dar. Jedes Wort, jede
natürliche Vorstellung im Wort hat geistigen Wert und geistige Bedeutung für
die Engel. Wenn wir regelmäßig das Wort andächtig lesen, so laden wir immer
neue Gruppen von Engeln zu uns ein, die uns auf unserem Weg zum Himmel
begleiten, den wir unter des Herrn Obhut durch die vielen Stadien unseres
Lebens zurücklegen. Woher kommt der
Einfluß des Bösen der Hölle? Wenn der Mensch sich dem Bösen hingibt — zuerst zustimmend, dann
absichtlich und endlich aus Lust — dann wird die Hölle, in der dieses Böse
ist, geöffnet, und es kommt der Einfluß aus dieser Hölle in ihn, das Böse
hängt sich hartnäckig an ihn, denn es findet im Menschen das vor, was ihre,
der höllischen Geister und Genien, Lust ist. Dadurch denkt der Mensch immer
häufiger an dieses Böse, bis es ihn beherrscht. Er macht sich vor, es sei gar
kein Böses. So hält er für zulässig und gerechtfertigt z.B. Ehebrüche, Betrügereien,
Arroganz, Menschenverachtung, Verfolgung und vor allem Gottesleugnung und
Mißachtung seiner geistigen Ordnungen, die uns vor allem in seinen Geboten
bekannt gemacht worden sind. Höllische Geister flößen unaufhörlich Böses in
die Gedanken der Menschen: dieses Einflößen wird von den Engeln dauernd
bekämpft. Die bösen Geister dringen in das ein, was der Mensch für wahr hält
und wonach es ihn gelüstet; sie beherrschen ihn dadurch und machen ihn zum
Sklaven solcher falschen Auffassungen und Begierden. Das Leben, das der
Mensch aus seinem Bösen führt, bildet um ihn seine Lebenssphäre, und in diese
Lebenssphäre begehen sich die Geister aus der Hölle, die in einer ähnlichen
Sphäre des Bösen sind. Gleiche Lebenssphären ziehen sich an und verbinden
sich, ungleiche stoßen sich ab und trennen sich. Es gibt unzählige Arten von
Bösem und entsprechend viele Sphären. Die Sphären des bösen Wollens machen
die Höllen, die Sphären des Wollens zum Guten machen die Himmel aus. Damit Engel den Einfluß aus der Hölle abwenden können, muß nicht nur
das Gute des Lebens im Menschen vorhanden sein, sondern auch das Wahre des
Glaubens (also geistig und himmlisch Wahres, nicht nur natürlich Wahres!), in
das sie einfließen können. Hält der Mensch solches Wahre aber nur in seinem
Gedächtnis, ohne es mit dem Guten des Lebens zu verbinden, dann wird er von
den höllischen Geistern verführt. Vom Herrn besteht ein Einfluß in die natürliche Welt. So führt und
beherrscht er sie. Der Einfluß ist zweierlei Art: ein allgemeiner Einfluß und
ein partikularer oder besonderer Einfluß. Der allgemeine Einfluß geschieht in die Dinge und auch in die
Lebewesen, die in der Ordnung der Natur und ihrer eigenen Art sind, der
besondere Einfluß geschieht in diejenigen, die nicht in ihrer Ordnung sind.
Die Tiere aller Art sind in der Ordnung ihrer Natur; das sieht man daran, daß
sie in die ihnen gemäßen Dinge hineingeboren werden und nicht erst belehrt
werden müssen. Die Menschen dagegen sind weder in der Ordnung noch in einem
Gesetz der Ordnung. Deshalb besteht für sie ein partikularer Einfluß, d.h.
bei ihnen sind Engel und Geister, die den Einfluß vermitteln. Durch diese
Geister und Engel steht der Mensch unter der Aufsicht und Führung des Herrn. Die Geister fließen in die Gedanken und in das Wollen der Menschen ein,
aber die Engel in die Endabsichten und die sich daraus ergebenden Dinge. Die
Engel fließen vermittels guter Geister, die beim Menschen sind, in die Dinge
ein, die zum Guten des Lebens und zum Wahren des Glaubens gehören; soweit
dies möglich ist, halten sie ihn dadurch vom Bösen und Falschen ab. Dieser
Einfluß geschieht insgeheim und wird dem Menschen nicht bewußt. Zwar könnte der Herr mit seiner Allmacht den Menschen in die guten
Absichten zwingen und weiter führen, aber dadurch würde ihm das menschliche
Leben genommen, das aus seinen Neigungen oder Liebearten besteht, auch wenn
sie ganz gegensätzlich sind. Der Herr leitet den Menschen in der Freiheit und
wendet ihn, soweit es möglich ist, davon ab, aus dieser Freiheit heraus Böses
zu denken und zu wollen. Der Mensch ist zwar frei im Sinn der Entscheidungsfreiheit
zwischen Gut und Böse, also in der Wahl seiner Endzwecke, er ist aber
keineswegs frei im Sinn von Unabhängigkeit. Sein Leben hängt ab von dem
Einfließen und gestaltet sich nach der Qualität der den Einfluß vermittelnden
Geister. Wir müssen im bürgerlichen Leben mit Tugenden rechnen können, selbst
wenn sie nur „natürlich Gutes“ ausdrücken, wie etwa Mut, Liebenswürdigkeit,
Großzügigkeit, Loyalität, Zutrauen, Familiensinn, Freundschaft,
Anhänglichkeit, Gesellschaft, Neigung zum Wohlergehen. Aber für uns selbst
müssen wir solchem natürlich Guten gegenüber mißtrauisch sein, denn diese
bürgerlichen Tugenden verbergen oft das Böse der Selbstsucht unter einem
angenehmen Äußeren, und sie machen die Selbstprüfung schwierig. Man neigt
dazu, sich auf solches natürlich Gutes viel zugute zu halten, aber es hat in
sich nicht mehr Wert als die instinktive Natur bei den Tieren. Und es besteht
dabei die Gefahr, daß man bösem Tun Vorschub leistet und in seinem Urteil
getrübt wird. Es empfängt leicht den Einfluß böser Geister. Gutes Wollen,
soll es nicht in Emotionalität verfallen, muß durch Verstehen gezähmt und
unter Kontrolle gehalten werden, und zwar durch Verstehen der echten Lehren.
Sie schützen gegen böse Geister und ihre Einflüsterungen. Der Mensch weiß ja
gar nicht, daß er ihrem Einfluß unterliegt, sondern meint, daß er
selbstverständlich richtig handele. Die Enttäuschungen, die er dadurch
erlebt, schreibt er dann so gern den anderen bösen Menschen, dem Schicksal
oder selbst Gott zu und verliert vollständig jeden Halt. Aber auch viele Formen von Religiosität entstehen aus Sentimentalität
und Emotionen. Das sind noch gefährlichere Einflüsse von bösen Geistern. Sie
sind äußerst hartnäckig, unzugänglich für das echte Wahre, und sind deshalb
auch im anderen Leben äußerst schwer und nur unter der Leitung des Herrn und
nach schmerzhaftesten Erfahrungen zurechtzubringen. Aus ihren Klauen kann man
nur sehr mühsam wieder frei werden, und nur durch inständiges Gebet zum
Herrn, und im festen Vertrauen, daß Er uns hilft, weil Er uns alle hebend
leitet und über alles Falsche und Böse Macht hat. Am schlimmsten wird es bei den Menschen, die von den Schwärmgeistern
besetzt werden, die sich als der Heilige Geist ausgeben. Das mag lächerlich
klingen, kommt aber in dieser oder jener Form sehr häufig vor; man denke z.B.
nur an die in sogenannten Erweckungsbewegungen zu beobachtenden Verzückungen.
In Extremfällen führen sie zu Geisteskrankheiten. Also wehe, wenn Religion zu
Fanatismus, Emotionsausbrüchen und Hysterie verführt. Das ist Besessenheit,
denn die Geister sind höchst erfreut über die Gelegenheit, sich im Menschen
auszutoben und ihn solcherart zu beherrschen. Wir erfahren in den Lehren
Swedenborgs manches über die Herkunft dieser grundbösen höllischen Geister. Schon die frühe christliche Kirche war sehr anfällig, von korrupten
Religionen angesteckt zu werden, in denen gelehrt wurde, daß der eigentliche
innerste Mensch ein Funke aus dem Leben Gottes sei. Gott habe sein Göttliches
in die Menschen gelegt, so daß sie innerlich Götter seien. Das stammt aus der
Zeit der Vorsintflutlichen, also der völlig korrupt gewordenen Lehre der
Adamitischen Kirche, die in der Sintflut untergegangen ist. Viele moderne Weltanschauungen und religiöse Gruppen haben diese und
ähnliche Lehren aus östlichen Religionen übernommen, z.B. aus dem Hinduismus;
Brahma (Gott) und Atma (die Seele) seien identisch, man müsse sich ganz nach
innen wenden, dann lerne man seine Seele kennen und erfahre Gott. Auch manche
christliche Gruppen meinen, wenn sie eine innere Erkenntnis empfunden haben,
dies sei das Licht des Heiligen Geistes. Es kann nicht ausbleiben, daß wer
noch im Bösen der Selbstliebe steckt und die Vollendung seines Lebens im
bewußten Verkehr mit Geistern und in ihrer Führung sucht, Profanation begeht,
also Heiliges entheiligt; Profanation zeigt sich im nächsten Leben auf
schreckliche Weise. Alle diejenigen, die da meinen, daß sie durch bewußten Einfluß belehrt
werden, was sie glauben und was sie tun sollen, werden keineswegs vom Herrn
oder einem Engel des Himmels belehrt. Aller Einfluß vom Herrn geschieht
nämlich durch Erleuchtung des Verstehens in der Liebe zur Wahrheit; diese
Liebe bringt das Verstehen. Wenn der Herr einfließt, geschieht dies immer als
Verlangen nach Wahrheit und als Erleuchtung des Verstehens. (Anm. d. Herausg.: Eine Ausnahme von Regel bildet die biblische
Offenbarung, wie Swedenborg diese nachweist.) Es ist nicht geklärt, wie die Bewußtseinsschranke zwischen Geistern und
dem Menschen beseitigt wird. Im normalen Zustand eines Menschen können seine
Geister nicht hören und sehen, was in der Welt vorgeht, wohl aber
gelegentlich bei Geisteskranken. Auch bei stark „mystisch“ eingestellten
Menschen können Geister in sie hineinwirken und sie glauben machen, das, was
in Wirklichkeit menschlich ist, sei göttlich. Wer dies für möglich hält,
bekommt von Geistern eingeflößt, was er tut, sei vom Heiligen Geist, und sein
Inneres sei göttlich. Im Inneren des Menschen wirkt der Herr ohne des Menschen Mithilfe und
niemand weiß, wie der Herr den Menschen in seinem Inneren führt und belehrt.
Das wird deutlich aus den geheimen Vorgängen z.B. des körperlichen Wachsens
und auch aus dem Wirken von Geistern und Engeln in unserem Unterbewußtsein.
Der Mensch weiß auch nicht, wie die Seele arbeitet, damit das Auge sehe, das
Ohr höre, der Mund sprechen und das Herz das Blut antreiben kann, wie die
Lunge atmet und alle inneren Organe in ihrer Ordnung funktionieren. Das alles
geschieht unerkennbar und unfühlbar. So ist es auch mit allem, was vom Herrn
in den inneren Substanzen und Formen seines Gemüts geschieht. Aber die
Führung und Belehrung vom Herrn, die im Äußeren des Menschen geschieht,
erscheint diesem, als geschähe sie aus ihm selbst, weil ihm ihre unzähligen
Wirkungen deutlich werden. Wer göttliche Führung und göttliches Licht sucht, darf
nicht versuchen, die Bewußtseinsschranke zu überklettern. Er kann diese Führung im Wort
Gottes finden und empfindet dann die Erleuchtung in seinem Verstehen. Wenn es
auf diese Weise aus dem Wort geschieht, wird der Mensch unmittelbar vom Herrn
belehrt. Der Himmel hält alles zusammen und in Sicherheit, aber die Hölle
zerstört und zerschmettert alles. In die himmlischen Gesellschaften fließt
der Herr mit einem Einfluß der Nächstenliebe ein, er will allen Glückseligkeit
geben und läßt die Freiheit zu, anderen Gutes zu tun. Deshalb besteht ein allgemeiner
Einfluß vom Herrn durch die Gesellschaften des Himmels. Er bewahrt die
Ordnung und Gesundheit der menschlichen Gesellschaft und des menschlichen
Körpers. Freiheit wäre aber nur ein leeres Wort, könnte der Mensch die
Ordnung Gottes nicht stören oder verwerfen, für sich selbst und für andere,
nicht nur im Denken und Wollen, sondern auch im Ausführen, womit er Unordnung
in die Welt bringt. Der Mensch muß frei sein, Fehler zu begehen, Böses zu
tun. Geschieht dies, und die Ordnung ist durchbrochen, dann hört der
allgemeine Einfluß aus dem Himmel auf, sofern der Mensch auf seiner
Opposition besteht. Wie weit kann
Böses die Lebensordnung stören? Auf dem Gebiet des menschlichen Inneren (Gemüt, englisch: mind) ist das
klar der Fall. Nur die beiden oberen Grade seines Inneren, deren wir in
diesem Leben nicht bewußt sind, sind in der Ordnung des Himmels. Aber der
natürliche Grad (natural mind), in welchem der Mensch auf Erden bewußt ist,
kann durch Denken und Wollen pervertiert werden. Von Geburt her, d.h. aus Vererbung,
stellt sich das natürliche Gemüt (mind) gegen die Formen und das Fließen des
Himmels (im Sinn der Organformen und der Lebensbewegungen in ihnen). Deshalb
bilden sich die Höllen innerhalb der verschiedenen Grade des natürlichen
Gemüts. Und deshalb muß für die Erlösung dieses Gemüt neu gebildet und
ausgebaut werden in die Ordnung des Himmels. Aber Perversionen finden nicht nur im Gemüt statt. Das Gehirn und der
übrige Körper können ebenfalls in Unordnung geraten. So ist die
Entstehungsursache mancher Krankheiten das Böse und der Eigenwille. In der Geschichte vom Sündenfall ist das ausgedrückt mit dem Essen vom
Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen, anstelle vom Baum des Lebens.
Zwar kommen dem modernen Menschen solche alten Geschichten wie Mythen
primitiver Völker vor, die vor den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen
nicht standhalten, aber ein tieferes Eindringen in den Aussagegehalt über den
Buchstabensinn hinaus ist uns möglich geworden durch die Öffnung des inneren
Sinns. Die Abwendung vom Baum des Lebens und die Zuwendung zum Baum der Erkenntnis
bedeutet in diesem geistigen Sinn: darauf beharren, die vom Herrn in die Schöpfung
gelegten Gesetze und Regeln für den Gebrauch der Verbundstufe zu mißachten,
zum Übermaß neigen, Begierden nicht zügeln, genüßlich und massig vorn Baum
der Erkenntnis zu nehmen mit der Begierde und dem Ziel, (als Menschen) wie
Götter zu werden, die aus sich selbst entscheiden, was für sie gut und was
böse ist. Mit Recht nennen wir Krankheiten und ihre Schmerzen böse, weil mit
ihnen auch ein teilweises Versagen gegenüber den Zielen des Lebens im Dienst
für den Mitmenschen verbunden sein kann. Krankheiten bedrücken das Gemüt und
lenken zu sehr auf den Körper hin und weg von dem Bewußtsein, daß er nur Instrument
für die Seele ist zum Dienst an anderen auf dieser Daseinsebene. Böse Geister
lieben das Weltliche und Materielle. Deshalb werden sie im Krankheitszustand
noch mehr angezogen und binden das Denken und Wollen an das Leben des
Körpers. Sie freuen sich und haben ihre Lust daran, wenn sie dazu verführen
können, daß der Mensch sich übermäßig mit seinen Schmerzen oder auch seinen
sensuellen Lüsten beschäftigt. Sehen wir nun aber von den gewöhnlichen Krankheiten und Anfälligkeiten
ab und wenden uns den eigentlichen Krankheiten des Gemüts, also den
psychischen Krankheiten zu, so dürfen wir aus unserer Lehre wiederholen: Die
eigentliche Krankheitsursache liegt in der geistigen Welt, im Einfluß von den
Geistern aus der Hölle. Alles Höllische macht krank. Krankheiten stehen in
Entsprechung mit den Begierden und Leidenschaften des Gemüts; diese sind auch
die Krankheitsursachen, also Maßlosigkeit bei den rein körperlichen Begierden
und Lüsten, dann auch Neid, Haß, Rache u.v.a. Sie zerstören den inneren Menschen,
und das kann auch zu Krankheiten des Körpers führen. Es besteht eben eine
enge Verbindung zwischen dem natürlichen und dem geistigen Menschen, dem
Körper und der Psyche, denn wäre es anders, dann bestünde überhaupt kein
Lebenszusammenhang, also kein Leben im Körper. Die wirklichen Krankheitsursachen liegen in der anderen Welt, also
nicht unbedingt in des Menschen eigenem Bösen, sondern in Einflüssen aus der
Hölle. Das mag wie Aberglauben aussehen; aber es muß zugegeben werden, daß
die menschlichen Leidenschaften von Geistern bewirkt werden, die uns nicht
sichtbar sind. Der Herr ist herabgestiegen, um die Ordnung in der geistigen Welt
wieder herzustellen. Damit hing engstens zusammen, was er auf Erden tat, weil
es die Entsprechung auf dieser Ebene von seinem Tun in der geistigen Welt
war, und so befreite er die Menschen aus der Gewalt der bösen Geister. Alle
seine Wunderheilungen sind Schritte im Kampf gegen die Höllen; dort sind die
Ursachen seiner Heilungen. Diese selbst zeigen, was er in der geistigen Welt
getan hat, nämlich dort die Ordnung wieder herzustellen, also in den
Daseinsebenen, die dem Bewußtsein des natürlichen Menschen entzogen sind.
Dadurch wurde der Mensch frei, zwischen Gut und Böse zu entscheiden, also dem
Himmel zuzuschreiten, wenn er es will. Personen, die viel und unaufhörlich über religiöse Dinge nachdenken, so
daß sie sie gewissermaßen in sich selbst sehen, fangen auch an, Geister
sprechen zu hören. Denn solche religiösen Dinge dringen ins innere der
Menschen ein. Solche Menschen sind Visionäre und oft auch Schwärmer. Sie
meinen, jeder Geist, den sie sprechen hören, sei der Heilige Geist; er ist
aber nur ein Schwarmgeist (über enthusiastische Geister vgl. HH 249). Geister
dieser Art sehen Falsches als Wahres und übertragen diese falsche Überzeugung
auf die Menschen, mit denen sie durch den Einfluß in Verbindung stehen. Schwarmgeister unterscheiden sich von anderen dadurch, daß sie glauben,
selbst der Heilige Geist zu sein. Sie fügen dem Menschen nicht willentlich
Schaden zu, weil er ihnen göttliche Verehrung zollt. Welche äußerste Vorsicht ist da geboten! Der Mensch soll nicht
versuchen, mit Geistern oder Engeln zu sprechen. Swedenborg, der häufig mit
Engeln und Geistern sprach, tat es nicht aus eigenem Antrieb und Neugierde,
sondern im Auftrag des Herrn, nachdem dieser ihn mehrere Jahre für seine
Mission vorbereitet hatte. Swedenborgs Bedeutung für uns liegt nicht zuerst
darin, daß er in der geistigen Welt verkehrte, sondern darin, daß er den
inneren Sinn des Wortes Gottes aufdeckte, daß er die Existenz der geistigen
Welt, also von Himmel und Hölle aufzeigte und daß er die Bestimmung des
Menschen zu erkennen gab, durch ein aktives Leben der Gottes- und Nächstenliebe
selbst ein ausgereifter Geist zu werden. Dann ist es selbstverständlich, daß
er nach dem Ablegen seines Körpers die anderen Geister der Gesellschaft, der
er dann zugehört, sieht und mit ihnen spricht, ja in engster geistiger Verbindung
mit ihnen steht. Die Sphäre der gleichen Gesellschaft überträgt die Gedanken
und Neigungen aller ihrer Geister zueinander. Während der irdischen Zeit des
Menschen kann unzeitige Neugier für seine Ausreifung sehr schädlich sein und
vor allem das geistige Weiterkommen behindern. Noch sehr erdgebundene Geister, die natürliche oder körperliche Geister
genannt werden, verbinden sich, wenn sie sich einem Menschen nähern, nicht
wie die anderen mit seinem Denken, sondern dringen in seinen Körper ein und
ergreifen Besitz von seinen natürlichen Sinnen, so daß sie durch seinen Mund
sprechen und seine Glieder bewegen. Sie meinen dann, alles, was der Mensch
hat und ist, gehöre ihnen. Das sind Geister, von denen der Mensch besessen
ist. Wenn Geister mit Menschen sprechen, treten sie aus ihrem geistigen
Zustand heraus und in den natürlichen Zustand des Menschen ein, und dann
wissen sie, daß sie beim Menschen sind, verbinden sich direkt mit seinen
Gedanken und sprechen mit ihm aus seinen Gedanken. Das heißt: Der sprechende
Geist ist in den gleichen Vorstellungen wie der Mensch, ob diese nun wahr
oder falsch sind. Bei ihm sind also keine anderen als ihm ähnliche Geister.
Daher kommt, daß bei den Schwärmern nur schwärmerische Geister sind. Und wenn
der Mensch glaubt, der Heilige Geist spreche mit ihm oder wirke in ihm, dann
glaubt der Geist auch selbst, er sei der Heilige Geist. Das ist sehr üblich
bei den Schwarmgeistern. Wie groß ist also die Gefahr für einen Menschen, der
mit Geistern spricht oder ihr Tun deutlich spürt! Anders ist es bei denen, die der Herr führt. Er führt diejenigen, die
das Wahre lieben und aus dem Herrn das Wahre wollen. Diese werden erleuchtet,
wenn sie das Wort lesen, denn im Wort ist der Herr, und er spricht mit jedem
nach seiner Fähigkeit. Wenn diese also Geister sprechen hören, was auch
bisweilen geschieht, werden sie nicht belehrt, sondern geführt, und das mit
soviel Vorsicht, daß der Mensch immer sich selbst überlassen bleibt. Denn
jeder Mensch wird vom Herrn geführt mittels der Neigungen, und ihnen gemäß
denkt er wie aus sich selbst in Freiheit. Wenn es anders wäre, könnte der
Mensch nicht umgebildet und nicht erleuchtet werden. Des Menschen
Abhängigkeit von Geistern. Wir haben schon gesagt, daß das Leben zu den Menschen direkt von Gott
dem Herrn und indirekt durch Vermittlung von Geistern kommt. Mit anderen Worten:
Das Leben des Menschen hängt auch von seiner Beziehung zu einer ganzen
Hierarchie von Geistern ab, also von mehreren Geistern, die untereinander
verschieden sind. Der Herr wirkt durch himmlische Engel, die in Entsprechung
stehen mit geistigen Engeln, aber alle haben Einwirkung in den Menschen.
Andererseits gibt es drei höllische Stufen, deren Geister auch in Kontakt zum
Menschen treten oder zu treten versuchen. Das Innere des Menschen ist der
Schauplatz für das Zusammentreffen dieser großen Hierarchie. Die Geister finden ihren Stützpunkt beim Menschen in den natürlichen
Dingen seines Gemüts, die in der natürlich-geistigen Ebene des Menschen sind
und seinen inneren Zustand der Liebe und Absichten zeigen. Die Geister sind
aber nicht mit den Gedanken, sondern mit den Neigungen verbunden. Neigungen
sind nicht im Licht des Verstandes und dessen Denken, sondern mit der Wärme
des Willens und seinen Liebesneigungen. Das Geistige ist allein aktiv bzw.
eine lebendige Kraft, dagegen ist das natürliche Wollen und Denken an und für
sich rein passiv. Das Passive kann nicht aus sich selbst tätig sein, sondern
muß in Tätigkeit versetzt werden durch das Aktive, die lebendige Kraft. Durch den Einfluß von Engeln und Geistern, also das Aktive, empfängt
der Mensch (also das Passive) das von Gott kommende Leben. Das verbindet ihn
aber noch nicht mit dem Himmel. Seine Verbindung mit dem Himmel geschieht je
nach seinen Nutzleistungen, d.h. je nachdem wie er das einfließende Leben tatsächlich
lebt. Was er im natürlichen Leben tut, steht in Entsprechung zum Geistigen
und Himmlischen oder Höllischen und verbindet ihn. Durch den Menschen besteht
die Verbindung zwischen der natürlichen Welt und den geistigen Welten; er ist
das verbindende Glied, weil er das Geistige als Einfluß in seinen natürlichen
Körper aufnimmt. So baut er seine Geistgestalt auf und so bestehen in ihm die
geistige und die natürliche Welt. Deshalb forderte der Herr immer wieder dazu auf, tätig zu sein nach
seinem Wort. Die natürliche Tätigkeit festigt das Wollen und Denken des
Menschen und macht sie zu seinem festen Bestand und somit auch zu der festen
Grundlage, zur festen inneren Ebene, in die der Herr durch seine Engel und
Geister einwirken kann. Bedeutung hat hierbei nicht, was der Mensch durch
sein natürliches Tun in der Welt erreicht, sondern seine Öffnung für das
einfließende Geistige und Himmlische. Alle weltlichen Erfolge zählen dagegen
gar nichts, wenn sie aus der Selbst- und Weltliebe geschehen, also aus
höllischen Motiven, die ihn für den Einfluß böser Geister öffnen und sein geistiges
Leben zunichte machen. Um fremde und ungewünschte Einflüsse zu verhindern,
muß er sein Leben regeln durch selbstauferlegte Ordnung, durch moralische
Lebensregeln und durch äußere Beachtung der gottesdienstlichen Formen, die
den Zweck haben, unseren Geist mit himmlischen Gesellschaften zusammen zu bringen,
damit er nicht Beute werde von unruhig umherziehenden Geistern, die keine
feste geistig-himmlische Grundlage haben und deshalb bestrebt sind, Zweifel,
Konflikte und Schaden hervorzurufen. Wenn wir das alles wissen, so verstehen wir den engen Zusammenhang
unseres äußeren Benehmens und Tuns und unserer selbstgewählten Gewohnheiten
mit den Geistergesellschaften, die uns umgeben. Sie sehen darin geistige
Bedeutungen und Werte und setzen sich in unserem Inneren, unserem Denken und
Wollen fest und nisten sich ein. Das zeigt uns auch die Bedeutung aller
bewußten Symbole und aller Dinge in der Schöpfung, die ihre Entsprechung zum
geistigen Reich haben. So wie eine Blume oder das Gesicht eines Kindes uns
entzücken kann, so öffnen sich durch solche objektiven Eindrücke unseres
Gedächtnisses in den uns beigegebenen Geistern ungeahnte Tiefen von
Entsprechungen, also von Liebe und Verstehen, und wirken auf uns zurück,
allerdings ohne daß uns das alles bewußt wird. Wie glücklich waren die Menschen der Ersten Kirche, die noch enge
Verbindung mit der geistigen und himmlischen Welt hatten und alles Natürliche
bewußt so empfanden wie die Engel in ihnen. Ihr Körper war im Natürlichen,
ihr Bewußtsein im Geistigen und Himmlischen, in Gemeinschaft mit Geistern und
Engeln. Die Bewußtseinsgrenze zwischen Natürlichem und Geistigem war erst die
Folge des sogenannten Sündenfalls. Wir sollen immer eingedenk sein, daß das Innere des Menschen, sein
Geist, während des Erdenlebens inmitten von Geistern ist. Diese wissen nicht,
daß sie beim Menschen sind, und er weiß nicht, daß sie bei ihm sind, weil die
Verbindung mit den Neigungen und nicht mit den Gedanken besteht. Beim Menschen bleiben nicht dauernd dieselben Engel und Geister,
sondern sie wechseln, je nach seinen Zuständen hinsichtlich seiner Neigungen
und Absichten. Denn so wie der Mensch ist, so sind die Geister bei ihm. Er
zieht die Geister je nach seinem Leben selbst an. Die bösen Geister beim
Menschen sind zwar aus der Hölle, aber wenn sie bei ihm sind, sind sie nicht
in der Hölle, sondern in der Geisterwelt. Dort sind auch gute Geister, die
ebenfalls beim Menschen sind. Der Mensch ist einzig zu dem Zweck geboren, geistig zu werden. Deshalb
ist er in Gemeinschaft, in Verbindung mit Engeln aus dem Himmel und mit
Geistern aus der Hölle, denn sie sind bereits geistig. Er weiß jedoch nichts
von dieser Verbindung, ebensowenig wie die Engel und Geister, und dies
deshalb, weil er, solange er in der Welt lebt, sich im natürlichen Zustand
befindet, Engel und Geister dagegen im geistigen. Wegen des Unterschieds
zwischen dem Natürlichen und dem Geistigen erscheinen sie einander nicht. Besessenheit
und Geisteskrankheiten. Es gibt jetzt viele Geister der unteren Sphären, die nicht nur in die
Neigungen des Menschen, sondern auch in seine Gedanken, ja in sein Sprechen
und Handeln einfließen wollen, also in seinen Körper. Aber alles Körperliche
ist dem besonderen Einfluß der Geister und Engel entzogen, weil es vom
allgemeinen Einfluß geleitet wird. Denn der Übergang von den Gedanken in die
Sprache und vom Willen in das Tun geschehen nach der festen Ordnung und nicht
durch einzelne Geister. Wenn Geister in den Körper eindringen, ist das
Besessenheit. Die Geister, die das doch wollen und versuchen, sind solche,
die in ihrem Körperleben wilder Art waren und sinnlicher als andere, auch
Ehebrecher; sie haben jeden Gedanken an einen Himmel weit verworfen, alles
der Natur und nichts Gott zugeschrieben. So haben sie ihr Inneres verschlossen
und nur ihr Äußeres geöffnet. Weil sie nur die äußeren Dinge liebten,
trachten sie im anderen Leben, wieder in das Äußere zu gelangen, indem sie
besessen machen. Der Herr sorgt dafür, daß so Geartete nicht in die
Geisterwelt kommen, sondern in der Hölle verschlossen bleiben. Deshalb gibt es heutzutage fast keine äußere Besessenheit mehr. Aber es
gibt innere Besessenheit, die von teuflischen und höllischen Horden kommt.
Solche Besessene sind infam, wild und grausam gegen die anderen, und ihre
Gedanken sind erfüllt mit Perversitäten und Boshaftigkeiten gegen Gott und
alles Göttliche. Man braucht nur daran zu denken, daß es heute tatsächlich
Gruppen gibt, die schwarze Magie betreiben, schwarze Messen abhalten, bei
denen ganz offen der Teufel angebetet wird. Man braucht aber nicht einmal
diese Einzelheiten herauszugreifen. Alltäglich hören wir von Menschen und
Dingen, auf die das zutrifft. Denn in zahllos vielen Menschen stecken solche
Gedanken und Gelüste, nur lassen sie sie nicht nach außen dringen, denn sie
wollen nach außen ehrbar erscheinen. Sobald aber, besonders nach ihrem Ableben,
diese äußeren Rücksichten und Hemmungen wegfallen, zeigen sie sich so, wie
sie innerlich sind. Da sind sie Teufel, deren Lust und Gier es ist, andere
umzubringen und alles zu zerstören, was mit Religion und dem Glauben zu tun
hat. Die Engel dagegen, durch die der Herr den Menschen führt und beschützt,
flößen ihm Glauben und Nächstenliebe ein. Sie beachten sorgfältig, nach
welcher Seite die Neigungen und Lüste des Menschen sich wenden, sie
beeinflussen ihn, soweit seine Freiheit dadurch nicht behindert wird, auf
sanfte Weise zum Guten. Sie dürfen nicht heftig vorgehen, um im Menschen
seine Grundsätze und Begierden nicht gewaltsam zu brechen. Ihre Aufgabe ist
es auch, die bösen Geister im Menschen, die aus der Hölle kommen, zu
überwachen. Das geschieht z.B. dadurch, daß sie, sobald die bösen Geister ihr
Böses und Falsches einflößen, ihrerseits Wahres und Gutes einfließen lassen;
wenn dieses auch nicht aufgenommen wird, so mildert es wenigstens das Böse
und Falsche. Die höllischen Geister greifen fortwährend an, die Engel wehren
sie ab. Das ist die Ordnung. Die Engel wirken hauptsächlich auf das Wollen und die Neigungen des
Menschen ein, denn aus ihnen ergibt sich, wie er lebt. Sie regen das Gute und
Wahre an, das im Menschen ist, und stellen es dem von den bösen Geistern
angeregten Bösen und Falschen entgegen. So ist der Mensch zwischen beiden und
hat seine innere Freiheit behalten, sich nach der einen oder anderen Seite zu
wenden. Geister denken geistig und der Mensch natürlich, so daß die beiden
einander entsprechen. In der modernen Sprache würde man sagen: Geister sind im Unbewußten und leben ihre Lüste dort aus, wo die
Gedanken und Gefühle des Menschen beginnen. Normalerweise bemerkt der Mensch
sie nicht, da er ja meint, es seien seine eigenen Gedanken und Gefühle. Die
Geister wissen auch nicht, daß sie im Leben des Menschen sind. Böse Geister
sind in einem unteren, aber auch noch unbewußten Bereich des menschlichen
Inneren. Alle diese Aussagen Swedenborgs können wissenschaftlich nicht
nachgeprüft werden (es sei denn, man lasse Wilson van Dusens
Forschungsergebnisse mit Geisteskranken, dargelegt in der soeben im Swedenborg
Verlag erschienenen deutschen Ausgabe seines Buches „The Presence of Other
Worlds—The Findings of Emanuel Swedenborg“ unter dem Titel: »Der Mensch im
Kraftfeld jenseitiger Welten«, als wissenschaftliche Beweise gelten.
Besonders interessant ist das Kapitel „Die Gegenwart von Geistern im Wahnsinn“.
Der Verfasser kommt unten noch darauf zu sprechen.). Swedenborg bekennt aber,
wie er sowohl im Himmel als auch in der Hölle verkehrte und wie er über viele
Jahre hinweg die Beziehung von Himmel und Hölle zum Menschen beobachten
durfte. Es ist höchst interessant, daß die Beschreibungen von Swedenborg über
die Wirkungen solcher natürlichen und körperlichen Geister im Wesentlichen
übereinstimmen mit den klinischen Erfahrungen bei Geisteskranken, die van
Dusen gemacht hat, und zwar auch schon bevor er genauere Kenntnisse von
Swedenborg hatte. Während die Wissenschaft weder auf dem Gebiet der Medizin
noch der Psychiatrie über die bloße Beschreibung des Erscheinungsbildes von
Halluzinationen hin ausgekommen ist, also die Ursachen dieser
Geisteskrankheiten nicht kennt, drang Van Dusen, weil er die Schriften
Swedenborgs sehr genau gelesen und auch verstanden hat, tiefer ein. Er sagt:
daß alles, was Swedenborg über die Wirkung böser Geister sagt, die ins Bewußtsein
des Menschen eindringen, mit seinen klinischen Erfahrungen übereinstimmt, vor
allem, daß sie versuchen, den Menschen zu zerstören; sie können ihn in Angst
und Schrecken versetzen; sie sprechen in seiner eigenen Sprache; sie suchen,
des Menschen Gewissen zu zerstören und stellen sich gegen jeden höheren Wert.
Und er sagt weiter: Halluzinationen der unteren Ordnung handeln gegen den
Willen des Patienten, sind äußerst gesprächig, aggressiv und böswillig, sie
verwenden List und Tücke, um den Patienten in jeder nur denkbaren Weise zu
unterminieren. Das sind Kennzeichen der Besessenheit von bösen Geistern. Das
geschieht, wenn die Geister nicht mehr unbewußt sind, sondern ein Bewußtsein
davon haben, daß sie selbst getrennte Wesen sind und als solche in des
Patienten Bewußtsein hineinwirken. Auf welche Weise die Bewußtseinsschranke zwischen Geistern und Menschen
durchbrochen wird, ist nicht geklärt. Einige Yoga-Praktiken deuten darauf
hin, da sie darauf abzielen, das innere Bewußtsein zu wecken. Diese Barriere
kann auch übersprungen werden von Personen, die sich vom Umgang in der
menschlichen Gesellschaft zurückziehen in phantastische Meditationen auf der
Grundlage persönlichen Stolzes und Dünkels. Das sind oft erste Anzeichen von
Schizophrenie. Van Dusen meint aufgrund seiner Beobachtungen, religiöser
Glaube, wenn er darauf gerichtet ist, sich selbst zu erlösen, genüge allein
nicht, Halluzinationen zu verhindern. Er sagt, nützliches Handeln aus
Nächstenliebe sei eher geeignet, Schizophrenie zu vermeiden. Wie deutlich
werden wir hier auf die Ermahnungen des Herrn verwiesen: nicht Glaube
allein, sondern Liebe und Nächstenliebe führen den Menschen auf den richtigen
Weg. Swedenborg sagt auch, die bösen Geister könnten vortäuschen, jemand
anders zu sein. Auch das stimmt mit van Dusens klinischen Erfahrungen
überein: Patienten sagen, daß die Stimmen, die sie hören, den Ton ihrer
Stimme verstellen und sich als jemand anders ausgeben können. Meint ein
Patient, er kenne die Stimme, so verstellt sie sich sofort dementsprechend,
z.B. auch in den Heiligen Geist oder Jesus Christus. Deshalb schreibt Swedenborg in seinem Geistigen Tagebuch, Nr. 1622:Wenn
Geister mit dem Menschen zu reden beginnen, so muß er sich hüten, irgend etwas
davon zu glauben, denn sie behaupten alles, sie erfinden und lügen. Dürften
sie berichten, was der Himmel ist und wie es dort aussieht, so würden sie
unter feierlichen Beteuerungen so viele Lügen auftischen, daß der Mensch
staunen würde. Sie behaupten nämlich, alles zu wissen. Wenn der Mensch ihnen
zuhört und glaubt, dann drängen sie weiter und täuschen und verführen ihn auf
verschiedene Weise. Swedenborg bringt in seinem Geistigen Tagebuch zahllose weitere
Beispiele. Im Normalfall können diese Geister die Welt des Menschen nicht
sehen oder hören, aber bei Geisteskranken können sie es. Sehr zu beachten
ist, daß es diese unteren Ordnungen der Halluzinationen sind, die gegenüber
jeder religiösen Erwähnung die skurrilsten Kommentare abgeben. Sie leugnen
völlig jede Art von Leben nach dem Tod oder opponieren gegen Gott und alle
religiöse Betätigung. Nach Swedenborgs Meinung sind sie durch ihr Widerstreben
gegen Gott, Religion und alles, was dazu gehört, zu dem geworden, was sie
sind. Ich bin weit davon entfernt, die Erfahrungen dieses Psychiaters van
Dusen oder anderer seines Faches und der Psychoanalyse zu einem Bestandteil
unseres Glaubens machen zu wollen. Ich registriere nur die auffälligen
Übereinstimmungen zwischen klinischen Erfahrungen und den Erkenntnissen, die
Swedenborg vom Herrn bekam über die Beziehungen zwischen Menschen und der
Geisterwelt. Aber auch diese Erkenntnisse sind an sich nicht vordringlich
wichtig, sondern sie dienen uns nur zur Bestätigung seiner religiösen
Offenbarungen über das Wirken Gottes, das zum Ziel hat, den Menschen geistig
zu führen, damit er ein Bewohner seines Himmels wird. Gott hat dazu selbst
die Mittel gegeben und die Wege gewiesen. Auch van Dusen denkt in dieser Richtung, wenn er sagt, die Bestimmung
des Menschen sei es, sein Leben zu erfahren und zu erfüllen, und dazu
brauchten wir mehr Menschlichkeit als Wissenschaft. Swedenborg sammelte unter
der Führung des Herrn ungeahnte Erfahrungen in der geistigen Welt, den hierarchischen
Bereichen von Himmel und Hölle mit ihren Bewohnern. Dazu sagt van Dusen: Die
modernen Theorien des Unbewußten befassen sich mit der gleichen Materie. Und
er schließt daraus: Das Unbewußte im Menschen und die Welt der Geister sind
das gleiche. Und er sagt weiter: Swedenborgs Darstellungen erklären die neuen
Entdeckungen auf dem Gebiet der Geisteskrankheiten besser als alle Theorien
über das Unbewußte, und sie erklären die gesamte Ordnung, die über oder
oberhalb des menschlichen irdischen Daseins herrscht. Unser Leben ist der
kleine Freiraum, auf dem die gigantischen höheren und niederen geistigen
Hierarchien zusammentreffen. Der Mensch —
ein Geist in der geistigen Welt. Der innere Mensch oder sein Geist (mens) ist während seines Erdenlebens
nicht getrennt von seinem Körper, aber auch nicht nur in seinem Gehirn vorhanden,
sondern ist innerhalb des ganzen Körpers und erfüllt ihn mit Leben. Sein
Geistiges und sein Natürliches sind eng miteinander und ineinander verschränkt.
Der geistige Leib wird innerhalb des natürlichen gebildet und steht deshalb
beim Tod in ähnlicher Form auf. Unser Inneres oder unser Geist ist viel mehr
als wir während unseres Lebens in der natürlichen Welt wissen oder ahnen.
Während der Erdenzeit ist die Bewußtseinssphäre unseres Geistes nur geistig-natürlich.
Seine volle Fähigkeit erreicht er erst, wenn er vom materiellen Körper
befreit ist. Schon während unseres Erdenlebens ist unser Inneres mit den
inneren Gedanken unseres Verstehens und den Willensrichtungen jenseits der
Bewußtseinsgrenze in der geistigen Welt, d.h. wir sind in ununterbrochener
Verbindung mit den Bewohnern jener Welt. Die geistige Welt besteht aus
zahllosen Gesellschaften guter Geister und Engel im Himmel, und ihm gegenüber
aus zahllosen Gesellschaften böser Geister und Teufel in der Hölle. Unser
Geist ist unbemerkt inmitten solcher Gesellschaften und an sie gebunden, so
daß wir nicht denken und wollen können, außer in Verbindung mit ihnen. Geister sind keine Gespenster, vor denen man sich fürchten müßte,
sondern sie sind in ihrer Wesensart uns Menschen gleich, deshalb die intime
Verbindung mit ihnen. Diese intimste Verbindung hat aber auch das Furchtbare
an sich, daß es dem Menschen, der sich aus den Verstrickungen des Bösen lösen
will, von diesen Geistfreunden äußerst schwer gemacht wird, sie zu verlassen
und sich in die Geistgesellschaften zu begeben, die seinem neuen Wollen und
Denken entsprechen. Das soll ein Hinweis auf die mühevollen Kämpfe auf dem
steilen und dornigen Weg zur Wiedergeburt sein, den der Mensch während seiner
Erdenzeit beginnen und möglichst weit gehen soll. Nach dem Ablegen des Körpers, allgemein bezeichnet als der Tod des
Menschen, wird sein natürliches Denken und Gedächtnis, also seine materiellen
Vorstellungen und seine irdischen Erfahrungen in den Raum-Zeit Beziehungen,
nach und nach geschlossen und stillgelegt; sonst könnte er nicht in die
geistigen Zustände übergehen, die nicht an räumliche Bedingungen geknüpft
sind. Der Körper ist ja nur ein Konglomerat von grob natürlichen
Organstrukturen. Nur die Verbindung seines Inneren oder Geistes zu diesem
Konglomerat ist aufgehoben. In die feineren Organe, in die höheren Stufen des
individuellen Daseins und Bewußtseins fließt das Leben der Seele wie vordem
ein. Das Bewußtsein des Individuums findet sich auf diesen höheren Stufen
wieder, genau wie es vorher auch schon in ihnen vorhanden war. Beim Eintritt
in die geistige Welt sieht er die Wege, die er gehen will, sie entsprechen im
allgemeinen den Gedankenwegen, die er als Mensch innerlich (also unbewußt) in
dieser Welt hergerichtet hat und gegangen ist. Die inneren, also höheren
organischen Formen leben ja weiter, sie fühlen sich endlich frei von den
Bindungen an die natürlichen Existenzbedingungen. So muß das Leben des
Körpers aufhören, damit das Leben der Seele, das geistige Leben, frei wird.
Die höheren Organe bzw. die Seele können weder durch Feuer noch durch
sonstige natürliche Einwirkungen zerstört werden und bringen so alles mit,
was zum Leben in der anderen Welt befähigt. Wie die Organe des Körpers den Menschen
mit der materiellen Umwelt verbunden hatten, so verbinden die inneren
Organstrukturen seine innere, seine Geistgestalt mit der geistigen Welt, mit
seiner geistigen Umwelt. Diese inneren Organstrukturen erscheinen in der
anderen Welt, die er nun bewohnt, als Individuum in menschlicher Gestalt. Er
steht mit der geistigen Welt in derselben Weise in Austauschbeziehungen wie
zuvor mit der natürlichen. Der so in der geistigen Welt lebende und sich
bewegende Mensch ist aber nicht die nackte Seele, die nur das von Gott
kommende Leben lebt. So etwas ist nicht möglich: Göttliches Leben ist nur in
Gott, alle anderen Lebewesen sind Organformen, die sich von dem Leben aus
Gott anregen lassen. Deshalb sind auch die Lebewesen in der geistigen Welt dualistisch im
Sinn von Form und Inhalt. Nur von diesem Dualismus ausgehend erkennt man
geistiges Leben in geschöpflicher Form. Beim Sterben wird der materielle Körper, der aus groben Teilen der
Natur gebildet ist, abgestoßen, aber es wird eine Grenzsubstanz solcher
allerfeinsten Teile der Natur behalten, die den geistigen Dingen nahe liegen.
Sie bilden die organische Umhüllung dessen, was wir jetzt die Geistgestalt
des Menschen nennen. In ihr bleiben die Formen seines Gedächtnisses fixiert,
und nur so behält der Mensch nach seinem Tod seine Individualität. Diese
Grenzsubstanz wird schon während der irdischen Lebenszeit des Menschen
gebildet. Vermöge ihrer Organform nimmt die Geistgestalt alles gemäß ihren
individuellen Neigungen auf; sie empfindet, sieht, nimmt wahr, denkt und
will, so wie sie es, allerdings in sehr vermindertem Grad, getan hatte, als
sie sich noch der Organe des Körpers bediente. Was sie in der geistigen Welt
vorfindet, sind Wahrnehmungen ähnlich denjenigen unserer Welt, die jedoch
geistiger Natur sind und dem Inneren des Geistmenschen entsprechen. So
erwächst ihm seine Umgebung, seine geistige Umwelt, als Entsprechung seines
Inneren. Das sind die ewigen Gefilde, das ist die innere Landschaft, die der
Mensch sich schon hier zurichtet, in eigener Verantwortung. Er hat den freien
Willen, Gutes oder Böses zu tun. Wenn er sich an den Herrn wendet und ihn um
Hilfe und Kraft bittet, dann kann er sich aus den Bindungen des Falschen und Bösen
lösen. Sein freier Wille bedeutet gleichzeitig seine Eigenverantwortung
dafür, welche innere Landschaft er aufbaut, wie also sein Lebensumkreis
drüben aussehen wird. Das ist wiederum nur verständlich, wenn wir wissen, daß Falsches denken
und Böses tun, d.h. gegen die von Gott gesetzte Ordnung handeln, in den Organformen
Veränderungen hervorruft, die sie immer wieder unfähig machen, nach den
oberen geistigen Einwirkungen zu leben. Kurz gesagt: Böses und Falsches
verschließt die allerfeinsten Organformen, macht sie träge und unlustig, so
daß sie mehr und mehr dem natürlichen Trägheitsprinzip verfallen und untergehen. Darin liegt also die Selbstverantwortung des Menschen für den Aufbau
und die Ausbildung seines inneren oder Geistmenschen. Nicht durch den Tod bekommen
wir einen geistigen Leib, sondern wir haben ihn schon jetzt und bringen ihn
durch unser Tun und Lassen zu der Vervollkommnung oder zu der Ärmlichkeit, in
der er sich dann beim Ablegen des Körpers entpuppt. — Der Tod bringt dem
Menschen keine Veränderung seines inneren Wesens. So ist die Ordnung Gottes: Die Menschen müssen sterben, ihren irdischen
Körper zurücklassen, heraustreten aus der natürlichen Umgebung, in der der
Körper ihnen diente, und eingehen in die geistige Umgebung, die ihrer
geistigen Form entspricht, wie sie nach dem Ablegen des Körpers ist, also wie
jeder sie während seines irdischen Lebens in sich ausgebildet hat. Fragen wir nun, wie die Geistgestalt des Menschen während seiner
irdischen Lebenszeit ausgebildet wird und zur Reife kommt, so lautet die
Antwort: Alle Eindrücke, die der Mensch durch die Sinne aufnimmt, ergeben
seine innere Bild- und Vorstellungswelt, sammeln sich zu Kenntnissen und
füllen das Gedächtnis; kraft seiner Vernunft und seines Willens geht er mit
dem Material seines Gedächtnisses und seiner Vorstellungswelt nach freiem
Belieben um. So bildet sich die Individualität des Menschen, die Organform
seines Willens und Denkens, kurz: seine Geistgestalt. Und nur eine so im
Menschen werdende Geistgestalt wird fähig, von Gott und aus den Himmeln die
Strahlen seines Lichts als Richtschnur und Wegweiser in allen Lebensverhältnissen
aufzunehmen, bis sie die geistige Reife erreicht, die in verbindende Entsprechung
tritt zu den Bereichen der geistigen Welt und der Himmel. Und vermöge dieser
Entsprechungen wird der Mensch ein Engel und Himmelsbewohner. Wer dagegen
seine Geistgestalt nicht in dieser Richtung ausbildet, sondern in seinem
Wollen und Denken nur Weltliches und Irdisches als Endabsicht vor Augen hat,
trennt sich von der Liebe zu Gott, von der Weisheit und Vollkommenheit. Er
verliert das bessere Leben. Dies aber wird in der Bibel der geistige oder
zweite Tod genannt. Es darf nicht wundernehmen, daß der Mensch nach dem Ablegen seines
materiellen Körpers in der geistigen Welt in Menschenform erscheint und lebt.
Die Menschenform ist nämlich nicht durch den natürlichen Körper bedingt,
sondern umgekehrt: der natürliche Körper hat Menschengestalt, weil er die
äußere Umhüllung der Seele für das Erdenleben ist. Die Menschengestalt ist
ein Abbild der Form der Seele. Der Mensch nimmt alles mit hinüber, was er in
sich besitzt, er verliert davon nichts. Er bekommt aber auch nichts hinzu,
was nicht in ihm schon wenigstens im Ansatz, im Kern, vorhanden ist. Das
hängt damit zusammen, daß sein äußeres Gedächtnis zum Ruhen gebracht worden
ist und er aus seinem inneren Gedächtnis lebt. Dieses setzt sich aus den
Neigungen zusammen, die er während seines Erdenlebens in sich lebendig gemacht
hat. Der Geistmensch denkt nur das, was sein Wollen ihm vorsetzt, also nur in
den Grenzen seiner in der Welt geöffneten Neigungen zum Guten und Wahren;
diese sind im eigentlichen sein innerer Bestand. Diese Öffnung muß von der
untersten Stufe aufsteigend geschehen. Eben die Liebearten, die er während
seiner Lebenszeit entwickelt hat, werden zu seiner herrschenden Liebe, zu
seinem inneren Leben. Er kann drüben zwar in alle Ewigkeit angefüllt und
ausgefüllt werden, aber nicht über die Stufe hinaus, die er von der Welt
mitgebracht hat, weil drüben die unterste, die Anfangsstufe, die nicht der
geistigen Welt zugehört, zum Ruhen gebracht worden ist. Deshalb kann die
Organform des Geistmenschen drüben nicht in höhere Sphären greifen als dem
inneren Bestand entspricht, den er von der Welt mitgebracht hat. Das ist
vergleichbar damit, daß eine horizontale Linie oder Ebene ins Unendliche erweitert
werden kann, aber doch nicht in die vertikale Dimension kommt. In der kurzen Zeit seines irdischen Lebens legt er die unabänderliche
Grundlage seiner geistigen Existenz, die niemals endet, und hier bestimmt er
selbst, ob sie himmlisch oder höllisch, engelisch oder teuflisch geartet sein
wird. Mit dem Ablegen des Körpers bricht der Mensch seine Beziehungen zur
natürlichen, an Raum und Zeit gebundenen materiellen Welt ab, weil nur der
Körper diese Beziehungen vermittelte. Zu diesen Beziehungen gehören auch
Nahrung, Kleidung, Wohnung, Reichtum, Würde usw. Diese Dinge nimmt er nicht
mit. Mit hinüber aber nimmt er das, was die mentalen Vorgänge in ihm ausmachen,
seine Wahrnehmung, sein Denken, seine Vernunft, seine Neigungen, seine
Vorliebe, sein Streben. Und nun kommt es darauf an, ob all das sich nur oder auch nur
vorwiegend auf die Dinge des materiellen Daseins richtete, oder ob sie als
Mittel zur Erfüllung jener geistigen Prinzipien Liebe und Glauben dienten. Alle Geistmenschen gleicher und ähnlicher Art sind in der gleichen,
ihrem Inneren entsprechenden Umgebung und bilden homogene Gesellschaften, wie
übrigens auch auf der Erde die Homogenität oder Gleichartigkeit der
materiellen oder geistigen Interessen das gesellschaftsbildende Prinzip ist.
Das gleiche Prinzip ist es, das im jenseitigen Leben zur Bildung vieler und
unendlich vielfältiger — einerseits himmlischer und andererseits höllischer —
Gesellschaften führt. Nach dem Tod hat der Geistmensch keine Verbindungen mehr zur
natürlichen Welt, er kann nicht mehr in ihr wirken, er ist frei geworden von
den Unvollkommenheiten des natürlichen Seins. Die spontane Antwort auf diese Frage lautet: Vom Essen und Trinken, und
dazu von der Luft und von der Liebe. Das ist richtig. Doch wollen wir auch
gleich einschränken, daß es hier nicht um die sexuelle Liebe geht. Tatsächlich braucht alles Organische, sei es Pflanze, Tier oder Mensch,
natürliche Nahrung aus festen und aus flüssigen Stoffen; sie baut den Körper
auf. Zum Lebenkönnen gehören aber auch Luft, Licht und Wärme, sowie die
überaus subtilen Bestandteile, die von den Poren der Haut aufgenommen werden.
Sie helfen mit zum Aufbau der feineren Protoplasmen des Körpers, zu denen die
Hirnzellen gehören. Diese sind die ersten Träger des körperlichen, aber auch
des nicht materiellen, also des mentalen und geistigen Lebens des Menschen. Die Ernährung des Körpers dient dazu, daß in einem gesunden Körper ein
gesunder Geist sei (mens sana in corpore sano). Ein geistig eingestellter
Mensch verachtet keineswegs gute Nahrung und ihre Freuden, aber für ihn sind
sie und die Gesundheit des Körpers nicht der eigentliche Zweck, sondern sie
dienen ihm als Mittel für einen gesunden Geist (HG 3951, 4459). Er geht noch
weiter: Er sieht den gesunden Geist und die gesunde Seele als das Mittel an,
um Intelligenz und Weisheit zu erlangen für das Leben nach dem Tode, und um
ein nützliches Glied im Reich des Herrn zu werden. Die Zellmasse des Gehirns ist nicht nur Träger des mit den
Sinneseindrücken direkt zusammenhängenden und aus ihnen entstehenden unteren
Mentalen, sondern auf dieser Zellmasse baut auch das mittlere und das obere
Mentale auf, also das geistige Leben. Somit haben die Hirnzellen sowohl für
das natürliche als auch für das mentale oder geistige Leben zentrale
Funktionen. Und es kann gesagt werden: Mittels der Zellgewebe des Gehirns
geht das Natürliche über in das Mentale oder Geistige, und umgekehrt. Geistiges Leben besteht in Wollen und Verstehen. Alle Teile und Organe
des Körpers hängen vom Wollen und Verstehen ab bzw. entsprechen ihnen und werden
von ihnen vermittels der Hirnzellen bewegt; so wirkt die Seele mittelbar auf
den Körper und durch den Körper. Das Wollen hat zu tun mit dem, was das Gute, das Verstehen mit dem, was
das Wahre genannt wird (HG 680). Das Gute und das Wahre in all ihren Abstufungen
(göttlich, himmlisch, geistig) sind die geistige Nahrung des Menschen; wer
sie nicht bekommt, kann nicht am eigentlichen Leben bleiben, sondern er
bleibt am Körperlichen, Natürlichen und Irdischen hängen. Das bedeutet den
geistigen oder zweiten Tod. Deshalb wird in der Heiligen Schrift, die nur vom
Leben aus diesem Guten und Wahren handelt, unter Nahrung immer geistige und
himmlische Nahrung verstanden. »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort,
das aus dem Munde Gottes hervorgeht« (Matth. 4, 4). Das heißt: von allem, was geistiges Leben, also seine Liebe zum Herrn
und seine Überzeugung von den göttlichen, himmlischen und geistigen Dingen
(kurz Glaube genannt) stärkt. Alles Geistige kommt vom Herrn und ist das, was
von Engeln und Menschen in ihrem Inneren gedacht, ausgesprochen und getan
wird. Weil diese Nahrung vom Herrn kommt, von Ihm ausstrahlt, ist Er in ihr
enthalten. Was Intelligenz Weisheit verschafft, ist geistige Nahrung und
bildet den geistigen Menschen. Sein Geist hat Hunger danach wie sein Körper
nach der natürlichen Nahrung. Es besteht also eine Art Entsprechung zwischen natürlicher und
geistiger Nahrung und ebenso zwischen dem Hunger nach natürlicher Nahrung und
dem Verlangen nach allem, was dem Geist dient. Von geistiger Nahrung und dem
Hunger nach ihr spricht der Herr durch die Propheten zur zerrütteten Kirche
jener Zeiten: „Menschensohn, so ein Land sündigt wider mich, daß es mir untreu wird,
da recke ich meine Hand aus wider dasselbe und zerbreche ihm den Stab des
Brotes und sende dahin den Hunger und rotte aus davon Mensch und Vieh“ (Ez.
14, 13). „Siehe, Tage kommen, da einen Hunger ich ins Land sende, nicht einen
Hunger nach Brot und keinen Durst nach Wasser, sondern zu hören die Worte Jehovahs“
(Amos 8, 11). „Darum habe ich euch gegeben müßige Zähne in all euren Städten und
Mangel an Brot in allen euren Orten, aber ihr seid nicht zurückgekehrt zu
mir“ (Amos 4, 6). „Der Herr Jehovah Zebaoth nimmt von Jerusalem und von Juda Stütze und
Stecken weg, alle Stütze des Brotes und alle Stütze des Wassers“ (Jes. 3, 1). „Menschensohn, siehe, ich breche den Stab des Brots in Jerusalem, und
sie sollen Brot essen nach dem Gewicht und mit Sorgen, und Wasser trinken
nach dem Maß und mit Erstaunen. Dieweils sie des Brots und des Wassers
ermangeln und sich erstaunen werden, der Mann und sein Bruder, und abzehren
ob ihrer Missetat“ (Ez. 4, 16 f). „Ich werde des Hungers böse Pfeile senden, euch zu verderben, und den
Hunger werde ich dazutun wider euch, und euch den Stab des Brotes brechen“
(Ez. 5, 16). Da das Volk alles, was geschah, Gott zuschrieb, ist gesagt: Er habe das
Brot entzogen und die Hungersnot gesandt. Richtig ist aber im inneren Sinn,
daß die Menschen sich von Gott abgewandt hatten und also sich selbst dieser
inneren Nahrung beraubten und deshalb begannen, ein miserables inneres Leben
zu führen. Der historische Rahmen dient zur Darstellung dieses immer und für alle
gültigen geistigen Gesetzes: Nur das Einwirken des Herrn in das Innerste
des Menschen bringt ihm das wirkliche Leben. Brot bedeutet alles Geistige und Himmlische, also die Nahrung für den
geistigen und himmlischen Menschen und Engel. Weil vom Herrn alles kommt, was
geistig und himmlisch nährt, deshalb ist der Herr das Brot. „Wirket nicht Speise, die verdirbt, sondern Speise, die da bleibt ins
ewige Leben, die des Menschen Sohn euch geben wird. Ich bin das lebendige
Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wenn einer von diesem Brote isset, so
wird er in Ewigkeit leben. Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch
ist zu nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch rede, sind Geist und sind
Leben“ (Joh. 6, 27. 51. 63). „Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird nicht
dürsten in Ewigkeit, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm
eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt“ (Joh. 4, 14). So wie die natürliche Nahrung aus der natürlichen Welt und mit allen
dafür notwendigen Hilfsmitteln, auch menschlicher Hilfe, für uns zubereitet
wird, so stammt die geistige Nahrung aus der geistigen Welt und wird uns
vermittelt durch die guten Geister und Engel. Das Natürliche und das Geistige entsprechen einander. Die Entsprechung ist keineswegs eine vom Intellekt hergestellte, nur
ihm dienliche Beziehung, sondern sie hat durchaus reale, man könnte sagen
„organische“ Grundlagen. Denn die Entsprechung ist folgendermaßen: „Wenn der Mensch natürliche Nahrung aufnimmt, sind die bei ihm
befindlichen Engel in gleichem Verlangen nach Geistigem, also dem Guten und
Wahren, und zwar — was erstaunlich ist — verschieden je nach der Art der
Nahrungsmittel“ (HG 5915) Gemäß den Entsprechungen, in denen das Wort Gottes geschrieben ist,
wobei Geistiges und Himmlisches mit natürlichen Begriffen ausgedrückt wird,
bedeuten die verschiedenen Nahrungsmittel und Getränke ganz verschiedene
Arten und Einzelheiten der geistigen Welt und des geistigen Lebens. Damit
hängen auch die den Juden des Alten Testaments gegebenen Vorschriften über
Nahrungsmittel zusammen; ihnen war alles das zu essen verboten, was wegen
seiner innernatürlichen Art für das innere und folglich auch für das äußere
Leben des Menschen schädlich wird. Das Geistige, Gutes und Wahres, sind die
Neigungen und Ideen der Engel, und sie nehmen sie auf, wie wir die natürliche
Nahrung aufnehmen. Der Verbindung der guten Geister und Engel mit dem
Menschen ist so eng, daß wenn er ißt, sie angeregt sind zur Aufnahme ihrer
geistigen Nahrung. Die Nahrung der bösen und höllischen Geister ist das Gegenteil vom
Guten und Wahren, von Intelligenz und Weisheit, also Böses und Falsches (HG
1695). Daß die geistige Nahrung des Menschen, also die Nahrung für sein
Inneres, aus der geistigen Welt und zuerst aus Gott selbst stammt, sagt der
Herr: „Mein Vater gibt euch das wahre Brot aus dem Himmel. Ich bin das Brot
des Lebens; wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt,
den wird nimmermehr dürsten. Wer an mich glaubt, der hat ewiges Leben“ (Joh.
6, 32. 35. 47). Der Mensch muß sich den Geboten des Herrn aus Liebe zu Ihm unterordnen,
dann setzt er sein natürliches Leben in Entsprechung zum geistigen, so daß
das Leben des Geistes ihm zuteil wird. Das sagt der Prophet: „Wer in Gerechtigkeit wandelt und redet, was recht ist, wer Unrecht
haßt samt dem Geiz und seine Hände abzieht, daß er nicht Geschenke nehme, wer
seine Ohren zustopft, daß er nicht Blutschuld höre, und seine Augen zuhält,
daß er nichts Arges sehe (d.h. wer seine Gedanken dem Bösen verschließt), der
wird in der Höhe wohnen und Felsen werden seine Feste und sein Schutz sein.
Sein Brot wird ihm gegeben, sein Wasser hat er gewiß“ (Jes. 33, 15 f.). Daß dieses geistige Leben, das den Menschen mit Liebe und Wahrheit
erfüllt, vom Herrn gegeben wird ohne Gegenleistung des Menschen, sagt
ebenfalls der Prophet: „Wohlan alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser, und die ihr nicht
Geld habt, kommt her, kaufet und esset; kommt her und kauft ohne Kaufpreis
Wein und Milch“ (Jes. 55, 1). Wenn der Mensch sich aber dem geistigen Leben entziehen und nur im
Natürlichen bleiben will, so geschieht nach Psalm 105, 16: „Und er ließ eine Teuerung ins Land kommen und entzog allen
Brotvorrat“. Unter Brot wird alle himmlische Nahrung oder alle für das
geistige Leben dienende Nahrung verstanden. Auch in der Bitte »Unser
tägliches Brot gib uns heute« ist über das natürliche Brot hinaus das geistige
Brot, d.h. das Verlangen nach dem Leben des Geistes aus dem Herrn verstanden;
so nehmen es auch die ihm beigegebenen Engel auf, wenn der Mensch betet. Sinnbild und Entsprechung für das geistige Leben, das der Herr gibt
sind auch die in der Stiftshütte und im Tempel ausgelegten Schaubrote. Der
Raum, das Heilige im Tempel, wo die Schaubrote sich befinden, steht für das
Innere des Menschen, das die göttlichen Gaben empfangen und in sich aufnehmen
kann. Der Tisch, auf dem die Brote liegen, stellt die ewige Liebe des Herrn
zu den Menschen, seine Barmherzigkeit gegenüber dem ganzen Menschengeschlecht
dar. So gehören die Brote, der Tisch und der Raum einheitlich zusammen als
Entsprechung der Liebe und Barmherzigkeit Gottes, der das Lebensbrot gibt,
und des Menschen Verlangen nach dem Einfließen des Guten und Wahren in sein
Inneres. Dieses Einfließen wird durch Essen und Trinken bezeichnet: Essen
bedeutet also die Verbindung des Menschen mit dem Guten, Trinken mit dem
Wahren. Er eignet sich das Gute und Wahre an, macht es gewissermaßen zu
seinem Eigenen, zu seiner Lebensgrundlage. Die Ziele und Zwecke, die der
Mensch verfolgt, sind die Grundlage seines Lebens, und sie machen sein Innerstes
aus; von hier gehen die Anstöße aus für sein mentales und sein äußeres Leben. Die gemeinsame organische Basis. Das Innere des Menschen ist das Gegenüber der göttlichen Liebe und
Weisheit. Der Einfluß von oben (bzw. innen) regt die Hirnzellen an, auf sie
wirkt alles Geistige und Himmlische; es setzt sich an dieser organischen
Stelle um in das Denken, Erkennen und die Neigungen, sowie in die Bewegungen
des Körpers, auch Sehen, Hören usw. Der zentralen Stelle des Gehirns sind zu
diesem Zweck alle anderen Organe des Körpers dienstbar, einschließlich Herz
und Lunge und die Sinnesorgane. Die Hirnzellen sind also die zentrale
organische Basis für alle Lebenstätigkeiten des Menschen, die natürlichen wie
die geistigen. Auf ihr Äußeres wirken die äußeren, die Sinneseindrücke, auf
ihr Inneres die von oben bzw. innen kommenden Einflüsse, die wir das geistige
Einfließen nennen. Die Hirnzellen, das gemeinsame und vermittelnde Organ für
das körperliche und geistige Leben des Menschen, sind auf diese Weise der
große Umschlagplatz für den Verkehr zwischen den beiden Welten, der
materiellen und der geistigen. Swedenborg schreibt dazu: Zur Aufnahme der geistigen Nahrung haben die
Hirnzellen in ihrem Inneren nicht etwa Falten oder Röhrchen oder Töpfchen, sondern
es sind Gebilde wie kreis- oder kugelförmige Dolden (ähnlich wie bei
Weintrauben); jede dieser Dolden besteht selbst wieder aus ähnlichen Dolden,
die sehr viel kleiner sind, und diese aus noch viel kleineren. Bei dieser
Dreistufigkeit bilden die erstgenannten Dolden die unterste Stufe, die
zweiten (in den ersten enthaltenen) Dolden die zweite oder mittlere Stufe,
die dritten (in den zweiten enthaltenen) Dolden die dritte oder höchste
Stufe. So sind sie gradweise verschieden, d.h. eine Stufe ist innerhalb der
anderen. Die Stufen gehen nicht kontinuierlich ineinander über, sondern die
innerste Stufe ist anzusehen etwa wie die Kraft, die auf die mittlere wirkt,
und diese mittlere ihrerseits wie die Kraft, die auf die unterste wirkt.
(Vgl. LW 78 und 30). Zum Verständnis der Wirkungsweise behalten wir den Vergleich mit der
Weintraube im Auge. Die Weintraube bekommt ihre Fülle und ihren Wert durch
die Einstrahlung der Sonne. So wird auch die innerste Dolde der Hirnzelle
angeregt durch die Einstrahlung aus der geistigen Welt, oder sagen wir
besser: der geistigen Sonne, aus der die Liebe und Weisheit Gottes strahlt.
Bei der Aufnahme der geistigen Nahrung handelt es sich ja nicht um die
Einverleibung irgendeines stofflichen Quantums, sondern um Anregungen, die
denjenigen der Sonnenstrahlen durchaus vergleichbar sind. Die Hirnzellen sind
in ihrem Innersten die Empfänger von Strahlungen in der Art der im Kosmos
vorkommenden Strahlungen. Die innersten Dolden „transformieren“ die
empfangenen Strahlen und geben sie an die mittleren Dolden in der diesen
angepaßten Form weiter, und diese den untersten Dolden, und von diesen zu den
Nervensträngen. Es ist bekannt, daß die Hirnströme elektromagnetischer Natur
sind. Die innere Struktur der Hirnzellen ist von Geburt an nur im Ansatz
vorhanden; im Laufe des Lebens bilden sie sich aus, und zwar beginnend mit
der untersten Stufe; von hier aus entwickeln sie die Linien und Richtungen
ihres strukturellen Wachstums und ihre volle Masse. Bei der Weintraube muß Substanz vorhanden sein, die von der
Sonnenstrahlung angeregt wird und dadurch reift: diese Substanz in ihrer
vielfältigen Zusammensetzung wird aus dem Humus aufgebaut. Bei den Hirnzellen
besteht die Substanz, die durch die Einstrahlung aus der geistigen Welt
angeregt und ausgereift werden soll, aus dem mittels der Sinneseindrücke sich
ergebenden Denken und Wollen. Bildlich gesprochen ist dieses Denken und
Wollen das Gefäß, das die geistige Nahrung aufnimmt. Die geistige Nahrung ist
assimilierbar je nach der Art, Qualität und den Formen des Denkens und
Wollens. Sind sie homogener Art, dann eignen sie sich für die Einstrahlungen,
dann wirkt der Einfluß oder besser der Impuls des Geistigen bis ins
natürliche Leben weiter; sind sie aber heterogener Art, so wird der Impuls abgewürgt
oder geschwächt oder verfälscht und verkehrt. Die homogene Art ist die Bereitschaft des Menschen, sein Denken nach
oben zu richten, die heterogene Art liegt darin, daß das Denken nach unten
gerichtet und den natürlichen Dingen verhaftet bleibt. Das wiederum ist Sache
des Willens des Menschen; dem Wollen folgt das Verstehen und Denken. Die Liebe und Weisheit Gottes strahlt von Ihm aus durch die
verschiedenen Grade hindurch; das ist der Einfluß oder Impuls aus der
geistigen und himmlischen Welt, das ist das Brot, das der Herr gibt, das ist
die wunderbare Kost auf Seiner Festtafel. Die Hirnzelle als die organische Basis für das natürliche und das
geistige Leben des Menschen ist veränderlich, sowohl von der natürlichen als
auch von der geistigen Seite her. Beide Seiten wirken zusammen bei seiner
Entwicklung. Während der ersten fünf Jahre der Kindheit dienen die
verhältnismäßig wenigen Sinneseindrücke, die das Kind aufnimmt, um eine
Grundlage für sein inneres Leben zu schaffen (vgl. HG 10225). In der zweiten
Periode, die etwa bis zum 20. Lebensjahr dauert, nimmt es ziemlich wahllos
viele Kenntnisse in sein Gedächtnis auf und beginnt, seinen Verstand zu
bilden und zu festigen. Erst in der dritten Periode, die etwa im 60. Lebensjahr
endet, lernt er zuerst zu unterscheiden und dann feste Meinungen sich anzueignen,
also seine Vernunft auszubilden und anzuwenden. Das vollzieht sich gewissermaßen
als Auseinandersetzung zwischen dem äußeren und dem inneren Menschen,
zwischen den Eindrücken von außen und den von oben kommenden Einflüssen (oder
Impulsen) in sein Inneres. Statt äußerer und innerer Mensch können wir auch
sagen: sein unteres und sein oberes Mentales. Alle mentalen Entwicklungen sind bedingt von den Veränderungen in den
Hirnzellen als der organischen Basis für das natürliche und das geistige
Leben des Menschen. Immer wirken beide Seiten auf sie ein. Der Mensch baut
laufend auf dem vorher Erreichten in fortwährender Entwicklung auf. Das zeigt
die unbeschreibliche Verantwortung jedes Menschen für den Verlauf und das
Ergebnis seines Lebens, d.h. dafür, wie weit er den geistigen Einflüssen den
Zugang zu sich geöffnet hat. Immer bleiben die Stufen seines Inneren voneinander getrennt, fließen
also nicht ineinander zusammen. Die oberste Stufe oder das oberste Mentale
mit seiner Weisheit und innersten Vernunft (rationale) ist der Bereich des
obersten oder dritten Himmels, in welchem die himmlischen Engel sind (vgl. HG
1515). Das mittlere Mentale mit seiner äußeren Vernunft macht den zweiten
Bereich oder den zweiten (mittleren) Himmel aus, in welchem die sind, die
geistige Engel genannt werden. Das natürliche Mentale ist in seinem nach oben
gerichteten Teil der Bereich des untersten oder ersten Himmels, in dem die
guten Geister sind; der nach unten gerichtete Teil des natürlichen Mentalen
ist der letzte Bereich, die natürliche Welt der Sinne, in der der Mensch
während seiner irdischen Lebenszeit sich mit seinem Körper aufhält. Daher kommt es, daß der irdische Mensch, was sein Inneres betrifft,
falls er im Guten lebt, ein Himmel in kleinster Form ist, weil die Strukturen
seines Inneren den Himmeln entsprechen. Sie sind in ihm die Ebenen, auf die
der Einfluß des Herrn auftreffen und wirken kann, so wie die Strahlen der
natürlichen Sonne mit ihrem Licht und ihrer Wärme den Erdboden beleben. Die göttlichen Dinge sind unendlich, aber für den Menschen nur faßbar,
wenn er eine Vorstellung von den endlichen Dingen hat, die den unendlichen
entsprechen. Völlig lösen kann er sich von den endlichen Dingen nie, auch
nicht in seinem Mentalen. Er bleibt, solange er in der Welt lebt, dem
Natürlichen, Endlichen verhaftet. Aber die Verbindung zwischen dem Endlichen
und dem Unendlichen, zwischen Mensch und Gott, wird von der geistigen Welt
und den Himmeln hergestellt. Zu diesem Zweck ist die Struktur seines Inneren
ihnen gemäß. Die guten Geister und die Engel, die diese Himmel beleben und
dem inneren Menschen beigegeben sind, greifen die von außen in den
menschlichen Verstand eingegangenen endlichen Dinge, die alle mit Raum und
Zeit zu tun haben, auf; sie sehen das alles geistig, völlig losgelöst von
Raum und Zeit, also der Entsprechung gemäß, und tragen sie gewissermaßen
hinauf in die höheren Gefilde. Das ist vergleichbar dem Menschen, der den
Geist eines Kunstwerks und nicht sein Material beachtet. Auf diese Weise
öffnen sich diese Gebiete im Menschen, sie bleiben aber oberhalb seines
vollen Bewußtseins, solange er im irdischen Körper lebt. Erst nach dem Ablegen
des Körpers wird sein Bewußtsein dorthin erweitert, und er tritt in bewußte
Verbindung mit den Engeln, die ihm bis dahin durch sein entsprechendes Leben
— Wollen, Denken und Tun — schon verbunden waren; er lebt in ihrer seligen
Gemeinschaft und hört und sieht und empfindet mit überaus geschärften (weil
geistigen) Sinnen seine himmlische Umgebung, in deren Sphäre er sich zu
Lebzeiten durch das Aufnehmen der geistigen Strahlungen begeben hat, denn
seine inneren Stufungen entsprechen, wie schon gesagt wurde, den himmlischen
Sphären. Hat der Mensch Kenntnisse aus dem Worte Gottes, dann gesellt er sich
schon hier den Engeln zu, die in diesen Wahrheiten sind; wendet er sie auf das
Leben an, so steht er in inniger Verbindung mit seinen Engeln. Erfaßt er die
heiligen Dinge des Wortes in ihrem inneren Sinn mit seiner ganzen Liebe, so
kann das, was an sich göttlich ist, göttlich werden beim Menschen, der tätig
danach lebt, also auch sein natürliches Leben in Entsprechung setzt. Bei ihm
göttlich werden heißt (vgl. LW 132): Der Herr kann bei ihm Wohnung machen,
wie er bei Johannes verspricht: „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort
halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und
Wohnung bei ihm machen“ (Joh. 14, 23). Allein der Mensch verbindet die natürliche und die
geistige Welt, und umgekehrt. Die Naht zwischen dem Natürlichen und dem Geistigen ist die Hirnmasse;
die schier unendliche Zahl der grauen Zellen verbinden das Natürliche und das
Geistige im Menschen. Außerhalb des Menschen gibt es keine Verbindungsstelle,
Durchgangsstelle, gibt es keinen Umschlagplatz zwischen diesen beiden Welten.
Nirgends und auf keine andere Weise verbindet sich Geistiges mit Natürlichem.
Natürliches wird nie und nirgends geistig, und Geistiges wird nie und nirgend
natürlich. Und deshalb ist die allen den Menschen in den Hirnzellen gegebene
organische Basis der Verbindung alles Natürlichen mit allem
Geistig-Himmlischen die einzige Ebene, auf der der Mensch mit dem Herrn
kooperieren kann, denn bis zu ihr hinauf kann der Mensch seine Mitwirkung
ausdehnen. Alles Höhere, das von oben bzw. innen in diesen organischen Zellbereich
einfließt bzw. ihn anregt, ist das ausschließliche Reich des Herrn, in dem
die Engel Ihm dienen. Alles, was der Mensch auf der Erde will, denkt und tut, Gutes und
Böses, schlägt sich auf dieser Verbindungsebene nieder, bildet ihren unteren
Teil aus, formt und festigt sie, sodaß die so gewonnene Form und Festigkeit
es ausmacht, wie der Herr durch die Ihm dienenden Engel, die Er dem Menschen
beigegeben hat, sein Leben beeinflussen kann, weil die Engel durch die
Betrachtung der so erscheinenden Entsprechungsbilder, die sie erfreuen oder
betrüben, angeregt werden. Die andere, obere Seite bildet sich aus und formt
sich durch das Einfließen aus der geistigen Welt, damit der Mensch seinen
Verstand und seine Vernunft ausbilden und betätigen kann, und dann — wenn er
danach trachtet — wird sein innerer, d.h. geistiger und himmlischer Bereich
geöffnet (vgl. EO 569). Im Herrn ist zweierlei: Liebe und Weisheit, und diese beiden strahlen
von Ihm aus (LW 70). Der Mensch ist als Sein Bildnis und Gleichnis
erschaffen: Bildnis durch Liebe, Gleichnis durch Weisheit. Deshalb sind bei ihm
zwei Dinge geschaffen worden, eines zum Empfang der Liebe, nämlich sein
Wille, das andere zum Empfang der Weisheit, nämlich sein Verstand. Wille und
Verstand stehen gewissermaßen einander gegenüber und wirken aufeinander ein. Gott der Herr ist der Gebende, der Mensch ist der Nehmende. Der Gebende
ist das aktive, der Mensch das passive oder reaktive Element. Die aktive oder
göttliche Sphäre wirkt eine Reaktion in der nehmenden, d.h. in der
geschaffenen endlichen Form. Die Seele des Menschen ist der nehmende Teil; sie nimmt direkt von
Gott. Er ist ihre einzige Nahrung, und dadurch spiegelt sie Ihn in sich
wider. Das Empfangen dieser Liebe und Weisheit ist die himmlische Ernährung.
Das Verlangen danach, sein Hunger danach ist des Menschen Liebe zum Herrn und
zum Nächsten. Aus der Wechselwirkung zwischen der gebenden göttlichen Liebe
und Weisheit und dem nehmenden Willen und Verstand erhält der Mensch sein
Leben, ein abgeleitetes, aber nicht originäres Leben. Leben im eigentlichen
Sinn ist nur bei Gott. Dieses abgeleitete Leben ist das geistige (mentale)
Leben des Menschen. Die Form und Gestalt der Empfangsorgane dieses Lebens im Menschen,
nämlich sein Wille und sein Verstand, können nicht aufgedeckt werden, denn
sie sind geistig und deshalb weit über den Dingen der Welt. Ihre Formen sind
in den dreifachen Stufen der Hirnzellen vorgebildet, eine innerhalb der
anderen, in unzähliger Menge, jede anders als die andere, jedoch in
harmonischer Verbindung zueinander, so daß jede die ihr entsprechende Liebe
und Weisheit empfängt. Die oberste Stufe nimmt direkt vom Herrn auf und wirkt
in die nächste Stufe hinein. Dadurch besteht von der jeweils oberen zur
nächstunteren Stufe dasselbe Verhältnis von Gebendem zu Empfangendem —
Nahrung Gebendem und Nahrung Empfangendem — wie von Gott zur Seele des
Menschen. Deshalb sprechen wir von Nahrung nicht nur im materiellen Sinn,
also von Nahrung für den Körper, sondern vorwiegend im geistigen Sinn, also
von der Nahrung, die Gott der Seele gibt, die sie in alle Stufen des Daseins
gemäß der Ordnung weiterreicht. Alle diese Stufen wirken bei der Entwicklung im Mutterleib mit, um in
zusammenhängenden Reihen alle Teile des Körpers zu bilden. Das geschieht
gemäß den Gesetzen der Entsprechung, und deshalb steht jeder Teil des
Körpers, innen und außen, in Entsprechung. Die ersten Formen selbst sind für
das Auge nicht erkennbar, sondern erst die aus ihnen gebildeten Teile, die
sich im Kopf befinden, und von da aus setzt sich ihre Entwicklung im ganzen
Körper fort als Nervenstränge und Blutgefäße. In den beiden Gehirnen und im
Rückenmark befinden sich Zellen und Drüsen, die die Ausgangspunkte für alle
Nerven im Gehirn und im ganzen Körper und im weiteren Verlauf aller Teile des
Körpers von Kopf bis Fuß sind. Die organischen Strukturen des Körpers sind von sich aus nicht fähig zu
leben, zu fühlen, sich zu bewegen, sondern all das geschieht aus den Quellen,
aus denen sie entstanden sind. Zum Beispiel sieht das Auge nicht von sich
aus, sondern aus dem Verstand mit Hilfe der zum Auge gehörenden Organteile.
Das Verstehen bewegt die Augen und richtet sie auf die verschiedenen
Gegenstände. Genau so verhält es sich mit dem Hören mit Hilfe des Ohrs, mit
dem Denken und Sprechen mit Hilfe der Zunge, und mit allen Muskeln, die vom
Willen zusammen mit dem Verstehen bewegt werden. Daraus wird klar, daß Wille und Verstehen die ersten Formen sind,
verkörpert in den Hirnzellen, und daß die sensorischen und die motorischen
Organe von ihnen abgeleitet und abhängig sind. Das ist das geistige Einfließen
oder Beeinflussen (LW 73). Das Beeinflussen ist möglich, wenn die Organe in Entsprechung zu den
ersten Formen stehen. Diese Entsprechungsbeziehungen bestehen zwischen dem,
was geistig ist und dem, was natürlich ist. Immer wenn etwas vom Geistigen Kommendes
für die Sinne sichtbar und erkennbar wird, ist zwischen beiden eine
Entsprechung. Alles Geistige im Menschen gehört zu Liebe und Weisheit, also
bei ihm zu Wollen und Verstehen, während alles Natürliche seinem Körper zugehört.
Das Natürliche ist aus dem Geistigen entstanden und besteht nur aus ihm
weiter; beide wirken wie eins zusammen, z.B. Gedanke und Sprechen, Wollen und
Bewegung. Die Kenntnis der Entsprechungen war besonders in den Ländern des
Orients verbreitet, ist aber auch dort verloren gegangen; deshalb weiß man
auch nichts mehr von der Existenz der geistigen Welt. Nur noch gröbste
Mißbildungen und Verfälschungen sind als Mythen vorhanden. Die Ernährung des Menschen geschieht in dieser Ordnung (vgl. HG 1480
und 5293): Himmlische Nahrung ist die von Gott ausgehende Liebe; geistige
Nahrung ist die damit verbundene Wahrheit. Im Menschen werden sie zu dem sein
Innerstes kräftigenden Guten seines Wollens und dem Wahren seines Verstehens.
Das ist auch die Nahrung der Engel im obersten Himmel, wie auch der Engel des
mittleren und des untersten Himmels, aber gemäß ihrem inneren Zustand im
jeweils geringeren Grad. In der Welt der Geister und der damit
korrespondierenden Sphäre im Menschen ist es die Nahrung für seine Vernunft,
und an letzter Stelle steht die Nahrung, die dem Körper dient. Die materielle
Nahrung geht nicht in den inneren Menschen über, sondern bleibt Sache des Körpers;
dieser ist nur Hülle und Stütze (bildlich gesprochen) für den inneren
Menschen, der andere Nahrung braucht. Alle diese Nahrungen entsprechen einander. Deshalb darf das Wort Brot
verwendet werden, auch wenn es sich um geistige und himmlische Nahrung
handelt, die mit dem stofflichen Brot der natürlichen Welt nichts zu tun hat. Das erste Einfließen geschieht in die Seele (HG 3570). Die Seele
empfindet Freude und Genuß an den in sie fließenden, d.h. von Gott kommenden
und sie anregenden Dingen Seiner Liebe und Weisheit. Diese Freude regt die
Organe der tieferen Ebenen an zum Appetit nach der Nahrung aus der Seele in
der ihnen jeweils angemessenen Form und bewirkt den Kreislauf des geistigen
Lebens. Weil sie Ursprung und Ausgangspunkt sind, geben die Liebe und die
Weisheit aller himmlischen Nahrung das Gepräge, sowie auch aller aus ihr
geformten Nahrung. In seiner Vernunft und aus Neigung zu ihnen hat der Mensch
das Verlangen nach dem Erkennen der Wahrheiten, in seinem Verstand das
Verlangen nach dem Finden und Verstehen der Kenntnisse und alles Wissens. Dem Menschen, dessen Ziele und Zwecke von den Dingen des Himmels geprägt
sind, dient die materielle Nahrung für die Gesundheit seines Körpers und, mittelbar,
seines Geistes (Verstand und Neigungen). Aber das Erkennen und Wollen sind in
ihm das Gefäß für das Einfließen des Himmlischen (Glaube und Liebe), damit
diese ihrerseits das reine Aufnahmegefäß für den Einfluß aus Gott sind und
von Ihm mit allen reichen Gaben Seiner Liebe und Weisheit erfüllt und
ausgefüllt werden (HG 4459). Daraus ergibt sich auch, daß der menschliche Geist und die Engel sich
nicht mit natürlichem, materiellen Essen und Trinken ernähren, sondern mit
geistiger Nahrung aus dem Guten und Wahren. Im Wort verstehen sie Brot
deshalb als die geistige Nahrung, nämlich das Gute der Liebe, und Wasser und
Wein als das Wahre des Glaubens. So z. B.: „All ihr Volk seufzt, sie suchen
Brot, sie gaben ihre Kleinode für Speise, daß sie erquicken ihre Seele“
(Klagel. Jer. 1, 11). „Warum wäget ihr Silber dar für Nicht-Brot und eure
Arbeit für etwas, das nicht sättigt“ (Jes. 55, 2) Gutes und Wahres bedingen sich gegenseitig. Feste Nahrung (Brot) wird
verdaulich und nährend nur in Verdünnung und Verschleimung durch flüssige Nahrung
(Wasser). So verlangen die Neigungen, die der Liebe oder dem Guten angehören,
Wissen und Kenntnisse, die dem Wahren angehören; Wollen verlangt nach
Erkennen; himmlische Liebe will sich mit den Dingen des Glaubens verbinden. Des Menschen Seele ist vergleichsweise vollkommen, deshalb kann sie das
vom Herrn ausgehende Gute direkt aufnehmen. Die nachstehenden inneren Ebenen
können das nicht so, weil sie weniger vollkommen sind, würden sie den
direkten Einfluß verfälschen oder pervertieren (HG 5147). Die Engel und die Geister haben einen Hunger nach der ihnen gemäßen
Kost, ebenso wie die Menschen nach der Nahrung für ihren Körper und ihre
Sinne. Weil im Wort unter Brot die geistige Nahrung verstanden wird, so
bedeutet dort Hungersnot einen völligen Mangel an geistiger Nahrung, also ein
Fehlen von Gutem und Wahrem, wenn kein Verlangen und auch kein Verständnis
dafür besteht. Hungersnot hängt also von den angesprochenen Menschen ab, bzw.
wird von ihnen verschuldet, weil sie kein Verlangen und Verständnis für das
Himmlische und das Geistige, das Gute und Wahre mehr haben. „Er demütigte dich und ließ dich hungern, und ließ dich Manna essen...
um dich wissen zu lassen, daß der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern
von allem, was aus dem Munde Jehovahs hervorgeht“ (Deut. 8, 3) Was aus dem Munde Gottes hervorgeht, ist das Göttlich-Wahre, also
alles, was den Menschen mit geistigen Erkenntnissen erfüllt, insbesondere
Sein Wort, weil es alle Dinge der Weisheit enthält. „Wirket nicht Speise, die verdirbt, sondern Speise, die da bleibt ins
ewige Leben, die des Menschen Sohn euch geben wird“ (Joh. 6, 27). Speise, die ins ewige Leben bleibt, dient zum Aufbau und zur Erhaltung
des himmlischen Lebens in den Engeln und in den innersten Bereichen oder
Seelen der Menschen. Weil der Mensch für den Himmel geschaffen ist und aus
dem Einfließen Gottes lebt, deshalb hat er Hunger und Durst nach allen Dingen
und Ausstrahlungen der Göttlichen Liebe und Weisheit. Das ist der innerste
Impuls seines Lebendigseins. Der Impuls setzt sich fort in die davon
abhängigen Bereiche seines inneren und bis zu seinem äußeren Organismus und
ist im eigentlichen Sinne die einzige Lebenskraft in ihm; auch sein Körper
hat sie nicht anderswoher. Wenn die Ausstrahlungen der göttlichen Liebe (das
Gute) und der göttlichen Weisheit (das Wahre) fehlen, dann leidet der Mensch
darunter wie unter Hunger und Durst. Allerdings sind diese Vorgänge, soweit
sie in seiner Seele stattfinden, oberhalb seines Bewußtseins; erst in den
tieferen Bereichen werden sie ihm bewußt (HG 8352). „Wenn ihr nicht esset das Fleisch des Menschensohnes und trinket Sein
Blut, so habt ihr kein Leben in euch“ (Joh. 6, 53). Geschaffen sein heißt: in der göttlichen Wirkungssphäre sein und leben.
Deshalb können Engel und Menschen auch nur die Wirkungen der göttlichen Liebe
und Weisheit erfassen und sich damit verbinden, niemals diese selbst, sondern
nur das von ihnen Ausgehende. Sie können nicht werden oder sich entwickeln
über das hinaus zu dem sie geschaffen sind mit den darin liegenden
Möglichkeiten. Sie können nicht selbst zu Schöpfern ihres Lebens werden. Sie
empfangen es von Gott und sollen es so „verwalten“, wie Gott es in seinem
Schöpfungswillen vorgesehen hat. Was ist nun das von Gott, von Seiner Liebe und Weisheit Ausgehende? Wir
nennen es das göttlich Gute und das göttlich Wahre, denn Liebe hat mit Gutem
und Weisheit mit Wahrem zu tun (LW 113). Das Gute ist aus der Liebe geworden,
ist Geschaffenes, ist ihre Wirkung; das Wahre ist von der Weisheit Geschaffenes,
ist ihre Wirkung. Das Gute und das Wahre sind also die Dinge im Wirkungsfeld
oder in den Sphären des Göttlichen, wo Engel und Menschen sind. Ihnen ist
aber nicht bewußt, daß diese Dinge von Gott ausgegangen sind. Die Menschen sind Lebewesen, die in dieses Wirkungsfeld
hineingeschaffen sind, damit sie dieses Gute und dieses Wahre in sich
aufnehmen und so ihr Leben und die damit verbundene Freude haben, als wäre es
aus ihnen selbst. Das ist das Wunder ihres Lebens, es birgt in sich aber auch
die tödliche Gefahr, daß sie das Leben sich selbst zuschreiben und vermeintlich
aus sich selbst leben wollen, d.h. aus den Kräften, die den tieferen
Lebensebenen angehören. Sein inneres und innerstes Leben gehört nicht dem Menschen, sondern ist
des Herrn (LW 256). Die Menschen, die der Ordnung gemäß leben, bilden in ihrem irdischen
Leben die bei ihrer Geburt nur im Ansatz vorhandenen Fähigkeiten zum
engelischen Dasein aus und festigen diese, so daß sie nach dem Tode ihres
Körpers Engel werden in der Himmelssphäre, die ihrer Reife zukommt. Das Gute regt das Wollen, das Wahre das Verstehen des Menschen an. In
Verbindung miteinander werden im Menschen Wollen und Verstehen, die beiden Aufnahmeorgane
in ihm, belebt, und diese Belebung regt ihn zu der entsprechenden nützlichen
Tätigkeit vermittels seines natürlichen Körpers und all seiner Organe an.
Gutes wollen und Wahres verstehen sind geistige Vorgänge; aus beiden handeln
sind natürliche Vorgänge. Das ist die Verbindung des Geistigen mit dem Natürlichen. Damit Wollen
und Verstehen zum Handeln führen kann, ist der menschliche Körper so
erschaffen worden wie er ist. Das ist die Aufgabe all seiner Teile,
angefangen von den Hirnzellen mit all ihren zum Teil unsichtbaren
Bestandteilen, bis zu den äußersten, der Betätigung dienenden grobmateriellen
Gliedern. Die von Menschen vollbrachten Werke, gleich welcher Art, bestehen aus
Natürlichem, sie tragen aber Geistiges in sich. Es wäre nun völlig falsch,
dieses Geistige mit dem Natürlichen zu vereinheitlichen, so als wäre es ein
feineres Natürliches. Das Geistige ist im Natürlichen als Ursache, das
Natürliche ist die Wirkung des Geistigen, so etwa wie im Kunstwerk der Geist
des Künstlers ist. Stofflich haben sie absolut nichts miteinander zu tun. Ähnlich ist das Verhältnis von Gott zu allem Geschöpflichen und
Geschaffenen zu verstehen. Gott ist darin wie die Ursache in der Wirkung, wie
der Künstler im Werk, aber niemals in einer gewissermaßen stofflichen Einheit
oder auch nur annähernden Einheit oder Ähnlichkeit. Das zeigt überzeugend,
daß eine Vereinigung des Menschen, des Geschöpf, mit Gott, seinem Schöpfer,
nicht möglich ist im Sinn einer Wesensverschmelzung oder stofflichen
Vermischung. Aber der Mensch kann bis zu den Grenzen seiner geschöpflichen
Dimension, bis zu seiner letzten Fassungskraft das von Gott ausgehende Gute
und Wahre in sich aufnehmen und daraus die Fülle seines Lebens haben, und
dann, wenn er von der Last seines natürlichen Körpers befreit ist, auch die
mit dem engelischen Leben verbundene Glückseligkeit in einem für uns jetzt
unbegreiflichen Maß empfinden. Das lebendige Brot beim großen Mahl des Lebens. Alle Gebräuche und gottesdienstlichen Vorschriften der jüdischen Kirche
beruhen auf Entsprechungen und bilden mit äußeren Mitteln alle Geheimnisse
des inneren Reiches vor, die in der christlichen Kirche offenbar wurden (HG
3478), Das Passahmahl wurde bei den Juden eingerichtet als Vorbild für das
einmütige Beisammensein derjenigen, die das innere Verlangen haben, in allen
Dingen, die den Himmel ausmachen, belehrt zu werden, um sie in sich
aufzunehmen (HG 7996). Auch der jüdische Opferkult bildete absolut nichts
anderes vor als das Himmlische und das Geistige, d.h. alles, was zur Liebe zu
Gott und zum Nächsten gehört (HG 2165). Jede einzelne Art des Opfers bildete
darin etwas Besonderes vor. Alle zusammengenommen wurden das Brot genannt.
Die Opfer wurden abgeschafft, aber an ihrer Stelle folgten andere Gebräuche,
für die die Verwendung von Brot und Wein vorgeschrieben wurde. Das Brot trat
an die Stelle der Opfer, die das Himmlische, der Wein an die Stelle der
Opfer, die das Geistige vorbildeten. Es ist der Herr, der die Himmel mit
seiner Ausstrahlung erfüllt, und deshalb ist im innersten Sinn Er selbst das,
was die Himmel ausmacht. Deshalb wird im eigentlichen Sinne unter Brot nur
der Herr selbst verstanden. „Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben das Manna in der Wüste
gegessen und sind gestorben. Das ist das Brot, das aus den Himmeln kommt, daß
einer davon esse und nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, das vorn
Himmel herabgekommen. Wenn einer von diesem Brote isset, so wird er in
Ewigkeit leben. Das Brot aber, das ich ihm geben werde, ist mein Fleisch, das
ich für das Leben der Welt hingeben werde“ (Joh. 6, 48—51). Im natürlichen Sinn würden wir nur verstehen, daß das Fleisch und Blut
Christi zu essen und zu trinken gegeben wird, und an ihrer Stelle nun Brot
und Wein, und daß die Heiligkeit nur darin besteht, daß der Herr es so
geboten hat (WCR 709). Das ist aber nicht richtig. Die Heiligkeit ruht auch
nicht im natürlichen Stoff der Symbole. Die Vorstellung von des Herrn körperlichem
Fleisch und Blut und vom natürlichen stofflichen heilbringenden Brot und Wein
erstickt jede geistige Idee dieses Sakraments. Alles, was im Worte Gottes und in den Gebräuchen der Kirche mit
Nahrunggeben und Nahrungsaufnahme zu tun hat, entspricht in allen
Einzelheiten dem Göttlichen, Himmlischen und Geistigen, einerseits wie es von
Gott aus geht, andererseits wie es von seinen Geschöpfen, Engeln und
Menschen, aufgenommen werden soll, um sie am himmlischen und geistigen Leben
zu erhalten. In dieser Entsprechung liegt die Heiligkeit des Wortes Gottes, d.h.
aller seiner Aussagen und Vorschriften, auch wenn sie im natürlichen Wortsinn
ausgedrückt sind, also durch Gegenstände und Ideen, die dem natürlichen Leben
und Denken entnommen sind. Der natürliche Wortsinn wird im Himmel in den
geistigen und himmlischen Sinn gewandelt, und ebenso in dem mit dem Himmel
innerlich verbundenen Menschen (WCR 698). So verhält es sich mit allen
Entsprechungen: Im Inneren des Menschen werden sie zu dem, was sie bedeuten. Ohne die Kenntnis der Entsprechungen, die zwischen dem Natürlichen und
dem Geistigen bestehen, kann niemand die Bedeutung und die nützlichen
Wirkungen des Heiligen Abendmahls kennen. Diese Entsprechungsverbindung liegt
im Geist, im Inneren des Menschen, und macht dieses Mahl zu einem geistigen
Vorgang zum Nutzen des inneren Menschen. Es wäre falsch zu meinen, dieses
Liebesmahl habe natürlicherweise eine direkte magische Wirkung. Kraft dieser
Entsprechung ist es aber auch nicht einfach ein äußerer Ritus, sondern
verbindet das Fühlen und Denken des Menschen in innerer Zustimmung mit der
himmlischen Liebe und Wahrheit seines Innern, die ihm vom Herrn aus Seinem
Göttlichen gegeben und geschenkt werden, und deren Symbole das Brot und der
Wein sind. Die Engel, mit denen der Mensch innerlich verbunden ist, sind in
der Idee des Guten und Wahren der göttlichen Liebe, wenn der Mensch im
Abendmahl Brot und Wein nimmt. So wie Brot für das Gute und Wasser für das Wahre der geistigen, im
Menschen realisierbaren Bereiche steht, so das Fleisch des Herrn für Seine
göttliche Liebe und das Blut des Herrn für Seine göttliche Weisheit. „Mein
Fleisch ist wahrhaftig Speise, und mein Blut ist wahrhaftig Trank“ (Joh. 6,
55). Der Herr hat sein ganzes Menschliche göttlich gemacht. Nichts
Materielles, sondern dieses göttlich Gemachte ist sein Fleisch und Blut. Für den Menschen bedeutet das Fleisch des Herrn das „Gute“, also die
Wirkung der göttlichen Liebe, und sein Blut das „Wahre“, also die Wirkung
seiner göttlichen Weisheit. Deshalb ist das Essen und Trinken geistig,
nämlich das Einfließen und das Aufnehmen seitens der Engel und Menschen in
ihre innersten Bereiche, die dafür geschaffen sind; die Engel und Menschen
haben den geistigen Nutzen in dem Maß, wie sie aufnehmen. Die Göttlichkeit
des Herrn kann mit keinem Engel oder Menschen verbunden, d.h. vereinigt oder
verschmolzen werden, denn die Göttlichkeit enthält Unendlichkeit, Ewigkeit,
Allwissenheit, Allmacht. Engel und Menschen dagegen sind Geschöpfe, denen all
das nicht zukommen kann. Auf dem Weg von Gott zum Menschen, vom Schöpfer zum
Geschöpf, geschieht der Übergang von der Unendlichkeit zur Endlichkeit, von
der Ewigkeit zur Zeitlichkeit, von der Allwissenheit und Allmacht zur
Beschränkung in die geschöpflichen Grenzen des Erkennens und des Wirkens. Auf
keinerlei Weise kann der Unterschied rückgängig gemacht oder der Abstand
überbrückt werden. Aber das Geschöpf kann vom Schöpfer und seiner
Göttlichkeit angeregt werden, so wie die Kraft einen Gegenstand bewegt. Kraft
und Gegenstand sind nicht identisch; sie sind es ebenso wenig wie Ursache und
Wirkung. (WCR 716—718) So nimmt der Mensch im Heiligen Abendmahl nicht die göttliche Liebe
selbst und die göttliche Weisheit selbst, die beide etwas Göttliches sind, in
sich auf, sondern das, was diese beiden im Menschen wirken können, vergleichbar
der Bewegung, die von der Kraft bewirkt wird. So wird durch die Beeinflussung
das Innerste des Menschen, seine Seele, angeregt und belebt, und sie gibt
diese Bewegung in die von ihr abhängigen Bereiche weiter, „Denn der Mensch
ist nicht ein Leben in sich selbst, sondern ein Aufnahmegefäß des Lebens; das
Leben selbst, wie es allein in Gott ist, wird dem Menschen angeschlossen oder
beigegeben, aber nicht mit ihm in eins verbunden“ (WCR 718). Das Essen und Trinken im Heiligen Abendmahl sind deshalb geistiger
Natur, deren Bedeutung im natürlichen Vorgang entsprechungsweise vorgebildet
wird. Es wird wertlos, wenn der Mensch nicht innerlich beteiligt ist; dann
ist nämlich die Entsprechungsbeziehung unterbrochen, das Aufnahmegefäß ist
verschlossen, das Objekt entzieht sich der bewegenden Kraft. Wahrer Gottesdienst und wirkliche Anbetung geschieht im inneren
Menschen, in seinem Willen und Verstehen; sie sind die Gefäße, die das von
Gott Ausgehende aufnehmen. Was aufgenommen wird, nennen wir das Gute der
göttlichen Liebe und das Wahre der göttlichen Weisheit. Sie bringen im
Menschen Weisheit, Intelligenz und Wissen bzw. die Fähigkeit hervor,
Erfahrungen auf den verschiedenen Gebieten seines oberen und seines unteren
Mentalen aufzunehmen, die Lust und Freude daran zu empfinden und daraus in
der Nächstenliebe allen Nutzen zu wirken. „Das tut zu meinem Gedächtnis“ könnte den äußerlich denkenden Menschen
dazu verleiten, zu glauben, das Heilige Abendmahl sei in der Art eines
Totenmahls zur Erinnerung an den Toten, einmal Dagewesenen, eingesetzt worden
und solle wiederholt werden, damit die Erinnerung an seine vergangene Person
nicht untergehen möge. Aber das Abendmahl ist kein Totenmahl, sondern ein
Mahl des Lebens, damit uns immer wieder in Erinnerung, ins Gedächtnis gerufen
und zu unserem inneren Lebensbewußtsein wird, daß wir Leben nicht aus uns,
sondern allein aus dem Einfließen Seines Lebens in unsere Organformen haben.
Sein Leben ist Seine Liebe in Seiner Weisheit und ist einheitlich durch alle
Stufen Seiner Menschenform bis herab zu Seinem physischen Körper, und deshalb
sind Brot und Wein die geeigneten Zeichen für das integrale Leben Seiner
Liebe, „mein Fleisch“ und Seiner Weisheit „mein Blut“. Gott gibt uns immer
und unaufhörlich Sein Leben, nicht nur in den Augenblicken, da wir ihn
während dieser kirchlichen Handlung in uns aufnehmen, Gott und Mensch sind
immer miteinander verbunden. Würde Sein Einfluß auch nur eine Sekunde ausbleiben,
so würde das Leben dieses Menschen für immer beendet sein. Der Einfluß von Gott durch die Seele kann sich nur mit dem ihm jeweils
Entsprechenden verbinden und auswirken. Darin liegt die Freiheit und die
Verantwortung des Menschen, daß er seinem bewußten Leben nur die Richtung und
Gestalt gibt, die in jeder Stufe die Formen dergestalt festigen, daß das
Einfließende das ihm Entsprechende vorfindet, dem es sich in dieser Form
zugesehen kann, um sie lebendig zu machen. Mit dieser Umformbarkeit seines
geistig-mentalen Inneren ist die Voraussetzung gegeben, daß der Mensch guten
Willens den Weg der Wiedergeburt einschlagen und während seines ganzen Lebens
weitergehen kann. Er hat das Tor zu seinem Tempel, der ein Abbild und
Sinnbild seines Inneren ist, durchschritten, durcheilt die Vorhöfe und tritt
in das Heilige ein, wo die Schaubrote für ihn bereit liegen zur Nahrung
seines himmlischen Seins aus dem Herrn. _______ *
_______ Die
Einheit von Wissenschaft und Theologie im Werk Swedenborgs. Aus Swedenborgs wissenschaftlichem Werk. Aus Swedenborgs Werk nach seiner Berufung. Zeitwende — in ein neues christliches Zeitalter. Scholastik, Philosophie, Aufklärung, Mystik. Einfluß des historischen und wissenschaftlichen Denkens. Ist das das Ende oder dürfen wir hoffen? Die Alternative zur Entmythologisierung. Ein folgenschwerer Übersetzungsfehler. Petrus, die Kirche und die Schlüssel des Himmelreichs. Wer ist ER, der Menschensohn? Der Messias der Juden. Bei den Schülern Johannes des Täufers und bei den
Pharisäern. Objektive oder innere Antwort. Anerkennung der Göttlichkeit des Herrn. Sinnbild für Anerkennung und Glaube. Vorbildung für jeden Menschen. Der innere und der äußere Mensch. Die innere und die äußere Kirche. Das Göttliche des Herrn macht die Kirche. Die Schlüssel des Himmelreichs. Die Verbindung des inneren und äußeren Menschen Binden und Lösen. Der gebundene Mensch, der getrennte
Mensch. Der Herr wirkt, der Mensch kooperiert. Die Macht des Herrn ist nicht beim Menschen. Die Aufgabe der institutionellen Kirche. Das Natürliche ist Abbild des Geistigen Kein Vikariat Jesu und keine Sukzession Petri. Keine institutionelle Verfügungsgewalt. Die verborgene Einheit im Wort Gottes. Eine Schriftstudie. Der Mensch und das Wort Gottes. Die Einheit des Wortes Gottes. Was ist unter Vorausbild zu verstehen? Die Gebote im Alten und Neuen Testament. Die Versuchungen, denen sich der Herr unterzog. Die Wiedergeburt des Menschen. Das Fest der ungesäuerten Brote und das Osterfest. Die Entwicklung vom natürlichen zum geistigen Menschen. Der Mensch: ein lebendiger Mikrokosmos. Das geistige Leben
im Menschen. Die Erde ist die Pflanzschule des Himmelreichs. Vom natürlichen zum geistigen Leben. Der Weg vom Natürlichen zum Geistigen. Worin besteht das geistige Dasein? Vom natürlichen zum geistigen Gottesverständnis. Das Geistige im Menschenleben. Grade des Lichts und der Wärme. Die Lebensordnung im Menschen. Der besondere oder partikulare Einfluß. Der Mensch: ein Empfänger des Lebens. Wie wirkt die geistige Welt in den Menschen? Wie wirken die Geister im Menschen? Woher kommt der Einfluß des Bösen der Hölle? Wie weit kann Böses die Lebensordnung stören? Des Menschen Abhängigkeit von Geistern. Besessenheit und Geisteskrankheiten. Der Mensch — ein Geist in der geistigen Welt. Das Natürliche und das Geistige entsprechen einander. Die gemeinsame organische Basis. Allein der Mensch verbindet die natürliche und die geistige
Welt, und umgekehrt. Das lebendige Brot beim großen Mahl des Lebens. _______ *
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