Glauben Muslime an einen dreieinigen Gott?

 

Muslime sind gläubige Menschen. Sie verehren Jesus als einen bedeutenden Propheten, erkennen ihn jedoch nicht als Sohn Gottes an. Die christliche Vorstellung der Dreieinigkeit wird im Islam als unvereinbar mit dem strengen Monotheismus betrachtet. Viele Muslime sehen darin eine Form von Vielgötterei (Schirk), die im islamischen Verständnis eine schwere Verfehlung darstellt.

 

Im Koran wird eine göttliche Dreieinigkeit ausdrücklich abgelehnt. Nach islamischer Auffassung ist Gott (Allah) absolut einzig und unteilbar. Die christliche Lehre hingegen versteht die Dreieinigkeit nicht als drei Götter, sondern als die drei wesentlichen Eigenschaften oder Erscheinungsweisen des einen Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Dies ist eine zentrale Glaubenswahrheit im Christentum und kein bloßes Dogma ohne geistige Grundlage.

 

Ein symbolisches Beispiel für Einheit in der Dreiheit: Der erste Buchstabe des hebräischen Alphabets ist die Aleph. In der jüdischen Mystik (z. B. in der Kabbala) wird sie oft mit besonderen Zahlenwerten in Verbindung gebracht: Aleph kann in symbolischer Deutung mit den hebräischen Buchstaben Alef (1), Lamed (30) und Pe (80) assoziiert werden – zusammen ergeben sie 111. So lässt sich zeigen, dass die Zahl Eins auch die Fülle von Dreiheit enthalten kann, ohne ihre Einheit zu verlieren.

 

 

Auf einer anderen Ebene kann man auch sagen: 1 = 1 + 10 + 100. Dies symbolisiert eine innere Vielschichtigkeit, ohne dass die Einheit zerfällt. So ist auch Gott in der christlichen Auffassung einer – und doch dreifach in seinen Eigenschaften. Es handelt sich um eine spirituelle Dreiheit in der einen göttlichen Person.

 

Unterschiedliche Offenbarungsschriften: Muslime erkennen die Bibel nicht als maßgebliche Heilige Schrift an, sondern folgen dem Koran. Dieser enthält etwa 86.000 Wörter, während die Bibel rund 800.000 Wörter umfasst. Ein großer Teil der im Koran geschilderten Geschichten bezieht sich auf Inhalte aus den fünf Büchern Mose (dem Pentateuch), ergänzt durch Überlieferungen aus der jüdischen und christlichen Tradition sowie apokryphe Texte.

 

Jesus wird im Koran als Sohn Marias dargestellt, als ein besonderer und mit Zeichen begabter Mensch – ähnlich wie Mohammed (auch als Ahmed bezeichnet). Seine jungfräuliche Geburt gilt im Islam jedoch nicht als Beweis für seine Göttlichkeit. Vielmehr bleibt er ein hochverehrter Prophet, aber kein göttliches Wesen.

 

Die Kreuzigung Jesu wird im Koran verneint. Nach islamischer Lehre starb er nicht am Kreuz, sondern wurde von Gott gerettet. Dennoch wird er als „Gesandter Gottes“ und als eine bedeutende Persönlichkeit anerkannt – in gewisser Weise auch als Messias, wenn auch in einem anderen Sinn als im Christentum.

 

 

Weitere Unterschiede mit Judentum und Islam: Im Judentum erwartet man nach wie vor das Kommen des Messias – eines von Gott Gesalbten, der ein weltliches Königreich Gottes auf Erden errichten soll. Diese Hoffnung beruht unter anderem auf alten prophetischen Schriften, wie sie auch in Fragmenten der sogenannten „Totenmeerrollen“ aus den Qumranhöhlen angedeutet sind. Die Schriftrollen bezeugen den Glauben an einen zukünftigen Herrscher aus dem Hause David, der Gerechtigkeit auf Erden bringen wird.

 

 

Jakob Lorber schildert in seinen Schriften die jüdische Erwartungshaltung dahingehend, dass der Messias seine Herrschaft geistig ausdehnen und die Gegner Gottes richten werde. In dieser Sichtweise bleibt die Vorstellung eines geistigen Königtums ebenso zentral wie die eines umfassenden göttlichen Einflusses auf die Welt.

 

Während der Islam in einigen überlieferten Textstellen (vor allem aus dem historischen Kontext der Frühzeit) zu Verteidigung und Kampf gegen Feinde aufruft, legt das Christentum, besonders in der Bergpredigt Jesu, den Schwerpunkt auf Feindesliebe. Jesus fordert dazu auf: „Liebt eure Feinde“ (Matthäus 5,43–44) – ein Prinzip, das in seiner Radikalität einzigartig ist.

 

 

Die Hoffnung auf den kommenden Messias: In Jesaja 11,1–5 wird von einem „Spross aus dem Stamm Davids“ gesprochen, der in den letzten Tagen erscheinen wird. Er wird mit Gerechtigkeit herrschen, ein Zepter in der Hand halten und über die Völker der Erde regieren. Selbst mächtige Feinde wie Magog und seine Heere sollen durch sein Wort überwunden werden.