|
Johannes Greber Auf Veranlassung eines
Hochengels: Der Verkehr mit der Geisterwelt Gottes seine Gesetze und sein Zweck Selbsterlebnisse eines katholischen Geistlichen Bis zum
Tode kämpfe für die Wahrheit, so wird
Gott der Her für dich streiten. Sirach 4, 28 Einleitung
Diese Leute schmähen alles, was
sie nicht kennen. (Judas 1,10) Gibt
es für den Menschen ein Fortleben nach dem Tode? Gibt es ein Jenseits? Gibt
es eine Geisterwelt, in die auch der Menschengeist nach der Trennung von
seinem Körper aufgenommen wird? Und wie sollen wir uns das Leben in der
anderen Welt denken? Welches Schicksal erwartet uns dort? Oder -
ist hinter der Kirchhofsmauer alles zu Ende? Wird dort mit dem Leib auch der
Geist begraben, und bleibt von dem Menschen mit seinem Hoffen und Zagen,
seinen Mühen und Sorgen, seinen Freuden und Leiden, seinem guten und
schlechten Tun nichts übrig, als der Totenschädel oder eine Hand voll Asche? Immer
wieder drängen sich diese Fragen in unser Denken ein. In den stillen Stunden
ernster Krankheit legen sie sich schwer auf das müde Menschenherz. An jedem
Sterbebett, an dem wir stehen, an jedem Grabeshügel erheben sie sich und auf
jedem Leichenstein sind sie eingemeißelt. Wer löst uns das große
Jenseitsrätsel? Zu wem sollen wir mit unserem Zweifel gehen, um die
untrügliche Wahrheit zu erfahren? Sollen wir die Religionen und ihre Diener
fragen? Sie lehren zwar den Jenseitsglauben und das Fortleben des
Menschengeistes. Aber sie versetzen ihrer Lehre da durch einen schweren
Schlag, daß sie das Weiterleben des Tiergeistes leugnen. Denn wenn das Tier
nicht fortlebt, aus welchem besonderen Grunde sollte denn der Mensch
weiterleben? Mensch und Tier haben doch dasselbe Schicksal. Sie werden in
gleicher Weise gezeugt, in gleicher Weise geboren. Freud und Schmerz, Recht
und Unrecht ist beiden gleich beschieden, und auch der Tod ist der gleiche.
Das bestätigt ja auch die Bibel mit den Worten: Das Schicksal der Menschen und das Schicksal der
Tiere ist ein und dasselbe. Die einen sterben so gut wie die anderen. Sie
haben alle den gleichen Odem. Einen Vorzug des Menschen vor den Tieren gibt
es nicht Alles geht dahin an denselben Ort. Alles ist aus dem Staube
entstanden, und alles kehrt zum Staube zurück. Wer weiß denn vom Lebensodem
des Menschen, ob er nach oben emporsteigt oder vom Lebensodem des Tieres, ob
er nach unten zur Erde hinabführt (Pred.3,19-21)? Dazu
kommt, daß die Kirchen in den wichtigsten Fragen der Religion miteinander in
Widerspruch stehen. Von ihnen können wir daher eine zuverlässige Antwort
nicht erwarten. Irrende Menschen können uns in diesen Dingen überhaupt keine
sicheren Führer sein. Hier
gibt es nur einen Weg zur Wahrheit: Wenn es ein Jenseits und ein jenseitiges
Geisterreich gibt, so kann uns der Beweis dafür nur dadurch geliefert werden,
daß die Geister selbst zu uns kommen und uns belehren. Denn nur sie können
uns über die großen Fragen des Weiterlebens Auskunft geben. Solange daher
diese Geisterbrücke zu uns herüber nicht geschlagen wird, solange bleiben wir
im Dunkel des Ungewissen und im Schmerz des nagenden Zweifels. Aber
die Menschheit von heute lacht, wenn einer auch nur von der Möglichkeit des
Verkehrs der Geister mit der Menschenwelt spricht. Sie lacht und spottet, wie
sie von jeher über alles gehöhnt hat, was mit der Volksmeinung ihrer Zeit im
Widerspruch stand. Als
Galilei lehrte, daß die Erde sich drehe und die Sonne still stehe, wurde er
von seinen Zeitgenossen für geistesgestört gehalten. Die Kirche betrachtete
ihn als Ketzer und schloß ihn aus ihrer Gemeinschaft aus. Er mußte ins
Gefängnis wandern und konnte seinen Leiden und Verfolgungen nur dadurch ein
Ende machen, daß er seine Lehre widerrief. Als
man in der Akademie der Wissenschaften in Paris das erste Telefon vorführte,
erklärte einer der angesehensten Professoren dieser Hochschule die Sache für
Schwindel und Bauchrednerkunst. Allen Verkündern einer neuen Wahrheit ist es
so ergangen. Sie wurden von der öffentlichen Meinung ihrer Zeit verlacht,
geschmäht, mit Schmutz beworfen, verbrannt oder ans Kreuz geschlagen. So
verlacht man auch in unserer Zeit diejenigen, die der Menschheit den Beweis
erbringen wollen, daß es eine Geisterwelt gibt, die uns Menschen nicht
verschlossen ist, sondern mit der wir in Verbindung treten können, wenn wir
sie in der rechten Weise suchen und die Bedingungen erfüllen, die für eine
solche Verbindung bestehen. Denn nicht bloß in der materiellen Welt herrschen
ewig gültige Gesetze, sondern auch in der Welt des Geistes. Man
hat der Lehre von dem Verkehr der Geisterwelt mit den Menschen die
Bezeichnung "Spiritismus" gegeben. Dieses Wort steht heute bei der
großen Masse in üblem Ruf, obschon die meisten nicht wissen, was es zu
bedeuten hat. Der "Spiritismus" gilt als lächerliche Phantasterei
überspannter Menschen. Man lacht über die “spiritistischen Narren“. - Diese
Leute lästern, was sie nicht kennen (Jud.1, 10). Die
Kirchen stehen im Kampf gegen den Spiritismus in vorderster Linie. Darüber
muß man sich allerdings sehr wundern. Denn gerade die Kirchen lehren, daß sie
ihre religiösen Wahrheiten durch den Verkehr
mit der Geisterwelt empfangen haben. Judentum und Christentum befinden sich
mit ihren Urkunden des Alten und des Neuen Testamentes ganz auf dem Boden des
Spiritismus. Die Bibel ist das bedeutendste spiritistische Buch. Denn ihr
Hauptinhalt dreht sich um die Botschaften des Jenseits an das Diesseits. Wir
sehen darin auf Schritt und Tritt die Geisterwelt im Verkehr mit den
Menschen. Die
Kirchen können also den Geisterverkehr, von dem die Bibel berichtet, nicht
leugnen, wenn sie den Ast nicht absägen wollen, auf dem sie selbst sitzen.
Ihren Kampf gegen den Spiritismus suchen sie nun damit zu rechtfertigen, daß
sie behaupten, der Verkehr der Menschen mit der Geisterwelt sei in der Bibel verboten.
Denn dort heißt es: Ihr sollt nicht die Toten befragen. Was
versteht denn die Bibel unter dem “Befragen der Toten“? Wo die Bibel von den
“Toten“ redet, meint sie nicht die durch den irdischen Tod vom Körper
getrennten Geister, sondern die geistig Toten. “Tod“ ist nach der Heiligen
Schrift die Trennung des Geistes von Gott. Die “Toten“ sind also die durch
Unglauben und Abfall von Gott Getrennten. Es sind die Geister der Finsternis.
Das “Reich der Toten” ist das Reich Luzifers, das Reich der Widersacher
Gottes, das Reich der Lüge und des Unheils. Nach
der Bibel gibt es ein Reich der “Toten“ und ein “Reich der Lebenden“. Die
Menschen haben die Möglichkeit, sich mit den jenseitigen Geistern beider
Reiche in Verbindung zu setzen. Sie können Auskunft holen bei den “geistig
Toten“ - das ist ein Befragen des Bösen oder wie die Bibel es ausdrückt: Ein
Befragen der Toten. Oder sie wenden sich an die “Lebenden“ des Jenseits - das
ist ein Befragen der guten Geisterwelt oder wie die Bibel es nennt: Ein
Befragen Gottes. Ein
Befragen der “Toten“ als der von Gott abgefallenen Geisterwelt wäre die
schwerste Beleidigung Gottes. Es wäre Götzendienst. Denn dieser Bestand ja in
der Verbindung mit den bösen Geistern. Die
Totenbeschwörer der alten Zeit waren allgemein als solche bekannt, die
wissentlich und vorsätzlich mit den Mächten der Finsternis - den Dämonen - in
Verkehr traten. Daher das strenge Gebot Gottes im Alten Testament, die
“Totenbeschwörer“ auszurotten aus der Mitte des Volkes. Es ist
also nur eine ganz bestimmte Art des Geisterverkehrs, die den Menschen in der
Bibel unter sagt wird, nämlich der Verkehr mit den bösen Geistern. Statt
dessen soll die Menschheit die Gemeinschaft mit Gott und der guten
Geisterwelt suchen. Wenn aber jemand zu euch sagt, ihr müßtet die
“Totenbeschwörer“ fragen, so antwortet: ‘Soll nicht ein Volk bei seinem
Gott anfragen? Soll es für die Lebenden bei den ‘Toten‘ anfragen‘ (Jes. 8,
19)? - ‘Über die kommenden Dinge fraget mich‘ (Jes.45,11)! Der
Aufforderung, Gott zu befragen, kamen die Gottesgläubigen aller Zeiten eifrig
nach. Bei den Israeliten war das Befragen Gottes etwas Alltägliches. Jeder,
der Gott fragen wollte, ging zu dem Offenbarungszelt hinaus (2.Mos.33,7).
Gott antwortete auf die mannigfachste Weise. Seine Geisterboten standen mit
den gläubigen Menschen in beständigem Verkehr. Sie begegnen uns überall in
den Berichten des Alten und des Neuen Testamentes. Wenn
wir daher als gottestreue Menschen oder wenigstens als ehrliche
Wahrheitssucher mit der guten Geisterwelt in Verbindung zu kommen suchen, tun
wir dadurch nichts Unrechtes, sondern erfüllen ein Gebot Gottes. Es ist ein
wichtiges Gebot. Denn die Verbindung mit der guten Geisterwelt ist der
einzige Weg, der zur Wahrheit führt. Einen anderen gibt es nicht. Darum
werden in der ganzen Heiligen Schrift die wahrheitsuchenden Menschen nie an
ihre Mitmenschen gewiesen, um die Wahrheit zu erlangen, sondern immer an Gott
und seine Geister. Auch im Neuen Testament. Christus hatte bei seinem
Scheiden von dieser Erde seinen Anhängern noch vieles zu sagen, was sie jetzt
noch nicht verstanden. Sie sollten später darüber Aufklärung bekommen, aber
nicht durch Menschen, sondern durch Geister, die er ihnen vom Vater senden
will als Geister der Wahrheit. Und die Betätigung dieser Geister sollen sie
mit ihren menschlichen Sinnen wahrnehmen: ‘Ihr werdet die Geister Gottes
auf- und absteigen sehen‘ (Joh.1,51). Das
Auf- und Absteigen der Boten Gottes erlebten die ersten Christen in ihren
Versammlungen. Der Apostel Paulus fordert darum die Christen auf: ‘Bemühet
euch um Geister‘ (1.Kor.14,12). Es ist
eine für das religiöse Leben der Menschheit grundlegende Lehre, daß jeder die
Wahrheit über die großen Lebens- und Jenseitsfragen bei den Menschen und
ihren Auslegungen suchen soll, sondern durch eine unmittelbare Verbindung mit
dem Geisterreich Gottes als der Quelle der Wahrheit. So lehrt es Gott im
Alten, so lehrt es Christus im Neuen Testament. So lehren es die Apostel und
danach handelte das Volk Gottes im Alten Bunde und die Christen der ersten
Jahr hunderte. In den
späteren Zeitläufen hat man diese Grundwahrheiten verwischt. Irrende Menschen
traten als Wahrheitskünder anstelle Gottes und seiner Geisterboten. Das Wort
Gottes wurde, um ein Wort des Apostels Paulus zu gebrauchen, zum “Gewerbe“.
Man erlernte die Religion durch menschlichen Unterricht, wie jede irdische
Wissenschaft. Und so ist es geblieben bis auf den heutigen Tag. Die
geistlichen Führer des Volkes wurden die unumschränkten Herren in allen
religiösen Dingen und gelangten auf diesem Wege auch zu immer größerer
weltlicher Macht. Immer zahlreicher wurden die Menschensatzungen, die man im
Namen der Religion auf die Schultern der Gläubigen legte. Die frühere
Freiheit der Kinder Gottes wurde in religiöse Knechtschaft verwandelt. Wer
sich widersetzte und nach eigener Überzeugung leben wollte, büßte es mit dem
Tode. Das Blut von Millionen ist geflossen im Namen der Religion. Die
echten Urkunden des Neuen Testamentes verschwanden. Die angefertigten
Abschriften stimmen in wichtigen Punkten mit dem ursprünglichen Text nicht
überein. Man griff zum Mittel der Fälschung, um für die im Laufe der Zeit
eingeführten Menschenmeinungen und Menschensatzungen Beweisstellen in der
Bibel zu schaffen. Es wiederholte sich hier dasselbe, worüber Gott schon im
Alten Bunde durch die Propheten die bittere Klage aussprechen ließ: Wie könnt
ihr sagen: Wir sind weise, wir sind im Besitz des göttlichen Gesetzes? -
Jawohl! Zur Lüge hat es der Fälschergriffel der Abschreiber verdreht.
Beschämt müssen daher die Weisen dastehen und bestürzt. Denn sie haben sich
selbst gefangen. ‘Sie haben das Wort des Herrn weggeworfen. Welche
Weisheit besitzen sie da noch?‘ (Jer. 8,8-9) Auch
die heutige wissenschaftliche Forschung hat den Nachweis geliefert, daß die
Fälschungen wie eine verheerende Krankheit auf alle Schriftwerke der alten
Zeit übergriffen. Die Bibel, die Schriften der Kirchenväter, die Schriften
jüdischer und heidnischer Schriftsteller wurden gefälscht zugunsten
religiöser Meinungen, die zur Zeit der Fälscher bestanden. Das
alles geschah außerhalb des Gesichtskreises des gewöhnlichen Volkes. Dieses
nahm unbesehen die sogenannten religiösen “Wahrheiten“ und Auslegungen hin,
ihm seine geistlichen Führer darboten und vererbten sie auf Kinder und Kindeskinder.
Genauso ist es ja auch heute. Die Religion ist ein Erbstück, das jeder von
seinen Eltern und Lehrern übernommen hat, ohne sich über den inneren
Wahrheitsgehalt ein eigenes Urteil zu bilden. Dazu wären die meisten auch
nicht in der Lage. Darum würde derjenige, der heute Christ ist, mit gleicher
Überzeugung die jüdische oder mohammedanische Religion bekennen, wenn seine
Eltern Juden oder Mohammedaner gewesen wären. So war
es nicht in den Zeiten, wo die Menschen mit der guten Geisterwelt in
Verbindung standen. Da konnten sie fragen: Was ist Wahrheit? - und sie
erhielten Antwort. Darum fordert auch Paulus die ersten Christen auf, Gott zu
fragen, wenn sie in einem Punkte anderer Meinung seien, als er selbst: ‘Und
wenn ihr über irgend etwas anderer Meinung seid, so wird Gott euch darüber
Klarheit geben‘ (Philipper3,15). Ein
solcher Hinweis auf den einzigen Weg, zur Wahrheit zu gelangen, wie ihn hier
der größte christliche Apostel gibt, wäre in den späteren Jahrhunderten
unmöglich gewesen. Wenn einer das nicht glaubte, was ihn seine “Kirche“
lehrte oder versucht hätte, nach der Weise des israelitischen Volkes oder der
ersten Christen durch “Befragen Gottes“ die Wahrheit zu ermitteln, den traf
der Kirchenbann, und oft endete er auf dem Scheiterhaufen. Heute sind zwar
die Scheiterhaufen erloschen, weil der “Kirche“ die äußere Macht fehlt, sie
anzuzünden. Aber der Kirchenbann ist geblieben, und er würde die größten
Kirchenväter der ersten Jahrhunderte treffen, wenn sie heute lebten und das
lehrten, was sie damals als Wahrheit dem christlichen Volke vortrugen. Die
Verbindung mit der Geisterwelt Gottes hat man verschüttet und dadurch den Weg
zur Wahrheit versperrt. Aus Menschenmeinungen und Menschensatzungen hat man
Religionsgebäude errichtet und fordert die Menschheit auf, darin Platz zu
nehmen. Hunderte von Kirchengemeinschaften wollen Wahrheitsvermittler sein.
Die eine verbrennt, was die andere anbetet, und was von der einen als lautere
Wahrheit verkündet wird, verdammt die andere als abscheuliche Ketzerei. Aus diesem
Zustand des Irrtums kann die Menschheit nur dadurch befreit werden, daß Gott
heute wieder seine Geister als Wahrheitsboten sendet, wie er es in den
früheren Jahrtausenden getan hat. Nicht die “Toten“, nicht das “Reich der
Finsternis“ sollen wir befragen, noch auch irrende Menschen, sondern Gott. Es
ist derselbe Gott, damals wie heute. Vor ihm gilt kein Ansehen der Person.
Die Menschen unserer Tage sind ihm so lieb wie die Menschen der vergangenen
Zeitalter. Und wie er sich damals durch seine Geisterboten der Menschheit
geoffenbart hat, so auch heute. Die
“Kirchen“ werden freilich diesen Weg zur Wahrheit mit allen Mitteln
bekämpfen. Sie müssen es tun; denn sie kämpfen um die eigene Existenz. Sie
halten sich selbst für die unfehlbaren Vermittler der Wahrheit. Jede hat
ihren gekrönten oder ungekrönten Papst. Man würde eine Belehrung durch Gottes
Boten als eine schädigende, den Bestand der Kirche gefährdende Konkurrenz
empfinden. Denn es wäre zu befürchten, daß die von Gottes Geistern
verkündeten Wahrheiten mit denen der Kirchen nicht übereinstimmen. Die
Wahrheit ist ja nur eine. Entweder hat eine der vielen
Religionsgemeinschaften die Wahrheit - und alle anderen sind im Irrtum - oder
keine besitzt die Wahrheit. Am Ende gilt von allen Religionen ohne
Ausnahme das Wort aus Goethes Faust: In bunten Bildern wenig Klarheit,
viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit. 25
Jahre war ich katholischer Priester. Ich hielt meine Religion für die
richtige. Es war ja die Religion meiner Eltern, Lehrer und Seelsorger. Waren
die Beweise für ihre Richtigkeit auch nicht so, daß sie mein Denken
befriedigten, so hatte ich doch keinen Grund, das abzulehnen, was alle meine
Religionsgenossen als Wahrheit hinnahmen. Zudem wäre schon jeder freiwillige
Zweifel an einer Glaubenswahrheit nach der Lehre meiner Kirche eine Todsünde
gewesen. Von
der Möglichkeit einer Verbindung mit der Geisterwelt wußte ich nichts. Den
“Spiritismus“ kannte ich nur aus Zeitungen. Ich hielt ihn für Trug und
Selbsttäuschung. Da kam
der Tag, wo ich ungewollt den ersten Schritt auf dem Wege zur Verbindung mit
der Geisterwelt tat. Ich erlebte Dinge, die mein Inneres bis in die tiefsten
Tiefen aufwühlten. Nach
diesem ersten Schritt konnte und durfte ich nicht stehen bleiben. Ich mußte
vorwärts, mußte Klarheit haben. Vorsichtig prüfend ging ich weiter, das Wort
des Apostels Paulus vor Augen: ‘Prüfet alle Geisterkundgebungen und haltet nur an
dem fest, was sich als gut erweist‘ (1.Thess.5,21). Ich
wollte nur das Gute. Ich wollte die Wahrheit. Ich war bereit, sie anzunehmen,
selbst unter den schwersten Opfern. Ich wußte, daß Gott einen aufrichtig und
selbstlos Suchenden nicht im Stiche läßt und daß er nach den Worten Christi
einem demütig Bittenden nicht einen Stein anstatt des Brotes geben werde. Auch
die schweren Folgen meines Schrittes standen mir klar vor Augen. Meine
Stellung als Geistlicher, meine ganze materielle Existenz, meine irdische
Zukunft sah ich vernichtet, wenn ich weiter ging. Schmähung, Verfolgung und
Leiden in übergroßer Fülle erkannte ich als mein Los. Doch die Wahrheit war
mir mehr wert. Ich
fand die Wahrheit auf dem eingeschlagenen Wege. Sie machte mich innerlich
frei und froh. Die äußeren Drangsale, die damit verbunden waren und die bis
heute andauern, können den gewonnenen inneren Frieden nicht stören. In
diesem Buch schildere ich nun den Weg, der mich mit der Geisterwelt in
Verbindung brachte und mir die Wahrheit enthüllte. Ich schrieb es aus Liebe
zu meinen Mitmenschen, einerlei welcher Religionsgemeinschaft sie angehören
oder welcher Weltanschauung sie huldigen. Das Buch ist für jeden Wahrheit
suchenden Menschen. Es will ein Wegweiser sein für alle, die eine Verbindung
mit der guten Geisterwelt suchen, um durch sie auf dem kürzesten Weg zur
Wahrheit und zu Gott zu gelangen. Bücher,
die bei irdischen Wanderungen als “Führer“ dienen sollen, sind von jemandem
verfaßt, der die Wege selbst gegangen ist, die in dem “Führer“ beschrieben
sind. Solche Bücher sind nicht für die, welche zu Hause bleiben, sondern für
jene, die das ihnen Unbekannte kennenlernen wollen. Ein
solcher “Führer“ will mein Buch sein. Es will den Weg zu der Brücke weisen,
auf der uns die Geisterboten des Jenseits begegnen. Wer an der Hand dieses
Buches zu jener Geisterbrücke schreitet, wird alles das bestätigt finden, was
in diesem Buch niedergelegt ist. Ich
mute daher niemandem zu, den Inhalt meines Buches ungeprüft als Wahrheit
hinzunehmen. Er würde sonst seine Überzeugung in den wichtigsten Fragen
seines Lebens auf die Aussage eines fehlbaren Menschen stützen. Das darf
nicht sein. Denn meine Behauptung, daß ich die hier nie dargelegten
Wahrheiten nicht aus mir und meinem Denken geschöpft, sondern aus der
Verbindung mit der jenseitigen guten Geisterwelt empfangen habe, könnte ja
meinerseits eine wissentliche Irreführung oder eine Selbsttäuschung sein. Ich
kann als schwacher, irrender und sündiger Mensch für mich keine größere
Glaubwürdigkeit beanspruchen, wie jeder andere meiner Mitmenschen. Ich
verlange daher nicht, daß man mir blindlings glaubt. Nur eines verlange ich:
Daß man die Wahrheit, die mir zuteil wurde, auf dem selben Weg nachprüft, auf
dem ich sie gefunden habe. Den Weg habe ich genau beschrieben, so daß ihn
keiner verfehlen kann. Der Gelehrte und der Ungelehrte, der Reiche und der
Arme alle können ihn gehen. Sie bedürfen dazu keiner Vorbildung und
besonderer Schulung. Es kostet sie nichts. Nur eines müssen sie besitzen: Den
Willen zur Wahrheit. Sie müssen bereit sein, die Wahrheit anzunehmen, sobald
sie sich ihnen in überzeugender Weise darbietet und ihr Leben da nach
einzurichten. Wer das nicht will, für den ist dieses Buch nicht geschrieben.
Für ihn gibt es überhaupt keinen Weg, der zur Wahrheit führt. Denn Gott
offenbart seine Wahrheit nur denen, die guten Willens sind. Jene,
denen der Wille zur Wahrheit fehlt und die den Weg nicht prüfend gehen
wollen, den ich ihnen zeige, haben aber auch kein Recht, ein Urteil über mein
Buch abzugeben. Denn wenn ein Chemiker der Mitwelt verkündet, daß er einen
Weg gefunden habe, durch chemische Verbindungen Gold herzustellen und den Weg
zur Goldgewinnung genau angibt, dann kann vernünftigerweise nur derjenige
über die Angaben des Chemikers ein Urteil fällen, der die von ihm
beschriebenen Versuche selbst gemacht und dabei alles genau befolgt hat, was
der Chemiker angegeben. Ich
habe die Gewißheit, daß dieses Buch die Wahrheit enthält. ‘Denn ich weiß, wer
der ist, dem ich Glauben geschenkt habe‘ (2.Tim.1,12). Ich
brauche nicht zu befürchten, daß die, welche meinen Weg gehen, irgend etwas
finden werden, was mit dem im Widerspruch steht, was ich fand. Alle, die
bisher meinen Rat befolgten und die Verbindung mit der guten Geisterwelt
suchten, haben dasselbe gefunden wie ich. Trotzdem
wird mein Buch zahlreiche und erbitterte Gegner finden. Nicht so sehr in der
großen Masse des Volkes als vielmehr in jenen Kreisen, denen die Annahme der
Wahrheit schwere irdische Opfer auferlegen würde. Es sind dies die
Geistlichen der einzelnen Religionsgemeinschaften. Das Religionsbekenntnis,
das sie bis jetzt ihren Gläubigen gepredigt haben, sichert ihnen gleichzeitig
ihren Lebensunterhalt. Müssen sie infolge einer Änderung der Erkenntnis der
Wahrheit auch eine Änderung des Bekenntnisses eintreten lassen, so hören sie
auf, Geistliche ihrer jetzigen Religionsgemeinschaft zu sein. Sie verlieren
das ihnen bisher durch ihr Amt sichergestellte tägliche Brot. Eine
Lebensstellung preisgeben, arm und angefeindet einer unsicheren irdischen
Zukunft entgegengehen, ist eines der größten Opfer, die ein Mensch bringen
kann. Nicht viele bringen es. Lieber verzichten sie auf die Wahrheit. Darum
trat auch das jüdische Priestertum in einen so erbitterten Kampf gegen
Christus und seine Lehre. Es fürchtete für seine Stellung. Es prüfte nicht
erst die von Christus verkündeten Wahrheiten auf ihre Richtigkeit, sondern
schleuderte seinen tödlichen Haß auf den, der ihm durch seine Lehre das Volk
abspenstig zu machen und dadurch den Einfluß auf die Masse zu rauben drohte.
Deswegen mußte er sterben. Und der Fluch, der erbittertste Gegner der
Wahrheit, der Wahrheitssucher und Wahrheitskünder zu sein, lastet bis heute
auf dem Priestertum aller Religionen. Mit Feuer und Schwert hat es Millionen
Menschen hingemordet unter dem äußeren Schein des Kampfes gegen die Ketzerei;
wie ja auch das jüdische Priestertum sich bei Christus hinter die Anklage
versteckte: “Er hat Gott gelästert.“ Der wahre Grund war jedoch damals sowohl
als auch in den späteren Zeiten die Furcht vor dem Verlust oder der
Einschränkung irdischen Einflusses, weltlicher Ehren, Ämter und Einkünfte.
Gewiß gab es und gibt es Ausnahmen. Heute vielleicht mehr als früher. Aber
diese Nikodemusseelen können das Todesurteil der heutigen geistlichen Führer
gegen die Wahrheit ebensowenig verhindern, wie es der erste Nikodemus
vermocht hat. Das
heutige Priestertum wird daher nicht bloß mein Buch ablehnen, sondern sich
wohl auch weigern, seinen Inhalt auf dem Wege, den ihnen das Buch angibt, auf
seine Richtigkeit zu prüfen. Und doch ist es ein Weg, den jeder mit gutem
Gewissen gehen kann. Oder ist es vielleicht etwas Verwerfliches, wenn jemand,
sei es nun ein Geistlicher oder ein Laie, sich allein oder mit anderen zu
einem privaten Gottesdienst in seinem Hause hinsetzt, sich dabei durch Gesang
und Gebet an Gott wendet und von ihm die Erfüllung der Verheißung Christi
erfleht: ‘Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, euren Kindern gute Gaben
zu geben versteht, wieviel mehr wird euer Vater vom Himmel her einen heiligen
Geist denen geben, die ihn darum bitten‘ (Luk.11,13). - Ist es vielleicht
eine Sünde, bei einem solchen Gottesdienst die Wahrheiten der Heiligen Schriften
durchzugehen, mit anderen zu besprechen und um die rechte Erkenntnis zu
beten? Ist es Sünde, als geistige Gemeinschaft sich bei solchen Gelegenheiten
nach Art der ersten Christen die Hände zu reichen und in innerer Sammlung
seinen Geist auf das Höhere zu lenken, irdisches Fehlen bereuend und einander
verzeihend und Gott um Hilfe und um den Geist der Wahrheit bittend, den
Christus ja seinen Anhängern verheißen hat? Gibt es irgend jemand, der dies
nicht mit reinem Gewissen mitmachen könnte? Weiter verlange ich nichts. Einen
anderen Weg ging auch ich nicht, als mir das zuteil wurde, was in meinem Buch
berichtet wird. Es ist mir nichts Besonderes verliehen worden. Ich erhielt
nur das, was jeder erhält, der es aufrichtig sucht. Viele werden auf diesem
Wege vielleicht noch viel Größeres empfangen als ich. Daß
die Dinge, die uns auf diese Weise vermittelt werden, so unglaublich
erscheinen, ist kein Grund, den angegebenen Weg nicht zu beschreiten. Denn
Gott stellt uns ja ausdrücklich das Unglaubliche in Aussicht mit den Worten: ‘Frage mich, und ich will dir antworten und dir
große und unglaubliche Dinge kundtun, von denen du bisher nichts gewußt hast‘
(Jer.33,3). (Ostern 1932. Der Verfasser) _____________
* _____________ So sann ich denn nach, dies zu begreifen: Doch es war zu schwer für mein Verständnis, bis ich in Verbindung mit der Geisterwelt Gottes kam. Ps. 73,15-17 Mein erster
Schritt zur Verbindung mit der Geisterwelt Es war
im Spätsommer des Jahres 1923. Ich war damals katholischer Pfarrer einer
kleinen Landgemeinde. Außerdem hatte ich einen Hilfsbund zu leiten, dessen
Sitz in einer benachbarten Stadt war. Zweimal in der Woche fuhr ich zum Büro
des Hilfsbundes, um die Wohlfahrtsarbeiten zu erledigen. Dort
kam nun eines Tages ein Mann zu mir und fragte mich: “Was halten Sie vom
Spiritismus?“ Noch ehe ich etwas erwidern konnte, erzählte er mir von seinen
Erlebnissen. Er pflegte wöchentlich mit einem kleinen Kreis zu einer Art
Gottesdienst zusammenzukommen. Man bete, lese in der Heiligen Schrift und
bespreche das Gelesene. Unter den Anwesenden befinde sich auch ein Junge im
Alter von 16 bis 17 Jahren. Er gehöre einer einfachen Familie an, besitze nur
mittelmäßige Schulbildung und sei Lehrling in einem Privatbetrieb. Bei den
Zusammenkünften pflege dieser plötzlich wie tot vornüber zu fallen, werde
aber sofort wieder, wie von einer unsichtbaren Kraft, ruckweise aufgerichtet,
sitze da mit geschlossenen Augen und erteile den Anwesenden wunderbare
Belehrungen. Auch beantworte er die Fragen, die man an ihn stelle. Nur auf
rein materielle Fragen verweigere er die Antwort. Am Schluß seiner
Belehrungen falle er wieder Vornüber und komme sofort zu sich. Von dem, was
vorgegangen und was er gesprochen, wisse er nicht das Geringste. Der Junge
sei gesund und frisch. Nach diesen Vorfällen fühle er keinerlei Unbehagen,
keine Kopfschmerzen oder sonstiges Unwohlsein. Seinen
Bericht schloß der Mann mit den Worten: “Nun wollte ich von Ihnen hören, was
Sie über diese Sache denken. Doch bevor Sie Ihr Urteil abgeben, möchte ich
Sie bitten, selbst an einer solchen Sitzung teilzunehmen, damit Sie sich von
den Vorgängen persönlich überzeugen können. Dabei haben Sie Gelegenheit,
selbst Fragen an den Jungen zu stellen.“ Mit
großer Aufmerksamkeit hatte ich seinen Ausführungen zugehört. Was sollte ich
ihm darauf erwidern? Vom sogenannten Spiritismus wußte und verstand ich
nichts. Wohl hatte ich hier und da in der Tagespresse etwas darüber gelesen.
Es waren Berichte über Entlarvungen von Medien und sonstige spiritistische
Betrügereien. Also durchaus nichts Günstiges. Nun sollte ich mich als ernster
Mensch und dazu noch als Geistlicher auf dieses Gebiet begeben und mich der
Gefahr aussetzen, mich lächerlich zu machen. Das konnte ich nicht. Zwar
reizte mich der Gedanke, von rein wissenschaftlichem Standpunkt aus die mir
soeben geschilderten merkwürdigen Vorgänge nachzuprüfen, wenn ich dies allein
für mich in meinem Studierzimmer hätte tun können. Aber in andere Familien
gehen und mich dem Tagesklatsch preisgeben - das wollte ich nicht. Offen
gestand ich daher jenem Herrn, daß ich auf dem Gebiete des “Spiritismus“ aus
eigener Erfahrung nicht Bescheid wisse und über das von ihm Erlebte kein
Urteil abgeben könne. Auch trüge ich großes Bedenken, seiner Einladung zur
Teilnahme an einer Zusammenkunft der von ihm erwähnten Art Folge zu leisten.
Ich müsse Rücksicht nehmen auf meinen “schwarzen Rock“ und dürfe mich nicht
der Gefahr aussetzen, in der Öffentlichkeit als “Spiritist“ verschrien zu
werden. Denn meine Teilnahme an diesen Sitzungen würde ohne Zweifel bald
überall bekannt werden. Der
Mann ließ jedoch meine Einwände nicht gelten, sondern entgegnete: “Es handelt
sich hier um eine sehr wichtige Sache, über die Sie als Geistlicher und im
öffentlichen Leben stehender Mann Bescheid wissen müssen. Wenigstens haben
Sie nach meiner Ansicht die Pflicht, zu prüfen und nach eingehender
unparteiischer Prüfung sich ein Urteil darüber zu bilden. Sie werden wohl
noch öfters in Ihrem Leben über diese Dinge befragt werden. Und von wem
sollen die Laien denn Aufklärung erbitten, wenn nicht von den geistlichen
Führern, zu denen wir das Vertrauen haben, daß sie uns die volle Wahrheit
sagen. Totschweigen lassen sich diese Dinge doch nicht mehr. Auch in
Deutschland nimmt die Zahl der spiritistischen Zirkel von Tag zu Tag zu. Man
findet sie fast in jedem größeren Orte. Ich weiß wohl, daß die Kirchen den
Spiritismus als Schwindel oder Teufelswerk beiseite schieben möchten. Doch
damit wird diese Frage nicht gelöst. Wenn
Sie Unannehmlichkeiten befürchten, so ist diese Furcht unbegründet. Ihre
Teilnahme an unseren Versammlungen wird in der Öffentlichkeit nicht bekannt
werden. Denn die wenigen Teilnehmer sind Persönlichkeiten, die schweigen können
und alles meiden werden, was ihnen Schaden bringen könnte. Also sagen Sie
ruhig zu!“ Der
Wahrheit dieser Ausführungen konnte ich mich nicht verschließen. Der Mann
hatte Recht. Wenn wir Geistliche, die wir Lehrer und Führer des Volkes sein
sollen und sein wollen, es ablehnen, die Wahrheit über derartige
Erscheinungen persönlich zu begründen, wer sollte es denn tun? Wer könnte ein
größeres Interesse an dieser Sache haben, als gerade die Geistlichen aller
Konfessionen. Denn wenn der Spiritismus sich als Wahrheit erweisen sollte, so
ist er für alle Religionsgemeinschaften von der folgenschwersten Bedeutung. Nach
einigem Zögern erklärte ich mich daher bereit, am kommenden Sonntagabend an
der Sitzung teilzunehmen. Während
der folgenden Tage waren meine Gedanken immer mit dieser Sache beschäftigt.
Halb und halb wurde es mir wieder leid, die Zusage gegeben zu haben. Denn die
Unannehmlichkeiten, die mir daraus erwachsen konnten, erschienen mir immer
größer, je mehr ich darüber nachdachte. Mit Spannung erwartete ich den
Sonntag. Nach
Beendigung des Nachmittagsgottesdienstes fuhr ich zur Stadt. Auf dem Büro des
Hilfsbundes wollte ich noch einige dringende Angelegenheiten erledigen, bevor
ich zur Sitzung ging. In meiner Rocktasche trug ich einen Zettel mit den Fragen,
die ich am Abend dem Jungen vorlegen wollte. Sie konnten nur in längeren
Darlegungen beantwortet werden. Sie waren aus der Religionswissenschaft
genommen. Ich selbst war nicht imstande, sie zu beantworten und wollte bloß
feststellen, welche Ausführungen der Junge dazu machen würde. Auf
dem Büro des Hilfsbundes fand ich einen Brief jenes Herrn vor, der mich zu
der Sitzung eingeladen hatte. Darin teilte er mir mit, daß die Sitzung nicht
bei ihm stattfinde, wie es verabredet war, sondern in der Wohnung einer
anderen Familie, deren Adresse er mir angab. Es sei so angeordnet worden. Diese
unerwartete Änderung machte mich stutzig. Ich wurde mißtrauisch. Sollte etwa
ein Gaukelspiel mit mir getrieben werden? Die Familie, in der nun die Sitzung
stattfinden sollte, kannte ich nicht, auch nicht dem Namen nach. Sollte ich
mich in einer mir ganz fremden Familie peinlichen Verlegenheiten aussetzen?
Vielleicht war das Ganze nur eine Falle, die mir gestellt werden sollte. Mein
Entschluß war gefaßt: “Du gehst nicht hin.“ Damit
man nicht vergeblich auf mich wartete, schickte ich dem Herrn durch einen
Boten die Mitteilung, daß ich nicht zur Sitzung kommen würde. Es
dauerte nicht lange, da erschien er selbst. Er bat mich, doch mitzugehen. Die
Änderung bezüglich der Sitzung sei nicht von ihm getroffen worden, sondern
von einer Seite, der sie Folge leisten müßten. Vielleicht sei der Grund darin
zu suchen, daß in der anderen Wohnung die Sitzung unauffälliger stattfinden
könne, als in seiner eigenen. So ging ich denn mit. Es war
7.30 Uhr, als wir ankamen. Ich wurde von der Familie freundlich begrüßt. Ich
merkte, daß man über mein Kommen erfreut war. Da die Sitzung erst um 8 Uhr
beginnen sollte, hatte ich hinreichende Gelegenheit, mich mit dem Jungen zu
unterhalten, der ebenfalls schon anwesend war. Durch eine Anzahl Fragen
suchte ich seinen wissenschaftlichen Bildungsgrad festzustellen. Ich fand
bald, daß er sich in nichts von anderen mittelmäßigen Jungen seines Alters
unterschied. Um 8
Uhr begann die Sitzung. Wir waren nur wenige Personen. Ich wunderte mich
darüber, daß keine Dunkelsitzung veranstaltet wurde, sondern alles hell
erleuchtet war. Ich hatte erwartet, daß solche Sitzungen stets im Dunkeln
stattfänden. Man
begann mit einem kurzen Gebet, das einer der Anwesenden mit großer Andacht
vortrug. Überhaupt machten die Teilnehmer den Eindruck des Ernstes und
innerer Sammlung. Kaum
war das Gebet beendet, da fiel der Junge mit einem so plötzlichen Ruck und
unter so lautem Ausstoßen des Atems vornüber, daß ich erschrak. Er wäre zu
Boden gestürzt, wenn die Armlehne des Sessels, in dem er saß, ihn nicht
gehalten hätte. Es dauerte nur wenige Sekunden, da wurde er wie von einer
unsichtbaren Hand ruckweise emporgerichtet und saß mit geschlossenen Augen
da. Ich fühlte, wie mein Herz schneller schlug in gespannter Erwartung der
Dinge, die jetzt kommen würden. “Grüß
Gott!“ begann er und wandte sich sofort an mich mit der Frage: “Weshalb bist
du hierher gekommen?“ Ich staunte, daß er mich mit “Du“ anredete. Das würde
der Junge in normalem Zustand nie gesagt haben. “Ich
bin gekommen als Wahrheitssucher“, war meine Antwort. “Ich hörte von dem, was
hier vor sich geht und möchte selbst prüfen, ob es sich dabei um Wahrheit
oder Trug handelt.“ “Glaubst
du an Gott?“ fragte er weiter, fügte jedoch sofort hinzu: “Nun, ich weiß, daß
du an Gott glaubst. Aber eine andere Frage möchte ich an dich richten: Warum
glaubst du an Gott?“ Diese
Frage kam mir so unerwartet, daß ich nicht recht wußte, was ich sagen sollte.
Auch fühlte ich mich verwirrt. In dieser Verwirrung beantwortete ich seine
Frage so mangelhaft, daß ich selbst mit meiner Antwort gar nicht zufrieden
war. “Von
dir hätte ich eine bessere Antwort erwartet“, sagte er ruhig. Wie eine
schallende Ohrfeige wirkten diese tadelnden Worte auf mich. Ich war gekommen,
um das, was hier vor sich ging, als Schwindel aufzudecken und saß schon nach
den ersten Minuten als der Beschämte da. “Auf
die Frage, die du so unbefriedigend beantwortet hast, wollen wir später
einmal zurückkommen“, sagte er in sanftem Ton. “Und jetzt bist du an der
Reihe, Fragen an mich zu stellen. Ich werde sie dir beantworten, soweit ich
es darf. Du hast dir ja eine Reihe von Fragen aufgeschrieben, die du mir
vorlegen willst. Nimm den Zettel mit den Fragen, den du bei dir trägst!“ Die
Anwesenden sahen mich erstaunt an. Denn niemand hatte von diesem Zettel
Kenntnis. Meine erste Frage lautete: “Wie kommt es, daß das Christentum auf
die heutige Menschheit fast keinen Einfluß mehr auszuüben scheint?“ Ohne
auch nur einen Augenblick zu zögern oder zu überlegen, begann er mit seiner
Antwort. Die von den Anwesenden während seines Vortrages gestellten
Zwischenfragen und vorgebrachten Einwendungen erledigte er mit einer
staunenerregenden Einfachheit und Klarheit. Nach meinen stenographischen
Aufzeichnungen machte er folgende Ausführungen: “Die
Lehre Christi ist in den auf euch gekommenen Urkunden nicht mehr in ihrem
ganzen Umfange und auch nicht in ihrer ursprünglichen Reinheit und Klarheit
enthalten. In dem, was ihr Neues Testament nennt, sind manche wichtigen
Abschnitte weggelassen. Ja ganze Kapitel wurden daraus entfernt. Was ihr noch
besitzt, sind verstümmelte Abschriften. Die Originale sind euch unbekannt, so
daß die Verstümmelungen des Urtextes nicht aufgedeckt werden können. Die dies
getan haben, sind von Gott schwer bestraft worden.“ Da
fragte einer der Anwesenden, wer es denn gewesen sei, der sich in dieser
Weise an den heiligen Schriften vergriffen habe. “Das
zu erfahren, ist nicht eure Sache“, war seine kurze Antwort. “Es muß euch
genügen zu wissen, daß es geschehen ist und daß Gott die Täter bestraft hat.
Was nützt es euch, die Namen zu erfahren! Ihr würdet die Kenntnis der Täter
doch nur dazu benützen, um über sie Gericht zu sitzen. Und ihr wißt, daß ihr
über eure Mitmenschen nicht richten sollt. Gott richtet! - das genügt. Auch
ein von dem Apostel Paulus an alle Christengemeinden geschriebener Brief ist
vernichtet worden. Darin hatte er die Stellen aus seinen früheren Briefen,
die zu Mißverständnissen Veranlassung gegeben hatten, ausführlich erklärt.
Diese Klarstellungen paßten jedoch nicht zu manchen irrigen Lehren, die sich
später in das Christentum eingeschlichen hatten.“ Hier
unterbrach ich ihn mit der Frage, wann denn die ersten von der richtigen
Lehre abweichenden Meinungen in das Christentum eingedrungen seien. Er
antwortete: “In geringem Maße schon im ersten christlichen Jahrhundert. Du
weißt doch, daß schon zur Apostelzeit nicht wenige Meinungsverschiedenheiten
in den christlichen Gemeinden auftraten. Nachher schlichen sich viele irrige
Menschenmeinungen und Menschensatzungen ein, die mit der Lehre Christi nicht
übereinstimmen. Wenn ihr den vollständigen und unverfälschten Text der Lehre
Christi hättet, würde euch so manche Last von den Schultern genommen sein,
die euch von Menschen im Namen der Religion und des Christentums aufgebürdet
wurde. Manche Lehre, die man euch zu glauben zumutet, obschon sie eurem
Verstande unmöglich erscheint, würde in Wegfall kommen, weil sie als
unrichtig erkannt würde, und ihr könntet aufatmen als freie Kinder Gottes. So
aber fühlen Millionen Menschen, daß vieles von dem, was heute das Christentum
lehrt, nicht richtig sein kann. Aus Gewohnheit behalten sie es zwar äußerlich
bei, aber eine innere Wirkung hat es nicht, denn das lebendige Fürwahrhalten
fehlt. Viele
behalten das heutige Christentum aber nicht einmal äußerlich bei. Anstatt nun
das Unrichtige daran abzuwerfen, schütteln sie das ganze Christentum samt dem
Gottesglauben ab, weil sie meinen, das hänge alles zusammen. Und das ist
schlimm. Doch
wird die Zeit kommen, wo die Lehre Christi in ihrer vollen Reinheit und
Wahrheit der Menschheit wiedergegeben wird. Auf welche Weise das geschieht,
braucht ihr jetzt noch nicht zu wissen. Aber
auch das, was von den Urkunden des Neuen Testamentes erhalten geblieben ist,
hat an nicht wenigen Stellen Änderungen erfahren. Die Abschreiber änderten
Worte und Satzteile, ließen an der einen Stelle ein Wort aus oder setzten an
einer anderen ein Wort hinzu, wodurch der Sinn des Satzes entstellt wurde, je
nachdem es zu ihren Zwecken paßte. Meistens wollten sie für die
Glaubensmeinungen ihrer Zeit auch in der Bibel eine Beweisstelle schaffen,
und sie griffen zu dem Mittel der Fälschung. Sie waren sich nicht immer der
Größe ihres Unrechtes bewußt. Sie glaubten vielmehr, der Religion damit einen
Dienst zu erweisen. So wurde das Volk in die Irre geführt. Und viele
empfinden es in ihrem tiefsten Inneren, daß sie nicht auf dem rechten Wege
sind, wenn sie auch nicht die Möglichkeit haben, Klarheit darüber zu
bekommen. Die notwendige Folge davon ist, daß ein so entwurzeltes Christentum
keine fruchtbringende Wirkung mehr ausüben kann. Denn jeder Zweifel an der
Wahrheit hemmt ihre Wirkung.“ “Darf
ich dich bitten“, sagte ich beklommen, “mir eine Stelle im Neuen Testament zu
nennen, an der durch Änderung oder Weglassung eines Wortes eine
sinnentstellende Fälschung vorgenommen wurde?“ “Es
ist zwar nicht der geeignete Zeitpunkt“, - erwiderte er, - “wo ich auf diese
Fälschungen im einzelnen eingehen möchte. Ich werde es später tun, wenn ich
euch die Bibel im Zusammenhang erkläre. Dennoch will ich deine Bitte erfüllen
und dir zwei Stellen angeben: eine Stelle, an der ein Wort durch ein anderes
ersetzt wurde, und eine Stelle, an der ein Wort weggelassen wurde. Du
kennst den Ausruf des Apostels Thomas nach dem Wortlaut eurer heutigen Bibel:
‘Mein Herr und mein Gott!‘ (Joh. 20,28). - In Wirklichkeit hat er
jedoch den Ausdruck gebraucht, den die Apostel Christus gegenüber stets
anwandten: ‘Mein Herr und Meister!! Das Wort ‘Meister‘ hat man später in das
Wort ‘Gott‘ umgefälscht. Zu welchem Zwecke das geschah, werde ich euch bei
einer anderen Gelegenheit erklären. Eine
Stelle, an der ein Wort ausgelassen und dadurch der ganze Sinn geändert
wurde, wird dich ganz besonders interessieren. Du bist katholischer Priester.
Du meinst die Gewalt zu haben, Sünden zu vergeben. Welche Stelle des Neuen
Testamentes nimmst du als Beweis dafür, daß den Priestern eine solche Gewalt
übertragen worden ist?“ Ich
führte die Stelle an: “Welchen ihr die Sünden nachlasset, denen sind sie
nachgelassen“ (Joh. 20,23). Er verbesserte mich, indem er die Stelle
wörtlich wiedergab: “Wenn ihr die Sünden anderer vergebt, werden sie ihnen vergeben“
und fuhr fort: “Das Wort, was ihr mit ‘ihnen‘ übersetzt, heißt im
Griechischen auch ‘selbst‘. Nun stand vor diesem Wort ‘selbst‘ im Urtext noch
das Wort ‘euch‘. Das, was ihr also heute mit ‘ihnen‘ übersetzt, hieß in
Wirklichkeit ‘euch selbst‘. Die Stelle lautete also im Urtext wörtlich: ‘Wenn
ihr die Sünden anderer vergebet, werden sie euch selbst vergeben.‘ Du siehst
wohl ein, welche Entstellung des Sinnes durch Weglassen des Wortes ‘euch‘
entstanden ist. Christus sagt an dieser Stelle nichts anderes, als was er an
vielen Stellen ausgesprochen hat, nämlich: Ihr sollt euren Mitmenschen die
Fehler und Sünden, die sie gegen euch begangen haben, von Herzen vergeben,
damit ihr von Gott für eure eigenen Sünden Verzeihung erlangt. 'Vergib uns
unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.' (Matth. 6,12)
Das Vergeben ist das Schwerste in euerem Leben. Darum empfanget ihr dazu eine
besondere Hilfe Gottes. Christus sagt ja auch an derselben Stelle: ‘Empfanget
einen heiligen Geist!‘ Wenn ihr anderen die Sünden vergebet, werden sie euch
selbst vergeben. Wenn ihr sie aber festhaltet, nämlich in eurem Herzen, dann
werden auch die eurigen festgehalten werden, nämlich von Gott. - Hast du das
verstanden? Ich
antwortete sehr niedergedrückt und nachdenklich mit einem leisen “Ja“ und
fügte sofort hinzu: “Dann
hat es also nach deiner Ansicht keinen Wert, daß ich als Priester das
Sündenbekenntnis anderer entgegennehme, wenn ich keine Lossprechung erteilen
kann? ich müßte demnach die ganze Sache drangeben.“ “Das
brauchst du nicht“, erwiderte er. “Da die deiner Kirche angehörenden Christen
der Meinung sind, sie müßten zur Erlangung der Sündenvergebung ihre Sünden
dem Priester beichten, so nimm ruhig das Bekenntnis entgegen, wie dein Amt es
dir vorschreibt. Denn es ist ja nichts Böses oder von Gott Verbotenes, einem
Menschen seine Sünden zu offenbaren. Aber du sollst nicht glauben, daß du
die Sünden der Beichtkinder an Gottes Stelle vergeben kannst. Deine Aufgabe
kann es nur sein, durch Belehrung, Ermahnung, Zuspruch und innere Aufrichtung
die sündige Gesinnung aus dem Herzen des Beichtenden zu entfernen, so daß er
innerlich umgewandelt nach Hause geht und in seinem Tun sich als ein anderer
Mensch erweist. Ein gewohnheitsmäßiges Beichten und Lossprechen ist nicht bloß
zwecklos, sondern eine Entweihung des Gedankens der Versöhnung mit Gott. Durch
deine Zwischenfragen bin ich von meinem Thema abgeschweift. Ich will nun
damit fortfahren. Wenn
auch manches von der Lehre Christi in den auf euch gekommenen Abschriften der
alten Urkunden absichtlich weggelassen, anderes durch Fälschungen geändert
worden ist, so bleibt doch noch so vieles Richtige übrig, daß die Menschen
durch Befolgung dieses Richtigen ihrem Gott näher kommen könnten. Doch leider
vermögen sie das Richtige vom Falschen nicht zu unterscheiden. Die
Grundlage der Lehre Christi ist nach seinen eigenen Worten: ‘Liebe Gott über
alles und deinen Nächsten wie dich selbst!‘ Wer das befolgt, hat das ganze
christliche Gesetz erfüllt. Alle anderen Wahrheiten sind bloß Ergänzungen zu
dieser Grundwahrheit und helfende Richtlinien zu ihrer Ausführung im Leben
des einzelnen. Und
nun komme ich zum letzten, nicht minder wichtigen Grunde, weshalb das
Christentum auf die heutige Menschheit keinen Einfluß mehr auszuüben scheint. Das
Volk sieht bei seinen geistlichen Führern nicht die praktische Befolgung
dessen, was das Christentum lehrt, und was sie selbst predigen. Das gilt von
den Geistlichen aller christlichen Religionen. Es gibt Ausnahmen. Aber sie
sind verhältnismäßig selten. Wo sind die Geistlichen, die ihr neben Christus
stellen könntet, ohne daß sie zu erröten brauchten? Wieviele sind es, die
Leid, Armut und Not mit ihren Brüdern und Schwestern tragen? Ihre
Gemeindemitglieder sind doch ihre Brüder und Schwestern. Dienen sie diesen,
wie es die Weisung Christi ist, oder ist es nicht vielmehr ein Herrschen und
Ausnutzen? Tun sie etwas umsonst? Lassen manche sich nicht sogar das Beten
bezahlen? Und
ihr sonstiger Lebenswandel! Doch darüber will ich jetzt nichts sagen. Über
diesen Punkt möchte ich mit dir einmal allein sprechen.“ Bei
diesen Worten wandte er sich zu mir und fuhr fort: “Du willst morgen zu
deinen Angehörigen reisen. Diese Reise ist nicht eilig. Bleibe morgen noch
hier und komme morgen Abend um 7.30 Uhr wieder hierher. Alsdann reden wir
beide allein miteinander. Sage also diesem Jungen, aus dem ich spreche,
sobald er zu sich kommt, er möge morgen Abend um 7.30 Uhr hier sein.“ Dann
machte er Schluß, indem er in einer fremden Sprache betete und die Hände zum
Segen erhob mit den Worten: “Seid gesegnet im Namen Gottes! - Grüß Gott!“ Nach
diesem Gruß fiel der Junge vornüber wie am Anfang der Sitzung, öffnete seine
Augen und sah sich verwundert um. Es war ihm unverständlich, daß es schon so
spät sei. Von dem Vorgefallenen wußte er nichts. Er sagte, es sei ihm so, als
habe er lange und gut geschlafen. Er fühlte sich sehr frisch und wohl. Als
ich ihm sagte, er möge am anderen Abend um 7.30 Uhr wieder hier sein,
erklärte er mir, daß sei ihm nicht möglich. Sie hätten morgen eine dringende
Arbeit fertigzustellen, und es werde sicher 9 Uhr werden, bis er zu Hause
sein könne. Das sei gestern bereits von seinem Lehrherrn so angeordnet
worden. Trotzdem
nahm ich mir vor, meine Reise zu verschieben und am kommenden Abend zu der
mir angegebenen Zeit wieder hinzugehen. Als
ich nach Schluß der Sitzung zu meiner Wohnung ging, war es mir, als erwachte
ich aus einem schweren Traum. Der Mond ergoß seinen Silberschein über die
Dächer und die Sterne schauten so ruhig in die klare Nacht. In mir aber schlugen
die Flammen meiner Gedanken bergeshoch empor. Ich fühlte, daß dieses Feuer
schon die Balken umzüngelte, auf denen mein bisheriges Glaubensgebäude ruhte. Wer
sprach die Wahrheit? Die Religion, deren Priester ich war, oder die Stimme
aus diesem Jungen? Oder war es vielleicht der Junge selbst, der sich das
alles zusammenreimte und vor uns eine Komödie aufführte?“ Der
Junge aus sich? - Nein, das war ausgeschlossen. Das zu glauben, war mir
unmöglicher, als alle Glaubenssätze der Welt zusammengenommen. Nun hatte ich
hier und da etwas gelesen von “Hellsehern“, “Unterbewußtsein“,
“Gedankenübertragung“. Doch auch damit wußte ich für den vorliegenden Fall
nichts anzufangen. So wollte ich denn ruhig weiter prüfen. Die Sache war mir
zu wichtig, als daß ich sie einfach beiseite schieben konnte. Ein “Zurück“
gab es für mich nicht mehr. Ich mußte volle Klarheit haben. Vielleicht
brachte mich die nächste Sitzung schon einen Schritt weiter. _______ *
_______ Den Weg der Wahrheit habe ich erwählt, deine Verordnungen mir vor Augen gestellt. Ps.
119,30 Belehrung über den biblischen
Geisterverkehr Nach
einer ziemlich schlaflosen Nacht suchte ich während des folgenden Tages durch
angestrengte Arbeit auf dem Büro des Hilfsbundes die mich quälenden Gedanken
loszuwerden. Am
Abend war ich kurz vor 7.30 Uhr wieder in der Wohnung, in der gestern die
Sitzung stattgefunden hatte. Zu meiner Überraschung war auch der Junge schon
anwesend. Er erzählte mir, daß nachmittags um 4 Uhr sein Arbeitgeber gekommen
sei mit der Eröffnung, er habe es sich anders überlegt, und die Arbeit, die
heute Abend durch Überstunden fertiggestellt werden sollte, verschiebe er auf
den anderen Morgen. Ich
war mit dem Jungen allein. Als die Uhr 7.30 schlug, fiel er in derselben
Weise wie tags zuvor in den mir unerklärlichen Zustand, grüßte wiederum mit
dem Gruß “Grüß Gott!“, reichte mir die Hand und sagte: “Ich freue mich, daß
du hiergeblieben bist. Denn ich habe dir vieles zu sagen. Zunächst aber muß
ich noch den letzten Punkt meines gestrigen Vortrages zu Ende führen. Ich
hatte dir ja gesagt, daß ich darüber nur sprechen wolle, wenn wir beide
allein wären.“ Und
nun begann er, ein Bild des Lebenswandels eines großen Teiles der
Geistlichkeit zu entwerfen. Erschüttert und schmerzlich bewegt hörte ich zu. Dann
aber sagte er mit großer Freundlichkeit zu mir: “Nun sprich dich ganz offen
und vertrauensvoll bei mir aus. Denn ich weiß, daß seit gestern in deinem
Inneren alles drunter und drüber geht und du dich nicht mehr zurechtfindest.“ Mit
vor innerer Erregung bebender Stimme erwiderte ich: “Du hast Recht. Meine
Gedanken wirbeln durcheinander. Ich weiß nicht, was ich von alledem halten
soll. Ich bitte dich, belehre mich über alles und sage mir vor allem, wer du
bist und wie es möglich ist, daß du durch diesen Jungen redest.“ “Du
hast Recht, daß du mich zunächst fragst, wer ich bin. Denn ihr sollt die
Geister, die zu euch reden, vor allem prüfen, ob sie von Gott sind, damit ihr
nicht die Opfer böser Geister werdet, die euch leiblich und geistig zugrunde
richten, euch nicht die Wahrheit sagen, sondern die Lüge, und dadurch euren
Lebensweg zum Abgrund führen. - Ich schwöre es dir bei Gott, daß ich ein
guter Geist Gottes bin, und zwar einer der höchsten. Meinen Namen behalte für
dich! Nun
nannte er seinen Namen. “Ich
bin es, der dich hierher geführt hat. Ich will dich im Auftrage Gottes
belehren, und du hinwiederum lehre deine Mitmenschen!“ Ich
wußte nicht, wie mir war und wie mir geschah. “Jetzt
will ich beginnen“, fuhr er fort, “dich über das zu belehren, was hier vor
sich geht. Du meinst wohl, es sei etwas ganz Neues und Unerhörtes, was du
hier wahrnimmst. Es ist dies so alt, wie die Menschheit. Von den Tagen der
ersten Menschen bis heute ist die Geisterwelt mit den Menschen in Verbindung
getreten. Die gute Geisterwelt und freilich auch die böse. Du hast doch in
den alten Urkunden, die ihr “Altes Testament“ nennt, oft genug gelesen, daß
Gott zu den Menschen gesprochen hat. Gott sprach zu Adam, zu Kain, zu
Abraham, Isaak, Jakob, zu Mose und vielen anderen. Wie denkst du dir das?
Gott ist doch ein Geist. Ein Geist hat aber nicht einen materiellen Mund und
materielle Stimmbänder, daß er nach Art der Menschen reden könnte. Wie also
sprach Gott zu diesen Menschen?“ “Ich
weiß es nicht“, war meine kurze Antwort. “Und
wie erklärst du dir das Erscheinen der drei Männer bei Abraham? Dieser wußte,
daß es keine Menschen, sondern Boten Gottes waren. Doch gab er ihnen zu essen
und verhandelte mit ihnen über die Vernichtung der Städte Sodom und Gomorrha.
Wie erklärst du dir diese Vorgänge?“ Ich
konnte nichts erwidern. Das alles hatte ich wohl hundertmal gelesen und den
Kindern in der Schule vorgetragen. Aber wie der in der Bibel erwähnte Verkehr
der Geister mit den Menschen vor sich ging und zustande kam, davon hatte ich
noch nie etwas gehört und mir auch selbst noch keine Gedanken darüber
gemacht. Er
fuhr fort, ein Examen über diese Dinge mit mir abzuhalten. Aber auf nichts
konnte ich ihm eine richtige Antwort geben. “Du
weißt, daß ihr Menschen verschiedene Mittel habt, um denen Mitteilungen
zukommen zu lassen, die von euch entfernt sind. Ihr schreibt ihnen Briefe,
telefoniert oder telegrafiert ihnen, und jetzt benutzt ihr sogar die Ätherwellen
im Radio. - So hat auch die durch die Materie von euch getrennte Geisterwelt
verschiedene Mittel, mit euch in einer euch wahrnehmbaren Weise in Verbindung
zu treten. Aber
ihr Menschen von heute denkt über diese Dinge nicht nach. Ihr lest das alles,
aber es bleibt ein totes Lesen. Nimm
die gewaltige Geschichte des Mose! Da findest du, daß der ‘Engel des Herrn‘
aus dem brennenden Dornbusch redet; daß Gott Tag für Tag dem Mose Anweisungen
gibt, was er tun soll; daß der ‘Engel des Herrn‘ vor dem Volke Israel in
einer Wolkensäule herzieht und daraus spricht; daß Moses Gott befragt, sooft
er will, und daß Gott ihm antwortet. Aber
auch das Volk konnte Gott fragen. Es ging in das Offenbarungszelt vor dem
Lager, in dem Josua, der Diener des Mose, beständig anwesend sein mußte und
das er deshalb nicht verlassen durfte. - Nun denke einmal darüber nach, warum
wohl der junge Josua immer in dem Zelte bleiben mußte! Hing das vielleicht
mit dem Befragen Gottes zusammen?“ Da
schoß mir blitzartig die Antwort durch meine Gedanken, und ich sagte hastig:
“Das war wohl mit dem Josua so, wie es hier mit diesem Jungen ist? Wie du den
Körper dieses Jungen benutztest, um mit mir zu reden, so bediente sich damals
die Geisterwelt des Josua?‘ “Du
hast es richtig erkannt“, sagte er. “Nur mußt du dir merken, daß es in den
seltensten Fällen Gott selbst war, wenn es in der Bibel heißt: ‘Gott sprach!‘
Denn Gott spricht in der Regel durch seine Geisterboten. Auch
sollst du nicht meinen, daß die Geisterwelt sich stets eines Menschen bedient,
wenn sie zu euch sprechen will. Es gibt viele Mittel für die Geister, sich
euch verständlich zu machen. So
findest du, daß Gott durch die ‘Wolkensäule‘ sprach. In sehr vielen Fällen
wurde der Verkehr mit den Geistern durch die Gabe des ‘Hellsehens‘ und
‘Hellhörens‘ einzelner Menschen für diese ermöglicht. Das Sprechen Gottes mit
Adam und Eva und auch manchen der späteren Zeit vollzog sich auf dem Wege des
Hellhörens. Dann
gab es noch ein Mittel, dessen man sich bei den Israeliten oft bediente, um
Gott zu fragen. Es war das ‘Brustschild‘ auf dem Kleid des Hohenpriesters,
das darum auch den Namen ‘Orakelschild‘ führte. Über den genauen Hergang bei
dieser Art der Befragung Gottes werde ich dich später eingehend belehren. Aber
nicht bloß im Alten Testament fand dieser Geisterverkehr statt, sondern in
ebenso ausgedehntem Maße im Neuen Testament. Alle Evangelien und besonders
die Apostelgeschichte enthalten eine große Anzahl von Berichten über
Geisterkundgebungen. - Christus selbst hatte es ja allen, die gläubig würden,
fest verheißen, daß er ihnen die Geister Gottes senden werde. Die Vorgänge
bei den gottesdienstlichen Versammlungen der ersten Christen, die ihr euch
heute nicht mehr erklären könnt, waren nichts anderes als ein Kommen und
Gehen der Geisterwelt. Sie redete durch den einen der Versammelten in einer
fremden Sprache, durch einen anderen in der Muttersprache der Anwesenden,
einem Dritten gab sie die Kraft, Kranke zu heilen und wieder anderen erteilte
sie andere Gaben, je nachdem sich die einzelnen für die betreffenden Gaben
als Werkzeuge in der Hand der Geisterwelt eigneten. Das war damals etwas
Alltägliches und wurde als etwas Selbstverständliches betrachtet. Dieser
Geisterverkehr hat nicht etwa mit der ersten christlichen Zeit aufgehört, wie
man euch von seiten der ‘Kirchen‘ darzutun sucht. Vielmehr soll und wird er
zu allen Zeiten bestehen. Denn es ist der einzige Weg, auf dem ihr die
Wahrheit erlangen könnt. Das
hängt allerdings von den Menschen ab, ob sie mit den Geistern Gottes in
Verbindung kommen oder nicht. Auch im Alten Bund gab es Zeiten, in denen der
Verkehr der guten Geisterwelt mit den Menschen fast ganz aufhörte. Es waren
die Zeiten der Gottentfremdung. Auch
heute sind die Menschen trotz der vielen Gotteshäuser, die ihr baut, zu einem
sehr großen Teil von Gott abgekommen und dem Bösen verfallen. Wenn die
heutige Menschheit ihrem Gott innerlich wieder so nahe kommt, wie dies in
manchen Zeiten des Alten Bundes und in der ersten christlichen Zeit der Fall
war, so werden sich alle die euch so wunderbar erscheinenden Dinge wieder
ereignen, die euch aus jenen Zeiten berichtet sind. Denn es ist derselbe
Gott, damals wie heute. Er hat seine Geschöpfe heute genauso lieb wie damals,
und er kennt kein Ansehen der Person. Für
heute mögen diese allgemeinen Belehrungen genügen. Über die Einzelheiten des
Verkehrs der Geister mit euch Menschen wirst du im Laufe der Zeit genauer
unterrichtet werden, wenn du Willens bist, dich belehren zu lassen und die
Aufgabe zu übernehmen, die dir zugedacht ist. Gezwungen wirst du nicht. Du
hast deinen freien Willen. Du kannst das Dargebotene annehmen und der
Wahrheit Zeugnis geben oder es ablehnen und deinen bisherigen Weg
weitergehen. Bist du bereit, es anzunehmen, so wirst du wohl große irdische
Opfer zu bringen haben. Du wirst Verfolgung leiden müssen um des Rechten und
der Wahrheit willen. Aber den Frieden wirst du finden. - Lehnst du aber das
dargebotene Gottesgeschenk ab, so hast du dafür die Verantwortung zu tragen.
Entscheide selbst! So - oder so. Du
sollst nicht blindlings alles hinnehmen, sondern prüfen sollst du, ob es die
Wahrheit ist oder ob dir ein Gaukelspiel des Bösen vorgemacht wird. Du sollst
dich nicht mit dem zufrieden geben, was du von mir hörst. Du sollst auch
durch eigene Anschauung auf diesem Gebiet Erfahrungen sammeln, unabhängig von
dem, was dir hier entgegentritt. Deshalb
möchte ich dich zum Schluß bitten: Suche dir in deiner Landpfarre einige
Personen aus, die von derartigen Dingen noch nichts wissen. Halte mit ihnen
zu einer gelegenen Stunde wöchentlich die eine oder andere Zusammenkunft
unter Gebet und Schrifterklärung, so wie es bei den ersten Christen Sitte
war. Und dann gib auf alles genau acht, was sich dabei ereignen wird. So
wirst du Gelegenheit haben, das dort Erlebte mit dem zu vergleichen, was du
hier siehst und hörst. Daneben richte es so ein, daß du jeden Sonntagabend 8
Uhr hier in diesem Kreise bist, damit ich mit meinen Belehrungen fortfahren
kann.“ “Ich
bin gern bereit“, sagte ich, “sonntags hierher zu kommen, sooft es mir
möglich sein wird. Doch kann ich mich nicht dazu entschließen, droben in
meiner Landpfarre aus diesen einfachen Bauersleuten einige Personen für eine
solche Zusammenkunft auszuwählen. Das würde in dem kleinen Dorfe ein
ungeheueres Aufsehen erregen, dessen Folgen nicht abzusehen wären. Zudem
wüßte ich auch nicht, wen ich dazu nehmen könnte.“ “Wenn
du dich nur dazu entschließen wolltest, dann würde alles andere schon gefügt
werden“, entgegnete er auf meine Einwendungen. “Du mußt es nicht. Alles
unterliegt deiner freien Willensentscheidung. Aber ich möchte dir doch dazu
raten. Und nun will ich schließen.“ Die
Hände, wie tags zuvor, zum Segen erhebend, sprach er die Worte: “Gott möge
dich behüten! Er möge dir Kraft geben, seinen Willen auszuführen! Amen. -
Grüß Gott!“ Dann
sank der Junge wieder vornüber und kam nach wenigen Augenblicken zu sich. Von
allem, was sich zugetragen, wußte er nichts. Alle
natürlichen Erklärungsversuche, die ich heranzog, mußte ich immer wieder als
unzulänglich preisgeben. Sie reichten nicht aus, auch nur einen geringen Teil
des Erlebten verständlich zu machen. Was
mich am meisten, ich möchte sagen mit unwiderstehlicher Gewalt innerlich
gefangen nahm, war die ruhige Klarheit und überzeugende Folgerichtigkeit
dessen, was ich hier zum erstenmal hörte. So konnte nur die Wahrheit wirken.
Dieser Wirkung vermochte ich mich nicht zu entziehen, selbst wenn ich es
versucht hätte. So
vieles in der Bibel, was ich bis dahin nicht verstanden hatte, war mir jetzt
klar. Zudem
stand ich erst am Anfang. Eine vollständige Belehrung über alle Zusammenhänge
war mir in Aussicht gestellt. Ich brauchte nur das Dargebotene anzunehmen.
Noch mehr! Ich sollte mich mit dem hier gehörten nicht begnügen. Ich sollte
auch aus einer anderen, von dieser unabhängigen Quelle schöpfen, um sicher zu
gehen. Ich sollte mit einfachen, unerfahrenen Leuten vom Lande, die vom
“Spiritismus“ keine Ahnung hatten, mich zu einer Art Gottesdienst nach dem
Beispiel der ersten Christen zusammensetzen, fern von jeder fremden Beeinflussung
- in meiner eigenen Pfarrei. Sollte
ich das wirklich wagen? Was würden die Leute sagen? Ich merkte, wie das
Gefühl der Menschenfurcht in mir hoch kam. - Würden meine eigenen Pfarrkinder
mich nicht für geistesgestört halten müssen, wenn ich etwa Derartiges
unternähme? - Und wenn meine geistliche Behörde davon Kunde erhielt, würde es
mich nicht meine Stelle kosten? Ein
schwerer Kampf tobte in mir. Nach welcher Seite sollte ich mich entscheiden?
Denn daß ich mich jetzt entscheiden müsse, fühlte ich. Nie in meinem Leben
habe ich mit einer solchen Innigkeit zu Gott gebetet, wie in diesen Tagen.
Endlich entschloß ich mich, die gegebenen Weisungen zu befolgen, auch unter
den größten persönlichen Opfern, auch unter Verlust meiner Stellung und
meiner wirtschaftlichen Existenz. So war
also die Entscheidung gefallen. Danach wurde ich innerlich vollkommen ruhig,
und mit großer Zuversicht sah ich den kommenden Dingen entgegen. _______ *
_______ Ihr jedoch gehört zu denen, welche die geistige Salbung
der Wahrheit von dem Heiligen empfingen und daher in die ganze
Wahrheit eingeführt sind. 1.
Joh. 2,20 Ohne
Rücksicht auf die drohenden Folgen hatte ich mich entschlossen, in meiner
eigenen Pfarrei einige Leute auszusuchen, um mit ihnen Zusammenkünfte zu
veranstalten, wie ich sie in der benachbarten Stadt selbst mitgemacht hatte.
Wen ich dazu nehmen sollte, wußte ich nicht. Es war mir ja gesagt worden, es
werde alles gefügt, sobald ich dazu bereit sei. Und so geschah es. Ich
brauchte mir die Leute nicht zu suchen, sondern sie wurden mir ohne mein
Zutun auf ganz merkwürdige Weise zugeführt. In
meiner Pfarrei hatte ich eine Kranke, die teilweise gelähmt war. Ich besuchte
sie mehrere male in der Woche. Eine Schwester von ihr war in meinem Pfarrort
verheiratet und hatte vier Kinder im Alter von 20 bis 28 Jahren: Drei Söhne
und eine Tochter. An
einem Abend saß ich bei der Kranken und unterhielt mich mit ihr. Da kam einer
der Söhne ihrer Schwester und fragte, ob seine Mutter nicht hier sei. Es
wurde ihm gesagt, daß die Mutter dagewesen, aber wieder fortgegangen sei, um
einige Geschäfte zu besorgen. Sie werde in wenigen Minuten wieder hierher
zurückkommen. Der Junge setzte sich hin, um auf die Mutter zu warten. Es
dauerte nicht lange, da kam die Mutter und fast gleichzeitig mit ihr die
beiden anderen Söhne, die ihren Bruder abholen wollten. Denn sie hatten mit
Kameraden verabredet, sich an diesem Abend in einer bestimmten Familie zu treffen.
Einige Minuten später trat auch die Tochter ins Zimmer. Sie war
Krankenpflegerin und wollte mich fragen, ob bei einem Kranken Nachtwache
nötig sei. So
waren wir also zu sieben Personen zusammen. Plötzlich brachte einer der Söhne
die Sprache auf meine Predigt vom letzten Sonntag. Ich hatte darin einen
Abschnitt aus der Bibel angeführt, der ihnen gänzlich unbekannt war. Nun
erklärte ich den um mich herum Sitzenden ausführlich jene Stellen der
Heiligen Schrift. Alle hörten mit größter Aufmerksamkeit zu. Als ich geendet
hatte, meinte einer der Söhne, er wäre froh, wenn er öfters Gelegenheit
hätte, über so manches aus der Bibel Aufklärung zu bekommen. Ich
sagte, daß ich gern bereit sei, hier bei ihrer kranken Tante öfters mit ihnen
zusammenzukommen und ihnen die Fragen zu beantworten, die sie mir vorlegen
würden. So hätten sich ja auch die ersten Christen in ihren Häusern
versammelt und die religiösen Dinge zusammen besprochen. Mit Freuden
willigten die Anwesenden in meinen Vorschlag ein, und wir setzten sofort
schon die Abende für diese Zusammenkünfte fest. An
mehreren Abenden waren wir bereits zusammengekommen, ohne daß sich etwas
Außergewöhnliches dabei ereignet hatte. Bei unseren “Sitzungen“ begannen wir
mit Gebet. Dann widmeten wir, uns die Hände reichend, einige Minuten
schweigend der inneren Sammlung. Es folgte eine Lesung aus der Heiligen
Schrift und Erklärung und Besprechung des Gelesenen sowie Beantwortung der
von den Anwesenden gestellten Fragen. Auch überlegten wir zusammen, wie wir
den Notleidenden unserer näheren oder weiteren Umgebung Hilfe bringen
könnten. Ich
wunderte mich, mit welch tiefem Ernst besonders die drei Brüder die Sache
aufnahmen. Dabei fiel nicht bloß mir, sondern auch der Mutter etwas
Merkwürdiges auf: Der Gesichtsausdruck der drei Jungen wurde ein anderer,
viel edler und schöner. Selbst Fremden fiel dies auf. Auch bekannte einer
dieser drei, er wisse nicht, was eigentlich in seinem Inneren vorgehe. Wenn
er draußen im Feld bei der Arbeit sei, mahne ihn eine innere Stimme ständig daran,
Gott zu loben und zu preisen und ihm zu danken. Früher seien ihm solche
Gedanken nie gekommen. Und wenn er jetzt bei seinem jähzornigen Temperament
einmal einer Zornesaufwallung nachgebe, dann falle ihm dies in demselben
Augenblick so schwer auf die Seele, daß er sofort in der Arbeit einhalten
müsse, um Gott für den begangenen Fehler um Vergebung zu bitten. Erst dann
könne er wieder froh weiterarbeiten. Früher sei er dutzendemal am Tage in
diesen Fehler gefallen, ohne daß er sich dadurch innerlich beschwert fühlte. Es war
dasselbe, was auch ich an mir erfahren hatte seit dem Tage, wo ich die erste
Zusammenkunft in der benachbarten Stadt mitgemacht haue. Fehler und
Nachlässigkeiten, die ich früher nicht beachtete, brannten wie Feuer in
meiner Seele. In unserer
vierten Sitzung hatte ich eine Stelle der Bibel erklärt. Meine Auslegung war
dieselbe, wie sie heute von allen christlichen Bibelauslegern gegeben wird.
Eine andere kannte ich nicht. Noch war ich mit meiner Auslegung nicht zu
Ende, als sich des einen Jungen eine mir unerklärliche Erregung bemächtigte.
Mit merkwürdig glänzenden Augen sah er mich an, und ich merkte, wie er sich
innerlich gegen etwas zu wehren suchte. Plötzlich wandte er sich an mich,
indem ein Zittern durch seine Glieder ging, und sagte: “Ich kann nicht
anders. Ich muß Ihnen mitteilen, daß Ihre Erklärung falsch ist. Ich werde
gezwungen, die richtige Auslegung zu sagen.‘ Und
nun sprach er die Sätze, die ihm als Auslegung der Bibelstelle innerlich
eingegeben wurden. Sie waren so klar und einleuchtend, daß weder bei mir noch
bei den anderen Teilnehmern ein Zweifel an ihrer Richtigkeit möglich war. Noch
hatten wir uns von unserem Staunen nicht erholt, da erklärte derselbe Junge:
“Ich muß schreiben.“ “Was
willst du denn schreiben?“ fragte ich. “Ich
weiß es nicht. Aber eine unwiderstehliche Gewalt zwingt mich dazu. - Gebt mir
Papier und Bleistift!“ Wir
legten ihm beides hin. Sofort schrieb er mit großer Geschwindigkeit eine
Seite eines Folioblattes voll. Ein Buchstabe war an den anderen gereiht, ohne
daß Wörter und Sätze voneinander getrennt waren. Als Unterschrift stand unter
dem Geschriebenen das Wort “Celsior.“ Das
Schriftstück enthielt eine für uns wichtige Belehrung. Der Junge fragte mich,
was das Wort “Celsior“ zu bedeuten habe. Ich erklärte ihm, daß es ein
lateinisches Wort sei und so viel heiße wie: “Der Höhere“ oder “ein Höherer“. Ich
wollte nun von dem Jungen wissen, welche Empfindungen er bei dem soeben
Erlebten gehabt habe. Er gab mir zu Antwort, daß er nicht die rechten Worte
finde, um das auszudrücken. Er habe unter dem Einfluß einer Gewalt gestanden,
die so groß war, daß er nicht widerstehen konnte. Er habe sich zwar mit allen
Kräften zur Wehr gesetzt, als er mir sagen sollte, daß meine Bibelerklärung
falsch sei. Denn er sei selbstverständlich überzeugt gewesen, daß meine
Erklärung richtig war. Aber er sei zum Sprechen und nachher auch zum
Schreiben gezwungen worden. Es sei ihm dabei gewesen, als ob ihm die eigenen
Gedanken weggenommen und durch andere ersetzt wurden. Er habe gewußt, daß er
schrieb. Auch des Inhaltes eines jeden Satzes sei er sich bewußt gewesen,
aber nur so lange, als er den Satz aussprach oder schrieb. War ein Satz zu
Ende, so habe er keine Erinnerung mehr daran gehabt, sondern der folgende
Satz habe seinen Geist vollständig ausgefüllt, und er sei gezwungen gewesen,
ihn mit den Worten auszusprechen oder niederzuschreiben, die ihm eingegeben
wurden. Auf die Buchstaben, Rechtschreibung, Komma oder Punkt habe er beim
Schreiben nicht achten können. Am Schluß seiner Bibelauslegung und seiner
Niederschrift habe er von dem Inhalt nichts mehr gewußt, so daß es ihm
unmöglich sei, das Gesprochene und Geschriebene zu wiederholen. Wir
waren noch daran, das Vorgefallene zu besprechen, als einer seiner beiden
Brüder sagte, er könne an den Zusammenkünften nicht mehr teilnehmen, denn er
vermöge seinen Kopf nicht mehr ruhig zu halten. Er werde ihm gegen seinen
Willen hin und her gedreht. Er versuche sich dagegen zu wehren, aber ohne
Erfolg. Auch
ich hatte das Hinundherbewegen seines Kopfes bemerkt. Ebenso seine Mutter.
Diese schaute mich mit fragenden Blicken ängstlich an. Ich beruhigte sie und
den Jungen, indem ich ihnen sagte, daß sie keine Angst zu haben brauchten.
Denn das, was wir täten, könne nichts Böses sein. Zwar verständen wir das
noch nicht, was hier vor sich gehe. Aber es werde uns ohne Zweifel bald
klarwerden. Ähnliche Vorkommnisse hätten sich auch in den Versammlungen der
ersten Christen ereignet. Und ich las ihnen zum Beweis dafür das Kapitel 14
des ersten Korintherbriefes vor und erklärte es ihnen, so gut ich es damals
konnte. Mir
waren die Vorkommnisse des heutigen Abends ebenso neu wie den anderen
Teilnehmern. Bei dem Zusammentreffen mit dem Jungen in der benachbarten Stadt
hatte ich ja bloß erlebt, daß ein Geist aus einem vollständig bewußtlosen
Menschen sprach. Daß ein Geist einen Menschen auch bei vollem Bewußtsein als
Werkzeug benutzen konnte, und zwar zum Sprechen und Schreiben, davon hatte
auch ich keine Kenntnis. Vollends unklar war mir, was bei dem Jungen vor sich
ging, dessen Kopf hin und her bewegt wurde. Ich
war daher froh, daß ich am kommenden Sonntag bei der Sitzung in der Stadt mir
Aufklärung über diese Dinge erbitten konnte. Dort wurde mir gesagt:
“Beunruhige dich nicht, wenn du nicht in allen Punkten sofort volle Klarheit
gewinnst. Dafür ist die Sache für dich viel zu neu, und es fehlen dir für
manches die richtigen Begriffe. Aber nach und nach wird dir alles
verständlich werden. - Bei euren menschlichen Erfindungen und Entdeckungen
geht es ja ähnlich. Zuerst hält man die entdeckte Wahrheit für unmöglich und
den Entdecker für geistig nicht normal. Jahre später wird dieselbe Entdeckung
allgemein anerkannt und als etwas Selbstverständliches betrachtet. - Wer
konnte sich vor hundert Jahren einen Begriff von euren jetzigen Flugzeugen
machen, vom Telefon oder Telegraf oder gar vom Radio? Wenn jemand damals
gesagt hätte, es werde eine Zeit kommen, wo man in der Luft fliegen, nach
fernen Orten sprechen und in der eigenen Wohnung ein Konzert hören könne, das
viele hundert Stunden entfernt stattfände, so hätte man ihn nicht ernst
genommen. Und gerade eure Gelehrten würden sich am meisten gegen diese
Möglichkeiten ausgesprochen haben. Nun
wird dir gesagt, und du erlebst es selbst, daß die Geisterwelt mit den
Menschen in Verbindung treten kann, sobald die erforderlichen Vorbedingungen
erfüllt sind. Die große Masse glaubt das nicht und hält es für unmöglich,
genauso wie sie früher vieles für unmöglich gehalten hat, was heute
Wirklichkeit ist. Auch
eure Gelehrten wollen nicht zugeben, daß die Geisterwelt in einer mit euren
Sinnen wahrnehmbaren Weise in euer Leben eingreifen kann. Und doch vollziehen
sich Tausende von Ereignissen auch in eurer Zeit, die von den Gelehrten als
unwiderlegliche Tatsachen festgestellt werden können, und zwar als Tatsachen,
die nur als Eingriffe der Geisterwelt zu erklären sind. Eure Gelehrten suchen
jedoch andere Ursachen für jene Geschehnisse und muten euch zu, daß
Unvernünftigste und Unglaublichste zu glauben, um jene Tatsachen ‘menschlich‘
zu erklären, nur damit sie nicht gezwungen sind, eine Geisterwelt und ein
Jenseits anzunehmen. Die einen von ihnen tun es, weil sie ein Fortleben nach
dem Tode leugnen. Die anderen, weil sie noch nicht den Mut aufbringen, als
Wissenschaftler für das Eingreifen von Geistern einzutreten, obschon sie
innerlich davon überzeugt sind. Sie fürchten, daß ihr wissenschaftlicher Name
darunter leiden könnte. Aber
es wird die Zeit kommen, wo auch eure Wissenschaft das Bekenntnis ablegen
muß, daß die Geisterwelt, sowohl die gute als auch die böse, in euer Leben
und euer Schicksal in der mannigfachsten Weise sichtbar und fühlbar
eingreift. Du
darfst dich daher nicht wundern, wenn du in der jetzigen Zeit nicht für
normal gehalten wirst, sobald du erklärst, du habest mit einem Geist
gesprochen. Darüber
muß ich allerdings staunen, daß auch eure Religionsgemeinschaften den Glauben
an das Eingreifen der Geisterwelt und ihren Verkehr mit den Menschen für die
heutige Zeit ablehnen, oder wenn sie ihn zugeben, die Behauptung aufstellen,
daß es nur die böse Geisterwelt sein könne, die sich heute kundtue. Eine
solche Stellungnahme ist ganz töricht. Denn wenn heute keine Geister zu euch
kommen können, dann war es auch in früheren Zeiten nicht möglich. Dann sind
auch alle biblischen Berichte über einen Geisterverkehr in das Reich der Sage
zu verweisen. Oder sind es bloß böse Geister, die sich heute kundgeben, dann
waren es auch früher bloß böse Geister. Damit würden alle Religionen, die
sich auf das Alte und Neue Testament gründen, in sich zusammenfallen. Denn
sie behaupten doch, durch Geister ihre religiösen Wahrheiten und Gesetze
empfangen zu haben. Waren es jedoch früher gute Geister, die zu den Menschen
kamen, so ist kein Grund auszudenken, weshalb sie heute nicht mehr kommen
sollten. Es ist derselbe Gott, der damals die guten Geister schickte und der
sie heute schickt. Wie er damals die Menschheit auf den rechten Weg führen
wollte, so auch heute. Oder meint ihr etwa, ihr hättet heute eine Belehrung
und Führung durch die Geister Gottes nicht mehr nötig? Meint ihr vielleicht,
ihr seiet bessere und klügere Menschen als die der alten Zeit und im Besitz
der vollen Wahrheit? Was du
in deiner Pfarre erlebt hast, ist eine Bestätigung dessen, was du von mir
vernimmst. Du wirst noch viel mehr erleben. Habe keine Angst wegen des einen
Jungen, der seinen Kopf nicht mehr ruhig halten kann. An ihm wird gearbeitet,
und du sollst mit eigenen Augen sehen, auf welche Weise die verschiedenen
‘Medien‘ ausgebildet werden. Das
Wort ‘Medium‘ bedeutet ‘Werkzeug‘. ‘Medien‘ sind also Menschen, die von der
Geisterwelt als Werkzeug benutzt werden, um einen Verkehr mit der
Menschenwelt zu ermöglichen. Auch Tiere können Medien sein. Doch diese lassen
wir einstweilen außer Betracht. Wenn
Menschen als Werkzeuge der Geisterwelt dienen sollen, bedürfen sie dazu einer
Ausbildung, die durch die Geisterwelt erfolgt. Sie ist von kürzerer oder
längerer Dauer, je nach der Verschiedenheit der Personen und vor allem der
Zwecke, für die sie verwendet werden sollen. Über
die Arten der Medien und die Einzelheiten ihrer Ausbildung werde ich dich
eingehend belehren, sobald die Zeit dafür da ist. Heute sage ich dir darüber
nur so viel, als für dich nötig ist, um die Geschehnisse in den nächsten
Sitzungen da oben in deiner Pfarrei zu verstehen. Dort
hast du augenblicklich zwei Arten von ‘Medien‘, die in der Ausbildung
begriffen sind und an denen vonseiten der Geisterwelt gearbeitet wird. Das
eine ist ein sogenanntes ‘Inspirationsmedium‘. Ihm werden von einem Geist
bestimmte Gedanken mit einer solchen Kraft eingegeben, daß die eigenen
Gedanken des Mediums verdrängt werden und es ganz unter der Gewalt jenes
Geistes steht. Von ihm empfängt es nicht bloß die Gedanken, sondern wird von
ihm auch gezwungen, sie entweder auszusprechen oder niederzuschreiben. Dabei
behält das Medium sein volles Bewußtsein. - Dein Inspirationsmedium muß noch
weiter ausgebildet werden, damit seine Aufnahmefähigkeit für die Eingebungen
der Geisterwelt vervollkommnet wird. Es muß noch manches, was als Hemmnis im
Wege steht, aus ihm hinausgeschafft werden. Was das ist, verstehst du jetzt
noch nicht. Aber später wird es dir klar werden. Das
andere Medium, das noch nicht weiter in Tätigkeit getreten ist, befindet sich
im ersten Stadium der Ausbildung. Es ist der Junge, der seinen Kopf bei der
letzten Sitzung nicht ruhig halten konnte und dadurch ängstlich wurde. Er
wird ein ‘Sprechmedium‘. Der eigene Geist wird aus seinem Körper verdrängt,
und ein fremder Geist nimmt von ihm Besitz und spricht durch ihn. Man nennt
diesen Zustand ‘Trance‘. Er hat eine Menge Abstufungen, je nachdem der Geist
des Mediums nur teilweise oder vollständig von seinem Körper getrennt ist. Wie
das Lösen des Geistes von dem Körper des Mediums vor sich geht, ist für euch
schwer verständlich. Doch ein anderes Mal wird es dir ausführlich erklärt
werden. Die
Ausbildung eines ‘Volltrancemediums‘ oder ‘Tieftrancemediums‘ ist zwar nicht
schön anzusehen. Aber sie ist notwendig und vollzieht sich nach ewigen
Gesetzen. Damit
die Mutter des Mediums beim Anblick der Vorgänge sich nicht unnötig ängstigt,
ist es am besten, wenn sie einstweilen den Sitzungen fern bleibt. Die
Ausbildung der Medien ist eine wichtige und heilige Sache. Ihr sollt daher in
euren Sitzungen viel für die Medien beten und Gott um Kraft und Beistand
bitten, damit alles nach Gottes Willen geschieht und die Medien brauchbare
Werkzeuge des Guten werden und Gott treu bleiben. Diese Mitteilungen waren
heute für dich notwendig, damit du die Vorgänge bei der Ausbildung deiner
Medien einigermaßen verstehst und dich nicht über das beunruhigst, was du bei
ihnen erlebst.“ Was
mir über die Ausbildung der beiden Medien meiner Pfarre gesagt wurde,
bestätigte sich in allen Punkten. An dem Jungen, der als “Inspirationsmedium“
bezeichnet worden war, ging die Ausbildung schnell vonstatten. Ihm wurden
ausführliche Belehrungen über die wichtigsten Wahrheiten eingegeben und von
ihm niedergeschrieben. Sie enthielten etwas für mich ganz Neues und standen
zum größten Teil mit dem in Widerspruch, was der Junge selbst bisher geglaubt
und was auch ich als Wahrheit gepredigt hatte. Von Unterbewußtsein und
Gedankenübertragung, mit der manche alles Derartige zu erklären suchen,
konnte in diesem Falle also keine Rede sein. Gedankenübertragung kam auch
schon deswegen nicht in Frage, weil das Inspirationsmedium alle Sachen, die
es von jetzt abschrieb, nicht in den Sitzungen niederschrieb, sondern zu
Hause, ohne Beisein irgend eines anderen. Der Junge setzte sich nie aus
eigener Entschließung zum Schreiben hin, sondern dieselbe unwiderstehliche
Gewalt, die ihn das erstemal in der Sitzung gepackt hatte, zwang ihn jedesmal
dazu und bestimmte auch den Augenblick dafür. Einmal wurde er in den
frühesten Morgenstunden, als noch an kein Aufstehen zu denken war, plötzlich
geweckt und aufgefordert, aufzustehen und sich zum Schreiben hinzusetzen. Er
leistete dieser Aufforderung nicht Folge, da er dachte, es sei noch viel zu
früh zum Aufstehen. Da fühlte er, wie er mit Gewalt aus dem Bett gezogen und
auf den Boden gelegt wurde. Von Angst ergriffen, sprang er auf und setzte
sich zum Schreiben hin. Er schrieb wunderbare Ausführungen über “die
Erlösung“, die in keinem Punkte mit dem übereinstimmen, was er als Katholik
darüber wußte, aber auch sonst nirgends auch nur in ähnlicher Weise zu finden
sind. Ebenso schrieb er, der einfache Landjunge, eine Abhandlung über die
“Heilige Schrift“, die vollständig neue Wahrheiten enthält. Nicht bloß der
Inhalt, sondern auch die Satzbildung ist in diesen Niederschriften so, daß
der Junge das nie aus sich hätte fertigbringen können. Er schrieb folgende
Abhandlungen in Prosa: “Die Vergeistigung der Seele“, “Die Gnade Gottes“,
“Was hat dein Erlöser für dich getan?“, “Frühling, Sommer, Herbst und
Winter“, “Die Ernte“, “Die Nacht“, “Flehet zum Herrn!“. “Die Heilige Schrift“,
“Kindesliebe“, “Der Tod des Sterblichen“. Wie
alle Niederschriften in Prosa nur die Wahrheiten Gottes zum Gegenstand haben,
so auch seine Gedichte: “Der Helden Ruf“, “Die Sprache der Schöpfung“, “Heil
und Hosanna“, “Auf Gottes Wegen“, “Gottes Hirt und seine Herde“, “Der
Stärkere“, “So ziehet dein Schöpfer“. Die
Ausbildung seines Bruders zum Sprechmedium nahm längere Zeit in Anspruch. Der
Anblick der dabei eintretenden körperlichen Zustände war oft recht
beängstigend. Ich war daher froh, vorher darüber unterrichtet worden zu sein,
sonst hätte ich wohl kaum den Mut gefunden, bis zum Schluß auszuharren. Die
Mutter des Jungen hatte ich gebeten, bis auf weiteres den Sitzungen fern zu
bleiben. Nachdem
seine Ausbildung vollendet war, fiel er in derselben Weise in den sogenannten
“Trance-Zustand“, wie ich dies zuerst bei dem Sprechmedium in der Stadt
gesehen hatte. Das Geistwesen, das zum erstenmal durch ihn sprach, kam mit
dem Gruß: “Gott mit uns!“ Dann schwor es bei Gott, daß es ein guter Geist
Gottes sei und nannte seinen Namen. Durch
diesen Geist wurde mir eine Fülle von Weisungen und Belehrungen gegeben, die
alle mit dem übereinstimmten, was ich durch das “Inspirationsmedium“ meiner
Pfarre und vor allem durch das Medium in der Stadt erfuhr. Zwei
Dinge fielen mir dabei auf: Zunächst konnte ich einen Rangunterschied
zwischen dem Geist feststellen, der durch das Sprechmedium in meiner Pfarre
sprach, und dem Geist, der sich des Mediums in der benachbarten Stadt
bediente. Denn manchmal, wenn ich eine sehr wichtige Frage an den aus dem
Medium meiner Pfarre sprechenden Geist richtete, lehnte er die Beantwortung
mit dem Bemerken ab: “Dazu habe ich keinen Auftrag. Aber frage ‘Ihn‘!“ - Bei
dem Wort “Ihn“ verbeugte er sich tief. Mit “Ihn“ meinte er den Geist, der den
Jungen in der Stadt als Medium hatte. Das erstemal, als er mich an diesen
wies, fragte ich, ob er diesen Geist kenne. “Ich kenne ihn“, war seine kurze
Antwort. Dabei verneigte er sich wiederum sehr tief. - Es wollte mir zuerst
etwas unverständlich vorkommen, daß der aus meinem Bauernjungen sprechende
Geist mir nicht die Fragen ebensogut beantworten dürfe, wie der Geist, der
den Jungen in der Stadt als Medium hatte. Letzteren fragte ich daher eines
Tages nach der Ursache. Er belehrte mich, daß es in der Geisterwelt ähnlich
gehe, wie bei uns Menschen. Wenn ein Bote mit einem bestimmten Auftrag zu
jemand geschickt werde, dann habe er nur das auszurichten, was ihm
aufgetragen worden sei. Nichts anderes. So habe er selbst als Beauftragter
Gottes das Recht, mir jede Frage zu beantworten, die ich an ihn stelle, wenn
er die Beantwortung für notwendig oder nützlich halte. Einen so weitgehenden
Auftrag habe jedoch der Geist nicht, der aus dem Sprechmedium meiner Pfarre
spreche. Dieser habe daher die Pflicht, mich in allen Fragen, die er nicht
beantworten dürfe, an ihn zu weisen. Denn jener Geist sei ihm untergeordnet. Noch
ein anderer Unterschied fiel mir auf: Aus dem Medium in der Stadt redete
stets derselbe Geist, während in das Sprechmedium meiner Pfarre auch andere
Geistwesen eintraten. Allerdings blieb der daraus redende hohe Geist immer
der Führer. Er kam stets mit dem Gruß: “Gott mit uns!“ und war an seiner
zarten Stimme und an der ihm eigentümlichen Ausdrucksweise erkenntlich. Auch
kam er bei den Sitzungen in meiner Pfarre stets als erster. Eines
Tages fragte ich ihn, wie es zu erklären sei, daß durch das Medium in der
Stadt immer nur ein und derselbe Geist rede, während das von ihm benutzte
Medium auch anderen Geistern als Werkzeug diene. Darauf gab er mir folgende Antwort:
“Dem Geist, der durch das Medium in der Stadt spricht, wurde zur Erfüllung
einer bestimmten Aufgabe jenes Medium zur alleinigen Benutzung zugeteilt.
Darum werden andere Geistwesen bei jenem Medium nicht zugelassen. - Das
Medium durch das ich spreche, ist zwar auch für mich ausgebildet worden, aber
es ist Gottes Wille, daß auch noch andere Geister, gute und böse, hohe und
niedere, in dieses Medium eintreten und sich kundgeben. Dadurch soll dir
Gelegenheit gegeben werden, die verschiedenen Arten der Geister
kennenzulernen. Aus dem, was sie reden und tun, sollst du den Zustand
beurteilen, in dem sie sich im Jenseits befinden. Vor allem sollst du einen
Begriff bekommen von dem Weg, den die niederen Geister zu gehen haben, bis
sie zur Vollendung gelangen. Ein solch persönliches Erleben der Geisterwelt
durch ihr Auftreten in den Medien ist für dich von der größten Wichtigkeit
und vermehrt deine Erkenntnisse auf diesem Gebiet in viel vollkommenerer
Weise, als es eine mündliche Belehrung zu tun vermag. Doch werden die
Geister, die sich durch dieses Medium kundtun, nicht nach Belieben kommen und
gehen. Sie unterstehen einem Kontrollgeist, der zu bestimmen hat, welche
Geister in das Medium eintreten und wie lange sie darin verweilen dürfen. Bei
allen Medien, die als Werkzeuge des Guten dienen, ist eine solche Kontrolle.
Ebenso in allen Versammlungen, in denen der Geisterverkehr so vor sich geht,
wie es Gott haben will. Wo diese Kontrolle fehlt, erlebt ihr nichts wirklich
Schönes und Gutes. Denn die guten und hohen Geister fehlen. Sie treten nur
dort auf, wo alles nach der von Gott bestimmten Ordnung sich vollzieht und
ein Geist Gottes Ordnung hält. Bei den meisten der heutigen spiritistischen
Zusammenkünfte fehlt diese Kontrolle, und daher sind sie der Tummelplatz der
niederen Geisterwelt. Am
Anfang werde ich dir vorher sagen, welche Geister in das Medium eintreten und
wie du dich ihnen gegenüber zu verhalten hast. Später wirst du sie selbst
unterscheiden können und wirst wissen, was du in jedem einzelnen Falle tun
sollst.“ So
geschah es. Sehr groß war die Zahl der Geister, die sich des “Sprechmediums“
meiner Pfarre bedienten. Es kamen hohe Geister, die mit Worten des Lobes und
Preises Gottes eintraten, uns wichtige Belehrungen erteilten und dann mit dem
Segen Gottes sich verabschiedeten. Schwer
leidende Geister meldeten sich, die oft in erschütternden Worten um Hilfe
flehten und uns baten, mit ihnen zu beten. Manchmal sprachen sie in einer
fremden Sprache, die wir nicht verstanden, und zeigten sich sehr unglücklich darüber,
daß sie sich uns nicht verständlich machen konnten. Dann
kamen niedere Geister, die sich und ihr Schicksal verfluchten und die
schändlichsten Beschimpfungen gegen uns ausstießen und über alles Hohe und
Heilige höhnten. Wenn wir sie aufforderten, mit uns zu Gott zu beten, lehnten
sie es unter Ausdrücken des Spottes oder des Hasses ab. Drangen wir darauf,
den Namen Gottes auszusprechen, so traten sie sofort aus dem Medium aus. Sehr
zahlreich waren die Geistwesen, die überhaupt nicht wußten, daß sie durch den
Tod von ihrem irdischen Leib getrennt waren. Sie glaubten sich noch auf der
Erde zu befinden und die Beschäftigung zu verrichten, die sie als Menschen
hatten. Es waren die sogenannten “erdgebundenen Geister“. Das
Grauenhafteste, was wir erlebten, war das Auftreten der Geister von
Verbrechern. Sie sahen sich beständig an dem Ort ihrer Taten und erlebten
immer von neuem die Szenen, die sich bei Verübung ihrer Verbrechen abgespielt
hatten. Es war wie ein Film, der sich stets wiederholte. - Der Geist des
Mörders war dauernd in der Vorbereitung und Ausführung des Mordes in allen
seinen Einzelheiten, brachte die Gedanken und Empfindungen jener
schrecklichen Stunden in Worten zum Ausdruck, die uns erschaudern ließen; er
sah sein Opfer vor sich, das ihn ständig anschaute und ihn durch diesen Blick
zur Verzweiflung trieb. Ähnliches widerfuhr den Geistern von Wucherern oder
sonstigen Übeltätern, die einst ihre Mitmenschen in Not und Unglück gebracht
hatten. Wohin sie sich wenden mochten, überall standen die Gestalten ihrer
Opfer vor ihnen. Der Geist des Selbstmörders war unaufhörlich in den
Gefühlen, Verzweiflungsausbrüchen und Geschehnissen, die seinen Selbstmord
begleitet haften. Kein Bühnendarsteller der Welt vermag seine Rolle so
wahrheitsgetreu zu spielen, wie diese Geister das Erleben der dunkelsten
Stunden ihres irdischen Daseins durch den Körper der in diesen Dingen ganz
unerfahrenen, unwissenden und harmlosen Medien darstellten. Oft zitterten wir
bei Ansehen und Anhören dessen, was sich vor unseren Augen abspielte, an
allen Gliedern. Hier
und da stellten sich auch sogenannte “Foppgeister“ ein, die uns mit ihren
Späßen und Lügen zu belustigen suchten. Da wir ihr Verbleiben ablehnten,
mußten sie so schnell, wie sie gekommen waren, auch wieder gehen. Das Auftreten
der verschiedenartigen Geister und das, was sich dabei zutrug, hatte seine
tiefe Bedeutung. Von
den hohen Geistern empfingen wir wertvolle Unterweisungen, manchmal auch
ernste Zurechtweisungen und Tadel, so daß nicht selten bei dem einen oder
anderen der Teilnehmer die Tränen kamen. Mehr als einmal wurden die
geheimsten Gedanken der Anwesenden offenbart, jedoch stets so, daß keiner vor
den übrigen beschämt wurde. Es ist überhaupt eine Eigentümlichkeit der guten
Geisterwelt, daß sie ihren Tadel und ihre Zurechtweisungen immer in Formen
kleidet, die nie verletzen, sondern mit dem Hinweis auf die Verfehlung der
Menschen stets Worte des Trostes, der Ermunterung und der Liebe verbinden.
Sie brechen nie das geknickte Rohr und löschen den glimmenden Docht nicht
aus. Mit zarten Händen behandeln sie die Wunden an den Herzen ihrer
Pflegebefohlenen. Mahnungen
und Ratschläge in einer und derselben Sache pflegen sie nicht oft zu
wiederholen. Wird das, was sie sagen, nicht befolgt, so machen sie vielleicht
noch das eine oder andere Mal darauf aufmerksam. Dann nicht mehr oder nur in
den seltensten Fällen. Gibt sich jedoch einer Mühe, den Rat oder die Mahnung
auszuführen, dann kommen sie immer wieder darauf zurück und helfen ihm durch
Belehrung und liebevolle Ermunterung so lange, bis er sein Ziel erreicht hat.
Wenn jemand nur wirklich guten Willen zeigt, dann kennt ihre Liebe und ihr
Erbarmen auch in den Fällen, wo einer immer wieder aus menschlicher Schwäche
strauchelt, keine Grenze. Macht einer jedoch nicht einmal den Versuch das
auszuführen, was ihm einer dieser Gottesboten gesagt, und er bittet nachher
in einer anderen Sache um seinen Rat, dann erfolgt gewöhnlich die Antwort: “Warum
fragst du mich? Du tust ja doch nicht, was ich dir sage.“ Aber
auch das Auftreten der niedrigsten Geister gereichte uns zur Belehrung. Nie
werde ich jenen Abend vergessen, an dem in ein Sprechmedium die Geister von
drei Selbstmördern in kurzen Abständen nacheinander eintraten und wir das
Grauenhafteste erlebten, was Menschen auf diesem Gebiete vor Augen treten
kann. Als der letzte der drei Geister aus dem Medium ausgetreten war und wir
noch zitternd dasaßen, kam der leitende Geist - auch “Führer“ genannt - in
das Medium und richtete folgende Worte an uns: “Es hat seinen tiefen Grund, daß
euch das Furchtbare heute Abend gezeigt worden ist. Zunächst solltet ihr
sehen, wie die ‘Ruhe‘ beschaffen ist, die manche Menschen nach ihrem
irdischen Tode haben. Ihr pflegt ja am Grabe der Menschen so oft zu sagen: ‘Nun
hat er Ruhe!‘ - Heute Abend habt ihr diese ‘Ruhe‘ gesehen. Ihr vermögt gar
nicht zu ermessen, was diese unglücklichen Geister zu erleiden haben, bis sie
zur Erkenntnis ihres Zustandes kommen und sich zu Gott wenden. Ihr durftet
die drei Geister nicht belehren. Sie sind es noch nicht wert. Sie müssen erst
durch Leiden reif werden für eine solche Belehrung. Heute wäre sie zwecklos
gewesen. - Aber der Zustand dieser Geister ist euch noch aus einem anderen
Grunde gezeigt worden.“ Und
nun erhob er in feierlichem Ernst seine Stimme und sagte: “Einer von euch hat
sich heute mit Selbstmordgedanken getragen und war schon im Begriff, die
Vorbereitungen dazu zu treffen.“ Da stieß eine der Anwesenden einen jähen
Schrei aus und rief: “Ich bin es! Ach Gott, ich bin es!“ “Ja, du bist es“,
sagte er nun in sanftem Ton. “Du glaubtest dich dem Schweren, das du nun
schon seit vielen Jahren zu tragen hast, durch Selbstmord entziehen zu können
und dadurch Ruhe zu finden. Heute hast du ja die ‘Ruhe‘ gesehen, die deiner
in einem solchen Falle harret. Jetzt wirst du wohl für immer von dem Gedanken
des Selbstmordes geheilt sein. So war der heutige Abend für dich eine große
Wohltat.“ Mein
besonderes Augenmerk richtete ich darauf, ob das, was mir durch die “Medien“
mitgeteilt oder vorausgesagt wurde, sich bewahrheitete. Denn wenn das, was
wir auf seine Richtigkeit nachprüfen konnten, Wahrheit war, dann hatten wir
keinen Grund, an der Wahrheit dessen zu zweifeln, was sich einer Nachprüfung
entzog. Aus
den vielen Feststellungen, die ich bezüglich der Angaben der Geister gemacht
habe, möchte ich einige anführen, die geeignet sind, jeden Vorurteilslosen zu
überzeugen. Ein Rundgang
mit einem Medium durch meine Pfarrkirche. Eines
Tages besuchte mich das Medium aus der Stadt in meinem Pfarrhaus. Wir saßen
zusammen in meinem Arbeitszimmer und unterhielten uns über gleichgültige
Dinge. Meine Haushälterin war in der Küche beschäftigt und kam ab und zu ins
Zimmer. In einem Augenblick, als wir wieder allein waren, fiel der Junge
plötzlich in “Trance“, und der Geist wandte sich mit den folgenden Worten an
mich: “Deine Haushälterin ist soeben in den Garten gegangen, um dort zu
arbeiten. Diese Zeit möchte ich benutzen, um mit dir zu sprechen. Bitte,
zeige mir deine Kirche!“ Daß
meine Haushälterin in den Garten gegangen war, um darin zu arbeiten, konnte
weder ich noch der Junge als Mensch wissen. Denn der Garten lag hinter dem
Pfarrhaus und man gelangte aus der Küche, die an den Garten anstieß, in der
Weise in den Garten, daß man zunächst den hintersten Teil des Hausflurs
betrat, aus dem dann eine Türe in den Garten führte. Wir beide saßen in einem
Zimmer der entgegengesetzten Seite und konnten weder sehen noch hören, was in
Küche und Garten vorging. Auf
die Bitte, ihm die Kirche zu zeigen, stand ich auf. Der Junge folgte mir in
seinem Trancezustand mit schwerfälligen Schritten und geschlossenen Augen.
Die Kirche lag dicht neben dem Pfarrhaus. Man brauchte nicht über die Straße
zu gehen, um hineinzugelangen. Durch eine Seitentüre konnte man aus dem
Vorgarten in die Kirche eintreten. In der Kirche angekommen, sagte er: “Der
Altar steht ja über einem Totengerippe, das in der Erde liegt. Auch unter dem
Fußboden des Schiffes befindet sich eine Anzahl von Totengerippen. Hier war
früher ein Kirchhof“. Ich
entgegnete, daß ich davon nichts wisse. Auch hielt ich dies nicht für
möglich. Denn die Kirche stand erhöht und um die Kirche herum war kein Raum
für Grabstätten. - “Erkundige dich bei den ältesten Leuten deiner Pfarrei“,
sagte er, “sie können vielleicht darüber Aufschluß geben.“ Dann
wandte er die geschlossenen Augen zu der Orgelbühne mit den Worten: “Du
weißt, daß ich in rein materiellen Dingen keine Ratschläge zu geben pflege.
Aber heute möchte ich eine Ausnahme machen. Du hast die Orgel angeschafft.
Sag deinem Organisten, er möge nach dem Orgelspiel jedesmal die Register
wieder ganz in die Orgel zurückdrücken. Drei Register sind augenblicklich
noch halb herausgezogen. Dadurch setzt sich Staub und Feuchtigkeit in die
Orgelpfeifen und beeinträchtigt im Laufe der Zeit die Reinheit der Töne. Ein
reines, schönes Orgelspiel trägt zur Verschönerung des Gottesdienstes und
dadurch zur Ehre Gottes bei. Darum sage ich dir dies.“ Der Spieltisch der
Orgel war verschlossen, so daß man weder die Tasten noch die Register sehen
konnte, selbst wenn man davor gestanden hätte. Erst recht nicht vom Altar
aus, an dem wir uns in diesem Augenblick befanden. Aus dieser Entfernung
hätten wir selbst dann nichts sehen können, wenn die Orgel offen gewesen
wäre. Der Schlüssel zur Orgel hing im Sakristeischrank. Dann
gingen wir zu einem Seitenaltar. Das Altarbild stellt den Tod des heiligen
Josef dar. Jesus und Maria stehen an seinem Sterbebett. “Diese Darstellung
ist nicht richtig“, sagte er, “Jesus war beim Tode Josefs nicht anwesend.“ Nun
gingen wir an den einzelnen Kreuzwegstationen vorüber. Bei der Darstellung,
in der Veronika das Schweißtuch mit dem Bilde des blutigen Antlitzes Jesu
zurückerhält, fragte ich ihn, ob diese Begebenheit bloß Legende oder
Wirklichkeit sei. “Es ist Wirklichkeit und keine Legende“, war seine Antwort. Bei
der Darstellung der Kreuzigung Christi fragte er mich plötzlich: “Was,
glaubst du, hat bei der Kreuzigung den größten Schmerz verursacht?“ Ich
erwiderte: “Die Annagelung.“ - “Nein“, entgegnete er, “nicht die Annagelung,
sondern der Durst. Die Nägel wurden mit einem wuchtigen Schlag von den
brutalen Henkersknechten durch Hände und Füße getrieben und verursachten
zunächst eine nicht besonders schmerzliche Betäubung. So, wie eure
Verwundeten im Kriege die schweren Verletzungen durch Kugel oder
Granatsplitter im ersten Augenblick kaum fühlen. Aber der Durst infolge des
Blutverlustes ist das Furchtbarste, auch bei euren Verwundeten. Er kann den
Menschen wahnsinnig machen. Kein körperlicher Schmerz ist mit der Qual des
Verdurstens zu vergleichen.“ Beim
Weitergehen gelangten wir zu einer Seitenkapelle. Darin war ein altes
Marienbild aus Holz, das in den früheren Jahrhunderten in einem Kloster
gestanden hatte, dessen Ruinen sich noch in der Nähe befanden. - “Dieses
Bild“, sagte er, “suchen schon seit langem die leidenden Geister, die da
unten im Tal bei den Ruinen des Klosters gebannt sind.“ - Ganz erstaunt
fragte ich: “Warum suchen denn jene Geister schon so lange dieses Marienbild?
Es ist hier doch leicht zu finden. Und zudem, was kann das Bild den leidenden
Geistern nützen?‘ “Du
verstehst das nicht? Nun, dann will ich es dir erklären. Siehe, die Geister,
die zur Strafe für ihre Taten an irgend einen Ort gebannt sind, dürfen über
den für sie bestimmten ‘Bannkreis‘ nicht hinaus. Aus diesem Grunde können
auch die in jenes Tal bei den Klosterruinen gebannten Geister nicht bis zu
dieser Kirche gelangen. Sie können das Marienbild also nur innerhalb ihres
Bannkreises suchen. Und da finden sie es nicht. - Wenn du weiter fragst, was
ihnen das Marienbild denn helfen könne, so ist es richtig, daß ihnen das Bild
selbst keine Hilfe bringen kann. Aber etwas anderes, was mit dem Bilde
zusammenhing, brachte ihnen früher Erleichterung. Als nämlich das Bild noch
im Kloster stand, kamen viele Menschen, um vor dem Bilde zu beten. Bei dieser
Gelegenheit verrichtete man auch Gebete für die ‘armen Seelen‘, wie ihr die
leidenden Geister nennt. Das Gebet kann zwar diesen Geistern nichts von ihrer
Schuld und Strafe wegnehmen. Aber sie vernehmen das Beten, und ihre Gedanken
werden ebenfalls auf Gott hingelenkt. Dadurch finden sie eine Erleichterung
ihres Zustandes. Seit der Zeit nun, wo das Bild dort weggenommen wurde, kommt
niemand mehr zum Beten dorthin, und die Geister vermissen die Wohltat, die
ihnen einst das Gebet brachte. Sie wissen, daß das Beten im Zusammenhang mit
der Anwesenheit des Marienbildes stand. Darum sind sie darauf aus, das Bild
wieder dorthin zu schaffen. Jetzt
kamen wir an die Treppe, die zur Orgelbühne führte. Ich hätte nun gar zu gern
gewußt, wie es sich mit den halb herausgezogenen Orgelregistern verhielt.
Aber noch ein anderer Gedanke beschäftigte mich in diesem Augenblick. Ich
legte mir nämlich die Frage vor, ob er wohl die Orgel spielen könne. Daß der
Junge es nicht konnte, wußte ich. Nur ein Bedenken hatte ich: Wird der fremde
Geist soviel Gewalt über den Körper des Jungen haben, daß er die Finger und
Füße so schnell bewegen kann, wie es ein Orgelspiel erfordert? - Nur zaghaft
sprach ich daher die Bitte aus, ob er nicht auf der Orgel spielen wolle.
“Gern, wenn es dir Freude macht“, war seine Antwort. Sofort eilte ich in die
Sakristei und holte von dort den Schlüssel zur Orgel. Wir stiegen die Treppe
zur Orgelbühne hinauf. Ich öffnete mit dem Schlüssel die Orgel und sah sofort
nach den Registern. Richtig! Da waren drei Register halb herausgezogen.
Nochmals bat er mich, den Organisten darauf hinzuweisen. Dann
setzte er sich an die Orgel, zog Register und begann zu spielen. Zuerst leise
und zart in lieblichen Akkorden. Dann etwas stärker, und je länger er
spielte, um so mehr schwollen die Töne an. Und auf dem Höhepunkt des Spieles
war es ein Wogen und Brausen und Stürmen mit allen Registern, wie ein Orkan,
der Bäume entwurzelt. Dann nach und nach ein langsames Abschwellen und zum
Schluß ein wunderbar sanftes und friedliches Ausklingen. Kein Zweifel, hier
saß ein Meister an der Orgel. Als er
geendet hatte, drückte er alle Register in die Orgel und stand von der
Orgelbank auf. Ich schloß die Orgel wieder zu. Da trat er vor mich hin und
stellte die Frage an mich: “Weißt du, was ich soeben auf der Orgel gespielt
habe?“ Ich antwortete mit “Nein“. - “Dein Leben habe ich gespielt“, sagte er
ruhig. Ich
sah ihn erstaunt an. Ich konnte mir nicht denken, daß man das Leben eines
Menschen spielen könne. Als ob er meine Gedanken gelesen hätte, begann er
folgende Belehrung: “Das Leben eines Menschen ist wie ein Gemälde. Man kann
malen in Farben, man kann auch malen in Tönen. Jede Farbe stellt einen Ton
dar und jeder Ton eine Farbe. Es gibt Hellseher, die alle Töne in ihren
Farben sehen und Harmonie und Disharmonie nicht durchs Gehör feststellen,
sondern durch Anschauen der Tonfarben. Daher kann man jedes Gemälde spielen,
als ob man Noten vor sich hätte. Wenigstens die Geisterwelt kann dies.“ Ich
verstand seine Ausführungen nicht. Sie waren mir zu neu. Schweigend
gingen wir wieder die Treppe hinunter in das Schiff der Kirche bis zu der
Türe, durch die wir hereingekommen waren. Hier blieb er mit den Worten
stehen: “Ich will mich jetzt verabschieden. Ich kann nicht mehr mit ins
Pfarrhaus gehen. Denn deine Haushälterin ist soeben im Begriff, aus dem
Garten ins Haus zu kommen, und ich möchte nicht, daß sie den Jungen im
Trancezustand sehe. Ich stelle mich jetzt an diese Wand. Stütze du den Körper
des Jungen, damit er nicht zu Boden fällt, wenn ich aus ihm austrete.“ Ich
tat nach seiner Weisung und mußte meine ganze Kraft anstrengen, den beim
Austreten des Geistes vornübersinkenden Körper des Jungen aufrecht zu halten.
Sofort kam dieser zu sich und war sehr erstaunt, mit mir in der Kirche zu
sein. Er wußte sich bloß zu erinnern, daß wir zusammen im Pfarrhaus gesessen.
Von dem, was sich inzwischen zugetragen, wußte er nichts. Als ich sagte, daß
er so schön Orgel gespielt habe, schüttelte er ungläubig den Kopf. In dem
Augenblick, wo wir die Pfarrhaustüre öffneten, betrat auch meine
Haushälterin, aus dem Garten kommend, den hinteren Teil des Hausflurs. Sie
hätte also den Jungen in seinem Trancezustand gesehen, wenn der Geist, um
dies zu verhindern, nicht vorher aus dem Medium ausgetreten wäre. Der
Junge selbst, mit dem ich nachher über die einzelnen Geschehnisse sprach,
wußte weder etwas von den Totengerippen, noch von den Orgelregistern noch von
dem Tod des heiligen Josef, noch von dem Schweißtuch der Veronika, noch von
den Schmerzen bei der Kreuzigung, noch von dem Marienbild und seiner
Geschichte, noch von den bei den Klosterruinen gebannten Geistern und der
Wirkung des Gebetes für sie, noch von Orgelspiel und der mir im Anschluß
daran gegebenen Belehrung. Noch
an demselben Abend stellte ich durch Nachfrage fest, daß dort wo jetzt die
Kirche steht, in ganz alter Zeit sich tatsächlich ein Begräbnisplatz befunden
hatte. Eine
Angabe, die eines Abends durch den Bauernjungen meiner Pfarre als
Sprechmedium gemacht wurde, erschien uns ganz unwahrscheinlich. Durch das
Medium war nämlich gesagt worden, daß auch ein Pater aus dem benachbarten
Benediktinerkloster sich an “spiritistischen Sitzungen“ beteilige, die in
einer nicht weit entfernten Stadt abgehalten würden. Wir konnten uns nicht
denken, daß ein Mönch in seinem Ordenshabit sich in einen spiritistischen
Zirkel setze, da doch gerade die katholische Kirche eine so schaffe Gegnerin
des “Spiritismus“ ist. Eine Möglichkeit, die Wahrheit der Angabe nachzuprüfen,
hatten wir nicht. ihre Richtigkeit wurde jedoch bald auf eine andere Weise
bestätigt. Es war nämlich gegen mich eine Anzeige wegen Teilnahme an
spiritistischen Sitzungen bei meiner geistlichen Behörde eingereicht worden.
Es kam eine Kommission, um mich über den Sachverhalt zu vernehmen. Das Verhör
fand in der benachbarten Benediktinerabtei statt, wohin ich vorgeladen wurde. Bei
diesem Verhör gab ich der Wahrheit gemäß an, daß ich derartigen Versammlungen
beigewohnt und solche auch in meiner Pfarre veranstaltet hätte. Man hielt mir
vor, daß es den Katholiken von Rom aus verboten sei, sich an spiritistischen
Sitzungen zu beteiligen. Ich erklärte, daß mir ein solches Verbot nicht
bekannt sei. Sollte es bestehen, so sei es mir unverständlich, daß ein Pater
des Klosters, in dem wir uns augenblicklich befänden‚ ebenfalls an derartigen
Sitzungen teilnehme. Ich machte diese Angabe nicht zu meiner Verteidigung,
sondern bloß zu dem Zweck, um auf diese Weise feststellen zu können, ob
tatsächlich ein Pater des Klosters an spiritistischen Sitzungen sich
beteilige, wie es durch das Medium behauptet worden war. Der
Vorsitzende der Untersuchungskommission bestritt mit großer Entrüstung meine
Angabe und betonte, es sei vollständig ausgeschlossen, daß ein Pater in
“spiritistische Zirkel“ gehe. Schon sein Ordensgewand mache ihm dies
unmöglich. Er müsse daher meine Behauptung als schwere Verleumdung
zurückweisen. Ruhig
entgegnete ich, daß ich jene Tatsache nicht erwähnt hätte, um dem Pater oder
dem Kloster Unannehmlichkeiten zu machen. Man habe mir dies von anderer Seite
mitgeteilt, und ich möchte diese Gelegenheit benützen, die Wahrheit der
Angabe festzustellen. Sollte die mir gemachte Mitteilung sich als unwahr
herausstellen, so würde ich für eine Richtigstellung Sorge tragen. Der
Vorsitzende der Untersuchungskommission unterbrach nun mein Verhör und ging,
wie ich annahm, zum Abt des Klosters. Nach einiger Zeit kam er mit sehr
verlegener Miene zurück und bestätigte die Richtigkeit meiner Angabe. Als
Entschuldigung fügte er hinzu, der betreffende Pater habe von dem Abt die
Erlaubnis erhalten, spiritistische Sitzungen zu besuchen. So
hatte sich also die Angabe des Mediums als richtig erwiesen. Die Voraussage
persönlicher Schicksale geht in Erfüllung Im
Laufe des gegen mich eingeleiteten Verfahrens folgte Bestätigung auf
Bestätigung der mir in meiner eigenen Angelegenheit durch die Medien
gemachten Angaben und Voraussagen. Eines
Tages erhielt ich eine Vorladung vor den Bischof. Kaum war das Schreiben in
meiner Hand, da erschien plötzlich der Bauernjunge meiner Pfarre, der
Sprechmedium war, bei mir im Pfarrhause und sagte: “Ich wurde gezwungen, zu
Ihnen zu gehen. Sie haben einen Brief von Ihrer bischöflichen Behörde
erhalten. Sie müssen am ... zum Bischof kommen.“ Ich fragte ihn, wieviel
Zeilen der Brief enthalte. Auch das gab er genau an. Darauf fiel er in den
Trancezustand, und der aus ihm sprechende Geist sprach mir Mut zu mit den
Worten: “Du brauchst keine Furcht zu haben. Auf Gott hoffe und fürchte dich
nicht! Was können dir die Menschen tun!“ Ich entgegnete, daß ich die durch
den Verkehr mit der Geisterwelt gewonnene Überzeugung auch vor dem Bischof
bekennen werde. Infolgedessen würde ich wohl in allernächster Zeit meine
Absetzung als katholischer Pfarrer zu erwarten haben. “Der Bischof wird dich
nicht über den Spiritismus und deine daraus gewonnene Glaubensüberzeugung
fragen“, entgegnete er. “Du wirst später auf dem Wege der Beurlaubung im
Frieden mit deiner Religionsgemeinschaft aus deiner Pfarrei scheiden und
nicht auf dem Wege der Absetzung.“ Ich
konnte mir gar nicht denken, daß der Bischof mich nichts über die
spiritistischen Versammlungen und die darin vorgetragenen Wahrheiten fragen
würde. Und doch geschah es so, wie es mir durch das Medium gesagt worden war.
Der Bischof las mir das Verbot der römischen Kongregation aus dem Jahre 1917
vor, wonach Katholiken keine spiritistischen Versammlungen besuchen durften,
ließ mich unterschreiben, daß er mir das Verbot mitgeteilt habe und gab mir
eine Buße für die bisherige Übertretung des Verbotes. Auf die spiritistische
Sache selbst ging er mit keinem Worte ein. Später
mußte ich eine für mich sehr schmerzliche Bestätigung einer durch das Medium
in der Stadt gemachten Voraussage erfahren. Es war nämlich in einer Sitzung
mitgeteilt worden, daß einer aus dem Kreise der Sitzungsteilnehmer jener
Stadt mich verraten werde. Wir hielten keinen von uns eines solchen Verrates
fähig. Und doch wurde das unmöglich Erscheinende zur Wirklichkeit. Eine Frau
aus unserem Kreise erstattete gegen mich Anzeige bei der bischöflichen
Behörde wegen meiner fortgesetzten Teilnahme an spiritistischen Sitzungen. Infolge
dieser Anzeige schien meine Absetzung unvermeidlich. Zwar hatte ich meine
Beurlaubung zum Zwecke der Wohlfahrtspflege beantragt. Aber sie war in einer
so schroffen Form durch das bischöfliche Generalvikariat abgelehnt worden,
daß nach menschlichem Ermessen keine Hoffnung mehr bestand, sie zu erreichen.
Das Verfahren gegen mich vor dem geistlichen Gericht nahm seinen Fortgang,
und es wurde Termin zur Hauptverhandlung gegen mich anberaumt und ich zu der
Hauptverhandlung geladen. Nur noch wenige Tage trennten mich von diesem
Termin, an dem das Urteil meiner Absetzung ohne Zweifel gefällt worden wäre.
Dennoch vertraute ich auf die mir gemachte Voraussage, daß ich im Frieden mit
meiner Religionsgemeinschaft auf dem Wege der Beurlaubung meine Pfarrei
verlassen würde. Da erhielt ich noch in letzter Stunde vom geistlichen
Gericht ein Telegramm, daß auf Weisung des Bischofs das Verfahren gegen mich
einstweilen eingestellt sei. Bald folgte ein Brief des Bischofs, in dem er
die von mir nachgesuchte Beurlaubung genehmigte und anfragte, wann ich meine
Pfarrei zu verlassen wünschte. Ich gab den Tag an, der mir schon seit langem
als Tag meines Abschiedes aus meiner Pfarrei vorausgesagt worden war: 31. Dezember 1925. Kundgebung eines Mediums im
Eisenbahnwagen In der
Pfingstwoche des Jahres 1924 fuhr ich nach Graz in der Steiermark. Auf der
Strecke Passau - Wien war ich allein mit einem jungen Manne im
Eisenbahnabteil. Ich saß ihm gegenüber und las in einem Buch. Da sah ich, wie
der Kopf des jungen Mannes sich plötzlich vornüberbeugen, als ob er
eingeschlafen sei. Aber in demselben Augenblick richtete er sich wieder in
die Höhe, saß da mit geschlossenen Augen, nahm sein Notizbuch aus der Tasche
und beschrieb darin eine Seite. Dann riß er das Blatt heraus und gab es mir
mit den Worten: “Nimm dies und verwahre es! An einer anderen Stelle wird dir
gesagt werden, was es bedeutet.“ Ich besah die Schrift, konnte jedoch die
Zeichen nicht verstehen. Dann kam der junge Mann wieder zu sich. Er wußte
nichts davon, daß er geschrieben hatte; auch nicht, daß er mir das Blatt
gegeben und kein Wort von dem, was er mir gesagt. Auch er konnte die Zeichen
nicht lesen, die auf dem Blatt standen. Nach
meiner Rückkehr von Graz in meine Pfarrei trug ich das beschriebene Blatt 14
Tage lang in meiner Tasche. Da kam ich an einem Samstagabend in die Familie
meines Sprechmediums. Der Junge war allein im Zimmer. Nach einigen
Augenblicken fiel er in “Trance“ und sagte: “Zeige mir den Zettel, den du bei
dir trägst und der dir auf der Reise nach Graz übergeben wurde.“ Ich gab ihm
das Blatt. Er las es und sprach: “Morgen Nachmittag wird ein Jude zu dir
kommen. Die Menschen sind der Meinung, daß er krank sei. In Wirklichkeit wird
er von einem bösen Geist hart gequält und so im Banne gehalten, daß er fast
kein Wort hervorbringen kann. Sobald er kommt, rufst du diesen Jungen, durch
den ich spreche. Alles andere überlasse mir. Du wirst dabei Großes erleben.
Dieser Zettel wurde von dem Schutzgeist des Juden durch jenes Medium bei
deiner Reise nach Graz geschrieben. Der Schutzgeist des Juden ist ein
verstorbener Onkel aus Köln. Auch der böse Geist, der den Juden quält, ist
ein verstorbener Verwandter.“ Am
anderen Nachmittag gegen 4 Uhr schellte jemand an der Pfarrhaustüre. Ich
öffnete und erschrak bei dem Anblick eines Mannes dessen Glieder sich
verzerrten und dessen Kopf wie in einem beständigen Nervenzucken hin- und
herging. Er wollte sprechen, brachte jedoch kein Wort hervor. Ich faßte ihn
an der Hand und führte ihn in mein Zimmer. Sofort ließ ich den Jungen rufen.
Dieser kam, fiel in Gegenwart des Juden in Trance, stand auf, streckte seine
Hand wie zur Beschwörung gegen den Mann und redete in einer Sprache, die ich
nicht verstand. Der Jude wurde von einer unsichtbaren Gewalt einigemale hin-
und hergeworfen. Dann fühlte er sich frei, begann vor Freude zu weinen und
konnte ohne Stockung reden. Er erzählte mir, daß er genau wisse, was soeben
mit ihm vorgegangen sei. Er selbst sei hellsehend und könne die Geister
erkennen, die um ihn seien, sowohl die guten, als auch die bösen. Sein guter
Geist sei ein Onkel aus Köln. Der böse sei ein Verwandter, den er in diesem
Leben nicht gekannt habe. Der böse habe ihn abhalten wollen, zu mir zu gehen,
und habe ihm unterwegs die schändlichsten Schimpf- und Lästerworte in
hebräischer Sprache zugerufen. Er nannte mir einige dieser hebräischen
Beschimpfungen. Jetzt hoffe er, für immer von diesem bösen Begleiter befreit
zu sein. Er wisse auch, welcher Geist es gewesen, der ihn heute befreit habe.
Damit nahm er sein Gebetbuch aus der Tasche und zeigte mir ein hebräisches
Gebet zu einem hohen Himmelsfürsten. Der Jude hatte recht gesehen. Dieser
Geist war es. Während ich noch mit dem Juden sprach, fiel der Junge wiederum
in Trance und wandte sich zu mir mit den Worten: “Was ich dir jetzt sage,
hört dieser Mann da nicht. Ihm werden die Sinne gehalten, daß er nichts
versteht. Was du heute hier erlebt hast, ist zu deiner Belehrung geschehen
und auch diesem Manne zur Belehrung. Er wird nur kurze Zeit vom Bösen befreit
bleiben. Der Böse wird bald wiederkehren und ihn weiter quälen bis zu seinem
Tode. Das ist sein gerechtes Schicksal. Er hat es verdient. Zu dir wird er
nicht wiederkommen. Er wird die Kraft dazu nicht mehr aufbringen.“ Ich
fragte nun den Mann, ob er verstanden habe, was soeben geredet worden sei. Er
gab zur Antwort, daß er nichts gehört habe. Tief
erschüttert verabschiedete ich mich von diesem armen Menschen. Er kam nicht mehr wieder. Zusendung
einer wichtigen Schrift von unbekannter Hand Oft
war ich durch die verschiedenen Medien darauf hingewiesen worden, daß an den
Urkunden der ersten christlichen Zeit so viele Fälschungen vorgenommen worden
seien. Ich fragte mich immer wieder, ob denn kein wissenschaftliches Werk
existiere, das den Versuch mache, die Fälschungen aufzudecken. Es war mir
kein derartiges Werk bekannt. Auch konnte mir niemand ein solches angeben. In
unseren Sitzungen fragte ich absichtlich nicht danach. Denn es war mir gesagt
worden, daß mir alles das zugeleitet würde, was für mich von Nutzen sein
könne. Da
wurden mir eines Tages zwei Lieferungen eines Werkes zugeschickt. Sie waren
noch nicht aufgeschnitten. Dabei lag ein Brief von einer Dame, die ich erst
einmal in meinem Leben gesehen hatte. Der Brief lautete: „Die
anliegenden Schriften hat mir vorgestern Frau Dr. H. aus F. für Sie
mitgegeben. Sie mußte sie Ihnen plötzlich schicken, ohne sie gelesen zu
haben. An ihr vollzieht sich ein ganz Gewaltiges. Sie sollten baldmöglichst
sie aufsuchen.“ Die
Frau Dr. H., die mir die Schriften plötzlich schicken mußte, kannte ich weder
persönlich noch dem Namen nach. In den
Schriften, die sie mir schickte und von denen sie selbst nicht wußte, was sie
enthielten, wurde der Nachweis geführt, daß eine Schrift des jüdischen
Schriftstellers Flavius Josephus durch christliche Abschreiber zugunsten des
Christentums in der gröblichsten Weise gefälscht worden war. Der Abschreiber
hatte aus Flavius Josephus als einem Verächter Christi einen Verehrer Christi
gemacht. In
diesen mir zugeschickten Schriften waren außerdem zahlreiche Hinweise auf die
planmäßig vorgenommenen Fälschungen der Schriftwerke der ersten Jahrhunderte
enthalten‚ so daß ich darin alles bestätigt fand, was mir durch die in diesen
Dingen vollständig unerfahrenen Medien über diesen Punkt gesagt worden war. Diese Feststellung war mir eine
große Genugtuung. Erlebnisse bei
meinem Aufenthalt in Amerika Eine
Bestätigung sowohl der allgemeinen Wahrheit des Geisterverkehrs, als auch
mancher Einzelwahrheiten auf diesem Gebiete erlebte ich bei einem Aufenthalt
in Amerika. Hier ist der Spiritismus weit verbreitet unter der Bezeichnung
“Spiritualismus“. Überall bestehen sogenannte “Spiritualistische Kirchen. Ich
benutzte nun zunächst die Gelegenheit, die Handhabung des “Spiritismus“ in
diesen Kirchen kennenzulernen. Zu diesem Zwecke besuchte ich eine Anzahl
spiritistischer Gottesdienste. Da fand ich leider bestätigt, was mir so oft
durch die Medien in Deutschland gesagt worden war, die mich immer wieder
darauf hingewiesen hatten, daß die guten Geister Gottes überall da
fernbleiben, wo es sich bei den Teilnehmern an spiritistischen Versammlungen
mehr um irdische Zwecke handle, als um ein inneres Fortschreiten auf dem Wege
zu Gott. Wo die materiellen Gesichtspunkte vorherrschten, stelle sich die
niedere Geisterwelt ein. Es fehle dann jede Kontrolle der Geister. Solche
Versammlungen seien dann der Tummelplatz jener Geistwesen, die sich in den
niederen Sphären befänden, ohne deshalb gerade zu den ausgesprochen bösen
Geistern zu gehören. Meistens seien es verstorbene Angehörige, Freunde und
Bekannte der Versammlungsteilnehmer, die im Jenseits selbst noch nicht weit
fortgeschritten seien und denen daher die irdischen Anliegen ihrer
menschlichen Hinterbliebenen mehr am Herzen lägen, als deren geistiges
Vorankommen. Solche Versammlungen seien dann kein Gottesdienst mehr, sondern
eher Auskunftsstellen für rein irdische Fragen und Anliegen und näherten sich
in sehr bedenklicher Weise dem, was bei dem heidnischen Götzendienst sich
abspielte. Denn die Anziehungskraft des heidnischen Götzendienstes bestehe
gerade darin, daß die Menschen durch die bei dem Götzendienst tätigen Medien
über ihr irdisches Fortkommen und ihre irdische Zukunft Auskunft erhoffen. Etwas geistig
Hohes und Erhebendes trat mir in keiner dieser Kirchen entgegen, so sehr ich
mich auch danach sehnte. Meistens war vielmehr das, was ich darin erlebte,
von einer Art, welche die Sache des Spiritismus eher schädigen, als ihr von
Nutzen sein konnte. Auch hatte ich den Eindruck, daß die Besucher wohl nur
wegen der Botschaften, die sie in ihren irdischen Anliegen zu erhalten
hofften, an diesen Zusammenkünften teilnahmen. Ebenso scheint die Geldfrage
bei den Leitern dieser Kirchen keine untergeordnete Rolle zu spielen. Es wird
eine feste Eintrittsgebühr erhoben, die selten weniger als einen halben
Dollar beträgt, so daß dem Unbemittelten der Besuch unmöglich gemacht ist. Das
alles bestätigte mir die Wahrheit dessen, was mir in Deutschland über den
heutigen Spiritismus, auch wenn er unter äußeren religiösen Formen vor sich
geht, so eindringlich gesagt worden war. Ich gewann die Überzeugung, daß
diese Art des Spiritismus die Menschheit ihrem Gott nicht viel näher bringen
wird. Es ist nicht der Spiritismus der ersten Christen. Doch
sollte ich in Amerika auch das Hohe des Geisterverkehrs kennenlernen und
darin eine Bestätigung des früher von mir selbst Erlebten erfahren. Während
meines Aufenthaltes in New York wohnte ich bei einer deutschen Familie
Niemann, 148 E. 18. Str. - Ich gebe den Namen und die genaue Adresse dieser
Familie deshalb an, weil sie bei den folgenden Erlebnissen die Hauptrolle
spielt und mir gestattet hat, ihren Namen zu nennen. Grundsätzlich unterlasse
ich es sonst in diesem Buche, Namen anzuführen, damit niemand infolge der
Veröffentlichung dieser Schrift von übelwollenden Mitmenschen
Unannehmlichkeiten zu erdulden hat. Mit
Herrn Niemann hatte ich nie über Spiritismus gesprochen, sondern ihm bloß
etwas von den Erlebnissen in den spiritistischen Kirchen New Yorks
mitgeteilt. Er selbst gehörte keiner Religionsgemeinde an. Der Gottesglaube
schien bei ihm ausgelöscht zu sein. Die Vorgänge in den spiritistischen
Versammlungen, von denen ich ihm erzählt hatte, hielt er für Schwindel und
Geldmacherei. Doch
entschloß er sich eines Abends aus Neugierde, mich in eine solche Kirche zu
begleiten. Wie jedem in der Kirche Anwesenden, wurde auch ihm eine Botschaft
erteilt. Das, was ihm da gesagt wurde, erwies sich in allen Teilen als
zutreffend, obschon das Medium ihn zum ersten mal sah und selbstverständlich
nicht wußte, wer er war. Dabei wurde ihm auch mitgeteilt, daß er selbst eine
große mediale Veranlagung habe, die er doch weiter ausbilden möge. Nach Hause zurückgekehrt, fragte
mich Herr Niemann, was die Hellseherin mit der Ausbildung seiner medialen
Veranlagung meine. Nun erklärte ich ihm die Zusammenhänge und erbot mich, mit
ihm und seiner Frau zusammen das eine oder andere mal in der Woche einen
kurzen Gottesdienst zu halten. Damit war ja auch mir von neuem Gelegenheit
gegeben, daß in Deutschland Erlebte auf seine Richtigkeit zu prüfen, an der
ich freilich in keiner Weise mehr zweifelte. Ich hielt die Gottesdienste in
derselben Weise, wie ich es früher in meiner Pfarrei in dem kleinen Kreis
getan hatte, von dem ich bereits berichtet habe. Hier nun, jenseits des
Ozeans, in einer Familie, die den Gottesglauben preisgegeben, aber ehrlichen
und aufrichtigen Willens war, die Wahrheit anzunehmen, sah ich zunächst die
Ausbildung der Medien in derselben Weise vor sich gehen, wie ich das bei den
Medien meiner früheren Umgebung beobachtet hatte. Es waren also dieselben
Gesetze der medialen Entwicklung, dort wie hier. Schon am ersten Abend begann bei
Herrn Niemann das mediale Schreiben, bei dem er zwar wußte, daß er schrieb,
aber nicht, was er schrieb. Die einzelnen Abschnitte des Niedergeschriebenen
zeigten verschiedene Handschriften und waren auch von verschiedenen Namen
verstorbener Angehöriger und Freunde unterzeichnet, deren Herr Niemann sich
erst wieder erinnerte, als er ihren Namen auf seiner Niederschrift an diesem
Abend vor sich sah. Sie teilten ihm mit, er sei in dem, was er jetzt tue, auf
dem rechtem Wege. Er möge darauf fortfahren. Denn wie froh wären sie selbst
gewesen, wenn man ihnen während ihres irdischen Lebens diesen Weg zu Gott
gezeigt hätte. Es gäbe ein Jenseits und einen Gott; und auf ihn möge er
vertrauen. Herr Niemann war sprachlos, als er
zu sich kam und das las, was mit seiner Hand in verschiedenen Schriftzügen
geschrieben worden war. Nachher hielt Herr Niemann in
meiner Abwesenheit den Gottesdienst mit seiner Frau allein. Er schrieb
wiederum, wie das erstemal, worüber sich seine Frau sehr wunderte. Denn sie
war im Stillen der Meinung, ich hätte ihren Mann hypnotisiert und ihm durch
Gedankenübertragung das eingegeben, was er niedergeschrieben hat. Nun hatte
sie den Beweis, daß ihre Annahme unrichtig war, weil das mediale Schreiben
auch dann in derselben Weise vor sich ging, wenn ich nicht zugegen war.
Außerdem hätte sie sich schon das erstemal sagen müssen, daß mir die Namen
der Verstorbenen nicht bekannt sein konnten, die unter der ersten
Niederschrift standen, und ich daher auch nicht imstande war, sie auf den
Schreibenden zu übertragen. Sie erhielt aber in derselben Sitzung einen noch
überzeugenderen Beweis. Plötzlich wurde sie nämlich selbst von einer
unsichtbaren Macht gezwungen, den Bleistift zu ergreifen und zu schreiben,
während ihr die Tränen über die Wangen rannen. Im Gegensatz zu ihrem Manne
wußte sie, was sie schrieb. Es war bei ihr dasselbe, was ich bei dem einen
Jungen in meiner Pfarrei erlebt hatte. Wie diesem, so wurden auch der Frau
Niemann die Gedanken, die sie niederschreiben sollte, mit aller Macht
eingegeben. Sie war also ein “Inspirationsmedium“ wie jener Junge. Auch sie
war nicht in der Lage, am Schluß ihrer Niederschrift das noch einmal
wiederzugeben, was ihr inspiriert worden war. Die Ausbildung dieser beiden Medien
ging von Woche zu Woche weiter. Herr Niemann schrieb noch eine kurze Zeit,
dann aber begann seine Ausbildung als “Sprechmedium“ mit all den äußeren
Erscheinungen, die ich bei dem Sprechmedium in meiner früheren Pfarrei erlebt
hatte. Der Geist, der durch ihn sprach, kam stets mit dem Gruß: “Der Friede
Gottes sei mit euch!“ oder, wenn er besondere Belehrungen erteilen wollte,
mit dem Gruß: “Gottes Wort sei mit euch!“ Der Tod meines Freundes wird
vorausgesagt und tritt ein Eine Bestätigung der Wahrheit
dessen, was durch diesen Geist uns mitgeteilt wurde, erhielten wir eines
Tages in einer uns alle erschütternden Weise. Ich hatte in Deutschland einen
sehr lieben Freund. Er war ein einfacher Mann aus dem Volke und lebte auf dem
Lande in einem kleinen Dorfe. Vor meiner Amerikareise hatte ich mich noch
persönlich von ihm verabschiedet. Da wurde am 20. Juli 1930 bei einem
unserer Gottesdienste durch den aus Herrn Niemann sprechenden Geist gesagt,
daß mein Freund in Deutschland schwer erkrankt sei und bald sterben werde.
Die Botschaft lautete wörtlich: “Dein Freund H.S. ist schwer erkrankt. Er
leidet an einer schleichenden Krankheit. Du wirst ihn auf dieser Erde nicht
mehr sehen.“ - Als ich wegen dieser Worte erschrak und mir die Tränen in die
Augen traten, tröstete er mich mit den Worten: “Dein Freund ist ein edler
Mensch. Bei uns ist er gut aufgehoben. Wenn du ihm schreiben willst, dann tue
es gleich, dann wird ihn dein Brief noch am Leben treffen.“ - Darauf schien
er sich noch einmal zu vergewissern, ob mein Brief noch rechtzeitig ankäme,
indem er den Kopf nach der Seite drehte, als wenn er mit jemand verhandelte
und sich erkundigte. Dann wandte er sich wiederum an mich mit den Worten:
“Ja, der Brief kommt noch rechtzeitig an. Aber zögere nicht länger damit!“ Am
folgenden Tage schrieb ich einen Brief an meinen Freund und fügte ihm
gewissermaßen zum Abschied mein Bild bei. Von dem, was mir über seinen
bevorstehenden Tod gesagt worden war, schrieb ich selbstverständlich nichts.
Ich drückte im Gegenteil meine Freude aus, ihn bald wiederzusehen, und bat
ihn, mich bei meiner Rückreise in Bremen abzuholen. Am 20. August 1930 erhielt ich von
meiner Schwester, die in Deutschland in der Nähe meines Freundes wohnte,
einen Brief, datiert vom 11. August 1930, der mit folgenden Worten begann: “Leider muß ich Dir mitteilen, daß
Dein bester Freund H.S. aus O. gestorben ist. Wie ich hörte, soll er am
Montag noch einen Brief von Dir bekommen haben mit Deinem Bilde. Da konnte er
Dich noch einmal sehen und Dir Lebewohl sagen. Er soll sehr geweint haben, da
Du ihm geschrieben, er möge Dich, wenn Du zurückkommst, in Bremen abholen.
Jetzt ist er schon in der Ewigkeit.“ An dem Tage, als ich den Brief von
meiner Schwester erhielt, hatten wir in unserem kleinen Kreise einen
Gottesdienst. Seit jenem Abend, an dem mir der bevorstehende Tod meines
Freundes angekündigt worden war, hatte der durch Herrn Niemann sich
kundgebende Geist nicht mehr gesprochen. An diesem Abend trat er nun in das
Medium ein und sprach nach dem von Frau Niemann aufgenommenen wörtlichen
Stenogramm folgendes: “Gottes Wort sei mit euch! Amen! -
Daß ich heute durch ihn spreche, ist nur eine Ausnahme, um deine Bitte zu
erfüllen.“ (Ich hatte nämlich während des Tages still für mich gebetet, Gott
möge mir einige Worte des Trostes sagen lassen.) “Es ist dir ein Leid
widerfahren, das du als Mensch sehr schwer nimmst. Doch sei nicht traurig! Ihm
(dem verstorbenen Freunde) geht es viel, viel besser. Und dir zu Belohnung:
Er steht an deiner rechten Seite, dir zugewandt, dir freundlich zulächelnd
und mit der rechten Hand über deinen Kopf streichelnd. Er läßt vielmals
grüßen. Du sollst es nicht so schwer nehmen. Vielleicht später wirst du ihn
hören.“ (Er meinte damit, daß der Verstorbene später vielleicht durch das
Medium selbst mit mir spreche.) “Noch nicht. - Sein letzter Kampf war nicht
so schwer. Er wollte dich gern noch einmal sehen und sprechen. Das Erste kann
er jetzt (nämlich das Sehen). Das Zweite (nämlich das Sprechen) noch nicht. -
Er starb im Gebet zu Gott. - O ihr armen Menschenkinder! Es ist hier so
schwer für euch. Doch bleibet treu! Wanket nicht und stolpert nicht, so
bleibt die Belohnung nicht aus. Und viele, denen es hienieden nicht so gut
ging wie manch anderen, die stehen drüben viel höher als die, die hier ihre
Herrscher waren. Der ‘Stoff macht nicht glücklich.“ (Unter Stoff meint der
Geist das Geld. Das Wort “Geld“ spricht er nie aus, sondern bezeichnet es mit
“Stoff“.) “Also nimm es nicht so schwer! Ach, wenn du ihn sehen könntest! Daß
er sehr hoch ist, kannst du daran erkennen, daß er hier ist. Er hat noch eine
kleine Läuterung, dann ist er in der elften Sphäre. Er überspringt die
zehnte. Er gehört zu den wenigen Menschen, die rechte Kinder Gottes sind und
waren.“ Dann betete der Geist mit
aufgehobenen Händen des Mediums: “Himmlischer Vater, sei uns gnädig! Neige
dein Angesicht herab zu uns! Erfülle ihn, der hier in Trauer und Schmerz um
den verlorenen Freund sitzt mit Trost! Gib ihm den Frieden und die
Heiterkeit, daß er den Schmerz überwindet. Lasse ihn den Abgeschiedenen, der
ein Muster war unter den Menschen, gnädig zu dir kommen! Nimm ihn auf in
deinen Kreis, damit er schnell sich entwickelt und Gnade und Segen wirkt für
die Menschheit. Vater, den du ausersehen, er kommt zu dir. Laß ihn das Werk
vollbringen, für das er dann ausersehen ist. Sei gnädig, Vater, und segne sie
beide! Amen!“ In den darauffolgenden
Gottesdiensten schrieb Frau Niemann unter der geistigen Einwirkung meines
verstorbenen Freundes Dinge, die sie als Mensch nicht wissen konnte. So wurde
in einer Niederschrift auf einen Spaziergang hingewiesen, den ich vor langen
Jahren mit dem nun verstorbenen Freunde durch ein kleines Hunsrücktal gemacht
hatte. Dabei hatten wir uns über Gott und die großen Jenseitsfragen
unterhalten. Ich selbst erinnerte mich erst wieder an diese Begebenheit, als
ich sie in der medialen Niederschrift der Frau Niemann las. Das Tal war darin
mit dem richtigen Namen angegeben, den nur die Leute kennen, die in der
Gegend des Tales wohnen. Auch in den Jahren, wo mein Freund
noch lebte, erhielt ich durch ihn so gewaltige Beweise von der Wahrheit
dessen, was mir im Verkehr mit der Geisterwelt mitgeteilt worden war, daß sie
allein genügt hätten, mich zu überzeugen. Als ich nämlich infolge meiner
geistigen Erlebnisse meine religiöse Überzeugung von Grund auf ändern mußte,
dachte ich mit tiefem Schmerz daran, daß ich wegen meiner veränderten
religiösen Einstellung auch diesen treuen Freund verlieren würde. Denn er war
ein guter Katholik. Als ich nun bei einer Sitzung in Deutschland dem sich
kundgebenden Geist meine Befürchtung aussprach, erhielt ich die Antwort:
“Deine Furcht, den Freund zu verlieren, ist unbegründet. Denn wir selbst
werden ihn belehren, ohne daß du ihm Aufklärung zu geben brauchst.“ Es dauerte nicht lange, da suchte
mich mein Freund auf und erzählte mir von den merkwürdigen Visionen, die er
geschaut hatte. Es waren ihm darin eine Reihe grundlegender Wahrheiten
gezeigt worden, die mit seinem katholischen Bekenntnis in Widerspruch
standen. So vor allem durch eine Vision auf dem Kirchhof die Wahrheit, daß es
auch für die Verdammten einmal eine Amnestie geben und alles wieder zu Gott
zurückkehren werde. Dann über die verschiedenen Schicksale der Geister der
Verstorbenen. Er erhielt dabei auch die entsprechenden Belehrungen. Auch
wurde ihm die Aufgabe gezeigt, die ich persönlich in meinem Leben zu erfüllen
hätte. Diese Erlebnisse, über die man ein eigenes Buch schreiben könnte,
wirkten auf ihn so überzeugend, daß ich mich damit begnügen konnte, ihm
einfach die Richtigkeit seiner Visionen zu bestätigen. — Eine Sache, deren Bedeutung ich
selbst bis heute noch nicht in vollem Umfang erkennen kann und deren
Erfüllung noch nicht eingetreten ist, möchte ich nicht mit Stillschweigen
übergehen. Es handelt sich um die Auffindung
zweier ägyptischer Königsgräber aus der Zeit 5000 vor Christi Geburt. Es
besteht für mich nicht der geringste Zweifel, daß die darüber gemachten
Angaben wahr sind; daß die Gräber später aufgefunden werden und alles das
enthalten, was mir durch vier verschiedene Medien darüber mitgeteilt worden
ist. Doch hören wir zunächst, auf welch
merkwürdige Weise ich von diesen Gräbern Kenntnis erhielt. Es war am 1.
Februar 1924. Ich saß nach Schluß der Bürostunden in meinem Privatbüro in den
Räumen des Hilfsbundes. Da kamen zwei junge Leute im Alter von ungefähr 20
und 28 Jahren zu mir und gaben an, sie seien zu mir geschickt worden, um mir
einen Dienst zu erweisen. Kaum hatten sie diese Worte ausgesprochen, da
fielen beide zu meiner großen Überraschung gleichzeitig in “Tieftrance“. Die
Geistwesen, die aus ihnen sprachen, baten mich um Papier und Bleistift. Ich
gab ihnen das Gewünschte. Sie setzten sich an einen Tisch und begannen zu
zeichnen. Als sie nach einer Weile aufhörten, sah ich, daß jeder von ihnen an
der Wiedergabe eines ägyptischen Königsgrabes arbeitete und daß die
Zeichnungen mit alten, mir unverständlichen Inschriften versehen waren. Sie
sagten, daß sie später wiederkommen und die Zeichnungen fortsetzen wollten. Ich fragte, wer sie seien. Nur der
eine von ihnen konnte die deutsche Sprache verstehen und gab mir in deutscher
Sprache Antwort. Der zweite redete in einer Sprache, die mir unbekannt war
und die der erste mir ins Deutsche übersetzte. Er gab folgenden Bericht: “Wir beide, die wir durch diese
Werkzeuge reden und schreiben, waren ägyptische Fürsten. Unsere Namen sind
Arras und Isaris. Ich - Arras - war Fürst des Oberen Nil und mein Freund
Isaris war Fürst des Unteren Nil. Wir behandelten unsere Untertanen gut. Wir
züchtigten unsere Sklaven nicht. Wir ließen unserem Volk seinen freien
Willen. Es war reich, und ausgesprochen Arme gab es in unserem Lande nicht.
Dreimal im Jahre wurde geerntet, so daß wir übergenug zum Leben hatten.
Überall war Überfluß. Das Volk hatte alles, was es begehrte. Es feierte die
glänzendsten Feste und legte großen Prunk an den Tag und lebte in den Tag
hinein, Gott den Allmächtigen vergessend. Es aß die Früchte und Körner des
Bodens, die Gott wachsen ließ. Es trank reinstes Wasser, wie es aus keiner
reineren Quelle kommen konnte. Es trank den herrlichsten Wein, den es überhaupt
gab, ohne zu denken, wer das alles geschaffen hätte. Und des Trubels und der
Feste wurde immer mehr. Und das Volk war nicht mehr zufrieden mit dem
Althergebrachten. Da schuf es sich aus Gold und Edelsteinen Götter. Es betete
diese gemachten Götzen an und verehrte sie. Ja, es gab unter ihnen solche,
die sich um des Volkes willen für diese Götzenbilder hinmorden ließen. Wir sahen dem allem ruhig zu und
ließen das Volk das alles ausüben, anstatt, wie es richtig gewesen wäre, es
daran zu hindern. Im Gegenteil, um die Gunst des Volkes zu erlangen, haben
wir es in seinem götzendienerischen Treiben noch unterstützt. Ich habe dem
Götzen Amojo zehn Wagen voll Goldsachen gesandt, damit sein Götzenbild
fertiggestellt wurde. Damit wollte ich beim Volke im Ansehen steigen. Auch
Isaris hat zehn Wagen Goldsachen für den Götzen Lachitju gegeben, damit er
mehr in der Achtung des Volkes steigen sollte. Wir gingen an der Spitze des
Volkes zur Einweihung der Götzenbilder und stellten unsere Truppen zum
Schutze dieser Gottheiten auf, anstatt sie zu vernichten. Vor dem Götzenbilde
war eine goldene Schale, in der sich Blut eines neugeborenen Kindes befand.
Dieses Blut durfte nicht austrocknen. Es mußte durch Erneuerung des Blutes
dafür Sorge getragen werden, daß es nicht vertrocknete. Denn wenn es
vertrocknet war, wurde der Priester, der dies verschuldete, von dem
Oberpriester vor dem Bildnis des Götzen mit dem Schwerte hingerichtet. Die Sache wurde immer toller. Da
sandte Gott die Strafe. Sie war furchtbar aber gerecht. Er ließ die Quellen
versiegen. Er sandte eine Hitze, so daß die Hitzewelle alles niederschlug.
Alles verdorrte. Und doch flehte das Volk nicht zu ihm. Wenn es die Allmacht
Gottes erkannt hätte, dann wäre Gott nicht allzu streng mit ihm ins Gericht
gegangen. Aber es war niemand da, der zu ihm betete. Da sandte Gott die
Rache, die vollständige Vernichtung auf das abtrünnige Volk, das ihn nicht
als den Schöpfer anerkennen wollte. Es konnte zur Erkenntnis des wahren
Gottes gelangen. Denn es gab Sterndeuter und hohe Gelehrte, welche die
Wahrheit verkündeten und das Volk auf das Strafgericht Gottes vorbereiten
sollten und es auch vorbereiteten. Doch das Volk verlachte und verspottete
sie. Man hörte nicht auf sie, sondern schlug sie tot. Da verdunkelte sich der Himmel.
Graue Wolken zogen heran. Schwarz war der Himmel. Sturm zog herauf Blitze
zuckten hernieder, welche die Götzen zerschmetterten, so daß man nicht ein
Atom mehr davon finden konnte. Dann kamen die Schrecknisse, welche die
Menschen vernichteten: Feuer und Schwefel kamen vom Himmel und verursachten
Dämpfe, welche die Luft verpesteten, so daß die Menschen erstickten. Die
Steine der Paläste stürzten ein und begruben alles unter einem Schutthaufen.
Dann sandte Gott einen gewaltigen Sturm und bedeckte alles mit gelbem, grauem
Sande in einem Erdbeben. Dies war die Gottesrache für die Beleidigung. Es war
ein Akt der Gerechtigkeit. Als die Vernichtung kam, waren wir
beide schon tot. Ich - Arras - starb unter dem Dolch eines Priesters, der
nach meinem Weib trachtete. Mein Freund Isaris, mit dem ich Blutsfreundschaft
geschlossen und bis zum Lebensende gehalten habe, starb im Kampf mit Zyelov.
Er war ein Feldherr und wohnte unter seinem Dach. Er strebte nach Macht und
nicht mit reinem Herzen. Er suchte den Thron seines Herren zu untergraben und
empörte sich gegen ihn und erschlug ihn. Unsere Stadt und unsere Gräber sind
verschüttet und noch nicht gefunden. Wir lebten 5000 Jahre vor Christi
Geburt. Das ganze Reich Ägypten hatte mehrere Fürsten unter einem Herrscher,
den ihr ‘Kaiser‘ nennen würdet. Es waren Bundesfürsten. Zu diesen gehörten
auch wir beide. Nur war Isaris dazu noch Sachwalter des ganzen Reiches; ihr
würdet sagen ‘Reichskanzler'. Die Hauptstadt des Reiches war Memph. Die
ersten Familien, die Priester und Heerführer pflegten den König oder Fürsten
immer aus derselben Familie zu nehmen.“ Auf meine Frage, welche anderen
Völker damals existierten, antwortete er: “Auf der Halbinsel Arabien zogen
die Nomadenstämme umher. Es gab ein großes Reich am Euphrat. Dieses Reich war
an der Mündung des Euphrat und reichte bis zum Ganges. Dann gab es noch ein
Reich, wo später die Mauren wohnten. Spuren von diesem Reich sind noch auf
den alten Karten vorhanden.“ Als die Medien zu sich kamen, wunderten sie sich
über die von ihnen angefertigten Zeichnungen und wußten nicht, was das alles
zu bedeuten hätte. Sie kamen im ganzen siebenmal in drei Monaten. Es war mir
vorher nie bekannt, wann sie die Fortsetzung machten. An einem Morgen, als ich im Begriff
stand, aus meinem Pfarrort in die Stadt zum Büro des Hilfsbundes zu reisen,
kam der Bauernjunge, der Sprechmedium war, zu mir ins Pfarrhaus und sagte, er
habe den Auftrag bekommen, mich heute in die Stadt zu begleiten. Weshalb er
mitfahren sollte, war ihm nicht bekannt. Ich nahm in also mit, weil ich aus
Erfahrung wußte, daß es sich stets um etwas Wichtiges handelte, wenn der
Junge solche Aufträge erhielt. An diesem Tage erschienen wiederum
die beiden Medien für die ägyptischen Zeichnungen. Gleichzeitig mit ihnen
fiel auch mein Bauernjunge in Trance und saß so lange schweigend da, während
die beiden anderen ihre Zeichnungen fortsetzten. Plötzlich stand das meiner
Pfarrei angehörige Medium auf und ging zu dem einen der Zeichnenden hin und
redete mit ihm in einer fremden Sprache. Er schien ihm etwas an der Zeichnung
zu erklären. Dann kam er zu mir und bat mich um Radiergummi. Als ich ihm
diesen überreichte, ging er wieder zu dem anderen Medium. Ich selbst trat nun
auch in dessen Nähe und sah, daß es den Nil gezeichnet hatte. Es nahm den
Radiergummi aus der Hand des Jungen und radierte an dem Lauf des Nils einen
kleinen Teil aus und zeichnete ihn anders. Ich fragte das in Trance
befindliche Medium aus meiner Pfarrei, ob es mir sagen dürfe, was diese
Vorgänge zu bedeuten hätten. Der daraus sprechende Geist gab mir zur Antwort,
daß er heute die Aufsicht über die beiden zeichnenden Medien habe. Denn es
werde die für die Auffindung der Königsgräber wichtigste Zeichnung
angefertigt, nämlich der Lauf des Nil. Der Geist einer der beiden früheren
Fürsten hätte durch das Medium den Nilfluß so gezeichnet, wie er zur
damaligen Zeit seinen Lauf genommen. Heute jedoch sei der Lauf des Nil
infolge einer Versandung an einigen Stellen ein anderer. Es sei gerade eine
dieser Stellen, von der aus die Messung der Entfernung vorgenommen werden
müsse, um die Königsgräber zu finden. Darum habe er auch heute morgen den
Jungen veranlaßt, mit mir in die Stadt zu gehen. Als die letzte Zeichnung vollendet
war, erhielt ich den Auftrag, alle Zeichnungen durchzupausen und eine Pause
versiegelt an einer mir bezeichneten Stelle zu hinterlegen. Dann wurde mir
eine Urkunde von dem einen der ägyptischen Fürsten diktiert, die ich
unterschreiben mußte. Sie lautete: “Im Jahre 1924 erhielt
ich Kunde von der Existenz zweier Geister, die früher einmal Fürsten waren.
Arras und Isaris - so nennen sie sich. Von eben denselben sind mir mehrere
Zeichnungen und Diktate zugetragen worden. Dieselben umfassen einen Bericht
über das Schicksal der beiden Fürsten und ihres Lebens. Mir wurde
aufgetragen, in das Land der beiden zu ziehen und ihre Gräber zu öffnen und
die Überreste der verschütteten Stätten freizulegen. Diese Materialien
sammelte ich in der Zeit vom 1. Februar bis 1. Mai 1924.“ Isaris erklärte im Auftrage des
Arras und in seinem eigenen Namen: “Wir beide haben euch das kundgetan, was
uns aufgetragen worden ist, euch zu sagen, damit ihr unsere Grabstätten
findet. Die Durchführung liegt in eurer Hand. Seelisch, geistig habt ihr für
uns bis heute gewirkt. Wir danken euch dafür. Wir bitten euch, dies auch
fernerhin zu tun, und mit heutigem Tage verabschieden wir uns von euch. Wir
werden nur noch einmal kommen. Das wird an dem Tage sein, wo die Erfüllung
des Vorhergesagten eintrifft und von euch als tatsächliches, geschichtliches
Geschehen nicht bloß geglaubt, sondern auch erkannt wird. Betet für uns! Und
- Gott zum Gruß! Wenn ihr vor unserem Grabe stehet und ihr die Reste findet,
dann sind wir dort. Hier ist unsere Aufgabe erfüllt. - Gott zum Gruß - auf
Wiedersprechen!“ Diese Urkunde unterzeichnete ich und
nahm sie zu den anderen ägyptischen Akten. Bei dieser Gelegenheit stellte ich
noch manche Fragen, die sich auf die vorliegende Sache bezogen. Als Antwort
darauf wurde mir folgende Belehrung zuteil: “Ich kann dir sagen, daß alles
aufgezeichnet ist, was auf die Örtlichkeit selbst Bezug hat, wo die Gräber
liegen. Die genauen Angaben können wir euch nur an Ort und Stelle geben. Es
ist jetzt nur die eine Frage: Die Ausführung des Auftrages. Ihr habt die
Gräber nur zu suchen, und ihr findet sie. Ihr findet darin verschiedene
Kultursachen. Sie sind schon mehrfach gefunden worden und sind an und für
sich nicht so ganz wichtig. Aber wichtig ist der ‘Aufruf an das Volk‘ und die
‘Rolle‘, in der die Gesetze der ‘Weißen Magie‘ über den Geisterverkehr
enthalten sind und auch die Heilarten, wie man Krankheiten heilen kann. Dann
sind auch Angaben darin über die Herstellung verschiedener Erzeugnisse aus
Pflanzen, Salzen und derartigen Stoffen, womit man verschiedene Sachen
konservieren kann, und auch, wie man aus Pflanzen Stoffe herstellen kann, die
sehr dauerhaft sind. Geld und Gold liegt auch dort, damit ihr alle eure
Auslagen decken könnt und noch mehr. Ihr werdet nicht das Schicksal so
vieler haben, die bisher solche Gräber öffneten und getötet wurden. Denn auf
jedem Grabe steht die Inschrift: ‘Diejenigen, welche Hand anlegen oder den
Antrieb dazu geben, sind verfallen.‘ - Ihr gehet in Gottes Namen und nehmet
den Grundstich auch in unserem Namen mit Gottes Hilfe vor. So wird euch
nichts geschehen. Du fragst mich nach den
Schriftzeichen auf den Zeichnungen. Die Schriftzeichen sind verschieden. Denn
man hat nicht überall gleich geschrieben. Es ist die Schrift so, wie wir sie
damals geschrieben haben. Ihr könnt die Schrift nicht lesen und nicht
schreiben. Ich könnte euch die Buchstaben diktieren. Aber damit vermöget ihr
nichts anzufangen. Denn ein Buchstabe gilt sowohl für ein Wort, als auch für
ein Zeichen. Auf unserem Grabe, auf unserem Palast, auf den Steinen, auf den
Säulen, auf den Wänden ist überall dieselbe Schrift. Die Gelehrten können
sich die Köpfe an diesen Steinen einrennen; die Schrift werden sie nicht
entziffern können. Vielleicht wird der eine oder andere sagen, daß die
Schrift, die er bei euch sieht, möglicherweise aus Ägypten ist, weil er
einige Zeichen erkennt. Aber die meisten werden sagen, ihr hättet euren
Verstand verloren. Und sie werden euch Hindernisse in den Weg legen. Der Großkönig, unter dem wir
Bundesfürsten waren, hieß ‘AM-EL‘. Er starb nach uns beiden. Sein Grab ist
noch nicht gefunden. Es sind in ganz Ägypten ungefähr 10.000 Gräber von
Königen, Fürsten und Vornehmen. Die anderen Gräber zähle ich nicht. Da könnt
ihr sicher sein, daß nicht alles entdeckt ist.“ Später fragte ich in den Sitzungen
mit den Medien meiner Pfarrei nach dieser ägyptischen Sache. Ich wollte
erfahren, um welche Zeit die Gräber aufgefunden würden. Ich erhielt zur
Antwort: “Das alles hat noch seine Zeit. Es werden Weltereignisse eintreten,
wodurch diese Sache reif wird. Heute ist sie noch unmöglich und würde aus
Gründen, die ihr nicht versteht, das Leben vieler Menschen kosten. Welche
großen Absichten Gott damit verbindet, könnt ihr nicht einmal ahnen.“ Diese
ägyptische Sache habe ich deshalb in dieser Ausführlichkeit an Hand der Akten
wiedergegeben, damit im Augenblick der Erfüllung auch hierdurch der Beweis
erbracht ist, daß alle Einzelheiten genau vorausgesagt worden sind. Ich persönlich habe das Empfinden,
daß die Auffindung der hier beschriebenen Gräber für die heutige Wissenschaft
der gewaltigste Beweis für die Wahrheit dessen sein soll, was in diesem Buche
enthalten ist. Denn solche Beweise kann auch selbst die jenseits feindlichste
Wissenschaft nicht mehr beiseite schieben, sondern muß sie als vollwertig
anerkennen. Doch das ist meine rein persönliche
Meinung. Näheres über die Bedeutung der Auffindung der ägyptischen Gräber ist
mir nicht mitgeteilt worden. Die Richtigkeit dieser ägyptischen Sache wurde
mir auch durch das Medium in der Stadt bestätigt. Es fügte noch hinzu, daß
der Fürst, der sich “Arras“ nannte, auch den Namen “Hario“ geführt habe.“ Wenn man die bisher angeführten
Beispiele, die nur einen ganz kleinen Bruchteil meiner Erlebnisse auf diesem
Gebiet ausmachen, in aller Ruhe überdenkt, so wird es jedem klar, daß man mit
den üblichen “natürlichen“ Erklärungsversuchen keinen Schritt weiterkommt.
Nicht “Suggestion“, nicht “Gedankenübertragung“, nicht “Unterbewußtsein“
können die Ursachen solcher Erscheinungen sein. Weder die Medien als Menschen
wußten diese Dinge, noch auch andere Menschen. Was nie im Bewußtsein eines
Menschen war, kann bei ihm auch nie zum Unterbewußtsein werden, und Gedanken,
die ich selbst nicht habe, kann ich auch nicht auf andere übertragen. Die Worte “Suggestion“,
“Unterbewußtsein“, “Gedankenübertragung“ sind auf diesem Gebiet in den
meisten Fällen eben nur Worte, mit denen man recht viel Gelehrtes
auszudrücken glaubt und auch auf diejenigen Eindruck macht, die nicht
nachzudenken pflegen. Aber in Wirklichkeit sind es Worte ohne anwendbare
Begriffe. “Wo die Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich
ein.“ Was die Gedankenübertragung angeht,
so habe ich mich oft bemüht, meine Gedanken auf die Medien sowohl vor ihrem
Trancezustand, als auch während desselben mit aller Kraft zu übertragen. Aber
in keinem einzigen Falle enthielten ihre darauf folgenden Kundgebungen auch
nur ein Wort von dem, was ich an Gedanken auf sie zu übertragen suchte. Auch andere habe ich veranlaßt, mit
mir zusammen einen bestimmten Gedanken, den wir vorher vereinbart haften,
einem Medium für seine Kundgebungen zu suggerieren. Aber alle diese Versuche
blieben ohne den geringsten Erfolg. Was mir durch die ungelehrten und
auf allen Gebieten des Wissens vollständig unerfahrenen Medien mitgeteilt
wurde, übersteigt jedes menschliche Wissen von diesen Dingen. Hier gibt es bloß eine Erklärung,
die unser Denken befriedigt, nämlich: Es sind außerirdische Geistwesen, die
sich dieser Medien als Werkzeuge bedienen, um uns von der Existenz eines
Jenseits, von dem Dasein eines Gottes und einer Geisterwelt zu überzeugen und
uns auf den Weg zu Gott zu führen. Die in den folgenden Kapiteln
wiedergegebenen Belehrungen über die “Gesetze des Geisterverkehrs“ und “die
großen Fragen des Diesseits und Jenseits“ werden weitere Beweise dafür in
Fülle liefern. ____________ *
____________ Ich
habe erkannt, daß alles, was Gott bestimmt hat, ewige Geltung besitzt. Man
kann da nichts hinzufügen und nichts davon hinwegnehmen. Und
das hat Gott so eingerichtet, daß man Ehrfurcht vor ihm habe. Prediger 3,14 Vorbemerkung Es war mir schon bei der ersten
Berührung mit der Geisterwelt die Zusage gemacht worden, daß ich über die
Gesetze belehrt würde, nach denen sich der Verkehr der Geister mit der
materiellen Welt, besonders mit den Menschen, vollzieht. Würde diese Zusage erfüllt, so
bedeutete dies für mich einen neuen, unwiderleglichen Beweis für die Wahrheit
dessen, was ich bisher aus dieser Quelle an Belehrungen empfangen hatte. Ich
selbst wußte von jenen Gesetzen nichts. Erst recht war den auf allen
wissenschaftlichen Gebieten unerfahrenen Medien von derartigen Gesetzen
nichts bekannt, so daß sie aus sich keine Belehrungen darüber erteilen
konnten. Die mir gemachte Zusage wurde in
viel vollkommenerer Weise gehalten, als ich zu hoffen gewagt hatte. Der
Unterricht, der mir über die Gesetze des Geisterverkehrs zuteil wurde, war
von einer Klarheit und Überzeugungskraft, wie sie nur der Wahrheit innewohnt.
Alle Fragen, die ich stellte, wurden mir ausführlich bis in ihre Einzelheiten
beantwortet. Nie konnte ich auch nur den kleinsten Widerspruch in den
Ausführungen feststellen. Alles griff ineinander, wie in einem feinen Uhrwerk.
Mein Lehrmeister war dasselbe Geistwesen, das mir schon bei meinem zweiten
Zusammentreffen mit ihm versprochen hatte, mich in alle Wahrheit einzuführen.
Es bediente sich dazu als Medium desselben Jungen wie damals. Da dieser nur
mittelmäßige Schulbildung besaß, so bewahrheitete sich auch hierbei das Wort
des Apostels Paulus: Was
der Welt für töricht gilt das hat Gott erwählt um die Weisen zu beschämen;
und was der Welt für niedrig und verächtlich gilt, ja was der Welt nichts
gilt, das hat Gott erwählt um das zunichte zu machen, was in den Augen der
Welt groß dasteht. Denn kein Sterblicher soll sich seiner eigenen Leistungen
vor Gott rühmen können (1. Kor. 1, 27-29). _______
* _______ Gesetzmäßigkeit in der gesamten
Schöpfung Gottes „Ihr Menschen“, so begann der Geist
seine Belehrungen - „scheint anzunehmen, daß Gesetzmäßigkeit bloß in der
materiellen Welt herrsche. Das ist ein Irrtum. Gott ist ein Gott der Ordnung
und der Gesetzmäßigkeit sowohl in der irdischen, als auch in der geistigen
Schöpfung. Er selbst unterwirft sich bei seinem Tun den von ihm geschaffenen
Gesetzen und hebt keines von ihnen auf. So müssen auch wir Geister die
gottgewollten Naturgesetze beobachten, sooft wir mit der materiellen Welt in
Verbindung treten. Das gilt sowohl für die gute, als auch für die böse
Geisterwelt. Ihr pflegt alles ein ‘Wunder‘ zu nennen, was ihr mit den euch
bekannten Naturgesetzen nicht in Einklang bringen könnt. Für den, der die
Kräfte der materiellen und der geistigen Welt kennt, gibt es keine ‘Wunder‘.
Denn alles vollzieht sich nach denselben unwandelbaren Gesetzen, von denen
keines das andere aufhebt oder abändert. Wenn du einen Stein mit der Hand in
die Höhe hebst, so wird dadurch das Gesetz der ‘Schwerkraft‘ des Steines, wie
ihr es nennt, nicht beseitigt, sondern durch die stärkere Kraft deiner Hand
überwunden. Würde jedoch ein Stein durch eine für euch unsichtbare Hand
emporgehoben, so wäre das in euren Augen ein ‘Wunder‘, weil ihr die Kraft
nicht sehet und darum der Ansicht wäret, der Stein erhebe sich von selbst.
Und doch muß in beiden Fällen eine Kraft vorhanden sein, die das Heben des
Steines bewirkt. Ob ihr die Kraft sehet oder nicht, macht in dem Vorgang
selbst keinen Unterschied. In beiden Fällen wird die Schwerkraft des Steines
durch eine stärkere Kraft überwunden. Selbst Gott kann infolge der von
seiner Allmacht geschaffenen Gesetze nicht machen, daß sich ein Stein von
selbst erhebt. Wohl hätte er andere Gesetze für die Materie schaffen können.
Nachdem er aber die jetzt bestehenden Gesetze für alles irdische Geschehen
festgelegt hat, muß auch er bei dem Stein, der sich erheben soll, eine Kraft
wirksam werden lassen, die größer ist als die Schwerkraft des Steines. So ist
es auf allen Gebieten. Es ist auch kein ‘Wunder‘, wenn die
Geisterwelt mit euch Menschen in wahrnehmbare Verbindung tritt und mit euch
spricht. Und wenn ich durch diesen Jungen mit dir rede, so geht auch das nach
feststehenden Gesetzen vor sieh, die ich befolgen muß und die ein böser Geist,
der durch diesen Jungen sprechen wollte, in derselben Weise befolgen müßte. Betrachtet eure
Fernsprecheinrichtungen! Wieviel Naturgesetze müssen da erfüllt werden, bis
ein Gespräch zustande kommt! Es muß ein Kraftstrom vorhanden sein; Drähte und
andere Einrichtungen müssen angebracht werden, die zur Übertragung des
gesprochenen Wortes erforderlich sind und den Gesetzen der Elektrizität und
der Akustik entsprechen. Ob nun ein guter Mensch den Sprechapparat benutzt
oder ein Verbrecher, beide sind denselben Fernsprechgesetzen unterworfen. Zum
Verständnis dessen, was du auf dem Gebiet des Geisterverkehrs wahrnimmst, ist
es für dich wichtig, die hauptsächlichsten Gesetze kennenzulernen, die beim
Verkehr der Geisterwelt mit der materiellen Schöpfung in Betracht kommen.
Hast du diese begriffen, dann wird dir das meiste verständlich sein, was dir
auf diesem Gebiet begegnet und euch Menschen bis jetzt so unerklärlich
erscheint. Das “Od“ als geistige Lebenskraft Geist und Materie können wegen der
Verschiedenheit ihres Seins nicht unmittelbar aufeinander wirken. Auch dein
eigener Geist ist aus sich allein nicht fähig, ein Glied oder Organ deines
Körpers in Tätigkeit zu setzen. Ebensowenig bin ich, der ich jetzt von dem
Körper dieses Jungen Besitz ergriffen habe, aus mir allein imstande, den
Körper aufzurichten, seine Hände zu erheben oder mit seinen Sprechwerkzeugen
einen Laut hervorzubringen. Sowohl dein eigener Geist, als auch ich bedarf
dazu eines “Kraftstromes.“ So hat der Maschinenführer den
Kraftstrom des Dampfes oder der Elektrizität nötig, um die Maschine in Gang
zu bringen. Fehlt der Kraftstrom oder ist er zu schwach, so steht die
Maschine still. In unserem Fall ist der Maschinist der Geist. Die Maschine
ist der Körper oder die Materie. Soll die Materie vom Geist in Bewegung
gesetzt werden, so ist dazu ein Kraftstrom nötig. Die Gelehrten der alten Zeit
nannten den Kraftstrom im Menschen ‘Seele‘, im Gegensatz zu ‘Geist‘ und
‘Körper‘. Sie lehrten daher mit Recht, daß der Mensch aus Geist, Seele und
Körper besteht. Die Bibel bezeichnet den Kraftstrom
oder die Lebenskraft als ‘Odem des Lebens‘. Und Gott hauchte dem Menschen den
Odem des Lebens in die Nase; so wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen
(1. Mose 2, 7). Eure heutige Wissenschaft hat dem
Kraftstrom im Menschen den Namen ‘Odkraft‘ gegeben. Die ‘Odkraft‘ oder Lebenskraft
befindet sich in und um alles, was Gott geschaffen hat. Jeder Mensch, jedes
Tier, jede Pflanze, jeder Stein, jedes Mineral, jedes Wasser, jeder Weltkörper,
jeder Geist und was es sonst noch gibt, hat Odkraft. Sie ist nichts
Materielles, sondern etwas Geistiges und stets mit einem Geist verbunden. Sie
ist die Lebenskraft des Geistes. Träger der Odkraft ist daher stets der
Geist. Wo also Leben ist, ist Od, und wo Od ist, ist Geist. Da nun die
Odkraft in und um alles ist, was Gott geschaffen hat, und stets mit dem Geist
verbunden ist, so folgt daraus, daß in allem Geschaffenen ein Geist ist. Das klingt euch unglaublich, und
doch ist es die Wahrheit. Ist ein Geist mit einem materiellen
Körper verbunden, so besitzt er zunächst die Odkraft, die für seine eigene
Existenz als Geist erforderlich ist. Sodann eine entsprechende Zugabe an
Odkraft, um das Leben, den Aufbau und die Betätigung des irdischen Körpers zu
ermöglichen. So bedarf ja auch, um mich eines unvollkommenen irdischen
Gleichnisses zu bedienen, eine Lokomotive einer bestimmten Menge Dampfkraft,
um sich selbst fortbewegen zu können, und einer entsprechenden Zugabe an
Dampf, um die angehängten Wagen mitzuziehen. Der an euren Geist angehängte
Wagen ist der Körper. Für ihn benötigt also euer Geist eine besondere Zugabe
an Odkraft. Das für den Körper bestimmte Od
unterscheidet sich jedoch von dem des Geistes. Denn alles, was auf Materie
wirken soll, muß bis zu einem gewissen Grade der Materie verähnlicht und
angepaßt werden. Daher ist das Od der irdischen Körper nicht so geistig, wie
das Od der Geister selbst, die sich in diesen Körpern befinden. Das körperliche Od hat Ähnlichkeit
mit euren irdischen Kraftströmen. Sie sind weder rein materiell, noch rein
geistig. Ihr eigentliches Wesen ist euch unbekannt, wenn ihr auch ihre
Wirkung täglich erfahret. Für die irdischen Kraftströme habt
ihr materielle Leitungsdrähte, um den Strom in der zweckmäßigsten Stärke
wirken zu lassen. Ihr habt Maschinen und sonstige Einrichtungen und Anlagen,
deren Betrieb eine bestimmte Stromstärke erfordert. Ist der Kraftstrom zu
stark, so zerstört er diese Einrichtung. Ist er zu schwach, so kommt der
Betrieb zum Stillstand. So wird auch der Odstrom bei allen
körperlichen Wesen an einem Leitungsdraht durch den ganzen Körper mit all
seinen wunderbaren Einrichtungen, die ihr Organe nennt, in der dafür
notwendigen Stärke geführt. Wirkt der Strom zu stark auf ein Organ, so kommt
es in Unordnung; ist er zu schwach, so stellt es seine Tätigkeit ein. Der Leitungsdraht der Odkraft ist
das Blut. Wird er zerstört, indem das Blut verlorengeht oder durch Zersetzung
vernichtet wird, so hört auch der Odstrom auf genau so, wie bei euren
Kraftströmen der Strom versagt, wenn die Leitungsdrähte durch äußere
Eingriffe oder durch Zersetzung beschädigt werden. Weil das Blut der Odleiter und
daher ohne Blut das körperliche Leben nicht möglich ist, darum wird in der
Bibel das Blut der ‘Sitz des Lebens‘ genannt: Das Blut ist der Sitz des
Lebens (5. Mose 2,23). Das körperliche Od wird nicht vom
Geist des betreffenden Körpers erzeugt, sondern aus den Nahrungsstoffen
gewonnen, die der Körper in sich aufnimmt. Damit du die weiteren Belehrungen
über die Odkraft verstehst, muß ich dich über das Wesen der Materie
unterrichten. Die Materie als verdichtetes Od Hast du dir schon einmal
klarzumachen versucht, wie der Körper der Lebewesen sich bildet? Betrachte
deinen eigenen Körper und sein Wachstum! Wurde dein Körper vielleicht in der
Weise gebildet, daß fertige Materie daran gesetzt wurde, so wie ein Haus
entsteht, indem Stein auf Stein gefügt wird? Du wirst von selbst einsehen,
daß dein Körper nicht auf diese Weise entstanden ist. Der Körper ist nichts
anderes als zur Materie verdichtetes Od. Das gilt von jedem Körper, nicht
bloß von dem des Menschen, sondern auch von dem der Tiere, Pflanzen und
Mineralien. Ihr Wachstum und materielles Entstehen unterliegt denselben
Gesetzen der Odverdichtung. Das Od der einzelnen materiellen
Wesen stellt eine nach wunderbaren, euch unbekannten Gesetzen hergestellte
Mischung der verschiedenen Odkräfte und Odarten dar. Bei den Menschen ist die
Odmischung eine andere als bei den Tieren, und bei dem Tier wieder anders als
bei der Pflanze und bei der Pflanze anders als bei den Mineralien. Dieser Unterschied der Odmischung
besteht aber nicht bloß zwischen den verschiedensten Naturstufen, sondern
auch zwischen den Einzelwesen derselben Naturstufe. So ist die Odmischung bei
den einzelnen Menschenrassen eine verschiedene. Der Neger hat eine andere
Odmischung als der Weiße oder Indianer. Aber die der weißen Rasse
angehörenden Menschen haben nicht alle die gleiche Odmischung. Ebenso ist es
bei den anderen Rassen. Jeder einzelne Mensch hat eine ihm eigentümliche
Odmischung. Es gibt also keine zwei Menschen mit genau demselben Od. Das gilt
in derselben Weise von den Tieren, Pflanzen, Mineralien. Da nun der Aufbau des Körpers eines
Lebewesens in der Verdichtung der dem Lebewesen eigentümlichen Odmischung
besteht, so hat jeder Körper seine besondere materielle Eigenart. Fleisch,
Knochen, Nägel, Haare und alle anderen zum Körper gehörenden Teile haben bei
jedem Lebewesen ihre besondere Eigentümlichkeit. Sie beruht auf der
Odmischung, die bei dem Einzelwesen zu finden ist. Es ist für euch ein großes
Naturgeheimnis, wie es möglich ist, daß das vergeistigte und daher für eure
Augen nicht sichtbare Od sich zur festen Materie verdichten kann. Daß es
möglich ist, lehrt euch die tägliche Erfahrung, denn ihr sehet, daß euer Leib
nicht dadurch wächst, indem fertige Materie daran geklebt wird. Ihr wißt, daß
die Eichel nicht dadurch zum Eichbaum wird, daß immer mehr Eichenholz dazu
getan wird, sondern daß das Wachstum einen im Inneren des Lebewesens sich
vollziehenden Prozeß darstellt. Ihr wißt ferner, daß die von euch
aufgenommenen Speisen nicht inwendig an euren Körper angefügt werden, und auf
diese Weise der Körper sein Wachstum vollzieht, sondern daß ein euch
unbekanntes Etwas in alle Teile und Teilchen des ganzen Körpers strömt, sich
dort zu Fleisch, Knochen, Haaren, Nägel und sonstigen Substanzen verdichtet
und durch diese Verdichtung zur Materie wird. Das euch unbekannte Etwas ist das
‘Od‘. Woher stammt nun das für den Aufbau
und die Erhaltung des Körpers aller Lebewesen notwendige Od? Du kannst das
selbst finden, wenn du darüber nachdenkst, was zu deinem körperlichen Leben
notwendig ist. Du hast Luft, Wasser, Speisen nötig. Aber nicht alles, was in
der Luft, dem Wasser und der Speise enthalten ist, kann dein Körper
gebrauchen. Vor allem kann es den einzelnen Teilen deines Körpers nicht in
dem Zustand zugeführt werden, wie es in der Luft, in dem Wasser und der
Speise enthalten ist, nämlich nicht in materiellem Zustand. Denn auch die
Luft ist Materie. Es muß zunächst in eine vergeistigte Form gebracht und als
Od in die kleinen und kleinsten Teilchen des Körpers geleitet werden. Die Umwandlung der materiellen
Nährstoffe in Od erfolgt auf dem Wege der Auflösung in dem in eurem Körper
vor sich gehenden Verdauungsprozeß. Die Luft, die ihr einatmet, stellt
eine materielle Odmischung dar. Daraus lösen eure Lungen nur die Odteile auf,
deren euer Körper bedarf. Die nicht brauchbaren Teile scheiden sie durch die
Atmung aus. Das Wasser hat ebenfalls eine
besondere Odmischung. Das Wasser-Od benötigen die Körper der Menschen, Tiere
und Pflanzen am meisten. Denn der menschliche, tierische und pflanzliche
Körper ist zum größten Teil eine Verdichtung des dem Wasser entnommenen Od.
Darum ist auch das Wasser-Od in reichster Menge in den aus der Tier- und
Pflanzenwelt entnommenen Nahrungsmitteln enthalten, so daß ihr mit der
Aufnahme dieser Nahrungsmittel in den meisten Fällen auch den notwendigen
Bedarf an Wasser-Od empfanget. Weil das Od des Wassers bei den Körpern eine
so große Rolle spielt, darum kann dieses Od nicht lange entbehrt werden. Eure
Hungerkünstler können wochenlang der festen Speise entsagen, aber ohne
Wasseraufnahme würde bei ihnen bald der Tod eintreten. Aus demselben Grunde
gehen Tiere und Pflanzen ein, denen das Od des Wassers längere Zeit versagt
bleibt. Nun verstehst du auch, daß die Qual
des Verdurstens die größte Qual ist, die ein Lebewesen zu ertragen hat. Sie
stellt den schmerzlichsten Todeskampf dar. Das Od der Luft wird nicht so sehr
zum Aufbau des Körpers gebraucht, sondern in der Hauptsache zur Erzeugung der
verschiedenen Kraftströme, durch welche die Zersetzung der Speisen, ihre
Auflösung in Od die Mischung der verschiedenen Odarten und endlich ihre
Verdichtung zur körperlichen Materie bewirkt wird. Alle Auflösungen erfolgen
durch heiße und alle Verdichtungen durch kalte Odströme. Daher könnt ihr nur
wenige Augenblicke ohne das Od der Luft leben. Denn wenn dies fehlt, hört
jede andere Odwirkung von selbst auf. Die Odstrahlung der Weltkörper Es bleibt nun noch die Frage zu
beantworten, woher denn das in der Luft, im Wasser und den Nahrungsmitteln
enthaltene Od stammt? Es kommt von der Erde. Die Erde als
Weltkörper hat eine Odmischung und Odstrahlung, die alle Odarten enthält,
welche für die auf ihr befindlichen Lebewesen notwendig sind. Das Od der Erde
setzt sich zusammen aus dem Od, das sie selbst als Weltkörper besitzt.
Außerdem nimmt sie die Odstrahlung all der Weltkörper, die sich im Bereich
der Erde befinden, in die eigene Odmischung auf. Jeder dieser Weltkörper hat
ein ihm eigentümliches und besonderes Od, das bei keinem der anderen
Weltkörper in dieser Art und Mischung zu finden ist. Je nach der Stellung jener
Weltkörper zu eurer Erde ist auch ihre Odstrahlung auf die Erde bald stärker,
bald schwächer. Da die Stellung der Weltkörper zueinander mit jeder Sekunde
wechselt, darum wechseln in demselben Maße auch die Odstrahlungen, die jene
Weltkörper zu eurer Erde senden. Die Mischung des Od eurer Erde mit dem Od
der sie umgebenden Weltkörper ist von der größten Bedeutung für das Leben und
das Wachstum auf eurer Erde. Du mußt ferner bedenken, daß jede
Odart auch eine ganz eigenartige Kraftwirkung in sich schließt. In dem Maße
nun, in dem im Augenblick der Geburt das körperliche Od des Neugeborenen
unter dem Einfluß einer einseitig starken Odwirkung eines oder mehrerer
Weltkörper steht, in demselben Maße wird die Odmischung des Neugeborenen
beeinflußt. Sie ist ja im Augenblick der Geburt gewissermaßen noch ziemlich
neutral und wird nun durch die auf sie einwirkende Odstrahlung und Odmischung
nach einer gewissen Richtung für immer festgelegt. - Wenn du in einem Glas
eine Mischung herstellen sollst und du gießt von einem bestimmten Stoff eine
große Menge hinein, dann kannst du von anderen Stoffen um so weniger
beimischen. Die ganze Mischung trägt alsdann in Farbe, Geruch, Geschmack und
sonstigen äußeren Merkmalen den Charakter des Stoffes, den du in besonders
großer Menge in das Glas getan. Du kannst auch den zu groß bemessenen Bestandteil
nachträglich nicht mehr verringern oder durch Beifügen größerer Mengen
anderer Bestandteile verdünnen. Denn das Glas kann nicht mehr als voll
gemacht werden. So ist es auch bei der Odmischung des Neugeborenen. Die
Gesamt-Odmenge ist bestimmt und kann nicht vermehrt werden. Bildet nun eine
gewisse Odart den Hauptbestandteil des Gesamt-Od, so wird sie für die
Gestaltung und das Wachstum den Neugeborenen für immer maßgebend bleiben. Und
da die einzelnen Odarten auch ganz eigenartige Lebensenergien entwickeln, so
wird die Eigenart des Hauptbestandteiles an Od dem Neugeborenen neben einer
besonderen Gestaltung seines Körpers auch einen ihm eigentümlichen Charakter
in seinem Handeln geben. Es ist daher kein Aberglaube und
auch keine leere Phantasie, daß man aus dem Zeitpunkt der Geburt auf die
körperliche Eigenart und den Charakter eines Menschen schließen kann. Der
Einfluß der Odwirkung der Weltkörper auf euer irdisches Dasein, eure
Lebensenergien, Charaktere und Temperamente ist ein viel größerer, als ihr
euch denkt. Ihr pflegt ja selbst zu sagen: ‘Er ist unter einem glücklichen
oder unglücklichen Stern geboren.‘ Damit soll die Wirkung ausgedrückt werden,
welche die Odstrahlung eines Weltkörpers auf die Lebewesen bei ihrer Geburt
ausübt. Das alles steht im Zusammenhang mit
den großen Fragen des Menschenschicksals, so daß ich es nicht ganz mit
Stillschweigen übergehen konnte. Alle Körper der irdischen Wesen
sind also verdichtetes Od, das von der Odstrahlung der Erde und der sie
umgebenden Weltkörper stammt. Den Auflösungs- und
Verdichtungsprozeß könnt ihr euch an einem Beispiel in der Natur klarmachen. Du weißt, daß unter dem Einfluß der
Wärme eine für euer Auge meistens nicht sichtbare Verdunstung der
Feuchtigkeit des Erdbodens und der Gewässer erfolgt. In einer gewissen Höhe
über der Erde verdichtet sich der bis dahin unsichtbare Dunst zunächst zu
einem feinen, kaum sichtbaren Schleier. Eine weitere Verdichtung zeigt euch
den feinen Schleier als Wolke. Diese wird unter dem Einfluß der Kälte immer
dichter und fällt schließlich unter einer noch größeren Verdichtung als
Wasser oder Schnee zur Erde. Wird das Wasser durch einen höheren Kältegrad
weiter verdichtet, so wird es Eis und stellt eine feste Materie dar. Hier
hast du die stufenweise Verdichtung eines für eure Augen nicht sichtbaren,
gleichsam vergeistigten Stoffes zur festen Materie, die ihr nicht bloß sehen
und mit den Händen greifen könnt, sondern die euch auch eine große
Widerstandskraft entgegensetzt. So ist also die Eisdecke eurer Bäche, Teiche
und Flüsse verdichtetes Wasser und von derselben Art wie das betreffende
Wasser und zeigt auch dessen Eigentümlichkeiten, und das Wasser ist
verdichteter Dunst. Wie also der Dunst von der Erde
aufsteigt, nach und nach zur festen Materie in Form von Eis wird, sich wieder
in Wasser und dann in Dunst auflöst, so geht es mit allen irdischen Körpern.
Sie entstehen aus dem euren Augen unsichtbaren Od der Erde, das sich auf dem
Wege des Wachstums zur Materie verdichtet und nach dem irdischen Tode des
Lebewesens wieder zu dem Od der Erde zurückkehrt. Allen irdischen Wesen gilt
daher das Wort: ‘Von der Erde bist du genommen und zur Erde kehrst du
zurück.‘ Das ist der beständige Kreislauf bis zu dem Tage, an dem alle
Materie endgültig in Od aufgelöst und nicht wieder zu materiellen Körpern
verdichtet wird. - Doch darüber werde ich dir später noch manches zu sagen
haben. Hieraus magst du entnehmen, daß bei
jedem irdischen Wesen drei Zustände des Od unterschieden werden können: - Das
Od des Geistes, der in den Wesen verkörpert ist - das etwas mehr verdichtete,
aber für menschliche Augen nicht sichtbare Od als körperliche Lebenskraft -
und das zur festen Materie gewordene Od, das ihr Körper nennt. Das Od als Lebenskraft des Körpers
bleibt, wie dir bereits bekannt, stets mit dem Od des Geistes und dadurch mit
dem Geist selbst verbunden. Es ist der körperliche Betriebsstoff in der Hand
des Geistes, wie der irdische Kraftstrom der Betriebsstoff in der Hand des
Maschinisten ist. Wird daher dieser körperliche Betriebsstoff so gemindert,
daß er für die Lebensfähigkeit des Körpers nicht mehr ausreicht, so trennt
sich der Geist vom Körper. Es tritt der irdische Tod ein. So läßt der
Maschinist die Maschine im Stich, die er wegen Mangel an Strom nicht mehr in
Betrieb halten kann. Sterben die irdischen Körper, so bleibt die Odkraft beim
Geist. Denn die irdischen Körper haben keine selbständige Odkraft, sondern
bloß die Geister, die von ihnen Besitz genommen haben. Stärkung und Schwächung des Od Der Geist kann jedoch mit der ihm
eigenen Odkraft das durch Krankheit geschwächte Od seines Körpers vermöge
seiner Willensenergie stärken, die schlecht arbeitenden körperlichen Organe
in erhöhte Tätigkeit versetzen und dadurch die schädlichen Bestandteile aus
dem Körper ausscheiden. Dabei muß der geschwächte Körper selbstverständlich
die Aufnahme schädlicher Speisen meiden und durch gesunde Nahrungsmittel die
Wirkung des geistigen Od fördern. Der Geist wirkt in diesem Falle, um mich
wiederum eines materiellen Vergleiches zu bedienen, mit seiner eigenen
Odkraft wie eine starke Druckpumpe auf das körperliche Od und die
Odstromleitung, nämlich das Blut. Wie groß die Stärkung sein kann,
die der Geist eines Menschen durch die ihm eigene Odkraft infolge Anspannung
seines Willens dem Od seines Körpers zuführt, könnt ihr aus zahlreichen
Vorkommnissen ersehen. Oft empfangen Gelähmte, denen eine große Gefahr droht,
durch die auf die Rettung gerichtete Willensenergie des Geistes eine solche
Stärkung der körperlichen Odkraft, daß die Lähmung weicht und die Glieder
wenigstens für kurze Zeit wieder gebrauchsfähig werden. Dieselbe Wirkung hat eine aufs
Höchste gesteigerte Hoffnung auf Heilung. Sie ist ebenfalls ein Akt des
Willens und bringt durch die damit verbundene Stärkung der körperlichen
Odkraft manche plötzlichen Heilungen hervor, die ihr als Wunder anseht. Willensenergie, die in Mut,
Hoffnung, Vertrauen und Freudigkeit zum Ausdruck kommt, ist daher das beste
Heilmittel. Sie ist aber auch der beste Schutz gegen ansteckende Krankheiten.
Das da durch gestärkte Od des Körpers bildet gewissermaßen einen Schutzwall,
der das Eindringen der Krankheitskeime abhält. Je stärker die Willensenergie,
um so stärker ist auch dieser unsichtbare Panzer. Willensschwäche, Mutlosigkeit,
Angst und Verzagtheit des Geistes bewirken das Gegenteil. Sie arbeiten wie
eine Saugpumpe, die das Od des Körpers samt dem Blut aus dem Körper und
seinen Organen nach innen zieht, dadurch die Kraft des Körpers schwächt und
den Weg für Ansteckungen freimacht. Wie der Geist das durch Krankheit
geminderte Od seines Körpers stärken kann, so ist eine solche Stärkung auch
möglich durch Übertragung der Odkraft eines gesunden Wesens auf ein krankes.
Eine derartige Odübertragung nennt ihr ‘Magnetisieren‘. Jedes Lebewesen kann
Od auf ein anderes übertragen. Nicht bloß Menschen auf Menschen, sondern auch
Menschen auf Tiere, Pflanzen und Mineralien. Ihr könnt Pflanzen durch
Übertragung eures eigenen Od zu schnellerem Wachstum bringen. Ihr könnt
Wasser, Öl und andere derartige Dinge magnetisieren, sie gewissermaßen mit
eurem Od tränken und dadurch den Kranken, die das Wasser trinken oder mit dem
Öl gesalbt werden, eine raschere Heilung verschaffen. Der Mensch kann auch das Od von
Tieren, Pflanzen und Mineralien zur eigenen Heilung verwenden. Auf dieser
gegenseitigen Odübertragung beruhen die Gesetze der Heilkraft in der
Schöpfung Gottes. So strömen auch die Felle mancher lebenden Tiere ein
bestimmtes Od aus, das heilkräftig wirkt. Von vielen Pflanzen ist die
Heilkraft allgemein bekannt. Leider kennt ihr heute die Heilkräfte der
einzelnen Pflanzen für die verschiedenen Krankheiten nicht mehr in dem Maße
wie die alten Völker. Dasselbe gilt von den Mineralien. Daß jeder Edelstein
eine ihm eigentümliche Odkraft besitzt, dünkt den meisten als Aberglaube. Und
doch ist gerade das Od der Edelsteine von ganz besonderer Reinheit und Kraft
und stärkt das Od desjenigen, der den Edelstein trägt. Dabei muß allerdings
vorausgesetzt werden, daß der Mensch den Edelstein wählt, der zu seinem
eigenen Od paßt und nicht Odkräfte enthält, die der eigenen Odstrahlung
widerstreiten. Ihr habt ja Bücher, die euch darüber näheren Aufschluß geben,
welcher Edelstein je nach der Geburtszeit für den einzelnen Menschen in Frage
kommt. Sehr wichtig für das Gebiet der
Heilung ist die Odübertragung von Mensch zu Mensch. - Ein krankes Kind fühlt
sich bald besser, sobald die gesunde Mutter es an ihren Körper schmiegt.
Dadurch überträgt sie von ihrem gesunden Od auf das kranke Kind und stärkt
das durch Krankheit geschwächte Od des Kindes. - Ein gesunder Mensch, der mit
kranken oder alten Leuten zusammen schläft, teilt ihnen von seiner Odkraft
mit. Die kranken oder alten Bettgenossen werden dadurch gestärkt, während der
Gesunde durch beständige Abgabe des Od immer schwächer wird. Daher bekommen
Gesunde, die längere Zeit mit kranken oder alten Leuten zusammen schlafen,
infolge der Schwächung der eigenen Odkraft ein krankhaftes Aussehen. Das ist
der Grund, weshalb man Kinder nicht mit alten Leuten zusammen in demselben
Bett schlafen lassen soll. Das Od durchströmt den irdischen
Körper in allen seinen Teilen und strahlt noch ein Stück darüber hinaus. Die
dadurch bewirkte Umstrahlung des irdischen Körpers bezeichnet eure
Wissenschaft mit dem Namen ‘Aura‘. Alles Geschaffene hat diese Odaura. Auch
die großen Weltkörper. Was ihr Anziehungskraft der Erde nennt, ist die Kraft
der Odstrahlung, deren Reichweite in einem bestimmten Verhältnis zur Größe der
Erdkugel steht. Dasselbe gilt von allen anderen Weltkörpern. In dem ganzen
Universum gibt es keinen Punkt, der nicht von der Odstrahlung irgend eines
Weltkörpers getroffen wird. Die Odaura umstrahlt den
materiellen Körper in gleichem Abstand von jedem Teilchen des Körpers.
Infolgedessen hat die ‘Aura‘ auch die Gestalt des Körpers, dem sie angehört
und den sie umströmt. Man spricht daher auch von dem ‘Odkörper‘ oder dem
‘Astralkörper‘ oder dem ‘fluidalen Körper‘ der materiellen Wesen im Gegensatz
zu dem materiellen Körper. Es ist das, was die Bibel den ‘geistigen Leib‘
nennt. Er ist für euer leibliches Auge nicht sichtbar. Doch sogenannte
‘Hellseher‘, die über die Gabe des geistigen Schauens verfügen, können die
Odstrahlung oder den ‘Odkörper‘ sehen. Die Quelle des Lebens ist der
Geist. Aber die Auswirkung des Lebens und die Lebensbetätigung erfolgt durch
die mit dem Geist verbundene Odkraft, die darum auch Lebenskraft genannt
wird. Diese Kraft äußert sich in Schwingungen des Od. Jeder Ausdruck des
geistigen Lebens, jeder Ausdruck des Lebens in der euch umgebenden Natur,
alle Naturkräfte sind Odschwingungen. Jedes Denken und Wollen äußert sich in
entsprechenden Schwingungen des Od, die durch den Geist als Träger des Od
erzeugt werden. Jedes körperliche Gefühl, jedes seelische Empfinden wird
durch Schwingungen des Od hervorgerufen. Alle Töne, Farben, Gerüche,
Geschmacks- und Tastempfindungen entstehen durch ganz bestimmte
Odschwingungen. In der geistigen Welt sind es die Schwingungen des reinen geistigen
Od. In der materiellen Schöpfung sind es die Schwingungen des mehr oder
minder verdichteten Od. Alles, was ihr an irdischen
Erscheinungen vor euch seht, alles Wachsen, Blühen und Reifen, alle
Kraftströme und Strahlungen, Elektrizität, Radio, Ätherwellen, Licht und
Finsternis, alle Stufenleiter der Töne, Farben, Gerüche, der Geschmacks- und
Tastempfindungen, alle Kraftströme des Universums, die Anziehungskraft der
Weltkörper und ihre Bewegungen im Weltenraum alles beruht auf diesen
Odschwingungen. Ein Denker der alten Zeit hat gesagt: Alles ist im Fließen.‘
Er hätte sagen müssen: ‘Alles ist im Schwingen.‘ Den Schwingungen der das
ganze Universum durchströmenden und jedes Teilchen durchdringenden Odkraft
liegt das große göttliche Geheimnis der Zahlen zugrunde. Ihr kleinen Menschen
werdet nie dieses Geheimnis ergründen. Ihr sucht nach der Einheitszahl im
Weltengeschehen. Ihr werdet sie nicht finden. Zwar habt ihr bereits manche
Wahrheiten jenes Zahlengeheimnisses entdeckt. Ihr wißt die Zahlen der Schwingungen
der einzelnen euch bekannten Töne. Ihr versucht auch die den Farben zugrunde
liegenden Zahlen der Odschwingungen zu erforschen. Aber was ist das alles zu
dem unendlichen Meer von Wahrheiten, das euch verschlossen ist? Ihr vermöget
die sieben Siegel der Schöpfung Gottes nicht zu lösen. Ihr könnt nur staunend
und anbetend euer Haupt neigen vor der Weisheit und Allmacht des
Allerhöchsten. Ziehen wir nun aus dem wenigen, das
ich dir über die Odschwingungen gesagt habe, einige für unsere Zwecke
wichtige Folgerungen. Zunächst wird es dir einleuchten,
daß Harmonie dieser Odschwingungen Schönheit, Gesundheit, Freude, Friede und
Glück bedeutet; daß aber Disharmonie der Schwingungen der Grund der
Häßlichkeit, der Krankheit, des Schmerzes, des Unglücklichseins sein muß. Wie
Disharmonie der Töne und Farben euer seelisches Empfinden verletzt und euch
seelisch gewissermaßen weh tut, so ist Disharmonie des geschaffenen Geistes
zu seinem Schöpfer dasselbe auf geistigem Gebiet. Denn diese Disharmonie
äußert sich in entsprechenden Schwingungen des geistigen Od. Sie verursacht
eine geistige Häßlichkeit, ein geistiges Kranksein, einen geistigen
Unfrieden, ein geistiges Sich-unglücklich-fühlen - kurz, einen geistigen
Schmerz, der in dem Maße wächst, als die Disharmonie des Geistes Gottes
gegenüber zunimmt. Die äußerste Grenze der Disharmonie, nämlich die
vollständige Gegensätzlichkeit des geschaffenen Geistes zu seinem Schöpfer,
bedeutet daher auch das höchste Maß des geistigen Schmerzes und Unglücks; es
ist das, was ihr Hölle nennt. Und weil die größte Disharmonie der geistigen
Odschwingungen auch den größten Gegensatz zu Schönheit und Licht bedeutet,
die ja höchste Harmonie zur Voraussetzung haben, so muß die Hölle ein Zustand
größter Häßlichkeit des geistigen Odleibes und tiefste Finsternis sein. Das
sind auf ewigen Gesetzen beruhende Notwendigkeiten. Nicht Gott wirft euch in
die Hölle, sondern eure Disharmonie zu allem Schönen und Guten, zu allem
geistig Gesunden und Reinen, zu Licht und Leben. Darum ist die Hölle der geistige
Tod, in den sich derjenige stürzt, dessen geistiges Sein die größte
Disharmonie zum göttlichen Sein darstellt. Disharmonie der geistigen
Odschwingungen ist das Tiefensteuer beim Geistesflug, Harmonie das
Höhensteuer. Die Beseitigung der Disharmonie aus dem geistigen Sein ist die
Lebensaufgabe eines jeden Geschöpfes. Doch werden die Odschwingungen
eines Lebewesens nicht bloß durch die Gedanken und Stimmungen des eigenen
Geistes beeinflußt, sondern auch durch die Odschwingungen eines anderen
Lebewesens, dessen Odstrahlung es in sich aufnimmt. Wenn daher sogenannte
‘hellempfindende Menschen‘ auf irgendeine Weise mit der Odstrahlung eines
anderen in hinreichende Verbindung kommen, dann nehmen sie auch deren
Empfindungen in sich auf. Auf diesem Gesetz beruht das ‘Sich-Einfühlen‘ in
das Empfinden, den Charakter, die Gesinnung und das Schicksal eines anderen. Alle Odschwingungen eines
Lebewesens lassen in dem eigenen Odkörper ähnliche Eindrücke zurück, welche
die Schwingungen der Töne eines Liedes auf die Platte eines Grammophons
ausüben, so daß sie später immer wieder zu Gehör gebracht werden können, und
zwar nicht bloß als dieselben Töne, sondern auch mit demselben
Gefühlsausdruck, den der Sänger in das gesungene Lied hinein legte. Darauf
beruht auch das Erinnerungsvermögen. Je tiefer die Eindrücke waren, die auf
diese Odplatte ausgeübt wurden, um so leichter können sie wieder hervorgeholt
werden. Derselbe Vorgang, der sich bei der
phonographischen Platte in materialisierter Form vollzieht, ist in geistiger
Weise beim Nachempfinden von Geschehnissen durch hellempfindende Personen
vorhanden, sobald sie mit der geistigen Odplatte eines anderen in hinreichend
starke Verbindung kommen. Dadurch werden in ihrem eigenen Od dieselben
Schwingungen und infolgedessen auch dieselben Empfindungen erzeugt, die in
jener fremden Odplatte enthalten sind. Du weißt ja aus dem
Vorhergegangenen, daß bestimmte Schwingungen der Odkraft nicht bloß einen
bestimmten Ton, sondern auch eine bestimmte Farbe, einen bestimmten Geruch,
einen bestimmten Geschmack und eine bestimmte Tastempfindung erzeugen. Auch
das Gefühl von Wärme und Kälte beruht auf solchen Odschwingungen. Es gibt
Hellempfindende, die einen Ton auch als Farbe sehen und die sogar Farben
durch das Tastgefühl feststellen können, indem sie die Verschiedenheit der
Farben an der Verschiedenheit der Kälte und Wärmestrahlung erfühlen, die von
den Farben ausgeht. Andere nehmen die seelischen Gefühle der Liebe oder des
Hasses, des Wohlwollens oder der Mißgunst, des Mutes oder der Furcht, der
Treue oder der Treulosigkeit als Gefühle des anderen nicht bloß im eigenen
Empfinden wahr, sondern sogar in entsprechenden Farbbildern, so daß sie die
Begriffe der Liebe, Treue, Trauer, Freude, des Hasses, Neides in einem
Farbenbild zu malen imstande sind. Das alles beruht auf den Odschwingungen,
von denen jene Empfindungen begleitet sind. Das Od als Träger des körperlichen
Gefühls Das Od ist daher auch Träger des
körperlichen Gefühls. Wenn also das Od aus einem körperlichen Glied verdrängt
wird, so verschwindet daraus auch das Gefühl. Die Verdrängung des Od aus dem
Körper oder Körperteilen kann auf die verschiedenste Art erfolgen. Sie kann
durch Schlaganfälle oder innere Brüche herbeigeführt werden, welche das Blut
als Odleiter stören. Eine künstliche Verdrängung des Od pflegen eure Ärzte
durch narkotische Mittel zu bewirken. Auch durch übermäßigen Genuß von
Alkohol tritt eine Odverdrängung ein, die sich in einer teilweisen oder
vollständigen Gefühllosigkeit äußert. Das Gefühl kehrt wieder, sobald der Körper
von jenen Stoffen wieder freigeworden ist. Umgekehrt ist das Gefühl auch dann
noch vorhanden, wenn das materielle Glied eines Körpers selbst entfernt ist.
Denn der Odkörper eines irdischen Wesens bleibt als Ganzes bestehen, wenn
auch ein Glied des materiellen Leibes weggenommen ist. Bei einem Menschen,
der ein Bein verloren hat, ist also das Odbein noch vorhanden. Und da das Od
Träger des Gefühls ist, empfindet er nach Verlust des leiblichen Beines noch
so, als ob er es überhaupt nicht verloren hätte. Er fühlt Schmerzen im Knie,
den Waden, der Ferse, den Zehen eines Beines, das er gar nicht mehr besitzt.
Die Wahrheit dieser Tatsache werden dir alle Amputierten bestätigen können. Weil das Od nach Trennung des
Geistes vom Körper im irdischen Tode beim Geist bleibt und Träger des Gefühls
ist, so kann der vom Körper getrennte Geist dieselben Empfindungen haben wie
ein Geist, der noch mit dem materiellen Körper verbunden ist. Darum sind die
Geister der Abgeschiedenen genauso leidensfähig, wie sie es in ihrem
irdischen Leben waren. Geister von Verstorbenen, die
infolge ihres Lebenswandels in eine niedere (tiefe) Sphäre gelangen, sind der
Meinung, sie lebten noch als Menschen auf der Erde. Das hat folgende Gründe:
Zunächst haben sie noch dieselben Empfindungen, die sie als Menschen hatten.
Ferner sehen sie ihren Odleib als einen materiellen Leib an, weil er dem
irdischen Leib nach Form und Gestalt vollkommen gleich ist. Endlich ist die
Erinnerung an ihren irdischen Tod bei ihnen ausgelöscht. Das Od der einzelnen Lebewesen hat
einen bestimmten Geruch. Da das Od etwas Geistiges ist, so
wird auch der Odgeruch durch das geistige Empfindungsvermögen und nicht durch
den körperlichen Geruchssinn wahrgenommen. Der Odgeruch ist bei jedem
Lebewesen verschieden. So wie es keine zwei Menschen gibt, die genau dieselbe
Gestalt und dieselben Gesichtszüge haben, so gibt es auch keine zwei
Menschen, die dasselbe Od und denselben Odgeruch besitzen. Da jeder Geist,
auch der körperlose, einen Odkörper hat, so haben auch die körperlosen
Geister einen ihnen eigenen Odgeruch, der um so unangenehmer wirkt, je tiefer
das Geistwesen steht. Darum wird in den alten Büchern bei den Berichten über
das Erscheinen des Teufels erwähnt, er sei mit großem Gestank angekommen. Das Od wird dadurch, daß es in
Gestalt der Aura über den Körper hinausströmt, für andere auch nach seinem
Geruch wahrnehmbar. Etwas von dem Odgeruch eines Wesens bleibt an allem
haften, was mit seiner Odstrahlung in Berührung kommt. An dem Odgeruch
erkennt der Hund die Sachen und die Spur seines Herrn. Der Odgeruch führt die
darauf abgerichteten Polizeihunde auf die Spur des Verbrechers. Nur wenn
andere Spuren mit frischerem Odgeruch die ursprüngliche Spur verdecken, ist
eine Weiterverfolgung der ersten Spur sehr erschwert oder ganz unmöglich. Jedoch haftet die Odausstrahlung
eines Wesens mit dem ihm eigentümlichen Odgeruch nicht bloß an der
grobstofflichen Materie, mit der das Wesen in Berührung kam, sondern auch an
der feinstofflichen, wie zum Beispiel am Äther, durch den ein Wesen seinen
Weg nahm. So hinterläßt also alles
Geschaffene eine Odspur seines Daseins, die den ersten Tag seines Entstehens
mit dem letzten Lebenstage verbindet. Zur Erläuterung wähle ich ein
materielles Beispiel. Wenn ein Wagen einen Weg entlangfährt, mit einem
feingemahlenen Stoff beladen, und es rinnt durch eine Ritze des Wagens von
diesem Stoff beständig zur Erde, so kann man an der dadurch gebildeten Spur
den Weg verfolgen, den der Wagen genommen hat. Sie ist gleichsam ein Band,
das den Ausgangspunkt und Ankunftspunkt des Wagens miteinander verbindet. Ein solches Band bildet bei jedem
Geschöpf das auf seinem Daseinsweg ausgestrahlte Od. An diesem Odband findet
der Zugvogel seine alte Heimat wieder und die Schwalbe dasselbe Dach, an dem
sie früher ihr Nest gebaut. Diese Tiere haben ein sehr feines Odempfinden.
Ihr nennt es die ‘Witterung‘ des Tieres. Doch ist diese Witterung nur so
lange vorhanden, als das Tier gesund ist. Bei kranken Tieren schwindet
infolge der Schwächung der Odkraft auch das Odempfinden für die eigene oder
fremde Spur. Daher finden kranke Zugvögel ihren Heimweg nicht mehr und ein
kranker Hund weder die Spur seines Herrn noch die eigene Spur. Es gibt auch Menschen, die ein sehr
feines Odempfinden besitzen, durch das sie schon auf gewisse Entfernung den
Odgeruch eines anderen wahrnehmen und ihn als angenehm (sympathisch) oder
abstoßend (antipathisch) empfinden, obschon sie den betreffenden Menschen
noch nie gesehen oder sonstwie kennengelernt haben. Die Abneigung oder
Zuneigung ‘auf den ersten Blick‘ ist die Wirkung des gegenseitigen
Odempfindens. Daher auch der Volksausdruck: ‘Sie können sich nicht riechen.‘ Das Od als Spiegel des Schicksals Das Od gehört zu dem Wunderbarsten
in der Schöpfung Gottes. Durch das Band des Od bleibt ihr nicht bloß mit
allem verbunden, womit ihr in eurem Dasein in Berührung kamt, sondern es
spiegelt auch euer ganzes Dasein wie ein Film wieder: Alle eure Erlebnisse,
alle eure Taten, alles Gesprochene und Gedachte. Es ist das ‘Buch des
Lebens‘, in dem alles eingetragen ist. Es ist die fotografische Platte, die
alles festhält und wiedergibt. Dieser Film lügt nicht. Da gibt es kein
Ableugnen. Nach diesem Film werdet ihr einst von eurem Schöpfer gerichtet
werden. In das Od ist bei jedem irdischen
Wesen auch das für es vorherbestimmte ‘Schicksal‘ von Anfang an
eingezeichnet, und zwar ist es sowohl in dem ganzen Odkörper, als auch in
jedem einzelnen Teilchen des Od sichtbar. Das Lebensschicksal ist daher auch
in den Odteilchen zu sehen, die sich als Ausstrahlung an allem befinden,
womit das Wesen in Berührung gekommen ist. Es ist nicht alles Schicksal, was
ihr in eurem Leben tut oder erleidet. Das meiste ist das Ergebnis der
Selbstbestimmung eures freien Willens. Vorherbestimmt ist bloß euer Lebensweg
mit gewissen Schicksalsstationen an diesem Wege. Was ihr darauf treibt und
wie ihr euch an den einzelnen Stationen verhaltet, das ist Sache eurer
Willensentscheidung. Dafür tragt ihr die Verantwortung. Euer Leben hat den
einzigen Zweck, daß euer Geist auf dem ihm vorgezeichneten Weg höher kommt,
näher zu Gott. Euer Lebensweg ist ein Examensweg. Er ist euch nach Art und
Dauer vorherbestimmt. Daran könnt ihr nichts ändern. Die Schicksalsstationen
an diesem Weg sind Zwischenprüfungen. Der irdische Tod bildet den Abschluß.
Ob ihr nun auf dem vorgezeichneten Weg eure Pflicht tut oder nicht, das hängt
alles von eurem freien Willen ab. Wer das Examen besteht, dessen Geist wird
im Jenseits weiter fortschreiten bis zum letzten Ziele, der Vereinigung mit
Gott. Wer durchfällt, hat das Examen so oft von neuem zu machen, bis er
besteht. Das Bestehen oder Durchfallen ist nicht Schicksal, sondern eigenes
Verdienst oder eigene Schuld. Die christlichen Religionen
erkennen diese Wahrheit nicht. Sie wissen nicht, daß der Schöpfer es ähnlich
macht wie ein Baumeister, der zuerst den Bauplan zeichnet, nach dem der Bau
errichtet werden soll. Der Plan enthält nicht jede Einzelheit der inneren
Ausführung des Baues und des dazu verwendeten Materials, sondern nur die
äußeren Linien. So hat auch Gott für den Lebensbau
eines jeden Menschen die Hauptlinien festgelegt, nach denen das Leben sich
äußerlich gestaltet. Den inneren Ausbau überläßt er der freien Entscheidung
des Menschen. Die Bibel weist euch sehr häufig
auf die Vorherbestimmungen des Menschenschicksals hin. ‘Der Mensch kennt ja
nicht einmal die für ihn bestimmte Zeit‘ (Pred. 9,12,). - ‘In deinem Buche
standen eingeschrieben alle Tage, die vorher bestimmt waren, als noch keiner
von ihnen da war‘ (Ps. 139,16). - Und im Buch des Predigers heißt es: ‘Alles,
was geschieht ist längst im voraus bestimmt worden und von vornherein steht
fest, wie es einem Menschen gehen wird, und niemand vermag den zur
Rechenschaft zu ziehen, der stärker ist als er. Wohl findet darüber viel
Redens statt, aber das ist nutzlos. Denn wer weiß, was dem Menschen im Leben
gut ist?‘ (Pred. 6,10-11). - ‘In deiner Hand steht mein Schicksal‘ (Ps.
31,15). - Der Prophet Jeremia spricht die Worte: ‘Ich weiß, Herr, daß des Menschen
Schicksal nicht in seiner hand steht und daß ein Mensch, der da wandelt,
seinen Gang nicht fest zu richten vermag‘ (Jerem. 10,23). - ‘Eilends kommt
das Schicksal heran, das für sie festgesetzt ist‘ (5. Mose 32,35). Geburt und Tod und die dazwischenliegende
Lebensdauer sind Schicksalsbestimmung, an welcher der Mensch nichts ändern
kann. Niemand, auch kein Arzt, kann daher das Leben eines Menschen retten.
Jeder stirbt in dem Augenblick, der für ihn festgesetzt ist: ‘Ebensowenig
ist jemand Herr über den Tag seines Todes‘ (Pred. 8,8). - Christus
bestätigt diese Wahrheit in den Worten: ‘Wer von euch vermag mit allen
seinen Sorgen der Länge seiner Lebenszeit auch nur eine Spanne zuzusetzen?‘
(Matth. 6,27). Zu Mose sprach der Herr: ‘Sieh, die Zeit ist nahe, daß
du sterben mußt‘ (5. Mose 31,14). Wie der irdische Baumeister
nachträglich Änderungen an seinem Bauplan machen kann, so ist es nicht
ausgeschlossen, daß auch Gott ausnahmsweise eine Änderung in dem
Lebensschicksal irgend eines Menschen eintreten läßt. Nur Er vermag die
Lebenszeit zu verlängern oder zu verkürzen. Wie euch ebenfalls die Bibel
berichtet, verlängert Er bisweilen die Lebensjahre bei dem, der Gott treu ist
und sich als zuverlässiger Mitarbeiter an dem Rettungsplan Gottes erweist,
nachdem er die von ihm Abgefallenen wieder zurückführen will. Darum läßt er
dem Hiskia sagen: 'Ich will zu deinen Lebenstagen noch fünfzehn Jahre
hinzufügen‘ (2.Kön.20,6). Anderen verkürzt er die schicksalsmäßig
festgesetzte Lebensdauer, weil sie sowohl die eigene Lebensaufgabe unerfüllt
lassen, als auch ihre Mitmenschen von der Pflichterfüllung Gott gegenüber
abzubringen suchen. ‘Die Männer der Blutschuld und des Truges werden ihr
Leben nicht auf die Hälfte bringen‘ (Ps.55, 24). Unter ‘Blutschuld‘
versteht die Bibel nicht das irdische Blutvergießen, sondern das Töten der
Seele des Mitmenschen durch Verleitung zum Abfall von Gott. ‘Die Furcht
des Herrn verlängert die Lebenstage, aber die Jahre der Gottlosen werden
verkürzt‘ (Sprüche 10,27). - Dem Hamanja läßt Gott durch den Propheten
Jeremia sagen: Noch in diesem Jahr sollst du sterben, weil du zum
Ungehorsam gegen den Herrn aufgefordert hast‘ (Jeremia 28,16,). - Durch
das Blut, das du vergossen hast (durch Verleitung zum Abfall von Gott), hast
du dich mit Schuld beladen und durch die Götzen, die du dir angefertigt hast,
bist du unrein geworden und hast die Tage des Gerichtes herbeigeführt und
bist zum Abschluß deiner Jahre gekommen‘ (Hesek. 22, 4). Auch den einzelnen Völkern ist ihr
Schicksal bestimmt. Ihr versteht das alles nicht, weil ihr keine rechte
Erkenntnis der Ursachen und Zwecke des großen Weitgeschehens besitzt. Ihr
kennt vor allem den Zweck der materiellen Schöpfung nicht und wisset nicht,
in welchem Zusammenhang der verkörperte Geist mit der Schöpfung Gottes steht. Darüber werde ich dich später noch
eingehender unterrichten. Diese Belehrung über die Frage des
Schicksals habe ich eingefügt, weil sie in Verbindung mit der Odkraft erwähnt
werden mußte, da du sonst nicht das verstehen kannst, was ich über das
‘Hellsehen‘ in seiner Beziehung zum Od zu sagen habe. ‘Hellseher‘ sind Wesen (Menschen
oder Tiere), deren Geist sich so viel vom Körper lösen kann, daß sein Sehen
ähnlich ist dem Sehen der vom materiellen Körper getrennten Geister des
Jenseits. Ein vollständig ausgebildeter ‘Hellseher‘ kann unter gewissen
Umständen auch das in dem Od eingezeichnete Schicksal eines anderen erkennen.
Aus der Vergangenheit sieht er alles, was sich im Leben desjenigen ereignet
hat, dessen Od er schaut. Sowohl das, was als Schicksal in dessen Leben
enthalten ist, als auch das, was an tatsächlichem Geschehen durch seine freie
Willensentscheidung bereits verwirklicht ist. Von der Zukunft sieht er jedoch
nur das durch das Schicksal Vorherbestimmte, aber nicht das, was vom freien
Willen des Menschen abhängt. Die Art des Todes eines Menschen
kann ein Hellseher nur dann vorausschauen, wenn sie durch das Schicksal
festgelegt ist. Denn nicht bei allen gehört die Art des Todes zu ihrem
Schicksal, wie überhaupt etwas bei dem einen Schicksal sein kann, was bei dem
anderen der freien Bestimmung unterliegt. Nur die Stunde des Todes ist bei
allen Schicksal. Um das ‘Hellsehen‘ auf diesem
Gebiete zu ermöglichen, muß der ‘Hellseher‘ auf irgendeine Weise mit dem Od
dessen in Verbindung kommen, um dessen Schicksal es sich handelt. Entweder
muß er die Person selber vor sich haben und ihre Odstrahlung auf sich wirken
lassen, oder er muß mit einem Gegenstand in Berührung kommen, den jene Person
in Besitz hatte und an dem infolgedessen etwas von ihrer Odstrahlung haftet. Auf dieser Odwirkung beruht auch
die Fähigkeit des Hellsehers, verschlossene Briefe zu lesen oder Gegenstände
zu erkennen, die er mit seinem körperlichen Auge nicht wahrnehmen kann. Je
stärker die von dem betreffenden Gegenstand ausgehende Odwirkung ist, um so
deutlicher ist sein Schauen. Kann sich der Geist des
Hellsehenden vollständig von seinem Körper lösen und aus dem Körper
austreten, so ist er auch in der Lage, der Odspur eines anderen zu folgen und
festzustellen, wo jener sich augenblicklich befindet. Doch nicht jedes Hellsehen erfolgt
aufgrund der Odstrahlung. Sehr viele Dinge, die sich fern von dem Hellseher
ereignen, werden von ihm im Augenblick des Geschehens dadurch geschaut, daß
sein aus dem Körper ausgetretener Geist bei dem Ereignis selbst anwesend ist
oder weil ihm, ohne daß sein Geist austritt, von der Geisterwelt das
Geschehnis durch ‘Hellhören‘ mitgeteilt oder in einem Bild auf dem Wege des
‘Hellsehens‘ gezeigt wird. Die zukünftigen Schicksale von
Einzelpersonen, mit deren Odstrahlung der Hellseher nicht in Verbindung kam,
sowie die Zukunft ganzer Länder, Völker, Städte und sonstiger Gemeinschaften
kann ein Hellseher nur dann schauen, wenn sie ihm durch die Geisterwelt in
entsprechenden Bildern vor Augen geführt werden. Die Gestaltung solcher
Bilder, sei es als wahrheitsgetreue Wiedergabe des wirklichen Geschehens, sei
es in Form von ‘Symbolen‘, ist für die damit beauftragten Geister nicht
schwer. Das Od benutzen sie als
Bildmaterial. Den Propheten des Alten Bundes
wurden die zukünftigen Schicksale der Völker und sonstige Ereignisse meistens
in symbolischen Bildern gezeigt. Das Od hat auch Farbe. Sie ist
ebenfalls bei jedem Wesen verschieden. Sie geht vom tiefsten Schwarz durch
Billionen Farbenschattierungen hindurch bis zum herrlichsten Weiß. Ihr
Menschen könnt euch nicht vorstellen, wie groß die Mannigfaltigkeit der
Farben ist. Betrachte einmal im Herbst das Gelb der Blätter. Unter allen gelb
gewordenen Blättern wirst du keine zwei finden, die genau dasselbe Gelb
haben. Diese Mannigfaltigkeit findet sich bei allen Farben. Ich habe dir bereits wiederholt
angedeutet, worin der Grund für die große Verschiedenheit in Geruch und Farbe
des Od zu suchen ist. Nämlich in dem Geist der Lebewesen. Je tiefer ein Geist
in seinem Denken und Wollen seinem Gott gegenübersteht, um so häßlicher ist
er als Geist. Denn auch der Geist hat Gestalt. So hat euer menschlicher Geist
die Gestalt des menschlichen Körpers oder richtiger gesagt: Euer menschlicher
Körper hat die Gestalt eures Geistes; und das Tier die Gestalt des tierischen
Geistes. Der materielle Körper ist nämlich gleichgeformt dem Odkörper und der
Odkörper ist dem Geist vollkommen angepaßt. Mit Hilfe des Od baut ja der
Geist den materiellen Körper auf nach seinem eigenen Bild und seiner eigenen
Gestaltung. Eure sogenannten Wissenschaftler
werden dich allerdings verlachen, wenn du sagst, daß die in der Materie
verkörperten Geister die Gestalt ihres Körpers haben. Sie können sich einen
Geist als Gestalt nicht denken. Sie meinen, Gestalt habe bloß das Materielle,
das an Raum und Zeit Gebundene. Darin irren sie sehr. Die Geister sind nichts
Formloses, wie es in der ganzen Schöpfung nichts Formloses gibt. Sie haben
Gestalt und Form und sind trotzdem nicht an Raum und Zeit gebunden wie die
materiellen Gestalten. - Wie sollten wir Geister uns denn untereinander
erkennen, wenn wir keine Gestalt hätten? Michael unterscheidet sich doch von
Gabriel und Gabriel von Raphael und anderen Geistern - um diese biblischen
Namen anzuführen. Die Wahrheit ist also, daß alle Geister eine Gestalt haben,
angefangen von Gott und den hohen Geistern Gottes bis hinunter zu den
häßlichsten Mißgestalten der Tiefe und der in Materie gehüllten Geisterwelt. Schönheit ist Harmonie und
Häßlichkeit ist Disharmonie. Das ist ein Gesetz, das für die ganze Schöpfung
gilt. Das schönste Antlitz eines Gemäldes kann durch einen disharmonischen
Strich zur häßlichsten Fratze entstellt werden. So wird auch der Geist um so
häßlicher in seiner Gestaltung, besonders in der Gestaltung seines Antlitzes,
je disharmonischer seine Einstellung seinem Schöpfer gegenüber ist, nach
dessen Bild und Gleichnis er einst geschaffen wurde. Wie das den Geist umgebende Od
dieselbe Gestaltung empfängt, die auch der Geist hat, so nimmt es auch Teil
an der Schönheit und Häßlichkeit in Farbe und Geruch. Darum erlebt ihr bei
den heutigen Materialisationen der Geister, daß die Odstrahlung eines guten
Geistwesens in einem schönen Lichte erglänzt und bei zunehmender Verdichtung
seines Od einen lieblichen Geruch verbreitet, während das Od der niedrigen
Geistwesen in Dunkel gehüllt ist und immer einen widerlichen Geruch
verursacht. Freilich nimmt der Mensch nicht immer diesen Geruch wahr, weil er
nur in seltenen Fällen auch mit dem körperlichen Geruchssinn empfunden werden
kann. Das sind Tatsachen, die auch eure
Gelehrten wiederholt festzustellen Gelegenheit haben. Die Harmonie oder Disharmonie des
Geistes wird durch den Odkörper auch auf den materiellen Körper übertragen.
Darum ist der Charakter des Menschen in den Linien des Körpers, besonders im
Angesicht ausgeprägt und sogar in der Gestaltung seiner Glieder zum Ausdruck
gebracht. Der Kenner dieses Gesetzes ist daher in der Lage, aus den Linien
und der Gestaltung der Körperteile die Eigenschaften des Geistes zu
ermitteln. Auch die Haltung des Körpers, der Gang, die Bewegungen sind
Ausdrucksformen des Geistes. Darum kann man auch an den Schriftzügen eines
Menschen seinen Charakter erkennen. Aus demselben Grunde wird der Geist eines
Abgeschiedenen, der durch ein menschliches Medium schreibt, dieselben
Schriftzüge machen, die er vor seinem irdischen Tode hatte; sie werden sich
erst dann ändern, wenn im Jenseits sein Charakter eine wesentliche Besserung
erfahren hat. Da das Schicksal eines Menschen in
dem Od wie ein Bauplan eingezeichnet ist und durch das Od auch auf den
materiellen Körper übertragen wird, so ist das Schicksal eines Wesens auch in
den Linien und Zeichen seines Körpers zu sehen. Wer daher diese Zeichen
kennt, wird einen Teil von dem wahrnehmen, was ein Hellseher in
vollkommenerer Weise im Od erschaut. Ich könnte dir ein sehr
interessantes Buch über alle diese Zusammenhänge diktieren. Allein ich habe
nicht die Aufgabe, eure menschliche Wissenschaft zu bereichern, sondern dir
bloß so viel darüber mitzuteilen, als zum Verständnis des Geisterverkehrs mit
der materiellen Schöpfung und der diesem Verkehr zugrunde liegenden Gesetze
erforderlich ist. Da das Od etwas Geistiges ist, so
hat es mit dem Geist auch die Eigenschaft gemeinsam, durch keine Materie
gehemmt zu werden. Wie es den eigenen Körper ohne Widerstand durchdringt, so
kann es auch jede beliebige andere Materie durchdringen, sobald es vom
eigenen Körper gelöst ist. Nichts kann ihm Widerstand leisten. Etwas Ähnliches habt ihr bei den
sogenannten Röntgenstrahlen, so daß es euch nicht schwerfallen wird, das
Gesagte zu verstehen. Wie ferner in der Natur unter
Einwirkung der Wärme und unter Wolkenbildung sich starke Kraftströme
entwickeln, die in der Form des Blitzes sichtbar werden, so vermag auch die
Geisterwelt mit Hilfe des Od sehr starke Kraftströme zu erzeugen, heiße und
kalte. Ihr sprecht ja auch beim Blitz von heißen Schlägen, unter denen alles
schmilzt, und von kalten Schlägen, die nicht zünden, sondern bloß durch ihren
ungeheuren Druck wirken. Wärme dehnt aus und löst auf -
Kälte zieht zusammen und verdichtet. Das ist ein Gesetz, das nicht bloß in
der materiellen Welt Geltung hat, sondern auch in der geistigen Schöpfung. Wie ihr mit Hilfe großer Hitze
Materie in Dampf verwandeln und sogar in einen für das leibliche Auge
unsichtbaren Zustand versetzen könnt, so vermag auch die Geisterwelt Materie
vollständig aufzulösen. Auch sie bedient sich dazu heißer Kraftströme, durch
die sie die Materie in einen odähnlichen, also vergeistigten Zustand
versetzt. Denn alle Materie ist, wie ich dir bereits erklärt habe, nichts
anderes als verkörpertes Od, das in geistiges Od aufgelöst werden kann. Die in
Od verwandelte Materie durchdringt wie jedes andere Od alles Materielle ohne
Widerstand und kann an beliebige Orte gebracht und dort wieder zu Materie
verdichtet werden. Das Auflösen der Materie nennt ihr
‘Dematerialisieren‘ und das Verdichten des Od zu Materie bezeichnet ihr mit
dem Ausdruck ‘Materialisieren‘. Während die Geisterwelt die
Auflösung der Materie durch heiße Starkströme des Od herbeiführt, verwendet
sie zur Verdichtung des Od kalte Ströme entsprechend den allgemein gültigen
Naturgesetzen. Und wie ihr bei Anwendung starker irdischer Kraftströme große
Vorsicht walten lasset, um keinen Schaden zu erleiden, so geht die
Geisterwelt bei Anwendung der Kraftströme mit der selben Vorsicht zu Werke.
Ihr wendet bei Berührung von Hochspannungsdrähten sogenannte ‘Isolatoren‘ an.
Ihr sprecht von ‘Kurzschluß‘ und ähnlichen Zwischenfällen. Auch bei den
Odströmen, die zum Zwecke der ‘Dematerialisation‘ im Beisein von irdischen
Lebewesen verwendet werden, müssen die Geister dieselbe Vorsicht gebrauchen,
damit eine Schädigung dieser Wesen vermieden und die erstrebte Auflösung oder
Verdichtung der Materie erreicht wird. So kann ein unvorhergesehenes
Eingreifen der Teilnehmer einer spiritistischen Sitzung in die Arbeit der
Geisterwelt eine Gefahr für das Medium, das als Kraftquelle dient, oder auch
für die Teilnehmer sein und das Gelingen der Phänomene erschweren oder ganz
vereiteln. Denn auch bei dieser Arbeit kann es ‘Kurzschluß‘ geben, wenn nicht
rechtzeitig die notwendigen ‘Isolierungen‘ vorgenommen werden. Das klingt euch alles zu
menschlich. Aber ich kann dich nicht oft genug darauf hinweisen, daß alles,
was ihr in der irdischen Welt in materieller Form habt, auch in der
Geisterwelt in geistiger Form existiert, und zwar ohne jede Ausnahme. Es ist
für euch nicht leicht, dies zu verstehen. Denn alle Begriffe eures Denkens
sind der materiellen Welt entnommen. Und es fällt euch sehr schwer, diese
Begriffe auf das Geistige zu übertragen. Das Od, mit dem euer eigener Geist
in eurem materiellen Körper arbeitet, hat eine gewisse Verdichtung nötig, wie
ich dir bereits dargetan habe. Denn es muß ein bestimmter Ausgleich zwischen
Geist und Materie geschaffen werden. Aus demselben Grunde muß auch die
Geisterwelt bei ihrer Arbeit an materiellen Wesen das dazu erforderliche irdische
Od bis zu einem ihrem Zwecke entsprechenden Grad verdichten. Große Hemmnisse
bilden bei solchen Odverdichtungen die Wärme und das Licht. Daß Wärme dabei
hinderlich ist, wird dir ohne weiteres klar sein. Denn Wärme dehnt aus und
löst auf. Daß auch das Licht bei der Odverdichtung ein Hindernis bilden kann,
vermagst du wenigstens zu ahnen, wenn ich dich an die Dunkelkammer erinnere,
die ihr für die Entwicklung eurer fotografischen Platten benötigt. Eine Odverdichtung bei Wärme und
hellem Tageslicht ist zwar nicht unmöglich, aber sie erfordert eine so große
Odmenge, wie sie nur in den allerseltensten Fällen der Geisterwelt zur
Verfügung steht, um den Menschen Mitteilungen zu machen. Sonst für die
Schöpfung und zur Ausführung eines besonderen Auftrages Gottes steht der
guten Geisterwelt die Odkraft in unbeschränkter Menge und Stärke zur
Verfügung. Es ist daher sehr töricht und ein
Zeichen eurer großen Unwissenheit in diesen Dingen, wenn ihr darüber spottet,
daß manche spiritistischen Phänomene nur im Dunkeln gelingen. Auch viele
eurer Gelehrten behaupten, die Dunkelheit werde nur deswegen gewählt, damit
man die ‘spiritistischen Betrügereien‘ nicht so leicht sehen könne. Mit
demselben Recht müßte man auch von dem Fotografen verlangen, daß er seine
Platten bei hellem Tageslicht anstatt in der Dunkelkammer entwickelt, und ihn
für einen Betrüger halten, wenn er die Entwicklung der fotografischen Platten
nur im Dunkeln fertigbringt. Daß die Arbeit der Geisterwelt nach denselben
Gesetzen vor sich geht, die für euer irdisches Handeln gelten, ist leider
fast allen unbekannt. Unsichtbare Nahrungszufuhr
(Odspeisung) Auf dem Wege der Auflösung und
Wiederverdichtung der Materie erfolgt auch die dem leiblichen Auge
unsichtbare und eurem menschlichen Verstand so unbegreiflich erscheinende
Nahrungszufuhr, die man ‘Odspeisung‘ nennen könnte. Es hat nämlich zu allen Zeiten
Menschen gegeben, die keine Nahrung zu sich nahmen und doch am Leben blieben.
Bei ihnen wird die Nahrungsaufnahme auf geistigem Wege bewirkt. Die
Geisterwelt löst Speise in Od auf und bringt sie in diesem Odzustand in die
Verdauungsorgane. Dort wird die Odspeise zur materiellen Nahrung verdichtet
und verdaut. Darum haben auch jene Personen, von denen ihr meint, sie seien
ohne jede Nahrung, ganz normale Körperentleerungen, als wenn sie materielle
Speise zu sich nähmen. Diese Art der Ernährung tritt bei den betreffenden
Personen stets im Zusammenhang mit anderen Wirkungen der Geisterwelt auf. Sie
ist nicht Selbstzweck, sondern ein Glied in der Kette von Geschehnissen, die
einem höheren Zweck dienen sollen. Quellen des Od für den
Geisterverkehr Aus dem, was ich dir bis jetzt
erklärt habe, wirst du von selbst den Schluß ziehen können, daß eine
hinreichende Odkraft die Vorbedingung für jede Arbeit ist, die von geistigen
Wesen an irdischen Geschöpfen in einer für eure Sinne wahrnehmbaren Weise
geleistet wird. Die Odkraft ist der Betriebsstoff in der ganzen Schöpfung
Gottes, - auch in der irdischen Werkstätte der Geister. Nun erhebt sich von selbst die
Frage: Woher nehmen die Geistwesen die Odkraft, die sie für ihren Verkehr mit
den irdischen Geschöpfen benötigen? Zunächst könntest du auf den
Gedanken kommen, es genüge den Geistern, die eigene Odkraft für ihre Arbeit
an der Materie. Das ist jedoch nicht der Fall. Denn die Geistwesen haben ihre
Odkraft für die eigenen Lebensfunktionen und ihre in der Geisterwelt zu
leistende Arbeit nötig. Vor allem aber ist das Od der höheren Geisterwelt
viel zu fein und rein, als daß es mit dem ganz anders gearteten Od der
irdischen Wesen eine Verbindung eingehen könnte. So habt ja auch ihr manche
feinen Stoffe, die ihr nicht mit gröberen Stoffen zu einer einheitlichen
Mischung vereinigen könnt. Daraus folgt, daß die Geisterwelt zu ihrer
irdischen Arbeit dasjenige Od nehmen muß, das zu dem irdischen Od paßt. Und
das findet sie in der Regel bei den irdischen Wesen, in deren Bereich sie
ihre Arbeit zu leisten hat. Menschen, Tiere, Pflanzen, Mineralien sind daher
die Odquellen, denen die Geister den erforderlichen Betriebsstoff entnehmen.
Diese Lieferanten des Od bezeichnet ihr mit dem Namen ‘Medien‘. Irdische
Wesen, die genügend Odkraft abgeben können, werden ‘medial‘ genannt. In geringem Maße sind alle
materiellen Geschöpfe medial. Denn alle besitzen Odkraft und vermögen auch
etwas davon abzugeben. Aber bei den meisten ist die Abgabefähigkeit so
gering, daß sie als Odquelle für die Betätigung der Geisterwelt nicht in
Frage kommen. Doch auch die an und für sich
ausreichende Odkraft der ‘Medien‘ ist in vielen Fällen nicht sofort
verwendbar. Sie muß in allen Fällen, in denen sie der ‘höheren Geisterwelt‘
als Betriebsstoff dienen soll, vorher gereinigt, gewissermaßen ‘filtriert‘
werden. Auch bei euren irdischen Stoffen ist nicht selten eine solche
Filtrierung nötig, bevor ihr sie verwenden könnt. Die niedere Geisterwelt braucht
freilich eine Reinigung des Od der Medien nicht vorzunehmen. Denn je unreiner
das Od ist, um so besser paßt es zu dem Od dieser Geister. Darum ist es für
sie auch viel leichter, die Medien für ihre Zwecke zu gebrauchen, und sie
kommen damit viel schneller zum Ziel als die hohen Geister. Art der Odverwendung beim
Geisterverkehr Die Belehrungen, die ich dir nun
noch über die Verwendung der Odkraft geben möchte, könntest du eigentlich aus
den bisherigen Ausführungen durch folgerichtiges Denken von selbst finden. Es handelt sich nämlich um die
Beantwortung der Frage: Auf welche Weise verwendet die Geisterwelt das
irdische Od für die bei den materiellen Wesen zu leistende Arbeit? Die beste und kürzeste Antwort auf
diese Frage wäre folgende: In derselben Weise, wie dein eigener Geist sich
der materiellen Glieder deines Leibes bedienen muß, um sinnlich wahrnehmbare
Betätigungen auszuführen, muß auch der körperlose Geist in den meisten Fällen
sich materielle Glieder schaffen, um derartige Betätigungen zu ermöglichen. Das erreicht er dadurch, daß er
seine geistigen Glieder mit dem den Medien entnommenen und entsprechend
verdichteten Od umkleidet. Wenn dein eigener Geist einen
materiellen Gegenstand anfassen will, dann kann er das mit deiner materiellen
Hand. Deine körperliche Hand ist aber in Wirklichkeit nichts anderes als die
Hülle der durch Verdichtung des irdischen Od materialisierten Hand deines
Geistes. Wenn also ein körperloser Geist denselben materiellen Gegenstand
anfassen will, dann muß er seine Geisterhand zuerst durch Verdichtung des ihm
zur Verfügung stehenden irdischen Od materialisieren. Einen anderen Weg gibt
es für ihn nicht. Die Materialisation braucht selbstverständlich nicht so
stark zu sein wie die deiner leiblichen Hand. Auch nicht einmal so stark, daß
der materielle Gegenstand damit angefaßt werden kann. Reicht das vorhandene
Od zu einer solchen Verdichtung nicht aus, so kann der fremde Geist den
materiellen Gegenstand ebensowenig anfassen wie du es könntest, wenn dir die
leiblichen Arme und Hände abgehauen wären. Allerdings kann der Geist den
materiellen Gegenstand auch ohne Materialisierung seiner Geisterhand anfassen
und fortbewegen, wenn er den Gegenstand zuerst in Od auflöst. Denn eine in Od
verwandelte, also vergeistigte Materie ist für den körperlosen Geist ohne
weiteres zugänglich. Ohne vorherige Auflösung in Od kann aber der materielle
Gegenstand von dem körperlosen Geist nur dann angefaßt werden, wenn er seine
Geisterhand materialisiert. Denn Gleiches kann nur mit Gleichem angefaßt
werden. Es gibt sehr viele Abstufungen in
der Odverdichtung oder Materialisation, angefangen von den bloß dem Auge
eines Hellsehers sichtbaren Odverdichtungen bis zu den festen
Materialisationen der Geister, die sich in nichts von einem materiellen
Körper unterscheiden. Die Stärke der Verdichtung ist also von der Odmenge
abhängig, die der Geisterwelt für ihre Zwecke zur Verfügung steht. Gehen wir in den Beispielen weiter.
Dein eigener Geist will reden, so daß es deine Mitmenschen mit ihren
leiblichen Ohren hören. Was muß er tun? Er muß die materiellen
Sprechwerkzeuge deines Körpers zu Hilfe nehmen. Sonst geht es nicht. Und wenn
ein Geist reden will, der keinen Körper und darum auch keine körperlichen
Sprechwerkzeuge hat, was muß er tun, um für menschliche Ohren verständliche
Laute hervorzubringen? Er hat dazu zwei Wege: Der eine Weg ist der, daß er
seine eigenen geistigen Sprechwerkzeuge durch Verdichtung mit Hilfe des
irdischen Od materialisiert. Der zweite Weg besteht darin, daß er die
geistigen Töne durch das ihm zur Verfügung stehende Od der Medien soweit
verdichtet, daß sie für das menschliche Gehör wahrnehmbar werden. In diesem
Falle benötigt er also nicht die materialisierten Sprechwerkzeuge, sondern
nur das verdichtete Od der Töne. Ihr bezeichnet diese Art des Sprechens der
Geister mit dem Ausdruck: ‘Direkte Stimmen‘, die in größerer oder geringerer
Stärke vernehmbar werden, je nach der größeren oder geringeren Odkraft, die
den Geistern von Seiten der Medien zur Verdichtung der Odtöne zur Verfügung
gestellt wird. Du bist deinen Mitgeschöpfen
dadurch sichtbar, daß du einen materiellen Körper hast. Dein materieller
Körper ist aber lediglich die materielle Hülle deines Geistes mit allen
seinen Organen. Denn die Organe, die dein Körper aufweist, besitzt dein Geist
in geistiger Form. Will sich daher ein körperloser Geist so dem irdischen
Auge zeigen, daß er in allem als ein irdisches Wesen angesehen wird, so muß
er seine geistige Gestalt mit allen ihren geistigen Organen mit einer materiellen
Hülle überkleiden, die er durch Verdichtung des irdischen Od herstellt. Bei
einem so materialisierten Geiste kann das menschliche Auge nichts entdecken,
was ihn von einem gewöhnlichen Menschen unterscheidet. Er hat Haut und
Knochen, alle äußeren Organe, Fingernägel, Haare, Zähne; alle inneren Organe,
wie Herz und Herzschlag, Blutumlauf und was sich sonst bei einem normalen
irdischen Menschen vorfindet. Eine derartig vollständige Materialisation
erfordert so viel Od, daß ein einzelnes Medium nie so viel abgeben kann. Es
muß daher in einem solchen Falle auch noch von dem materiellen Körper des
Mediums Materie aufgelöst und bei der Materialisation des Geistes verwendet
werden. Darum verliert ein Medium bei einer derartigen Geisterverkörperung
sehr viel von seinem körperlichen Gewicht. Doch erhält es bei Auflösung der
Materialisation wieder alles zurück, was es abgegeben hat. Ich muß mich darüber wundem, daß
eure Gelehrten, die auf diesem Gebiet so viele Versuche machen, nicht von
selbst diese Wahrheiten finden. Sie erleben doch genug Phänomene, die ihnen
den richtigen Weg zeigen. Sie sehen, wie materialisierte Hände Gegenstände
erfassen und fortbewegen. Sie hören ‘direkte Stimmen‘ und beobachten oft
gleichzeitig auch die Odwolke, aus der die Stimme vernommen wird. Und wenn
sie manche Erscheinung fotografieren, so finden sie nachher auf der Platte
bisweilen etwas wie einen Kehlkopf geformt, den sich der Geist durch
Odmaterialisation zur Erzeugung der Stimme gebildet hatte. Bei Untersuchung
vollständiger Geisterverkörperungen finden sie alles, was bei einem normalen
Menschen vorhanden ist, und trotzdem kommen sie nicht auf die Spur der
Wahrheit. Das größte Hemmnis, das der
Erkenntnis der Wahrheit im Wege steht, ist die unrichtige Auffassung der
Begriffe ‘Geist‘ und ‘Materie‘. Wenn einmal die Tatsache erkannt ist, daß die
geistige Schöpfung ihrem Wesen nach dieselbe ist, wie die materielle und daß
sich beide nur durch die Art ihres Seins unterscheiden, dann fallen die
meisten Schwierigkeiten für die richtige Erkenntnis auf dem Gebiet des
Verkehrs der Geister mit der materiellen Schöpfung von selbst fort. Dann wird
man erkennen, daß der geschaffene Geist denselben Lebensorganismus in
geistiger Form besitzt, den die irdischen Geschöpfe in materieller Form haben;
daß der Körper über die Form des Geistes gegossen ist und daher in dem
materiellen Guß nichts enthalten sein kann, was nicht in der geistigen Form
vorhanden ist. Man wird einsehen, daß das Jenseits in allem dem Diesseits
gleicht, nur mit dem Unterschied, daß im Diesseits alles materiell und im
Jenseits alles geistig ist. Gott als die Quelle aller Odkraft Aber alles Leben sowohl in der
materiellen als auch in der geistigen Welt ist gebunden an die Odkraft. Sie
ist die gewaltigste Kraft der Schöpfung, mit der Gott, die Quelle dieser
Kraft, alles umstürzen kann. Mit ihr tut er und seine Geisterwelt die größten
‘Wunder‘, wie ihr es nennt. Es ist die Kraft, die den Magier zu überirdischen
Leistungen befähigt, indem seine eigenen Odkräfte durch die Geisterwelt gesteigert
werden können, entweder von der guten oder von der bösen, je nachdem er sich
mit der einen oder der anderen in Verbindung setzt. Bei den bösen, also von Gott
getrennten Geistern, den Dämonen, ist sie jedoch nur in ganz bestimmten
Grenzen wirksam, während sie von den Geistern Gottes in ungemessener Stärke
zur Auswirkung gebracht werden kann. Mit dieser Kraft hat Christus
Kranke geheilt und Tote erweckt. Mit dieser Kraft trieb er die bösen Geister
aus den Besessenen aus. Mit Hilfe dieser Odkraft bewirkten die guten Geister
das Wandeln Christi auf den Meereswogen. Mit dieser Kraft brachte die
Christus unterstellte gute Geisterwelt auf sein Geheiß die wunderbare
Brotvermehrung durch Materialisation des in Odform her beigebrachten Brotes
hervor. Dieselbe Kraft verhieß Christus
allen denen, die gläubig würden. ‘Denen aber, die Glauben haben, werden
folgende Wunderzeichen zuteil werden: Durch meinen Namen werden sie böse
Geister austreiben, werden in fremden Sprachen reden, Schlangen mit Händen
aufheben, und wenn sie etwas Giftiges trinken, wird es ihnen nicht schaden;
Kranken werden sie die Hände auflegen und sie werden gesund werden.‘ ‘Jene
aber zogen aus und predigten überall; und der Herr war mit seiner Kraft bei
ihnen und bestätigte ihr Wort durch die Wunderzeichen, die dabei geschahen‘
(Markus 16,17ff). Denn der Glaube an Gott, der nicht bloß in einem
Fürwahrhalten, sondern in einem unerschütterlichen Gottvertrauen und treuen
Erfüllen des göttlichen Willens besteht, bringt den Menschen in die innigste Verbindung
mit Gott als der unendlichen Kraftquelle. Ein solcher Glaube macht ihm auch
die Geisterwelt Gottes dienstbar, so daß er in diesem Glauben alles vermag.
‘Alles ist dem möglich, der Glauben hat‘ (Markus 9,23). Bei jedem wahrhaft Gottesgläubigen
erfüllt sich daher dasselbe, was bei Christus Wahrheit wurde; nämlich: Wenn
wir tun, was Gott will, tut Gott auch, was wir wollen. _______ *
_______ Da
fuhr der Herr in der Odwolke herab und
redete mit ihm. 4.
Mose 11,25 Naturgesetze haben allgemeine
Gültigkeit. Sie dulden keine Ausnahme. Wenn daher das Gesetz der Odkraft, das
ich dir geschildert habe, das Grundgesetz jeden Geisterverkehrs ist, so muß
es überall dort zu Anwendung kommen, wo Geister mit Menschen in Verbindung
treten. Damit du siehst, daß der Kraftstrom
des Od auch bei dem in der Bibel erwähnten Verkehr der Geisterwelt mit den
Menschen nötig war, möchte ich einige Berichte des Alten und des Neuen Testamentes
mit dir durchgehen und sie dir erklären. Es ist selbstverständlich, daß bei
den meisten Geisterkundgebungen, von denen die Bibel berichtet, bloß die
Tatsache des Geisterverkehrs erwähnt wird, während die Begleiterscheinungen
mit Stillschweigen übergangen werden. Aber trotzdem sind die Fälle noch
zahlreich genug, in denen die Anwendung des Od ausdrücklich angegeben wird. Die erste Andeutung findet ihr in
der Geschichte des Abraham: ‘Als die Sonne untergegangen und es ganz finster
geworden war, da war es wie ein rauchender Ofen und eine Feuerfackel, was
zwischen jenen Fleischstücken hindurchfuhr‘ (1.Mose15,17). - Das geschah,
während der Herr mit Abraham redete. Der Odstrom sieht in leicht verdichtetem
Zustand aus wie eine Rauchwolke und leuchtete im Dunkeln rötlichgelb wie eine
Feuerflame. Die Geschichte des Mose ist voll
von Beispielen, die hierher gehören. ‘Da erschien ihm der Engel des Herrn als
eine Feuerflamme, die mitten aus einem Dornbusch hervorschlug. Als er
hinblickte, sah er, daß der Dornbusch in Feuer brannte, ohne jedoch vom Feuer
verzehrt zu werden‘ (2.Mose3,20). - Auch hier war es das Od, das der Geist
benutzte, um mit Mose zu reden. Es war also Nacht, als Mose diese Erscheinung
sah. Denn am Tage würde das Od nicht wie eine Flamme ausgesehen haben,
sondern wie ein Wölkchen, das den Dornbusch einhüllte. Das geht auch aus
folgendem Bericht der Bibel hervor: ‘Der Herr aber zog vor ihnen her, bei
Tage in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen, und nachts in einer
Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten.
Bei Tage wich die Wolkensäule und nachts die Feuersäule nicht von der Spitze
des Zuges‘ (2.Mose13,21-22). - Die Wolkensäule war nichts anderes als die
Odwolke. Sie bildete sowohl im Dornbusch als auch bei der Führung der
Israeliten die Odhülle, die den Engel des Herrn umgab und die er benötigte,
um sich in menschlich wahrnehmbarer Weise kundzutun. Ich habe dir schon
erklärt, daß das Od immer mit einem Geist verbunden ist. Ein für sich
unabhängiges, freischwebendes Od gibt es nicht. So war es auch bei allen
Kundgebungen, deren Zeuge das israelitische Volk war. So oft also im Alten
Testament von der Wolkensäule! die Rede ist, steht sie in Verbindung mit
irgendeiner Betätigung eines Geistes Gottes: ‘Da änderte der ‘Engel Gottes‘
der bisher vor dem Heere der Israeliten hergezogen war, seine Stellung und
trat hinter sie; infolgedessen ging auch die ‘Wolkensäule‘ vorn vor ihnen weg
und trat hinter sie‘ (2.Mose14,19). - ‘Sobald dann Mose in das Zelt getreten war,
senkte sich die ‘Wolkensäule‘ herab und nahm ihren Stand am Eingang des
Zeltes, solange der Herr mit Mose redete‘ (2.Mose33,9,). - Dann berief Mose
siebzig Männer aus den Ältesten des Volkes und ließ sie sich rings um das
Zelt aufstellen. Da fuhr der Herr in einer Wolke herab und redete mit ihm‘
(4.Mose11,24-25). Als am Berge Sinai der Herr so laut
mit Mose reden wollte, daß das ganze Volk es hören könnte, sagte er zu Mose:
‘Ich werde diesmal die Wolke noch dichter machen, damit das ganze Volk es
höre, wenn ich mit dir rede und dir für immer Glauben schenke‘ (2.Mose19,9).
- Hier wird ausdrücklich gesagt, daß die Odwolke notwendig war, damit der
Herr zu den Menschen sprechen konnte. Ferner wird betont, daß der mit der
Odkraft erzeugte Laut um so stärker wird, je dichter das Od ist. Dasselbe
erlebt ihr auch bei eurem Radio. Je stärker der Kraftstrom, desto stärker ist
die Übertragung des Tones. Als daher am Berge Sinai der Herr
sich unter gewaltigem Posaunenschall offenbarte, mußte auch die Odkraft
entsprechend stark sein. Daher heißt es: ‘Der Berg Sinai war ganz in Rauch
gehüllt, weil der Herr im Feuer auf ihn herabgefahren war; Rauch stieg vor
ihm auf wie der Rauch eines Schmelzofens, und der ganze Berg erbebte. Und der
Posaunenschall wurde immer gewaltiger. Mose redete und der Herr antwortete
ihm mit lauter Stimme‘ (2.Mose 19,18-19). Bei der Erklärung des Gesetzes der
Odkraft habe ich darauf hingewiesen, daß die Odverdichtung mit Hilfe starker
Kraftströme erfolgt. Die odischen Kraftströme am Sinai Ebenso die Auflösung des
verdichteten Od. Auch die große Odmassen am Berge Sinai wurden durch solche
Starkströme verdichtet. Es war daher mit Lebensgefahr verbunden, in den
Bereich der Starkströme zu treten. Darum verbot der Herr dem Volke, sich dem
Berge zu nähern. ‘Alle Menschen und Tiere, die das Gebot nicht beachteten,
sollten des Todes sein ‘ (2.Mose19,12). - Das war nicht eine leere
Drohung, um dem Volke bloß Furcht vor Gott einzuflößen, wie ihr es auffaßt.
Es war vielmehr eine berechtigte Warnung vor der Lebensgefahr, die jede
Berührung mit jenen Kraftströmen naturnotwendig mit sich brachte. Wie ihr bei
euren irdischen Kraftströmen durch Warnungstafeln die Menschen auf die
Lebensgefahr aufmerksam macht, die mit einer Berührung der Hochspannungsdrähte
verbunden ist, so hatte die dem israelitischen Volke gegebene Warnung
denselben Zweck. Erst nach Ausschaltung der Kraftströme durfte das Volk den
Berg besteigen. Diesen Zeitpunkt gab der Herr mit den Worten bekannt: ‘Erst
wenn das Widderhorn geblasen wird, dürfen sie auf den Berg steigen‘
(2.Mose19,13). - Nur diejenigen durften vorher in die Odströme ohne
Lebensgefahr eintreten, die der Herr eigens dazu bestimmte, nämlich Mose und
Aaron. Bei ihnen wurden zur Abwendung der Lebensgefahr ähnliche ‘Isolierungen‘
vorgenommen, wie ihr sie bei denen anwendet, die mit Kraftströmen in
Berührung treten müssen. Und wenn der Herr ferner gebot, daß
Menschen oder Tiere getötet werden sollten, die auch nur den Versuch machen
würden, an den rauchenden Berg heranzukommen, so sollte das nicht eine Strafe
für den Ungehorsam sein. Denn zunächst konnte bei den Tieren die Sünde des
Ungehorsams nicht in Frage kommen. Es handelte sich bei diesem Gebot vielmehr
darum, unter allen Umständen eine Unterbrechung der Kraftströme zu verhindern.
Eine solche Unterbrechung wäre jedoch erfolgt, wenn materielle Geschöpfe
unbefugter Weise, das heißt ohne die erforderlichen Isolierungsmaßnahmen, mit
den Odströmen in Berührung gekommen wären. Du wunderst dich über diese
Erklärung der in der Bibel berichteten Vorgänge. Sie scheinen dir wohl allzu
irdisch und materiell zu sein. Doch es ist die Wahrheit und für dich ein
neuer Beweis für die Allgemeingültigkeit der von Gott geschaffenen Gesetze,
denen auch der Schöpfer selbst bei seinen Betätigungen an der Materie sich
unterwirft. Er hebt kein Gesetz auf, nach dem Worte der Schrift: ‘Ich habe
erkannt, daß alles, was Gott bestimmt hat, ewige Geltung besitzt‘
(Pred.3,14). Nach dieser Erklärung wirst du auch
verstehen, weshalb Christus gleich nach seiner Auferstehung der Magdalena
verbot, ihn zu berühren. Denn die Verkörperung seines Geistes war erst im
Entstehen begriffen, und Magdalena würde durch eine Berührung die
Weiterentwicklung der Materialisation nicht bloß verhindern, sondern auch die
begonnene wieder zunichte gemacht haben. Die Erklärung, die in der Bibel als
Grund für das Verbot Christi angegeben ist, wurde erst später von einem
unwissenden Abschreiber mit den Worten hinzugesetzt: ‘Denn ich bin noch
nicht zum Vater aufgefahren' (Joh.20,17). Daß dies nicht der Grund gewesen
sein kann, weshalb er der Magdalena die Berührung seiner Odverkörperung
untersagte, kannst du daraus ersehen, daß Christus später seine Apostel
ausdrücklich aufforderte, ihn zu berühren. Damals war er auch noch nicht zum
Vater aufgefahren. Aber seine materielle Verkörperung war vollendet, und
darum konnte eine Berührung weder auf den Körper der Apostel noch auf das
Zustandekommen der Materialisation nachteilig wirken. Die Odwolke im Neuen Testament Nehmen wir noch einige Beispiele
aus dem Neuen Testament. Bei der Verklärung auf Tabor ‘kam eine Wolke, die
sie beschattete, und eine Stimme rief aus der Wolke. ‘(Matth.17,5) - Also
auch hier war die Odwolke notwendig, um eine für menschliche Ohren
vernehmbare Stimme hervorzubringen. Dieselbe Odwolke wurde von dem Geist des
Mose und des Elia benutzt, um sich den anwesenden drei Aposteln in einem
verdichteten Odkörper sichtbar zu machen. In einer materialisierten Odgestalt
erschien Christus nach seiner Auferstehung. In ihr stand er vor seinen
Jüngern am Himmelfahrtstage. Sie sahen, wie der Odkörper vor ihren Augen sich
in eine Odwolke auflöste, und als diese durch eine weitere Auflösung
unsichtbar geworden, war auch Christus ihren Blicken entschwunden. Die
gewöhnliche Auffassung, als ob Christus durch eine am Himmel befindliche
Wolke den Blicken der Jünger entzogen worden sei, ist völlig irrig. Am Pfingstfest erschienen über den
Aposteln und denen, die bei ihnen waren, ‘Zungen von Feuer‘. Es waren
Odflämmchen von der Art der Flamme im Dornbusch, die sich auf die einzelnen
niederließen. Auf jeden kam ein Geist Gottes in dieser Odhülle und redete mit
der Odkraft aus ihnen, der eine in dieser, der andere in jener fremden
Sprache, und zwar in so vielen fremden Sprachen, als Nationen unter den Zuhörern
vertreten waren. Aus dem Umstand, das die Odzungen wie ‘Flämmchen‘ aussahen,
ergibt sich, daß es Nacht war, als die Geister Gottes herabkamen. Die
Ausgießung des Geistes erfolgte nämlich nach eurer Zeit nachts um 1 Uhr 30. Daß die böse Geisterwelt an
dieselben Odgesetze gebunden ist, zeigt dir eine Stelle aus der Offenbarung
des Johannes: ‘Da sah ich einen Stern, der vom Himmel auf die Erde gefallen
war. Dem wurde der Schlüssel zum Schlund der Unterwelt gegeben. Er öffnete
also den Schlund der Unterwelt: Da stieg Rauch aus dem Schlunde auf wie der
Rauch eines gewaltigen Ofens, und die Sonne und die Luft wurden durch den
Rauch verfinstert. Aus dem Rauch kamen dann Heuschrecken her vor auf die
Erde‘ (Offenb.9,1-3). Und nun wird weiter geschildert, wie die bösen Geister
auf Befehl Gottes zur Züchtigung der Menschen sich mit Hilfe der Odkraft zu
Heuschrecken materialisieren, die aber die Gesichter von Menschen haben. Ich führe diese Stelle nur deswegen
an, weil hier ausdrücklich die ‘Odwolken‘ erwähnt werden, die zur
Materialisierung der bösen Geister erforderlich waren. Selbstverständlich hatten alle die
zahlreichen, in der Bibel mitgeteilten Geisterverkörperungen und
Geisterkundgebungen die entsprechende Odkraft zur Voraussetzung, wenn sie in
den Einzelfällen auch nicht ausdrücklich erwähnt wird. Die Opfer des Alten Bundes als
Odquelle für das Sprechen Gottes Die Opfer des Alten Bundes waren
die Odquelle für das Sprechen der Geisterwelt Gottes. Zu dem, was euch in den Schriften
des Alten Testamentes unverständlich ist, gehören vor allem die Opfergesetze
der Israeliten. Ihr sagt euch mit Recht: Wie kann Gott, der die Quelle alles
Lebens, alles Glückes, alles Guten und Schönen ist, ein Wohlgefallen an
Opfern von Tieren, Pflanzen und Kräutern haben? Wie sollte er sich laben an
dem Blute von Opfertieren, an dem in Dunst aufgehenden Fett von Stieren,
Böcken und Lämmern? Wie sollte er die Wohlgerüche lieben, die aus Myrrhe,
Zimt, Kalmus, Kassia und Olivenöl bereitet werden? Wie sollten ihm
Gewürzkräuter eine besondere Annehmlichkeit sein? - Und es erscheint euch als
eine kindische Spielerei, wenn der große Gott, den die Himmel nicht zu fassen
vermögen, ein kleines irdisches Zelt sich bauen läßt und dabei jede
Kleinigkeit selbst anordnet und bestimmt, jeden Balken und jeden Riegel,
jeden Teppich und Vorhang, jedes Kleid der Priester, von der Kopfbedeckung
bis zu den Unterkleidern. In der Tat, sieht das nicht nach menschlicher
Eitelkeit aus, wenn Gott sich die kostbarsten Materialien aussucht: Gold,
Silber und die schönsten Edelsteine, so daß die Stiftshütte mit ihrer
Einrichtung nach eurem Gelde ein ungeheures Vermögen kostete? Wenn ihr das rein menschlich
betrachtet, dann mag euch das alles eines Gottes unwürdig erscheinen. Aber
wenn ihr den Zweck erkennt, den Gott dabei verfolgte, und einsähet, daß
dieser Zweck nur durch das, was euch so unverständlich erscheint, erreicht
werden konnte, dann werdet ihr auch hierin seine unendliche Weisheit und
Liebe bewundern. Die Kenntnis dieses Zweckes ist
euch leider verborgen, obschon ihn die Heiligen Schriften ausdrücklich
angeben und euch deutlich darauf hinweisen. Ihr habt es verlernt, die
Heiligen Urkunden denkend zu lesen. Euer Auge überfliegt ihren Inhalt, wie
man ein irdisches Buch liest. Ihr nehmt das Gelesene in rein menschlicher
Auffassung. Euer irdisch gesinnter Geist vermag das darin enthaltene große
Wirken Gottes nicht zu erkennen. So ist er auch nicht imstande, die wahre
Bedeutung dessen zu sehen, was in den irdischen Formen der Stiftshütte und
der alttestamentlichen Opfer euch entgegentritt. Das Offenbarungszelt im Lichte der
Odbereitung Schlage die Bibel auf, und ich will
dich zu dem Verständnis dessen führen, was über das Offenbarungszelt und
seine Einrichtung, über Opfer und Priestertum darin enthalten ist. Der einzige Zweck, den alle jene
Vorschriften verfolgen, ist in den Worten angegeben: ‘Ein regelmäßiges
Brandopfer soll bei euch sein von Geschlecht zu Geschlecht vor dem Herrn am
Eingang des Offenbarungszeltes, wo ich mit euch in Verkehr treten werde, um
dort mit dir zu reden. Ich will nämlich dort mit den Israeliten in Verkehr
treten‘ (2.Mose29,42-43). Also der Verkehr Gottes mit den
Israeliten war der einzige Zweck, den er bei Errichtung des
Offenbarungszeltes und bei der Anordnung der Opfer verfolgte. Du weißt, daß jeder Geist der
irdischen Odkraft bedarf, wenn er mit den materiellen Geschöpfen in einer für
irdische Sinne wahrnehmbaren Weise in Verbindung treten will. Das ist ein von
Gott geschaffenes Gesetz, das für alle geistigen Wesen Geltung hat, angefangen
von Gott als dem höchsten Geist bis zu den niedrigsten Geistern der Tiefe. Wenn also Gott selbst oder die
Geister Gottes in seinem Auftrag oder unter seiner Gutheißung mit den
Israeliten in Verbindung treten und zu ihnen sprechen wollten, mußten sie das
entsprechende Od zur Verfügung haben. Der Beschaffung des reinsten irdischen
Od dienten nun alle Maßnahmen, die Gott durch Mose bei Errichtung des
Offenbarungszeltes und der Einführung der Opfer treffen ließ. Da irdische Wesen die Träger des
irdischen Od sind und das menschliche Od eine wunderbare Mischung aus den
verschiedensten Odarten der Erde ist, darum wurde auch das zum Sprechen
Gottes mit den Menschen erforderliche Od aus den verschiedenen irdischen
Odquellen entnommen: aus Mineralien, Pflanzen, Kräutern, Bäumen und Tieren.
Aber vor allem mußte von vornherein dafür gesorgt werden, daß das gesammelte
Od nicht dadurch verunreinigt wurde, daß in seiner Umgebung befindliche
irdische Materie unreines Od ausstrahlte und in das bereitete reine Od
einströmen ließ. Darum mußte zunächst das Material, aus dem das
Offenbarungszelt und seine Einrichtung bestand, ein solches sein, das nur
reinstes Od enthielt. Von den Mineralien sind Gold,
Silber und Kupfer Träger der reinsten mineralischen Odmischung. Das siehst du
auch daran, daß sie keinen Rost annehmen. Denn Rost entsteht durch Aufnahme
von unreinem Od, das zerstörend auf das Od wirkt, in das es eindringt. Dasselbe gilt von den Stoffen, die
teils zu Kleidungsstücken der Priester, teils zu Vorhängen und Teppichen,
teils zur Dachbedeckung des Offenbarungszeltes verwendet wurden. Blauer und
roter Purpur, Karmesin und Byssus besitzen als Stoffe die reinste Odmischung.
Darum mußte das Schulterkleid des Hohen Priesters, der ja in die engste
Verbindung mit dem durch die Odwolke redenden Geiste Gottes trat, aus blauem
und rotem Purpur, Karmesin und gezwirntem Byssus angefertigt und mit Gold
durchwirkt sein. In derselben Weise war das zum Schulterkleid gehörige
‘Orakelbrustschild‘ angefertigt. Dazu enthielt es zwölf Edelsteine, weil sie
das wertvollste Od in besonders großer Menge enthalten. Das Obergewand war ganz aus blauem
Purpur und unten am Saum mit Granatäpfeln aus blauem und rotem Purpur und
Karmesin und dazwischen mit goldenen Glöckchen versehen. Das alles hatte
seine große Bedeutung. Die Unterkleider waren aus Byssus.
Die Beinkleider aus reiner Leinwand. Auch euch ist bekannt, daß reines Leinen
am Körper und auf Betten der Gesundheit besonders zuträglich ist. Das kommt
daher, daß dieser Stoff ein eigenartiges und reines Od enthält, das sich
eurem Körper mitteilt und dadurch stärkend auf ihn wirkt. Von allen Holzarten ist das
Akazienholz die reinste. Darum durfte nur dieses Holz beim Offenbarungszelt
Verwendung finden. Von dem alleinigen Gesichtspunkt
der größten Reinheit des Od aus wurden auch alle anderen Vorschriften: über
Beschaffenheit der Gerätschaften, Vorhänge, Teppiche, Dachbedeckung
getroffen, die du im einzelnen in der Bibel nachlesen kannst. Alles, was ich bis jetzt angeführt
habe, diente als Vorsichtsmaßregel, um eine Verunreinigung des Od zu
verhindern, das in Gestalt der über der Bundeslade sich bildenden Odwolke zum
Sprechen Gottes bereitet wurde. Aus demselben Grunde mußten auch die Priester
sich Hände und Füße in dem am Eingang zum Allerheiligsten stehenden Wasser
waschen, bevor sie an die Bundeslade herantraten. Die Hauptsache war jedoch die
Bereitung des Od, das als Odwolke über der Bundeslade zur Erzeugung der Laute
nötig war, in denen Gott zu Mose redete. Es war also nicht ein Sprechen durch
ein Medium, sondern als ‘direkte Stimme‘. Die geistigen Laute wurden durch
das irdische Od der Wolke so weit verdichtet, als es erforderlich war, um sie
für menschliche Ohren hörbar zu machen. Die Bibel sagt: ‘Wenn nun Mose in
das Offenbarungszelt hineinging, so hörte er die Stimme zu sich reden von der
Deckplatte her, die sich auf der Gesetzeslade befand, und zwar von dem Raume
zwischen den beiden Cherubs her; und so redete er mit ihm‘ (4.Mose7,89). Der Bereitung dieser Odwolke galten
die vorgeschriebenen Opfer. Es ist dir hinreichend bekannt, daß
das Blut der Leiter des Od im materiellen Körper ist. Darum ist im Blut das
meiste und das am leichtesten lösliche Od enthalten. Deshalb bildet das Blut
für den Verkehr mit der Geisterwelt die beste Odquelle. Und nur aus dem Grund
der Odbeschaffung wurde sowohl bei dem Götzendienst der Heiden als auch beim
Gottesdienst der Juden Opfertiere geschlachtet. Das Blut wurde an den Altar
gegossen, und einzelne Teile des Fleisches, besonders das Fett, die Nieren
und der Leberlappen, durch Verbrennung in Od aufgelöst. Denn die genannten
Teile sind neben dem Blut am odhaltigsten. Die Heiden bereiteten durch ihre
Götzenopfer das Od zum Verkehr mit der bösen Geisterwelt. Im
Offenbarungszelte Gottes diente die Odbereitung dem Verkehr Gottes und seiner
hohen Geister mit dem israelitischen Volke. Das besagen auch die Worte, die
Gott zu Mose sprach: ‘Der Priester soll das Blut an den Altar des Herrn
vor dem Eingang des Offenbarungszeltes sprengen und das Fett zu lieblichem
Geruch für den Herrn in Rauch aufgehen lassen. Sie sollen also ihre
Schlachttiere hinfort nicht mehr den bösen Geistern schlachten, deren
Götzendienst sie jetzt treiben‘ (3.Mose17,6-7). Da die Odwolke über der Bundeslade
die reinste Mischung des irdischen Od darstellte, so durften zunächst nur
solche Tiere geschlachtet werden, die das reinste Od besaßen. Die sogenannten
unreinen Tiere durften nicht als Opfertiere verwendet werden. Die in der
Bibel als ‘unrein‘ angeführten Tiere sind solche, die das tiefststehendste
und unreinste Od von allen den Tieren besitzen, die für den Menschen als
Nahrung in Frage kommen könnten. Aus diesem Grunde war auch dem Volke der
Genuß des Fleisches unreiner Tiere verboten. Wegen des darin enthaltenen
unreinen Od war es zunächst dem menschlichen Körper schädlich. So wissen ja
eure Ärzte, daß der Genuß von Schweinefleisch vor allem für die
heranwachsenden Kinder nicht zu empfehlen ist. Das, was ihr Skrofulose nennt,
würde bei den Kindern nicht leicht entstehen können, wenn sie kein
Schweinefleisch zu sich nähmen. Gesund ist das Schweinefleisch auch für
Erwachsene nicht, wenn es einen wesentlichen Bestandteil der täglichen
Nahrung bildet. Aber noch aus einem anderen Grunde
wurde dem jüdischen Volke der Genuß unreiner Tiere untersagt. Du weißt, daß
das unreine Od eines Menschen der bösen Geisterwelt eine gefährliche Handhabe
gibt, in besonders nachhaltiger Weise nach der schlechten Seite auf ihn
einzuwirken. Denn das unreine Od ist das Lebenselement der tiefen Geistwesen,
und bei wem sie das gleiche Od finden, bei dem haben sie leichte Arbeit,
nicht bloß seine Gedanken und seine Phantasie zu beeinflussen, sondern auch
die körperlichen Gefühle zu leidenschaftlicher Wallung zu bringen. Bei einem
Menschen mit reinem Od findet das Böse nicht so leicht Zugang. Die reine
Odstrahlung verwehrt ihm den direkten Zutritt. Es kann eine reine Odstrahlung
ebensowenig ertragen wie ein Augenkranker das Licht. Die Reinheit des Od
eines Menschen hängt von der Reinheit seines Geistes ab. Weil die meisten
Menschen wegen der Unreinheit ihres Geistes an und für sich schon genug
unreines Od haben und dadurch dem Bösen hinreichende Angriffspunkte geben, so
soll dieses unreine Od nicht noch überdies durch Zuführung weiteren unreinen
irdischen Ods infolge unreiner Speisen weiter verschlechtert werden. Es waren also sehr wichtige Gründe,
die Gott zu dem Verbot des Genusses unreiner Tiere veranlaßte. Gerade in der
damaligen Zeit war der Einfluß der bösen Mächte infolge des überall
verbreiteten Götzendienstes besonders groß. Und Gott wollte das als Träger
des Gottesglaubens von ihm erwählte Volk vor diesen schlimmen Einflüssen nach
Möglichkeit behüten. Aus demselben Grunde erließ er auch
die vielen Vorschriften über alle die Fälle, in denen die Israeliten mit
unreinem Od in Verbindung kamen und dadurch als unrein galten. Zu der Bereitung der für das
Offenbarungszelt erforderlichen Odmischung genügte aber nicht das Od reiner,
fehlerloser Tiere. Auch das reinste Od aus dem Pflanzen- und Mineralreich
wurde dazu verwendet. Das Od von selbstausgeflossener Myrrhe, von Zimt,
Kalmus, Kassia, Roggenbrot, Mehl, Wein und Olivenöl wurde gemischt mit dem Od
der Gewürzkräuter: Stakte, Raucherklaue, Galban, reinem Weihrauch und Salz.
So wurde es zu einem ‘lieblichen Geruch für den Herrn‘. Du verstehst infolge
meiner früheren Belehrungen, was der Ausdruck ‘zum lieblichen Geruch des
Herrn‘ zu bedeuten hat. Du weißt, daß das reinste Od auch den lieblichsten
Geruch verbreitet. Die Odmischung für das
Offenbarungszelt wurde durch die Geister Gottes in jener Reinheit
hergestellt, wie sie der Reinheit des sich offenbarenden Geistes entsprach.
Als ‘Chemiker des Jenseits‘ waren dabei jene Geister tätig, die ihr mit
‘Cherubinen‘ bezeichnet. Darum war ihr Bild sowohl in den goldenen Gestalten
über dem Deckel der Bundeslade als auch in den Figuren der Vorhänge und
Teppiche dargestellt. Weil das Od über dem Deckel der
Bundeslade gesammelt und zum Sprechen des Geistes Gottes verwendet wurde,
mußte auch die Odbereitung in allernächster Nähe der Bundeslade vor sich
gehen. Denn die Odquelle muß bei dem Geisterverkehr stets in der Nähe des
Geistes sein, der ihrer bedarf. Darum standen die Altäre und Tische, auf
denen die verschiedenen Opfer hergerichtet wurden, dicht an dem Vorhang,
hinter dem die Bundeslade sich befand. Die Sammlung, das Zusammenhalten
und die Verdichtung des Ods wurde dadurch erleichtert, daß die Bundeslade in
einem von Teppichen und einem Vorhang eingeschlossenen Raum sich befand. Auch
ihr gebraucht ja, um starke Odsammlungen und Odverdichtungen zu erzielen, ein
sogenanntes ‘Kabinett‘, in dem oder an dessen Eingang das Medium als Odquelle
Platz nimmt. Es sind überall dieselben Gesetze für den Verkehr der
Geisterwelt mit den Menschen. Dem Zusammenhalten der Odwolke
diente über der Bundeslade auch die Einrichtung, daß die an den beiden Enden
der Lade angebrachten goldenen Cherubinen ihre Flügel wie ein Dach über die
Lade breiteten. Die große Strenge, die in den
Vorschriften über das Fernhalten von unreinem Od im Offenbarungszelt
herrscht, hatte auch noch einen anderen Grund. Denn wenn die reinen und sehr
starken Odströme, wie sie in dem Offenbarungszelt durch die Geister Gottes
hergestellt wurden, mit unreinen Odströmen in Verbindung kamen, wurde der
Träger des reinen Ods durch diese Starkströme in derselben Weise getötet, wie
ein Mensch sein Leben lassen mußte, der ohne Isolierung mit dem Strom einer
irdischen Hochspannung in Berührung kommt. Deshalb durfte auch Aaron nicht
jederzeit in das Allerheiligste eintreten, sondern erst dann, wenn die
Odverdichtung über der Bundeslade beendet und die dabei verwendeten
Starkströme ausgeschaltet waren. Der Zeitpunkt wurde ihm angegeben. Hätte er
nicht darauf geachtet, so würde er ebenso getötet worden sein, wie seine
beiden Söhne ums Leben kamen, als sie die Vorschriften über die Reinhaltung
der Odbereitung bei der Räucherung übertraten. Nach dieser Belehrung werden dir
die Opfergesetze und die Einrichtung des Offenbarungszeltes in einem ganz
anderen Lichte erscheinen, als es bisher der Fall war. _______ *
_______ Bei
vielen Gelegenheiten und auf mancherlei Art sprach
Gott früher zu unseren Vätern durch die Propheten. Hebräer 1,1 In den Zeiten, wo die Menschen
innerlich Gott suchten, war ihre Verbindung mit der Geisterwelt Gottes eine
unmittelbare. Die einzelnen besaßen zum großen Teil die natürlichen
Fähigkeiten für diesen Geisterverkehr. Ihr eigener Geist, der auf das Hohe
und Göttliche gerichtet war, hatte die Möglichkeit, auf dem Wege des
‘geistigen Sehens, Hörens und Empfindens‘ die Kundgebungen der Geisterwelt
entgegenzunehmen. Es was dasselbe, was ihr heute mit ‘Hellsehen‘, ‘Hellhören‘
und ‘Hellempfinden‘ bezeichnet. Man hatte also keine Zwischen-person nötig,
durch welche die jenseitigen Botschaften übermittelt wurden. Diese Gaben schwanden, als sich die
Menschheit von Gott abwandte und ihr Sinnen und Trachten nur auf das irdische
richtete. Mit dem übermäßigen Haschen nach Geld und anderen materiellen
Gütern vergaß man Gott. Dadurch wurde nicht nur die Verbindung mit der guten
Geisterwelt gelöst, sondern es schwanden auch jene Gaben, die vorher den
Geisterverkehr ermöglicht hatten. Und heute ist der größte Teil der
Menschheit so weit, daß er überhaupt nicht mehr an die Möglichkeit einer
solchen Verbindung denkt oder glaubt. Verhältnismäßig wenige gibt es, die in
der jetzigen Zeit noch jene Gaben besitzen und nach Art der früheren
gottestreuen Menschen mit der Welt der guten Geister im Verkehr stehen. - Aber es wird die Zeit kommen, wo es
in diesem Punkte wieder so sein wird wie ehedem, wo also die einzelnen durch
die persönlichen Fähigkeiten des geistigen Sehens und Hörens mit dem Jenseits
in Verbindung kommen können. Inzwischen sollen jedoch die
Menschen, die noch an Gott glauben, den Geisterverkehr auf eine andere Weise
haben. Und auch viele, die nicht an Gott glauben, sollen die Bestätigung der
Geisterwelt mit ihren leiblichen Sinnen wahrnehmen und dadurch innerlich
aufgerüttelt werden, damit sie wieder zum Glauben an Gott, das Jenseits und
das Fortleben nach dem irdischen Tode gelangen. Deshalb gab Gott der jetzigen
Menschheit sogenannte ‘Medien‘. Die Bedeutung dieser Bezeichnung ist dir
bereits aus dem früher Gesagten bekannt. Doch da die richtige Erkenntnis von
dem Wesen der ‘Medien‘ zu dem Wichtigsten auf dem Gebiet des Geisterverkehrs
gehört, möchte ich es nicht unterlassen, dir darüber eine umfassende
Belehrung zu geben. Ich beschränke mich dabei auf die menschlichen Medien und
sehe von den Fällen ab, wo auch Tiere als Medien dienen. ‘Medien‘ sind Mittelspersonen oder
menschliche Werkzeuge, deren sich die Geisterwelt bedient, um sich den
Menschen kundzutun. Da die Geistwesen zu diesem Zweck die Odkraft nötig
haben, so sind ‘Medien‘ solche Menschen, die der Geisterwelt als Quelle der
Odkraft dienen. Die Medien geben in der Hauptsache
das eigene Od an die sich kundgebenden Geister ab. Sie sind gleichzeitig aber
auch Sammelstellen für das Od, das die Nichtmedien als Teilnehmer sogenannter
spiritistischer Sitzungen abgeben. Wie beim Bau einer Wasserleitung manchmal
viele kleine Quellen mit dem Wasser der Hauptquelle vereinigt werden, um die
Leistung der Hauptquelle zu erhöhen, so wird auch die Odleistung eines
Mediums dadurch gesteigert, daß das Medium die schwächeren Odkräfte der
Teilnehmer in sich aufsammelt. Wenn auch alle Menschen Odkraft
besitzen, so ist sie doch beiden meistens zu sehr an den eigenen Körper
gebunden und nicht löslich genug. Sie kann daher von den Geistern nicht in ausreichender
Stärke verwendet werden. Menschen, die sich als Medien
eignen, sind sehr ‘sensitiv‘. Das bedeutet, daß sie infolge der leichten
Löslichkeit des Od alle Eindrücke viel tiefer empfinden als andere Menschen.
Es ist dies nicht etwas Krankhaftes, wie die irdischen Gelehrten meinen. Auch
hat es nichts mit Nervosität, Hysterie oder Willensschwäche zu tun. Im
Gegenteil, die guten Geister können nervöse, willensschwache und kranke
Menschen nicht als ‘Medien‘ gebrauchen. Ein gutes Medium hat mehr Willenskraft
und Nervenstärke und ist organisch gesünder als irgend ein anderer Mensch. Je nach den verschiedenen Zwecken,
zu denen die Geisterwelt die Odkraft eines Mediums gebraucht, unterscheidet
man verschiedene Arten der Medien. 1.
Tischmedien Wird die Odkraft dazu verwendet, um
an einem Tisch Bewegungen durch Heben und Senken zu bewirken oder auch
Klopflaute des Tisches hervorzurufen, so habt ihr dafür die Bezeichnung
‘Tischmedium‘. Das Heben und Senken oder Klopfen
des Tisches wird als Zeichensprache benutzt, um Mitteilungen durch die
Geisterwelt zu erlangen. Es ist dies die niedrigste Art des Geisterverkehrs.
Denn es sind fast ausnahmslos tiefstehende Geister, die sich bei den
Tischsitzungen einstellen. Die höhere Geisterwelt wählt diese Art der
Kundgebungen nicht. So kommt es, daß bei solchen Zusammenkünften nicht selten
von den in Tätigkeit tretenden niederen Geistwesen grober Unfug getrieben
wird, den bisweilen die anwesenden Teilnehmer durch eigene Schwindeleien noch
unterstützen. Leider kommt durch das sogenannte ‘Tischrücken‘ mit seinen
teils lächerlichen, teils lügenhaften Kundgebungen auch die höhere Art des
Geisterverkehrs in Verruf. Gottsucher und Wahrheitsfreunde
werden sich daher von dieser Art der Geisterverbindung fern halten und nur
die Wege des Geisterverkehrs wählen, die des hohen Zieles würdig sind. 2.
Schreibmedien Werden Kundgebungen der jenseitigen
Wesen durch die Schrift eines Menschen hervorgebracht, so nennt ihr ihn ein
‘Schreibmedium‘. Die Art, wie die Schrift zustande
kommt, ist bei den ‘Schreibmedien‘ sehr verschieden. Dem einen werden die
Gedanken bei vollem persönlichen Bewußtsein eingegeben und von ihm
niedergeschrieben. Man nennt einen solchen auch ‘Inspirationsmedium‘. - Einem
anderen wird die Hand geführt, und gleichzeitig werden die Worte, welche die
Hand schreibt, seinem Geiste inspiriert. Alles bei vollem Bewußtsein des
Mediums. Die gleichzeitige Inspiration ist bei denen notwendig, die der
Führung der Hand zu viel Widerstand entgegensetzen. - Wieder andere wissen
bloß, daß sie schreiben, aber der Inhalt des Geschriebenen ist ihnen
unbekannt. - Noch andere schreiben im Zustand vollständiger Bewußtlosigkeit.
Sie wissen also weder, daß sie schreiben noch was sie schreiben. Doch kommen
nicht selten bei demselben ‘Schreibmedium‘ die verschiedenen Arten des
Schreibens vor. Wesentlich verschieden von dieser
Art des medialen Schreibens ist die sogenannte ‘direkte Schrift‘. Sie wird in
der Weise hervorgebracht, daß ein Geistwesen bloß die Odkraft des Mediums,
aber nicht dessen Hand benutzt. Mit dem von dem Medium entnommenen Od
materialisiert das Geistwesen die eigene Geisterhand und schreibt damit auf
einen Gegenstand, der mit dem Medium nicht in Berührung ist, zum Beispiel auf
eine Tafel auf ein Papier oder sonstige Dinge. Dazu bedarf es einer bedeutend
größeren Odmenge als beim Schreiben mit der Hand des Mediums. Zwei Beispiele von ‘direkter
Schrift‘ sind dir aus der Bibel bekannt. Die Gesetzestafeln auf Sinai wurden
von Gottes Hand geschrieben, wie in den Büchern des Mose berichtet wird: ‘Diese
Tafeln waren von Gott selbst angefertigt, und die Schrift war Gottes Schrift,
in die Tafeln eingegraben‘ (2.Mose32,16). Als der König Belsazar bei einem
Gastmahl mit den Großen seines Reiches aus den heiligen Gefäßen trank, die
sein Vater aus dem Tempel zu Jerusalem geraubt hatte, und dabei seinen Götzen
Loblieder sang, ‘da kamen Finger einer Menschenhand zum Vorschein und
schrieben dem Kronleuchter gegenüber auf die getünchte Wand des königlichen
Saales, so daß der König den Rücken der schreibenden Hand sah‘ (Daniel5,5). Anstatt zum Schreiben kann die Hand
des Mediums von der Geisterwelt auch zum Zeichnen und Malen benutzt werden.
In diesem Falle spricht man von Zeichen- oder Malmedien‘. Der Vorgang ist
jedoch derselbe wie beim Schreiben. 3.
Planschettemedien Eine Art Schreibmedien sind auch
die sogenannten ‘Planchettemedien‘. ‘Planchette‘ (oder Viabrett) nennt man
eine Platte aus Holz, Metall oder sonstigem Stoff, auf der die Buchstaben des
Alphabets, Zahlen und andere Zeichen angebracht sind. Die Fläche der
Planchette ist glatt, damit ein Gegenstand leicht darauf hin- und
hergeschoben werden kann. Das Medium legt bei vollem Bewußtsein die Hand auf
einen leichtbeweglichen Gegenstand, der mit einer Spitze oder einem Zeiger
versehen ist und auf der glatten Platte liegt. Es wartet dann, bis der
Gegenstand mit dem Zeiger zu den Buchstaben hinbewegt wird. Die Spitze des
Zeigers zeigt nacheinander die einzelnen Buchstaben an, aus deren
Zusammensetzung Worte und Sätze gebildet werden. Das Planchettemedium sitzt da mit
geschlossenen oder am besten mit verbundenen Augen, damit es selbst die
Buchstaben nicht sehen kann, weil sonst die Gefahr besteht, daß es der
Bewegung der Hand aus sich nachhilft und so seine eigenen Gedanken wiedergibt. Die berühmteste ‘Planchette‘ ‘war
im Alten Testament das ‘Brustschild‘ auf dem Kleide des Hohen Priesters.
Dieser selbst war das Medium. Das ‘Brustschild‘ wird in der Bibel
nach eurer heutigen Übersetzung ‘Orakelschild‘ genannt, weil es von den Israeliten
zum ‘Befragen Gottes‘ benutzt wurde. Es war quadratformig und mit vier Reihen
Edelsteinen besetzt. In der ersten Reihe waren ein Karneol, ein Topas und ein
Smaragd; die zweite Reihe bestand aus einem Rubin, einem Saphir und einem
Jaspis; die dritte Reihe aus einem Hyazinth, einem Achat und einem Amethyst;
die vierte Reihe aus einem Chrysolith, einem Soham und einem Onyx‘
(2.Mose39,8ff). Auf jedem Edelstein war ein
Schriftzeichen eingraviert, entsprechend den Namen der zwölf Stämme Israels.
Dadurch bildeten sie eine Art Alphabet. Edelsteine waren deswegen gewählt,
weil sie eine große Odkraft besitzen und die mediale Kraft des Hohen
Priesters stärkten. Eine breite, glatte Rinne von Gold zog sich zwischen den
Edelsteinen hin, ohne Ecken und Kanten. Dazu gehörte das sogenannte
‘Stirnblatt‘, das heilige Diadem aus Gold, auf dem die Worte eingraviert
waren: ‘Dem Herrn geweiht‘. Es war mit einer Schnur von blauem Purpur an dem
Kopfbund des Hohen Priesters befestigt. Es bildete den wichtigsten Gegenstand
beim Befragen Gottes und war daher mit Recht mit der Inschrift versehen: ‘Dem
Herrn geweiht‘(2.Mose39,30-31). Beim ‘Befragen Gottes‘ band der
Hohe Priester das Brustschild an der unteren Seite vom Priesterkleid los und
brachte es in eine waagrechte Stellung. Dann löste er das ‘Stimblatt‘ von
seinem Kopfbund und legte es in eine der Rinnen zwischen die Edelsteine. Dann
hielt er seine Hand über das Brustschild, ohne mit ihm oder dem darauf
liegenden ‘Stimblatt‘ in Berührung zu kommen. Die sehr starke Odkraft des
Hohen Priesters wurde von der Geisterwelt Gottes benutzt, um das goldene
‘Stirnblatt‘ in Bewegung zu setzen. Es glitt durch die goldenen Rinnen und
stieß mit der kleinen Öse, durch die es an den Kopfbund befestigt war, an die
Edelsteine, deren Buchstaben man in der Reihenfolge, in der sie von dem
Stirnblatt angezeigt wurden, zu einem Wort zusammensetzte. War durch
Zusammensetzen der angegebenen Schriftzeichen ein Wort zu Ende, so glitt das
Stimblatt an den rechten Rand des Orakelschildes, stieß dort an ein kleines
Glöckchen zum Zeichen, daß das Wort zu Ende sei. War durch Zusammensetzung
der Wörter ein Satz beendet, so glitt das Stirnblatt sowohl an die rechte als
auch an die linke Seite des Orakelschildes und ließ den Ton der an beiden
Seiten befindlichen Glöckchen hintereinander erklingen. Dieses Doppelzeichen
kündigte an, daß der Satz zu Ende sei. Infolgedessen war jeder Irrtum
ausgeschlossen. Es konnte kein Schriftzeichen zum vorhergehenden Wort gezogen
werden, das zum folgenden Worte gehörte, und kein Wort zum folgenden Satz
gezogen werden, das zum vorhergehenden Satz gehörte. Weil durch diese Einrichtung die
Antwort Gottes ohne jede Möglichkeit eines Mißverständnisses erfolgte, nannte
man das Stirnblatt in Verbindung mit den Glöckchen als Zeichen der Wahrheit
und Klarheit ‘die heiligen Lose‘. ‘Urim und Thumim‘ bezeichnet es der
hebräische Text, was ebenfalls ‘Wahrheit und Klarheit‘ bedeutet. Zur Zeit der israelitischen Könige
wurde dieses ‘Orakelschild‘ sehr häufig zum ‘Befragen Gottes‘ gebraucht,
wobei die Priester als Medien auftraten. Besonders David war es, der in fast
allen wichtigen Anliegen durch den Priester Abjathar unter Benutzung des
‘Orakelschildes‘ Gott befragte und die Antworten Gottes entgegennahm. 4.
Tieftrancemedien Die für die Übermittlung der
Wahrheit wichtigsten Medien sind die ‘Sprechmedien‘, sobald sie zu
‘Tieftrancemedien‘ ausgebildet sind. ‘Tieftrance‘ ist bei einem Medium dann
vorhanden, wenn der eigene Geist aus dem Körper vollständig ausgetreten ist.
In diesem Zustand gleicht das Medium einer Leiche, mit dem Unterschied, daß
der ausgetretene Geist noch durch ein Odband mit seinem Körper verbunden
bleibt, was bei einer Leiche nicht der Fall ist. Bei ihr fehlt das Odband.
Durch dieses Odband empfängt der Körper des Mediums von dem ausgetretenen
Geist so viel Lebenskraft, daß die körperlichen Organe in Tätigkeit gehalten
werden. An dem Odband kehrt nachher der ausgetretene Geist des Mediums wieder
in den Körper zurück. An Stelle des ausgetretenen Geistes
tritt ein anderes Geistwesen in den Körper des Sprechmediums ein und macht
mit Hilfe der Sprechwerkzeuge des Mediums seine Mitteilungen. Dabei bedient
es sich der Odkräfte, die bei Austritt des Geistes des Mediums in dessen
Körper zurückgeblieben sind. Ein Tieftrancemedium weiß
selbstverständlich nichts von dem, was der fremde Geist gesprochen hat. Wenn
es zu sich kommt, indem der eigene Geist wieder in den Körper eintritt, ist
es ihm, als habe es geschlafen. Ihr sprecht daher von einem ‘medialen Schlaf‘
der Tieftrance-Medien. Für diejenigen, zu denen ein
fremdes Geistwesen durch ein Medium spricht, ist es von der größten
Wichtigkeit zu wissen, was für ein Geist von dem Körper des Mediums Besitz
ergriffen hat; ob es ein hoher oder niedriger, guter oder böser Geist ist.
Darum rate ich jedem Menschen, die Geister zu prüfen, ob sie wahrhaftig von
Gott geschickt oder ob sie böse sind. Das könnt ihr, wenn ihr sie im Namen
Gottes schwören laßt, wer sie sind und woher sie kommen. Ein guter Geist wird
den Schwur leisten, ein böser nicht. Ist es ein guter Geist, so wird er euch
Mitteilungen, Ermahnungen, Belehrungen und Unterweisungen geben, die zu eurem
Besten sind. Ist er jedoch ein böses Geistwesen, so schickt es fort. Doch
vorher gebt ihm die Mahnung, daß es sich zu Gott wenden und zu Gott beten
soll. Treten in Sprechmedien solche
Geistwesen ein, die zwar zu den niederen und schwer leidenden Geistern
gehören, aber guten Willens sind, so sollt ihr sie über ihren Zustand
belehren, sie auf Gott hinweisen und mit ihnen beten. Auf diese Weise könntet
ihr vielen ‘armen Seelen‘, wie ihr diese Geister zu nennen pflegt, eine große
Wohltat erweisen und sie werden euch dafür stets dankbar bleiben. Die Pflicht, die Geister zu prüfen,
wurde auch den ersten Christen von den Aposteln stets eingeschärft. Jede
christliche Gemeinde wurde darüber eingehend belehrt, wie auch die Menschen
des Alten Bundes hierin genau Bescheid wußten. 5.
Apportmedien Die ‘Apportmedien‘ sind meistens
ebenfalls Tieftrancemedien‘. Ihre Odkraft benutzt die Geisterwelt, um
materielle Dinge von außen her in geschlossene Räume zu bringen oder aus
geschlossenen Räumen nach auswärts fortzutragen. Der Zustand des ‘Tieftrance‘
ist deswegen in den meisten Fällen erforderlich, weil die Geister das ganze
körperliche Od des Mediums benötigen, um die ‘Apporte‘ zu ermöglichen. Die
materiellen Gegenstände, die ‘apportiert‘ werden, müssen nämlich an dem einen
Ort aufgelöst und an dem anderen Ort wieder zur Materie verdichtet werden. Es
gibt allerdings auch Medien, die ohne ‘Tieftrance‘ so viel Od abgeben können,
daß es zur Verwirklichung der ‘Apporte‘ ausreichend ist, vor allem, wenn
mehrere starke Medien gleichzeitig als Odquellen dienen. Obschon ihr die
außerordentlich hohe Hitze körperlich nicht fühlen könnt, die durch die
Odströme zum Zweck der Auflösung der Materie erzeugt wird, so könnt ihr etwas
von der Hitze doch nachher bei der Wiederverdichtung der apportierten
Gegenstände noch wahrnehmen. Ein Beispiel möge es dir klarmachen. Sogenannte
‘Spukgeister‘ bringen bisweilen von der Straße aus Steine, Sand oder sonstige
Stoffe in geschlossene Räume eines Hauses. Sie können dies nur dann, wenn
ihnen hinreichend Odkraft zur Verfügung steht, mit der sie die heißen
Starkströme erzeugen. Damit lösen sie die Materie der Stoffe auf, bringen die
in Od aufgelöste Materie ins Zimmer und verdichten dort das Od wieder zur
festen Materie. Doch fühlt der wieder verkörperte Stoff sich jetzt heiß an.
Denn wenn auch die Verdichtung durch kalte Kraftströme erfolgte, so bleibt
doch von der sehr großen Hitze der Auflösung der Materie noch ein Teil
zurück, wie ihr es bei einem glühenden Stahl wahrnehmt, den man durch
Eintauchen in kaltes Wasser abgekühlt hat. Bisweilen wird der Körper der
Medien selbst von einem Ort zu einem anderen transportiert, manchmal sogar
auf sehr weite Entfernungen. Ihr Körper wird ebenfalls an dem einen Ort
aufgelöst und an dem anderen wieder zur Materie verdichtet. Als der Prophet Habakuk im Alten
Bund mit dem Essen, das er bei sich trug, von einem Engel Gottes an die
Löwengrube zu Daniel gebracht werden sollte, hat der Engel ihn nicht durch
die Luft getragen, wie ihr anzunehmen scheint, sondern ihn mit allem, was er
bei sich trug, aufgelöst und an der Löwengrube wieder materialisiert. -
Dasselbe geschah mit Philippus, von dem euch die Apostelgeschichte erzählt.
Als er den Kämmerer der Königin Kandace von Äthiopien belehrt und getauft
hatte, ‘entführte ihn der Geist des Herrn nach der Stadt Asdod‘.
(Apg.8,26ff.). Der Geist löste den Körper des Philippus auf, so daß er
plötzlich aus den Augen des Kämmerers verschwunden war, und materialisierte
ihn wieder in der Stadt Asdod. Solche Vorgänge sind den Menschen
deswegen unbegreiflich, weil sie die Kräfte nicht sehen, die dabei wirksam
sind. Die Tatsache der Auflösung der Materie und auch der Körper lebender
Menschen an dem einen Ort und ihrer Wiederverkörperung an einem anderen kann
auch heute nicht mehr geleugnet werden. Denn die Fälle sind zu zahlreich, in
denen die Auflösung und Wiederverkörperung materieller Dinge und Personen
unwiderleglich nachgewiesen worden ist. Die Naturgesetze, nach denen das
alles geschieht, sind dir nach den vorausgegangenen Erklärungen hinreichend
verständlich. 6.
Materialisationsmedien Bei den ‘Materialisationsmedien‘
wird die ganze körperliche Odkraft des Mediums dazu benutzt, um einem oder
mehreren Geistwesen die Möglichkeit zu geben, sich für eure leiblichen Augen
sichtbar zu machen. Da das ganze Od des Mediums dazu benötigt wird, muß der
Geist aus dem Medium entfernt werden. Je nach der Menge des zur Verfügung
stehenden Ods überkleidet der fremde Geist damit entweder seine ganze
Gestalt, also sämtliche Glieder, oder nur das eine oder andere Glied, seien
es die Augen oder das Gesicht oder die Hände. Soll die Verkörperung so stark
sein, daß der betreffende Geist wie ein irdisches Wesen aussieht, dann genügt
das Od des Mediums nicht. Es muß vielmehr auch noch Materie seines Körpers
entnommen und in Odform zur Verkörperung des Geistes verwendet werden. Ein
Medium nimmt daher bei einer solchen Gelegenheit so viel an Körpergewicht ab,
als an Od und Materie für den fremden Geist abgegeben wird. Die
Gewichtsabnahme des Mediums pflegen eure Gelehrten mit automatischen Waagen
festzustellen, auf denen sie die Medien vorher Platz nehmen lassen. Es gibt
Fälle, wo ‘Materialisationsmedien‘ in wenigen Minuten bis zu 40 Kg an
Körpergewicht verlieren. Doch bleibt so wohl das abgegebene Od wie auch die
abgegebene Materie durch das Odband mit dem Medium verbunden und strömt nach
Auflösung der Verkörperung des Geistes wieder in den Körper des Mediums
zurück. Darum seht ihr, daß die Verkörperungen sich stets in der Nähe des
Mediums bilden. Auch könnt ihr wahrnehmen, wie die Bewegungen des Mediums
begleitet sind. Denn die Verbindung zwischen Medium und materialisiertem
Geiste ist eine sehr enge. Wenn deine Hände und Arme durch straff angezogene
Bänder mit den Händen eines anderen verbunden sind, und du machst damit
Bewegungen, so verursachst du auch ähnliche Bewegungen der Hände und Arme des
anderen. Solche geistigen Odbänder bestehen zwischen dem materialisierten
Geist und dem Medium. Aus der engen Verbindung zwischen
Medium und materialisiertem Geist erklärt sich noch eine andere Erscheinung,
die euren Gelehrten ebenfalls unverständlich ist. Sie haben nämlich
festgestellt, daß bei Materialisationen oft verschieden-artige Gerüche von
den Medien ausströmen. Bald sind es Wohlgerüche, bald ist es Gestank oder
unerträglicher Leichengeruch. Diese Gerüche hängen von der Beschaffenheit der
Geister ab, die sich mit dem Od des Mediums verkörpern. Bei der Odlehre habe
ich dir bereits erklärt, daß das Od im Geruch die Eigenschaft des Geistes
annimmt, den es umgibt. Das dem Medium entnommene und von einem Geist zu
seiner Materialisation gebrauchte Od nimmt daher den Geruch an, welcher der
Beschaffenheit jenes Geistes entspricht. Und da das verkörperte Od des
Geistes mit dem Medium in engster Verbindung bleibt, so strömt der dem Geiste
entsprechende Odgeruch auch auf das Medium über. Dadurch wird der Eindruck
erweckt, als ob das Medium die Ursache des vorhandenen angenehmen oder
unangenehmen Geruches sei. In Wirklichkeit rühren also jene Gerüche von den
Geistern her, die sich mit dem Od des Mediums verkörpert haben. 7.
Physikalische Medien Nun gibt es noch eine Art Medien,
die für die Menschheit nicht gut ist. Denn ihrer bedienen sich meistens böse
Wesen. Es sind die sogenannten ‘physikalischen Medien‘. Die Geister benutzen
die Odkraft dieser Medien, um Gegenstände zu bewegen, die sich im Bereich des
Mediums befinden. Tische, Stühle, Gerätschaften aller Art erheben sich und
schweben von einer Stelle zur anderen, Instrumente beginnen zu spielen, eine
Trompete erhebt sich in die Luft und bläst, auf einer daliegenden Trommel
erschallen Schläge, Schellen fliegen durch das Zimmer und läuten, und
unzählige ähnliche Dinge ereignen sich. Daß gute Geistwesen sich nicht in
dieser Weise betätigen, ist natürlich. Denn es ist nicht Sache der guten
Geisterwelt, Erscheinungen hervorzurufen, die nur der Befriedigung der
menschlichen Sucht nach außergewöhnlichen Erlebnissen dienen. Das gilt
allerdings auch von manchen Erscheinungen, die bei den anderen Arten von
Medien vorkommen. Allein bei ihnen ist es nicht so regelmäßig der Fall wie
gerade bei den ‘physikalischen Medien‘. Du fragst mich, welchen Zweck es
überhaupt habe, daß die niederen Geister in den heutigen ‘spiritistischen
Sitzungen‘ einen solchen ‘Karneval‘ treiben und treiben dürfen. Darauf
antworte ich dir, daß die niederen Geistwesen dieselbe Freiheit des Willens
haben wie niedrige und böse Menschen. Wie letztere an ihrem Tun und Treiben
nicht gehindert werden, so wird auch den Geistern ihre Freiheit nicht
geschmälert, auch den bösen Geistern nicht, wenigstens nicht bis zu einer
gewissen Grenze. Vollständige Freiheit haben sie allerdings nicht, sonst
würden sie in der Menschheit noch viel mehr Unheil anrichten, als sie es
jetzt schon tun. Denn das Ziel der Menschheit ist, zu Gott zu gelangen. Und
mit Rücksicht auf dieses Ziel hat Gott für die Betätigung der Bösen eine
gewisse Grenze bestimmt. Aber auch selbst der in den heutigen spiritistischen
Sitzungen vorkommende ‘Kameval‘ des Bösen, wie du es nanntest, hat nicht
selten doch auch eine gute Wirkung. Denn in der heutigen Zeit, wo so viele an
keinen Gott, kein Jenseits, keine Geisterwelt und kein Fortleben nach dem irdischen
Tode glauben wollen, ist es schon von Nutzen, daß die Menschen derartige
Dinge erleben, damit sie sich darüber ihre Gedanken machen, in ihrem
Unglauben wankend werden und anfangen, nach der Wahrheit zu suchen. Das gilt
in bezug auf alle Vorkommnisse eurer heutigen spiritistischen Sitzungen,
angefangen vom Tischrücken und Tischklopfen bis zu den physikalischen
Phänomenen und zu den Geisterverkörperungen. Wenn die Beteiligung an
derartigen Dingen auch bei den meisten aus keinem anderen Grund erfolgt als
um Sensationen zu erleben, so bleibt bei sehr vielen doch der Eindruck
haften, daß es etwas Jenseitiges geben muß. Wenn dies auch kein großer Erfolg
ist, so ist es doch besser, als wenn sie überhaupt nicht an das Jenseits
erinnert würden. Was allerdings der Menschheit not
tut, ist eine gründliche Aufklärung über das Wesen des Geisterverkehrs und
über den Weg, auf dem man mit der guten Geisterwelt in Verbindung kommen
kann. Und das soll deine Lebensaufgabe sein. Zu diesem Zweck empfängst du
alle diese Belehrungen. Sie sind nicht bloß für dich, sondern für deine
Mitmenschen bestimmt. Ihnen sollst du als deinen Geschwistern diese
Wahrheiten vermitteln. Wird den Menschen gesagt, wie sie die Verbindung mit
der guten Geisterwelt suchen sollen, dann wird jede spiritistische Sitzung zu
einem erhebenden Gottesdienst. 8. Hellsehen, Hellhören, Hellempfinden Eure Gelehrten rechnen zu den
Medien auch diejenigen, welche die Gabe des ‘Hellsehens‘ und ‘Hellhörens‘
besitzen. Das ist nicht richtig. Zwar haben die Hellsehenden, Hellhörenden
und Hellempfindenden mediale Kräfte; aber wirkliche Medien sind sie nicht.
Bei ihnen ist es ja der eigene Geist, der tätig ist, der sieht und hört,
während bei den eigentlichen ‘Medien‘ ein fremdes Geistwesen wirksam und der
eigene Geist ausgeschaltet ist. Die Gaben des ‘Hellsehens‘ und
‘Hellhörens‘ befähigen den Geist des Menschen zwar, die ihn umgehenden
Geister zu sehen und zu hören, aber der Hellseher ist kein Werkzeug dieser
Geister und gehört deshalb nicht zu den ‘Medien‘. Der Geist des Hellsehenden,
Hellhörenden, Hellriechenden, Hellschmeckenden, Hellempfindenden empfängt
diese Fähigkeiten lediglich dadurch, daß er sich von seinem Körper mehr oder
weniger zu lösen imstande ist. Der vom Körper gelöste und teilweise aus dem
Körper austretende Geist ist dadurch nicht mehr an die körperlichen Sinne
gebunden. Er hat die Kräfte und Eigenschaften des körperlosen Geistes. Er
sieht, hört, empfindet nach der Art der Geister des Jenseits, je nach der
Vollkommenheit der Loslösung von seinem Körper und der Feinheit des ihn
umgebenden Ods. Die Reinheit des Ods spielt bei den ‘Hellsehern‘ eine große
Rolle. Denn durch ein unreines Glas kann man nicht deutlich sehen. Aus
demselben Grunde sind auch die Geister des Jenseits, je nach der
Beschaffenheit ihres Odkörpers, in ihren geistigen Fähigkeiten sehr
verschieden. Die einen von ihnen sehen, hören und empfinden, was die anderen
Geister nicht wahrnehmen können. Dasselbe ist der Fall bei den mit den Gaben
des Hellsehens, Hellhörens und Hellempfindens ausgestatteten Menschen. Auch
bei ihnen sind diese Gaben in zahllosen Abstufungen, von der unvollkommensten
bis zur höchsten Stufe vorhanden. Die einen empfinden bloß die Nähe der sie
umgebenden Geister und deren Einwirkungen auf sie. Aber die Geister selbst sehen
und hören sie nicht. Wieder andere sehen die Geister, aber hören sie nicht.
Wieder andere sehen sie und hören auch ihre Worte und vermögen die einzelnen
Geister in ihrem Wesen zu unterscheiden. Die vielen Irrtümer, die euren
Hellsehern bei ihren Angaben unterlaufen, sind daraus zu erklären, daß bei
den meisten die Gabe sehr unvollkommen vorhanden ist. Das Hellsehen findet ihr oft in den
Büchern des Alten und des Neuen Testamentes. Von dem Erzvater Jakob wird
berichtet: ‘Als Jakob seines Weges zog, begegneten ihm Engel Gottes. Sobald
Jakob sie erblickte, sagte er: Hier ist das Heerlager Gottes‘(1.Mose32,1-2). Als zur Zeit Davids ein Engel
Gottes die Pest als Strafgericht über das Volk Israel verhängte, da sah David
diesen Engel. ‘Der Engel des Herrn war aber gerade bei der Tenne des
Jebusiters Arawna angekommen. Als nun David den Engel sah, der das Sterben
unter dem Volke anrichtete, rief er zum Herrn betend aus: Ach, ich bin‘s ja,
der gesündigt hat, und ich habe mich vergangen. Diese Herde aber - was hat
die verschuldet?‘ (2.Sam24,16ff). Der Prophet Elisa hatte die Gabe
des Hellsehens. Von ihm erzählt das Buch der Könige, daß er hellsehend
wahrnahm, wie sein Diener Gehasi dem geheilten Hauptmann Naemann nachlief und
sich von ihm unter falschen Vorspiegelungen Geschenke für Elisa erbat. Als er
sie zur persönlichen Verwendung in seinem Hause verborgen hatte und vor Elisa
trat, fragte ihn dieser: ‘Woher kommst du Gehasi?‘ - Er antwortete: ‘Ich
bin überhaupt nicht aus gewesen.‘ Da sagte Elisa zu ihm: Bin ich nicht im
Geiste mit dir gegangen, als sich jemand von seinem Wagen aus nach dir
umwandte? Ist es jetzt an der Zeit, Geld und Kleidungsstücke anzunehmen und
Gärten und Weinberge, Kleinvieh und Rinder, Knechte und Mägde dafür zu
erwerben?‘ (2.Könige5,20ff). Elisa sah auch das Schicksal des
Hasael hellsehend voraus. Darüber berichtet dasselbe Buch der Könige: ‘Elisa
starrte unverwandt vor sich hin und war aufs äußerste entsetzt und brach dann
in Tränen aus. Als Hasael ihn nun fragte: ‘Warum weint mein Herr?‘,
antwortete er: ‘Weil ich weiß, wieviel Unheil du den Israeliten zufügen
wirst. Ihre festen Städte wirst du in Brand stecken, ihre jungen Männer mit
dem Schwerte töten, ihr Säuglinge zerschmettern und ihren schwangeren Frauen
den Leib aufschlitzen. Denn Gott der Herr hat dich mir als König über Syrien
gezeigt. (2.Könige8,11ff). Hellsehend schauten die großen
Propheten sowohl die zu ihnen gesandten Geister als auch die Schicksale der
Menschheit, Völker und Einzelpersonen. Sie wurden ihnen von der Geisterwelt
meistens in Symbolen kundgetan. Mit dem ‘Hellsehen‘ war bei ihnen auch das
‘Hellhören‘ verbunden. Als Beispiel dafür lies einmal das Buch Daniel nach,
besonders die Stellen, wo von der Erscheinung des Erzengels Gabriel berichtet
wird: ‘Während ich noch mein Gebet verrichtete, da kam Gabriel, den ich im
ersten Gesicht gesehen hatte, in Gestalt eines Menschen eilends auf mich zu
um die Zeit des Abendopfers. Er wollte mir Aufklärung geben und redete mich
mit den Worten an: ‘Daniel, jetzt bin ich hergekommen, um dir zum richtigen
Verständnis zu helfen. Als du zu beten begannst, erging ein Gotteswort, und
ich bin gekommen, es dir zu verkünden; denn du bist ein besonders geliebter
Mann. So achte nun auf das Wort, damit du die Offenbarung genau verstehst‘
(Daniel9,21-23). - ‘Am vierundzwanzigsten Tage des ersten Monats befand ich
mich am Ufer des Tigris, und als ich dort meine Augen erhob und Umschau
hielt, sah ich da einen Menschen stehen, der in Linnen gekleidet war und um
die Hüften einen Gürtel von Uphasgoid trug. Sein Leib war wie Chrysolith,
sein Gesicht leuchtete wie Blitzesschein und seine Augen brannten wie
Feuerfackeln; seine Arme und Beine funkelten wie poliertes Erz; und wenn er
redete, klang seine Stimme wie das Tosen einer Volksmenge. - Ich, Daniel, war
der einzige, der die Erscheinung sah, während die Männer, die bei mir waren,
die Erscheinung nicht sahen; doch befiel sie ein solcher Schrecken, daß sie
flohen und sich versteckten. So blieb ich denn allein zurück und sah diese
gewaltige Erscheinung; doch alle Kraft entschwand mir; mein Gesicht entfärbte
sich bis zur Unkenntlichkeit, und ich wurde völlig kraftlos. Als er dann laut
zu reden begann und ich den Klang seiner Worte vernahm, sank ich ohnmächtig
auf mein Angesicht zur Erde nieder. Da berührte mich eine Hand und
half mir, daß ich mich zitternd auf meine Knie und Hände aufrichtete‘ (Daniel
10,4-10). Diese beiden Stellen aus dem Buch
Daniel habe ich deswegen ausführlich erwähnt, weil sie für dich sehr
lehrreich sind und manche von den Belehrungen, die ich dir bisher gegeben
habe, als richtig bestätigen. Zunächst hast du hier die Tatsache des
Hellsehens und Hellhörens in der ausgeprägtesten Form. Daniel sieht die
Geistergestalt, während seine Begleiter sie nicht sehen. Aber da die
Begleiter ebenfalls ‘medial‘ waren, fühlten sie die Nähe des Geistes und
dessen gewaltige Odkraft, und sie flohen vor Schrecken. Hier ist die von mir
erwähnte Tatsache bestätigt, daß manche Menschen die Geister zwar nicht sehen
und hören können, aber ihre Nähe empfinden. Außerdem ist in diesen Stellen,
wie in so vielen anderen Stellen der Bibel, der Beweis erbracht, daß die
Geister eine Gestalt und geistige Glieder haben, ähnlich denen eines
Menschen. Endlich fühlte Daniel eine Hand, die ihn anfaßte und aufrichtete.
Es war die Hand Gabriels, die er mit Hilfe der Odkraft des Daniel
materialisiert hatte. Denn nur mit einer materialisierten Hand konnte Gabriel
einen Menschen aufrichten. Das laute Sprechen des Geistes und die
Verkörperung seiner Hand beanspruchte so viel Odkraft, daß Daniel kraftlos
zur Erde sank und Gabriel ihn mit seiner eigenen geistigen Odkraft stärken
mußte. ‘Da berührte mich der, welcher wie ein Mensch aussah, nochmals und
gab mir neue Kraft‘ (Daniel 10,18). Aus dem Neuen Testament möchte ich
nur das ‘Hellsehen‘ des Apostels Paulus erwähnen. In Troas sah Paulus nachts
plötzlich einen mazedonischen Mann vor sich stehen, der die Bitte aussprach: ‘Komm
nach Mazedonien herüber und hilf uns!‘ (Apg.16,9). - In einer anderen
Nacht trat der Herr zu Paulus und sagte: ‘Sei getrost! Denn wie du für
mich in Jerusalem Zeugnis abgelegt hast, so sollst du auch in Rom Zeuge für
mich sein‘ (Apg.23,11). - Bei einer Überfahrt nach Italien sagte Paulus
zu den Seeleuten des Schiffes: ‘Ihr Männer, ich sehe voraus, daß unsere
Fahrt mit Gefahr und großem Schaden nicht nur für die Ladung und das Schiff
sondern auch für unser Leben verbunden sein wird‘ (Apg.27,10). - Ich habe
dir bereits gesagt, daß das Schauen von großen Ereignissen der Zukunft nur
möglich ist, wenn die Geisterwelt sie dem Hellsehenden in einem Bilde zeigt.
Das finden wir auch in diesem Falle bestätigt. Denn als die Schiffsmannschaft
nicht auf die Mahnung des Paulus hörte und die Fahrt wagte, gerieten sie in
Sturm, mußten einen Teil der Ladung und auch das Schiffsgerät über Bord
werfen, und alle hatten jede Hoffnung auf Rettung aufgegeben. Da trat Paulus
mitten unter sie und sagte: ‘Ihr Männer! Ihr hättet auf mich hören und
nicht von Kreta abfahren sollen, dann wäre uns dieses Ungemach und dieser
Schaden erspart geblieben. Doch, wie die Dinge jetzt liegen, fordere ich euch
auf, guten Mutes zu sein; denn keiner von euch wird das Leben verlieren; nur
das Schiff ist verloren. Denn in dieser Nacht ist mir ein ‘Engel des Herrn‘
erschienen, dem ich angehöre und dem ich auch diene, und hat zu mir gesagt:
‘Fürchte dich nicht, Paulus! Du sollst vor den Kaiser treten; und siehe, Gott
hat dir das Leben aller Reisegefährten geschenkt. ‘Darum seid guten Mutes,
ihr Männer! Denn ich habe die Zuversicht zu Gott, daß es so kommen wird, wie
es mir gezeigt worden ist. Wir müssen aber an irgend einer Insel
stranden‘ (Apg.27,21ff). An die Korinther schreibt Paulus:
‘Ich, der ich leiblich zwar abwesend, aber mit meinem Geist bei euch
gegenwärtig bin, habe über diesen Menschen, der sich so schwer vergangen hat,
bereits Gericht gehalten, als ob ich bei euch wäre‘ (1.Kor.5,3). Ebenso schreibt er an die Kolosser:
‘Wenn ich auch leiblich fern hin, so ist mein Geist doch bei euch gegenwärtig,
und ich sehe mit Freuden eure festgeschlossene Kampfstellung und das feste
Bollwerk eures Glaubens (Kol.2,5). Aus den beiden zuletzt angeführten
Stellen geht hervor, daß der Geist des Paulus austrat und bei den in der
Ferne sich vollziehenden Ereignissen anwesend war. _______ *
_______ Ich
will Wasser ausgießen auf das dürstende Land und Riesenfluten
auf das dürre. Ich will meinen Geist auf deine Volksgenossen
gießen und meinen Segen auf die Sprößlinge. Jes. 44, 3 Der Zweck der medialen Ausbildung Was einem bestimmten Zweck dienen
soll, muß vorher in entsprechender Weise hergerichtet, zubereitet und
angepaßt werden. Eure Maschinen und Werkzeuge werden so konstruiert, wie es
der Zweck erfordert, dem sie dienen sollen. Die Medien sind Werkzeuge der
Geisterwelt. Sie sollen die Verbindung der Geister mit der materiellen
Schöpfung ermöglichen. Daher müssen sie befähigt werden, das zu leisten, was
zur Erreichung jenes Zweckes erforderlich ist. Das geschieht durch die
Ausbildung ihrer medialen Kräfte. Die Medien sind in der Hauptsache
Kraftquellen, aus denen die Geistwesen den Betriebsstoff für ihre Arbeit
nehmen. Sie liefern die Odkraft. Um dir die Vorgänge bei Ausbildung
der Medien möglichst verständlich zu machen, nehme ich wiederum ein Gleichnis
zu Hilfe. Zum Betrieb eurer Kraftwagen habt ihr einen Stoff, der aus den
Erdölquellen genommen wird. Bei Erschließung dieser Quellen sucht man durch
Tiefbohrung zunächst eine solche Menge Erdöl zu gewinnen, daß die Ausbeute
sich lohnt. Aber das aus jenen Quellen fließende Rohöl ist noch nicht
gebrauchsfähig. Es muß zuerst gereinigt und durch verschiedene
Filtrierungsmethoden den mannigfachsten Verwendungszwecken angepaßt werden. So muß auch die Geisterwelt in
erster Linie darauf bedacht sein, eine möglichst große Odmenge durch die
Medien zu erlangen. Das Od ist jedoch mit dem Körper des Mediums verbunden.
Es muß erreicht werden, daß es sich leicht löst und in der erforderlichen
Menge an die Geisterwelt abgegeben werden kann. Auch bei euren künstlichen
Düngemitteln sprecht ihr von einer Löslichkeit der Stoffe. Ihr unterscheidet
einen Gesamtgehalt an Phosphor, Kali, Stickstoff und Kalk und einen löslichen
Teil. Nur der letztere hat für euch Wert, und nur die Prozentsätze der
löslichen Stoffe werden bezahlt. So hat für die Geister nur das Od
einen Wert, das infolge seiner Löslichkeit vom irdischen Körper an sie
abgegeben werden kann. Je höher die Löslichkeit des Od eines Mediums ist, um
so großer ist die abgabefähige Odmenge. Und um so stärker und umfangreicher
sind auch die Phänomene, die von den Geistwesen hervorgebracht werden. Wenn ich von dem Od spreche, das
durch die Ausbildung der Medien beschafft wird und das der sich betätigenden
Geisterwelt als Betriebsstoff dient, so muß ich eine sehr wichtige Bemerkung
einschalten. Handelt es sich nämlich bei der Betätigung eines Geistes um
Ausführung eines besonderen Befehles Gottes, so steht ihm mehr Od zur
Verfügung, als alle irdischen Wesen zusammen besitzen. In diesem Falle steht
der Geist mit der Quelle aller Odkraft, mit Gott selbst, in einer besonderen
Verbindung und bekommt aus dieser Quelle so viel Kraft, als er zur Ausführung
des göttlichen Befehles bedarf. Ergeht zum Beispiel an einen Geist
ein Befehl Gottes, euch Belehrungen zu erteilen, dann erhält er auch das dazu
erforderliche Od. Er benutzt in diesem Falle freilich auch euer Od. Denn die
Geisterwelt geht mit diesem wertvollen Stoff so sparsam um, wie ihr selbst
mit sehr wertvollen irdischen Kostbarkeiten es zu halten pflegt. In diesem
Falle unterstützt ihr mit eurem Od das dem Geiste zur Verfügung stehende Od
und versetzt ihn dadurch in die Lage, seine Kundgebungen länger auszudehnen,
als es von vornherein vorgesehen war. - So wird, um auf einen irdischen
Vorgang vergleichshalber hinzuweisen, dem Kühlwasser eines Kühlturmes nach
dem Abkühlen doch noch etwas frisches Wasser hinzugefügt, um die Wirkung zu
verbessern und die Wirkungsdauer zu erhöhen. Liegt jedoch kein Befehl Gottes
vor, sondern betätigen sich bei euch die guten Geister aus eigener freier
Entschließung, wenn auch unter Gutheißung Gottes, so sind die Leistungen der
Geister von der Odmenge abhängig, die ihnen aus den irdischen Odquellen zur
Verfügung steht, also von den Medien herrührt. Die abgabefähige Odmenge ist bei
jedem Medium verschieden. Bei dem einen reicht sie bloß zu ganz leichten
Arbeiten der Geisterwelt aus; bei einem zweiten ermöglicht sie schon viel
größere Leistungen; bei einem dritten ist sie so groß, daß das Schwerste
ausgeführt werden kann, was es auf diesem Gebiet gibt. Dazu gehört die
Verkörperung eines Geistes durch eine so starke Odverdichtung, daß er in
einem vollständigen menschlichen Körper vor euch steht und sich in nichts von
einem wirklichen Menschen unterscheidet. In einer solchen Verkörperung erschienen
drei Boten Gottes dem Abraham, begleitete der Erzengel Raphael den jungen
Tobias und stand Christus nach der Auferstehung vor seinen Jüngern. Das körperliche Od möglichst
löslich zu machen, ist in der Hauptsache eine Aufgabe des Mediums selbst. Es
geschieht durch innere Sammlung oder ‘Konzentration‘, wie ihr es nennt. Nur
solche Menschen können daher gute Medien werden, die sich geistig zu sammeln
und ihre Gedanken von den materiellen Dingen abzulenken fähig sind. Daher habt
ihr die meisten starken ‘Medien‘ unter den Völkern, bei denen die geistige
Sammlung als religiöse Übung eine große Rolle spielt. Das an Medien reichste
Volk sind die Inder, weil ihre Religion von ihnen verlangt, daß sie sich von
Jugend auf einer täglichen geistigen Sammlung befleißigen. Sie nennen es
‘geistige Versenkung‘, und viele bringen es darin zu einer großen
Vollkommenheit. Da bei der geistigen Sammlung der menschliche Geist bloß mit
dem ihm eigenen Od tätig ist, ruht unterdessen das körperliche Od. Es ist zu
keinerlei Kraftanstrengung angespannt und kann so leichter frei werden für
die Benutzung durch die Geisterwelt. Je öfter der Mensch sich dieser
geistigen Sammlung widmet, um so leichter wird es ihm, die ruhende
körperliche Odkraft frei zu machen und durch Ausstrahlung abzugeben. Es geht
dabei, wie bei einem Magneten. Beim ersten Gebrauch ist seine Kraft noch sehr
schwach. Er zieht nicht einmal das kleinste Eisenteilchen an. Aber je mehr er benutzt wird, um so
stärker wird seine Kraft. Schließlich ist sie so groß, daß sie auch schwere
Eisenteile festhält. So ist es auch mit der Odkraft.
Zuerst ist sie bei dem werdenden Medium sehr gering. Je öfter es sich aber
der inneren Sammlung widmet, um so stärker wird die für den Geisterverkehr
brauchbare Odstrahlung. Die Ausbildung der Medien hat also
als erstes Ziel, durch geistige Konzentration eine möglichst starke Odabgabe
zu erreichen. Die Menge oder Stärke des irdischen Ods ist für alle Geister,
die guten sowohl als auch die bösen, gleich wichtig. Eine zweite Aufgabe der Ausbildung
der Medien ist die Anpassung des Ods des Mediums an das des arbeitenden
Geistes. Es ist Sache der Geisterwelt, dies zu erreichen. Die Anpassung des
Ods ist sehr verschieden, je nachdem hohe Geister es benutzen wollen oder niedere
Geistwesen. Ein hoher Geist muß das mediale Od reinigen und verfeinern. Er
muß es gewissermaßen filtrieren. Ein niederes Geistwesen jedoch braucht sich
dieser Mühe nicht zu unterziehen. Sein eigenes Od ist unrein und paßt sich
sehr leicht ungereinigtem irdischen Od an. Lösung des eigenen Geistes vom
Körper des Mediums Bei manchen Medien verfolgt die
Ausbildung noch einen dritten Zweck. Soll nämlich das ganze körperliche Od
eines Mediums für die Arbeit der Geister verwendet werden, so ist dies bloß
in dem Falle möglich, wo der Geist des Mediums aus dem Körper entfernt ist.
Es muß daher eine Lösung des Geistes vom Körper des Mediums erfolgen. Diese
zu bewerkstelligen, ist nicht leicht. Es erfordert eine für die Geisterwelt
mühevolle und zeitraubende Arbeit. Das Medium macht dabei etwas Ähnliches
durch wie ein Sterbender. Bei einem Sterbenden tritt der Tod ja auch durch
Lösung des Geistes vom Körper ein. Über den Unterschied zwischen dem Körper
eines Mediums, dessen Geist ausgetreten ist, und einer Leiche habe ich schon
bei einer anderen Gelegenheit gesprochen. Du wirst dich erinnern, daß beim
Austritt des Geistes eines ‘Tieftrancemediums‘ noch ein Odband den
ausgetretenen Geist mit seinem Körper verbindet, während bei einer Leiche der
Tod dadurch herbeigeführt wurde, daß auch dieses Odband abriß. Aus dem Gesagten wird dir der Zweck
der Ausbildung der Medien klargeworden sein. Er besteht in möglichst großer
Odabgabe, Reinigung des Ods für die Aufgaben der hohen Geisterwelt und
endlich in der Lösung des Geistes der ‘Tieftrancemedien‘ vom Körper. Auch zur Erlangung der Gaben des
‘Hellsehens‘ und ‘Hellsehens‘ ist eine Ausbildung erforderlich. Auch hier
erfolgt eine teilweise Lösung des Geistes vom Körper des Hellsehers. Auch bei
ihm muß das seinen Geist umgebende Od einer entsprechenden Reinigung
unterzogen werden. Doch ist die teilweise Lösung des Geistes zum Zwecke des
Hellsehens wesentlich verschieden von der Lösung des Geistes eines
‘Tieftrancemediums‘. Beim Hellseher tritt der Geist zwar aus, bleibt aber
trotzdem mit dem ganzen körperlichen Od und allen seinen Teilen an den Körper
gebunden. Das Od dehnt sich bloß, um mich irdisch auszudrücken, und
ermöglicht durch diese Dehnung den teilweisen Austritt des Geistes. Eine
Lösung des körperlichen Ods vom Geiste des Hellsehers findet nicht statt. Beim ‘Tieftrancemedium‘ aber wird
das ganze Od mit Ausnahme eines Odbandes von seinem Geiste gelöst, der
dadurch frei wird, aus dem Körper austreten und, infolge der großen
Dehnbarkeit des Odbandes, sich sehr weit von seinem Körper entfernen kann. An
Stelle des ausgetretenen Geistes des Mediums tritt ein fremdes Geistwesen in
den Körper ein und macht seine Kundgebungen. Das ist beim Hellseher nicht
möglich. Bei ihm kann ein fremder Geist deswegen nicht eintreten, weil der
eigene Geist noch mit dem gesamten Od seines Körpers verbunden bleibt und
daher für ein anderes Geistwesen kein Platz frei ist. Beim Hellseher also ein engstes
Verbundenbleiben des eigenen Geistes mit dem Od seines Körpers, beim ‘Tieftrancemedium‘
eine fast vollständige Loslösung von seinem körperlichen Od. Beim Hellseher
will der eigene Geist sehen und hören. Beim Tieftrancemedium macht der Geist
des Mediums einem anderen Geistwesen Platz, damit es sich durch den Körper
des Mediums, unter Benutzung des zurückgebliebenen körperlichen Od, kundgeben
kann. Es gibt jedoch Hellseher, die
gleichzeitig ‘Trancemedien‘ sind, sei es nun ‘Teiltrancemedien‘ oder
‘Tieftrancemedien‘. Daß die Geisterwelt bei der
Ausbildung oder Zubereitung der Medien eine vielseitige und schwierige Arbeit
zu leisten hat, wirst du verstehen können. Du vermagst dir freilich keine
Vorstellung zu machen, wie kostspielig - um mich menschlich auszudrücken -
die Ausbildung eines Mediums für die Geisterwelt ist. Wieviele geistige
Kraftströme müssen dabei verwendet, kostbare geistige Medikamente und
sonstige Mittel gebraucht werden! Es sind geistige Operationen nötig, die oft
viel größer und schwerer sind als die Operationen, die eure Ärzte an
irdischen Körpern vornehmen. Manche Medien haben innere Fehler, die zuerst
geheilt werden müssen, bevor die Ausbildung zum Medium ihren Anfang nehmen
kann. Wie eure Ärzte bei ihren
Operationen und Heilungen die mannigfachsten Instrumente und medizinischen
Mittel haben, so auch wir. Es ist ja bei uns alles in derselben Weise geistig
vorhanden, wie bei euch materiell. Selbstverständlich werden wir Geister
nicht krank und benötigen keine Operationen und Heilungen. Wir verwenden
unsere reichen Kenntnisse und Mittel nur für die materielle Schöpfung zur
Heilung von Menschen und Tieren und zur Ausbildung der Medien zum Zweck des
Geisterverkehrs. Wir haben dazu unsere Spezialisten auf allen Gebieten. Auch
auf dem Gebiet der Ausbildung der Medien. Wir haben Chefärzte, Assistenten
und Hilfspersonal der verschiedensten Art. Wir haben eine große Auswahl an
geistigen Instrumenten, geistigen Betäubungsmitteln, Stärkungsmitteln und
Medizinen. Das alles kommt bei der Ausbildung
der Medien zur Anwendung. Groß ist daher auch die Zahl der Geister, die bei
der Ausbildung eines dem Guten dienenden Mediums in Tätigkeit treten. Wie bei
denen, die bei einer irdischen Operation mithelfen, ein jeder eine ganz
bestimmte Aufgabe zu erfüllen hat, so muß auch von den bei der Ausbildung der
Medien mitwirkenden Geistern ein jeder die ihm zugeteilte Arbeit verrichten.
Das alles ist wunderbar geordnet. Eure in der Ausbildung begriffenen Medien
sind daher stets in guten Händen, wenn sie sich den guten Geistern zur
Verfügung stellen, das Böse von sich abweisen und alles mit Gott tun. Es braucht sich deshalb auch
niemand zu ängstigen, wenn er die Vorgänge bei den Medien, vor allem den
Tieftrancemedien, während der Ausbildung sieht. Es geht alles nach bestimmten
Gesetzen, und die guten Geister sind eure besten Freunde. Bei ihnen habt ihr
nichts zu befürchten. Die Ausbildung der Medien erfolgt
am schnellsten in den sogenannten ‘spiritistischen Sitzungen‘. Darum möchte
ich, wegen der großen Wichtigkeit der medialen Ausbildung, ausführlicher
schildern, wie diese ‘Sitzungen‘ zu halten sind. Gleichzeitig werde ich dir
die Gründe für die Einzelheiten angeben, die dabei beobachtet werden sollen.
Auch werde ich dir Aufklärung geben über die bei diesen Versammlungen zutage
tretenden Vorgänge in der Ausbildung der Medien. Haben sich einige Wahrheit und Gott
suchende Menschen entschlossen, gemeinsam die Verbindung mit der guten
Geisterwelt zu erlangen, so sollen sie sich zunächst über den Ort einigen, an
dem sie regelmäßig zusammenkommen. Es ist ein Raum zu wählen, in dem sie frei
von jeder Störung sind. Ihr wollt ja auch bei wichtigen irdischen Arbeiten
nicht gestört sein. Das gilt um so mehr, wenn es sich darum handelt, ein rein
geistiges Band zu knüpfen, das durch irdische Störungen in viel höheren
Graden beeinflußt wird, als jede weltliche Arbeit. Die beste Zeit für die
Zusammenkünfte sind die Abendstunden nach 8 Uhr. Dann ist die Tagesarbeit mit
ihren irdischen Sorgen und Gedanken vorbei, und man kann sich in Ruhe der
inneren Sammlung widmen. Mehr als zweimal in der Woche
sollen die ‘Sitzungen‘ im allgemeinen nicht stattfinden. Der Raum soll vor Beginn der
Sitzung gut durchlüftet und von Dunst, Tabaksrauch und schlechter Luft
freigemacht werden. Denn die Odkraft der Teilnehmer wird durch verdorbene
Luft sehr beeinträchtigt, und die für die Geisterwelt so notwendige
Odstrahlung gehemmt. Zum Zwecke der Frischhaltung der
Luft stellt man in den Raum eine große Schale mit frischem Wasser. Dies saugt
die während der Sitzung sich ansammelnde verbrauchte Luft zum Teil auf. Auf den Tisch, um den sich die
Teilnehmer setzen, legt man für jeden einige Blätter Schreibpapier und einen
weichen Bleistift. Kurz vor Beginn der Sitzung sollen
sich die Anwesenden nicht mehr über materielle Dinge unterhalten, sondern
sich sammeln und die Gedanken an das rein Irdische ausschalten. Es ist ja ein
Gottesdienst, den sie beginnen wollen. Die Plätze, die man das erstemal
wählt, soll man auch später beibehalten, weil die Odströmung, die bei den
einzelnen verschieden ist, nach und nach zu einem gewissen Ausgleich gebracht
werden muß. Aus demselben Grunde sollen sich die Anwesenden nach den
Geschlechtern so verteilen, daß eine männliche Person neben eine weibliche zu
sitzen kommt. Denn das männlich Od ist in der Hauptsache positiv, das
weibliche negativ. Beide gleichen sich am besten aus. Doch ist diese
Reihenfolge der Plätze nicht unbedingt notwendig, sondern bedeutet bloß eine
Erleichterung des Odausgleiches zu einem wirkungsvollen Odstrom. Eine
Änderung der einmal gewählten Plätze soll nur dann vorgenommen werden, wenn
eine diesbezügliche Mitteilung von Seiten der Geisterwelt durch ein
ausgebildetes oder in der Ausbildung begriffenes Medium dies anordnet. Ist ein Musikinstrument (Klavier
oder Harmonium) in dem Versammlungsraum, so beginnt man am besten mit einem
religiösen Lied, das unter Begleitung des Musikinstrumentes gesungen wird.
Als Ersatz dafür dient auch das Abspielen einer Grammophonplatte mit einem
religiösen Hymnus oder einem anderen ernsten Lied. Das Singen und Spielen
eines schönen Liedes trägt Harmonie und Weihe in die Herzen der Teilnehmer
und lenkt ihre Gedanken auf das Höhere. Auch ist es ein kräftiges
Abwehrmittel gegen die Einflüsse der bösen Geisterwelt, die sich in die
Versammlung hindernd und störend einzudrängen sucht. Denn das Böse ist
Disharmonie und fühlt sich dort nicht wohl, wo Harmonie guter Gedanken und
Gesinnungen in Wort und Lied zum Ausdruck kommt. Darum wich ja auch nach dem
Bericht der Bibel der böse Geist von Saul, sobald David die Harfe vor Saul
spielte und die schönen Gotteslieder dazu sang. Nach dem Lied spricht einer der
Anwesenden ein einfaches, schlichtes Gebet mit seinen eigenen Worten. Sollte
er zu schüchtern sein, das Gebet frei vorzutragen, so mag er es vorher
aufschreiben und andächtig vorlesen. Jeder der Teilnehmer sollte an die Reihe
kommen, das Gebet zu sprechen. Nach dem Gebet lese einer aus der Bibel des
Alten oder Neuen Testamentes einen Abschnitt vor, und die Anwesenden
besprechen das Gelesene. Lied, Lesung und Besprechung des Gelesenen soll
zusammen ungefähr eine halbe Stunde dauern. Ist die Besprechung beendet, so
reichen sich die Teilnehmer bei möglichst abgeblendetem Licht die Hände,
indem die rechte Hand des einen über die linke Hand des Nachbarn faßt. Man
nennt dies heute ‘Kette‘ bilden. Das ist notwendig, um die Odkraft der
einzelnen zu einem geschlossenen Odstrom zu vereinigen; wie ja auch
Einzeldrähte, durch die ein Strom geleitet werden soll, zusammengefügt werden
müssen, wenn man eine Wirkung des Stromes erzielen will. Man darf nie
vergessen, daß von der Stärke des Odstromes das Wirken der Geisterwelt in den
Sitzungen abhängt. Die Abblendung des Lichtes ist der Odwirkung sehr
förderlich. Das ‘Kettebilden‘ hat auch eine
hohe symbolische Bedeutung. Denn so, wie die Anwesenden durch das
Händereichen äußerlich zu einer Einheit verbunden werden, so sollen sie auch
untereinander ein Herz und eine Seele sein. Sie sollen einander lieben, sich
gegenseitig helfen, einer des anderen Fehler verzeihen und alles aus dem
Herzen entfernen, was die innere Harmonie stören könnte. Aus den angegebenen Gründen
reichten sich auch die ersten Christen in ihren gottesdienstlichen
Versammlungen in derselben Weise die Hände. Sie bekundeten damit die Einheit
der Gesinnung, erstrebten aber vor allem die Erzeugung eines starken
Odstromes, um die Kundgebungen der guten Geisterwelt zu ermöglichen. Ungefähr 12 bis 15 Minuten mag die
‘Kette‘ dauern. Während dieser Zeit soll ein jeder sich bemühen, gesammelt zu
bleiben, alle weltlichen Gedanken abzuwehren und an das Gute zu denken. Zu
diesem Zweck kann er Einkehr in sich selbst halten, über sein bisheriges
Leben, seine Fehler, sein Verhalten gegen Gott und seine Mitmenschen, seine
Unterlassungen des Guten und dergleichen nachdenken, entsprechende Vorsätze
fassen, Gott um Verzeihung und um Kraft bitten, das Böse zu meiden. Er soll
Gott danken für die empfangenen Wohltaten, ihn loben und preisen und in
andächtigem Gebet die Verbindung mit der guten Geisterwelt von ihm erflehen.
Alles, was seiner Seele Nutzen bringen kann, mag er zum Gegenstand seiner
Betrachtung und seines Gebetes machen. Ist die hierfür bestimmte Zeit
vorüber, so löst der Leiter der Versammlung die ‘Kette‘. Jeder nimmt nun den
vor ihm liegenden Bleistift in die Hand und legt sie leicht auf das bereitliegende
Schreibpapier. Dabei soll er den Willen haben, nicht aus eigenem Antrieb zu
schreiben, doch auch die Hand so lose halten, daß sie jeder Bewegung
nachgibt, die von der Geisterwelt ausgehen sollte. In den ersten Sitzungen ist die zur
Verfügung stehende Odkraft gewöhnlich noch sehr schwach. Die anwesenden
Geister vermögen daher noch keinerlei Wirkung hervorzubringen. Auch sind die
Hemmnisse bei den Teilnehmern noch sehr groß. Es ist ihnen alles noch zu neu.
Die innere Sammlung füllt ihnen schwer, und sie sind zu sehr auf das
gespannt, was etwa kommen könnte. Gerade die Spannung ist das größte
Hindernis für die Odabgabe, worauf ich gleich noch zu sprechen komme. Im
übrigen gleichen die Teilnehmer noch zu sehr einem ungebrauchten Magneten,
der erst durch öftere Benutzung zur Kraftentfaltung gebracht werden muß. Doch kommt es nicht selten vor, daß
mancher Teilnehmer in seiner medialen Entwicklung viel weiter ist, als er
selbst wußte. In diesem Falle können sich schon bei der ersten Sitzung
Einwirkungen von Seiten der Geisterwelt zeigen. Vielleicht stellt sich ein
Ziehen oder auch ein Steifwerden der Hand ein, die den Bleistift hält, und
sie beginnt sich zu bewegen. Dieser Einwirkung darf man nicht den geringsten
Widerstand entgegensetzen, sondern soll der Bewegung der Hand nachgeben.
Zunächst werden vielleicht durch einige Sitzungen hindurch nur Striche,
Bogen, Kreise oder sonstige Schreibübungen mit dem Bleistift von Seiten der
Geisterwelt ausgeführt, bevor ein Buchstabe, Wort oder Satz zustandekommt.
Das rührt daher, daß die von den Anwesenden abgegebene Odkraft noch nicht
stark genug ist, vor allem die Odkraft des werdenden Schreibmediums sich noch
im Anfangsstadium befindet. Durch die Schreibübungen wird sie immer mehr
gestärkt. Zeigen sich in dieser oder anderer Weise die ersten Einwirkungen
der Geistwesen, dann wird das große Hemmnis besonders fühlbar, das durch die
Spannung der Anwesenden entsteht. Sie schauen gewöhnlich neugierig und mit
größter Aufmerksamkeit auf das, was sich bei dem anderen Teilnehmer zeigt.
Spannende Erwartung hält aber bei jedem Menschen die Odkraft zurück, so wie
ein gespannt Horchender unwillkürlich auch seinen Atem anhält. Dadurch wird
der Odstrom verringert und die Arbeit der Geistwesen erschwert. Denn auch der
beste Maschinist ist einer Maschine gegenüber hilflos, wenn der Kraftstrom
abgestellt oder bedeutend vermindert wird. Dieselbe ungünstige Wirkung, wie
sie die geistige Spannung auf die Odströmung ausübt, haben auch die Gefühle
der Furcht, des Schreckens, des Mißtrauens, des Zweifels und jeder inneren
Gegensätzlichkeit. Wer mit derartigen Gefühlen und Empfindungen an diesen
Versammlungen teilnimmt, gibt nicht bloß selbst keine Odkraft ab, sondern
stört und unterbricht auch den Odstrom der anderen. Darum fühlen die Medien es
sofort, wenn unter den Teilnehmern sich jemand befindet, der als ein
Fremdkörper stromausschaltend wirkt. Und sie haben Recht, wenn sie die
Entfernung eines solchen Teilnehmers verlangen, bis er sich innerlich anders
eingestellt hat. Sobald daher bei den spiritistischen
Zusammenkünften das harmonische Zusammenklingen der Gefühle und Gesinnungen
fehlt, kann eine einheitliche Odströmung nicht zustandekommen, und ist der
Erfolg ganz oder teilweise in Frage gestellt. Das ist auch der Grund, weshalb
wissenschaftliche Kommissionen, die mit Medien experimentieren, in vielen
Fällen wenig oder keinen Erfolg haben. Die Medien, die doch die Kraftquellen
für die Kundgebungen der Geistwesen bilden, fühlen sich beängstigt,
eingeschüchtert, mit Mißtrauen umgeben. Sie merken auf Schritt und Tritt, wie
man sie des Betruges fähig hält und an die Sache selbst nicht glaubt. Durch
solche Gefühle muß bei den Medien die Kraftabgabe bedeutend vermindert, wenn
nicht ganz unmöglich gemacht werden. Das ist ein Naturgesetz, und zwar
dasselbe Naturgesetz, demzufolge bei einem von Angst befallenen das Blut sich
aus den Wangen nach innen zieht, so daß er erbleicht. Das Blut wird nämlich
durch das sich nach innen konzentrierende Od ebenfalls nach dem Herzen
gezogen. Es folgt nach einem Naturgesetz der Kraft des Od, weil es der Leiter
des Od im Körper ist. Wie falsch wird daher auch von
eurer Wissenschaft so oft das Versagen der Medien gedeutet! Sie sollte doch
einmal gründlich die Hemmnisse studieren, die so manches mal den Medien als
den Kraftquellen der Geisterwelt in den Weg gestellt werden und zwar gerade
von euren Wissenschaftlern, und sie sollte die Hemmnisse beseitigen; dann
würden auch die Kundgebungen der Geistwesen zur Zufriedenheit ausfallen. Zwar beteiligt sich die gute
Geisterwelt nur in den seltensten Fällen an Kundgebungen, die nicht
ausschließlich dem Guten, sondern nur rein wissenschaftlichen Zwecken oder
gar bloß der Neugierde dienen. Das ist das Gebiet, auf dem die niedere
Geisterwelt sich mit Eifer betätigt und leider nur allzu oft nicht geringes
Unheil anrichtet. Es ist den Teilnehmern guter
spiritistischer Zusammenkünfte immer von neuem einzuschärfen, daß sie jeden
Zweifel und jedes Mißtrauen aus ihrem Herzen bannen und ohne Spannung in
Geduld abwarten, was kommen wird. Wird ein Sitzungsteilnehmer
innerlich gedrängt, einen Gedanken, der ihm eingegeben wird,
niederzuschreiben, so soll er es tun. Nach und nach wird er lernen, die
inspirierten Gedanken von den eigenen zu unterscheiden. Die von der
Geisterwelt eingegebenen Gedanken drängen sich nämlich, wenn ihr eure eigenen
Gedanken auszuschalten sucht, immer wieder mit Schärfe auf, und wenn ihr sie
ausschlagt, kommen sie immer wieder. Fühlt einer der Anwesenden eine
gewisse Betäubung des Kopfes oder eine auffallende Schwere der Glieder, wird
ihm der Kopf hin und her gedreht oder sein Körper von einer ihm
unerklärlichen Bewegung ergriffen, so ist das ein Zeichen, daß die
Geisterwelt an ihm arbeitet. Am meisten wird der Körper derjenigen in
Mitleidenschaft gezogen, die ‘Tieftrancemedien‘ werden. Das Hin- und
Herbewegen, das Auf- und Abzerren des Körpers hängt mit dem Lösen des Geistes
des werdenden Mediums vom Körper und dem körperlichen Od zusammen. Die mit
der Lösung des Geistes verbundenen körperlichen Erscheinungen sind oft für
den Zuschauer beängstigend. Es ist ja eine Art Todeskampf, wenn auch ohne
Schmerzen für das Medium. Ein Grund zu irgendeiner Befürchtung besteht jedoch
nicht. Es vollzieht sich alles nach bestimmten Gesetzen. Die schwierigste Zeit für die in
der Ausbildung begriffenen Tieftrancemedien ist die Zeit der sogenannten
‘Halbtrance‘ oder ‘Teiltrance‘. Der eigene Geist ist noch nicht ganz aus dem
Körper gelöst und entfernt, und ein fremdes Geistwesen benutzt schon den
Körper des Mediums für seine Kundgebungen. Der noch anwesende Geist des
Mediums hört die von dem fremden Geist durch das Medium gesprochenen Worte.
Das Medium kommt dadurch leicht zu der Annahme, es seien seine eigenen Worte
und Gedanken, die zum Ausdruck gebracht würden. So kommt es leicht in Gefahr,
an der Sache selbst irre zu werden und die Kundgebungen als Selbsttäuschung
zu betrachten. Auch mischt sich in diesem Stadium der Ausbildung der eigene
Geist des Mediums leicht in die Kundgebungen des fremden Geistes ein und ruft
dadurch berechtigte Zweifel der Teilnehmer hervor. Es könnte darum auf den ersten
Blick scheinen, als ob der fremde Geist besser daran täte, mit seinen
Kundgebungen zu warten, bis das Medium ganz ausgebildet sei, damit derartige
Unannehmlichkeiten vermieden würden. Allein die Gründe, die das fremde
Geistwesen veranlassen, schon bei ‘Teiltrance‘ des Mediums seine Kundgebungen
zu machen, sind so wichtiger Natur, daß es lieber die geschilderten
Unzuträglichkeiten in Kauf nimmt, als daß es die Kundgebungen bis zur vollen
Ausbildung des Mediums verschiebt. Denn gerade in der ersten Zeit, wo ein
ausgebildetes Medium den Teilnehmern nicht zur Verfügung steht, sind diese
über so viele Punkte zu belehren und aufzuklären, daß diese Unterweisungen
nicht gut auf später verschoben werden können. Von den Belehrungen hängt
gerade am Anfang für die Teilnehmer so viel an innerem Nutzen ab, daß die
unvollkommene Art der Kundgebungen als ein viel geringeres Übel betrachtet
werden muß als das vollständige Unterlassen der Belehrung. Die Zeit des Überganges aus dem
Stadium der ‘Teiltrance‘ in das der ‘Tieftrance‘ dauert gewöhnlich nicht
allzu lange, wenn das Medium sich Mühe gibt, innerlich voranzukommen und
seine menschlichen Fehler zu verringern. Sobald ‘Volltrance‘ eintritt, weiß
das Medium nichts von dem, was das fremde Geistwesen spricht oder tut. Die größten Hemmnisse und
Schwierigkeiten bereitet die böse Geisterwelt allen denen, die im guten Sinne
den Verkehr mit dem Jenseits suchen. Denn das Böse will auch hier, wie
überall, das Gute verhindern. Es läßt kein Mittel unversucht, die Teilnehmer
von dieser Sache abzubringen. Es beginnt damit, ihnen und vor allem den
werdenden Medien den Gedanken einzugeben, es sei alles Selbsttäuschung,
Autosuggestion oder Hypnose. Sie möchten sich doch nicht mit solchen Dingen
befassen, durch die sie sich dem Spotte der Menschen aussetzen. Die Bösen haben schon viel
erreicht, wenn sie dadurch bei dem einen oder anderen ernste Zweifel an der
Wahrheit, Echtheit und Güte der Sache wachgerufen haben. Dazu benutzen sie
oft auch die nichtigsten äußeren Vorwände, besonders kleine Irrtümer und
Fehler, die überall mit unterlaufen, wo schwache Menschen sind. Bei solchen, die sich in der
Ausbildung zum Hellsehen befinden, bemüht sich die böse Geisterwelt, sie
durch Schreckgestalten, Teufelsfratzen oder sonstige Gebilde scheußlichster
Art in Angst zu versetzen, um sie dadurch dazu zu bringen, auf eine
Fortsetzung ihrer Ausbildung zu verzichten und die Sache aufzugeben. Natürlicherweise bleiben,
diejenigen, die sich dem niedrigen Spiritismus widmen, von diesen
Anfechtungen verschont. Das ist leicht erklärlich. Denn der niedrige
Spiritismus ist die Verbindung mit dem Bösen, und darum hat das Böse keine
Veranlassung, den Menschen davon zurückzuhalten. Die Zeit der Einwirkung der Bösen
ist die Prüfungszeit für die Teilnehmer, vor allem für die Medien. Jeder wird
in besonderer Weise geprüft und zwar an seiner schwächsten Stelle. Nur wer
die Prüfungen besteht, erhält die medialen Gaben. Wer unterliegt, wird bald
die Sache aufgeben oder verfällt ganz dem Einfluß der bösen Geisterwelt.
Darum soll jeder um Beistand und Kraft bitten, damit er den Versuchungen der
Bösen erfolgreich widersteht. Was die Dauer der Sitzungen
betrifft, so soll man sie nicht allzusehr ausdehnen. Eine Stunde wird in der Regel
genügen. Sobald die Geister sich durch Medien kundgeben, wird gewöhnlich von
ihnen bestimmt, wann Schluß gemacht werden soll. Denn Gott ist ein Gott der
Ordnung, und auch seine Geister sind Geister der Ordnung. Das tritt in den
Sitzungen, die unter dem Schutze Gottes gehalten werden, in so wunderbarer
Weise auch dadurch in Erscheinung, daß stets ein Kontrollgeist anwesend ist,
der alles leitet. Er bestimmt, was die Teilnehmer zur Erleichterung der
Ausbildung der Medien zu tun haben; er sagt ihnen, wie sie an ihrem eigenen
inneren Vorankommen arbeiten sollen, welche Fehler sie abzulegen und welche
Tugenden sie sich anzueignen haben. Er bestimmt oft die Lesungen aus der
Heiligen Schrift zu Beginn der Sitzungen, ändert manchmal auch die Plätze der
Teilnehmer, je nachdem es für die Erhöhung der Odkraft dienlicher ist. Er
bestimmt ferner, welche Geister bei den Medien zugelassen werden, welcher Art
ihre Kundgebung ist und wie lange sie in dem Medium bleiben dürfen. Er läßt
auch böse Geister durch die Medien zu, damit die Anwesenden diese Geistwesen
in ihrer Gesinnung und ihrem Tun kennenlernen und daraus die praktische
Erfahrung sammeln, wie sie sich solchen Geistwesen gegenüber zu verhalten
haben. Mit Vorliebe läßt er schwer leidende Geister, die ziemlich guten
Willens sind, in die Medien eintreten, um diesen Geistern die Möglichkeit zu
geben, von den Anwesenden belehrt und auf Gott hingewiesen zu werden. Es ist
ein großes Werk der Nächstenliebe, das auf diese Weise die Teilnehmer an
solchen Sitzungen ihren leidenden Geschwistern im Jenseits erweisen können.
Manchmal erklärt der Kontrollgeist nachher den Zweck, weshalb die
verschiedenen Geister zugelassen wurden. Der Kontrollgeist kommt bei jeder
Sitzung als erster mit einem auf Gott hinweisenden Gruß. Er ist der geistige
Führer der Teilnehmer, ermahnt sie, warnt sie, tadelt sie, belehrt sie.
Besonders eindringlich weist er, sowohl während der Zeit der Ausbildung der
Medien, als auch später darauf hin, daß sie im Glauben an Gott und im
Vertrauen auf ihn stets wachsen und fester werden müßten. Je näher der Mensch innerlich
seinem Gott kommt, um so größer ist seine Teilnahme an der von Gott kommenden
Kraft. Um so größer und wunderbarer sind aber auch die Gaben, die er von Gott
zum Nutzen seiner Mitmenschen erhält. Darum ist das Ziel einer jeden Sitzung,
in der Gottes Geister verkehren: ‘Näher, mein Gott, zu dir!“ Am Anfang der Ausbildung der
Medien, wenn die ersten schriftlichen Kundgebungen aus dem Jenseits erfolgen,
sind es gewöhnlich eure verstorbenen Angehörigen und Freunde, welche die
Erlaubnis erhalten, mit euch in Verbindung zu treten, vorausgesetzt, daß sie
selbst im Jenseits auf dem Wege zu Gott sind und nicht zu den bösen Geistern
gehören. Auch sie ermahnen euch inständig zum Glauben an Gott und sagen euch
immer wieder, daß ihr bei eurem Verkehr mit den guten Geistern auf dem
rechten Wege seid. Sie drücken dabei oft ihr tiefes Bedauern aus, daß sie bei
ihren Lebzeiten nicht auf diesen Weg aufmerksam gemacht worden sind. Im
Verlauf der weiteren Ausbildung treten die verstorbenen Angehörigen und
Freunde mit ihren Kundgebungen vollständig zurück und hohe Geistwesen geben
sich kund. Die Voraussetzung muß jedoch erfüllt sein, daß die Teilnehmer
innerlich an sich arbeiten und guten Willens sind. Ist bei einem Teilnehmer
der gute Wille nicht oder nicht mehr vorhanden und bleiben wiederholte
Ermahnungen der guten Geister bei ihm fruchtlos, so wird er auf Anordnung des
‘Kontrollgeistes‘ von den Zusammenkünften ausgeschlossen. Das ist deswegen
notwendig, weil er selbst nicht weiterkommt und für die anderen ein großes
Hemmnis bedeutet. Denn an ihn heften sich die bösen Geistwesen. Sie folgen
ihm in die Sitzungen und üben ihren schlechten Einfluß in der mannigfachsten
Weise auch auf die anderen Teilnehmer aus; ferner wird die Odkraft durch die
Disharmonie, die er infolge seiner inneren Einstellung in die Gemeinschaft
trägt, nachteilig beeinflußt. Alle Zusammenkünfte zum Zwecke der
Verbindung mit der Geisterwelt, in denen nicht ein Geist Gottes die Aufsicht
führt, gehören nicht zu den gottgewollten. Mögen sie auch den rein
äußerlichen Anstrich eines ‘Gottesdienstes‘ an sich tragen, so ist doch die
ganze Richtung, in der sich der Geisterverkehr dann bewegt, nicht die
Richtung zu Gott. Es ist nicht ein Läutern und Höherführen des inneren
Menschen. Wo die von Gott gesetzte ‘Kontrolle‘ fehlt, da ist kein Platz für
die Geister, die zum Dienst derer bestimmt sind, die das Heil erwarten
sollen. Das Seelenheil der Teilnehmer ist der einzige Zweck der
spiritistischen Versammlungen. Wenn daher in so vielen sogenannten
‘spiritistischen Kirchen‘ der heutigen Zeit der Verlauf der Zusammenkünfte
auch mit Gebet und religiösen Liedern umrahmt ist, so ist doch die Hauptsache
dessen, was darin vor sich geht, von dem Göttlichen weit entfernt. Die als Leiter oder Mitarbeiter in
diesen Kirchen tätigen Personen besitzen gewöhnlich die Gaben des Hellsehens,
Hellhörens und Hellempfindens. Dadurch ist es ihnen möglich, mit den Geistern
in Verbindung zu kommen, die sich in Begleitung der Versammlungsteilnehmer
befinden. Die Odstrahlung dieser Geistwesen kommt in Fühlung mit der
Odstrahlung der medialen Diener und Dienerinnen jener Kirchen. Sie vermittelt
ihnen nicht bloß die Persönlichkeitsbilder der anwesenden Geister und ihr
Verhältnis zu den Personen, in deren Begleitung sie sich befinden, sondern
ermöglicht ihnen auch, die Botschaften zu vernehmen, welche die Geistwesen im
Interesse ihrer irdischen Freunde kundtun. Die Erteilung der
Geisterbotschaften, die sich fast nur auf die menschlichen Schicksale und
Sorgen und das materielle Fortkommen beziehen, bildet die Hauptsache bei
diesen kirchlichen Versammlungen. Sie ist auch bei den meisten Teilnehmern
der einzige Zweck, weshalb sie kommen. Sie betrachten diese Kirchen als
Auskunftsstellen, bei denen man gegen Entrichtung eines Eintrittsgeldes von
den Geistern verstorbener Angehöriger oder Freunde durch Vermittlung der
hellsehenden Kirchendiener über sein irdisches Schicksal etwas hören möchte.
Darum sind die Leiter jener Kirchen auch darauf bedacht, daß kein Besucher
ohne eine solche ‘Botschaft‘ die Versammlung verläßt. Da die Geister Gottes bei so
gearteten Zusammenkünften fehlen und infolgedessen auch keine Kontrolle
führen, so hat die niedere Geisterwelt freies Spiel. Sind es auch nicht
gerade böse Geister, die kommen und gehen, so handelt es sich doch um einen
Geisterverkehr, der den Menschen nicht viel seelischen Nutzen bringen kann. Kommt nun noch dazu, daß in solchen
Kirchen Hellseher auftreten, die zugleich ‘Teiltrancemedien‘ sind, dann
gleichen diese einem offenen Fenster, durch das die niedere Geisterwelt nach
Belieben einsteigen kann. Es ist ja kein Kontrollgeist da, der es ihnen wehrt
und Ordnung hält. Und so wirbeln die Geisterkundgebungen in einer Weise
durcheinander, die abstoßend wirken muß. Dadurch erleidet der gute und
gottgewollte Geisterverkehr in der Beurteilung der in diesen Dingen meistens
ganz unerfahrenen Menschen nicht geringen Schaden. Denn wegen der ‘religiösen
Aufmachung‘ jener kirchlichen Versammlungen wird der Eindruck erweckt, als
sei das, was da vor sich geht, der gottgewollte Spiritismus. Die Leiter solcher Kirchen tragen
daher vor Gott eine schwere Verantwortung für das, was bei diesen
Zusammenkünften geschieht. Sie haben die Pflicht, die ihnen verliehenen Gaben
uneigennützig und ohne menschliche Rücksichten ganz in den Dienst Gottes zu
stellen. Sie müssen um eine ‘Geisterkontrolle‘ beten, die ihnen gern gewährt
wird. Ihr müssen sie dann aber auch in allem Gehorsam leisten. Tun sie dies,
dann werden die Versammlungen zu einem wirklichen Gottesdienst werden und zur
Erbauung und zum seelischen Nutzen der Teilnehmer gereichen. Denn dann tritt
die hohe Geisterwelt Gottes in Tätigkeit, und die niederen Geister sind
ausgeschaltet. Wenn die Versammlungen so gehalten
werden, wie ich dich eben belehrt habe, dann werden sie euch großen Segen,
viel Freude und wahren Herzensfrieden vermitteln. Jede Sitzung wird geschlossen mit
einem kurzen Dankgebet, das der Sitzungsleiter spricht und - wo möglich - mit
einem Lied. Der spiritistische
Einzelgottesdienst Die Ausbildung eines Mediums und
die sonstige Verbindung mit der guten Geisterwelt ist aber nicht an solche
‘gemeinschaftliche Sitzungen‘ gebunden. Der einzelne kann auch für sich
allein entweder täglich oder öfters in der Woche eine bestimmte Zeit,
vielleicht eine halbe Stunde oder auch weniger, zur inneren Sammlung
verwenden. Er verfährt dabei in derselben Weise, wie ich es dir für die
gemeinschaftlichen Sitzungen geschildert habe. Er beginnt mit einem kurzen
Gebet, hält eine Lesung aus der Heiligen Schrift und denkt über das Gelesene
nach. Darauf hält er, wie vorhin angegeben, seine Hand mit einem Bleistift
auf ein vor ihm liegendes Blatt Schreibpapier und verhält sich abwartend ohne
irgendwelche geistige Spannung. Wird er zur Niederschrift von Gedanken
gedrängt, die mit großer Bestimmtheit ihm inspiriert werden, so schreibe er
sie nieder. Wird seine Hand durch eine fremde Kraft in Bewegung gesetzt, so
gebe er nach. Ist die Zeit vorüber, die er für diesen
Privatgottesdienst bestimmt hatte, so schließe er mit Gebet. Er kann
versichert sein, daß die gute Geisterwelt vom ersten Augenblick an, wo er
ihre Verbindung sucht, bei ihm zu arbeiten beginnt und die Vorbedingungen
schafft, die für dies Verbindung erforderlich sind. Ja, diese Arbeit beginnt
schon dann, wenn ein Mensch in seinen Gedanken sich ernstlich mit dieser
Sache beschäftigt. Oft stellt sich bei medial veranlagten Personen ein ihnen
unerklärliches Gefühl ein, sobald sie nur einer ernsten Unterhaltung über die
Geisterwelt und ihre Verbindung mit den Menschen beiwohnen. Dieses Gefühl rührt daher, daß die
Geister des Jenseits, von denen einige beständig um euch sind, sie jetzt
schon zu beeinflussen beginnen, weil sie infolge ihrer medialen Veranlagung
für die Odeinwirkung der Geisterwelt sehr empfänglich sind. Bevor ein Mensch
jedoch etwas von der Möglichkeit einer Verbindung mit der Geisterwelt weiß,
wäre es zwecklos, wenn die ihn umgebenden Geistwesen mit den vorbereitenden
Arbeiten an ihm beginnen wollten. Es wäre nicht bloß zwecklos, sondern könnte
auch sehr unangenehme irdische Folgen haben. Denn weder er noch seine
Angehörigen vermöchten die bei ihm einsetzenden medialen Vorgänge zu
verstehen. Man würde ihn für nervenkrank halten, ihn in ärztliche Behandlung
geben oder in eine Heilanstalt bringen. Die gute Geisterwelt beginnt daher
erst dann mit ihrer Arbeit, wenn sie Aussicht auf Erfolg hat, sonst nicht. In welchem Falle ist der
Spiritismus schädlich? Im Anschluß an diese Belehrungen
möchte ich die Frage beantworten, die von vielen mit Recht gestellt wird. Sie
lautet: ‘Schadet der Spiritismus gesundheitlich den Medien oder den Personen,
die sich an spiritistischen Sitzungen beteiligen?‘ Auf diese Frage antworte ich mit
‘Nein‘ - und mit ‘Ja‘. Wenn ihr eine Sitzung, in der Geister verkehren, mit
Gott haltet und alles in seinem Namen tut, euch dem Schutze Gottes
unterstellt und ihn liebt und stets das Gute wollt, so wird euch diese
Verbindung mit der Geisterwelt nie schaden. Ihr werdet im Gegenteil dadurch
körperlich und seelisch gestärkt. Am meisten jedoch die Medien. Denn der
Schlaf, den ihr zur Stärkung braucht, haben die Medien, die in Tieftrance
fallen, während dieser Zeit nicht nötig. Aber nur, wenn ihr dem Guten dient
und böse Geister von euch weist. Solange die Medien im Trancezustand sind,
ruht ihr Körper und wird dadurch gekräftigt. Wenn wir guten Geister auch an
ihnen oder durch sie arbeiten, so schadet ihnen dies durchaus nicht. Sie
ruhen sich vielmehr, wie gesagt, körperlich aus und fühlen sich nach Schluß
der Sitzung wohler als vorher. Die Odkraft, die den Medien und Teilnehmern
einer Sitzung entzogen wird, ersetzt die gute Geisterwelt durch frisches Od.
Dazu kommt, daß bei Ausbildung der Medien innere Gebrechen des Mediums, die
den Trancezustand erschweren oder verhindern, zuerst durch Eingreifen der
guten Geisterwelt beseitigt werden, so daß der betreffende Mensch nach seiner
Ausbildung als ‘Tieftrancemedium‘ gesünder ist als vorher. Der Spiritismus schadet jedoch,
wenn ihr Gott dabei außer acht lasset, alles mit dem Bösen betreibt, euch
sogar an dem Bösen belustigt und das Gebet vergeßt. So verfällt ihr nach und
nach dem Bösen. Das ist nicht bloß deswegen so schlimm, weil ihr durch die
bösen Geister vom Weg der Wahrheit und rechten Erkenntnis weggelockt werdet,
sondern weil sie euch auch körperlich schwer schädigen. Denn die Odkraft, die
sie euch entziehen, wird von ihnen nicht mehr ersetzt. Infolgedessen wird vor
allem die Gesundheit der Medien, aber auch die der Teilnehmer, sehr geschwächt
und nach und nach vollständig zugrunde gerichtet. So ist ein Körnchen
Wahrheit in dem Volksglauben, daß derjenige sein Leben einsetzen müsse, der
mit dem Teufel ein Bündnis schließt. Denn seine Odkraft wird durch das Böse
nach und nach verbraucht, und sein irdischer Körper bleibt nicht mehr
lebensfähig. Viele Medien, die dem niederen Spiritismus dienen, erleiden eine
geistige und körperliche Zerrüttung. Manche enden im Irrenhaus oder begehen
Selbstmord. Gefahren und Schädigungen sind also
im Spiritismus nur dort vorhanden, wo man ihn nicht betreibt, um die
göttliche Wahrheit kennenzulernen und innerlich besser zu werden, sondern wo
man darin bloß seine Neugierde, seine Sucht nach außerordentlichen
Erlebnissen befriedigen, Auskünfte für sein materielles Fortkommen erhalten
oder rein wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen will. Warne daher deine Mitmenschen aufs
ernstlichste vor der Teilnahme an einem Geisterverkehr, der nicht höheren
Zwecken dient. Belehre sie über den guten, gottgewollten Spiritismus. Denn
diesen soll jeder Mensch betreiben. Er ist für ihn der einzige Weg zur
Wahrheit und der kürzeste Weg zu Gott. Auch der, welcher sich noch nicht
zum Gottesglauben durchgerungen hat, soll sich an dem guten Spiritismus
beteiligen, sofern er den ehrlichen Willen hat, die Wahrheit anzunehmen,
sobald sie ihm in überzeugender Weise geboten wird. Wahrheitssucher mit
solcher Gesinnung werden auf diesem Wege die Wahrheit und die Freiheit der
Kinder Gottes finden. Sie werden erkennen, worin wahre Religion in Wirklichkeit
besteht. Von ihnen gilt das Wort Christi: ‘Suchet und ihr werdet finden!‘ Die, welche noch nicht an Gott
glauben, sollen doch zu Gott, wenn auch nur bedingungsweise, beten. Sie mögen
das Gebet ihrem augenblicklichen Zustand anpassen. Folgendes Gebet kann jeder
Ungläubige sprechen, wenn er guten Willens und bereit ist, die Wahrheit
anzunehmen: ‘O Gott, wenn es wahr ist, daß du
existierst, so bitte ich dich von Herzen: Lehre mich dich erkennen! Zeige mir
die Wahrheit und führe mich den rechten Weg! - Amen.‘ Er wird sicher erhört werden. Denn
Gott erbarmt sich eines jeden, der guten Willen hat. Welcher religiösen
Gemeinschaft einer angehört, ist für die Beteiligung an guten spiritistischen
Zusammenkünften belanglos. _______ *
_______ Ich
habe von euren Söhnen manche als Propheten und von
euren Jünglingen manche als Gottgeweihte auftreten lassen. Amos2,11 Den Menschen der Jetztzeit
erscheint der Gedanke an die Möglichkeit des Verkehrs der Geister mit der
Menschenwelt als etwas Fremdes und Neues. Das kommt daher, daß ihr die Bibel
nur oberflächlich lest und über ihre Berichte nicht tiefer nachdenkt. Sonst
müßtet ihr euch doch bei dem, was darin mitgeteilt wird, einmal die Frage
vorlegen: ‘Wie geschah das alles? Wie ging das vor sich? Wie habe ich mir das
zu denken? Wie soll ich mir das erklären?‘ Wenn schon in den ersten
Abschnitten der Bibel davon die Rede ist, daß Gott mit den Menschen sprach,
daß er mit Adam und Eva, mit Kain und Abel, mit Abraham, Isaak und Jakob und
Mose redete, dann müßtet ihr als denkende Menschen wenigstens versuchen, euch
den Hergang klarzumachen. Diejenigen, zu denen die Geister Gottes damals
sprachen, waren doch Menschen wie ihr. Sie hatten ihre Sünden und Fehler
wie ihr. Die Naturgesetze ihres irdischen Daseins waren ebenfalls dieselben
wie damals. Und wenn ihr dann weiterlest, wie ein täglicher Verkehr zwischen
dem israelitischen Volke und dem jenseitigen Geisterreich bestand, wie jeder
Gott fragen konnte und Antwort erhielt, wie die Führer des Volkes nichts
unternahmen ohne Anweisung aus der guten Geisterwelt, dann muß euch euer
gesunder Menschenverstand sagen: Also ist eine Verbindung mit der Geisterwelt
möglich. Und wenn sie möglich ist und Jahrtausende hindurch von den Menschen
aufrechterhalten wurde, warum sollte dann die Menschheit von heute diese
Verbindung nicht mehr haben können? Ihr scheint allerdings zu glauben,
daß es bloß von der Geisterwelt abhänge, ob sie mit euch verkehrt oder nicht,
und daß sie aus sich allein und nach eigenem Belieben die Verbindung
herbeiführen könne, ohne daß ihr selbst dabei irgendwie mitzuwirken hättet.
Ihr denkt euch das wohl so, als ob die Geister jederzeit zu den Menschen auf
Besuch kommen könnten, und die Menschen brauchten ihnen bloß Zutritt zu
gewähren und hätten lediglich zuzuhören, was ihnen die Geisterwelt mitteilt.
Und da ihr heute von dem Geisterverkehr der früheren Zeit, der in der Bibel
eine so große Rolle spielt, nichts mehr merkt, so ist bei euch die Meinung
aufgekommen, das Jenseits habe den Verkehr mit dem Diesseits endgültig
eingestellt. Das ist ein bedauerlicher Irrtum. Die gute Geisterwelt sehnt
sich vielmehr auch heute danach, zu euch zu kommen und ist bereit, die Brücke
zu betreten, die vom Jenseits zum Diesseits führt. Aber ihr selbst müßt die
Brücke bauen helfen. Auch in den früheren Zeiten mußten von Seiten der
Menschen alle Vorbedingungen erfüllt werden, die den Verkehr der Geisterwelt
mit den Menschen ermöglichten. Die alten Völker kannten diese Vorbedingungen
und richteten sich danach. Heute meint ihr, wenn ihr die
Vorgänge in der Bibel lest, die als Begleiterscheinungen der
Geisterkundgebungen geschildert werden, das sei alles bloß äußere
Ausschmückung und habe mit dem Geisterverkehr selbst nichts zu tun. Glaubt
ihr wirklich, es sei bloß Spielerei gewesen und überflüssiges, äußeres Getue,
wenn der Engel des Herrn aus dem brennenden Dornbusch zu Mose und aus der
Wolkensäule zu den Israeliten sprach, so daß er auch ohne diese Odflamme und
Odsäule sich hätte verständlich machen können? Meint ihr vielleicht, Gott
habe einen Scherz gemacht, als er zu Mose sagte: ‘Ich will die Wolke noch
dichter machen, damit mich das ganze Volk hören kann, wenn ich mit dir
spreche‘? - Als ob er die Verstärkung des Schalles seiner Worte auch ohne
Verstärkung der Odwolke hätte erreichen können. - Oder seid ihr der Ansicht,
daß die gewaltige Wolke, die den Berg Sinai während des Donners und
Posaunenschalles einhüllte, bloß äußere Aufmachung war, so daß der Donner und
Posaunenschall auch ohne jenes Gewölk hätte hervorgebracht werden können? Und
wenn David den Priester Abjathar bittet, das Ephod mit dem Orakelschild zu
bringen, weil er Gott fragen wollte und Gott ihm antworten sollte‚ war da das
Orakelschild vielleicht auch nur Spielerei? - Oder waren die Flammen im
Dornbusch, Wolkensäule, Orakelschild und andere Dinge, die euch in der Bibel
bei dem Verkehr der Geisterwelt mit den Menschen begegnen, nicht vielmehr die
unbedingt notwendigen Leitungsdrähte, durch die das ‘Telefongespräch‘ aus dem
Jenseits nach dem Diesseits ermöglicht wurde? Sie bildeten in der Tat eine
Brücke, über die Gottes Geister zu jenen Menschen kamen. Ohne diese Brücke
wäre ihr Kommen unmöglich gewesen. Das Material, das die irdischen Geschöpfe
dazu lieferten, war die Odkraft, die beim brennenden Dornbusch in Gestalt
einer Flamme, bei der Wolkensäule in Gestalt einer Odwolke allein sichtbar in
Erscheinung trat, wie sie auch bei den vielen Geisterverkörperungen in jenen
Zeiten zur Bildung der materiellen Gestalt des Geistes erforderlich war.
Dieselbe Kraft mußte den Geistern in hinreichender Menge zur Verfügung
stehen, die bei dem Orakelschild die Buchstaben anzeigten, aus denen die
Sätze gebildet wurden, welche die Antworten des Jenseits enthielten. Die Quellen der Odkraft für den
Geisterverkehr in der Bibel bildeten, genau wie heute, die ‘Medien‘. In den
Schriften des Alten Testamentes lest ihr so viel von ‘Propheten‘ und
‘Prophetenschulen‘. Was denkt ihr euch darunter? Glaubt ihr vielleicht, daß
man in Schulen die Prophetengabe erlernen könne, wie man eine weltliche
Wissenschaft erlernt? Nach eurem heutigen Sprachgebrauch versteht ihr ja
unter einem ‘Propheten‘ einen Menschen, der die Zukunft voraussagen kann.
Danach müßtet ihr annehmen, daß man in den alten ‘Prophetenschulen‘ sich die
Fähigkeit erwerben konnte, zukünftige Dinge vorherzusagen. Das ist eine falsche Auffassung von
der Bedeutung der Worte ‘Prophet‘ und ‘Prophetenschulen‘ in der Bibel. Ein ‘Prophet‘ ist ein Mensch, aus
dem nicht der eigene Geist, sondern ein anderes Geistwesen spricht. In diesem
Sinne schreibt der Apostel Paulus von ‘Prophetengeistern‘ (1.Kor.14,32). -
Sind es Geister der Wahrheit, die sich durch die ‘Propheten‘ kundgeben, so
nennt man diese ‘wahre‘ oder ‘echte‘ Propheten. Sind es aber Geister der
Lüge, also böse Geister, so hat die Bibel dafür die Bezeichnung ‘falsche
Propheten‘. Was man in den biblischen Zeiten
‘Prophet‘ nannte, bezeichnet ihr heute als ‘Medium‘. Auf den Sprachgebrauch
kommt es nicht an, sondern auf die Sache selbst. Alle großen Persönlichkeiten
des Alten und des Neuen Testamentes waren große ‘Medien‘. Werden auch ihre
medialen Zustände, in denen sie ihre Odkraft an die Geisterwelt abgaben,
nicht ausführlich in den Heiligen Schriften geschildert, so sind sie doch
nicht selten in den Berichten wenigstens angedeutet. Abraham war Medium. Auf seine
Trancezustände, die bei seinem Verkehr mit dem Jenseits zum Zweck der
Odabgabe eintraten, wird an einer Stelle klar hingewiesen: ‘Als nun die
Sonne untergehen wollte, da fiel ein tiefer Schlaf auf Abraham und zugleich
stellte sich eine Beängstigung und tiefe Finsternis bei ihm ein ... Als dann
die Sonne untergegangen war und es ganz finster wurde, da war es wie ein
rauchender Ofen und wie eine Feuerfackel, was zwischen jenen Fleischstücken
hindurchfuhr‘(1.Mose 15,12 +17). Der tiefe Schlaf war nicht ein
natürlicher Schlaf, sondern das was ihr auch heute ‘medialen Schlaf‘ nennt,
in dem das Od des Mediums frei wird zum Gebrauch für die Kundgebungen der
Geisterwelt. Die Beängstigung und tiefe Finsternis, von der hier die Rede ist
und von der nicht selten die dem Guten dienenden Medien befallen werden, ist
eine Wirkung der bösen Geisterwelt, die da durch die Kundgebung der guten
Geister zu verhindern sucht. Denn das Angstgefühl hemmt bei jedem Medium die
Odabgabe und macht eine Geisterkundgebung unmöglich. Schon vorher hatte das
Böse bei Abraham störend einzugreifen versucht. Abraham hatte nämlich auf
Geheiß des Herrn Tiere geschlachtet und in Stücke zerlegt. Da stürzten
‘Raubvögel‘ auf die Stücke herab, aber Abraham verscheuchte sie. Das
Schlachten der Opfertiere hatte den Zweck, außer der Odkraft des Abraham noch
eine andere Odquelle zu erschließen, nämlich das Od der geschlachteten Tiere.
Was in dem hier vorliegenden Bericht als ‘Raubvögel‘ bezeichnet wird, waren
keine natürlichen Raubvögel. Es waren als Raubvögel materialisierte böse
Geistwesen. Nur in einer Materialisierung war es ihnen möglich, die Fleischstücke
fort zu nehmen. Nun verstehst du auch, worauf es ihnen ankam. Sie wollten
zunächst die durch das Schlachten der Tiere erschlossene Odquelle beseitigen,
und dann versuchten sie, die menschliche Odquelle, die Abraham als Medium
war, durch Einflößung des Angstgefühls zu verschütten. Zu dem medialen
Geschehen wurde die Dunkelheit gewählt, weil bei der notwendigen Verdichtung
des Ods nach den bekannten Gesetzen Licht und Wärme nachteilig wirken. - Daß
das, was hier als ‘Rauch‘ bezeichnet wird, der feurig leuchtete, das Od war,
ist dir bekannt. Auch Mose war Medium. Er gab das Od
ab, das im Dornbusch als Flamme leuchtete. Es wurde verstärkt durch die
Odabgabe der dicht dabei ruhenden Herde, die Mose zu weiden hatte. Auch hier
war es Nachtzeit. Die Odverdichtung erschien in einem Dornbusch, weil er mit
seinen vielen Verästelungen gewissermaßen als ein Vorhang wirkte, der die
Odmasse zusammenhielt, ähnlich wie der Vorhang des ‘Offenbarungszeltes‘ und
das ‘Kabinett‘ in den heutigen spiritistischen Sitzungen. Auch hatte der
Dornstrauch selbst Od, das sich mit dem anderen Od vereinigte. Man nannte die ‘Medien‘ in den
ältesten Zeiten ‘Seher‘, weil sie außer ihren sonstigen medialen Fähigkeiten
meistens auch die Gabe des ‘Hellsehens‘ besaßen. Erst später kam die Bezeichnung
‘Prophet‘ auf. In allen Orten gab es solche
‘Seher‘ oder ‘Propheten‘. Als Saul mit seinem Knecht die entlaufenen
Eselinnen seines Vaters suchte und nicht fand, sagte der Knecht zu ihm: Hier
in dem Ort wohnt ein ‘Seher‘. Laß uns zu ihm gehen. Vielleicht gibt er uns
Auskunft.‘ Und an dieser Stelle fügt der biblische Bericht erläuternd hinzu:
Ehedem gebrauchte man in Israel, wenn man zur Befragung Gottes ging, die
Redensart: Kommt, laßt uns zum ‘Seher‘ gehen. Denn einen Menschen, der
heutzutage ‘Prophet‘ heißt, nannte man ehedem ‘Seher“ (1.Samuel 9, 6+9).
- So kamen Saul und sein Knecht zu Samuel. Samuel war nicht bloß selbst
‘Medium‘, sondern leitete auch die ‘Medienschule‘ in Rama. Solche Schulen
nannte man damals ‘Prophetenschulen‘. Als Saul auf seinem Heimweg nach
Gibea kam, begegnete ihm eine Schar ‘Medien‘, die sich im Trancezustand
befanden und aus denen Geister das Lob Gottes verkündeten. Da geriet auch
Saul in diesen Zustand und ein Geist kam in ihn. Eure Bibelübersetzer, die nicht
wissen, was dieser Zustand zu bedeuten hat, sagen: ‘Er geriet in prophetische
Begeisterung‘ - ein Ausdruck, unter dem der Leser sich nichts Rechtes
vorstellen kann. Nicht der Geist Sauls und der ‘Medien‘, die ihm begegneten,
geriet in Begeisterung, sondern gute Geistwesen des Jenseits nahmen von ihnen
Besitz. Die Medien brauchten dabei nicht in dem Zustand des ‘Tieftrance‘ zu
sein, sondern es genügte das, was ihr heute ‘Teiltrance‘ oder ‘Habtrance‘
nennt. Ferner berichtet die Bibel, daß David
sich zu Samuel nach Rama flüchtete, wo beide im ‘Prophetenhaus‘, also in der
‘Medienschule‘, wohnten. Als Saul nun dorthin Boten schickte, um David zu
holen, hielt Samuel gerade eine Sitzung mit den Medien ab. Sie befanden sich
im Trancezustand, als die Boten Sauls eintrafen. Eure Bibelübersetzung
berichtet darüber: ‘Als die Boten die Versammlung der Propheten sahen, die
sich in Begeisterung‘ befanden und Samuel an ihrer Spitze stehend erblickten,
kam der Geist Gottes über die Boten Sauls, so daß auch sie in prophetische
Begeisterung gerieten. Als man das dem Saul meldete, schickte er andere Boten
ab; aber auch diese wurden verzückt. Und ebenso erging es den Boten,
die Saul zum drittenmal sandte. Da ging er selbst nach Rama. Als er bei der
großen Zisterne, die sich in Sechu befindet, angekommen war, fragte er: Wo
sind Samuel und David? Man antwortete ihm: Im Prophetenhaus in Rama. Er ging
also von dort zum Prophetenhause nach Rama. Als er aber noch unterwegs war,
kam auch über ihn ein Geist Gottes, und er befand sich ununterbrochen in
‘prophetischer Begeisterung‘ bis zu seiner Ankunft im Prophetenhaus in Rama.
Da zog auch er seine Oberkleider aus und war ebenfalls in ‘Verzückung‘ und
lag in bloßen Unterkleidern während jenes ganzen Tages und der ganzen Nacht
da. Daher pflegt man zu sagen: ‘Gehört auch Saul zu den Propheten?‘ (1.Samuel
19,18-24). Manches in diesem Bericht bedarf
der Erklärung. Der Umstand, daß alle Boten Sauls so schnell in ‘Trance‘
gerieten, ist damit zu erklären, daß sie sehr medial waren. Bei der großen
und starken Odströmung nun, die in einer Versammlung von ausgebildeten oder
in der Ausbildung begriffenen Medien vorhanden ist, wie hier in der
Medienschule Samuels, war es für die Geisterwelt nicht schwer, die
‘Halbtrance‘ bei denen herbeizuführen, die eine mediale Veranlagung hatten. Saul selbst war Medium. So waren
bei ihm nicht fremde Odkräfte nötig, um ihn in Halbtrance zu bringen. Deshalb
kam er schon auf dem Wege nach Rama in diesen Zustand. Daran, daß die Medien in der
Medienschule in Rama in leichten Unterkleidern dasaßen oder nach der Sitte
der damaligen Zeit dalagen, dürft ihr euch nicht stoßen. Auch heute nehmen
die Medien in möglichst leichter Kleidung an den Sitzungen teil. Denn es muß
vermieden werden, daß sich bei ihnen eine große Wärme entwickelt, weil die
Wärme, wie du weißt, auf die Odverdichtung ungünstig einwirkt und sie
erschwert. Aus diesem Grund lag auch Saul in seinen Unterkleidern da. Wenn
gesagt ist, daß er einen Tag und eine Nacht so zugebracht hat, so soll damit nicht
ausgedrückt werden, daß er während dieser ganzen Zeit in ‘Trance‘ war. Er
wurde deshalb so lange dort festgehalten, weil es der letzte Versuch der
guten Geisterwelt war, Saul wieder zu seinem Gott zurückzuführen. Er war ja
infolge seines Ungehorsams von Gott abgefallen. Mit der guten Geisterwelt
stand er nicht mehr in Verbindung, sondern ein böser Geist beherrschte ihn.
Er war ja an diesem Tage nach Rama gekommen, um David gefangenzunehmen und zu
töten. Das alles wurde ihm nun als letzter Ruf Gottes durch die Geister
Gottes, die durch die anwesenden Medien sprachen, in den mannigfachsten
Kundgebungen vorgehalten. Samuel selbst bemühte sich, den von ihm gesalbten
ersten König durch eindringliche Mahnung vor dem drohenden Verderben zu
retten. Denselben Zweck verfolgte Samuel mit den verschiedenen
Gottesdiensten, die er im Beisein des Saul hielt und von denen in eurem
biblischen Bericht nichts erwähnt wird. Er wollte das Herz des Königs rühren
und zur Umkehr bewegen. Die Gefahren für die Medien im
Alten Bund Der Gottesdienst war überhaupt das
Wichtigste in den ‘Medienschulen‘. Die angebenden Medien oder
‘Prophetenschüler‘, wie sie damals genannt wurden, sollten in ihrer ganzen
inneren Einstellung mit Gott in innige Verbindung gebracht werden.
Unerschütterlicher Gottesglauben und tiefes Gottvertrauen sollten die
Grundlage bilden, auf der sich die medialen Fähigkeiten der Schüler
entwickelten. So sollten sie befähigt werden, als würdige Werkzeuge Gottes
und seiner Geisterwelt ihren Mitmenschen zu dienen. Denn die Gefahren, die
den Medien damals drohten, waren dieselben wie heute. Die größte Gefahr bildet, wie es zu
allen Zeiten der Fall ist, auch damals die Sucht nach Ehre und nach Geld. Die
Medien standen in hohem Ansehen. Nicht bloß die weltlichen Herrscher waren
bemüht, sie in großer Zahl um sich zu haben, sondern auch die einzelnen
wohlhabenden Familien hielten sich ein Medium zum Befragen des Jenseits und
nannten es ‘Priester‘. Man gab ihnen reiche Geschenke und den gesamten
Lebensunterhalt. Es waren meistens Medien, die ihr heute ‘Planchettemedien‘
nennen würdet. Sie benutzten zum Befragen der Geisterwelt das ‘Orakelschild‘,
eine Nachbildung des Orakelschildes im Offenbarungszelt. Das Gesagte wird dir bestätigt
durch einen Bericht im Buche der Richter. Da wird geschildert, wie ein Mann
mit Namen Micha das der Mutter entwendete Geld an sie zurückgab. Diese ließ
von einem Teile des Geldes ein ‘geschnitztes und ein gegossenes Gottesbild‘
anfertigen, das im Hause Michas aufgestellt wurde. Er stellte einen seiner Söhne
an, um ihm dabei als ‘Priester‘ zu dienen. Er gewann aber auch noch einen
Leviten aus Bethlehem zu diesem Zweck und sagte zu ihm: ‘Bleibe bei mir
und sei mir Vater und Priester, so will ich dir jährlich zehn Schekel Silber
geben und für Kleidung und deinen Lebensunterhalt aufkommen. Als er dann dem
Levitenleiter zuredete, erklärte dieser sich einverstanden‘ (Richter 17,10).
- Was in eurer Übersetzung als ein ‘geschnitztes und gegossenes Gottesbild‘
bezeichnet wird, waren die beiden Teile der ‘Planchette‘. Es ist menschlich zu verstehen, daß
die Medien sich die Gunst derer zu erhalten suchten, bei denen sie lebten.
Aber darin lag die große Gefahr. In dem Bestreben, dem Brotherrn nur
Angenehmes zu sagen, schreckten sie bisweilen nicht davor zurück, die ihnen
gewordene unangenehme Wahrheit zu verheimlichen und die Unwahrheit an ihre
Stelle zu setzen. So wurden sie zu ‘Lügenpropheten‘. Damit schieden sie aus
der Verbindung mit der guten Geisterwelt aus und wurden Werkzeuge der Bösen,
wenn sie auch zum Schein noch den Namen Gottes bei ihrer medialen Betätigung
im Munde führten. Besonders die Medien, die im
Dienste der weltlichen Gewalthaber standen, fielen leicht dieser Versuchung
zum Opfer, wie dir die Geschichte des Königs Ahab zeigt (1.Kön.22). Dort
vereinbarten 400 Medien, dem König nur Angenehmes zu sagen. Eine solche
Vereinbarung entsprang ihrer eigenen schlechten Gesinnung. Damit schlossen
sie sich aber auch von der Verbindung mit den Geistern der Wahrheit aus und
wußten, daß sie sich zu Werkzeugen von Lügengeistern machten. Sie mußten,
daher fürchten, daß sie als ‘Lügenpropheten‘ entlarvt würden, wenn der König
ein Medium des Guten befragen würde. Als daher der König den Propheten Micha,
der ein Medium der guten Geisterwelt war, zur Befragung kommen ließ, suchten
sie ihn durch einen Boten zu überreden, ebenfalls nur Angenehmes dem König zu
sagen. Dieser kündete jedoch dem König seinen Untergang, wie es ihm der Geist
Gottes geoffenbart hatte. Da gab ihm einer der anwesenden Lügenpropheten
einen Backenstreich mit den Worten: ‘Wie, ist etwa der Geist des Herrn von
mir gewichen, um mit dir zu reden?‘ - Hier siehst du die ganze Verworfenheit
eines Prophetentums, das aus Ehr- und Geldsucht sich der Lüge und dem Betrug
hingibt und doch den Schein erweckt, als ob es ein Werkzeug Gottes wäre.
Seine medialen Kundgebungen von Lügengeistern aus. Das weiß jenes
Prophetentum. Und seine schlechte Gesinnung sucht Mittel und Wege, jene Lügen
zu verdecken. Ein solches Medientum mußte unter
dem Einfluß gottentfremdeter Könige auch zum Unheil für das ganze Volk
werden, sobald es sich offen auf die Seite des ausgesprochenen Götzendienstes
stellte. ‘Propheten des Baal‘ wurden sie dann genannt. Ihre Zahl war
außerordentlich groß. Manchmal gab es fast keine Medien des Guten mehr. So
heißt es von der Zeit des Hohen Priesters Eli: ‘In der Zeit, wo der junge
Samuel den Dienst des Herrn unter Elis Aufsicht versah, waren Offenbarungen
des Herrn in Israel etwas Seltenes ‘(1.Sam.3,1). Auf dem Berg Karmel stand der
Prophet Elia als einziger ‘Prophet Gottes‘ den 450 Propheten Baals und den
400 Propheten der Aschera gegenüber. Daß sich auch in den alten Zeiten
die Medien durch irdische Vorteile verleiten ließen, ihre mediale Gabe zu
mißbrauchen, geht aus den Worten hervor, die Gott durch den Propheten
aussprechen ließ: ‘So hat der Herr wider die Propheten gesprochen, die
mein Volk irreführen, die Glück verkünden, wenn ihre Zähne was zu beißen
haben, aber gegen den, der ihnen nichts für ihren Mund gibt, den heiligen
Krieg predigen‘ (Micha 3,5). - ‘Ihre Propheten wahrsagen für Geld, und dabei
berufen sie sich auf den Herren‘ (Micha 3,11). Ihr dürft nicht glauben, daß die
Menschen der damaligen Zeit alle Phänomene, die durch die Medien
hervorgebracht wurden, ohne weiteres als echt hinnahmen. Sie waren den Medien
gegenüber genauso mißtrauisch, wie ihr es heute seid. Sie rechneten damit,
daß sie das Opfer von Betrügereien werden könnten. Sie fesselten die Medien,
um sicher zu sein, daß sie nicht durch Taschenspielerkünste ihnen etwas
vorgaukelten. Darum hatten die privaten Medien, die einen Broterwerb aus der
medialen Gabe machten, in ihren Häusern geeignete Binden für Kopf, Hände und
Füße bereit. Damit ließen sie sich von den Besuchern festbinden. Wenn dann
doch Erscheinungen erfolgten, die nur von Geistwesen herrühren konnten und
auch tatsächlich herrührten, so machte dies auf die Anwesenden einen tiefen
Eindruck, und sie wurden für diesen Geisterverkehr gewonnen. Da es aber keine
guten Geister waren, die sich solcher Medien als Werkzeuge bedienten,
verfielen die Teilnehmer an derartigen Veranstaltungen nach und nach dem
Bösen. Die Lehren, die ihnen die bösen Geistwesen durch die Medien gaben,
drängten sie vom wahren Gott ab und verleiteten sie zu den schändlichsten
Lastern. Besonders waren es die weiblichen ‘Medien‘, die großen Zulauf
hatten. Gegen sie richtet sich eine Drohung Gottes bei dem Propheten
Hesekiel: ‘Du aber, Menschensohn, tritt gegen die Töchter deines Volkes
auf die sich nach eigenem Gutdünken als ‘Prophetinnen‘ gebärden; sprich dich
gegen sie aus und sage: So hat Gott der Herr gesprochen: Wehe den Weibern,
die da Binden zusammennähen für alle handgelenke und Kapuzen in geeigneter
Größe anfertigen, um Seelen zu fangen; Seelen fangt ihr mir weg. Ihr
entheiligt mich bei meinem Volk um ein paar Hände voll Gerste und um einige
Bissen Brot, um Seelen zu töten, die nicht sterben sollten., indem ihr
mein Volk belügt, da gern auf Lügen hört ‘(13,17ff) Die Ausbildung der Medien im
Altertum Die Art der Ausbildung der Medien
in den Medienschulen der biblischen Zeiten wird in den Urkunden der Heiligen
Schriften nicht näher beschrieben. Sie bestand zunächst darin, daß die
mediale Veranlagung der Schüler geprüft wurde. Schon nach kurzer Zeit stellte
es sich heraus, bei wem diese Veranlagung vorhanden war. Wer sich nicht
eignete, wurde entlassen. Aber auch diejenigen, die eine
große mediale Begabung aufwiesen, wurden nur dann als Schüler behalten, wenn
ihre Charaktereigenschaften eine Ausübung des Medienberufes im Dienste des
Guten und Göttlichen verbürgten. Darauf legten die Leiter der guten
Medienschulen den. Hauptwert, während in den Medienschulen der Götzenpriester
nur die mediale Kraft eines Schülers in Frage kam. Es war damals derselbe
Unterschied in der Ausbildung der Medien vorhanden, den ihr in der jetzigen
Zeit feststellen könnt. Du selbst hast die Ausbildung einiger Medien mit
eigenen Augen angesehen. Du hast die Zusammenkünfte selbst veranlaßt und
geleitet, in denen sich die Ausbildung vollzog. Diese Zusammenkünfte
gestaltetest du als Gottesdienste und gabst dir Mühe, dich und die Teilnehmer
Gott näherzubringen. Ihr stelltet euch unter den Schutz Gottes. Mit Gebet und
Lobpreis Gottes habt ihr die Stunde begonnen und geschlossen. Das in den
Heiligen Schriften niedergelegte Wort Gottes war eure Lesung. Ihr strebtet
nur nach dem Guten und wolltet, wenn es der Wille Gottes sein sollte,
brauchbare Werkzeuge des Guten werden. Auf diese Weise suchte man auch bei
den gottesgläubigen Israeliten die Medien auszubilden. Im Gegensatz hierzu müßtest du dir
den Betrieb in den meisten der heutigen ‘spiritistischen Sitzungen‘ ansehen
können. Von Gott, einem Lobpreis Gottes ist dabei meistens nicht die Rede.
Man kommt zusammen, um etwas Außergewöhnliches und Nervenerregendes zu
erleben. Durch wen es verursacht wird, ob durch gute Geistwesen oder durch
böse, ist nebensächlich. Zudem glauben sehr viele überhaupt nicht daran, daß
die Phänomene eine Wirkung der Geisterwelt seien. Man sucht sie ‘menschlich‘
zu erklären. Damit ist der einzige Zweck, den die gute Geisterwelt durch ihre
Verbindung mit den Menschen erreichen will, nämlich den Menschen seinem Gott
näher zu bringen, von vornherein unmöglich gemacht. Dieser Art waren auch die
Zusammenkünfte, in denen die ‘Medien Baals‘ ausgebildet wurden. Zwar wußte
man damals, daß es sich um den Verkehr mit der Geisterwelt handelte. Aber
allen, die sich an dem niedrigen Spiritismus beteiligten, war es bloß darum
zu tun, etwas auf diesem Wege zu erleben und zu erfahren, was ihr rein
irdisches Tun und Streben befriedigte. Das jenseitige Schicksal lag ihnen
fern, ebenso fern, wie den meisten Menschen des jetzigen Zeitalters. Daher
hatten sie auch kein Interesse daran, daß die Medien bei ihrer Ausbildung für
das Hohe und Göttliche vorbereitet wurden. Die Medienschulen der
Götzenpriester werden in der Bibel nicht näher erwähnt, weil die Ausbildung
der ‘Medien des Baal‘ sich in den allgemeinen Versammlungen vollzog, die zum
Zwecke des Götzendienstes abgehalten wurden. Zur Erreichung des Schlechten
bedarf es keiner besonderen Ausbildung. Das stellt sich von selbst ein. Denn ‘der
Mensch ist zum Bösen geneigt von Jugend an‘. Aber wer das Gute und
Gottgewollte erlangen will, wird es nur nach großen Anstrengungen und schweren
Kämpfen erreichen. Dazu bedarf es einer besonderen Vorbereitung. Diese war
daher bei den Medien erforderlich, die sich entschlossen, nur als Werkzeug
des Göttlichen dienen zu wollen. Sie wurden in den ‘Prophetenschulen‘
ausgebildet, die in der Bibel erwähnt sind; sie hatten Gottesmänner, wie
einen Samuel, Elia und Elisa als Lehrer und geistliche Führer. In den Zeiten, wo große und
gottbegnadete Männer an der Spitze solcher ‘Medienschulen‘ standen, wie zu
den Zeiten des Samuel, des Elia und des Elisa, war der Andrang zu diesen
Schulen sehr groß. Denn die gottesgläubigen Familien betrachteten es als
besonderes Geschenk Gottes, wenn eines ihrer Kinder die mediale Gabe besaß
und sie unter Leitung jener Männer ausbilden konnte. Zur Zeit des Elia und des Elisa gab
es in jedem größeren Ort eine Medienschule. So in Rama, Gilgal, Bethel,
Jericho und anderen Orten. Die Prophetenschüler des Elisa waren so zahlreich,
daß der Raum, in dem sie zusammenkamen, nicht mehr ausreichte. Darum sagten
sie eines Tages zu Elisa: ‘Sieh doch, der Raum, wo wir hier beim
Unterricht vor dir sitzen, ist zu eng für uns. Wir wollen daher an den Jordan
gehen und ein jeder von uns einen Balken holen, damit wir uns dort einen Raum
herrichten, wo wir wohnen können.‘ Er antwortete: ‘Ja, gehet hin!‘ (2.Könige
6,1-2). Die Medien der ersten Christen Im Neuen Testament hatte man bei
den Christen keine eigenen Medienschulen. Sie waren deswegen nicht nötig,
weil die gottesdienstlichen Versammlungen in einer Weise abgehalten wurden,
daß sie die Tätigkeit der früheren Medienschulen vollkommen ersetzten. Man
reichte sich die Hände beim Beten, um zum Ausdruck zu bringen, daß alle ‘ein
Herz und eine Seele‘ seien, daß die Liebe sie zu einer Gemeinschaft verbinde
und daß sie darum auch als eine Einheit zu Gott beten wollten: Alle zusammen
als Glieder eines geistigen Leibes, von einem Geist beseelt, zu einer
Hoffnung berufen, durch denselben Glauben verbunden, flehend zu dem einen
Gott. Diese Händereichung hatte für die
medial Veranlagten unter den Versammlungsteilnehmern eine große Bedeutung.
Denn dadurch wurde die Odkraft der Anwesenden zu einem Odstrom vereint. Ihn
konnten die Geister Gottes benutzen, um sowohl durch die ausgebildeten Medien
sich kundzutun, als auch die werdenden Medien auszubilden. Die medialen
Vorgänge waren den ersten Christen von ihrer Heidenzeit her sehr gut bekannt,
so daß sie darüber Bescheid wußten. Sie hatten ja als Heiden dem Verkehr mit
der bösen Geisterwelt gehuldigt, und die natürlichen Gesetze dieses Verkehrs
waren ihnen geläufig. Sie wußten, daß der ganze heidnische Götzendienst
nichts anderes war, als eine Verbindung mit den Dämonen, die unter denselben
naturgesetzlichen Bedingungen sich vollzog, wie die Verbindung mit den guten
Geistern. Darum brauchte auch Paulus die
Korinther nicht erst über die Gesetze zu belehren, unter denen ein
Geisterverkehr überhaupt zustande kommt, sondern bloß über die Wirkungen,
welche die guten Geistwesen im Gegensatz zu den bösen bei ihnen
hervorbrachten. Der Apostel Paulus über
Geisterverkehr und Medien Die Kapitel 12 und 14 des ersten
Korintherbriefes enthalten über den guten Geisterverkehr alles, was ein
gläubiger, gottsuchender Mensch darüber wissen muß. Nur versteht ihr heute
leider die Belehrungen nicht mehr, die der Apostel den Korinthen in jenen
Kapiteln gegeben hat. Das kommt vor allem daher, weil ihr euch über den
Geisterverkehr überhaupt in Unkenntnis befindet. Dann fragen eure falschen
Bibelübersetzungen daran einen großen Teil der Schuld sowie die falschen
Erklärungen, die aufgrund der unrichtigen Übersetzungen den Christen gegeben
werden. Wegen der Wichtigkeit der Sache
möchte ich daher die Kapitel 12 und 14 des ersten Korintherbriefes mit dir
durchgehen und dir die richtige Erklärung davon geben. Nach eurer Übersetzung beginnt das
12. Kapitel mit den Worten: ‘Inbetreff der Geistesgaben will ich euch, liebe
Brüder, nicht im Unklaren lassen. Ihr wißt von eurer Heidenzeit her, da waren
es die stummen Götzen, zu denen es euch mit unwiderstehlicher Gewalt hinzog.
‘(1.Kor.12,1-2) - Schon gleich die ersten Worte: ‘Inbetreff der Geistesgaben‘
enthalten einen irreführenden Übersetzungsfehler. Sie können vom Leser nur so
aufgefaßt werden, als handle es sich dabei um Gaben, die dem Geist des
Menschen von Gott verliehen würden. Der euch vorliegende griechische Text
sagt etwas ganz anderes. Dort heißt es in wörtlicher Übersetzung: ‘Über das,
was sich auf den Geisterverkehr bezieht, will ich euch nicht im Unklaren
lassen.‘ Heute würde man kurz sagen: ‘Über den ‘Spiritismus‘ will ich euch
nicht im Unklaren lassen.‘ Auch hieß es ursprünglich nicht ‘stumme Götzen‘,
sondern ‘tote Götter‘; denn unter ‘toten Göttern‘ verstand man allgemein die
‘Dämonen‘ oder die von Gott getrennten Geister, die immer in der Bibel als
‘Tote‘ bezeichnet werden. Die richtige Übersetzung der ganzen
angeführten Stelle wäre also folgende: ‘Über den Spiritismus möchte ich euch
nicht im Unklaren lassen. Ihr kennt ihn schon aus der Zeit, wo ihr Heiden
ward. Damals ginget ihr zu den von Gott abgefallenen Geistern, zu denen ihr
euch mit unwiderstehlicher Gewalt hingezogen fühltet.‘ Im Folgenden fehlen auch in dem
griechischen Text, den ihr jetzt habt, zwei Sätze. Sie lauteten: ‘So wurdet ihr die Genossen der
bösen Geister, die Jesus nicht als ihren Herrn anerkennen. Jetzt aber, wo ihr
Christus angehört und seiner Herrschaft unterstellt seid, steht ihr in
Verbindung mit heiligen Geistern.‘ An diese fehlenden Sätze schloß sich dann
Vers 3 an, der in eurer Übersetzung lautet: ‘Deshalb erkläre ich euch, daß
niemand, der durch den Geist Gottes redet, sagen kann: Verflucht sei
Christus! Und keiner zu sagen vermag: Jesus ist der Herr! Außer durch den
Heiligen Geist‘ (1.Kor.12,3) Aber auch in diesem Vers 3 ist
wiederum ein das Verständnis erschwerender Übersetzungsfehler. Es heißt
nämlich im griechischen Text nicht durch den Geist Gottes und durch den
Heiligen Geist, sondern durch einen Geist Gottes und durch einen heiligen
Geist. Es ist ja nicht Gott selbst, der in
direkter Weise die einzelnen Wirkungen hervorbringt, sondern es sind die Gott
dienenden Geister, die mit der Kraft Gottes bei den Geschöpfen das ausführen,
was dem Willen Gottes entspricht. Dadurch das eure Bibelübersetzer an
zahllosen Stellen den Ausdruck ‘der Heilige Geist‘ gebrauchen, wo im
griechischen Text ‘ein heiliger Geist‘ zu lesen ist, haben sie nicht bloß
unrichtige Deutungen der betreffenden Stellen veranlaßt, sondern vor allem
den Begriff ‘Heiliger Geist‘ derart verwirrt, daß die falsche Lehre aufkommen
konnte, der Heilige Geist sei eine göttliche Person. Um den richtigen Begriff des
Geistes und der Geister dir klarzulegen und dadurch auch das Verständnis der
beiden genannten Kapitel des ersten Korintherbriefes zu ermöglichen, wähle
ich ein Beispiel aus eurem irdischen Leben: In den Zeiten, wo eure Könige
noch unumschränkte Herrscher waren, galt bei allem, was im Machtbereich des
Königs geschah, nur der Wille des Königs. Alle Gesetze und Verordnungen
gingen von ihm aus. In seinem Reiche herrschte nur ein Wille, nur ein Geist:
Der Geist und Wille des Königs. Seine Diener und Beamten vollzogen ihre
Amtshandlungen nur in Abhängigkeit von ihm, nur nach seinem Willen und in
seinem Geist. Daraus folgte nun nicht, daß sie für jede Einzeltätigkeit den
König um Erlaubnis zu fragen hatten. Denn sie besaßen ja seine Gesetze und
Richtlinien, nach denen sie von selbst wußten, was sie im Einzelfalle zu tun
hatten. Es waren also im Reiche viele, die wirkten, aber eigentlich nur ein
Wirkender, nämlich der König. So ist es auch im Reiche Gottes. Da
ist nur ein unbeschränkter Herrscher, dessen Wille in allem Geschehen
maßgebend ist. Es ist Gott - oder, wie es manchmal in der Bibel ausgedrückt
ist, der Geist Gottes oder der Heilige Geist. Die anderen Geister, die auch
Geister Gottes oder heilige Geister genannt werden, sind bloß die
ausführenden Organe Gottes, seine Diener und Beamten. Auch sie haben für ihre
Tätigkeit Gesetze und Richtlinien, nach denen sie wirken. Auch sie haben
daher nicht für jedes Wirken einen besonderen Auftrag Gottes nötig. Sie alle
arbeiten in demselben Geist und in derselben Gesinnung, wie es dem Willen und
Geist Gottes entspricht. Sie stellen gewissermaßen einen großen
Regierungskörper dar mit vielen Gliedern, die zwar als Einzelwesen
selbständig sind und sich voneinander unterscheiden, aber als Teile eines
Ganzen von dem Geist geleitet werden, der die Geisterwelt als einen
Regierungskörper geschaffen hat und ihr seine Macht und Kraft verleiht. In
diesem Sinne sagt Paulus: ‘Es gibt zwar verschiedene Gnadengaben, aber nur
einen Geist und es gibt verschiedene Dienstleistungen, doch nur einen Herrn.
Und es gibt verschiedene Kraftwirkungen, aber nur einen Gott, der alles in
allen wirkt‘ (1.Kor.12,4-6). Wenn also in den Versammlungen der
Christen von Korinth ein Geist durch ein Medium in fremder Sprache redete,
ein anderer Geist durch ein Medium in der Muttersprache, ein anderer Geist
ein Medium zum Heilmedium machte und viele andere Geister in anderer Weise
wirkten, so taten sie das nicht nach eigenem Gutdünken und in der eigenen
Kraft, sondern nach dem Willen und in der Kraft des einen Gottes, des
höchsten allmächtigen Geistes. Auf die Korinther machte es einen
besonderen Eindruck und erregte ihr Erstaunen, wenn ein Geist durch eines
ihrer Medien in einer fremden Sprache redete. Darum hegten sie den lebhaften
Wunsch und beteten auch darum, daß möglichst viele solcher Geister sich
kundgeben möchten. Weil dieser Wunsch bloß der menschlichen Neugierde und
Sensationslust entsprang, werden sie deswegen von Paulus getadelt. Er sagte
ihnen, daß die einzelnen Betätigungen der zu ihnen kommenden Geister nur den
einen Zweck hätten, zur Erbauung und zum inneren Wachstum der
Christengemeinde zu dienen und nicht dazu, rein persönliche Wünsche zu
erfüllen. Was könne es ihnen an geistigem Nutzen bringen, wenn die Geister,
die zu ihnen kämen, in fremden Sprachen redeten. Weder der eigene Geist des
Mediums hätte einen Vorteil davon, da er die Worte der fremden Sprache nicht
verstehe, noch auch die übrigen Teilnehmer; denn auch sie verständen die
fremdsprachigen Reden des Geistes nicht. Sie sollten doch lieber um Geister
beten, die ihnen in ihrer Muttersprache Belehrungen erteilten. Und wenn ein
Geist in einer ihnen unbekannten Sprache zu ihnen rede, möchten sie bitten,
daß ihnen diese Sprache in ihre Muttersprache übersetzt werde - was entweder
durch denselben Geist oder durch ein anderes Geistwesen erfolgen konnte. Nun könnte es auffällig erscheinen,
daß überhaupt Geister in einer den Anwesenden unbekannten Sprache redeten.
Doch auch dies hatte seinen großen Zweck. Es diente als Beweis für die
Echtheit des Geisterverkehrs oder, wie Paulus mit Recht sagt, als Beweis für
die Ungläubigen. Hier muß ich die Bemerkung
einflechten, daß eure Bibelübersetzungen das Reden in fremder Sprache mit
‘Zungenreden‘ bezeichnen und die in der Muttersprache erteilten Belehrungen
der Geister mit ‘Prophezeien‘. Paulus billigt durchaus, daß die
Korinther eifrig bemüht sind, mit der Geisterwelt in Verbindungen zu kommen.
Denn er sagt: ‘Da ihr euch eifrig um Geister bemüht, so seid darauf bedacht,
deren eine reiche Fülle zu haben, zur Erbauung der Gemeinde‘ (1.Kor.14,12). -
Auch diesen Satz haben eure Übersetzer dadurch unverständlich gemacht, daß
sie für ‘Geister‘ den Ausdruck ‘Geistesgaben‘ gesetzt haben. Und doch heißt
es an dieser Stelle ausdrücklich ‘Geister‘ und nicht ‘Geistesgaben‘. Zum Schluß seiner Belehrung ermahnt
Paulus die Korinther, bei ihrem Geisterverkehr alles in Ordnung vor sich
gehen zu lassen. Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern der
Ordnung und des Friedens. Dieser Ordnung hätten sich auch die Medien zu
fügen. Nicht mehr als zwei oder drei Medien sollten sich für Geister zur
Verfügung stellen, die in fremder Sprache reden und auch nur dann, wenn
Geister anwesend seien, die eine Übersetzung der fremden Sprache in die
Muttersprache der Teilnehmer vornehmen könnten. Ist ein solcher nicht da, so
soll eine Rede in fremder Sprache nicht zugelassen werden. Auch sollen die in
der Muttersprache der Teilnehmer gehaltenen Ansprachen der Geister auf zwei
bis drei beschränkt bleiben‚ damit die Zuhörer Zeit haben, sich über das
Gehörte zu unterhalten und ihre Auffassung darüber zum Ausdruck zu bringen.
Paulus drückt letzteres mit den Worten aus: ‘Die anderen sollen ihr Urteil
darüber abgeben.‘ Hier richtet Paulus an die Korinther dieselbe Mahnung, die
ich, wie dir bekannt, auch bei euren Zusammenkünften so oft ausgesprochen
habe. Sowohl ich, wie auch andere Geister, die zu euch sprachen, pflegten
euch zum Schluß aufzufordern, das Gehörte miteinander zu besprechen und eure
Meinung darüber auszutauschen, also, wie Paulus sich ausdrückte, das Gesagte
zu ‘beurteilen‘. Denn es kommt nicht so sehr darauf an, daß ihr möglichst
viel auf einmal hört, als vielmehr darauf, daß ihr es richtig verstanden
habt. Wenn ihr euch nun über das unterhaltet, was euch von uns Geistern
gesagt worden ist, so können wir feststellen, wer es richtig aufgefaßt hat
und wer nicht. Denn die Geister sind während eurer Unterhaltung noch anwesend
und hören euch zu. Ergibt sich nun aus eurer Aussprache, daß eure Auffassung
nicht richtig ist oder daß Meinungsverschiedenheiten herrschen, so treten wir
von neuem in die Medien ein und klären euch über das auf, was euch unklar
geblieben ist. Wer die Zusammenhänge in den
Geisterkundgebungen und das Verhältnis der Geister zu den Medien nicht durch
eigene Erfahrung kennengelernt hat, wird die von Paulus gegebenen
Verhaltungsmaßregeln nicht verstehen. Daher noch eine kurze Erklärung dazu. Ihr könnt euch den Verkehr der
guten Geister mit euch nicht menschlich genug vorstellen. Sie sind ja eure
besten Freunde und bei euren gottesdienstlichen Versammlungen in großer
Anzahl vertreten. Es sind meistens Geister, die früher Menschen waren wie ihr
und nun im Jenseits zu Gott sich emporgearbeitet haben. Sie sind euch als
Führer, Berater und Beschützer zugeteilt. Sie haben das sehnlichste
Verlangen, euch schon in diesem irdischen Leben möglichst weit auf dem Wege
zu Gott zu bringen, damit ihr bei eurem Scheiden von dieser Erde in eine
möglichst hohe Sphäre der Geisterwelt gelangt. Eure Geisterfreunde sind nicht
selten als Menschen Angehörige anderer Nationen gewesen und haben deren
Sprache gesprochen. Manche können eure Muttersprache nicht sprechen. Denn
auch die Geister müssen die irdischen Sprachen erlernen, die ihnen als
Menschen unbekannt waren. Aber alle möchten euch doch gerne etwas Gutes sagen
und drängen sich um die Medien, um sie zum Sprechen oder Schreiben zu
benutzen. Damit das alles nun in Ordnung vor sich geht, ist in jeder
Versammlung, die dem guten Geisterverkehr gewidmet ist, ein ‘Kontrollgeist‘
anwesend. Dieser hat zu bestimmen, welche Geister zu Wort kommen sollen und
wie lange sie sprechen dürfen. Er richtet sich bei Zulassung der einzelnen
Geister auch nach den Anordnungen und Bestimmungen, welche die
Versammlungsteilnehmer selbst getroffen haben. Setzten sie zum Beispiel fest,
daß nicht in einer den Anwesenden unbekannten Sprache gesprochen werden soll,
so läßt der Kontrollgeist keinen Geist zu, der sich nicht in der
Muttersprache der Versammelten ausdrücken kann. Auch die Medien haben es in
ihrer Macht, einem Geistwesen den Eintritt in ihren Körper zu versagen. Denn
der ‘Trancezustand‘ tritt nur dann ein, wenn die Medien ihren Willen dem
nicht entgegensetzen. Darum sagt Paulus, die prophetischen Geister seien den
‘Propheten‘, das ist den ‘Medien‘, gehorsam. Eine Stelle in den Unterweisungen
des Apostels Paulus ist teils in sich, teils durch die falsche Übersetzung
unklar. Diese Stelle lautet: ‘Sooft ihr euch versammelt, hat ein jeder
etwas in Bereitschaft: einen Psalm, einen belehrenden Vortrag, eine
Offenbarung, eine Zungenrede, eine Auslegung; das alles laßt zur Erbauung der
Gemeinde dienen‘. (1.Kor.14,26,) Zunächst ist die Übersetzung
falsch. Sie muß lauten: ‘Sooft ihr euch versammelt, erhält ein jeder von euch
einen Psalm usw.‘ Das erhält ein jeder durch die anwesenden Medien. Ein jeder
hat es nicht schon in Bereitschaft, wenn er kommt, als ob er es schon
mitbrächte, sondern im Laufe der Versammlung tragen die Geister durch die
Medien diese verschiedenen Dinge vor: Der eine einen Lobgesang, der andere
einen belehrenden Vortrag, ein dritter eine Offenbarung, ein anderer eine
Rede in fremder Sprache, wieder ein anderer die Übersetzung der fremden
Sprache in die Muttersprache. Jeder der Anwesenden mag aus dem Vielen, was ihm
an geistiger Kost geboten wird, das herausnehmen, was Dir seinen
augenblicklichen Seelenzustand am dienlichsten ist. Denn die ganze Gemeinde
soll erbaut werden, nicht bloß der eine oder andere der Versammelten. Es wird
darum so vielerlei geboten, weil die geistigen Bedürfnisse der Teilnehmer so
verschiedenartig sind. Wer vieles bringt, hat für jeden etwas. Der eine, dem
etwas besonders Gutes für seine Person oder seine Familie widerfahren ist,
wird in einem Lobpreis Gottes, der von einem Geist durch ein Medium
vorgetragen wird, den rechten Ausdruck seiner augenblicklichen Stimmung
finden. Ein anderer fühlt sich niedergedrückt und wird durch eine tröstliche
Belehrung aufgerichtet. Ein anderer hat mit Zweifeln zu kämpfen, ob das, was
da vor sich geht, auch tatsächlich die Wirkung der Geisterwelt ist. Er wird
von seinen Zweifeln befreit, wenn er ein Medium in einer fremden Sprache
reden hört. Die Belehrung, die der Apostel den
Korinthern über die Art des Geisterverkehrs gibt, hat er nicht aus sich
selbst, sondern er handelt im Auftrag des Herrn. Denn er schließt seine
Mahnung mit den Worten: ‘Wenn sich jemand für einen ‘Propheten‘ oder
Geistesbegabten hält, so möge er erkennen, daß das, was ich hier schreibe,
ein Gebot des Herrn ist‘ (1.Kor.14,37). - Und er fügt hinzu: ‘So lehre
ich in allen Gemeinden der Heiligen.‘ _______ *
_______ 'So
hat der Herr gesprochen, der Heilige Israels und sein Bildner: Über
die kommenden Dinge befragt mich‘. Jes. 45,11 Gott ist die Quelle der Wahrheit.
Wer aus dieser Quelle schöpft, wird die Wahrheit erlangen und vor Irrtum
bewahrt bleiben. Diese Erkenntnis veranlaßte die Gläubigen der alten Zeit,
bei ihrem Suchen nach der Wahrheit mit Gott in Verbindung zu kommen. Es war
nicht eine Verbindung auf dem Wege innerer Erleuchtung, die ihnen Gewißheit
bringen sollte, sondern sie wählten den Weg der äußeren, mit den menschlichen
Sinnen wahrnehmbaren Mitteilung der Wahrheit von Seiten Gottes. Sie befragten
Gott durch menschliche Hilfsmittel und erhielten auf dieselbe Weise die
Antwort Gottes. Das Befragen Gottes war ständiger
Brauch des Gottesvolkes Sie waren sich bewußt, daß die Gott
dienende gute Geisterwelt die Vermittlerin des göttlichen Willens und der
göttlichen Kundgebungen ist und daß ein Befragen Gottes gleichbedeutend war
mit einem Befragen der Geistwesen des Reiches Gottes. Ebenso bekannt war ihnen das
Geisterreich des Bösen. Daß man auch mit diesem in Verbindung treten konnte,
lehrte sie die tägliche Erfahrung. Zu allen Zeiten des Alten Bundes
und des ersten Christentums haben die gottsuchenden Menschen von dem Befragen
Gottes reichlich Gebrauch gemacht. Die Schriften des Alten und des Neuen
Testamentes sind voll von Berichten, nach denen die Gottesgläubigen zur
Erlangung der Wahrheit ‘Gott befragten‘ und die durch die Geister Gottes
übermittelten Antworten entgegennahmen. Schlage die Bibel auf und gehe die
einzelnen Schriften durch, und du wirst dies bestätigt finden. Schon sehr früh wird in der Bibel
das ‘Befragen Gottes‘ erwähnt. Von Rebekka, der Frau Isaaks, wird berichtet,
daß sie den Herrn befragte, als sie während ihrer Schwangerschaft in Sorge
war: ‘Als sich nun die beiden Kinder in
ihrem Schoße stießen, sagte sie: Wenn es so steht, wozu bin ich dann in
diesen Zustand gekommen? Und sie ging hin, um den Herrn zu
befragen‘(1.Mose25,22). - Auf welche Weise die Befragung Gottes‘ geschah,
wird hier nicht berichtet. Auch nicht, auf welchem Wege sie die Antwort
entgegennahm, die ihr zuteil wurde. Aus der einfachen Erzählung geht jedoch
hervor, daß damals ein Befragen Gottes nichts Außergewöhnliches war. Das Befragen Gottes zur Zeit des
Mose, Josua und David Nach dem Auszug der Israeliten aus
Ägypten kam das Volk täglich zu Mose, damit er in ihren Anliegen ‘Gott
befrage‘: ‘Als nun der Schwiegervater des Mose sah, was er alles mit dem Volk
zu tun hatte, sagte er: Was machst du dir da mit dem Volk so viel zu
schaffen? Warum sitzest du allein zu Gericht, während das ganze Volk vom
Morgen bis zum Abend vor dir steht?‘ Mose antwortete seinem Schwiegervater:
‘Ja, das Volk kommt zu mir, um ‘Gott zu befragen‘. Sooft sie einen
Rechtshandel haben, kommen sie zu mir, damit ich Schiedsrichter zwischen den
Parteien sei und ihnen Gottes Rechtssprüche und Entscheidungen kundtue‘
(2.Mose18,14-16). - Auch hier ist nicht angegeben, wie das Befragen Gottes
vor sich ging. Erst später, als Mose auf Geheiß Gottes das Offenbarungszelt
hergestellt hatte, werden nähere Angaben darüber gemacht, mit welchen Mitteln
das ‘Befragen Gottes‘ und die darauf erfolgenden Antworten ermöglicht wurden:
‘Mose aber nahm jedesmal das Zelt und schlug es für den Herrn außerhalb des
Lagers auf und nannte es ‘Offenbarungszelt‘. Sooft nun jemand den Herrn
befragen wollte, ging er zu dem Offenbarungszelt hinaus, das außerhalb des
Lagers lag. Wenn aber Mose selbst zu dem Zelt hinausging, so standen die
Leute auf und traten ein jeder an den Eingang seines Zeltes und blickten
hinter Mose her, bis er in das Offenbarungszelt eingetreten war. Sobald dann
Mose eingetreten war, senkte sich die Wolkensäule herab und nahm ihren Stand
am Eingang des Zeltes, solange der Herr mit Mose redete. Wenn nun das Volk
die Wolkensäule am Eingang des Zeltes stehen sah, erhob sich das ganze Volk,
und ein jeder warf sich am Eingang seines Zeltes nieder. Der Herr aber redete
mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie jemand mit seinem Freunde redet.
Mose kehrte dann wieder in das Lager zurück, während sein Diener Josua, der
Sohn Nuns, ein junger Mann, das Zelt nicht verließ‘ (2.Mose33,7-11). - Das
Wesentliche an diesem Bericht ist dir bereits aus früheren Erklärungen
bekannt. Nun muß dir auffallen, daß ein Unterschied erkennbar ist zwischen
der Art, wie Mose Gott befragte und der Art, wie das Volk es tat. Mose erhält
bei dem hier geschilderten feierlichen Befragen Gottes als Vertreter des
ganzen Volkes die Antwort des Herrn durch die Wolkensäule. Aber wenn Leute
aus dem Volke Gott befragten, erhielten sie die Antwort Gottes nicht durch
die Wolkensäule, sondern auf eine andere Weise. Sie ist zwar nicht klar
ausgesprochen, aber doch hinreichend angedeutet, so daß der Kenner dieser
Vorgänge darüber nicht im Unklaren ist. Es heißt nämlich, daß Josua, der
Diener des Mose, das Offenbarungszelt nicht verlassen durfte. Sein Verbleiben
im Zelt mußte doch einen Grund haben. Es hing mit dem Befragen Gottes
zusammen. Und zwar diente Josua als Medium für die Leute aus dem Volke, die
in ihren Privatangelegenheiten Gott befragen wollten. Es heißt ja
ausdrücklich, daß jeder, der Gott befragen wollte, zum Offenbarungszelt
hinausging‘. Bestimmte Stunden zum ‘Befragen Gottes‘ waren nicht angesetzt.
Deshalb mußte Josua stets im Zelte anwesend sein und den einzelnen Leuten aus
dem Volk als Medium zur Vermittlung der Antworten Gottes zu jeder Zeit zur
Verfügung stehen. Ihn benutzten die Geister Gottes als Werkzeug in derselben
Weise, wie sie sich der heutigen Medien bedienen. Es wurde bei den Israeliten
feststehender Gebrauch, nichts von Bedeutung zu unternehmen, ohne Gott
befragt zu haben. Gott hatte ja dem Mose verheißen: ‘Ich will dir alles
mitteilen, was ich den Israeliten durch dich aufzutragen habe‘ (2.Mose25,). -
ich will dort im Offenbarungszelt mit den Israeliten in Verkehr treten‘
(2.Mose29,42+43). - Bei dem Befragen Gottes handelte also das Volk ganz
nach göttlichem Willen. Nach Josuas Tode fragten die
Israeliten beim Herrn an: ‘Wer von uns soll zuerst gegen die Kanaanäer
hinaufziehen, um mit ihnen zu kämpfen?‘ Der Herr antwortete: ‘Juda soll
hinaufziehen. Hiermit gebe ich das Land in seine Gewalt‘ (Richter1,1-2). Als die Daniten sich ein Gebiet zur
Ansiedlung suchten, schickten sie fünf Männer, um das Land zu erforschen.
Diese trafen einen Leviten, der im Hause des Micha als Medium weilte. Da
baten sie ihn: ‘Befrage doch Gott, damit wir erfahren, ob das Unternehmen,
für das wir jetzt unterwegs sind, glücklichen Erfolg haben wird.‘ Der
Priester gab ihnen hierauf Bescheid: ‘Ziehet getrost hin; euer jetziges
Unternehmen ist dem Herrn wohlgefällig“ (Richter18,1-7). - An dieser
Stelle wird auch ausführlich erzählt, auf welche Weise das Befragen Gottes
vor sich ging. Es wird berichtet, daß Micha sich von einem Goldschmied ein
‘geschnitztes und gegossenes Gottesbild hatte anfertigen lassen‘. Gottesbild‘ nennen es eure
Bibelübersetzer, die nicht wissen, was darunter zu verstehen ist und sogar
meinen, es sei ein ‘Götzenbild‘ gewesen. In Wirklichkeit war es eine
Nachbildung des Orakelschildes auf dem Kleide des Hohen Priesters, das
bekanntlich zum Befragen Gottes diente und davon den Namen ‘Orakelschild‘
führte. Die Nachahmungen des
hohenpriesterlichen Orakelschildes durch das israelitische Volk dienten dem
Privatgebrauch zum ‘Befragen Gottes‘. Es war dasselbe, wie die in euren
spiritistischen Kreisen gebrauchte ‘Planchette‘ und bestand wie diese aus
zwei Teilen: Aus dem unteren, unbeweglichen Teil, der gewöhnlich als Platte
gegossen und mit den Buchstaben des Alphabets und anderen Zeichen der
Verständigung versehen war - und einem schön geschnitzten, leichten
Holzbrettchen, an dem sich eine Spitze als Zeiger befand. Die gegossene
Platte wurde entweder auf einen Tisch gelegt oder auf einem festen Sockel
oder einer Säule befestigt. Sie war glatt poliert, damit das Holzbrettchen
leicht darüber hingleiten konnte. Beim Befragen Gottes wurde das Holzbrettchen
auf die polierte Platte gelegt. Das Medium legte seine Hand auf das
Holzbrettchen und wartete ab, ob sie mit Hilfe der medialen Odkraft von den
Geistwesen zu den Buchstaben der ‘Platte‘ hinbewegt wurde. Geschah dies, so
zeigte die Spitze des Brettchens die Buchstaben nacheinander an, die zu
Worten und Sätzen zusammengefaßt, die Antwort der Geisterwelt enthielten. Es
war also im Wesentlichen dasselbe, wie beim Brustschild des Hohen Priesters. Auch darin ahmte man bei den
privaten Orakelschildern das kostbare ‘Brustschild‘ des Hohen Priesters nach,
daß man die Buchstaben auf Edelsteine eingravieren und diese durch einen
Goldschmied in kunstgerechter Arbeit in die gegossene Platte einlegen ließ.
Man gab sehr große Summen dafür aus, und wie der hohe Priester beim Befragen
Gottes mit einem kostbaren Priestergewande bekleidet war, so schaffte man ein
ähnliches Gewand auch für die Privatmedien an, die das Orakelschild
bedienten. So tat auch Micha: ‘Er ließ ein kostbares Priestergewand und
ein Orakelschild anfertigen und stellte einen seiner Söhne an, um ihm als
Priester zu dienen‘ (Richter17,5). - Auch Gideon ließ aus den von den
Midianitern erbeuteten Goldsachen ein ‘Orakel‘ der eben geschilderten Art
anfertigen und stellte es in seinem Wohnort Ophra auf (Richter 8,27). Jeder
konnte es zum ‘Befragen Gottes‘ benutzen. Allein bald wurde es vom Volke auch
zum ‘Befragen des Bösen‘ gebraucht. ‘Ganz Israel trieb damit Abgötterei, so
daß es für Gideon und sein Haus zum Fallstrick wurde.‘ Gideon beabsichtigte
damit nur das ‘Befragen Gottes‘, aber das Volk mißbrauchte es, um die ‘Toten
zu befragen‘, sich also mit der bösen Geisterwelt in Verbindung zu setzen.
Und das war Abgötterei. Doch die Gesetzestreuen unter den
Israeliten machten nur im Notfall von dem privaten Befragen Gottes in ihren
Familien Gebrauch. Bei wichtigen Dingen zogen sie es doch vor, an der Stelle
bei Gott anzufragen, die Gott selbst zur Zeit des Mose bestimmt hatte. Sie
gingen zum ‘Offenbarungszelt‘ und ließen den Hohen Priester durch das
Orakelschild Gott befragen. So machten sich die Israeliten auf den Weg
nach Bethel, um Gott zu befragen, wer von ihnen zuerst zum Kampfe mit den
Benjaminiten ausziehen solle. Der Herr antwortete ihnen: Juda soll den Anfang
machen‘ (Richter 1,2). Als Saul die Philister noch in der
Nacht verfolgen und gänzlich vernichten wollte und seine Leute damit
einverstanden waren, ‘sagte der Priester zu ihm: ‘Wir wollen zuerst hier vor
Gott treten. Als nun Saul bei Gott anfragte: ‘Soll ich zur Verfolgung der
Philister ausziehen? Wirst du sie in die Hand Israels geben? erteilte ihm der
Herr an jenem Tage keine Antwort‘ (1.Sam.14,36-46). Denn der Sohn Sauls hatte
an diesem Tage gegen ein Verbot Gottes gehandelt. Gott wollte durch das
Versagen der Antwort zu erkennen geben, daß er nur denen antworten will, die
seinen Weisungen auch nachkommen. David pflegte fast immer durch das
‘Orakelschild‘ Gott zu befragen. Sein Medium war der Priester Abjathar:
‘David gewann neue Kraft durch sein Vertrauen auf den Herrn, seinen Gott und
befahl dem Priester Abjathar, dem Sohne des Abimelechs: Bringe mir das
‘Ephod‘ (Orakelschild) her! Als nun Abjathar das Ephod zu David gebracht
hatte, richtete David die Frage an den Herrn: Soll ich diese Räuberschar
verfolgen? Werde ich sie einholen? Da erhielt er die Antwort: Ja, verfolge
sie, du wirst sie sicher einholen und die Gefangenen erretten‘
(1.Sam.30,7-8). Nur von solchen läßt sich Gott
befragen, die ihr volles Vertrauen auf ihn setzen und auf seine Hilfe bauen.
Wer sich jedoch mit dem Bösen abgibt und auch von der Verbindung mit den
Geistern der Tiefe Hilfe erwartet, den weist Gott zurück. ‘Diese Männer
haben ihre Götzen in ihr Herz geschlossen und sie sich als Anstoß zu ihrer
Verschuldung vor die Augen gestellt: Sollte ich mich da von ihnen befragen
lassen?‘ (Hesekiel 14,3). Nicht die Menschen mit geteiltem
Herzen, die heute zu Gott und morgen zu Baal gehen, die heute die Kirche
besuchen und danach die Werke des Bösen vollführen, erhalten von Gott
Antwort, damals nicht und auch heute nicht. Gott hat diese Menschen nach
ihrem wahren Wesen beim Propheten Jesaja gezeichnet: ‘Zwar befragen sie
mich Tag für Tag und tragen Verlangen nach der Kenntnis meiner Wege; als wäre
es ein Volk, das Gerechtigkeit übt und das Recht seines Gottes nicht
verlassen hat, fordern sie wohlverdiente Rechte von mir, erwarten ungeduldig
eine Kundgebung Gottes. Warum fasten wir, sagen sie, und du siehst es nicht?
... Das ist vielmehr das rechte Fasten, wie ich es liebe, daß man ungerechte
Fesseln löst, daß man die Bande des Knechtschaftjoches sprengt, Vergewaltigte
in Freiheit setzt und jegliches Joch zerbricht Nicht wahr, wenn du dem
Hungrigen dein Brot brichst und unglückliche Obdachlose in dein Haus nimmst,
wenn du einen Nackten siehst, ihn kleidest und dich deinen Volksgenossen
nicht entziehst: Dann wird dein Licht wie das Morgenrot hervorbrechen und
deine Heilung schnelle Fortschritte machen ... wenn du dann fragst, wird der
Herr dir antworten‘ (Jesaja58,2-9). Verschieden war die Art, wie Gott
seine Kundgebungen den gläubigen Menschen übermittelte, die sich in ihren
Anliegen an ihn wandten. In der Geschichte des Saul wird erwähnt, auf welche
Weise dieser erste König des israelitischen Volkes die Antworten Gottes
empfing, solange er Gott treu blieb. Am Tage vor der Schlacht von Gelboe
fragte Saul, von dem der Geist Gottes wegen seines Ungehorsams gewichen war,
bei Gott an: ‘Aber der Herr gab ihm keine Antwort, weder durch ‘Träume‘,
noch durch ‘Orakelschild‘, noch durch die ‘Propheten“ (1.Sam.28,6). Also
hatte Saul bisher die Antworten Gottes entweder durch ‘Träume‘ oder durch das
‘Orakelschild‘ oder durch ‘Propheten‘ erhalten. Das, was eure Bibelübersetzer
mit dem Wort ‘Träume‘ bezeichnen, ist ein geistiges Schauen, eine Vision, ein
Hellsehen oder Hellhören, wodurch dem Betreffenden eine Wahrheit mitgeteilt
wird. Ein solches Schauen kann nur dem
zuteil werden, der die mediale Veranlagung dazu hat. Die Geisterwelt muß sich
daher bei der Auswahl der Mittel für ihre Kundgebungen auch nach den
Aufnahmefähigkeiten desjenigen richten, für den sie bestimmt sind. Bei dem ‘Orakelschild‘ erfolgten
die Antworten Gottes unter Mitwirkung eines Mediums, wie ich dir bereits
wiederholt erklärt habe. Bei den ‘Propheten‘, die so oft in
der Bibel als Überbringer der Kundgebungen Gottes auftreten, handelt es sich
um ‘Sprechmedien‘, die aber auch nicht selten auf dem Wege des Hellsehens und
des Hellhörens die Antworten Gottes in Empfang nahmen und dann weitergaben. Wo immer euch in den Heiligen
Schriften das ‘Befragen Gottes‘ begegnet, da findet ihr die Wahrheit
bestätigt, daß Gott den Menschen, die sich vertrauensvoll an ihn wenden und
ihn befragen, seine Antwort auf irgendeine menschlich wahrnehmbare Weise
zuteil werden läßt. _______ *
_______ Soll
nicht ein Volk bei seinem Gott anfragen? Soll
es für die Lebenden bei den “Toten‘ anfragen? Jesaja
8,19 Die Begriffe „Tot“ und „Tote“ nach
der Bibel Wenn ihr heute in Wort oder Schrift
von ‘Toten‘ redet, so meint ihr damit die irdisch Verstorbenen, deren Leiber
auf den Kirchhöfen ruhen. Eine andere Bedeutung der Bezeichnung ‘Toten‘ habt
ihr nicht. Ihr versteht unter ‘Tod‘ also bloß die Trennung des Geistes vom
irdischen Körper. In der Heiligen Schrift wird sehr
viel von dem ‘Tod‘ und den ‘Toten‘ gesprochen. Aber nur an wenigen Stellen
ist unter ‘Tod‘ das irdische Sterben gemeint. Die ‘Toten‘ der Bibel sind
nicht die aus dem irdischen Leben Geschiedenen. Wenn die Bibel von ‘Tod‘
spricht, meint sie nicht die Trennung des Geistes vom Körper, sondern die
Trennung des Geistes von Gott. Mit Gott vereint sein und ihm angehören, ist
das ‘Leben‘. Von Gott getrennt sein, ist der ‘Tod‘. Diese Lehre zieht sich durch alle
Schriften des Alten und Neuen Testamentes. Die ‘Toten‘ sind also die von Gott
Getrennten, die ‘geistig Toten‘. Mögen sie nun als Geister im Jenseits weilen
oder als von Gott abgefallene Menschen durch dieses irdische Leben gehen. Schon das erstemal, wo das Wort
‘Tod‘ in der Bibel vorkommt, bezeichnet es die Trennung von Gott. Als nämlich
Gott den ersten Menschen im Paradies den Genuß einer bestimmten Frucht
verbot, setzte er die Drohung hinzu: ‘An dem Tage, wo ihr davon esset,
werdet ihr des ‘Todes‘ sterben‘ (1.Mose2,17). - Es war damit nicht der
irdische Tod gemeint, sondern die Trennung von Gott. Die ersten Menschen
starben ja auch nicht leiblich, als sie das Verbot übertreten hatten, sondern
erlitten den geistigen Tod. Durch ihren Ungehorsam traten sie auf die Seite
des Bösen und trennten sich dadurch von Gott. Als Mose vor seinem irdischen Tode
von seinem Volke Abschied nahm, gab er ihm die Mahnung: ‘Das ‘Leben‘ und den
‘Tod‘ habe ich euch vorgelegt, den Segen und den Fluch. So wähle denn das
‘Leben‘, indem du den Herrn, deinen Gott, liebst und seinen Weisungen
gehorchst und fest an ihm hältst‘(5.Mose30,19-20).- Nicht das leibliche Leben
und den leiblichen Tod hat er ihnen vorgelegt, sondern das geistige Leben,
das so lange dauert, als sie fest an Gott halten, und den geistigen Tod, der
sofort eintritt, sobald sie von Gott ablassen und sich von ihm trennen. ‘Wer
das Gebot Gottes bewahrt, der bewahrt sein Leben; wer dagegen das Wort Gottes
verachtet, wird sterben‘ (Sprüche19,16). - ‘Wer mein Wort befolgt, wird den
Tod in Ewigkeit nicht sehen‘ (Joh.8, 51). Die Sünde des Abfalls von Gott
führt also den geistigen Tod herbei. ‘Wisset ihr nicht, daß ihr entweder
Knechte der Sünde seid, was zum Tode führt, oder Knechte des Gehorsams,
wodurch ihr zur Gerechtigkeit gelangt?‘ (Röm.6,16). - ‘Was für eine Frucht
habt ihr damals, als ihr der Sünde dientet aufzuweisen gehabt? Nur solche
Dinge, deren ihr euch jetzt schämt; denn das Ende davon ist der Tod. Jetzt
dagegen, wo ihr von der Sünde frei und Knechte Gottes geworden seid, habt ihr
als eure Frucht die Heiligung und als Endergebnis ewiges Leben. Denn der
Sold, den die Sünde zahlt, ist der ‘Tod‘, die Gnadengabe Gottes ist ewiges
Leben‘ (Römer6,21-23). ‘Nicht jede Sünde führt zur
Trennung von Gott, sondern nur ‘die Sünde, die zur vollen Entwicklung gekommen
ist, gebiert den ‘Tod“ (Jakobus1,15). - Nicht das Straucheln und Fallen des
Gottesgläubigen und Gottsuchers führt den geistigen Tod herbei. Denn es ist
ein Straucheln aus menschlicher Schwäche, ein Fallen auf dem Wege zu Gott.
Aber sich abwenden von Gott, ihm den Rücken kehren und so leben, als ob es
keinen Gott gäbe - das ist die Sünde, die den geistigen Tod gebiert. Die Toten sind die Feinde Gottes.
Sie haben sich unter die Herrschaft der bösen Geistermächte begeben. ‘Sie
haben wie Adam den Bund gebrochen und sind treulos von mir abgefallen‘ (Hosea
6,7). - Sie sind fahnenflüchtig geworden und dienen dem Fürsten der
Finsternis. Ihn haben sie zu ihrem Gott erwählt. Das ist der Sinn des Wortes
‘Abgötterei‘, das so oft in den Heiligen Schriften vorkommt. ‘Ihr ganzes
Treiben gestattet ihnen nicht, zu ihrem Gott zurückzukehren. Denn der Geist
der Abgötterei wohnt in ihrem Inneren‘ (Hosea5,4). - Wegen dieser
abtrünnigen Gesinnung sind sie nicht reif zur Rückkehr. ‚Aus der Gewalt
des Totenreiches sollte ich sie befreien, vom Tode sie erlösen? - Nein -
vielmehr, wo sind deine Seuchen, o Tod? Wo ist deine Pest, o Hölle?‘
(Hosea13,14). - Pest und Seuchen sind die Strafen, die Gott durch die
bösen Geistermächte über die Abtrünnigen verhängt. Sie müssen zuerst mürbe
gemacht werden durch Leid und Jammer, sie müssen elend werden wie der
verlorene Sohn, bis das Heimweh nach dem Vaterhaus, nach Gott, sie packt und
zur Rückkehr treibt. Der Götzendienst ist ein Befragen
der Toten Es ist natürlich, daß Gott, der nur
das geistige Leben will, die Verbindung mit den ‘Toten‘ als seinen Feinden so
streng untersagt. Bei den ‘Toten‘ kann man nichts Gutes lernen, weder die
Wahrheit noch die Tugend. Schrecklich waren die Folgen des
Verkehrs der alten Völker mit den bösen, von Gott getrennten Geistern auf dem
Wege des niedrigen Spiritismus, der in der Bibel stets als ‘Götzendienst‘
bezeichnet wird. Zu allen erdenklichen Greueltaten haben die ‘Toten‘ durch
ihre menschlichen Medien das irregeleitete Volk verführt. Es aß nicht bloß
das Opferfleisch, das den Dämonen geweiht war und bekundete damit seine
Gemeinschaft mit ihnen; es opferte auch seine Söhne und Töchter den bösen
Geistern und trieb bei den Opfermahlen die schändlichste Unzucht. Zu alledem
trieb das Böse diese Menschen an, nachdem sie sich einmal mit ihm in
Verbindung gesetzt hatten. ‘Dann hängten sie sich an Baal-Peor und aßen
Opferfleisch der ‘Toten “(Ps.106,28). - ‘Ja, sie opferten ihre Söhne und
Töchter den bösen Geistern‘ (Ps.106,37). In dem Buch der Weisheit wird der
Einfluß des Götzendienstes mit folgenden Worten geschildert: ‘Indem
sie bald kindermörderische Weihen (Kinderopfer) oder verborgene Geheimkulte
feiern, bald tolle Gelage nach eigenartigen Gebrauchen veranstalten, bewahren
sie weder den Lebenswandel noch die Ehen rein; nein, einer bringt den anderen
durch Meuchelmord um oder kränkt ihn durch Ehebruch. Bei allen ohne
Unterschied herrscht Blutvergießen und Totschlag, Diebstahl und Betrug,
Verführung und Treulosigkeit, Aufruhr und Meineid, Beunruhigung der Guten und
Undankbarkeit, Befleckung der Seelen und unnatürlicher Geschlechtsverkehr,
Zerrüttung der Ehen, Ehebruch und Unzucht. Denn die Verehrung der ‘toten
Götzen‘ ist alles Unheils Anfang, Ursache und Ausgang. Denn entweder rasen
sie in ihren Lustbarkeiten oder weissagen Lügen‘ (Weisheit 14,23-28). Wenn ihr das lest, könntet ihr
vielleicht auf den Gedanken kommen, jene Menschen seien nicht mehr bei
gesunden Sinnen gewesen. Doch sie waren so normal wie ihr. Aber so groß ist
die Gewalt des Bösen und so geschickt seine Art, andere Wesen zu betören, daß
derjenige ihm nicht leicht entrinnt, der ihm einmal verfallen ist. Die
stärkste Waffe der Mächte der Finsternis ist die Mischung von Wahrheit und
Lüge. Denen, die sich mit ihnen durch
‘Befragen der Toten‘ in Verbindung setzen, brachten sie die Überzeugung bei,
daß in den Tieren, in Sonne, Mond und Sternen mächtige Geister verkörpert
seien, die große Gewalt über die Menschen hätten und ihnen Glück und Unglück
bereiten könnten. Daß man sie daher verehren müsse, um sich irdisches
Wohlergehen zu sichern und Mißgeschick von sich fernzuhalten. Daß man ferner
mit ihnen in Verbindung treten könne durch Opfer, besonders durch Opfer von
Kindern. Daß in jedem materiellen Wesen
Geister verkörpert sind, entsprach der Wahrheit; ebenso daß man mit den
Geistern durch Opfer in Verbindung treten kann. Daß aber jene Geisterwelt
mächtige Geister des Gutes seien, die ihren Verehrern Glück brächten, war die
verhängnisvolle Lüge. Hatten aber die bösen Geister einmal ihre Anhänger zu
jener Überzeugung gebracht, dann war es nur mehr ein kleiner Schrift zu den
Menschenopfern. Den Eltern der Kinder, die geopfert werden sollten, wurde
verheißen, daß der Geist ihres Kindes nach dessen Tode als mächtiger,
glückbringender Geist stets um sie sei; daß aber sowohl sie selbst, als auch
ihr Kind Furchtbares erleiden müßten, wenn sie dem Götzen das Opfer
verweigerten. So gaben sie denn in ihrem Wahne nach. Ihr braucht euch darüber nicht zu
wundem. Denn bei dem Götzendienst und den dazu veranstalteten Versammlungen
trugen die bösen Geister durch ihre Trancemedien diese Lehren vor und
beglaubigten sie durch staunenerregende Dinge, die sich dabei ereigneten.
Nicht selten begannen die Götzenbilder selbst zu sprechen. Es waren die
‘direkten Stimmen‘, welche die niedere Geisterwelt mit Hilfe des Ods der
dargebrachten Opfer und der anwesenden Medien erzeugten. Gott ließ das zu, weil er auch den
Bösen in den ihnen gesetzten Grenzen volle Freiheit gewährt. Die Sucht nach irdischem Glück und
Wohlergehen war damals wie heute der Grund des Abfalles von Gott. Nur kannte
man damals die Vorbedingungen für den Verkehr mit der Geisterwelt, und heute
sind diese in Vergessenheit geraten. Infolgedessen zeigte sich damals der
Abfall nicht bloß in der inneren Abkehr von Gott, sondern auch in der
absichtlich herbeigeführten, mit menschlichen Sinnen wahrnehmbaren Verbindung
mit der niederen Geisterwelt im spiritistischen Götzendienst. Das Befragen
der ‘Toten‘ war ein tägliches Bedürfnis für die irdisch Gesinnten, wie das
Befragen Gottes zum ständigen Gottesdienst der Gottesgläubigen gehörte. Das, was die ‘Toten‘ durch ihre
Medien sagten, schmeichelte den menschlichen Leidenschaften. Es war nur
Angenehmes, was sie von ihnen zu hören bekamen. Von den guten Medien als
Werkzeugen Gottes wollten sie nichts wissen. Was diese ihnen im Auftrag
Gottes mitzuteilen hatten, war ihnen zu bitter. ‘Ein widerspenstiges Volk,
mißratene Kinder, die den Weisungen des Herrn nicht gehorchen wollten; die zu
den Sehern sagen: Ihr sollt nicht sehen! Und zu den Propheten Gottes: Ihr
sollt uns nicht die Wahrheit prophezeien! Verkündet uns angenehme Dinge!
Prophezeit uns Täuschungen! Weicht vom richtigen Wege ab, verlaßt den rechten
Pfad! Laßt uns mit ‘dem Heiligen Israels‘ in Ruhe!‘ (Jesaja 30,9-11). -
Nur angenehme Dinge wollten sie hören, besonders für ihr materielles
Fortkommen. Auch wollten sie mit ganz bestimmten Geistern in Verbindung
kommen, ähnlich wie Saul bei der Totenbeschwörerin in Endor das Erscheinen
des Geistes des Samuel wünschte. Gute Geister lassen sich nicht zitieren, wie
es den Launen und der Sensation der Menschen gefällt. Sie kommen aus eigenem
Antrieb mit Erlaubnis Gottes oder auch in bestimmten Fällen infolge eines
ausdrücklichen Auftrages Gottes. Aber sie kommen bloß zu gottsuchenden
Menschen, um ihnen den Weg zu Gott zu zeigen. Wer von den guten Geistern sich
kundgibt, das haben nicht die Menschen zu bestimmen, sondern das ist Sache
der guten Geisterwelt selbst. Auch von der niederen Geisterwelt kommen
durchaus nicht immer diejenigen, welche die Menschen gern haben möchten,
sondern auch sie bedürfen einer Erlaubnis zu ihrer Kundgebung. Allerdings
werden die niederen Geister stets sagen, sie seien diejenigen, welche man
haben wollte, auch wenn sie es nicht sind. Denn es sind Geister der Lüge, die
das Bestreben haben, ihren Anhängern nur das zu sagen, was ihnen gefällt und
was sie wünschen. Es ist daher auch eine große
Torheit, wenn Menschen miteinander vereinbaren, daß derjenige, welcher zuerst
stirbt, dem Überlebenden Mitteilung machen soll, ob es ein Jenseits gibt. Wer
eine solche Vereinbarung trifft, von deren Erfüllung er seinen Glauben an ein
Fortleben abhängig macht, wird diesen Beweis nie erlangen. Denn solche
Verabredungen beweisen, daß diesen Menschen der Gottesglaube fehlt. Und wer
im Unglauben stirbt, findet ein solches jenseitiges Schicksal, das ihm eine
Kundgebung gegenüber dem Überlebenden nicht ermöglicht. Die Geister der
tiefsten Sphären wissen nichts, auch nichts mehr von einer solchen
Vereinbarung. Und wenn sie es wüßten, könnten sie sich doch nicht von dem Ort
entfernen, an den sie durch ihre Schuld gebannt sind. Wer jedoch
gottesgläubig ist, wird ohne solche Vereinbarungen mit den Geistern seiner
Verstorbenen, falls sie ebenfalls gläubig waren, schon während seines
irdischen Lebens in Verbindung kommen, ohne daß er diese Verbindung
absichtlich sucht. Auch hier gilt das Wort Christi: ‘Suchet zuerst das
Reich Gottes und seine Gerechtigkeit; das andere wird euch dazugegeben
werden.‘ (Matth. 6,33) Aber das Suchen des Reiches Gottes
fehlte bei denen, die sich mit der niederen Geisterwelt abgaben. Ihrer ganzen
Gesinnung nach waren sie keine Gottsucher, sondern ausschließlich auf ihr
irdisches Wohl bedacht. Darum lehnten sie auch die Verbindung mit der guten
Geisterwelt ab. Denn die Antworten, die sie von den guten Geistern bekamen,
waren für die Ohren der ihren Leidenschaften frönenden Menschen zu allen
Zeiten hart und bitter. Sie empfanden die Aussprüche Gottes als eine
drückende Last. Sie gingen so weit, daß sie die im Auftrag Gottes ergangenen
Mahnungen, Warnungen und Drohungen der Propheten mit dem gotteslästerlichen
Ausdruck ‘Last des Herrn‘ bezeichneten. ‘Was ist die Last des Herrn?‘ lautete
die übliche Frage, sooft man wissen wollte, was Gott hatte verkünden lassen.
Darum ließ Gott ihnen sagen: ‘Wenn aber dieses Volk oder ein Prophet oder ein
Priester dich fragen sollte: ‘Was ist die Last des Herrn? so antworte
ihnen: ‘Ihr seid die Last des Herrn, und ich will euch abwerfen. ‘Der Prophet
aber und der Priester und wer sonst vom Volke noch von der ‘Last des Herrn‘
redet, einen solchen Menschen will ich es büßen lassen samt seinem Hause. Ihr
sollt vielmehr zueinander und untereinander so sagen: ‘Was hat der Herr
geantwortet?‘ oder ‘Was hat der Herr Verkündet? ‘Aber den Ausdruck ‘Last des
Herrn‘ sollt ihr nicht mehr gebrauchen, sonst soll einem jeden sein eigenes
Wort zu Last werden; denn ihr würdet die Worte des lebendigen Gottes, des
Herrn der Heerscharen unseres Gottes verdreht haben‘ (Jer.23,33-37). Wer also zum Volke Gottes gehören
wollte, durfte sich nicht mit der von Gott abgefallenen Geisterwelt in
Verbindung setzen. Er durfte nicht die ‘Toten befragen‘. Das war Hochverrat
gegen Gott und Abfall von der Wahrheit. Denn bei den Toten war die Wahrheit
nicht zu finden. ‘Die Toten wissen nichts.‘ Was sie sagen, ist Lüge und
Täuschung und darauf berechnet, die Gottestreuen in die Tiefe zu ziehen. Darum richtet Gott die Mahnung an
sein Volk: ‘Über die kommenden Dinge fragt mich, meine Kinder! Das Werk
meiner Hände lasset mir anbefohlen sein‘ (Jesaja45,11). - ‘Ich der Herr, dein
Gott, bin es, der dich lehrt zu tun, was dir zum Heile dient; der dich auf
dem Wege leitet, den du gehen sollst‘ (Jesaja48,17). - ‘Und wenn jemand zu
euch sagt: Ihr müßt die Totenbeschwörer und Geisterkundigen befragen, die da
flüstern und murmeln! - so entgegnet: Soll nicht ein Volk bei seinem Gott
anfragen? Soll es für die Lebenden bei den Toten anfragen?‘ (Jesaja8,19) -
‘Wie? Nach der Weise eurer Väter wollt ihr euch verunreinigen und mit ihren
Scheusalen ebenfalls Buhlerei treiben? Ja, durch die Darbringung eurer Gaben,
dadurch, daß ihr eure Kinder als Opfer verbrennt, verunreinigt ihr euch an
allen euren Götzen bis auf den heutigen Tag; und da sollte ich mich von euch
befragen lassen. So war ich lebe, ich will mich von euch nicht befragen
lassen.‘ (Hesek.20, 30-31) Die Israeliten hatten das Befragen
der geistig ‘Toten‘ in Ägypten betrieben und waren dort zum großen Teil dem
Götzendienst verfallen. Deshalb gehörte das Verbot Gottes, die Toten zu
befragen, zu den ersten Weisungen, die Gott den Israeliten nach dem Auszug
aus Ägypten gab: ‘Ihr sollt keine Wahrsagerei noch Zauberei treiben!‘
(3.Mose19,26). - ‘Wendet euch nicht an die Totenbeschwörer und an die
Wahrsager; suchet sie nicht auf, damit ihr nicht durch sie verunreinigt
werdet. Ich bin der Herr, euer Gott‘ (3.Mose19,31). - ‘Wenn sich jemand an
die Totenbeschwörer und Wahrsager wendet, um Götzendienst mit ihnen zu
treiben, so will ich mein Angesicht gegen einen solchen Menschen kehren und ihn
aus der Mitte meines Volkes ausrotten‘ (3.Mose20,6) - ‘Wenn ein Mann oder ein
Weib einen Geist der Totenbeschwörung oder einen Wahrsagergeist in sich hat,
so sollen sie unfehlbar mit dem Tode bestraft werden; man soll sie steinigen.
Blutschuld lastet auf ihnen‘ (3.Mose20,27). In diesen Sätzen ist eine
Tatsache enthalten, daß die Totenbeschwörer männlichen und weiblichen
Geschlechts ‘Medien‘ waren, aus denen böse Geister sprachen. Diese Medien
waren für ihre Verbindung mit dem Bösen selbst verantwortlich. Sie hätten das
Böse abweisen können, wenn sie sich gläubig an Gott gewandt hätten und mit
der guten Geisterwelt in Verkehr getreten wären. Ihre Strafe war daher
berechtigt. - Andere traten durch ‘Hellsehen‘ mit der bösen Geisterwelt in
Verbindung. Wenn hier von ‘Blutschuld‘ die Rede
ist, so soll damit nicht das natürliche Blutvergießen oder die körperliche
Tötung bezeichnet werden. Unter ‘Blutschuld‘ versteht die Bibel die geistige
Tötung, die Trennung des Geistes von Gott. Die Totenbeschwörer luden deshalb
eine Blutschuld auf sich, weil sie die Menschen, die zu ihnen kamen, mit den
bösen Geistern in Verbindung brachten, sie dadurch von Gott trennten und so
dem geistigen Tode überantworteten. Die Verunreinigung, die sich jene
zuziehen, welche mit den Totenbeschwörern Verkehr unterhalten, besteht nicht
in einer leiblichen Besudelung. Es ist vielmehr das schlechte Od, das sie bei
den Totenbeschwörern in sich aufnehmen und das ihr eigenes Od verunreinigt
und es zum Tummelplatz böser Geistwesen macht. Saul und die Totenbeschwörerin in
Endor Ein Fall von Totenbeschwörung ist
in der Bibel ausführlich geschildert. Er ist in verschiedener Hinsicht sehr
lehrreich. Es ist die Befragung der Totenbeschwörerin in Endor durch den
König Saul. Samuel war gestorben. Saul aber
hatte alle Totenbeschwörer aus dem Lande getrieben. Da fielen die Philister
mit großer Heeresmacht in sein Land ein. Als nun Saul das Lager der Philister
erblickte, geriet er in Angst und erschrak im innersten Herzen. Er befragte
daher den Herrn; aber der Herr gab ihm keine Antwort, weder durch Hellsehen
noch durch das Orakelschild noch durch die guten Medien. Denn durch seinen
Ungehorsam hatte sich Saul von Gott getrennt. Die Geister Gottes waren von
ihm gewichen, und ein böser Geist hatte Besitz von ihm genommen. Da gab Saul
seinen Dienern den Befehl, eine Frau ausfindig zu machen, die sich auf
Totenbeschwörung verstehe. Er wollte zu ihr gehen und sie befragen. Da ihm
die gute Geisterwelt keine Kundgebung zuteil werden ließ, wollte er es mit
der bösen versuchen. Seine Diener berichteten ihm, daß
in Endor eine Frau wohne, die Tote beschwören könne. Saul machte sich
unkenntlich und begab sich zu ihr auf den Weg. Nachts kam er bei der Frau an
und sagte zu ihr: ‘Wahrsage mir durch Totenbeschwörung und laß mir aus der
Unterwelt den erscheinen, den ich dir nennen werde. ‘Die Totenbeschwörerin
wollte nicht weil sie fürchtete, deswegen angezeigt und getötet zu werden.
Doch Saul beruhigte sie. Da fragte das Weib: ‘Wen soll ich dir erscheinen
lassen?‘ Er antwortete: ‘Laß mir den Samuel erscheinen. ‘Als nun die Frau den
Samuel erblickte, schrie sie laut auf und sagte zu Saul: ‘Warum hast du mich
betrogen? Du bist Saul.‘ Der König erwiderte ihr: ‘Fürchte dich nicht! Doch
was siehst du?‘ Die Frau antwortete ihm: ‘Ein übermenschliches Wesen sehe ich
aus der Erde steigen.‘ Da fragte er sie: ‘Wie sieht es aus?‘ Sie antwortete:
‘Ein alter Mann steigt herauf der in einen Mantel gehüllt ist.‘ Da erkannte
Saul, daß es Samuel sei; er neigte sich mit dem Antlitz zur Erde und bezeugte
ihm seine Ehrfurcht. Samuel aber sagte zu Saul: ‘Warum störst du mich in
meiner Ruhe, daß du mich heraufkommen läßt?‘ Saul erwiderte: ‘Ich befinde
mich in großer Not; denn die Philister haben Krieg mit mir angefangen; Gott
aber gibt mir keine Antwort mehr. Darum habe ich dich rufen lassen, um von
dir zu erfahren, was ich tun soll.‘ Samuel antwortete: ‘Warum fragst du mich
denn, da doch der Herr dich verlassen hat und dein Feind geworden ist? Der
Herr hat dir nur so getan, wie er dir durch mich hat ankündigen lassen. Der
Herr hat dir das Königtum entrissen und es einem anderen, dem David gegeben.
Weil du dem Befehl des Herrn nicht gehorcht hast, darum hat der Herr dich
jetzt in diese Lage kommen lassen. Und der Herr wird auch die Israeliten
zugleich mit dir in die Hand der Philister fallen lassen. Morgen wirst du
mitsamt deinen Söhnen bei mir sein‘ (1.Samuel 28,3-19). Manches in diesem Bericht bedarf
der Erläuterung, da es für euch schwer verständlich ist. Fällt es dir nicht auf, daß Saul
beim Anblick des Heeres der Philister bis in sein Innerstes erbebte? Das war
sonst nicht seine Art. Er war ein tapferer Mann, der unzählige Kämpfe
mitgemacht hatte und dem Tod unerschrocken ins Auge sah. Woher also dieses
plötzliche Erbeben? - Hier hast du eine jener merkwürdigen Tatsachen, die ihr
oft im Leben vor euch sehet. Es ist die ‘Todesahnung‘, wie ihr es nennt. Das
Wort ‘Todesahnung‘ ist nicht richtig gewählt. Es müßte ‘Todesgewißheit‘
heißen. Beim ersten Blick auf das Heer der Philister sagte ihm ein inneres
Etwas, daß seine Todesstunde geschlagen habe. Sie ist ja für einen jeden
durch sein Schicksal festgelegt. Aber was ist das für eine innere Stimme, die
es dem Saul zur Gewißheit werden ließ, daß mit dem beginnenden Kampf sein Tod
mit absoluter Gewißheit verbunden sei? Was war es, das so manchem eurer
Soldaten im Kriege als innere Stimme zurief: ‘Beim nächsten Angriff findest
du den Tod!‘ Oder: ‘Den heutigen Tag wirst du nicht überleben!‘ Oder: ‘Es ist
dein letzter Urlaub, den du hast. Du wirst zu den Deinen nicht mehr
zurückkehren!‘ - Warum fiel es manchen Soldaten, die doch oft in Urlaub
waren, gerade das letztemal so schwer, an die Front zu gehen, von der sie
nicht mehr zurückkehren sollten? - Bei Saul sowohl als auch bei allen
anderen, denen die innere Gewißheit von dem nahen Tode zuteil wurde, waren es
die Schutzgeister, die auf jene wichtigste Stunde des Lebens aufmerksam
machten. Sie sind euch als Führer und Freunde beigegeben. Oft in eurem Leben
hat ihre Stimme euch gewarnt, wo euch Gefahr drohte. Sie waren eure
Beschützer. Oft haben sie für rechtzeitige Rettung gesorgt. Aber nun, wo der
unabänderliche Schlußstrich unter das Leben gemacht wird, schütteln diese
Geisterfreunde euer ganzes Innere mit solcher Gewalt, daß die nahende
Todesstunde euch in die Ohren gellt und ihr es nicht überhören könnt. Sie
wird euch zu Gewißheit. Nicht bei allen dürfen sie es. Bei denen es
geschieht, ist es eine besondere Gnade, damit sie in den ihnen noch
verbleibenden Augenblicken den Anschluß an Gott suchen und sich seine Hilfe
für den folgenschweren Schritt ins Jenseits sichern. Auch für Saul war es der
letzte Ruf der Geisterboten Gottes, zu dem Gott zurückzukehren, dem er untreu
geworden war. Anstatt sich bei seiner Todesgewißheit innerlich an Gott zu
wenden und sein Treuegelöbnis mit aller Aufrichtigkeit zu erneuern, hat er
zunächst bloß äußerlich durch Medien bei Gott angefragt, um irdische Hilfe
von ihm zu erlangen. Eine innere Verbindung mit Gott in Reue über sein
bisheriges Verhalten hat er nicht erstrebt. Darum gab Gott ihm auch auf sein
äußeres Anfragen keine Antwort. So ging er denn in seiner Angst um sein
irdisches Leben zu der Totenbeschwörerin. Wenn Saul sagte: ‘Ich bin in großer
Not‘, so meinte er damit die Todesgewißheit, die auf ihm lastete. Bei dieser Gelegenheit möchte ich
dich auch noch kurz auf die zahlreichen anderen Arten der Ankündigung eines
nahenden Todes aufmerksam machen. Du weißt, daß der Volksglaube das Heulen
eines Hundes, das Erscheinen eines Vogels, das Weißwerden von Pflanzen und
viele andere Dinge als Vorausverkündung eines Todesfalles ansehen. Das ist
kein Aberglaube, wie eure wissenschaftlich so aufgeklärte Zeit meint. Es ist
Wahrheit. Und wenn durch diese Zeichen auch nicht derjenige bestimmt
angegeben wird, der gemeint ist, so sollen es sich alle zu Herzen nehmen, die
jene Zeichen kennen und Einkehr in sich selbst halten. Es ist ein Ruf eurer
Geisterfreunde, der euch an Gott und die Rechenschaft erinnert, die ihr ihm
nach dem irdischen Scheiden ablegen mußt. Die Geisterwelt ist es, die jene
Tiere als Werkzeuge benützt und sie das tun läßt, was euch als Vorbedeutung
erscheint. Denn ich habe dir oft gesagt, daß auch Tiere als Medien benutzt
werden können und zwar sowohl von der guten, als auch von der bösen Geisterwelt.
Dasselbe gilt von den Pflanzen und Blumen. Doch die Geisterwelt wendet jene
Zeichen nur dann an, wenn die Menschen, die sie sehen, auch fähig sind, die
Zeichen zu verstehen. Denn die Geister tun nichts Zweckloses. Das möge über
diesen Punkt genügen. Bei der Totenbeschwörerin in Endor
möchte es auffallend erscheinen, daß Samuel überhaupt erschien. Er gehörte ja
nicht zu den ‘Toten‘, also nicht zu den von Gott Getrennten. Er war keiner
von den Geistern der Tiefe, mit denen die Frau in Endor bisher in Verbindung
stand. Er war ein guter Geist Gottes. Das erkannte die Frau auch an der
übermenschlichen Größe, in der der Geist des Samuel erschien. Durch das
Erscheinen des Geistes Samuels vollzog sich an Saul ein Strafgericht Gottes.
Saul sollte sofort für den Frevel büßen, daß er sich an das Böse um Auskunft
gewandt hatte. Wäre anstelle Samuels ein böser Geist erschienen, so würde er
ihm nicht die furchtbare Wahrheit seines Schicksals gesagt, sondern ihm eine
angenehme Täuschung offenbart haben. Darum mußte nach dem Willen Gottes der
gute Geist Samuels vor die Hellseherin treten, die zugleich hellhörend war
und durch sie dem Saul das kundtun, was ihn am anderen Tag erwartete. Daß er
heute schon das Furchtbare erfuhr, war das Schwerste, was ihn treffen konnte:
‘Morgen wirst du samt deinen Söhnen und einem großen Teil deines Heeres
sterben.‘ Das bedeutete für Saul eine Todesqual, die jetzt schon begann und
sein Inneres bis zur Stunde der Erfüllung zermalmte. Darum fiel er bei der
Schreckenskunde voll Entsetzen seiner ganzen Länge nach zu Boden. Was er bei
der Totenbeschwörerin erfahren wollte, nämlich wie er den Sieg über seine
Feinde erlangen könne, das erfuhr er nicht - und das Schreckliche, das er
nicht wissen wollte, ward ihm zur Strafe offenbart. Bei ihm ging in
Erfüllung, was Gott durch den Propheten Hesekiel sagen ließ: ‘Wenn irgend
jemand aus dem Hause Israel und von den Fremden, die in Israel leben, sich
von mir lossagt und seine Götzen in sein Herz schließt und sich als Anstoß zu
seiner Verschuldung vor die Augen stellt und sich trotzdem zu einem Propheten
begibt, damit dieser mich für ihn befrage, so will ich, der Herr, ihm
persönlich Antwort erteilen, und zwar will ich gegen den betreffenden Mann
vorgehen und ihn zu einem warnenden Beispiel und zu einem Sprichwort machen
und ihn aus der Mitte meines Volkes ausrotten, damit ihr erkennt, daß ich der
Herr bin‘ (Hesek.14,7-8). Daß die Totenbeschwörerin beim
Erscheinen Samuels den Saul erkannte, kam daher, daß sie hellhörend vom Geist
des Samuel den Namen Sauls vernahm. Wenn ferner Samuel in seiner
Kundgebung an Saul verheißt, daß er und seine Söhne morgen bei ihm seien, so
ist das nicht so zu verstehen, als ob Saul und seine Söhne im Jenseits mit
Samuel dasselbe Schicksal teilten. Samuel will Saul nur kundtun, daß er und
seine Söhne am anderen Tage sterben würden und daß Samuel sie bei ihrem
Übertritt ins Jenseits abholen werde. Denn die Geister der Sterbenden werden
von den ihnen im Tode Vorausgegangenen schon am Sterbebett in Empfang
genommen und begrüßt, wenn sie ihnen im Leben nahegestanden. Von ihnen werden
sie auch belehrt und ermahnt, bevor sie an den Ort kommen, an den sie gemäß
dem ihnen zuteil gewordenen Los hingehören. Das ist ein ebenso
selbstverständliches Gesetz der Geisterwelt, wie es für euch eine
Selbstverständlichkeit ist, eure Freunde bei der Landung im Hafen eines
fremden Landes abzuholen, wenn ihr selbst schon vorher in diesem Lande
angekommen seid. Deshalb kann doch euer Schicksal in jenem Lande von dem
Schicksal eurer Freunde wesentlich verschieden sein. Bei der Totenbeschwörerin in Endor
erfolgte die Verbindung mit den ‘Toten‘ auf dem Wege des Hellsehens und
Hellhörens. Sie teilte dem, der sie befragte, bloß mit, was sie sah oder
hörte. Andere Totenbeschwörer waren wirkliche Medien und fielen in Trance,
und der fremde Geist redete selbst durch sie. Wenn endlich gesagt ist, daß der
Geist Samuels ‘aus der Erde heraufgestiegen sei‘, so ist dies nur nach dem
Augenschein angegeben. Der Geist bedarf, um sich sichtbar
zu machen, einer Odwolke. Das Od entnimmt er der Odstrahlung der ihn
umgebenden Menschen. Die Odwolke bildet sich nicht auf einmal, sondern
entwickelt sich nach und nach, meistens von unten nach oben größer werdend,
so daß es wie ein Aufsteigen nach oben aussieht. Daß Samuel als alter Mann
erschien und in den Mantel gehüllt war, den er als Mensch zu tragen pflegte,
geschah deswegen, damit man seine Persönlichkeit erkennen konnte. Die Geister
pflegen sich in der Odgestalt zu zeigen, die alle diejenigen Merkmale trägt,
an denen man sie während ihres irdischen Lebens erkannte. Wie ihr eure
materielle Gewandung nach Belieben gestalten könnt, so vermögen auch die
Geister ihrer Odgewandung die Formen zu verleihen, die ihnen am
zweckmäßigsten erscheinen. Da die Gesetze der Verbindung mit
der niederen Geisterwelt dieselben sind, wie die des guten Geisterverkehrs,
so seht ihr in den Berichten der Heiligen Schrift bei dem Befragen der Toten
die selben Mittel angegeben, wie beim Befragen Gottes. Hier wie dort trefft
ihr als Träger der erforderlichen Odkraft die Medien, entweder als Propheten
des Baal oder als Propheten Gottes. Hier wie dort werden zur Verstärkung der
Odkraft Tieropfer dargebracht und Räucherungen vorgenommen. In beiden Fällen
werden Orte gewählt, die frei sind von jeder Störung und an denen die
schädigenden Wirkungen von Licht und Wärme auf die Odverdichtung möglichst
beseitigt sind. Darum werden in der Bibel zugleich mit dem Götzendienst auch
die Orte verwünscht, an denen der Verkehr mit den bösen Geistern unterhalten
wurde. ‘Mein Volk befrage sein Stück Holz, und sein Stab muß ihm die
Zukunft kundtun. Denn der Geist der Abgötterei hat sie betört, daß sie ihren
Gott verlassen haben und Götzendienst treiben. Auf den Gipfeln der Berge
opfern sie und 1assen Weihrauch aufsteigen auf den Hügeln unter Eichen,
Pappeln und Terebinthen, deren Schatten ja so lieblich ist‘ (Hosea 4,12-13). Aus allem, was dich die Bibel über
die ‘Toten‘ lehrt, magst du ersehen, daß die ‘Toten‘ die Mächte des Bösen
sind. Wer sich diesen Mächten anschließt, trennt sich von Gott und erleidet
den geistigen Tod. ‘Groß stand Israel da; als es sich aber durch den
Baalsdienst versündigte, fing es an zu sterben‘ (Hosea 13,1). Nun darf man jedoch nicht meinen,
der Baalsdienst bestehe bloß darin, daß der Mensch sich wirkliche
Götzenbilder mache und sich absichtlich mit der bösen Geisterwelt in
Verbindung setze, wie dies in den alten Zeiten geschah und heute noch beim
Götzendienst verschiedener Völker geschieht. Götzendienst ist vielmehr schon
jede Gesinnung, die Gott aus dem Leben ausschaltet und sich ganz zu dem
Materiellen hinwendet und unter dem Einfluß des Bösen das Irdische anstelle
Gottes setzt. Die Menschheit der jetzigen Zeiten
ist nicht minder götzendienerisch, wie die Völker, von denen euch die Bibel
berichtet, wenn auch in den Gebieten der sogenannten Kultur keine
Götzenbilder von Holz oder Stein aufgestellt werden. Aber die Götzenbilder
stehen in den Herzen. Es ist das Geld, die Ehre und das irdische Wohlergehen.
Und diesen Götzen werden heute ebenso viele Opfer gebracht, wie vor
Jahrtausenden den sichtbaren Götzen. Diesen Götzen werden, wenn auch in
feinerer Weise, heute noch Millionen von Menschen, Millionen von Kindern
geopfert. Die bösen Geistermächte des ‘Totenreiches‘ führen auch in den
heutigen Zeiten die Herrschaft über den weitaus größten Teil der Menschheit.
Und was der Prophet Micha von den damaligen Geschlechtern sagt, gilt in
demselben Umfang von der Jetztzeit: ‘Ausgestorben sind die Frommen im
Lande, und ehrliche Leute gibt es nicht mehr unter den Menschen. Allesamt
liegen sie auf der Lauer nach Übeltaten. Jeder macht auf den anderen Jagd mit
dem Fangnetz. Auf das Böse gehen ihre Hände aus, es eifrig auszuführen. Der
Obere fordert, und der Richter steht ihm gegen Bezahlung zu Diensten. Der
Mächtige spricht das aus, wonach ihn gelüstet, und dann karten sie es
miteinander ab. Der Beste unter ihnen ist wie ein Dornstrauch, der
Rechtschaffenste schlimmer wie eine Dornhecke. Aber der Tag, den deine Späher
angekündigt haben, dein Strafgericht, kommt heran. Alsdann verlaßt euch nicht
auf den vertrauten Freund! Vor dem Weibe, das an deinem Busen liegt, hüte die
Pforten deines Mundes! Denn der Sohn mißachtet den Vater, die Tochter lehnt
sich wider die Mutter auf, die Schwiegertochter wider die Schwiegermutter.
Eines jeden Feinde sind die eigenen Hausgenossen. - Ich aber will nach
dem Herrn ausschauen, will harren auf Gott, der mir hilft: Mein Gott wird
mich erhören‘ (Micha7,2-7). Aber Gott wird sich auch der
heutigen Menschheit erbarmen. Er wird es tilgen, daß sie wieder mit der guten
Geisterwelt in Verbindung kommt und dadurch von den Toten aufersteht. ‘Es
wird geschehen, daß ich meine Geisterwelt über alles Fleisch ausgieße, so daß
eure Söhne und eure Töchter weissagen, eure Greise Offenbarungen in Visionen
empfangen, eure jungen Leute Gesichte schauen; ja selbst über die Knechte und
Mägde werde ich in jenen Tagen meine Geisterwelt ausgießen‘ (Joel 3,1-2). ____________ *
____________ Sie werden alle von Gott
unterwiesen sein. (Joh. 6,45) Die Belehrung über die Gesetze des
Geisterverkehrs mit der materiellen Schöpfung und alles, was ich selbst bei
diesem Verkehr erlebte, verbreiteten so viel Licht über die mir bisher unverständlichen
Geschehnisse, die in der Bibel berichtet sind, daß alle Unklarheit schwand.
Außerdem setzten sie mich instand, auch die Dinge zu verstehen, die ich
später durch mündliche und gedruckte Berichte über Vorkommnisse
außergewöhnlicher Natur kennenlernte. Was mich jedoch innerlich am
meisten beschäftigte, waren die großen religiösen Fragen. Über sie wollte ich
vor allem Gewißheit haben. Ich war Geistlicher und hatte mein Leben der
religiösen Belehrung meiner Glaubensgenossen gewidmet. Da war es natürlich,
daß ich mich in erster Linie danach sehnte, Gewißheit darüber zu bekommen, ob
auch alles Wahrheit war, was ich bisher in meiner Religion glaubte und
lehrte, oder ob es Glaubenssätze in meiner Kirche gab, die von der Wahrheit
abwichen. Daß die Abweichungen so zahlreich
und bedeutend wären, wie es sich nach und nach zu meiner großen Überraschung
ergab, konnte ich nicht ahnen. Doch war ich von vornherein darauf gefaßt. In späteren Jahren las ich, daß
besonders die katholische Kirche und die ihr angehörenden Schriftsteller in
ihren Schriften über “Spiritismus“ vor dem sogenannten
“Offenbarungsspiritismus“ dringend warnten. Also gerade vor dem, was der
ernste Wahrheitssucher in erster Linie erstrebt. Denn wer, wie ich, die
spiritistischen Zusammenkünfte nach der Weise der ersten Christen als
wirkliche Gottesdienste abhielt, dem war es nicht darum zu tun, möglichst
interessante spiritistische Phänomene zu erzielen, wie dies in den
gewöhnlichen okkulten Sitzungen erstrebt wird, sondern ich wollte mit
derselben guten Geisterwelt in Verbindung kommen, welche die Menschheit der
biblischen Zeiten belehrte hatte. Von ihr hoffte ich die Wahrheit über die
wichtigsten Lebensfragen des Menschen zu erfahren, ich wollte von ihr über
die Zusammenhänge von Diesseits und Jenseits belehrt werden. Alles andere war
mir Nebensache. Daß die “Kirchen“ vor einem solchen
Spiritismus, wie er von mir betrieben wurde, als von einem
“Offenbarungsspiritismus“ dringend warnten, fand ich allerdings von ihrem
Standpunkt aus selbstverständlich. Denn sobald man die Möglichkeit zugibt,
daß die Menschen von Gottes Geistern auch heute noch durch direkte
Kundgebungen in alle Wahrheit eingeführt werden können, beginnen die
Fundamente der Kirchen zu wanken. Die Kirchen mit ihren sich widersprechenden
Glaubensbekenntnissen kommen dann in Gefahr, ihre Gläubigen zu verlieren.
Denn die Menschen sind dann bei ihrem Suchen nach Wahrheit nicht mehr auf
ihre Religionsdiener angewiesen, sondern besitzt in dem Verkehr mit der
Geisterwelt Gottes denselben direkten Weg zu der Quelle der Wahrheit, den die
Menschheit der biblischen Zeiten besaß. Der Selbsterhaltungstrieb ist der
Grund, weshalb die Religionsdiener der Kirchen Gegner des Spiritismus im
allgemeinen und besonders des sogenannten “Offenbarungsspiritismus“ sind. Es
ist der Kampf, den ein Herodes um seine Königsherrschaft zu führen beschloß,
als er Kunde von dem neugeborenen König der Juden erhielt. Dieser Kampf der Kirchen gegen den
gottgewollten Geisterverkehr wird jedoch ebenso vergeblich sein, wie es der
Kampf des Herodes gegen den Gottgesandten war. Die Wahrheit, daß die gute
Geisterwelt mit den Menschen in Verbindung treten und ihnen die großen und
wichtigen Fragen des Jenseits unabhängig von Kirchen und Kirchendienern
beantworten kann, wird ihren Siegeslauf durch die Menschheit nehmen. Und von
den Kirchen wird es auch einmal heißen: “Die sind tot, die dem Kinde nach
dem Leben strebten“ (Matth.2,20). Was von den bestehenden Kirchen dem
unwissenden Volke vorgetragen wird, ist nicht die Wahrheit. Ganz anders
lauten die Antworten der Geisterwelt Gottes auf die Fragen über Gott, die
Schöpfung Gottes und ihr Schicksal, über die Erlösung, über Christus, sein
Leben und sein Werk, über Kirche und Sakrament, über Himmel und Hölle und
über das Entstehen und letzte Ziel alles Geschaffenen. _______ *
_______ Kannst
du den Urgrund der Gottheit erreichen oder
die Unendlichkeit des Allmächtigen ergründen? (Hiob 11,7) Du willst, daß ich dich über Gott
belehren soll. Aber was soll ich dir sagen, das du begreifen könntest? Du
verstehst ja nicht einmal das niedrigste Sein, das dich umgibt, verstehst
dein eigenes Sein nicht. Du kannst das kleinste Steinchen am Wege und den
geringsten Wurm auf dem Felde nicht begreifen. Es fehlt dir jedes Verständnis
für die armseligste Materie, die dein Auge sieht - und da sollte ich dir das
höchste Sein erklären, das rein Geistige deinem Verständnis näherbringen? Das ist unmöglich. Dafür fehlen dir
alle Begriffe, die zur Aufnahme dieser höchsten Wahrheiten nötig sind. ‘Denn
der vergängliche Leib beschwert die Seele, und die irdische Behausung
belastet den denkenden Geist. Kaum erratet ihr, was auf der Erde ist, und nur
mit Mühe machet ihr ausfindig, was handgreiflich vor euch liegt! Wer aber hat
die himmlischen Dinge ergründet?‘ (Weisheit9,15-16). Nur eins kann jeder von euch durch
vernünftiges Denken finden: Daß es etwas geben muß, das die Ursache alles
Geschaffenen ist. Wie keine Uhr denkbar ist ohne Uhrmacher, so ist auch die
wunderbarste und genaueste Uhr, die es gibt, nämlich die Weltenuhr, nicht
denkbar ohne einen großen Meister, der diese Weltenuhr mit ihren Billionen
und abermals Billionen Rädern gemacht hat, die alle genau ineinanderpassen
und ineinandergreifen und so pünktlich gehen, daß ihr schon heute ausrechnen
könnt, wie nach Tausenden von Jahren die einzelnen Räder dieser Uhr
zueinander stehen werden. Den für ein Menschengehirn
unausdenklich großen Schöpfer der Weltenuhr nennt ihr ‘Gott‘. Daß also ein
Gott existieren muß, kann jeder erkennen, und nur die Toren sprechen in ihren
Herzen: ‘Es gibt keinen Gott‘ (Psalm14,1). Aber das Wesen Gottes kann ich dir
nicht klarmachen und auch nicht die Ursache für das göttliche Sein angeben.
Wollte ich es versuchen, so wäre es dasselbe, als wenn du einem vierjährigen
Kinde die Berechnung der Sternenbahn klarmachen wolltest. Dem Kinde würde ja
jedes Verständnis für die astronomische und mathematische Wissenschaft mit
ihren Grundsätzen, Formeln und Gleichungen fehlen. Und wenn sogar eure
berühmtesten Astronomen viele Jahre gebraucht haben, um die Berechnung einer
einzigen Sternenbahn fertigzustellen, so würdest du einen Menschen, dem alle
Begriffe jeder Wissenschaft fehlen, ins Irrenhaus bringen, sobald du versuchen
wolltest, ihm das für ihn Unbegreifliche beizubringen. So würdest auch du
irrsinnig, wenn ich dein Denken mit Begriffen füllen wollte, die dir ganz
unfaßbar wären und von deinem Verstand nicht verarbeitet werden könnten. Auch
du mußt sagen: ‘Zu wunderbar ist solches Wissen für mich, zu hoch, ich vermag
es nicht zu begreifen‘ (Psalm139,6). Außer dem, was du schon über Gott
weißt, kann ich dir also nicht viel mehr sagen. Dein eigenes Denken zeigt dir
Gott als einen wollenden, schaffenden und alles weise ordnenden höchsten
Geist, zeigt dir seine Allmacht, Weisheit und Größe, soweit sie der
menschlichen Vernunft zugänglich ist. Aus den Heiligen Schriften erfährst du
Näheres über seine Weltregierung, seine Wunderwerke, seine Liebe und sein
Erbarmen mit den Geschöpfen. Ich kann dir die Wahrheiten der Heiligen
Schriften über Gott nur näher erklären und dich auf falsche Auffassungen
aufmerksam machen, die in den Lehren eurer Religionen über Gott und seine
Eigenschaften enthalten sind. Daß Gott ein Geist ist, darin
stimmen die Religionen überein, gemäß den Worten Christi: ‘Gott ist Geist,
und die ihn anbeten, sollen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten‘
(Joh.4,24). Aber darin stimmen sie nicht überein, daß dieser höchste
Geist eine Gestalt hat. Viele meinen, Gestalt sei bloß bei der Materie zu
finden, aber nicht beim Geist. Das ist ein Irrtum. Das Materielle ist ein
Abbild des Geistigen. Und wie alles Materielle Form und Gestalt hat, so auch
alles Geistige, also auch Gott. Es gibt überhaupt nichts Formloses, weder in
der materiellen noch in der geistigen Welt. Schönheit ist Formvollendung,
auch im Reiche des Geistes. Gott ist die vollendetste Schönheit und daher
auch die vollendetste Gestalt. Gott als selbständiges, denkendes und
wollendes Wesen ist Persönlichkeit. Es gibt aber keine Persönlichkeit, kein
‘Ich‘ ohne Form und Gestalt. Gott unterscheidet sich als höchster Geist von
allen geschaffenen Geistern. Eine Unterscheidung ist aber nur dort möglich,
wo Merkmale der Unterscheidung vorhanden sind. Und Merkmale sind nur dort, wo
sich Form und Gestalt findet. Weil Gott Gestalt hat, kann er von
den Geistern geschaut werden. Alle, die zu ihm kommen, werden ihn sehen, wie
er ist, von Angesicht zu Angesicht. Darum bat Mose Gott, doch in eigener
Person mit dem Volke Israel zu ziehen. ‘Wenn du nicht in Person mitziehst,
so laß uns lieber nicht von hier wegziehen.‘ Da antwortete der Herr: ‘Auch
diese Bitte will ich dir erfüllen ‘(2.Mose33,15+17). Weiter bat Mose: ‘Laß
mich doch dein Angesicht schauen!‘ Aber der Herr antwortete: Mein Angesicht
kannst du nicht sehen. Denn ein Mensch, der mich schaut, bleibt nicht am
Leben‘ (2.Mose33,18+20). Gott hat also Gestalt und Angesicht. Wenn er
auch nicht von Menschen geschaut werden kann, so doch vom Geiste. Weil Gott Persönlichkeit ist und
Gestalt hat, ist er nicht in der Weise allgegenwärtig, wie ihr das auffaßt.
Wohl sind ihm alle Dinge und alles Geschehen gegenwärtig durch die von ihm
ausgehende Kraft; denn alles, was existiert, verdankt sein Dasein, Bestehen und
Wirken nur der von Gott ausgehenden Lebenskraft: ‘In ihm leben wir, bewegen
wir uns und sind wir.‘ Durch seine Kraft ist er mit allem Bestehenden
verbunden. Nichts kann sich seinem Einfluß entziehen. Aber als geistige Persönlichkeit
ist er nicht überall. Darum betet ihr ja auch: ‘Vater unser, der du bist in
dem Himmel.‘ - ‘Vom Himmel blickt der Herr herab, sieht alle Menschenkinder;
von der Stätte, da er thront, überschaut er alle Bewohner der Erde, er, der
allen ihr herz gebildet, der acht hat auf all ihr Tun‘ (Ps.33,13-15). - ‘Der
Herr schaut aus dem Himmel nach den Menschenkindern, zu sehen, ob da sei ein
Verständiger, der nach Gott frage‘ (Ps.53,3). - Und von der Wohnung Gottes
heißt es: ‘Ein Strom ist da; seine Bäche erfreuen die Gottesstadt, die heilige
Wohnung des Höchsten. Gott ist in ihrer Mitte, sie wird nicht wanken‘
(Ps.46,5-6,). Was euch die Heilige Schrift an so
vielen Stellen über Gott sagt, ist nicht bloß Bild und Gleichnis, sondern
Wahrheit mit dem Unterschied, daß das, was ihr materiell unter dem Gesagten
versteht, bei Gott geistig ist. Es gibt einen Thron Gottes und eine Wohnung
Gottes. Gott kann sich in Person zu den einzelnen Teilen der Schöpfung
begeben. Es ist Wahrheit, wenn es in der Bibel heißt: ‘Als Gott dann seine Unterredung
mit Abraham beendet hatte, fuhr er zum Himmel empor von Abraham weg‘
(1.Mose17,22). Du kennst ja die vielen Stellen der Bibel, in denen vom Kommen
und Gehen Gottes die Rede ist. Wie wunderbar die Weltregierung
Gottes eingerichtet ist, vermag ich dir nicht einmal anzudeuten. Es geht über
die Grenze eures Denkens weit hinaus. So könnt ihr euch kein Bild davon
machen, daß bei allen Lebewesen Geister Gottes als Wächter stehen und über
alles Geschehen Bericht erstatten. Darum kann nichts geschehen ohne Wissen
Gottes. Ihr nennt Gott daher den Allwissenden. Und ihr habt Recht. Nur in einem Punkt geht ihr bei der
Allwissenheit Gottes wieder zu weit, aus Furcht, ihr würdet sonst Gott etwas
von seiner Größe rauben. Ihr lehrt nämlich, daß Gott auch diejenigen freien
Entscheidungen des Menschen wisse, die noch der Zukunft angehören. Da seid
ihr falsch unterrichtet; Gott weiß alles Tatsächliche. Er weiß das Vergangene
und das Gegenwärtige. Er weiß jeden Gedanken. Von dem Zukünftigen weiß er die
Schicksale, die er selbst für die Geschöpfe festgelegt hat. Aber er weiß
nicht das, was in der Zukunft von der freien Willensentscheidung der
geschaffenen Wesen abhängt. Er weiß nicht im voraus, wie der freie Wille des
Geschöpfes in diesem oder jenem Falle sich entscheiden wird. Darum prüft er
ja auch die Geschöpfe. Eine Prüfung wäre aber überflüssig
und zwecklos, wenn Gott ohne Prüfung schon das Resultat der Prüfung bekannt
wäre. Gott aber tut nichts Zweckloses. Auch wäre das Vorherwissen Gottes bezüglich
der zukünftigen freien Entscheidungen der Geschöpfe nur auf Grund von
Gesetzen möglich, die eine Notwendigkeit der zukünftigen Entscheidung in sich
schließen und dadurch die Freiheit der Willensentscheidung aufheben würden.
Es ist ein Widerspruch in sich, daß etwas frei-gewollt und doch zugleich
notwendig eintreten soll. Es würde notwendig eintreten, wenn Gott es als
Tatsache vorausgewußt hätte. Denn auch das Wissen Gottes unterliegt, wie
jedes andere Wissen, ewigen Gesetzen. Für Gott ist aus demselben Grunde 2 mal
2 gleich 4, wie für jeden anderen Geist. Ein Wissen, also auch ein
Vorauswissen, für das es keinen Anhaltspunkt gibt, existiert nicht. Auch
nicht bei Gott. Denn auch beim Wissen Gottes gilt der Satz: ‘Nichts ohne
Ursache.‘ Wenn Ihr die freigewollten
zukünftigen Entscheidungen der Geschöpfe ein absolut sicheres Vorauswissen
Gottes bestünde, dann müßte ein Grund für dieses Wissen vorhanden sein.
Dieser Grund könnte nur der sein, daß Gott von sich aus die zukünftige freie
Entscheidung des Geschöpfes mit einer solchen Notwendigkeit herbeiführt, daß
sie nicht anders ausfallen kann. Damit wäre aber die Freiheit des Geschöpfes
aufgehoben. Das Nichtwissen der freien
zukünftigen Entscheidungen der Geschöpfe ist nicht ein Mangel in der
Vollkommenheit Gottes, sondern eine notwendige Folge der Freiheit des
Willens, des höchsten Geschenkes, das Gott seinen Geschöpfen geben konnte.
Wie Gott so vieles deswegen nicht kann, weil es ein Widerspruch in sich wäre,
wie er zum Beispiel nicht machen kann, daß 2 mal 2 gleich 5 ist, so kann er
auch kein mit Freiheit begabtes Geschöpf schaffen, dessen freie
Willensentscheidungen von Gott mit absoluter Gewißheit vorausgewußt werden,
die also mit irgendeiner Notwendigkeit erfolgen müßten. Denn Freiheit und
Notwendigkeit einer Entscheidung sind innere Widersprüche. Und absolute
Sicherheit eines Ereignisses ist stets mit einer absoluten Notwendigkeit des
Geschehens verbunden. Diese Wahrheit können eure Religionsgelehrten nicht
umstoßen, mögen sie auch noch so viele Bücher schreiben, die das Gegenteil
lehren. Es sind alles Trugschlüsse, durch
die sie die Mitmenschen irreführen. Es ist ein großer Trugschluß, wenn sie
sagen, für Gott sei alles Gegenwart; für ihn gebe es keine Zukunft, und alles
Zukünftige, auch die freigewollten Taten der Geschöpfe, seien ihm jetzt schon
als Tatsachen gegenwärtig. Und daher wisse er sie. So wenig, wie für euch ein Haus,
das erst in der Zukunft gebaut werden soll, jetzt schon steht, ebensowenig
ist für Gott das zukünftige Geschehen jetzt schon Tatsache. Zudem liegt es ja
gerade in dem Begriff der freien Entscheidungen, daß es fraglich ist, ob die
dadurch herbeizuführenden Geschehnisse überhaupt erfolgen und wie sie
erfolgen. Du weißt, daß ich dir hierin, wie
in allem anderen, die Wahrheit sage. Du hast die zahlreichsten Beweise
bekommen, daß ich ein Geist der Wahrheit bin, der dich belehrt. Ich habe es
dir geschworen bei dem Allerhöchsten, dem wahrhaftigen Gott. Ich verkleinere
durch diese Wahrheit des Nichtvorauswissens der freien Entscheidungen nicht
die Größe Gottes. Aber ihr verunehrt Gott durch die gegenteilige Lehre, durch
die ihr den Menschen einen abschreckenden Begriff von Gott vor Augen stellt. Denn groß ist die Zahl der
Menschen, die gerade deswegen das Dasein Gottes leugnen, weil sie es nicht
fassen können, daß ein Gott Geschöpfe ins Dasein rufen sollte, von denen er
mit absoluter Sicherheit weiß, daß sie ewig unglücklich werden. Ihr lehrt ja,
wenn auch mit Unrecht, daß die Verdammten ewig verdammt bleiben. Nach eurer
Lehre sollte also Gott Millionen Wesen geschaffen haben, von denen er mit
unabänderlicher Sicherheit wußte, daß sie ewig verdammt würden. Ein solcher Gott wäre kein Gott,
sondern ein Ungeheuer. Auch der verkommenste irdische Vater würde sein Kind
nicht dorthin senden, wo eine nie endende Qual mit absoluter Sicherheit
seiner harret. Und was für einen irdischen Vaterbegriff eine
Ungeheuerlichkeit bedeutet, das sollte im Begriffe Gottes, des unendlich
gütigen Vaters, Wahrheit sein!? Lies doch die Heiligen Schriften!
Sie lehren dich, daß Gott gerade deswegen die Prüfungen schickt, um durch das
Verhalten der Menschen in diesen Prüfungen festzustellen, nach welchen
Richtungen sie sich entscheiden. ‘Der Herr, euer Gott, will euch nur auf
die Probe stellen, um sich zu überzeugen, ob ihr den Herrn, euren Gott von
ganzem herzen und von ganzer Seele liebt‘ (5.Mose13,4). Als Gott manche Völkerschaften
nicht in die Hand des Josua fallen, sondern sie weiter bestehen ließ, wird in
der Bibel auch der Grund angegeben, weshalb er dies tat. Es heißt dort: ‘Folgendes
sind die Völkerschaften, die der Herr weiter bestehen ließ, um durch sie die
Israeliten auf die Probe zu stellen, nämlich die, welche die sämtlichen
Kämpfe um Kanaan nicht mitgemacht hatten: ‘Die fünf Fürsten der Philister,
alle Kanaanäer, die Sidonier, die Hewiter... Durch diese wollte er nämlich
Israel auf die Probe stellen, um zu erfahren, ob sie den Geboten des Herrn
gehorchen würden, die er ihren Vätern durch Mose zur Pflicht gemacht hatte‘
(Richter3,1-4). Von dem gottestreuen König Hiskia heißt es: ‘Bei
Gelegenheit der Gesandtschaft, welche die Fürsten von Babylon an ihn
geschickt hatten, um Erkundigungen wegen des Wunders einzuziehen, das im
Lande geschehen war, verließ ihn Gott, um ihn auf die Probe zu stellen, damit
er seine Gesinnung völlig kennenlernte‘ (2.Chronik32,31). In den Psalmen
heißt es: ‘Seine Augen halten Umschau, seine Wimpern prüfen die
Menschenkinder. Es prüft der Herr den Gerechten und den Gottlosen, und wer
Gewalt liebt, den haßt sein Herz‘ (Psalm11,4-5). - Und in den Sprüchen: ‘Der
Schmelztiegel ist für das Silber und der Ofen für das Gold; aber der die
Herzen prüft, ist der Herr‘ (Sprüche17,3). Beim Propheten Jesaja heißt
es: ‘Wisse wohl: ich habe dich geläutert, aber nicht als Silber erfunden;
ich habe dich geprüft im Glutofen des Leidens ‘(Jes.48,10). Das in der Bibel erwähnte Schicksal
des Hiob ist ja nichts anderes als eine Probe, durch die Gott erfahren
wollte, wie sich dieser gerechte Mensch im schwersten Leid ihm gegenüber
verhalten würde. Alle Prüfungen, denen die Menschen von Gott unterworfen
werden, wären ja ein Komödienspiel, wenn Gott im voraus wüßte, wie die
Prüfungen ausgingen. Daß Gott, der den Geist seiner
Geschöpfe bis in die tiefsten Tiefen kennt, in vielen Fällen aus dieser
Kenntnis heraus weiß, wie ihre freie Entscheidung mit höchster
Wahrscheinlichkeit ausfallen wird, ist klar. Dieses Wissen haben auch wir
Geister in großem Umfang. Selbst ihr Menschen seid imstande, wenn ihr den
Charakter eines Mitmenschen kennt, mit einer gewissen Bestimmtheit
vorauszusagen, wie er sich in diesem oder jenem Falle verhalten und
entscheiden wird. Es ist dies alles aber bloß ein Mutmaßen. Doch darum
handelt es sich hier nicht, sondern um eine unfehlbare Sicherheit im
Vorauswissen einer Entscheidung, die vom freien Willen abhängt. Und dieses unfehlbare Wissen
besitzt kein Geist. Auch Gott nicht. Darum wußte auch Gott nicht im voraus,
ob von den geschaffenen Geistern einige oder viele zum Abfall kämen und
selbstverständlich auch nicht, welche von diesen Geistern abfallen würden. Er
kannte bloß die Möglichkeit des Abfalls, die ja in dem freien Willen von
selbst gegeben war. Hätte Gott mit Sicherheit
vorausgewußt, wie ihr lehrt, daß von ihm ins Dasein gerufene Geschöpfe unter
Mißbrauch ihrer Freiheit von ihm abfallen würden, so würde er diese überhaupt
nicht geschaffen haben, sondern nur solche, von denen er vorauswußte, daß sie
ihm treu blieben. Weitere Irrtümer der Religionen
über Gott Noch zwei andere große Irrtümer
eurer Religion über den Gottesbegriff will ich hier nur kurz andeuten, weil
eine ausführliche Belehrung darüber bei einer anderen Gelegenheit gegeben
wird. Ihr lehrt einen Gott in drei
Personen. Ihr behauptet also, daß es drei Geister gibt, von denen jeder
wahrer Gott sei und die zusammen doch nur einen Gott ausmachten. Das ist
menschlicher Wahn und die größte Torheit. Es gibt keine Dreifaltigkeit und
keine Dreieinigkeit in dem Sinne, wie ihr es lehrt. Gott ist nur eine einzige
Persönlichkeit. Nur der Vater ist Gott. Alle anderen heiligen Geister sind
Geschöpfe Gottes. Keiner von ihnen ist dem Vater gleich. Ferner lehrt ihr einen ewig
strafenden Gott. Ihr lehrt eine ewige Hölle. Die Hölle ist nicht ewig. Gott
ist die Liebe. Er verstößt kein Geschöpf für immer. Alle, die durch eigene
Schuld von ihm abgewichen sind, kehren auch wieder zu ihm zurück. Das ist die
Wahrheit, für die ich ein andermal den Beweis liefern werde. _______ *
_______ Du
hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet. Denn
deine gewaltige Macht zu betätigen, steht
dir alle Zeit zu Gebote. (Weisheit 11,20-21) Gott ist Geist und alles was er
erschafft, ist Geist. Nach seinem Bilde rief er geistige Wesen ins Dasein in
einer so unermeßlichen Menge, daß ihr keine irdischen Zahlen habt, mit denen
ihr sie auch nur annähernd ausdrücken könntet. Auf welche Weise der unendlich
große und allmächtige Gott die Geisterwelt schuf, kann dir als Mensch nicht
klargemacht werden. Das zu wissen, ist für den Menschen auch nicht notwendig und
von keiner Bedeutung für sein Seelenheil. Es genügt, die Zusammenhänge
kennenzulernen, in denen der Mensch mit der Schöpfung Gottes steht. Daraus
kann er ersehen, weshalb er auf der Erde ist und welche Aufgaben er in seinem
irdischen Dasein zu erfüllen hat. Dazu sollen meine Belehrungen über die
Schöpfung Gottes dienen. Gott schuf die Geisterwelt nicht
auf einmal. Gott ist der große Bildner, der nach unendlich weisen Gesetzen
aus dem Meinen das Große, aus der Einheit die Vielheit, aus dem Samenkörnchen
den Baum mit Billionen Samenkörnchen als Keime neuer Bäume schafft; der die
Familie nicht dadurch bildet, daß er Eltern und Kinder gleichzeitig ins
Dasein ruft, sondern daß er ein Elternpaar erschafft und ihm die
Zeugungskraft verleiht, so daß nach und nach durch Geburt von Kindern die
Familie wächst und aus dieser Familie neue Familien bis ins Unbegrenzte
entstehen können. In derselben Weise ging Gott bei
seiner geistigen Schöpfung vor. Alle Gesetze, die ihr in den irdischen Welten
sehet, sind in der geistigen Welt ebenso vorhanden. Wiederholt habe ich dich mit allem
Nachdruck auf diese Tatsache hingewiesen und muß es immer von neuem betonen,
weil es die Wahrheitsgrundlage für alles Wissen über das Jenseits ist, ob ihr
sie nun annehmt oder mit spöttischem Lächeln als unglaublich von euch weist. So werdet ihr wohl ungläubig den
Kopf schütteln, wenn ich sage, daß das in der ganzen irdischen Natur und bei
allen Lebewesen vorhandene Gesetz der Verbindung des Männlichen mit dem
Weiblichen auch in der geistigen Schöpfung in demselben Umfang gilt und
gelten muß. Denn die Materie ist ja bloß eine Verkörperung des Geistigen,
also bloß ein anderer Zustand des Geistes, der die geistigen Gesetze nicht
aufhebt, sondern sie bloß in einer der Materie angepaßten Weise wirksam
werden läßt. Wie es daher in der irdischen
Schöpfung männliche und weibliche Wesen aller Gattungen gibt, so gibt es auch
männliche und weibliche Geister in der geistigen Schöpfung. Die Zahl der
männlichen Geister ist dieselbe, wie die der weiblichen. Jedem männlichen
Geist ist ein weiblicher Geist nach Gottes Gesetz zugeteilt. Beide passen
vollkommen zueinander und finden in der gegenseitigen Ergänzung und in ihrem
treuen Zusammenarbeiten an der ihnen von Gott gegebenen Aufgabe ihr höchstes,
persönliches Glück. Solche füreinander geschaffene
Geisterpaare nennt man ‘Duale‘. Das bedeutet so viel wie: ‘Zwei, die
zusammengehören‘. Das sind die Ehen, die im Himmel geschlossen wurden. Von diesem Gesetz der paarweisen
Verbindung des Männlichen mit dem Weiblichen ist bloß Gott ausgenommen und
der als erstes Geschöpf ins Dasein getretene ‘Sohn Gottes‘, den ihr
‘Christus‘ nennt. („Dualität Christi“ siehe auch die Anmerkung im Anhang des
Herausgebers.) Von allen anderen geschaffenen
Geistern gilt das Wort der Bibel: ‘Mann und Weib erschuf er sie‘ und das
andere Wort: ‘Wachset und mehret euch!‘ Christus ist der höchste Geist, den
Gott in seiner Allmacht schaffen konnte. Er ist in allem sein vollkommenstes
Ebenbild, soweit ein geschaffener Geist die Vollkommenheit des Schöpfers
besitzen kann. Darum nennt ihn Paulus mit Recht ‘ein Ebenbild des
unsichtbaren Gottes und den Erstling der ganzen Schöpfung‘ (Kol. 1,15). Christus ist also nicht Gott, wie
viele heute lehren, sondern der als Erster geschaffene ‘Sohn Gottes‘, sein
höchstes und vollkommenstes Geschöpf. Nach Christus traten noch sechs
Geister ins Dasein, die ebenfalls ‘Söhne Gottes‘ genannt werden, die aber ihr
Sein dem himmlischen Leibe nach dem erstgeschaffenen Sohn Gottes verdanken
und diesem an Größe, Macht und Herrlichkeit nicht gleichkommen. Der zweite ‘Sohn Gottes‘ war der,
den ihr mit ‘Luzifer‘ bezeichnet: Der Lichtträger, nach Christus der höchste
der geschaffenen Geister, der später von Gott abfiel. Ein anderer der sieben
‘Söhne Gottes‘ tritt euch in der Geschichte des Tobias entgegen. Dort gibt
sich der als Mensch verkörperte hohe Geist des Himmels, der den jungen Tobias
begleitet hatte, der Familie des Tobias mit den Worten zu erkennen: ‘Ich bin
Raphael, einer der sieben Söhne Gottes‘ (Tobias 12,15). Die ganze außer dem
erstgeschaffenen Sohne Gottes ins Dasein getretene Geisterwelt ist nicht eine
direkte Schöpfung Gottes, wie der erste Sohn, sondern durch den
erstgeschaffenen Sohn, dem Gott die Schöpferkraft verlieh, ins Leben
getreten. Darum schreibt Paulus in seinem Brief an die Kolosser: ‘Durch
Christus ist alles geschaffen worden, was im Himmel und auf der Erde ist, das
Sichtbare und das Unsichtbare, Throne wie Herrschaften, Mächte und Gewalten:
Alles ist durch ihn und zu einer Gemeinschaft mit ihm geschaffen worden, und
er steht über allem und alles hat in ihm die Quelle seines Bestehens. ‘(Kol.
1,16-17) Wie das ganze irdische
Menschengeschlecht die Quelle seines leiblichen Bestehens in dem ersten Menschen
hat, so hat die ganze Geisterwelt den Grund ihres leiblichen Daseins in
Christus. Wie die Menschen vom ersten menschlichen Stammvater nur ihren
materiellen Leib durch viele Generationen hindurch überkommen haben, ihr
Geist jedoch jedesmal ohne Mitwirkung der Zeugenden mit dem Körper vereinigt
wird, so haben auch die himmlischen Wesen ihren himmlischen Leib dem Erstling
der himmlischen Schöpfung, dem ersten Gottessohn zu verdanken, während ihr
Geist, als von Gott kommend, jedesmal von Gott aus mit dem himmlischen Körper
vereinigt ward. Die Unterscheidung zwischen
‘himmlischen Leibern‘ und ‘irdischen Leiber‘ ist dir ja aus meinen früheren
Erklärungen verständlich. Bei den jenseitigen Wesen ist der Leib in geistiger
Form vorhanden. Darüber belehrt euch Paulus in seinem ersten Brief an die
Korinther: ‘Es gibt himmlische Leiber und irdische Leiber; aber anders ist
die äußere Erscheinung der himmlischen, anders die der irdischen Leiber ...
So gut es einen materiellen Leib gibt, gibt es auch einen geistigen.‘
(15,40-44) Der Geist empfängt in dem, was man
‘Odleib‘ nennt, seine Gestaltung. Der Geist selbst ist ein Funke Gottes, der
je nach der Hülle leuchtet, der er einverleibt wird. Es ist dies zwar nur ein
Bild; aber anders als in unvollkommenen Bildern kann euch Menschen das
Geistige nicht verständlich gemacht werden. Wie ihr in der irdischen Schöpfung
die mannigfachsten Gattungen und Arten der Lebewesen habt, höhere und
niedere, abr jede Gattung und Art in sich und in bezug auf die von ihr zu
erfüllende Aufgabe etwas Vollkommenes ist, so waren auch die Geister, die
Gott in den himmlischen Leibern zu Einzelwesen gestaltete, in einer
herrlichen Vielheit der Gattungen und Arten vorhanden. Ihr selbst
unterscheidet ja nach der Bibel in der Geisterwelt Cherubinen, Seraphinen,
Erzengel, Engel, Herrschaften, Mächte und Fürstentümer. Die Einheit der geschaffenen
Geister Die durch Christus und zu einer
Gemeinschaft mit ihm geschaffene Geisterwelt war zu einem wunderbaren
lebendigen Organismus vereinigt, in dem alle Geister die Glieder einer
geistigen Gemeinschaft waren, verschieden in ihrer Art und Vollkommenheit. So wie die Glieder eines irdischen
Leibes trotz der Verschiedenheit ihrer Gestaltung und ihrer Aufgaben doch
zusammen ein organisches Ganzes bilden, an dem kein Glied überflüssig und
kein Glied für sich selbst da ist, so bildete auch die Geisterschöpfung einen
geistigen Leib mit Christus als Haupt und der übrigen Geisterwelt als
Glieder. In einem wohlgeordneten irdischen
Reich bildet der König als Haupt der Nation zusammen mit seinen Ministern,
seinen höheren und unteren Beamten und der Gesamtheit der Untertanen eine
einzige große Familie, in der alle an dem Wohl des Ganzen arbeiten und wo vom
Wohl des Ganzen auch das Wohl des Einzelnen abhängt. So auch in der großen
Geisterfamilie. Jeder Geist hatte die ihm eigene
Aufgabe, hohe oder minderhohe, aber alle waren zu einer großen, herrlichen
Einheit zusammengefaßt, in welcher kein Geist überflüssig war und der
einzelne Geist nicht für sich wirkte, sondern mit den anderen zusammen an der
wunderbaren Aufgabe, welche die Schöpfung Gottes zu erfüllen hatte. Sie sollte teilnehmen am Wirken
Gottes und infolgedessen an all dem Glück und der Schönheit dessen, der sie
ins Dasein gerufen, an der Herrlichkeit Gottes und Christi, als dem von Gott
bestimmten König. Darum kommt der Apostel Paulus in
seinen Briefen immer wieder auf ‘das Geheimnis des Leibes Christi‘ zu
sprechen. ‘Wie wir an einem Leibe viele Glieder besitzen, die Glieder aber
nicht alle dieselbe Verrichtung haben, so bilden wir viele alle zusammen
einen Leib in Christus. Im Verhältnis zueinander aber sind wir Glieder, doch
so, daß wir Gaben besitzen, die nach der uns verliehenen Gnade verschieden
sind‘ (Römer12,4-6). - Daß wir in allem zunehmen in ihm, der das Haupt ist,
Christus; in ihm ist der ganze Leib zusammengefügt und vereint durch
jegliches Band der Mithilfe nach der einem jeglichen Gliede zugemessenen
Wirksamkeit, und dadurch erhält er sein Wachstum‘ (Epheser4,15-16). -
‘Christus ist das Haupt, von welchem der ganze Leib, durch Band und Fuge
zusammengehalten und vereint, Wachstum hat zum Gedeihen in Gott‘ (Kol.2,19).
Diese große Gemeinschaft der Geister nennt Paulus auch ‘Kirche‘. ‘Christus
ist das Haupt des Leibes - der ‘Kirche“ (Kol. 1,18). - ‘Gott hat alles
geordnet unter seine Füße und ihn gesetzt zum Haupt über die gesamte Kirche
welche sein Leib ist und die Fülle dessen, der alles in allein erfüllt‘
(Epheser1,22-23). Die ‘Kirche‘ ist also die
Gemeinschaft der gottestreuen Geister unter dem Königtum Christi. Das Wort
‘Kirche‘ bedeutet ‘Herrschaft des Herrn‘. Wer sich dieser Herrschaft und
dadurch Gott unterstellt, gehört zur ‘Kirche‘. Der richtige Begriff ‘Kirche‘
hat also mit euren irdischen Kirchen und religiösen Gemeinschaften nichts
gemein. Das alles ist Menschenwerk, aus menschlichen Irrungen entstanden und
vergänglich, wie alles Menschliche. Der Abfall eines Teils der
Geisterwelt Das, was Paulus als den ‘geistigen
Leib Christi‘ schildert, war bei der Geisterschöpfung vollkommene
Wirklichkeit. Alle Geistwesen, die ins Dasein traten, waren Geister des
großen Geisterorganismus und Christus als dem Haupte untergeordnet. Sie
unterstanden keinem Zwang. Sie hatten ihre volle Freiheit. Was sie taten,
geschah aus freier Entscheidung ihres Willens. Alle waren Christus als ihrem
König und Statthalter Gottes und dadurch Gott selbst in Treue zugetan. Ein
inniges Band der Liebe umschlang diese große Geisterfamilie. Das Regieren
Christi als Beauftragter Gottes war nicht ein Thronen als Herrscher, sondern
vielmehr ein Geleiten in brüderlichem Schutze. Es war die schützende Hand des
Stärkeren über den Schwächeren. Der freie Wille, der als höchstes
Geschenk des Schöpfers den Geistern zuteil geworden war, gab ihnen freilich
auch die Möglichkeit, sich den Anordnungen ihres von Gott gesetzten Königs zu
widersetzen. Von allen geschaffenen Geistern - außer dem ersten Sohne Gottes
- gilt das Wort der Heiligen Schrift: ‘Seinen Dienern kann der Schöpfer
nicht trauen und seinen Engeln legt er Mängel zur Last ‘(‘Hiob4,18) - und
das andere Wort: ‘Bedenke doch: Selbst seinen heiligen Engeln kann er
nicht trauen, und der Himmel ist nicht rein in seinen Augen‘ (Hiob15,15). Und doch sind es heilige Geister,
solange sie die Herrschaft Gottes und Christi über sich anerkennen und sich
nicht durch Abfall von dem Reiche Gottes trennen. Leider kam die Trennung eines
großen Teiles der Geisterwelt von dem Reiche Gottes durch Auflehnung gegen
das Königtum Christi. Es war nicht, wie ihr lehrt, eine direkte Auflehnung
gegen Gott selbst, sondern gegen den von ihm eingesetzten Statthalter. Es war die erste Revolution. Ihr
könnt euch die Vorgänge nicht menschlich genug vorstellen. Sie waren
dieselben, wie sie bei euren irdischen Revolutionen eintreten. Denn auch bei
euren Revolutionen sind es ja nicht die materiellen Körper der Revolutionäre,
welche die Pläne zum Aufstand schmieden und zur Ausführung zu bringen suchen,
sondern die Geister der irdischen Menschen. Und wenn ihr das Entstehen und
den Verlauf menschlicher Revolutionen in ihren Einzelheiten verfolgt, dann
habt ihr auch ein der Wahrheit sehr nahekommendes Bild von der ersten
Revolution im Geisterreich Gottes. Alle Revolutionen werden von langer
Hand vorbereitet. Sie entstehen nicht plötzlich. Sie gehen von einem
Rädelsführer aus, der eine möglichst große Anzahl Gleichgesinnter auf seine
Seite bringt, sie in seine Pläne einweiht und ihnen für den Fall des
Gelingens hohe Ämter und Machtstellungen als Belohnung in Aussicht stellt.
Die in den Plan Eingeweihten bearbeiten, zuerst in vorsichtiger Weise, dann
immer offener die große Masse des Volkes, ohne die eine Revolution nicht
möglich ist. Diese Masse der sogenannten
Mitläufer, die bei den irdischen Revolutionen toben und schreien, wissen
gewöhnlich gar nicht, worum es sich eigentlich handelt. Sie laufen mit, weil
auch andere mitlaufen; sie schreien, weil auch andere schreien. Sie sind daher auch bei weitem
nicht so schuldig, wie die Rädelsführer, die ihren Plan in seiner ganzen
Tragweite reiflich überlegt und in allen Teilen gründlich vorbereitet haben.
Sie wissen genau, was sie wollen. Darum trifft sie auch nach euren
menschlichen Gesetzen die schwerste Strafe, während die Masse der Mitläufer
viel milder beurteilt und behandelt wird. Der Rädelsführer bei der Revolution
im Geisterreich Gottes war Luzifer, der zweite Sohn des Allerhöchsten, der
Lichtträger, der nach Christus höchste und schönste Geist der Schöpfung
Gottes. Und was wollte er? - Er wollte höher hinaus. Er wollte als erster
regieren und nicht als zweiter unter der Leitung eines anderen stehen. Er
wollte an die Stelle Christi treten und an seiner statt König sein. Er wollte
den Bruder stürzen. Dieser Plan kam auch bei ihm nicht
plötzlich. Er reifte nur nach und nach in ihm heran, bis er als fester
Entschluß und dadurch als vollendete Sünde diesen hohen Geist befleckte. Gott
griff nicht ein, um die Auflehnung im Keime zu ersticken und mit Gewalt zu
verhindern, wie er es gekonnt hätte. Er läßt dem freien Willen der Geschöpfe
seinen Weg, wie er ja auch bei euch Menschen nicht eingreift, sobald ihr
Frevel plant und eure Vorbereitungen zur Ausführung trefft. Er ließ Luzifer und seine
Miträdelsführer ruhig arbeiten und hinderte sie nicht in ihren Bemühungen,
sowohl hohe, leitende Geister zu betören, als auch die Massen der Mitläufer
durch Versprechungen zu verlocken. Es war die große Probe, auf die Gott die
ganze geschaffene Geisterwelt stellen wollte. Mit freiem Willen sollte sie
sich entscheiden, ob sie auf der Seite Christi als dem von ihm eingesetzten
rechtmäßigen König bleiben oder zu Luzifer übertreten wollte. Zu den Mitläufern, die sich in
allen Geisterstufen in größerer Anzahl vorfanden, gehörte auch ein
Geisterfürst, der in eurer Bibel als Mensch den Namen Adam führt. Solche
Geisterfürsten gab es unzählige im Geisterreich Gottes. Große Geisterscharen
waren den einzelnen Fürsten unterstellt. Auch bei Adam war dies der Fall.
Viele dieser Fürsten halfen als Miträdelsführer dem Luzifer die Revolution
vorbereiten. Andere, darunter auch Adam, gehörten mit mehr oder weniger
großen Scharen ihrer Untergebenen zu den Mitläufern. Da kam die Stunde, wo Luzifer und
sein Anhang stark genug zu sein glaubten, die Herrschaft im Reiche der
Geister an sich zu reißen, zumal auch ein großer Teil des Streitheeres Michaels
mit ihm gemeinsame Sache machte. Auch bei euren irdischen Revolutionen legt
man den größten Wert darauf, das Heer für die revolutionären Ideen zu
gewinnen. Das war auch Luzifer in großem Umfang gelungen. Ein solches
Streitheer war gewissermaßen als stehendes Heer von vornherein von Gott
vorgesehen für den Fall, daß es einmal benötigt würde. So habt ihr ein
stehendes Heer, um für den Fall irgendeiner drohenden Gefahr gerüstet zu
sein. Die Strafe für die Abgefallenen Als nun der Kampf begann und sich
die Scheidung der Geister für oder gegen Christus vollzogen hatte, griff Gott
ein. Die Prüfung war vorüber. Der innere und äußere Abfall war vollendete
Tatsache. Nun folgte die Strafe. Fürst Michael erhielt den Befehl, mit den
treugebliebenen Legionen seines Streitheeres die Rebellen zu stürzen. Mit
Gottes Kraft ausgerüstet, führte er den Befehl aus. Furchtbar war das
Schicksal, das zunächst den einstigen Lichtträger und die mit ihm vereinten
Miträdelsführer traf. Sie wurden in die tiefsten Sphären der Schöpfung
verwiesen, von deren Finsternis und ihren Schrecken ihr euch auch nicht ein
annäherndes Bild machen könnt. Auch vermag ich dir nicht zu erklären, wie
diese Tiefen der Finsternis aufzufassen sind nach dem wirklichen Begriff des
Seins. Das gilt ja auch von eurer irdischen Finsternis. Ihr erfahret zwar,
daß dort Finsternis eintritt, wo das Licht vollständig schwindet. Und je mehr
das Licht schwindet, um so größer ist die Finsternis. Sie entsteht also durch
Entziehung des Lichtes. Aber worin sie besteht, dafür fehlen euch die
Begriffe. Ferner wißt ihr ebenfalls aus
Erfahrung, daß alle Farben zusammengemischt das Weiß ergeben und daß im
Lichtstrahl alle Farben enthalten sind; daß ferner das Schwarz nichts anderes
als das Fehlen aller Farben ist. Übertrage diese eure menschliche Erfahrung
auf den Ausschluß der gefallenen Geisterwelt aus dem Bereich jeglichen
Lichtes und dadurch auch jeglicher Farbe, und du ahnst, wie undurchdringlich
diese Finsternis sein muß, wenn du auch nicht weißt, was die Finsternis ihrem
Begriff nach ist. Die Heiligen Schriften kommen
öfters auf diesen Geisterkampf und den Sturz der Bösen zu sprechen. Christus
selbst sagt: ‘Ich sah den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel
herabgestürzt‘ (Luk10,18). - Und der Apostel Johannes sah in einer Vision
den Kampf Michaels und seiner Legionen gegen Luzifer. ‘Es erhob sich dann
ein Kampf im Himmel. Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen, und
der Drache und seine Engel setzten sich zur Wehr. Doch gewannen sie den Sieg
nicht, und ihres Bleibens war nicht länger im Himmel‘ (‘Offenb.12,7-8). -
Petrus schreibt: ‘Gott hat nicht einmal gegen gefallene Engel Schonung
geübt sondern sie in die Unterwelt hinabgestoßen, hinein in die Höhlen der
Finsternis, wo sie so lange festgehalten werden, bis sie sich wieder zu Gott
wenden‘ (2.Petrus2,4,). Die Schilderung der
Geisterschöpfung und des Abfalles eines Teiles der Geisterwelt war in
ähnlicher Weise, wie ich sie hier wiedergegeben, auch als erster Bericht in
der Urbibel enthalten. Später wurde er daraus entfernt. Bei dem Abfall eines großen Teiles
der Geisterwelt erhebt sich für euch Menschen mit Recht die Frage: Wie war es
denn überhaupt möglich, daß hohe und glückliche Geister Gottes fallen
konnten? Der Grund ist bei jenen Geistern derselbe gewesen, der auch bei
eurem Geist so oft als Ursache eurer Fehltritte zu finden ist: Das Streben
nach Mehr. Wer viel hat, möchte immer noch
mehr haben. Und wessen Macht groß ist, der möchte sie noch gesteigert sehen,
selbst auf die Gefahr hin, mit einem Schlage alles zu verlieren. Seht ihr das
nicht bei den Großen in der Geschichte der Menschheit und bei den Kleinen im
täglichen Leben? Mit ergreifenden Worten schildert
Hesekiel im Auftrag Gottes in einem Klagelied auf den König von Tyrus den
Grund seines Abfalles als Geist bei der großen Geisterrevolution unter
Luzifer: ‘Der du das Bild der Vollkommenheit warst, voll von Weisheit und
vollkommen an Schönheit. In Eden, dem Garten Gottes, befandest du dich.
Allerlei Edelsteine bedeckten deine Gewandung: Karneol, Topas, und Jaspis,
Chrysolith, Betyll und Onyx, Saphir, Rubin und Smaragd. Aus Gold waren deine
Einfassungen und Verzierungen an dir gearbeitet; am Tage deiner
Erschaffung wurden sie bereitet. Du warst ein gesalbter Cherub, der da
schirmt; ich hatte dich dazu bestellt. Auf dem heiligen Gottesberge weiltest
du, inmitten feuriger Steine wandeltest du. Unsträflich warst du in all
deinem Tun vom Tage deiner Erschaffung an, bis Verschuldung an dir gefunden
wurde. Infolge deines regen Verkehrs (mit Luzifer) füllte sich dein Inneres
mit Frevel. Und als du dich versündigt hattest trieb ich dich vom Gottesberge
weg und verstieß dich, du schirmender Cherub, aus der Mitte der feurigen
Steine. Dein Sinn war hochfahrend geworden infolge deiner Schönheit, und du
hattest deine Weisheit außer acht gelassen um deines Glanzes willen. Darum
stürzte ich dich auf die Erde hinab ... Infolge der Menge deiner
Verschuldungen durch die Untreue deines Tuns hast du deine Heiligtümer
entweiht. Darum habe ich ein Feuer aus deiner Mitte hervorgehen lassen, das
dich verzehrt hat und habe dich zum Staub auf der Erde gemacht vor den Augen
aller, die dich sahen. Ein Ende mit Schrecken hast du genommen und bist dahin
für unabsehbare Zeiten‘ (Hes.28,11-19). ‘Dein Sinn war hochfahrend
geworden‘ - mit diesen Worten ist die Ursache des Abfalles der Geisterwelt am
Richtigsten wiedergegeben. Das ‘Ich will nicht dienen, ich will herrschen‘
hat den Sturz herbeigeführt. Das Paradies als geistige Sphäre Und was geschah mit der großen Zahl
der Mitläufer? Sie waren ja bei weitem nicht so schuldig, wie die Schar der
Rädelsführer. Gott straft nur nach dem Maße der Schuld. Es wäre daher Unrecht
gewesen, wenn Gott sie zusammen mit Luzifer in dieselbe Tiefe der Finsternis
geworfen hätte. Gott verfuhr mit ihnen sehr gnädig.
Eine verhältnismäßig geringe Strafe legte er ihnen auf. Er schloß sie zwar
aus der bisherigen Herrlichkeit aus, versetzte sie aber in eine Sphäre, die
ihr für den Himmel ansehen würdet, wenn ihr sie sehen könntet. Sie ist zwar
nicht in Vergleich zu setzen mit der Herrlichkeit, welche die Mitläufer
vorher im Reiche Gottes besaßen, aber doch so, daß ihr den Begriff des
Paradieses damit verbindet. Denn die Sphäre, in die sie versetzt wurden, ist
das Paradies eurer Bibel. Es war also nicht auf dieser Erde,
wie ihr es auslegt. Denn eine materielle Welt gab es damals noch nicht. Die
biblische Schilderung des Paradieses als eines schönen Gartens mit Flüssen,
Bäumen, Blumen und Früchten hat euch veranlaßt, es auf eure Erde zu verlegen.
Ihr wißt nichts davon, daß es auch in den jenseitigen Sphären alles das in
geistiger Form gibt, was ihr auf eurer Erde in materieller Form vor euch
seht. Dort gibt es Gestalten, Wohnungen, Flüsse, Bäume, Sträucher, Blumen,
Früchte, Speise und Trank, Gold und Edelsteine, Berge und Täler, Musik und
Gesang, Wohlgerüche, Farben und Töne. An vielen Stellen der Heiligen
Schrift findest du meine Angaben bestätigt. Darin wird euch die Stadt Gottes
geschildert mit ihren Mauern und Toren, den Wassern, die da fließen, und den
Blumen, die da blühen, und all den Kostbarkeiten, die das Herz erfreuen
können. Ihr meint, daß sei bloß bildlich zu verstehen. Es ist kein Bild,
sondern Wirklichkeit. Hat nicht Christus selbst gesagt:
‘In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre, würde
ich es euch nicht gesagt haben. Denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu
bereiten. Und wenn ich hingegangen bin und euch eine Stätte bereitet habe,
dann komme ich wieder und will euch zu mir nehmen, damit da, wo ich bin, auch
ihr seid‘ (Joh.14,2-3)? Hat ferner Christus nicht gesagt: ‘Ich werde von nun
an von dem Erzeugnis des Weinstockes nicht mehr trinken, bis zu jenem Tage,
an dem ich es neu trinke im Reiche meines Vaters ‘(Markus14,25)? - Und hatte
nicht schon im Alten Bunde der Engel Raphael zu Tobias gesagt: ‘Ich genieße
eine unsichtbare Speise und einen Trank, den Menschen nicht sehen können‘
(Tobias12,19)? - Ist ferner nicht in der Schilderung des abgefallenen Cherub
beim Propheten Hesekiel ausdrücklich seine herrliche Geistergewandung
erwähnt, besetzt mit Edelsteinen und mit Gold verziert, in die jener hohe
Geist vor seinem Sturz gekleidet war? Habe ich dich nicht bei der Lehre über
das Od eingehend darüber unterrichtet, daß jeder Geist einen Odleib als
geistigen Leib besitzt und daß die irdischen Leiber nur eine Verdichtung der
Odleiber sind? Die vollkommenste Form des Ods ist
also nicht die zur Materie verdichtete, sondern die geistige. Nicht der
materielle Leib ist der schönste, sondern der geistige. Nicht der materielle
Edelstein ist der prachtvollste, sondern der geistige. Nicht das materielle
Gold das wertvollste, sondern da geistige. Denn Gold und Edelsteine sind
sowohl in materieller, als auch in geistiger Form nichts anderes als
wunderbar zubereitetes Od, das in dem einen Falle in verdichtetem, im anderen
Falle in unverdichtetem Zustand sich befindet. Das mag euch schwer verständlich
erscheinen, weil ihr in euren Begriffen ganz auf das Materielle eingestellt
seid. Von geistigen Zuständen habt ihr keine Vorstellung. Auch hat man euch
von Jugend auf nicht darüber belehrt. Die Hellseher jedoch, die mit geistigen
Augen das Geistige schauen können, verstehen das Gesagte vollkommen. Sie
verstehen auch die Schilderung des Paradieses mit seinen Bäumen, Pflanzen,
Früchte und Flüssen als eine geistige Sphäre. Auch was du im Traume erlebst,
siehst und hörst, nimmst du nicht in materieller Weise war, sondern alles
dies steht in geistiger Form und Gestaltung vor dem Träumenden. Die Prüfung der Geister im Paradies In diese geistige Sphäre des
Paradieses wurden also die Mitläufer der Geisterrevolution versetzt. Aber
nicht bloß zur Strafe, sondern auch zur erneuten Prüfung. Es war ein Akt der
Gerechtigkeit und Güte Gottes, daß er diesen Geistern nochmals Gelegenheit gab,
ihren aus Schwäche begangenen Fehltritt durch Bestehen einer Probe wieder
gutzumachen. Sie waren Mitläufer, und ihre Sünde
war nicht der Bosheit ihrer Gesinnung entsprungen. Sie war in schwacher
Stunde durch den Verführer in sie hineingetragen worden. Äußerlich hatten sie
die Lossagung vom Königtum Christi mitgemacht. Aber ihrer Gesinnung nach
waren sie halb auf seiten Christi und halb auf seiten Luzifers, wie das ja
auch heute noch bei so vielen Menschen der Fall ist. Sie hinkten
gewissermaßen nach zwei Seiten. Die Gerechtigkeit Gottes aber verlangte eine
endgültige Stellungnahme auch in ihrer Gesinnung. Er versetzte sie daher mit der
Verweisung in die Paradiessphäre in eine ‘neutrale Zone‘. Hier sollten sie
sich entscheiden. Die Entscheidung wäre ihnen nun nicht schwer gefallen, wenn
sie noch dieselben geistigen Fähigkeiten in dem vollen Maße besessen hätten,
wie sie ihnen vorher im Reiche Gottes beschieden gewesen. Das war jedoch
nicht der Fall. Denn, wie ich dir in der Odlehre mitteilte, hat jede Gegensätzlichkeit
eines Geistes zu Gott auch eine Änderung des geistigen Odleibes zur Folge.
Dieser wird getrübt, verliert die reine geistige Gestaltung und erhält eine
größere Verdichtung. Diese schwächt nicht nur die Erkenntnis, sondern nimmt
dem Geist vor allem die Erinnerung an das frühere Dasein. Daher konnten sich die Geister in
der Paradiessphäre nicht mehr der Herrlichkeit erinnern, die sie vor ihrem
Abfall im Reiche Gottes besaßen. Sonst wäre ja auch eine Prüfung dieser
Geister im Paradies unmöglich gewesen. Denn eine Rückerinnerung an den
früheren Zustand des Glückes und der Vergleich mit dem jetzigen hätte sie
keine Sekunde schwanken lassen, für wen sie sich entscheiden wollten. Aber
weder die verlorene Herrlichkeit, noch der erfolgte Geisterkampf, noch ihr
eigener Abfall bei diesem Kampf war ihnen bekannt. Sie kannten bloß ihr
jetziges Dasein, so wie ihr Menschen auch bloß euer jetziges Leben kennt und
keine Rückerinnerung mehr an eure früheren Daseinsstufen habt, so daß die
meisten Menschen glauben, sie seien bei ihrer jetzigen menschlichen Geburt
zum ersten Mal ins Leben getreten. Weder von dem früheren Weilen bei Gott,
noch von den darauf folgenden irdischen Verkörperungen ihres Geistes wissen
sie etwas. Nur bei Wenigen besteht noch eine dunkle Ahnung, daß sie schon
früher einmal gelebt haben. Die Prüfung, welche die Geister im
Paradies zu bestehen hatten, bestand darin, daß Gott ihnen etwas verbot, was
sie nicht begreifen konnten. Die Bibel stellt diese Verbot dar unter dem
Bilde einer verbotenen Frucht. Das Verbot galt für alle Mitläufer, die wie
Adam gefallen und mit ihm in der gleichen Sphäre weilten und mit demselben
Odleib umkleidet waren. Um diese Geister bemühten sich nun sowohl die
gottestreuen Scharen des Himmels, als auch die finsteren Mächte der Tiefe;
die ersteren suchten sie zur Standhaftigkeit und zur Einhaltung des
göttlichen Verbotes zu bewegen; die letzteren scheuten keine Mühe, ihnen
durch die verlockendsten Vorspiegelungen die Mißachtung jenes Verbotes als
das Beste erscheinen zu lassen. Es war der Kampf, der auch heute
noch um jeden Menschen tobt. Auf der einen Seite die Einflüsterungen des
Bösen, das zum Übertreten des göttlichen Gesetzes reizt und die Sünde als
vorteilhaft erscheinen läßt. Auf der anderen Seite die innere Stimme des
Guten, die warnt und mahnt, dem Bösen nicht nachzugeben. Der Mensch selbst
hat zu entscheiden, wem er folgen will. Die Entscheidung und ihre Folgen Und wenn ihr in eurem menschlichen
Leben die große Masse des Volkes für eure Zwecke gewinnen wollt, dann sucht
ihr zuerst vor allem diejenigen Persönlichkeiten auf eure Seite zu bringen,
die beim Volke im Ansehen stehen und deren Urteil und Tun für die breite
Masse ausschlaggebend zu sein pflegt. So geschah es auch bei den Scharen in
der Sphäre des Paradieses. Unter ihnen ragte Adam, der ehemalige hohe
Himmelsfürst, infolge seiner großen geistigen Fähigkeiten besonders hervor.
Es war daher natürlich, daß seine Stellungnahme zu dem Verbot Gottes auch für
die übrigen Geister des Paradieses ausschlag-gebend werden konnte. Darum
machte sich das Böse in erster Linie an ihn heran, um ihn zu Fall zu bringen.
Es bediente sich dazu des weiblichen Geistes, der Adam als Dual beigegeben
war und den eure Bibel ‘Eva‘ nennt. Eva fiel den Verlockungen des Bösen zum
Opfer und brachte auch Adam zum Abfall. Diesem Beispiel folgten nun alle die
Geisterscharen, die in der Sphäre des Paradieses weilten. Durch diesen zweiten Fall in Sünde
wurden Adam und die übrigen Mitläufer das Eigentum des Bösen und standen mit
Luzifer auf fast gleicher Stufe. Aus den Sphären des Paradieses sanken sie in
die Tiefen der Finsternis hinab. Luzifer war nunmehr auch der Fürst
dieser Geister. In seinem Reich war er selbstständiger Herrscher. Zwar
unterstand auch er der Macht Gottes und konnte insofern nicht tun, was er
wollte, aber die Ausübung seiner Herrscher-rechte über diejenigen, die
freiwillig seine Untertanen geworden waren, schmälerte Gott ihm nicht. Es war
eine furchtbare Folge der Gerechtigkeit Gottes, daß Luzifer diejenigen als
sein Eigentum behalten durfte, die zu ihm übergetreten waren. Für sie gab es
also kein Entrinnen mehr. Selbst wenn ihnen nachträglich ihr Abfall zum Bösen
leid tat, so konnten sie nicht mehr zurück. Sie hatten sich dem Herrscher der
Hölle für immer verschrieben. Das ist der Schuldbrief, auf den
Paulus in seinen Briefen zu sprechen kommt, und von dem er sagt, daß er ein
‘unübersteigbares Hindernis‘ für die Rettung der Gefallenen bedeutet. In
euren irdischen Staaten ist es ja nicht anders. Ist einer Untertan eines
Reiches geworden, so hat er sich der Regierung dieses Landes zu fügen. Ohne
ihre Erlaubnis kann er das Land nicht verlassen. Und ist es mit einem anderen
Reich im Kriegszustand, so wird die Erlaubnis zum Übertritt zum Feind nie
gegeben. So auch im Reiche Luzifers. Es ist beständig im Kriegszustande gegen
das Reich Gottes. Darum war es ausgeschlossen, daß Luzifer einem seiner
Untertanen je die Erlaubnis geben würde, wieder zum Reiche Gottes
zurückzukehren. Ein anderes Beispiel. Wer freiwillig in die Fremdenlegion eintritt,
wird darin festgehalten. Er mag seinen Eintritt nachträglich tausendmal
bereuen, er mag weinen und wehklagen über das, was er dort durchmachen muß -
es hilft ihm nichts. Er untersteht dort einem harten Regiment, das kein
Erbarmen kennt. Er muß bleiben. Und sucht er zu fliehen, so wird er von den
Legionären eingeholt und zurückgebracht, und sein Los wird noch furchtbarer.
Es führt keine Brücke hinüber zu dem Vaterland und der Heimat, die er durch
eigene Schuld verlassen hat. Eine solche Fremdenlegion ist
Satans Reich. Wer bei ihm eintrat, konnte nicht mehr zurück. Es gab keine
Brücke, die über die abgrundtiefe Kluft führte, die sich zwischen der
Fremdenlegion der Finsternis und dem Reiche Gottes aufgetan hatte. Diese
Brücke wurde erst später durch die Erlösung Christi gebaut. Darum läßt
Christus in dem Gleichnis von dem reichen Prasser und dem armen Lazarus
dieselbe Wahrheit durch den Mund Abrahams aussprechen: ‘Und zu alledem ist
zwischen uns und euch eine große Kluft festgelegt, damit die, welche von uns
zu euch hinüberwollen, es nicht können und man auch von dort nicht zu uns
herüberkommen kann‘ (Lukas16,26). Ein drittes Beispiel. Betrachte das
Schicksal eines Soldaten, der im Kriege sein eigenes Heer verläßt und zum
Feinde übergeht. Er mag nachher seine Fahnenflucht bitter bereuen und sich
noch so sehr in sein Vaterland zurückzusehen - der Feind gibt ihn nicht frei. Nun habe ich dich in meinen
Belehrungen bis zu dem Punkte geführt, wo sich zwei Reiche in
unüberbrückbarem Gegensatz zueinander befinden. Das Reich der von Gott
Getrennten oder das ‘Totenreich‘ - und das Reich Gottes. Das Reich der
Finsternis gegen das Reich des Lichtes. Das Königtum Luzifers gegen das
Königtum Christi. Hier Luzifer - dort Christus. Aber Gott liebt alle seine
Kinder, auch die vom Vaterhaus durch eigene Schuld getrennten. Und wie er sie
geschaffen hatte durch die Vermittlung seines Sohnes und sie als geistige
Glieder dem Leibe Christi eingepflanzt hatte, so wollte er die abgetrennten
Glieder auch wieder mit dem geistigen Leibe seines Sohnes vereinigen - ‘jene
nämlich, die nicht in ihrem Abfall verbleiben, sollen wieder eingepfropft
werden; Gott hat ja die Macht sie wieder einzupfropfen‘ (Römer11,23). Doch das Wiedereinpflanzen der
abgerissenen Zweige in den Baum des Lebens, das Wiedereinverleiben der
abgefallenen Glieder in den lebensspendenden Organismus des Leibes Christi
konnte nur durch freie Willensentscheidung der getrennten Geister erfolgen.
Gott hatte ihnen freien Willen gegeben. Mit freiem Willen waren die einen als
Rädelsführer, die anderen als Mitläufer bei dem Geisterkampf in die Reihen
der Empörer getreten. Die Mitläufer waren bei der erneuten Prüfung in der
Sphäre des Paradieses mit freiem Willen zum zweitenmale gefallen. Sie sollten
sich auch mit freiem Willen wieder erheben und ins Vaterhaus zurückkehren. Doch das schien unmöglich. Zunächst
mußte eine Rückkehr Luzifers und seiner Miträdelsführer als ausgeschlossen
gelten. Denn gestürzter Hochmut verwandelt sich in verstockte Bosheit, die
lieber unglücklich bleibt, als daß sie sich verdemütigt. Die als einstige
Mitläufer verführten Geisterscharen unterschieden sich zwar in ihrer
Gesinnung auch jetzt noch wesentlich von ihren Beherrschern, aber sie sahen
keine Hoffnung auf Rettung aus der Tiefe. Und wo die Hoffnung auf Rettung
fehlt, da fehlt auch jeder Wille, sie herbeizuführen. Und wo dieser Wille
fehlt, da wird auch nichts unternommen, was den Weg zur Rettung anbahnen
könnte. Aber auch selbst wenn sie den
Willen zur Rückkehr gehabt hätten, so lag ein unübersteigbares Hindernis in
dem Herrscherrecht Luzifers über diese Geister, das auch Gott ihm nicht
schmälern durfte, weil er es ihm eingeräumt hatte. ‘Doch Gottes Wege sind
wunderbar und seine Weisheit kennt die Mittel, die zum Ziele führen: Du
verfährst schonungslos gegen alles, weil es dein Eigentum ist, o Herr, du
Freund alles Lebens. Denn dein unvergänglicher Geist ist in allem‘
(Weisheit11,26 -12,1). Nach dem Abfall der Geister legte daher Gott den
Plan fest, nach dein er die von ihm Getrennten wieder zurückführen wollte. Der Erlösungsplan ist das große
Geheimnis, das dem Apostel Paulus und den übrigen Aposteln durch Geister, die
Christus ihnen sandte, mitgeteilt wurde. Aber auch die Apostel wagten nicht,
den ersten Christengemeinden die ganze Wahrheit dieses Heilsplanes Gottes zu
offenbaren. Denn das meiste darin war ihnen unfaßbar. Auch bei ihnen mußte es
daher den in den christlichen Gottesdiensten durch die Medien redenden
Geistern Gottes überlassen bleiben, sie nach und nach in die ganze Wahrheit
einzuführen. Dies geschah auf dieselbe Weise,
wie ich dich jetzt über die Wahrheiten unterrichte. Auch dir wird es fürs
erste nicht leicht sein, die ganze Wahrheit über den Rettungsplan Gottes zu
erfassen. Ihr könnt, wie Paulus wiederholt den ersten Christen schreibt, feste
Speisen nicht vertragen. Man darf euch nur Milch verabreichen, wie unmündigen
Kindern. Die Wahrheit in ihrer ganzen Größe und ihrem ganzen Umfang ist die
feste Speise des Geistes, die nur von den im Geiste Erstarkten vertragen
werden kann. Eine leichtverständliche Auslese von Wahrheiten ist die Milch,
die man denen gibt, die noch Säuglinge im Leben des Glaubens und der Wahrheit
sind. Nicht Milch gebe ich dir in meinen folgenden Belehrungen, sondern feste
Speise, wie ja auch unter dem bisher Mitgeteilten schon manche feste Speise
vorhanden ist. Ich begnüge mich nicht damit, dir die Kenntnis der Wahrheit in
den großen Jenseitsfragen zu vermitteln. Du sollst vielmehr auch eine
Erkenntnis der ursächlichen Zusammenhänge der Einzelwahrheiten aus meinen
Belehrungen sammeln. Denn nur die Erkenntnis der Ursachen des Geschehens
befriedigt den Geist. _______ *
_______ Was
wir vortragen, ist Weisheit bei den Gereiften, doch nicht Weisheit dieser
Welt. Wir
tragen Gottes geheimnisvolle, verborgene Weisheit vor, die
Gott vor aller Zeit zu unserer Verherrlichung vorherbestimmt hat. (1.
Kor. 2,6-7) Die Besserungsstufen zum Aufstieg
der gefallenen Geister Nach dem Abfall eines großen Teiles
der Geisterwelt legte Gott den Plan fest, nach dem er die in die Tiefe
gesunkenen unglücklichen Wesen retten und zu seinem Reiche wieder
zurückführen wollte. Sein Erbarmen galt zunächst den
weniger Schuldigen. Das waren die unermeßlichen Scharen, die bei der erneuten
Prüfung in der Sphäre des Paradieses die Sünde des endgültigen Abfalles
begangen hatten. Erst wenn sie Rettung gefunden hatten, sollten ihre
Verführer - Luzifer und seine Miträdelsführer - zur Rückkehr ins Vaterhaus
Gottes gelangen. Gott ist gerecht. Bei den
Verführten lag die Sünde der Schwachheit vor, bei den Verführern die Sünde
der Bosheit. Wie die Sünde wesentlich verschieden war, so auch die Strafe und
der Weg der Rückkehr aus der Tiefe. Der erste Schritt zur Rettung
bestand darin, daß Gott Besserungssphären schuf und zwar stufenweise, nach
euch unbegreiflichen Gesetzen, wie sie nur die Weisheit Gottes zu ersinnen
Vermag. Auf diese Stufen des Emporsteigens der gefallenen Geister aus der
Tiefe der Finsternis hinauf zu Gott, weist Paulus in seinem Brief an die
Epheser hin, indem er von Entwicklungsstufen spricht, die Gott angeordnet
habe, um seinen Ratschluß auszuführen, nach dem er alles wieder mit dem Sohne
vereinigen wolle. An dieser Stelle gebraucht der
Urtext das Bild von dem Bau eines Hauses mit seinen verschiedenen
Stockwerken. Nimm dieses Bild geistig, dann wird dir die Lehre von den
‘Besserungssphären‘ der gefallenen Geister leichter verständlich sein. Das, was ihr ‘Hölle‘ nennt, ist die
tiefste Stufe, in welche alle gefallenen Geister kamen. Aber auch die Hölle enthält
eine Anzahl Besserungssphären, durch die ein Geist, durch Besserung seiner
Gesinnung, sich emporarbeiten kann, bis zur ersten der irdischen Sphären.
Diese beginnen mit der Stufe der niedrigsten Tiere und findet ihre
Fortentwicklung in den Stufen der Steine, der Pflanzen, Kräuter, Blumen, der
höheren Tiere und erlangen ihren Abschluß in der Stufe des höchsten Tieres,
dem ihr den Namen ‘Mensch‘ gegeben habt. Diese irdischen Stufen existieren
nicht bloß auf eurer Erde, sondern auch auf anderen Weltkörpern. Es gibt also
viele Parallelstufen zu denen eurer Erde. Auch sind die irdischen Stufen
nicht bloß in der materiellen Gestaltung vorhanden, wie ihr sie in dem
Tierreich, Pflanzenreich und Mineralreich vor euch seht, sondern auch in
einer entsprechenden geistigen Gestaltung, so, daß es auch ein geistiges
Tierreich, Pflanzenreich und Mineralreich der verschiedensten Gattungen und
Arten der Lebewesen gibt, die in diesen Reichen in ähnliche Odleiber gehüllt
sind, wie ihr sie auf dieser Erde in materiellen Leibern erblickt. In diese geistigen Parallelsphären
der irdischen Stufen treten die nach dem irdischen Tode vom materiellen
Körper getrennten Geister wieder ein und bleiben darin, bis sie in einer
neuen irdischen Geburt wieder verkörpert werden. Bessert sich der Geist
nicht, so wird er in derselben Stufe so oft wiederverkörpert, bis er reif
ist, für die Verkörperung in einer höheren Stufe. Jede einzelne der Besserungsstufen
erfordert zu der darin vorgesehenen leiblichen Gestaltung der Geister ein
besonderes Eingreifen Gottes. Es bestand darin, daß er die Odgestalten der
Geisterpaare in der Form dieser Stufe verkörperte und ihnen die Fähigkeit
verlieh, durch Zeugung den Leib dieser Stufe fortzupflanzen. Doch die Geister
selbst werden nach feststehenden Gesetzen der Geisterwelt den gezeugten
Körpern einverleibt. Ihr Menschen könnt freilich das
‘Wie‘ all dieser Vorgänge nicht verstehen, wie ihr ja auch von dem ganzen
Naturgeschehen, das euch umgibt und das ihr täglich mit eigenen Augen seht,
in Wirklichkeit nichts begreift. Eure Wissenschaft beschäftigt sich
mit der Frage der Abstammung, besonders der Abstammung des Menschen vom
Affen. Eine körperliche Abstammung einer höheren Stufe von einer niederen
besteht nicht. Pflanzen erzeugen keine Tiere und niedere Tiere keine höheren.
Jede Art der Lebewesen erzeugt ihre eigene Art. Aber in jeder Art gibt es
viele Rassen. Die Glieder der verschiedensten Rassen ein und derselben Art
sind untereinander zeugungsfähig. Der Mensch gehört zu der Art der
Affen. Er bildet die höchste Rasse dieser Art. Man kann daher mit Recht
sagen, daß der Affe der niedrigste Mensch, und der Mensch der edelste Affe
ist. Der Mensch ist also das höchste Tier der Erde. Aber er stammt körperlich
nicht vom Affen ab, wie wohl der Affe in der irdischen Entwicklung ihm am
nächsten steht. Der Geist des Menschen war, bevor
er zum erstenmal in einem menschlichen Leib verkörpert wurde, in einem
Tierleibe. Es ist daher derselbe Geist, der durch die verschiedenen
Naturstufen in stets vollkommenerer Gestaltung emporsteigt. Die Naturstufen selbst erfahren in
ihrem materiellen Sein keine Veränderung. Sie sind heute, wie sie vor
Tausenden von Jahren waren. Nur sind im Laufe der Zeiten manche Arten der
einzelnen Stufen ausgestorben, weil keine Geister mehr darin verkörpert
wurden. Gott schuf dafür andere, höhere Arten, in denen diejenigen Geister
verkörpert werden, für welche die ausgestorbenen Arten früher bestimmt
gewesen. Die ausgestorbenen Arten waren Zwischenstationen in der Aufwärtsentwicklung.
Als sie wegfielen und an ihre Stelle höhere Arten traten, mußten die
betreffenden Geister länger warten, bis sie in die höheren Arten einrückten,
die anstelle der ausgestorbenen getreten waren. So findet ihr noch heute
körperliche Überreste ausgestorbener Arten der Pflanzen- und Tierwelt der
früheren Zeitperioden. Ein Zurücksinken eines Geistes aus
einer höheren Besserungsstufe in eine tiefere gibt es nicht. Wohl ein
Stillstehen in derselben Stufe. Wie ich dir bereits gesagt habe,
muß ein Geistwesen, das bei seinem irdischen Tode in der betreffenden Stufe
seiner Verkörperung nicht weitergekommen ist, so oft in derselben Stufe
wiederverkörpert werden, bis es für die nächst höhere Stufe reif ist. Das
gilt auch vom Menschen. Hat sich sein Geist im irdischen Leben auf dem Wege
zu Gott nicht vervollkommnet, so wird er wieder Mensch. Jedes Leben ist ein
Examen. Wer durchfällt, muß es so oft machen, bis er es besteht. Das sind
göttliche Gesetze, die für die ganze Schöpfung gleichmäßig Geltung haben. Bei
Gott gibt es keine Willkür. Wenn ich dir sagte, daß es ein
Zurücksinken eines Geistes in eine tiefere Stufe nicht gibt, so hat das darin
seinen Grund, daß ein Geist, der in einem Punkt schlechter wird, als er
vorher war, dafür in einem anderen Punkt sich bessert, und so ein Ausgleich
geschaffen wird. Auch hierin waltet ein göttliches Gesetz. Von der Größe der Zeiträume, die
vom Augenblick des Geisterfalles bis zu dem Tage verflossen sind, an dem der
erste gefallene Geist reif war, als Mensch verkörpert zu werden, könnt ihr
euch keine Vorstellung machen. ‘Bei Gott sind tausend Jahre wie ein Tag‘
(2.Petrus3,8). Von allen diesen Wahrheiten weiß
das heutige Christentum nichts. Sie widerstreben auch deinem bisherigen
Denken. Aber sollte ich dir deswegen die Wahrheit vorenthalten, weil sie dir
unglaublich erscheint und deine Mitmenschen darüber lachen werden? Du hast ja
Gelegenheit, bei den Geisterkundgebungen in den verschiedensten
spiritistischen Gottesdiensten nach diesen Wahrheiten zu fragen, und du wirst
sehen, daß sie dir überall bestätigt werden. Der gefälschte Schöpfungsbericht in
der Bibel Leider sind die wichtigen Lehren,
die ich dir soeben vorgetragen habe, auch aus dem biblischen
Schöpfungsbericht beseitigt worden. Er enthält fast nichts mehr davon. Er
weiß nichts von der Geisterschöpfung Gottes, nichts von dem Kampf der Geister
und ihrem Abfall, nichts von den Besserungssphären und der Gestaltung der
Odleiber der Gefallenen in den einzelnen Stufen, nichts von der Verkörperung
der Odleiber zur irdischen Materie. Wo eure Bibel von der irdischen Schöpfung
erzählt, stellt sie es so dar, als ob diese eine neue und vollkommen
selbständige Schöpfung sei, die mit der Geisterverkörperung und dem Abfall
eines Teiles der Geisterwelt in keinerlei Verbindung stehe. Die Urbibel enthielt alle diese
Wahrheiten. Bei der späteren Gestaltung der Heiligen Schrift war die Macht
des Bösen am Werk, die Zusammenhänge in dem Erlösungsplan Gottes der
menschlichen Kenntnis zu entziehen. Der Menschheit sollte die tröstliche Wahrheit
vorenthalten werden, daß alles wieder zu Gott kommt. ‘Denn Gott will, daß
alle gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen‘ (1.Tim.2,4).
Alles wieder zu Gott zu führen, ist auch der Zweck der materiellen Schöpfung. Den Herrschermächten der Finsternis
war freilich viel mehr gedient mit den Lehren der Hoffnungslosigkeit und
Verzagtheit, mit der Lehre von einer ‘ewigen Hölle‘, über die ja einer eurer
Dichter die furchtbaren Worte geschrieben hat: ‘Ihr, die ihr hier eintretet,
lasset alle Hoffnung fahren!‘ Diese Worte klangen dem Herrscher
der Hölle viel angenehmer, als die Lehre von dem erbarmenden Gott, der zwar
in seiner Gerechtigkeit zürnt und straft, aber nicht ewig am Zürnen und
Strafen bleibt, sondern allen seinen Kindern wieder verzeiht und sie
heimruft. Mit dem bloß zur Einflößung von Furcht dienenden Schreckmittel der
‘ewigen Höllenstrafen‘ hat man den wahren Gottes begriff geschändet. Man hat
damit auch die Ausführung des Rettungsplanes jenes Gottes erschwert, der den
sünden- und leidbeladenen Menschen das Wort der allerbarmenden Liebe hat
zurufen lassen: ‘Wenn auch eine Mutter ihres Kindes vergessen könnte, so
werde ich doch deiner nie vergessen‘ (Jes.49,15). Manchen Abschnitten eurer Bibel ist
es ergangen, wie den Gemälden der alten Meister, die auf den Wänden eurer
alten Kirchen angebracht waren. Später kamen die sogenannten ‘Kirchenmaler‘
und haben ihre alltäglichen Figuren darüber gestrichen. Und wenn ihr heute
die später aufgetragene Tünche vorsichtig von diesen Wänden abwascht, dann
kommt das alte Gemälde wieder zum Vorschein, und ihr steht bewundernd vor dem
Kunstwerk der großen Meister. So ist auch das Bild der Wahrheit, das die
ursprüngliche Bibel enthielt, später entstellt worden. Irrende Menschen
schoben die biblischen Berichte zurecht. Was sie nicht verstanden, ließen sie
weg oder versahen es mit falschen Erklärungen. Die nach ihnen kamen,
‘verbesserten‘ von neuem daran, machten Zusätze, nahmen Streichungen vor. So
wurde nicht bloß die Wahrheit verdrängt, sondern es schlichen sich manche
Dinge in die Bibel ein, die geeignet sind, das Wort Gottes lächerlich zu
machen. Ein menschlicher Dichter hat das Wort geprägt: ‘Bücher haben ihre
Schicksale‘. Ja, leider hat auch die Bibel ihre Schicksale gehabt. Es ist
vieles daraus verschwunden, was hineingehört, und manches hineingesetzt
worden, was nicht darin sein dürfte, weil es der Wahrheit widerspricht. Wenn einige ‘Kirchen‘ diese
Tatsachen nicht zugeben wollen, sondern die euch vorliegende Bibel als
‘unverfälscht‘ ansehen, so nützen sie damit der Sache Gottes nicht. Sie Fügen
ihr nur Schaden zu. Denn auch der weniger Gebildete muß beim aufmerksamen
Lesen der heiligen Schriften, vor allem des Schöpfungsberichtes, zu der
Erkenntnis kommen, daß so manches darin Mitgeteilte nicht richtig sein kann. Über die im Alten Testament
vorgekommenen Fälschungen beklagt sich Gott durch den Propheten Jeremia: ‘Wie
könnt ihr sagen: Wir sind weise; wir sind im Besitz des göttlichen Gesetzes?
Jawohl, zur Lüge hat es der Fälschergriffel der Abschreiber verdreht.
Beschämt müssen daher die Weisen dastehen und bestürzt. Denn sie haben sich
selbst gefangen. Sie haben das Wort des Herrn weggeworfen. Welcherlei
Weisheit besitzen sie da noch?‘ (Jer.8,8-9). An anderen Stellen der heiligen
Schriften hat die Wahrheit dadurch Schaden gelitten, daß eure Übersetzer
Wörter und Ausdrücke des Urtextes so falsch wiedergegeben haben, daß der
richtige Sinn nicht mehr zu erkennen ist. In dem Gesagten findest du den
Grund für die große Verwirrung und Entstellung der Wahrheit, die in dem
biblischen Schöpfungsbericht enthalten ist, wie er heute vorliegt. Nur aus
ganz vereinzelten Angaben dringt noch ein schwacher Schimmer der Wahrheit
durch. So sind darin zwar einige Entwicklungsperioden der materiellen
Schöpfung angedeutet; sie stimmen jedoch weder in der Zahl, noch in der
Reihenfolge mit der Wirklichkeit überein. Die Wahrheit über die Erschaffung
des ersten Menschenpaares Dasselbe gilt von der Erschaffung
der ersten Menschen. Hier ist die Erschaffung der Geister mit der Verkörperung
der ersten Geister im materiellen Menschenleib durcheinander geworfen. Im ersten Kapitel der Bibel wird
mitgeteilt, daß Gott die Menschen als seine letzte Schöpfung ins Dasein rief,
Erde, Pflanzen und Tiere waren schon da. Dann heißt es: ‘Nun schuf Gott
den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn; als Mann
und Weib erschuf er sie. Gott segnete sie dann und sprach: Seid fruchtbar und
mehret euch!‘ (1.Mose1,2 7+28). Richtig ist, daß Gott die beiden
Geister, die als erste zu Menschen verkörpert wurden und den Namen ‘Adam‘ und
‘Eva‘ führten, einst vor ihrem Abfalle nach seinem Bild geschaffen hatte.
Richtig ist, daß er sie als männlichen und weiblichen Geist ins Dasein
gerufen und ihnen den Segen zur Fortpflanzung gegeben hatte. Aber das war
nicht nach der Erschaffung der Erde, Pflanzen und Tiere geschehen, sondern
bezieht sich auf ihre Schöpfung als Geister. Wenn Gott etwas nach seinem
Bilde schafft, dann kann es nur Geist sein. Denn Gott ist Geist und nur
Geist, also nicht Materie. Und was er nach seinem Bilde schafft, ist
ebenfalls nur Geist und nicht teils Geist und teils Materie, wie die
irdischen Menschen. In den weiteren Einzelheiten des
biblischen Berichtes über die Erschaffung der Menschen finden sich noch
größere Widersprüche. Denn einige Zeilen weiter wird gesagt, daß Gott den
Menschen gebildet und zwar bloß einen männlichen Menschen, und das zu einer
Zeit, als sonst noch nichts Lebendes auf der Erde war, während nach dem
ersten Bericht der Mensch nach allen anderen Lebewesen erschaffen sein soll.
Nach dem zweiten Bericht soll also Gott den Menschen auf die kahle Erde
verpflanzt haben. Erst danach soll Gott einen Garten in Eden geschaffen
haben, in den er den Menschen brachte. Und dann erst sollen in diesem
‘Paradiese‘, wie ihr den Garten nennt, allerlei Bäume mit wohlschmeckenden
Früchten hervorgewachsen sein. Dem Menschen soll er dann den Auftrag erteilt
haben, diesen Garten zu bebauen und zu behüten. Man kann sich gar nicht
denken, vor wem der Mensch den Garten zu behüten hatte. Es war ja nach
demselben Bericht sonst nichts auf der Erde. So viele Sätze, so viele
Widersprüche! Stelle nun diesem unverständlichen
Bild das dir übermittelte Wahrheitsbild gegenüber! Da siehst du das Paradies
als jene geistige Sphäre, in die Gott nach der Geisterrevolution die weniger
schuldigen Mitläufer zur Strafe und erneuten Prüfung verwies. Hier stand der
geistige Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Es war nichts anderes
als das Gebot Gottes, das er ihnen zur Prüfung für diese Sphäre gegeben
hatte, und dessen Tragweite sie nicht erkannten. An der Beobachtung oder
Nichtbeobachtung dieses Gebotes oder Verbotes sollte es sich zeigen, ob die
Geister der Paradiesessphäre gewillt waren, wieder auf die Seite Gottes zu
treten oder sich Luzifer endgültig anzuschließen. Bestanden sie die Prüfung
durch Gehorsam gegen Gott, so wurde das Gebot für sie zum Baume des Lebens in
der Herrlichkeit Gottes. Übertraten sie jedoch das Verbot, so wurde es zum
Baum des Todes. Dann wurden sie auch aus diesem Paradies hinab in die Sphären
Luzifers geschleudert. Das war dann der Tag der vollständigen Trennung von
Gott. Es war der Tag, an dem sie des geistigen ‘Todes‘ starben. ‘An dem
Tage, da ihr davon esset, müßt ihr des Todes sterben‘ (1.Mose2,17). Jetzt verstehst du auch, warum Adam
das Paradies hüten sollte. Sich und die anderen behüten, vor der Einwilligung
in die Verlockungen zur Sünde des Ungehorsams gegen Gott. Jetzt ist dir auch
der Hinweis der Bibel klar, daß nach der Vertreibung der treulos gewordenen
Geister aus dem Paradiese ihre Rückkehr dorthin durch Cherube mit flammenden
Schwertern verhindert wurde. Denn die Entscheidung war gefallen. Sie hatten
dem Machthaber der Tiefe Gehorsam geleistet. Die Sphären der Finsternis
wurden nun ihr Los. Sie hatten kein Anrecht mehr auf die Gefilde des
Paradieses, die ihnen so lange versagt bleiben, bis der Tag kommt, wo die
gefallenen Geister auf dem Rückweg zu Gott diese Geistersphäre des Glückes
als Vorstufe der Sphäre des Himmels wieder erreicht haben. Dann dürfen sie
den geistigen Garten Eden wieder betreten, um aus ihm zu der Herrlichkeit
emporzusteigen, aus der sie einst durch eigene Schuld ausgestoßen wurden. Es ist daher das Gegenteil von dem
wahr, was in höhnischer Weise nach dem Bericht eurer Bibel gesagt haben soll.
Er soll nämlich in dem Augenblicke, wo unermeßliche Scharen seiner Kinder in
das namenlose Unglück der vollständigen Trennung vom Reiche Gottes gestoßen
wurden, die Worte gesprochen haben: ‘Der Mensch ist ja nun geworden, wie
unsereiner, so daß er weiß, was gut und böse ist. Nun aber soll er nicht auch
noch seine Hand ausstrecken und Früchte vom Baume des Lebens nehmen und sie
essen und unsterblich werden‘ (1.Mose3,22). So spricht ein Teufel, aber nicht
ein unendlich gültiger Gott. Und in Wirklichkeit sind es die Worte, mit denen
Satan die verführten Geister verhöhnte. Gottes Wille ist es ja, daß sie ihre
Hand nach dem Baume des Lebens auch nach ihrem Falle ausstrecken im Gehorsam
gegen Gott und in der Rückkehr zu ihm. Aber die Mächte der Tiefe wollen es
jenen Geistern, denen zuerst das Erbannen Gottes durch Schaffung der
‘Besserungssphären‘ zuteil wurde, für alle Zukunft wehren, die Hand nach dem
Baume des Lebens auszustrecken und zu Gott zurückzukehren. Wenn es nach dem
Willen Luzifers gegangen wäre, würden jene Stufen des geistigen Aufstieges
nie geschaffen worden sein und auch eine materielle Welt wäre nie entstanden.
Er hätte dann seine Gewaltherrschaft über jene Geister ungeschwächt ausüben
können, ohne befürchten zu müssen, einen von ihnen zu verlieren. Auch zu der
Art, wie in eurer Bibel die Erschaffung des ersten menschlichen Weibes
dargestellt wird, muß ich Stellung nehmen. In dem biblischen Bericht heißt es,
daß Gott dem einsamen ersten Mann eine Gehilfin geben wollte. Darum habe er
aus Erde alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels gebildet und sie
dem Manne zugeführt, damit er sich aus diesen eine Frau aussuche. Aber es
habe sich keine geeignete darunter befunden. Um diesem Übelstand abzuhelfen,
habe Gott den Mann in einen tiefen Schlaf fallen lassen, eine Rippe aus
seiner Seite genommen und die dadurch entstandene Lücke mit Fleisch wieder
ausgefüllt. Aus der Rippe habe er einen weiblichen Menschen gebildet und ihn
dem Manne als sein Weib zugeführt. Du weißt, daß diese Darstellung zum
Gegenstand des Hohnes, besonders bei den Gegnern des Gottesglaubens geworden
ist. Es ist schmerzlich, die Schöpfungstat Gottes so entstellt und dem
Gespötte der Menschen preisgegeben zu sehen. Auch hier hat das Böse durch
seine menschlichen Werkzeuge das Bild der Wahrheit zur abstoßenden Fratze
verzerrt, damit der Begriff eines allmächtigen und allweisen Gottes ins
Lächerliche gezogen werden sollte. Denn etwas der Lächerlichkeit preisgeben,
heißt die tödlichste Waffe zu seiner Vernichtung schmieden. Gott verhindert solche
Entstellungen der Wahrheit nicht, wie er überhaupt nicht eingreift, wenn
Menschen Böses tun wollen. Die Wahrheitssucher und Gottes-gläubigen hatten ja
stets ein Mittel, auch bei den gefälschten Heiligen Schriften das Wahre von
dem Falschen zu unterscheiden. Es stand ihnen die Verbindung mit der guten
Geisterwelt offen, wo sie die Wahrheit jederzeit erfahren konnten. Welches ist nun der
wahrheitsgetreue Hergang bei der Erschaffung des ersten irdischen Menschenpaares?
Adam war der erste Geist, der reif wurde, aus der höheren Tierwelt in eine
menschliche Verkörperung einzutreten. Diese ging aber nicht so vor sich, wie
ihr es euch nach der unrichtigen Darstellung der Bibel denkt. Gott bildete
nicht einen Mann aus Lehm und blies ihm den Odem des Lebens in die Nase und
machte ihn so zu einem Menschen. Vielmehr erfolgte die Verkörperung des
ersten Menschengeistes nach denselben Gesetzen, wie sie auch heute noch bei
Geisterverkörperungen zur Anwendung kommen. Über die Materialisationen von
Geistern habe ich dich hinreichend belehrt. Du weißt, daß man heute dazu das
Od von sogenannten ‘Materialisationsmedien‘ benötigt, mit dem die Gestalt des
Geistes materiell verdichtet wird. Dasselbe Gesetz wandte Gott bei der
Verkörperung des ersten Menschengeistes an. Nun gab es damals noch kein
menschliches Materialisationsmedium, dessen Od er hätte verwenden können.
Daher nahm er das Od der Erde und zwar eine solche Odmischung, wie sie dem
Aufbau des menschlichen Körpers entsprach. Es war dieselbe Odmischung, aus
der sich auch heute die Körper der Menschen auf dem Wege des Wachstums
bilden. Schon Paulus sagt: ‘Gott gibt jeder Art der Lebewesen einen
besonderen Leib. Nicht alles Fleisch hat dieselbe Beschaffenheit. Anders ist
das Fleisch bei Menschen, anders bei vierfüßigen Tieren, anders bei Vögeln,
anders bei Fischen‘ (1.Kor.15,38-39). Die Zubereitung des Od zur
Verkörperung des ersten Menschen erfolgte durch die Geisterwelt Gottes. Der Leib des ersten Menschen, den
ihr ‘Adam‘ nennt, ist also tatsächlich ‘von der Erde‘ genommen, wenn auch in
anderer Form, als ihr bisher annahmt. Es wurde nicht ein Mann aus Lehm
gebildet, sondern die geistigen Glieder jenes Geistwesens wurden mit Hilfe
des verdichteten Od der Erde mit einer materiellen Hülle umgeben. Und jener
so gebildete Leib Adams löste sich später bei seinem Tode auch wieder in das
Od der Erde auf. In der Form des Od war er von der Erde genommen und in
derselben Form kehrte er auch wieder zur Erde zurück. Das ist das Gesetz für alle
materiellen Wesen. Der auf diese Weise ins Dasein
getretene erste männliche Mensch war nun der einzige in seiner Art. Er war,
wie eure Bibel mit Recht sagt, einsam. Nur die Pflanzen- und Tierwelt hatte
er um sich. Er sehnte sich nach der Stunde, wo der nächste Geist sich zur
Reife für eine menschliche Verkörperung durchgerungen hätte. Er hielt Umschau
unter den ihn umgebenden höheren Tieren, ob bei deren Tode Gott nicht
vielleicht den einen oder anderen Tiergeist als würdig befinden würde,
ebenfalls Mensch zu werden. Ein Anklang hieran liegt in eurem biblischen
Bericht, daß Gott dem ersten Menschen alle Tiere zugeführt habe, damit er
sich unter ihnen nach einer Gefährtin umsehe. Da endlich kam der Tag, wo wieder
ein Geist die Stufe des Menschen erreicht hatte. Diesmal war es ein
weiblicher Geist. Es war jener Geist, der als Gefährtin Adams im Reiche
Gottes und dann auch in der Paradiesessphäre war und zuerst ungehorsam wurde
und Adam zum gleichen Ungehorsam verführt hatte. Die Schuld dieses Geistes war größer
und infolgedessen auch die Strafe. Der Aufstieg aus der Tiefe dauerte daher
länger und er erreichte nicht gleichzeitig, mit dem männlichen Dualgeist die
Höhe des irdischen Menschendaseins. Die Schilderung der Verkörperung
dieses weiblichen Geistes zum materiellen Menschen, wie sie in der heutigen
Bibel enthalten ist, läßt die Wahrheit des wirklichen Herganges ein wenig
durchschimmern. Die Verkörperung der ‘Eva‘, wie
eure Bibel das erste Weib nennt, nahm den Verlauf, den alle Materialisationen
der Geister haben. Bei Eva brauchte Gott nicht mehr das Od der Erde zu
nehmen, sondern er hatte ein ‘Materialisationsmedium‘ zur Verfügung. Es war
Adam. Daß er außerordentliche mediale Kräfte besaß, ist aus dem Umstand
erklärlich, daß die Geisterwelt seinen Körper materialisiert hatte und mit
ihm auf medialem Wege beständig in Verbindung stand. Wie auch heute eine
Geisterverkörperung nur dann möglich ist, wenn das Materialisationsmedium
sich in ‘Tieftrance‘ befindet, so auch damals. Den Zustand der ‘Tieftrance‘
bei Adam schildert die Bibel mit den Worten: ‘Gott ließ einen tiefen
Schlaf auf Adam fallen‘ (1.Mose2,21). Es war der ‘mediale Schlaf‘, bei
dem der Geist des Adam aus dem Körper austrat. Und wie auch heute bei einer
vollständigen Materialisation eines Geistes das Od des
Materialisationsmediums nicht ausreicht, sondern auch noch Materie des
Mediums aufgelöst werden muß, so löste die Geisterwelt bei der
Materialisation der Eva auch noch körperliche Materie des Adam in Od auf und
verwandte sie zur Bildung des Leibes der Eva. Dieser Vorgang hat die
Veranlassung gegeben zu dem Bericht der Bibel von der Wegnahme einer Rippe
des Adam: ‘Als Adam eingeschlafen war, nahm Gott eine von dessen Rippen
und gestaltete sie zu einem Weibe‘ (1.Mose2, 21-22). Bei den sonstigen Geisterverkörperungen
dauert die Materialisation bloß eine bestimmte Zeit. Dann löst sie sich
wieder auf, und das Medium erhält alles wieder zurück, was es an Od und
körperlicher Materie hatte abgeben müssen. Bei der Eva mußte jedoch die
Verkörperung eine dauernde sein. Darum konnte Adam als Medium weder das
abgegebene Od, noch den in Odform abgegebenen Teil der körperlichen Materie
wiedererhalten. So mußte ihm die Geisterwelt dafür Ersatz liefern. Diesen
beschaffte sie aus dem Od der Erde auf dieselbe Weise, wie sie zuerst den
Leib des Adam gebildet hatte. Darauf weist die Bibel mit den euch bisher so
unverständlichen Worten hin: ‘Er verschloß die Stelle der
weggenommenen Rippe wieder mit Fleisch. Die Fortpflanzung des
Menschengeschlechts So war das erste Menschenpaar
geschaffen. Von ihm sollte auf dem Wege der Zeugung das ganze
Menschengeschlecht abstammen. Bei der irdischen Zeugung wird bloß
der Keim für den Aufbau des materiellen Leibes des werdenden Kindes
übertragen. Der Geist wird nach euch unbekannten Gesetzen erst wenige
Augenblicke vor der Geburt mit dem Kindeskörper vereinigt. Das Leben des
Kindes im Mutterkörper rührt von der Mutter her. Das Blut der Mutter
durchflutet den Kindeskörper und setzt die Organe in Bewegung, sobald sie
einigermaßen gebrauchsfähig entwickelt sind. Das ist gewöhnlich der Fall im
fünften Monat der menschlichen Schwangerschaft. Die Bewegung der kindlichen
Organe im Mutterleib ist deshalb notwendig, damit diese sich frühzeitig an
ihre Tätigkeit gewöhnen. Sie rührt also nicht von dem eigenen Geist des
Kindes her, der erst später einverleibt wird, sondern von der Mutter. Es ist
hier ähnlich wie bei einer Maschine, die fertiggestellt und zusammengesetzt
ist. Sie wird zunächst durch äußeren Antrieb in Gang gebracht, bevor sie mit
der für sie bestimmten Kraft versehen wird, mit der sie später zu arbeiten
hat. Sie muß sich also zuerst einlaufen, bevor sie in Betrieb genommen wird.
So ist es auch mit den Körpern der werdenden irdischen Wesen. Gottes Allmacht und Weisheit zeigt
sich dem denkenden Menschengeist nirgends erhabener als gerade bei dem großen
Naturgeheimnis des Werdens eines neuen Menschen. Das gilt selbstverständlich
in demselben Maße auch von der Fortpflanzung in den anderen Naturstufen.
Überall sind es gefallene Geister, die den durch Zeugung gebildeten
materiellen Körpern einverleibt werden nach so weisen Gesetzen Gottes, daß
euer Menschenverstand dieses göttliche Geheimnis nicht begreifen könnte, auch
wenn ich es klarzumachen versuchen wollte. Adam und sein Weib bekamen Söhne
und Töchter (1.Mose5,4). Die Brüder nahmen ihre Schwestern zu Frauen. Wenn
daher in der Bibel berichtet wird, daß Kain nach der Ermordung Abels in ein
anderes Land flüchtete und dort sein Weib ‘erkannte‘, so heißt das nicht, er
habe dort erst sein Weib kennengelernt, als ob es noch andere Menschen
gegeben hätte, die nicht von Adam und Eva abstammten. Das Wort ‘erkennen‘
besagt nach dem hebräischen Sprachgebrauch: Geschlechtsverkehr haben. Es
heißt von Kain: ‘Und Kain erkannte sein Weib; die ward schwanger und gebar
den Henoch‘ (1.Mose 4,17). Auch bei Adam werden dieselben Worte
gebraucht: ‘Und Adam erkannte sein Weib Eva, und sie ward schwanger und
gebar den Kain‘ (1. Mose 4, 1). Von dem ersten Menschenpaar stammt
also die ganze Menschheit ab. Sie bildete die höchste irdische
Besserungsstufe im Aufstieg der gefallenen Geister. Hier war die Grenze des
Herrschaftsbereiches Luzifers. Über diese Grenze konnte vor der Erlösung kein
gefallener Geist hinaus. Denn keiner konnte sich der Herrschaft Luzifers
entziehen, weil er dessen rechtmäßiger Untertan war und Luzifer selbst bei
den gefallenen Geistern, die in Reue wieder zurück ins Reich Gottes wollten,
auf seine Herrscherrechte nicht verzichtete. Zu diesem Verzicht mußte er erst
durch einen Erlöser gezwungen werden. Bevor dieser Erlöser kam, mußten alle
Menschengeister in der Menschensphäre bleiben, sei es als materiell
verkörperte Menschen, sei es als Geister in einer geistigen Sphäre, die der Höhe
des irdischen Menschen entsprach. Darüber hinaus war die große Kluft, die das
Reich Luzifers von dem Reiche Gottes trennte. Sie konnte nur durch einen Sieg
über Luzifer überbrückt werden. Über den Begriff der Erlösung und ihren
Verlauf werde ich dich später ausführlich belehren. War die Erlösung erfolgt, dann
hatte Gott die Schaffung von ‘Geistersphären‘ vorgesehen, in denen die
Menschengeister nach dem irdischen Tode bis zur Sphäre des Himmels nach und
nach aufsteigen konnten. Sie vor der Erlösung zu schaffen, war deswegen
zwecklos, weil ja keiner der gefallenen Geister zu diesen Sphären aufsteigen
und durch sie in den Himmel gelangen konnte. In diesem Zusammenhang möchte ich
dich auf eine andere sehr wichtige Wahrheit aufmerksam machen. Es gab nämlich
vor der Erlösung sehr viele Menschen, in denen nicht ein gefallener Geist
verkörpert war, sondern Geister des Himmels, denen Gott die Erlaubnis
gegeben, durch menschliche Geburt Mensch zu werden, um den anderen Menschen
behilflich zu sein, zum wahren Gottesglauben zu gelangen und dadurch reif für
die Erlösung zu werden. Solche menschgewordenen Geister des Himmels waren
z.B. Henoch, Abraham, Isaak, Jakob, Mose, Josua, Kaleb, die meisten der
Propheten, Maria, die Mutter Jesu, und viele andere, deren Namen in den
Urkunden der Heiligen Schriften nicht enthalten sind. Diese Geister kehrten
nach ihrem menschlichen Tode wieder zum Reiche Gottes zurück. Sie
unterstanden ja nicht der Herrschaft Luzifers, da sie den Abfall vom Reiche
Gottes nicht mitgemacht hatten. Die nach der Erlösung geschaffenen
Geistersphären Was nun die im Erlösungsplan Gottes
vorgesehenen ‘Geistersphären‘ betrifft, in denen nach erfolgter Erlösung die
Menschengeister zu Gott aufsteigen sollten, so gibt es deren dreizehn. Ich
brauche dir die einzelnen nicht näher zu schildern. Was du als Mensch davon
verstehen kannst, hast du persönlich durch Kundgebungen von Geistern aus
diesen Sphären erfahren, die in großer Zahl dir zur Belehrung in den Medien
erfolgten. Aus der Art, wie diese Geister auftraten, und aus den Worten, die
sie sprachen, konntest du erkennen, welches das Los jener Geister in den
einzelnen Sphären ist und wie es in den Sphären selbst aussieht. Du hast jene schwer leidenden
Menschengeister kennengelernt, die nach ihrem irdischen Tode in die tiefsten
der dreizehn Geistersphären gekommen waren. Bei ihnen sahst du das Wort
Christi bewahrheitet: ‘Werfet ihn in die äußerste Finsternis, wo Heulen und
Zähneknirschen sein wird.‘ Auch das andere Wort der Bibel wurde dir bei ihnen
klar: ‘Die Toten wissen nichts.‘ Diese infolge ihres Unglaubens als Menschen
dem geistigen Tode anheimgefallenen, von Gott getrennten Geistwesen, wußten
nichts. Sie wußten weder, wer sie als Mensch gewesen waren, noch wo sie
früher gelebt, noch wo sie sich jetzt befanden, noch was das Schreckliche zu
bedeuten hatte, das sie in dieser Finsternis erlebten und das sie so
unglücklich machte. Du konntest beobachten, wie bei den
Geistern in den aufsteigenden Sphären auch die Erkenntnis entsprechend größer
wurde und die Gegensätzlichkeit zu Gott immer geringer. Auch die
Farbenwirkungen des Lichtes konntest du aus den Kundgebungen bezüglich der
einzelnen Sphären erkennen. Die Farben dieser Sphären bewegen sich vom
tiefsten Schwarz in der untersten Stufe durch alle Farben hindurch bis zum
strahlendsten Weiß in der obersten Sphäre. In der dreizehnten Sphäre ist ein
so blendendes Weiß, daß ein irdisches Auge es nicht ertragen könnte. Es ist
die Sphäre der reinen Geister Gottes. Es ist das, was ihr ‘Himmel‘ nennt. Aus dem, was du mit den Geistern
aus den untersten Sphären erlebt hast, wirst du ersehen haben, wie schwer es
für diese Geistwesen ist, sich aus ihrem beklagenswerten Zustand
emporzuarbeiten. Denn ein Aufstieg in jenen Geistersphären ist für sie nur
dann möglich, wenn sie sich zu Gott wenden. Nun hast du aber selbst erfahren,
ein wie großer Widerstand dem Gottesgedanken gerade von diesen Geistern
entgegengesetzt wird. Für sie ist es daher eine große Gnade Gottes, wenn sie
möglichst bald wieder von neuem Mensch werden. Denn als Menschen können sie
durch das, was sie in der Schöpfung Gottes sehen, sowie infolge eigenen
Nachdenkens oder durch fremde Belehrung und das Beispiel anderer leichter zum
Gottesglauben kommen, als in jenen tiefen Geistersphären. Die meisten Menschengeister müssen
wiederholt zur Erde zurück. Denn der Abschluß ihres diesseitigen Lebens ist
immer wieder ein ungünstiger und führt sie in die tiefsten Geistersphären
zurück, anstatt sie für die höheren Stufen des Jenseits reif zu machen.
Betrachte dir das Leben der meisten Menschen! Ist nicht ihr ganzes Sinnen und
Trachten auf das Irdische eingestellt? Wieviele denken überhaupt an Gott und
glauben fest an ihn und tun das Gute? Seitdem die bösen Mächte das Geld unter
die Menschen gebracht, haben sie ein Mittel, durch das sie eine unumschränkte
Herrschaft über den größten Teil der Menschheit ausüben. Die Zeit, welche die
Geister der tieferen Sphären im Jenseits zubringen müssen, bis sie als
Menschen wiederverkörpert werden, ist bei jedem Geist verschieden. Sie richtet
sich auch nach dem, was der einzelne als Strafe für sein letztes irdisches
Leben zu verbüßen hat. Gott ist gerecht, und jedes Vergehen erheischt seine
Sühne. Doch Gott ist auch gütig und straft nie so hart, als seine Geschöpfe
es verdienen. (Ist das wirklich so? Prüfet alles!!!) Die Kundgebungen der Geister, aus
denen du die Kenntnis jener dreizehn Geistersphären erlangtest, traten dir in
den verschiedensten Medien entgegen. Das wurde so gefügt. Es sollte dir als
Beweis der Wahrheit dienen. Denn wenn du die Angaben über jene Sphären durch
die Vermittlung ein und desselben Mediums erhalten hättest, dann würde dir
vielleicht der Gedanke gekommen sein, diese Kundgebungen rührten aus dem
Unterbewußtsein des Mediums her. Eure heutige Wissenschaft hat ja das Wort ‘Unterbewußtsein‘
gleich bei der Hand, wenn sie etwas auf diesem Gebiete erklären soll, was sie
rein menschlich nicht erklären kann, aber auch nicht als Wirkung von Geistern
erklären möchte. Die Befreiung der gefallenen
Geister durch einen Erlöser Die Schaffung der dreizehn
Geistersphären war der letzte Teil in dem Erlösungsplan Gottes. Vorher mußte
eine noch viel schwerere Aufgabe gelöst werden. Denn was nützten die
Besserungsstufen von der tiefsten Sphäre der Hölle hinauf zu der obersten
irdischen Stufe - der des Menschen; was nützen die vorgesehenen dreizehn
Geistersphären zum weiteren Aufstieg bis zur Höhe Gottes, wenn Luzifer keinen
der einst zu ihm übergetretenen Geister freigab, sondern stets das ihm von
Gott eingeräumte Herrscherrecht über sie geltend machte!? Wer aber sollte Satan zwingen, auf
seine Rechte wenigstens denen gegenüber zu verzichten, die in Reue zu Gott
zurück wollten? Gewiß, Gott hätte ihn zwingen können. Aber seine
Gerechtigkeit hatte ihm jenes Recht verliehen, und darum verbot es dieselbe
Gerechtigkeit, es ihm zu schmälern. Nur ein Geist, der sich in den
Herrschaftsbereich des Fürsten der Finsternis begab und somit alle Drangsale
seiner Gewaltherrschaft auf sich nahm, hatte das Recht, den Kampf gegen ihn
aufzunehmen. So ist es ja auch bei euch internationales Recht, daß ein von
seinen Machthabern unterdrücktes und gequältes Volk sich selbst gegen seine
Peiniger erhebt und ihr Joch abzuschütteln sucht. Doch durfte ein solcher Geist nicht
durch Abfall von Gott Untertan Luzifers werden. Denn sonst wäre er ihm
rettungslos verfallen gewesen. Es mußte ein Geist des Himmels
sein, der auf dem Wege der Menschwerdung nur äußerlich in den
Herrschaftsbereich Satans trat. Denn alles, was in der Materie verkörpert
ist, untersteht dem Einfluß der bösen Mächte. Darum hat das Böse über alle
irdischen Wesen eine so große Gewalt, selbst wenn sie der Gesinnung nach
nicht dem Bösen angehören. Auch die gottestreuesten Menschen erfahren täglich
die Macht des Bösen an sich und straucheln oft unter seinem Einfluß. Darum war es für den betreffenden
Geist des Himmels ein großes Wagnis. Er war ja nach seiner menschlichen
Geburt ein Mensch, wie alle anderen Menschen. Er hatte keine Erinnerung an
sein früheres Dasein als Geist des Himmels. Er wußte also nicht, wer er war,
kannte auch zunächst nicht die Aufgabe, die er durch seine Menschwerdung zu
lösen hatte und wurde zum Bösen und vom Bösen versucht, wie alle anderen
Menschen. Gott gab ihm auch nicht mehr geistige Hilfe, wie jedem anderen. Das
hätte der Gerechtigkeit Gottes widersprochen. Die größere Hilfe Gottes, die
dieser menschwerdende Himmelsgeist zur Lösung seiner Aufgabe nötig hatte,
mußte er sich dadurch verdienen, daß er den an ihn herantretenden Angriffen
des Bösen widerstand. In dem Maße, wie er in den großen Versuchungen zum
Bösen festblieb, empfing er immer größere Hilfe Gottes. Das ist bei allen
Menschen so. Aber in dem gleichen Maße, wie die Hilfe Gottes bei ihm zunahm,
durfte auf der anderen Seite auch das Böse seine Angriffe gegen ihn
verstärken. Denn Gott läßt niemand über seine Kräfte versuchen. Das Kind darf
vom Bösen nicht so schwer angefallen werden, wie der Erwachsene. Man darf
keinem eine Zentnerlast auf die Schultern legen, wenn seine Kräfte bloß für
einen halben Zentner ausreichen. So durfte auch jener menschwerdende
Geist des Himmels als Kind nicht so schwer vom Bösen angefochten werden, wie
in seinen reiferen Jahren. Und erst, wenn er die Erkenntnis gewonnen hatte,
wer er war und welchen Zweck seine Menschwerdung hatte, wurde der Hölle
gestattet, mit allen Machtmitteln gegen ihn anzugehen. Dann begann der
Vernichtungskampf. Es war also für jenen Geist als Mensch ein
Verteidigungskampf gegen das Böse, das ihn zum Abfall von Gott zu bringen
suchte. Es mußte ein Kampf werden, der für den menschgewordenen Himmelsgeist
so fern er bis zum Schluß standhaft blieb, mit einem martervollen irdischen
Tod endete. Denn es ist die ständige Kampfart der bösen Mächte, daß sie die
Festung, die sie mit kleineren und mittleren Geschützen nicht niederkämpfen
können, mit dem schwersten Kaliber irdischer Qualen zur Übergabe zu zwingen
suchen. Dafür finden sie unter den Menschen stets Werkzeuge und Helfershelfer
genug. Blieb jener Geist trotz der größten
Qualen, die ihm als Mensch von seiten der Höllenmächte und ihrer menschlichen
Werkzeuge seelisch und körperlich angetan wurden, bis zum letzten Atemzuge
standhaft und seinem Gotte treu, dann hatte er sich durch diesen
Verteidigungskampf gegen das Böse die größte Hilfe und Kraft Gottes verdient,
die ein Geist erlangen kann. Mit dieser Gotteskraft ausgerüstet, konnte er
nach seinem irdischen Tode als Geist gegen die Hölle im Angriffskampf
vorgehen, gegen die er als Mensch bloß im Verteidigungskampf hatte stehen
können. Sein Sieg über Luzifer war ihm dann gewiß. Denn die Kampflegionen des
Himmels standen ihm zur Verfügung. Das mußte ein Kampf werden, wie er
einst im Himmel tobte, als Michael mit seinen Legionen Luzifer und seinen
Anhang stürzte. Er sollte sich in der Hölle
abspielen, in die der himmlische Erlösungsgeist hinabstieg, um Luzifer in
seinem eigenen Reich zu überwältigen. Dieser sollte nicht seiner Herrschaft
über die abgefallenen Geister beraubt und zur vollständigen Ohnmacht
verurteilt werden. Der Sieger sollte bloß seine bisherigen Herrscherrechte
beschränken. Denn bis jetzt übte Luzifer seine Gewaltherrschaft nicht bloß
über die aus, die ihm der Gesinnung nach noch immer angehörten, sondern in
gleicher Weise auch über die, welche zwar einst durch eigene Verschuldung zu
ihm übergetreten waren, aber ihren Schritt bereuten und aus der Fremdenlegion
Satans wieder zur Heimat Gottes wollten. Satan sollte nun durch den Sieg
jenes hohen Himmelsgeistes gezwungen werden, die reuigen Geister aus seiner
Gewalt zu entlassen. Wohl behielt er das Recht, nach wie vor alle Mittel der
Verführung gegen diese anzuwenden, um sie wieder umzustimmen und an sich zu
fesseln. Aber er sollte nicht mehr das Recht haben, sie mit Gewalt unter sein
Szepter zu beugen, wie er das bisher getan hatte. Er mußte gewissermaßen
seine Grenzposten an der nun durch den Erlöser gebauten Brücke zum Reiche
Gottes zurückziehen, damit sie keinen Geist, der in sein früheres Vaterland
zurückgehen wollte, mit Gewalt daran hindern konnten. Würde der Fürst der Finsternis in
diese Beschränkung seiner Rechte einwilligen - und als Besiegter mußte er
einwilligen - und war sie als Friedensbedingung festgelegt, dann mußte er sie
auch halten, denn Gott war der allmächtige und gerechte Hüter dieses
Friedensvertrages. Seiner Macht untersteht auch die Hölle. Gegen seinen Arm ist
sie ohnmächtig. Die Folgen eines solchen
Friedensvertrages mußten auf die Dauer für Luzifer und sein Reich
verhängnisvoll werden. Denn auf diese Weise wurden ihm nach und nach alle
seine Untertanen entzogen, und zum Schluß hatte er das Schicksal eines Feldherrn,
dessen sämtliche Mannschaften zum Feinde übergegangen sind. Ihm bleibt dann
nichts anderes übrig, als in der Erkenntnis seiner Ohnmacht sich ebenfalls zu
unterwerfen. So würde dann später auch Luzifer,
nachdem alle von ihm gegangen, seine Ohnmacht Gott gegenüber einsehen und als
letzter freiwillig seine Unterwerfung anbieten. Das wäre dann nach dem Heilsplan
Gottes der Tag, wo es keine Trennung von Gott, also keinen ‘Tod‘ mehr gibt.
Das wäre der Tag, wo alle einst vom Baume des Lebens abgerissenen Zweige
wieder eingepfropft sind, der Tag, wo keine Klage und kein Kummer mehr ist,
der Tag, wo Gott abwischen wird alle Tränen, die in so großer Zahl von den
abgeirrten Kindern auf dem langen Weg der Trennung geweint worden sind. Es
wäre der Tag, an dem das Reich Gottes wieder in demselben Umfang erstrahlen
wird, wie es vor dem Abfall der Geister gewesen. Dann würden die
zurückgekehrten Kinder Gottes die Plätze im Vaterhaus wieder einnehmen, die
sie einst innegehabt. Und auch Luzifer, der als letzter
mit übergroßer Reue im Herzen über die vom Sieger gebaute Brücke geht, würde
wieder der herrliche Lichtträger sein an der Seite Christi, seines
königlichen Bruders, dessen Liebe und weise Regierung er einst schnöde
verkannt. Und es würde ein Freudenjubel durch das Reich der Himmel schallen. Diesen Erlösungsplan offenbarte
Gott nach dem Sturz Luzifers und seines Anhangs bloß seinem erstgeschaffenen
Sohne und einigen der höchsten Himmelsfürsten. Einer von ihnen sollte sich
freiwillig bereiterklären, zur gegebenen Zeit die gefahrvolle Aufgabe zu
übernehmen, den Fürsten der Finsternis zu besiegen auf dem Wege über die
Menschwerdung. Alle wußten, was eine Menschwerdung für sie bedeutete. Sie
wußten, daß sie als Mensch Gefahr liefen, von dem Feinde, den sie besiegen wollten,
selbst überwunden zu werden und daß in diesem Falle die erstrebte Erlösung
nicht stattfinden konnte. Ferner war ihnen bekannt, daß eine Niederlage des
ersten Geistes, der als Erlöser zur Erde ging, die Sendung eines zweiten
notwendig machte und daß dies so lange fortgehen müsse, bis die Erlösung
gelang. - Jeder der hohen Himmelsgeister erklärte sich mit Freuden bereit,
den Versuch zu wagen. Doch Christus, der höchste
geschaffene Geist und von Gott bestellte König der Geisterwelt, bat als
erster um die Erlaubnis, diese Aufgabe zu übernehmen. Ihm hatte ja der Kampf
Luzifers bei der großen Geisterrevolution gegolten. Wegen ihm war die große
Spaltung erfolgt. Wegen ihm hatte sich die unüberbrückbare Kluft zwischen dem
Reiche Gottes und dem Reiche der Finsternis aufgetan. Er wollte daher auch
die Brücke über diese Kluft bauen, damit alle in die Irre gegangenen Kinder
Gottes wieder heimkehren konnten. Gott gab seine Einwilligung in die
Menschwerdung seines Sohnes. Sie sollte dann erfolgen, wenn die gefallenen
Geister in ihrem Aufstieg durch die Besserungssphären bis zur letzten
irdischen Stufe, der des Menschen, wenigstens zu einem gewissen Teil sich
emporgearbeitet hätten und als Menschen sich nach der Rückkehr zu Gott sehnen
würden. Allen anderen Geistern des Gottesreiches, wie auch den Mächten der
Finsternis, blieb der Heilsplan Gottes verborgen. Das geschah, damit die
Hölle ihn nicht durchkreuzen konnte. Hätten die bösen Mächte gewußt, was das
eigentliche Ziel der Menschwerdung des Sohnes Gottes war, hätten sie gewußt,
daß sein leidvoller Kampf gegen die Angriffe des Bösen und sein qualvoller
Tod die notwendige Voraussetzung für seinen Sieg als Geist über Luzifer sei,
dann würden sie ihn überhaupt nicht versucht haben. Sie hätten einen Kreuzestod
mit allen Mitteln verhindert, anstatt ihn mit allen Kräften herbeizuführen. Erst nach dem Erlösungstode Christi
war die Zeit gekommen, der ganzen Schöpfung den Erlösungsplan Gottes in
seiner unbegreiflichen Größe zu offenbaren. Jetzt konnte sein Bekanntwerden
keinen Schaden mehr anrichten, sondern nur Gutes wirken. Der Rohbau des
Rettungswerkes war fertiggestellt und konnte nicht mehr zerstört werden.
Seine innere Vollendung wurde durch die Bekanntgabe nur beschleunigt. Diese
Vollendung bestand ja darin, daß die von Gott einst abgewichenen Geister über
die vom Erlöser geschlagene Brücke zur alten Heimat zurückkehrten. Das, was aus dem Heilsplan Gottes
als Hoffnungsanker für die Menschheit bekannt gegeben werden durfte, war in
der Urbibel enthalten. Es waren die Wahrheiten über die Geisterschöpfung, den
Geisterkampf, den Abfall, die Schaffung der Besserungssphären zum Zwecke des
allmählichen Aufstieges aus der Tiefe sowie das Kommen eines großen
Gottgesandten als Befreier. Mit Ausnahme der Ankündigung des kommenden
Messias ist im Laufe der Zeiten das alles aus den Heiligen Schriften des
Alten Testamentes entfernt worden. Die Menschheit verstand jene Wahrheiten
nicht mehr. Und was sie nicht versteht, pflegt sie als Torheit zu betrachten
und aus ihrem Gedächtnis auszulöschen. So war es auch zur Zeit Christi.
Was über die Alltagsdinge hinausging oder im Gegensatz zu dem von den Vätern
ererbten Religionsbekenntnis stand, konnte man damals den Menschen
ebensowenig beibringen, wie man es heute kann. Darum ging auch Christus auf
jene Wahrheiten nicht näher ein, sondern beschränkte seine Lehre auf die
Verkündigung der Wahrheit über Gott, die Erfüllung des göttlichen Willens und
seine eigene Sendung vom Vater. Alles Übrige überließ er den Geistern der
Wahrheit, die er der Menschheit schicken wollte. Aber auch dann noch, als die
Geisterwelt Gottes als Lehrmeisterin auftrat, waren es nur die in der
Erkenntnis der Wahrheit Fortgeschrittenen, die den Heilsplan Gottes erfaßten.
Für die anderen war er eine schwer verdauliche Kost, die sie nicht vertragen
konnten. Selbst manche Christen hielten den Apostel Paulus, als er darüber
predigte, für wahnsinnig (2.Kor.5,13). Und als Paulus vor dem König Agrippa
im Beisein des Statthalters Festus über die ihm zuteilgewordenen Offenbarungen
sprach, da rief Festus mit lauter Stimme aus: ‘Paulus, du bist von Sinnen,
das viele Studieren bringt dich um den Verstand!‘ (Apg.26,24). Auch dir wird man sagen, wenn du
meine Belehrungen zur Kenntnis deiner Mitmenschen bringst, das seien lächerliche
Phantasien und du habest deinen Verstand verloren. Es ist zu allen Zeiten das
Los der Wahrheit gewesen, als Unwahrheit und Torheit angesehen zu werden,
während andererseits offenkundige Unwahrheiten in den Jenseitsanschauungen
gedankenlos als Wahrheit hingenommen, allgemein gepredigt und zu
Glaubensbekenntnissen erhoben werden. Was ich dir über den Heilsplan
Gottes mitgeteilt habe, wirst du in allen Einzelheiten bestätigt finden, wenn
ich dir später die ganze Lehre Christi im Zusammenhang vortrage, wie sie
teils von Christus selbst, teils von den Geistern der Wahrheit durch die
Apostel und Medien den Gläubigen verkündet worden ist. Alsdann werden wir
auch einen für dich und deine Mitmenschen besonders lehrreichen Vergleich
anstellen zwischen der wirklichen Lehre Christi und dem heutigen Christentum. Für
uns Christen gibt es nur einen Gott, den Vater, von
dem alle Dinge sind und für den wir geschaffen sind; und
nur einen Herrn, Jesus Christus, durch dessen Vermittlung alle
Dinge sind und dem wir verdanken, daß wir sind. (1. Kor. 8,6) Die Christusfrage in meinem Leben Was dünkt euch von Christus? -
Diese Frage stand in Flammenschrift über meinem Leben von dem Tage an, an dem
ich mich entschlossen hatte, Priester zu werden. Ich sollte ja nicht bloß die
Lehre Christi meinen Glaubensgenossen verkünden, sondern auch die Wahrheit
über die Person Christi, sein Leben und sein Werk. Wer war Christus? - Wer war er,
bevor er Mensch wurde? Was war er als Mensch? - War er Gott oder bloß ein
Sohn Gottes? War er nach seiner menschlichen Geburt ein Mensch wie wir -
innerlich und äußerlich? Wurde er gezeugt und geboren wie alle Menschen?
Mußte er sich als Kind Kenntnisse erwerben wie alle Menschenkinder? Mußte
auch er nach und nach zur Erkenntnis eines Gottes kommen und sich über Gottes
Wesen und Willen klarwerden auf demselben Wege, den alle Menschen gehen
müssen, wenn sie zur Erkenntnis Gottes gelangen wollen? Mußte auch er die
Versuchungen des Bösen mit all den folgenschweren Entscheidungen erleben, die
wir Menschen täglich an uns erfahren? Konnte er, wie jeder andere Mensch,
diesen Versuchungen auch unterliegen? Konnte auch er durch die Macht des
Bösen zum Abfall von Gott gebracht werden wie Millionen anderer Menschen? Und
wenn er die Menschen erlösen sollte - worin bestand dann diese Erlösung? Wie
waren alle diese Zusammenhänge zu erklären? Als ich daher in den
spiritistischen Gottesdiensten die Gewißheit erlangt hatte, daß Geister
Gottes durch die Medien redeten, wie in den ersten christlichen Gemeinden, da
war es vor allem die „Christus-Frage“, über die ich eine eingehende Belehrung
erbat. Sie wurde mir bis in alle Einzelheiten gegeben. Sie war das für mein
religiöses Leben Wertvollste. Im Folgenden gebe ich die
Wahrheiten wieder, wie sie mir über Christus, sein Leben und sein
Erlösungswerk mitgeteilt worden sind. Christus als Führer des ersten
Menschengeschlechts Also sprach der mich belehrende
Geist: Du willst Klarheit haben über die Person Christi, über seine
Menschwerdung, sein menschliches Leben, Leiden und Sterben und über die
Zusammenhänge der Erlösung. Einen kleinen Teil dieser Fragen
habe ich dir bereits beantwortet, als ich dich über die Schöpfung Gottes und
ihr Schicksal sowie über den Erlösungsplan Gottes belehrte. Damals ist dir gesagt worden, daß
Christus der erste und höchste von Gott geschaffene Geist ist, die einzige
direkte Schöpfung Gottes; daß durch Christus die übrige Geisterwelt ins
Dasein trat, die mit ihm zusammen eine große geistige Gemeinschaft bildete - ein
geistiges Königreich, an dessen Spitze nach dem Willen Gottes Christus als
König stand. Christus war also in diesem Reich gewissermaßen der
Stellvertreter Gottes. Er selbst war nicht Gott. Er war bloß der erste Sohn
Gottes. Seine Macht und Größe und sein Königtum hatte er von Gott empfangen.
Er war bloß ein Geschöpf Gottes und daher nicht ewig wie Gott. Gegen das
Königtum Christi richtete sich die Geisterrevolution unter Luzifer. Nach dem
Abfall eines Teiles der Geisterwelt und dessen Sturz in die Sphären der Tiefe
erbot sich Christus, die Abgefallenen nach dem von Gott festgelegten
Erlösungsplan wieder zum Reiche Gottes zurückzuführen. Das Erlösungswerk Christi begann
sofort nach dem Abfall der Geisterscharen. Christus war es, der die von Gott
vorgesehenen Besserungsstufen schuf, über die ich dich bei meiner Belehrung
über den Erlösungsplan Gottes ausführlich unterrichtete. Dadurch wurde
Christus der Schöpfer des ganzen materiellen Universums, das die Stufenleiter
für die gefallenen Geister aus der Tiefe zur Höhe des Gottesreiches bildet. Als nun Geister der Tiefe in ihrer
Aufwärtsentwicklung bis zur Stufe des Menschen gelangt waren, da wurde
Christus der Führer der Menschheit von den ersten Menschentagen an. Er suchte
die zum Bösen geneigte Gesinnung der Menschheit zu Gott hinzulenken. Aber
auch die Herrschermächte der Hölle boten alles auf, dieselbe Menschheit
weiter in ihrem Banne zu behalten. So entspann sich der gewaltige Kampf
zwischen Christus und Luzifers Reich um die in der Menschheit verkörperten Geister,
der den Hauptinhalt dessen bildet, was euch in den Schriften des Alten
Testamentes überliefert ist. Bei diesem Kampf wurde Christus von
der ihm unterstellten guten Geisterwelt unterstützt. Viele dieser Geister
erboten sich freiwillig, selbst Mensch zu werden, um durch Verkündigung der
Wahrheit und das Beispiel eines gottgefälligen Lebens die Menschen zum Guten
zu führen. Henoch war ein solcher Geist des
Himmels, dem gestattet wurde, als Mensch zur Erde zu gehen. Er belehrte seine
Zeitgenossen über den wahren Gott und den rechten Weg zur Gotteserkenntnis,
vor allem auch über den Verkehr mit der Geisterwelt Gottes, mit der er ja
selbst in täglicher Verbindung stand. Denn die Menschen waren damals fast
alle dem Verkehr mit den bösen Geistern verfallen und wurden durch sie zum
schändlichsten Götzendienst und zu allen Lastern verführt. Doch der Erfolg seines Wirkens war
nicht von langer Dauer. Die Macht des Bösen war so gewaltig, daß unter den
Völkern jener Zeit Greuel verübt wurden, von denen ihr heute keine
Vorstellung mehr habt. Die höchsten der Höllengeister benutzten die
menschlichen Tieftrancemedien nicht bloß zum Sprechen, sondern auch, um mit
deren Körpern Zeugungen vorzunehmen. Denn ebensogut wie der eigene Geist des
Mediums mit seinem menschlichen Körper zeugungsfähig ist, kann auch ein
fremdes Geistwesen in ein Tieftrancemedium eintreten und eine Zeugung
bewirken. Und das verkommene weibliche Geschlecht jener Zeit rechnete es sich
zur Ehre an, bei den Götzendiensten in dieser Weise mißbraucht zu werden. Das
bestätigt euch die Bibel, indem sie berichtet, daß sich die Gottessöhne zu
den Menschentöchtern gesellten und diese ihnen Kinder gebaren (1.Mose6,4). -
Was hier mit ‘Gottessöhnen‘ bezeichnet wird, sind die einst als Rädelsführer
von Gott abgefallenen, führenden Geister des Himmels. Es sind dieselben
Geister, von denen es bei Hiob heißt: ‘Nun begab es sich eines Tages, daß
die Gottessöhne‘ kamen, um sich Gott dem Herrn vorzustellen, und unter ihnen
erschien auch der Satan‘ (Hiob 1,6). - Auch hier waren es bloß die
abgefallenen Gottessöhne. Satan war ja der zweite der Söhne Gottes. Diese
Gottessöhne als Beherrscher des Reiches der Finsternis können nicht schalten
wie sie wollen, sondern unterstehen der Herrschergewalt Gottes und werden von
ihm bisweilen zur Verantwortung gezogen. Christus als Führer der Menschheit
nach der Sintflut Die Beeinflussung einer solchen,
dem Bösen ganz verfallenen Menschheit durch Christus und seine gute
Geisterwelt war fruchtlos. Es mußte darum das damalige Menschengeschlecht
vernichtet und durch eine neue Menschheit ersetzt werden. Die Vernichtung kam
in der Sintflut, aus der bloß eine Familie gerettet wurde, damit sie die
Stammfamilie einer besseren Menschheit würde. Es war die Familie des Noah. Allein schon bald nach der großen
Flut erhob auch bei den Nachkommen Noahs das Böse wieder sein Haupt. Das seht
ihr bei den Städten Sodom und Gomorrha und der Familie des Lot. Und je weiter
die Menschen sich verbreiteten, um so größer wurde der Teufeldienst in Form
des Götzendienstes und des Lasters. Um nun trotz der furchtbaren Gewalt
des Bösen über die Menschheit doch sein Ziel zu erreichen, suchte Christus
lange vor seiner Menschwerdung wenigstens einen kleinen Bruchteil des
Menschengeschlechts für die Sache Gottes zu gewinnen. Dieser Bruchteil sollte
der Träger des Gottesglaubens und der Erlösungshoffnung für die späteren
Geschlechter werden. Er sollte der Sauerteig sein, mit dem nach und nach die
große Masse der Menschheit durchsäuert würde. Er sollte das Senfkorn sein,
das zum großen Baume des wahren Gottesglaubens und Gottsuchens emporwachsen
und im Laufe der Jahrtausende die Menschen unter seinen Zweigen sammeln
sollte. War dieser Baum einmal zu einer gewissen Entwicklung gekommen, dann
war die ‘Fülle der Zeit‘ erschienen, wo der Erlöser zur Erfüllung des letzten
Teiles seines Erlösungswerkes als ‘Menschensohn‘ zur Erde stieg. Dann lohnte
es sich für ihn, die Brücke zu bauen, über die der gottestreue Teil der
Menschengeister aus dem Reiche Luzifers hinübergehen konnte nach dem Reich
Gottes. Auch ihr baut ja keine Brücke, bevor genügend Leute da sind, die
hinübergehen wollen. Israel als Träger des
Gottesglaubens Als Sauerteig und Senfkorn des
Gottesglaubens und der Erlösungshoffnung wurde Abraham erwählt. Er war der
Mann der starken Gottestreue. Christus trat mit ihm in Verbindung, bald
selbst, bald durch seine Geister. Denn auch Abraham war ein menschgewordener
Geist des Himmels. Die Gottestreue Abrahams wurde auf eine sehr schwere Probe
gestellt. Denn jeder, dem Gott etwas sehr Großes anvertrauen will, wird
vorher einer Belastungsprobe unterzogen. Wenn ihr eine Eisenbahnbrücke baut,
über die Güter- und Personenzüge fahren sollen, so prüft ihr zunächst ihre
Tragfähigkeit, bevor ihr sie in Betrieb nehmt. Wird sie als zu schwach befunden,
so bringt ihr Verstärkungen an. Ergeben aber auch diese nicht die
erforderliche Tragfähigkeit, so ist die Brücke unbrauchbar, und ihr müßt eine
andere bauen. - So macht es Gott auch mit den Menschen, die wichtige Aufgaben
für das Reich Gottes erfüllen sollen. Erweisen sie sich bei den
Belastungsproben als ungeeignet und sind auch alle Verstärkungsmaßnahmen
erfolglos, dann werden sie als unbrauchbar beiseite geschoben und andere für
jene Aufgaben ausgewählt. Oft sind viele an und für sich für die großen
Zwecke Gottes brauchbar. Aber wegen selbstverschuldeter Fehler, die sie nicht
ablegen, müssen sie ausgeschaltet werden. Denn wegen dieses Mangels reicht
ihre Tragfähigkeit nicht aus. - Viele sind berufen, aber nur wenige sind
auserwählt. Wie gewaltig war die
Belastungsprobe, der Abraham bei der Opferung seines Sohnes unterworfen
wurde! Wer Vater oder Mutter, Bruder oder Schwester, Sohn oder Tochter oder
Freund mehr liebt als Gott, ist der großen Gaben und Aufgaben Gottes nicht
wert. Abraham bestand die schwere Prüfung
und empfing dafür die Verheißung Gottes: ‘Dafür,
daß du so gehandelt und mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten hast,
will ich dich reichlich segnen und deine Nachkommenschaft zahlreich werden
lassen, wie die Sterne des Himmels und wie der Sand am Ufer des Meeres ...
und durch deine Nachkommenschaft sollen alle Völker der Erde gesegnet werden‘
(1.Mose22,16-18,). Die ihm hier verheißene Nachkommenschaft war keine
leibliche. Sie hätte ja nicht alle Völker der Erde umfassen können und wäre nicht
so zahlreich wie die Sterne des Himmels und der Sand am Meere. Gott
übertreibt nicht. Was er sagt, ist stets die volle Wahrheit. Die
Nachkommenschaft Abrahams war eine geistige. Sie sollte die ganze gefallene
Geisterwelt umfassen, indem der Gottesglaube und die Gottestreue Abrahams
sich nach und nach auf alle von Gott Abgewichenen ausdehnen sollte. Für
Abraham wäre es wahrlich kein Segen gewesen, wenn von ihm leiblich viele
Menschen abstammten, die dem Bösen verfielen, wie ja tatsächlich später ganze
Generationen, die Abraham zum Stammvater hatten, dem wahren Gottesglauben den
Rücken kehrten und dem Götzendienst huldigten. Die zweite menschliche
Nachkommenschaft Abrahams, Jakob und seine Söhne, wurde nach Ägypten geführt.
Dort sollte sie sich in dem fruchtbaren Länderstrich Gosen zu einem großen
Volk entwickeln und abgeschlossen von den götzendienerischen Einwohnern
Ägyptens Träger des wahren Gottesglaubens bleiben. Aber irdischer Wohl bildet für den
Menschen auf die Dauer stets eine große Gefahr für ihre Gottestreue. Darum
ließ Gott es zu, daß das Volk der Hebräer, wie die Nachkommen Abrahams
genannt wurden, von den Pharaonen hart bedrückt und in schwerer Knechtschaft
gehalten wurde. Nicht Gott hat den Pharao zu dieser Maßnahme veranlaßt,
sondern die bösen Geistermächte. Denn diese hatten erkannt, daß das Volk der
Hebräer mit seinem wahren Gottesglauben ein für die gottfeindliche
Geisterwelt gefährliches Werkzeug in der Hand Christi war. Darum sollte es
der Vernichtung anheimfallen. Und als diese nicht durch harten Frondienst
erreicht werden konnte, trieben die dämonischen Mächte die Pharaonen dazu,
das Volk der Hebräer auf dem einfachsten, aber sichersten Wege auszurotten.
Jeder männliche Nachwuchs dieses Volkes sollte getötet werden. Als Begründung
für dieses Vorgehen hatten die Höllenmächte dem ägyptischen König den
Gedanken eingegeben, das in seinem Lande wohnende und schon äußerst stark
gewordene Volk der Hebräer könnte durch ein Bündnis mit den Feinden Ägyptens
dem Pharaonenreich gefährlich werden. Das Böse weiß die Menschen, besonders
auch die menschlichen Herrscher, an ihrer schwächsten Stelle zu fassen. Die
schwächste Stelle bei einem König ist stets die Furcht um seinen Thron. So
fiel der Pharao diesen Einflüsterungen des Bösen zum Opfer und begann mit der
Tötung der neugeborenen männlichen Kinder der Hebräer. So hätte innerhalb
einer nicht allzu langen Zeitperiode nach dem Plane Pharaos alles Männliche
des hebräischen Volkes aussterben müssen. Das weibliche Geschlecht wäre dann
als Frauen und Sklavinnen der Ägypter unter dem Volke des Landes aufgegangen
und auch dem Götzendienst anheimgefallen. So wäre denn alle bisherige Arbeit
Christi und seiner Geisterwelt, einen menschlichen Träger des wahren
Gottesglaubens zu sichern, mit einem Schlage vernichtet gewesen. Aber das Böse war auch hier, wie so
oft in der Schöpfung und im Menschenleben, die Kraft, die das Übel will, aber
das Gute schaffen hilft. Denn der Zeitpunkt, wo ein Volk durch Tötung seiner
Kinder von seiten eines Herrschers zur höchsten Verzweiflung getrieben wird,
ist der günstigste, um dieses Volk zum Verlassen des Ortes ihrer Qual zu
veranlassen. Und aus einem anderen, viel wichtigeren Grunde war es die
höchste Zeit, daß das Volk der Hebräer aus dem Lande der Pharaonen weggeführt
wurde. Es war nämlich im Laufe der 400 Jahre seines dortigen Aufenthaltes
nach und nach immer mehr in Fühlung mit dem ägyptischen Götzendienst
gekommen, und nicht wenige machten bereits diesen Götzendienst mit. Dieser
ungeheuren Gefahr für den Gottesglauben des hebräischen Volkes konnte nur
durch Auszug aus dem ägyptischen Lande vorgebeugt werden. Dazu war jetzt der
geeignetste Augenblick gekommen. Denn die Tötung der Kinder machte den
Hebräern jedes längere Verweilen in Ägypten zur Hölle. Zur Wegführung eines so zahlreichen
und an und für sich schwer zu behandelnden Volkes bedurfte es eines großen
menschlichen Führers. Christus wählte dazu einen seiner hohen Himmelsgeister
und ließ ihn als Mensch geboren werden. - Es war Mose. Als Sohn hebräischer
Eltern wurde er durch die Tochter Pharaos vom Tode errettet. Sie ließ ihn in
allen Wissenschaften der damaligen Zeit unterrichten, so daß er auch als
Mensch das Können besaß, das er als Führer eines großen Volkes benötigte. Als er zum Manne herangewachsen
war, trat Christus im brennenden Dornbusch mit ihm in Verbindung und berief
ihn zum Führer des ‘Volkes Gottes‘. Mose hatte zunächst zwei Aufgaben zu
erfüllen. Die eine war die, sich dem geknechteten Volke der Hebräer gegenüber
als Gesandten Gottes auszuweisen, der den Auftrag hatte, es aus Ägypten
wegzuführen. Die zweite bestand darin, daß er den Pharao dahin brachte, die
Hebräer aus dem Lande ziehen zu lassen. Zu diesen beiden Aufgaben rüstete ihn
Christus mit übermenschlichen Kräften aus. Aber auch die bösen Geister, die ihre
Vernichtungspläne durchkreuzt sahen, erschienen mit ihrer gesamten Macht auf
dem Kampfplatz und bedienten sich der ägyptischen Zauberer als ihre
Werkzeuge. Nun entspann sich der größte
Geisterkampf, der je auf der Erde ausgefochten wurde. Auf der einen Seite
stand Christus mit der guten Geisterwelt und Mose als seinem sichtbaren
Werkzeug. Auf der anderen Seite die Hölle mit den ägyptischen Zauberern als
Helfershelfer. Mose vollführte mit Hilfe der Geister Gottes, die ihm
unsichtbar zugeteilt waren, die größten Wundertaten, die bis auf Christus
gewirkt worden sind. Dadurch wollte er sowohl das Volk der Hebräer, als auch
den Pharao von seiner göttlichen Sendung überzeugen. Das Volk Gottes sollte
durch die vor seinen Augen sich abspielenden Geschehnisse bestimmt werden,
dem Mose als Führer Folge zu leisten. Pharao sollte bewogen werden, das Volk
ziehen zu lassen. Aber die bösen Geistermächte
wirkten durch die Zauberer am Anfang ähnliche Wunder wie Mose, damit das Volk
und der Pharao dem Mose keinen Glauben schenkten. Doch erlahmte bald die
Macht des Bösen, und die Zauberer mußten selbst bekennen: ‘Hier ist der
Finger Gottes.‘ Nie haben solch gewaltige Geistermaterialisationen
stattgefunden wie bei diesem Kampfe. Bei Mose verwandelte sich ein guter Geist
unter Auflösung des Stabes in eine Schlange. Bei den Zauberern geschah das
gleiche von seiten der niederen Geistwesen. Bei Mose wird das Wasser durch
Gottes Geister in Blut verwandelt. Die Zauberer taten dasselbe mit Hilfe der
Höllenmächte. Gott ließ die Bösen ihre Macht bis zum Äußersten ihres Könnens
ausüben, um so Gelegenheit zu haben, seine Allmacht in ihrer ganzen Fülle zu
zeigen und dadurch vor allein den Glauben der Israeliten zu festigen. Denn in
diesem Kampf handelte es sich um Sein und Nichtsein der Hebräer als Volk
Gottes. Israel war der Erstgeborene des Gottesglaubens. Fiel er der Hölle zum
Opfer, dann dauerte es lange, bis in der Menschheit wieder ein Volk als
Träger des Gottesglaubens herangewachsen war. Christus, der Erstgeborene
Gottes, kämpft mit dem Erstgeborenen der Hölle um den erstgeborenen irdischen
Träger des Gottesglaubens und der Erlösungshoffnung. Christus blieb Sieger.
Gottes Strafengel schlug die gesamte männliche Erstgeburt Ägyptens. Das
brachte die Entscheidung. Furcht fiel auf Pharao und sein Volk, und er
entließ auf Drängen der eigenen Untertanen die Hebräer aus dem Lande.
Christus zog in der Wolkensäule vor Israel her und redete daraus zu Mose. Er
schützte das Volk Gottes gegen die nachdrängenden Ägypter. Die gute
Geisterwelt teilte das Meer und türmte die Wogen. Das Volk vertraute auf den,
der durch die Wolkensäule sprach und ging furchtlos zwischen den Wogen durch.
Es empfing die erste Taufe auf Christus im gläubigen Vertrauen auf den ‘Engel
des Herrn‘; denn dieser war Christus. Gott und Christus führten Israel durch
die Wüste, ließen ihm durch die Geisterwelt Wasser aus dem Felsen strömen und
das Manna bereiten. Darum schreibt Paulus mit Recht: ‘Ich will euch nicht im Unklaren darüber lassen, daß unsere Väter
alle unter dem Schutze der Wolke gewesen und alle durch das Meer gegangen
sind und alle die Taufe auf Mose in der Wolke und im Meer empfangen haben,
auch alle dieselbe Speise gegessen und denselben geistigen Trank getrunken
haben. Sie tranken nämlich aus einem geistigen Felsen, der sie begleitete.
Und dieser Fels war Christus‘ (1.Kor.10,1-4). Gott und Christus, sowie die gute
Geisterwelt gaben dem Volke in allem die notwendigen Unterweisungen und
Belehrungen. Gott selbst gab die Gesetzgebung auf dem Berge Sinai. Der Aufenthalt in der Wüste war
nötig zur Erprobung des Volkes. Es sollte sich zeigen, ob sein Gottesglaube
und sein Gottvertrauen stark genug war, die Gefahren zu bestehen, die ihm von
den götzendienerischen Bewohnern des Landes drohten, das sie später in Besitz
nehmen sollten. Denn der Gottesglaube dieses Volkes durfte nicht mehr
vernichtet werden, da sonst alle bisherige Arbeit umsonst gewesen wäre. Noch eine andere Gefahr für die
Gottestreue mußte beseitigt werden. Das war die Sucht nach irdischen Gütern
und die übermäßige Anhänglichkeit an das Materielle, die stets den Menschen
in die Arme des Bösen treibt. Christus ergriff alle Maßnahmen,
die zur Beseitigung oder doch Verminderung dieser Gefahren erforderlich
waren. Er ließ das von ihm erwählte Volk in dieser Hinsicht eine Radikalkur
durchmachen. Er führte eine Gesetzgebung ein, nach der die Israeliten - wie
das Volk der Hebräer später genannt wurde - von allem Besitztum den Zehnten
entrichten mußten. Ferner hatten sie die Erstlinge von allem abzuliefern oder
gegen eine andere Abgabe einzulösen. Außerdem mußten sie zahlreiche Opfer von
Tieren und Früchten als Brandopfer, Speiseopfer, Friedensopfer, Sündopfer und
Schuldopfer darbringen und dabei nur Fehlerloses abliefern. Bei der Ernte
durften sie nicht alles abernten und auch keine Nachlese halten, sondern
mußten das Übrigbleibende den Armen und Fremdlingen überlassen. Im siebenten
Jahr durften sie kein Feld bestellen. In jedem fünfzigsten Jahre mußte jedem
sein früheres Eigentum wieder zurückgegeben werden. Endlich sah das Gesetz
das Zinsverbot vor, das den Wucher von vornherein unmöglich machte. Wurden diese Satzungen vom Volke
Israel gehalten, dann war die Gefahr nicht allzu groß, daß es sein Herz
übermäßig an Hab und Gut hängte und aus Liebe zum Mammon Gott die Treue
brach. Aber die andere Gefahr, die dem Gottesglauben drohte, war viel größer.
Es war der Götzendienst der Völker, die sie in dem sogenannten ‘Gelobten
Lande‘ antreffen sollten. Er war deswegen so gefährlich, weil er, wie jeder
Götzendienst, in einer menschlich wahrnehmbaren Verbindung mit der bösen
Geisterwelt bestand. Für den Menschen ist das Geisterreich etwas
Geheimnisvolles. Und das Geheimnisvolle übt auf jeden eine unwiderstehliche
Gewalt aus. Die größte Aufmerksamkeit schenkt ihr den Erzählungen von
Geistergeschichten. Und wo etwas Geheimnisvolles und Geisterhaftes wirklich
oder vermeintlich vor sich geht, da strömt alles hin. So fühlten sich auch die Israeliten
schon früher zu den geheimnisvollen Vorgängen des Götzendienstes der Ägypter
hingezogen. Auch der Apostel Paulus bezeugt den Korinthern dasselbe mit den
Worten: ‘Ihr wißt ja von eurer Heidenzeit her, da waren es die toten Götzen,
zu denen es euch mit unwiderstehlicher Gewalt hinzog‘ (1.Kor.12,2). - Daß es
sich dabei nicht um das bloße Anschauen von Götzenbildern handeln konnte,
werdet ihr als denkende Menschen euch wohl selbst sagen können. Toter Stein
und Holz konnte die Menschen der damaligen Zeiten ebensowenig fesseln, wie
die der Jetztzeit. Das Anziehende des Götzendienstes bestand in dem
wirklichen Verkehr mit der niederen Geisterwelt. Daß Geister durch die
Götzenbilder und menschliche Medien sprachen und sonstige staunenerregende
Dinge vollbrachten, das war es, was die Menschen anzog. Hier wurde ihnen so
viel Geheimnisvolles gesagt. Hier erhielten sie die Antworten auf die Fragen
nach ihrem materiellen Fortkommen. Hier bekamen sie vermeintlichen Aufschluß
über ihre Zukunft, die ja jeder Mensch so gern wissen möchte. Dazu wurde
ihnen so vieles mitgeteilt, was ihren menschlichen Leidenschaften
schmeichelte. Hier wurde das Laster zur Tugend und die Tugend zum Laster
gestempelt. Wer einmal diesem Geisterverkehr verfallen war, der konnte nicht
leicht mehr davon ablassen. Durch zwei Maßnahmen suchte
Christus als Führer des Gottesvolkes seine Schutzbefohlenen vor dem Abfall
zum Götzendienst zu schützen. Die eine Maßnahme bestand darin, daß er ihnen
als Ersatz für den verbotenen Verkehr mit der bösen Geisterwelt den guten
Geisterverkehr vermittelte. Er gab ihnen das Offenbarungszelt, das Orakelschild
und die guten Medien, die euch unter der Bezeichnung ‘Propheten‘ bekannt
sind. Darüber habe ich dir ja bereits in meinen früheren Darlegungen
ausführliche Belehrungen gegeben. Die zweite Maßnahme bestand in dem
Gebot des Herrn, bestimmte Völkerschaften, in deren Land die Israeliten
einziehen sollten, vollständig zu vernichten. Es waren deren sechs, die
derart dem Götzendienst und seinen Lastern verfallen waren, daß ihre
Bekehrung zum Gottesglauben ausgeschlossen erschien. Andererseits aber
unterlag es keinem Zweifel, daß sie in kurzer Zeit das bei ihnen wohnende
israelitische Volk ebenfalls zum Abfall von Gott verführt haben würden. Wegen der Ausrottung dieser Völker
zeihen viele von euch den ‘alttestamentischen Gott‘ der Grausamkeit. Sie
meinen, die Schreiber des Alten Testamentes hätten sich noch nicht zu der
Höhe des Gottesbegriffes Christi aufschwingen können, sonst würden sie nicht
ein so grausames Vorgehen als von Gott angeordnet bezeichnet haben. Da
befindet ihr euch in einem Irrtum. Es war der selbe Christus, der sowohl den
Gottesbegriff des Neuen Testamentes predigte, als auch die Vernichtung jener
götzendienerischen Völker anordnete. Indem einen wie in dem anderen Falle
steht Christus als Retter da. Dadurch, daß er jene Völker vertilgen ließ, bewahrte
er sie vor einem noch tieferen Versinken in Unglauben und Laster. Er gab
ihnen vielmehr die Gelegenheit, sich in einem neuen Dasein aus ihrer Tiefe
heraufzuarbeiten. Hier lag derselbe Grund vor, der vor Zeiten die Vernichtung
der ganzen Menschheit durch die Flut und die Zerstörung der Städte Sodom und
Gomorrha herbeigeführt hatte. Dazu kam noch der wichtigere Grund
der Erhaltung des Gottesglaubens bei dem Volke Gottes. Ihr Menschen pflegt in
einem Kriege jeden zu erschießen, der eure Soldaten zur Fahnenflucht
verleiten sucht. Das findet ihr selbstverständlich. Sollte nun Gott nicht
dasselbe Recht zustehen, diejenigen töten zu lassen, die sein Volk, das er
als Träger des Gottesglaubens ausgewählt hatte, zur Fahnenflucht verleiten
und zum Abfall an die Mächte der Finsternis verführen wollten. Ferner sollte
mit dem Gottesvolke die Stunde der Erlösung der ganzen Menschheit vorbereitet
werden. Sollte sich Christus diese ohnehin so schwere Vorbereitung von denen
zunichte machen lassen, die Gottes Feinde und Werkzeuge Luzifers waren? Was
ihr Menschen mit einmal so zartfühlend werdet, wenn die Weisheit und
Gerechtigkeit Gottes dem Bösen vollständig und hoffnungslos verfallene
Menschen vertilgen läßt, damit sie nicht noch Millionen anderer Menschen
unglücklich machen und damit sie selbst als Geister wieder auf den Weg der
Rettung gebracht werden. Und dazu ist es Gott, der dies tut, der Herr über
Leben und Tod, der in übergroßer Langmut mit diesen Völkerschaften Erbarmen
geübt, obschon sie alles, was für den Herrn ein Greuel war, bei ihrem
Götzendienst verübt und sogar ihre Kinder ihren Götzen zu Ehren verbrannt
haben (5.Mose12,31). Gegen andere Völkerschaften sollten
die Israeliten menschlich verfahren. ‘Wenn du gegen eine andere Stadt
heranziehst, um sie zu belagern, so sollst du sie zu einem friedlichen
Abkommen auffordern. ‘(5.Mose20,10). - Nicht einmal einen Obstbaum durften
sie bei der Belagerung einer Stadt beschädigen. Ihre Belagerungsgeräte mußten
sie von dem Holz solcher Bäume herstellen, die keine eßbaren Früchte tragen. Einen Vorgeschmack von der
Gefährlichkeit des Götzendienstes für sein Volk hatte Mose zuerst bei der
Geschichte vom goldenen Kalb bekommen. Aber auch bald nachher, als sie sich
dem Gebiet der Moabiter näherten: ‘Als die Israeliten sich in Sittim
niedergelassen hatten, fingen sie an, mit den Moabiterinnen Unzucht zu
treiben. Diese luden sie nämlich zu den Opferfesten ihrer Götzen ein, und das
israelitische Volk nahm an ihren Opfermahlen teil und betete ihre Götter an‘
(4.Mose25,1-2). - Die hier erwähnte Unzucht gehörte zum Götzendienst und
wurde von den Dämonen durch den Mund ihrer Medien von den Teilnehmern als
etwas den Göttern Wohlgefälliges verlangt. Sie bildeten einen Bestandteil des
Götzendienstes, wie bei allen anderen heidnischen Völkern Mit dieser Waffe des Götzendienstes
und der damit notwendig verbundenen Laster fügten die bösen Geistermächte in
den folgenden Zeiten auch dem Volke Gottes und dadurch dem Vorbereitungswerk
der Erlösung schweren Schaden zu. Fast ganze Generationen des von Gott
erwählten Volkes fielen nachher vom wahren Gottesglauben ab. Um sie wieder
zurückzuführen, verhängte Gott furchtbare Strafgerichte über sie. Auch sandte
Christus ihnen die Propheten, um sie wieder für das Gute zu gewinnen. Die
Propheten waren Medien der guten Geisterwelt, und es wurde ihnen nicht
leicht, gegen den Einfluß der dämonischen Medien - der ‘Propheten des Baal‘ -
anzukämpfen. Es waren Geister des Himmels, die in den Propheten Gottes
verkörpert waren, wenn sie auch als Menschen dem Bösen ebenso ausgesetzt
blieben, wie die anderen Menschen. Durch ihr Eingreifen wurde wenigstens
erreicht, daß der Glaube an den wahren Gott und den kommenden Erlöser nicht
ganz aus der späteren Menschheit ausgetilgt wurde. _______ *
_______ Endlich war der Zeitpunkt da, wo
ein großer Teil der Menschheit wenigstens in ihrem Sehnen nach Rettung reif
war, die Erlösungstat Christi im Glauben entgegenzunehmen und über die Brücke
zu gehen, die Christus über den Abgrund zwischen dem Reiche der Tiefe und dem
Reiche Gottes schlagen sollte. Unzählige Menschengeister standen schon zum
Übergang bereit. Nun war die Fülle der Zeit angebrochen, die nach dem
Erlösungsplan Gottes für das Erscheinen des Erlösers vorgesehen war. Kurz
bevor Christus selbst Mensch wurde, sandte er einen Herold, der seine Ankunft
vorbereiten und ankündigen sollte. Er war wiederum ein Geist des Himmels. Es
war Elia - also derselbe Geist, der einst in schwerer Zeit des allgemeinen
Götzendienstes im Auftrag Christi zur Erde gegangen war und den Kampf gegen
die Werkzeuge der bösen Mächte mit Erfolg aufgenommen hatte. Nachdem er seine
Aufgabe vollendet, war er wieder zur Höhe gegangen, ohne den irdischen Tod
gekostet zu haben. Nun wurde er als Vorläufer Christi zum zweitenmal Mensch,
wurde als Sohn des Zacharias geboren und führte den Namen - ‘Johannes‘. Noch war Johannes nicht geboren, da
wurde auch schon die Menschwerdung des Gesalbten Gottes verkündet. Der
Erzengel Gabriel, der dem Zacharias die Kunde von der Geburt des Johannes als
des Vorläufers Christi überbracht hatte, wurde auch mit der Botschaft von der
Menschwerdung des Erlösers betraut. Er wurde zu einer Jungfrau in
Nazareth gesandt, die Maria hieß. Sie war zur Mutter des Erlösers ausersehen. Zeugung und Geburt vollziehen sich
in der Schöpfung Gottes nach unabänderlichen Gesetzen. Die Verbindung
männlichen und weiblichen Samens ist zur Zeugung überall erforderlich. Eine
Ausnahme von diesem Gesetz gibt es nicht. Eine menschliche Zeugung kann daher
nur zustande kommen, wenn der Same eines männlichen Menschen mit dem eines
weiblichen sich vereinigt. Es kann infolgedessen kein körperloser Geist, sei
es nun ein Geist des Himmels oder ein Geist der Hölle, ohne Benutzung eines
menschlichen Körpers mit menschlichem Samen die Zeugung eines Menschen
vornehmen. Den Bericht der Bibel von der
Zeugung Christi faßt ihr nun so auf, als ob ein Geist des Himmels ohne
Benutzung eines männlichen Menschenkörpers und männlichen Samens im Schoße
einer menschlichen Jungfrau den Lebenskeim des werdenden Kindeskörpers
geschaffen habe. Diese Auflassung ist unrichtig (wirklich?) und gibt
zahllosen Menschen, gläubigen sowohl als ungläubigen, mit Recht Veranlassung,
diese Art der Menschwerdung des Sohnes Gottes zu leugnen oder doch zu
bezweifeln. Hier liegt das Wunderbare und Außergewöhnliche, aber doch den
Naturgesetzen Entsprechende mit dem Widersinnigen und darum Unglaublichen
nahe zusammen. Ich will dir auch hierin die volle
Wahrheit mitteilen, da ich weiß, daß du sie verstehen wirst. Ist aus einem Tieftrancemedium der
eigene Geist ausgetreten und hat ein fremdes Geistwesen von dem Körper des
Mediums Besitz ergriffen, so vermag es die Organe des Körpers in derselben
Weise zu gebrauchen, wie der eigene Geist. Infolgedessen ist ein in dem
Körper eines männlichen Mediums befindlicher fremder Geist, sei es nun ein
guter oder ein böser, auch fähig, mit einer weiblichen Person eine Zeugung
vorzunehmen. Habe ich dich nicht bei der Schilderung des Götzendienstes der
vorsintflutlichen Zeit ausdrücklich auf den Geschlechtsverkehr aufmerksam
gemacht, den die bösen Geister durch männliche Medien mit den Töchtern der
Menschen unterhielten und mit ihnen nach dem Zeugnis der Bibel Kinder
zeugten? Was nun die bösen Geister durch menschliche Medien vermögen, sollte
das den guten Geistern nicht ebenso möglich sein? Wenn die abgefallenen
‘Gottessöhne‘ durch männliche Medien Kindern das Dasein geben konnten zum
Verderben der Menschheit, sollten dann treugebliebene Gottessöhne zur Rettung
der Menschheit nicht dasselbe tun können? Jetzt wird dir die menschliche
Zeugung Christi ohne weitere Auseinandersetzung klar sein. Das menschliche
Medium war Josef, mit dem Maria verlobt war. Schon oft hatten Geister Gottes
durch Josef als Medium zu Maria über die kommende Erlösung gesprochen. Solche
Geisterkundgebungen waren ihr also nichts Ungewöhnliches, wie überhaupt das
jüdische Volk über den Verkehr mit der Geisterwelt gut Bescheid wußte. Das
siehst du aus dem Bericht der Bibel über die Erscheinung des Engels bei
Zacharias. ‘Als Zacharias aus dem Heiligtum heraustrat und nicht mehr
reden konnte, da merkte das Volk, daß er die Erscheinung eines Boten Gottes
gehabt hatte‘ (Lukas1,22). Maria erschrak daher auch nicht,
als eines Tages ein Geist in Josef als Medium eintrat und ihr eine Botschaft
brachte. Nur über die Anrede, die der Geist an sie richtete, wurde sie
bestürzt. Er nannte sie die Gesegnete unter den Frauen. Damit deutete er ihr
an, daß sie Mutter werden sollte. Sie konnte nicht begreifen, wie er das meinte,
da sie ja keinerlei Geschlechtsverkehr gehabt hatte und daher auch nicht
Mutter werden konnte. Nun wurde ihr zur Aufklärung mitgeteilt, daß ein
heiliger Geist auf sie kommen und die Kraft eines sehr Hohen sie überschatten
werde. Darum solle auch das Heilige, das aus ihr geboren würde, ein Sohn
Gottes genannt werden. Der Geist erklärte ihr noch näher, wie das geschehen
würde, was jedoch eure Bibel nicht berichtet. Er sagte ihr, daß sofort
nachdem er aus dem Körper des Mediums ausgetreten sei, ein sehr hoher Geist
des Himmels in das Medium eintreten werde und daß sie durch ihn nach dem
allgemein gültigen Zeugungsgesetz Mutter würde. Maria erklärte daraufhin ihre
Zustimmung. Nach Austritt Gabriels aus dem Medium trat, noch bevor Josef aus
dem medialen Schlaf erwachte, Christus selbst in seinen Körper ein, und Maria
wurde durch ihn Mutter nach demselben Naturgesetz, nach dem alle menschlichen
Mütter guter Hoffnung werden. Und wenige Augenblicke vor der Geburt des
Kindes trat der Geist Christi in den Kindeskörper, also um dieselbe Zeit, wo
bei allen Müttern durch Eintritt eines Geistes in den kindlichen Organismus
die Menschwerdung eines Geistes sich vollzieht. Diese Art der Zeugung Christi war
den ersten Christen bekannt. Sie wurde ihnen auf dieselbe Weise mitgeteilt,
wie ich sie dir mitteile. Sie wußten also, daß der menschliche Leib Christi
durch Christus selbst als Geist unter Benutzung des Josef als Medium gezeugt
worden ist, daß also der Heilige Geist, der nach den Worten Gabriels auf
Maria kommen sollte, Christus selbst war. Denn er wollte alles, was er zur
Vollbringung der Erlösung für erforderlich hielt, selbst vollbringen. Er
hatte die schwere Vorbereitungsarbeit für die Erlösung in der Menschheit vom
ersten Tage an selbst in die Hand genommen. Er hatte das Gottesvolk als
Träger des Gottesglaubens sich auserwählt, es geführt, belehrt, gemahnt,
gewarnt, gestraft. Er hatte hohe Geister des Himmels als Propheten gesandt.
Nun war sein letztes Vorbereitungswerk die Zeugung der menschlichen Hülle, in
die er nach wenigen Monaten im Mutterschoße eintreten wollte, um durch
menschliche Geburt als Mensch unter Menschen zu wandeln. Nachdem Josef aus der Tieftrance
erwacht war, teilte ihm Maria sofort das Geschehene mit. Es war eine sehr
schwere Probe, auf die Josef sich gestellt sah. Sollte er den Angaben seiner
Verlobten Glauben schenken? Ein furchtbarer innerer Kampf begann. Josef war
ja ein Mensch wie alle anderen Menschen. Das Böse trat jetzt mit den
schwersten Angriffen an ihn heran. Die Höllenmächte hatten jetzt nur das eine
Ziel im Auge, Josef an Maria irre werden zu lassen, damit er sie verstoße.
Denn nach dem jüdischen Gesetze mußte eine Jungfrau, die verlobt war, den
Steinigungstod erleiden, sobald sie sich mit einem anderen verging. Das Böse
hämmerte nun dem Josef den Gedanken ein, daß Maria sich mit einem anderen
eingelassen hätte und nun die Ausrede gebrauche, ein Geist Gottes habe Josef
in seinem medialen Zustand zur Zeugung benutzt. Alles, was euch Menschen an
Mißtrauen, Eifersucht und Bitterkeit über erlittene Enttäuschung eingegeben
werden kann, das haben die bösen Mächte dem Josef eingeflößt. Sie setzten ihm
in furchtbarer Weise zu. Diese Belastungsprobe schien zu schwer für ihn zu
sein. Halb und halb neigte er dazu, seine Verlobte heimlich zu entlassen.
Eine heimliche Entlassung sollte es deshalb sein, weil er seiner Sache nicht
sicher war und als gerechter Mensch nicht ohne vollen Beweis der Schuld
jemand in den Tod bringen wollte. Andererseits konnte er bei diesem nagenden
Zweifel an ihrer Treue seine Verlobte auch nicht ehelichen. Maria sagte ihm
bloß, daß Gott ihn sicherlich auf irgendeine Weise über die Wahrheit
aufklären werde. Auch sie litt unter den Zweifeln ihres Verlobten unsagbar.
Da, noch in derselben Nacht, stand ein Bote Gottes vor dem mit der Gabe des
Hellsehens ausgestatteten Josef und klärte ihn über alles auf. Damit war der
Kampf zu Ende. Ich weiß, daß euch kleinen Menschen
diese Wahrheit - und es ist die Wahrheit – (wirklich wahr?) viel zu
menschlich erscheint und zu sehr den Naturgesetzen entsprechend. Sie ist euch
nicht wunderbar und geheimnisvoll genug. Die menschliche Zeugung erscheint
vielen als etwas Niedriges, und sie möchten Gott gewissermaßen einen Vorwurf
daraus machen, daß er so etwas überhaupt in seine Schöpfung eingeführt hat.
Gott ist euch nicht keusch genug. - O, ihr elenden Menschen, die ihr die
herrlichsten Gesetze der Allmacht und Weisheit Gottes, wie sie bei der
Zeugung, dem Werden und der Geburt eines Kindes hervortreten, so minderwertig
beurteilt! Christus, dem höchsten geschaffenen Geist, war es nicht zu
minderwertig, nach den ewig gültigen Gesetzen der Zeugung seine menschliche
Hülle zu bilden, um unter euch wohnen, leiden und sterben zu können. Wenn
euch die Wahrheit seiner menschlichen Zeugung nicht wunderbar genug ist, ihm
ist alles das wunderbar, was nach den heiligen Gesetzen seines himmlischen
Vaters geschieht, von denen der Prediger sagt: ‘Ich habe erkannt, daß
alles, was Gott bestimmt hat, ewige Geltung besitzt. Man kann da nichts
hinzufügen und nichts davon hinwegnehmen. Und das hat Gott so eingerichtet,
damit man Ehrfurcht vor ihm habe‘ (Pred.3,14). - Diese Ehrfurcht besitzt
ihr leider nicht. Darum klügelt ihr euch Erklärungen für das Menschwerden
Christi aus, die wegen ihrer angeblichen Wunderbarkeit voll von Widersprüchen
sind und den Ungläubigen berechtigten Anlaß geben, über diesen ersten Schritt
Christi zur Menschwerdung zu höhnen. Wäre die Menschwerdung Christi
nicht nach den Gesetzen der menschlichen Zeugung erfolgt, dann hätte Paulus
nicht sagen können: ‘Christus ist uns in allem gleich geworden.‘ Denn dann
wäre er in dem Punkte der Zeugung von euch Menschen wesentlich verschieden.
Sein Körper wäre nicht aus menschlichem Samen entstanden. Aber Paulus hat
Recht. Christus ist euch in allem gleich geworden, auch in der Entstehung
seiner menschlichen Hülle aus menschlichem Samen. Nun komme ich, auf deinen Wunsch,
auf einige Lehren der katholischen Kirche zu sprechen, die hierher gehören.
Du warst ja Priester dieser Kirche. Es ist daher verständlich, daß es dir
besonders am Herzen liegt, zu vernehmen, was von ihren Lehren der Wahrheit
entspricht und was Irrtum ist. Die katholische Kirche lehrt, daß die Mutter
Jesu ohne ‘Erbsünde‘ gewesen sei. Das ist richtig. Aber es ist nicht aus dem
Grunde richtig, den deine bisherige Kirche dafür angibt. Auch in Maria war,
wie in so manchen Menschen der früheren Zeiten, die eine große Aufgabe Gottes
zu erfüllen hatte, ein Geist des Himmels verkörpert. So war es bei Henoch,
Abraham, Mose, Elia und den anderen, die ich dir bereits genannt habe. So war
es bei Johannes, dem Vorläufer Christi, in dem Elia wieder zur Erde gekommen
war. In Maria war also keiner der Geister, die einst von Gott abgefallen
waren, sondern ein Gott treu gebliebener Geist. Die Sünde des Abfalles, die
alle anderen irdischen Wesen belastet, hatte sie nicht auf sich. Von dieser
‘Erbsünde‘ war sie frei. Aber ganz unrichtig ist die Lehre
der katholischen Kirche, daß Maria als Mensch frei von jeder, auch der
geringsten Sünde gewesen sei. Kein Mensch ist ohne das, was ihr menschliche
Sünden nennt und das nichts gemein hat mit der Sünde, von der Christus die
Welt erlösen sollte - nämlich der Sünde des Abfalls von Gott. Dies ist die
eigentliche Sünde. Alles andere ist ein menschliches Straucheln, von dem auch
Maria nicht frei war. Trotzdem blieb sie ihrem Gott treu, wie ja auch Mose,
jener hohe Geist des Himmels, Gott treu blieb, obschon er mehr als einmal als
Mensch zum Straucheln kam und zur Strafe dafür nicht in das gelobte Land
einziehen durfte. Auch darin irrt die katholische
Kirche, daß Maria nach der Zeugung und der Geburt Jesu noch Jungfrau gewesen
sein soll. Ebensowenig wie jede andere Jungfrau nach der Empfängnis und nach
der Geburt eines Kindes noch Jungfrau ist, ebensowenig war es Maria. Nur
bevor sie Christus empfing war sie Jungfrau. Der Erlöser sollte nicht von
einer Mutter geboren werden, die vorher schon einmal geboren oder empfangen
hatte. Das ist der Sinn der Worte bei Matthäus: ‘Siehe, die ‘Jungfrau‘ wird
empfangen und einen Sohn gebären.‘ Es steht auch mit der Wahrheit im
Widerspruch, wenn die katholische Kirche behauptet, nach der Geburt Jesu habe
Maria keine Kinder mehr geboren. Aus welchem Grunde sollte sie denn nach der
Geburt ihres Erstgeborenen auf ihre Mutterrechte und Josef auf seine Vater-
und Gattenrechte verzichten? Die nach Christus geborenen Geschwister
beeinträchtigten doch in keiner Weise weder die Persönlichkeit Christi, noch
sein Leben, noch seine Lehre oder sein Werk. Wenn in den Urkunden des Neuen
Testamentes an verschiedenen Stellen von Brüdern und Schwestern Jesu die Rede
ist, so sind seine leiblichen Brüder und Schwestern damit gemeint und keine
‘Verwandte‘, wie die Katholiken krampfhaft zu beweisen sich bemühen. Wären es
‘Verwandte‘ Christi gewesen, so hieße es nicht ‘Brüder‘ und ‘Schwestern‘,
sondern ‘Verwandte‘. Oder meint ihr, die damalige Sprache habe kein Wort
gehabt, mit dem sie die Bezeichnung ‘Verwandte‘ hätte ausdrücken können? Das
werdet ihr doch wohl im Ernst nicht behaupten wollen. Denn in der Geschichte
des zwölfjährigen Jesu im Tempel wird ja mitgeteilt, daß seine Eltern ihn
suchten bei den ‘Verwandten‘ und Bekannten. Also hier, wo es sich um
wirkliche ‘Verwandte‘ handelte, gebraucht auch der Evangelist das Wort
‘Verwandte‘. Wenn derselbe Evangelist nun später schreibt: ‘Es trafen seine Mutter und seine
Brüder bei ihm ein‘ (Lukas8,19), dann will er sicher nicht sagen, daß diese Brüder bloß
‘Verwandte‘ gewesen seien, die mit seiner Mutter kamen. Und die Leute, die
Jesus die Ankunft seiner Mutter und Brüder meldeten, sagten ebenfalls: ‘Deine
Mutter und deine ‘Brüder‘ stehen draußen und wünschen dich zu sprechen. ‘ Und
Matthäus und Markus berichten ebenfalls, daß seine ‘Mutter‘ und ‘Brüder‘ zum
ihm kamen. Sollten alle drei Evangelisten das Wort ‘Brüder‘ gebraucht haben,
wo es ‘Verwandte‘ heißen soll, wiewohl sie doch das Wort Verwandte hätte
gebrauchen können und müssen? Es ist töricht, so etwas anzunehmen. Ferner
berichtet Matthäus über das Auftreten Jesu in seiner Vaterstadt Nazareth:
‘Als er in seine Vaterstadt gekommen war, machte er in dem dortigen Betsaale
durch seine Lehre solchen Eindruck auf sie, daß sie in Staunen gerieten und
fragten: ‘Woher hat dieser solche Weisheit und Wunderkraft? Ist dieser nicht
der Sohn des Zimmermannes? Heißt seine Mutter nicht Maria und seine Brüder
nicht Jakobus, Josef, Simon und Judas? Leben nicht auch seine Schwestern alle
hier bei uns? Woher hat er denn dies alles?‘ (Matth.13,54-56). - Kann
irgendeiner mit gesundem Menschenverstand behaupten, in dieser Aufzählung von
Vater, Mutter, Brüdern und Schwestern Jesu handle es sich bloß um Verwandte?
So wie hier der wirkliche Vater und die wirkliche Mutter Jesu gemeint ist, so
sind auch die wirklichen Brüder und Schwestern Jesu gemeint. Und was könnte
die Aufzählung von ‘Verwandten‘ hier überhaupt bezwecken? Die Bewohner von
Nazareth staunten über die Lehre und Wunder Jesu. Und da fragten sie, wie
auch ihr in ähnlichen Fällen manchmal fragt: Von wem hat er denn das alles?
Sein Vater der Zimmermann, ist doch ein einfacher Mann. Seine Mutter, die
Maria, ist eine einfache, schlichte Frau, und auch an seinen Geschwistern ist
nichts Auffallendes zu bemerken. Denn seine Brüder, der Jakobus und der Josef
und der Simon und der Judas, verkehren doch täglich mit uns. Aber an ihnen
haben wir bisher nichts Außergewöhnliches bemerkt. Auch seine Schwestern, die
alle hier in unserem Orte sind, unterscheiden sich ebenfalls in nichts von
den anderen weiblichen Bewohnern von Nazareth. Wie kommt nun der Jesus als
einziger von allen seinen Geschwistern zu der wunderbaren Veranlagung? Hier
sagen zu wollen, mit der Bezeichnung ‘Brüder‘ und ‘Schwestern‘ Jesu seien
hier bloß ‘Verwandte‘ gemeint, ist so töricht, daß niemand eine solche
Behauptung aufstellen kann, wenn er sich nicht durch andere Gründe dazu
gezwungen fühlt. Aber hier siehst du, wie es geht, wenn man eine Unwahrheit
durch eine andere schützen muß. Die katholische Kirche hat die widersinnige
Lehre aufgestellt, daß Maria trotz der Geburt Jesu Jungfrau geblieben sei.
Dann durfte sie selbstverständlich erst recht nicht noch andere Kinder haben.
Nun berichtet aber die Bibel an vielen Stellen von Brüdern und Schwestern
Jesu. Da dies aber mit der Lehre von der immerwährenden Jungfrauschaft Marias
in Widerspruch steht, so müssen die tatsächlich vorhandenen Brüder und
Schwestern Jesu zu ‘Verwandten‘ gestempelt werden. Denn sonst wäre sowohl das
Dogma von der immerwährenden Jungfrauschaft Marias, als auch das Dogma von
der Unfehlbarkeit des Papsttums hinfällig. (Schön zusammengeraimt, nicht
wahr?) Die Geburt Jesu verlief bei Mutter
und Kind wie jede andere menschliche Geburt. Das neugeborene Kind wurde
genährt, gepflegt und später der Muttermilch entwöhnt wie jedes andere Kind. Die Engelbotschaft an die Hirten,
deren Begrüßung des erschienenen Retters der Menschen, die Darstellung Jesu
im Tempel und das Erscheinen der Magier aus dem Morgenlande verlief so, wie
es eure neutestamentliche Bibel berichtet. Die Magier waren Werkzeuge Gottes
mit großen medialen Gaben. Sie waren in ihrer Heimat Künder des wahren
Gottesglaubens und durch ihren Verkehr mit der guten Geisterwelt in manche
Heilswahrheiten eingeweiht worden. Durch dieselbe Geisterwelt, die den Hirten
die Geburt des Heilandes verkündet hat, empfingen auch sie die Nachricht von
dem freudigen Ereignis. Schon vorher war es ihnen durch
Boten Gottes als nahe bevorstehend angezeigt worden. Sie wurden nun
aufgefordert, sich auf den Weg zu machen, um das Kind zu finden, in dem
Gottes Sohn Mensch geworden war. Der Ort selbst wurde ihnen nicht genannt. Es
wurde ihnen bloß gesagt, daß ein Lichtschein vor ihnen hergehen werde, um
ihnen den Weg zu zeigen. Nicht bloß die Magier, sondern jeder sah diesen
Lichtschein, der wie ein strahlender Stern aussah und vor ihnen herzog. Durch
ihn wurden die Magier auf dieselbe Weise geführt, wie einst Mose und das
israelitische Volk durch die Wolkensäule. Sie kamen zunächst nach Jerusalem
zu Herodes. Das war Fügung Gottes. Dadurch sollte der irdische Fürst die
Geburt des Weltenkönigs erfahren, damit das durch den Propheten
vorherverkündete Schicksal der bethlehemitischen Kinder seine Erfüllung fand.
Auch hier war es das Eingreifen der christusfeindlichen Geistermächte, die
durch Einflößung der Furcht um den Thron den irdischen Fürsten veranlaßten,
den Kindermord zu begehen, um den neugeborenen Lehrer der Wahrheit zu
vernichten. Die Ankunft der Magier in Bethlehem
erfolgte nach der Darstellung Jesu im Tempel. Die Eltern des Kindes waren mit
dem Kinde von Jerusalem wieder nach Bethlehem gegangen. Dort wollten sie noch
einige Zeit bleiben und dann nach Nazareth zurückkehren. Während ihres
Aufenthaltes in Bethlehem erschienen die Magier. Nachdem diese ihre Rückreise
angetreten hatten, rüsteten sich auch die Eltern des Kindes zur Heimkehr. Da
erhielt Josef durch einen Boten Gottes die Weisung, mit Mutter und Kind nach
Ägypten zu fliehen. Denn Herodes, der schon auf die erste Nachricht von der
Geburt des neuen Königs der Juden den Entschluß gefaßt hatte, ihn aus dem
Wege zu räumen, stand unmittelbar vor der Ausführung des Vorhabens. Nachdem das Jesuskind dem
Säuglingsalter entwachsen war, gestalteten sich seine Kinderjahre wie die
anderer Kinder. Es lernte gehen und sprechen und spielte, wie es auch sonst
bei Kindern der Fall ist. Es beging kindliche Fehler in derselben Weise, wie
ihr sie bei allen anderen Kindern erlebt. Der Knabe kam in die Jahre des
Erwachens der Vernunft. Da in ihm der höchste der geschaffenen Geister
verkörpert war, hatte er auch eine hohe menschliche Begabung. Aber trotzdem
mußte er anfangen zu lernen, wie jeder, auch der Begabteste anfangen muß. Er
kam als Kind zur Erkenntnis eines Gottes auf dieselbe Weise wie du dazu
kamst, nämlich zunächst durch Belehrung von seiten seiner Eltern und Lehrer.
Er hörte die Predigten über Gott in dem Betsaal seines Heimatstädtchens. Er
besprach sich über das Gehörte mit seinen Eltern und Lehrern und ließ sich
von ihnen Aufklärung über das geben, was er nicht verstanden hatte oder was
ihm nicht richtig zu sein schien. Die menschlichen Schwächen Jesu Auch die Versuchung zum Bösen trat
an den Knaben heran, wie an alle Menschenkinder und in der Stärke, wie es der
kindlichen Kraft entsprach. Er überwand in einer seinem Alter entsprechenden
Erkenntnis des Bösen die Versuchungen zur Sünde. Doch auch er strauchelte und
beging Fehler aus menschlicher Schwäche, wie sie auch das beste Kind begeht.
Mit jeder Überwindung einer Versuchung zum Bösen erhielt der Knabe von Gott
eine Vermehrung seiner inneren Kraft und Erkenntnis des Geistes. Aber in dem
Maße, in dem die innere Widerstandsfähigkeit bei ihm wuchs, durften auch die
bösen Mächte ihre Angriffe gegen ihn verstärken. So ist es auch bei jedem
anderen Menschen. Bei dem Jesusknaben wurde also auch hierin keine Ausnahme
gemacht. Denn es ist ein für die Menschheit
allgemein gültiges Gesetz, daß ein Mensch mit jedem neuen Sieg über das Böse
eine größere Widerstandskraft gegen die Sünde erlangt, daß aber auch dem
Bösen gestattet wird, mit entsprechend größerer Gewalt gegen ihn vorzugehen,
so daß das ganze Leben eines gottestreuen Menschen ein beständiger Kampf
gegen die gottfeindlichen Mächte bedeutet. ‘Ein Kriegsleben ist des Menschen
Leben auf dieser Erde.‘ Einen großen inneren Kampf
verursachten dem Jesusknaben bei zunehmendem Alter die vielen Irrtümer in der
jüdischen Religion als der Religion seiner Eltern. Es waren alle jene
Irrtümer, die im Laufe der Zeit von der jüdischen Kirche als
Menschensatzungen und angebliche Ergänzungen des Gesetzes Gottes eingeführt
worden waren. Als er soweit war, daß er selbst die Urkunden des Alten
Testamentes lesen und verstehen konnte, empfand er die Auslegungen, die von
den jüdischen Gesetzeslehrern über so manche Bibelstelle gegeben wurden, als
unrichtig. Und wenn er in seinem kindlichen Freimut seine Überzeugung seinen
Eltern oder Lehrern gegenüber zum Ausdruck brachte, erhielt er manch harten
Verweis. Diese im Gegensatz zu der jüdischen Kirchenlehre stehende
Überzeugung des Knaben war es, die der Zwölfjährige im Tempel zu Jerusalem
den Priestern zu deren größtem Erstaunen vortrug, ihnen darüber Fragen
vorlegte und deren Fragen nach seiner eigenen Erkenntnis beantwortete. Gewiß, er war in dieser Beziehung
das, was ihr ein ‘Wunderkind‘ nennt. Ihr habt Wunderkinder auf den
verschiedenen Gebieten menschlichen Könnens. Dieser Knabe war ein Wunderkind
in der Erkenntnis der Heilswahrheiten Gottes. Aber er war Mensch wie alle
anderen Menschen. Er wußte zunächst nicht, wer er war und welche Aufgabe er
als Mensch zu erfüllen hatte. Aber schon in den ersten Jahren der
Vernunft hatten sich große mediale Gaben bei diesem Knaben zu entwickeln
begonnen. Es waren die Gaben des Hellsehens und Hellhörens, die, mit kleinen
Anfängen beginnend, nach und nach zur höchsten Vollkommenheit sich
steigerten. Sie befähigten ihn, mit der Geisterwelt in Verbindung zu treten,
die Geister hellsehend zu schauen und ihre Worte hellhörend zu vernehmen. Es
war nichts Neues, was dem heranwachsenden Jüngling mit dieser Gabe verliehen
wurde. Viele Menschen vor ihm besaßen sie. Nur wurde sie bei diesem
Gottgesandten zum höchsten Grade entwickelt, der bei Menschen überhaupt
möglich ist. Durch seine Verbindung mit der Geisterwelt Gottes wurde er
während seines Erdenlebens über alles unterrichtet, was zur Erfüllung seiner
Aufgabe für ihn zu wissen notwendig war. Denn als Mensch wußte er von alledem
ebensowenig wie andere Menschen. Eine Rückerinnerung an sein früheres Dasein
als höchster Geist Gottes besaß er nicht, weil jede Verkörperung eines
Geistes in einem materiellen Leibe die Rückerinnerung auslöscht. Was also Christus während seines
menschlichen Lebens lehrte, hatte er aus diesem Geisterverkehr empfangen, wie
auch Mose alles, was er dem Volke mitteilte, vorher im Offenbarungszelte
durch Befragen Gottes erfahren hatte. So wuchs der Knabe zum Jüngling und
Manne heran. Mit zunehmendem Alter nahmen auch seine Erkenntnisse zu, nicht
bloß die Erkenntnisse, wie sie jeder Mensch mit zunehmendem Alter gewinnt,
sondern auch vor allem die Erkenntnisse, die ihm durch die Geister Gottes
vermittelt wurden. In demselben Maße ging auch sein Wachstum im Guten voran,
was eure Bibel in den Worten ausdrückt: ‘Er nahm zu an Alter und Weisheit
und Wohlgefallen vor Gott und den Menschen‘ (Lukas2,52). Es war ein wirkliches Zunehmen und
nicht bloß ein äußeres Andentaglegen, wie deine bisherige Religion behauptet.
Christus war als Mensch nicht von vornherein vollkommen, da kein Geist im
Menschenkörper vollkommen sein kann. Denn die Materie ist in sich etwas
Unvollkommenes und Niedriges. Auch der Geist, der rein und vollkommen in die
materielle Hülle kommt, muß sich als Mensch nach und nach in beständigem
Kampfe gegen das ihn niederziehende Böse zur Vollkommenheit durchringen. Mit
jedem Menschenleib sind menschliche Schwächen und Unvollkommenheiten des
darin verkörperten Geistes verbunden, mit denen auch der vollkommenste Geist
zu ringen hat und von denen er sich, so lange er Mensch ist, nie ganz
befreien kann. Es gehört dies eben zur Natur des Menschen. Auch Christus
machte darin keine Ausnahme. Er hatte mit diesen Unvollkommenheiten bis zu
seinem letzten Atemzuge zu kämpfen und unterlag mehr als einmal der
menschlichen Schwäche im Kampfe gegen das Böse. Im Garten Gethsemane wurde
dieser große Überwinder des Bösen doch als Mensch schwach und unvollkommen,
als er betete, der Vater möge den Kelch des Leidens an ihm vorübergehen
lassen; wenn er auch hinzufügte: ‘Doch nicht mein, sondern dein Wille
geschehe!‘ Er wußte, daß es der Wille des Vaters war, daß er diese Leiden
erdulden sollte. Hier spricht also der schwache, unvollkommene Mensch, der
infolge seiner Menschennatur vor einem qualvollen Tod erbebt und sich gegen
ihn sträubt. Der Vollkommene würde gesagt haben: ‘Vater, gib mir soviel
Leiden als du willst und für gut findest, ich nehme sie gern auf mich. ‘ Er
würde nicht gesagt haben: ‘Nimm sie weg!‘ - Und der schwache Mensch sprach am
Kreuze aus ihm, als er sich bei Gott mit den Worten beklagte: ‘Mein Gott,
mein Gott, warum hast du mich verlassen?‘ Diese Klage hätte ein in allen
Stücken vollkommener Mensch nicht ausgesprochen. Aber einen so vollkommenen
Menschen gibt es nicht. Da müßte der Mensch aufhören, Mensch zu sein und der
Leib aufhören, Materie zu sein. Paulus hat diese Wahrheit in seinem
Brief an die Hebräer in Worten wiedergegeben, die denjenigen sehr unangenehm
klingen, die Christus als Gott bekennen und daher jede Möglichkeit der Sünde
und des Abfalls von Gott bei Christus leugnen. Er schreibt: ‘Christus hat
in den Tagen seines Erdenlebens Bitten und Flehen mit lautem Geschrei und
Tränen vor den gebracht, der ihn vom ‘Tode ‘ zu retten vermochte. Und er hat
auch Erhörung gefunden und ist von der Angst befreit worden. ‘(Hebr.5,7). In diesen Worten findest du alles,
was ich dir vorhin gesagt habe, bis ins einzelne bestätigt. Ich wies dich bei der Erklärung des
Heilsplanes Gottes auf die sehr wichtige Tatsache hin, daß auch der höchste
geschaffene Geist sich durch eine Menschwerdung der Gefahr aussetze, vom
Bösen besiegt und zum Abfall von Gott verleitet zu werden. Diese Gefahr
bedrohte auch Christus. Er erkannte sie in ihrer ganzen Größe. Mehr als
einmal war er nahe daran, den Angriffen Satans zu erliegen. Darauf weist
Paulus in den vorgenannten Worten seines Briefes hin, wenn er sagt, daß
Christus zu Gott unter Tränen geschrieen habe, ihn doch von dem Tode zu
erretten. Daß nicht der leibliche Tod damit gemeint war, geht daraus hervor,
daß Paulus ausdrücklich sagt, Gott habe das Gebet Christi erhört. Er hat ihn
also vor dem Tode bewahrt, vor dem Christus so große Angst empfand. Hat ihn
Gott vor dem irdischen Tode und der irdischen Todesangst bewahrt? Im
Gegenteil. Den Kelch der irdischen Todesangst und des irdischen Todes hat
Gott ihn bis zur Neige leeren lassen. Es muß also ein anderer Tod gewesen
sein, von dem Christus auf sein Flehen errettet wurde. Du weißt, daß das Wort
‘Tod‘ an fast allen Stellen der Bibel und vor allem in den Briefen des Paulus
den ‘geistigen Tod‘ oder den Abfall von Gott bezeichnet. Vor diesem Abfall
zitterte Christus schon zu einer Zeit, wo er von einem Kreuzestod noch nichts
wußte. So furchtbar hat ihm Satan zugesetzt. Eure Bibel weiß nichts von dem
täglichen Ringen Christi mit den Höllenmächten, die alles aufboten, ihn mürbe
zu machen und dadurch zum Abfall von Gott zu bringen. Daß er unter Tränen zu
Gott aufschrie und ihn um Hilfe anfleht, wenn Satan mit seiner ganzen Horde
an ihm war und er vor Angst zitterte, er möchte der Hölle auf die Dauer nicht
widerstehen können - daran möget ihr erkennen, daß die Möglichkeit eines
Abfalles von Gott auch bei Christus gegeben war. Denn wäre bei ihm keine
Möglichkeit eines Abfalles vorhanden gewesen, dann brauchte er nicht vor dem
Angriff der Hölle zu zittern und noch weniger unter gewaltigem Schrei und
unter Tränen Gott um Rettung anzuflehen. Und Satan, der ja genau wußte, wen
er in Christus vor sich hatte, wäre nicht so dumm gewesen, seine ganzen
Machtmittel gegen ihn ins Feld zu führen, wenn er keine Aussicht gehabt
hätte, ihn zu besiegen. Darum richten sich seine Angriffe nie gegen Gott
selbst, sondern nur gegen die Geschöpfe Gottes. Und wenn Luzifer als
zweithöchster der geschaffenen Geister von Gott abfiel, warum sollte nicht
der erste dieser Geister ebenfalls abfallen können, vor allem jetzt, wo er
als schwacher Mensch den Höllenmächten gegenüberstand. Satan weiß genau, was
er tut, und er unternimmt nichts Aussichtloses. Auch die Wahrheit, daß Christus
menschliche Fehler und Schwächen beging, hat Paulus in der angegebenen Stelle
zum Ausdruck gebracht. Denn er sagt, Christus habe, wiewohl er Gottes Sohn
war, doch aus dem, was er durchzumachen hatte, Gehorsam gelernt. Also auch
Christus mußte als Mensch Gehorsam lernen. Auch er hat nicht immer den
inneren und äußeren Anregungen zum Guten Folge geleistet. Aber die Strafe,
die auch er als Mensch für den kleinsten aus Schwachheit begangenen
Ungehorsam bekam, hat ihn nach und nach Gehorsam gelehrt, und so ist er zur
Vollendung gekommen und zwar durch den größten Akt des Gehorsams - seinen Tod
am Kreuze. Das ist ja das Große und Wunderbare an Christus, daß er, obschon
er der Sohn Gottes war, doch als Mensch mit denselben Schwachheiten und
Unvollkommenheiten zu kämpfen hatte, die auch die anderen Menschen haben, und
daß er trotzdem gegen die Macht der Hölle standhält. Er hat die schlimmsten
Angriffe des Bösen an sich erfahren müssen als einer, der besiegt werden
konnte und vor Angst, er möchte besiegt werden, zu Gott im Gebet schrie.
Darum weiß er auch aus eigener Erfahrung, wie es euch schwachen Menschen
zumute ist. ‘Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitgefühl
mit unseren Schwachheiten haben könnte, sondern einen solchen, der in allen
Stücken ebenso versucht worden ist nur ohne die Sünde‘ (Hebr.4,15). Mit
‘Sünde‘ ist hier nicht das menschliche Straucheln aus Schwachheit gemeint,
von dem kein Mensch frei ist und von dem auch Christus nicht frei war,
sondern unter ‘Sünde‘ ist die Verfehlung zu verstehen, die uns von Gott
trennt. Es ist die Sünde, die den Tod gebiert infolge des Abfalles von Gott.
Christus gehörte nie zu den von Gott Abgefallenen und ließ sich auch nicht
als Mensch von Gott trennen. ‘Die Sünde zum Tod‘, wie der Apostel Johannes
sie nennt‚ beging er nicht. Sonst ist er den Menschen in allem gleich
geworden, auch in der menschlichen Schwachheit und im menschlichen
Straucheln. Denn die Schwachheit zeigt sich im Straucheln. Wer nie
strauchelt, ist auch nie schwach. Jesu erste Erkenntnis seiner
Gottessohnschaft Der Zeitpunkt, an dem Johannes der
Täufer öffentlich als Bußprediger auftrat, sollte auch für Christus von
entscheidender Wichtigkeit werden. Denn bis dahin wußte er noch nicht, daß er
der verheißene Messias war. Als er jedoch Johannes aufsuchte und dieser ihn
der Volksmenge als das Lamm Gottes vorstellte, das die Sünde der Welt
hinwegnehmen solle, da erkannte er, wer er war und erhielt sofort auch von
Gott selbst die Bestätigung: ‘Du bist mein geliebter Sohn; an dir habe ich
mein Wohlgefallen. Jetzt war der Augenblick gekommen,
wo auch die Geisterwelt Gottes Christus über seine Lebensaufgabe aufklärte.
Es wurde ihm gesagt, daß er der höchste der geschaffenen Geister, der
erstgeborene Sohn Gottes sei. Er wurde belehrt, daß er die Wahrheiten Gottes
zu verkünden habe, daß er gegenüber den Angriffen Satans standhaft bleiben
müsse, daß Satan in seinem Kampfe gegen ihn bis zum Äußersten gehen und ihn
in den Kreuzestod hineintreiben werde, wie es von den Propheten vorausgesagt
worden war. Worin jedoch der endgültige Sieg über Satan bestand, erfuhr
Christus erst, als sein Geist sich im Kreuzestod vom irdischen Leib getrennt
hatte. Die Hölle erkannte Christus als den
Sohn und Gesandten Gottes, der die Menschheit durch seine Lehre zu Gott
führen und für die Wahrheit zu sterben bereit sein solle. Der wirkliche
Zusammenhang zwischen dem Kreuzestod Christi und einem Sieg über die Hölle
war auch Satan nicht bekannt. Hätte er die Wahrheit darüber gewußt, so würde
er Christus weder versucht, noch seinen Tod herbeigeführt haben. So aber
wollte er Christus, den er bloß als einen Künder der Wahrheit erkannte,
möglichst bald unschädlich machen. Sofern es ihm nicht gelang, Christus zum
Abfall von Gott zu bringen, hoffte er seiner Wirksamkeit als Wahrheitskünder
dadurch ein Ende machen zu können, daß er ihm das schimpfliche Los eines
Kreuzestodes bereitete. Satan rechnete damit, daß die Lehre eines ‘Gehängten‘
bei den Menschen schnell abgetan sei. Denn diese mußten erwarten, daß ein
Gottessohn, als den sich Christus ausgab, soviel Macht von Gott erhalten
werde, daß er einen schmählichen Tod von Seiten seiner Feinde verhindern
könne. War er dazu nicht imstande, dann war mit seinem Tode auch seine Lehre
gerichtet. Das war die Berechnung, die Satan sich gemacht hatte. Christus wußte jetzt also, wer er
war und welche große Aufgabe er zu vollbringen hatte. Doch ehe er mit der
Ausführung begann, hatte auch er die Belastungsprobe zu bestehen, wie alle
bisherigen Werkzeuge Gottes sie hatten bestehen müssen. Er mußte zeigen, ob
er seiner wichtigen und folgenschweren Aufgabe gewachsen war. Darum führte
ihn der Geist Gottes in die Wüste. Hier hatte er einen furchtbaren
Ansturm der Höllenmächte auszuhalten, Niemand stand ihm dabei helfend und
stützend zur Seite. Kein Wort menschlichen Trostes von seiten seiner Mutter
oder der Geschwister oder eines Freundes erreichte ihn hier. Und doch sehnt
sich der Mensch gerade in schweren Seelenkämpfen nach einem mitfühlenden,
mittragenden und stützenden Menschenherzen. Das alles war ihm in der Wüste
versagt. Wilde Tiere umheulten ihn, und die Geister der Hölle standen vor
seinem hellsehenden Auge. Unaufhaltsam kamen und gingen sie. Er hörte ihre
Lockungen, Versprechungen, Drohungen. Zu allem, wozu Menschen versucht werden
können, wurde dieser Menschensohn bis zum äußersten versucht. Satan hat ja
seine Spezialisten auf allen Gebieten des Bösen. Es kamen die Geister der
Verzagtheit und des Kleinmuts, die Geister des Zweifels, die ihm den Glauben
an seine Gottessohnschaft und an seine gottgegebene Aufgabe rauben und ihn
zur Verzweiflung an sich selbst bringen wollten. Es kamen die Geister des
Hasses und suchten ihm Erbitterung gegen einen Gott einzuflößen, der ihn hier
in der Wüste einem solchen Jammer preisgab. Es kamen die Geister der
Lebensfreude, die ihm den Gegensatz zwischen dieser schaurigen Wüste und dem
menschlichen Wohlleben in Freude und Lust in den verlockendsten Bildern
vorführten. Aber alle kamen in der Gestalt von Engeln des Lichtes und gaben
sich als seine Freunde aus. Diese Verführungsspezialisten
hatten ihre Rollen gut verteilt. Die Geister des Zweifels waren die
mächtigsten und erschienen immer wieder auf dem Plan. Wie konnte denn ein
Gott seinen erstgeborenen Sohn in eine solche Wüste schicken, dem Hunger
preisgeben und diesen Seelenqualen aussetzen? War am Ende doch alles, was er
von vermeintlichen guten Geistern gehört, war der Ausspruch des Täufers, war
die Gottesstimme am Jordan nicht eine einzige große Täuschung oder eine
Kundgebung des Bösen? War die Gottessohnschaft infolgedessen nicht ein großer
Wahn, dem er zum Opfer gefallen war? Um diesen Punkt drehte sich der
Hauptangriff der Hölle. Die Überzeugung von seiner Gottessohnschaft sollte in
diesem Menschensohn vernichtet werden. War das erreicht, dann hatte Satan
gewonnenes Spiel. Denn wer an seiner Aufgabe irre wird, wirft sie von selbst
fort. Vierzig Tage und vierzig Nächte
dauerte das Kesseltreiben der Hölle. Und ihr Opfer war ihr schutz- und
hilflos preisgegeben, zitternd an allen Gliedern vor seelischen Aufregungen
vor körperlichem Elend infolge Hungers und Schlaflosigkeit. Es fehlte hier ja
jede Nahrung. Er fastete, aber nicht freiwillig, sondern weil nichts Eßbares
vorhanden war. Nichts als Sand und Steine, so weit man schaute. Aber alle Spezialisten der Hölle
mühten sich vergeblich ab, diesen fiebernden Jesus von Nazareth zu Fall zu
bringen, obschon er sich vor körperlicher Schwäche, Hunger und Durst nicht
mehr aufrecht halten konnte. Immer wieder schrie er unter Tränen zu seinem
Vater um Hilfe, damit er ihn vor dem Tode des Abfalls bewahren und ihm die
Kraft geben möge, dem Ansturm des Bösen bis zum siegreichen Ende
standzuhalten. Da, am letzten Tage, als alle
Höllenmächte mit ihren Verführungskünsten dem gequälten Opfer gegenüber
versagt hatten, kam er selbst - er, der Fürst der Finsternis. In manchen
Dingen ist er Spezialist. Vor allem ist er der Geist höllischer Wundertaten.
Als solcher steht er vor dem vor Hunger zitternden Jesus und spricht: ‘Du meinst,
du seiest ein Sohn Gottes? Wenn du das bist, dann brauchst du keinen Hunger
zu leiden, sondern du kannst diese Steine zu Brot machen. Aber du kannst es
nicht, du Irregeführter und mußt hier wegen dieses Wahns des Hungertodes
sterben. Wunder kannst du nicht wirken und hast noch keine gewirkt und wirst
auch keine wirken. Und doch bildest du dir ein, du seiest ein Sohn Gottes.
Siehe mich an, ich bin ein Sohn Gottes, aber von jenem Gott weggegangen, der
in seiner Grausamkeit dich hier so elend werden läßt. Ich kann Wunder wirken.
Diese Kraft kann mir jener Gott nicht nehmen. Ich kann aus diesen Steinen
Brot machen. Ich will dir zu essen geben. Du wirst sehen, ich kann es. Sag
dich los von dem, der dich hier verhungern läßt! Tritt zu mir, und die
schönsten Speisen der Erde stehen dir zur Verfügung. ‘Weiche Satan, ich mag dein Brot
nicht und möchte auch keines, wenn ich es aus diesen Steinen bereiten könnte.
Ich warte auf das Wunderwort, das aus dem Munde Gottes kommt. Das Wort wird
kommen zur rechten Stunde und mir Speise verschaffen, und ich werde am Leben
bleiben.‘ Aber so leicht läßt Satan sich
nicht abweisen. ‘Gut!‘ spricht er, ‘wenn du keine Wunder in meinem Beisein
wirken und von mir kein Brot haben willst, das ich dir bloß aus Mitleid
angeboten habe, dann kannst du ja einen anderen Weg wählen, um dich zu
überzeugen, ob du ein Sohn Gottes bist. Denn daß du kein Sohn Gottes bist,
dafür möchte ich dir den Beweis erbringen. Von dieser Selbsttäuschung möchte
ich dich befreien. Siehe, hier ist die Zinne des Tempels. Ich will dich
dorthin bringen, damit du dich hinabstürzest. Denn den Gottessöhnen ist ja
versprochen worden, daß sie in solchen Fällen von Engelshänden getragen
werden. Also mache den Versuch! Daß ich dir dabei nicht helfen werde, weißt
du. Denn ich will dir ja gerade beweisen, daß du nicht zu den Gottessöhnen
gehörst. Und ich bin sicher, daß du bei diesem Sturz zerschmettert
liegenbleiben wirst. Aber versuchen sollst du es. Auch Gott kann nicht
verlangen, daß du blindlings an deine Gottessohnschaft glauben sollst. Auf
eine Probe mußt du doch wohl deine angebliche Gottessohnschaft stellen, wenn
du nicht jedes vernünftige Denken preisgeben willst. Kommst du heil unten an,
so will auch ich an dich glauben. Findest du aber den Tod dabei, dann kannst
du froh sein, lieber sofort von dem ganzen Trug, den man dir vorgegaukelt,
durch den Tod befreit zu werden, als daß du dein ganzes Leben einem solchen
Irrwahn opferst, um zum Schluß enttäuscht und von den Menschen verflucht
zugrunde zu gehen.‘ Alle Kraft zusammennehmend, gibt ihm das schon seit
vielen Wochen gequälte Opfer die Antwort: ‘Meinen Gott versuche ich nicht.
Nicht auf diese Art will ich mich als den Sohn Gottes erweisen. Meinem Vater
überlasse ich es, wie er mich als seinen Sohn bezeugt. Er wird den Beweis
erbringen, und du wirst den Beweis an dir selbst erfahren. Vor dieser Sprache wich Luzifer,
der zweite, aber gefallene Sohn Gottes, vor seinem ältesten, aber
gottestreuen Bruder für einige Augenblicke zurück. Mit der Kunst seiner
Wunderkraft konnte er nichts ausrichten, weil sein Opfer von ihm kein Wunder
annahm und auch nicht zur Vermessenheit bestimmt werden konnte, selbst ein
Wunder wirken zu wollen. Aber Satan gab seine Hoffnung noch
nicht auf. Er hatte noch ein anderes Lockmittel, mit dem er bisher stets
glänzende Erfolge erzielte: Die Welt war sein. Alles Materielle untersteht
seiner Herrschaft. Er konnte die Reiche der Erde geben, wem er wollte. Ob er
ein Reich dem Babylonier Nebukadnezar gab oder dem Römer Tiberius oder dem
Nazarener Jesus - er hatte es zu bestimmen. Alle, denen er sie bisher gegeben
hatte, waren seine Vasallen gewesen und hatten getan, was er ihnen befahl.
Und wie in einem Film zogen die irdischen Reiche in all ihrer verlockenden
Pracht vor dem fieberglühenden Auge des Menschensohnes vorüber: ‘Siehe, das
alles will ich dir geben. Willst du alles haben, es ist dein. Willst du nur
das eine oder andere davon haben, wähle es dir aus; du sollst es besitzen.
Aber mich mußt du als Oberherrn über dich anerkennen. In diesen Reichen, die
du gesehen, bin ich der erste und will der erste bleiben. Aber du sollst der
zweite sein.‘ ‘Weiche, Satan! - Ich erkenne nur
einen als meinen Oberherrn an meinen Gott.‘ Satan hatte den Kampf verloren. Er
glaubte sicher, ihn gewinnen zu können, als er sein Opfer in den verflossenen
Tagen so oft zum Vater schreien hörte und seine Angst sah. Und da waren doch
nur Luzifers Untergebene an der Arbeit. Jetzt war er selbst gekommen, um die,
wie er glaubte, sturmreife Festung zu nehmen, in der sich der Hunger als
starker Bundesgenosse eingestellt hatte. Doch er hatte sich getäuscht. Mit
geistigen Waffen und menschlichen Lockungen war diesem Menschensohn nicht
beizukommen. Doch ein Kampfmittel blieb ihm
noch, vor dem alle Menschen erbeben und willfährig werden. Es war das
Kampfmittel irdischer Leibesqualen. Die schärfsten wollte er hervorholen.
Menschliche Henkersknechte hatte er ja genug in seinem Dienst: Gelehrte und
Ungelehrte, Könige und Landpfleger, geistliche und weltliche Machthaber. Es
mußte gelingen. Die beste Gelegenheit zur Ausführung würde er schon finden.
Darum sagt eure Bibel: ‘Als der Teufel so mit allen Versuchungen zu Ende
war, ließ er von ihm ab bis zu einer gelegenen Zeit‘ (Lukas4,13). Die furchtbaren Anstürme des Bösen
auf Jesus in der Wüste hatte Paulus vor allem im Auge, als er schrieb, daß
Christus unter lautem Schrei und unter Tränen den um Hilfe angefleht habe,
der ihn vom Tode des Abfalls erretten konnte. Du siehst, Gott verschenkt seine
wertvollen Gaben nicht. Sie müssen unter harten Proben errungen werden. Auch
Christus mußte sich als Mensch die Kraft bitter verdienen, die er für seine
gewaltige Aufgabe nötig hatte. Ihm wurde nichts in den Schoß geworfen. Aber
jedesmal, wenn er siegreich mit dem Bösen gerungen hatte, kam die Gotteskraft
als Lohn über ihn. Der Himmel tat sich auf und Gottes Geister umgaben ihn. So
geschah es auch nach dem Kampfe in der Wüste. ‘Engel kamen und leisteten ihm
Dienste‘ (Matth.4,11). Sie verschafften ihm auch das irdische Brot, das er
vierzig Tage hatte entbehren müssen. Jetzt, wo die Steine durch die Geister
Gottes in Brot verwandelt wurden, nahm er es mit Dank gegen Gott an. Er hatte
es zurückweisen müssen, als es ihm unter Satans Einfluß gereicht werden
sollte. Nach der ersten siegreich bestandenen
Probe trat Jesus sein öffentliches Lehramt an. Er sammelte einige arme,
schlichte, aber für die Wahrheit empfängliche Männer um sich, die euch unter
dem Namen ‘Apostel‘ bekannt sind. Diese wollte er tiefer in das Verständnis
der Erlösung einführen. Doch bald stellte sich heraus, daß auch sie schwache
Kinder ihrer Zeit und nicht stark genug waren, mehr als bloß einen Bruchteil
der Wahrheit zu tragen. Zunächst hatte Jesus sich sowohl
seinen Jüngern, als auch dem Volke gegenüber als den Gottgesandten zu
erweisen. Er mußte ihnen sagen, wer er sei und was er wolle und seine Aussage
durch die Kraft desjenigen beweisen, als dessen Gesandten er sich ausgab. So war es ja auch bei Mose, dessen
Aufgabe in allen Teilen ein genaues Abbild der Aufgabe des kommenden Christus
war. Auf ihn wies Mose auch ausdrücklich mit den Worten hin: ‘Einen
Propheten wie mich wird Gott der Herr aus eurer Mitte erwecken‘
(5.Mose18,18). - Mose sollte als Gottgesandter ein einzelnes Volk aus dem
Lande der Knechtschaft in das Gelobte Land führen. Die Geknechteten waren die
Israeliten. Ihre Peiniger waren die Ägypter unter Pharao. Die Geknechteten,
die Christus von der Knechtschaft befreien sollte, waren alle zum Abfall von
Gott verführten Geister. Ihre Beherrscher waren die Mächte der Hölle unter
Luzifer. Mose konnte seine Aufgabe nur lösen, wenn ihm zwei Dinge gelangen:
Zuerst mußten die Geknechteten bereit sein, das Land der Knechtschaft zu
verlassen und sich der Führung des Mose anzuvertrauen. Hatte Mose dies
erreicht, dann blieb ihm ein zweites, viel Schwereres zu tun übrig. Er mußte
die Ägypter unter ihrem König Pharao zwingen, das bis dahin geknechtete Volk
Israel aus Ägypten wegziehen zu lassen. Denn daß Pharao und sein Volk nicht
freiwillig auf die billigen Fronknechte und Sklavinnen verzichtete, war
selbstverständlich. So hing auch die Erlösung durch
Christus von zwei Dingen ab: Zuerst mußte auch er die in der Knechtschaft des
Bösen schmachtenden Geister, die in der Stufe des Menschen verkörpert waren,
dahin bringen, daß sie bereit waren, dem Bösen zu entsagen. Dann aber blieb
noch als schwierigste Aufgabe, die Herrschermächte des Bösen unter Luzifer zu
zwingen, diejenigen freizugeben, die zu Gott wollten. Diese beiden Aufgaben waren sowohl
bei Mose, als auch bei Christus scharf voneinander getrennt. Mose hatte, was seine eigene Person
betraf, vor allem dafür zu sorgen, daß er dem Pharao gegenüber stark blieb,
nicht nachgab und sich von ihm weder durch Drohungen noch durch Lockungen von
seiner gottgegebenen Aufgabe abbringen ließ und den Rettungsplan Gottes nicht
durch eigene Schuld zunichte machte. Das Volk Israel hatte das Seine zu tun
und sich zum Auszug bereit zu erklären und bereitzuhalten. Gott war es, der
dann den endgültigen Sieg über Pharao verlieh und die Befreiung des Volkes
Israel zur vollendeten Tatsache machte. Auf welche Weise Gott diesen Sieg
verlieh, danach hatte weder Mose, noch das Volk zu fragen. Das war allein
Gottes Sache. So auch bei Christus. Auch für ihn
war es wertlos, dem Volk darüber Mitteilung zu machen, auf welche Weise die
Erlösung erfolgen sollte. Er hatte es bloß darüber zu belehren, daß die Zeit
der Befreiung nahe sei, daß es sich der Befreiung würdig machen solle und daß
er selbst derjenige sei, der von Gott als Retter zu ihm gesandt worden war. Christus hatte für seine Person
dafür zu sorgen, daß er nicht den Machthabern des Bösen unterlag, die kein
Mittel unversucht ließen, ihn zum Abfall von Gott und dadurch auch von seiner
göttlichen Aufgabe zu bringen. Christus mußte wie Mose auf der Hut sein, von
dem nicht besiegt zu werden, den er besiegen wollte. Blieb er in seiner
Verteidigungsstellung gegen die Angriffe des Bösen fest, dann war es Gottes
Sache, zu bestimmen, wie er den Sieg über Satan auch in der Offensive errang.
Es war ja klar, daß Christus nicht als Mensch gegen die Geister zum Angriff
vorgehen konnte. Menschen haben bloß die Möglichkeit, sich gegen den Ansturm
der bösen Mächte zu wehren, wenn diese durch Einflüsterungen, Verlockungen,
Einjagen von Furcht oder auch durch Erscheinungen, sowie menschliche
Helfershelfer sie zum Bösen zu verleiten suchen. Zum Angriff konnte Christus
daher bloß als Geist nach seinem irdischen Tode gegen Satan vorgehen. Dann
erst konnte es heißen: ‘Abgestiegen zu der Hölle.‘ Ich habe dir gesagt, daß Christus
als Mensch Satan gegenüber hätte unterliegen können. Dann hätte der Fürst der
Unterwelt auch diesen ersten Sohn Gottes zu seinem Vasallen gemacht. In
diesem Falle hätte Gott einen anderen der höchsten Himmelsfürsten Mensch
werden lassen, um das Werk der Erlösung zu vollbringen, das dem ersten Sohn
Gottes wegen seiner Schwachheit als Mensch mißlungen war. Du schauderst bei dem Gedanken, daß
Christus den Angriffen Satans hätte unterliegen können. Und doch ist es so.
Ihr wißt ja gar nicht die unermeßliche Liebe eures himmlischen Vaters zu
schätzen, der seinen eingeborenen Sohn nicht schonte, sondern sich aus Liebe
zu euch der Gefahr aussetzte, auch ihn zu verlieren, wie er den zweiten Sohn
verloren hatte. Und ihr vermögt euch auch nicht das Furchtbare des Kampfes vorzustellen,
den Christus euretwegen gegen die ganze Hölle zu bestehen hatte, wenn er euch
erlösen wollte. Bei euch genügt schon einer der kleinsten Teufel, um euch in
wenigen Augenblicken zum Abfall von Gott zu bringen. Er braucht euch bloß
eine Handvoll Geld, eine menschliche Ehre oder einen Sinnesgenuß hinzuhalten,
und er hat den Sieg errungen. - Aber auf Christus, euren ältesten Bruder,
stürzte sich die ganze Hölle, an ihrer Spitze Luzifer selbst. Und das nicht
bloß einmal und für wenige Augenblicke, sondern immer und immer wieder, ein
ganzes Menschenleben hindurch. Sturmkolonne auf Sturmkolonne der finsteren
Mächte ging Tag für Tag gegen diesen Menschensohn vor, und schließlich nahmen
sie als Sturmwaffe die größte menschliche Marter, bis der Gequälte am Kreuze
verblutete - zwar als Mensch getötet, aber nicht zum Abfall von Gott
gebracht. Satan hatte an ihm nichts ausrichten können. Und doch war der,
gegen den die ganze Höllenmacht in dieser Weise anstürmte, ein Mensch wie
ihr, euch in allem gleich. Das ist das wahre Bild des
Erlösers, und so sollte sein Erlösungswerk verlaufen. Wie es für Mose das erste war, sich
den Israeliten als Gesandten Gottes und als von Gott bestell ten Retter
vorzustellen und als solchen durch Wunderwerke zu erweisen, so war es auch
Christus zunächst dem Volke schuldig, zu sagen, wer er sei und welche Aufgabe
er zu erfüllen habe. Auch er mußte seine Sendung als Erlöser durch
Wunderwerke beglaubigen. Jesus Christus - nicht Gott,
sondern Gesandter Gottes. Wer war Christus und als was
bezeichnete er sich selbst? - ‘Ich bin Christus, der Sohn des lebendigen
Gottes.‘ - Das ist sein Zeugnis von sich selbst. Und dieses Zeugnis stellte
ihm auch Gott aus: ‘Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen
habe.‘ - Christus war also der Sohn Gottes, und nur das wollte er sein. Er
war nicht Gott. Niemals sagte er: ‘Ich bin Gott.‘ Niemals behauptete er, Gott
in irgend einem Punkte gleich zu sein. Er wird nicht müde, immer wieder zu
betonen, daß er nichts aus sich selbst vermöge, nichts aus sich selbst rede,
keine wunderbaren Werke aus sich selbst vollbringen könne. Der Vater ist es,
der ihn beauftragt hat. Der Vater ist es, von dem er alle Wahrheit empfangen
hat. Der Vater ist es, der ihm die Kraft gibt, Kranke zu heilen und Tote zu
erwecken. Alles tut er so, wie der Vater es will, und zu der Stunde, die der
Vater dazu bestimmt hat. Wie ein Statthalter nur im Namen
und Auftrag des Herrschers, der ihn als Statthalter eingesetzt hat, seine
Machtbefugnisse ausübt und nur in den Grenzen der empfangenen Machtbefugnisse
handeln darf, so auch Christus. Und wenn ein Herrscher seinem Statthalter
alle Macht überträgt, die er selbst als Herrscher besitzt, so hat der
Statthalter doch nichts aus sich. Er ist nicht der Herrscher, sondern von
diesem in allem abhängig. Er kann von ihm jederzeit seines Postens enthoben
werden. So war Josef der Statthalter des Pharao. Er hatte von ihm
unbeschränkte Macht zur Rettung des Landes erhalten. Pharao hatte ihm als
Zeichen der ihm übertragenen königlichen Gewalt seinen Siegelring überreicht
und in königliche Gewänder gekleidet. Mit dem Siegelring hatte Josef seine
Urkunden als königliche Urkunden zu kennzeichnen. In seiner Gewandung glich
er dem Pharao. Aber er war nicht der oberste Herrscher. Der war Pharao und
blieb es. Josef war bloß der vom ägyptischen Herrscher ernannte, wenn auch
mit voller Königsgewalt ausgestattete Statthalter. Er hatte die volle
Königsgewalt nicht aus sich. Er hatte sie bekommen durch freien Entschluß des
Königs. Dieser konnte sie wieder nach Belieben beschränken oder ganz
entziehen oder sie auf einen anderen übertragen. Hier hast du in der einfachsten und
klarsten Weise ein Bild von Christus in seinem Verhältnis zu Gott. Gott ist
der Herr und Schöpfer aller Dinge. Auch der Herr und Schöpfer des Sohnes
Gottes. Gott ist aus sich ewig, allmächtig und allwissend. Der Sohn nicht.
Der Vater hat dem Sohn die Statthalterschaft über die Schöpfung übertragen
und ihn vor allem zu der Aufgabe der Erlösung gesalbt. Aber aus sich hat der
Sohn nichts, weder das Dasein, noch sein Amt als Statthalter, noch irgendeine
Kraft. Alles hat ihm der Vater gegeben. Ist der Sohn im Himmel auch in
gottähnliche Gewänder gekleidet, und tritt er mit göttlichen Machtbefugnissen
auf, so ist er doch ebensowenig Gott, wie Josef der Pharao war. Diese Wahrheit ist in den Heiligen
Schriften so klar enthalten, daß man sich darüber wundern muß, wie Menschen
dazu kommen konnten, Christus zum ‘Gott‘ zu machen, während der Vater und
Gebieter alles Geschaffenen feierlich schwört: ‘Ich allein bin Gott und sonst
keiner. Die christlichen Religionen, die
Christus als Gott bekennen und ihn dem Vater in allem gleich stellen, wagen
selbst nicht zu behaupten, daß Christus gesagt habe, er sei ‘Gott‘. Aber sie
folgern es zunächst daraus, daß er sich ‘Sohn Gottes‘ nannte. Sie urteilen,
wie die Hohen Priester, Schrift gelehrten und Pharisäer geurteilt haben, von
denen es in der Bibel heißt: Sie trachteten ihm um so mehr nach dem Leben,
weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch in einem einzigartigen Sinne
Gott seinen Vater nannte und sich damit Gott gleichstellte‘ (Joh.5,18). Gegen den Vorwurf, daß er in einem
einzigartigen Sinne Gott seinen Vater nannte, wehrte sich Christus nicht.
Denn er war in einem Sinne ein ‘Sohn Gottes‘, wie kein anderer der
‘Gottessöhne‘ oder der Geister Gottes. Er war nicht bloß der höchste der von
Gott geschaffenen Geister, sondern auch der einzige Geist, der auch seinem
himmlischen Leibe nach von Gott ins Dasein gerufen worden ist. Die anderen
Söhne Gottes hatten bloß ihrem Geiste nach von Gott ihr Dasein erhalten,
während ihre himmlischen Leiber dem erstgeschaffenen Sohne ihr Entstehen
verdankten. Christus war also nicht bloß der ‘Erstgeborene‘ Gottes, sondern
auch der einzige, der nach seinem ganzen Sein eine direkte Schöpfung Gottes
war. Er war der einzige in seiner Art. Er war der ‘Eingeborene‘ des Vaters.
Auch noch aus einem anderen Grunde war er in einzigartigem Sinne der Sohn
Gottes. Ihm allein hatte der Vater die Statthalterschaft über die Schöpfung
übertragen. Er hatte ihm dieselbe Stellung in seinem Reiche eingeräumt, die
der Pharao dem ägyptischen Josef im Reiche Ägypten verliehen hatte. Also
darin hatten die Juden Recht: Christus nannte sich in einer besonderen
Bedeutung einen Sohn Gottes. Er war der Sohn Gottes. Aber wogegen sich
Christus bis aufs äußerste wehrte, war die Behauptung seiner jüdischen
Feinde, er stelle sich Gott gleich. Er beteuerte immer wieder, daß er
keinerlei Macht von sich selbst habe und aus sich selbst nicht das Geringste
tun könne. Wenn einer aus sich selbst nichts kann, dann ist damit der
unwiderlegliche Beweis erbracht, daß er nicht Gott sein kann. Soviel
folgerichtiges Denken mußten auch die Hohen Priester und Schriftgelehrten
besitzen. Und sie begriffen es auch sehr gut, was Jesus unter ‘Sohn Gottes‘
verstand. Aber nach außen wollten sie es nicht verstehen. Sie suchten ja
einen Grund, ihn zu töten. Und da konnten sie keinen besseren finden, als
wenn sie behaupteten, Christus mache sich zum Gott, indem er sich Sohn Gottes
nenne. Diesen Scheingrund durften sie um keinen Preis mehr aus der Hand
geben. Darum war auch jede Belehrung von seiten Christi zwecklos. Es ist wahr, Christus hatte alle
Macht im Himmel und auf Erden. Aber er hatte sie ebensowenig von sich selbst,
wie der ägyptische Josef alle Macht über Ägypten aus sich hatte. Wie Josef
nicht der Pharao war, so war Christus auch nicht Gott. Nur der Vater ist Gott und sonst
keiner. Der Vater hat alle Macht und sonst niemand. Der Vater kann diese
Macht nach seinem Gutdünken auf irgendeinen geschaffenen Geist übertragen,
indem er in diesem und durch diesen wirkt. Gott hätte daher die Macht, die er
Christus verlieh, einem anderen geschaffenen Geiste geben können. Es mußte
nicht sein erstgeborener Sohn sein. Und die großen Wunder, die Christus
wirkte, konnte auch jeder andere Mensch wirken, wenn ihm Gott die Kraft dazu
gab. Christus sagt ja selbst, daß nicht bloß er das alles wirken könne,
sondern auch jeder andere, sobald er gläubig werde. ‘Wer an mich glaubt,
wird die Werke, die ich tue, auch tun, ja er wird noch größere als diese
vollbringen‘ (Joh.14,12). - An Christus glauben heißt an Gott glauben,
aber nicht etwa, weil Christus selbst Gott ist, sondern weil er die Lehre
Gottes verkündet. ‘Ich habe nicht von mir aus geredet, sondern der Vater
selbst, der mich gesandt hat, der hat mir aufgetragen, was ich sagen und was
ich lehren soll‘ (Joh.12,49). Zwischen dem Vater und Christus
herrscht die große Einheit der Liebe. Jedes Geschöpf Gottes kann zu dieser
Einheit mit dem Vater gelangen. Sie erbittet ja Christus von Gott auch für
seine Jünger. ‘Sie sollen eins sein, wie wir eins sind: Ich in ihnen und du
in mir, auf daß sie voll ausgestaltet werden zu einer Einheit mit uns‘
(Joh.17, 22-23). Du siehst, wie töricht es ist, wenn
deine bisherige Kirche zum Beweis für die Gottheit Christi sich auf den Satz
beruft: ‘Ich und der Vater sind eins‘, wo doch dieselbe Einheit, die der Sohn
mit dem Vater hat, auch den Gläubigen zuteil werden soll. Wenn du dir die Aussprüche Christi
zusammenstellst, in denen er sein Verhältnis zu seinem Vater darlegt, so
wirst du erkennen, wie frevelhaft es ist, Christus als Gott zu bezeichnen,
ihn als den Gebenden hinzustellen, wo er bloß der Empfangende ist und anderen
bloß das geben kann, was er selbst von Gott erhalten hat. - Die große
Gotteslästerung, welche die Juden Christus vorwarfen, indem sie fälschlich
behaupteten, er mache sich Gott gleich, begehen heute diejenigen, die
Christus zum Gott machen, während Christus selbst die Gottgleichheit so weit
von sich wies. Die Lehre Christi über seine eigene
Person, über den Ursprung seiner Lehre und die Macht und Kraft, die er
besitzt, war also die, daß er alles und jedes vom Vater erhalten hat. Aus
sich hat er nichts. Er ist nicht Gott. Nicht alles hat ihm der Vater
übertragen. Gewisse Dinge hat der Vater sich selbst vorbehalten. Zu den
Söhnen des Zebedäus sagte Christus: ‘Den Platz zu meiner Rechten und Linken
habe nicht ich zu vergeben, sondern er wird denen zuteil, für die er von
meinem Vater bestimmt ist‘ (Matth.20,23). Auch den Tag des allgemeinen
Gerichtes weiß der Sohn nicht, sondern nur der Vater. ‘Von jenem Tage aber
und von der Stunde hat niemand Kenntnis, auch die Engel im Himmel nicht, auch
der Sohn nicht, sondern ganz allein mein Vater‘ (Matth.24,36,). Christus hatte von Gott auch nicht
die Erlaubnis bekommen, die Marter des Kreuzestodes von sich abzuwenden.
Darum wurde er im Garten Gethsemane nicht erhört, als er den Vater bat,
diesen Leidenskelch an ihm vorübergehen zu lassen. Jesus in der Beurteilung seiner
Umgebung Sowohl die Angehörigen Jesu, als
auch die Apostel und das gläubige Volk erkannten in ihm bloß den ‘Propheten‘
- den ‘Gottesgesandten‘. Daß einer der ‘Söhne Gottes‘ in ihm Mensch geworden
war, wußte wohl seine Mutter aus der Verkündigung des Engels vor seiner
Geburt. Aber sie wußte auch, daß er ein Mensch war mit menschlichen
Schwächen. Sie war mit der Art seines öffentlichen Auftretens und seiner
Lehrverkündigung nicht einverstanden. Sie wußte wohl, daß seine
Glaubensüberzeugung von der Lehre der jüdischen Religion wesentlich abwich.
Aber daß er das alles jetzt dem Volke öffentlich predigte, das drückte sie
schwer. Sie hatte sich seine Aufgabe ganz anders gedacht. Und als sie hörte,
daß Jesus in seinen Predigten so scharfe Worte gegen die geistlichen Führer
des jüdischen Volkes gebrauchte und so manches in ihrer althergebrachten
Religion in der Öffentlichkeit als unrichtig bezeichnete, da suchte sie das
im Verein mit ihren anderen Söhnen zu verhindern. Sie wollte ihn zur Rückkehr
in sein Elternhaus zwingen. Dadurch glaubte sie den Anstoß beseitigen zu
können, den sein Vorgehen bei den Priestern, Schriftgelehrten und Pharisäern
erregt hatte. ‘Als seine Angehörigen es hörten, machten sie sich auf um
sich seiner zu bemächtigen. Denn sie sagten, er sei von Sinnen gekommen‘
(Mark.3,21,). - ‘Denn nicht einmal seine Brüder glaubten an ihn‘ (Joh.7,5). Daß seine Mutter und seine Brüder
diese Einstellung gegenüber seinem öffentlichen Auftreten hatten, ist
menschlich verständlich. Sie hielten die Lehre der jüdischen Kirche für die
richtige. Darin waren sie von Jugend auf erzogen. Ihre Vorfahren hatten in
dieser Religion gelebt und waren darin gestorben. Und nun sollte der eigene
Sohn und Bruder öffentlich predigen, daß diese Religion in vielen Punkten im
Irrtum sei. Das war für diese einfachen, unerfahrenen Leute unerträglich.
Das, was ihre Geistlichkeit ihnen sagte, war für sie maßgebend. Doch war auch
Menschenfurcht dabei im Spiele. Man zeigte mit Fingern auf sie als die Angehörigen
eines Mannes, der die Religion seiner Väter angriff. Von dem
Synagogenvorsteher ihres Ortes mußten sie oft Vorhaltungen deswegen über sich
ergehen lassen. Auch eine geschäftliche Schädigung mußten sie befürchten.
Besonders hart aber traf sie die Nachricht, daß die oberste Kirchenleitung
Jesus in den Bann getan habe und alle, die ihm anhingen und als den Messias
bekannten, ebenfalls mit dem Banne bedrohe. ‘Sie hatten schon abgemacht,
daß der, welcher Jesus als den Messias bekenne, in den Bann getan würde‘
(Joh.9,22). Die jüdische Geistlichkeit warnte das Volk vor Jesus und
seiner Lehre. Reichlichen Gebrauch machte sie von der Waffe der Verleumdung.
Sie nannte ihn einen ‘falschen Propheten‘, einen ‘vom Teufel Besessenen‘,
einen ‘Volksaufwiegler‘, einen ‘Weinsäufer‘ und ‘sittlich Verkommenen‘, der
sich mit Dirnen abgebe und bei den öffentlichen Sündern zu Gast sei. Kein
Mittel war ihr zu schlecht, um denjenigen unschädlich zu machen, von dem sie
ihren Einfluß auf das Volk bedroht sah. Sie konnte nicht dulden, daß die
große Masse des Volkes etwas anderes als religiöse Wahrheit annahm, als was
sie selbst vortrug. Ihr hatte sich das Volk zu fügen. Was sie nicht glaubte,
durfte auch das Volk nicht glauben, oder der Fluch traf es. ‘Ist denn
irgendein Mitglied des Hohen Rates oder ein Pharisäer zum Glauben an ihn
gekommen? Nein, nur dies gemeine Volk, das vom Gesetz nichts weiß - verflucht
sei es!‘ (Joh. 7,48-49). Es ist das alte Lied, das die
Geistlichkeit aller Religionen stets anzustimmen pflegt, wenn sie ihren
Einfluß auf das Volk durch irgendeinen Wahrheitskünder bedroht sieht. Auch du wirst diese Melodie noch
reichlicher kennenlernen wie bisher, sobald du die Wahrheiten veröffentlicht
hast, die du von mir empfingst. Da wirst du sehen, daß sich das alles
wiederholt, was sich damals abspielte. Denn der Knecht ist ja nicht über den
Meister. Man wird dich einen abgefallenen Priester, einen falschen Propheten,
einen Irrsinnigen, einen vom Teufel Besessenen, einen verkommenen Menschen
nennen. Auch deine Angehörigen werden dir Vorwürfe machen. Sie werden dir
sagen, du hättest alles beim alten lassen sollen, und was anderen Geistlichen
gut genug war, hätte auch dir genügen können. Doch fürchte dich nicht! Hoffe
auf Gott! Was können dir die Menschen tun? Aber auch vielen wirst du durch
Vermittlung der Wahrheit die größte Wohltat erweisen. Auch manche Geistliche,
die dein Buch lesen, werden zu der Überzeugung kommen, daß es die Wahrheit
enthält, wenn sie es auch nicht offen einzugestehen wagen. So war es auch zur
Zeit Christi. ‘Es glaubten sogar von den Mitgliedern des flohen Rates
viele an ihn, wagten aber um der Pharisäer willen nicht, es offen zu
bekennen, um nicht in den Bann getan zu werden. Denn an der Ehre bei den
Menschen lag ihnen mehr, als an der Ehre bei Gott‘ (Joh.12,42-43). Auch die Apostel wurden mehr als
einmal irre an ihrem Meister. Auch sie hatten sich den Messias anders
gedacht. Daß in Jesus von Nazareth der ‘Sohn Gottes‘ zur Erde gekommen sei,
wußten auch sie nicht, bis es ihnen eines Tages durch das Bekenntnis des
Petrus zum Bewußtsein kam: ‘Du bist Christus, der Sohn des
lebendigen Gottes‘ (Matth.16,16). - Diese Überzeugung hatte jedoch Petrus nicht aus den
Worten und Taten Christi, noch aus dem eigenen Denken heraus gewonnen. Sie
war ihm durch eine Offenbarung Gottes eingegeben worden: ‘Nicht Fleisch
und Blut hat dir das geoffenbart, sondern mein himmlischer Vater‘
(Matth.16,17). Die Verbindung Jesu mit der
Geisterwelt Über den Weg, auf dem Christus die
Offenbarungen Gottes zuflossen, habe ich dir bereits einige Andeutungen
gegeben. Doch möchte ich noch näher darauf eingehen, weil es zum vollen
Verständnis des Lebens und Wirkens Christi erforderlich ist. Dabei wirst du
erkennen, daß auch in diesem Punkte bei Christus nichts vollständig Neues und
nie Dagewesenes in Erscheinung trat. Du brauchst dir bloß zu
vergegenwärtigen, auf welche Weise Gott früher seinen Werkzeugen die
erforderlichen Offenbarungen und Aufträge zukommen ließ. Wie machte er es bei
Abraham, Isaak und Jakob? Wie bei Mose und Josua? Wie bei den Richtern,
Königen und Propheten? Wie bei Zacharias, Maria und Josef? Nun, auf dieselbe
Weise vollzog sich alles auch bei Christus. Hierin hatte er also vor den
bisherigen Gesandten und Werkzeugen Gottes nichts voraus. Gott ließ mit ihm,
wie mit allen anderen, seine Geisterwelt in Verkehr treten und durch sie
alles vermitteln, dessen Christus zur Erfüllung seiner Aufgabe bedurfte. Die Vorbedingungen für eine
Verbindung mit der Geisterwelt waren bei ihm dieselben, wie bei jedem
Menschen, mit dem Geister in Verkehr treten. Daß seine mediale Veranlagung
eine besonders große war, ist natürlich. Denn bei ihm handelte es sich um den
höchsten und reinsten der von Gott geschaffenen Geister in menschlicher
Verkörperung. Die innere Sammlung und geistige Versenkung, von der ich dir
bei den Belehrungen über die Ausbildung der Medien sprach, war bei Christus
in einem Grade vorhanden, wie sie in dieser Stärke noch von keinem Menschen
erreicht worden ist. Auch hatte niemals ein menschliches Medium die Reinheit
des körperlichen Ods, wie Christus sie besaß. Bei ihm waren daher die
Vorbedingungen für eine Verbindung mit den Geistern Gottes in einem Umfange
gegeben, wie sie von keinem anderen Menschen je erreicht werden können. Christus hatte die größte Aufgabe
für das Reich Gottes zu lösen, die je einem Menschen zugeteilt war. Daher
mußte Gott ihm auch die Geister in reicher Fülle zusenden, nicht bloß reich
an Zahl, sondern auch an Kraft und Fähigkeit. Zu ihm traten die Geister der
Stärke, um ihm neue Kraft zu verleihen, wenn er die eigene Kraft im Kampfe
gegen die bösen Mächte erschöpft hatte. Oft waren in ihrer Begleitung Geister
der Hoffnung, der Freude und des Seelenfriedens. Dann wieder traten
Kampfengel der Legion Michaels an seine Seite, wenn Satan seine Legionen
aufbot, um Jesus zu Fall zu bringen und die Gewalt seines Angriffes jede
menschliche Widerstandsfähigkeit zu übersteigen drohte. Geister der Wahrheit
und der Erkenntnis traten bei ihm in Tätigkeit, wenn er über die Lehren
unterrichtet werden sollte, die er als Wort Gottes dem Volke zu verkünden
hatte oder wenn er selbst über persönliche Fragen und Aufgaben Aufklärung
erhalten sollte. Geister der Weisheit zeigten ihm den rechten Weg zur
Ausführung seiner Einzelaufgaben. Aber auch nur dann, wenn er die eigenen
Geisteskräfte bis zum äußersten angespannt hatte, ohne das Rechte zu finden.
Auch bei ihm galt, was bei jedem anderen Menschen gilt: Hilf dir selbst, dann
hilft dir Gott! Gebrauche zuerst deine eigenen Kräfte, um zum guten Ziele zu
kommen, und wenn diese nicht ausreichen, dann erst greift Gott mit Hilfe
seiner Geisterwelt ein. Gott wirft das Gute und den Sieg des Guten niemandem
in den Schoß. Er verlangt, daß jeder zunächst seine persönlichen Kräfte voll
ausnutzt. Auch von Christus verlangt er dies. Handelte es sich um die Heilung von
Kranken, dann waren es die Geister der Heilkraft, die in seinen Dienst
traten, sofern die ihm eigene natürliche Heilkraft nicht ausreichte, das
kranke Od des Leidenden gesund zu machen. Seine überaus große persönliche
Heilkraft war in sehr vielen Krankheitsfällen stark genug, die Heilung
herbeizuführen, ohne daß Geister der Heilung in Tätigkeit zu treten
brauchten. Doch heilte Christus nicht alle,
die geheilt sein wollten. Bei manchen ist die Krankheit eine Strafe Gottes,
die der Kranke eine kürzere oder längere Zeit zu tragen hat. Durch die Gabe
des Hellsehens oder Hellempfindens erkannte Christus in jedem Falle, ob eine
Heilung erfolgen sollte oder nicht. Auch war der Glaube an Gott und Christus
als den Gottgesandten die Vorbedingung jeglicher Heilung. Auch blieben nicht alle geheilt.
Manche fielen wieder in ihr früheres Leiden zurück, sobald sie dem Glauben an
Gott und Christus wieder untreu wurden. Denn die Heilungen sollten ja in
erster Linie eine Beglaubigung der Wahrheit sein, die Christus verkündigte. Bei den durch Christus gewirkten
‘Totenerweckungen‘ muß ich dir etwas sagen, was dich wohl sehr überraschen
wird. Bei allen sogenannten ‘Totenerweckungen‘, sowohl bei den im Alten
Testament erwähnten, als auch bei den von Christus gewirkten, handelte es
sich nicht um Menschen, deren Geist bereits ins Jenseits hinübergetreten war.
Ein wirklich Toter kann aus dem Jenseits in das Diesseits nicht mehr
zurückkehren. Sein Geist kann nicht wieder von dem Körper Besitz ergreifen, den
er durch den irdischen Tod verlassen hat. Das ist ein göttliches Gesetz, von
dem es keine Ausnahme gibt. Sobald sich ein Geist im Jenseits befindet, ist
seine irdische Laufbahn endgültig abgeschlossen. Sein diesseitiges Schicksal
ist unwiderruflich entschieden. Ein Mensch kann er alsdann nur wieder auf dem
Wege einer neuen Geburt werden. In allen Fällen, in denen Christus
Menschen zum Leben erweckte, handelte es sich um solche, deren Geist zwar vom
Körper gelöst war, aber noch durch ein ganz schwaches Odband mit dem
materiellen Leib verbunden blieb. Dieses Odband war so schwach, daß der
ausgetretene Geist weder aus eigener Kraft, noch durch menschliche
Wiederbelebungsmittel hätte in den Körper zurückkehren können und
infolgedessen der wirkliche Tod durch Zerreißen des Odbandes bald hätte
eintreten müssen. Bei Lazarus war dieses Odband so schwach, daß nicht einmal
soviel Lebenskraft dem Körper zugeführt werden konnte, als notwendig war, um
den Verwesungsprozeß zu verhindern. Weder der Verwesungsgeruch, noch die
sogenannten Totenflecken an der Leiche sind also untrügliche Zeichen des
wirklichen Todes. Daß es sich bei den
Totenerweckungen nur um Scheintote handelte, deutet Christus klar an, als er
die Tochter des Jairus ins Leben zurückrief: ‘Das Mädchen ist nicht tot,
sondern schläft nur‘ (Matth.9,24). - Ihr erklärt diese Worte als Scherz.
Solche Scherze machte Christus nicht, wenn es sich darum handelte, die
Beweise für seine göttliche Sendung dem Volke zu erbringen. Auch bei Lazarus
weist er seine Apostel daraufhin, daß es sich bei ihm nicht um einen
wirklichen Tod handelte. Denn als er von seiner Krankheit vernahm, sagte er
zu ihnen: ‘Der Zweck dieser Krankheit ist nicht der Tod, sondern sie dient
zur Verherrlichung Gottes‘ (Joh.11,4). - Und als Lazarus nach
menschlichem Ermessen tot war, sagte Jesus wiederum: ‘Unser Freund Lazarus
ist eingeschlummert und ich gehe hin, ihn aufzuwecken.‘ Als aber seine
Apostel ihn nicht recht verstanden und es auch zwecklos erschien, längere
Erklärungen darüber abzugeben, die sie doch nicht begriffen hätten, da sagte
er: ‘Lazarus ist tot. ‘ Damit gebrauchte er zwar nicht die richtige
Bezeichnung des Zustandes, in dem sich Lazarus befand; aber es war die
einzige, durch die er sich verständlich machen konnte. Denn in diesem
Augenblick lag Lazarus bereits im Grabe und wurde von den Menschen zu den
Toten gerechnet. Wäre es der wirkliche Tod gewesen, dann hätte Christus nicht
einige Tage vorher sagen können, daß der Zweck der Krankheit des Lazarus
nicht sein Tod sei. Auch hätte er nach der Grablegung nicht die Worte
gebrauchen dürfen: ‘Unser Freund ist eingeschlummert.‘ In beiden Fällen
sprach Christus die Wahrheit, da es sich tatsächlich nicht um den wirklichen
Tod handelte, sondern um einen ‘Scheintod‘. Aber deswegen ist die Tat der
Auferweckung um nichts verkleinert. Denn sie konnte nicht durch menschliche
Kräfte herbeigeführt werden, sondern nur durch die Kraft Gottes. So war es
bei allen Totenerweckungen Christi. Menschenkräfte versagten hier
vollständig. Die Geister Gottes griffen ein. Sie vollendeten alles, was den
Wiedereintritt des Geistes in den Körper ermöglichte. Christus nahm die
Arbeit der Geisterwelt hellsehend wahr, und auf sein Wort trat dann der Geist
des Scheintoten wieder in seinen Körper zurück und der Scheintote wachte auf. Ihr Menschen denkt nicht daran, daß
sich derartige Wirkungen nach gottgegeben Gesetzen vollziehen. Das gilt nicht
nur von den Totenerweckungen, sondern von allen wunderbaren Taten Jesu. Als
er Wasser in Wein verwandelte, war es ebenfalls die Geisterwelt Gottes, die
dies vollführte. Darum konnte auch Christus diese Verwandlung nicht in dem
Augenblick vornehmen, als seine Mutter es wünschte. Seine Stunde war deswegen
noch nicht gekommen, weil die dazu erforderliche Arbeit der Geisterwelt noch
nicht beendet war. Auch die Arbeit der Geister erfordert Zeit. Weil ihr diese
Vorgänge nicht versteht, darum ist euch auch der Sinn mancher Worte nicht
klar, die euch die Bibel berichtet, und ihr übersetzt sie deswegen falsch in
eure Sprachen. So enthält auch der biblische Bericht über die Auferweckung
des Lazarus einen Satz in eurer Übersetzung, der euch ganz unverständlich
sein muß. Er lautet: ‘Als nun Jesus sah, wie Maria weinte und wie auch die
Juden laut weinten, die mit ihr gekommen waren, fühlte er sich im Geiste
entrüstet und erregte sich ‘(Joh.11,33). Andere übersetzten: ‘Er
ergrimmte. ‘ Warum sollte denn Christus ergrimmen oder entrüstet sein, wenn
er Schwestern und Freunde eines Toten weinen sieht? - Nein, es heißt: ‘Ein
Schauer befiel seinen Geist und er fühlte sich erschüttert. ‘ Denn wenn
Geister an euch herantreten und ihre starke Odstrahlung auf euch wirken
lassen, dann fühlt ihr einen Schauer euch durchrieseln, so daß ihr euch
schüttelt. Es ist ein wohltuender Schauer, wenn es gute Geistwesen sind, die
auf euch einwirken und ein unangenehmes Gefühl, wenn die Einwirkung von einem
niedrigen Geistwesen herrührt. Ein solcher Schauer rann auch durch Christus.
Es waren die gewaltigen Odstrahlungen der Geister, die ihn umgaben und die
ihm die Kraft zuströmten, die er als Schlußstein der Geisterarbeit durch
seinen lauten Ruf: ‘Lazarus, komm heraus!‘ auf den Scheintoten wirken ließ. Solche ‘Totenerweckungen‘ konnte
Christus nur dann vornehmen, wenn er durch die Boten Gottes erfahren hatte,
daß es der Wille Gottes sei. Denn alle Zeichen der Krafterweise Gottes
erfolgen nur dann, wenn sie zur Verbreitung des Reiches Gottes oder zur
Bestätigung seines Gesandten und seiner Lehre in besonderer Weise dienlich
waren. Christus sprach in der Öffentlichkeit
nie über seine Verbindung mit der Geisterwelt Gottes. Nur wenn er sie
erwähnen mußte, tat er es. So sagte er zu den Juden, die ihm vorwarfen, daß
er durch das Böse die Geister aus den Besessenen austreibe, er treibe die
bösen Geister durch einen Geist Gottes aus. ‘Wenn ich aber die bösen
Geister durch einen Geist Gottes austreibe, so ist ja das Reich Gottes schon
zu euch gekommen (Matth.12,28). Mit dem höchsten Grade des
Hellsehens, wie es Jesus eigen war, hing auch die Gabe zusammen, den geistigen
Zustand eines Menschen zu erkennen und dessen Gedanken zu sehen. Es gab zu
allen Zeiten Menschen, die eine ähnliche Gabe besaßen. Eure Zeit versteht das
nicht und weiß vor allem nicht, daß es sich auch hierbei um ewig gültige
Gesetze handelt, nach denen derartige Erscheinungen auftreten. Auch bei Christus vollzog sich
alles nach diesen Gesetzen. Ihnen trug er auch dadurch Rechnung, daß er Ort
und Stunde für den Geisterverkehr so wählte, daß die Vorbedingungen dafür
möglichst günstig waren. Er, der seine Anhänger aufforderte, das stille
Kämmerlein zum Gebete aufzusuchen, ging selbst auf belaubte Höhen in den
kühlen Abend- und Nachtstunden. Denn Licht und Wärme und der Lärm des Tages
sind der für den Geisterverkehr notwendigen Odgestaltung sehr nachteilig. Darum
wählte er die Einsamkeit des Waldes oder Gartens und das Dunkel und die Kühle
der Nacht. Auch alles, was Christus von der
Zukunft voraussagte, wußte er nur aus seiner Verbindung mit den Geisterboten
seines Vaters. Die früheren Gottgesandten und die
Geisterwelt Ihr pflegtet bisher die Wunder und
Weissagungen Jesu als Beweis für seine Gottheit anzusehen. Dabei begingt ihr
einen großen Trugschluß. Ihr verwechselt den Wirkenden mit dem Werkzeug. Der
Wirkende ist Gott. Das sichtbare Werkzeug seines Wirkens kann jedes Wesen
sein, während die unsichtbaren Werkzeuge die dem Betreffenden Wesen
beigegebenen Geister Gottes sind. Wenn ihr nur ein wenig nachdenken würdet,
so müßtet ihr dies von selbst finden. Wenn du über die ‘Gottheit Christi‘
predigtest und sie mit seinen Wundern und Weissagungen zu beweisen suchtest,
kam dir da nicht in den Sinn, einmal einen Vergleich mit den früheren
Gottgesandten anzustellen? Haben diese nicht ähnliche Wunderzeichen gewirkt,
wie Christus? Waren die Wunder des Mose denn geringer, als die Wunder Jesu?
War die Verwandlung des Stabes in eine Schlange, des Wassers in Blut, die
Tötung der ägyptischen Erstgeburt, der Durchgang durch das Rote Meer, das
Hervorbringen von Trinkwasser durch einen Schlag seines Stabes und viele
andere Zeichen des Mose etwas Geringeres, als die durch Jesus bewirkte
Verwandlung des Wassers in Wein, das Wandeln auf dem Meere und die Stillung
des Meeressturmes? Dann müßtet ihr ja auch Mose als Gott ansehen, wenn ihr in
dem, was Jesus tat, einen Beweis für seine Gottheit erkennen wollt. Und
wurden nicht durch viele Menschen, die Werkzeuge Gottes waren, Kranke geheilt
und ‘Tote‘ erweckt? Dann mußten auch sie alle Gott gewesen sein. Dann waren
Josua, Elia, Elisa und die übrigen großen Propheten Gottes ebenfalls Gott.
Dann waren auch die Apostel Gott, da sie ja dieselben Wunderzeichen wirkten,
wie Christus und gemäß seinen Worten noch Größeres wirken sollten, als er
selbst. Ihr könnt keine Wunder Jesu angeben, die nicht in gleicher oder
ähnlicher Weise von anderen Menschen als Gesandten Gottes gewirkt worden
sind. Ihr verkennt vollständig den Zweck, den die Wunderwerke nach den
Absichten Gottes bei seinen Gesandten haben. Ihr bedenkt zu wenig, daß Gott
seine Werkzeuge durch solche außergewöhnliche Taten beglaubigen muß, bevor er
von den Menschen verlangen kann, daß sie jene Werkzeuge als von Gott
beauftragt anerkennen. Alle Gesandten Gottes haben bei Erfüllung ihres
Auftrages von der Menschheit Schweres zu erdulden gehabt. Alle hatten einen
bitteren Leidensweg zu gehen. Sie waren die Gefäße, in denen Gottes Licht und
Wahrheit leuchtete. Aber die im Banne der Finsternis liegenden Menschen
konnten das Licht nicht vertragen. Es schien ihnen zu hell in ihre von Sünden
kranken Augen. Sie wandten sich von dem Lichte ab und suchten die
menschlichen Gefäße zu vernichten, die als Leuchter für das Licht Gottes
dienten. So war es zu allen Zeiten. So ist es auch heute und so wird es so
lange bleiben, als es sündenkranke Menschenaugen gibt, die es schmerzt, wenn
ihnen das Licht der Wahrheit vorgehalten wird. Die bösen Mächte und die von
ihnen geknechteten Menschen hassen das Licht und die Lichtträger und bieten
ihre ganze Kraft zum Vernichtungskampfe gegen sie auf. Die Leiden Jesu in seiner Bedeutung
für die Erlösung Wie furchtbar mußte daher vor allem
auch das Wüten sein, das gegen den größten Lichtträger, der je zur Erde kam,
von seiten des Bösen einsetzte, um ihn unschädlich zu machen! Wie bitter
mußte der Leidensweg werden, den Christus zu gehen hatte! Das, was Christus innerlich unter
den Anfechtungen des Bösen zu erdulden hatte, entzog sich den Augen der
Menschen. Darum berichtet auch die Bibel nichts darüber. Sie bringt bloß die
so wenig sagende Erzählung von der Versuchung Jesu in der Wüste. Und doch
waren diese Angriffe Satans so furchtbar, daß alle früheren Gottgesandten zum
Abfall von Gott gebracht worden wären, wenn Gott den Höllenmächten gestattet
hätte, mit solcher Stärke gegen sie vorzugehen, wie er es ihnen bei Jesus
erlaubte. Aber auch die körperlichen Leiden,
die er bis zu seinem letzten Atemzug am Kreuze zu erdulden hatte, waren
derart, daß ihnen die anderen Gottgesandten, vor allem in Verbindung mit den
gleichzeitigen Seelenqualen, nicht hätten standhalten können. Für Christus
hatte sein Leidensweg allerdings eine wesentlich höhere Bedeutung, als für
die anderen Propheten Gottes. Für diese war mit dem Abschluß ihres
Menschenlebens ihre Aufgabe erfüllt, wenn sie Gott treu blieben. Für Christus
war sein menschliches Leiden jedoch bloß die Erfüllung eines Teiles seiner Aufgabe.
Den Hauptteil dieser Aufgabe hatte er nach seinem irdischen Tode als Geist
durch einen Sieg über die Mächte der Finsternis zu lösen. Der Kreuzestod war
bloß die Vorbedingung für diesen Sieg. Zwar nicht der Kreuzestod als solcher,
sondern das Ertragen des Kreuzestodes, ohne dadurch zum Abfall von Gott
gebracht zu werden. Christus hätte ja, schon am Kreuze hängend, noch im
letzten Augenblick an Gott verzweifeln und dem Bösen verfallen können. Dann
wäre er zwar auch am Kreuze gestorben, aber als ein von Satan Besiegter und
von Gott Abgefallener. Bis dahin stand er in der Verteidigung gegen das
furchtbare Trommelfeuer höllischer Angriffe. Wäre Christus diesen Angriffen
erlegen, dann wäre alles zu Ende gewesen. Der Erlösungsversuch war
gescheitert und Christus war der Gefangene des Fürsten der Finsternis. Konnte jedoch Christus weder durch
die seelischen Anfechtungen noch durch die furchtbarsten körperlichen Leiden
als Mensch von den Höllenmächten niedergekämpft werden, dann begann im
Augenblick des irdischen Todes Jesu der zweite Teil des Befreiungskampfes.
Er, der als Mensch in der Verteidigung gegen die Höllenmächte stand, ging nun
als Geist zum Angriff gegen sie vor, um den endgültigen Sieg über sie zu
erringen. Er stieg zum Entscheidungskampf in die Hölle hin ab. ‘Abgestiegen
zu der Hölle!‘ Doch möchte ich zunächst noch bei
dem ersten Teil dieses wichtigsten Kampfes, der je ausgefochten wurde, etwas
länger verweilen, ich möchte mit dir die menschlichen Leidensstunden Christi
durchgehen, die ihr die ‘Passion‘ nennt. Ihr Menschen würdigt ja viel zu
wenig das unsagbare Leiden, das dieser gottgesandte Kreuzträger zu eurer
Rettung erdulden mußte. Am Abend vor seinem Tode befand er
sich mit seinen Jüngern im Abendmahlssaale. Das Ostermahl, das er mit ihnen
hielt, war zugleich sein Abschiedsmahl. Aber wer vermag den Seelenschmerz zu
ermessen und nachzuempfinden, der ihn hier durchzitterte! - Er wußte durch
die Geisterboten Gottes, daß bereits alle Vorbereitungen zu seiner
Gefangennahme und beschleunigten Hinrichtung getroffen waren. Er wußte, daß
einer seiner Jünger Verhandlungen mit den Hohen Priestern geführt und sich
gegen einen Verräterlohn von 30 Silberlingen bereiterklärt hatte, ihnen
seinen Meister in die Hände zu liefern. Und dieser Verräter lag in diesem
Augenblick mit ihm an demselben Tisch. Sie saßen nämlich nicht, wie ihr
annehmt und eure Bilder es darstellen, an einem langen Tisch, sondern lagen
auf Tierfellen, deren Köpfe zu einem Ruhepolster erhöht waren, zu je drei an
kleinen niedrigen Tischchen, mit dem einen Arm sich auf das Polster stützend
und mit dem anderen die Speisen essend, die vor ihnen standen. Mit Christus
zusammen an demselben Tischchen lagen Johannes und Judas: Johannes zu seiner
Linken mit seinem Haupt nahe an der Brust des Meisters, an der anderen Seite
Judas. Dieser wagte nicht, seine Augen zum Meister zu erheben und sehnte sich
nach dem Augenblick, wo er unauffällig den Saal verlassen konnte. Wie schnitt es dem Meister ins
Herz, diesen seinen Jünger als Verräter vor sich zu sehen, dessen furchtbaren
Tod er vorauswußte. ‘Es wäre ihm besser, wenn er nicht geboren wäre.‘ - Jesu
Augen füllten sich mit Tränen, als er ihn immer wieder anschauen mußte. Sein
Herz hing mit Liebe auch an diesem verlorenen Bruder. Vor seinem Geist stieg
das Bild auf, das schon nach wenigen Stunden Wirklichkeit werden sollte:
Judas in Erkenntnis seiner Freveltat mit Verzweiflung im Herzen und einem
Strick in der Hand vor dem Baume stehend, an dem er sich erhängte, und neben
ihm Luzifer, um den Geist des von ihm Verführten mit sich in die Tiefe zu
nehmen. - Der Meister schüttelte sich vor Entsetzen bei diesem Bilde. Und die anderen Apostel? Werden sie
ihm in seinen schweren Marterstunden tröstend und helfend zur Seite stehen?
Er sah den Schicksalsfilm der nächsten zwölf Stunden sich vor seinem
geistigen Auge abrollen. Er sah sie alle von ihm fliehen aus Angst für das
eigene Leben, sah einen Petrus in Todesangst zitternd vor einer Türhüterin
stehen und die Zugehörigkeit zu seinem Meister unter einem Eidschwur
ableugnen. Er sah die Teufel sich schon an der Tür des Abendmahlsaales
drängen, um seine Jünger beim Verlassen des Saales in Empfang zu nehmen und
sie in dieser Nacht an ihrem Meister irre werden zu lassen, damit sie dem für
den Tod Bestimmten keine Stütze sein und ihm keinen Beistand leisten könnten.
- ‘Satan hat verlangt, euch sieben zu dürfen wie den Weizen.‘ Warum hatte
Satan dies verlangt? - Jetzt erst hatte er durch eine Offenbarung Gottes
erfahren, was bei diesem Entscheidungskampfe für ihn auf dem Spiele stand.
Die Gerechtigkeit Gottes war es Luzifer schuldig, ihn nicht länger darüber im
unklaren zu lassen, daß es sich in dem nun beginnenden Kampfe zwischen ihm
und Christus um die Herrscherrechte der Hölle über die gefallenen Geister
handle. Gott offenbarte ihm, daß Christus, falls er in dem nun beginnenden
Todesleiden standhaft bliebe, nachher als Geist im Verein mit den himmlischen
Legionen gegen die Hölle zum Angriff schreiten, ihn - den Fürsten der Hölle -
besiegen und ihm einen wesentlichen Teil seiner Herrscherrechte entziehen
werde. Satan erbebte bei dieser Kunde. Nun verlangte er von derselben
Gerechtigkeit Gottes, die ihm einst das unbeschränkte Recht über die
gefallenen Geister eingeräumt hatte, für den Entscheidungskampf vollständige
Neutralität von seiten Gottes. Gott sollte seine Hand von Jesus wegziehen und
ihm auch keine menschliche Hilfe gewähren, andererseits aber der Hölle in
allem freie Hand lassen. Würde Gott dieser Forderung nachgeben, so hoffte
Luzifer bei Anspannung aller seiner Kräfte diesen Jesus von Nazareth im
letzten Augenblick doch noch mürbe machen und zur Verzweiflung treiben zu
können. Gott erfüllte das Verlangen Satans
mit der einzigen Ausnahme, daß er sich eine Stärkung der rein körperlichen
Lebenskraft Jesu vorbehielt. Denn ohne diese Stärkung wäre Christus schon im
Garten Gethsemane gestorben, und sein Leidensweg hätte sich nicht vollenden
können. Alles seelische und körperliche
Leid der Erde sollte nach dem Verlangen Luzifers auf wenige Stunden zusammengedrängt
über dem Haupte seines Gegners zusammenschlagen und gleichzeitig die Hölle
mit ihrer ganzen Macht auf ihn und seine Getreuen eindringen dürfen. So
sollte dem Alleinstehenden, vom eigenen Jünger Verratenen, von den übrigen im
Stich Gelassenen und ohne Hilfe Gottes der Hölle Preisgegebenen das Ende
eines Judas bereitet werden. Schon jetzt, als Jesus nach dem
Weggang des Judas Brot und Wein als Sinnbild seines Sterbens den Aposteln
darreichte und die Abschiedsworte an sie richtete, da blutete sein Herz aus
tausend Wunden. Er war Mensch, wie ihr und hatte auch in dieser und den
folgenden Stunden vor anderen Menschen nichts voraus. Im Gegenteil, ihm
fehlte überdies noch alles das, was sonst den Menschen in ihren
Leidensstunden als Quelle des Trostes und der inneren Aufrichtung zu dienen
pflegt. Nun geht er in die dunkle Nacht
hinaus zum Garten Gethsemane. Die Nacht ist keines Menschen Freund, vor allem
keines leidgequälten. Die Jünger, an denen schon die bösen Geistermächte am
Arbeiten sind, gehen in banger Erwartung der Dinge, die da kommen sollen,
schweigend neben ihm her. Auch er schweigt unter dem Drucke tiefster
Seelenqual. Im Garten, an der einsamen Stelle,
die er sich für sein Gebet um Stärke auswählt, wartet schon Luzifer mit
seinen stärksten Höllenmächten, um den Kommenden mit vereinten Kräften
seelisch niederzuringen. Jetzt ist ja die Stunde, die Gott dem Fürsten der
Finsternis zugebilligt hat. Menschliche Worte vermögen das
nicht wiederzugeben, was die Hölle in dieser einen Stunde an Schrecknissen
über ihr Opfer ausgegossen hat. Wie einst derselbe Luzifer bei der Versuchung
in der Wüste diesem Menschensohn alle Reiche der Welt in ihrer Herrlichkeit
zeigte, um ihn damit zum Abfall zu verlocken, so führt er ihm jetzt zu
demselben Zwecke das Furchtbarste und Häßlichste vor Augen, das es in dieser
Menschheit gibt. Er läßt die Gott lästernde und dem Bösen verfallene
Menschheit in allen Einzelbildern des Unglaubens und Lasters an seinen Augen
vorüberziehen. Bild folgt auf Bild ... grauenhaft! Dann zeigt er Jesus die
angeblichen ‘Früchte‘ seiner vieljährigen Tätigkeit unter dem jüdischen Volke
als dem Volke Gottes, zeigt hohnlachend auf seine Jünger, von denen der eine
als Verräter mit einer Horde im Anzug ist, während die anderen nicht weit von
ihm liegen und schlafen und in dieser qualvollen Stunde kein liebes Wort für
ihren Meister finden und nicht eine Stunde mit ihm wach bleiben können. ‘Und
für eine solche Menschheit willst du zur Besiegelung deiner Lehre sterben?‘,
hört er Luzifer höhnen. ‘Für diese Menschheit, die deinen Vater verlästert
und dich als einen Narren verhöhnen wird, wenn du dein Leben für solche
Verbrecher hingibst. - Und wie wirst du sterben?‘ Und nun dreht er den
Leidensfilm vor dem hellsehenden Auge seines an allen Gliedern zitternden
Opfers: die Gefangennahme, die Flucht der Jünger, die Verleugnung des Petrus,
das blutdürstige Geheul jenes Volkes, das ihm noch vor wenigen Tagen das
Hosanna zugerufen, das Todesurteil, die Geißelung, die furchtbaren
Mißhandlungen, die Dornenkrönung, den Kreuzweg, die Kreuzigung alles in den
schauerlichsten Bildern, nur um ihn zu einem seelischen Zusammenbruch und zur
Verzweiflung zu bringen. Und gleichzeitig hämmerten die Geister der
Trostlosigkeit und der Verzweiflung die entsetzlichsten Gedanken in den Geist
dieses von allen Verlassenen. Seine Pulse rasten, sein ganzer Leib erzitterte
im höchsten Fieberschauer, das Herz drohte zu zerspringen. Todesangst befiel
ihn, und mit dem Angstschweiß wurden auch Blutstropfen durch die Poren
hindurchgepreßt und rannen zur Erde. Die Jünger schliefen, während sich das
Furchtbare bei ihrem Meister abspielte. Die Bilder der Leidensgeschichte
Jesu hat eure Bibel in wenigen Strichen gezeichnet, die euch das wirkliche
Erleben dessen nicht nahebringt, was an seelischen und körperlichen Martern
dem Erlöser bereitet worden ist. Auch sind manche der schlimmsten Qualen in
eurer Bibel überhaupt nicht erwähnt. So sind die entsetzlichen Stunden mit
Stillschweigen übergangen, die Jesus in den unterirdischen Kellern der Statthalterei
hat zubringen müssen. In diese nassen, von den abscheulichsten Tieren
wimmelnden dumpfen Verließe hatten die Soldaten Jesus nach seiner Geißelung,
Dornenkrönung und Verhöhnung geschleppt, nachdem sie vorher die zahllosen
tiefen Wunden des von den Geißelhieben zerfetzten Leibes voll Salz gestreut
und ihm die Hände gebunden hatten, damit er sich nicht durch Entfernung des
Salzes eine Linderung der unmenschlichen Qualen verschaffen konnte. Nie hat ein Mensch eine solche
Marter zu erdulden gehabt, wie dieser mensch-gewordene Gottessohn. Die Hölle
hat durch ihre irdischen Werkzeuge bei ihm das Äußerste versucht, weil sie
ihn als den größten Gegner erkannte, der auf die Erde kommen konnte. Aber
das, was sie ihm an leiblichen Schmerzen bereitete, kam dem nicht gleich, was
er an seelischen Leiden zu tragen hatte. Und zwar lasteten die körperlichen
und seelischen Qualen gleichzeitig auf ihm. Dazu fehlten ihm bis zum letzten
Augenblick jeder menschliche Trost und, was noch schlimmer war, auch jede
göttliche Hilfe. Gott zog seine stärkende Hand von ihm weg und überließ ihn
hilflos den Mächten der Hölle. Der Schrei des am Kreuze mit dem Tode
Ringenden: ‘Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?‘ verrät die
ganze Größe dessen, was er im Augenblick höchster irdischer Qual an tiefster
innerer Verlassenheit zu erdulden hatte. Satan sollte nicht sagen können, er
habe diesen Menschen deshalb nicht zu besiegen vermocht, weil ihm von anderer
Seite zu viel Hilfe zuteil geworden sei. Er sollte bekennen müssen, daß er
einen sich selbst überlassenen Menschen trotz der größten geistigen und
leiblichen Folterqualen, die er ihm bereitete, nicht zum Abfall von Gott
hatte bewegen können. Fehler in der Bibel in Bezug auf
die Kreuzigung Jesu Es ist unrichtig, wenn eure Bibel
berichtet, daß unter dem Kreuze die Mutter Jesu mit Johannes gestanden habe.
Auch dieser äußere Trost war ihm versagt. Von allen, die ihn am meisten
liebten, war keiner bei der Kreuzigung anwesend. Sie hätten den Anblick nicht
ertragen können. Oder wo wäre eine menschliche Mutter, die zusehen könnte,
wie ihr Kind ans Kreuz genagelt wird. Und dazu soll nach eurer Annahme Maria
unter dem Kreuze sogar gestanden haben. Wäre sie dort gewesen, so hätte sie
sicherlich nicht gestanden, sondern wäre ohnmächtig zusammengebrochen. Darum ist es auch unrichtig, daß
Jesus vom Kreuze herab zu seiner Mutter und zu Johannes die Worte gesprochen
haben soll: ‘Mutter, siehe deinen Sohn - Sohn, siehe deine Mutter!‘ - Wohl
hat er ähnliche Worte an seine Mutter und an Johannes gerichtet, als er nach
dem von Pilatus verkündeten Todesurteil aus der Statthalterei heraustrat und
seine Mutter und Johannes im tiefsten Seelenschmerz sich an ihn klammerten,
bis die Soldaten sie wieder von ihm wegrissen. Zur Gerichtssitzung waren Mutter
und Jünger gekommen. Die Mutter hatte immer noch auf einen günstigen Ausgang
gehofft. Sie mußte immer wieder an das Opfer Abrahams denken, dessen Sohn
Gott auch noch im letzten Augenblick, als schon das Schlachtmesser gezogen
war, vor dem Tode bewahrte. Auch bei euch bleibt keine Mutter von der
Gerichtssitzung fern, bei der es sich um Leben und Tod des Kindes handelt.
Aber auch keine Mutter geht mit auf den Richtplatz, um zu sehen, wie ihr Kind
hingerichtet wird. Der Anblick seiner vor Schmerz und Entsetzen taumelnden
Mutter schnitt Jesus tief in die Seele. Er wollte sie der Qual, das Leiden
ihres Sohnes mitanzusehen, nicht länger aussetzen. Darum bat er Johannes, sie
mit sich in sein Haus zu nehmen, bis alles vorüber sei, und er redete seiner
Mutter liebevoll zu, mit Johannes zu gehen und Gott um Stärke in dieser
schweren Stunde zu bitten. Denn was jetzt mit ihm geschehe, sei der Wille
seines himmlischen Vaters. Sie werde ihn nach drei Tagen wiedersehen. Johannes kam dem Wunsche des
Meisters nach und brachte diese mit tausend Schmerzensschwertern durchbohrte
Mutter, die sich nur mit äußerster Kraftanstrengung aufrecht halten konnte,
in seine Wohnung. Er nahm sie nicht von dieser Stunde an zu sich, wie eure
Übersetzung lautet, sondern er nahm sie aus dieser qualvollen Stunde heraus
mit sich in sein Haus. Dorthin kamen nach und nach alle Getreuen Jesu.
Später, als man annehmen konnte, daß die Kreuzigung vorüber sei, gingen
einige, darunter auch Maria Magdalena, an einen Platz, von wo aus sie die
Kreuzigungsstätte sehen konnten und berichteten nachher den Tod Jesu. Die Mutter Jesu blieb bei Johannes
nur so lange, als sie in Jerusalem weilte. Nachher ging sie wieder nach
Nazareth. Dort waren ja ihre anderen Kinder und dort hatte sie ihr Heim.
Selbstverständlich ging sie oft nach Jerusalem zu den Aposteln, solange diese
dort wohnten, besonders zu Johannes. Wie Christus während seines Lebens
durch die Kraft Gottes als Gottgesandter bestätigt wurde, so auch in seinem
Tode. Die Sonne verfinsterte sich drei Stunden lang. Es war keine natürliche
Finsternis, sondern eine durch Gottes Kraft bewirkte. Und in dem Augenblick,
wo Christus seinen Geist aufgab, zerriß der Vorhang des Tempels von oben bis
unten zum Zeichen, daß die Scheidewand zwischen dem Reiche Gottes und dem Reiche
Satans durch den Tod Jesu gefallen sei. - Die Erde erbebte und die Felsen
zersprangen. Aber was eure Bibel im Matthäus-Evangelium berichtet, daß
nämlich die Toten aus den Gräbern gekommen und vielen in Jerusalem erschienen
seien, ist eine Fälschung eines ursprünglich richtigen Textes. Dieser
lautete: ‘Da zerriß der Vorhang im Tempel von oben bis unten in zwei Stücke,
die Erde erbebte, die Felsen zersprangen, die Gräber wurden
auseinandergerissen und viele Leichen der Entschlafenen wurden herausgeschleudert.
Viele, die aus der Stadt herausgekommen waren, konnten die Leichen dort
liegen sehen.‘ In diesem richtigen Text wird also der ganz natürliche Vorgang
berichtet, daß durch die Erdstöße die in die Felsen gehauenen Grabkammern
auseinandergerissen und die Leichen an die Oberfläche geschleudert wurden. Da
nun viel Volk zu dem Schauspiel der Kreuzigung aus der Stadt herausgeströmt
war, konnten diejenigen, die an den auseinandergesprengten Grabstätten
vorbeikamen, die herausgeschleuderten Leichname dort liegen sehen. Hier hast du wieder eines von den
zahlreichen Beispielen, wie man in der Vergangenheit die Heiligen Urkunden
aus ganz bestimmten Absichten fälschte. Man hatte die falsche Lehre
aufgestellt, daß auch die irdischen Leiber der Menschen später wieder
auferstehen würden. Um für diese Lehre in der Bibel eine Beweisstelle zu
schaffen, hat man außer anderen Stellen auch diese Bibelstelle gefälscht,
indem man folgende Änderungen an dem richtigen Text vornahm: Anstatt der
Worte: ‘Die Leichen der Entschlafenen wurden herausgeschleudert‘ setzte man
die Worte: ‘Die Leiber der entschlafenen Heiligen wurden auferweckt. ‘ Das
Wort ‘Heilige‘ mußte man schon deshalb hinzufügen, weil man nicht sagen
durfte, daß auch die Leiber unheilig Verstorbener beim Tode Christi
auferweckt wurden. - Aber eine noch größere Schwierigkeit hatte man bei
dieser Fälschung zu überwinden. Es wäre nämlich nach der Lehre der Kirche
nicht möglich, daß Leiber von Verstorbenen auferstehen konnten, noch bevor
Christus auferstanden war. Denn Christus stand ja als erster von den Toten
auf Darum setzte man hinzu: ‘Sie kamen nach dessen Auferstehung in die
Heilige Stadt und erschienen vielen.‘ Die Fälscher haben sich dabei nicht
überlegt, daß vorher ausdrücklich gesagt war, daß die Leiber der Verstorbenen
schon am Karfreitag auferstanden sind, also drei Tage vor der Auferstehung
Christi. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie am Karfreitag oder am
Ostersonntag den Leuten in Jerusalem erschienen sein sollen. Und dann - wo
haben sich denn diese schon am Karfreitag angeblich auferstandenen Leiber
während der nächsten Tage aufgehalten? Und wo sind sie nach dem Ostersonntag
hingegangen? Sind sie wieder in die Gräber zurückgekehrt oder was ist aus
ihnen geworden? - Es ist merkwürdig, daß den drei anderen Evangelisten nichts
von dieser Auferstehung von Leibern der Toten am Karfreitag bekannt ist. Aber
auch Matthäus hat in Wirklichkeit nichts dergleichen berichtet, wie du aus
meinen Richtigstellungen ersiehst. Christi Abstieg in die Hölle und
sein Sieg Christus war tot. Sein Geist hatte
sich im irdischen Sterben von der materiellen Hülle getrennt. Als Mensch war
er allen Angriffen der Hölle gegenüber standhaft geblieben. Somit hatte er
den ersten und wichtigsten Teil seiner Messias-Aufgabe gelöst. Er war von der
Hölle nicht besiegt worden. Damit war er selbst aber noch nicht Sieger über
den Feind, dem er standgehalten hatte. Denn wenn zwei miteinander kämpfen und
der eine wehrt alle Angriffe des anderen ab, dann ist er damit noch nicht
Sieger. Um den Sieg zu erlangen, muß er den anderen angreifen und ihn
niederringen, so daß jener sich für besiegt erklärt. So war es auch bei Christus. Als
Mensch hatte er alle Angriffe seines gewaltigen Gegners abgeschlagen. Das war
alles, was er als Mensch tun konnte. Jetzt aber, wo er frei war vom irdischen
Körper, konnte er als Geist auch zum Angriff gegen seinen Feind, den Fürsten
der Finsternis, vorgehen. Er stieg hinab zur Hölle im Vertrauen auf die alles
überwindende Kraft Gottes, die er sich durch seine Standhaftigkeit in der
Gottestreue als Mensch verdient hatte. Gott sandte ihm nun die himmlischen
Heerscharen als Kampfgenossen. Es begann ein Ringen, das demjenigen ähnlich
war, das sich damals abspielte, als Luzifer mit seinem Anhang gegen die
himmlischen Legionen am Tage der großen Revolution im Geisterreiche Gottes
kämpfte. Der jetzige Kampf spielte sich im Reiche Satans ab. Es war sowohl
ein Einzelkampf zwischen Christus und Luzifer, als auch ein Massenkampf
zwischen den himmlischen Legionen und denen der Finsternis. Dieses gewaltige
Ringen pflanzte sich fort bis in die tiefsten Sphären der Hölle, wohin
Luzifer und sein Anhang zurückweichen mußte. Da, als die Niederlage der
Höllenmächte nicht mehr zweifelhaft war, traten auch viele von denen, die
bisher ihre Vasallen waren, aber ihren Abfall von Gott bereuten, auf die
Seite der himmlischen Heerscharen und kämpften mit diesen zusammen gegen ihre
bisherigen Unterdrücker. Und die Zahl der Überläufer wuchs von Sekunde zu
Sekunde. Als Luzifer sah, daß alles verloren
war, flehte er um Schonung. Er, der einst bei der Versuchung in der Wüste dem
Gottessohne die Reiche der Welt angeboten hatte, stand jetzt bebend vor
demjenigen, dem er damals den Glauben an die Gottessohnschaft rauben wollte.
Jetzt zitterte er bei dem Gedanken, dieser Jesus von Nazareth werde ihm die
ganze Herrschaft entziehen, und es sei jetzt der Augenblick gekommen, wo er
mit seinem Anhang in die Tiefe der Finsternis eingeschlossen würde. Denn die
Weissagung war ihm bekannt, wonach eine Zeit kommen werde, da er als Fürst
des Totenreiches mit seinen Höllenmächten in die Tiefe geschleudert, zur
vollständigen Ohnmacht verdammt und der Herrschaft über die gefallenen
Geschöpfe Gottes beraubt würde. Christus eröffnete ihm jedoch, daß
ihm seine Herrscherrechte nicht ganz entzogen, sondern bloß auf die
beschränkt würden, die ihm der Gesinnung nach angehörten. Aber die, welche
aus seinem Reiche zu Gott zurückwollten, müsse er freigeben. Er dürfe sie
nicht mehr als seine Untertanen betrachten. Wohl stehe es ihm frei, sie durch
Betörung und Verführung an sich zu fesseln, aber nicht mehr mit Gewalt wie
bisher. Satan willigte ein - mußte
einwilligen. Er hatte viel härtere Bedingungen erwartet. Die Urkunde seiner
Herrscherrechte, die ihm Gott einst ausgestellt, wurde so geändert, wie
Christus als Sieger es wollte. Und Gott, in dessen Namen der Sieger die
Abmachungen mit Luzifer traf, ist der gerechte und allmächtige Hüter, der die
genaue Einhaltung dieses Friedensvertrages garantiert. Seiner Macht ist ja
alles unterworfen. Auch die Hölle. Seinen Befehlen müssen auch die gehorchen,
die ihm feindlich gegenüberstehen. Damit war das große Rettungswerk
der Erlösung zum Abschluß gebracht. Der Erlösungsplan Gottes hatte in seinen
wesentlichen Teilen die Verwirklichung gefunden. Die zwischen dem Reiche der
Finsternis und dem Reiche Gottes gähnende Kluft war überbrückt. Jeder, der
von jetzt an aus der Fremdenlegion Satans nach der alten Heimat Gottes
zurückkehren wollte, konnte über diese Brücke gehen. Kein Wächter des
Höllenreiches durfte ihm das Überschreiten der Grenzen verwehren. Umjubelt
von seinem Geisterheer, zog Christus aus der Residenz Satans hinauf in die
Sphäre des einstigen Paradieses. Und die Cherubinen, die seither die
Paradiesessphäre bewacht hatten, senkten ihre flammenden Schwerter zum
Willkommensgruß vor Christus, ihrem König und Herrn und seinem siegreichen
Geisterheer. Hier im Paradies blieben sie bis zu dem Tage, wo Christus an
ihrer Spitze in die Himmelsgefilde einzog. Doch während dieser Zeit waren,
weder Christus noch seine Geisterschar untätig. Es galt, schon von hier aus
der ganzen Schöpfung Gottes den Sieg des Erlösers zu verkünden und alle, die
guten Willens waren, zur Heimkehr zu mahnen. Besonders die ungeheure Zahl der
in den unteren Geistersphären leidenden Geister wurden aufgesucht, belehrt,
ermuntert, getröstet und angespornt, sich nun aufzuraffen, um den von
Christus eröffneten Weg zum Vaterhaus zu betreten. Christus selbst leitete
die Belehrung dieser zahllosen Geschwister, damit schon jetzt möglichst viele
den Heimweg fänden. Darauf weist Petrus in seinem Brief mit den Worten hin: ‘Als
Geist ist Christus hin gegangen und hat den Geistern im Gefängnis die
Botschaft gebracht, solchen, die einst ungehorsam gewesen, als Gottes Langmut
geduldig zuwartete in den Tagen Noahs, während die Arche hergestellt wurde‘
(1.Petrus3,19-20). Christus erschien in menschlicher
Materialisation denen, die ihm als Menschen am nächsten gestanden und viel
Leid mit ihm und um ihn getragen hatten: Seiner Mutter, seinen Aposteln und
Freunden. Da kam der Tag, an dem Christus zu
der im Paradies seiner harrenden Geisterschar aufstieg, nachdem er sich von
seinen irdischen Freunden verabschiedet und ihnen seine Aufträge erteilt
hatte. Es war der Tag seiner Himmelfahrt. Als Sieger zog er an der Spitze
eines großen Geisterheeres in das Reich Gottes ein. Der Rückweg der Erlösten zu Gott Nach der großen Erlösungstat
Christi bleibt es nunmehr den von Gott abgefallenen Geschöpfen überlassen, ob
sie von der Erlösung Gebrauch machen wollen. Die Gefangenenlager Satans sind
durch den Sieg Christi geöffnet. Die Gefangenen können nach ihrer Heimat
gehen. Ob sie es tun oder nicht, das hängt von ihnen selbst ab. Christus hat
die Brücke zur Heimat gebaut. Aber der Freie Wille des einzelnen muß die
Heimkehr bewerkstelligen. Er darf die Mühen nicht scheuen, die mit
Zurücklegung des Heimweges verbunden sind. Was haben es sich eure Gefangenen
im Weltkrieg nach Friedensschluß kosten lassen, um zur Heimat zu gelangen!
Aus den fernsten Steppen Sibiriens wanderten sie mit blutenden Füßen Woche um
Woche, um die Grenzen ihres Vaterlandes zu erreichen. So müssen auch die Gefangenen
Satans sich aufmachen, um den Weg zu finden, der zur Heimat Gottes führt.
Christus steht ihnen in den Strapazen der Heimkehr durch seine Geisterwelt
hilfreich zur Seite. Seine Boten zeigen ihnen den Weg, stärken, ermuntern,
trösten sie, richten sie immer wieder auf, wenn die Heimkehrenden auf dem Weg
ermatten und straucheln. Nur dürfen sie nicht wieder umkehren in die
Knechtschaft des Feindes durch Abfall von Gott, sonst dauert es um so länger,
bis sie von neuem zu dem Entschluß kommen: ‘Ich will mich aufmachen und zu
meinem Vater gehen!‘ Doch für jeden wird einmal der Tag kommen, wo er seinen
Hunger nach Glück und Frieden nicht mehr an den Trögen des Bösen stillen
kann, und er wird endgültig den Heimweg antreten. Die einen brauchen zu diesem Weg
nur ein einziges Menschenleben. Andere quälen sich Hunderte, wieder andere
Tausende von Jahren fern von Gott auf der Suche nach dem Golde des Glückes in
den Falschmünzerstätten der Finsternis, von den Irrlichtern Satans aus der
einen Irre in die andere gelockt. Es ist ihre eigene Schuld, daß sie öfters
von neuem Mensch werden müssen und so spät den Weg des Lichtes finden, gebaut
von der Liebe Gottes und seines Sohnes, des großen Retters der gefallenen
Schöpfung. _______ *
_______ Sehet
zu, daß euch niemand gefangennehme durch die sogenannte Wissenschaft, sowie
durch die törichten und irreführenden Lehren, die
sich auf menschliche Überlieferungen stützen und von den bösen, die
Welt beherrschenden Geistermächten herrühren, aber
mit der Lehre Christi nichts gemein haben. (Kolosser 2,8) Die Geisterwelt Gottes als Quelle
der Wahrheit In der ersten spiritistischen
Sitzung, die ich mitmachte, hatte ich an den durch das Medium sprechenden
Geist die Frage gestellt: Wie kommt es, daß die Lehre Christi auf das heutige
Christentum keinen Einfluß mehr auszuüben scheint? - Es wurde mir
geantwortet, daß wir heute die Lehre Christi nicht mehr in ihrer
ursprünglichen Reinheit und Klarheit besäßen, sondern daß sich im Laufe der
Zeit viele menschliche Irrtümer in das Christentum eingeschlichen hätten.
Später wurde mir darüber eine eingehende Belehrung zuteil, in der die wirkliche
Lehre Christi in Vergleich gestellt wurde mit den Glaubensbekenntnissen der
heutigen christlichen Kirchen, besonders mit dem der katholischen Religion,
deren Priester ich war. Diese Belehrung lautete: Wo ist das
Wasser eines Baches am reinsten und klarsten? An der Quelle oder an der
Mündung? - Sicherlich an der Quelle. Fließt jedoch das Quellwasser als
Bächlein weiter, dann verliert es seine Frische, verliert auch seine Reinheit
und Klarheit. Trübe Wässerlein von rechts und links vermischen sich mit ihm in
seinem Lauf. Die Abwässer menschlicher Behausungen nimmt es in sich auf, den
Schmutz von Menschen und Tieren und menschlichen Betrieben. Und wer dann
seinen Durst daran stillen will, dem ist es keine Erquickung mehr. Nur mit
Widerwillen trinkt er es in der äußersten Not, wo ihm kein Quellwasser zur
Vertilgung steht. So geht es auch mit der Wahrheit.
Aus der Quelle geschöpft, ist sie für den Menschengeist ein erfrischender,
stärkender Trank, der neues Leben spendet. Aber aus dem Bach geschöpft, der
schon eine weite Strecke durch die Niederung menschlicher Irrtümer und
irdischer Leidenschaften hindurchgeflossen ist, hat sie ihre Reinheit und
Frische verloren. Von den Beimischungen der Unwahrheit und des Irrtums hat
sie einen üblen Geschmack bekommen. Von dem durstigen Wahrheitssucher wird
sie nur mit innerem Widerstreben getrunken. Er schöpft nur dann aus diesem
trüben Bach, wenn ihm das Quellwasser der Wahrheit versagt bleibt. Auch die Lehre Christi hatte das
Schicksal des Quellwassers, das als Bächlein durch irdische Behausungen
fließt. Auch sie wurde bei ihrem Lauf durch die Menschheit verunreinigt. Das
Böse im Menschen und die ihn umgebenden bösen Mächte haben die reine Lehre
Christi so getrübt und ungenießbar gemacht, daß sie ihre lebenspendende Kraft
verloren hat. Die Quelle der Wahrheit ist Gott.
Zu dieser Quelle kann der Mensch als irdisches Wesen nicht hinaufsteigen. Er
ist auf die Wasserträger der Wahrheit angewiesen, die aus jener Quelle
schöpfen. Es sind die Geisterboten Gottes. Nur sie haben Zutritt zu dieser
Quelle. Nur sie besitzen die reinen Gefäße, in denen sie die Wahrheit frisch
und ungetrübt der Menschheit überbringen können. Der erste und größte Vermittler der
Wahrheit war Christus als Geist in den Zeiten vor seiner Menschwerdung. Er
war es, der teils selbst, teils durch die ihm unterstellte Geisterwelt der
ersten Menschheit den Trunk der Wahrheit reichte. Daher der rege
Geisterverkehr bei der ermatteten und kranken Welt des Alten Bundes. Daher
das Auf- und Absteigen der Geister der Wahrheit im Anfang des Neuen Bundes,
die immer wieder das Wasser der Wahrheit aus der Gottesquelle schöpften und
es im Auftrage Christi den wahrheitsdurstigen Menschenseelen spendeten. Es
ist daher eine grundlegende Lehre des wahren Christentums, daß nicht Menschen
aus sich Wahrheitskünder sein können. Menschen können dabei nur als Werkzeuge
der Geisterwelt Gottes dienen. Auch Christus konnte als Mensch von sich aus
nicht zu der Quelle der Wahrheit emporsteigen. Als Mensch wußte er von der
Wahrheit aus sich nicht mehr, als die anderen Menschen. Sein Wissen aus der
Zeit, wo er als erstgeschaffener Geist bei Gott weilte, war durch seine
Menschwerdung infolge seiner Einhüllung in den materiellen Leib ebenso
erloschen, wie es bei allen anderen Menschen erloschen ist, obschon auch sie
einst als Geister Gottes beim Vater weilten. Die Eigenschaft der Materie, die
Rückerinnerung an das frühere Dasein auszutilgen, wirkte bei dem
menschgewordenen Christus in derselben Weise, wie bei jedem anderen Geist,
der als Mensch verkörpert wird. Daher war auch Christus nach seiner
Menschwerdung auf die Geisterboten angewiesen, die ihm der Vater sandte. Das
bestätigte er mit den Worten: ‘Ihr werdet die Boten Gottes über dem
Menschensohn auf- und absteigen sehen‘ (Joh.1,51). Er war nur ein Gesandter Gottes und
hatte in diesem Punkte vor den bisherigen Gottgesandten nichts voraus. Denn
auch diese waren von den Geistern Gottes belehrt worden. Ein Henoch, ein
Abraham, ein Mose, alle Propheten des Alten Bundes haben nicht von sich aus
geredet. Von allen gilt das Wort des Petrus: ‘Von einem heiligen Geiste
geleitet haben diese Männer von Gott aus geredet.‘ Ein Geist Gottes gab ihnen
ein, was sie reden sollten. Christus selbst weist immer wieder
darauf hin, daß er nicht aus sich rede, sondern nur das ausspreche, was er
von seinem Vater gehört habe. Der Vater gab ihm die notwendigen Belehrungen
durch seine Geisterboten, die beständig über dem Menschensohn auf- und
abstiegen. ‘Ihr werdet erkennen, daß ich nichts von mir selbst tue,
sondern so rede, wie mein Vater mich gelehrt hat‘ (Joh.8, 28). - ‘Was ich von
ihm gehört habe, rede ich zu der Welt‘ (Joh.8,26). Aus derselben Quelle der Wahrheit,
aus der Christus schöpfte, sollten alle diejenigen immer von neuem schöpfen,
die seine Lehre weitertrugen. Also zunächst seine Apostel. Sie sollten das
von Christus Vernommene nicht einfach nach eigener Auffassung weitergeben.
Denn bei Menschen schleichen sich leicht Mißverständnisse ein, wenn sie das
wiedergeben sollen, was ein anderer gesagt hat. Wenn Hundert dasselbe
vortragen hören, so wird jeder dieser Hundert nachher bei der Wiedergabe des
Gehörten in diesem oder jenem Punkte etwas anderes vorbringen, als der
Vortragende gesagt oder gemeint hat. Darum sollten auch die Apostel über das,
was sie aus der menschlichen Rede Christi vernommen hatten, von den Geistern
der Wahrheit von neuem unterrichtet werden, damit sich ja kein Irrtum infolge
falscher Auffassung einschleichen könne. Sie sollten durch Gottes Geister
sowohl eine Bestätigung der von Christus vorgetragenen Lehre erhalten, als
auch in neue Wahrheiten eingeführt werden, die ihnen Christus hatte
vorenthalten müssen, weil sie entweder nach dem Heilsplan Gottes vor dem
Erlösungstod noch nicht verkündigt werden durften, oder weil die Apostel für
diese Wahrheiten noch nicht reif waren und sie daher nicht verstanden hätten. Die Richtigkeit dieser Darlegungen
findest du in den Worten Christi selbst bestätigt: ‘Ich will den Vater
bitten, daß er euch einen anderen Beistand senden möge, damit er für immer
bei euch bleibe, die Geisterwelt der Wahrheit‘ (Joh.14,16). - ‘Ich hätte euch
noch viel zu sagen, doch ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jene
Geisterwelt der Wahrheit gekommen ist, dann wird sie euch in die ganze
Wahrheit einführen‘ (Joh.16,12-13). - ‘Der Beistand aber, die heilige
Geisterwelt, die der Vater in meinem Namen senden wird, sie wird euch über
alles Weitere belehren und euch an alles das erinnern, was ich euch gesagt
habe‘ (Joh.14,26). Nach diesen Worten hatten also die
Geister der Wahrheit eine doppelte Aufgabe. Zunächst sollten sie die
Gläubigen an das erinnern, was Christus als Mensch sie gelehrt hatte. Sie
sollten es als Wahrheit bestätigen. Dann aber hatten sie die von Christus
begonnene Belehrung fortzusetzen und ihnen auch die Wahrheiten zu verkünden,
die Christus aus den vorhin angeführten Gründen absichtlich übergangen hatte.
Ferner sollten die Geister Gottes für immer bei ihnen bleiben. Denn die
Gefahr des Irrtums war wegen der Macht des Bösen und der menschlichen
Schwäche eine beständige. Es sollten also die später Lebenden nicht auf die
religiösen Überlieferungen ihrer Vorfahren angewiesen sein. Denn solche
menschlichen Überlieferungen boten ihnen keine Gewähr für die Wahrheit. Sie
hätten daraus nicht erkennen können, was davon aus der Wahrheitsquelle Gottes
und was aus menschlichem Irrtum stammte. So kamen denn gemäß der Verheißung
Christi nach seinem irdischen Tode beständig die Boten Gottes als Geister der
Wahrheit. Auf sie berufen sich stets die Apostel, wenn sie von den Menschen
Glauben für ihre Lehre fordern. Besonders bei Paulus findet ihr immer wieder
den Hinweis auf diese Wahrheitsboten. ‘Meine Rede und meine Predigt
erfolgte nicht mit eindrucksvollen Weisheitsworten, sondern mit Erweis eines
Geistes Gottes und der Kraft Gottes. Denn euer Glaube sollte nicht auf
Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft gegründet sein Uns aber hat Gott
dies durch seinen Geist geoffenbart ... Wir haben nicht einen Geist der Welt
empfangen, sondern einen Geist, der von Gott stammt. Wir reden nicht mit
Worten, wie menschliche Weisheit sie lehrt, sondern mit solchen, wie ein
Geist Gottes sie lehrt, indem wir geistgewirkten Inhalt mit geistgewirkter
Sprache verbinden. Ein weltlich gesinnter Mensch nimmt freilich nichts an,
was von einem Geiste Gottes kommt. Es gilt ihm als Torheit. Er ist nicht
imstande, es zu verstehen, weil es geistig beurteilt werden muß‘
(1.Kor.2,4-14,). - ‘Ihr seid ein Brief Christi, der von uns als seinen
Dienern angefertigt ist, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit einem Geist
des lebendigen Gottes‘ (2.Kor.3,3). - ‘ich weise euch daraufhin, liebe
Brüder, daß die von mir verkündete Lehre nicht Menschenwerk ist. Ich habe sie
ja auch von keinem Menschen empfangen und durch keinen Unterricht gelernt, sondern
durch eine Offenbarung Jesu Christi‘ (Gal. 1,11-12). Aber nicht nur die Apostel
empfingen ihre Lehre von Geistern Gottes, sondern auch die ‘Medien‘, die
allenthalben in den Gemeinden angetroffen wurden. Man nannte sie, wie du
weißt, ‘Propheten‘. Paulus schreibt, daß die Geheimnisse Christi jetzt ‘seinen
heiligen Aposteln und Propheten durch einen Geist Gottes geoffenbart worden
sind ‘(Eph.3,5). Durch diese Medien als Werkzeuge
der guten Geister konnten die Gläubigen jederzeit Gewißheit erlangen, ob eine
Lehre richtig und wie sie aufzufassen sei. Darum schreibt Paulus an die
Philipper: ‘Wenn ihr über irgend etwas anderer Meinung seid, so wird Gott
euch darüber Klarheit geben‘ (Phil.3,15). Sie konnten Gott in ihren
gottesdienstlichen Versammlungen befragen und erhielten die Antwort durch die
Geister Gottes, die durch die Medien sprachen. Petrus sagt sowohl von den früheren
Propheten, als auch von denjenigen, die zu seiner Zeit die Heilsbotschaft
verkündigten, daß sie ‘in der Kraft eines vom Himmel gesandten heiligen
Geistes gepredigt haben‘ (1.Petrus 1,12,) und fügt in einem anderen Brief
hinzu: ‘Denn noch niemals ist eine Weissagung durch menschlichen Willen
zustandegekommen, sondern von einem heiligen Geiste geleitet, haben die
Menschen von Gott geredet‘ (2.Petrus1,21). Das in der Bibel so oft gebrauchte
Wort ‘Weissagung‘ bedeutet nicht, wie ihr meint, das Vorhersagen eines
zukünftigen Ereignisses, sondern jedes Sprechen eines Geistes Gottes durch
ein menschliches Medium. Im Alten Bunde fordert Gott die
Menschen auf, bei ihm die Wahrheit zu suchen: ‘Fragt mich!‘ - und er gab sie
ihnen durch seine Geisterboten. Christus empfing als Mensch nach seinem
eigenen Geständnis die Wahrheit von Geistern Gottes. Er verspricht seinen
Aposteln die Einführung in alle Wahrheit durch Geister der Wahrheit. Die
Apostel bezeugen, daß diese Verheißung Christi bei ihnen in Erfüllung
gegangen ist, daß sie also ihre Lehre von Gottes Geistern empfangen haben. Und woher schöpft das heutige
Christentum die Wahrheit? Können die christlichen Prediger der verschiedenen
Religionsgemeinschaften auch von sich sagen, ein Geist Gottes rede aus ihnen?
Können sie mit Paulus bekennen, sie hätten ihre Lehre nicht von Menschen
empfangen und nicht durch menschlichen Unterricht erworben, sondern durch
eine Offenbarung Christi? - Nein, das können sie nicht. Sie sind Angestellte
ihrer Kirchen. Die Religion dieser Kirchen haben sie in einem menschlichen
Unterricht erlernt, in Schulen, Seminaren, Universitäten. Menschenweisheit,
Professorenweisheit mit allen ihren Irrtümern haben sie in sich aufgenommen
und predigen sie ihren Gläubigen. Von Geistern als Boten Gottes und
Kündern der Wahrheit wissen sie nichts. Es gilt ihnen, wie Paulus sagt, als
Torheit, daß auch heute noch eine Lehre von einem Geiste Gottes kommen
sollte. Das ist nach ihrer Ansicht in den jetzigen Zeiten nicht mehr
erforderlich. Das war, wie sie meinen, wohl früher nötig, als die Menschheit
angeblich noch viel unwissender war, als in eurem aufgeklärten Zeitalter. Ein Mann wie Mose muß sich noch mit
dem Geisterreich Gottes in Verbindung setzen und ‘Gott befragen‘, um die
Wahrheit zu erfahren. Die großen Propheten mußten es, Christus mußte es, so
wie die Apostel. Aber heute gilt das alles als veraltet, als überlebt. Ihr
seid ja in euren Wissenschaften so weit fortgeschritten, ihr könnt alle lesen
und schreiben und habt Millionen Bücher. Aus ihnen schöpft ihr. Und dazu habt
ihr ja so viele gelehrte Theologen, Doktoren und Professoren. Diese müssen
doch wohl wissen, was Wahrheit ist. In Wirklichkeit haben gerade diese
Doktoren und Professoren der ‘heiligen Theologie‘ jene Lehren eingeführt, vor
denen Paulus mit den Worten warnt: ‘Sehet zu, daß euch niemand
gefangennehme durch die Wissenschaft und eitle Täuschung, die sich auf
menschliche Überlieferung, auf die Geistermächte der Welt gründet, aber mit
der Lehre Christi nichts zu tun hat‘ (Kol.2,8). - ‘Sie möchten als
Gelehrte angesehen werden; aber sie besitzen nicht das geringste Verständnis
für die Bedeutung der von ihnen gebrauchten Ausdrücke noch für die Dinge
selbst, über die sie so zuversichtliche Behauptungen aufstellen‘ (1.Tim.1,7).
- ‘Das sind die Leute, die Parteiungen verursachen, bloße Sinnesmenschen,
die einen heiligen Geist nicht erhalten haben‘ (Jud. 19). Menschliche Irrtümer in den Lehren
der christlichen Kirchen Die Geisterwelt Gottes ist in den
christlichen Kirchen schon seit langem ausgeschaltet. Die Leiter der Kirchen
haben den heiligen Geist ausgelöscht. Wo aber die Geister Gottes haben
weichen müssen, da stellen sich andere Geistermächte ein, von denen Paulus an
Timotheus schreibt: ‘Der Geist aber sagt ausdrücklich, daß in späteren Zeiten
manche vom rechten Glauben abfallen werden, indem sie sich irreführenden
Geistern und Lehren zuwenden, die von den Dämonen stammen‘ (1.Tim.4,1). Anstelle der Geister des Guten
wurden die Mächte des Bösen wirksam. Diese haben ja das größte Interesse
daran, die Wahrheit zu verdunkeln und in ihr Gegenteil zu verkehren. Sie
benutzen alle Schwächen der Menschen dazu, um zu ihrem Ziele zu kommen. Menschliche
Eitelkeit und irdischen Gelehrtenstolz, menschlichen Hunger nach Macht, Ehre,
Geld und Wohlleben. Das alles dient ihnen dazu, die Wahrheiten der Weisheit,
der Liebe und des Erbarmens Gottes zu verfälschen und daraus Fesseln zu
schmieden, mit denen die Leiter der Kirchen das arme, unerfahrene Volk ketten
und sich dienstbar machen. Die Wurzel alles Bösen ist die
Habsucht - die Liebe zum Geld. Auch in euren christlichen Kirchen spielt das
Geld eine große Rolle. Satan hat gewußt, was er tat, als er das Geld als
Lockmittel auch in die Religionen hineinwarf. Er wußte, daß er damit die
geistlichen Führer am festesten an den Irrtum binden konnte. Er wußte, daß
keiner von ihnen so leicht seine gutbezahlte Lebensstellung als
Religionsdiener einer Kirche aufgeben werde, selbst wenn er das Irrige der
von ihm gepredigten Lehre einmal einsehen sollte. So drangen denn seit der Zeit, wo
man auf die Verbindung mit der Geisterwelt Gottes als den einzigen Weg zur
Wahrheit verzichtete, die mannigfachsten und folgenschwersten Irrtümer in das
Christentum ein. Von Jahrhundert zu Jahrhundert wurde es schlimmer. Eine
Wahrheit nach der anderen wurde vom Irrtum verseucht und ungenießbar gemacht. Und was war die Folge? Heute steht
ihr vor einem hundertfältig gespaltenen Christentum, vor zahllosen
Religionsgemeinschaften, die alle etwas anderes als Wahrheit verkünden und
von denen jede ihr Glaubensbekenntnis als die wahre Lehre Christi ausgibt.
Und da wundert ihr euch, daß ein so verfälschtes und zerrissenes Christentum
keinen Einfluß mehr auf die Menschheit ausübt? Gebt dem Volk das Christentum
der ersten Christen wieder! Nehmt die geistigen Lasten von seinen Schultern,
die ihr durch eure Menschensatzungen aus Herrschsucht darauf gelegt habt, und
setzt die Menschheit wieder in Verbindung mit den Wahrheitsboten Gottes - und
ihr werdet staunen, welche Wirkung das echte Christentum auch auf die heutige
Menschheit auszuüben imstande ist. Es gibt kein unfehlbares Papsttum Die katholische Kirche sucht die
Zersplitterung in so viele christliche ‘Sekten‘, wie sie es nennt, damit zu
erklären, daß alle anderen christlichen Gemeinschaften von ihr als der allein
wahren und seligmachenden Kirche abgewichen seien. Aber ich werde dir zeigen,
daß auch die katholische Kirche von dem Christentum Christi und der Apostel
fast nichts mehr besitzt. Sie hat es allerdings verstanden,
für die im ersten Christentum wirkenden Geister Gottes einen menschlichen
Ersatz zu schaffen. Sie führte ein ‘unfehlbares Papsttum‘ ein. Das war die
einfachste Lösung der Wahrheitsfrage. Nun war Christus der Mühe enthoben, die
Geister der Wahrheit zu den irrenden Menschen zu senden, wie er es verheißen
hatte. Auch brauchte er sein Versprechen, daß er selbst bei seinen Gläubigen
alle Tage bis zum Ende der Welt bleiben werde, nicht mehr zu erfüllen. Denn
es war ja ein ‘Stellvertreter Christi‘ auf Erden. Wo ein Stellvertreter ist,
braucht der nicht zu erscheinen, der vertreten wird. Durch die Lehre von einem
unfehlbaren Stellvertreter Christi auf Erden wurde die Vermittlung der göttlichen
Wahrheiten ganz in die Hände irrender und sündiger Menschen gelegt unter
Ausschluß der Wahrheitsboten Gottes. So war der menschlichen Willkür und
irdischen Machtgelüsten Tür und Tor geöffnet. Zwar erklärt ihr, daß auch bei der
Papstwahl der ‘Heilige Geist‘ mitwirke. Aber ihr könnt keinen einzigen Fall
angeben, in dem ein Papst durch einen Geist Gottes für sein Amt bestimmt
worden wäre. Oder hat je ein Geist Gottes bei den Papstwahlen durch einen der
Wähler als Werkzeug Gottes angegeben, wer Papst werden solle, wie es die
Geister Gottes in den ersten christlichen Gemeinden durch die Medien taten,
wenn einer als Ältester oder als Bischof bestellt werden sollte? Schaue dir in der Geschichte des
Papsttums die Vorgänge bei den Papstwahlen an. Ging es dabei oft nicht recht
teuflisch zu? Hat man nicht sogar Waffengewalt angewendet, um Anhängern und
Günstlingen gewisser Familien die Tiara aufs Haupt zu setzen? War nicht eine
Reihe von Päpsten in ihrem Tun und in ihrer ganzen Lebensführung eher ein
Werkzeug der Hölle, als ein ‘Stellvertreter Christi‘? Doch, um diesen Einwand zu
beseitigen, seid ihr auf eine merkwürdige Erklärung verfallen. Ihr
unterscheidet zwischen dem Papst als Mensch und dem Papst als ‘Stellvertreter
Christi‘. Ihr behauptet, daß auch der schlechteste Mensch, sobald er Papst
sei, Christi Stelle vertrete und die Gabe der Unfehlbarkeit besitze. Also ein
Werkzeug Satans und gleichzeitig Christi Stellvertreter! Ist das nicht die
größte Lästerung, die ihr Christus und Gott zufügen könnt? Würde irgend ein
Mensch seinen größten Feind auch nur für eine Stunde zu seinem Stellvertreter
machen? Gewiß nicht. Und Gott und Christus sollten das tun? Gott sollte die
hohen Gaben seiner Heilsordnung einem Diener der Hölle anvertrauen? Euer gesunder Menschenverstand muß
euch sagen, daß dies unmöglich ist. Die Geister Gottes kommen mit ihren Gaben
nur zu dem gottestreuen Menschen und verbleiben nur so lange bei ihm, als
seine Treue währt. Das siehst du in der Geschichte des Königs Saul. Solange
dieser begnadete König Gott gehorsam war, stand er täglich mit der
Geisterwelt Gottes in Verbindung und konnte ‘Gott befragen‘, wenn er in
irgend einem Punkte nicht die Wahrheit erkannte, und er erhielt stets die
Antwort Gottes durch die Geister der Wahrheit. Als er aber Gott die Treue
brach, hörte in demselben Augenblicke der Verkehr mit der Geisterwelt Gottes
auf. Auf seine Fragen, die er an Gott richtete, erhielt er keine Antwort
mehr. Anstatt der Geisterboten Gottes nahmen die bösen Geister von ihm
Besitz. Alle hohen Gaben waren ihm genommen. Ein schlechter Mensch kann nie und
nimmer Träger heiliger Gaben Gottes sein - auch kein schlechter Papst. Also
besaßen wenigstens die schlechten Päpste niemals die Gabe der Unfehlbarkeit.
Da ihr aber bei keinem Papste, wie überhaupt bei keinem Menschen, die
Gewißheit habt, ob er innerlich ein Freund oder Feind Gottes ist, so könnt
ihr auch niemals wissen, ob die Lehre eines Papstes Wahrheit oder Irrtum ist. Also nur Gott wählt sich die
Menschen aus, zu denen er die Geister der Wahrheit sendet. Nicht menschliche
Wahl kann einen Menschen zum Träger der Wahrheiten Gottes machen. Nicht
einmal Christus wählte sich seine Apostel nach seinem eigenen Gutdünken aus.
Denn die Apostelgeschichte sagt euch ausdrücklich, daß er sie ‘kraft eines
heiligen Geistes ‘ erwählt habe (Apg.1,2). Daraus folgt, daß Gott erst recht
nicht an ein menschliches Amt, wie es das Papsttum ist, die Gabe der
Unfehlbarkeit knüpfen kann. Ganz irrig sind daher auch die Auslegungen, die
ihr manchen Stellen des Neuen Testamentes gebt, um die Lehre von dem
unfehlbaren Papsttum zu beweisen. Ihr weist auf die Worte Christi an
Petrus hin: ‘Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche
bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Auch will ich
dir die Schlüssel des Himmelreiches geben; und was du auf der Erde bindest,
das wird auch im Himmel gebunden sein; und was du auf der Erde lösest, das
wird auch im Himmel gelöst sein‘ (Matth.16,18-19). Aus diesen Worten schließt ihr, daß
Petrus als Mensch das Fundament der Kirche Christi gewesen sei; daß er als
Leiter dieser Kirche in der Verkündigung der Wahrheit nicht irren könne und
daß er die Binde- und Lösegewalt über die Glieder der Kirche empfangen habe.
Nun sei das Amt des Petrus auf seine Nachfolger übergegangen. Diese
Nachfolger aber seien die römischen Päpste. Infolgedessen hätten auch sie
dieselben Gaben und Gewalten, die ein Petrus besaß. Dies alles sind große Trugschlüsse.
Nicht der Mensch Petrus wurde von Christus als der Fels bezeichnet, auf dem
er seine Kirche bauen wolle. Nur dem Glauben des Petrus gab er diese
Verheißung. Der Petrusglaube an Christus als den von Gott gesandten Messias
ist das Dauernde, Unvergängliche und von der Hölle nicht zu Überwältigende -
nicht die Person des Petrus. Diesen Petrus hatte die Hölle schon
bald nachher überwältigt, als er Christus unter einem Eidschwur dreimal
verleugnete. Gerade Petrus zeigt, wie wenig Gott auf einen Menschen sich
verlassen und daß er auf Menschen keine Heilsordnung aufbauen kann. Das hieße
auf Sand bauen. Nur eines ist unwandelbar: Die Wahrheit und der Glaube an die
von Gottes Geistern übermittelte Wahrheit. Auch Petrus hatte die Wahrheit, daß
Christus der Messias sei, von Boten Gottes empfangen. Denn Christus sagte zu
ihm: ‘Nicht Fleisch und Blut hat dir das geoffenbart, sondern mein Vater im
Himmel.‘ Und weil Petrus diese Wahrheit von Geistern Gottes empfangen hatte,
glaubte er sie. Mit diesem Glauben stand er auf unerschütterlichem Felsgrund.
Denn die Geisterwelt Gottes lügt nicht. Und jeder andere, der so tut, wie
Petrus getan, steht auf demselben Felsen, auf dem Petrus mit seinem Glauben
stand. Wer die Wahrheit Gottes aus der
Hand der Wahrheitsboten Gottes entgegenzunehmen und daran zu glauben bereit ist,
gehört zur Kirche Christi. Sie ist daher eine geistige Kirche. Sie kennt
keine äußere Zugehörigkeit in der Form der Mitgliedschaft einer irdischen
Kirchenorganisation. Sie kennt keine Priester und Bischöfe mit den
Machtvollkommenheiten, wie sie die Geistlichkeit der katholischen Kirche für
sich in Anspruch nimmt. Sie kennt keinen unfehlbaren Papst. Christus hat
keinen Stellvertreter auf Erden. Zur Kirche Christi gehören Menschen aus
allen Religionen der Welt. Diese geistige Kirche Christi kann
nie vom Bösen überwunden werden. Denn sie ist die Quelle der Wahrheit, und
die Wahrheit ist unüberwindlich. Ihre Wahrheitsboten sind nicht Menschen,
nicht Päpste, Bischöfe und Priester - sondern die Geister Gottes. Die ‘Schlüssel des Himmelreiches‘,
die Christus dem Petrus wegen seines Glaubens zu übergeben versprach, sind
die Wahrheiten Gottes. Mit ihnen sollte er binden und lösen, indem er die
Schlüssel der Wahrheit an die im Irrtum Befangenen weiterreichte. Wer die
Schlüssel nicht annahm, in dem er sich durch Unglauben der Wahrheit
widersetzte, wurde noch fester an seinen Irrtum gebunden. Wer jedoch willig
nach dem dargereichten Schlüssel griff, dessen Fesseln des Irrtums wurden
gelöst. Das Gebunden- und Gelöstwerden
hatte seine Wirkung sowohl für das irdische, als besonders für das jenseitige
Leben. Dasselbe Bild von den ‘Schlüsseln des Himmelreiches‘ wendet Christus
bei den geistlichen Führern des damaligen jüdischen Volkes an. Diese hatten
durch ihre falsche Lehre dem Volke den verkehrten Schlüssel gegeben, mit dem
man die Tür des Reiches Gottes nicht öffnen konnte. Und den richtigen
Schlüssel, den ein Johannes der Täufer und Christus selbst ihm anbot und den
das Volk auch anzunehmen bereit war, riß die jüdische Geistlichkeit ihm aus
der Hand. Darum rief Christus aus: ‘Wehe euch, Schriftgelehrten und
Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr schließt das Himmelreich vor den Menschen zu.
Ihr selbst geht ja nicht hinein; aber ihr laßt auch die nicht hinein, die
hineingehen möchten‘ (Matth.23,13). Die Worte: ‘Weide meine Lämmer,
weide meine Schafe!‘, die Christus nach seiner Auferstehung an Petrus
richtete, deutet ihr ebenfalls als eine Bevorzugung des Petrus. Doch mit
Unrecht. Petrus hatte seinen Meister unter Eidschwüren dreimal öffentlich
verleugnet. Nach menschlichem Ermessen mußte man annehmen, daß Christus den
ungetreuen Jünger entlassen und ihm das Apostelamt entziehen würde. Auch
Petrus selbst war überzeugt, daß der Meister ihn verstoßen werde gemäß seinen
eigenen Worten: ‘Wer mich vor den Menschen verleugnet, den werde ich auch
vor meinem himmlischen Vater verleugnen.‘ (Matth.10,33) - Ihr Menschen
würdet es jedenfalls unter ähnlichen Umständen getan haben. - Aber Christus
hatte Erbarmen mit dem reuigen Petrus. Er stellte ihn wieder den übrigen
Aposteln gleich und übertrug auch ihm das Hirtenamt. Auch er sollte gleich
seinen bisherigen Mitaposteln, trotz der begangenen Untreue, seine
Mitmenschen auf die Weide der Wahrheit führen. Seine dreimalige Frage:
‘Petrus, liebst du mich?‘ sollte den tiefgefallenen Petrus an die dreimalige
Verleugnung erinnern und ihm zum Bewußtsein bringen, wie groß die Güte Gottes
gegen ihn war, die trotz allem Vorgefallenen ihn doch als Verkünder des
Reiches Gottes und als Werkzeug der Geister Gottes beibehalten wollte. Du siehst, wie irrig die Auslegungen
der angeführten Bibelstellen durch deine bisherige Kirche sind und daß sie
daraus keinen Beweis für eine bevorzugte Stellung des Petrus und die
Unfehlbarkeit des römischen Papstes ableiten kann. Die Hölle hat diese Kirche
längst überwunden, und das Böse ist auch die Urheberin der
Unfehlbarkeitslehre. Denn da die meisten Lehren dieser Kirche große Irrtümer
sind, ist die Hölle bemüht, jene Irrtümer in der Menschheit möglichst lange
zu erhalten. Das erreicht sie am besten mit dem Machtmittel der Unfehlbarkeit.
Die Kirche kann ja die Irrtümer nicht mehr rückgängig machen, weil sie
dieselben unter dem Siegel der Unfehlbarkeit lehrt. Sie aufzugeben hieße sich
selbst vernichten. In eurer Papstlehre häuft sich Unwahrheit auf Unwahrheit. So ist es auch eine geschichtliche
Unwahrheit, daß der römische Bischof ein direkter Nachfolger des Petrus im
Apostelamt sei. Denn die Bischöfe der ersten Christengemeinden wurden weder
von einem Apostel, noch durch eine menschliche Wahl für ihr Amt bestimmt,
sondern nur durch die sich kundgebenden Geister Gottes. Und wenn in einzelnen
Fällen ein Apostel oder Apostelschüler einen als Bischof in sein Amt
einführte, so tat er es erst dann, wenn ein Geist Gottes jenen als Bischof
bestimmt hatte. Außerdem hatte ja kein Bischof vor
einem anderen einen Vorzug und kein Apostel eine höhere Gewalt, als seine
Mitapostel. ‘Mir ist es gleichgültig‘ ‚ sagt Paulus, ‘wie groß das Ansehen
der Apostel war. Denn Gott nimmt auf das Ansehen eines Menschen keine
Rücksicht‘ (Gal.2,6). - Und an derselben Stelle schildert er, wie er einmal
dem Apostel Petrus mit aller Schärfe entgegen getreten sei und ihm vor der
ganzen Gemeinde vorgehalten habe, daß er nicht in Übereinstimmung mit der
Wahrheit des Evangeliums wandle. Wenn es genügt hätte, daß Gott dem
Apostel Petrus als dem ersten unfehlbaren Papst die Heilswahrheiten
offenbarte, dann brauchten die Geister Gottes erst recht nicht zu den ersten
Christengemeinden zu kommen. Sie besaßen ja dann in Petrus eine unfehlbare
Quelle der Wahrheit. Und warum wurde denn Paulus nicht zu Petrus geschickt,
um von ihm die Wahrheit zu empfangen? Er war doch in seiner nächsten Nähe.
Warum wurde er anstatt dessen gemäß seinen eigenen Worten von Christus selbst
belehrt? Die Einzelwahrheiten der Lehre
Christi möchte ich dir nun in ihren Hauptzügen vor Augen führen. Ich will sie
dabei in Vergleich stellen mit den Lehren des heutigen Christentums, vor
allem mit den Lehren, die du bisher als Priester der katholischen Kirche
gepredigt hast. So erfülle ich einen von dir längst gehegten Wunsch. Damit
ist dann auch jede andere, von der wahren Lehre Christi abweichende Lehre der
übrigen christlichen Kirchen als irrig dargetan. Es gibt keinen dreipersönlichen
Gott Christus lehrte einen
einpersönlichen Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Er kennt keinen
Gott in drei Personen, wie es die katholische Kirche und andere christliche
Kirchen lehren. Nur der Vater ist Gott. Kein
anderer ist ihm gleich, weder der Sohn, noch das, was ihr ‘Heiliger Geist‘
nennt. Nach seiner Auferstehung sagte
Christus: ‘Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und
eurem Gott‘ (Joh.20,17). Nach den Worten Christi steht der
Vater über allem. ‘Mein Vater, der die
Schafe mir gegeben hat, ist größer als alles, und niemand vermag sie der Hand
des Vaters zu entreißen‘ (Joh.10,29,). Wenn der Vater größer als alles
ist, dann gibt es nichts, was ihm gleichkommt. Dann ist er auch größer als
der Sohn. Das bestätigt Christus mit den Worten: ‘Der Vater ist größer als
ich‘ (Joh.14,28). - Auch nennt er den Vater den allein Guten. Wenn einer
Jesus mit ‘guter Meister‘ anredete, pflegte er zu sagen: ‘Warum nennst du
mich gut? Niemand ist gut, als Gott allein‘ (Luk.18,19). Weil Gott über allem steht, darum
kann er auch Macht geben, wem er will. Alle Macht hat er dem Sohne verliehen. ‘Du hast dem Sohn die Macht über alles
Fleisch verliehen, damit er allem, was du ihm gegeben hast, ewiges Leben
verleihe‘ (Joh.17,2). Daß Christus nicht Gott ist, habe ich dir in
ausführlicher Weise an Hand der Heiligen Schrift dargetan, als ich dich über
sein Leben und sein Werk belehrte. Auch nach der Lehre der Apostel ist bloß
der Vater Gott und nicht der Sohn. Denn Paulus schreibt: ‘Wir wissen, daß
es keinen anderen Gott gibt als den einen. Denn mag es auch sogenannte
Götter, sei es im Himmel, sei es auf Erden, geben - es gibt ja viele solcher
Götter und viele Herren -‚ so gibt es für uns Christen doch nur einen Gott,
den Vater, von dem alle Dinge sind und für den wir geschaffen sind.
‘(1.Kor.8,4-6). Ferner nennt Paulus den Vater ‘den
Gott Christi‘. ‘Der Gott unseres Herrn Jesus Christus wolle euch einen Geist
der Weisheit geben‘ (Eph.1,17). - Nach ihm wird die Erscheinung Jesu Christi
herbeigeführt ‘durch den allein Gewaltigen, der allein Unsterblichkeit besitzt,
der da wohnt in unzugänglichem Lichte‘ (1.Tim.6,15-16). Wenn der Vater allein
Unsterblichkeit besitzt, dann besitzt sie der Sohn nicht. Wenn der Vater der
allein Gewaltige ist, dann ist es nicht der Sohn. Dann besitzt der Sohn aus
sich keine Allmacht. Also ist der Sohn nicht Gott, sondern er ist das, als
was er sich selbst bezeichnet und als was ihn die Apostel einstimmig ausgeben
- er ist der ‘Sohn Gottes‘, geringer als der Vater, ein Geschöpf des Vaters. Die ganze Bibel, sowohl des Alten
als auch des Neuen Testamentes, kennt nur einen Gott in einer Person. Der
Vater ist Gott und zwar der alleinige Gott. Keiner der Söhne Gottes, weder
der Erstgeborene noch die anderen Söhne Gottes, sind Gott. Weil ihr Christus zum Gott macht,
habt ihr die unüberwindlichen Schwierigkeiten, die Persönlichkeit, das Leben,
Leiden und Sterben Jesu zu verstehen. Es hindert euch, seine so klare Lehre
über seine Stellung zum Vater als das zu nehmen, was sie in Wirklichkeit ist:
Nämlich als die Stellung eines Geschöpfes Gottes, wenn auch des höchsten
Geschöpfes, zu seinem Schöpfer. Zu welch törichten Erfindungen müssen doch
eure Theologen ihre Zuflucht nehmen, um die unleugbaren Tatsachen im Leben
Jesu und seine eigenen Worte in Einklang zu bringen mit seiner angeblichen
Gottheit. Sie konstruieren sich die Person Jesu in der Weise zusammen, daß
sie sagen, in dem Menschen Christus seien zwei Geister gewesen: Der göttliche
Geist und ein menschlicher Geist. Daher habe Christus zweierlei Willen und
zweierlei Wissen gehabt: Einen göttlichen und einen menschlichen Willen, ein
göttliches und ein menschliches Wissen. Trotzdem seien die beiden Geister nur
eine Persönlichkeit. - Das alles sind Wahngebilde. Jeder Geist ist eine
selbständige Persönlichkeit, und selbst Gott kann nicht zwei Geister zu einer
Persönlichkeit verschmelzen, wie er auch nicht zwei Menschen zu einem
Menschen verschmelzen kann. Er kann es trotz seiner Allmacht nicht, weil es
in sich ein Widerspruch ist, daß zwei gleich eins sein soll. Euer gesunder Menschenverstand muß
euch sagen, daß Christus, wenn er Gott gewesen wäre, am Kreuze nicht hätte
ausrufen können: ‘Mein Gott, warum hast du mich verlassen?‘ Gott kann sich
doch nicht selbst verlassen. Und wenn es in der Heiligen Schrift heißt, durch
die Kraft des Vaters sei Christus von den Toten erweckt worden, weshalb war
denn die Kraft des Vaters dazu nötig, wenn Christus selbst Gott war? Nach
seinem irdischen Tode hatte er doch alles Menschliche abgelegt und war nur
noch Gott und als solcher dem Vater in allem gleich, wie ihr lehrt. Er hatte
also dieselbe Kraft wie der Vater. Warum denn die Kraft von einem anderen
benötigen, wenn man sie selbst besitzt? Das sind doch unlösliche
Widersprüche. Wie könnt ihr es ferner erklären,
daß Christus nicht ein einziges Mal sagt: ‘Ich bin Gott - dem Vater in allem
gleich.‘ Er hat doch an zahllosen Stellen über sein Verhältnis zu Gott
gesprochen, und er sollte nicht ein einziges Mal die Wahrheit gesagt haben,
nämlich daß er selbst Gott sei. Aber er nennt sich bloß den ‘Sohn Gottes‘ und
beteuert, daß er in allem vom Vater abhängig sei. Er erklärt feierlich: ‘Darin
besteht das ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren Gott, erkennen und
den du gesandt hast, Jesus Christus.‘ Er ist nur der Gesandte Gottes -
aber nicht Gott. Paulus nennt ihn den ‘Erstling der Schöpfung‘. Er ist also
von Gott geschaffen und somit ein Geschöpf Gottes und ebensowenig Gott, wie
alle anderen Geschöpfe Gott sind. Weil man keinen Anhaltspunkt für
die falsche Lehre, daß Christus Gott sei, im Neuen Testament finden konnte,
verlegte man sich auf das Mittel der Fälschung mehrerer Bibelstellen, um so
Beweisstellen für die Gottheit Christi zu schaffen. Einige davon will ich dir
anführen. Im Briefe an die Römer schreibt Paulus: ‘Gern wollte ich selbst
aus der Gemeinschaft mit Christus ausgestoßen sein, wenn ich dadurch meine
Brüder, meine Stammesverwandten nach dem Fleische retten könnte: Sie sind ja
Israeliten, denen die Annahme zum Gottesvolk und die Herrlichkeit, die
Bündnisse und die Gesetzgebung, der Gottesdienst und die Verheißungen zuteil
geworden sind, denen die Erzväter angehören und aus deren Mitte der Messias
leiblich hervorgegangen ist. Der über allem waltende Gott sei dafür gepriesen
in Ewigkeit Amen. ‘(Röm.9,3-5) Aus innigem Dank dafür, daß der
Messias als Mensch aus demselben Volke hervorgegangen ist, dem er selbst
angehört, spricht hier Paulus einen Lobpreis Gottes aus, wie er das öfters in
seinen Briefen tut. Nun hat man diese Stelle zu einer Fälschung benutzt,
indem man übersetzte: ‘... aus deren Mitte der Messias leiblich
hervorgegangen ist, der da ist der über allem waltende Gott, gepriesen in
Ewigkeit. Durch diese Fälschung hat man den
Messias zum Gott gestempelt. Eine ähnliche Fälschung nahm man vor bei
folgender Stelle in dem Brief des Paulus an Titus: ‘Dabei sollen wir auf
unser seliges Hoffnungsgut und auf die Erscheinung der Herrlichkeit unseres
großen Gottes und auf die unseres Heilandes Christus Jesus warten.
‘(Tit.2,13) Hier spricht Paulus von der
Herrlichkeit des großen Gottes, zu der zu gelangen das Ziel der ganzen
materiellen Schöpfung ist und von der Herrlichkeit unseres Heilandes Christus
Jesus, durch die wir in die Herrlichkeit Gottes eingeführt werden nach den
Worten Christi: ‘Niemand kommt zum Vater außer durch mich.‘ Paulus unterscheidet
also hier die Herrlichkeit des Vaters von der Herrlichkeit Christi. Diese
Stelle hat man nun in die falsche Fassung gebracht: ‘Dabei sollen wir auf
unser seliges Hoffnungsgut und auf die Erscheinung unseres großen Gottes und
Heilandes Christus Jesus warten.‘ Durch diese Übersetzung soll bei dem Leser
der Eindruck erweckt werden, als sei Christus der große Gott, auf dessen
Herrlichkeit wir warten sollen. Solche Fälschungen werden freilich
demjenigen sofort zum Bewußtsein kommen, der mit den Briefen des Apostels
Paulus vertraut ist. Denn er weiß, wie scharf dieser Apostel in allen seinen
Schreiben die Person Christi von der Person Gottes unterscheidet; wie er den
Vater den ‘Gott Christi‘ nennt und Christus bloß als den vom Vater bestimmten
‘Herrn‘ bezeichnet; wie er lehrt, daß Gott alle Feinde dem Sohn unterwerfen
werde, und zwar als letzten Feind den Todesfürsten Luzifer selbst; daß aber
dann der Sohn auch sich selbst dem unterwerfen werde, der ihm alles
unterworfen habe, damit Gott alles in allen sei‘ (1.Kor.15,27-28). - Sein
Gruß lautet stets: ‘Gnade sei mit euch und Frieden von Gott, unserem Vater
und vom Herrn Jesus Christus. ‘ Er sagt nie: ‘Und von Gott dem Sohn.‘ Wenn daher aus irgendeiner Stelle
eurer jetzigen Bibel etwas anderes herausgelesen wird als die Wahrheit, daß
nur der Vater Gott ist, dann ist entweder die Übersetzung in eure Sprachen
falsch oder es liegt schon eine Fälschung des griechischen Textes vor, aus
dem eure Übersetzungen angefertigt sind. Manchmal liegt sowohl eine Fälschung
des griechischen Textes, als auch eine falsche Übersetzung in eure Sprache
bei ein und derselben Stelle vor. Eine solche hast du im Briefe des
Paulus an die Philipper, die nach eurer heutigen Übersetzung lautet: ‘Ein
jeglicher sei gesinnt, wie Jesus Christus es war. Obwohl dieser in göttlicher
Gestalt war, hielt er es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern
entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an‘ (Phil.2,5-6). Der richtige Text lautet: ‘Dieselbe
Gesinnung sei in euch allen, wie sie in Christus Jesus war; denn wiewohl er
in seiner äußeren Gestalt wie ein Gott aussah, hat er es doch nicht als eine
Selbstberaubung angesehen, sich vor Gott zu demütigen, sondern er hat sich
entäußert und die äußere Gestalt eines Sklaven angenommen.‘ Daß Christus in
der Gestaltung seines himmlischen Leibes als Geist wie ein Gott aussah, ist
die Wahrheit, und alle Geister, die ihn zum erstenmal sehen, meinen Gott zu
sehen - so herrlich hat Gott seinen Erstgeborenen ausgestattet. Die grobe
Fälschung in diesem Text besteht darin, daß anstatt der Worte: ‘... sich vor
Gott zu demütigen‘ die Worte eingeschoben wurden: ‘Gott gleich zu sein. Da soeben der Ausdruck gebraucht
wurde: ‘Wie ein Gott aussehen‘, so möchte ich hier die Stelle aus dem Anfang
des Johannes-Evangeliums anschließen, die ihr ebenfalls als Beweis für die
Gottheit Christi anführt: ‘Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott
und Gott war das Wort. Zunächst heißt es nicht: Gott war
das Wort, sondern ‘ein Gott‘ war das Wort. Hier gebraucht Johannes die Bezeichnung
‘ein Gott‘, wie sie im Sprachgebrauch der damaligen Zeit für diejenigen
angewandt wurde, die besondere Werkzeuge Gottes waren und als Gesandte Gottes
mit dem allein wahren Gott in besonderer Verbindung standen. Denselben
Sprachgebrauch wandte einst Gott bei Mose, dem großen Gottgesandten und
Vorbild Christi an, indem er zu Mose sagte: ‘Aaron soll für dich zum Volke
reden; er soll dein Mund sein - und du sollst sein ‘Gott‘ sein‘ (2.Mose4,16). Dasselbe bestätigt Christus den
Juden gegenüber, die ihm vorwarfen, er mache sich Gott gleich, weil er sich
als ‘Sohn Gottes‘ bezeichnete. Er fragte sie: ‘Steht nicht in eurem Gesetz
geschrieben: Ich habe gesagt: ihr seid Götter? Wenn nun die Schrift die
Männer, an die ein Auftrag Gottes erging, ‘Götter‘ genannt hat, wie könnt ihr
da mir, den der Vater geweiht und in die Welt gesandt hat, Gotteslästerung
vorwerfen, weil ich gesagt habe: Ich bin Gottes Sohn?‘ Christus sagt also in diesen
Worten: ‘Wie könnt ihr behaupten, ich mache mich Gott gleich, indem ich mich
als Sohn Gottes ausgebe? Selbst wenn ich mich ‘einen Gott‘ genannt hätte,
wäre dies keine Gotteslästerung. Denn diejenigen, die bisher als Gesandte
Gottes auftraten, wurden ‘Götter‘ genannt, weil sie Aufträge Gottes zu
verkünden hatten. Um wieviel mehr könnte ich mich daher ‘einen Gott‘ nennen,
da mir die höchste Aufgabe übertragen ist, die je einem Gesandten Gottes
zuteil wurde. Aber ich vermeide absichtlich die Bezeichnung ‘Gott‘, um keine
falsche Deutung dieses Wortes zu veranlassen und nenne mich den ‘Sohn
Gottes‘, der ich auch in Wirklichkeit bin.‘ Ebenso schreibt Paulus: ‘mag es
auch sogenannte ‘Götter‘ sei es im Himmel, sei es auf Erden, geben - es gibt
ja viele solcher Götter und viele Herren - so gibt es doch für uns Christen
nur einen Gott, den Vater ... und nur einen Herrn, Jesus Christus‘
(1.Kor.8,5-6). Paulus möchte also den Ausdruck
‘Gott‘ bei den Christen nicht mehr in dem uneigentlichen Sinn gebraucht
wissen, in dem er bisher auch auf Geschöpfe Gottes angewandt wurde, sondern
sie sollen die Bezeichnung ‘Gott‘ nur dann gebrauchen, wenn sie den einen
wahren Gott, ‘den Vater‘ damit meinen und niemand als ‘Herrn‘ bezeichnen
außer Jesus Christus. Also auch Jesus Christus durften sie nicht als ‘Gott‘
bezeichnen. Eine andere Fälschung findet sich im
Briefe des Johannes. Die Stelle lautet in der richtigen Fassung: ‘Wir wissen,
daß der Sohn Gottes gekommen ist und uns Einsicht verliehen hat, um den
Wahrhaftigen zu erkennen. Und wir stehen in der Gemeinschaft mit dem
Wahrhaftigen, indem wir in Gemeinschaft mit seinem Sohne sind. Dieser ist
wahrhaftig und ewiges Leben.‘ (1.Joh.5,20). Hier hat man außer anderen Fehlern
vor allem das Wort ‘Gott‘ im letzten Satz hinzugefügt, so daß dieser lautet:
‘Dieser ist der wahrhaftige Gott und ewiges Leben. Johannes lehrt hier dasselbe, was
Christus und die Apostel an so vielen Stellen ausgesprochen haben, nämlich:
Gott ist der Wahrhaftige. Aber auch der Sohn ist wahrhaftig. Denn er spricht
die Worte Gottes. Er lehrt ja bloß das, was der Vater ihm aufgetragen hat. Er
ist also in allem, was er verkündigt, ebenso wahrhaftig wie der Vater selbst.
Diejenigen, die daher in der Gemeinschaft mit dem Sohne stehen, sind dadurch
auch in der Gemeinschaft mit dem wahrhaftigen Gott. Und da Gott seinem Sohn
ewiges Leben verliehen hat, so ist der Sohn für alle, die in Gemeinschaft mit
ihm sind, ebenfalls ewiges Leben. Als Hauptbeweisstelle für die
Lehre, daß in Gott drei Personen seien, die zusammen nur einen Gott ausmachen
sollen, dient jene große Fälschung im Briefe des Apostels Johannes, deren
richtiger Text lautet: ‘So sind es also drei, die Zeugnis ablegen: Der
Geist, das Wasser und das Blut., und diese drei stimmen in ihrem Zeugnis
überein‘ (1.Joh.5,7-8). Die Fälscher haben hier den Satz
hinzugefügt: ‘Und drei sind im Himmel, die Zeugnis geben: Der Vater, das Wort
und der Geist, und diese drei sind eins.‘ Daß dieser ganze letzte Satz eine
erfundene Einschiebung ist, wissen auch eure katholischen Theologen. Trotzdem
ist sie immer noch in den katholischen Bibelausgaben enthalten, während
andere christliche Kirchen sie daraus entfernt haben. Außer dieser Fälschung habt ihr im
ganzen Neuen Testament auch nicht einmal einen scheinbaren Anhaltspunkt für
die Lehre, daß das, was ihr ‘Heiliger Geist‘ nennt, gleicher Gott mit dem
Vater sein soll. Was das Neue Testament mit ‘Heiliger Geist‘ bezeichnet,
bedeutet die Gesamtheit der guten Geisterwelt. Gott ist ein heiliger Geist.
Er ist der höchste und heiligste aller Geister. Der Sohn Gottes ist ein
heiliger Geist. Er ist der höchste und heiligste der geschaffenen Geister.
Die hohen Himmelsfürsten, ein Michael, ein Gabriel, ein Raphael und viele
andere sind heilige Geister. Alle Heerscharen Gottes sind heilige Geister.
Auch Luzifer war vor seinem Abfall ein heiliger Geist. Alle Menschen und die
ganze materielle Schöpfung waren einmal heilige Geister. Das große Mißverständnis, das durch
die Bezeichnung ‘der Heilige Geist‘ hervorgerufen wurde, rührt von den
falschen Übersetzungen des griechischen Textes des Neuen Testamentes her. Wo
dort ‘ein‘ heiliger Geist zu lesen ist, haben eure Übersetzer unbegreiflicher
Weise ‘der‘ Heilige Geist geschrieben. Man muß sich deshalb darüber wundern,
weil die Übersetzer doch Männer waren, welche die griechische Sprache
beherrschten und genau wußten, wie streng gerade diese Sprache im Gebrauch
des bestimmten und des unbestimmten Geschlechtswortes ist. Du hast ja früher während deiner
Studien die griechische Sprache gelernt, in der das Neue Testament euch
abschriftlich überliefert ist. Soviel wirst du von dieser Sprache wohl noch
verstehen, daß du an Hand des griechischen Neuen Testamentes meine Behauptung
nachprüfen kannst. Ich will nur einige Stellen aus der
überaus großen Anzahl herausgreifen. Ich nehme das Evangelium des Matthäus.
Da heißt es gleich in den ersten Kapiteln von Maria, daß sie von ‘einem‘
heiligen Geist guter Hoffnung war, nicht von ‘dem‘ Heiligen Geist. Und einige
Zeilen weiter: Das von ihr zu erwartende Kind stammt von ‘einem‘ heiligen
Geist - nicht von ‘dem‘ Heiligen Geist, als ob es bloß einen einzigen
heiligen Geist gäbe. Wenn du das Evangelium des Lukas nachschlägst, so wirst
du dasselbe finden. Auch hier heißt es: ‘Ein‘ heiliger Geist wird auf dich
kommen und die Kraft ‘eines‘ sehr Hohen wird dich überschauen - und nicht,
wie eure Übersetzung lautet: ‘Der‘ Heilige Geist wird über dich kommen und
die Kraft ‘des Allerhöchsten‘ dich überschatten . Es war nicht der
Allerhöchste, der sie überschattete, sondern einer von den höchsten Geistern
Gottes. Ebenso heißt es schon vorher von der Geburt des Johannes: Mit ‘einem‘
heiligen Geist wird er von Geburt an erfüllt sein. Und nachher von Elisabeth:
Sie wurde mit ‘einem‘ heiligen Geist erfüllt. Ebenso bei Zacharias: Er wurde
mit ‘einem‘ heiligen Geist erfüllt. Christus sagt: ‘Wenn ich aber die
bösen Geister durch ‘einen‘ Geist Gottes austreibe ... ‘(Matth.12,28). Und
Johannes, der Täufer erklärt: ‘Der nach mir kommt, wird euch mit ‘einem‘
heiligen Geist taufen‘ (Mark.1,8). Die Apostelgeschichte sagt in den
ersten Zeilen von Jesus, daß er sich die Apostelkraft ‘eines‘ heiligen
Geistes erwählt hat und schildert, wie am Pfingstfest ‘ein‘ heiliger Geist
auf jeden der Anwesenden kam und sie erfüllt wurden von ‘einem‘ heiligen
Geist. Bei der Erklärung des 12. und 14.
Kapitels des 1. Korintherbriefes habe ich dich bereits auf diesen
verhängnisvollen Übersetzungsfehler aufmerksam gemacht, durch den in euch die
Meinung erweckt wird, es gäbe bloß einen einzigen heiligen Geist, und dieser
sei eine göttliche Person, eines Wesens mit dem Vater, wie ja auch deine
bisherige Kirche lehrt. An allen Stellen, an denen der griechische Text ‘ein‘
heiliger Geist oder ‘ein‘ Geist sagt, haben eure Übersetzer ‘der‘ Heilige
Geist oder ‘der‘ Geist geschrieben. Wenn es in den griechischen
Bibelurkunden ‘ein‘ Geist heißt, dann ist einer von vielen gemeint. Ihr
begeht daher einen sinnentstellenden Fehler, wenn ihr ‘der‘ Heilige Geist
dafür setzt. Es gibt in jenen Urkunden allerdings auch Stellen, in denen es
‘der‘ Heilige Geist oder ‘der‘ Geist heißt. In diesen Stellen bedeutet es
entweder den Geist im Gegensatz zur Materie, wie in dem Satz: ‘Der Geist ist
willig, aber das Fleisch ist schwach‘‚ oder es bedeutet den Geist Gottes,
also Gott selbst oder eine bestimmte Art von Geistern, wie: Der Geist des
Lichtes, der Geist der Finsternis, der Geist der Wahrheit, des Trostes. Damit soll nicht gesagt werden, daß
es bloß einen einzigen Geist des Lichtes, der Finsternis, der Wahrheit, des
Trostes, der Stärke gibt. Hier steht die Einzahl anstelle der Mehrzahl. Es
ist dieselbe Ausdrucksweise, wie ihr sie auch in den heutigen Sprachen habt.
Auch ihr sagt zu dem Kranken: ‘Ich will dir ‘den‘ Arzt holen. ‘ Ihr wollt
damit gewiß nicht zum Ausdruck bringen, daß es bloß einen einzigen Arzt gäbe.
So sagt ihr auch: ‘Der‘ Bauersmann hatte dieses Jahr eine gute Ernte und
meint damit den ganzen Bauernstand. So wendet ihr die Bezeichnung: ‘Der‘
Handwerker, ‘der‘ Jurist, ‘der‘ Künstler, ‘der‘ Theologe an, wenn ihr alle
Handwerker, Juristen, Künstler, Theologen meint. Wenn also Christus sagt: ‘Ich werde
euch ‘den‘ Geist der Wahrheit senden, so meint er ‘die‘ Geister der Wahrheit.
Denn du weißt bereits, daß die Geister Gottes gemäß ihren Aufgaben nach
Berufen eingeteilt sind. Es gibt Geister des Schutzes, Geister des Kampfes,
Geister des Trostes, Geister der Stärke, Geister der Weisheit und zahllose
andere Arten. Ein Geist der Wahrheit hat ganz
andere Aufgaben und daher auch andere Fähigkeiten als ein Geist aus den
Legionen Michaels. Ein Geist des Kampfheeres kann nicht die Aufgabe eines
Geistes des Trostes oder der Weisheit oder der Wahrheit übernehmen. Jeder
Geist hat seinen bestimmten Beruf und die zur Ausübung dieses Berufes
erforderlichen Gaben und Kräfte. Auch Luzifer hat seine
Geisterscharen nach besonderen Aufgaben gegliedert. Auch er hat sein
Kampfheer, seine Geister der Lüge, der Trostlosigkeit, der Habsucht, des
Stolzes, des Neides, der Rache, der Unzucht und jeder anderen Schlechtigkeit. Die einzelnen Arten sowohl der
guten als auch der bösen Geister sind Spezialisten in ihrem Fach und wissen
die, an denen sie arbeiten, für das Gute oder das Schlechte ihres
Spezialfaches reif zu machen. Du siehst, wie die Lehre von dem
dreipersönlichen Gott nicht nur dem gesunden Denken widerspricht, sondern
auch in der Heiligen Schrift keinerlei Stütze hat. Wenn nun auch nur der Vater
Gott ist, während der Sohn und die übrigen Geister seine Geschöpfe sind, so
besteht doch zwischen Vater, Sohn und der guten Geisterwelt eine innige
Zusammengehörigkeit und Einheit. Es ist die Einheit des Wollens und Wirkens.
Was der Vater will, das will auch der Sohn und das wollen auch die dem Sohne
unterstellten Geisterscharen. Gott ist der Herr und Eigentümer der ganzen
geistigen und materiellen Schöpfung. Ihm gehört alles. Dem Sohn hat er die
Leitung der Schöpfung übertragen in ähnlicher Weise, wie nicht selten eure
irdischen Fabrikherren dem ältesten Sohne die Leitung der Fabrik übertragen
und ihm das gesamte Fabrikpersonal unterstellen, in einem solchen Falle
empfängt der betreffende Sohn die Anweisungen und Aufträge von seinem Vater
und ist von ihm in allem abhängig. Denn der Vater ist und bleibt der Herr und
Eigentümer der Fabrik und der Sohn kann in der Leitung des gesamten Betriebes
nur nach den Anweisungen handeln, die er von seinem Vater erhalten hat. Aber
den Angestellten und Arbeitern des Betriebes gegenüber ist der Sohn der
‘Herr‘, dessen Anordnungen sie Folge zu leisten haben. Und alle Wünsche, die
sie dem Vater als dem Fabrikeigentümer vortragen möchten, haben sie durch den
Sohn als den Beauftragten und Stellvertreter des Fabrikeigentümers an diesen
gelangen zu lassen. Übertrage dieses menschliche
Beispiel auf das Verhältnis zwischen Gott und dem Sohne Gottes, und alle
Aussprüche Christi über seine Stellung zu Gott, seinem Vater, werden dir
klarwerden. Alle Macht, deren der Sohn als Stellvertreter des Vaters zur
Leitung der Schöpfung Gottes bedarf, hat er vom Vater erhalten. Er hat sie
nicht aus sich. Alles ist dem Sohne unterstellt, aber nur auf Anordnung des
Vaters. Alles, was der Vater in der Schöpfung als seinem Eigentum wirken
will, wirkt er durch den von ihm dazu beauftragten Sohn, und alles, was zu
dem Vater gelangen soll, kann nur durch den Sohn zu ihm kommen. Daher der
Ausspruch Christi: ‘Niemand kommt zum Vater, außer durch mich.‘ Der Sohn nimmt die Aufträge Gottes
entgegen. Die er nicht selbst auszuführen hat, gibt er an diejenigen Geister
weiter, die kraft ihres besonderen Berufes dafür in Frage kommen. Diese
vollziehen sie im direkten Auftrage des Sohnes und im indirekten Auftrage des
Vaters. Das ist auch der Sinn der Worte, die Christus bei der Aussendung der
Apostel gebrauchte und die in eurer Bibel nicht ganz genau wiedergegeben
sind. Er sagte: ‘Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen
des Vaters und des Sohnes, in einem heiligen Geiste‘ (Matth.28,19). Den Auftrag, den Christus den
Aposteln gab, hatte er vom Vater erhalten. Darum handelten die Apostel bei
der Ausführung des Auftrages indirekt im Namen des Vaters. Da sie ihn aber
direkt durch den Sohn erhalten hatten, geschah die Ausführung im Namen des
Sohnes. Weil die Ausführung aber nur möglich war, wenn ein Geist Gottes ihnen
durch seine Kraft dabei half, so geschah sie in der Kraft eines heiligen
Geistes oder ‘in einem heiligen Geiste‘. Die heiligen Geister, die sie dabei
benötigten, wurden ihnen von Christus selbst zugewiesen. Auf sie berufen sich
daher auch immer wieder die Apostel bei ihrer Lehrverkündigung und betonen,
daß sie die Wahrheiten empfangen hätten durch Zuteilung eines heiligen
Geistes. So ist es auch bei allen euren
gottgewollten Werken. Ihr tut sie in Erfüllung des Willens Gottes - also im
Namen des Vaters: Der Wille Gottes ist kundgetan durch den Sohn, so daß ihr
auch handelt im Namen des Sohnes, und die Kraft, die ihr dazu benötigt,
empfangt ihr durch einen heiligen Geist. Ihr tut also das Werk in einem
heiligen Geiste. Über die Schöpfung Gottes und ihr
Schicksal enthält das Neue Testament nicht viel. Die Wahrheiten über die
Geisterschöpfung, den Abfall eines Teiles der Geisterwelt unter der Führung
Luzifers, über die von Gott geschaffenen Besserungsstufen, auf denen die
abgefallenen Geister wieder zu Gott zurückgeführt werden, über die Einhüllung
der Geister in die Materie, waren für die damaligen Zeiten ebenso schwer
verständlich, wie sie es für eure jetzige Zeit sind. Auch in den Briefen der Apostel
findet ihr nicht viel davon. Denn dieser Wahrheitsstoff eignete sich sehr
schlecht für eine briefliche Belehrung. Er konnte nur im mündlichen Vortrag
dem Verständnis der Gläubigen nähergebracht werden. Doch Paulus deutet an verschiedenen
Stellen seiner Briefe diese Wahrheiten wenigstens an. Ihr versteht seine
Ausführungen nicht, weil sie eurer religiösen Anschauung fremd geworden sind.
So schreibt er in seinem Brief an die Römer: ‘Das sehnsüchtige Verlangen
der ganzen Schöpfung wartet auf das Abstreifen der Hülle als Kinder Gottes.
Denn der materiellen Vergänglichkeit ist die Schöpfung unterworfen worden,
nicht auf eigenen Wunsch hin, sondern auf Veranlassung dessen, der ihre
Unterwerfung bewirkt hat, wegen der Hoffnung auf Rettung. Weil ja auch die
Schöpfung von der Knechtschaft des Verderbens erlöst und dadurch zu der
Freiheit gelangen wird, die in der Herrlichkeit der Kinder Gottes besteht.
Wir wissen ja, daß bis jetzt die ganze Schöpfung überall seufzt und mit Schmerzen
einer Neugeburt harrt. Und nicht sie allein, sondern auch wir selbst, die wir
doch den Geist als Erstlingsgabe bereits besitzen, seufzen gleichfalls in
unserem Inneren nach der Kindschaft, indem wir auf die Auflösung unseres
Leibes warten.(Röm.8,19-23) Du kennst infolge meiner Belehrung
die Zusammenhänge, von denen hier die Rede ist. Paulus sagt, daß die ganze
Schöpfung mit Sehnsucht auf das Abstreifen der Hülle wartet. Es warten also
darauf die Steine, die Pflanzen, die Kräuter, die Blumen, die Tiere, die
Menschen. Ein sehnsüchtiges Warten ist nur möglich in einem Wesen, in dem ein
Geist verkörpert ist. Es sind daher in der ganzen Schöpfung Geister in die
verschiedenen Arten der Materie eingehüllt. Es sind die einst abtrünnig
gewordenen Geister, die zuerst als gehorsame Kinder Gottes und heilige
Geister in Glanz und Herrlichkeit dastanden, dann aber ungehorsame Kinder
wurden und sich dadurch den Ausschluß aus dem Vaterhaus Gottes zuzogen. Aber Kinder Gottes sind sie heute
noch, wenn auch verstoßene Kinder. Sie sehnen sich nach dem Vaterhaus zurück
und ringen danach, wieder frei zu werden von der materiellen Hülle, mit der
sie umgeben wurden, so wie das Kind in den Geburtswehen danach ringt, frei zu
werden von der Hülle des Mutterschoßes. Jene Geister haben sich nicht aus
eigener Entschließung diese Hülle bereitet, sondern Gott war es, der sie
ihnen aus Erbarmen gab, um sie durch Läuterung und Prüfung zu retten. Alle
materiellen Wesen sehnen sich nach dieser Rettung, wenn sie auch nicht den
Weg und das Ziel dieser Rettung kennen und wünschen den Tag herbei, wo ihnen
die materielle Hülle nach erfolgter Läuterung zu Kindern Gottes wieder
weggenommen wird. Diese Sehnsucht haben vor allem die
gottesgläubigen Menschen. Denn wenn sie auch schon, wie dies bei den ersten
Christen der Fall war, mit den Geisterboten des himmlischen Vaterhauses in
täglicher Verbindung stehen und in ihnen bereits die Erstlingsgabe und den
Vorgeschmack des Gottesreiches empfangen haben, so sind sie doch dieses
Reiches so lange nicht teilhaftig, als sie noch im materiellen Leibe leben. Die Aufwärtsentwicklung in den
Naturstufen deutet Paulus in seinem Brief an die Epheser mit den Worten an:
‘Dahin ging nämlich der Ratschluß Gottes, dessen Ausführung er sich
vorgenommen hatte, sobald die Zeit zum Vollmaß der von ihm geordneten
Entwicklung gelangt wäre: ‘Er wollte in Christus als dem Haupte alles
einheitlich wieder zusammenfassen, was im Himmel und auf der Erde ist‘
(Eph.1,9-10). Auf der Erde sind aber nicht bloß
die Menschen. Sie bilden nur einen ganz geringen Bruchteil dessen, was auf
der Erde existiert. Wenn nun Gott alles, was auf der Erde ist, mit Christus
als dem Haupte vereinigen will, so folgt daraus, daß in allem Geister sind,
die in der von Gott geordneten Entwicklung immer höher steigen, bis sie als
reine Geister in die große Gemeinschaft mit Christus eingegliedert werden,
der sie einst vor ihrem Abfall angehört haben. Daß es im Heilsplan Gottes liegt,
alles wieder zu Gott zurückzuführen und zwar nicht bloß die Menschen, sondern
auch die ganze übrige Schöpfung, sagt Paulus im Römerbrief: ‘Ich will euch
nämlich, meine Brüder, über dies Geheimnis nicht in Unkenntnis lassen, damit
ihr nicht in vermeintlicher Klugheit eigene Ansichten hegt: Verstockung ist
über einen Teil der Israeliten gekommen bis zu der Zeit, da die Heiden
vollzählig in das Reich Gottes eingegangen sein werden. Alsdann wird ganz
Israel gerettet werden ... Denn Gott hat alles wegen des Ungehorsams
eingeschlossen, weil er Erbarmen an allem üben will‘ (Röm.11,25-32) Ich habe diese Stelle so
wiedergegeben, wie sie richtig ist. Wenn der letzte Satz in der Übersetzung,
die du vor dir hast, so lautet: ‘Denn Gott hat die ganze Menschheit in
Ungehorsam fallen lassen, um Erbarmen an allen zu üben‘, so hat der
Übersetzer darin zwei Fehler gemacht: Er hat zunächst geschrieben ‘die ganze
Menschheit‘, obschon im griechischen Text ‘alles‘ steht. Ferner hat er
übersetzt: ‘In Ungehorsam fallen lassen‘, während es heißt: ‘Er hat alles im
Hinblick auf den Ungehorsam eingeschlossen.‘ Er hat nämlich alles
eingeschlossen in die materielle Hülle, die den einzelnen Besserungsstufen
entspricht. Gott verschließt niemand in Ungehorsam. Er will im Gegenteil, daß
alle zum Gehorsam zurückkehren, die einst wegen ihres Ungehorsams aus dem
Reiche Gottes ausgeschlossen werden mußten. Das Israel der früheren
Jahrtausende waren diejenigen, denen der reine Gottesglaube übermittelt
worden war. Es sollte diesen Gottesglauben auf die Mitwelt übertragen und so
als Sauerteig der Wahrheit wirken. Nach treuer Erfüllung dieser Aufgabe wäre
es nach erfolgter Erlösung als erstes in das vom Erlöser erschlossene Reich
Gottes eingegangen. Dieser Aufgabe hat sich jedoch der größte Teil Israels
unwürdig gemacht. Darum wird das Heil zuerst den Nicht-Israeliten zuteil,
also denjenigen, die früher nichts von Gott wußten. Und erst wenn alle
Nicht-Israeliten zu Gott gelangt sind, werden diejenigen gerettet werden, die
früher den Gottesglauben besaßen, aber nicht danach lebten. ‘Die Ersten
werden die Letzten sein.‘ Aber alles ohne Ausnahme wird gerettet werden. Über den Verlauf des Rettungswerkes
Gottes macht der Apostel Paulus kurze, aber klare Angaben in seinem ersten
Brief an die Korinther: ‘Wie durch Adams Schuld alle starben, so werden
umgekehrt durch Christi Verdienst alle wiederum zum Leben kommen, und zwar
ein jeder, wann die Reihe an ihn kommt: Als Erstling Christus. Hierauf die,
welche Christus angehören bei seiner Wiederkunft. Darauf der Rest, wenn er
Gott, dem Vater das Reich übergibt, sobald er jede andere Herrschaft und jede
Macht zum Aufhören gebracht hat. Er muß ja als König herrschen, bis er Gott
alle Feinde unter die Füße gelegt hat. Der letzte Feind, der vernichtet wird,
ist der ‘Tod‘. Denn alles hat er ihm unter die Füße gelegt. Wenn er aber
aussprechen wird: ‘Alles ist unterworfen! so wird doch selbstverständlich
derjenige ausgenommen sein, der dem Sohne alles unterworfen hat (nämlich
Gott). Wenn ihm (Gott) aber alles unterworfen ist, dann wird sich auch der
Sohn selbst dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles
in allem sei. ‘(1.Kor.15,22-28) Also alles wird wieder zu Gott
kommen, was von Gott getrennt und als geistig ‘tot‘ dem Fürsten des geistigen
Todes unterworfen war. Christus wird alles zu Gott zurückführen. Er war der
erste, der aus der Hölle, dem Reiche des Todesfürsten wieder herauskam,
nachdem er dorthin zum Kampfe mit Luzifer hinabgestiegen war und ihn besiegt
hatte. Das war die erste Auferstehung von den geistig Toten. Nach und nach
werden alle geistig Toten folgen, indem sie zur Erkenntnis und Liebe Gottes
gelangen, jeder, wann er an der Reihe ist. Die Reihenfolge hängt von den
geistig Toten selbst ab. Wer sich beeilt und sich Mühe gibt, Gott zu suchen
und nach dem Willen Gottes zu leben, kommt eher an die Reihe, als der,
welcher an seine Rückkehr überhaupt nicht denkt oder sie sehr nachlässig und
langsam betreibt. Alles hängt von seinem freien Willen ab. Wer in den Examina
immer wieder durchfällt, wird erst spät zum Ziele gelangen. So ist es in
eurem menschlichen Leben, so ist es auch im jenseitigen. - Der letzte, der zu
Gott kommt, ist der Todesfürst selbst - Luzifer. Paulus nennt ihn den ‘Tod‘.
Er ist ja die Ursache allen Abfalles vom Reiche Gottes und dadurch des
geistigen Todes. Er ist der ‘Mörder von Anbeginn‘, der den geistigen Tod
aller von Gott Getrennten verschuldet hat und Millionen Jahre hindurch alles
aufbot, die Rückkehr seiner Untertanen zum Reiche des Lebens in Gott zu
verhindern. Er ist daher die verkörperte Trennung von Gott - der verkörperte
Tod. Wenn es daher in der Offenbarung des Johannes heißt: ‘Der Tod gab seine
Toten heraus‘ (Offenb.20,13), so heißt das nichts anderes als: ‘Der
Todesfürst Luzifer mußte die geistig Toten, die seinem Reiche angehörten,
wieder herausgeben. Wenn ich dir sagte, daß die
Reihenfolge der Rückkehr von dem freien Willen der gefallenen Geister
abhänge, so muß ich in diesem Punkte eine einzige Einschränkung machen:
Nämlich Luzifer allein kann nicht eher wieder zu Gott kommen, bis der letzte
der von ihm Verführten das Ziel - Gott - erreicht hat. Er kann es nicht, auch
wenn er es infolge einer Gesinnungsänderung zu erstreben suchte. Auch darf
er, selbst wenn ihm eine bessere Erkenntnis früher käme, keinen der
gefallenen Geister zur Besserung antreiben oder ihm zur rechten Erkenntnis
verhelfen, um dadurch selbst schneller zu Gott zu gelangen. Das ist das
gerechte Schicksal, das auf ihm als dem einstigen Rädelsführer lastet und das
er nicht zu ändern vermag. Die Rettung aller von Gott
Abgefallenen - auch Luzifers - ist die große Freudenbotschaft, die nicht bloß
in den Briefen des Apostels Paulus verkündet wird, sondern die auch den
Propheten des Alten Bundes in ihren Visionen gezeigt wurde. Es ist die
Freudenbotschaft, auf welche die Offenbarung des Johannes mit den Worten
hinweist: ‘In den Tagen, wo die Stimme des siebten Engels erschallt,
sobald er sich anschickt, in die Posaune zu stoßen, dann ist auch der geheime
Ratschluß Gottes zum Abschluß gekommen, wie er ihn seinen Knechten, den
Propheten, als Freudenbotschaft mitgeteilt hat‘ (Offenb.10,7). Wenn es wahr wäre, daß die Hölle
ewig ist, wie ihr es heute lehrt, worin sollte dann am Ende der Tage die
‘Freudenbotschaft‘ bestehen, die Gott als Abschluß seines Heilsplanes in
Aussicht stellt? Ein Abschluß mit der ewigen Verdammnis zahlloser Geister
wäre wahrlich kein Tag der Freude, sondern ein Tag des Entsetzens für die
ganze Schöpfung Gottes. Wo bliebe da die Wahrheit der
Erlösung aller, auf die Paulus so oft und so eindringlich hinweist? Wo bliebe
die Wahrheit des Wortes, das Gott beim Propheten Jesaja geschworen hat: Daß
der Tag komme, wo jedes Knie sich beugen und ihm jede Zunge schwören soll,
und wo alle zu ihm kommen, auch die, welche ihm feindselig widerstrebt
hatten? Wo bliebe da die Erfüllung all der Stellen, die ich dir vorhin
angeführt habe? Alle Feinde Gottes werden durch Christus dem Vater zu Füßen
gelegt, nicht mit Gewalt, sondern durch erbarmende Liebe, der auch ein
Luzifer auf die Dauer nicht widerstehen kann. Gott zwingt keinen gefallenen Geist
mit Gewalt vor seine Füße. Wenn er das wollte, dann brauchte er nicht so
lange zu warten. Das hätte er schon längst tun können. Unter der Allmacht
Gottes steht die Hölle von jeher. Wenn die Hölle sich einst vor Gott
verdemütigt, dann geschieht es mit freiem Willen in reumütiger Erkenntnis der
Gerechtigkeit, der Liebe und Langmut Gottes. An der Lehre von einer ‘ewigen
Hölle‘, welche die ersten Christen nicht kannten, haltet ihr mit
erstaunlicher Zähigkeit fest. Auf dieses Schreckmittel scheint ihr nicht
verzichten zu wollen. Glaubt ihr denn, mit einer
grausamen Unwahrheit bei den armen Menschen mehr erreichen zu können, als mit
den Wahrheiten der Liebe und des Erbarmens? Und welche Anstrengungen ihr
macht, um jene unwahre Lehre zu begründen! Ihr sagt, daß eine sogenannte ‘Todsünde‘
eine ewige Strafe zur Folge haben müsse. Denn eine Todsünde sei eine
unendliche Beleidigung Gottes. Das sind irrige und selbsterfundene Begriffe.
Ein Geschöpf kann Gott nicht unendlich beleidigen und daher auch keine
unendliche Bestrafung ihr sein Vergehen verdienen. Je tiefer derjenige steht,
der dich beleidigt, um so geringfügiger siehst du die Beleidigung an. Aber
was ist ein armseliges Geschöpf seinem Schöpfer gegenüber? Ein Stäubchen.
Eure Beleidigung reicht an Gott überhaupt nicht heran. Ihr fügt ihm nichts
Böses zu, sondern euch selbst. Und dann, wenn eine Todsünde eine
unendliche Beleidigung Gottes wäre, dann könnte sie ja auch in eurem
irdischen Leben nicht mehr vergeben werden. Wenn sie aber nach eurer Lehre
den irdischen Menschen vergeben werden kann, warum sollte sie denn den
Geistern des Jenseits nicht vergeben werden. Es sind doch dieselben Geister,
ob sie nun in einem materiellen Körper sich befinden oder ob sie den Körper
im irdischen Tode verlassen haben. Es ist dasselbe ‘Ich‘ im Diesseits und im
Jenseits mit denselben geistigen Fähigkeiten. Im Jenseits ist daher dem
Geiste dieselbe Gesinnungsänderung möglich, wie im irdischen Leben. Man beruft sich auf die Bibel, um
den Beweis für die Ewigkeit der Höllenstrafen zu erbringen. Man klammert sich
an das Wort ‘ewig‘, das in euren Übersetzungen des Neuen Testamentes in
Verbindung mit den jenseitigen Strafen gebraucht wird. Aber wie lautet denn
das Wort, das ihr mit ‘ewig‘ übersetzt habt, im griechischen Urtext? Denn
nicht auf eure Übersetzungen kommt es an, sondern auf den Sinn des Wortes,
das im Urtext steht. Nun findest du aber an allen
Stellen, an denen eure deutschen Bibelübersetzungen das Wort ‘Ewigkeit‘ oder
‘ewig‘ gebrauchen, im griechischen Text das Wort ‘Aeon‘. Auch ihr sprecht
unter Benutzung desselben Wortes von ‘Aeonen‘. Ihr wollt damit große
Zeiträume bezeichnen. Auch im Griechischen bedeutet das Wort ‘Aeon‘ niemals
‘Ewigkeit‘ oder den Begriff des ‘Ewigen‘. Auch dort hat es nur die Bedeutung
eines Zeitraumes von unbestimmter Dauer. Das Altertum war ein ‘Aeon‘, das
Mittelalter war ein ‘Aeon‘, die Neuzeit ist ein ‘Aeon‘. Nach der Anschauung
der Römer war ein ‘Aeon‘ ein Zeitraum von hundert Jahren. Ein ‘Aeon‘ ist also eine Zeitdauer,
deren Grenzen bald weiter auseinander-, bald näher zusammenliegen. Sogar ein
Menschenalter wird manchmal mit dem Wort ‘Aeon‘ wiedergegeben. Aber niemals
kann damit eine nie endende Zeitperiode ausgedrückt werden. Du darfst daher
das Wort ‘Aeon‘ nie mit Ewigkeit und das davon abgeleitete Eigenschaftswort nie
mit ‘ewig‘ übersetzen, sondern mußt dafür die Bezeichnung ‘Zeit‘ und
‘zeitlich‘ gebrauchen. -. Nun möchte ich dich zunächst auf die merkwürdige
Tatsache aufmerksam machen, daß eure Übersetzer an zahlreichen Stellen der
Bibel das Wort ‘Aeon‘ und das davon abgeleitete Eigenschaftswort in richtiger
Weise mit ‘Zeit‘ und ‘zeitlich‘ wiedergeben, weil das Wort ‘ewig‘ an jenen
Stellen widersinnig wäre. Nur dort, wo von einer jenseitigen Strafe die Rede
ist, gebrauchen sie das Wort ‘ewig‘. Man merkt deutlich, daß sie da unter dem
Einfluß der christlichen Religionen stehen, die eine Ewigkeit der
Höllenstrafe lehren. Greifen wir nun einige von den
zahlreichen Stellen der Bibel heraus, wo das Wort ‘Aeon‘ mit ‘Zeit‘ oder
‘zeitlich‘ übersetzt werden muß. So heißt es von der Sünde wider den Geist,
daß sie weder in diesem noch in dem anderen ‘Aeon‘ vergeben werde, also weder
in diesem Zeitalter noch dem folgenden oder weder in diesem Leben, noch in
dem kommenden. Man könnte ja nicht übersetzen: Sie wird weder in dieser Ewigkeit
noch in der zukünftigen vergeben werden. Denn es gibt keine zwei Ewigkeiten. Bei dem Gleichnis von dem Sämann
wird gesagt, daß bei einigen der Same erstickt wird durch die Sorgen dieses
‘Aeon‘, was ihr richtig übersetzt mit ‘zeitlichen Sorgen‘. Von dem Begriff
‘ewig‘ kann auch hier nicht die Rede sein. In dem Gleichnis von dem Unkraut
unter dem Weizen sagt Christus, daß die Ernte das Ende dieses ‘Aeon‘ sei,
also das Ende dieser Zeit oder dieser Welt. Auch hier kann es nicht
‘Ewigkeit‘ heißen. An dieser Stelle kommt das Wort ‘Aeon‘ noch zweimal in der
Bedeutung von zeitlich vor. Ich nehme noch einige Stellen aus den Briefen des
Apostels Paulus: ‘Gestaltet eure Lebensführung nicht nach der Weise des
jetzigen ‘Aeon‘ (der jetzigen Zeit).‘ – 'Was wir vortragen, ist nicht die
Weisheit dieses ‘Aeon‘ oder der Machthaber dieses ‘Aeon‘, sondern verborgene
Weisheit, die Gott vor allen ‘Aeonen‘ vorherbestimmt hat.' Aus diesen Stellen, die noch durch
eine große Anzahl ähnlicher Stellen vermehrt werden könnten, magst du
ersehen, daß das Wort ‘Aeon‘ nicht die ‘Ewigkeit‘ bedeutet, sondern einen
begrenzten Zeitabschnitt. Nun steht dasselbe Wort ‘Aeon‘ an
den Stellen, wo von einer jenseitigen Strafe die Rede ist. Wer gibt euch
daher das Recht, dasselbe Wort, das ihr an zahlreichen anderen Stellen mit
‘Zeit‘ und ‘zeitlich‘ übersetzt, gerade dort mit ‘ewig‘ wiederzugeben, wo es
sich um die Höllenstrafe handelt? Man sollte fast meinen, ihr hättet eine
besondere Freude an einer ewigen Hölle. Christus sagt nach eurer
Übersetzung: ‘Es ist besser für dich, verstümmelt und lahm zum Leben
einzugehen, als daß du zwei Hände und zwei Füße habest und in das ‘ewige‘
Feuer geworfen werdest. Was hier mit ‘ewigem‘ Feuer
bezeichnet wird, ist auch bloß ein Feuer, das einen ‘Aeon‘ hindurch dauert,
also zeitlich ist. Und merkwürdiger Weise stand im Urtext an dieser Stelle
nicht einmal das Wort ‘Aeon‘, sondern ist hineingefälscht worden. Denn im
Urtext heißt es: ‘In das Feuer der Hölle‘ und nicht: ‘In das ewige Feuer‘. Auch an anderen Stellen hat man
nachträglich ähnliche Fälschungen begangen. So heißt es in euren jetzigen
Übersetzungen: ‘Weichet von mir, ihr Verfluchten, in das ‘ewige‘ Feuer!‘,
während es im richtigen Text heißt: ‘Weichet von mir, ihr Verfluchten, in die
äußerste Finsternis!‘ Ich denke, dich durch meine
Darlegungen davon überzeugt zu haben, daß ihr für eure grausame und unwahre
Lehre von einer ‘ewigen‘ Hölle in der Bibel keinen Anhaltspunkt finden könnt.
Wie lange die Strafe für die einzelnen Geister dauert, hängt vor allem von
den Geistern selbst ab. Je länger sie bei ihrem Abfall verharren, um so
länger dauert die Trennung und die Strafe der Trennung. Selbst Gott weiß
nicht, wann die einzelnen Geister zu ihm zurückkehren, da die Rückkehr von
der freien Entscheidung des Geistes abhängt; und ich habe dir ja gesagt, daß
die zukünftigen freien Entscheidungen der Geister selbst dem Vorauswissen
Gottes entzogen ist. Auch das, was ihr in falscher
Übersetzung ‘ewiges Leben‘ nennt, indem ihr auch hier das Wort ‘Aeon‘ mit
‘ewig‘ wiedergebt, ist bloß ein Leben in den zukünftigen ‘Aeonen‘ oder in den
zukünftigen Zeiten. Wie lange dieses Leben bei Gott für euch dauern wird,
hängt von euch selbst ab. Wenn ihr Gott stets treu bleibt, dann wird jenes
Leben endlos, also tatsächlich ‘ewig‘ sein. Aber wer weiß, ob später nicht
noch einmal ein Abfall der Geister von Gott erfolgen wird, an dem ihr euch
beteiligt, wie ihr euch an dem ersten Abfall unter Luzifer beteiligt habt.
Denn die Freiheit des Willens ist bei den Geistern des Himmels dieselbe wie
damals, und die Möglichkeit des Mißbrauches der Willensfreiheit ebenso
vorhanden, wie vor dem ersten Abfall. Ob ein solcher Abfall wieder einmal
kommen wird, weiß auch Gott nicht, aus dem Grunde, den ich dir bereits
angegeben habe. Ihr könnt also ebensowenig von
einer ‘ewigen Belohnung‘ sprechen, wie von einer ‘ewigen Bestrafung‘. Wenn
nun in der Bibel von einem ‘Feuer‘ der Hölle gesprochen wird, so soll damit
ein Sinnbild des übergroßen Schmerzes derer gegeben werden, welche die
Strafen der Hölle zu erdulden haben. Auch ihr sprecht von einem brennenden
Schmerz, ohne daß ihr wirkliches Feuer darunter versteht. Die Qualen der Hölle sind so groß,
daß ihr euch keine menschliche Vorstellung davon machen könnt. Christus sagt:
‘Die Verdammten werden mit Feuer gesalzen.‘ So wie das Salz alles
durchdringt, so durchströmt der Schmerz jene Geister. Aber Christus fügt an
dieser Stelle hinzu: ‘Das Salz ist etwas Gutes.‘ So ist auch die Qual der
Geister im Hinblick auf ihre Rettung in Wirklichkeit etwas Gutes, wenn sie
sich auch noch so grausam ansieht und von den Menschen nicht verstanden wird,
da sie ihnen nicht im Einklang mit der Barmherzigkeit eines Gottes zu stehen
scheint. Und doch ist es nur die Liebe
Gottes, die auch in den Qualen der Hölle spricht. Wenn eine Mutter ihr Kind
dem Messer des Arztes hinhält, damit er es durch eine schmerzliche Operation
von einer tödlichen Wunde heilen soll, dann ist es die Mutterliebe, die sie
dazu antreibt. Sie muß dieses schmerzliche Mittel der Heilung wählen, weil es
kein anderes gibt. So wird auch die Gesinnung der
Geister der Tiefe nur durch die Qual geläutert, die sie zu erdulden haben.
Ein anderes Mittel gibt es nicht. Aber für alle, auch die Verstocktesten,
wird die Stunde kommen, wo sie als unglücklich gewordene Kinder infolge ihrer
Qual sich aufmachen und heim zum Vater gehen. _______ *
_______ Weil das heutige Christentum das
große Weltgeschehen nicht versteht, ist es in den wichtigsten Jenseitsfragen
so ratlos. Darum kann es weder den Ursprung des Menschengeistes, noch die auf
dem Menschengeist lastende Sünde des Abfalles von Gott, noch den Zweck der
materiellen Schöpfung erklären. In allen diesen Fragen stellt es völlig
irrige Lehren auf. Wenn man von den heutigen
christlichen Religionen über den Ursprung des Menschengeistes Aufschluß
erbittet, so geben sie euch zur Antwort: ‘Der Menschengeist wird im
Augenblick der menschlichen Zeugung von Gott geschaffen. Er ist jedoch mit
einer Sünde belastet, der sogenannten ‘Erbsünde‘, weil der irdische
Stammvater Adam in einem irdischen Paradies gesündigt hat und diese Sünde auf
alle seine Nachkommen übergeht. Sie bedenken nicht das Törichte
einer solchen Lehre. Sie erwägen nicht, daß alles, was Gott schafft, rein und
ohne Fehl aus seiner Hand hervorgeht, und daß die Befleckung eines Geistes
nur durch persönliches Verschulden erfolgen kann; daß daher auch der
Menschengeist, wenn er bei der menschlichen Zeugung von Gott geschaffen
würde, ganz rein und unbefleckt wäre. Von einer ‘Erbsünde‘ könnte in
diesem Falle keine Rede sein. Denn wie sollten die Nachkommen Adams deswegen
von Gott mit einer Knechtschaft der Sünde und einem Ausschluß vom Reiche
Gottes bestraft werden, weil der Stammvater gesündigt hat? Von demselben Gott,
der gesagt hat: ‘Ein jeder, der Sünde tut, soll sterben; aber ein Sohn
soll die Schuld des Vaters nicht mittragen‘ (Hes.18,20). Demnach können die Nachkommen Adams
nicht wegen des Abfalles ihres Stammvaters von Gott bestraft werden, wenn sie
nicht selbst diesen Abfall mitgemacht haben. Tatsächlich sind sie, wie ich
dich bereits belehrt habe, persönlich abtrünnig geworden, indem sie dem
Beispiel Adams als Geist folgten und sich gleich ihm den Ausschluß aus Gottes
Reich mit all seinen furchtbaren Folgen durch eigenes Verschulden zuzogen. Es ist also richtig, daß der
Menschengeist von der Geburt an eine Sünde auf sich hat, die ihr ‘Erbsünde‘
nennt. Aber unrichtig ist eure Lehre, daß der Geist des Menschen erst bei der
menschlichen Zeugung ins Leben tritt und eine Sünde auf sich habe, ohne
persönlich gesündigt zu haben. Wie wollt ihr ferner bei eurer falschen Lehre
über den Ursprung des Menschengeistes das Leid in der Welt erklären? Sollte
Gott Geschöpfe zum Leiden ins Leben rufen und unter Qualen sterben lassen,
ohne daß sie persönlich etwas Unrechtes begangen haben? Betrachte die
Millionen von Kindern, die jährlich in größter Qual ihre Seele aushauchen!
Womit haben sie das verdient? Haben sie etwa in ihrem jetzigen Dasein Gott
beleidigt, daß er sie so schwer bestraft? Sie konnten ja noch gar nicht
sündigen; sie konnten gut und böse nicht unterscheiden. Und doch sollte der
unendlich gütige und gerechte Gott unschuldige Kinder quälen? Wo bliebe da
seine Güte und vor allem, wo bliebe seine Gerechtigkeit? So grausam und
ungerecht ist nicht einmal der brutalste irdische Vater, daß er sich an einem
harmlosen Kind vergreift, das ihm nichts zuleide getan hat. Und Gott sollte
das tun? Ihr mögt alle erdenklichen Ausflüchte suchen, um dies zu erklären,
es gelingt euch nicht, die grausame Ungerechtigkeit wegzudiskutieren, die in
dem Schicksal dieser Kinder läge. - Das gilt von dem Menschenschicksal
überhaupt. - Aber wenn ihr wißt, daß euer Geist schuldbeladen aus einem
früheren Dasein in das jetzige tritt, dann sind alle Schicksalsrätsel mit
einem Schlage gelöst. Dann steht euch sowohl der große Abfall von Gott vor
Augen, den der Geist des Menschen einst begangen, als auch etwaige frühere
Menschenleben, die der Mensch mit Freveln belastet hat, deren Strafe und
Sühne das jetzige Leben bedrücken. Wenn ihr das bedenkt, dann wird euch nicht
mehr die Frage auf die Lippen kommen, die ihr so oft in den Stunden tiefen
Leides auszusprechen pflegt: ‘Womit habe ich das verdient?‘ Wenn Gott euch
auf diese Frage euer ganzes vergangenes Dasein in einem Bilde vor Augen
stellen wollte, dann würdet ihr vor Grauen verstummen. Auch so vieles aus den biblischen
Schriften würde euch verständlich sein, was euch bis jetzt dunkel geblieben
ist. So würdet ihr den scheinbaren Widerspruch von selbst lösen können, der
in den Worten des Alten Testamentes enthalten ist, indem es einmal heißt:
‘Ein Sohn soll die Schuld des Vaters nicht mittragen‘ und ein anders Mal:
‘Ich will die Sünden der Väter an den Kindern strafen bis ins dritte oder
vierte Glied‘. Wenn Gott die Sünden der Väter an
den Kindern straft, so geschieht es nicht in der Weise, daß er unschuldige
Kinder für das Vergehen des Vaters leiden läßt. Das wäre ein Unrecht.
Vielmehr verkörpert er in dessen Kindern solche Geister, die von sich aus ein
schweres Schicksal verdient haben, aber infolge dieses Schicksals auch für
ihren Vater eine sichtbare Strafe sein sollen. Und da ein Vater seine
Nachkommen höchstens bis ins dritte oder vierte Glied erlebt, so kann diese
Strafe für ihn bis ins vierte Glied dauern. Wie erklärtest du ferner bisher bei
deiner bisherigen Lehre von der Erschaffung des Menschengeistes im Augenblick
der Zeugung den Satz der Bibel: ‘Gott kann auch aus diesen Steinen Kinder
Abrahams erwecken.‘? Du sagst vielleicht, daß Gott in
seiner Allmacht aus den Steinen Menschen erschaffen könne. Aber solche
Menschen wären doch keine Kinder Abrahams. Denn Menschen können nur auf dem
Wege der Zeugung Kinder Abrahams werden, indem sie durch ihre menschlichen
Vorfahren von Abraham abstammen. Wie aber können Steine auf dem Wege der
Zeugung Kinder Abrahams werden? Mit all eurer theologischen Weisheit vermöget
ihr das nicht zu erklären. Wenn du aber weißt, daß in den
Steinen, wie überhaupt in der Materie, Geister verkörpert sind, dann ist die
Erklärung von selbst gegeben. Dann begreifst du, daß Gott die in den Steinen
verkörperten Geister ihrer Hülle entkleiden und sie den Kindesleibern
einverleiben kann, die auf dem Wege der Zeugung im Schoße der
Nachkommenschaft Abrahams ins Dasein treten. Dasselbe gilt von den Worten
Christi: ‘Ich sage euch: Wenn diese schwiegen, würden die Steine schreien‘
Lukas19,40). Steine können selbstverständlich nur dann schreien, wenn ein
Geist in ihnen lebt. Wie ihr eine ganz falsche Lehre von
der Erbsünde aufgestellt habt, so ist auch eure Auffassung von der Sünde
überhaupt eine verkehrte. Die Bibel unterscheidet zwischen
der Sünde als ‘Abfall von Gott‘ und den Sünden als menschliches Straucheln
der Gottesgläubigen. In dem ersten Brief des Apostels Johannes steht eine
Stelle, deren Erklärung euch große Schwierigkeiten bereitet. Sie lautet: ‘Wenn
jemand seinen Bruder sündigen sieht, und es ist keine Sünde zum Tode, so soll
er für ihn beten und ihm so Lebenskraft geben, nämlich denen, die keine Sünde
zum Tode begehen. Es gibt auch eine Sünde zum Tode. Wenn jemand eine solche
begeht, sage ich nicht, daß man für ihn beten soll. Jedes Unrecht ist eine
Sünde. Aber nicht jede Sünde führt zum Tode‘ (1.Joh.5,16-17). Hier macht also Johannes einen
Unterschied zwischen der Sünde, die zum Tode führt und den Sünden, die nicht
zum Tode führen. Und - was euch in den Worten des Apostels am
unverständlichsten klingt - ihr braucht für einen, der die Sünde zum Tode
begeht, nicht einmal zu beten. Den Sinn dieser Worte kann ich dir
am besten an einem Beispiel klarmachen. Die Soldaten haben bei ihrem Eintritt
zum Militär einen Fahneneid zu leisten. Dadurch werden sie Soldaten ihres
Vaterlandes. Nun kommen ja auch bei den Soldaten Fehler vor, für die sie nach
den militärischen Gesetzen bestraft werden, ohne daß sie dadurch aufhören,
Soldaten ihres Vaterlandes zu sein. Aber eine Soldatensünde gibt es, durch
die einer aufhört, Soldat seines Vaterlandes zu sein und auf der die
Todesstrafe ruht. Es ist dies die Fahnenflucht durch Übergehen zum Feinde des
Vaterlandes. Dadurch wird er tot für die eigene Heimat. Es ist militärisch
‘die Sünde zum Tode‘. Und wenn die Mutter eines solchen Deserteurs bei der
Regierung ihres Landes um Gnade für ihren fahnenflüchtigen Sohn bitten würde,
so wäre dies zwecklos. Denn er untersteht ja nicht mehr der Gewalt des
eigenen Staates, sondern hat sich unter die Herrschaft eines feindlichen
Staates begeben und ist jetzt dessen Gesetzen unterworfen. Dieser Staat läßt
ihn nicht mehr frei, selbst wenn der Fahnenflüchtige zurückwollte. Aber er
will ja auch gar nicht zur alten Heimat zurückkehren. Die an die heimatliche Regierung
gerichteten Gnadengesuche der Mutter sind also vollkommen zwecklos. Wende
dieses Beispiel auf eure Stellung zu Gott an. Als gottesgläubige Menschen
seid ihr Untertanen des Reiches Gottes. Wenn ihr auch als schwache
Erdenpilger täglich kleinere oder größere Fehler begeht, so sind das Sünden,
für die ihr zwar von Gott bestraft werdet, durch die ihr jedoch nicht
aufhört, Untertanen des Reiches Gottes zu sein. Kehrt ihr aber Gott den
Rücken durch Unglauben, Gottesleugnung oder indem ihr lebt, als ob es keinen
Gott gäbe, so ist das die Sünde der Fahnenflucht. Es ist die Sünde, durch die
ihr euch vom Reiche Gottes trennt und in das Reich der bösen, gottfeindlichen
Mächte übergeht. Ihr gebt den Gehorsam gegen Gott vollständig auf wie ja ein
Deserteur durch die Fahnenflucht sich dem Gehorsam gegen seinen Landesherrn
entzieht. Ihr seid tot für das Reich Gottes. Ihr habt ‘die Sünde zum Tode‘
begangen. Was sollte also das Gebet eines
anderen für einen solchen Überläufer für Nutzen haben? Jener will ja von Gott
nichts wissen und nicht zu ihm zurückkehren. Gott müßte ihn also auf euer
Gebet hin zwingen, zurückzukehren. Das kann Gott nicht, weil er jedem freien
Willen gegeben hat und niemals in die freien Entscheidungen eines Geschöpfes
mit Zwang eingreift. Sein Heil muß jeder aus freier Entschließung wirken. Die Auferstehung der Toten ist
keine Auferstehung der Leiber Die erste Fahnenflucht wurde
begangen bei der großen Geisterrevolution unter Luzifer. Das war die erste
‘Sünde zum Tode‘. Die Auferstehung von den Toten besteht also darin, daß die
im Reiche der geistig Toten weilenden Geister sich in Reue wieder zum Reiche
Gottes erheben. Sie kehren als frühere Deserteure wieder in die alte Heimat
zurück. Daß sie zurückkehren können und von
dem Fürsten des gottfeindlichen Reiches - Luzifer - nicht mehr mit Gewalt
festgehalten werden, haben sie dem Erlöser zu verdanken. Dieser hat durch
seinen Sieg über den Fürsten des Totenreiches die Freigabe derer erzwungen,
die ihren Abfall bereuen und zu Gott zurückkehren möchten. Er selbst war der
erste, der zu den Toten der Hölle hinabgestiegen war, ohne selbst zu den von
Gott Abgefallenen zu gehören. Er war auch der erste, der aus der Hölle zum
Himmel aufstieg. Vorher war dies keinem Geiste der Tiefe möglich. Wer einmal
in der Hölle war, konnte nicht mehr zur Höhe. Die Rückkehr Christi aus der Hölle
war die erste ‘Auferstehung von den Toten‘. Darauf weist Paulus so oft in
seinen Briefen hin. So schreibt er an die Epheser: ‘Daß Christus aber
auferstanden ist, welchen Sinn hat es als den, daß er zuerst auch
hinabgestiegen war an die Plätze, die tiefer als die Erde sind‘ (Eph.4,9).
- Er meint damit die Höllensphären. Sie sind, wie ich dich bei einer anderen
Gelegenheit belehrt habe, tiefer als die irdischen. Und an die Kolosser schreibt er: ‘Nachdem
er die Mächte und Gewalten überwunden hatte, triumphierte er über sie.
‘(Kol.2,15) Es sind Höllenmächte, gegen die er nach seinem Abstieg in die
Hölle im Verein mit den himmlischen Legionen kämpfte und die er überwand, und
deren Fürsten - Luzifer - er durch seinen Sieg zwang, diejenigen
herauszugeben, die nicht mehr länger Untertanen des Totenreiches sein
wollten. Darauf weist Paulus in seinem Brief
an die Kolosser hin mit den Worten: ‘Weil ihr zu Christus gehört, seid ihr
auch mit ihm auferweckt worden ... Auch euch, die ihr einst tot waret, hat
Gott zusammen mit ihm lebendig gemacht‘ (Kol.2,12-13). Die Kolosser, an die Paulus schreibt,
waren einst auch geistig tot und Untertanen Luzifers. Aber später kamen sie
zum Glauben an Christus und das Reich Gottes. Durch diesen Glauben gehörten
sie Christus an und wurden mit ihm des Reiches Gottes teilhaftig. Wenn es
hier von Christus heißt, daß Gott ihn lebendig gemacht habe, so ist das nicht
so zu verstehen, als sei Christus auch geistig tot gewesen. Aber er war im
Reiche der geistig Toten und äußerlich vom Reiche Gottes getrennt. Also der
Wirkung nach war Christus in diesen Höllensphären einem geistig Toten gleich,
wenn er auch selbst nicht geistig tot war. Gott machte ihn insofern wieder
lebendig, als er ihm die Kraft zum Siege über die Mächte des Totenreiches
verlieh und ihn dadurch in das Reich des himmlischen Lebens zurückführte. ‘Die Auferstehung von den Toten‘
hat also nicht das Geringste mit einer Wiedererweckung der irdischen Leiber
zu tun. Eine ‘Auferstehung des Fleisches‘, wie es in den christlichen
Glaubensbekenntnissen heißt, gibt es nicht. Darin stand in den ersten
christlichen Jahrhunderten auch nicht die ‘Auferstehung des Fleisches‘,
sondern ‘Auferstehung der Toten‘. Dieser Ausdruck bedeutet nichts anderes als
die tröstliche Wahrheit, daß alle geistig Toten, einschließlich Luzifer,
wieder zu Gott zurückkehren würden. Später hat man diese Worte
geändert, als man die falsche Lehre einführte, daß die irdischen Leiber der
Verstorbenen wieder lebendig würden, während doch Paulus die richtige Lehre
in den Worten wiedergibt: ‘Es wird gesät ein natürlicher Leib, auferweckt
ein geistiger Leib‘ (1.Kor15,44,). Auch der irdische Leib Christi
wurde nicht auferweckt. Er war wie alle materiellen Menschenleiber aus dem Od
der Erde entstanden und kehrte wie diese auch wieder zur Erde zurück. Nur daß
er nicht auf dem Wege der Verwesung in das irdische Od aufgelöst wurde,
sondern durch eine Dematerialisierung von Seiten der Geisterwelt. In derselben Weise wie der Leichnam
Christi, war auch der Leib eines Henoch und eines Elia in Od aufgelöst
worden. Aus Od der Erde ist jeder Menschenleib entstanden; in Od der Erde
löst sich auch jeder Menschenleib wieder auf. Von diesem Gesetz gibt es keine
Ausnahme. Die Christen von heute denken sich unter ‘Auferstehung von den
Toten‘ eine Wiederherstellung des irdischen Leibes. Und die Auferstehung
Christi am Ostersonntag ist ihnen die Wiedervereinigung seines Geistes mit
dem Körper, der drei Tage im Grabe gelegen hatte. Das alles sind große
Irrtümer. Denn die Auferstehung Christi von den Toten ist - um dies noch
einmal zu wiederholen - nur seine Rückkehr aus dem Reiche der geistig Toten,
eine Rückkehr aus der Hölle, in die er als Geist hinabgestiegen war. Das apostolische Glaubensbekenntnis
drückt das richtig in den Worten aus: ‘Abgestiegen zu der Hölle, am dritten
Tage wieder auferstanden von den Toten‘. Klarer würden die Worte lauten: ‘Ab
gestiegen zu den Toten, am dritten Tage wieder zurückgekehrt von den Toten. Die Bezeichnung ‘Auferstehung von
den Toten‘ wirkt deshalb so verwirrend auf euch, weil ihr bei dem Worte ‘Tod‘
nur an das irdische Sterben und bei dem Worte ‘Tote‘ nur an Leichen, Gräber
und Kirchhöfe zu denken gewohnt seid. Ihr beachtet nicht den Sprachgebrauch
der Bibel, wonach das Wort ‘Tod‘ die Trennung von Gott bezeichnet und unter
‘Toten‘ die von Gott Getrennten zu verstehen sind. Viel haben zu diesem Mißverständnis
auch die falschen Übersetzungen einzelner Bibelstellen beigetragen. So die
Stelle im Buch Hiob: ‘Ich weiß, daß mein Erlöser lebt und als letzter auf
dieser Erde auftreten wird, und danach werde ich, mag auch meine Haut so ganz
zerfetzt und ich ohne mein Fleisch sein, meinen Gott schauen.
‘(Hiob19,25-26). Diese Worte hat man in ihr Gegenteil verdreht und
geschrieben: ‘Ich weiß, daß mein Erlöser lebt und er wird mich hernach aus
der Erde aufwecken und ich werde danach mit dieser meiner Haut umgeben werden
und in meinem Fleische Gott schauen. Eine andere Fälschung habe ich dir
bereits früher erklärt. Es ist die Stelle im Matthäus-Evangelium, wo
berichtet wird, daß beim Tode Jesu Tote aus den Gräbern hervorgekommen seien,
während es in Wirklichkeit hieß, daß durch das Erdbeben Leichen aus den
Gräbern herausgeschleudert wurden. Hierher gehört ferner eine Stelle des
Johannes-Evangeliums: ‘Die Stunde kommt, ja sie ist schon jetzt da, in der
alle, die in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden.
‘(Joh.5,28) Was hier mit ‘Gräber‘ bezeichnet
wird, ist dasselbe, was Petrus in seinem Brief ‘Gefängnis‘ nennt, indem er
schreibt: ‘Im Geist ist Christus hingegangen und hat den Geistern im
Gefängnis‘ die Botschaft gebracht‘ (1.Petrus3,19). - Und an der anderen
Stelle: ‘Gott hat die gefallenen Engel in die Unterwelt hinabgestoßen,
hinein in die ‘Höhlen‘ der Finsternis‘ (2.Petrus2,4). Daß in der vorhin angeführten
Stelle bei Johannes nicht die Gräber auf dem Kirchhof gemeint sein können,
geht schon daraus hervor, daß Christus sagt, die Stunde sei jetzt schon da,
wo die Toten in den Gräbern seine Stimme hören würden. Also hätten damals
bereits die Leiber der Verstorbenen aus den Gräbern kommen müssen. Doch
Christus meint mit jenen Worten die ‘geistig Toten‘ in den Gefängnissen
Satans, die er durch seinen bevorstehenden Abstieg zur Hölle befreien wollte,
soweit sie auf die Stimme des Erlösers hören würden. Auch die Tatsache, daß Christus
nach seinem irdischen Tode seinen Getreuen in einer materiellen Gestalt
erschienen ist, hat zu der falschen Auffassung geführt, er habe seinen
früheren menschlichen Leib wieder angenommen. In Wirklichkeit machte er sich
in derselben Weise sichtbar, wie sich stets die Geister sichtbar machen,
nämlich durch Materialisation ihres geistigen Leibes. Haben nicht viele andere Geister
vor Christus das getan? Kamen nicht eines Tages drei Geister in vollkommen
menschlicher Gestalt zu Abraham und aßen mit ihm in derselben Weise, wie
Christus nach seinem Tode mit seinen Jüngern gegessen hat? Und hat der
Erzengel Raphael nicht viele Wochen hindurch den jungen Tobias in einer
menschlichen Gestalt begleitet, mit ihm gegessen und getrunken, so daß dieser
ihn für einen gewöhnlichen Menschen hielt? War es da also etwas Besonderes, daß
Christus sich nach seinem Tode seinen Jüngern zeigte und mit ihnen sprach, aß
und trank? Solche Materialisationen von Geistern erlebt ihr auch heute noch.
Auch böse Geister können sich in dieser Weise verkörpern. Der wahre Sinn der ‘Auferstehung
von den Toten‘ wurde erst nach der Himmelfahrt Christi durch die Geister
Gottes den Aposteln und Gläubigen klargemacht. Denn sooft Christus während
seines irdischen Lebens mit den Aposteln über seine ‘Auferstehung von den
Toten‘ sprach, verstanden sie nicht, was er damit meinte. ‘Sie sprachen
untereinander darüber, was wohl mit der Auferstehung von den Toten gemeint
sei‘ (Mark9,10). Über die Ansicht der religiösen
Führer des jüdischen Volkes der damaligen Zeit bezüglich der ‘Auferstehung
von den Toten‘ berichtet die Apostelgeschichte: ‘Die Sadduzäer behaupten, es
gäbe keine Auferstehung, auch keine Engel und keine Geister, während die
Pharisäer beides annehmen (Apg.23,8). Zu einer Rückkehr aus dem Reich der
geistig Toten zum Reiche Gottes bedarf niemand irgend welche menschliche
Einrichtungen, keine äußeren Kirchenorganisationen, keine Priester, wie sie
die heutigen Religionen, vor allem die katholische, aufweisen. Der von Gott
Abgeirrte kann sich jederzeit innerlich mit Gott, seinem Vater, in Verbindung
setzen und erhält von ihm ohne menschliche Zwischeninstanzen Verzeihung und
Kraft zu einem Leben nach dem Willen Gottes. Deine bisherige Kirche lehrt im
Gegensatz hierzu die Notwendigkeit sogenannter ‘Sakramente‘ als Mittel zur
Erlangung des Heiles. Und da diese Sakramente nur von Priestern gespendet
werden können, die von den Bischöfen geweiht sind, so besitzt die katholische
Kirche in der Sakramentenlehre das stärkste Machtmittel, die Gläubigen an
ihre Kirchenorganisation zu fesseln. Denn ohne das Dazwischentreten eines
Priesters ist es nach der Lehre dieser Kirche nicht möglich, zu Gott zu
gelangen. Es wird dir beim Lesen des Neuen
Testamentes auffallen, daß in der Lehre Christi und der Apostel auch nicht
ein einziges Wort enthalten ist, mit dem ihr die Sakramentenlehre begründen
könntet. Eure Sakramente in der von euch gelehrten Bedeutung sind menschliche
Erfindungen, wie ich dir jetzt zeigen werde. Als erstes und notwendigstes
Sakrament gilt euch die Wassertaufe. Ihr behauptet, daß die Taufe aus sich,
also ohne Zutun des Täuflings, aus einem Feinde Gottes ein Kind Gottes mache,
indem sie sowohl die sogenannte Erbsünde, als auch alle persönlichen Sünden
tilge. Darum tauft ihr auch die Kinder, die nicht einmal wissen, daß sie die
Taufe empfangen. Das sind ganz irrige Vorstellungen
von der Bedeutung der Taufe. Denn in der ersten christlichen Zeit war die
Taufe nichts weiter als die Vornahme einer äußeren Handlung zum Zeichen einer
inneren Gesinnung. Durch die Taufe wurde also nichts Neues bewirkt, wie ihr
lehrt, sondern bloß das nach außen kundgetan, was an innerer Gesinnung im
Täufling vorhanden war. So war die Taufe des Johannes für diejenigen, die sie
annahmen, ein in der Öffentlichkeit abgelegtes Zeugnis dafür, daß sie den
Worten des großen Bußpredigers Glauben schenkten und von ihrem bisherigen
schlechten Lebenswandel ablassen wollten. Daß diese Taufe öffentlich
gespendet wurde, war das Wesentliche. Alle sollten sehen können, wer die
Taufe empfing. Du könntest nun denken, ein äußeres
Zeichen für eine innere Gesinnung sei nicht erforderlich. Aber ihr Menschen
täuscht euch selbst so oft über eure wirkliche Gesinnung und werdet euch erst
dann vollkommen darüber klar, wenn ihr sie äußerlich vor der Öffentlichkeit
an den Tag legen sollt. Da zeigt es sich dann nicht selten, daß das
vermeintliche Gute in euch doch nicht so groß ist, als ihr im Stillen
geglaubt hattet. Unter denen, die zu Johannes kamen und seine Predigt hörten,
befanden sich auch viele, die eine Änderung ihrer Gesinnung in sich zu verspüren
meinten. Als sie aber die Taufe als äußeres Bekenntnis dieser
Gesinnungsänderung vor allem Volke empfangen sollten, da schreckten sie
zurück. Es kam die Menschenfurcht, und sie war stärker als das Gute in ihnen.
Sie fürchteten das Gespött ihrer Mitmenschen, vor allem der jüdischen
Geistlichkeit, die ja Johannes nicht als einen Gesandten Gottes anerkannte. Aus Menschenfurcht lehnten sie also
die Taufe ab. Wäre daher dieses äußere Zeichen nicht gewesen, vor dessen
Annahme oder Ablehnung sie gestellt wurden, so wäre es ihnen nie zum
Bewußtsein gekommen, daß sie tatsächlich nicht reif für das Reich Gottes
waren. Denn wer sich aus menschlichen Rücksichten scheut, für das, was er als
wahr und recht erkannt hat, auch öffentlich einzutreten und alle irdischen Folgen
eines solchen Bekenntnisses auf sich zu nehmen, auf den ist kein Verlaß. Er
ist nicht brauchbar für die Sache Gottes; denn das Irdische steht ihm höher.
Aus demselben Grunde ließ sich auch Christus von Johannes taufen. Auch er
wollte öffentlich bekunden, daß er für die von Johannes gepredigte Wahrheit
eintrete. Johannes wählte als äußeres Zeichen
der Anerkenntnis seiner Lehre und des Willens zur Lebensbesserung die Taufe
in der Form des Untertauchens in Wasser. Er hätte auch ein anderes Zeichen
wählen können, aber das Untertauchen in Wasser war das schönste Sinnbild
dessen, was er mit seiner Predigt bezweckte. Er lehrte die Reinigung von
Sünde durch Änderung der bisherigen schlechten Gesinnung. So wie nun der
Getaufte durch Untertauchen äußerlich von Schmutz gereinigt wurde und
gewissermaßen als ein neuer Mensch aus dem Wasser stieg, so sollte ihn die
Annahme der Wahrheit innerlich reinigen und befähigen, als ein neuer Mensch
ein Leben des Gehorsams gegen Gott zu führen. Aus demselben Grunde der Sinnbildlichkeit
hat auch Christus die Wassertaufe als äußeres Zeichen der Annahme seiner
Lehre beibehalten. Was die öffentliche Taufe als Bekenntnis zum Christentum
für die Menschen der ersten christlichen Zeiten an äußeren Folgen hatte,
davon vermöget ihr euch heute keine rechte Vorstellung mehr zu machen. Die
zum Christentum übertretenden Juden setzten sich dem Haß, der Verfolgung und
der wirtschaftlichen Schädigung ihrer früheren Glaubensgenossen, besonders
der jüdischen Geistlichkeit aus. Man beschimpfte sie auf der Straße,
schleppte sie ins Gefängnis, steinigte sie. Aus der Geschichte des Paulus und
des Stephanus kannst du ersehen, mit welchem Fanatismus das damalige Judentum
die Judenchristen verfolgte. Ebenso schlimm waren die
Christenverfolgungen durch das Heidentum. Die heidnische Religion war
Staatsreligion. Die Verehrung der Götter, die Götzenfeste und Götzenopfer
waren durch Staatsgesetze vorgeschrieben. Es wurde als eines der größten
Verbrechen gegen den Staat und den Herrscher betrachtet, sich von der Götterverehrung
und den Opferfesten fernzuhalten. Darauf ruhte Todesstrafe und Einziehung der
Güter. Nun aber konnte ein Christ sich selbstverständlich nicht mehr an den
Götterfesten und Opfermahlzeiten beteiligen. Wurde er angezeigt, so mußte er
sich auf das Schlimmste gefaßt machen. Die Schrecknisse der
Christenverfolgungen durch das Heidentum sind dir ja bekannt. Tod und
Einziehung ihrer Güter waren das Los vieler Christen. Wieviele der heutigen
sogenannten Christen würden wohl bereit sein, eine Taufe zu empfangen, die
mit solchen Folgen für Leben und Eigentum verbunden wäre? Doch wer nicht den Mut hat, unter
solchen Opfern seinen Glauben zu bekennen, der ist kein wahrer Christ. Die
Taufe gab also dem Getauften nichts Besonderes an inneren Gnaden, sondern war
bloß das Zeichen, daß er bereit war, alle Folgen eines solchen öffentlichen
Bekenntnisses auf sich zu nehmen. Was folgt nun daraus? Vor allem, daß die Taufe von
unmündigen Kindern wertlos ist. Sie können ja weder die Wahrheit erkennen
noch ein Bekenntnis dafür ablegen. Darum haben die Christen der ersten
Jahrhunderte nie Kindern die Taufe gespendet. Deshalb gebot auch Christus
seinen Aposteln, zuerst zu lehren und dann erst die zu taufen, die zur
Annahme der Wahrheit bereit waren. Ferner folgt daraus, wie irrig die Lehre
der christlichen Kirchen ist, die da behaupten, die Taufe reinige ein Kind
von der Erbsünde und die ohne Taufe sterbenden Kinder gingen für immer des
Reiches Gottes verlustig. Eine Reinigung von Sünden kann nur
durch Abwendung des Willens vom Bösen erfolgen und nicht durch irgendeine
äußere Handlung. Paulus berichtet von einigen Christen seiner Zeit, daß sie
sich für diejenigen taufen ließen, die bereits gestorben waren. Das war
christlicher Übereifer von Neulingen im Glauben. Niemand kann sich für einen
anderen taufen lassen. Sein Heil hat jeder selbst zu wirken. Da gibt es keine
Stellvertretung. Jene Christen meinten es gut. Sie wollten damit bekunden,
daß ihre Verstorbenen, wenn sie noch am Leben wären, ebenfalls die Lehre
Christi angenommen und als äußeres Bekenntnis die Taufe empfangen hätten. Aus
Liebe zu ihren Verstorbenen taten sie es. Die Sendung des Geistes (Firmung) Als zweites Sakrament Führt deine
Kirche die ‘Firmung‘ an. Der Bischof legt beim Spenden dieses ‘Sakramentes‘
dem Firmling die Hand auf, salbt ihn und betet über ihn. Diese äußeren
Handlungen sollen nun bewirken, daß der ‘Heilige Geist‘ über den Gefirmten
kommt, wie er am Pfingstfest über die Apostel kam. Es ist richtig, daß Christus
verheißen hat, nach seiner Auferstehung Geister vom Vater zu den Gläubigen zu
senden. Aber diese Ausgießung der Geister Gottes hatte er nicht an äußere
Zeremonien eines Bischofs geknüpft . Die Boten Gottes sollten zu allen
kommen, die innerlich würdig waren, sie zu empfangen. Und wenn in dem Bericht
der Apostelgeschichte auch eine Handauflegung in Verbindung mit der
Ausgießung der Geister Gottes erwähnt wird, so waren diese Zusammenhänge doch
ganz andere, als ihr heute annehmt. Den Getauften oder den Neubekehrten
wurde von seiten der Presbyter die Hand aufgelegt zum Zeichen der Aufnahme in
die Gemeinde. Da die Presbyter eine große mediale Kraft besaßen, so wurde bei
den medial veranlagten Täuflingen die Odkraft durch die Handauflegung so
gestärkt, daß nicht selten Kundgebungen der Geister Gottes durch sie
erfolgten. Es brauchte dazu kein eigentlicher Trancezustand bei ihnen
einzutreten, sondern die Einwirkung der Geisterwelt war oft dieselbe, wie du
sie bei den sogenannten ‘Inspirationsmedien‘ kennengelernt hast. Die unter
dieser Einwirkung Stehenden sprachen Worte des Gebetes oder des Lobpreises
Gottes, was euch aus den ersten christlichen Jahrhunderten als ‘Beten im
Geiste‘ bekannt ist. Auch waren es oft Worte der Ermahnung und Belehrung,
durch welche die Umstehenden tief erschüttert wurden. Ferner wurden bei denen, die eine
besondere Aufgabe in den christlichen Gemeinden zu erfüllen hatten, die
Handauflegung vorgenommen, um dadurch zu bekunden, daß sie als Werkzeuge
Gottes zu gelten hatten, nachdem sie von Geisterboten Gottes als solche bestimmt
worden waren. Wenn daher der Apostel Paulus
seinen Mitarbeiter Timotheus ermahnt, niemandem übereilt die Handauflegung zu
erteilen, so meint er damit zweierlei: Einmal sollte er keinem zur Ausbildung
als Medium behilflich sein, den er nicht vorher nach seiner inneren Gesinnung
und Standhaftigkeit im Glauben erprobt hatte, damit nicht die Gefahr bestand,
daß das Medium nachher dem Bösen verfiel und dadurch großen Schaden in der
Gemeinde anrichtete. Ferner sollte er bei keinem die Handauflegung zum Zeichen
der öffentlichen Anerkennung als Werkzeug für eine bestimmte Aufgabe
vornehmen, wenn nicht ein Geist Gottes ihn ausdrücklich für diese Aufgabe
benannt hatte. Einer, dem bloß die Heilkraft
zuteil geworden war, durfte nur zur Krankenheilung verwendet werden und nicht
etwa für das Lehramt. Denn dazu war er weder berufen noch befähigt. ‘Sind
etwa alle Apostel?‘, fragt Paulus im Korintherbrief. ‘Sind alle geistliche
Redner? Sind alle Lehrer? Besitzen etwa alle Wunderkräfte? Haben etwa alle
die Gabe der Heilung? Reden etwa alle in fremden Sprachen? Können alle die
fremden Sprachen in die Muttersprache übertragen?‘ (1.Kor.12,29-30). Und wenn Paulus an denselben
Timotheus die Mahnung richtet, die Gnadengabe Gottes, die ihm durch seine
Handauflegung zuerkannt worden sei, zu heller Flamme anzufachen, so meint er
die Gabe des Lehramtes. Timotheus war von Paulus auf Weisung eines Geistes
Gottes durch Handauflegung als Lehrer der Heilswahrheiten feierlich anerkannt
und ausgesandt worden. Aber er wurde kleinmütig und verzagt wegen der großen
Schwierigkeiten, die ihm bei Ausübung seines Lehramtes begegneten. Wenn du das Wirken der Geister in
der ersten christlichen Zeit mit dem vergleichst, was ihr heute darüber
lehrt, dann wirst du finden, wie weit ihr auch in diesem Punkte von der
Wahrheit abgeirrt seid. Gottes Geist läßt sich nicht von Menschen durch
äußere Handlungen nach menschlichem Belieben austeilen. Er kommt zu denen,
die sich ihn innerlich verdienen und nach ihm sehnliches Verlangen tragen,
ohne Bischof und bischöfliche Salbung. Der Geist Gottes weht, wo er will und
nicht, wo die Menschen wollen, daß er wehen soll. Vor der Erlösung durch Christus war
über die ganze Menschheit der Geist der Finsternis ausgegossen. Furchtbar
waren die Wirkungen, welche die bösen Mächte auf die Menschen ausübten. Das
erkennst du an den vielen Fällen von Besessenheit, die in der Bibel bei den
Heilungen Christi erwähnt werden. Anderen fügten die bösen Geister schwere
körperliche Schäden zu. Ihr lest in den Evangelien von solchen, die infolge
der Einwirkung eines bösen Geistes stumm, taubstumm, blind, fallsüchtig
waren. Bald war es ein einzelner der bösen
Geister, der sich auf sein Opfer stürzte, bald war es ein ganzes Heer.
‘Unsere Zahl ist Legion‘ bekannte einer dieser Geister. Wenn auch die
Mehrzahl der Menschen die Macht des Bösen nicht in so offenkundiger Weise an
sich erfuhren, wie die von den bösen Geistern körperlich Gequälten, so war
doch das Böse auch bei ihnen in der Weise übermächtig, daß es die Erkenntnis
der Wahrheit und des Guten verhinderte und die Herzen verstockte. Auch die
Erlösung hat an diesem Einfluß der bösen Geister auf die, welche durch ihren
Unglauben dem Bösen freiwillig verfallen blieben, nichts geändert. Auf die,
welche dem Satan der Gesinnung nach angehören, übt er auch jetzt noch seine
Macht in demselben Umfange aus, wie vorher. Auch ihr habt heute viele
Besessene. Ihr nennt sie Irrsinnige, die in allen Fällen, wo kein Fehler des
Gehirns vorliegt, zu den Besessenen gehören. Bei denen‚ die zum Glauben an
Gott und zum Gehorsam gegen ihn zurückkehren, ist die Macht des Bösen seit
der Erlösung gebrochen. Freilich haben auch sie immer noch zu kämpfen und
bedürfen, wie Paulus sagt, der Waffenrüstung Gottes, damit sie gegen die
listigen Angriffe des Teufels festbleiben. ‘Denn sie haben nicht mit Wesen
von Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit den außerirdischen Mächten und
Gewalten, mit den Herrschern der Finsternis, mit dem Heer der bösen Geister
im Universum‘ (Eph.6,12). Das dritte Sakrament der
katholischen Kirche führt die Bezeichnung ‘Sakrament des Altares‘. Andere
christliche Kirchen nennen es ‘Abendmahl‘. Paulus nennt es ‘Des Herrn Mahl‘.
Auch daraus hat man im Laufe der Jahrhunderte etwas ganz anderes gemacht, als
es nach der Absicht Christi sein sollte. Opfermahle waren bei den Juden und
Heiden gottesdienstliche Gebräuche. Sie bildeten einen wesentlichen Teil
ihres Gottesdienstes. Sie schlachteten an geweihter Stätte Tiere, gossen das
Tierblut vor der Gottheit aus, verbrannten Teile des Opferfleisches zur Ehre
der Gottheit und aßen das übrige in Form eines gemeinschaftlichen Mahles.
Doch nicht bloß Tiere opferten sie, sondern auch Früchte, Brot, Öl und Wein
und ähnliche Dinge. Auch davon wurde ein Teil der Gottheit zu Ehren vernichtet
und der Rest bei der Opfermahlzeit verzehrt. Was vor der Gottheit verbrannt oder
ausgegossen wurde, diente, wie du weißt, zur Bereitung des Kraftstromes für
die Geisterkundgebungen. Aber auch das, was von den Verehrern der Gottheit
verzehrt wurde, galt als geweiht und durch die Gottheit geheiligt. Das Essen und Trinken der
Opferreste war das Sinnbild der inneren Gemeinschaft mit der Gottheit selbst.
So wie die geweihten Speisen und Getränke durch Aufnahme in den Körper des
Genießenden mit diesem eins wurden, so sollten die Teilnehmer an dem
Opfermahl auch in Geist und Gesinnung eins werden mit der Gottheit und deren
Willen vollziehen. Diese Bedeutung hatten die
Opfermahle sowohl bei den Juden, als auch bei den Heiden. Das Passahmahl der
Juden am Abend vor dem Auszug aus Ägypten war das Sinnbild dafür, daß sie mit
dem Gott in Gemeinschaft bleiben wollten, der sich ihnen durch Mose als
Retter kundgetan hatte. Seinen Weisungen wollten sie in Zukunft gehorchen.
Das Passahmahl der Israeliten war also das Sinnbild ihrer Rettung durch Gott
aus der Knechtschaft Ägyptens unter der Führung des Mose als des Gesandten
Gottes. Christus war der durch Mose
vorbedeutete und vorherverkündete große Gottesgesandte, der die Menschheit
aus der Knechtschaft Satans, des höllischen Pharao, herausführen sollte. Am
Vorabend des Tages, an dem er die Befreiung der Menschheit durch sein Sterben
und seinen Sieg über die Hölle verwirklichen sollte, feierte er mit seinen
Getreuen dasselbe Mahl, das einst Mose am Abend vor der Befreiung des
Judenvolkes gefeiert hatte. Zweierlei wollte er ihnen mit diesem Mahl
versinnbildlichen: Seinen Abschied im leiblichen Tode - und sein beständiges
Vereintbleiben mit ihnen dem Geiste nach. Als sinnbildliche Zeichen wählte er
Brot und Wein. Er nahm eine Scheibe Brot, brach sie in Stücke und reichte sie
seinen Jüngern zum Genusse mit den Worten: ‘Nehmet hin und esset; das ist das
Sinnbild meines Leibes, der für euch in den Tod gegeben wird. Tut dies zum
Andenken an mich!‘ So wie er jetzt die Brotscheibe in
Stücke brach, so wurde am folgenden Tage sein irdischer Leib im Tode
gebrochen und vom Leben getrennt. Ebenso nahm er den Kelch mit Wein,
ließ jeden daraus trinken indem er sprach: ‘Dieser Kelch ist das Sinnbild des
Neuen Bundes in meinem Blute, das für euch vergossen wird. Sooft ihr ihn
trinkt, denkt an mich!‘ So wie der Wein beim Genuß aus dem Kelche floß, so
floß am Sterbetag Christi sein Blut aus seinem Körper. Aber in der Hauptsache war dieses
Mahl das Sinnbild der geistigen Gemeinschaft, in der Christus trotz seiner
irdischen Trennung mit seinen Getreuen bleiben wollte. So wie das unter die
Jünger verteilte Brot vorher nur eine einzige Brotscheibe war und die
einzelnen Schlucke Wein vorher im Kelche eine Einheit bildeten, so sollten
die Jünger sowohl mit Christus, als auch untereinander im Geist und in der
Liebe eins sein. Um dieses Einssein hat Christus so
innig und ergreifend an diesem Abend gebetet. Sie sollten die Liebe zu ihrem
Meister in ihren Herzen bewahren und dadurch mit ihm verbunden bleiben zu
einem geistigen Leibe: Christus ist das Haupt und sie die Glieder. Daran sollten die Jünger von nun an
denken, sooft sie zusammenkamen, um zum Andenken an ihn das Mahl zu
wiederholen, das er als Abschiedsmahl mit ihnen gefeiert hatte. Sie sollten
nicht vergessen, daß es ein Mahl der Liebe war, das ihr Herr und Meister am
Abend vor seinem irdischen Scheiden mit ihnen gehalten hatte; daß nur
derjenige an der Wiederholung dieses Mahles teilnehmen darf, der durch das
Band der Liebe mit Gott und den Menschen verbunden ist. Wer diese Liebe nicht im Herzen
trägt, kann nicht das Gedächtnismahl der Liebe empfangen. Wer beim Empfang
dieses Mahles Haß, Feindschaft, Groll, Neid und sonstige Sünden gegen die
Nächstenliebe in seinem Inneren hegt, würde dadurch die größte Heuchelei
begehen. Es wäre die schwerste Beleidigung dessen, der dieses Mahl als
Gedächtnis der Liebe eingesetzt hat. Darum hat ein jeder, der dieses Mahl der
Liebe empfangen will, sich vorher zu prüfen, ob er die Liebe zu Gott und dem
Nächsten besitzt, da sonst das Mahl eine Verhöhnung Christi wäre. Das ist die
wahre Bedeutung des Abendmahls Christi und der Wiederholung dieses Mahles zum
Andenken an ihn. Und was hat man im Laufe der
Jahrhunderte aus diesem Mahle gemacht? Man hat die Lehre aufgebracht,
Christus habe durch die Worte, die er bei der Überreichung des Brotes und des
Kelches gesprochen, das Brot in seinen wirklichen Leib und den Wein in sein
wirkliches Blut verwandelt. Brot und Wein seien daher nicht bloß Sinnbilder
gewesen, sondern das Brot sei zu Christi lebendigen Leib und der Wein zu
seinem lebendigen Blut geworden. Zwar könne man diese Verwandlung äußerlich
nicht wahrnehmen. Und diese Verwandlung finde auch heute noch jedesmal statt,
sobald der Priester die Worte Christi über Brot und Wein spreche. Es ist diese Lehre wohl das
Widersinnigste, was jedem Menschengeiste zu glauben zugemutet worden ist.
Nach dieser Lehre wäre also beim letzten Abendmahle im Saale zu Jerusalem die
Person Christi in ein und demselben Augenblick dreiundzwanzigmal anwesend
gewesen. Sie saß in menschlicher Gestalt vor den Aposteln; jedes Stück Brot,
das die elf Jünger aßen, war dieselbe lebendige Person Christi und jeder
Schluck Wein, den die elf tranken, war wiederum Christus mit Leib und Seele,
mit Fleisch und Blut. Es ist unbegreiflich, wie Menschen
einen solchen Wahn aufbringen können. Kein Mensch und kein Geist kann sich
selbst vervielfältigen. Auch Gott nicht. Niemand - auch Gott nicht - kann als
Persönlichkeit gleichzeitig an mehreren Orten sein. Niemand kann sich in
etwas anders verwandeln und gleichzeitig das bleiben, was er ist. Christus
konnte sich nicht selbst essen. Denn da Christus auch selbst von dem Brote
aß, das er seinen Jüngern darreichte, so verzehrte er sich nach eurer Lehre
selbst. Ich finde keinen Ausdruck in eurer Sprache, um diese Lehre als
Ausfluß höchster menschlicher Verblendung zu brandmarken. Dazu lehrt ihr, daß die Priester
täglich diese Verwandlung von neuem vornehmen. Wenn sie über Brot und Wein
die Worte sprechen: ‘Dies ist mein Leib - dies ist mein Blut!‘, sollen alle
Brotteile und Weintropfen in die Person Christi verwandelt werden. Eure
Priester nehmen damit eine Macht für sich in Anspruch, die selbst Gott nicht
hat, weil auch er das in sich Unmögliche nicht möglich machen kann. Ihr mögt noch sooft beteuern, das
sei ein unbegreifliches Geheimnis und mögt es das Geheimnis des Glaubens
nennen, das ändert an der Unwahrheit dieser Lehre nichts. Mit dem Worte
‘Geheimnis‘ kann man jeden menschlichen Wahn verdecken. Worte findet man
immer, auch wenn man sich unter den Worten nichts Vernünftiges denken kann. Über eins muß ich mich bei dieser
Lehre besonders wundem: Ihr lest doch die Bibel. Ist euch dabei denn nicht
aufgefallen, daß in dem ganzen Neuen Testament auch nicht die geringste Spur
eurer widersinnigen Lehre enthalten ist? Wenn bei dem Abendmahl des Herrn
Brot und Wein in den wahrhaftigen Christus verwandelt worden wäre, dann
würden die Apostel nicht müde geworden sein, auf dieses unbegreifliche
Geschehen immer wieder hinzuweisen. Sowohl die Evangelien hätten über dieses
Wunder aller Wunder ausführlich berichtet, als auch die Apostel hätten in
ihren Briefen die ersten Christen immer wieder auf dieses Gedächtnismahl
hinweisen müssen. Aber nirgends wird etwas davon
erwähnt. Der Apostel Johannes, der beim Abendmahl an der Seite seines
Meisters ruhte und als erster von ihm einen Bissen jenes gesegneten Brotes
empfing, erzählt in seinem Evangelium überhaupt nichts von der Darreichung
des Brotes und Weines durch Christus. Er erzählt die Fußwaschung. Er erzählt
den Verrat des Judas. Und er sollte über dieses unbegreiflichste und
gewaltigste Geschehen im Leben Jesu verschwiegen haben? Die Apostel erwähnen in ihren
Briefen nichts vom Abendmahl. Die Apostelgeschichte teilt bloß mit, daß die
ersten Christen an der Lehre der Apostel, an der Gemeinschaft, am Brotbrechen
und am Gebet festhielten. Also hier wird die Feier des Abendmahls als ein
‘Brotbrechen‘ erwähnt und nicht als das, was ihr heute daraus gemacht habt.
Sie brachen das Brot als Sinnbild des Todes Christi und der Liebe, die sie in
der Gemeinschaft miteinander und mit Christus bestätigten. Es war Brot, was
sie brachen und aßen. Aber bei dem Genuß dieses Brotes waren sie mit ihren
Gedanken und Gebeten bei dem, der ihnen verheißen hatte: ‘Wo auch nur zwei
oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.‘
Der Genuß des Brotes und des Weines war für sie ein heiliges Sinnbild ihrer
geistigen Vereinigung mit ihrem Erlöser. Der Apostel Paulus, der eine große
Anzahl von Briefen an die Gemeinden geschrieben hat, ist der einzige, der in
seinem ersten Brief an die Korinther das Abendmahl erwähnt. Aber auch er würde darüber nichts
gesagt haben, wenn er nicht durch die äußeren Umstände dazu gezwungen gewesen
wäre. Man hat ihm nämlich mitgeteilt, daß es in der korinthischen Gemeinde
bei der Abendmahlsfeier sehr schlimm zuging. Die ersten Christen gestalteten
die Abendmahlsfeier zu einer vollständigen Mahlzeit, wie dies ja auch bei dem
Abendmahl Christi in Jerusalem der Fall war. Denn bevor Christus den Jüngern
Brot und Wein zum Gedächtnis reichte, hatte er mit ihnen das Osterlamm nebst
allem Dazugehörigen gegessen und Wein dazu getrunken. So aßen nun auch die
ersten Christen bei ihren Abendmahlsfeiern zuerst Fleischgerichte mit den
verschiedensten Zutaten. Auch sie tranken dazu Wein. Und erst zum Schluß
dieser Mahlzeit brachen sie Brot und tranken aus einem gemeinschaftlichen
Kelch Wein zum Gedächtnis Christi. Auch diese Christen waren schwache
Menschen mit denselben Fehlern wie ihr. Das zeigte sich leider auch bei der
Abendmahlsfeier in Korinth. Sie wurde in Privathäusern abgehalten. Nun war
der Eigentümer des Hauses, in dem die Feier stattfand, nicht in der Lage, die
Mahlzeit für alle Teilnehmer zu stellen. Denn die ersten Christen waren meist
arme Leute. Darum mußte sich jeder sein Essen und seinen Wein für die
gewöhnliche Mahlzeit, die der Abendmahlsfeier vorausging, selbst mitbringen.
Nun kam es vor, daß die Armen nur ein kärgliches Essen bei sich hatten oder
überhaupt nichts aßen, sondern sich bloß am Schluß an der eigentlichen
Abendmahlsfeier beteiligten. Dabei mußten sie oft zusehen, wie die
Bessergestellten ihr reichliches Mahl verzehrten und Wein dazu tranken und
bisweilen im Weingenuß die Grenzen des Erlaubten überschritten und sich
betranken. Solche Zustände konnten natürlich
nicht geduldet werden; nicht bloß deswegen, weil die dabeisitzenden Armen
Anstoß daran nahmen, sondern vor allem, weil sie mit dem Geist der
Abendmahlsfeier unvereinbar waren. Als daher Paulus gehört hatte, daß
sich Vorfälle dieser Art in der Gemeinde zu Korinth ereigneten, griff er ein
und machte den Korinthern darüber scharfe Vorhaltungen. Dabei mußte er
notgedrungen auch über den eigentlichen Sinn des Abendmahls zu ihnen
sprechen. Zunächst tadelte er sie wegen der
Vorkommnisse bei der Abendmahlsfeier: ‘Wenn ihr an demselben Ort
zusammenkommt, so heiße ich daß was ihr tut, nicht das Herrenmahl feiern.
Denn ein jeder nimmt zuvor seine eigene Mahlzeit zu sich, und dabei leidet
der eine Hunger und der andere betrinkt sich. Habt ihr denn nicht eure
eigenen Häuser, wo ihr essen und trinken könnt? Oder meint ihr, ihr brauchtet
keine Rücksicht zu nehmen auf die Gemeinde Gottes und ihr dürftet die
Unbemittelten beschämen? Was soll ich zu solchen Dingen sagen? Soll ich euch
etwa loben? In diesem Punkte gewiß nicht‘ (1.Kor.11,20-22). Und nun weist er sie auf die
Bedeutung des Abendmahls hin. Er brauchte ihnen nicht viel darüber zu
erklären. Denn er hatte sie schon früher mündlich darüber belehrt. Er führt ihnen
die von Christus beim ersten Abendmahl gesprochenen Worte an und faßt ihre
Bedeutung in den Worten zusammen: ‘Sooft ihr das Brot esset und den Kelch
trinket, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. Das Abendmahl ist also ein Essen
des Brotes und ein Trinken des Kelches als Sinnbild des Todes Christi, der
aus Liebe zu den gefallenen Geistern sein Leben hingab. Wer daher bei einer
Feier zum Gedächtnis Christi die Sinnbilder des Leibes und Blutes des
Erlösers in einer so unwürdigen Weise behandelt, wie dies manche Christen in
Korinth taten, der versündigt sich nicht bloß an diesen Sinnbildern, sondern
an Christus selbst. Denn wer die Feier zu Ehren eines Herrschers schändet,
der verunehrt den Herrscher selbst und wird wegen Majestätsbeleidigung bestraft.
‘Wer daher in unwürdiger Weise das Brot ißt und den Kelch des Herrn trinkt,
der versündigt sich am Leibe und Blute des Herrn.‘ Darum soll niemand Brot und Wein
als Sinnbild des Leibes und des Blutes Christi genießen, der nicht vorher bei
sich festgestellt hat, ob seine Gesinnung der Gesinnung des Erlösers ähnlich
ist. ‘Jedermann prüfe sich also selbst und esse dann erst von dem Brote und
trinke aus dem Kelche; denn wer da ißt und trinkt, der zieht sich selbst
durch sein Essen und Trinken ein göttliches Strafgericht zu, wenn er den Leib
des Herrn nicht gebührend würdigt.‘ Wer Brot und Wein als Sinnbilder
der größten und heiligsten Liebestat der Schöpfung als etwas Gleichgültiges
und Gewöhnliches behandelt, sie in Trunkenheit und unter anderen Ärgernis
erregenden Begleitumständen genießt, der muß von Gott bestraft werden. Denn
nicht einmal ihr Menschen laßt es euch gefallen, daß jemand ein Andenken, das
ihr ihm gabt, in entehrender Weise behandelt. Zu dieser entehrenden Behandlung
der Sinnbilder des Todes und der Liebe Christi gehört vor allem auch die
unwürdige innere Verfassung der Teilnehmer am Abendmahl. Wo ein
Gedächtnismahl der Liebe gefeiert wird, da darf nicht das Gegenteil der Liebe
in den Herzen der Anwesenden zu finden sein. Mit Streitsucht, Feindschaft,
Bitterkeit und ähnlichen Sünden gegen die Nächsten-liebe im Herzen kann man
nicht das Mahl der Liebe genießen. Auch hierin hatten die Korinther
schwer gefehlt. Denn Paulus gibt als ersten Grund, weshalb die
Abendmahlsfeier ihnen keinen Segen, sondern nur geistigen Schaden bringe, den
Umstand an, daß Spaltungen und Streitigkeiten bei ihnen herrschten, sie sich
also gegen die Nächstenliebe verfehlten. Wo die Abendmahlsfeier äußerlich und
innerlich in so unwürdiger Weise gehalten wurde wie in der Gemeinde von
Korinth, da brauchte man sich nicht darüber zu wundern, daß die Teilnehmer
nach den Worten des Apostels ‘schwach und krank‘ waren und bei manchen von
ihnen schon das Schlimmste, nämlich der geistige Schlaf der Gleichgültigkeit
gegen Gott eingetreten war. Wie du siehst, weiß Paulus nichts
davon, daß Brot und Wein etwas anderes sein sollen, als Sinnbilder des Leibes
und Blutes Christi. Wäre das Brot nicht mehr Brot, wie ihr lehrt, sondern
Christus selbst, dann würde Paulus es mit aller Deutlichkeit gesagt haben.
Was würde dieser feurige Christusjünger wohl für Worte gegen die Korinther
gebraucht haben, wenn das Brot des Abendmahls Christus selbst wäre. Schon vorher hatte Paulus in
demselben Briefe bei Besprechung der Götzenopfer das Abendmahl der Christen
erwähnt. Er stellt dort einen Vergleich an zwischen der Teilnahme an den
Opfermahlen zu Ehren der Götzen und der Teilnahme am Abendmahl zu Ehren
Christi. Der Sinn seiner Worte ist
folgender: Die Heiden setzen sich durch den Genuß des Götzenfleisches in
Verbindung mit den bösen Geistern. Das Opferfleisch als solches ist nichts
Besonderes. Es ist Fleisch und bleibt Fleisch, wie jedes andere Fleisch. Aber
die Gesinnung, in der die Heiden das Fleisch opfern und genießen, ist es,
durch die sie in Verbindung mit den bösen Geistern treten. Die Christen setzen sich durch den
Genuß von Brot und Wein in Verbindung mit Christus. Brot und Wein werden
dadurch in sich nichts Besonderes, sondern bleiben Brot und Wein. Nur die
Gesinnung, in der sie das gesegnete Brot und den gesegneten Wein genießen,
ist es, durch die sie in Verbindung mit Christus kommen. Darum darf kein Christ an den
Opfermahlen der Heiden teilnehmen, weil er sich durch eine solche Teilnahme
in Verbindung mit den bösen Geistern setzen würde. ‘Ihr könnt nicht
zugleich den Kelch des Herrn und den Kelch der bösen Geister trinken; ihr
könnt nicht zugleich am Tisch des Herrn und am Tisch der bösen Geister Gäste
sein (1.Kor.10,21). Ebensowenig, wie das Opferfleisch
der Heiden in böse Geister verwandelt wird, ebensowenig wird bei den Christen
Brot und Wein in Christus verwandelt, in beiden Fällen wird allerdings eine
Verbindung mit der Geisterwelt hergestellt, - bei den Heiden eine Verbindung
mit den bösen Geistern unter dem Sinnbild des Opferfleisches und des
Opferweines; bei den Christen eine Verbindung mit Christus unter dem Sinnbild
von Brot und Wein. Wie ferner bei den Opfermahlen der
Heiden die Teilnehmer nicht bloß mit dem einen bösen Geiste in Gemeinschaft
traten, zu dessen Ehren das Opfermahl gehalten wurde, sondern mit der
Gesamtheit der bösen Geisterwelt, die ja ein einheitliches Ganzes bildet, so
traten auch die Christen durch den Genuß von Brot und Wein nicht bloß mit
Christus als einem Einzelgeist in Verbindung, sondern mit allen Geistern des Reiches
Gottes, dessen König Christus ist. Paulus gebraucht zur Bezeichnung
dieser großen Gemeinschaft den Ausdruck ‘Leib des Herrn‘. Christus ist das
Haupt, und die ganze geschaffene Geisterwelt des Guten einschließlich der
gottesgläubigen Menschen sind die Glieder dieses geistigen Leibes. Wer also
mit Christus in Gemeinschaft steht, der hat auch Gemeinschaft mit den
Gliedern Christi. Diese Gemeinschaft wird beim Abendmahl besonders durch das
eine Brot versinnbildlicht. So wie das genossene Brot vorher ein Ganzes war,
so sollen die vielen, unter die es verteilt wurde, eins sein durch das Band
der Liebe: ‘Weil es ein einziges Brot ist, sind auch wir trotz unserer
Vielheit ein einziger Leib: Denn wir alle teilen uns in das einzige Brot‘
(1.Kor.10,17). Das Bild, daß alle, die Christus
angehören, mit ihm einen geistigen Leib bilden, braucht Paulus sehr häufig in
seinen Briefen. Es ist dasselbe, was ihr in eurem Glaubensbekenntnis mit
‘Gemeinschaft der Heiligen‘ bezeichnet. Um eure falsche Lehre von der
Verwandlung des Brotes und Weines in die Person Christi aufrecht zu halten,
versteift ihr euch zunächst auf die von Christus angeblich gebrauchten Worte:
‘Das ist mein Leib - das ist mein Blut.‘ ihr betont, daß es heißt ‘ist‘ und
nicht ‘bedeutet‘. Aber woher wißt ihr, daß Christus in seiner Sprache ein
Wort gebraucht hat, das eurem ‘ist‘ entspricht? ihr kennt ja die von Christus
in der aramäischen Sprache gebrauchten Worte gar nicht und besitzt auch den
ursprünglichen griechischen Text des Neuen Testamentes nicht mehr. In Wirklichkeit hat Christus beim
Abendmahl keine Worte gebraucht, die etwas anderes bedeuten als den Hinweis
auf Brot und Wein als Sinnbilder seines am folgenden Tage eintretenden Todes
als Erlösungstat für die Rettung der Welt. Doch wir wollen einmal annehmen, er
habe tatsächlich gesagt: ‘Das ist mein Leib - das ist mein Blut!‘, so weiß
doch wohl jeder Bibelkenner, daß Christus nur in Sinnbildern gesprochen hat,
wie er selbst mit den Worten bestätigt: ‘Dies habe ich euch in sinnbildlichen
Reden verkündet. Aber es kommt die Zeit, wo ich nicht mehr in Bildern zu euch
reden werde‘ (Joh.16,25). Und wann sprach er diese Worte? Wie
du dich überzeugen kannst, gerade beim letzten Abendmahl, wenige Stunden vor
seinem Tode. Als Mensch redete er alles in Sinnbildern. ‘Dies alles redete
Jesus in Sinnbildern zum Volke und ohne Sinnbilder redete er nichts‘
(Matth.13,34,) Auch am Abend des Abschiedes von
seinen Jüngern redete er nicht bloß von Brot und Wein als Sinnbildern seines
Todes, sondern in einem anderen Sinnbild zeigte er das Lebensverhältnis
zwischen ihm und seinen Jünger: ‘Ich bin der Weinstock und ihr seid die
Reben‘ (Joh.15,5). Wenn ihr nun Brot und Wein nicht
als Sinnbilder gelten lassen wollt, dann dürft ihr auch nicht die Worte vom
Weinstock und den Reben sinnbildlich nehmen, sondern müßt sagen: ‘Dadurch,
daß Christus die Worte sprach: ‘Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben‘
wurde Christus in einen Weinstock und seine Jünger in Reben verwandelt.‘ Denn
es ist in beiden Fällen dieselbe Ausdrucksweise, und die eine Verwandlung ist
nicht schwieriger als die andere; nämlich beide wären gleich möglich. Es ist begreiflich, daß die
katholische Kirche alles nur von ferne Verwendbare aus der Bibel
zusammensucht, um ihre ungeheuerliche Lehre zu stützen. So nimmt sie auch
andere Sinnbilder in ihrer wörtlichen Bedeutung, wo Christus sich das ‘Brot‘
nennt, das vom Himmel gekommen ist, und auch, wo er sagt, daß sein Fleisch
wahrhaftig eine Speise und sein Blut wahrhaftig ein Trank sei. Das alles ist geistig zu verstehen,
was ja auch Christus selbst immer wieder betonte. ‘Der Geist ist es, der das
Leben schafft das Fleisch hilft dazu nichts. Die Worte, die ich zu euch
geredet habe, sind Geist und sind Leben‘ (Joh.6,63). Er sagt von sich, daß es seine
‘Speise‘ sei, den Willen seines himmlischen Vaters zu erfüllen. Der
Samariterin am Jakobsbrunnen versprach er ‘Wasser‘ zu geben, das zum ewigen
Leben fließe. Das alles sind sinnbildliche Ausdrücke, die nie im wörtlichen
Sinne genommen werden dürfen, da sonst die größten Torheiten zum Vorschein
kämen. Christus ist nicht ein wirklicher
Weinstock und seine Jünger sind keine wirklichen Reben. Das Abendmahlsbrot
ist nicht sein wirklicher Leib und der Wein nicht sein wirkliches Blut. Alles
ist geistig und sinnbildlich zu verstehen. Und so verstanden es auch die
Apostel und alle Christen der ersten Jahrhunderte. Der Gottesdienst, dessen
Mittelpunkt die angebliche Verwandlung von Brot und Wein in die Person
Christi ist, wird von den Katholiken ‘Messe‘ genannt. Man bezeichnet sie auch
als die Erneuerung des Kreuzestodes Christi. Es gibt keine Erneuerung des
Kreuzestodes Christi - auch keine unblutige. Wie ihr euch wohl eine unblutige
Erneuerung des Kreuzestodes denkt? Nun, in Wirklichkeit denkt ihr euch
überhaupt nichts dabei, weil sich nichts Vernünftiges darunter denken läßt.
Die Messe ist entstanden durch eine Erweiterung der Gebete der
Abendmahlsfeier der ersten christlichen Zeit. Sie hat jedoch im Laufe der
Jahrhunderte alles eingebüßt, was das Abendmahl zu einem Gemeinschaftsmahl
und einem Gedächtnismahl des Herrn machte. So enthält also die sogenannte
Messe an Gutem weiter nichts als eine Reihe von Gebeten, die jeder für sich
ebenso gut in seinem Kämmerlein beten kann. Er bedarf dazu keines Priesters.
Das große Vertrauen des katholischen Volkes auf die Wirkung der bezahlten
Messen ist daher leider eine große Selbsttäuschung. Gebt dem Volke die Abendmahlsfeier
der apostolischen Zeit wieder! Denn diese Feier ist eine heilige und
segenbringende Handlung. Ihr sollt sie recht oft halten. Dafür eignen sich
besonders die Vorabende eurer hohen Feste oder die Tage der Feste selbst.
Auch an anderen Tagen, die für euch von Bedeutung sind, mögt ihr euch zu
einer solchen Feier zusammenfinden. Ihr könnt dies ohne fremde Hilfe,
in eurer eigenen Familie. Ihr braucht dazu keine sogenannten ‘Priester‘ oder
sonstige Religionsdiener und keine Kirchen. Es wird sich in jedem Kreis von
Gläubigen jemand finden, der es versteht, die Abendmahlsfeier in würdiger Weise
vorzunehmen. Wegen der Wichtigkeit der Sache
möchte ich dir den Verlauf einer solchen Feier kurz schildern. Als Brot nehmt
ihr am besten ungesäuertes Brot, in eurer Sprache ‘Matzen‘ genannt. Mit
Rotwein oder auch Weißwein füllt ihr einen Glas- oder Kristallbecher. Beides
stellt ihr auf einen weißgedeckten Tisch. Das Gefäß mit Wein deckt ihr bis
zum Gebrauche zu, damit der Wein durch nichts verunreinigt wird. Ebenso kann
man das Brot mit einem reinen Tüchlein überdecken. Außerdem mögt ihr nach dem
Beispiel der ersten Christen ein einfaches Kreuz ohne Christuskörper auf den
Tisch stellen. Hinter das Kreuz sieben Kerzen, und zwar so, daß die mittlere
Kerze dicht hinter das Kreuz zu stehen kommt. Wenn ihr zur festgesetzten Stunde
versammelt seid, beginnt ihr mit einem zu dieser Feier passenden Lied. Dann
betet der, welcher die Feier leitet, ein Gebet mit seinen eigenen Worten und
liest dann den einen oder anderen Psalm, der sich für diese Stunde eignet.
Auch kann er aus mehreren Psalmen diejenigen Verse auswählen, die er für
passend findet. Darauf folgt eine entsprechende Lesung aus der Heiligen
Schrift. Sollte einer der Anwesenden befähigt sein, eine kurze Ansprache zu
halten, so wird dies von Nutzen sein. Darauf verbringen die Teilnehmer einige
Minuten in stiller Sammlung, indem sie ihre Sünden und Fehler überdenken und
in wahrer Reue Gott um Verzeihung bitten. Dann betet der Versammlungsleiter
oder alle zusammen den Psalm: ‘Aus der Tiefe rufe ich zu dir‘. Nach Beendigung dieses Bußpsalms
tritt der Leiter an den Tisch und betet mit selbstgewählten Worten, daß Gott
Brot und Wein segnen möge, damit deren Genuß allen Teilnehmern zum Heile
gereiche. Darauf bricht er jedem der Anwesenden ein Stück von der Brotscheibe
ab und reicht es dem einzelnen hin mit den Worten: ‘Nehmet hin und esset! Das
ist das Sinnbild des Leibes Christi, unseres Erlösers, der zu unserer Rettung
am Kreuze gestorben ist.‘ Das spricht er nur einmal langsam, während er das
Brot herumreicht, das die Teilnehmer in die Hand nehmen und sofort essen. Als
letzter nimmt der Austeiler selbst ein Stück und ißt es. Ebenso reicht er im Anschluß daran
den Kelch herum mit den Worten: ‘Trinket alle daraus! Das ist das Sinnbild
des Blutes unseres Herrn Jesu Christi, das einst geflossen ist zur Vergebung
unserer Sünden.‘ Zuletzt trinkt er selbst aus dem Kelche. Dann spricht er ein
Dankgebet. Ein Lied schließt die Feier. Ist ein Tieftrancemedium anwesend,
so wird der aus ihm sprechende Geist die Leitung der Feier übernehmen und das
Erforderliche veranlassen. Es ist durchaus nicht verboten, im Anschluß an das
Abendmahl eine irdische Feier mit einem Mahle zu veranstalten und in recht
froher Stimmung zusammenzubleiben. Denn ihr sollt frohe Menschen sein und die
innere Freude auch äußerlich an den Tag legen. Ihr sollt nicht bloß die
geistigen Gaben Gottes, sondern auch die irdischen mit Dank gegen Gott in
Freude und Frohsinn genießen, ohne die Grenzen des Erlaubten dabei zu
überschreiten. Die katholische Kirche hat ein
Sakrament der Buße. Nach der Lehre des Neuen Testamentes bedeutet ‘Buße‘ eine
‘Änderung der Gesinnung‘. Johannes der Täufer predigte Buße zur Vergebung der
Sünden. Und von Christus heißt es: ‘Von dieser Zeit an begann Jesus die
Heilsbotschaft mit den Worten zu verkünden: Tuet Buße, denn das Himmelreich
ist nahe herbeigekommen!‘ (Matth.4,17). Die Worte ‘Tuet Buße!‘ lauten in
der Bibel nach wörtlicher Übersetzung: ‘Ändert eure Gesinnung!‘ Buße ist also
eine geistige Umkehr vom Bösen zum Guten und zu Gott. Wer das Böse, das er
bis dahin getan hat, nicht mehr tut, und das Gute, das er bis dahin
unterlassen, zu tun beginnt, bei dem ist eine Gesinnungsänderung eingetreten.
Er gehört zu denen, die Buße tun. Die Katholiken verbinden mit dem
Sakrament der Buße einen viel weiteren Begriff. Es genügt ihnen nicht eine
Umkehr des Menschen in Gesinnung und Tat; die katholische Kirche fordert
vielmehr als unerläßliche Bedingung für eine solche Umkehr und für eine
Versöhnung mit Gott das Bekenntnis aller einzelnen schweren Sünden vor einem
katholischen Priester. Nur dieser hat nach ihrer Lehre die Macht, an Gottes
Statt die Sünden zu vergeben. Ohne priesterliche Lossprechung gibt es für sie
keine Sündenvergebung. Dadurch bindet sie die Gläubigen fest an das
Priestertum und die kirchliche Organisation. Mit diesem geistigen Machtmittel
übt sie eine absolute Herrschaft über die Seelen aus. ‘Niemand kann Sünden vergeben, als
Gott allein.‘ Mit diesem Ausspruch hatten die Schriftgelehrten Christus
gegenüber recht. Kein Mensch und kein Priester kann eine Lossprechung
erteilen. Auch Christus konnte es nicht. Wohl kann Gott einem Menschen als
Werkzeug Gottes in einem bestimmten Fall einen Auftrag geben, einem Sünder zu
sagen, daß Gott ihm seine Sünden verziehen habe. Einen solchen Auftrag gab
Gott dem Propheten Nathan. Er sandte ihn zu David, um ihm mitzuteilen, daß er
ihm die Sünde des Ehebruches und Mordes vergeben habe. Ebenso hatte Christus in den
einzelnen Fällen, in denen er Sündern die Vergebung der Sünden mitteilte,
einen speziellen Auftrag Gottes erhalten. Er verkündete die Sündenvergebung
nicht aus sich und nach eigenem Ermessen. Er verkündete sie nur denen, die
ihm Gott durch seine Geisterboten als der Vergebung würdig bezeichnet hatte.
Das bestätigt Christus, indem er seinen Gegnern ausdrücklich sagt, der Vater
habe ihm den Auftrag dazu erteilt. Nicht einen Auftrag für alle Fälle nach
dem Belieben Christi, sondern in jedem einzelnen Fall. Der katholische Priester behauptet
nun, von seinem Bischof die Gewalt bekommen zu haben, nach eigenem
menschlichen Ermessen den Gläubigen die Lossprechung zu erteilen oder zu
versagen. Aber wie will er denn wissen, ob
Gott dem einen die Sünden vergeben hat und dem anderen nicht? Oder seid ihr
so töricht, zu glauben, Gott vergebe deswegen einem Sünder, weil ein Priester
ihm die Lossprechung erteilt, und versage einem anderen die Verzeihung, weil
ein Priester sie ihm versagt hat? Oder überbringen dem katholischen Priester,
wie beim Propheten Nathan und bei Christus, Geisterboten den Auftrag, in dem
einen Falle die Sünden zu vergeben und in dem anderen Falle nicht? Oder hat
er sonst eine überirdische Gabe, dies zu erkennen? Kann er in den Herzen der
Beichtkinder lesen, ob Gott ihnen die Sünden vergeben hat? Die katholischen Priester müssen gestehen,
daß sie nichts dergleichen besitzen. Wie können sie denn anderen mitteilen,
daß Gott ihnen die Sünden vergebe, wenn sie nicht den geringsten Anhaltspunkt
dafür haben, ob ihre Mitteilung auf Wahrheit beruht? Der Priester vermag
weder in das Herz des Sünders zu schauen, noch den Willen Gottes zu erkennen.
Und wenn ihr sagt, die Lossprechung gelte bloß für den Fall, daß das
Beichtkind seine Sünden wahrhaft bereue und den ernstlichen Willen habe, sich
zu bessern, so besteht das Törichte der priesterlichen Lossprechung eben
darin, daß der Priester in keinem Falle weiß, ob jene Bedingung bei dem
Beichtkind erfüllt ist. Er kann also in keinem Falle sagen: ‘Ich spreche dich
los von deinen Sünden.‘ Er kann höchstens sagen: ‘Gott möge dich lossprechen
von deinen Sünden!‘ Um einen solchen Wunsch dem Sünder gegenüber
auszusprechen, braucht man nicht Priester zu sein. Das kann jeder Mensch. Es
ist eben bloß ein Wunsch ohne jede Wirkung. Aber der Priester sagt
ausdrücklich: ‘Ich spreche dich los von deinen Sünden.‘ Damit spricht er ein richterliches
Urteil aus, von dem er in keinem Falle weiß, ob es vor Gott Rechtskraft
besitzt oder nicht. Was würdet ihr von einem irdischen Richter sagen, der
Urteile ohne jede Rechtskraft verkünden würde? Nicht wahr, das wäre eine lächerliche
Komödie. Dasselbe ist die katholische Sündenvergebung durch einen Priester,
wie dir dein gesunder Menschenverstand sagen muß. Die Wahrheit ist die: Wer seine
Sünden aufrichtig bereut und sich zu Gott wendet, dem vergibt Gott, einerlei
ob ein Priester ihm vergeben hat oder nicht. Und wer nicht bereut, dem wird
von Gott keine Vergebung zuteil, wenn ihm die Priester auch noch so oft die
Lossprechung erteilen. Eure Lehre der Sündenvergebung durch Priester ist
daher eine der großen menschlichen Irrungen, die sich im Laufe der Zeit in
das Christentum eingeschlichen haben. Zum Beweis dafür, daß die
katholischen Priester die Gewalt haben, die Lossprechung von Sünden zu
erteilen, beruft sich die katholische Kirche auf eine gefälschte Bibelstelle.
Auf diese Fälschung habe ich dich bereits in meinem ersten Zusammentreffen
mit dir hingewiesen. Es ist die Stelle: ‘Wenn ihr anderen die Sünden
vergebet, so werden sie ihnen vergeben. Wenn ihr sie behaltet so werden sie
ihnen behalten‘ (Joh.20,23). Du weißt bereits, daß im
griechischen Text ein einziges Wörtchen in dieser Stelle ausgelassen und
dadurch der ganze Sinn entstellt ist. Anstatt des Wortes ‘ihnen‘ stand im
Urtext ‘euch selbst‘. Die Stelle heißt also richtig: ‘Wenn ihr anderen die
Sünden vergebet, so werden sie euch selbst vergeben. Wenn ihr sie behaltet
(oder nicht vergebt), dann werden sie euch selbst behalten (oder nicht
vergeben). In diesen Worten verkündet Christus
dieselbe Lehre, die in der Bitte des Vaterunsers enthalten ist: ‘Vergib
uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern‘ (Matth.6,9)
und die er im direkten Anschluß an das Vaterunser in den Worten ausgesprochen
hat: ‘Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euer
himmlischer Vater auch euch vergeben; wenn ihr aber den Menschen nicht
vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater eure Verfehlungen auch nicht
vergeben‘ (Matth.6,14). Weil eine Gewalt der Sündenvergebung, wie sie die
katholische Kirche für sich in Anspruch nimmt nicht besteht und nicht
bestehen kann, ist sie auch niemals in den ersten christlichen Zeiten gelehrt
oder ausgeübt worden. Deshalb wurde früher von den
Christen auch nie ein Sündenbekenntnis vor einem Priester verlangt. Die
Menschen des ersten Christentums wurden aufgefordert, entsprechend der Lehre
Christi, einander die Sünden zu bekennen; nämlich die Sünden, die sie
gegeneinander begangen hatten. Sie sollten das Unrecht, das sie ihren
Mitmenschen zugefügt hatten, diesen eingestehen und dadurch die Versöhnung
herbeiführen. Dies ist ja auch der einzige und
schnellste Weg der Aussöhnung. Wenn dich jemand beleidigt hat und er kommt zu
dir und gesteht sein Unrecht ein, dann reichst du ihm gern die Hand zur
Versöhnung. Dazu fordert ja auch Christus mit den Worten auf: ‘Wenn du
deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, daß dein Bruder etwas
wider dich habe, so laß deine Gabe dort vor dem Altare und geh zunächst hin
und versöhne dich mit deinem Bruder. Alsdann komm wieder und opfere deine
Gabe‘ (Matth.5,23-24). Wäre zur Sündenvergebung das
Bekenntnis vor einem Priester und dessen Lossprechung erforderlich, dann
würden Christus und die Apostel es nicht unterlassen haben, immer wieder
darauf hinzuweisen. Denn es wäre das Wichtigste der ganzen christlichen Lehre
gewesen, weil ja ohne Sündenvergebung niemand in das Reich Gottes eingehen
kann. Aber weder Christus noch die
Apostel kennen die Beichte vor einem Priester oder deren Lossprechung.
Beichte und priesterliche Lossprechung sind Menschensatzungen, die dem
Gläubigen den Weg zu Gott nicht erleichtern, sondern bedeutend erschweren,
indem sie ihn in falsche Sicherheit wiegen. Er beichtet und empfängt die
Lossprechung des Priesters und meint nun, damit sei zwischen ihm und Gott
wieder alles in Ordnung. Damit wird er das Opfer einer
großen Täuschung. Jeder Irrtum in den Heilswahrheiten ist mit einem Irrweg zu
vergleichen, der den Wanderer dem Ziel nicht näher bringt, sondern vom Ziele
immer weiter entfernt. In deiner bisherigen Religion
spielen auch die sogenannten äußeren ‘Bußübungen‘ keine geringe Rolle. Sie
schreibt Enthaltung von gewissen Speisen an bestimmten Tagen vor, ordnet
Fasttage an, hält körperliche Kasteiungen für einen höheren Grad der
Vollkommenheit, empfiehlt Wallfahrten und fordert von ihren Priestern und
Ordensleuten als eine höhere Stufe der Vollkommenheit das ehelose Leben. Alle diese Dinge haben mit dem
rechten Bußbegriff und einer inneren Vollkommenheit nichts zu tun. Christus hat nie freiwillig
gefastet oder sich kasteit. Als er in der Wüste fastete, war es ein Zwang,
dem er sich nicht entziehen konnte. Denn in der Wüste gab es nichts Eßbares.
Darum werdet ihr in der Lehre oder in den Briefen der Apostel kein Wort
finden, durch das die Menschen zur Enthaltung von Speisen oder zu leiblichen
Kasteiungen aufgefordert werden. Im Gegenteil, derartige Dinge werden als
wertlos bezeichnet. So sagt Paulus den Korinthern: ‘Der Genuß oder
Nichtgenuß von Speise wird für unsere Stellung zu Gott nicht maßgebend
sein‘(l.Kor.8,8). Und an die Kolosser schreibt er:
‘Wenn ihr mit Christus den Geistermächten der Welt abgestorben seid, warum
laßt ihr euch, als ob ihr noch mit der Welt lebtet, Satzungen aufbürden, wie:
Fasse dies nicht an, iß jenes nicht, rühre dies nicht an. Alles derartige ist
doch dazu da, daß es durch den Verbrauch der Vernichtung anheimfalle. Solche
Satzungen sind Menschengebote und Menschenlehren, die zwar im Ruf besonderer
Weisheit infolge einer selbstgemachten Frömmigkeit und äußerlicher Demut und
Kasteiung des Leibes stehen, aber ohne wirklichen Wert sind und nur zur
vollen Befriedigung des Fleisches dienen‘ (Kol.2,20-23). Alle den Menschen auferlegte
äußeren Satzungen in den christlichen Religionen stammen nicht von Christus,
sondern, wie Paulus an Timotheus schreibt, ‘von denen, die vom wahren
Glauben abgefallen sind, indem sie sich irreführenden Geistern und Lehren
zuwenden, die von Dämonen stammen, verführt durch das heuchlerische Gebaren
von Lügenlehrern, die ein Brandmal der Schuld im eigenen Gewissen tragen. Es
sind die Leute, die das Heiraten verbieten und Enthaltsamkeit von Speisen
verlangen, die doch dazu geschaffen sind, daß die Gläubigen und alle, welche
die Wahrheit voll erkannt haben, sie mit Danksagung genießen. Denn alles von
Gott Geschaffene ist gut, und nichts ist verwerflich, was man mit Danksagung
hinnimmt; es wird ja durch Gottes Wort und durch Gebet geheiligt‘
(1.Tim.4,1-5). Die katholische Kirche gehört auch
zu denen, die so großen Wert auf die Enthaltsamkeit von Speisen an gewissen
Tagen legt. Sie ordnet eine einmalige Sättigung durch ihre Fastengebote an.
Ihren Priestern und Ordensleuten verbietet sie das Heiraten und erklärt den
Ordensstand als den vollkommensten Stand. Auch sie hat sich Lehren zugewandt,
die von den Dämonen stammen. Das alles sind Menschensatzungen, die nach den
Worten des Apostels zwar im Ruf besonderer Weisheit infolge einer
selbstgewählten Frömmigkeit und äußerlicher Demut und Kasteiung des Leibes
stehen, aber ohne wirklichen Wert sind. Sie haben keinen Wert für das
Seelenheil der Menschen, und darum hat keine Kirche das Recht, solche
Satzungen ihren Gläubigen aufzuzwingen und deren Übertretung als ‘schwere
Sünden‘ zu brandmarken. Zwar sagt deine Kirche bezüglich
ihres Gebotes der Ehelosigkeit der Priester und Ordensleute, daß sie niemand
dazu zwinge. Denn sie nötige keinen, Priester zu werden oder in den
Ordensstand einzutreten. Gewiß, sie zwingt keinen dazu,
Priester, Mönch oder Nonne zu werden. Aber wenn einer es als seinen Beruf
erkannt zu haben glaubt, als Priester Verkünder der Heilswahrheiten zu werden,
so zwingt sie ihn zur Ehelosigkeit und stellt ihn vor die Wahl, entweder dem
erkannten Beruf zu entsagen oder die nicht von Gott gewollte, sondern durch
Kirchensatzung geforderte Ehelosigkeit zu wählen. Er steht also unter dem
größten geistigen Zwang, den man auf einen Menschen ausüben kann. Und wenn die Kirche auch niemand
äußerlich zwingt, in einem religiösen Orden einzutreten und infolgedessen
ehelos zu leben, so übt sie doch den größten seelischen Druck dadurch aus,
daß sie das Ordensleben als das Ideal der Vollkommenheit hinstellt. Gerade
die besten Menschen betrachten es als ihre Pflicht, das Ideal der
Vollkommenheit zu erreichen. Da ihnen dies jedoch fälschlich als eheloses
Ordensleben hingestellt wird, so fühlen sie sich in ihrem Streben nach Vollkommenheit
dem unabwendbaren Zwang unterworfen, ehelos zu bleiben. Man sage nicht, Gott gebe
demjenigen die Kraft zur unverletzten Ehelosigkeit, der den Beruf zum
Priester- oder Ordensstand in sich fühle. Das ist eine große Selbsttäuschung.
Gott gibt bloß die Kraft zur Erfüllung dessen, was der Wille Gottes ist, aber
nicht zu dem, was Menschen in selbstgewählter äußerer sogenannter Frömmigkeit
sich oder anderen gegen Gottes Willen auferlegen. Das Gute und Vollkommene
ist stets nur das, was dem Willen Gottes entspricht und vom Menschen in jedem
Augenblick frei gewollt ist. Nie jedoch ist etwas gut oder
vollkommen, was unter irgendeinem äußeren Zwang geschieht oder was vielleicht
beim ersten Schritt frei gewollt, nachher aber als äußerer Zwang bis zum
Lebensende weitergetragen werden muß. Nicht einmal Gott übt auf irgend einen
Menschen einen Zwang aus, seinen Willen zu erfüllen. Und da sollte eine
Kirche im Namen Gottes einem Menschen die Freiheit der Selbstbestimmung
rauben dürfen, die Gott selbst nie antastet? Das Böse herrscht stets durch Zwang
und Knechtung, das Gute durch Freiheit. Nur das Böse hat die Knechtschaft in
die Religion hineingetragen. Die Sucht, über andere schrankenlos gebieten zu
können, hat die Unterdrückung der persönlichen Freiheit unter dem Deckmantel
höherer Vollkommenheit in die katholische Kirche eingeführt. Das ehelose
Priestertum sowie das Ordensleben mit den Gelübden der Armut, der Keuschheit
als Ehelosigkeit und des vollkommenen Gehorsams gegen die geistlichen Oberen
sind die stärksten äußeren Machtmittel der katholischen Religion zur
Festigung der kirchlichen Organisation. Weder Christus noch die Apostel
wissen etwas von einem Priestertum, wie es die katholische Kirche hat; sie
kennen keine geistlichen Orden. Sie haben nichts dergleichen gelehrt oder
eingesetzt. Sie kennen kein Gelübde der Armut und der Keuschheit als
Ehelosigkeit oder gar des vollkommenen Gehorsams unter einem geistlichen
Oberen als Vollkommenheitsideale. Sie kennen keine freiwillige Armut
im Sinne der katholischen Kirche. Sie gründeten keine Ordensgemeinschaften
und lehrten auch nicht, solche zu gründen, damit Menschen bei ihnen eintreten
und ihr Vermögen ihnen zur Verfügung stellen sollten. Sind denn die Ordensleute wirklich
arm? Sind sie nicht vielmehr für ihr ganzes Leben jeder Nahrungssorge
enthoben? Ist nicht täglich der Tisch für sie gedeckt? Und das nennt ihr
Armut? Wenn alle Menschen so viel hätten, dann gäbe es keine Armen mehr. Und
wenn eine solche Armut zum Ideal der Vollkommenheit gehört, weshalb sind denn
so viele Klöster so reich an irdischen Gütern? Wenn die Armut das Ideal des
einzelnen sein soll, dann muß sie auch das Ideal der Gemeinschaft sein. Und
warum übt denn euer Priestertum, das die freiwillige Armut als einen der
höchsten Grade der Vollkommenheit predigt, nicht selbst diese Armut? Ein
Prediger des Ideals muß doch wohl dieses Ideal zuerst an sich selbst
verwirklichen. Oder ist vielleicht euer Priestertum arm? Ist der Papst arm?
Sind die Bischöfe arm? Sind die Priester arm? Wenn es allen Menschen irdisch
so gut ginge wie diesen Predigern des Armutsideals, dann gäbe es nirgend mehr
Armut. Ihr beruft euch auf die Worte
Christi an den reichen Jüngling, um zu beweisen, daß freiwillige Armut zur
Vollkommenheit gehöre. Doch ihr gebt diesen Worten eine ganz unrichtige
Deutung. Wenn Christus zu dem Jüngling sagt: ‘Willst du vollkommen sein, so
gehe hin und verkaufe alles, was du hast und gib das Geld den Armen; so wirst
du einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!‘, so galt
diese Mahnung bloß diesem Jüngling. Denn er hatte sein Herz an Geld und Gut
gehängt. Das wurde ihm zum Fallstrick und verhinderte seinen Eintritt in das
Reich Gottes. Als der Jüngling wegen dieser Mahnung Christus den Rücken
wandte, sagte der Meister zu seinen Jüngern: ‘Kinder, wie schwer ist es doch
für Menschen, die sich auf Geld und Gut verlassen, in das Reich Gottes
einzugehen.‘ Nicht jeder, der viele irdische
Güter besitzt, ist im Sinne Christi reich, sondern nur der, welcher sein Herz
an den Mammon hängt und ihn zu seinem Gott macht. Abraham, Isaak, Jakob,
Hiob, David waren sehr reich an materiellen Dingen. Und doch gehören sie
nicht zu den Reichen, die Christus meint, ihr Reichtum war ihnen kein
Hindernis auf dem Wege zu Gott. Ihnen würde Christus nie gesagt haben, daß
sie alles verkaufen sollten, um vollkommen zu werden. Anders war es bei dem
reichen Jüngling. Ihn hielt seine Anhänglichkeit an sein Besitztum ab, dem
Rufe Gottes zu folgen. Lieber verzichtete er auf das Reich Gottes, als auf
sein Vermögen. Bei allen Menschen finden sich
Hindernisse, wenn es sich darum handelt, Gott näher zu kommen. Sie sind so
verschieden, wie die Menschen selbst. Ein jeder hat das Hindernis zu beseitigen,
das ihm im Wege steht. Das ist auch der Sinn der Worte Christi: ‘Wenn dein
Auge dich ärgert, so reiß es aus und wirf es von dir.‘ Wenn irgend etwas in
deinem Leben dir hinderlich ist, den Willen Gottes zu erfüllen, und wäre es
dir so lieb, wie dein Auge, so trenne dich davon. Bei dem reichen Jüngling
war sein Reichtum das Hindernis. Darum mußte er sich davon trennen, indem er
alles verkaufte und den Erlös den Armen gab. Ist jedoch der Reichtum für
jemand kein Hindernis in seinem Aufstieg zu Gott, so hat er auch keine
Veranlassung, auf Hab und Gut zu verzichten. Und wenn alle ihr Besitztum
verkaufen müßten, um vollkommen zu sein, dann dürfte niemand Güter erwerben.
Denn wenn das Behalten von Geld und Gut bei jedem gegen die Vollkommenheit
wäre, dann würde auch der Erwerb irdischen Vermögens gegen die Vollkommenheit
verstoßen. Dann dürften erst recht nicht die Kirchen und Klöster Güter
erwerben und besitzen. Auch Christus war vor seinem
öffentlichen Auftreten nicht arm. Er besaß mehrere Häuser, die er sich durch
fleißige Arbeit erworben hatte. Er verkaufte sie vor Beginn seiner
Lehrtätigkeit und gab den Erlös denjenigen seiner Freunde, bei denen er
während seines öffentlichen Wirkens Wohnung nahm. Wenn er infolgedessen
während seiner Lehrtätigkeit auch keinerlei Eigentum mehr besaß, so brauchte
er doch bei niemand zu betteln. (Wirklich wahr?) Ehelosigkeit ist nicht von Gott
gewünscht Auch die vollkommene Keuschheit in
der Form der Ehelosigkeit gilt deiner bisherigen Kirche als ideal der
Vollkommenheit. Die vollkommene Keuschheit soll und kann jeder üben. Aber sie
hat mit Ehelosigkeit nichts zu tun. Denn die Ehe ist nichts Unkeusches.
Verheiratete können sehr keusch und Unverheiratete sehr unkeusch sein, auch
wenn sie Priester oder Ordensleute sind. Die wahre Keuschheit besteht
lediglich in dem rechten Maßhalten in den Dingen, die mit dem Naturgesetz des
Geschlechtslebens zusammenhängen. Wie Mäßigkeit im Essen und Trinken nicht
darin beruht, daß man Hunger und Durst gewaltsam unterdrückt, sondern darin,
daß man bei Aufnahme von Speise und Trank die Grenzen des Erlaubten nicht
überschreitet, so ist es auch beim Geschlechtsleben. Der Geschlechtstrieb ist
als Naturgesetz vom Schöpfer in alles Geschaffene hineingelegt. Und was Gott
geschaffen hat, ist gut und soll von Menschen nicht gewaltsam unterdrückt,
sondern in den von Gott bestimmten Grenzen gebraucht werden. Das Gesetz der Fortpflanzung gilt
für jeden Menschen. Die Familiengründung ist ein Auftrag Gottes, dem sich
niemand ungestraft entziehen darf. Denn die irdische Zeugung ist der Weg, auf
dem die von Gott abgewichenen Geister in den einzelnen Naturstufen höher
steigen sollen, um zur Vollendung zu gelangen. Es ist eine Fügung der
Weisheit Gottes, daß diejenigen der gefallenen Geister, die sich bis zu einer
bestimmten irdischen Stufe emporgearbeitet haben, auf dem Weg der
Fortpflanzung ihren Geschwistern aus den tieferen Naturstufen zu höheren
hinauf helfen. Wenn irdische Geschwister zusammen
in eine Grube stürzen, so reicht derjenige von ihnen, der zuerst in der Höhe
ist, dem anderen die Hand, damit auch sie aus der Grube befreit werden. Das
ist Geschwisterpflicht. Von diesem Gesichtspunkt der
Weisheit und des Erbarmens Gottes sollt ihr das Gesetz des Geschlechtslebens
betrachten. Gott hat den Geschlechtstrieb deshalb so stark gestaltet, weil
die Fortpflanzung ein Teil des Erlösungsplanes Gottes ist und die Geschöpfe
sich der Pflicht, an der Ausführung dieses Planes mitzuwirken, nicht so
leicht sollten entziehen können. Es ist daher klar, daß es sich hierbei um eine
Pflicht handelt, von deren Erfüllung nur die schwerwiegendsten Gründe den
Menschen befreien können. Darum ist das Gelübde der Ehelosigkeit ein schwerer
Verstoß gegen den Willen Gottes. Weder die katholischen Priester noch die
Ordensleute haben vor Gott einen hinreichenden Grund, ehelos zu bleiben. Ich weiß, daß man zur
Rechtfertigung der Ehelosigkeit das siebente Kapitel des ersten
Korintherbriefes anführt. Paulus gibt darin verschiedene Gründe an, weshalb
es besser sei, ehelos zu bleiben. Er erteilt den Rat, daß nur derjenige
heiraten solle, dem die Ehelosigkeit zur Gefahr werde. Diese Ansicht des Apostels war
falsch. Er hatte auch keinerlei Auftrag Christi, eine solche Lehre zu
verkünden. Dessen war sich Paulus auch vollkommen bewußt. Es wird dir nämlich
beim Lesen des siebenten Kapitels des ersten Korintherbriefes etwas
auffallen, was du sonst nie in den Briefen dieses Apostels findest: Nämlich
die immer wiederkehrende Betonung, daß es bloß die eigene Meinung sei, die er
den Korinthern inbetreff der Ehelosigkeit mitteilte, und daß er nicht im
Auftrag Christi rede. Daher das stets wiederkehrende: ‘Sage ich.‘ - ‘Den
unverheirateten Männern und besonders den Witwen sage ich.‘ - ‘Den
Verheirateten gebiete nicht ich, sondern der Herr.‘ - ‘Den übrigen aber sage
ich, nicht der Herr.‘ - ‘inbetreff der unverheirateten Mädchen habe ich kein
ausdrückliches Gebot des Herrn, sondern spreche nur meine Meinung aus.‘ - Und
zum Schluß des Kapitels betont er nochmals: ‘Das ist meine Ansicht!‘ Seine Ansicht war falsch, wenn er
auch hinzufügte, er glaube doch auch, einen Geist Gottes zu besitzen. Paulus selbst war ehelos. Seine
Ehelosigkeit fand nach seiner Ansicht ihren hinreichenden Grund darin, daß er
bei seiner über weite Gebiete sich erstreckenden Lehrtätigkeit viel und lange
auf Reisen sein mußte. Hätte er Familie gehabt, so wären ihm solche Reisen
unmöglich gemacht worden. Er hätte Frau und Kinder nicht mitnehmen, aber auch
nicht Monate und Jahre lang allein lassen können. Seine eigene Ehelosigkeit
machte ihn in diesem Punkte einseitig und zum Fanatiker. Wo Menschen sind,
findet ihr auch immer menschliche Fehler. Auch bei den Aposteln müßt ihr
diese in Kauf nehmen. Über seine falsche Ansicht
inbetreff der Ehelosigkeit wurde Paulus nachher von Christus belehrt. Er
mußte sie in einem an alle Gemeinden gerichteten Brief richtigstellen. Von
diesem Brief, in dem auch eine Reihe anderer Stellen seiner früheren
Schreiben, die zu Mißverständnissen Anlaß gegeben hatten, aufgeklärt wurde,
habe ich dir bereits am ersten Abend Mitteilung gemacht. Ich sagte dir, daß
dieser Brief später vernichtet wurde, weil die darin enthaltenen
Klarstellungen und Berichtigungen der späteren Kirche und ihrer Lehre nicht
paßten. Wie sehr Paulus infolge der
Belehrung und Zurechtweisung seines Meisters seine Meinung über die
Ehelosigkeit änderte, könnt ihr aus seinen Schreiben an Timotheus und Titus
ersehen. Er, der an die Korinther geschrieben hatte, daß er wünsche, sie
wären alle ehelos wie er selbst, duldet nicht daß ein Eheloser oder eine
Ehelose irgendeine Stellung in der Gemeinde bekleidete. Nach seinem Brief an
die Korinther hätte man doch erwarten müssen, daß er im Gemeindedienst gerade
die Ehelosen bevorzugen würde. Aber nein, alle mußten verheiratet sein. ‘So
muß denn der Bischof eines Weibes Mann sein ... einer, der seinem Hause gut
vorsteht, indem er seine Kinder im Gehorsam hält mit aller Würde; denn wenn
einer seinem eigenen Hause nicht vorzustehen weiß, wie sollte er für die
Gemeinde Gottes sorgen können.‘ - ‘Ebenso müssen auch die Gehilfen ein jeder
eines Weibes Mann sein und die Leitung ihrer Kinder und ihres eigenen Hauses
gut versehen‘ (1.Tim.3,2-12). - Auch an Titus richtete er dieselbe
Mahnung, daß er keinen Unverheirateten als Ältesten in einer Gemeinde
anstellen solle, sondern nur solche, die eines Weibes Mann seien und gläubige
Kinder hätten (Tit. 1, 5 Während er in seinem Brief an die
Korinther den Witwen gesagt hatte, er wünsche, daß sie ehelos blieben,
schreibt er an Timotheus: ‘Es ist mein Wille, daß jüngere Witwen wieder
heiraten, Mütter werden und ihrem Haushalt vorstehen‘ (1.Tim.5,14). Wenn Paulus das ‘eines Weibes Mann‘
so scharf betont, so heißt das nicht, daß der Mann nicht zum zweiten Male
verheiratet sein dürfe. Denn wenn er den Witwen eine zweite Heirat anrät, wie
er es in seinem Schreiben an Timotheus tut, so steht sicherlich dem Witwer
dasselbe Recht zu. Jener Ausdruck ‘eines Weibes Mann‘ hat folgenden Grund:
Manche von den heidnischen Männern, die zum Christentum übertraten, hatten
vorher neben der eigenen Frau auch noch Nebenfrauen. Und das war öffentlich
bekannt. Wegen der Unzuträglichkeiten, die daraus entstehen konnten, duldete
Paulus nicht, daß solche Männer im Gemeindedienst verwendet wurden. Er wollte
dafür nur verheiratete Männer haben, die sich bei Christen und Nichtchristen
eines guten Rufes erfreuten. Das schreibt er ja auch ausdrücklich an
Timotheus: ‘Er muß sich auch bei den Nichtchristen eines guten Rufes
erfreuen, damit er nicht in übles Gerede komme und der Schlinge des
Verleumden verfalle‘ (1.Tim.3,7). Ein Jahrtausend hindurch war die
Ehe, die Paulus den Ältesten, Bischöfen und Mitarbeitern seiner Zeit zur
Pflicht machte, auch den katholischen Priestern gestattet. Es war nicht ein
höherer Gesichtspunkt der Religion, der das Papsttum veranlaßte, den Geistlichen
die Ehelosigkeit aufzuzwingen. Ein solcher war überhaupt nicht denkbar, sonst
würde er schon in der ersten christlichen Kirche zur Vorschrift der
Ehelosigkeit geführt haben. Ausschlaggebend dafür war später nur ein rein
weltlicher Gesichtspunkt, nämlich die Verstärkung der Macht des Papsttums.
Denn ein von allen Familienbeziehungen losgelöster Geistlicher ist ein viel
willfährigeres Werkzeug der kirchlichen Organisation, als ein Priester, der
an Frau und Kindern eine seelische und auch materielle Unterstützung hat.
Dazu bestand die Wahrscheinlichkeit, daß der ehelose Priester sein Vermögen
der Kirche vermachte. Die Gefahren der Ehelosigkeit, die einen Apostel Paulus
veranlaßten, ehelose Mitarbeiter im Dienste der Religion abzulehnen, sind zu
allen Zeiten dieselben. Sie waren damals nicht größer als heute. Der Vorwand
größerer Sittenreinheit und Hingabe an die Sache Gottes bei einem ehelosen
Priestertum ist eben bloß ein Vorwand, der sich seither als trügerisch
erwiesen hat. Was von dem Gelübde der
vollständigen Armut und der steten Keuschheit als Ehelosigkeit gilt, das gilt
in gleichem Maße von dem Gelübde des vollkommenen Gehorsams gegen menschliche
Obere. Auch dies ist gegen Gottes Willen und bloß eine Erfindung menschlicher
Herrschsucht. Gott hat jedem Geist bei der
Schöpfung als höchste Gabe die Willensfreiheit geschenkt. Diese Freiheit der
persönlichen Entscheidung bei allem, was er tut oder unterläßt, beschränkt
Gott bei niemand. Es ist auch nicht sein Wille, daß sie von menschlicher
Seite beschränkt wird. Denn jeder Mensch ist für das, was er tut, in jedem
Augenblick seines Lebens persönlich verantwortlich. Die Verantwortung kann ihm niemand
abnehmen. Er kann sich Gott gegenüber niemals darauf berufen, daß er seinen
Willen und die persönliche Entscheidung einem anderen Willen untergeordnet
habe. Sobald daher ein Mensch zur Reife der Vernunft gelangt ist, darf er
niemals seinen Willen in blindem Gehorsam dem Willen eines anderen Menschen
unterstellen, weder einer weltlichen noch einer geistlichen Obrigkeit.
Blinden Gehorsam soll man bloß Gott gegenüber leisten. Wenn es in der Bibel
heißt: ‘Gehorsam ist besser als Opfer‘, so beziehen sich diese Worte nur auf
den Gehorsam gegen Gott, aber niemals auf den Gehorsam gegen Menschen. Zwar berufen sich die menschlichen
Oberen, besonders die geistlichen, so gerne auf dieses Bibelwort, um blinden
Gehorsam von ihren Untergebenen zu erlangen. Auch hat man die falsche Lehre
aufgestellt, daß ein blinder Gehorsam gegenüber einem geistlichen Oberen den
Gehorchenden von jeder persönlichen Verantwortung in den Dingen befreie, die
er im Gehorsam vollführe. Nur eine Sünde dürfe er nicht im Gehorsam begehen. Das ist ein großer Irrtum. Denn der
Mensch ist nicht bloß für das Böse, das er tut, persönlich verantwortlich,
sondern ebensosehr für das, was er an Gutem unterläßt. Ja, die Unterlassung
des Guten kann oft eine viel größere Sünde sein, als das Begehen einer
sündhaften Tat. Wenn ein geistlicher Oberer einem
Untergebenen befiehlt, einen Diebstahl zu begehen, so darf nach eurer Lehre
der Untergebene nicht gehorchen. Verbietet er ihm jedoch z.B. einem
Mitmenschen, dem der Untergebene Hilfe bringen könnte, zu helfen, so müßte
der Untergebene die Hilfe unterlassen. Und doch wäre diese Unterlassung in
den Augen Gottes vielleicht eine viel größere Sünde, als der Diebstahl. Der
Untergebene könnte sich im letzteren Falle Gott gegenüber nicht darauf
berufen, daß er wegen der Gehorsamspflicht gegen seinen Oberen das Gute nicht
hätte tun können, zu dem ihn das eigene Gewissen drängte. Er muß vielmehr
unter allen Umständen seinem Gewissen Folge leisten. Das Gewissen eines
anderen kann nie das eigene Gewissen ersetzen. Jedem Menschen gibt Gott seine
besondere Aufgabe. Diese muß er erfüllen und darf sich nicht durch
menschliche Befehle und Satzungen daran hindern lassen. Daraus folgt, daß
niemand seinen Willen dem Willen eines anderen durch ein Gelübde des
Gehorsams unterstellen darf. Das Gelübde des Gehorsams, das eure Priester und
Ordensleute ablegen, ist daher wider Gottes Willen. Auch den weltlichen Machthabern
gegenüber kommt bloß ein Gehorsam in Frage, der sich auf diejenigen
weltlichen Gesetze erstreckt, die mit dem Gesetze Gottes nicht in Widerspruch
stehen. Ihr beruft euch auf die Worte des Apostels Paulus am Anfang des 13.
Kapitels des Römerbriefes, um die Pflicht des Gehorsams gegen menschliche
Obrigkeiten zu begründen. Ihr habt aber den Sinn dieser Worte gar nicht
verstanden und sie vollständig falsch in eure Sprache übersetzt. Denn Paulus
spricht darin überhaupt nicht von menschlichen Mächten, sondern von den
geistigen, die Gott einem jeden zuteilt. Jedem Menschen sind Geister Gottes
zu seiner Leitung und Führung beigegeben, dem einen in größerer, dem anderen
in geringerer Anzahl. Das hängt von der Größe der Aufgabe ab, die ein Mensch
nach dem Willen Gottes zu erfüllen hat. Diese Geister Gottes haben nicht bloß
den Auftrag, euch zu beschützen, innerlich zu ermahnen, zu warnen, zu
belehren, zum Guten anzuspornen. Sie haben auch das Recht, euch zu bestrafen.
Sie führen das Strafschwert Gottes. Denn die Strafen, die Gott verhängt*,
vollzieht er durch seine Geister. Das ist dir ja aus vielen Stellen der Bibel
bekannt. (* der liebende Gott ??) Nun möchte ich dir die Worte des
Apostels Paulus in der richtigen Übersetzung mitteilen: ‘Jede Seele sei den
Geistermächten untertan, unter deren Leitung sie steht. Denn es gibt keine
gottgewollten Geistermächte außer denen, die von Gott dafür bestimmt sind.
Wer sich also dieser Geistermacht widersetzt, stellt sich dem Willen Gottes
entgegen. Und die sich widersetzen, ziehen sich dadurch ein Strafurteil zu.
Denn diese Mächte sind nicht Gegenstand der Furcht für die, die das Gute tun,
sondern bloß für die, welche das Böse vollführen. Willst du also eine solche
Macht nicht zu fürchten(?) brauchen, so tue das Gute; dann wirst du von ihr
Lob empfangen. Denn sie ist dir als eine Dienerin Gottes für das Gute
zugeteilt. Wenn du aber das Böse tust, dann hast du Grund zur Furcht. Sie
trägt das Strafschwert nicht umsonst. Denn sie ist auch eine Dienerin Gottes,
die dem göttlichen Zorn zu Recht verschafft bei dem, der das Böse tut. Darum
muß man ihr Gehorsam leisten, nicht bloß aus Furcht vor dem göttlichen Zorn,
sondern der Stimme des Gewissens folgend. Darum bringt auch die euch
auferlegten geistigen Opfer! Denn jene Mächte sind Beauftragte Gottes, die zu
diesem Zwecke beständig bei euch ausharren. Tuet allen gegenüber eure
Schuldigkeit! Fordert der eine Opfer von euch, so bringet sie; fordert er die
Ausführung eines Werkes, so führt es aus; flößt er euch Furcht vor etwas ein,
so fürchtet euch davor; zeigt er euch etwas als wertvoll, so haltet es dafür!
Bleibt keinem gegenüber in irgendeinem Punkte im Rückstande. Ihr tut in allem
eure Schuldigkeit, wenn ihr einander liebt. Denn wer den anderen liebt, hat
das ganze Gesetz erfüllt. Wie konntet ihr nun diese Worte auf
die weltlichen Herrscher beziehen? Glaubt ihr denn im Ernst, daß jede
menschliche Obrigkeit von Gott eingesetzt wird? Waren etwa die zahllosen
Könige und Fürsten, die bis jetzt lebten und in so vielen Fällen Werkzeuge
des Bösen waren, von ‘Gottes Gnaden‘ oder nicht vielmehr von ‘Teufels
Gnaden‘? Konnte man auf die, welche die größten Grausamkeiten,
Ungerechtigkeiten und Unterdrückungen gegen das arme Volk begingen, die Worte
aus der oben angeführten Stelle anwenden: ‘Sie sind Gottes Diener zu eurem
Besten‘? Ihr Menschen verschafft den weltlichen und geistlichen Machthabern
ihre Stellung aufgrund von Menschensatzungen - nicht Gott. Ein Geist Gottes
ist weder bei euren Fürstenkrönungen, noch bei den Papst- und Bischofswahlen
tätig. Wenn ihr in eurer Übersetzung des
vorliegenden Textes von ‘Steuern und Abgaben‘ sprecht und darum meint, es
handle sich um irdische Herrscher, denen ihr diese entrichten sollt, so
vergeßt ihr, daß es auch geistige Abgaben gibt, die ihr Gott schuldet. Es
sind dies die Früchte des Geistes. So wie die jährlichen Abgaben eines Baumes
in seinen Früchten besteht, so sollt auch ihr als Abgaben für Gott die
Früchte bringen, welche die euch beigegebenen Geister Gottes in unablässiger
Tätigkeit in euch zur Reife bringen wollen. Wie du siehst, sind die
Vollkommenheitsideale der katholischen Kirche - freiwillige Armut in
Ordensgemeinschaften, Keuschheit als Ehelosigkeit und blinder Gehorsam gegen
geistliche Obere - in Wirklichkeit große Irrtümer, von denen das erste
Christentum nichts wußte. Im Zusammenhang mit der Lehre
deiner bisherigen Kirche über Buße und Sündenvergebung muß ich noch eine sehr
sonderbare Lehre dieser Kirche erwähnen. Es ist die Lehre vom Ablaß. Sie ist
ein Anhängsel der Lehre von der Sündenvergebung. Denn wenn eine Kirche Sünden
vergeben kann, warum sollte sie nicht auch Sündenstrafen erlassen können. Sie
beansprucht damit also ein Begnadigungsrecht. Aber wie nur Gott Sünden
vergeben kann, so kann auch nur Gott begnadigen. Besonders merkwürdig ist die
Erklärung, welche die katholische Kirche für ihr Begnadigungsrecht gibt. Sie
spricht von einem ‘Kirchenschatz‘, der von den überschießenden Verdiensten
Christi und der Heiligen angefüllt sein soll. Und von diesen Verdiensten
nimmt sie nun in der Form des Ablasses einen Teil zum Ausgleich der fehlenden
Verdienste reuiger Sünder, so daß deren Sündenstrafen entweder ganz oder
teilweise erlassen werden. Ein gänzlicher Erlaß geschieht nach ihrer Lehre durch
einen vollkommenen Ablaß und ein teilweiser durch einen unvollkommenen. Diese Lehre vom Ablaß ist aus
verschiedenen Gründen widersinnig. Zunächst kann kein Geschöpf Gottes mehr
leisten, als es Gott schuldig ist, weder ein Geist, noch ein Mensch. Vor Gott,
von dem es heißt, daß nicht einmal der Himmel rein ist in seinen Augen, ist
auch der vollkommenste Geist nur ein Knecht, der bloß seine Schuldigkeit tut,
auch wenn er das Höchste leistet, was in seiner Macht steht. Überschüssige
Verdienste gibt es bei ihm nicht. Auch Christus hatte bei dem, was er
vollbrachte, nicht mehr geleistet, als er sollte. Hätte er weniger getan, so
würde er seine hohe Aufgabe nicht erfüllt haben. Er wäre der Hölle unterlegen
und von Gott abgefallen. Mehr als den Willen Gottes kann niemand tun. Und
wenn er ihn erfüllt, dann tut er bloß seine Pflicht und Schuldigkeit. Er kann
davon an andere, die ihre Schuldigkeit nicht tun, auch nicht das geringste
abgeben. Sein Heil hat ein jeder selbst zu wirken. Das ist der zweite Grund, weshalb
die Zuwendung des Verdienstes des einen an einen anderen unmöglich ist. Was
nach euren menschlichen Gesetzen der Gerechtigkeit nicht angängig ist, gilt
in demselben Maße von der Gerechtigkeit Gottes. Wie eure menschlichen Richter
niemals einem Verletzer des Gesetzes deswegen seine Strafe ermäßigen, weil
andere das Gesetz treu beachten, so wird auch einem Sünder nie deswegen etwas
von seiner Strafe geschenkt, weil andere die Gebote Gottes hielten. Wo bliebe
sonst seine Gerechtigkeit? Und wie denkt ihr euch eigentlich
einen solchen Kirchenschatz der überschießenden Verdienste anderer? Meint ihr
vielleicht, das geistige Leben in Gott könne in einer Schatzkammer
aufgespeichert werden, wie eure irdischen Kirchenschätze, so daß es je nach
Bedarf für andere hervorgeholt werden könne? Wie unvernünftig ihr Menschen
doch so oft in eurem Denken seid. Und wie über alle Maßen töricht ist in
deiner bisherigen Kirche die Handhabung des Ablasses. Könnt ihr als vernünftige Menschen
es für möglich halten, daß ein Nachlaß von Sündenstrafen an lächerliche
äußerliche Bedingungen geknüpft ist? Solltest du deswegen, weil du ein Gebet
an einem gesegneten Rosenkranz verrichtest, ein Nachlaß der Strafe erlangen,
aber nicht dann, wenn du ohne einen Rosenkranz in der Hand zu Gott betest?
Solltest du einen vollkommenen Nachlaß aller deiner Sündenstrafen erhalten,
weil du an einem bestimmten Tage und in einer bestimmten Kirche ein
bestimmtes Gebet verrichtest - und dieses Nachlasses verlustig gehen, wenn du
dasselbe oder gar ein besseres Gebet in deinem Kämmerlein betest? Sollten dir
deswegen in deiner Todesstunde alle Sündenstrafen erlassen werden, weil du
ein gesegnetes Sterbekreuz in der Hand hast oder ein geweihtes Skapulier
trägst, mit dem deine Kirche einen sogenannten vollkommenen Ablaß verbunden
hat? Glaubst du wirklich, daß Sterbekreuz und Skapulier dich retten können,
wenn du ohne diese Dinge dem Strafgericht Gottes anheimfielest? Kannst du
wirklich glauben, daß mit bestimmten Gebeten, Besuch von Wallfahrtsorten und
ähnlichen Dingen ein Strafnachlaß verbunden ist, den deine Kirche nach
Belieben bestimmen und abstufen kann? Ist es nicht viel mehr eine Lästerung
des großen und heiligen Gottes, seine Erweise des Erbarmens und der Liebe als
an solche Lächerlichkeiten geknüpft zu betrachten? Nicht Menschen, nicht Päpste und
Bischöfe können Nachlaß von Sündenstrafen erteilen; Gott allein ist
derjenige, der jedem vergilt nach seinen Werken. Die innere Umkehr des Sünders zu
Gott und seine Werke der Liebe sind Maßstäbe, die Gott bei seinem Verzeihen
und Begnadigen anwendet. Wer sich in Reue zu Gott wendet, erhält Verzeihung
seiner Sünden; und wenn er sich Mühe gibt, die Werke der Liebe zu
vollbringen, indem er seinen Mitmenschen verzeiht und ihnen nach Kräften
hilft, dann werden ihm auch die für die Sünden verdienten Strafen erlassen. Darum sagt Christus bei Maria
Magdalena: ‘Ihr wird viel vergeben, weil sie viel geliebt hat; und wem
weniger vergeben wird, der hat auch weniger geliebt. ‘ Hier ist
selbstverständlich nicht die Geschlechtsliebe gemeint, sondern die Gottes-
und Nächstenliebe. Wer viel Liebe seinen Mitmenschen
erweist, dem wird auf dem Wege der Begnadigung auch viel von der für seine
Sünden verdienten Strafe erlassen. Auf die Waagschale werden die
Sündenstrafen gelegt und auf die andere die Werke der Nächstenliebe. Soviel
wie die Schale der Strafen schwerer wiegt als die Schale der Werke der Liebe,
so viel hat der Sünder abzubüßen. Wem also wenig an Strafe erlassen wird, der
hat auch wenige Werke der Liebe aufzuweisen. Maria Magdalena hatte viel
gesündigt. Aber sie war auch stets hilfsbereit, wenn es galt, den
Notleidenden und unschuldig Verfolgten beizuspringen. Darum wurde ihr,
nachdem sie sich von ihrem Sündenleben abgewendet hatte, eine sehr
weitgehende Begnadigung zuteil. Nun spricht allerdings Christus von
einer Sünde, die weder in diesem noch im anderen Leben vergeben wird. Das
Wort ‘vergeben‘ hat auch hier, wie an so vielen anderen Stellen der Bibel,
die Bedeutung ‘begnadigen‘. Bei der Sünde, die Christus meint, gibt es keine Begnadigung.
Die Strafe dafür muß ganz abgebüßt, der ‘letzte Heller bezahlt werden.‘ Diese
Sünde hat er in folgenden Worten angegeben: ‘Jede Sünde und Lästerung wird
den Menschen vergeben werden; aber die Lästerung des Geistes wird nicht
vergeben werden. Und wenn jemand ein Wort wider den Menschensohn sagt, wird
es ihm vergeben werden; wer aber etwas wider den heiligen Geist sagt dem wird
es weder in dieser Welt noch in der zukünftigen vergeben werden‘
(Matth.12,31-32). Wer die Wirkung des Geistes Gottes
kennengelernt, wessen Seele durchstrahlt worden ist von der Wahrheit, die
Gottes Geister unter der Kraftwirkung Gottes ihm mitgeteilt, und wer trotzdem
aus irdischen Rücksichten die Wahrheit ablehnt, der begeht die Sünde wider
den Geist, für deren Strafe es keine Begnadigung gibt. Der Grund für die Ablehnung einer
Begnadigung liegt in der Natur dieser Sünde. Denn wenn die höchsten Beweise
der Wahrheit, die Gottes Geister liefern können, einen Menschen nicht zur
Annahme der Wahrheit bewegen, obschon er in seinem Inneren die Wahrheit als
Wahrheit erkennt und fühlt, welches andere Mittel gibt es denn da noch, ihn
zur Annahme der Wahrheit zu bringen? Da bleibt nur noch eins: Er muß durch
vollständige Abbüßung der schweren Strafe für diese Sünde zuerst innerlich mürbe
gemacht werden. Er muß elend und hungrig werden, wie der verlorene Sohn. Erst
dann wird er reif dafür, daß ihm von Gott noch einmal die Wahrheit angeboten
wird. Das jüdische Priestertum, die
Pharisäer und Schriftgelehrten begingen diese Sünde wider den Geist. Sie
hörten die Lehre Christi und sahen täglich mit eigenen Augen die Bestätigung
seiner Lehre durch die Kraftwirkungen des Geistes Gottes, durch die er die
Kranken heilte, Tote erweckte und andere Wundertaten vollbrachte. Größere
Beweise der Wahrheit konnten nicht gegeben werden. Aber trotzdem nahmen seine
Gegner die Wahrheit nicht an. Sie lästerten vielmehr die Geister Gottes, die
in Christus wirkten, indem sie dieselben als ‘Teufel‘ erklärten. So würdest auch du die Sünde wider
den Geist begehen, wenn du nach den empfangenen überwältigenden Beweisen der
guten Geisterwelt die dir geschenkten Wahrheiten aus Menschenfurcht oder
anderen Gründen von dir weisen würdest. Bei allen anderen Sünden macht Gott
von dem Mittel der Begnadigung einen viel reicheren Gebrauch, als die
Menschen es verdienen, soweit sie nur den guten Willen aufbringen und sich
Mühe geben, sich zum Guten zu wenden. Alle Menschen und sündigen Geister sind
auf diese Begnadigung angewiesen. Denn kein Mensch ist sündenlos und tritt
unbefleckt aus diesem Leben ins Jenseits. Es gibt darum auch keine
menschlichen ‘Heiligen‘ in dem Sinne, wie deine bisherige Kirche es lehrt. Die katholische Kirche versteht
unter einem ‘Heiligen‘ etwas ganz anderes, als das Urchristentum darunter
verstanden hat. Die Apostel gebrauchen in ihren Briefen sehr häufig das Wort
‘Heilige‘. Sie meinen damit jeden, der die Lehre Christi als göttliche
Wahrheit annimmt und sich bemüht, sein Leben nach dieser Lehre einzurichten.
Darum reden sie die Glieder der Christengemeinden mit ‘Heilige‘ an. Sie
wollen damit nicht zum Ausdruck bringen, daß die ersten Christen keine Sünden
begingen. Sie tadeln sie vielmehr in fast jedem Brief wegen ihrer täglichen
Sünden und menschlichen Verirrungen. Sie wußten, daß kein Mensch ohne Sünde
ist. ‘Wenn wir behaupten, keine Sünden zu haben, so betrügen wir uns selbst,
und die Wahrheit ist nicht in uns‘, sagt der Apostel Johannes. Deine Kirche ist in diesem Punkte
anderer Ansicht. Sie behauptet, daß diejenigen, die sie als ‘Heilige‘
verehrt, entweder ihr ganzes Leben sündenfrei gewesen seien, wie die Mutter
Jesu, oder daß sie doch von dem Tage ihrer Bekehrung an keine Sünden mehr
begingen. Sie lehrt, daß diese ‘Heiligen‘ bei ihrem irdischen Tode sofort zur
Anschauung Gottes gelangt seien und daß Gott ihre Heiligkeit durch Wunder
bestätigt habe. Sie nimmt ferner für sich die Macht in Anspruch, unfehlbar
erklären zu können, ob jemand als ‘Heiliger‘ zu verehren sei. Die Heiligkeit
liegt in dem Willen und in der Gesinnung eines Menschen. Da kein Mensch, auch kein Papst,
die Gesinnung eines Menschen erkennen und unfehlbar beurteilen kann, so
bedarf es keines weiteren Beweises, daß eine Heiligsprechung durch Menschen
nie den Anspruch auf Wahrheit erheben kann. Gott allein spricht heilig, sonst
niemand. Nur Gott kennt das Menschenherz. Von keinem könnt ihr sagen, ob er
der Liebe oder des Hasses(?) Gottes würdig ist. Es ist eine ungeheure
menschliche Überhebung, mit Unfehlbarkeit sagen zu wollen, daß dieser oder jener
Mensch bei Gott ist. Denn neben der wahren Heiligkeit
gibt es auch die Scheinheiligkeit, und oft sind beide nicht von einander zu
unterscheiden. Und was die angeblichen Wunder betrifft, die Gott durch die
Heiligen gewirkt haben soll, so ist zunächst eine große Zahl davon in das
Reich der Dichtung zu verweisen. Andere euch wunderbar erscheinende Vorgänge
in ihrem Leben beruhten auf verschiedenen medialen Gaben, durch die sie in
Verbindung mit der Geisterwelt standen, ohne daß ihr heute angeben könnt, ob
es die gute oder böse Geisterwelt war, die sich bei ihnen kundgab. Die Zauberer zur Zeit des Mose in
Ägypten und der Magier Simon in Samaria, den seine Zeitgenossen die ‘große
Kraft Gottes‘ nannten, haben mehr sogenannte Wunder gewirkt, als irgendein
Heiliger der katholischen Kirche. Und doch war es das Böse, das in ihnen
wirksam war, wenn auch unter dem Deckmantel des Guten. Gott hat kein Interesse daran, euch
durch Wunderzeichen kundzutun, wer heilig ist. Denn er will keine
Heiligenverehrung, keine Verehrung von Reliquien der Heiligen, keine
Wallfahrten zum Grabe eines Heiligen oder zu sonstigen Heiligtümern. Denn das
alles ist feiner Götzendienst. Warum wollte Satan den Leichnam des
Mose haben? Er wollte ihn dem israelitischen Volke zu derselben Verehrung übergeben,
die ihr den Überresten eurer ‘Heiligen‘ erweist. Und warum hat Michael mit
Satan gerungen, ihm den Leichnam des Mose zu entreißen? Aus demselben Grunde,
aus dem ihr auch heute keine Heiligen- und Reliquienverehrung und keine
Wallfahrten haben sollt. Das israelitische Volk würde dadurch einen großen
Teil der Ehre Gott entzogen und mit der Leiche des Mose einen ähnlichen Kult
getrieben haben, wie ihr ihn heute mit den Überresten eurer Heiligen treibt.
Wenn ihr auch sagt, ihr verehrtet in den Heiligen Gott selbst, so ist das
bloß Schein. In Wirklichkeit setzt das katholische Volk auf die Heiligen,
ihre Bilder, Statuen und Reliquien einen großen Teil des Vertrauens, das es
nur auf Gott setzen sollte. Mit demselben Rechte hätte Gott ja auch die Leiche
des Mose den Israeliten überlassen können. Die ersten christlichen
Jahrhunderte kannten keine Heiligenverehrung, auch keine Marienverehrung, die
in deiner Kirche, wie du selbst wohl feststellen konntest, mehr gepflegt
wird, als die Verehrung Gottes. Das ‘Gegrüßet seist du, Maria‘ wird viel mehr
gebetet, als das ‘Vaterunser‘. Denk an euer Rosenkranzgebet, das ja der
Gebetsersatz bei allen Gelegenheiten ist. Christus, die Apostel und die
ersten Christen kannten nur eine Verehrung Gottes und keine Verehrung von
Geistern des Reiches Gottes. Auch sie hatten damals Menschen, die nach
menschlicher Ansicht als große ‘Heilige‘ gestorben waren: Einen Johannes den
Täufer, von dem Christus sagt, er sei der größte, der je vom Weibe geboren,
einen Stephanus, der als Märtyrer starb, einen Apostel Jakobus, um nur einige
von denen zu nennen, die in den biblischen Zeiten starben, aber es fiel den
Aposteln nie ein, diese als Heilige auch nur zu erwähnen, geschweige denn,
sie mit einer gottesdienstlichen Verehrung zu umgeben, wie dies heute
geschieht. Auch Maria wird nie von den
Aposteln erwähnt. Die ganze Heiligenverehrung ist eine menschliche Erfindung
viel späterer Zeiten. Der Apostel Paulus spricht sich gegen die aus, die sich
in Verehrung von ‘Engeln‘ gefallen. Unter ‘Engel‘ versteht er alle bei Gott
weilenden Geister, also das selbe, was ihr mit ‘Heilige‘ bezeichnet. Alle von Gott geschaffenen heiligen
Geister haben das, was sie besitzen, nicht aus sich und können von sich aus
nicht das Geringste den Menschen geben. Alles kommt von Gott. Darum sei auch
Gott allein die Ehre! Das ist auch der Grund, weshalb die guten Geister
Gottes, die sich euch kundtun, jedesmal den Dank ablehnen, den ihr ihnen
aussprecht. Stets, wenn du dich bei ihnen bedanken wolltest, erhieltest du
die Antwort: ‘Danke Gott!‘ Die Bedeutung der Krankensalbung
(Letzte Ölung) Ihr habt in der katholischen Kirche
ein Sakrament, das ihr ‘Letzte Ölung‘ nennt. Auch im ersten Christentum hatte
man eine Salbung mit Öl bei Kranken. Doch hatte sie eine ganz andere Bedeutung,
als ihr heute mit der ‘Letzten Ölung‘ verbindet. Ihr wendet die
Krankensalbung nur in Lebensgefährlichen Krankheiten an und bezweckt damit
vor allem eine Vergebung der Sünden des Kranken. Nebenbei auch eine Besserung
seines Krankheitszustandes. Bei den ersten Christen jedoch, wurde die
Krankensalbung als körperliches Heilmittel angewandt, dessen Wirksamkeit
davon abhing, daß der Kranke die Sünde aus seinem Herzen tilgte. Im Briefe des Apostels Jakobus
heißt es: “Ist einer unter euch krank, so lasse er die Ältesten der Gemeinde
zu sich rufen; diese sollen über ihn beten, nachdem sie ihn im Namen des
Herrn mit Öl gesalbt haben; dann wird das gläubige Gebet den Ermatteten
retten und der Herr ihn aufrichten, und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm
Vergebung zuteil werden. Bekennet also einander die Sünden und betet für
einander, damit ihr geheilt werdet; das inständige Gebet eines Gerechten hat
große Kraft‘ (Jakobus5,14-16). Die sogenannten ‘Ältesten‘ der
ersten christlichen Gemeinden waren begnadete Männer. Sie hatten die
Heilkraft, da der Besuch der Kranken eine ihrer wichtigsten Aufgaben war.
Durch die Salbung mit Öl übertrugen sie unter Gebet die Heilkraft auf den
durch Krankheit Geschwächten. Durch das Gebet setzt sich der Mensch in innige
Verbindung mit Gott als der Quelle der Heilkraft. Und je inniger diese
Verbindung ist, um so größer ist die Kraft, die dem Betenden aus dieser
Kraftquelle zuströmt. Nun weißt du aus den Heilungen
Christi, daß manche Krankheiten eine Strafe für Sünden sind, besonders der
Sünden gegen die Nächstenliebe. Darum sagte Christus immer wieder zu den
Geheilten: ‘Sündige nicht mehr, damit dir nicht Schlimmeres widerfahre.‘
Darum mußte zuerst die Sünde als Ursache der Krankheit entfernt werden. Das
geschah dadurch, daß der Kranke den gegen seine Mitmenschen begangenen
Fehltritt demjenigen bekannte, gegen den er gefehlt hatte. Er ließ ihn, wenn
möglich, zu diesem Zweck an das Krankenbett rufen, und es erfolgte die
Aussöhnung. Darum mahnt ja auch der Apostel Jakobus: ‘Bekennet also einander
eure Sünden, damit ihr geheilt werdet.‘ Nicht einem beliebigen Menschen
sollten sie ihre Sünden bekennen, auch nicht einem Priester, sondern dem,
gegen den sie gefehlt hatten. War die Aussöhnung mit dem Beleidigten erfolgt,
dann vergab auch Gott dem Kranken seine Sünde, und seine Krankheit schwand
durch die Heilkraft des Ältesten, der sie unter Gebet und Ölsalbung auf den
kranken Körper übertrug. In den Worten des Apostels ist die
erhabenste Krankenheilung beschrieben, die es für einen Menschen geben kann.
Es war eine Krankenheilung, die Leib und Seele des Kranken gesund machte. Und was habt ihr heute aus dieser
Krankensalbung und Krankenheilung gemacht? Nach eurer Lehre muß das Öl von
einem Bischof geweiht sein. Nur ein von einem Bischof geweihter Priester kann
die Salbung mit diesem Öl vornehmen, indem er dabei ein ihm vorgeschriebenes
Gebet spricht. Und da meint ihr, daß eine solche Salbung die Verzeihung der
Sünden des Kranken her beiführe. Ihr spendet diese Salbung sogar einem
Bewußtlosen und meint, selbst in diesem Zustand bewirke sie die Vergebung der
Sünden. Euer gesundes Denken müßte euch
doch sagen, daß eine solche Ölsalbung auf den Seelenzustand des Bewußtlosen
keine Wirkung ausüben kann. Auch bei den ersten Christen bewirkte nicht die
Salbung die Sündenvergebung, sondern die vorher erfolgte Sündenvergebung
räumte das Hindernis der Heilung hinweg, so daß nun die Heilsalbung ihre
Wirkung bei dem Kranken betätigen konnte. Da bei eurer heutigen
Krankensalbung in den meisten Fällen all die Vorbedingungen fehlen, die in
den ersten Christengemeinden vorhanden waren, so ist die sogenannte ‘Letzte
Ölung‘ in den meisten Fällen eine rein äußerliche Zeremonie ohne jegliche
innere Wirkung. Das Priestertum der ersten Christen
und das heutige Auch eine ‘Priesterweihe‘ gab es im
Urchristentum nicht. Das Wort ‘Priester‘ ist entstanden aus dem griechischen
Wort ‘Presbyter‘ der alten Kirche. Es bedeutet ‘Ältester‘. Es sind damit
jedoch nicht Älteste den Jahren nach gemeint, sondern die innerlich Reifsten
in der Sache Gottes. Von ihnen galt das Wort aus dem Buche der Weisheit:
‘Nicht das lang dauernde Alter ist der Ehre wert und es wird nicht die Zahl
der Jahre gemessen; nein, das wahre graue Haar ist für die Menschen die
Einsicht und das wahre Greisenalter ein fleckenloses Leben.‘ (Weish.4,8-9) Darum wurden die Presbyter der
ersten christlichen Kirchen nicht von Menschen für ihre Aufgaben ausgewählt,
da Menschen die innere Würdigkeit eines Mitmenschen nicht beurteilen können.
Sie wurden in den gottesdienstlichen Versammlungen der Christen durch die
sich kundgebenden Geister Gottes als diejenigen bezeichnet, die Gott für
seine Zwecke bestimmt hatte. Von den Gliedern der christlichen Gemeinden
wurden sie durch Handauflegung in feierlicher Weise als die anerkannt, die im
Auftrage Gottes ihres Amtes walteten. Und worin bestand ihre Tätigkeit?
Hatten sie vielleicht größere geistige Befugnisse als gewöhnliche Christen?
Hatten sie geistliche Vollmachten, die sie den Mitchristen gegenüber
ausübten, so daß diese in ihrem Verhältnis zu Gott und in der Erlangung des
Heils von ihnen abhängig gewesen wären? Nichts von alledem. Man kannte
damals kein Priestertum, wie ihr es heute habt. Damals gab es keine Priester
mit besonderer geistlicher Gewalt, die nur sie hätten ausüben können. Es gab
keine Priester, die sogenannte Sakramente spendeten, Sünden vergaben oder
andere geistigen Gnaden vermittelten. Es gab keine Bischöfe, die andere zu
Priestern weihten und ihnen geistige Vollmachten übertrugen. Das Amt eines ‘Ältesten‘ oder ‘Presbyters‘
umfaßte eine ganz andere Tätigkeit. Wo Menschen sich zu einem bestimmten
Zweck vereinigen und zusammenkommen, da muß ein Leiter sein, der die äußere
Ordnung aufrechthält und dafür sorgt, daß alles so gehandhabt wird, wie es
zur Erreichung des gesteckten Zieles erforderlich ist. So war es auch bei den
ersten Christen. Sie kamen zusammen zum Gottesdienst, zur Feier des
Abendmahls, zur gegenseitigen Erbauung und Stärkung im Glauben. Da war es
notwendig, daß jemand da war, der diese Versammlungen anberaumte, sie
vorbereitete, die Stunde festsetzte, das ganze leitete und dafür Sorge trug,
daß alles in schöner Ordnung und Eintracht verlief. Denn Gott ist ein Gott
der Ordnung in seiner ganzen Schöpfung. Wie er in der Geisterwelt Führer
und Leiter bestimmt hat, welche die Ausführung seiner Anordnungen zu
überwachen haben, so will er auch, daß es in der menschlichen Heilsordnung
Leiter gibt, die alles so einrichten, daß die Glieder der Heilsgemeinschaft
möglichst großen geistigen Nutzen ernten. Diese Aufgabe hatten die Presbyter.
Sie sorgten zunächst für die äußere Ordnung. Sie bestimmten, in welchem Hause
die gottesdienstlichen Versammlungen abgehalten wurden, sorgten dafür, daß
der Raum entsprechend eingerichtet und mit allem Notwendigen versehen wurde;
sie setzten die Zeit der Zusammenkünfte fest und sahen überall nach dem
Rechten. Aber in dem inneren Leben der
Gemeinde erwuchsen ihnen noch wichtigere Aufgaben. In den Gottesdiensten
wurde durch die sich kundgebenden Geister vieles angeordnet, was für das
geistige Fortkommen der Gemeinde von Wichtigkeit war. Der Presbyter hatte nun
dafür zu sorgen, daß jene Anordnungen und Aufträge pünktlich und gewissenhaft
ausgeführt wurden. Da die wahre Religion eine Religion
der tätigen Nächstenliebe ist, so wurde bei den Christen ein großer Wert auf
die Hilfe gelegt, die den wahrhaft Hilfsbedürftigen in der Gemeinde gewährt
werden sollte. Da war es der Presbyter, der in ständiger Fühlung mit den
Familien seiner Gemeinde blieb und mit ihnen alles besprach, was sie leiblich
und seelisch bedrückte. Er war der treueste Freund aller. Alle hatten
deswegen ein unbegrenztes Vertrauen zu ihm, weil er von den Geisterboten
Gottes als derjenige bestimmt worden war, der Freud und Leid mit ihnen teilen
sollte und dem sie alles anvertrauen konnten. Infolge seiner Erwählung durch die
Geisterwelt besaß er auch die Gottesgabe, ihnen stets das für sie Beste in
Rat und Tat zu gewähren. Er stellte fest, wo Hilfe nottat, besuchte die
Kranken und menschlich Verlassenen, Witwen und Waisen und trug dafür Sorge,
daß von den anderen christlichen Familien die erforderliche Hilfe geleistet
wurde. Die ersten Christen brachten zu den
Versammlungen sehr viele materielle Gaben der verschiedenen Art mit und
übergaben sie dem Ältesten, damit er sie an die Notleidenden austeile. Da der
Älteste auch die Gabe der Heilung hatte und so ein großer Helfer der Kranken
war, so war es natürlich, daß er sich durch seine Tätigkeit auch rein
menschlich die Liebe und Zuneigung der Mitchristen erwarb. Aus dem großen Vertrauen heraus,
das alle zu ihm hatten, sprachen sich die Glieder der Gemeinde auch über das
bei ihm aus, was sie an geistigen Bedrängnissen zu tragen hatten, bekannten
ihm dabei auch manche Fehltritte und baten ihn um seinen Rat. Er richtete sie
auf, tröstete und ermunterte sie, betete mit ihnen und war allen ein
geistiger Vater und wahrer Hirte. Die ersten Christengemeinden
bestanden in der Form der Nachbarschaften. Eine gewisse Anzahl von Familien,
die in einem gewissen Umkreis wohnten, bildeten eine Gemeinde. Sehr groß
durfte sie nicht sein, da sonst der beschränkte Raum eines Privathauses ihre
Zusammenkünfte nicht hätte fassen können. Darum war die Zahl der Gemeinden an
einem größeren Orte oder in einem größeren Bezirk oft recht groß. Jede von
ihnen hatte ihren eigenen Presbyter. Nun kam es häufig vor, daß in der einen
Gemeinde fast nur materiell besser gestellte Familien waren, während eine
andere Gemeinde fast nur hilfsbedürftige Familien umfaßte. Und da gerade die
wohlhabenden Familien mit ihrem irdischen Vermögen recht viel Gutes tun
wollten aber in der eigenen Gemeinde keine Gelegenheit dazu hatten, so
stellte sich bald folgende Notwendigkeit heraus: Es mußte eine Verbindung der
einzelnen Gemeinden miteinander in der Weise hergestellt werden, daß einer
bestimmt wurde, der sich mit den Presbytern des ganzen Bezirkes in Verbindung
zu setzen hatte. Bei ihnen sollte er feststellen, wie groß die Zahl der
Hilfsbedürftigen war und welche Hilfsmittel im ganzen zur Verfügung standen.
So konnte ein Ausgleich der Gaben und Hilfeleistungen in die Wege geleitet
werden. Denn die Presbyter führten ein genaues Verzeichnis sowohl über die
Zahl der Armen, als auch über den Umfang der zur Verfügung stehenden
Hilfsmittel ihrer Gemeinde. Derjenige nun, der den Ausgleich
und die Verteilung der Mittel und Hilfeleistungen des gesamten Bezirkes auf
die einzelnen Gemeinden dieses Bezirkes vornahm, nannte man ‘Episeopos‘,
woraus euer heutiges Wort ‘Bischof‘ entstand. Es bedeutet: ‘Aufsichtführender.
Er hatte mit den Gliedern der Einzelgemeinden nichts zu tun. Seine Aufgabe
bestand darin, daß er mit den Presbytern seines Bezirkes zusammenkam, mit
ihnen die Zusammenarbeit auf dem Gebiete der christlichen Hilfe besprach und
organisierte und die Hilfsmittel an die einzelnen Presbyter zur weiteren
Verteilung überbringen ließ. Daß bei solchen Besprechungen der
Presbyter mit dem ‘Episeopos‘ oder Bischof auch andere wichtige Fragen der
Seelsorge behandelt wurden, ergab sich von selbst. Der Bischof wurde, wie der
Presbyter, nicht von Menschen gewählt, sondern durch Kundgebungen der Geister
Gottes bestimmt. Sein Einfluß auf das Leben der christlichen Gemeinden war
naturgemäß ein sehr großer. Aber es war ein Einfluß, der aus seiner inneren
Würdigkeit und seinem vorbildlichen Leben entsprang. Darum wurde er in allen
wichtigen Fragen um sein Urteil gebeten. Auch die Geisterwelt wies die
Presbyter in allen die Gesamtheit der Christengemeinden betreffenden Fragen
an den Bischof ihres Bezirkes. Und dieser wurde von Gottes Geist belehrt, was
er tun solle. Wie jedoch der Einfluß, den ihr
Menschen auf eure Mitmenschen erlangt, von euch so leicht mißbraucht wird, so
geschah es auch später in den christlichen Gemeinden. Es kam die Zeit, wo die
Geister Gottes aus der christlichen Kirche ausgeschaltet wurden. Nun wurden
die Presbyter und Bischöfe nicht mehr von der Geisterwelt bestimmt, sondern
von einflußreichen Menschen. Herrschsucht und andere menschliche Untugenden
schlichen sich ein. Denn wo die Geister Gottes fehlen, da wirken andere
Geister, die nicht das Heil der Menschheit wollen, sondern ihr Verderben. Das
Gute herrscht durch Freiheit - das Böse durch Zwang. Die Urkirche, in der die
Geister Gottes das Szepter führten, war eine Kirche der Freiheit der Kinder
Gottes. Die spätere Kirche, welche die Geister Gottes ausschaltete, wurde
unter dem Einfluß der bösen Mächte, die in ihr wirksam wurden, eine Kirche
der geistigen Knechtschaft, in der die Leiter sich Gewalten anmaßten, die
gegen den Willen Gottes verstießen und infolge dieser Gewalten den Gläubigen
den direkten Weg zu Gott versperrten. So ist es bis heute in der
katholischen Kirche geblieben. Die Katholiken sind fest an die Rockschöße des
katholischen Priestertums gebunden. Denn ohne Inanspruchnahme dieses Priestertums
gibt es nach der Lehre dieser Kirche keine Sündenvergebung, kein Kommen des
Geistes Gottes, kein Abendmahl des Herrn, keine Krankensalbung und keine
gültige Ehe. Letztere hat sie eben falls zu einem Sakrament gestempelt, über
das ich dir nach meinen vorhergehenden Darlegungen über die Ehe nichts weiter
mehr zu sagen habe. Wenn Christus heute wieder auf die
Erde käme, würde er noch einmal die Klage aussprechen müssen: ‘Mich erbarmet
des Volkes.‘ Sollen die jetzigen christlichen
Kirchen wieder ‘Träger der wahren Lehre Christi werden, dann müssen sie
zurückkehren zum Gottesdienst der Urkirche. Es ist freilich keine Hoffnung,
daß eine Rückkehr zum Christentum Christi von seiten der Leiter der heutigen
christlichen Kirchen angebahnt wird. Sie muß vom Volke ausgehen. Das Volk,
dem so viele Menschensatzungen im Namen der Religion aufgebürdet wurden, muß
wieder lernen, auf dieselbe Weise seinen Gott zu suchen und dessen Willen zu
erfüllen, wie es die ersten Christen unter Anleitung der Geister Gottes getan
haben. Denn auch heute gilt noch der Satz, den die christliche Urkirche sich
zur Richtschnur nahm: ‘Wo die Geister Gottes sind, da ist die Wahrheit! ___________________________________ Gegen alles, was mit dem
Althergebrachten nicht übereinstimmt, pflegen wir uns ablehnend zu verhalten.
Das liegt in der Natur des Menschen. Die Gewohnheit ist die stärkste Macht
sowohl im Leben des einzelnen, als auch im Leben der Völker. Darum hängt der
Mensch so fest an den Sitten und Gebräuchen, die er von seinen Eltern
überkommen und von Jugend auf geübt hat. In verstärktem Maße gilt dies von
den Dingen, die mit der Religion des Elternhauses zusammenhängen. Was Vater
und Mutter dem Kinde als etwas Heiliges und Göttliches dargestellt, was sie
selbst als religiöse Pflicht geübt und dem Kinde als gleiche Pflicht ins Herz
gelegt, ist nicht leicht ganz daraus zu tilgen. Und wenn sich auch die
meisten im praktischen Leben nicht danach richten, so gilt es doch als etwas
Altehrwürdiges, vor dem man eine gewisse Scheu empfindet und das man
wenigstens äußerlich nicht ganz aufgeben möchte. Ein Begräbnis nach
althergebrachter Weise der Väter möchte man immerhin noch haben, wenn man
auch nicht nach dem Glauben der Väter gelebt hat. Man meint, das der
Familien- und Glaubenstradition schuldig zu sein. Alle sind vom Kindheit an
so oft in die bunte Farbenmischung des religiösen Denkens und Empfindens des
Elternhauses und der Glaubensgenossen eingetaucht worden, daß immer noch
etwas davon haften bleibt, wenn sie auch noch so oft in dem Wasser eines
unreligiösen Alltagslebens gewaschen wurden. Diese Macht der Gewohnheit ist der
größte Feind der Wahrheit auf allen Gebieten, besonders auf dem der Religion.
Sie hält den Menschen nicht bloß ab, selbst nach der Wahrheit zu suchen,
sondern treibt ihn auch instinktmäßig dazu, ohne weitere Prüfung alles von
sich zu weisen, was im Gegensatz zu seiner bisherigen Meinung steht. Dagegen gibt es bloß ein Mittel: Es
ist das Selbsterleben der Wahrheit. Auch mir erging es ähnlich
bezüglich der Wahrheiten, die in diesem Buch enthalten sind. Daß es einen Gott und eine
Geisterwelt gibt, lehrte mich meine Religion. Davon war ich daher auch völlig
überzeugt. Daß aber eine mit menschlichen Sinnen wahrnehmbare Verbindung mit
der Geisterwelt hergestellt werden könne, das verstieß gegen die Lehre meiner
Kirche. Darum hielt ich diese Annahme für Torheit. Als ich daher eines Tages
gezwungen war, Dinge zu prüfen, die angeblich Geisterkundgebungen sein
sollten, war ich in meinem Inneren überzeugt, daß es mir ein leichtes sein
werde, die ganze Sache als Schwindel zu entlarven. Dabei war ich mir freilich
bewußt, daß eine solche Prüfung nur dann eine einwandfreie sein könne, wenn
sie nach denselben wissenschaftlichen Grundsätzen vorgenommen würde, die wir
auf allen Gebieten anwenden müssen, um die Wahrheit zu ermitteln. Es sind
dies die Gesetze von Ursache und Wirkung. Sie sind allgemein gültig und
erleiden keine Ausnahme. Denn eine bestimmte Wirkung ohne eine entsprechende
Ursache ist auf keinem Gebiet denkbar. So muß dort, wo Gedanken klar und
deutlich ausgesprochen werden, auch ein Träger dieser Gedanken - ein
denkendes “Ich“ sein. Werden nun durch irgendeinen Menschen Gedanken zum
Ausdruck gebracht, die er selbst nicht kennt und nie gekannt hat, spricht und
schreibt er in fremden Sprachen, deren Laute er bisher nie vernommen, dann
kann das eigene “Ich“ eines solchen Menschen nicht die Ursache solcher
Wirkungen sein. Das gilt umso mehr, wenn dieses Sprechen oder Schreiben in
einem Zustand vollständiger Bewußtlosigkeit erfolgt. Es widerstreitet jedem
gesunden Denken, daß ein vollständig Bewußt-loser überhaupt einen klar
durchdachten, die schwierigsten Dinge behandelnden stundenlangen Vortrag
halten, die gestellten Fragen und Zwischenfragen eingehend beantworten und
erläutern kann. Noch viel weniger kann ein Bewußtloser eine Sprache sprechen
oder schreiben, die er nie gehört oder gelernt hat. Hier kann nicht das
eigene “Ich“ des bewußtlosen Menschen als Träger solcher Kundgebungen
angenommen werden, sondern es muß in solchen Fällen ein anderes denkendes
Wesen sein, das sich des Körpers des bewußtlosen Menschen zum Sprechen und
Schreiben bedient. Auch nach den Grundsätzen der exakten Wissenschaft müssen
wir diese Schlußfolgerung ziehen. Wenn dann ferner diese unserem Auge
unsichtbaren denkenden Wesen uns immer wieder beteuern, daß sie körperlose
Geister seien, und wenn sie uns die Gesetze genau angeben, nach denen es
ihnen möglich sei, mit den Menschen in Verbindung zu treten, dann haben wir
ja ein Mittel, die Richtigkeit ihrer Angaben zu prüfen. Wir brauchen bloß die
Bedingungen zu erfüllen, welche die Geisterwelt für ihre Verbindung mit uns
nötig zu haben behauptet. Stellt es sich dann heraus, daß bei Beobachtung
jener Gesetze der Geisterverkehr tatsächlich zustandekommt, und zwar überall
und in jedem Falle, dann ist der Geisterverkehr eine Wahrheit, die ebenso
unleugbar ist, wie die Tatsache, daß unter Anwendung der Gesetze des Radios
uns Mitteilungen aus weiter Ferne vermittelt werden. Die Gesetzmäßigkeit ist
in beiden Fällen dieselbe. Die Gesetze für die Übertragung durch das Radio
sind nicht heute erst geschaffen worden. Sie sind so alt, wie das Universum.
Nur hat man erst heute Kenntnis davon bekommen. So sind auch die Gesetze des
Verkehrs der Geisterwelt mit den Menschen immer dagewesen. Man hat sie nicht
einmal in unserer Zeit entdeckt, sondern Menschen aller Völker und Zeiten
kannten sie und traten aufgrund dieser Gesetze in Verbindung mit dem
Jenseits. Bei meinen eigenen Erlebnissen auf
diesem Gebiet, wie bei den Erlebnissen von tausend anderer, darunter auch
vieler wissenschaftlicher Forscher, handelt es sich nicht um Illusionen,
Halluzinationen oder sonstige Sinnestäuschungen. Es sind objektive
Geschehnisse. Ich selbst habe das auf diesem Gebiet Erlebte mit dem
nüchternen Sinn betrachtet und geprüft. Ich besitze keinerlei mediale Gaben,
bin weder hellsehend oder hellhörend noch irgendwie sensitiv. Ich kenne
nichts von Trancezuständen an mir. Mit einer sehr guten Gesundheit und
starken Nerven ausgerüstet, habe ich jene Dinge beobachtet in einem Alter von
50 Jahren, nachdem ich als katholischer Geistlicher in fünfundzwanzigjähriger
Seelsorge die Höhen und Tiefen des Menschenlebens kennengelernt hatte. Die
Erscheinungen der Hysterie, der Nervenüberreizung, des Irrsinns, der
Epilepsie und ähnliche Zustände waren mir in zahllosen Fällen vor Augen
getreten und in der Seelsorge alltägliche Vorkommnisse. Was ich aber bei dem
in diesem Buch geschilderten Geisterverkehr vor mir sah, war etwas ganz
anderes. Es hatte nicht die entfernteste Ähnlichkeit mit anormalen Vorgängen
auf dem Gebiet des Seelenlebens. Daß ich mit dem tiefsten Ernst und
der größten Gewissenhaftigkeit jene Dinge prüfte, dazu wurde ich schon durch
die Erwägung gezwungen, daß für mich alles dabei auf dem Spiel stand. Als
Geistlicher hatte ich eine Lebensstellung, die mich für immer jeder
materiellen Sorge enthob. Daß keiner eine solche Stellung ohne die
schwerwiegendsten Gründe aufgibt und mittellos wird, bedarf keines weiteren
Beweises. Aber ich mußte sie aufgeben, wenn sich das als Wahrheit erwies, was
ich in der angeblichen Verbindung mit der Geisterwelt erlebte. Denn das, was
mir dort gesagt wurde, stand mit dem in Widerspruch, was ich als katholischer
Geistlicher meinen Glaubensgenossen zu predigen und in der Seelsorge zu
betätigen hatte. Beruhten die Mitteilungen der Geisterwelt auf Wahrheit, dann
mußte ich auf meine Stellung als katholischer Geistlicher verzichten. Noch ein Wort der Belehrung möchte
ich an den Leser dieses Buches richten. Ich möchte ihm die Frage beantworten,
ob eine Verbindung mit der Geisterwelt Gottes, wie sie in diesem Buche
geschildert ist, von jedem angestrebt werden muß. Die Antwort lautet: Nein
und Ja. Denn wer an Gott glaubt, auf ihn vertraut und tut, was er als den
Willen Gottes erkennt, der wird zu Gott gelangen. Er bedarf dazu keiner für
ihn wahrnehmbaren Verbindung mit der Geisterwelt Gottes. Wer aber im Zweifel
ist über das Dasein eines Gottes; wer Klarheit haben will, ob die Lehren
seiner Kirche richtig oder falsch sind, wer Aufklärung sucht über die großen
Diesseits- und Jenseitsfragen, dem bleibt nur der eine Weg zur Wahrheit: Die
Verbindung mit der guten Geisterwelt. In seiner Stellung zu Gott und
Jenseits zu einer festen Überzeugung zu kommen, ist Pflicht eines jeden nach
den Worten des Apostels Paulus: “Ein jeder möge nach seiner eigenen
Denkweise zu einer festen Überzeugung kommen. Hast du eine feste Überzeugung
gewonnen, so halte sie für dich selbst fest vor dem Angesicht Gottes. Denn
alles, was nicht aus Überzeugung geschieht, ist Sünde“ (Röm.14,23). Für den ehrlichen Wahrheitssucher
ist die Wahrheit ein Schatz, von dem Christus in einem Gleichnis sagt: “Das
Himmelreich ist einem Schatze gleich, der in einem Acker vergraben war. Den
fand ein Mann, ging vor Freude hin und verkaufte alles, was er hatte, und
kaufte jenen Acker“ (Matth.13,44). _______ *
_______ Anhang des Verfassers: Kommt einmal etwas vor, von dem man sagen möchte: “Siehe, das ist etwas Neues“, so ist es doch längst dagewesen in den Zeiträumen, die hinter uns
liegen. Pred. 1,10 Nachdem mir die im zweiten Teil
dieses Buches niedergelegten Belehrungen über die Gesetze des Geisterverkehrs
sowie über die Geisterkundgebungen in der Bibel erteilt worden waren, blieb
es mir überlassen, den sonstigen Geisterverkehr in der Geschichte der
Menschheit selbst zu studieren und mit dem zu vergleichen, was ich durch die
Geisterwelt erfahren hatte. Es wurde mir nahegelegt, vor allem
das zu prüfen, was in den heutigen spiritistischen Sitzungen vor sich geht
und was die heutige Wissenschaft über “Medien“ und ihre Kundgebungen
berichtet. Gern hätte ich auch aus der Vergangenheit die Berichte der alten
Schriftsteller, sowohl der heidnischen, als auch der christlichen, einer
Prüfung unterzogen, soweit sie etwas über einen Verkehr mit der Geisterwelt
enthielten. Dazu hätte ich die Werke der alten griechischen und römischen
Philosophen, Dichter und Geschichtsschreiber studieren müssen. Ich hätte alle
Werke der Kirchenväter und kirchlichen Schriftsteller der nachapostolischen
Zeit bis tief ins Mittelalter hinein und die Werke der Mystiker durcharbeiten
müssen. Auch die zahllosen Berichte über das Leben und Wirken der
katholischen Heiligen konnte ich dabei nicht außer acht lassen, wenn meine
Arbeit Anspruch auf Vollständigkeit machen wollte. Ferner hätte ich dann das
unübersehbare Material sichten müssen, das der heutige “Okkultismus“ in
Büchern und Zeitschriften niedergelegt hat. Auf den ersten Blick mußte ich
einsehen, daß eine solche Arbeit ein ganzes Menschenleben beansprucht hätte. So entschloß ich mich denn, nur
drei Kapitel als Ergänzung diesem Buche beizufügen. In ihnen wollte ich von
mir aus in kurzen Zusammenstellungen zeigen, daß der Geisterverkehr in der
nachapostolischen Zeit eine allgemein bekannte und anerkannte Tatsache war
und daß er sich auch in der jetzigen Zeit vollzieht, wenn er auch von der
heutigen Menschheit noch nicht anerkannt wird, und zwar nach denselben
Gesetzen sich vollzieht, die in diesem Buche geschildert sind und in allen
Zeiten dieselben waren und für alle Zukunft dieselben bleiben werden. So entstanden die folgenden Kapitel
“Der Geisterverkehr in der nachapostolischen Zeit“, “Die Wirkungen der
Geister in dem Leben eines evangelischen und eines katholischen Pfarrers im
19. Jahrhundert“, “Der Spiritismus im Lichte der heutigen Wissenschaft“. Die Kundgebungen der Dämonen im
heidnischen Götzendienst Zwischen der Welt des Heidentums,
in die das Christentum eintrat, und dem Christentum entspann sich ein
gewaltiger Kampf. Bei diesem Kampfe auf Leben und Tod war es die allgemeine
Überzeugung der Christen der nachapostolischen Zeit, daß die bösen
Geistermächte die wirklichen Beherrscher des ganzen Heidentums waren und daß
die weltlichen Machthaber und ihre Untertanen nur die menschlichen Werkzeuge
jener bösen Mächte bildeten. Die Hölle sah ihre bisherige Herrschaft über die
Menschheit durch die Geisterwelt des Guten bedroht, die sich im Christentum
kundgab. “Hier galt es einen Kampf mit einem höheren Herrn, als dem Kaiser in
Rom, mit stärkeren Gewalten, als seinen Statthaltern und Beamten. Die Macht
dieser Gewalten war schon da, als noch kein römisches Reich existierte. Sie erstreckte
sich auch in die dunklen Provinzen des Reiches, wo römische Verwaltung nur
zum Schein bestand. Sie reichte hinein in die Menschenherzen und ihre
Gedanken, die keiner Verwaltung unterstehen.“ “Das Leben des Staates, wie der
einzelnen war voll von Beziehungen zu dieser jenseitigen Welt der Geister,
welche die Heiden Götter, Heroen oder Dämonen nannten. Das Leben des Staates
spielte sich unter ihrem Schutze ab. Ein großer Teil öffentlichen gemeinsamen
Handelns mit Opfern und Festen galt ihrer Verehrung“ (Weinel S. 2 u. 3). Wenn die Götzenbilder auch
äußerlich tot waren, so war man überzeugt, daß hinter jenen Statuen von Stein
und Holz wirkliche Geistwesen lebten, die sich kundgaben. Von ihnen sagt der
Christ und Märtyrer Justin: “Jene Bilder tragen Gestalt und Namen der
erschienenen schlechten Dämonen.“ - Diesen Dämonen galt die Verehrung der
Heiden. “In alten Zeiten sind die Dämonen (in menschlichen Medien) erschienen
und haben mit Frauen Ehebruch getrieben und Knaben geschändet und den
Menschen Schreckbilder gezeigt, so daß diejenigen erschraken, welche diese
Vorgänge nicht verstanden; sie nannten sie Götter und gaben ihnen den Namen,
den sich ein jeder Dämon beilegte. Sie taten es von der Furcht getrieben,
weil sie nicht wußten, daß es böse Dämonen waren“ (Justin 1.5, 2). Aber nicht bloß in der
Vergangenheit waren die bösen Geister wirksam, sondern die Christen der
ersten Jahrhunderte sahen täglich die Kundgebungen dieser Geister mit eigenen
Augen. Da waren zunächst mancherlei
Krankheiten, bei denen ein anderer Geist als der des Kranken aus den
Leidenden sprach und handelte. Der Wahnsinnige hatte einen Dämonen in sich.
Der Hysterische und Epileptische waren besessen. Das war allgemeiner
Volksglaube bei Juden, Heiden und Christen. Diese unsichtbaren Geistwesen
sprachen auch aus menschlichen Medien. Der Christ Tatian schildert ein
weibliches Medium des Apollo mit folgenden Worten: “Nachdem sie Wasser
getrunken hat, gerät sie in Raserei, und durch Weihrauch kommt sie von
Sinnen, und du meinst, sie sage wahr“ (19.p. 86). - Das Rasen ist stets ein
Zeichen, daß ein niederes Geistwesen von einem Medium Besitz ergriffen hat.
Die hohen Geister geben sich kund unter den Zeichen der Ruhe und des
Friedens. Das Rasen der Baalspriester nach
den Berichten der Bibel, die rasenden Bewegungen der Bacchantinnen bei den
Götzenfesten der Römer und Griechen, die tanzenden Derwische unserer Zeit,
sowie die große Zahl ähnlicher Erscheinungen bei den heutigen Medien sind auf
die Einwirkung böser Geistwesen zurückzuführen. Jene Geistwesen konnten auch von
den Hellsehern der damaligen Zeiten geschaut werden. Menschen, welche die
Gabe des Hellsehens oder andere mediale Fähigkeiten besaßen, durch die sie
mit der Geisterwelt in Verbindung treten konnten, nannte man damals
“Pneumatiker“. Dieses Wort ist abgeleitet von dem griechischen Wort “Pneuma“,
das Geist bedeutet. In der heutigen Zeit, die nichts mehr von den Gesetzen
des Geisterverkehrs kennt, deutet man das Wort “Pneumatiker“ als
“Geistbegabten“ und erweckt dadurch die Meinung, als sei der eigene Geist
jener Menschen die Ursache wunderbarer Wirkungen. In Wirklichkeit waren
jedoch die “Pneumatiker“ entweder vollständige “Medien“ oder Menschen mit
einer medialen Veranlagung oder solche, die mit der Gabe des Hellsehens und
Hellhörens ausgestattet waren. Also nicht bloß jene waren “Pneumatiker“, die
mit der guten Geisterwelt Berührung hatten, sondern auch diejenigen, welche
mit den bösen Geistwesen in Verbindung standen. Die Gesetze, nach denen sich
diese Verbindung vollzog, waren ja in beiden Fällen dieselben. “Die Dämonen werden auch den
Menschen sichtbar, indem sie sich ihnen zeigen, damit man glauben soll, sie
seien etwas Rechtes“. - “Leicht und oft werden ihre luft- und feuerartigen
Körper allerdings nur von den ‘Pneumatikern‘ gesehen; aber die Tatsache, daß
man sie sieht und häufig sieht, steht fest“, sagt Tatian (Or. 15 p. 70). Die hier erwähnten luft- und
feuerartigen Körper der Dämonen sind die Odkörper. Alle Geister besitzen sie.
Nur ist ihr Aussehen bei den einzelnen Geistwesen verschieden, je nach der
Sphäre, in der sich der Geist befindet. Auch redeten die Götzenbilder
selbst und wirkten Wunder. Das konnten auch die Christen nicht leugnen, da
diese Tatsache allgemein bekannt war. Gerade hieraus leiteten die Heiden ihre
Überzeugung ab, daß die Götzen, die sie verehrten, lebendige Geistwesen
waren, die über eine große Kraft verfügten. Sie sagen: “Aus welchem Grunde
vollbringen einige Bilder Wunderwirkungen, wenn es nicht Götter sind, für die
wir Bildsäulen errichten? Es ist doch nicht wahrscheinlich, daß die leblosen
unbeweglichen Bilder selbst Kraft entwickeln können, ohne daß sie einer
bewegt?“ - Der Christ Athenagoras entgegnet: Daß in einzelnen Plätzen und
Städten und Völkern im Namen der Bilder Wunderwirkungen geschehen, leugnen
auch wir Christen nicht. Nur halten wir sie nicht für Götter“ (Athenagoras
leg. 23 p. 116). - Von einer Bildsäule eines gewissen Neryllinus in Troas
erzählt er: “Man glaubt, daß sie wahrsage und Kranke heile. Die Einwohner von
Troas opfern ihr daher und schmücken sie mit Gold und bekränzen sie. Ebenso
soll in Parion von den Bildsäulen des Alexander und des Proteus die eine
weissagen; der anderen aber, der des Alexander, feiert man auf Staatskosten
Opfer und Feste, wie einem Gott, der erhören kann.“ Athenagoras leugnet diese
Wirkungen nicht. Nur sagt er, daß diejenigen, die sie vollbringen, böse
Geister seien. “So erlebte und erfuhr man die
Wirkungen und in ihnen den Beweis für die Existenz einer geheimnisvollen Welt
geistiger Wesen hinter den Dingen dieser Welt - geistiger Wesen, die
mächtiger, wissender, aber auch ruchloser waren, als die Menschen. Hinter und
über dem römischen Reich erhob sich das Reich dessen, welcher der wahre Herr
der Welt war, der Zeus, der Teufel und gerade in diesem Römerreich, dessen
führende Kreise dem Christentum so heftigen Widerstand entgegensetzten,
schien jenes Geisterreich sich sein mächtigstes Bollwerk geschaffen zu haben“
(Weinel, S. 12). Mit Entsetzen erfuhren die Christen
am eigenen Leibe die Wirkung des unsichtbaren Machthabers der Welt und seiner
Werkzeuge. Und was war der Zweck des Teufels
und seiner Dämonen mit all seinem Anstürmen gegen die Christen? Er wollte sie
fortlocken von Gott in den Irrtum der Vielgötterei. Er wollte sie fort
schleudern von ihrem geistigen Leben und in den geistigen Tod stürzen. ‘Denn
nichts anderes erstreben die sogenannten Dämonen, als die Menschen
wegzuführen von ihrem Gott und Schöpfer und seinem Erstgeborenen, dem
Christus und die, welche sich über das Irdische nicht zu erheben vermochten,
haben sie an irdische, von Menschen gemachte Dinge gebunden (Bildsäulen) und
tun es noch“ (Justin 1, 58). - “Die Dämonen haben dies dadurch erreicht, daß
sie durch Erfindung von Mythen und Mysterien den Heilsplan Gottes mit der Menschheit
nachgeäfft haben. Sie haben denen, die nach Gottesgemeinschaft trachteten,
durch ihre Gebilde einen angenehmen, aber seelenverderbenden Ersatz der
wahren Offenbarung geschaffen“ (Justin 1, 56). Die bei den Götzenfesten durch die
Götzenbilder redenden bösen Geister erzeugten die für menschliche Ohren
vernehmbare Stimme dadurch, daß sie das ihnen zur Verfügung stehende Od zur
Bildung der sogenannten “direkten Stimme“ verwendeten. Es war in der Tat eine
Nachahmung des Sprechens Gottes durch die Odwolke über der Bundeslade im
Offenbarungszelt. Denn dies erfolgte ebenfalls als “direkte Stimme“, wie es
in meinen früheren Darlegungen ausführlich klar gelegt ist. Und wie bei dem
Sprechen Gottes die erforderliche Odwolke durch das Od des Opferblutes und die
Räucherungen beschafft wurde, so war auch das Blut der heidnischen
Götzenopfer und die dabei vorgenommene Räucherung die Odquelle für die
“direkten Stimmen“ der bösen Geister. Bei der großen Gefahr, die den
Christen ständig durch den Teufel und sein Heer drohte, war die Furcht vor
diesen finsteren Mächten weit verbreitet. Es waren nicht Schatten und
Phantasiegebilde, um die es sich handelte, wie es den meisten modernen
Menschen erscheint, auch nicht mit Zähigkeit festgehaltene, unbewiesene
Glaubenssätze, wie sie die heute lebenden Christen in ihren Religionen haben,
sondern die bösen Geister waren erlebte, täglich sich kundgebende Gewalten,
welche auf Schritt und Tritt geheimnisvoll, aber machtvoll wirkend ins Leben
eingriffen (Weinel, S. 24). Wir müssen uns einen Christen
vorstellen, wie ihn in dem Hause, in dem er lebt, die Laren und Penaten
(Bilder und Götzen) von den Wänden anstarren; wie auf den Straßen und Plätzen
die Bilder ihm zu drohen scheinen; wie er an den Tempeln vorübergeht, wo in
dem dunklen Haus hinter den hellen Säulenreihen die geheimnisvollen Gewalten
ihr Wesen treiben, Scharen von Menschen zu sich ziehend. Unter diesen Bildern
gab es viele, deren scheußliche Gestalt mit ihrer wundersam grotesken
Mischung von Menschen- und Tierleibern abstieß und doch denjenigen mit
Grausen erfüllte, der hinter ihnen eine persönliche Geistermacht lebendig und
wirksam wußte. Weit gefährlicher aber waren die Dämonen, wenn sie dem zart
schimmernden Marmor Leben einhauchten, wenn die schönheitsfrohen Glieder der
griechischen Götter und Göttinnen der sinnverlockende Zauber wurden, durch
den die Teufel die Menschen knechteten. Der Christ erkannte mit Entsetzen,
daß all diese lebensvolle Schönheit Gott gestohlen war, um sie zur Sünde zu
gebrauchen; daß alle Majestät, welche die Göttergestalten umfloß, ein Raub an
Gottes Herrlichkeit und an seiner Herrschaft über die Menschenherzen war. Und wenn der Christ dann bei
Familienfeiern, bei den Festen der Stadt und der Provinz voll Grauen die
ungeheure Macht des Abfalls von Gott erfuhr; wenn er sah, wie bei solchen
Festen die schlimmsten Schandtaten der Dämonen und Heroen auf der Bühne sich
abspielten, wie die Leidenschaften der Menschen und Götter Habgier, Haß,
Rachgier und Sinnenliebe, und was ihnen folgt: Krieg, Mord und Ehebruch, vor
den Augen von alt und jung, der Reifen wie der Unreifen, in verführerischem
Zauber sich entfalten: Dann zog ein Schauer der Verachtung und des Hasses
gegen diejenigen durch sein Herz, welche die Seelen der Menschen durch ihre
Gaukeleien und Schreckbilder von dem wahren Gott und seiner ewigen Güte und
Reinheit weggehauen.“ “Glücklich der Christ, der nur
diese Empfindungen kannte. Aber wenn sich die Schönheit der Bilder und der
Menschen, wenn sich der Sinnenreiz der Schauspiele ihm ins Herz schlich, wenn
bei den Kämpfen der Gladiatoren die im Menschen schlummernde Blutgier auch in
ihm erwachte, dann hörte er mit Schrecken und Entsetzen dieselben finsteren
Mächte aus den Regungen seines eigenen Trieblebens bald in süßem Schmeicheln,
bald in wildem Locken zu sich reden. Er glaubte sie nicht bloß zu hören. Je
mehr er auf sich achtete, je mehr er sich versenkte in das Erleben der
Geisterwelt, je mehr er ein ‘Pneumatiker‘ wurde, desto klarer und öfter hörte
er diese Stimmen, ja er sah die Gestalten der bösen Geister leiblich und
erlebte körperlich ihre peinigende Gegenwart.“ “Und blieb er seinem Gotte
treu, so wartete auf ihn vielleicht das Schlimmste. In einer Zeit der
Verfolgung entfalteten Satan und seine Geister ihre höchste Macht. Mit
Abscheu und bangem Entsetzen erfuhr er dann die Grausamkeit dieser
wildgewaltigen Feinde an den Qualen seiner Freunde, oder er erlebte sie in
den peinigenden Schmerzen, die seinen eigenen gefolterten Leib zerrissen.“
(Weinel, S. 24 u.25). Was für eine Kraft war es nun,
welche die Christen befähigte, die bösen Geistermächte zu überwinden? Die
Christen selbst antworten uns: Es ist ein heiliger Geist, ein Geist Gottes,
der sie wirkt. Die Geister Gottes kamen zu ihnen in derselben Weise, wie sie
zu den ersten christlichen Gemeinden kamen. So sagt Justin von den Christen
seiner Zeit: “Sie empfangen Gaben, ein jeder nach Würdigkeit, erleuchtet
durch den Namen dieses Christus. Denn der eine empfängt einen Geist der
Einsicht, der andere einen Geist des Rates, der andere einen der Kraft, der
andere einen Geist der Heilung, der andere einen Geist des Vorherwissens,
dieser einen Geist der Lehre, jener einen Geist der Furcht Gottes“ (Justin,
Dial. 39 p. 132). - “Bei uns kann man Frauen und Männer sehen, welche
Gnadengaben von einem Geist Gottes haben“ (Justin, Dial. 88 p. 318). In seinem Gespräch mit dem Juden
Tryphon sagt Justin: “Bei uns sind noch bis jetzt prophetische Gaben
vorhanden, woraus ihr erkennen könnt, daß das, was vor alten Zeiten in eurem
Geschlecht war, jetzt zu uns kam. Und wie auch falsche Propheten zu der Zeit
lebten, da die heiligen Propheten bei euch auftraten, so gibt es auch jetzt
bei uns falsche Lehrer“ (Justin, Dial. 82 p. 296). Gegen diejenigen, welche die
Kundgebungen der Geister Gottes aus der Religion verweisen wollten, tritt
Irenaeus auf. Er spricht den Standpunkt der ganzen christlichen Kirche der
damaligen Zeit aus, wenn er gegen die Religionsgemeinschaft der Aloger sagt:
“Sie machen die Gabe des Geistes zunichte, welche in der Endzeit nach dem
Willen des Vaters über das ganze Menschengeschlecht ausgegossen ist. Sie
wollen jene Form des Evangeliums nicht zulassen, welche im
Johannes-Evangelium dargestellt ist, wo der Herr versprochen hat, die
Geisterwelt zu senden. Und sie verwerfen sowohl das Evangelium, als auch den
prophetischen Geist.“ Wenn Irenaeus den Ausdruck
“Endzeit“ gebraucht, so meinten die Christen damit die Zeit vom Erscheinen
Christi an bis zum Weltende. Unter “prophetischem Geist“ verstanden die
Christen einen Geist, der durch ein menschliches Medium die Wahrheiten Gottes
verkündete, wie dies in den ersten christlichen Gemeinden der Fall war. Nach
dem alt-christlichen Grundsatz konnte man die Wahrheit nur dort lernen, wo
Geister Gottes sich kundgaben. Dieser Grundsatz wurde in die Formel
gekleidet: “Wo die Gnadengaben Gottes bestehen, dort muß man die Wahrheit
lernen.“ Da die Verbindung mit der guten
Geisterwelt unter denselben Gesetzen und Vorbedingungen sich vollzog und noch
vollzieht, wie die mit den bösen Geistern, so sind die Kundgebungen beider
Geisterwelten äußerlich gleichartig. Nur aus dem Inhalt der Kundgebungen und
dem Benehmen der Geistwesen in den menschlichen Medien kann man erkennen, ob
sie von guten oder bösen, hohen oder niederen Geistwesen stammen. Aber die
Kundgebungen selbst betrachtete damals so wohl der Jude wie der Heide und der
Christ, der katholische Christ sowohl wie der nicht katholische, in gleicher
Weise als Wirkungen unsichtbarer Geistwesen. “Erblickt ein Christ in einer
Vision einen Engel oder einen Dämon, Christus oder den Teufel, hat ein Heide
oder ein Gnostiker eine Vision, so ist nicht, wie für manche moderne
Theologen, bei einem Juden Selbsttäuschung, was bei einem Christen wahres
Erleben ist, sondern in jedem der angegebenen Fälle sind für jene Zeit
übermenschliche, unsichtbare Geistwesen in Erscheinung getreten. Und das
Erlebnis kann sich jedesmal ganz in der gleichen Form abspielen“ (Weinel, S.
64). “Die Wirkungen des heiligen Geistes
und der Dämonen sind aber nicht nur im allgemeinen gleichartige Vorgänge,
sondern derselbe Vorgang kann bald als Wirkung des guten, bald als Wirkung
des bösen Geistes beurteilt werden, je nach dem dogmatischen Standpunkt
(Glaubensstandpunkt) des Verfassers. Was der Gnostiker (eine christliche Sekte)
für gute, heilige Geistwirkung hält, beurteilt der katholische Christ als
Blendwerk der Dämonen und umgekehrt“ (Weinel, S. 64). “Wo die pneumatischen
Vorgänge auf demselben seelisch-leiblichen Gebiet auftreten, ist es höchst
auffallend, wie gleichartig sie in allen Jahrhunderten gewesen sind. Der
mittelalterliche mönchische Mystiker, der Quäker im protestantischen England,
der hugenottische Inspirierte, der Wunderarzt des 19. Jahrhunderts, erlebt
und tut dann ganz dasselbe, wie die Pneumatiker der werdenden Kirche“
(Weinel, S. 65). “Innerhalb des Gebietes der
pneumatischen (medialen) Erscheinungen gibt es nach christlicher Überzeugung
keine neutrale Wirkung. Der Geist, welcher wirkt, ist entweder ein böser oder
ein guter“ (Weinel, S. 67). Trancezustände der christlichen
Medien Die Art und Weise, wie die Geister
in den nachapostolischen Zeiten sich kundgaben, ist dieselbe, wie sie in den
früheren Kapiteln dieses Buches über die Medien dargelegt wurde. Die Geister bedienten sich der
Medien zum Sprechen. Es gab sowohl “Teiltrancemedien“, bei denen der eigene
Geist alles hört, was das fremde Geistwesen durch das Medium spricht, als
auch “Tieftrancemedien“, bei denen ein anderer Geist redete, während das
Medium selbst in vollständig bewußt-losem Zustand sich befand. Ein Medium,
das in Teiltrance sprach, schildert seinen eigenen Zustand mit folgenden
Worten: “Stets empfand ich dabei eine außerordentliche Erhebung zu Gott, bei
welchem ich daher beteuere, daß ich weder durch irgend jemand bestochen oder
verleitet, noch durch eine weltliche Rücksicht bewogen bin, durchaus keine
anderen Worte als solche zu sprechen, welche der Geist oder der Engel Gottes
selbst bildet, indem er sich meiner Organe bedient. Ihm allein überlasse ich
daher in meinen Ekstasen die Lenkung meiner Zunge, indem ich mich nur
bestrebe, meinen Geist auf Gott zu richten und die Worte zu merken, welche
mein Mund ausspricht. Ich weiß, daß alsdann eine höhere und andere Macht
durch mich spricht. Ich denke darüber nicht nach und weiß vorher nicht, was ich
reden werde. Meine Worte kommen mir daher wie die Rede eines anderen vor,
aber sie lassen einen tiefen Eindruck in meinem Geist zurück“ (Weinel, S. 77
u. 78). Oft auch betet ein Geist unter
Benutzung eines Mediums in Teiltrance. Ein Beispiel des “Betens im Geist“
berichtet höchst anschaulich das Martyrium des Polykarp. Hier ist auch das
große Ergriffensein treffend geschildert. Polykarp begibt sich aus dem
Obergemach des Hauses, wohin man ihn geflüchtet hatte, zu der
Truppenabteilung hinunter, befiehlt, den Soldaten zu essen vorzusetzen, und
bittet sie dann um eine Stunde Verzug für ein ungestörtes Gebet. “Als sie es
ihm gestatteten, trat er hin und betete, voll der Gnade Gottes (im Geiste) so
sehr, daß er zwei Stunden lang nicht schweigen konnte und alle Zuhörer
erschraken, viele es aber bereuten, daß sie gekommen waren zu einem solch
gottbegnadeten Greis, um ihn festzunehmen.“ Er konnte nicht schweigen. Denn
nicht er selbst redete, sondern etwas anderes sprach aus ihm und ließ ihn
nicht zum Schweigen kommen. Dabei vernimmt er nichts von dem, was um ihn
vorgeht. Er ist unempfindlich gegen die Müdigkeit, die dem alten Manne doch
sonst das Stehen unmöglich gemacht hätte. Alle Anwesenden sahen, daß Polykarp
nicht selbst sprach, sondern daß ein anderer aus ihm redete. Eine solche
Wahrnehmung hat für den Zuschauer immer etwas Schreckhaftes, wie überhaupt in
allen Fällen, wo die jenseitige Geisterwelt mit Menschen in sinnlich
wahrnehmbarer Weise in Berührung kommt, vor allem, wenn es das erstemal ist,
wo der Mensch so etwas erlebt. Solch ein Beter, wie Polykarp, war
ohne Zweifel der schwäbische Pfarrer Blumhardt, bei dessen Gebet die Kranken
die Geister der Krankheit von sich weichen fühlten (Weinel, S. 83). Das Stadium der “Tieftrance“ oder
der eigentlichen “Ekstase“ war sehr oft bei den Medien der Montanisten
vorhanden. Von Montanus erzählt sein Gegner Eusebius, es sei ihm berichtet
worden, “Montanus, ein Neugetaufter, habe, von unmäßigem Ehrgeiz getrieben,
dem bösen Feind Einlaß in sein Inneres gewährt. Er sei von einem Geist
erfüllt worden und habe plötzlich, in Besessenheit und Ekstase geraten, in
einem Erregungszustand zu reden und fremdartige Worte auszustoßen begonnen.
Auch zwei von ihm erweckte Frauen hätten gesprochen “in bewußtlosem Zustande
und ganz plötzlich und fremdartig, ähnlich wie Montanus, von demselben bösen
Geist erfüllt.“ Der Geist, der aus Montanus redet,
erklärt diesen medialen Zustand mit folgenden Worten: “Siehe, der Mensch ist
wie ein Lyra (Musikinstrument), und ich fliege hinzu wie ein Plektrum (durch
das auf das Musikinstrument geschlagen wurde).“ Damit gibt dieser Geist in der
richtigen Weise das Verhältnis an, in dem der Geist, der aus einem Medium
spricht, zu dem Medium steht. Das Medium ist bloß Werkzeug in der Hand des
Geistes. Es ist das Klavier und der fremde Geist ist der Klavierspieler. So
ist es bei allen echten Medien ohne Ausnahme. Das abfällige Urteil, das bei
Eusebius über die Geistwirkungen in der montanistischen
Religionsgemeinschaft, die doch auch eine christliche war, in den oben
angeführten Sätzen gefällt wird, ist das Urteil eines religiösen Gegners. Und
bekanntlich sind Religionskämpfe stets die erbittertsten, bei denen die
Gegner von den Waffen der Lüge und der Verleumdung und der Entstellung der
Wahrheit zu allen Zeiten den ausgiebigsten Gebrauch gemacht haben. Daß bei
den Montanisten die Geisterkundgebungen nicht von der Art gewesen sein
können, wie die katholischen Gegner sie hinstellen, geht schon allein aus der
Tatsache hervor, daß Tertullian, der gelehrteste und ernsteste Kirchenlehrer
der damaligen Zeit, aus der katholischen Religionsgemeinschaft zu der
montanistischen übergetreten ist. Wer die Werke dieses Kirchenlehrers kennt,
dem ist es ohne weiteres klar, daß die bei den Montanisten zutage getretenen
Geistwirkungen etwas Ernstes und Heiliges gewesen sein müssen, sonst hätte
sich dieser Mann ihnen nicht angeschlossen. Da die Geistwirkungen bei den
Montanisten unter den Christen sehr viel Aufsehen erregten und der bisherigen
christlichen Religionsgemeinschaft, die man die katholische nannte, dadurch
großen Abbruch taten, stellte man plötzlich von Seiten der damaligen
katholischen Kirchenleiter den Grundsatz auf, daß ein wahres Werkzeug Gottes
nicht in der Ekstase, also nicht in Tieftrance spreche. Und doch war es allgemein
bekannt, daß zu allen Zeiten zahlreiche Menschen als Werkzeuge Gottes in
Ekstase gesprochen hatten. So sagt der katholische Athenagoras aus derselben
Zeit: “Die Propheten haben in der Bewußtlosigkeit der Exstase, indem sie ein
göttlicher Geist in Tätigkeit versetzte, das ausgesprochen, was ihnen
eingeflößt wurde, wobei sie ein heiliger Geist benutzte, wie ein
Flötenspieler seine Flöte bläst“ (Athenag. leg. p. 42). Und an einer anderen
Stelle sagt er, der Geist habe die “Sprachorgane der Propheten wie
Instrumente in Bewegung gesetzt.“ In der justinischen Coh. ad. Grace. heißt
es: “Das göttliche, aus dem Himmel herabkommende Plektrum hat die gerechten
Männer wie ein Instrument, eine Zither oder Lyra, benutzt.!! Auch Justin und
Theophilus gebrauchen dieselben Bilder. Es ist also das nämliche, was der aus
Montanus sprechende Geist gesagt hatte, im Montanismus war die Art der
Geisterkundgebungen dieselbe, wie bei den ersten christlichen Gemeinden. Die Unterscheidung der Geister Das Buch: “Der Hirte des Hermas“,
ein durch und durch spiritistisches Buch, genoß in der nachapostolischen Zeit
ein so großes Ansehen, daß man es an die Heilige Schrift anreihte. Darin wird
auch ausführlich erklärt, wie man die Sprechmedien der guten Geister von
denen der bösen unterscheiden könne. Aus seinen Ausführungen geht mit voller
Deutlichkeit hervor, daß man an der Form des Sprechens “den Geist von oben“
und den irdischen Geist nicht zu unterscheiden vermag. Außer an dem Inhalt
des Gesprochenen sind nach Hermas folgende Kennzeichen für ein Sprechen guter
Geister durch ein Medium maßgebend: “Kein Geist, von Gott gegeben, läßt sich
befragen.“ Er läßt sich also nicht als Orakel menschlicher Neugierde
benutzen. Selbstverständlich darf der Mensch in den Dingen, die der sich
kundgebende Geist vorgetragen hat, auch Fragen an den Geist richten, sobald
er die Kundgebung nicht verstanden hat oder ihm der eine oder andere Punkt
daraus unklar geblieben ist. Die gute Geisterwelt verlangt in einem solchen
Falle sogar, daß die Zuhörer solche Fragen stellen. Er teilt ja seine
Belehrungen, Anweisungen und Ermahnungen zum Besten der Anwesenden mit und
hat daher den sehnlichsten Wunsch, daß seine Worte richtig verstanden und
aufgefaßt werden. Darum will er auch, daß man nötigenfalls Fragen stellt. Oft
fordern die Geister sogar die Anwesenden auf, Fragen zu stellen, selbst
solche, die mit dem soeben Kundgegebenen in keinem Zusammenhang stehen. Das
geschieht in den Fällen, wo der Geist weiß, daß einer der Anwesenden eine
Frage stellen möchte, die sich allerdings nie auf rein materielle Dinge
beziehen darf. Ein zweites Kennzeichen für die Anwesenheit eines guten
Geistes in einem Medium ist: “Nicht Menschen können bestimmen, ob und wann
der Geist spricht, sondern er spricht nur dann, wann Gott es will, daß er
rede.“ Es ist daher bei dem guten Geisterverkehr nicht möglich, ein Medium in
Trance zu versetzen, damit eine Geisterkundgebung erfolgen soll. Sie erfolgt,
wann sie erfolgen soll. Menschen können sie nicht herbeiführen. Wohl können
Menschen durch Beschaffung der erforderlichen Odkraft die Vorbedingungen für
eine Geisterkundgebung sicher stellen. Ob aber eine solche Kundgebung
erfolgt, hängt nicht von ihnen ab. Den Vorgang selbst deutet Hermas
mit den Worten an: “Der Engel des prophetischen Geistes, der bei ihm wohnt,
füllt den Menschen, und der Mensch, erfüllt mit einem heiligen Geiste,
spricht zu der Gemeinde, wie der Herr will.“ Von den montanistischen Medien als
Tieftrancemedien wird der bei allein Tieftrancemedien eintretende Zustand mit
den Worten angedeutet. “Sie beugen das Antlitz zur Erde.“ Es scheint hier mit
auf den Eintritt der Tieftrance angespielt zu werden. Denn bei dem Austritt
des eigenen Geistes des Mediums fällt der Körper vornüber und wird erst von
dem eintretenden fremden Geist wieder emporgerichtet. Das Austreten oder
Weggehen des Geistes des Mediums ist in dem Worte “Ekstase“ genau
wiedergegeben. Denn “Ekstase“ heißt “Austritt“. Nach dem Eintritt des fremden
Geistes gehen die Kundgebungen in aller Ruhe vor sich, wenn das Geistwesen ein
gutes ist. Hat jedoch ein böser Geist von dem Medium Besitz ergriffen, so
treten sehr häufig Zustände ein, die selbst auf den in diesen Dingen
Unerfahrenen den Eindruck dämonischer Besessenheit machen. “Rasen ist ein
Werk der Dämonen“ sagt der Christ Tatian. Das Hellsehen und Hellhören der
damaligen Medien Auch das Hellsehen, Hellhören und
Hellempfinden, wozu auch die Empfindungen des Geschmacks- und Geruchssinns
gehören, ist eine häufige Erscheinung bei den Christen der ersten
Jahrhunderte. In dem Buch des Hermas nimmt das
Hellsehen und Hellhören einen großen Raum ein. Denn das meiste nimmt Hermas
hellsehend und hellhörend wahr. Eine weibliche Gestalt, die er sieht und
hört, erklärt ihm die jenseitigen Wahrheiten. Sie ist seine Führerin, wie es
bei dem hellsehenden Dante die Beatrice war. Denn auch Dante hat die
Hauptsache dessen, was er in seiner “Göttlichen Komödie“ niederschrieb,
hellsehend geschaut. Der Märtyrer Polykarp schaut
hellsehend sein Todesschicksal. Auf dem Landgut, wohin er entflohen war, weilte
er mit einigen wenigen und tat “Tag und Nacht“ nichts anderes, als daß er
betete für alle und die Gemeinden der ganzen Welt, wie er es zu tun pflegte.
Und als er betete, hatte er ein Gesicht, drei Tage, bevor er gefangengenommen
wurde: Er sah sein Kopfkissen im Feuer verbrennen. Da drehte er sich um und
sagte zu denen, die bei ihm wahren. “Es ist von Gott bestimmt, daß ich lebend
verbrannt werden soll.“ Am häufigsten ist bei den
hellsehenden Gottesgläubigen das Schauen jenseitiger Gestalten und Gefilde,
überhaupt ein Schauen des Geisterreiches als eine Welt gleich der irdischen,
nur geistig anstatt materiell. Daß auch heidnische Hellseher
derartige Visionen hatten, ist selbstverständlich. Denn das Hellsehen ist
eine Gabe des menschlichen Geistes infolge einer entsprechenden Gestaltung
des seinen Geist umgebenden Ods, so daß er ähnlich sieht, wie ein körperloser
Geist. Das, was der Hellseher schaut, ist als Bild ebenso wahr, wie die
Bilder der materiellen Welt, die unser körperliches Auge schaut. Die Geisterwelt
kann diese Bilder nach Belieben vor den Augen des Hellsehers entstehen
lassen. Das Od ist das Material, aus dem sie geformt werden. Es kommt nur auf
die innere Einstellung des Hellsehers an, ob die gute oder die böse
Geisterwelt bei seinem Schauen jenseitiger Dinge tätig ist. Bei dem
Hellsehen, das sich auf Diesseitiges bezieht und von der Odstrahlung der
irdischen Geschöpfe abhängig ist, spielt die innere Gesinnung des Hellsehers
keine Rolle. Darum konnten die heidnischen Hellseher diesseitige Schicksale
ebensogut schauen, wie christliche, wenn die Christen ihnen auch vorwarfen,
daß auch dies von den Dämonen bei jenen bewirkt werde. Die Urkunden der ersten
christlichen Jahrhunderte sind voll von solchen Tatsachen des Hellsehens und
Hellhörens. Als Polykarp in Smyrna als Märtyrer starb, hörte Irenaeus‚ der
sich gerade in Rom aufhielt, eine Stimme wie eine Trompete, welche sagte:
“Polykarp ist Blutzeuge geworden.“ Was das mediale Schreiben betrifft, so
behaupten viele der führenden christlichen Männer jener Zeit, bei ihren
Schreiben von der Geisterwelt inspiriert worden zu sein. Die Ausbildung der damaligen Medien Die Ausbildung der Medien in der
nachapostolischen Zeit war dieselbe, wie bei den Medien der ersten
Christengemeinden. Sie erfolgte bei den gottesdienstlichen Versammlungen.
Nach Hermas tritt der pneumatische Zustand eines Propheten ein unter
allgemeinem Gebet der Gemeinde. Die Gemeinde betete, indem sich alle
Anwesenden als Sinnbild der Einheit die Hände reichten. Der dadurch erzeugte
geschlossene Odstrom lieferte der Geisterwelt das Material zur Ausbildung der
Medien und zu ihren Kundgebungen durch die fertigen Medien. - Wer die
Ausbildung von Medien selbst sah, dem sind die aus jenen Zeiten berichteten
medialen Vorgänge vollkommen klar. Denn es sind dieselben wie heute. Wenn Eusebius berichtet, daß die
Kirche es nicht gestattete, sich zum Propheten machen zu lassen oder sich
selbst dazu zu machen, so sind auch diese Vorgänge für den Kenner sehr
verständlich. Denn ebensogut wie ein Mensch in den gottesdienstlichen
Versammlungen zum Medium werden konnte, so war dies auch möglich, wenn sich
ein medial Veranlagter mit einigen anderen zu einem Privatgottesdienst
vereinigte oder auch für sich allein zu geistigen Sammlung hinsetzte. Nur der
eine Unterschied war vorhanden, daß die Ausbildung eines Mediums in einer
größeren harmonischen Versammlung schneller vor sich ging, als im Beisein von
nur wenigen oder gar bei vollständigem Alleinsein des Mediums. Denn die
konzentrierte Odkraft einer großen Versammlung ermöglicht die Arbeit der
Geisterwelt an den Medien in viel wirksamerer Weise, als die bedeutend
schwächere Odkraft einiger weniger oder die Odkraft eines Alleinstehenden.
Aber nach und nach wird die Odkraft auch bei dem einzelnen, der sich innerlich
zu sammeln versteht, so stark, daß seine Ausbildung als Medium, wenn auch in
längerer Zeit, erfolgen kann. Die spätere „Kirche“ verbietet den
Geisterverkehr Das Verbot der späteren
christlichen, besser gesagt katholischen Kirche, sich selbst zu einem Medium
auszubilden oder mit Hilfe anderer dies zu erreichen, stammt aus einer Zeit,
wo die Geisteinwirkungen auch in den gottesdienstlichen Versammlungen
aufgehört hatten, weil die Leiter der Kirche diese Dinge mit Gewalt
unterdrückten. Der Grund hierfür war damals
derselbe, der heute bei den christlichen Kirchen vorliegt, wenn sie sich
gegen den Spiritismus feindselig verhalten. Die Leiter einer zur
geschlossenen weltlichen Organisation gewordenen Kirche können die Konkurrenz
einer Geisterwelt nicht gebrauchen. Schon zur Zeit des Irenaeus war die alte
Kirche zu einem festen irdischen Gefüge geworden. Das geistliche Beamtentum
regierte die Gläubigen. Die Bischöfe wurden nicht mehr von den sich
kundgebenden Geistern Gottes bestimmt, sondern von Menschen ernannt oder
gewählt. Auch begnügten sie sich nicht mehr mit der dienenden Aufgabe des
Episkopos der ersten Christen, sondern betrachteten sich als Träger der
überlieferten Glaubenswahrheiten und als deren rechtmäßige Ausleger. Wo aber
Menschen, die nicht von einem Geiste Gottes dazu ausgewählt werden, Hand an
das Heilige legen, da folgt die Entweihung auf dem Fuße. Dasselbe gilt von
den späteren “Presbytern“, im Gegensatz zu den “Presbytern“ der apostolischen
Zeit. Wenn man auch rein
religionsgeschichtlich den Unterschied zwischen dem Urchristentum und der
späteren “katholischen Kirche“ in wenigen Worten kennzeichnen soll, so muß
man sagen: “Im Urchristentum hatten die Geister Gottes alles zu sagen und die
Menschen nichts. In der späteren katholischen Kirche hatten die Menschen
alles zu sagen und die Geister Gottes nichts.“ _______ *
_______ Die Wirkungen der Geister im Leben eines
evangelischen und eines katholischen Pfarrers des 19. Jahrhunderts Die Erlebnisse des evangelischen
Pfarrers Blumhardt Über Johann Christoph Blumhardt,
einen der bedeutendsten Pfarrer der evangelischen Kirche Deutschlands im 19.
Jahrhundert, der von 1805 bis 1880 lebte, hat Friedrich Zündel eine
Lebensbeschreibung verfaßt. (Friedrich Zündel: Johann Christoph Blumhardt.
Ein Lebensbild. Brunnen-Verlag, Gießen 1926. - Die im vorliegenden Kapitel
angeführten Tatsachen habe ich diesem Buche entnommen und die Seitenangaben
beziehen sich auf dieses Buch. Der Verfasser) Darin nimmt die Schilderung von
Kundgebungen der Geisterwelt im Leben und der Seelsorge Blumhardts einen
breiten Raum ein. Die berichteten Tatsachen sind deshalb für das Verständnis
des Geisterverkehrs in der jetzigen Zeit von so großer Wichtigkeit, weil an
der Echtheit der Kundgebungen nicht im geringsten gezweifelt werden kann und
weil die Geschehnisse dieselben sind, wie sie zu allen Zeiten der Menschheit
erfolgten. Blumhardt hat seine Berührung mit
der Geisterwelt in einer Denkschrift an seine Kirchenbehörde wahrheitsgetreu
geschildert, nichts hinzugesetzt und nichts weggelassen. Das beweist das
Vorwort, das er seiner Denkschrift beifügte: “Indem ich mitfolgenden Aufsatz
meiner Kirchenbehörde übergebe, fühle ich mich zu der Erklärung gedrungen,
daß ich mich noch gegen niemanden so kühn und unumwunden über meine Erfahrungen
ausgesprochen habe ... War daher bei weitem das meiste bisher Geheimnis
geblieben, das ich in meiner Brust bis ins Grab unenthüllt bewahren konnte,
so stand es mir völlig frei, für diesen Aufsatz beliebige Auswahl zu treffen;
und es wäre mir eine Kleinigkeit gewesen, eine Darstellung zu geben, die sich
ohne allen Anstoß von jedermann hätte lesen lassen können. Das konnte ich
aber nicht über mich bringen; und obwohl ich fast bei jedem Abschnitt zittern
wollte, ob es nicht übereilt und unvorsichtig wäre, alles so bar heraus zu
sagen, so lautete es doch immer in mir: Heraus damit!“ “So sei es denn gesagt; und ich tue
es auf den Namen Jesu, der Sieger ist. Eben hier ehrlich und offen zu sein,
achtete ich nicht nur als Schuldigkeit gegen meine hochverehrte Kirchenbehörde,
welche alles Recht zu einer Offenheit um mich verdient hat, sondern auch
gegen meinen Herrn Jesum, dessen Sache allein es ist, die ich zu verfechten
hatte. Indem ich aber hier zum ersten Male ohne jeden Rückhalt mich
ausspreche, liegt mir freilich der Wunsch nahe, es möchten diese Mitteilungen
mehr als Privatmitteilungen angesehen werden, als lege ein vertrauter Freund
seine Geheimnisse in den Schoß seiner Freunde nieder.“ “Eine zweite Bitte möchte auch
verzeihlich sein: Es mögen die verehrten Leser öfters das Ganze lesen, ehe
sie ein Urteil fällen. Indessen vertraue ich dem, der die Herzen in seiner
Gewalt hat und wie auch die Urteile ausfallen mögen, so bleibt mir die
Beruhigung, ohne Hehl die Wahrheit gesprochen zu haben und obendrein die felsenfeste
Gewißheit: ‘Jesus ist Sieger!“ Eine weitere Beleuchtung seiner
Denkschrift gibt Blumhardt in einer Verteidigungsschrift gegen einen Dr. de
Valenti in folgenden Worten: “Ich hätte können freilich, möchte
man sagen, klüger sein und in meinem Bericht das, was man mir als den
ungemessensten Eigendünkel auslegen konnte, lüglich weglassen, weil man ja
längst gewohnt ist, Geschichten von dämonischen Erscheinungen, namentlich von
Somnambulen, ohne einen vernünftigen Ausgang sich schließen zu sehen. Aber ich
habe das alles wohl gefühlt und man glaube ja nicht, daß ich in der Dummheit
allzu ehrlich gewesen sei. Wenn ich berichten mußte, und dazu war ich
beauftragt, so wollte ich nicht gegen die Wahrheit es so darstellen, als ob
eben da einmal wieder eine dämonische Charlaterie oder Sonderbarkeit
vorgekommen sei, wie man sie in den letzten Jahrzehnten schon so oft gehört
und gesehen hat. Ich hätte mich geschämt, in die Reihe der abenteuerlichen
Sonderlinge mich einreihen zu lassen, welche so häufig nur ein irriges Spiel
mit Erscheinungen und Ereignissen aus der anderen Welt treiben; ich stand in
der Furcht Gottes bei jener Sache, und wenn letztere ein viel ernsteres
Gewand bekam, als alle Geschichten ähnlicher Art sonst haben, so mußte ich
eben das schon zu meiner Selbstrechtfertigung meiner Behörde deutlich machen.
Schrieb ich einmal etwas, so mußte ich alles schreiben, und so sagte ich
offen und ohne Vorbehalt heraus, wie ich handelte und dachte; so konnte ich
auch um so getroster jedes Resultat erwarten, und war ich etwa verkehrt oder
im Irrtum oder im Eigendünkel, so sollte das meine Behörde wissen oder zu
beurteilen imstande sein. Denn ich will einmal nicht in einem stummen
Eigensinn mich verrammeln, wie es allerdings in gegenwärtiger Zeit manche
falsche Richtungen und dämonische Geistlichkeiten tun, da die Betrogenen im
Verborgenen mancherlei ausbrüten und niemanden, der nicht schon ganz ihnen
angehört, in ihre Heimlichkeiten hineinschauen lassen. Meine Sache sollte ans
Licht und im Lichte geprüft werden - aber wohlgemerkt, nur als eine Art
Beichtgeheimnis gegenüber meiner Behörde. Dieser wollte ich es sagen und
vorerst sonst niemandem. Ich habe auch Wort gehalten.“ In seiner Pfarrei hatte Blumhardt
eine arme Familie Dittus. Sie bestand aus fünf Geschwistern: Drei Schwestern
und zwei Brüdern. Die eine der Schwestern hieß Gottliebin und war 25 Jahre
alt. Im Frühjahr 1840 waren die Geschwister in das Erdgeschoß eines ärmlichen
Hauses in Möttlingen, der Pfarrei Blumhardts, eingezogen. Schon bald glaubte
Gottliebin Dittus unerklärliche Vorgänge bei sich zu verspüren. Es kam ihr
vor, als sähe und höre sie manches Unheimliche im Hause. Gleich am ersten
Tage, wo sie das Haus bezogen hatten, hatte Gottliebin beim Tischgebet einen
Anfall bekommen, bei dem sie bewußtlos zu Boden fiel. Oft hörte man ein immer
wiederkehrendes Gepolter und Geschlürfe in der Kammer, Stube und Küche. Das
setzte sowohl die Geschwister Dittus, als auch die im oberen Stock wohnenden
Hausleute in Schrecken. Aber keiner hatte den Mut, etwas zu sagen. Gottliebin
fühlte, wie ihr nachts die Hände gewaltsam übereinandergelegt wurden. Sie sah
Gestalten und Lichter. Pfarrer Blumhardt hörte nur hier
und da von der Sache und schenkte ihr keine Aufmerksamkeit. Dieser Spuk hatte schon über zwei
Jahre gedauert, da wurde Blumhardt durch Verwandte der Gottliebin auf den
jammervollen Zustand des Mädchens aufmerksam gemacht und um Hilfe gebeten.
Das Gepolter war inzwischen in dem Hause so furchtbar geworden, daß man es
weit in der Nachbarschaft hörte, gerade als wären Handwerksleute in dem Hause
beschäftigt. Gottliebin sah besonders häufig die Gestalt eines zwei Jahre
vorher gestorbenen Weibes aus Möttlingen mit einem toten Kind auf den Armen.
Dieses Weib, dessen Namen Gottliebin zuerst nicht nannte, stand immer an
derselben Stelle vor ihrem Bette, bewegte sich zuweilen zu ihr hin und
wiederholte oft die Worte: “Ich will Ruhe haben“ oder; “Gib mir Papier, so
komme ich nicht wieder!“ Blumhardt ordnete nun an, daß eine
Freundin bei der Gottliebin schlafen solle, um ihre Gedanken von derartigen
Dingen abzulenken. Aber auch sie hörte nachts das Gepolter. Beide sahen ein
Licht aufflackern. Sie gingen dem Lichtschein nach und fanden unter einem
Brett einen rußigen Bogen Papier. Das darauf Geschriebene war unleserlich. Daneben
lagen drei Kronentaler und etliche Papiere, die innwending ebenfalls mit Ruß
überzogen waren. Von da an war es ruhig im Hause.
Blumhardt glaubte schon, daß die Gespenstergeschichte damit ihr Ende erreicht
hätte. Allein nach 14 Tagen fing das
Gepolter von neuem an und nahm von Tag zu Tag zu. Der Arzt Dr. Späth, dem
Gottliebin alles anvertraute, blieb mit einigen Personen zweimal in der Stube
über Nacht. Was er da erlebte, übertraf alle seine Erwartungen. Das Aufsehen,
das diese Sache machte, zog immer weitere Kreise, und viele Neugierige von
nah und fern stellten sich ein, wie immer, wenn es sich darum handelt, gerade
auf diesem Gebiet eine Sensation zu erleben. Da entschloß sich Blumhardt, dem
Skandal ein Ende zu machen und zu diesem Zweck etwas Durchgreifendes zu tun.
Mit sechs der ernstesten und vertrauenswürdigsten Männer seiner Pfarrei
wollte er die Vorgänge prüfen. Mit ihnen zusammen ging er an einem Abend zu
dem Hause. Er selbst blieb in der Stube, um Gottliebin zu beobachten. Die
anderen verteilten sich je zwei und zwei in und um das Haus. An diesem Abend
wurden nun diese sieben Männer Zeugen davon, daß innerhalb dreier Stunden 25
Schläge auf eine gewisse Stelle der Kammer erfolgten, die so gewaltig waren,
daß der leere Stuhl dort aufsprang, die Fenster klirrten und der Verputz von
der Oberdecke herunterfiel. Die Bewohner des ganzen Ortes vernahmen ebenfalls
diese furchtbaren Schläge, die sich draußen anhörten wie ein
Neujahrsschießen. Als Gottliebin, die wiederum jenes
Weib mit dem toten Kind auf den Armen sah, an Blumhardt die Frage richtete,
ob sie ihm den Namen nennen solle, lehnte dies Blumhardt entschieden ab. Am folgenden Tag wurde Blumhardt
mitgeteilt, Gottliebin liege in tiefer Ohnmacht und sei dem Tode nahe. Er
eilte hin und fand sie ganz starr auf dem Bette liegen, die äußere Haut an
Kopf und Armen glühend und zitternd, sonst dem Anschein nach am Ersticken.
Die Stube war gedrängt voll Menschen, und ein Arzt von einem Nachbarorte, der
eben im Dorfe war, versuchte sie zum Leben zu bringen, ging jedoch
kopfschüttelnd und ratlos weg. Nach einer halben Stunde erwachte sie.
Blumhardt vernahm von ihr, daß sie wieder die Gestalt des Weibes mit dem
toten Kinde gesehen habe, aber sofort bewußtlos umgefallen sei. Nun brachte er das Mädchen aus dem
Hause weg und ließ es bei einer zuverlässigen Familie Wohnung nehmen. Dort
durfte niemand, nicht einmal ihre Geschwister, sie besuchen. Seine inneren Empfindungen
schildert Blumhardt mit folgenden Worten: “Ein besonderes Grauen hatte ich
vor Erscheinungen des Somnambulismus, die so häufig ein ärgerliches Aufsehen
erregen und so wenig Gutes bisher gestiftet haben. Und da immerhin ein
geheimnisvolles und gefährliches Feld sich hier eröffnete, so konnte ich
nicht umhin, in meinen einsamen Gebeten die Sache dem Herrn zu empfehlen, ihn
bittend, doch ja vor allen Torheiten und Verirrungen, in welche man
verwickelt werden könnte, mich und andere zu bewahren. Tiefbekümmert waren
wir, daß der Teufel noch so viel Macht haben sollte und daß solche von
niemand erkannte Satansnetze über die Menschheit sollten ausgebreitet sein.
Unser herzliches Mitleid betraf nicht bloß die arme Person, deren Jammer wir
vor uns sahen, sondern wir jammerten und seufzten vor Gott über die
Millionen, die von Gott abgewichen, in die heimlichen Bande der Zauberei
verstrickt werden. Wir beteten, daß Gott doch wenigstens in diesem Falle uns
Sieg geben und Satan unter unsere Füße treten wolle.!! Aber auch in der anderen Wohnung,
in der sich jetzt Gottliebin befand, begann die Sache von neuem. Gottliebin
verfiel, sobald man etwas an Gepolter und Schlägen vernahm, sofort in heilige
Zuckungen. Diese wurden immer stärker und andauernder. Eines Tages, als die Krämpfe so
heftig wurden, daß die Bettstelle auseinander ging, sagte der anwesende Arzt
Dr. Späth unter Tränen: “Man sollte meinen, es sei gar kein Seelsorger im
Orte, daß man die Kranke so liegen läßt. Das ist nichts Natürliches.“ Blumhardt ließ sich diese Worte des
Arztes zu Herzen gehen und besuchte Gottliebin häufiger. Als er einmal mit
Dr. Späth zusammen bei ihr war, zitterte ihr ganzer Leib, jeder Muskel am
Kopf und an den Armen war in glühender Bewegung, wiewohl sie sonst starr und
steif dalag. Dabei floß häufig Schaum aus ihrem Munde. So lag sie schon
mehrere Stunden da. Der Arzt, der noch nie etwas Ähnliches erlebt hatte,
schien ratlos zu sein. Da erwachte sie plötzlich, konnte sich aufrichten,
Wasser trinken, und kaum konnte man glauben, daß sie die nämliche Person sei. Mit jedem Tag wurde es Blumhardt
klarer, daß hier etwas Dämonisches im Spiele sei. Wie auf eine innere
Eingebung hin trat er nun eines Tages bei einer solchen Gelegenheit auf die
Kranke zu, faltete ihre vom Starrkrampf befallenen Hände mit Gewalt zum
Gebete, rief ihr in ihrem bewußtlosen Zustande ihren Namen laut ins Ohr und
sprach: “Lege die Hände zusammen und bete: Herr Jesu, hilf mir! Wir haben
lange genug gesehen, was der Teufel tut; nun wollen wir auch sehen, was Jesus
vermag.“ Nach wenigen Augenblicken erwachte sie, sprach betend die Worte
nach, und alle Krämpfe hörten auf, zum großen Erstaunen der Anwesenden. Das war für Blumhardt, wie er
selbst bekennt, der Wendepunkt seines Lebens. Darauf hatte die Kranke mehrere
Stunden Ruhe. Da aber wiederholten sich die Krämpfe in noch viel schlimmerer
Weise. Wiederum ließ Blumhardt sie die Bitte aussprechen: Herr Jesu, hilf
mir! Und wieder ließen die Krämpfe augenblicklich nach. Später, als Blumhardt sie wieder
besuchte, stellten sich neue Zustände bei ihr ein. Die Kranke gebärdete sich
wütend gegen ihn, versuchte ihn zu schlagen jedoch ohne ihn zu berühren.
Endlich schlug sie die Hände aufs Bett nieder, wobei es den Anschein hatte,
als ob eine geistige Macht durch die Fingerspitzen ausströmte. So ging es
noch eine Zeit weiter, dann trat Ruhe ein. Aber auch diese war nur von kurzer
Dauer. Bald hörte man wieder ein Klopfen wie mit Fingern um sie her, dann
bekam sie plötzlich einen Schlag auf die Brust und sank zurück. Auch sah sie
die weibliche Gestalt wieder, die sie in der vorigen Wohnung gesehen. Diesmal
nannte Gottliebin dem Pfarrer den Namen der Gestalt. Es war eine vor einigen
Jahren gestorbene Witwe, die Blumhardt aus der Seelsorge noch in guter
Erinnerung hatte. Sie hatte bei ihren Lebzeiten ein gedrücktes Wesen, suchte
Frieden und fand ihn nicht. Da betete Blumhardt laut und
erwähnte den Namen Jesus. Sogleich rollte Gottliebin die Augen, schlug die
Hände auseinander, und eine Stimme ließ sich hören, die man sofort für eine
fremde halten mußte, nicht wegen des Klanges, sondern wegen des Ausdrucks und
der Haltung in der Rede. Es rief: ‘Den Namen kann ich nicht hören.“ Alle
Anwesenden erschauderten. Blumhardt schreibt: “Ich hatte noch nie etwas
derart gehört und wandte mich in der Stille zu Gott, er möge mir Weisheit und
Vorsicht schenken. Endlich fragte ich: ‘Hast du keine Ruhe im Grabe?‘ Es
antwortete: Nein.‘ - ‘Warum nicht?‘ Antwort: ‘Das ist meiner Taten Lohn. Ich
habe zwei Kinder gemordet und im Acker begraben.‘ - ‘Weißt du denn jetzt
keine Hilfe mehr? Kannst du nicht beten?‘ Antwort: ‘Beten kann ich nicht.‘ -
‘Kennst du Jesum, der Sünden vergibt?‘ Antwort: ‘Den Namen kann ich nicht
hören.‘ - ‘Bist du allein?‘ Antwort: Nein.‘ - ‘Wer ist denn bei dir?‘ Die
Stimme antwortete zögernd, dann rasch herausfahrend: ‘Der Allerärgste.‘ - Die
Redende klagte sich sodann der Zauberei an, um derentwillen sie des Teufels
Gebundene sei. Schon siebenmal sei sie ausgefahren, jetzt aber gehe sie nicht
mehr. Ich fragte sie, ob ich für sie beten dürfe, was sie erst nach einigem
Bedenken gestattete. Ich gab ihr zu verstehen, daß sie im Leibe der
Gottliebin nicht bleiben dürfe. Sie schien wehmütig zu flehen, dann wieder
trotzig zu werden. Ich aber gebot ihr auszufahren, worauf Gottliebin die
Hände stark aufs Bett niederschlug. Dann war sie wieder frei.“ Einige Tage später wiederholte sich
die Besessenheit. Bald war es, als führen in bestimmter Zahl Hunderte von
Dämonen aus, wobei sich das Gesicht der Person jedesmal veränderte und eine
neue drohende Miene gegen Blumhardt einnahm. Auch bekamen die Männer, die
Blumhardt stets mitnahm, manche Stöße und Faustschläge, ohne daß sie sahen,
wer ihnen diese versetzte. Blumhardt selbst durften die Dämonen, wie sie
sagten, nichts tun. Gottliebin raufte sich die Haare, schlug sich die Brust,
warf den Kopf an die Wand und suchte auf allerlei Weise sich zu verletzen. Es
war, als ob die Szenen immer schrecklicher würden und als ob Blumhardts
Einwirkung die Sache nur verschlimmerte. “Was ich“, sagte er, “in Geist und
Gemüt damals ausgestanden habe, läßt sich nicht in Worten beschreiben.“ “Mein Drang, der Sache ein Ende zu
machen, wurde immer größer. Obwohl ich jedesmal befriedigt scheiden konnte,
da ich fühlte, daß die dämonische Macht sich fügen müsse, und da die Person
jedesmal vollkommen recht war, so schien die finstere Macht sich immer wieder
zu verstärken und mich zuletzt in ein großes Labyrinth verstricken zu wollen,
mir und meiner amtlichen Wirksamkeit zum Schaden und Verderben. Alle Freunde
rieten mir, zurückzutreten. Aber ich mußte mit Schrecken daran denken, was
aus der Person werden könnte, wenn ich meine Hand von ihr abzöge, und wie
sehr ich von jedermann, wenn es übel erginge, als der Verursacher dastehen
müsse. Ich fühlte mich in einem Netze, aus dem ich mich ohne Gefahr für mich
und andere unmöglich durch bloßes Abtreten wieder herauswinden konnte. Zudem
schämte ich mich vor mir und meinem Heilande, zu dem ich so viel betete und
dem ich so viel anvertraute und der mir so viele Beweise seiner Hilfe gab -
ich gestehe es offen -‚ dem Teufel nachzugeben. ‘Wer ist der Herr?‘ mußte ich
mich oft fragen. Und im Vertrauen auf den, der Herr ist, hieß es in mir immer
wieder: Vorwärts! Es muß zu einem guten Ziele führen, wenn es auch in die
tiefste Tiefe hinuntergeht, es sei denn, daß es nicht wahr wäre, daß Jesus
der Schlange den Kopf zertreten habe.“ Die Zustände, in denen es war, als
führen Dämonen aus, steigerten sich. Zugleich traten aber andere unheimliche
Erscheinungen ein, die sich sogar körperlich fühlbar machten. So fühlte sich
Gottliebin in einer Nacht und im Schlafe von einer brennenden Hand am Halse
gefaßt, die alsbald große Brandwunden zurückließ. Bis die Tante, die im
gleichen Zimmer schlief, das Licht anzündete, waren bereits gefüllte
Brandblasen um den ganzen Hals herum entstanden. Der Arzt, der am folgenden
Morgen kam, konnte sich nicht genug darüber wundern. Auch sonst bekam sie bei
Tage und bei Nacht Stöße auf die Seite oder auf den Kopf, oder es faßte sie
an den Füßen, daß sie plötzlich auf der Straße oder auf der Treppe oder wo es
sonst war, hinstürzte, so daß sie Beulen oder andere Schäden davontrug. Am 25. Juni 1842, als Blumhardt zu
einem Kinderfest mußte, vernahm er bei seiner Rückkehr, Gottliebin sei nahezu
wahnsinnig. Er ging zu ihr, und es schien ihr bald wieder gutzugehen.
Nachmittags aber nahmen die Ereignisse eine außerordentliche Gestalt an. Die
Kranke wurde so angegriffen, daß sie wie tot dalag; es wiederholte sich nun
jener Eindruck vom Ausfahren von Dämonen in einer Weise, die das bisher
Erlebte weit hinter sich ließ und den Eindruck eines Sieges von ungeahnter
Ausdehnung bei Blumhardt erweckte. Es kam auch mehrere Wochen lang nichts
mehr vor, und Gottliebin konnte gehen, wohin sie wollte. Da kam die Kranke eines Tages blaß
und entstellt zu ihm, um ihm etwas zu klagen, was sie bisher aus
Schüchternheit vor ihm verborgen hatte. Sie erzählte ihm von einem Leiden,
das sie an einem jeden Mittwoch und Freitag befalle und das mit so
schmerzlichen und starken Blutungen verbunden sei, daß diese Plage, wenn sie
nicht aufhöre, ihr Tod sein müsse. Ihre Schilderungen über andere mit diesem Leiden
verbundene Erlebnisse entziehen sich jeder Mitteilung und waren derart, daß
Blumhardt hier die allerschauerlichsten Phantasien des Volksaberglaubens
verwirklicht sehen mußte. “Vorderhand“, schreibt Blumhardt, “brauchte ich
ordentlich Zeit dazu, mich zu sammeln, um zu der traurigen Überzeugung zu
kommen, daß die Finsternis so viele Macht über die Menschen solle bekommen
haben. Mein nächster Gedanke war: ‘Jetzt bist du fertig, jetzt geht‘s in die
Zauberei und Hexerei hinein; und was willst du gegen diese machen!‘ Wenn ich
aber das jammernde Mädchen ansah, so schauderte es mich vor der Möglichkeit
der Existenz jener Finsternis und vor der Unmöglichkeit der Hilfe. Es fiel
mir ein, daß es Leute gebe, denen man geheimnisvolle Künste zur Abwehr von
allerlei dämonischen Übeln zuschrieb und sympathische Mittel, welchen immer
unbedingt Hohe und Niedere huldigen. Sollte ich etwa nach dergleichen Dingen
mich umsehen? Das hieße, wie ich längst überzeugt war, Teufel mit Teufel
vertreiben.“ “Soll gläubiges Gebet nicht auch
wider obige Satansmacht, worin sie nun bestehen möge, etwas auszurichten
vermögen? Was sollen wir arme Menschlein machen, wenn hier nicht direkte
Hilfe von oben zu erflehen ist? Gibt es eine Zauberei und Hexerei, ist es da
nicht Sünde, sie unangetastet ihr Spiel treiben zu lassen, wenn eine
Gelegenheit sich zeigt, ihr mit Ernst die Spitze zu bieten?“ Blumhardt rief daher der Kranken
zu: “Wir beten, sei es, was wolle, wir probieren es. Wir verspielen
wenigstens nichts mit dem Gebet. Und auf Gebetserhörung weist uns die Schrift
auf fast jeder Seite; der Herr wird tun, was er verheißt!“ Blumhardt besuchte die Kranke am
folgenden Tage. Es wurde ein für ihn und die bei ihm waren, unvergeßlicher
Tag. Nach mehrmonatlicher Dürre zog an diesem Abend zum erstenmal ein
Gewitter herauf. Gottliebin war von einer wahren Wut befallen, sich das Leben
zu nehmen. Sie raste durch die Stuben und begehrte wild ein Messer. Dann lief
sie auf den Speicher, sprang auf das Gesims des Fensterladens hinauf und
stand bereits außerhalb des Ladens in freier Luft, nur noch mit einer Hand
nach innen sich haltend, als der erste Blitzstrahl des nahenden Gewitters ihr
ins Auge fiel, sie aufschreckte und sie aufweckte. Sie kam zur Besinnung und
rief: “Um Gottes willen, das will ich nicht.“ Der lichte Augenblick aber
verschwand wieder, und im wiederkehrenden Delirium erfaßte sie einen Strick
und band ihn künstlich um das Gebälke mit einer Schleife, die sich leicht
zusammenzog. Schon hatte sie den Kopf beinahe ganz hineingezwängt, als ein zweiter
Blitzstrahl durch das Fenster ihr Auge traf, der sie wie vorhin wieder zur
Besinnung brachte. Ein Tränenstrom floß am folgenden Morgen aus ihren Augen,
als sie den Strick an dem Balken erblickte, den sie bei der besten Besinnung
so künstlich umzuwinden nicht imstande gewesen wäre. Am gleichen Tage, abends
um 8 Uhr, wurde Blumhardt gerufen, und er fand sie ganz im Blute schwimmend.
Ihre sonstigen furchtbaren Bedrängnisse seien mit Stillschweigen übergangen.
Blumhardt fing an, mit Ernst zu beten, nachdem er ohne viel Erfolg einige
Trostworte gesprochen, während draußen der Donner rollte. Das wirkte nach
einer Viertelstunde so entscheidend, daß alles weg war. Bald kam sie ganz zu
sich, und Blumhardt entfernte sich auf einige Augenblicke, bis sie ganz umgekleidet
war. Die Kranke bekam unvermutet einen
neuen Anfall, gerade wie sonst, wenn Dämonisches sie überfiel. Da aber brach
plötzlich der ganze Zorn und Unmut der Dämonen los, und es wurden eine Menge
Äußerungen folgender Art vernommen, meist mit heulender und wehklagender
Stimme: “Jetzt ist alles verspielt, jetzt ist alles verraten, du verstörst
uns ganz; der ganze Bund geht auseinander; alles ist aus, alles kommt in
Verwirrung; du bist schuld daran mit deinem ewigen Beten; du vertreibst uns
doch noch. Wehe, wehe, alles ist verspielt; unser sind 1067 und derer, die
noch leben, sind auch viele, aber die sollte man warnen; o weh ihnen, wehe,
sie sind verloren, Gott verschworen, ewig verloren.“ Das Gebrüll der Dämonen,
die zuckenden Blitze, die rollenden Donner, das Plätschern der Regengüsse,
der Ernst der Anwesenden, die Gebete von meiner Seite, auf welche die Dämonen
in oben beschriebener Weise ausfuhren - das alles bildete eine Szene, die
sich kaum jemand auf eine der Wirklichkeit entsprechende Weise wird vorstellen
können.“ Blieb auch diese Plage nun völlig
aus, so traten doch bald immer wieder andere Erscheinungen dämonischer Art
auf. Doch zeigte sich unter den sich jetzt kundgebenden Dämonen ein
Unterschied. Die einen waren trotzig, voll Haß gegen Blumhardt, sprachen oft
Worte aus, die wert gewesen wären, aufgezeichnet zu werden. Sie hatten ein
Grauen vor dem Abgrund, dem sie jetzt sich nahe fühlten und sagten unter
anderem: “Du bist unser ärgster Feind; wir sind aber auch deine Feinde;
dürften wir, wie wir wollten! O wenn doch kein Gott im Himmel wäre!“ Daneben
schrieben sie doch alle Schuld ihres Verderbens sich selber zu. Schauerlich
war das Benehmen eines Dämonen, der früher im Hause der Gottliebin von ihr
gesehen worden war und jetzt als Meineidiger sich zu erkennen gab. Er verzog
das Gesicht, hob starr drei Finger in die Höhe, schauderte plötzlich zusammen
und stöhnte. Solche Szenen, denen Blumhardt gern mehr Zuschauer gegönnt
hätte, kamen viele vor. Die meisten Dämonen jedoch, die sich vom August 1842
bis Februar 1843 und später kundgaben, gehörten zu denen, die mit heißester
Begierde nach Befreiung aus den Banden des Satans schmachteten. Es kamen
dabei auch die verschiedensten Sprachen zum Ausdruck, aber die meisten waren
keine europäischen Sprachen. Sonderbar und mitunter komisch anzuhören waren
in einzelnen Fällen die Versuche solcher Dämonen, deutsch zu reden, besonders
auch, wenn sie Begriffe, deren deutschen Ausdruck sie nicht wußten, zu
umschreiben sich bemühten. Dazwischen hinein ließen sich Worte vernehmen, die
Blumhardt keiner der genannten Arten von Dämonen zuschreiben konnte. Denn sie
klangen als aus einer höheren Region stammend. Es waren Worte der Belehrung
und des Hinweises auf Gott, die teils den Anwesenden galten, teils an die
Dämonen selbst gerichtet waren, um sie auf ihr gottfeindliches Treiben
aufmerksam zu machen. Blumhardt wußte lange nicht, wie er
sich den einzelnen Arten von Geistern gegenüber zu verhalten hatte, besonders
gegen die schwer leidenden Geistwesen, die ihn um Hilfe anflehten. “Ich gab
lange Zeit ihren Reden kein Gehör“, sagte Blumhardt, “und kam oft in großes
Gedränge, wenn ich den schmerzvollen Ausdruck im Gesicht, die flehentlich
emporgehobenen Hände und den heftigen Tränenstrom sah, der aus ihren Augen
floß und dabei Worte der Verzweiflung und der Angst und die Bitte hörte, die
einen Stein hätte erweichen sollen. So sehr ich mich daher sträubte, auf
irgend eine Erlösungsmanier einzugehen, weil ich für die Nüchternheit meines
evangelischen Glaubens fürchtete, so konnte ich doch zuletzt nicht umhin,
eine Probe zu machen, besonders da diese Dämonen weder durch Drohung noch
durch Anmahnungen sich zum Weichen bringen ließen. Der erste Dämon, bei dem
ich es wagte, war jenes Weib, durch das die ganze Sache in Gang gekommen schien.
Sie zeigte sich wieder in der Gottliebin und rief fest und entschieden, sie
wolle des Heilands und nicht des Teufels sein. Dann sagte sie, wieviel durch
die bisherigen Kämpfe in der Geisterwelt verändert worden sei. Mein Glück
aber sei es gewesen, daß ich allein beim Worte Gottes und dem Gebet geblieben
sei. Wenn ich zu geheimnisvoll wirkenden Mitteln meine Zuflucht genommen
hätte, wie sie vielfältig unter den Leuten üblich seien und auf welche es die
Dämonen auch bei mir angelegt hätte, so wäre ich verloren gewesen. Das sagte
sie, bedeutungsvoll den Finger erhebend und schloß mit den Worten: ‘Das war
ein fürchterlicher Kampf, den du unternommen hast.‘ Dann filehte sie
dringend, ich möchte für sie beten, daß sie vollends aus der Gewalt des
Teufels befreit würde.“ Blumhardt sah von Tag zu Tag mehr
ein, daß bei der Kundgebung der leidenden, aber gutgesinnten Geister eine
göttliche Leitung waltete. Es kam dabei auch keinerlei Unruhe vor. Doch
scheinen ihm die wirklichen Zusammenhänge verborgen geblieben zu sein, nach
denen sich das alles abspielte. Nur ein sehr interessanter Fall
soll nach dem Bericht Blumhardts hier noch erwähnt sein. Einer der Geister
bat darum, daß ihm ein Aufenthalt in der Kirche gewährt werden möge.
Blumhardt gab ihm zur Antwort: “Du siehst, daß der Herr es ist, der dir den
Weg zeigt, und daß es also nicht auf mich ankommt. Gehe hin, wo der Herr dich
hingehen heißt.“ Dann fuhr der Geist fort: “Dürfte ich nicht in Ihr Haus
gehen?“ Diese Bitte überraschte Blumhardt, und an Frau und Kinder denkend,
war er nicht geneigt, die Bitte zu gewähren. Doch er besann sich und sagte:
“Nun denn, wenn du niemand beunruhigst und Jesus es dir erlaubt, mag es
geschehen.“ Da kam eine Stimme aus dem Munde der Kranken, die rief: “Nicht
unter Dach! Gott ist ein Richter der Witwen und Waisen!“ Der Geist fing an zu
weinen und bat, wenigstens in den Garten Blumhardts gehen zu dürfen, was ihm
jetzt von der göttlichen Kontrolle gestattet zu werden schien. Es war so, als
ob durch diesen Geist bei seinen Lebzeiten als Mensch Witwen oder Waisen um
ihr Obdach gekommen seien. Die Erlebnisse, die Blumhardt in
seiner Denkschrift weiter mitteilte, sind in seiner Lebensbeschreibung von
Zündel absichtlich weggelassen. Zündel begründet es damit, daß er meint,
Fernstehenden könnten die schauerlichen und qualvollen Kunststücke der
Finsternis, die da zutage traten, den Eindruck der großen göttlichen Hilfe zu
überragen und zu beeinträchtigen scheinen, die Blumhardt dabei erlebte. Es
wäre jedoch sicherlich besser gewesen, wenn Zündel alles berichtet hätte.
Denn die Wahrheit braucht nie das Tageslicht zu scheuen. Bei dem, was Zündel nicht erwähnte,
handelt es sich um die Macht der bösen Geister, materielle Substanz in
geistige Substanz zu verwandeln, sie in diesem Zustand an andere Plätze, z.B.
in einen menschlichen Körper zu bringen und sie dort wieder zur festen
Substanz zu verdichten. Die Gesetze einer solchen “Dematerialisierung“ und
“Materialisierung“ sind bei der Odlehre in diesem Buch eingehend besprochen
worden. Blumhardt bezeichnete diese Vorgänge mit dem volkstümlichen Ausdruck
“Zauberei“. Doch hören wir jetzt den Bericht Blumhardts selbst. Er sagt:
“Soviel Unbegreifliches und Unerhörtes im Bisherigen auch schon erzählt
worden ist, so habe ich das Ärgste noch vor mir. Ich bleibe bei meiner
Ehrlichkeit und fahre fort, das mitzuteilen, was mir noch in Erinnerung ist
und bin überzeugt, daß der Herr auch bei dieser Darstellung seine Hand über
mir haben wird. Ihm zur Ehre, als dem Sieger über alle finsteren Kräfte,
alles zu erzählen, ist auch meine einzige Rücksicht.“ “Mit dem 8. Februar 1843 begann
eine neue Epoche in der Krankheitsgeschichte. Denn von jetzt an kamen noch
schlimmere Erscheinungen und Wirkungen der verschiedenartigsten Zauberei zu
meiner Beobachtung. Schauerlich war es für mich, wahrzunehmen, daß alles, was
bisher zu dem lächerlichsten Volksaberglauben gerechnet wurde, als wirkliches
Geschehen vor meine Augen trat. Unzählige Dinge wurden in die Gottliebin
hinein gezaubert, um sie zu töten. Es fing mit Erbrechen von Sand und kleinen
Glasstücken an. Dann kamen allerlei Eisenstöcke, namentlich alte und
verbogene Bretternägel zum Vorschein. Einmal fielen nach langem Würgen des
Mädchens vor meinen Augen nacheinander zwölf solcher Nägel in das
vorgehaltene Waschbecken. Ferner Schuhschnallen von verschiedener Größe und
Gestalt, oft so groß, daß man kaum begriff, wie sie durch den Hals
hindurchkommen konnten. Auch ein besonders großes und breites Eisenstück, bei
welchem ihr der Atem ausging, so daß sie mehrere Minuten wie tot dalag.
Außerdem kamen in unzähligen Mengen Stecknadeln, Nähnadeln und Stücke von
Stricknadeln heraus, oft einzeln, oft auch in Massen, mit Papier und Federn
zusammengebunden. Es sah öfters aus, als ob Stricknadeln quer durch den Kopf
gezogen wären, von einem Ohr bis zum anderen. Einmal kamen mehrere
fingerlange Stücke zum Ohr heraus; ein andermal konnte ich es unter
Handauflegung fühlen und hören, wie Nadeln im Kopf zerbrachen oder sich
drehten und zusammengebogen wurden. Die einen wahren stählerne Nadeln, die langsam
in kleineren Stücken sich gegen den Schlund hinbewegten und zum Munde
herauskamen; die anderen waren von Eisen und ließen sich biegen und fanden,
drei- bis viermal gebogen, doch ganz, ihren Ausweg durch den Mund. Auch aus
der Nase zog ich viele Stecknadeln hervor. Einmal kamen 15 solcher Nadeln auf
einmal und mit solcher Heftigkeit zur Nase heraus, daß alle in der
vorgehaltenen Hand der Gottliebin steckenblieben. Ein andermal klagte sie
über Kopfschmerzen, und als ich ihr die Hand auflegte, sah ich überall weiße
Punkte vorschimmern. Es waren zwölf Stecknadeln, die bis zur Hälfte noch im
Kopfe steckten und einzeln von mir herausgezogen wurden, wobei sie jedesmal
durch ein Zucken die Schmerzen kundgab. Nähnadeln zog ich ferner aus allen
Teilen des oberen und unteren Kiefers hervor. Sie fühlte dabei zuerst
unerhörte Zahnschmerzen. Man konnte lange nichts sehen, bis man endlich die
Spitzen fühlte. Nur unter großer Anstrengung konnte ich sie herausziehen.
Zwei alte, fingerlange und verbogene Drahtstücke zeigten sich sogar in der
Zunge, und es kostete Zeit und Mühe, bis sie völlig herausgenommen waren.
Ferner waren um den ganzen Leib unter der Haut zwei lange, vielfach verbogene
Drahtstücke eingewunden. Ich brauchte zusammen mit meiner Frau wohl eine
Stunde dazu, bis sie ganz entfernt waren. Mehr als einmal fiel sie dabei, wie
dies überhaupt oft der Fall war, in Ohnmacht. Es kamen aus allen Teilen des
Oberleibes ganze und halbe Stricknadeln so häufig hervor, daß ich deren Zahl
wohl auf 30 schätzen darf. Sie kamen teils quer, teils senkrecht heraus und
manchmal mitten aus der Herzgrube. Wenn die Nadeln oft schon zur Hälfte
heraus waren, hatte ich doch noch eine halbe Stunde mit aller Kraft zu
ziehen, um sie ganz zu entfernen. Auch andere Dinge, Nadeln verschiedener
Art, große Glasstücke, Steinchen und einmal ein langes Eisenstück kamen aus
dem Oberleib.“ “Ich kann es wahrlich niemand
übelnehmen, der mißtrauisch gegen meine Mitteilungen wird; denn es geht zu
sehr über alles Denken und Begreifen. Aber bei diesen Beobachtungen, die fast
ein ganzes Jahr dauerten, hatte ich immer mehrere Zeugen. Ich mußte schon
deswegen streng darauf halten, solche Zeugen bei mir zu haben, um üblen
Gerüchten vorzubeugen. Ich kann daher kühn und frei diese Sachen erzählen, da
ich völlig sicher bin, daß nicht der geringste Betrug obwaltete noch obwalten
konnte. So oft ich sie in jener Zeit besuchte, gerufen oder ungerufen, regte
sich wieder etwas und arbeitete sich aus irgend einem Teile des Leibes
hervor. Der Schmerz war jedesmal fürchterlich und fast immer so, daß sie mehr
oder weniger die Besinnung verlor. Sie sagte: ‘Das mache ich nicht durch, das
ist mein Tod!“ “Alle diese Gegenstände konnten
bloß unter Gebet aus ihr entfernt werden. Wenn sie zu klagen anfing, daß sie
irgendwo Schmerzen fühle, so brauchte ich ihr nur unter Gebet die Hand
aufzulegen, und sie fühlte alsbald, daß die Sache sich bewegte oder drehte
und einen Ausgang suchte. Durch die äußere Haut ging es am schwersten, und
man fühlte es oft lange, wie sich von innen heraus etwas vordrückte. Blut
floß nie; auch wurde keine Wunde verursacht. Höchstens konnte man noch eine
Weile die Stelle erkennen, aus der sich etwas herausgearbeitet hatte. Doch
das war nur der Fall, wenn die Entfernung der Gegenstände unter Gebet
vorgenommen wurde. Bisweilen jedoch schnitt sie sich in meiner Abwesenheit,
von Schmerz überwältigt, mit einem Messer die Haut auf, und diese Wunden
waren fast nicht mehr zu heilen.“ “Auch lebendige Tiere kamen aus
ihrem Munde: Heuschrecken, Fledermäuse, Frösche und einmal eine Natter. Die
Natter verursachte ihr nachher eine Wunde am Halse und stach sie so heftig in
den Fuß, daß das Bluten fast nicht aufhören wollte.“ “Ich kann diese Seite des Kampfes
nicht schließen, ohne wenigstens noch einen Fall der schauderhaftesten Art zu
erzählen. Zu Anfang Dezember 1843 hatte Gottliebin ein Nasenbluten, das gar
nicht aufhören wollte. Wenn sie eine Schüssel voll Blut verloren hatte, fing
es von neuem an. Es ist unbegreiflich, wie sie bei einem so ungeheuren
Blutverlust überhaupt noch am Leben bleiben konnte. Auffallend war, daß das
Blut zugleich einen sehr scharfen Geruch hatte und immer besonders schwarz
aussah. Eines Tages, als ich von einem anderen Ort heimkehrte, kam mir jemand
entgegengelaufen und sagte, ich möchte doch schnell zu der Gottliebin kommen.
Ich eilte und sah überall die Leute voll Schrecken zum Fenster herausschauen
und hörte sie rufen: ‘Herr Pfarrer, es tut Not!‘ Ich trat in die Stube der
Gottliebin. Aber ein erstickender Blutdunst wollte mich wieder heraustreiben.
Sie saß in der Mitte der kleinen Stube, hatte vor sich einen Kübel, der wohl
zur Hälfte mit Blut und Wasser gefüllt war. Durch die ganze Länge der Stube
vor ihr und hinter ihr floß eine breite Blutlache. Sie selbst war über und
über so mit Blut bedeckt, daß man die Kleider kaum mehr erkannte. Das Blut
rieselte lebhaft aus beiden Ohren, aus beiden Augen, aus der Nase und
sprudelte sogar oben auf dem Kopf in die Höhe. Es war das Gräßlichste, das
ich je gesehen habe. Im Augenblick war ich ratlos. Doch faßte ich mich. Ein
kurzes und tiefes Gebet brachte vorerst das Bluten zum Stillstand. Dann ließ
ich ihr das Gesicht waschen, das nicht mehr zu erkennen war, ebenso den Kopf.
Darauf befühlte ich eine Stelle des Kopfes, an der sich etwas befinden
sollte. Oberhalb der Stirne gewahrte ich einen kleinen, aber verbogenen
Nagel, der sich emporbohrte. Am Hinterkopf drehte und arbeitete sich
innerhalb der Haut etwas weiter herab. Endlich kam ein verbogener
Bretternagel zum Vorschein. Das Bluten hatte von nun an ein Ende, und am
Abend fühlte sie sich ziemlich wohl und gestärkt.“ “Gottliebin konnte sich aus
früherer Zeit gut erinnern, daß sie bisweilen auf das Essen einer Suppe oder
anderer Speisen sogleich etwas Eigentümliches im Hals oder Leib gefühlt habe.
Einmal warf sie Überbleibsel von einem solchen Essen einem Huhn vor, das
augenblicklich rasend umherlief und nach einer Weile wie erstickend tot
umsank. Sie öffnete Kopf und Hals des Huhnes, und da steckten zu ihrem
Schrecken eine Menge Schuhnägel. Wie aber konnten solche Sachen in den Kopf
und Leib kommen? Gottliebin erzählte, daß sie nachts öfters die Geister von
Personen aller Arten und Stände zu sich ans Bett kommen sah. Diese hätten ihr
entweder etwas wie Brot in den Mund gereicht oder andere Stellen ihres Leibes
berührt. Alsbald habe sie Veränderungen in sich gefühlt, und nachher seien
dann die Gegenstände aus ihr hervorgekommen. Jener Bretternagel und der
kleine Nagel, die das heftige Bluten verursachten, wurden ihr abends mitten
auf der Straße von einem Geist, der einen geistlichen Ornat trug und dort
wartete, auf eine besondere Weise in den Kopf geschafft, wobei sie nicht den
geringsten Widerstand leisten konnte; und bald darauf fing das Bluten an.
Eines Nachts traten drei Männer als Geister vor sie, die in einem Glas eine
giftige Essenz in der Hand hielten. Sie konnte sich wiederum nicht bewegen.
Der eine öffnete ihren Mund, der andere hielt sie am Kopf und der dritte
wollte ihr die Flüssigkeit eingießen. Doch gelang es ihm nur, ihr ein wenig
davon in den Mund zu schütten. Um sie zu ersticken, wurde ihr nun wieder der
Mund geschlossen und zugehalten. Der Dampf der Flüssigkeit ging jedoch durch
die Nase heraus. Sie war nur imstande, während dies geschah, ein kurzes Gebet
zu seufzen. Als die Männer merkten, daß sie nichts ausrichteten, schütteten
sie ihr den Inhalt des Glases über den Kopf und entfernten sich. Am Morgen
war die Nachthaube der Gottliebin von einem gelblichen, häßlich riechenden
Stoffe zerfressen und ließ sich leicht zerbröckeln. Einmal, als sie in ihrer
Kammer schlief, hatte sie abends ihren Rock an die Kammertüre gehängt. Die
Schwester, die mit ihr in demselben Bette lag, wußte genau, was in der
Rocktasche war und daß Gottliebin nicht aus dem Bette aufstand. Gottliebin
aber sah des Nachts eine Gestalt zu ihrem Rock gehen, aus der Tasche ein
blechernes Geldbüchschen, wie es die Bauers haben, nebst anderem herausnehmen
und dann vor sie hintreten. Am anderen Morgen wurden von ihr unter heftigem
Würgen Geldstücke und das Büchschen erbrochen.“ “Endlich, als diese Erscheinungen
unerschöpflich zu werden drohten, raffte ich meine ganze innerliche Kraft im
Gebet zusammen und flehte zu Gott, er möge, da er die Kraft sei, die alles
aus nichts gemacht habe, nun diese Gegenstände in nichts verwandeln, damit
die Kunst des Teufels gänzlich zunichte werde. Diese Art war mein Kämpfen
mehrere Tage lang, und der Herr, der verheißen hat: ‘Alles, was ihr in meinem
Namen bitten werdet, das will ich euch geben‘, hat Wort gehalten. Es gelang.“ Aber auch diesem vermeintlichen Ende
folgten nun noch einmal entsetzliche Krankheitserscheinungen bei der
Gottliebin, die absichtlich auf ihren Tod zu zielen schienen. Als sie einmal
sich selbst in unglaublich furchtbarer Weise verwundet hatte, wurden die
Wunden wieder wunderbar geheilt. Aber plötzlich brachen sie wieder auf, und
eine Freundin kam in größter Bestürzung zu Blumhardt mit der Meldung, jede
Minute könne der Tod eintreten. “Da stürzte ich“, erzählt Blumhardt, “in
meinem Zimmer auf die Knie nieder und redete kühne Worte. Diesmal wollte ich,
so stark war ich geworden, im Augenblick dem Teufel nicht einmal die Ehre
antun, selbst hinzugehen, sondern ließ durch die Freundin sagen: Gottliebin
soll sich selbst aufmachen und zu mir kommen. Sie könne es im Glauben.! Es
stand nicht lange an, so kam sie die Treppe herauf. Wie es aber mir dabei
wurde, kann mir niemand nachfühlen.“ Den Schluß der Geschichte erzählt
Blumhardt mit folgenden Worten: “Es schien sich alles, was nur je früher
vorgekommen war, noch einmal zusammenzudrängen. Das Mißlichste war, daß sich
in diesen Tagen die finsteren Einwirkungen auch auf den halbblinden Bruder
und eine andere Schwester Katharina ausdehnten, und ich also mit dreien
zugleich den verzweifelten Kampf durchzumachen hatte, wobei deutlich der
innere Zusammenhang zwischen diesen dreien zu erkennen war. Den Verlauf des
einzelnen kann ich nicht mehr genau erzählen. Es war viel zu mannigfaltig,
als daß ich es im Gedächtnis hätte behalten können. Aber Tage waren es, wie
ich keine mehr zu erleben hoffte. Denn es war soweit gekommen, daß ich
sozusagen alles aufs Spiel zu setzen wagen mußte, wie wenn es hieße ‘Siegen
oder sterben‘. So groß übrigens auch meine Anstrengung war, so fühlbar war
mir ein göttlicher Schutz. Der Bruder war am schnellsten wieder frei, und zwar
so, daß er sogleich tätige Hilfe im Nachfolgenden leisten konnte. Die
Hauptsache kam aber diesmal nicht an Gottliebin, welche im letzen Akt nach
vorausgegangenen Kämpfen gleichfalls völlig frei zu sein schien, sondern an
ihre Schwester Katharina, die früher nicht das mindeste derart erfahren
hatte, nun aber so rasend wurde, daß sie nur mit Mühe festgehalten werden
konnte. Sie drohte, mich in tausend Stücke zu zerreißen, und ich durfte es
nicht wagen, ihr nahezutreten. Sie machte unaufhörlich Versuche mit eigener
Hand, wie sie sagte, sich den Leib aufzureißen oder lauerte listig umher, als
wollte sie etwas Gräßliches an denen, die sie hielten, verüben. Dabei
rasselte und plärrte sie so fürchterlich, daß man Tausende von Lästermäulern
sich in ihr vereinigt denken konnte. Am auffallendsten war, daß sie ganz bei
Besinnung blieb, indem man mit ihr reden konnte, sie auch bei scharfen
Ermahnungen sagte, sie könne nicht anders reden und handeln. Man möchte sie
nur recht festhalten, damit nichts durch sie geschehe. Auch nachher hatte sie
noch von allem, selbst von den gräßlichsten Mordversuchen, bestimmte
Erinnerungen, und diese wirkten so niederschlagend auf sie, daß ich mich
mehrere Tage ihrer besonders annehmen mußte, bis nach fleißigem und
ernstlichem Beten ihr die Erinnerungen allmählich schwanden. Daneben ließ
sich dennoch der Dämon aus ihr ebenso bestimmt vernehmen, der sich diesmal
nicht als einen abgeschiedener Menschengeist, sondern als einen vornehmen
Satansengel ausgab, als das oberste Haupt aller Zauberei. Er behauptete, daß
mit dem, daß er in den Abgrund fahren müsse, der Zauberei der Todesstoß
gegeben werde, an dem sie allmählich verbluten müsse.“ “Plötzlich gegen 12 Uhr um
Mitternacht dröhnte aus der Kehle des Mädchens zu mehreren Malen, ja wohl
eine Viertelstunde andauernd, nur ein Schrei der Verzweiflung mit einer
erschütternden Stärke, als müßte das Haus zusammenstürzen. Grauenerregenderes
läßt sich nicht denken. Und es konnte nicht fehlen, daß die Hälfte der
Bewohner des Ortes nicht ohne besonderen Schrecken Kenntnis von dem Kampfe
bekam. Dabei befiel Katharina ein so starkes Zittern, daß es war, als wollten
sich alle ihre Glieder voneinander abschütteln. Unter Äußerung von Angst und
Verzweiflung mischten sich in der dämonischen Stimme ein riesenhafter Trotz,
eine Herausforderung gegen Gott, ein Zeichen zu tun, damit er nicht so gemein
wie andere Sünder seine Rolle niederlegen, sondern gewissermaßen unter Ehren
in die Hölle fahren müsse. Solch schauerliches Gemisch von Bosheit,
Verzweiflung, Trotz und Hochmut ist wohl schwerlich je irgendwo erblickt
worden. Endlich kam der ergreifendste Augenblick, welchen unmöglich jemand
genügend sich vorstellen kann, der nicht Augen- und Ohrenzeuge war. Um 2 Uhr
morgens brüllte der angebliche Satansengel, wobei das Mädchen den Kopf und
Oberleib über die Lehne des Stuhles zurückbog, mit einer Stimme, die man kaum
bei einer menschlichen Kehle für möglich halten sollte, die Worte heraus
‘Jesus ist Sieger! - Jesus ist Sieger!‘ Worte, die, soweit sie ertönten, auch
verstanden wurden und auf viele Personen einen unauslöschlichen Eindruck
machten. Nun schien die Macht und Kraft des Dämons mit jedem Augenblick mehr
gebrochen zu werden. Er wurde immer stiller und ruhiger, konnte immer weniger
Bewegungen machen und verschwand zuletzt ganz unmerklich, wie das Lebenslicht
eines Sterbenden erlischt, jedoch erst gegen 8 Uhr morgens.“ Damit war der zweijährige Kampf zu
Ende. Was Blumhardt erlebt hatte, waren
die Kundgebungen der bösen und niederen Geisterwelt durch menschliche Medien.
Es war an und für sich nichts Neues. Nur für ihn war es neu. Hätte er sich
dieser in der Gewalt des Bösen befindlichen Medien nicht angenommen, so würde
es ihnen ergangen sein, wie es täglich so vielen ergeht, die man in
vollständiger Unkenntnis der Vorgänge sich selbst überläßt. Sie wären
entweder im Irrenhaus gelandet oder hätten durch Selbstmord ihrem Leben ein
Ende gemacht. Die Insassen der Irrenanstalten sind zum großen Teil die Opfer
der niederen Geisterwelt. Und dieselben unheimlichen Mächte sind oft auch bei
den Selbstmördern tätig. Gottliebin Dittus war “Tieftrancemedium“. Auf welche
Weise sie sich dazu entwickelte, dafür finden sich in den Angaben des
Blumhardt keine Anhaltspunkte. Es ist wahrscheinlich, daß sie mit ihren
anderen Geschwistern zusammen das sogenannte “Tischrücken“ betrieben hatte
und daß ihre angeborene Medialität auf diesem Wege immer stärker sich
entfaltete. Die Bewußtlosigkeit trat dann bei
ihr ein, wenn der eigene Geist von den fremden Geistwesen aus ihr verdrängt
wurde und jene Geistwesen von ihr Besitz ergriffen. Beim Austritt des eigenen
Geistes fiel sie wie tot hin und wurde wieder aufgerichtet durch den Geist
eines Dämons, der in ihren Körper eingetreten war und seine Kundgebungen
machte. Die starken Klopftöne wurden durch
das Od erzeugt, das Gottliebin infolge ihrer starken Medialität an die
Geisterwelt abgab und womit diese die dröhnenden Schläge hervorrief, die den
Beobachtern so unerklärlich vorkamen, die Schläge wurden um so lauter, je
größer die Odkraft war, die sich bei dem Medium ansammelte. Die Odkraft des
Mediums wurde durch die Odmenge verstärkt, welche die anwesenden Menschen
ausstrahlten. Da auch Blumhardt, ohne es zu wissen, über bedeutende mediale
Kräfte verfügte, so waren die Kundgebungen der Geisterwelt durch das Medium
in seiner Gegenwart stärker als in seiner Abwesenheit. Auch die
Materialisationen und Lichterscheinungen wurden von den Dämonen mit Hilfe des
medialen Ods der Gottliebin hervorgebracht. Ihre Schwester Katharina war kein
Tieftrancemedium, sondern bei ihr stellte sich bloß Teiltrance ein.
Infolgedessen war ihr Geist nicht ganz aus dem Körper verdrängt, sondern
hörte alles, was der fremde Geist durch sie redete, und sie konnte sich daher
aller Vorgänge nachher erinnern, wenn sie auch nicht imstande war, die
Kundgebungen selbst zu verhindern, da sie sich ganz in der Gewalt des fremden
Geistwesens befand. Blumhardt lernte nach und nach die
einzelnen Arten der Geister unterscheiden. Vor allem wurde ihm die wichtige
Tatsache zur Gewißheit, daß bei dem Erscheinen höherer Geister und
schwerleidender Geistwesen, die aber guten Willens sind, eine göttliche
Kontrolle herrscht, so daß alles in schönster Ordnung vor sich geht. Diese
Kontrolle bestimmt, welche Geister zugelassen werden. Darum leisteten diese
von der höheren Kontrolle zugelassenen leidenden Geister auch keinen
Gehorsam, als Blumhardt sie anfangs ohne Hilfe fortschicken wollte. Sie waren
ja auf höhere Anordnung in das Medium eingetreten, um durch Blumhardt belehrt
und auf Gott hingewiesen zu werden. Sie hatten daher ein Recht auf diese
Belehrung, und es war Pflicht Blumhardts, ihren Bitten zu willfahren. Leider
hat Blumhardt erst spät diese Pflicht erkannt. Das Lehrreiche an diesen Vorgängen
war für Blumhardt die unleugbare Tatsache, daß es einen Verkehr mit der
Geisterwelt gibt. Die Geschehnisse, die sich vor seinen Augen abspielten,
waren keine Sinnestäuschungen und können von niemand in das Reich der Fabel
verwiesen werden. Denn sie spielten sich in voller Öffentlichkeit ab, und
eine große Zahl von Augen- und Ohrenzeugen konnte sie bestätigen. Die Wirklichkeit der Geschehnisse
war auch der Grund, weshalb die Kirchenbehörde Blumhardt ersuchte, eine
Denkschrift über die Vorgänge an sie einzureichen. Blumhardt sah bloß die unleugbaren
Tatsachen vor sich und lernte erst nach und nach einige Zusammenhänge auf
diesem Gebiete kennen. Die ewigen Gesetze, nach denen die Verbindung mit der
Geisterwelt vor sich geht, scheinen ihm bis zu seinem Tode unbekannt
geblieben zu sein. Darum erkannte er auch nicht den Weg, auf dem sowohl das
israelitische Volk, als auch die ersten Christen zur Verbindung mit der guten
Geisterwelt gelangten. Das Sprechen der bösen und schwer leidenden Geister
durch menschliche Medien hat er in erschütternder Weise erlebt. Aber die
wunderbaren Kundgebungen der hohen Geister Gottes durch Sprechmedien blieben
ihm versagt. Auch das hat seinen tiefen Grund. Denn alles Geschehen hat seine
Zeit. Sicherlich waren die Zeitverhältnisse, in denen Blumhardt lebte, zu
einer derartigen absichtlich herbeigeführten Verbindung mit der guten
Geisterwelt nicht geeignet. Sicherlich würde Blumhardt bei der Einstellung
seiner Kirche zu solchen Dingen sein ganzes Wirken und seine Stellung
gefährdet haben. Hatte er ja schon Anfeindungen von seiner Kirchenbehörde
genug auszustehen, als nachher sich die guten Geistwirkungen bei ihm und
seinen Pfarrangehörigen zeigten, auf die ich gleich zu sprechen komme. Ein
Mehr auf diesem Gebiete, wie es ein Abhalten guter spiritistischer
Zusammenkünfte gewesen wäre, würde ohne Zweifel das schärfste Vorgehen der
evangelischen Kirchenleiter gegen Blumhardt veranlaßt haben. Auch die
Geisterwelt Gottes paßt ihr Wirken den Umständen an, die ihnen in den
Zeitverhältnissen entgegentreten. Hatte Blumhardt die Ausgießung der
Geister der Finsternis auf die Menschheit an einigen Beispielen in
erschreckender Weise gesehen und persönlich erlebt, so sollte er aber auch in
noch wunderbarerer Form die Ausgießung der Geister Gottes an sich und seiner
Gemeinde erfahren. Sie erinnerte an die Ausgießung der göttlichen Geister in
den ersten christlichen Zeiten. Die Geister der Buße und der
Gesinnungsänderung waren das erste Geschenk von oben, das Blumhardt nach treu
überstandenem Kampfe gegen die bösen Mächte für seine ganze Pfarrei und die
Umgebung empfing. Nach und nach kamen alle und bekannten, von einer
unwiderstehlichen inneren Gewalt genötigt, die Sünden ihres Lebens. Blumhardt
wurde innerlich von einem Geiste Gottes eingegeben, wem er die Vergebung der
Sünden verkünden solle. Es war also nicht ein gewöhnliches Beichten und
Lossprechen, wie es in der katholischen Kirche Sitte ist, sondern eine
Reinigung von Sünden infolge einer Offenbarung eines Geistes Gottes. Darum
war der Wahlspruch Blumhardts von da an: “Bitten wir und hoffen wir auf eine
neue Ausgießung des Heiligen Geistes.“ Auch kam der Geist der Heilung auf
Blumhardt. Durch seine Handauflegung, sein Gebet, seine Nähe wurden die
schwersten Krankheiten geheilt. Dabei zeigte es sich, daß die meisten
chronischen Krankheiten die Wirkung böser Geistermächte sind, wie dies ja
auch die Bibel lehrt. Wichen diese Mächte von den Kranken, so trat auch die
Heilung unverzüglich ein. Das Wunderbare dieses Geschehens möge man in dem
Buche Zündels nachlesen. Ich schließe diese Darstellung der
Wirkungen der bösen und der guten Geisterwelt im Leben Blumhardts mit seinen
Worten in einem seiner Briefe: “Wenn etwa einer untersuchen
möchte, ob alles, was der Herr bei mir tut, persönlich sei oder sich nachahmen
lasse, so muß ich gestehen, daß infolge meiner Kämpfe mir allerdings etwas
Persönliches geworden ist, daß nicht jeder so plötzlich auch haben kann.
Indessen ist meine Überzeugung, daß es allgemeiner werden muß und daß man
überhaupt um die Erneuerung der ursprünglichen Kräfte in deren ganzem Umfang
bitten darf. Bei mir wird eigentlich vorderhand nur der Beweis geliefert, daß
man diese Bitte tun darf. Aber ehe gleichsam der Himmel sich auftut, wird es
nicht, und es ist eine falsche Meinung, als ob man nur wieder glauben dürfte,
um sogleich alles wieder zu haben, was die apostolische Zeit hatte. Nein, die
Kräfte sind in Wahrheit wieder zurückgenommen worden und können nur langsam
wieder erlangt werden. Der Unglaube und Abfall der Christenheit von mehr als
einem Jahrtausend hatte eine Ungnade von seiten des Herrn zufolge, wie auch
einen Überschwang der satanischen Kräfte. Darum können wir nicht so ohne
weiteres wieder anfangen; versuchen wir es, so stoßen wir bald auf eine
durchbrochene Mauer. Sie sehen daraus, wie verschieden ich von den
Irwingianern bin, die, den jetzigen Zustand der Christenheit übersehend,
alles wiederhaben wollen. Das erste, was not tut, ist eine neue Bekehrung der
Christenheit, jedoch von völligerer Art, als man es im kleinen sieht. Daß dies
werde, muß ernstlicher gekämpft, biblischer gepredigt, dringlicher gebetet
werden. Wird ein Geist der Buße ausgegossen im großen, wie ich es im kleinen
an meiner Gemeinde erfahren habe, da sich dann sogleich die ersten Spuren der
Geistesgaben offenbarten, so gibt sich eins ums andere, bis allerdings eine
apostolische Zeit wiederkehrt, neben welcher sich dann freilich der
eigentliche Widerchrist aufmachen wird.“ Diese Ausführungen Blumhardts sind
etwas unklar und nur zum Teil richtig. Die Wahrheit ist folgende: Jeder
Mensch, ob Christ oder Nichtchrist, kann mit der guten Geisterwelt in
Verbindung kommen, wenn er sie im Ernste will und sie in der Weise sucht, wie
es in diesem Buche geschildert ist. Was jeder aus dem guten Geisterverkehr
empfängt, ist eine Belehrung über den wahren Weg, der zu Gott führt. Es ist
die Predigt der Wahrheit, die ihm zuteil wird. Ob dann noch weitere Kräfte
der Geister Gottes bei ihm in Wirksamkeit treten, hängt bei jedem davon ab,
ob er sein Leben nach der ihm mitgeteilten Wahrheit gestaltet und in welchem
Maße er es tut. Wer bloß die Predigt der Wahrheit von der Geisterwelt
entgegennimmt, sich aber nicht danach richtet, der erhält keine weiteren
Geschenke von oben. Er verliert vielmehr auch noch die Verbindung mit den
guten Geistern, die ihm zuerst zuteil geworden war, indem sich keine guten
Geister mehr kundgeben. Wer jedoch die Wahrheit in sich aufnimmt und sein
Inneres danach umzugestalten sich bemüht, bei dem machen sich auch die
Geisterkräfte bemerkbar, die wir bei den ersten Christen finden, und zwar so,
wie es seiner Lebensaufgabe entspricht. Denn auch bei den ersten Christen
hatte nicht jeder die gleichen Gaben. Auch waren die einzelnen Gaben nicht
dazu bestimmt, daß derjenige, der sie besaß, bloß für sich Nutzen davon haben
sollte, sondern damit sie zum allgemeinen Wohl der Gesamtheit dienten. Diese
Tatsache wird ja auch von dem Apostel Paulus stets so scharf betont. Auch
heute wird der kleinsten Gemeinde gottesgläubiger und gottsuchender Menschen
dasselbe von Gottes Geistern gewährt, was die ersten Christen empfingen.
Voraussetzung ist bloß, daß man mit allen Kräften nach dem Guten strebt und
die Einflüsse des Bösen von sich abwehrt. Ob der Kreis, der dies tut, ein
großer oder ein kleiner ist, wird niemals für die Wirkung der Geisterwelt
Gottes maßgebend sein. Die Erlebnisse des katholischen
Pfarrers Vianney Ein ähnliches Bild von den
Wirkungen der bösen und guten Geisterwelt, wie wir es bei dem evangelischen
Pfarrer Blumhardt sahen, tritt uns bei dem katholischen Pfarrer Vianney von
Ars entgegen. Johannes Baptista Maria Vianney
lebte von 1786 bis 1840. Seine Lebenszeit fällt also noch zu einem großen
Teil in die des Pfarrers Blumhardt. Während Blumhardt in der deutschen
Pfarrei Möttlingen seine segensreiche Wirksamkeit entfaltete, lebte und
wirkte Vianney in der kleinen Gemeinde Ars in Frankreich. Wegen seiner
geringen Begabung konnte Vianney nur unter großen Anstrengungen seine Weihe
zum Priester erreichen. Schon als Kind gab sich Vianney
täglich der inneren Sammlung im Gebet hin. Diese innere Konzentration übte
er, ähnlich wie Blumhardt, sein ganzes Leben. Sie brachte bei ihm die
medialen Gaben zur Entfaltung, welche die Vorbedingung für die Wirkungen
sind, die von der Geisterwelt auf die Menschen ausgeübt werden. Dasselbe gilt
von Blumhardt. Während der evangelische Pfarrer
Blumhardt zuerst die dämonischen Kundgebungen durch das Medium Gottliebin
Dittus in seiner Pfarrei erlebte und nachher erst die Wirkungen sowohl der
guten, als auch der bösen Geisterwelt an seiner eigenen Person erfuhr, war
der Pfarrer von Ars allein die Persönlichkeit, an der die Kundgebungen der
Geister sich zeigten. Bei anderen Personen seiner Umgebung oder seiner
Pfarrei machten sich derartige Wirkungen nicht bemerkbar. Im übrigen sind die Geschehnisse
bei beiden dieselben. Sowohl Blumhardt, als auch Vianney erlebten die
Betätigung der Dämonen in derselben Weise. Auch die Wirkungen der guten
Geister waren bei beiden dieselben. Beide empfingen einen Geist der Heilkraft
in sehr hohem Maße. Beide hatten die Gabe des Hellsehens in Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft. Beide konnten den inneren Zustand eines Menschen
hellsehend wahrnehmen. Über die Pfarreien beider Seelsorger wurde in
wunderbarer Weise der Geist der Bekehrung ausgegossen, die sich nach und nach
auf weite Kreise der entfernteren Bezirke erstreckte. Zu beiden pilgerten die
durch ein sündenbeladenes Leben gequälten Menschen zu vielen Tausenden, um
ihre Vergehen zu bekennen und die Zusicherung der Verzeihung Gottes zu
erlangen. Beide wußten durch eine innere Erleuchtung, wem sie die Zusicherung
der Verzeihung geben konnten. Die Übereinstimmung in all diesen Dingen
erstreckt sich bei diesen beiden Männern bis in die kleinsten Einzelheiten,
so daß man das Walten einer göttlichen Gesetzmäßigkeit daraus erkennen kann.
Auch die dämonischen Kundgebungen erfolgten bei beiden nach denselben
geistigen Gesetzen. Doch lassen wir nun die Tatsachen
aus dem Leben Vianneys selbst reden. Beginnen wir mit dem Dämonischen,
das sich bei Vianney kundgab. In der Lebensbeschreibung wird der Teil, der
von den dämonischen Einflüssen handelt, mit den Worten eingeleitet: “Doch
möge hier zunächst ein Wort für diejenigen gesagt sein, die versucht sind, in
dieser Hinsicht zu zweifeln oder bei der Lesung der folgenden Seiten zu
lächeln. Sie werden nicht die ersten sein, die das tun. Ja, sie werden nicht
einmal etwas in dieser Beziehung denken oder aussprechen, was nicht schon vor
ihnen zu Lebzeiten Vianneys die Welt gedacht oder gesagt hat und was nicht
mit noch größerem Nachdruck als die Weltleute, die Geistlichkeit damals
ausgesprochen hat. Kaum hatte nämlich das Gerücht, der Pfarrer von Ars werde
von den Teufeln heimgesucht, sich zu verbreiten begonnen, als ein großes
Gelächter in allen umliegenden Pfarrhäusern anhob. Alsbald setzten die
‘guten‘ Mitbrüder dem Pfarrer von Ars auseinander, daß er ein großer Träumer
sei, der ein krankes Gehirn habe; daß ferner die Hölle, aus der seine Dämonen
kämen, ganz einfach der Fleischtopf sei, in welchem er seine Kartoffeln
verschimmeln lasse. ‘Mein lieber Pfarrer‘, sagten sie ihm, ‘leben Sie wie
jedermann; nähren Sie sich besser, dann wird ihr Kopf wieder gesund, und Sie
werden sehen, wie die Teufel verschwinden.“ Vianney lebte nämlich sehr
bescheiden und fast nur von Kartoffeln, die er sich am ersten Wochentage für
die ganze Woche kochte und dann kalt aß, die nicht selten am Ende der Woche
schimmlig geworden waren. “Weit davon entfernt, jener
schwache Geist zu sein, der solchen Hirngespinsten zum Opfer fällt, wie es
sich seine Amtsbrüder eingeredet hatten, war Pfarrer Vianney von Natur aus so
wenig leichtgläubig, daß er selbst zuerst nicht annehmen wollte, es seien
Teufel, die ihn quälten. Erst dann, als er vergebens nach einer Erklärung für
die seltsamen Geräusche gesucht hatte, die ihn immer wieder während der Nacht
störten, begriff er ihre Herkunft und Art.“ “Eines Tages hörte er heftig gegen
seine Haustüre stoßen. Er öffnete das Fenster und fragte: ‘Wer ist da?‘
Niemand antwortete ihm. Als das Geräusch sich an seiner Treppentüre
wiederholte, stellte er dieselbe Frage. Abermals blieb er ohne Antwort. Da
ihm damals prächtige Gewänder für seine Kirche geschenkt worden waren, die er
im Pfarrhause aufbewahrte, so dachte er, es hätten Diebe bei ihm einzubrechen
versucht. Er hielt es für gut, Vorsichtsmaßregeln zu treffen. Deshalb bat er
einige mutige Männer, Wache zu stehen. Sie kamen denn auch während mehrerer
Nächte und hörten denselben Lärm. Doch entdeckten sie nichts. Man paßte im
Glockenturm auf, indessen gleichfalls ohne Erfolg. Man hörte heftige Stöße,
ohne etwas zu sehen. Die Wächter waren sehr erschrocken. Selbst dem Pfarrer
wurde recht bange. Eines Nachts im Winter, als er wieder starke Schläge gegen
die Türe vernommen hatte, sprang er eilends aus dem Bett, stieg in den Hof
hinab, indem er überzeugt war, daß die Übeltäter, wenn es sich um solche
handelte, ihre Spur im frischgefallenen Schnee zurückgelassen härten und daß
man sie so endlich fassen könne. Aber er sah niemanden, hörte nichts mehr und
bemerkte auch keine Fußspur im Schnee. Da nun zweifelte er nicht mehr, daß
der Satan ihn verfolgen wollte.“ “Von dem Tage an, wo er überzeugt
war, daß die nächtlichen Ruhestörer Dämonen seien, hatte er viel weniger
Angst.“ “Indessen richteten sich die
Hauptabsichten der Dämonen zweifellos darauf, seine seelsorgerliche Tätigkeit
minder fruchtbar zu machen, indem sie seinem überanstrengten Leibe die nötige
Nachtruhe raubten. Alles schien bei diesen Plagen gar trefflich darauf
eingerichtet zu sein, daß ihm das Schlafen ganz unmöglich gemacht würde. Meistens
vernahm Vianney eines von jenen eintönigen Geräuschen, die mehr als alles
andere, wie man weiß, zur Schlaflosigkeit veranlassen. Bald war es ein
Geräusch, wie wenn ein Balken durchgesägt oder durchgebohrt würde. Bald
schien es, als ob man eine Reihe Nägel einklopfe. Es kam ihm auch vor, als ob
Regimenter Soldaten an seiner Tür vorbeizogen; als ob eine Schafherde über
seinem Haupt dahintrampelte; als ob ein Pferd über seine Fliesen galoppierte;
als ob jemand auf seinem Tisch trommelte; als ob man in seiner Nähe
Eisenreifen um ein Faß festschlage; als ob alle Wagen von Lyon über seine
Diele rollten; als ob eine lärmende Versammlung in unbekannter Sprache in
seinem Hofraum sich unterhalte. Diese letzte Plage dauerte mehrere Nächte
hintereinander. Ein anderes Mal hörte er seine Türe öffnen und sich in
barscher Weise bei seinem Familiennamen anreden. Dann hatte er eine Fülle von
spöttischen Grobheiten zu ertragen, unter denen am häufigsten die Bezeichnung
‘Kartoffelfresser‘ vorkam. Ferner wurden seine Möbel hin- und herbewegt. Es
wurde an seinen Vorhängen mit solcher Wucht gerissen, daß er darüber
verwundert war, sie am anderen Morgen noch heil zu finden“ (S. 66-70). Groß waren auch die inneren
Anfechtungen, die er von seiten der Bösen zu erdulden hatte und mit denen sie
ihn zur Verzweiflung zu treiben suchten. Bei Blumhardt treffen wir dieselben
Erscheinungen. Leider sind die in seiner Denkschrift enthaltenen dämonischen
Einwirkungen, soweit sie seine Person angingen, absichtlich in seiner
Lebensbeschreibung unterdrückt worden, wie ich dies bereits früher erwähnte. Sowohl bei Blumhardt, als auch bei
Vianney haften jene dämonischen Machenschaften den einzigen Zweck, das Wirken
dieser Männer in der Führung ihrer Mitmenschen zu Gott ganz zu vernichten
oder doch zu beschränken. Darum suchten sie Blumhardt in das ihm unbekannte
Gebiet des Dämonischen durch die Gottliebin Dittus zu verstricken und ihn,
als ihnen das nicht gelungen war, nachher durch äußere und innere
Anfechtungen zu verwirren und mutlos zu machen. Bei Vianney hatten sie es
zunächst auf die Einflößung der Mutlosigkeit und Verzweiflung abgesehen und
benutzten dazu als Werkzeuge die katholischen Geistlichen der Nachbarbezirke,
die einen solchen Feldzug der gemeinsten Verleumdung und Verdächtigung gegen den
armen Pfarrer von Ars eröffneten und zehn Jahre lang durchführten, daß jeder
andere einem solchen Kampfe hätte erliegen müssen. Als dies nicht zum Ziele
führte, versuchten es die Dämonen mit einer Schwächung seiner Gesundheit
durch Entziehung des Schlafes. Von diesem Versuch ließen sie während seines
ganzen Lebens nicht ab. Erst in seinen letzten Lebensjahren scheint er nachts
nicht mehr belästigt worden zu sein. Noch ähnlicher, wie im Punkte der
dämonischen Erlebnisse, sind sich beide Männer in dem, was ihnen an
Göttlichem von seiten der guten Geister zuteil wurde. Hier haben sie alles
gemeinsam. Beiden wurden die hohen Gottesgaben
erst zuteil, als sie ihre schweren Prüfungen im Kampfe mit den bösen Mächten
und deren menschlichen Werkzeugen bestanden hatten. Diesen Kampf hat jeder zu
bestehen, der als Werkzeug Gottes zum Heile seiner Mitmenschen arbeiten und
die zu diesem Zwecke erforderlichen Gotteskräfte erlangen will. Auch Christus
mußte diesen Kampf bestehen. Auch seine öffentliche Tätigkeit mit den Beweisen
der Gotteskraft, die in ihm wirksam war, begann erst, als er 40 Tage und 40
Nächte das Dämonische und seine furchtbaren Wirkungen an sich erfahren hatte
und dagegen standhaft geblieben war. Der Knecht ist nicht über dem Meister. Die Bekehrungen infolge der
Ausgießung eines Geistes der Buße als innere Umkehr hatten in der Pfarrei
Blumhardts denselben Verlauf, wie in der Pfarrei Vianneys. Und aus beiden
Pfarreien erstreckten sie sich in gleicher Weise nach und nach bis in die
entferntesten Gegenden. Die erste Wirkung der Geister der Buße ist in den
Herzen der Menschen ein inneres Erschrecken über die Sünden und Vergehen des
vergangenen Lebens und über die dadurch herbeigeführte Gottesferne. Dieses
innere Erschrecken über sich bei einem vom Geiste der Buße berührten Menschen
ist so groß, daß er keine Ruhe mehr findet, bis er sein Inneres einem
gottestreuen Menschen offenbart und dessen Urteil gehört hat. Eine
unsichtbare Gewalt treibt sie unwiderstehlich, bis sie die Gottesnähe in
ihrem Herzen fühlen und die darin enthaltene Gewißheit haben, daß ihre Sünden
vergeben sind, ein solches Gefühl des Glückes strömt dann in ihr Herz, daß es
keine menschlichen Worte gibt, ein solches Glück zu beschreiben. Man möge in
den Lebensbeschreibungen dieser beiden Männer nachlesen, was die Bekehrten
innerlich empfunden haben. Die Seelen, die seiner Hilfe nicht
bedurften, erkannte Vianney auf den ersten Blick. Er bat sie freundlich,
seine Zeit nicht zu beanspruchen, und zu manchem sagte er: “Gehen Sie ruhig heim,
Sie haben mich nicht nötig.“ Die kranken Seelen zu heilen, die
mit sich selbst nicht fertig werden konnten, war das Hauptziel des Pfarrers
von Ars. Die Heilung der Körper war in seinen Augen viel nebensächlicher. Vielen gab Vianney Auskunft über
das jenseitige Los ihrer Verstorbenen, sobald dies für ihr eigenes Seelenheil
nützlich erschien. Aber auch in die Zukunft schaute er hellsehend. Man kann
sagen, daß so, wie zu seinen Lebzeiten über nichts so viel gesprochen wurde,
als über seine Kämpfe mit den bösen Geistern, alle Welt nach seinem Tode von
seinen Voraussagungen zu reden anfing. Seine Vorhersagen betrafen fast immer
nur das Wohl des einzelnen und nicht das öffentliche Wohl. Manchen Bekehrten
sagte er ihren nahen Tod voraus. In anderen Fällen benachrichtigte er dritte
Personen von dem bevorstehenden Tode eines ihrer Angehörigen, damit sie sich
bereithalten möchten. Auch sah er im Geiste ferne
Ereignisse, welche die Personen angingen, mit denen er gerade sprach. Als er
eines Tages einen Mann in der auf ihn wartenden Menge erblickte, sagte er zu
ihm: “Kehren Sie schnell nach Lyon
zurück, Ihr Haus steht in Flammen!“ Und so war es. Ein anderes Mal schickte
Vianney eine Bäuerin, die eben ihr Sündenbekenntnis abgelegt hatte,
schleunigst heim, denn eine Schlange sei in ihr Haus gekrochen. Die Frau
eilte in ihr Haus zurück und durchsuchte es nach allen Richtungen, fand aber
nichts. Schließlich kam sie auf den Gedanken, auch ihren Strohsack zu
schütteln, den sie zum Auslüften in die Sonne gelegt hatte. Sie sah aus
demselben eine Schlange hervorkriechen. Einem jungen Mädchen, das er in der
Kirche stehen sah, sagte er, sie möge ohne Säumen heimkehren, denn sie werde
dort dringend erwartet. Als sie nach Hause kam, fand sie ihre bisher
vollständig gesunde Schwester tot daliegen. - Es kam eine Frau nach Ars zur
Beichte, die sich von einem “Zauberer“ eine Flasche mit einem angeblichen
Wundermittel hatte geben lassen. Als Vianney ihr Sündenbekenntnis gehört
hatte, bemerkte er ihr: “Sie sagen mir ja nichts von der Flasche, die sie in
einem Gebüsch vor Ars versteckt haben.“ Noch häufiger zeigte sich bei ihm
das Schauen der innersten Gedanken und Gefühle anderer. Diese Gabe trat
regelmäßig hervor, sobald es sich um besonders schwierige Bekehrungen
handelte. Fast täglich ereigneten es sich, daß er seinen Beichtstuhl verließ
und gerade jene Personen, die am eiligsten oder am unglücklichsten waren, zu
sich heranwinkte, damit sie zuerst an die Reihe kamen. Es kamen auch solche, die seine
Gabe auf die Probe stellen wollten. Mit großer Beschämung gingen sie von
dannen. Einer bekannte ihm schlimme Sünden, die er sich erdichtet hatte.
Vianney hörte ihn ruhig an und sagte dann: “Sie haben in der Tat viel schwere
Schuld auf der Seele; aber das Böse, das Sie in Wirklichkeit getan haben,
besteht nicht in jenen Sünden, die Sie mir soeben erzählt haben, sondern es
sind folgende Sünden“, und nun offenbarte Vianney zur großen Bestürzung des
Betrügers alle Schandtaten seiner Vergangenheit. Vianney heilte, beriet, tröstete
und bekehrte aus der Ferne diejenigen, die nicht persönlich zu ihm kommen
konnten und darum Vermittler oder auch Briefe schickten. Alle bisher geschilderten
Einzelzüge im Bilde der bei Vianney wirkenden Kräfte der Geisterwelt finden
sich in derselben Art und in demselben Umfang, und man kann sagen, bis in die
kleinsten Linien genau bei Blumhardt. Und es ist schwer, festzustellen, bei
wem von beiden die Zahl der Tausenden, die zu ihnen strömten und die
wunderbaren Wirkungen jener Kräfte an sich erfuhren, größer war, ob bei Vianney
oder bei Blumhardt. Auch das ereignete sich bei beiden,
was man eine wunderbare Brotvermehrung nennen könnte. Bei Blumhardt kam es
vor, daß bei dem großen Andrang der Fremden, die von den Pfarrkindern
Blumhardts gastlich aufgenommen und beherbergt wurden, sich Mangel an Nahrung
einstellte. Aber ein besonderer Segen waltete bei diesen Speisungen. Eine
Familie, die nicht genug hatte 14 Personen zu sättigen, machte mit derselben
Speise 42 Personen satt, und es blieb noch Speise übrig. Von Vianney wird ein
noch augenscheinlicheres Wunder berichtet, für das seine ganze Pfarrei Zeuge
wurde. Er hatte ein Heim für arme Kinder. Eines Tages waren alle
Nahrungsmittel ausgegangen. Auf dem Speicher lagen nur noch einige Handvoll
Brotfrucht. Schon hatte er sich schweren Herzens entschlossen, die Kinder zu
entlassen. Er betete zu Gott noch einmal um Hilfe. Als er nun auf den
Speicher kam, war er hoch mit Korn angefüllt. Die ganze Pfarrei stieg auf den
Speicher, um das Korn zu sehen. Dieses Ereignis machte in der ganzen Gegend
ein großes Aufsehen. Auch der Bischof kam später und ließ sich zeigen, wie
hoch der Speicher angefüllt war. Wenn wir nun diese beiden Männer
als Werkzeuge Gottes nebeneinanderstellen, dann muß uns etwas sehr Wichtiges
dabei auffallen. Wir haben hier zwei Männer, deren kirchliches
Glaubensbekenntnis wesentlich verschieden ist. Auf der einen Seite steht ein
katholischer Pfarrer als Anhänger von Heiligen- und Reliquienverehrung, der
die Krankenheilungen auf die heilige Philomena zurückführte; ein Mann, der
die Messe feierte und die Beichte als notwendiges Sakrament der
Sündenvergebung betrachtet, der an die Gegenwart Christi im Altarssakrament
glaubt und an allen anderen Lehren seiner Kirche festhält - und auf der
anderen Seite der evangelische Pfarrer Blumhardt als schroffer Gegner des
Glaubensbekenntnisses eines Vianney. Er lehnt Heiligen- und
Reliquienverehrung, Messe und Altarssakrament, katholische Beichte und
katholische Sündenvergebung, Papsttum und alles, was damit zusammenhängt, als
nicht von Gott gewollt, sondern aus menschlichen Irrtümern herrührend, mit
aller Entschiedenheit ab. Und doch sind beide in der Hand Gottes ebenbürtige
Werkzeuge der Befreiung der Menschheit von der Sünde und Satan und ihrer
Führung zum Vaterhaus Gottes. Beide erhalten die höchsten Gaben, die Christus
seinen Gläubigen verheißen hat, trotz ihrer Gegensätzlichkeit im kirchlichen
Glaubensbekenntnis. In einem Punkte stimmen beide
überein: In dem tiefen Gottesglauben und in dem darin verankerten
unerschütterlichen Gottvertrauen sowie in der großen Liebe zu Gott und den
Menschen. Vor Gott ist also das sonstige kirchliche Glaubensbekenntnis eines
Menschen von keiner Bedeutung. Er betrachtet es bloß als ein äußeres Kleid,
das man den Menschen umgehängt hat, das jedoch die geistige Persönlichkeit
nicht beeinflußt, wenn in ihr Gottesglaube und Gottesliebe wirksam sind. Er
läßt den Menschen dieses Kleid, das aus den Flicken menschlicher Irrtümer
zusammengenäht ist, solange es die Aufgabe nicht verhindert, die er dem
Menschen zugeteilt. Wenn man nun fragen wollte, weshalb
die gute Geisterwelt jene Männer nicht über die Irrtümer in ihren religiösen
Anschauungen aufgeklärt und ihnen die Wahrheit vermittelt habe, so ist die
Antwort darauf nicht schwer. Zunächst war eine solche Belehrung
nicht notwendig, weil die konfessionellen Irrtümer der Arbeit nicht im Wege
standen, zu der beide von Gott berufen waren. Sie sollten die Menschen ihrer
näheren und ferneren Umgebung zur Einkehr in sich und zur Rückkehr zu Gott
bewegen. Dem stand weder das katholische noch das evangelische
Glaubensbekenntnis im Wege. Vor allem aber konnte eine
Aufklärung über religiöse Irrtümer deshalb von seiten der Geisterwelt nicht
erfolgen, weil sie sowohl einem Blumhardt, als auch einem Vianney die
Erfüllung ihrer Aufgaben unmöglich gemacht hätte. So hätte der evangelische
Pfarrer Blumhardt infolge neuer Wahrheitserkenntnisse auch eine Änderung in
seiner Lehre vornehmen müssen. Damit würde er sich außerhalb der
evangelischen Kirche gestellt und dadurch sowohl sein Amt, als auch seinen
Wirkungskreis verloren haben. Das gilt in noch höherem Maße von
dem katholischen Pfarrer Vianney. Wäre seine Glaubenseinstellung auch nur in
einem Punkte von der seiner Kirche abgewichen, so wäre er in ganz kurzer Zeit
für immer erledigt. Unter Katholiken konnte an der
Aufgabe der Rettung von Seelen nur arbeiten, der in das Gewand des
katholischen Bekenntnisses gekleidet war, wie Blumhardt nur als Mann des
evangelischen Glaubens unter seinen Glaubens-genossen Aussicht auf Erfolg
hatte. Ohnedies wurde das Wirken beider
schon über die Maßen von ihren Amtsbrüdern angefeindet, trotzdem jeder seiner
Kirche treu ergeben war. Welche Kämpfe würden erst gegen sie eingesetzt
haben, wenn sie in dem einen oder anderen Punkte von der Lehre ihrer Kirche abgewichen
wären? Besonders bei Vianney kannten die Angriffe seiner Amtsbrüder keine
Grenzen. Wie schon vorher angedeutet, wurde er zehn Jahre hindurch von ihnen
maßlos verfolgt, bekrittelt, geschmäht, verdächtigt, verleumdet und selbst
mit äußerster Gewalt bedroht. Als die katholische Geistlichkeit seiner
näheren und fetteren Umgebung sah, wie ihre Pfarrkinder ebenfalls zu Vianney
eilten und mehr auf dessen Urteil gaben, als auf das der eigenen Geistlichen,
kamen die Regungen des Neides und der Eifersucht. Sie nannten ihn den
unwissenden Priester, der nur mit Mühe ein wenig Latein gelernt habe und
beinahe aus dem Priesterseminar zurückgeschickt worden wäre. Vor allein die
Begeisterung, mit der die Leute von dem Pfarrer von Ars sprachen, brachte den
Haß der anderen Geistlichen zum Überlaufen. Man verleumdete ihn in der
schändlichsten Weise. Die Pfarrer verboten ihren Pfarrkindern, nach Ars zur
Beichte zu gehen und drohten ihnen im Falle, daß sie doch hingingen, mit dem
Ausschluß von den Sakramenten und der Verweigerung der Lossprechung, selbst
in der Sterbestunde. Sonntag für Sonntag schmähten sie von der Kanzel herab
gegen den Pfarrer von Ars. Vianney sagte später einmal: “Man ließ das
Evangelium auf der Kanzel in Ruhe und statt dessen predigte man gegen den armen
Pfarrer von Ars.“ Während die einen über seine Unwissenheit spotteten,
verdächtigten die anderen seinen Lebenswandel. Briefe ohne Unterschrift
liefen in großer Zahl bei ihm ein, in denen man ihm die größten Gemeinheiten
in den ekelhaftesten Ausdrücken vorwarf. Auch suchte die Geistlichkeit das
Volk gegen ihn aufzuhetzen. Wenn er morgens seine Haustür öffnete, fand er
daran Zettel geklebt, auf denen man ihn anklagte, die Nacht in den
unsittlichsten Ausschweifungen verbracht zu haben. Hier wie auch bei Blumhardt
wiederholte sich dasselbe, was die jüdische Geistlichkeit gegen Christus ins
Werk setzte. “Was sollen wir tun? Seht, das ganze Volk läuft ihm nach, diesem
Weintrinker und Gesellen der Sünder und der Dirnen.“ (Matth.11,19) Das Wort
von dem “geistlichen Neid“ und die Wahrheit, daß ein Geistlicher seinem
Mitgeistlichen ein Teufel ist, bestätigte sich auch bei diesen beiden
Geistlichen. Wenn die Angriffe der Amtsbrüder
gegen Blumhardt auch nicht das Maß der Gemeinheit erreichten, wie es bei
Vianney der Fall war, so hat doch auch er sehr viel Leid und Verfolgung von
ihnen zu erdulden gehabt. Entbrannte bei diesen beiden
Männern trotz ihrer kirchlichen Glaubenstreue ein solcher Kampf auf Leben und
Tod, was würde da erst geschehen sein, wenn man ihnen ein Abweichen von der
kirchlichen Lehre hätte nachweisen können? Gott und seine Geisterwelt richten
sich bei der Auswahl und Zubereitung ihrer Werkzeuge auch nach den
Zeitverhältnissen und der religiösen Atmosphäre, die in den Kreisen herrscht,
in denen sie wirken sollen. Alle menschlichen Ansichten und Irrtümer läßt die
Geisterwelt Gottes unberührt, solange sie nicht ein ernstliches Hindernis für
die Erreichung des von ihr gesteckten Zieles bilden. Von den irrigen
Ansichten in Glaubenssachen wurde bei Vianney durch die sich kundgebenden
guten Geister keine einzige hinweggeräumt, weil sie der Aufgabe, die er zu
erfüllen hatte, nicht im Wege standen. Nur als er in seiner falschen
Beurteilung der körperlichen Bußübungen, die er als Gott besonders
wohlgefällig betrachtete, seinen Körper mit solchen Bußübungen quälen wollte,
griff die Geisterwelt mit einer Belehrung ein. Nun mußte sie es, da eine
Schwächung seiner Körperkraft auch geringere Leistungen in seiner Wirksamkeit
zur notwendigen Folge gehabt hätte. Durch eine gebieterische Stimme, die er
hellhörend wahrnahm, wurde er an seine wahre Aufgabe erinnert. Vianney selbst
sagt darüber: “Ich weiß nicht, ob es wirklich eine Stimme war, die ich hörte,
oder ob ich es geträumt habe; aber wie dem auch sein mag, ich erwachte davon.
Diese Stimme sagte mir, es sei Gott wohlgefälliger, die Seele eines einzigen
Sünders zu retten, als alle möglichen Opfer zu bringen. Damals hatte ich mir
nämlich Bußübungen zu meiner eigenen Heiligung vorgenommen.“ Vianney, der katholische Pfarrer
von Ars, wurde von seiner Kirche heiliggesprochen. Wenn Menschen einen
Menschen überhaupt heiligsprechen könnten, dann müßte der evangelische
Pfarrer Blumhardt ebenfalls heiliggesprochen werden. Denn er stand in seiner
Gesinnung, seiner Wirksamkeit und den staunenerregenden Gaben von oben seinem
katholischen Amtsbruder nicht nach. Das Lebensbild dieser beiden Männer
zeigt, daß die guten und die bösen Geisterkräfte auch heute noch in derselben
Weise bei den Menschen wirksam sind, wie zu allen früheren Zeiten und daß sie
nach den gleichen Gesetzen sich vollziehen. _______ *
_______ Vor der Zeit, als ich die
Verbindung mit der Geisterwelt kennenlernte, hatte ich keine Kenntnis von der
Möglichkeit einer solchen Verbindung. Weder Bücher noch Zeitschriften hatte
ich gelesen, die sich damit beschäftigten. Auch während der Zeit, in der ich
durch meine Führer aus dem Jenseits die in diesem Buch niedergelegten
Belehrungen empfing, kam ich weder mit anderen spiritistischen Kreisen in
Berührung, noch nahm ich spiritistische Literatur zur Hand. Als Geistlicher
widmete ich mein ganzes Interesse den Wahrheiten, die mir Woche für Woche
durch die Medien zuteil wurden und vor allem mein religiöses Denken von Grund
auf änderten. Mein Studium galt der Heiligen Schrift. Ich wollte sehen, ob
die mein bisheriges Glaubensgebäude umstürzenden neuen Wahrheiten mit den
Lehren der Bibel übereinstimmten, die Heilige Schrift galt mir als Prüfstein.
Auch die Geisterwelt mahnte mich ständig, die neuen Lehren mit denen der
Bibel zu vergleichen. In den gottesdienstlichen Versammlungen nahm der sich
offenbarende Geist ebenfalls stets die Bibel und erklärte ihren Inhalt. Als ich jedoch das neue Wahrheitsbild
nach einer gewissen Zeit in mich aufgenommen hatte und es bei mir zur festen
Überzeugung geworden war, wurde ich aufgefordert, die spiritistischen
Phänomene der heutigen Zeit kennenzulernen. Dadurch sollte ich Gelegenheit
haben, jene Erscheinungen an Hand der mir mitgeteilten Gesetze zu prüfen und
zu erklären. Wenn ich etwas finden sollte, was ich nicht verstand, brauchte
ich bloß in meinen Sitzungen zu fragen, und die gewünschte Aufklärung wurde
mir zuteil. Von vornherein stand es bei mir
fest, daß ich nur solche Phänomene einer Prüfung unterziehen würde, deren
Echtheit einwandfrei feststand. Da lernte ich Anfang des Jahres
1928 eine wissenschaftliche Zeitschrift kennen, die unter der Mitarbeit
bedeutender Professoren fast aller Länder herausgegeben wird und solche
Erscheinungen behandelt, die mit den bisher bekannten Naturgesetzen nicht
erklärt werden können. Die Zeitschrift führte den Titel: “Zeitschrift für
Parapsychologie“. Das Wort “Parapsychologie“ bedeutet die Lehre von dem, was
über die gewöhnlichen Gesetze des Seelenlebens hinausgeht. Die ersten Jahrgänge 1926 und 1927
dieser Zeitschrift machte ich zum Gegenstand meiner vergleichenden Studien.
Das darin berichtete Tatsachen-material ist in einer Weise als echt erwiesen,
daß man keinen Grund findet, an der Echtheit zu zweifeln. Es umfaßt alle
Erscheinungen, die auf dem Gebiet des Geisterverkehrs vorkommen. Es werden
darin allerdings bloß die Tatsachen angegeben. Wie sie zu erklären sind,
darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Von einer Geisterwelt als
Träger jener Phänomene will die heutige Wissenschaft nichts wissen, und nur
schüchtern erwähnt hier und da der eine oder andere der Gelehrten die
Möglichkeit einer Einwirkung von Seiten geistiger Wesen. Statt dessen legt man
sich Erklärungen zurecht, die dem Denken eines normalen Menschen als
unvernünftig erscheinen müssen. Da die “Medien“ der Geisterwelt als
Kraftquellen für die Hervorbringung der verschiedenen Phänomene dienen, so
gruppiere ich in der folgenden Darstellung die heute zutage tretenden
medialen Erscheinungen um Medien, die in der genannten Zeitschrift besprochen
werden, die Tatsachen entnehme ich dieser Zeitschrift, und die richtige
Erklärung der geschilderten Vorgänge gebe ich am Schluß eines jeden Abschnittes. Das Medium Kluski in Warschau.
(Zeitschrift für Parapsychologie, Jahrgang 1926, S. 5-22.) F.W. Pawlowski,
Professor der Anatomie an der Universität Michigan, USA, erstattet einen
ausführlichen Bericht über seine Erlebnisse mit dem Medium Kluski in Warschau.
Er schreibt: “Die Phänomene, welche ich bei
Kluski erlebte, waren ganz außerordentlich und übersteigen alles, was ich
bisher darüber gelesen und gehört hatte. Die gewöhnlichen Vorarbeiten vor
Beginn einer Sitzung mit dem Medium Kluski bestanden darin, daß der
Versuchsraum und die darin vorhandenen Gegenstände einer genauen Untersuchung
unterzogen wurden. Fenster und Türen wurden verschlossen und versiegelt und
mit Wachspapier streifen verklebt, auf die von den Teilnehmern geheime
Zeichen und deren Unterschrift angebracht wurden. Auf Wunsch und wenn keine
Damen im Zirkel anwesend waren, saß das Medium nackt da. Sobald alle Teilnehmer ihre Plätze
um den Tisch eingenommen und die Kette gebildet hatten, fiel das Medium fast
augenblicklich in tiefe Trance. Die Phänomene setzten dann meistens sofort
ein. Die Kette wurde durch gegenseitiges Einhaken des kleinen Fingers in den
des Nachbarn gebildet. Dadurch waren die Teilnehmer in der Lage, den übrigen
Teil ihrer Hand frei bewegen zu können, also zu schreiben, zu fühlen und zu
betasten, ohne den Kontakt zu unterbrechen. Die Sitzungen fanden entweder bei
vollkommener Dunkelheit oder bei Beleuchtung mit Rotlichtlampe statt. In
beiden Fällen lagen Leuchtplatten auf dem Tisch bereit. Diese Leuchtplatten
haben die Größe eines Quadratfußes und sind aus leichten Holzplatten mit
Handhaben, etwa wie wir sie an Toilettenspiegeln finden, hergestellt. Auf
einer Seite sind sie mit einer Leuchtmasse bestrichen. Es ist für die
Teilnehmer oft nicht nötig, das Weißlicht im Raume auszuschalten. Denn sobald
das Medium in Trance zu fallen beginnt, verlöscht das Weißlicht von selbst,
und das Rotlicht wird eingeschaltet. Ständige Sitzungsteilnehmer erzählen,
daß die Aus- und Einschaltung des Lichtes langsam und stufenweise sich vollzieht. Durch persönliche Erfahrung und
durch Informationen aus erster Hand, durch vollkommen ehrenhafte Beobachter
kann ich feststellen, daß durch das Medium Kluski folgende Phänomene
hervorgebracht werden: a) Klopftöne oder Schläge, die sehr
charakteristisch sind und etwas ganz Eigenartiges darstellen. Ich hörte sie
oftmals und habe mir das an ihnen besonders Auffallende sofort notiert, ohne
von anderen darauf aufmerksam gemacht worden zu sein. Ich konnte deutlich
hören oder noch besser fühlen, daß sie nicht auf der Oberfläche des Tisches
oder der Mauer erzeugt wurden, sondern innerhalb derselben. Ich verweile hier
länger; denn ich machte verschiedene Versuche, die von Kluski
hervorgebrachten Klopflaute nachzuahmen. Es gelang mir aber absolut nicht,
den in den Kluski Sitzungen erzeugten Ton der Schläge zu erhalten. b) Levitationen (Freischweben des
menschlichen Körpers) sah ich selbst nicht. Aber ich hörte, daß sie in
Kluskis Zirkel oftmals stattfinden. Nicht nur der Tisch wurde umgestürzt und
gehoben, auch das Medium sowie einer oder einige der Teilnehmer wurden
mehrere Fuß hoch über den Boden erhoben. c) Kluskis Spezialität ist die
Erzeugung teilweiser, meistens aber vollkommen ausgebildeter Erscheinungen
oder Phantome. Die teilweisen Materialisationen sind in der Mehrzahl Köpfe.
Diese Materialisationen erscheinen fast plötzlich über oder hinter dem Medium
oder noch öfter hinter oder zwischen Sitzungsteilnehmern, die sich entfernt
vom Medium befinden. Nach einigen heftigen und deutlich hörbaren Schlägen auf
den Tisch oder an den Wänden erscheinen leuchtende Sterne oder Funken, die
sich über den Tisch erheben und sich gegen die Zimmerdecke bewegen. Die
bläulichen Lichtfunken schwanken zwischen Erbsen- und Haselnußgröße und
erreichen an Zahl oft das Dutzend. Sie bewegen sich alle zugleich mit
ziemlicher Schnelligkeit über den Plätzen der Sitzungsteilnehmer nach allen
Richtungen hin, formen sich zu schwärmen oder zu Paaren. Manche verschwinden,
einige kommen paarweise herab bis in die Nähe der Sitzungsteilnehmer. Wenn
sie im abstand von ungefähr 16 Zoll von mir sich befanden, sah ich zu meinem
großen Erstaunen, daß es menschliche Augenpaare waren, die mich ansahen. In
wenigen Minuten formte sich aus einem solchen Augenpaar ein vollkommen
ausgebildeter menschlicher Kopf, der durch eine ebenfalls materialisierte
Hand mit leuchtender Innenfläche sehr gut beleuchtet wurde. Die Hand erhob
sich über den Kopf, um ihn von allen Seiten zu beleuchten und ihn dem
Beschauer zu zeigen. Dabei sahen die Augen die Sitzungsteilnehmer mit festen
Blicken an, und das Gesicht hatte einen freundlichen, lächelnden Ausdruck.
Ich sah eine Anzahl solcher Köpfe, manchmal zwei zu gleicher Zeit, die wie
Luftballons von einem der Teilnehmer zum anderen flogen und auf die Bitte:
‘Komm doch zu mir her!‘ von einem weit entfernten Punkte auf dem kürzesten
Wege zu dem Bittsteller hinflogen, oft quer über den Tisch und mit der
größten Schnelligkeit, wie Sternschnuppen. d) Unsichtbare, jedoch durch
Tritte, Krachen des Fußbodens hörbare Phantome stellten sich ein, deren
lebende, sanfte Hände und Finger mich im Gesicht, an den Händen und am ganzen
Körper berührten. Das Gefühl, von einer lebenden menschlichen Hand berührt zu
werden, war unverkennbar deutlich. Diese unsichtbaren Phantome bringen auf
Wunsch aus den verschiedensten Teilen des Sitzungsraumes Gegenstände herbei,
machen aber trotz der Dunkelheit nie einen Fehlgriff, stoßen nirgends an und
berühren keinen der Teilnehmer, wenn sie schwere Gegenstände, wie eine 15 kg
schwere Bronzebüste oder den mit geschmolzenem Paraffin gefüllten Eisentopf
im Gewicht von 12 kg hinstellen. e) Bei Rotlicht sichtbare
Erscheinungen traten auf. Diese Phantome nahmen meistens die auf dem Tische
liegende Leuchtplatte, den dunklen Teil gegen die Teilnehmer gekehrt, zur
Hand und beleuchteten sich selbst, indem sie von einem Teilnehmer zum anderen
gingen und jedem Gelegenheit gaben, sie ganz nahe zu betrachten. Das von der
Leuchtplatte ausgehende Licht war so gut, daß man die Poren und Erhebungen der
Haut der Phantom-Angesichter und der Hände sehen konnte. Auf der Nase eines
alten Mannes konnte ich deutlich die Zeichnung der gekrümmten feinen Äderchen
erkennen. Desgleichen konnte ich genau die Stoffart der die Phantome
bekleidenden Gewebe wahrnehmen. Ich sah die Erscheinungen in so großer Nähe,
daß ich ihren Atem hören konnte und auf meinem Gesichte ihren Hauch
verspürte. Das Eindrucksvollste und Überzeugendste an diesen Erscheinungen,
wenn sie auf uns zukamen, waren die Augen und Gesichter und deren lebhafter
Ausdruck. Auf Fragen der Sitzungsteilnehmer hin wurde der Gesichtsausdruck
ganz der Antwort entsprechend, und ein liebenswürdiges Lächeln umspielte ihre
Lippen. 1) Von Tierphantomen zeigen sich
meistens Eichhörnchen, Hunde und Katzen. Bei einer Gelegenheit kam ein Löwe
und ein andermal ein großer Vogel, ein Falke oder ein Bussard. Ich selbst sah
die zwei zuerst erwähnten Erscheinungen. Sie betrugen sich ganz ihrer Natur
entsprechend. Das Eichhörnchen hüpfte ganz natürlich auf dem Tische umher. Der
Hund lief schweifwedelnd um den Tisch, sprang auf den Schoß der Teilnehmer
und leckte ihr Gesicht. Kurzum, er betrug sich nach jeder Hinsicht so, wie
ein erzogener Hund sich gebärdet. Der Löwe benahm sich, wie mir berichtet
wurde, bedrohlicher; er schlug mit dem Schweife und streifte dabei die Möbel.
Die erschreckten Sitzungsteilnehmer waren unfähig, dieses Tier zu
kontrollieren. Sie brachen die Sitzung ab, indem sie das Medium weckten. -
Der Bussard flog umher, mit den Flügeln an den Wänden und an der Decke
anschlagend. Als er sich endlich auf der Schulter des Mediums niederließ,
wurde er mit Blitzlicht fotografiert, da ein gebrauchsfertiger Apparat vor
dem Medium stand. Zu der eben erwähnten Kategorie der
Phantome gehört auch die seltsame Erscheinung eines Wesens, das die
Zirkelteilnehmer als den Pithecanthropos bezeichnen. Er ist nämlich ein
häufiger Gast der Kluskischen Sitzungen. Da er nur bei vollkommener
Dunkelheit erscheint, ist es schwer, ihn näher zu untersuchen. Er hat das
Aussehen eines behaarten Mannes oder eines großen Affen. Sein Gesicht ist
behaart, seine Stirn ziemlich hoch; er hat lange, starke Arme und benimmt
sich sehr rauh und stürmisch gegen die Sitzungsteilnehmer. Er versucht ihre
Hände oder Gesichter zu streicheln, und meistens macht er dadurch der Sitzung
ein Ende, oder die Teilnehmer werden dazu gezwungen, weil man ihn nicht
kontrollieren kann. Ich sah oder viel mehr fühlte ihn nur einmal, als er sich
an mir rieb. Ich nahm dabei einen ganz seltsamen Geruch wahr, den ich im
Augenblick nicht definieren konnten, den mir aber einige andere, mit dem
Phantom mehr vertraute Sitzungsteilnehmer als den eines nassen Hundes
bezeichneten. Bei dieser Gelegenheit ging er hinter mir vorbei und zu der
Dame neben mir, welche die Hand des Mediums hielt. Er durchbrach die Kette
und unterbrach damit die Sitzung, daß er die Hand der Dame ergriff und sie
gegen sein Gesicht rieb. Dies erschreckte die Dame so sehr, daß sie laut
aufschrie. g) Viele Erscheinungen haben
leuchtende Hände, das heißt, die Innenfläche ist leuchtend. Das weiße, leicht
grünliche Licht ist so stark, daß, wenn die Phantome die Hände über Kopf und
Gesicht oder Gestalt halten oder gleiten lassen, jede Einzelheit so deutlich
erkennbar ist, wie wenn man Leuchtplatten verwendet. So beleuchten sie sich
selbst, um den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, sie genau betrachten zu
können. Sie richten aber auch ihre leuchtenden Hände, vielmehr Handflächen
gegen die Teilnehmer, so daß diese selbst beleuchtet sind und von ihnen
betrachtet zu werden scheinen. Bei einer solchen Gelegenheit konnte ich
deutlich wahrnehmen, daß das Licht nicht vollkommen gleich beständig war,
sondern immer vibrierend die verschiedenste Lichtstärke zeigte, obschon die
Beleuchtung der ganzen Handfläche immer die gleiche blieb. Ich konnte auch
glänzende Funken oder Strahlen sehen, die im Zickzack oder auf verschiedenen
Bahnen von der Handwurzel zu den Fingerspitzen fluktuierten. Zugleich
entströmte den leuchtenden Handflächen starker Ozongeruch. h) Eine der seltensten, wohl aber
eine der höchsten Typen ist das Phantom eines alten Mannes, das vollkommen
selbst leuchtet. - Ich habe es nur zweimal gesehen. Die Erscheinung gleicht
einer Leuchtsäule. Man sieht sie, wie ich hörte, oft im Kluski-Zirkel. Das
von ihr ausgehende Licht ist so intensiv, daß nicht nur alle
Sitzungsteilnehmer, sondern auch alle, sowohl nahe, als auch entfernte
Gegenstände, im Sitzungsraum beleuchtet werden. Die Innenseite der Hände und
die Herzgegend waren, als ich die Erscheinung selbst sah, stärker leuchtend,
als die anderen Körperstellen. Das Phantom tauchte ziemlich entfernt von uns
in der Mitte des Zimmers auf. Der Tisch, um den wir saßen, stand in einer
Ecke des Raumes und das Medium saß ganz genau in der Ecke selbst. Der alte
Mann trug eine hohe, konische Kopfbedeckung und war mit einem langen Gewand
bekleidet, das in tiefen Falten an ihm herabhing. Er kam mit majestätischen
Schritten auf uns zu, und sein Gewand bewegte sich beim Schreiten. Mit den
Händen machte er triangulären Figuren gleichende Bewegungen. Zugleich sprach
er mit tiefer, feierlicher Stimme. Er blieb ungefähr zehn Sekunden hinter
meinem Rücken stehen, bewegte die leuchtenden Hände über uns und verschwand.
Mit ihm kam eine große Welle ozonhaltiger Luft, so daß der Raum noch lange
nach Schluß der Sitzung davon erfüllt war. Das Phantom ist ein sehr alter
Mann mit einem grauen Bart. Seine Sprache war ziemlich guttural und für uns
alle unverständlich, obwohl die Zirkelteilnehmer wohl an zwölf verschiedene
Sprachen beherrschten. Diese Sprache konnte aber bisher noch von niemand
festgestellt werden, ebenso wenig wie man bis jetzt herausbringen konnte, wer
das Phantom ist. Im Zirkel wird er der ‘assyrische Priester‘ genannt, was
ganz zu der äußeren Erscheinung paßt. i) Von den Phantomen wurden Paraffinformen
gemacht. Sobald sie den mit flüssigem Paraffin gefüllten Eisentopf auf dem
Tische wahrnahmen, gingen sie mit sichtlichem Vergnügen daran und machten auf
Wunsch Formen von ganz speziellen und komplizierten Stellungen. Sie tauchten
ihre Hände in das Paraffin und ließen die handschuhartigen Formen auf den
Tisch fallen. Wenn die Phantomhand selbstleuchtend ist, so sieht man sie im
flüssigen Paraffin plätschern, wie ein Goldfisch im Aquarium. Die Handschuhe
werden ziemlich unsorgfältig von den Phantomen abgelegt. Bei einer
Gelegenheit fiel ein Paar davon vom Tisch herab auf meinen Schoß und von da
zu Boden. Ich machte die anderen Teilnehmer darauf aufmerksam und bat sie,
ihre Füße nicht zu bewegen, damit die Formen nicht beschädigt würden. Ein
Teilnehmer bat das Phantom, die Formen zu holen und auf den Tisch zu legen,
was sofort geschah. Dabei wurde mein Fußknöchel fest angefaßt und mein Bein
beiseite geschoben, damit mehr Platz würde unter dem Tische, wo sich 14 Beine
befanden. Das Phantom brauchte eine halbe bis eine dreiviertel Minute zur
Herstellung einer Form. Als ich versuchte, dies selbst zu machen, dauerte es
mehrere Minuten, bis das Paraffin so weit abgekühlt war, und auch dann war es
unmöglich, den Handschuh, ohne ihn zu zerbrechen, von der Hand zu streifen;
ja, ich konnte es nicht einmal mit einem einzigen Finger, der bis zum zweiten
Gliede in Paraffin getaucht war, fertigbringen. Als ich das Paraffin von dem
Gipsabguß durch Eintauchen in heißes Wasser ablöste, bemerkte ich eine Anzahl
von Haaren, die im Wasser schwammen. Es waren gewöhnliche Haare, von der Art,
wie sie auf Handrücken und dritten Fingergliedern vorkommen. Da ich
vollkommen sicher war, ganz reines Wasser und eine weiße Porzellanschüssel
beim Versuch verwendet zu haben, war ich durch diese Entdeckung sehr
überrascht. Ich betrachtete also nochmals die bisher gemachten Abgüsse und
bemerkte bei einem davon durch die dünne Paraffinschicht einige Haare oder
Haarflaume, die sich im Paraffin befanden. Ich erlebte in dieser Sache einen
besonders bemerkenswerten Fall. Bei einem Abguß sind die Finger zur Faust
geballt, und der Daumen schaut zwischen dem Zeige- und Mittelfinger hervor.
Bei dem hier in Betracht kommenden Versuch wurde das Phantom gebeten, etwas
ganz Kompliziertes, Eigenartiges und schwierig Nachzuahmendes zu zeigen. Man
ließ der Erscheinung jedoch ganz frei, zu machen, was sie wolle. Sie schien
eine Weile nachzudenken, um etwas ganz besonders Geeignetes zu finden. Sie
tauchte dann die ausgestreckte Hand in das Paraffin und faltete erst dann die
Finger. Bevor ich diese Form mit Gips ausfüllte, konnte ich im Inneren
mehrere unregelmäßig geformte Paraffinteile sehen, die sich in der Höhlung
des Handschuhes der Innenseite ausbreiteten und gewisse Punkte stützten. Sie
entsprachen den gekrümmten Vertiefungen zwischen den Fingern. j) Ich sah nur wenige Apporte von
kleinen Gegenständen. Es wurde mir aber gesagt, daß auch ziemlich schwere
Gegenstände aus entfernten Räumen ins Sitzungszimmer gebracht worden seien.
Das seltsamste Phänomen dieser Art war, als Kluski selbst aus dem
verschlossenen und versiegelten Sitzungsraum verschwand. Die erstaunten
Zirkelteilnehmer fanden ihn in einem ziemlich entfernten Raume der Wohnung
ruhig schlafend. k) Ich stellte ein beträchtliches
Sinken der Temperatur im Sitzungszimmer fest. Ich und andere
Sitzungsteilnehmer fühlten deutliche Kälteschauer gegen Ende der ein,
eineinhalb bis zwei Stunden dauernden Sitzungen. Die im Raume befindlichen
Thermometer zeigten gegen Ende der Sitzungen ein Sinken von sechs bis acht
Zentigraden der Temperatur an. Dies geht gegen die gewöhnliche Erfahrung, da
die Temperatur in einem Raume, der noch dazu gänzlich verschlossen ist und in
dem sich sieben Personen längere Zeit aufhalten, gewöhnlich steigt, zumal der
in Frage kommende Raum nur mäßig groß war. l) Beim Erscheinen der Phantome sah
ich etwas wie einen leuchtenden Rauch oder Nebel, der über dem Kopfe des
Mediums wie eine kleine Wolke lag. Die Wolke ging seitwärts, und in wenigen
Sekunden wurde daraus ein menschlicher Kopf, oder sie breitete sich senkrecht
aus, und es wurde aus ihr eine ganze menschliche Erscheinung, die sofort
anfing, herumzugehen. Das Überraschendste und
Interessanteste an den Erscheinungen, sozusagen das Wichtigste für mich daran
war das vollkommen menschliche Betragen derselben. Sie benahmen sich wie
Teilnehmer an einer Gesellschaft. Bei ihrem Rundgang um den Tisch begrüßten
sie die mehr familiären Teilnehmer mit einem Lächeln des Erkennens, während
sie neue Personen aufmerksam betrachteten. Der neugierige Ausdruck in ihren
Augen ist schwer zu beschreiben. Ich konnte aus ihren Bemühungen, unsere
Blicke, unser Lächeln, unsere Fragen und Antworten zu verstehen und aus ihren
Handlungen entnehmen, daß es ihnen sehr darum zu tun war, uns davon zu
überzeugen, daß sie wirkliche Wesenheiten und keine Illusionen oder
Halluzinationen sind. Auch sind die Erscheinungen nicht
immer normaler Größe. Gegen Ende der Sitzung, wenn das Medium bis zu einem
gewissen Grade erschöpft ist oder wenn es schon vor der Sitzung weniger gut
disponiert war, haben die Phantome nicht die volle Größe, sondern nur zwei
Drittel oder nur die Hälfte davon. Als ich einmal ein solches Phantom das
erstemal sah, glaubte ich, es sei ein Kind; aber bei näherer Betrachtung sah
ich an dem faltenreichen Gesicht, daß es eine alte Frau oder ein alter Mann
war, nur unter Normalgröße. “Der Zirkelleiter pflegte dann zu
sagen: ‘Wir wollen dem Medium helfen.‘ Er fing dann an, im Takt zu klopfen,
wobei alle Teilnehmer tief und gleichmäßig atmeten. Die Wirkung war wunder
bar. Die verkleinerte Phantomgestalt wuchs und erreichte in wenigen Sekunden
ihre volle Größe. Die bei Kluski sich zeigenden
Phantome gehören verschiedenen Nationen an und sprechen gewöhnlich ihre
Muttersprache. Dessen ungeachtet verstehen sie die in jeder Sprache an sie
gerichteten Worte sehr gut. Sie scheinen die Gabe zu haben, in den Seelen
anderer zu lesen. Denn es ist nicht nötig, einen Wunsch oder eine bestimmte
Frage auszusprechen. Der Gedanke allein genügt schon, um ausgeführt zu
werden. Man braucht nur zu denken, daß das Phantom dies oder jenes tun soll,
so wird es ausgeführt oder die Ausführung verweigert. In der Tat, einige von
ihnen weigern sich manchmal, gewisse Dinge zu tun, oder sie erklären, daß sie
es gar nicht machen können oder nicht zu dieser Stunde, oder sie versprechen,
es bei einer anderen Gelegenheit zu tun oder es zu versuchen. Nicht alle Erscheinungen können
sprechen. Viele ziehen es vor, sich durch Klopfen zu verständigen, was sehr
langweilig und zeitraubend ist, weil man immer mit dem Alphabet von vorne
buchstabieren muß. Die Stimmen sind vollkommen
deutlich und von normaler Tonstärke. Sie hören sich an, wie ein lautes
Flüstern. Der beim Sprechen die Gesichter
belebende Ausdruck ist sehr überzeugend. Bei einer Gelegenheit konnte ich
deutlich den Ausdruck der Erwartung im Gesicht der Erscheinung eines Türken
wahrnehmen, der sich vor mir verneigte und sagte: ‘Chokyash Lehistan‘. Als er
bemerkte, daß ich ihn nicht verstand, wiederholte er freundlich lächelnd
dieselben Worte. Nicht wissend, was er wollte, aber aus einem Sympathiegefühl
für seine ritterliche Nation heraus sagte ich zu ihm: ‘Vive la Turquie!‘ (Es
lebe die Türkei.) Man konnte deutlich sehen, wie erfreut er darüber war. Er
lächelte, seine Augen strahlten, er kreuzte die Arme, verbeugte sich und
verschwand. Ich notierte mir seine Worte in den vernommenen Lauten auf meinem
Notizblock. Am nächsten Tag ließ ich sie mir von einem Sprachenkenner
übersetzen und fand, daß es heißt: ‘Es lebe Polen!“ Das, was Professor Pawlowski als
persönliche Erlebnisse bei dem Medium Kluski berichtet, bestätigt in allen
Punkten das, was mir über die Gesetze des Geisterverkehrs mitgeteilt worden
war und besonders in dem Abschnitt über die Odkraft dargelegt ist. Bei allem, was in den Sitzungen des
Kluski vor sich geht, ist das Medium als denkende und handelnde
Persönlichkeit nicht im geringsten beteiligt. Es ist einzig und allein die
Kraftquelle, aus der die sich kundgebenden Geister das Od für die
Kundgebungen entnehmen. Kann das Medium nicht viel Od abgeben, entweder weil
es körperlich nicht wohl ist oder weil es durch vorhergegangene Odabgabe
schon sehr geschwächt ist, dann sind die Phänomene entweder sehr unvollkommen
oder ganz unmöglich. Das Od sah Professor Pawlowski als
einen leuchtenden Rauch oder Wolke oder als Funken und Flämmchen. Darin sah
er Augenpaare, dann ganze Gesichter, die sich in dem Maße der Zunahme der
Odkraft zu ganzen Gestalten entwickelten. Es ist dasselbe, was wir in den
Berichten der Bibel über den brennenden Dornbusch, die Wolken- und Feuersäule
der Israeliten, die Wolke in dem Offenbarungszelte, die Wolke auf Tabor und
die Odflämmchen am Pfingstfest finden. Das alles stand auch in der Bibel
stets in Verbindung mit der Kundgebung der Geisterwelt, wie dies in den
früheren Kapiteln eingehend nachgewiesen wurde. Wenn in dem vorstehenden Bericht
erwähnt wird, daß die kleinen Geisterverkörperungen sich zu normaler Größe
entfalteten, sobald die Sitzungsteilnehmer im Takt tief und gleichmäßig
atmeten, so ist dies nach dem Gesagten etwas Selbstverständliches. Denn nicht
bloß das Medium gibt Odkraft an die Geisterwelt ab, sondern alle
Sitzungsteilnehmer, der eine mehr, der andere weniger, besonders wenn sie
schon öfters an solchen Sitzungen teilgenommen haben. Sie sind gewissermaßen
Hilfsmedien für das Hauptmedium. Nun wird aber die Odabgabe der Teilnehmer
durch ein gleichmäßiges tiefes Atmen bedeutend verstärkt. Darum spielt die
Kunst des Atmens bei den Fakiren und ihren medialen Darbietungen eine so große
Rolle. Daß gegen Ende der Sitzungen eine
Temperaturabnahme festgestellt wurde anstatt einer zu erwartenden
Temperaturerhöhung, hat ebenfalls seinen natürlichen Grund. Es ist in der
Odlehre gesagt worden, daß nur ein verdichtetes Od für menschliche Sinne wahrnehmbar
wird und daß die Geister nur mit einem verdichteten Od auf Materie wirken
können. Ferner wurde dargetan, daß zur Verdichtung des Ods kalte Kraftströme
verwendet werden nach dem allgemein gültigen Naturgesetz, daß Kälte
verdichtet. Diese kalten Ströme müssen gegen Ende einer Sitzung in besonderer
Stärke zur Anwendung kommen, weil die Wärmeentwicklung der anwesenden
Personen auf die Odverdichtung schädlich wirkt. Die kalten Kraftströme haben
ein Sinken der Temperatur zur Folge. Professor Pawlowski wundert sich
über das menschliche Auftreten der verkörperten Geister, in deren Augen und
Antlitz er schauen, deren Gestalt er fühlen, deren Atem und Herzschlag
er hören und deren Stimme er vernehmen
konnte. Wenn man sich jedoch die früher mitgeteilte Wahrheit vor Augen hält,
daß die Geister dieselben Persönlichkeiten sind, die sie als Menschen waren,
daß sie als Geister dieselben Organe besitzen wie wir, nur daß sie bei ihnen
geistig und bei uns materialisiert sind, so verstehen wir es vollkommen, daß
bei den Geisterverkörperungen das materialisierte Geisterherz für unser Ohr
vernehmlich schlägt und wir den Atem hören, den die materialisierten Lungen
des Geistwesens genauso bewirken, wie er von unseren Lungen bewirkt wird. Demnach sind auch die erscheinenden
Einzelglieder nichts anderes, als die Verkörperung des betreffenden geistigen
Gliedes. Die Hände, die sich in die Paraffinmasse tauchten, bis das Paraffin
erkaltete, waren die materialisierten Hände eines Geistes und hatten dieselbe
Eigenart, die sie besaßen, als der Geist noch im irdischen Körper lebte.
Darum sind der Daumenabdruck oder die Fingerabdrücke einer materialisierten
Geisterhand genau dieselben, wie die Abdrücke, die sie als Menschenhand
hatte. Darum erscheinen aber auch alle sonstigen Eigentümlichkeiten, die der
Geist früher als Mensch besaß, in derselben Weise wieder, wenn er sich als
Geist vermittels des verdichteten Ods eines Mediums materialisiert. Es
erscheinen also auch die Härchen auf den Händen und Fingern wieder, wenn er
als Mensch solche an denselben Stellen hatte. Daß in dem erkalteten Paraffin
nachher von diesen Härchen einige gefunden wurden, ist also ganz natürlich.
Denn auch beim Menschen, der seine mit Härchen besetzten Finger in heißes
Paraffin taucht, wird man nachher einige von ihnen im Paraffin finden, in dem
sie sich abgelöst haben. Hier muß jedoch eine sehr wichtige
Bemerkung angefügt werden. Die Eigentümlichkeiten, welche die Geister früher
an ihrem irdischen Körper hatten, behalten sie nur so lange als Geister des
Jenseits, als sie geistig so tief bleiben, wie sie als Menschen waren.
Bessern sie sich jedoch im Jenseits, so wird auch ihre geistige Gestalt
schöner und edler, und die Mängel und Gebrechen ihrer irdischen Gestalt
schwinden. Aber auch die Geister, die im Jenseits infolge ihrer Besserung
eine andere, schönere Gestalt erlangt haben, pflegen bei Materialisationen in
spiritistischen Sitzungen dennoch in der Gestalt zu erscheinen, die sie als
Mensch hatten, indem sie diese künstlich wieder herstellen. Das tun sie nur dann,
wenn sie unter den Sitzungsteilnehmern Verwandte oder Bekannte haben, denen
sie sich zu erkennen geben wollen. Dadurch wollen sie sich ihnen gegenüber
ausweisen, daß sie dieselben sind, die früher als Menschen unter ihnen gelebt
haben. Die Paraffinformen, von denen
Professor Pawlowski spricht, konnten die Geister nur dadurch herstellen, daß
sie ihre materialisierte Hand in die flüssige Paraffinmasse tauchten und nach
Erkalten des Paraffins die Hand wieder ganz oder teilweise dematerialisierten
oder auflösten. Um die Hand aus den Paraffinformen zu ziehen, ohne sie zu
beschädigen, genügte eine teilweise Dematerialisierung der Geisterhand, also
ein Dünnerwerden der Glieder und eine kleine Verkürzung derselben. Auch
brauchte die Materialisierung im Augenblick des Paraffinbades nur die
Dichtigkeit eines dicken Nebels zu haben, um dem flüssigen Paraffin die Form
der Hand zu geben. Mit einer solchen Verdichtung der Odgestalt vermag der
Geist sogar noch durch feste Materie hindurchzugehen. Die bloß bis zur
Dichtigkeit des Nebels verdichtete Geisterhand kann also aus der Paraffinhand
heraustreten und die Paraffinmaske ablegen, ohne daß eine Auflösung der
materialisierten Geisterhand erfolgt. Der beobachtende Zuschauer nimmt daher
in diesem Falle eine Veränderung der materialisierten Geisterhand nicht wahr. Es sind für den Geist also drei
Möglichkeiten gegeben, diese Paraffin formen herzustellen und abzulegen.
Entweder bedient sich der Geist einer festen Materialisation seiner Hand und
löst sie nachher wieder ganz auf. Oder er löst die feste Materialisation bloß
teilweise durch entsprechendes Verdünnen und Verkürzen der Hand auf, oder er
nimmt bloß eine Verdichtung des Ods bis zur Dichtigkeit eines dicken Nebels
und kann dann ohne Veränderung der Hand sowohl die Paraffinformen bilden, als
sie auch ohne Beschädigung ablegen. In diesem Falle tritt die Geisterhand
durch das erkaltete Paraffin hindurch ohne Widerstand nach außen, faßt dann
die Form von außen an und legt sie auf den Tisch. Wenn Professor Pawlowski meint, die
Geister gingen mit den Formen sehr unvorsichtig um und hätten sie in einem
Falle sogar auf den Boden fallen lassen, während er doch sonst ihre große
Freundlichkeit und Zuvorkommenheit lobt, so ist ihm dabei etwas sehr
Wichtiges unbekannt. Er weiß nicht, daß es nicht in der Macht des Geistes
steht, seine materialisierte Hand eine beliebig lange Zeit in der
Materialisation zu erhalten. Er ist darin ganz von dem ihm zur Verfügung
stehenden Od und der Verdichtung des Ods abhängig. Nun löst aber Wärme das Od
auf. Infolgedessen hebt auch das heiße oder sehr warme Paraffin die
Materialisation der eingetauchten Geisterhand sehr schnell auf, und die
Odverdichtung ist beim Herausnehmen der Paraffinformen in vielen Fällen nicht
mehr stark genug, um es dem Geist zu ermöglichen, die Form vorsichtig
hinzulegen. Sie fällt hin, nicht aus Mangel an Vorsicht von Seiten des
Geistwesens, sondern aus Mangel an Odkraft und ungenügender Odverdichtung. Daß nicht bloß Geister von Menschen
sich materialisieren, sondern auch Geister von Tieren, wird uns dann
verständlich, wenn wir wissen, daß beim Tode des Tieres der Tiergeist sich in
derselben Weise vom irdischen Körper trennt, wie der Menschengeist beim Tode
des Menschen. Ein Unterschied zwischen einem Tiergeist und einem
Menschengeist besteht bloß in der Höhe der Entwicklung, aber nicht im Wesen
des Geistes selbst. Im Tiere sind niedere Geister verkörpert, im Menschen
solche, die in ihrem Aufstieg schon höher gekommen sind. Daß im Kluskischen Zirkel
Tiergeister materialisiert wurden, ist ein Beweis dafür, daß es überhaupt die
niedere Geisterwelt ist, die in jenem Zirkel die Herrschaft führt, wenn auch
hier und da bessere Geister, wie zum Beispiel der “syrische Priester“,
zwischendurch erscheinen. Es sind dies gewöhnlich die Schutzgeister des
Mediums, die, soviel in ihrer Macht steht, die Einflüsse des Bösen zu
schwächen suchen. Viel können sie dabei nicht ausrichten, wenn nicht das
Medium und die Teilnehmer durch freie Willensentscheidung nur die Verbindung
mit dem Hohen und Guten anstreben und alles Niedere ablehnen. Den größten
Schaden aus der Verbindung mit der niederen Geisterwelt hat das Medium
selbst, nicht bloß seelisch, sondern auch körperlich. Die mir erteilte
Belehrung enthält den Hinweis, daß das Böse die Odkraft, die es dem Medium
entzieht, nicht mehr ersetzt. Daher berichtet Professor Pawlowski von dem
Medium Kluski, es sei nach jeder Sitzung vollkommen ermattet und müsse öfters
noch bevor es das Bewußtsein erlangt habe, zu Bett gebracht werden, wo es
manchmal erst nach mehreren Stunden erwache. Darum ziehe es auch das Medium
vor, nur alle vierzehn Tage eine Sitzung zu halten, da es zu sehr angestrengt
werde. Das Böse, das durch die Schuld und
innere Einstellung des Mediums und der Teilnehmer einmal in solche Versammlungen
hineingezogen wurde und seine Leistungen von den Versammelten anerkannt und
beifällig aufgenommen sieht, weicht nachher nicht mehr. Es treibt, was es
selbst will und nicht, was die Teilnehmer wollen, treibt mehr als einmal den
reinsten Unfug und verursacht nicht selten schreckenerregende Szenen, denen
nur durch Aufhebung der Sitzung ein Ende bereitet werden kann. Hier gilt das
Wort: “Die ich rief; die Geister werd‘ ich nun nicht los.“ Vor allem wird die
Gesundheit des Mediums nach und nach untergraben. Daher versagen so viele
starke Medien nach einer gewissen Zeit vollständig, da ihnen bei den
Sitzungen durch die niedere und böse Geisterwelt so viel Odkraft entzogen,
aber nicht mehr ersetzt wird. Ist die Odkraft des Mediums geschwunden, so
hören auch die Phänomene auf. Und dann kommt eine neue Gefahr, der manche
Medien zum Opfer fallen. Sie, die bisher als bedeutende Medien gefeiert
wurden, haben nicht die Demut und Wahrheitsliebe, den Verlust der medialen
Kraft offen einzugestehen und suchen die fehlende Kraft durch betrügerische
Tricks zu verdecken, bis sie dabei entlarvt werden. Solche Entlarvungen
dienen dann den Unwissenden dazu, die ganze Sache des Geisterverkehrs als
Betrug und Schwindel zu betrachten. Es laden daher auch nach dieser Hinsicht
alle diejenigen eine große Verantwortung auf sich, die bei Abhaltung
spiritistischer Zusammenkünfte nicht von vornherein dafür sorgen, daß alles
nur mit Gott geschieht und das Böse ausgeschaltet wird. Wird eine Versammlung
als Gottesdienst betrachtet und gehandhabt, so sind die Teilnehmer jeder
Furcht vor dämonischem Wirken enthoben. Das Gute führt die Kontrolle, und es
wird nur das zugelassen, was nach dem Willen Gottes ist. Es kann daher auch
an dieser Stelle nicht ernstlich genug vor den spiritistischen Sitzungen
gewarnt werden, die nur aus Sensationslust oder wissenschaftlicher Neugier,
aber nicht aus dem Bestreben abgehalten werden, durch die Verbindung mit der
guten Geisterwelt Gott näher zu kommen. Durch die Feststellung des
Professors Pawlowski, daß bei den höheren Geistern der Odgeruch ein sehr
angenehmer und sehr lieblicher war, während er bei der Verkörperung des
großen Affen den abstoßenden Geruch wie bei einem nassen Hund wahrnahm, wird
das über den Odgeruch früher Gesagte vollauf bestätigt. Professor Pawlowski
schließt seinen Bericht mit folgenden Sätzen: “Es ist für jedermann unmöglich,
diese Phänomene zu verneinen oder zu verwerfen. Und es ist unmöglich, sie mit
Taschenspielertricks zu erklären. Ich erkenne vollkommen an, daß es für die
Mehrzahl schwer ist, sie zu glauben; daß es schwer ist die Möglichkeit zu
begreifen, daß innerhalb weniger Minuten lebende menschliche Wesen sich
zeigen, deren Knochen man durch das Fleisch betasten kann, deren Herzschlag
zu hören und zu fühlen ist ... Ich erkenne an, daß dies alles außer unserem
Fassungsvermögen liegt. Wir sind durch die Wunder der modernen Wissenschaft
verdorben. Wir können nur an das Natürliche glauben, das in so großer
Schönheit zu uns kommt, wir können aber an das Geheimnis des universellen Lebens,
an das vor uns so sehr gehütete göttliche Geheimnis nicht mehr glauben. Dies
anzunehmen würde unseren ganzen Standpunkt sowohl dem Leben, als auch dem
Tode gegenüber von Grund aus verändern, als auch dem der Philosophie und
Wissenschaften. Die offizielle Wissenschaft wird
das große bereits heute vorliegende Experimentalmaterial anerkennen und ihre
Hand zur Feststellung der Wahrheit leihen, ohne Rücksicht auf jene
Moralisten, die in der Anerkennung der psychischen Phänomene eine Gefahr für
Moral und Religion erblicken. Intellektuelle Feigheit ist mehr oder weniger
entschuldbar bei den Moralisten, deren kleinliche Denkungsart sich mehr mit
vergänglichen, für die Allgemeinheit vorübergehenden Dingen beschäftigt. Ein
Gelehrter, ein Wahrheitssuchender darf diesen Standpunkt nicht einnehmen.
Wahrheit wird am Ende alles bewältigen und beherrschen; man braucht sie aber
weder zu fürchten noch zu verkleinern.“ Carlos Mirabelli, das
brasilianische Medium. (Zeitschrift für Parapsychologie, Jahrgang 1927, S.
450-462.) Im Jahre 1927 erschien in Santos (Brasilien) ein Werk unter dem
Titel: “O Medium Mirabelli“. Es enthält einen Bericht von 74 Seiten über die
Phänomene, die bei einem Medium Mirabelli festgestellt wurden. Die
Erscheinungen spielten sich sämtlich bei Tageslicht oder doch hellem
künstlichem Licht ab. Manchmal waren bis zu 60 Zeugen dabei anwesend, die den
ersten wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Kreisen Brasiliens
angehörten. Da die Berichte das Unglaublichste
enthalten, was je auf diesem Gebiet erlebt worden ist, so hat sich die
Schriftleitung der “Zeitschrift für Parapsychologie“ an das brasilianische
Konsulat in München gewandt und ihm die Frage vorgelegt, ob die in dem Buch
“O Medium Mirabelli“ angeführten Persönlichkeiten, die jene Erscheinungen als
echt bezeugen, dem Konsul durch ihr Ansehen und ihren Ruf bekannt seien. Der
Konsul bejahte die Frage unbedingt und fügte noch hinzu, daß ihm 14 der
angeführten Zeugen persönlich bekannt seien, darunter der gegenwärtige Präsident
der Republik, der als Vorsitzender eines Schiedsgerichtes über das Medium
Mirabelli tätig gewesen war. Dann der im aktiven Dienst befindliche
Staatssekretär Reynaldo Porchat, der Senator Muniz Sodre und der Professor
der Medizin Olegario de Moura von der Universität Sao Paulo. Der Konsul
erklärte, wenn auch nur diese vier Männer, die nicht nur große Gelehrte,
sondern auch erprobte Charaktere seien, sich für eine Sache einsetzten, so
hätte er nicht das Recht, ihren Wahrnehmungen einen Zweifel entgegenzusetzen. Das Medium Mirabelli wurde von 557
Zeugen beobachtet. Unter diesen befanden sich 452 Brasilianer und 105
Ausländer. Es waren 2 Universitäts-professoren, 72 Ärzte, 18 Apotheker, 12
Ingenieure, 36 Rechtsanwälte, 8 Übersetzer, 3 Landwirte, 22 Zahnärzte, 5
Chemiker, 20 Literaten, 89 Staatsmärmer, 25 Offiziere, 52 Börsianer, 128
Kaufleute, 9 Industrielle, 18 Journalisten, und 32 gehörten verschiedenen
Berufen an. Auch viele Mitglieder geistlicher Orden wohnten den Sitzungen
bei. Mirabelli ist ein Universalmedium.
Seine Odkraft reicht für alle Phänomene aus, die es im Geisterverkehr gibt. Er ist Sprechmedium. Im
Trancezustand spricht er außer der Muttersprache und verschiedenen
einheimischen Dialekten folgende Sprachen: Deutsch, Französisch, Holländisch,
Englisch, 4 italienische Dialekte, Tschechisch, Arabisch, Japanisch,
Russisch, Spanisch, Türkisch, Hebräisch, Albanisch, afrikanische Dialekte,
Latein, Chinesisch, Neugriechisch, Polnisch, syrioägyptische Dialekte und
Altgriechisch. Er versteht in normalem Zustand nur seine Muttersprache. Er
hält im Trancezustand Vorträge über Dinge, von denen er als Mensch nichts
weiß. Seine Vorträge umfassen das Gebiet der Medizin, der Rechtswissenschaft,
der Soziologie, der Nationalökonomie, der Politik, der Astronomie, der Philosophie,
der Logik, der Musikwissenschaft, des Spiritismus und Okkultismus, der
Literatur. Das Medium selbst gibt an, daß
alles, was im Trancezustand von ihm gesprochen wird, nicht von ihm selbst
stamme, sondern es seien Geister, die aus ihm sprächen, und deren Namen es
angibt. Es nennt sie seine geistigen Führer. Mirabelli ist auch Schreibmedium.
Es schrieb bisher im Trancezustand in 28 verschiedenen Sprachen und zwar mit
einer Schnelligkeit, die kein Schreiber im normalen Zustand erreichen kann.
So schrieb es in 15 Minuten 5 Seiten Polnisch über das Thema: “Das
wiedererstandene Polen“. In 20 Minuten 9 Seiten Tschechisch über: “Die
Unabhängigkeit der Tschechoslowakei“. In 12 Minuten 4 Seiten Hebräisch über:
“Die Verleumdung“. In 20 Minuten Deutsch über: “Großdeutschland, seine
Zertrümmerung und Wiedererstehung“. In 40 Minuten 25 Seiten Persisch über:
“Die Unhaltbarkeit der großen Kaiserreiche“. In 15 Minuten 4 Seiten
Lateinisch über: “Die großen Übersetzungen“. In 12 Minuten 5 Seiten Japanisch
über: “Der Russisch-Japanische Krieg“. In 22 Minuten 15 Seiten Syrisch über:
“Allah und seine Propheten“. In 15 Minuten 8 Seiten Chinesisch über:
“Buddhistische Apologie“. In 15 Minuten 8 Seiten Syrioägyptisch über: “Die
Grundlagen der Gesetzgebung“. In 32 Minuten 3 Seiten Hieroglyphen, die bis
jetzt noch nicht entziffert werden konnten, und so weiter. Beim medialen Schreiben Mirabellis
wurde von den ihn kontrollierenden Gelehrten folgende Vorsichtsmaßregel
angewandt. Das Medium wurde von zwei Teilnehmern in den Sitzungssaal geleitet
und dort einer peinlichen Untersuchung seines Körpers und seiner Kleider
unterworfen. Auf einen kleinen Tisch, der weder Schubladen noch Fächer hatte,
wurde Papier und Bleistift gelegt. Mirabelli, der sich vor solchen Sitzungen
in starker Erregung befindet, nimmt bei hellem Licht auf einem Stuhl Platz.
Kontrolleure und Teilnehmer bilden um ihn einen Kreis und verfolgen genau
alle seine Bewegungen. Der Leiter der Sitzung bittet um Ruhe, bis sich der
geistige Führer des Mediums meldet. Das Medium in höchster Ekstase
fleht mit lauter Stimme um göttlichen Beistand und stimmt dann im
Trancezustand einen religiösen Hymnus an. Die Hand ergreift einen Bleistift,
schleudert ihn wiederholt von sich, ergreift ihn wieder und kommt dann in ein
fieberhaftes Schreiben. Der Bleistift eilt ohne Unterbrechung blitzschnell
über das Papier. Während des Schreibens hebt Mirabelli den Blick empor,
seufzt auf, ohne daß sich die Schnelligkeit des Schreibens mindert. Dann
wendet das Medium mit strahlendem Antlitz seine Augen nach oben, wo es seinen
geistigen Führer zu sehen behauptet, der ihm beim Schreiben die Hand führt,
und spricht liebevoll mit ihm. Der neben dem Medium stehende Sekretär nimmt
die beschriebenen Blätter weg und ordnet sie. Nun ändert sich manchmal der
Zustand des Mediums, geht von Ekstase in Apathie über und wird wieder ein
anderer: Mirabelli scheint seiner Sinne nicht mehr mächtig. Er lacht, weint,
singt, ruft irgendwelche Namen, antwortet auf Fragen, dreht und windet sich
wie ein Seiltänzer, spuckt rücksichtslos um sich, nimmt unzüchtige Stellungen
ein, versucht sich den Schädel einzurennen, Chemikalien zu trinken, schäumt
und schlägt um sich. Dann tritt Beruhigung ein, und die Sitzung kann
geschlossen werden. Die eben geschilderten Vorgänge
bedürfen zunächst einer Erklärung. Der Erregungszustand, in dem sich das
Medium vor Beginn einer solchen Sitzung befindet, rührt daher, daß es von
einer großen Anzahl von Geistwesen umgeben ist, die es stark umdrängen, gute
und böse. Diese wissen, daß jetzt das Schreiben beginnen soll. Sie drängen
sich mit Gewalt heran, um dem Medium die Hand zu führen. Es entspinnt sich
ein Kampf zwischen den guten und bösen Geistwesen. Diesen Kampf zeigt das
Ergreifen, Wiederwegschleudern und Wiederergreifen des Bleistifts. Bekommt
das Böse für einige Minuten die Oberhand, dann benutzt es den Körper des
Mediums zur Vollführung der oben geschilderten Häßlichkeiten in Wort und Tat.
Das Böse ist darauf aus, die dem Guten dienenden Medien körperlich und
moralisch zu vernichten. Mirabelli bemüht sich, nur die gute Geisterwelt in
seine Nähe zu ziehen und ihr als Werkzeug zu dienen. Das beweist sein Beten
um göttlichen Beistand. Aber daß er sich auch zu solchen Sitzungen hergibt,
die nur dem wissenschaftlichen Interesse der Teilnehmer und bei manchem
jedenfalls auch bloß der Sensationslust dienen, ist ein Fehler von ihm, der
den bösen Geistwesen große Macht über ihn verleiht. Würde er sich
ausschließlich an gottesdienstlichen Versammlungen beteiligen und so seine
mediale Fähigkeit nur dem Guten widmen, so hätten die bösen Mächte keinerlei
Gewalt über ihn, und solche gemeine und niedrige Szenen, wie die
geschilderten, würden nie vorkommen. Auch würde ihm seine mediale Kraft
erhalten bleiben, während zu befürchten ist, daß sie nach und nach schwinden
wird, wenn er sich weiter als Medium für irdische Zwecke verwenden läßt. Denn
die Schwächung seiner Odkraft durch die Bösen wird auf die Dauer so groß
werden, daß er sowohl als Medium vollständig versagen, als auch seine
körperliche Gesundheit ganz einbüßen oder zu noch Schlimmeren getrieben wird. Welche Gewalt die bösen
Geistermächte bisweilen auch den guten Geistern gegenüber entfalten, um sie
an ihrem Vorhaben zu hindern, zeigen uns die Berichte der Bibel. Als der hohe
Geist Gabriel zu Daniel geschickt wurde, um ihm die Zukunft zu enthüllen,
suchte der böse Geist, dem die Herrschaft über das götzendienerische
Perserreich übertragen war, ihn daran zu hindern und kämpfte mit ihm 21 Tage,
bis Fürst Michael dem Erzengel Gabriel zu Hilfe kam und ihn von dem Ansturm
der bösen Mächte befreite (Daniel 10,13). Mirabelli ist physikalisches
Medium. In der Apotheke Assis, Rue 15 de Novembro Nr. 9 in Sao Paulo flogen
in Anwesenheit des Mediums plötzlich die Scheiben aus den Auslagekästen. Ein
in den Gelenken beweglicher Totenkopf kam aus dem Laboratorium, blieb
schwebend in der Luft, klappte die Kinnladen auf und zu, warf verschiedene
Gegenstände durcheinander, flog hin und her und fiel endlich zu Boden, ohne
zu zerbrechen. In einer an einem Nationalfeiertag abgehaltenen
Versammlung, bei der das Medium und viele andere Personen anwesend waren,
hörten diese sowohl wie auch Anwesende und Leute aus der Nachbarschaft
Trommelwirbel und Trompetenblasen im Marschtempo. Gleichzeitig schlugen
Gläser und Flaschen, die sich in dem Saal befanden, ohne menschliche
Berührung aneinander und brachten Töne von vollendeter Harmonie hervor,
welche mit bewunderungswürdiger musikalischer Technik einen Militärmarsch
wiedergaben. Mirabelli spielte Billard, ohne das
Queue zu berühren. Dieses spielte für sich selbst. Ein Totenkopf bewegte die
Kiefer; ein ihm aufgesetzter Hut hob sich, als ob er zum Gruß gelüftet würde. Alle diese Tatsachen sind von
einwandfreien Zeugen beglaubigt. Die Originalschrift betont ausdrücklich, daß
zweifelhafte Phänomene von vornherein aus der Veröffentlichung herausgelassen
wurden. In einer Sitzung in Sao Vicente,
bei der eine größere Anzahl von Teilnehmern anwesend war, im Beisein der
Ehrengäste Dr. Mario Alvin und Dr. Annibal des Meneses, ereignete sich
folgendes: Mirabelli saß auf einem Stuhl und
wurde von allen Anwesenden scharf beobachtet. Plötzlich bewegte sich der
Sessel und verschob sich samt dem Medium von seinem Platz, und zwar, wie dies
ausdrücklich festgestellt wurde, ohne Nachhilfe der Beine Mirabellis. Dieser
wandte seine Augen zum Himmel, breitete die Arme aus und schien verzückt.
Nach einigen Minuten stillen Gebetes machte der Stuhl wieder einen heftigen
Ruck und hob sich mit dem Medium immer höher in die Luft, schwebte hin und
her und erreichte endlich eine Höhe von zwei Metern vom Fußboden. Die
Anwesenden nahmen sofort eine Nachprüfung des Sitzungszimmers vor. Die
Erhebung (Levitation) dauerte ausgezählte 120 Sekunden. Die Kontrolleure
begleiteten den ohne Stützpunkt in der Luft schwebenden Stuhl. Dieser bewegte
sich in einer bestimmten Richtung fort und war schließlich 2,30 Meter von
seinem ursprünglichen Platz entfernt und senkte sich dann langsam zu Boden.
Das Medium war unterdessen in Trance und sprach mit verschiedenen Geistwesen.
Nach dem Erwachen erinnerte sich Mirabelli an nichts. Wie bereits in dem Kapitel über die
“Medien“ gesagt worden ist, sind die physikalischen Phänomene in den meisten
Fällen eine Wirkung niedriger, wenn auch nicht immer böser Geistwesen. Gute
Geister geben sich zu solchen Experimenten, wie sie in dem vorigen Abschnitt
als physikalische Phänomene Mirabellis angeführt wurden, im allgemeinen nicht
her. Ausnahmsweise beteiligten sie sich an derartigen Dingen, wenn damit ein
gottgewollter Zweck verbunden ist, zum Beispiel einem gottsuchenden Menschen
ein Beweis von der Existenz jenseitiger Geistwesen erbracht werden soll. Aus der Wohnung Pinto de Queiros in
Sao Paulo wurde nach vorheriger Ankündigung ein Revolver, der in einem Koffer
eingeschlossen war, in die Wohnung des Herrn Watson apportiert. Ferner wurde
bei hellem Tageslicht aus der Wohnung des Herrn Watson ein Bild in das Büro
einer Versicherungsgesellschaft apportiert. Es war eine Entfernung von
mehreren Kilometern. Dort fiel es krachend zu Boden und erregte ein
ungeheures Aufsehen. Mirabelli befand sich mit
verschiedenen Personen auf dem Bahnhof da Luz und war im Begriff, sich nach
Santos einzuschiffen, als er plötzlich nicht mehr zu sehen war. Etwa 15
Minuten später wurde aus Sao Vicente, einer 90 Kilometer von da Luz
entfernten Stadt telefoniert, und es stellte sich heraus, daß das Medium
genau zwei Minuten nach seinem Verschwinden aus Sao Paulo in Sao Vicente
anwesend war. Gelegentlich einer Sitzung der
Untersuchungskommission zu Ehren des Dr. Enrico de Goes, in Anwesenheit
vieler Gelehrter, verschwand Mirabelli aus dem Sitzungsraum, ohne seine
Fesseln gelöst zu haben und ohne eine Plombe an Fenstern und Türen zu
verletzen. Man fand das Medium in einem Nebenzimmer auf einem Sofa liegend,
noch in Trance eine religiöse Hymne singend. Diese sogenannten “Apporte“ gehören
in das Gebiet der Dematerialisierung und Rematerialisierung der Materie. Sie
wird an der einen Stelle aufgelöst und in Odform verwandelt, in diesem
Zustand durch Wände und verschlossene Türen transportiert und an einem
anderen Ort wieder zur festen Materie verdichtet. Die Bibel enthält mehrere
Beispiele desselben Vorganges. Der Prophet Habakuk, der aus weiter Ferne an
die Löwengrube zu Daniel gebracht wurde. Der Jünger Philippus, der an einer
Stelle plötzlich verschwand und in demselben Augenblick in einer weit
entlegenen Stadt war, sowie die Befreiung des Petrus aus dem Gefängnis bei
verschlossenen Kerkertüren. – Das alles ist nach denselben Gesetzen der Auflösung
und Wiederverdichtung der Materie vor sich gegangen, wie bei dem Medium
Mirabelli. Mirabelli als
Materialisationsmedium. Das Gewaltigste, was an
Geisterverkörperungen in der heutigen Zeit erfolgte, sind die
Materialisationen, die sich bei dem Medium Mirabelli abspielten. Es war in einer Sitzung im
Laboratorium der Studienkommission in Santos unter dem Vorsitz der Herren Dr.
Estanislau de Camargo, Alberto Riveira und J.F. Schmid. Anwesend waren
zahlreiche angesehene Persönlichkeiten. Es war vormittags 9 Uhr. Der
Versuchsraum war 10 mal 11 Meter groß. Er lag im Erdgeschoß. Die
Straßenfenster waren durch eiserne Riegel abgeschlossen. Der Fußboden bestand
aus schmalen Brettern, die eines nach dem anderen darauf untersucht wurden,
ob sie nicht für betrügerische Manipulationen zugerichtet seien. Es wurde
alles in Ordnung befunden und festgestellt, daß man nur dann ins Zimmer
dringen könne, wenn man die dicken Mauern oder die in Stein eingelassenen
Türen einrennen würde. Mirabelli saß auf einem Stuhl. Er
erbleichte, als Zeichen, daß Tieftrance eintrat. Seine Augen wurden
herausgetrieben und er wand sich, als ob ihn jemand an der Gurgel drosselte.
Starker Schweißausbruch trat auf. Plötzlich hörte man von einem Tisch des
Saales her drei Schläge, und eine kindliche Stimme rief: “Papa!“ – Doktor
Ganymed de Souza, einer der Anwesenden, erklärte tief ergriffen, er erkenne
die Stimme seines Töchterchens, das in der Hauptstadt an der Grippe gestorben
war. Während alle in höchster Spannung warteten, erblickte man endlich an der
Seite des Mediums die Gestalt eines Mädchens. Der Vater, kaum mehr seiner
Sinne mächtig, tritt aus dem Kreis, ruft seine Tochter an, geht zu ihr hin
und schließt sie in die Arme. Unter Schluchzen versichert Dr. de Souza immer
wieder, daß er seine Tochter umarme und daß das Kleid, welches die
Erscheinung trage, dasselbe Kleid sei, mit dem man sein Kind in das Grab
gelegt hätte. Während dieses Vorganges lag
Mirabelli wie im Todeskampf. Er war zusammengekauert, wachsfarben, mit
vollkommener Muskelerschlaffung, schwacher und pfeifender Atmung. Der Puls
war kaum zu fühlen. Coronel Octavio Viana erhob sich,
um sich ebenfalls von der Wirklichkeit der Erscheinung zu überzeugen. Auch er
nahm die Kleine in die Arme, fühlte ihr den Puls, schaute ihr in die tiefen
unergründlichen Augen, stellte Fragen an sie, die sie mit monotoner,
trauriger Stimme, aber sinngemäß beantwortete. Viana bestätigte ebenfalls die
Echtheit der Erscheinung. Dr. de Souza frischte Kindheitserinnerungen seiner
Tochter auf und erhielt verständnisvolle Antworten. Die Erscheinung wurde
fotografiert. Ein Bild davon ist dem Bericht der Untersuchungskommission
beigegeben. Nach der fotografischen Aufnahme
begann das Kind im Raume zu schweben. Es erhob sich in die Luft und tummelte
sich wie ein Fisch in seinem Element. Die Teilnehmer waren aufgestanden und
gingen hinter der Erscheinung her, die mit der Hand leicht erreichbar war.
Das Medium machte mit seinen Unterarmen die Bewegungen des schwebenden Kindes
gleichzeitig mit. Nachdem das Mädchen noch einige Sekunden in der Luft
schwebend gesehen worden war, verschwand es plötzlich. Es hatte sich 36
Minuten bei Tageslicht unter einwandfreien Bedingungen einer Versammlung
gebildeter Männer gezeigt, welche bezeugen, daß sie ein ausgebildetes
menschliches Wesen vor sich hatten. Dr. Ganymed de Souza verlor sein
Kind zum zweitenmal – so tief hatte ihn das Erlebnis ergriffen. – Das
Protokoll dieses Vorganges ist von zehn Doktoren der Wissenschaft, die dabei
anwesend waren, zur Beglaubigung der Richtigkeit unterschrieben. Nachdem das Medium die ungeheure
Nervenanspannung des eben geschilderten Phänomens überwunden hatte, blieb es
noch lange zitternd und erschöpft. Es war noch nicht wieder bei Kräften, da
kam aus einem Schrank, in dem sich ein für Studienzwecke bestimmter
Totenschädel befand, heftige Schläge. Der Totenschädel wurde von einer
unsichtbaren Kraft wütend hin- und her- geschleudert, als ob er sein
Gefängnis sprengen wollte. Ein Teilnehmer näherte sich dem Schrank, um ihn zu
öffnen. Aber dessen Türen sprangen plötzlich von selbst auf. Der Totenschädel
kam heraus und stieg unter greulichem Zähneklappern in die Luft. Dr. Ganymed
de Souza wunderte sich im Stillen, daß nicht auch das zum Kopf gehörige
Skelett sich zeige. Wie zur Antwort bildeten sich sofort der Halswirbel, dann
Brustkorb und Arme, die Wirbelsäule, Beckenknochen, die Beine und schließlich
die Füße mit allen Knochen. Das Medium, an beiden Armen gehalten, stößt eine
Menge schaumigen Speichel aus und schlägt auf seinem Stuhl wütend gegen sich selbst.
Alle Schlagadern scheinen gestaut und pochen heftig. Mirabelli verbreitet
einen starken Leichengeruch, der die Anwesenden in hohem Maße belästigt und
das Zimmer derart verpestet, daß selbst frische Luft ihn nicht vertreibt. Das
Skelett stellt sich auf die Beine und schickt sich an, mit unsicheren, großen
Schritten durch das Zimmer zu gehen. Scheint es zu stürzen, so bringt es sich
wieder ins Gleichgewicht. Dr. Ganymed de Souza sucht sich durch Berührung von
der Echtheit der Erscheinung zu überzeugen. Er beklopft die harten
schmierigen Knochen, empfindet einen Nervenschlag und kehrt wieder an seinen
Platz zurück. Das Medium krümmt und windet sich auf seinem Stuhl und ist nur
mit Mühe festzuhalten. Das Skelett setzt seinen unheimlichen Rundgang fort. Die
Teilnehmer, angeregt durch das Beispiel des Dr. Ganymed dc Souza, überwinden
ihren Abscheu, erheben sich einer nach dem anderen und berühren diese düstere
Verkörperung des Todes und des Nichts. Alle sind erschüttert. Der
Leichengeruch bleibt bestehen. Das Skelett beginnt langsam, in ausgezählten
Minuten, sich aufzulösen, anfangend bei den Füßen, bis schließlich nur mehr
der Schädel in der Luft schwebt, der nun nicht mehr mit den Kinnladen
klappert, sondern auf den Tisch fällt und dort liegenbleibt. Alles das geschah um 9.45 Uhr
vormittags bei strahlender Sonne unter einer fast polizeimäßigen Kontrolle in
Gegenwart vieler gebildeter Persönlichkeiten und währte 22 ausgezählte
Minuten. Während die Anwesenden noch das
vorhergehende Erlebnis besprachen, geriet das Medium wieder in einen
Erregungszustand und behauptete, im Zimmer die Gestalt des Bischofs Dr. Jose
de Camargo Barros zu sehen, der beim Schiffbruch der “Syrio“ ums Leben
gekommen war. Die Unterhaltung wurde schnell abgebrochen und Mirabelli unter
die vorschriftsmäßige Kontrolle genommen, welche die Herren Ataliba de Aranha
und Odassio Sampaio übernahmen. Süßer Rosenduft erfüllte das Zimmer. Das
Medium fiel in Trance. Innerhalb des Zirkels wurde
plötzlich ein feiner leichter Nebel gesehen, auf den sich alle Augen
richteten. Der Nebel teilte und verdichtete sich, glänzte wie eine goldene
Wolke, aus der sich langsam in ausgezählten Minuten eine Gestalt ablöste, die
lächelnd, das bischöfliche Barett auf dem Haupte, angetan mit allen Insignien
seiner Würde, sich vom Stuhl erhob und mit lauter, allen vernehm-barer Stimme
seinen Namen: Dr. Jose de Camargo Barros nannte. Die Anwesenden
vergewisserten sich, daß sie keiner Täuschung zum Opfer fielen. Dr. Ganymed
de Souza erhob sich, näherte sich furchtlos mit mehreren Schritten der
Erscheinung und blieb ihr gegenüber stehen. Diese sagte nichts, lächelte dem
Forscher zu, der nun ganz an sie herantrat, sie berührte, sie gründlich
abklopfte, gegen die Zähne schlug, mit dem Finger den Gaumen prüfte, um das
Vorhandensein von Speichel festzustellen. Er horchte Herz und Atmung ab,
legte sein Ohr auf den Bauch des Bischofs, um sich von der Tätigkeit der
Eingeweide zu überzeugen, untersuchte Nägel und Augäpfel, deren Blutäderchen
er noch besonders prüfte und kehrte auf seinen Platz zurück. Kein Zweifel –
es war ein Mann, der hier weilte. Die übrigen Beobachter folgten dem
Beispiel des Dr. Ganymed de Souza, und allen zeigte sich der geheimnisvolle
Gast gleich gefällig. Alle überzeugten sich, daß kein frivoles Spiel mit
ihnen getrieben wurde, sondern daß tatsächlich ein menschliches Wesen mit
menschlichen Organen vor ihnen stand. Der Bischof unterhielt sich mit den
Anwesenden in reinem, gewähltem Portugiesisch. Zum Schluß sagte er: “Nun
geben Sie wohl acht, wie ich verschwinde!“ Er begab sich zu dem Stuhl des
Mediums, welches in Tieftrance lag. Die Teilnehmer verfolgten gespannt jede
einzelne Bewegung, damit ihnen nicht das Interessanteste des Phänomens,
nämlich die Dematerialisierung, entginge. Bei dem immer noch in Trance befindlichen
Medium angelangt, beugte sich der Bischof über Mirabelli, legte ihm die Hände
auf und betrachtete ihn eine Weile schweigend. Die Anwesenden bildeten um die
beiden einen Kreis. Der materialisierte Körper des Bischofs zuckte mehrmals
heftig zusammen, begann zu schwinden und wurde immer kleiner. Das Medium, in
kaltem Schweiß gebadet, röchelte laut. Die Erscheinung verkürzte sich auf
etwa 30 Zentimeter und verschwand dann mit einer Plötzlichkeit, die nicht zu
beschreiben ist. Wieder erfüllte starker, süßer Rosenduft den Raum. Mirabelli
kam langsam zu sich. Die nachfolgende Untersuchung ergab keine natürliche
Erklärung des Vorgefallenen. In Santos, dem Sitz der Akademie,
wurde um 15.30 Uhr eine Nachmittagssitzung gehalten. Die Ergebnisse dieser
Sitzung sind durch 60 Unterschriften bestätigt. Nachdem zuerst die Gestalt einer
mit den Anwesenden plaudernden Frau erschienen und wieder verschwunden war,
hob sich nach wenigen Minuten eine Glocke in die Luft und läutete mit
silberhellem Ton. Mirabelli erwachte aus der Trance und behauptete, neben dem
Tisch eine ehrfurchtgebietende Gestalt zu sehen, die in weißes Linnen
gekleidet und von einer glänzenden Aura umgeben sei. Die Glocke in der Luft
läutete unaufhörlich. Verschiedene abseits sitzende Anwesende erhoben sich
und näherten sich dem eigentlichen Zirkel, der durch die
Untersuchungskommission gebildet wurde. Nun vernahm man einen Lärm, als ob
jemand mit den Absätzen hart auf den Boden auftrete. Da verkündeten die
Herren Oberst Soares und Dr. Oetavio Moreira Cavalcanti die Anwesenheit des
verstorbenen Dr. Bezerra de Meneses, der als hervorragender Kliniker in aller
Andenken stand. Die Erscheinung wandte sich zu den Anwesenden, sprach mit
ihnen über seine Person und bestätigte ihnen seine Gegenwart. Die Sprache und
die bestimmte Art des Auftretens machte auf alle einen tiefen Eindruck. Das
Megaphon trug seine Stimme durch den ganzen Raum. Es gelangen verschiedene
fotografische Aufnahmen. Die Herren Dr. Assumpcion und Dr.
Mendonea näherten sich nun der verhüllten Gestalt und unterwarfen sie einer
eingehenden Untersuchung, welche 15 Minuten dauerte und den Beweis lieferte,
daß es sich um eine mit allen natürlichen Organen versehene, anatomisch genau
gebaute menschliche Gestalt handle. Hierfür bürgen die anwesenden Gelehrten
mit ihren Namen. Nachdem die Geisterverkörperung den
Anwesenden die Hand gedrückt hatte, kündigte sie ihr Verschwinden an. Sie
schwebte wie ein Flugzeug durch die Luft. Zuerst verschwanden die Füße, dann
die Beine, schließlich der Unterleib. Nur Brust, Arme und Kopf waren noch
sichtbar. Dr. Archimedes Mendonea, der wie die übrigen Anwesenden den Vorgang
mit heftiger Spannung verfolgt hatte, näherte sich dem noch vorhandenen Rumpf
der Materialisation und griff danach. Da fiel er wie leblos zu Boden, während
das Gebilde völlig verschwand. Dr. Mendoneas kam im Nebenzimmer wieder zu
sich. Er behauptete, eine klebrige Masse zwischen den Fingern gefühlt zu
haben, ehe ihm die Sinne schwanden. Mirabelli befand sich nach dem
Erwachen in einem Zustand starker Erschöpfung. Seine Fesseln erwiesen sich
als unversehrt. Ebenso die Plomben der Türen und Fenster. Der Bericht der
Untersuchungskommission enthält 34 Abbildungen, von denen die ersten drei die
Versuchsbedingungen, die Verschnürung Mirabellis, sowie die Überwachung durch
die Kommission darstellten. Außerordentlich merkwürdig ist die Aufnahme, bei
welcher Mirabelli in weißem Kostüm sich mitten in dem vierzehnköpfigen
Untersuchungskomitee befindet. Seine Unterarme sind dematerialisiert. Links
sieht man nichts und rechts nur einen leichten Schatten an deren Stelle. Bei
den meisten befindet sich die materialisierte Gestalt mit dem Medium zusammen
auf der Platte. In einzelnen Fällen sitzt die Verkörperung mit dem Medium und
den Versuchleitern um den Tisch, und man könnte glauben, es handle sich um
eine lebendige Person, die zu dem Kreise der Kommission gehöre. Die Schriftleitung der Zeitschrift
für Parapsychologie sagt mit Recht: “Man hat gegenüber einer so umfassenden
Zeugenschaft und einer so gründlich geführten Untersuchung nicht das Recht,
dieses neue, gewaltige Dokument für die Echtheit mediumistischer
Erscheinungen einfach zu ignorieren.“ Wenn wir den Bericht über die bei
dem Medium Mirabelli aufgetretenen Phänomene an Hand der in diesem Buch
niedergelegten Odgesetze durchgehen, so wird uns alles verständlich werden.
Alles geschieht nach unveränderlichen Gesetzen, mögen nun die Erscheinungen
in Europa oder in Amerika oder in einem anderen Erdteil vor sich gehen, mögen
sie aus der alten oder der neueren Zeit berichtet werden. Das Erscheinen der
drei Männer bei Abraham‚ die Materialisation des Engels Raphael bei Tobias‚
die Verkörperung Christi nach seiner Auferstehung und unzählige andere
Geisterverkörperungen kamen nach denselben Gesetzen zustande, wie die hier
geschilderten Materialisationen bei Mirabelli. Der einzige Unterschied
zwischen den erstgenannten Verkörperungen und denen bei Mirabelli ist der,
daß uns bei der Verkörperung der hohen Geister Gottes die Odquelle für die
Materialisation nicht angegeben ist, während bei den in Brasilien erfolgten
Geisterverkörperungen Mirabelli als Medium die Hauptodquelle bildete und von
den Sitzungsteilnehmern die meisten jedenfalls so medial veranlagt waren, daß
sie als Hilfsmedien ohne Trancezustand Od abgaben. An anderer Stelle ist auf
die wichtige Tatsache hingewiesen worden, daß die hohen Geister, wenn sie im
Auftrag Gottes den Menschen Kundgebungen vermitteln sollen, das erforderliche
Od in unbegrenztem Maße zur Verfügung gestellt bekommen, so daß sie auf
menschliche Medien nicht angewiesen sind. Aber die Gesetze ihrer Kundgebungen
sind dieselben. Das Sprechen und Schreiben Mirabellis in den vielen fremden
Sprachen und über die mannigfachsten Themata geschieht durch die
verschiedenen Geistwesen, die sich des Mirabelli bloß als Werkzeug bedienen.
Die Apporte kommen dadurch zustande, daß die Geisterwelt mit Hilfe der
Odkraft des Mediums die Kraftströme erzeugt, die zur Auflösung der Materie und
zu ihrer Wiederverdichtung erforderlich sind. Die Materialisierung und
Dematerialisierung der Geister erfolgen unter Anwendung derselben Kraftströme
und unter Verwendung des Ods und der körperlichen Materie des Mediums. In dem
deutschen Auszug des brasilianischen Berichtes ist leider nicht erwähnt, wie
groß der Gewichtsverlust des Mediums während der Zeit der
Geisterverkörperungen gewesen ist. Die betäubenden Schläge, welche diejenigen
erlitten, die das in Auflösung begriffene Phantom berührten, kamen von den
odischen Kraftströmen her, welche die Auflösung bewirkten. Dieselbe
Einwirkung der Kraftströme würden diejenigen an sich erfahren haben, die den
Versuch gemacht hätten, die sich bildenden Verkörperungen zu berühren. Bei
vollendeter Materialisation sind die Ströme ausgeschaltet, und ihre Berührung
hat keinerlei nachteilige Folgen. Daß bei den materialisierten
Geistwesen alle Organe des menschlichen Körpers vorhanden waren, ist darin
begründet, daß der Geist diese Organe geistig besitzt. Er braucht sie mit
Hilfe des menschlichen Ods bloß entsprechend zu verdichten, um sie in der
materiellen Form eines menschlichen Leibes sichtbar zu machen. Derselbe
Vorgang vollzog sich ja bei Mirabelli selbst, als er aus dem Sitzungsraum
durch verschlossene Türen hindurch verschwand und nachher in einem anderen
Zimmer lag. Das Verschwinden aus dem verschlossenen Raum war nur möglich,
indem sein materieller Körper in einen Odkörper aufgelöst wurde. Dieser
Odkörper wurde dann in dem anderen Zimmer wieder zum festen Körper
materialisiert in derselben Weise und nach den selben Gesetzen, wie bei den
materialisierten Geistern die Verkörperung vor sich ging. Der liebliche Duft des Ods der
hohen Geister im Gegensatz zu dem Leichengeruch der materialisierten tiefen
Geister ist durch das, was in der Odlehre über den Odgeruch gesagt wurde,
hinreichend klar. Das Hellsehen an einem Sterbebett. (Zeitschrift für Parapsychologie,
Jahrgang 1927, S. 475-476.) Ein Mann aus San Francisco teilt mit, was er am
Sterbebett seiner Frau fünf Stunden lang geschaut hat. Folgendes ist sein
Bericht: “War ich einer Sinnestäuschung
unterworfen oder plötzlich hellsehend geworden in den letzten fünf Stunden,
die unmittelbar dem Scheiden meiner Frau vorausgingen, das ist für mich heute
eine Streitfrage, deren befriedigende Lösung mir wohl niemals zuteil wird. Ehe ich zur Erzählung der kleinen
Begebenheit schreite, möchte ich zu Nutzen und Frommen des Lesers unbedingt
vorausschicken, daß für mich weder alkoholische Getränke noch Kokain oder
Morphium in Betracht kommen. Auch bin ich keineswegs nervös oder
phantastisch. Vielmehr gelte ich als kaltblütig, ruhig und besonnen und stehe
alledem ungläubig gegenüber, was man mit Spiritismus bezeichnet. Allen meinen Freunden ist bekannt,
daß meine Frau am Freitag, dem 23. Mai 1902, ein Viertel vor 12 Uhr nachts
von hinnen schied. Um sie herum versammelt waren einige meiner vertrautesten
Freunde, wie auch der behandelnde Arzt mit zwei geprüften
Krankenpflegerinnen. Die rechte Hand der Kranken in der meinigen haltend, saß
ich an der Seite des Krankenbettes. So vergingen zwei Stunden, und noch keine
Änderung war eingetreten. Der Diener lud zum Essen ein. Aber niemand war
geneigt, dieser Aufforderung zu einer Stärkung nachzukommen. Gegen 6.30 Uhr
forderte ich doch dringend die Anwesenden auf, sich zum Essen zu begeben, da
man ja nicht wissen könne, wie lange sich die Nachtwache noch hinziehen
könne. Sie verließen denn alle das Zimmer. Eine viertel Stunde später sah ich
unwillkürlich einmal nach der Türe und bemerkte, wie drei getrennte, aber
deutliche Wolkenschichten in das Zimmer hineingeweht wurden. Jede Wolke
schien eine Ausdehnung von etwa vier Fuß in der Länge zu haben, sechs bis
acht Zoll in der Breite, und die unterste war zwei Fuß von dem Boden
entfernt. Die anderen schienen in Zwischenräumen von etwa sechs Zoll sich zu
bewegen. Mein erster Gedanke war nun, daß
einige Freunde vor dem Schlafzimmer ständen, Zigarren rauchend, und die
Rauchwolken drängen ins Zimmer ein. In diesem Gedanken sprang ich auf, um
ihnen meine Ungehaltenheit kundzugeben. Aber da stand niemand an der Türe,
noch war jemand auf dem Gang oder in den Nebenzimmern zu sehen. Erstaunen überkam mich, und ich sah
nach den Wolken. Diese näherten sich leise dem Bette, bis sie dasselbe
vollständig eingehüllt hatten. Als ich dann in den Nebel hineinstarrte,
gewahrte ich zu Häupten meines im Sterben liegenden Weibes eine weibliche
Gestalt, etwa drei Fuß groß, durchsichtig, dennoch wie ein lichter Schein von
leuchtendem Gold, eine Frauengestalt, so erhaben von Anblick, daß mir die
Worte fehlen, sie genauer zu beschreiben. Eingehüllt in ein griechisches
Gewand mit langen, lose herabwallenden Ärmeln. Auf ihrem Haupt eine
strahlende Krone. So stand die Gestalt in ihrem vollen Glanze und ihrer
Schönheit unbewegt da, ihre Hände über meine Frau erhoben. Sie schien ihr
gleichsam ein Willkommen zu bieten mit heiterer, stiller Miene, würdevoll
Ruhe und Frieden ausstrahlend. Zwei andere Gestalten in Weiß knieten an der
Seite meines Weibes und lehnten sich anscheinend an sie an. Andere Gestalten
schwebten über dem Bett, mehr oder weniger deutlich. Über meiner Frau, indessen durch
ein Band mit ihr verbunden, schwebte eine unbekleidete, weiße Gestalt,
anscheinend ihr Odkörper. Zeitweise verhielt sich die so verbundene Person
vollständig ruhig. Dann aber schrumpfte sie in sich zusammen, bis sie nicht
größer als 18 Zoll war. Der Odkörper war vollständig, Arme und Beine, alles
vollständig. Während der Odkörper so an Gestalt abnahm, wandte er sich öfter
hin und her, schlug mit den Armen und Beinen um sich, vermutlich in der
Absicht, sich freizumachen und zu entkommen. Er wand sich so lange hin und
her, bis er entkräftet zu sein schien. Dann wurde er ruhig, nahm wieder an
Größe zu, um das nämliche Spiel von neuem beginnen zu lassen. Diese Vision, oder was es auch sein
mochte, habe ich andauernd während der ganzen fünf Stunden gehabt, die dem
Scheiden meiner Frau vorausgingen. Unterbrechungen, zum Beispiel wenn ich mit
meinen Freunden sprach, meine Augen schloß und den Kopf abwandte, vermochten
das Blendwerk nicht im mindesten zu beeinflussen. Denn sobald ich meinen
Blick wieder auf das Sterbebett richtete, war auch die Geistererscheinung zu
sehen, diese ganzen fünf Stunden hindurch hatte ich ein seltsames Gefühl der
Bedrückung. Eine schwere Last lag auf meinem Kopf und meinen Gliedern. Meine
Augen waren schwer und voll Schlaf. Und während dieser Zeit waren die
Empfindungen so seltsam, die Erscheinungen so beständig und lebhaft, daß ich
glaubte, den Verstand zu verlieren. Und mehr als einmal sagte ich zu dem
behandelnden Arzt: ‘Herr Doktor, ich verliere meinen Verstand.‘ Endlich trat der verhängnisvolle
Augenblick ein. Ein Keuchen, der Odkörper wand sich hin und her; mein Weib
hörte auf zu atmen. Es hatte den Anschein, als sei sie nun tot. Einige
Augenblicke später jedoch begann sie wieder zu atmen, zweimal – und dann war
es still. Mit ihrem letzten Atemzug war das Verbindungsband plötzlich
abgerissen und der Odkörper verschwunden. Die Wolken und die Geistergestalten
verschwanden ebenfalls augenblicklich. Und seltsam, das ganze schwere Gefühl,
das auf mir gelastet hatte, war mit einem Male von mir gewichen. Ich war mir
selbst wiedergegeben, kaltblütig, ruhig und besonnen und von dem Augenblick
des Todes an befähigt, alle Anordnungen inbetreff des irdischen Körpers und
seiner Bestattung zur letzten Ruhe zu treffen. Ich muß es nunmehr meinen Lesern
überlassen, darüber zu urteilen, ob ich einer Sinnestäuschung unterworfen war
infolge des Grams, des Herzleides und der Ermattung, oder ob nicht doch ein
Schimmer jener geistigen Welt mir ihrer Schönheit, Glückseligkeit, Ruhe und
Frieden meinen sterblichen Augen vergönnt war.“ Die hier geschilderten Erlebnisse
am Sterbebett waren keine Sinnestäuschung, sondern Wirklichkeit. Das Schauen
der geistigen Gestalten durch den Ehegatten der Sterbenden hing von zwei
Vorbedingungen ab: Zunächst mußte der Gatte die mediale Veranlagung zum
Hellsehen haben, wenn diese auch noch unvollkommen bei ihm ausgebildet war.
Ferner mußte soviel Od im Zimmer vorhanden sein, daß die Geistwesen ihre
Gestalten damit sichtbar machen konnten. Als Odquelle kam vor allem die
Sterbende selbst in Betracht. Im Sterben löst sich ja das Od vom Körper. Aber
auch der Ehegatte der Sterbenden gab wegen seiner medialen Veranlagung Odkraft
ab. Das Gefühl des Druckes, der
Schläfrigkeit und Müdigkeit, das während jener Stunden auf ihm lastete, rührt
von der Odabgabe her und schwand darum wieder, als nach dem Aufhören der
Geistererscheinung das von ihm abgegebene Od wieder in seinen Körper
zurückströmte. Auch hier war das Od in der Form
von Odwolken sichtbar, die das ganze Sterbebett einhüllten. Aus ihnen
bildeten sich dann die Gestalten der Geistwesen. Daß er nicht alle über dem
Bett schwebenden Geistwesen deutlich sehen konnte, kam daher, daß die
vorhandene Odmenge nicht ausreichte, um sämtliche anwesenden Geister gleich
deutlich in Erscheinung treten zu lassen. Bei jedem Sterbenden sind Geister
des Jenseits anwesend. Meistens sind es verstorbene Angehörige und Freunde.
Außerdem jene Geister, die als Schützer und Führer bei seinen Lebzeiten um
ihn waren. Viele Sterbende nehmen diese
Geister ebenfalls hellsehend wahr. Denn der Geist der Sterbenden ist in den
letzten Stunden ja schon teilweise vom Körper gelöst und daher zu einem
geistigen Schauen befähigt. Er erkennt die Gestalten der vor ihm
Verstorbenen, die bei seinem Sterben anwesend sind und nennt sie mit Namen. Diese Geister haben nicht bloß die
Aufgabe, den Sterbenden ins Jenseits abzuholen, sondern sie sind auch bei der
Lösung des Geistes vom Körper des Sterbenden mit tätig. Überall, wo eine Anzahl Geister zu
einem bestimmten Zweck erscheinen, haben sie einen Führer, der ihnen
übergeordnet ist. In unserem Falle war der
Führergeist jene herrliche Frauengestalt, die der Ehegatte über dem Bette
seines sterbenden Weibes schweben sah. Sie leitete die Arbeit, welche die ihr
unterstellten Geistwesen bei der Sterbenden zu verrichten hatten. Was der Mann als weiße, nackte
Gestalt über dem Körper seines sterbenden Weibes sich auf- und abbewegen sah,
war der Odkörper der Sterbenden. Das Hin- und Herwinden dieser Odgestalt, die
in allem das Abbild der Sterbenden war, ist durch die Anstrengung bedingt,
die der Geist der Sterbenden in der Hülle des Odkörpers machen mußte, um das
Odband durchzureißen, das ihn noch mit dem materiellen Körper verband, als
sich schon der übrige Odkörper gelöst hatte. Auch der Ehegatte sah dieses
Band deutlich. Das Odband hat naturgemäß eine große Festigkeit und kann nicht
leicht durchgerissen werden. Besondere Fälle des Hellsehens. (Zeitschrift für Parapsychologie,
Jahrgang 1926, S. 22-25.) In einem Artikel der eben genannten Zeitschrift
bespricht Professor Dr. Österreich einige Fälle von Hellsehen, die der in
Mexiko lebende Arzt Pagenstecher bei einer Patientin Maria Reyes de Z.
festgestellt hat und die auch von dem Amerikaner Prince einer Nachprüfung
unterzogen und bestätigt wurden. Professor Österreich schreibt darüber: “Die
Phänomene, welche Pagenstecher und Prince studierten, waren vor allem
Hellsehen und Psychometrie. Die nach dieser Richtung angestellten Versuche
wirken durchaus überzeugend. Nur aus ihrem frappanten Charakter ist es auch
verständlich, daß Pagenstecher, der aus der materialistischen Schule
hervorgegangen ist, von dem Vorhandensein solcher Phänomene durch die eigene
Beobachtung überzeugt wurde. Er hat dann eines Tages in der mexikanischen
Ärztegesellschaft von seinen Erfahrungen berichtet. Seine Kollegen
schüttelten den Kopf, und mancher begann wohl an seiner geistigen Gesundheit
zu zweifeln. Es wurde indessen eine Kommission gebildet. Deren Mitglieder
haben dann die Feststellungen Pagenstechers als zutreffend anerkannt.“ Welches sind nun die Tatsachen, die
bei der hellsehenden oder besser gesagt, hellempfindenden Maria Reyes de Z.
festgestellt wurden? a) Sie hatte in einem gewissen
Zustand dieselben Empfindungen, die der ihr gegenübersitzende Pagenstecher
hatte. Es war ihr dann, als ob sie in seinem Organismus stecke. Doch war dies
nur dann der Fall, wenn Pagenstecher nicht weiter als drei Meter von ihr
entfernt saß oder stand. b) Sie schaute dabei eine farbige
Strahlung und ein leuchtendes Band, das sie mit Pagenstecher verband. c) Bei einem ihr gereichten
Meteorstein hatte sie das Empfinden, bald durch kältere, bald durch wärmere
Regionen des Weltenraumes zu fliegen und in ungemessene Tiefen zu fallen. d) Ein Brief wurde ihr in die Hand
gegeben. Sie wußte nicht, wer der Briefschreiber war. Aber sie empfand, sah
und schilderte die Ereignisse beim Untergang eines Schiffes und beschrieb die
Persönlichkeit des Briefschreibers, als ob sie ihm auf dem untergehenden
Schiffe gegenüberstände. Auch hatte sie das Empfinden des Versinkens und
Wiederemportauchens aus dem Meer. Der Brief war als Flaschenpost im Meer
aufgefischt worden. Die Erklärung der hier angegebenen
Vorgänge ist in dem enthalten, was in dem Kapitel über das Gesetz der Odkraft
gesagt wurde: Das Od ist nicht bloß Träger des
körperlichen Gefühls, sondern auch alles seelischen Empfindens. Da der Geist
eines Lebewesens der Träger der Odkraft ist, so äußern sich alle Gedanken und
Gefühle des Geistes in entsprechenden Schwingungen des Ods. Doch werden die
Odschwingungen eines Lebewesens nicht bloß durch die Gedanken und Stimmungen
des eigenen Geistes beeinflußt, sondern auch durch die Odschwingungen eines
anderen Lebewesens, dessen Odstrahlung es in sich aufnimmt. Wenn daher
sogenannte “hellempfindende“ Menschen auf irgendeine Weise mit der
Odstrahlung eines anderen in hinreichende Verbindung kommen, dann nehmen sie
auch die Empfindungen des anderen in sich auf. Auf diesem Gesetz beruht das
“Sich Einfühlen“ in die Gefühle, den Charakter, die Gesinnung und das
Schicksal eines anderen. Wenn also die “hellempfindende“
Dame die Empfindungen Pagenstechers nachfühlte, als ob sie sich in dem
Organismus Pagenstechers befände, so war die Odstrahlung Pagenstechers die
Vermittlerin dieser Gefühle. Die Odstrahlung hatte bei Pagenstecher nur eine
Reichweite von drei Meter. Bei einer größeren Entfernung war sie nicht mehr
stark genug, die Odschwingungen der “hellempfindenden“ Dame zu beeinflussen.
Die hellempfindenden Personen befinden sich in solchen Fällen in einem
teiltranceähnlichen Zustand, in dem der eigene Geist sich etwas vom Körper
löst. Das farbige Odband, das die Dame
zwischen sich und Pagenstecher sah, war dessen auf sie übergehende
Odstrahlung. Daß jede Odstrahlung Farbe besitzt, ist ebenfalls in der Odlehre
dargetan. Denn auch die Farbe beruht auf Odschwingungen, wie die Töne, der
Geruch, der Geschmack, das Tastgefühl und alle anderen Äußerungen des Lebens,
dessen Träger stets der Geist ist. Alles dies steht miteinander in engstem
Zusammenhang. Auch der Meteor ist ein Lebewesen,
wie sich in allem, was existiert ein Geist befindet. Darum hat auch der
Meteor die ihm eigene Odschwingungen, die bei seinem Flug durch den
Weltenraum durch die Odstrahlungen der im Weltenraum befindlichen Weltkörper
beeinflußt wurde, ebenso durch das Fallen in ungemessene Tiefen. Alle
Odschwingungen eines Lebewesens lassen in dem Od dieselben Eindrücke zurück,
welche die Schwingungen der Töne eines Sängers auf der Platte eines
Grammophons ausüben, so daß sie nachher immer wieder zu Gehör gebracht
werden. Derselbe Vorgang, der sich bei der
phonographischen Platte in mehr materialisierter Form vollzieht, ist in
geistiger Weise beim Nachempfinden von Geschehnissen durch hellempfindende
Personen vorhanden, sobald sie mit der geistigen Platte des Ods eines
Lebewesens in hinreichend starke Verbindung kommen und dadurch in ihrem
eigenen Od dieselben Schwingungen und damit auch dieselben Empfindungen
erzeugt werden, die in jener Odplatte enthalten sind. Damit ist auch das Schauen des
Schicksals und der Persönlichkeit jenes Briefschreibers auf dem untergehenden
Schiff durch das hellempfindende Medium Pagenstechers erklärt. Nur muß noch
erläuternd hinzugefügt werden, daß jene geistige Odplatte nicht bloß einer
phonographischen Platte gleicht, sondern gleichzeitig auch eine fotografische
Platte darstellt. Daß also durch sie nicht bloß Empfindungen wiedergegeben
werden, sondern auch das Persönlichkeitsbild dessen, von dem die Odstrahlung
herrührt. Denn auch das Bild beruht auf Schwingungen des Ods. So suchen die
neueren Erfindungen es ja auch zu ermöglichen, daß die Persönlichkeitsbilder
derjenigen, die den Fernsprechapparat benutzen, gleichzeitig sichtbar gemacht
werden. Auch dies beruht auf den Odschwingungen, die bei den irdischen
Vorgängen in mehr materieller Verdichtung sich vollziehen und bei den
geistigen Vorgängen in geistiger Form. Bei Pagenstecher und seinem
hellemfindenden Medium wurde bei den Versuchen eine Gewichtsabnahme
festgestellt von durchschnittlich 100 Gramm. Auch das ist leicht erklärlich.
Denn jede Abgabe von Od ist mit einem Gewichtsverlust verbunden. Bei
Pagenstecher rührte die Gewichtsabnahme daher, daß er eine größere Odmenge
auf sein Medium ausstrahlte. Und das Medium selbst erlitt einen
entsprechenden Odverlust dadurch, daß es die empfangenen Odeindrücke geistig
verarbeitete und gestaltete. Jede Arbeit, auch die geistige, ist mit einem
bestimmten Odverbrauch verbunden. So haben wir ja auch bei Wiedergabe des
Inhaltes einer phonographischen Platte einen gewissen Kraftstrom nötig, der
die Platte in eine hinreichend geschwinde Bewegung setzt, um das Tonbild zu
erzeugen. Eine solche mit Gewichtsverlust
verbundene Odabgabe ist bei jeder menschlichen Arbeit festzustellen. Wer sich
vor einer Arbeit wiegt und nach vollendeter Arbeit wiederum sein Gewicht
feststellt, wird eine größere oder geringere Gewichtsabnahme finden, je nach
der größeren oder geringeren Anstrengung bei der körperlichen oder geistigen
Arbeit, auch wenn während der Arbeit keinerlei Körperentleerungen
stattgefunden haben. Auch die Magnetopathen, die durch Magnetisieren eines
Kranken von ihrem Od abgeben, erleiden dadurch entsprechende
Gewichtsverluste. Die Erklärung aller Erscheinungen des Hellempfindens ist in dem
Gesagten enthalten, mögen sie auch in noch so verschiedenartiger Weise zutage
treten. Da der Mensch nicht vollkommen ist,
kommt es überall dort, wo Menschen wirken, auch zu Fehlern. Die Stärke Satans
ist es dann, aus kleinen Fehlern und Nebensächlichkeiten große Streitigkeiten
zu entfachen. Ein solcher Punkt ist in dem Ihnen
vorliegenden Buch das Thema der „Dualität Christi“. Wegen der Frage „Hat
Christus ein Dual oder nicht?“ ist es leider in der Vergangenheit zu manchen,
unschönen Streitigkeiten gekommen, da es in den Originaltexten Grebers, je
nach Auflage, zu gegensätzlichen Aussagen bezüglich dieses Themas, kommt. Die Befürworter beider Seiten haben
plausible Argumente für ihren Standpunkt. Diese jedoch hier aufzuführen,
würde den Rahmen sprengen. Der geneigte Leser mag daher für
sich selber entscheiden, welcher Auffassung er sich anschließt. In diesem,
wie in allen strittigen Punkten mag er sich fragen: „Was nützt es mir, auf
meinem Weg zu Gott, wenn ich das weiß?“ _______ *
_______ Persönliche Erlebnisse auf dem Gebiet der Geisterkundgebungen Mein erster Schritt zur Verbindung mit der Geisterwelt Belehrung über den biblischen Geisterverkehr Die Bestätigungen der Wahrheit Ein Rundgang mit einem Medium durch meine Pfarrkirche. Die Voraussage persönlicher Schicksale geht in Erfüllung Kundgebung eines Mediums im Eisenbahnwagen Zusendung einer wichtigen Schrift von unbekannter Hand Erlebnisse bei meinem Aufenthalt in Amerika Der Tod meines Freundes wird vorausgesagt und tritt ein Die Gesetze des Verkehrs der Geister mit der Materiellen Schöpfung Das Gesetz der “Odkraft“ (Lebenskraft) Gesetzmäßigkeit in der gesamten Schöpfung Gottes Das “Od“ als geistige Lebenskraft Die Materie als verdichtetes Od Die Odstrahlung der Weltkörper Stärkung und Schwächung des Od Das Od als Träger des körperlichen Gefühls Das Od als Spiegel des Schicksals Unsichtbare Nahrungszufuhr (Odspeisung) Quellen des Od für den Geisterverkehr Art der Odverwendung beim Geisterverkehr Gott als die Quelle aller Odkraft Die Verwendung der Odkraft bei dem Geisterverkehr in der Bibel Die odischen Kraftströme am Sinai Die Odwolke im Neuen Testament Die Opfer des Alten Bundes als Odquelle für das Sprechen Gottes Das Offenbarungszelt im Lichte der Odbereitung Der Zweck der medialen Ausbildung Lösung des eigenen Geistes vom Körper des Mediums Der spiritistische Einzelgottesdienst In welchem Falle ist der Spiritismus schädlich? Medien und Medienschulen in der Bibel Die Gefahren für die Medien im Alten Bund Die Ausbildung der Medien im Altertum Die Medien der ersten Christen Der Apostel Paulus über Geisterverkehr und Medien Das Befragen Gottes nach den Berichten der heiligen Schrift Das Befragen Gottes war ständiger Brauch des Gottesvolkes Das Befragen Gottes zur Zeit des Mose, Josua und David Das Befragen der “Toten“ im Sinne der Bibel Die Begriffe „Tot“ und „Tote“ nach der Bibel Der Götzendienst ist ein Befragen der Toten Saul und die Totenbeschwörerin in Endor Kundgebungen der guten Geister über die Fragen der Religion Weitere Irrtümer der Religionen über Gott Die Schöpfung Gottes und ihr Schicksal Die Einheit der geschaffenen Geister Der Abfall eines Teils der Geisterwelt Die Strafe für die Abgefallenen Das Paradies als geistige Sphäre Die Prüfung der Geister im Paradies Die Entscheidung und ihre Folgen Die Besserungsstufen zum Aufstieg der gefallenen Geister Der gefälschte Schöpfungsbericht in der Bibel Die Wahrheit über die Erschaffung des ersten Menschenpaares Die Fortpflanzung des Menschengeschlechts Die nach der Erlösung geschaffenen Geistersphären Die Befreiung der gefallenen Geister durch einen Erlöser Christus – sein Werk und sein Leben Die Christusfrage in meinem Leben Christus als Führer des ersten Menschengeschlechts Christus als Führer der Menschheit nach der Sintflut Israel als Träger des Gottesglaubens Die menschlichen Schwächen Jesu Jesu erste Erkenntnis seiner Gottessohnschaft Jesus Christus – nicht Gott, sondern Gesandter Gottes. Jesus in der Beurteilung seiner Umgebung Die Verbindung Jesu mit der Geisterwelt Die früheren Gottgesandten und die Geisterwelt Die Leiden Jesu in seiner Bedeutung für die Erlösung Fehler in der Bibel in Bezug auf die Kreuzigung Jesu Christi Abstieg in die Hölle und sein Sieg Der Rückweg der Erlösten zu Gott Die Lehre Christi und das heutige Christentum Die Geisterwelt Gottes als Quelle der Wahrheit Menschliche Irrtümer in den Lehren der christlichen Kirchen Es gibt kein unfehlbares Papsttum Es gibt keinen dreipersönlichen Gott Der Ursprung des Menschengeistes und die Erbsünde Die Auferstehung der Toten ist keine Auferstehung der Leiber Die Sendung des Geistes (Firmung) Ehelosigkeit ist nicht von Gott gewünscht Die Bedeutung der Krankensalbung (Letzte Ölung) Das Priestertum der ersten Christen und das heutige Der Geisterverkehr im nachapostolischen Zeitalter und der jetzigen Zeit Die Kundgebungen der Dämonen im heidnischen Götzendienst Trancezustände der christlichen Medien Die Unterscheidung der Geister Das Hellsehen und Hellhören der damaligen Medien Die Ausbildung der damaligen Medien Die spätere „Kirche“ verbietet den Geisterverkehr Die Erlebnisse des evangelischen Pfarrers Blumhardt Die Erlebnisse des katholischen Pfarrers Vianney Der Spiritismus im Lichte der heutigen Wissenschaft Mirabelli als Materialisationsmedium. Das Hellsehen an einem Sterbebett. Besondere Fälle des Hellsehens. _______ *
_______ |