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Johannes Greber Auf Veranlassung eines Hochengels: Der Verkehr mit der Geisterwelt Gottes seine Gesetze und
sein Zweck Selbsterlebnisse
eines katholischen Geistlichen Bis zum Tode kämpfe für die
Wahrheit, so wird Gott der Her für dich
streiten. Sirach 4, 28 Einleitung
Diese Leute schmähen alles, was sie nicht kennen.
(Judas 1,10) Gibt es für den Menschen
ein Fortleben nach dem Tode? Gibt es ein Jenseits? Gibt es eine Geisterwelt,
in die auch der Menschengeist nach der Trennung von seinem Körper aufgenommen
wird? Und wie sollen wir uns das Leben in der anderen Welt denken? Welches
Schicksal erwartet uns dort? Oder - ist hinter der
Kirchhofsmauer alles zu Ende? Wird dort mit dem Leib auch der Geist begraben,
und bleibt von dem Menschen mit seinem Hoffen und Zagen, seinen Mühen und
Sorgen, seinen Freuden und Leiden, seinem guten und schlechten Tun nichts
übrig, als der Totenschädel oder eine Hand voll Asche? Immer wieder drängen sich
diese Fragen in unser Denken ein. In den stillen Stunden ernster Krankheit
legen sie sich schwer auf das müde Menschenherz. An jedem Sterbebett, an dem
wir stehen, an jedem Grabeshügel erheben sie sich und auf jedem Leichenstein
sind sie eingemeißelt. Wer löst uns das große Jenseitsrätsel? Zu wem sollen
wir mit unserem Zweifel gehen, um die untrügliche Wahrheit zu erfahren?
Sollen wir die Religionen und ihre Diener fragen? Sie lehren zwar den
Jenseitsglauben und das Fortleben des Menschengeistes. Aber sie versetzen
ihrer Lehre da durch einen schweren Schlag, daß sie das Weiterleben des
Tiergeistes leugnen. Denn wenn das Tier nicht fortlebt, aus welchem
besonderen Grunde sollte denn der Mensch weiterleben? Mensch und Tier haben
doch dasselbe Schicksal. Sie werden in gleicher Weise gezeugt, in gleicher
Weise geboren. Freud und Schmerz, Recht und Unrecht ist beiden gleich
beschieden, und auch der Tod ist der gleiche. Das bestätigt ja auch die Bibel
mit den Worten: Das Schicksal der Menschen und das Schicksal der Tiere ist ein und
dasselbe. Die einen sterben so gut wie die anderen. Sie haben alle den
gleichen Odem. Einen Vorzug des Menschen vor den Tieren gibt es nicht Alles
geht dahin an denselben Ort. Alles ist aus dem Staube entstanden, und alles
kehrt zum Staube zurück. Wer weiß denn vom Lebensodem des Menschen, ob er
nach oben emporsteigt oder vom Lebensodem des Tieres, ob er nach unten zur
Erde hinabführt (Pred.3,19-21)? Dazu kommt, daß die Kirchen
in den wichtigsten Fragen der Religion miteinander in Widerspruch stehen. Von
ihnen können wir daher eine zuverlässige Antwort nicht erwarten. Irrende
Menschen können uns in diesen Dingen überhaupt keine sicheren Führer sein. Hier gibt es nur einen Weg
zur Wahrheit: Wenn es ein Jenseits und ein jenseitiges Geisterreich gibt, so
kann uns der Beweis dafür nur dadurch geliefert werden, daß die Geister
selbst zu uns kommen und uns belehren. Denn nur sie können uns über die
großen Fragen des Weiterlebens Auskunft geben. Solange daher diese
Geisterbrücke zu uns herüber nicht geschlagen wird, solange bleiben wir im
Dunkel des Ungewissen und im Schmerz des nagenden Zweifels. Aber die Menschheit von
heute lacht, wenn einer auch nur von der Möglichkeit des Verkehrs der Geister
mit der Menschenwelt spricht. Sie lacht und spottet, wie sie von jeher über
alles gehöhnt hat, was mit der Volksmeinung ihrer Zeit im Widerspruch stand. Als Galilei lehrte, daß die
Erde sich drehe und die Sonne still stehe, wurde er von seinen Zeitgenossen
für geistesgestört gehalten. Die Kirche betrachtete ihn als Ketzer und schloß
ihn aus ihrer Gemeinschaft aus. Er mußte ins Gefängnis wandern und konnte
seinen Leiden und Verfolgungen nur dadurch ein Ende machen, daß er seine
Lehre widerrief. Als man in der Akademie der
Wissenschaften in Paris das erste Telefon vorführte, erklärte einer der
angesehensten Professoren dieser Hochschule die Sache für Schwindel und
Bauchrednerkunst. Allen Verkündern einer neuen Wahrheit ist es so ergangen.
Sie wurden von der öffentlichen Meinung ihrer Zeit verlacht, geschmäht, mit
Schmutz beworfen, verbrannt oder ans Kreuz geschlagen. So verlacht man auch
in unserer Zeit diejenigen, die der Menschheit den Beweis erbringen wollen,
daß es eine Geisterwelt gibt, die uns Menschen nicht verschlossen ist,
sondern mit der wir in Verbindung treten können, wenn wir sie in der rechten
Weise suchen und die Bedingungen erfüllen, die für eine solche Verbindung
bestehen. Denn nicht bloß in der materiellen Welt herrschen ewig gültige
Gesetze, sondern auch in der Welt des Geistes. Man hat der Lehre von dem
Verkehr der Geisterwelt mit den Menschen die Bezeichnung
"Spiritismus" gegeben. Dieses Wort steht heute bei der großen Masse
in üblem Ruf, obschon die meisten nicht wissen, was es zu bedeuten hat. Der
"Spiritismus" gilt als lächerliche Phantasterei überspannter
Menschen. Man lacht über die “spiritistischen Narren“. - Diese Leute
lästern, was sie nicht kennen (Jud.1, 10). Die Kirchen stehen im Kampf
gegen den Spiritismus in vorderster Linie. Darüber muß man sich allerdings
sehr wundern. Denn gerade die Kirchen lehren, daß sie ihre religiösen
Wahrheiten durch den Verkehr mit der Geisterwelt
empfangen haben. Judentum und Christentum befinden sich mit ihren Urkunden
des Alten und des Neuen Testamentes ganz auf dem Boden des Spiritismus. Die
Bibel ist das bedeutendste spiritistische Buch. Denn ihr Hauptinhalt dreht
sich um die Botschaften des Jenseits an das Diesseits. Wir sehen darin auf
Schritt und Tritt die Geisterwelt im Verkehr mit den Menschen. Die Kirchen können also den
Geisterverkehr, von dem die Bibel berichtet, nicht leugnen, wenn sie den Ast
nicht absägen wollen, auf dem sie selbst sitzen. Ihren Kampf gegen den
Spiritismus suchen sie nun damit zu rechtfertigen, daß sie behaupten, der
Verkehr der Menschen mit der Geisterwelt sei in der Bibel verboten. Denn dort
heißt es: Ihr sollt nicht die Toten befragen. Was versteht denn die Bibel
unter dem “Befragen der Toten“? Wo die Bibel von den “Toten“ redet, meint sie
nicht die durch den irdischen Tod vom Körper getrennten Geister, sondern die
geistig Toten. “Tod“ ist nach der Heiligen Schrift die Trennung des Geistes
von Gott. Die “Toten“ sind also die durch Unglauben und Abfall von Gott
Getrennten. Es sind die Geister der Finsternis. Das “Reich der Toten” ist das
Reich Luzifers, das Reich der Widersacher Gottes, das Reich der Lüge und des
Unheils. Nach der Bibel gibt es ein
Reich der “Toten“ und ein “Reich der Lebenden“. Die Menschen haben die
Möglichkeit, sich mit den jenseitigen Geistern beider Reiche in Verbindung zu
setzen. Sie können Auskunft holen bei den “geistig Toten“ - das ist ein
Befragen des Bösen oder wie die Bibel es ausdrückt: Ein Befragen der Toten.
Oder sie wenden sich an die “Lebenden“ des Jenseits - das ist ein Befragen
der guten Geisterwelt oder wie die Bibel es nennt: Ein Befragen Gottes. Ein Befragen der “Toten“
als der von Gott abgefallenen Geisterwelt wäre die schwerste Beleidigung
Gottes. Es wäre Götzendienst. Denn dieser Bestand ja in der Verbindung mit
den bösen Geistern. Die Totenbeschwörer der
alten Zeit waren allgemein als solche bekannt, die wissentlich und
vorsätzlich mit den Mächten der Finsternis - den Dämonen - in Verkehr traten.
Daher das strenge Gebot Gottes im Alten Testament, die “Totenbeschwörer“
auszurotten aus der Mitte des Volkes. Es ist also nur eine ganz
bestimmte Art des Geisterverkehrs, die den Menschen in der Bibel unter sagt
wird, nämlich der Verkehr mit den bösen Geistern. Statt dessen soll die
Menschheit die Gemeinschaft mit Gott und der guten Geisterwelt suchen. Wenn
aber jemand zu euch sagt, ihr müßtet die “Totenbeschwörer“ fragen, so
antwortet: ‘Soll nicht ein Volk bei seinem Gott anfragen? Soll es für die
Lebenden bei den ‘Toten‘ anfragen‘ (Jes. 8, 19)? - ‘Über die kommenden Dinge
fraget mich‘ (Jes.45,11)! Der Aufforderung, Gott zu
befragen, kamen die Gottesgläubigen aller Zeiten eifrig nach. Bei den
Israeliten war das Befragen Gottes etwas Alltägliches. Jeder, der Gott fragen
wollte, ging zu dem Offenbarungszelt hinaus (2.Mos.33,7). Gott antwortete auf
die mannigfachste Weise. Seine Geisterboten standen mit den gläubigen Menschen
in beständigem Verkehr. Sie begegnen uns überall in den Berichten des Alten
und des Neuen Testamentes. Wenn wir daher als
gottestreue Menschen oder wenigstens als ehrliche Wahrheitssucher mit der
guten Geisterwelt in Verbindung zu kommen suchen, tun wir dadurch nichts
Unrechtes, sondern erfüllen ein Gebot Gottes. Es ist ein wichtiges Gebot.
Denn die Verbindung mit der guten Geisterwelt ist der einzige Weg, der zur
Wahrheit führt. Einen anderen gibt es nicht. Darum werden in der ganzen
Heiligen Schrift die wahrheitsuchenden Menschen nie an ihre Mitmenschen
gewiesen, um die Wahrheit zu erlangen, sondern immer an Gott und seine
Geister. Auch im Neuen Testament. Christus hatte bei seinem Scheiden von
dieser Erde seinen Anhängern noch vieles zu sagen, was sie jetzt noch nicht
verstanden. Sie sollten später darüber Aufklärung bekommen, aber nicht durch
Menschen, sondern durch Geister, die er ihnen vom Vater senden will als
Geister der Wahrheit. Und die Betätigung dieser Geister sollen sie mit ihren
menschlichen Sinnen wahrnehmen: ‘Ihr werdet die Geister Gottes auf- und
absteigen sehen‘ (Joh.1,51). Das Auf- und Absteigen der
Boten Gottes erlebten die ersten Christen in ihren Versammlungen. Der Apostel
Paulus fordert darum die Christen auf: ‘Bemühet euch um Geister‘ (1.Kor.14,12). Es ist eine für das
religiöse Leben der Menschheit grundlegende Lehre, daß jeder die Wahrheit
über die großen Lebens- und Jenseitsfragen bei den Menschen und ihren
Auslegungen suchen soll, sondern durch eine unmittelbare Verbindung mit dem Geisterreich
Gottes als der Quelle der Wahrheit. So lehrt es Gott im Alten, so lehrt es
Christus im Neuen Testament. So lehren es die Apostel und danach handelte das
Volk Gottes im Alten Bunde und die Christen der ersten Jahr hunderte. In den späteren Zeitläufen
hat man diese Grundwahrheiten verwischt. Irrende Menschen traten als
Wahrheitskünder anstelle Gottes und seiner Geisterboten. Das Wort Gottes
wurde, um ein Wort des Apostels Paulus zu gebrauchen, zum “Gewerbe“. Man
erlernte die Religion durch menschlichen Unterricht, wie jede irdische
Wissenschaft. Und so ist es geblieben bis auf den heutigen Tag. Die
geistlichen Führer des Volkes wurden die unumschränkten Herren in allen
religiösen Dingen und gelangten auf diesem Wege auch zu immer größerer
weltlicher Macht. Immer zahlreicher wurden die Menschensatzungen, die man im
Namen der Religion auf die Schultern der Gläubigen legte. Die frühere
Freiheit der Kinder Gottes wurde in religiöse Knechtschaft verwandelt. Wer
sich widersetzte und nach eigener Überzeugung leben wollte, büßte es mit dem
Tode. Das Blut von Millionen ist geflossen im Namen der Religion. Die echten Urkunden des
Neuen Testamentes verschwanden. Die angefertigten Abschriften stimmen in
wichtigen Punkten mit dem ursprünglichen Text nicht überein. Man griff zum
Mittel der Fälschung, um für die im Laufe der Zeit eingeführten
Menschenmeinungen und Menschensatzungen Beweisstellen in der Bibel zu
schaffen. Es wiederholte sich hier dasselbe, worüber Gott schon im Alten
Bunde durch die Propheten die bittere Klage aussprechen ließ: Wie könnt ihr
sagen: Wir sind weise, wir sind im Besitz des göttlichen Gesetzes? - Jawohl!
Zur Lüge hat es der Fälschergriffel der Abschreiber verdreht. Beschämt müssen
daher die Weisen dastehen und bestürzt. Denn sie haben sich selbst gefangen. ‘Sie
haben das Wort des Herrn weggeworfen. Welche Weisheit besitzen sie da noch?‘
(Jer. 8,8-9) Auch die heutige
wissenschaftliche Forschung hat den Nachweis geliefert, daß die Fälschungen
wie eine verheerende Krankheit auf alle Schriftwerke der alten Zeit
übergriffen. Die Bibel, die Schriften der Kirchenväter, die Schriften
jüdischer und heidnischer Schriftsteller wurden gefälscht zugunsten
religiöser Meinungen, die zur Zeit der Fälscher bestanden. Das alles geschah außerhalb
des Gesichtskreises des gewöhnlichen Volkes. Dieses nahm unbesehen die
sogenannten religiösen “Wahrheiten“ und Auslegungen hin, ihm seine
geistlichen Führer darboten und vererbten sie auf Kinder und Kindeskinder.
Genauso ist es ja auch heute. Die Religion ist ein Erbstück, das jeder von
seinen Eltern und Lehrern übernommen hat, ohne sich über den inneren
Wahrheitsgehalt ein eigenes Urteil zu bilden. Dazu wären die meisten auch
nicht in der Lage. Darum würde derjenige, der heute Christ ist, mit gleicher
Überzeugung die jüdische oder mohammedanische Religion bekennen, wenn seine
Eltern Juden oder Mohammedaner gewesen wären. So war es nicht in den
Zeiten, wo die Menschen mit der guten Geisterwelt in Verbindung standen. Da
konnten sie fragen: Was ist Wahrheit? - und sie erhielten Antwort. Darum
fordert auch Paulus die ersten Christen auf, Gott zu fragen, wenn sie in
einem Punkte anderer Meinung seien, als er selbst: ‘Und wenn ihr über
irgend etwas anderer Meinung seid, so wird Gott euch darüber Klarheit geben‘
(Philipper3,15). Ein solcher Hinweis auf den
einzigen Weg, zur Wahrheit zu gelangen, wie ihn hier der größte christliche
Apostel gibt, wäre in den späteren Jahrhunderten unmöglich gewesen. Wenn
einer das nicht glaubte, was ihn seine “Kirche“ lehrte oder versucht hätte, nach
der Weise des israelitischen Volkes oder der ersten Christen durch “Befragen
Gottes“ die Wahrheit zu ermitteln, den traf der Kirchenbann, und oft endete
er auf dem Scheiterhaufen. Heute sind zwar die Scheiterhaufen erloschen, weil
der “Kirche“ die äußere Macht fehlt, sie anzuzünden. Aber der Kirchenbann ist
geblieben, und er würde die größten Kirchenväter der ersten Jahrhunderte
treffen, wenn sie heute lebten und das lehrten, was sie damals als Wahrheit
dem christlichen Volke vortrugen. Die Verbindung mit der
Geisterwelt Gottes hat man verschüttet und dadurch den Weg zur Wahrheit
versperrt. Aus Menschenmeinungen und Menschensatzungen hat man
Religionsgebäude errichtet und fordert die Menschheit auf, darin Platz zu
nehmen. Hunderte von Kirchengemeinschaften wollen Wahrheitsvermittler sein.
Die eine verbrennt, was die andere anbetet, und was von der einen als lautere
Wahrheit verkündet wird, verdammt die andere als abscheuliche Ketzerei. Aus diesem Zustand des
Irrtums kann die Menschheit nur dadurch befreit werden, daß Gott heute wieder
seine Geister als Wahrheitsboten sendet, wie er es in den früheren
Jahrtausenden getan hat. Nicht die “Toten“, nicht das “Reich der Finsternis“
sollen wir befragen, noch auch irrende Menschen, sondern Gott. Es ist
derselbe Gott, damals wie heute. Vor ihm gilt kein Ansehen der Person. Die
Menschen unserer Tage sind ihm so lieb wie die Menschen der vergangenen
Zeitalter. Und wie er sich damals durch seine Geisterboten der Menschheit
geoffenbart hat, so auch heute. Die “Kirchen“ werden
freilich diesen Weg zur Wahrheit mit allen Mitteln bekämpfen. Sie müssen es
tun; denn sie kämpfen um die eigene Existenz. Sie halten sich selbst für die
unfehlbaren Vermittler der Wahrheit. Jede hat ihren gekrönten oder
ungekrönten Papst. Man würde eine Belehrung durch Gottes Boten als eine
schädigende, den Bestand der Kirche gefährdende Konkurrenz empfinden. Denn es
wäre zu befürchten, daß die von Gottes Geistern verkündeten Wahrheiten mit
denen der Kirchen nicht übereinstimmen. Die Wahrheit ist ja nur
eine.
Entweder hat eine der vielen Religionsgemeinschaften die Wahrheit - und alle
anderen sind im Irrtum - oder keine besitzt die Wahrheit. Am Ende gilt
von allen Religionen ohne Ausnahme das Wort aus Goethes Faust: In bunten
Bildern wenig Klarheit, viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit. 25 Jahre war ich
katholischer Priester. Ich hielt meine Religion für die richtige. Es war ja
die Religion meiner Eltern, Lehrer und Seelsorger. Waren die Beweise für ihre
Richtigkeit auch nicht so, daß sie mein Denken befriedigten, so hatte ich
doch keinen Grund, das abzulehnen, was alle meine Religionsgenossen als
Wahrheit hinnahmen. Zudem wäre schon jeder freiwillige Zweifel an einer
Glaubenswahrheit nach der Lehre meiner Kirche eine Todsünde gewesen. Von der Möglichkeit einer
Verbindung mit der Geisterwelt wußte ich nichts. Den “Spiritismus“ kannte ich
nur aus Zeitungen. Ich hielt ihn für Trug und Selbsttäuschung. Da kam der Tag, wo ich
ungewollt den ersten Schritt auf dem Wege zur Verbindung mit der Geisterwelt
tat. Ich erlebte Dinge, die mein Inneres bis in die tiefsten Tiefen
aufwühlten. Nach diesem ersten Schritt
konnte und durfte ich nicht stehen bleiben. Ich mußte vorwärts, mußte
Klarheit haben. Vorsichtig prüfend ging ich weiter, das Wort des Apostels
Paulus vor Augen: ‘Prüfet alle Geisterkundgebungen und haltet nur an dem fest, was sich
als gut erweist‘ (1.Thess.5,21). Ich wollte nur das Gute.
Ich wollte die Wahrheit. Ich war bereit, sie anzunehmen, selbst unter den
schwersten Opfern. Ich wußte, daß Gott einen aufrichtig und selbstlos
Suchenden nicht im Stiche läßt und daß er nach den Worten Christi einem
demütig Bittenden nicht einen Stein anstatt des Brotes geben werde. Auch die schweren Folgen
meines Schrittes standen mir klar vor Augen. Meine Stellung als Geistlicher,
meine ganze materielle Existenz, meine irdische Zukunft sah ich vernichtet,
wenn ich weiter ging. Schmähung, Verfolgung und Leiden in übergroßer Fülle
erkannte ich als mein Los. Doch die Wahrheit war mir mehr wert. Ich fand die Wahrheit auf
dem eingeschlagenen Wege. Sie machte mich innerlich frei und froh. Die
äußeren Drangsale, die damit verbunden waren und die bis heute andauern,
können den gewonnenen inneren Frieden nicht stören. In diesem Buch schildere
ich nun den Weg, der mich mit der Geisterwelt in Verbindung brachte und mir
die Wahrheit enthüllte. Ich schrieb es aus Liebe zu meinen Mitmenschen,
einerlei welcher Religionsgemeinschaft sie angehören oder welcher
Weltanschauung sie huldigen. Das Buch ist für jeden Wahrheit suchenden
Menschen. Es will ein Wegweiser sein für alle, die eine Verbindung mit der
guten Geisterwelt suchen, um durch sie auf dem kürzesten Weg zur Wahrheit und
zu Gott zu gelangen. Bücher, die bei irdischen
Wanderungen als “Führer“ dienen sollen, sind von jemandem verfaßt, der die
Wege selbst gegangen ist, die in dem “Führer“ beschrieben sind. Solche Bücher
sind nicht für die, welche zu Hause bleiben, sondern für jene, die das ihnen
Unbekannte kennenlernen wollen. Ein solcher “Führer“ will
mein Buch sein. Es will den Weg zu der Brücke weisen, auf der uns die
Geisterboten des Jenseits begegnen. Wer an der Hand dieses Buches zu jener
Geisterbrücke schreitet, wird alles das bestätigt finden, was in diesem Buch
niedergelegt ist. Ich mute daher niemandem
zu, den Inhalt meines Buches ungeprüft als Wahrheit hinzunehmen. Er würde
sonst seine Überzeugung in den wichtigsten Fragen seines Lebens auf die
Aussage eines fehlbaren Menschen stützen. Das darf nicht sein. Denn meine
Behauptung, daß ich die hier nie dargelegten Wahrheiten nicht aus mir und
meinem Denken geschöpft, sondern aus der Verbindung mit der jenseitigen guten
Geisterwelt empfangen habe, könnte ja meinerseits eine wissentliche
Irreführung oder eine Selbsttäuschung sein. Ich kann als schwacher,
irrender und sündiger Mensch für mich keine größere Glaubwürdigkeit
beanspruchen, wie jeder andere meiner Mitmenschen. Ich verlange daher nicht,
daß man mir blindlings glaubt. Nur eines verlange ich: Daß man die Wahrheit,
die mir zuteil wurde, auf dem selben Weg nachprüft, auf dem ich sie gefunden
habe. Den Weg habe ich genau beschrieben, so daß ihn keiner verfehlen kann.
Der Gelehrte und der Ungelehrte, der Reiche und der Arme alle können ihn
gehen. Sie bedürfen dazu keiner Vorbildung und besonderer Schulung. Es kostet
sie nichts. Nur eines müssen sie besitzen: Den Willen zur Wahrheit. Sie
müssen bereit sein, die Wahrheit anzunehmen, sobald sie sich ihnen in
überzeugender Weise darbietet und ihr Leben da nach einzurichten. Wer das
nicht will, für den ist dieses Buch nicht geschrieben. Für ihn gibt es
überhaupt keinen Weg, der zur Wahrheit führt. Denn Gott offenbart seine
Wahrheit nur denen, die guten Willens sind. Jene, denen der Wille zur
Wahrheit fehlt und die den Weg nicht prüfend gehen wollen, den ich ihnen
zeige, haben aber auch kein Recht, ein Urteil über mein Buch abzugeben. Denn
wenn ein Chemiker der Mitwelt verkündet, daß er einen Weg gefunden habe,
durch chemische Verbindungen Gold herzustellen und den Weg zur Goldgewinnung
genau angibt, dann kann vernünftigerweise nur derjenige über die Angaben des
Chemikers ein Urteil fällen, der die von ihm beschriebenen Versuche selbst
gemacht und dabei alles genau befolgt hat, was der Chemiker angegeben. Ich habe die Gewißheit, daß
dieses Buch die Wahrheit enthält. ‘Denn ich weiß, wer der ist, dem ich
Glauben geschenkt habe‘ (2.Tim.1,12). Ich brauche nicht zu
befürchten, daß die, welche meinen Weg gehen, irgend etwas finden werden, was
mit dem im Widerspruch steht, was ich fand. Alle, die bisher meinen Rat
befolgten und die Verbindung mit der guten Geisterwelt suchten, haben
dasselbe gefunden wie ich. Trotzdem wird mein Buch
zahlreiche und erbitterte Gegner finden. Nicht so sehr in der großen Masse
des Volkes als vielmehr in jenen Kreisen, denen die Annahme der Wahrheit
schwere irdische Opfer auferlegen würde. Es sind dies die Geistlichen der
einzelnen Religionsgemeinschaften. Das Religionsbekenntnis, das sie bis jetzt
ihren Gläubigen gepredigt haben, sichert ihnen gleichzeitig ihren
Lebensunterhalt. Müssen sie infolge einer Änderung der Erkenntnis der
Wahrheit auch eine Änderung des Bekenntnisses eintreten lassen, so hören sie
auf, Geistliche ihrer jetzigen Religionsgemeinschaft zu sein. Sie verlieren
das ihnen bisher durch ihr Amt sichergestellte tägliche Brot. Eine
Lebensstellung preisgeben, arm und angefeindet einer unsicheren irdischen
Zukunft entgegengehen, ist eines der größten Opfer, die ein Mensch bringen
kann. Nicht viele bringen es. Lieber verzichten sie auf die Wahrheit. Darum trat auch das
jüdische Priestertum in einen so erbitterten Kampf gegen Christus und seine
Lehre. Es fürchtete für seine Stellung. Es prüfte nicht erst die von Christus
verkündeten Wahrheiten auf ihre Richtigkeit, sondern schleuderte seinen
tödlichen Haß auf den, der ihm durch seine Lehre das Volk abspenstig zu machen
und dadurch den Einfluß auf die Masse zu rauben drohte. Deswegen mußte er
sterben. Und der Fluch, der erbittertste Gegner der Wahrheit, der
Wahrheitssucher und Wahrheitskünder zu sein, lastet bis heute auf dem
Priestertum aller Religionen. Mit Feuer und Schwert hat es Millionen Menschen
hingemordet unter dem äußeren Schein des Kampfes gegen die Ketzerei; wie ja
auch das jüdische Priestertum sich bei Christus hinter die Anklage
versteckte: “Er hat Gott gelästert.“ Der wahre Grund war jedoch damals sowohl
als auch in den späteren Zeiten die Furcht vor dem Verlust oder der
Einschränkung irdischen Einflusses, weltlicher Ehren, Ämter und Einkünfte.
Gewiß gab es und gibt es Ausnahmen. Heute vielleicht mehr als früher. Aber
diese Nikodemusseelen können das Todesurteil der heutigen geistlichen Führer
gegen die Wahrheit ebensowenig verhindern, wie es der erste Nikodemus
vermocht hat. Das heutige Priestertum
wird daher nicht bloß mein Buch ablehnen, sondern sich wohl auch weigern,
seinen Inhalt auf dem Wege, den ihnen das Buch angibt, auf seine Richtigkeit
zu prüfen. Und doch ist es ein Weg, den jeder mit gutem Gewissen gehen kann.
Oder ist es vielleicht etwas Verwerfliches, wenn jemand, sei es nun ein
Geistlicher oder ein Laie, sich allein oder mit anderen zu einem privaten
Gottesdienst in seinem Hause hinsetzt, sich dabei durch Gesang und Gebet an
Gott wendet und von ihm die Erfüllung der Verheißung Christi erfleht: ‘Wenn
nun ihr, die ihr doch böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben versteht,
wieviel mehr wird euer Vater vom Himmel her einen heiligen Geist denen geben,
die ihn darum bitten‘ (Luk.11,13). - Ist es vielleicht eine Sünde, bei
einem solchen Gottesdienst die Wahrheiten der Heiligen Schriften
durchzugehen, mit anderen zu besprechen und um die rechte Erkenntnis zu
beten? Ist es Sünde, als geistige Gemeinschaft sich bei solchen Gelegenheiten
nach Art der ersten Christen die Hände zu reichen und in innerer Sammlung
seinen Geist auf das Höhere zu lenken, irdisches Fehlen bereuend und einander
verzeihend und Gott um Hilfe und um den Geist der Wahrheit bittend, den
Christus ja seinen Anhängern verheißen hat? Gibt es irgend jemand, der dies
nicht mit reinem Gewissen mitmachen könnte? Weiter verlange ich nichts. Einen
anderen Weg ging auch ich nicht, als mir das zuteil wurde, was in meinem Buch
berichtet wird. Es ist mir nichts Besonderes verliehen worden. Ich erhielt
nur das, was jeder erhält, der es aufrichtig sucht. Viele werden auf diesem
Wege vielleicht noch viel Größeres empfangen als ich. Daß die Dinge, die uns auf
diese Weise vermittelt werden, so unglaublich erscheinen, ist kein Grund, den
angegebenen Weg nicht zu beschreiten. Denn Gott stellt uns ja ausdrücklich
das Unglaubliche in Aussicht mit den Worten: ‘Frage mich, und ich will dir antworten und dir große und unglaubliche
Dinge kundtun, von denen du bisher nichts gewußt hast‘ (Jer.33,3). (Ostern
1932. Der Verfasser) _____________ *
_____________ So
sann ich denn nach, dies zu begreifen: Doch
es war zu schwer für mein Verständnis, bis
ich in Verbindung mit der Geisterwelt Gottes kam. Ps. 73,15-17 Mein erster Schritt zur Verbindung
mit der Geisterwelt Es war im Spätsommer des
Jahres 1923. Ich war damals katholischer Pfarrer einer kleinen Landgemeinde.
Außerdem hatte ich einen Hilfsbund zu leiten, dessen Sitz in einer
benachbarten Stadt war. Zweimal in der Woche fuhr ich zum Büro des
Hilfsbundes, um die Wohlfahrtsarbeiten zu erledigen. Dort kam nun eines Tages
ein Mann zu mir und fragte mich: “Was halten Sie vom Spiritismus?“ Noch ehe
ich etwas erwidern konnte, erzählte er mir von seinen Erlebnissen. Er pflegte
wöchentlich mit einem kleinen Kreis zu einer Art Gottesdienst
zusammenzukommen. Man bete, lese in der Heiligen Schrift und bespreche das
Gelesene. Unter den Anwesenden befinde sich auch ein Junge im Alter von 16
bis 17 Jahren. Er gehöre einer einfachen Familie an, besitze nur mittelmäßige
Schulbildung und sei Lehrling in einem Privatbetrieb. Bei den Zusammenkünften
pflege dieser plötzlich wie tot vornüber zu fallen, werde aber sofort wieder,
wie von einer unsichtbaren Kraft, ruckweise aufgerichtet, sitze da mit
geschlossenen Augen und erteile den Anwesenden wunderbare Belehrungen. Auch
beantworte er die Fragen, die man an ihn stelle. Nur auf rein materielle
Fragen verweigere er die Antwort. Am Schluß seiner Belehrungen falle er
wieder Vornüber und komme sofort zu sich. Von dem, was vorgegangen und was er
gesprochen, wisse er nicht das Geringste. Der Junge sei gesund und frisch. Nach
diesen Vorfällen fühle er keinerlei Unbehagen, keine Kopfschmerzen oder
sonstiges Unwohlsein. Seinen Bericht schloß der
Mann mit den Worten: “Nun wollte ich von Ihnen hören, was Sie über diese
Sache denken. Doch bevor Sie Ihr Urteil abgeben, möchte ich Sie bitten,
selbst an einer solchen Sitzung teilzunehmen, damit Sie sich von den
Vorgängen persönlich überzeugen können. Dabei haben Sie Gelegenheit, selbst
Fragen an den Jungen zu stellen.“ Mit großer Aufmerksamkeit
hatte ich seinen Ausführungen zugehört. Was sollte ich ihm darauf erwidern?
Vom sogenannten Spiritismus wußte und verstand ich nichts. Wohl hatte ich
hier und da in der Tagespresse etwas darüber gelesen. Es waren Berichte über
Entlarvungen von Medien und sonstige spiritistische Betrügereien. Also
durchaus nichts Günstiges. Nun sollte ich mich als ernster Mensch und dazu
noch als Geistlicher auf dieses Gebiet begeben und mich der Gefahr aussetzen,
mich lächerlich zu machen. Das konnte ich nicht. Zwar reizte mich der
Gedanke, von rein wissenschaftlichem Standpunkt aus die mir soeben
geschilderten merkwürdigen Vorgänge nachzuprüfen, wenn ich dies allein für
mich in meinem Studierzimmer hätte tun können. Aber in andere Familien gehen
und mich dem Tagesklatsch preisgeben - das wollte ich nicht. Offen gestand ich daher
jenem Herrn, daß ich auf dem Gebiete des “Spiritismus“ aus eigener Erfahrung
nicht Bescheid wisse und über das von ihm Erlebte kein Urteil abgeben könne.
Auch trüge ich großes Bedenken, seiner Einladung zur Teilnahme an einer
Zusammenkunft der von ihm erwähnten Art Folge zu leisten. Ich müsse Rücksicht
nehmen auf meinen “schwarzen Rock“ und dürfe mich nicht der Gefahr aussetzen,
in der Öffentlichkeit als “Spiritist“ verschrien zu werden. Denn meine
Teilnahme an diesen Sitzungen würde ohne Zweifel bald überall bekannt werden. Der Mann ließ jedoch meine
Einwände nicht gelten, sondern entgegnete: “Es handelt sich hier um eine sehr
wichtige Sache, über die Sie als Geistlicher und im öffentlichen Leben
stehender Mann Bescheid wissen müssen. Wenigstens haben Sie nach meiner
Ansicht die Pflicht, zu prüfen und nach eingehender unparteiischer Prüfung
sich ein Urteil darüber zu bilden. Sie werden wohl noch öfters in Ihrem Leben
über diese Dinge befragt werden. Und von wem sollen die Laien denn Aufklärung
erbitten, wenn nicht von den geistlichen Führern, zu denen wir das Vertrauen
haben, daß sie uns die volle Wahrheit sagen. Totschweigen lassen sich diese
Dinge doch nicht mehr. Auch in Deutschland nimmt die Zahl der spiritistischen
Zirkel von Tag zu Tag zu. Man findet sie fast in jedem größeren Orte. Ich
weiß wohl, daß die Kirchen den Spiritismus als Schwindel oder Teufelswerk
beiseite schieben möchten. Doch damit wird diese Frage nicht gelöst. Wenn Sie Unannehmlichkeiten
befürchten, so ist diese Furcht unbegründet. Ihre Teilnahme an unseren
Versammlungen wird in der Öffentlichkeit nicht bekannt werden. Denn die
wenigen Teilnehmer sind Persönlichkeiten, die schweigen können und alles
meiden werden, was ihnen Schaden bringen könnte. Also sagen Sie ruhig zu!“ Der Wahrheit dieser
Ausführungen konnte ich mich nicht verschließen. Der Mann hatte Recht. Wenn
wir Geistliche, die wir Lehrer und Führer des Volkes sein sollen und sein
wollen, es ablehnen, die Wahrheit über derartige Erscheinungen persönlich zu
begründen, wer sollte es denn tun? Wer könnte ein größeres Interesse an
dieser Sache haben, als gerade die Geistlichen aller Konfessionen. Denn wenn
der Spiritismus sich als Wahrheit erweisen sollte, so ist er für alle
Religionsgemeinschaften von der folgenschwersten Bedeutung. Nach einigem Zögern
erklärte ich mich daher bereit, am kommenden Sonntagabend an der Sitzung
teilzunehmen. Während der folgenden Tage
waren meine Gedanken immer mit dieser Sache beschäftigt. Halb und halb wurde
es mir wieder leid, die Zusage gegeben zu haben. Denn die Unannehmlichkeiten,
die mir daraus erwachsen konnten, erschienen mir immer größer, je mehr ich
darüber nachdachte. Mit Spannung erwartete ich den Sonntag. Nach Beendigung des
Nachmittagsgottesdienstes fuhr ich zur Stadt. Auf dem Büro des Hilfsbundes
wollte ich noch einige dringende Angelegenheiten erledigen, bevor ich zur
Sitzung ging. In meiner Rocktasche trug ich einen Zettel mit den Fragen, die
ich am Abend dem Jungen vorlegen wollte. Sie konnten nur in längeren
Darlegungen beantwortet werden. Sie waren aus der Religionswissenschaft
genommen. Ich selbst war nicht imstande, sie zu beantworten und wollte bloß
feststellen, welche Ausführungen der Junge dazu machen würde. Auf dem Büro des
Hilfsbundes fand ich einen Brief jenes Herrn vor, der mich zu der Sitzung
eingeladen hatte. Darin teilte er mir mit, daß die Sitzung nicht bei ihm
stattfinde, wie es verabredet war, sondern in der Wohnung einer anderen
Familie, deren Adresse er mir angab. Es sei so angeordnet worden. Diese unerwartete Änderung
machte mich stutzig. Ich wurde mißtrauisch. Sollte etwa ein Gaukelspiel mit
mir getrieben werden? Die Familie, in der nun die Sitzung stattfinden sollte,
kannte ich nicht, auch nicht dem Namen nach. Sollte ich mich in einer mir
ganz fremden Familie peinlichen Verlegenheiten aussetzen? Vielleicht war das
Ganze nur eine Falle, die mir gestellt werden sollte. Mein Entschluß war
gefaßt: “Du gehst nicht hin.“ Damit man nicht vergeblich
auf mich wartete, schickte ich dem Herrn durch einen Boten die Mitteilung,
daß ich nicht zur Sitzung kommen würde. Es dauerte nicht lange, da
erschien er selbst. Er bat mich, doch mitzugehen. Die Änderung bezüglich der
Sitzung sei nicht von ihm getroffen worden, sondern von einer Seite, der sie
Folge leisten müßten. Vielleicht sei der Grund darin zu suchen, daß in der
anderen Wohnung die Sitzung unauffälliger stattfinden könne, als in seiner
eigenen. So ging ich denn mit. Es war 7.30 Uhr, als wir
ankamen. Ich wurde von der Familie freundlich begrüßt. Ich merkte, daß man
über mein Kommen erfreut war. Da die Sitzung erst um 8 Uhr beginnen sollte,
hatte ich hinreichende Gelegenheit, mich mit dem Jungen zu unterhalten, der
ebenfalls schon anwesend war. Durch eine Anzahl Fragen suchte ich seinen
wissenschaftlichen Bildungsgrad festzustellen. Ich fand bald, daß er sich in
nichts von anderen mittelmäßigen Jungen seines Alters unterschied. Um 8 Uhr begann die
Sitzung. Wir waren nur wenige Personen. Ich wunderte mich darüber, daß keine
Dunkelsitzung veranstaltet wurde, sondern alles hell erleuchtet war. Ich
hatte erwartet, daß solche Sitzungen stets im Dunkeln stattfänden. Man begann mit einem kurzen
Gebet, das einer der Anwesenden mit großer Andacht vortrug. Überhaupt machten
die Teilnehmer den Eindruck des Ernstes und innerer Sammlung. Kaum war das Gebet beendet,
da fiel der Junge mit einem so plötzlichen Ruck und unter so lautem Ausstoßen
des Atems vornüber, daß ich erschrak. Er wäre zu Boden gestürzt, wenn die
Armlehne des Sessels, in dem er saß, ihn nicht gehalten hätte. Es dauerte nur
wenige Sekunden, da wurde er wie von einer unsichtbaren Hand ruckweise
emporgerichtet und saß mit geschlossenen Augen da. Ich fühlte, wie mein Herz
schneller schlug in gespannter Erwartung der Dinge, die jetzt kommen würden. “Grüß Gott!“ begann er und
wandte sich sofort an mich mit der Frage: “Weshalb bist du hierher gekommen?“
Ich staunte, daß er mich mit “Du“ anredete. Das würde der Junge in normalem
Zustand nie gesagt haben. “Ich bin gekommen als
Wahrheitssucher“, war meine Antwort. “Ich hörte von dem, was hier vor sich
geht und möchte selbst prüfen, ob es sich dabei um Wahrheit oder Trug
handelt.“ “Glaubst du an Gott?“
fragte er weiter, fügte jedoch sofort hinzu: “Nun, ich weiß, daß du an Gott
glaubst. Aber eine andere Frage möchte ich an dich richten: Warum glaubst du
an Gott?“ Diese Frage kam mir so
unerwartet, daß ich nicht recht wußte, was ich sagen sollte. Auch fühlte ich
mich verwirrt. In dieser Verwirrung beantwortete ich seine Frage so
mangelhaft, daß ich selbst mit meiner Antwort gar nicht zufrieden war. “Von dir hätte ich eine
bessere Antwort erwartet“, sagte er ruhig. Wie eine schallende Ohrfeige
wirkten diese tadelnden Worte auf mich. Ich war gekommen, um das, was hier
vor sich ging, als Schwindel aufzudecken und saß schon nach den ersten
Minuten als der Beschämte da. “Auf die Frage, die du so
unbefriedigend beantwortet hast, wollen wir später einmal zurückkommen“,
sagte er in sanftem Ton. “Und jetzt bist du an der Reihe, Fragen an mich zu
stellen. Ich werde sie dir beantworten, soweit ich es darf. Du hast dir ja
eine Reihe von Fragen aufgeschrieben, die du mir vorlegen willst. Nimm den
Zettel mit den Fragen, den du bei dir trägst!“ Die Anwesenden sahen mich
erstaunt an. Denn niemand hatte von diesem Zettel Kenntnis. Meine erste Frage
lautete: “Wie kommt es, daß das Christentum auf die heutige Menschheit fast
keinen Einfluß mehr auszuüben scheint?“ Ohne auch nur einen
Augenblick zu zögern oder zu überlegen, begann er mit seiner Antwort. Die von
den Anwesenden während seines Vortrages gestellten Zwischenfragen und
vorgebrachten Einwendungen erledigte er mit einer staunenerregenden
Einfachheit und Klarheit. Nach meinen stenographischen Aufzeichnungen machte
er folgende Ausführungen: “Die Lehre Christi ist in
den auf euch gekommenen Urkunden nicht mehr in ihrem ganzen Umfange und auch
nicht in ihrer ursprünglichen Reinheit und Klarheit enthalten. In dem, was
ihr Neues Testament nennt, sind manche wichtigen Abschnitte weggelassen. Ja
ganze Kapitel wurden daraus entfernt. Was ihr noch besitzt, sind verstümmelte
Abschriften. Die Originale sind euch unbekannt, so daß die Verstümmelungen
des Urtextes nicht aufgedeckt werden können. Die dies getan haben, sind von
Gott schwer bestraft worden.“ Da fragte einer der Anwesenden,
wer es denn gewesen sei, der sich in dieser Weise an den heiligen Schriften
vergriffen habe. “Das zu erfahren, ist nicht
eure Sache“, war seine kurze Antwort. “Es muß euch genügen zu wissen, daß es
geschehen ist und daß Gott die Täter bestraft hat. Was nützt es euch, die
Namen zu erfahren! Ihr würdet die Kenntnis der Täter doch nur dazu benützen,
um über sie Gericht zu sitzen. Und ihr wißt, daß ihr über eure Mitmenschen
nicht richten sollt. Gott richtet! - das genügt. Auch ein von dem Apostel
Paulus an alle Christengemeinden geschriebener Brief ist vernichtet worden.
Darin hatte er die Stellen aus seinen früheren Briefen, die zu
Mißverständnissen Veranlassung gegeben hatten, ausführlich erklärt. Diese
Klarstellungen paßten jedoch nicht zu manchen irrigen Lehren, die sich später
in das Christentum eingeschlichen hatten.“ Hier unterbrach ich ihn mit
der Frage, wann denn die ersten von der richtigen Lehre abweichenden
Meinungen in das Christentum eingedrungen seien. Er antwortete: “In geringem
Maße schon im ersten christlichen Jahrhundert. Du weißt doch, daß schon zur
Apostelzeit nicht wenige Meinungsverschiedenheiten in den christlichen
Gemeinden auftraten. Nachher schlichen sich viele irrige Menschenmeinungen
und Menschensatzungen ein, die mit der Lehre Christi nicht übereinstimmen.
Wenn ihr den vollständigen und unverfälschten Text der Lehre Christi hättet,
würde euch so manche Last von den Schultern genommen sein, die euch von
Menschen im Namen der Religion und des Christentums aufgebürdet wurde. Manche
Lehre, die man euch zu glauben zumutet, obschon sie eurem Verstande unmöglich
erscheint, würde in Wegfall kommen, weil sie als unrichtig erkannt würde, und
ihr könntet aufatmen als freie Kinder Gottes. So aber fühlen Millionen
Menschen, daß vieles von dem, was heute das Christentum lehrt, nicht richtig
sein kann. Aus Gewohnheit behalten sie es zwar äußerlich bei, aber eine
innere Wirkung hat es nicht, denn das lebendige Fürwahrhalten fehlt. Viele behalten das heutige
Christentum aber nicht einmal äußerlich bei. Anstatt nun das Unrichtige daran
abzuwerfen, schütteln sie das ganze Christentum samt dem Gottesglauben ab,
weil sie meinen, das hänge alles zusammen. Und das ist schlimm. Doch wird die Zeit kommen,
wo die Lehre Christi in ihrer vollen Reinheit und Wahrheit der Menschheit
wiedergegeben wird. Auf welche Weise das geschieht, braucht ihr jetzt noch
nicht zu wissen. Aber auch das, was von den
Urkunden des Neuen Testamentes erhalten geblieben ist, hat an nicht wenigen
Stellen Änderungen erfahren. Die Abschreiber änderten Worte und Satzteile,
ließen an der einen Stelle ein Wort aus oder setzten an einer anderen ein
Wort hinzu, wodurch der Sinn des Satzes entstellt wurde, je nachdem es zu
ihren Zwecken paßte. Meistens wollten sie für die Glaubensmeinungen ihrer
Zeit auch in der Bibel eine Beweisstelle schaffen, und sie griffen zu dem
Mittel der Fälschung. Sie waren sich nicht immer der Größe ihres Unrechtes
bewußt. Sie glaubten vielmehr, der Religion damit einen Dienst zu erweisen.
So wurde das Volk in die Irre geführt. Und viele empfinden es in ihrem
tiefsten Inneren, daß sie nicht auf dem rechten Wege sind, wenn sie auch
nicht die Möglichkeit haben, Klarheit darüber zu bekommen. Die notwendige
Folge davon ist, daß ein so entwurzeltes Christentum keine fruchtbringende
Wirkung mehr ausüben kann. Denn jeder Zweifel an der Wahrheit hemmt ihre
Wirkung.“ “Darf ich dich bitten“,
sagte ich beklommen, “mir eine Stelle im Neuen Testament zu nennen, an der
durch Änderung oder Weglassung eines Wortes eine sinnentstellende Fälschung
vorgenommen wurde?“ “Es ist zwar nicht der
geeignete Zeitpunkt“, - erwiderte er, - “wo ich auf diese Fälschungen im
einzelnen eingehen möchte. Ich werde es später tun, wenn ich euch die Bibel
im Zusammenhang erkläre. Dennoch will ich deine Bitte erfüllen und dir zwei
Stellen angeben: eine Stelle, an der ein Wort durch ein anderes ersetzt
wurde, und eine Stelle, an der ein Wort weggelassen wurde. Du kennst den Ausruf des
Apostels Thomas nach dem Wortlaut eurer heutigen Bibel: ‘Mein Herr und
mein Gott!‘ (Joh. 20,28). - In Wirklichkeit hat er jedoch den Ausdruck
gebraucht, den die Apostel Christus gegenüber stets anwandten: ‘Mein Herr und
Meister!! Das Wort ‘Meister‘ hat man später in das Wort ‘Gott‘ umgefälscht.
Zu welchem Zwecke das geschah, werde ich euch bei einer anderen Gelegenheit
erklären. Eine Stelle, an der ein
Wort ausgelassen und dadurch der ganze Sinn geändert wurde, wird dich ganz
besonders interessieren. Du bist katholischer Priester. Du meinst die Gewalt
zu haben, Sünden zu vergeben. Welche Stelle des Neuen Testamentes nimmst du
als Beweis dafür, daß den Priestern eine solche Gewalt übertragen worden
ist?“ Ich führte die Stelle an: “Welchen
ihr die Sünden nachlasset, denen sind sie nachgelassen“ (Joh. 20,23). Er
verbesserte mich, indem er die Stelle wörtlich wiedergab: “Wenn ihr die
Sünden anderer vergebt, werden sie ihnen vergeben“ und fuhr fort: “Das Wort,
was ihr mit ‘ihnen‘ übersetzt, heißt im Griechischen auch ‘selbst‘. Nun stand
vor diesem Wort ‘selbst‘ im Urtext noch das Wort ‘euch‘. Das, was ihr also
heute mit ‘ihnen‘ übersetzt, hieß in Wirklichkeit ‘euch selbst‘. Die Stelle
lautete also im Urtext wörtlich: ‘Wenn ihr die Sünden anderer vergebet,
werden sie euch selbst vergeben.‘ Du siehst wohl ein, welche Entstellung des
Sinnes durch Weglassen des Wortes ‘euch‘ entstanden ist. Christus sagt an
dieser Stelle nichts anderes, als was er an vielen Stellen ausgesprochen hat,
nämlich: Ihr sollt euren Mitmenschen die Fehler und Sünden, die sie gegen
euch begangen haben, von Herzen vergeben, damit ihr von Gott für eure eigenen
Sünden Verzeihung erlangt. 'Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir
vergeben unseren Schuldigern.' (Matth. 6,12) Das Vergeben ist das
Schwerste in euerem Leben. Darum empfanget ihr dazu eine besondere Hilfe
Gottes. Christus sagt ja auch an derselben Stelle: ‘Empfanget einen heiligen
Geist!‘ Wenn ihr anderen die Sünden vergebet, werden sie euch selbst
vergeben. Wenn ihr sie aber festhaltet, nämlich in eurem Herzen, dann werden
auch die eurigen festgehalten werden, nämlich von Gott. - Hast du das
verstanden? Ich antwortete sehr
niedergedrückt und nachdenklich mit einem leisen “Ja“ und fügte sofort hinzu: “Dann hat es also nach
deiner Ansicht keinen Wert, daß ich als Priester das Sündenbekenntnis anderer
entgegennehme, wenn ich keine Lossprechung erteilen kann? ich müßte demnach
die ganze Sache drangeben.“ “Das brauchst du nicht“,
erwiderte er. “Da die deiner Kirche angehörenden Christen der Meinung sind,
sie müßten zur Erlangung der Sündenvergebung ihre Sünden dem Priester
beichten, so nimm ruhig das Bekenntnis entgegen, wie dein Amt es dir
vorschreibt. Denn es ist ja nichts Böses oder von Gott Verbotenes, einem
Menschen seine Sünden zu offenbaren. Aber du sollst nicht glauben, daß du
die Sünden der Beichtkinder an Gottes Stelle vergeben kannst. Deine Aufgabe
kann es nur sein, durch Belehrung, Ermahnung, Zuspruch und innere Aufrichtung
die sündige Gesinnung aus dem Herzen des Beichtenden zu entfernen, so daß er
innerlich umgewandelt nach Hause geht und in seinem Tun sich als ein anderer
Mensch erweist. Ein gewohnheitsmäßiges Beichten und Lossprechen ist nicht
bloß zwecklos, sondern eine Entweihung des Gedankens der Versöhnung mit Gott. Durch deine Zwischenfragen
bin ich von meinem Thema abgeschweift. Ich will nun damit fortfahren. Wenn auch manches von der
Lehre Christi in den auf euch gekommenen Abschriften der alten Urkunden
absichtlich weggelassen, anderes durch Fälschungen geändert worden ist, so
bleibt doch noch so vieles Richtige übrig, daß die Menschen durch Befolgung dieses
Richtigen ihrem Gott näher kommen könnten. Doch leider vermögen sie das
Richtige vom Falschen nicht zu unterscheiden. Die Grundlage der Lehre
Christi ist nach seinen eigenen Worten: ‘Liebe Gott über alles und deinen
Nächsten wie dich selbst!‘ Wer das befolgt, hat das ganze christliche Gesetz
erfüllt. Alle anderen Wahrheiten sind bloß Ergänzungen zu dieser
Grundwahrheit und helfende Richtlinien zu ihrer Ausführung im Leben des
einzelnen. Und nun komme ich zum
letzten, nicht minder wichtigen Grunde, weshalb das Christentum auf die
heutige Menschheit keinen Einfluß mehr auszuüben scheint. Das Volk sieht bei seinen
geistlichen Führern nicht die praktische Befolgung dessen, was das
Christentum lehrt, und was sie selbst predigen. Das gilt von den Geistlichen
aller christlichen Religionen. Es gibt Ausnahmen. Aber sie sind
verhältnismäßig selten. Wo sind die Geistlichen, die ihr neben Christus
stellen könntet, ohne daß sie zu erröten brauchten? Wieviele sind es, die
Leid, Armut und Not mit ihren Brüdern und Schwestern tragen? Ihre
Gemeindemitglieder sind doch ihre Brüder und Schwestern. Dienen sie
diesen, wie es die Weisung Christi ist, oder ist es nicht vielmehr ein
Herrschen und Ausnutzen? Tun sie etwas umsonst? Lassen manche sich nicht
sogar das Beten bezahlen? Und ihr sonstiger
Lebenswandel! Doch darüber will ich jetzt nichts sagen. Über diesen Punkt
möchte ich mit dir einmal allein sprechen.“ Bei diesen Worten wandte er
sich zu mir und fuhr fort: “Du willst morgen zu deinen Angehörigen reisen.
Diese Reise ist nicht eilig. Bleibe morgen noch hier und komme morgen Abend
um 7.30 Uhr wieder hierher. Alsdann reden wir beide allein miteinander. Sage
also diesem Jungen, aus dem ich spreche, sobald er zu sich kommt, er möge
morgen Abend um 7.30 Uhr hier sein.“ Dann machte er Schluß,
indem er in einer fremden Sprache betete und die Hände zum Segen erhob mit
den Worten: “Seid gesegnet im Namen Gottes! - Grüß Gott!“ Nach diesem Gruß fiel der
Junge vornüber wie am Anfang der Sitzung, öffnete seine Augen und sah sich
verwundert um. Es war ihm unverständlich, daß es schon so spät sei. Von dem
Vorgefallenen wußte er nichts. Er sagte, es sei ihm so, als habe er lange und
gut geschlafen. Er fühlte sich sehr frisch und wohl. Als ich ihm sagte, er möge
am anderen Abend um 7.30 Uhr wieder hier sein, erklärte er mir, daß sei ihm
nicht möglich. Sie hätten morgen eine dringende Arbeit fertigzustellen, und
es werde sicher 9 Uhr werden, bis er zu Hause sein könne. Das sei gestern
bereits von seinem Lehrherrn so angeordnet worden. Trotzdem nahm ich mir vor,
meine Reise zu verschieben und am kommenden Abend zu der mir angegebenen Zeit
wieder hinzugehen. Als ich nach Schluß der
Sitzung zu meiner Wohnung ging, war es mir, als erwachte ich aus einem
schweren Traum. Der Mond ergoß seinen Silberschein über die Dächer und die
Sterne schauten so ruhig in die klare Nacht. In mir aber schlugen die Flammen
meiner Gedanken bergeshoch empor. Ich fühlte, daß dieses Feuer schon die
Balken umzüngelte, auf denen mein bisheriges Glaubensgebäude ruhte. Wer sprach die Wahrheit?
Die Religion, deren Priester ich war, oder die Stimme aus diesem Jungen? Oder
war es vielleicht der Junge selbst, der sich das alles zusammenreimte und vor
uns eine Komödie aufführte?“ Der Junge aus sich? - Nein,
das war ausgeschlossen. Das zu glauben, war mir unmöglicher, als alle
Glaubenssätze der Welt zusammengenommen. Nun hatte ich hier und da etwas
gelesen von “Hellsehern“, “Unterbewußtsein“, “Gedankenübertragung“. Doch auch
damit wußte ich für den vorliegenden Fall nichts anzufangen. So wollte ich
denn ruhig weiter prüfen. Die Sache war mir zu wichtig, als daß ich sie
einfach beiseite schieben konnte. Ein “Zurück“ gab es für mich nicht mehr.
Ich mußte volle Klarheit haben. Vielleicht brachte mich die nächste Sitzung
schon einen Schritt weiter. _______ *
_______ Den
Weg der Wahrheit habe ich erwählt, deine
Verordnungen mir vor Augen gestellt. Ps.
119,30 Belehrung über den biblischen
Geisterverkehr Nach einer ziemlich
schlaflosen Nacht suchte ich während des folgenden Tages durch angestrengte
Arbeit auf dem Büro des Hilfsbundes die mich quälenden Gedanken loszuwerden. Am Abend war ich kurz vor
7.30 Uhr wieder in der Wohnung, in der gestern die Sitzung stattgefunden
hatte. Zu meiner Überraschung war auch der Junge schon anwesend. Er erzählte
mir, daß nachmittags um 4 Uhr sein Arbeitgeber gekommen sei mit der
Eröffnung, er habe es sich anders überlegt, und die Arbeit, die heute Abend
durch Überstunden fertiggestellt werden sollte, verschiebe er auf den anderen
Morgen. Ich war mit dem Jungen
allein. Als die Uhr 7.30 schlug, fiel er in derselben Weise wie tags zuvor in
den mir unerklärlichen Zustand, grüßte wiederum mit dem Gruß “Grüß Gott!“,
reichte mir die Hand und sagte: “Ich freue mich, daß du hiergeblieben bist. Denn
ich habe dir vieles zu sagen. Zunächst aber muß ich noch den letzten Punkt
meines gestrigen Vortrages zu Ende führen. Ich hatte dir ja gesagt, daß ich
darüber nur sprechen wolle, wenn wir beide allein wären.“ Und nun begann er, ein Bild
des Lebenswandels eines großen Teiles der Geistlichkeit zu entwerfen.
Erschüttert und schmerzlich bewegt hörte ich zu. Dann aber sagte er mit
großer Freundlichkeit zu mir: “Nun sprich dich ganz offen und vertrauensvoll
bei mir aus. Denn ich weiß, daß seit gestern in deinem Inneren alles drunter
und drüber geht und du dich nicht mehr zurechtfindest.“ Mit vor innerer Erregung
bebender Stimme erwiderte ich: “Du hast Recht. Meine Gedanken wirbeln
durcheinander. Ich weiß nicht, was ich von alledem halten soll. Ich bitte
dich, belehre mich über alles und sage mir vor allem, wer du bist und wie es
möglich ist, daß du durch diesen Jungen redest.“ “Du hast Recht, daß du mich
zunächst fragst, wer ich bin. Denn ihr sollt die Geister, die zu euch reden,
vor allem prüfen, ob sie von Gott sind, damit ihr nicht die Opfer böser
Geister werdet, die euch leiblich und geistig zugrunde richten, euch nicht
die Wahrheit sagen, sondern die Lüge, und dadurch euren Lebensweg zum Abgrund
führen. - Ich schwöre es dir bei Gott, daß ich ein guter Geist Gottes bin,
und zwar einer der höchsten. Meinen Namen behalte für dich! Nun nannte er seinen Namen. “Ich bin es, der dich
hierher geführt hat. Ich will dich im Auftrage Gottes belehren, und du
hinwiederum lehre deine Mitmenschen!“ Ich wußte nicht, wie mir
war und wie mir geschah. “Jetzt will ich beginnen“,
fuhr er fort, “dich über das zu belehren, was hier vor sich geht. Du meinst
wohl, es sei etwas ganz Neues und Unerhörtes, was du hier wahrnimmst. Es ist
dies so alt, wie die Menschheit. Von den Tagen der ersten Menschen bis heute
ist die Geisterwelt mit den Menschen in Verbindung getreten. Die gute
Geisterwelt und freilich auch die böse. Du hast doch in den alten Urkunden,
die ihr “Altes Testament“ nennt, oft genug gelesen, daß Gott zu den Menschen
gesprochen hat. Gott sprach zu Adam, zu Kain, zu Abraham, Isaak, Jakob, zu
Mose und vielen anderen. Wie denkst du dir das? Gott ist doch ein Geist. Ein
Geist hat aber nicht einen materiellen Mund und materielle Stimmbänder, daß
er nach Art der Menschen reden könnte. Wie also sprach Gott zu diesen
Menschen?“ “Ich weiß es nicht“, war
meine kurze Antwort. “Und wie erklärst du dir
das Erscheinen der drei Männer bei Abraham? Dieser wußte, daß es keine
Menschen, sondern Boten Gottes waren. Doch gab er ihnen zu essen und
verhandelte mit ihnen über die Vernichtung der Städte Sodom und Gomorrha. Wie
erklärst du dir diese Vorgänge?“ Ich konnte nichts erwidern.
Das alles hatte ich wohl hundertmal gelesen und den Kindern in der Schule
vorgetragen. Aber wie der in der Bibel erwähnte Verkehr der Geister mit den
Menschen vor sich ging und zustande kam, davon hatte ich noch nie etwas
gehört und mir auch selbst noch keine Gedanken darüber gemacht. Er fuhr fort, ein Examen
über diese Dinge mit mir abzuhalten. Aber auf nichts konnte ich ihm eine
richtige Antwort geben. “Du weißt, daß ihr Menschen
verschiedene Mittel habt, um denen Mitteilungen zukommen zu lassen, die von
euch entfernt sind. Ihr schreibt ihnen Briefe, telefoniert oder telegrafiert
ihnen, und jetzt benutzt ihr sogar die Ätherwellen im Radio. - So hat auch
die durch die Materie von euch getrennte Geisterwelt verschiedene Mittel, mit
euch in einer euch wahrnehmbaren Weise in Verbindung zu treten. Aber ihr Menschen von heute
denkt über diese Dinge nicht nach. Ihr lest das alles, aber es bleibt ein
totes Lesen. Nimm die gewaltige
Geschichte des Mose! Da findest du, daß der ‘Engel des Herrn‘ aus dem
brennenden Dornbusch redet; daß Gott Tag für Tag dem Mose Anweisungen gibt,
was er tun soll; daß der ‘Engel des Herrn‘ vor dem Volke Israel in einer
Wolkensäule herzieht und daraus spricht; daß Moses Gott befragt, sooft er
will, und daß Gott ihm antwortet. Aber auch das Volk konnte
Gott fragen. Es ging in das Offenbarungszelt vor dem Lager, in dem Josua, der
Diener des Mose, beständig anwesend sein mußte und das er deshalb nicht
verlassen durfte. - Nun denke einmal darüber nach, warum wohl der junge Josua
immer in dem Zelte bleiben mußte! Hing das vielleicht mit dem Befragen Gottes
zusammen?“ Da schoß mir blitzartig die
Antwort durch meine Gedanken, und ich sagte hastig: “Das war wohl mit dem
Josua so, wie es hier mit diesem Jungen ist? Wie du den Körper dieses Jungen
benutztest, um mit mir zu reden, so bediente sich damals die Geisterwelt des
Josua?‘ “Du hast es richtig
erkannt“, sagte er. “Nur mußt du dir merken, daß es in den seltensten Fällen
Gott selbst war, wenn es in der Bibel heißt: ‘Gott sprach!‘ Denn Gott spricht
in der Regel durch seine Geisterboten. Auch sollst du nicht
meinen, daß die Geisterwelt sich stets eines Menschen bedient, wenn sie zu
euch sprechen will. Es gibt viele Mittel für die Geister, sich euch
verständlich zu machen. So findest du, daß Gott
durch die ‘Wolkensäule‘ sprach. In sehr vielen Fällen wurde der Verkehr mit
den Geistern durch die Gabe des ‘Hellsehens‘ und ‘Hellhörens‘ einzelner
Menschen für diese ermöglicht. Das Sprechen Gottes mit Adam und Eva und auch
manchen der späteren Zeit vollzog sich auf dem Wege des Hellhörens. Dann gab es noch ein
Mittel, dessen man sich bei den Israeliten oft bediente, um Gott zu fragen.
Es war das ‘Brustschild‘ auf dem Kleid des Hohenpriesters, das darum auch den
Namen ‘Orakelschild‘ führte. Über den genauen Hergang bei dieser Art der
Befragung Gottes werde ich dich später eingehend belehren. Aber nicht bloß im Alten
Testament fand dieser Geisterverkehr statt, sondern in ebenso ausgedehntem
Maße im Neuen Testament. Alle Evangelien und besonders die Apostelgeschichte
enthalten eine große Anzahl von Berichten über Geisterkundgebungen. -
Christus selbst hatte es ja allen, die gläubig würden, fest verheißen, daß er
ihnen die Geister Gottes senden werde. Die Vorgänge bei den
gottesdienstlichen Versammlungen der ersten Christen, die ihr euch heute
nicht mehr erklären könnt, waren nichts anderes als ein Kommen und Gehen der
Geisterwelt. Sie redete durch den einen der Versammelten in einer fremden
Sprache, durch einen anderen in der Muttersprache der Anwesenden, einem
Dritten gab sie die Kraft, Kranke zu heilen und wieder anderen erteilte sie
andere Gaben, je nachdem sich die einzelnen für die betreffenden Gaben als
Werkzeuge in der Hand der Geisterwelt eigneten. Das war damals etwas
Alltägliches und wurde als etwas Selbstverständliches betrachtet. Dieser Geisterverkehr hat
nicht etwa mit der ersten christlichen Zeit aufgehört, wie man euch von
seiten der ‘Kirchen‘ darzutun sucht. Vielmehr soll und wird er zu allen
Zeiten bestehen. Denn es ist der einzige Weg, auf dem ihr die Wahrheit
erlangen könnt. Das hängt allerdings von
den Menschen ab, ob sie mit den Geistern Gottes in Verbindung kommen oder
nicht. Auch im Alten Bund gab es Zeiten, in denen der Verkehr der guten
Geisterwelt mit den Menschen fast ganz aufhörte. Es waren die Zeiten der
Gottentfremdung. Auch heute sind die
Menschen trotz der vielen Gotteshäuser, die ihr baut, zu einem sehr großen
Teil von Gott abgekommen und dem Bösen verfallen. Wenn die heutige Menschheit
ihrem Gott innerlich wieder so nahe kommt, wie dies in manchen Zeiten des
Alten Bundes und in der ersten christlichen Zeit der Fall war, so werden sich
alle die euch so wunderbar erscheinenden Dinge wieder ereignen, die euch aus
jenen Zeiten berichtet sind. Denn es ist derselbe Gott, damals wie heute. Er
hat seine Geschöpfe heute genauso lieb wie damals, und er kennt kein Ansehen
der Person. Für heute mögen diese allgemeinen
Belehrungen genügen. Über die Einzelheiten des Verkehrs der Geister mit euch
Menschen wirst du im Laufe der Zeit genauer unterrichtet werden, wenn du
Willens bist, dich belehren zu lassen und die Aufgabe zu übernehmen, die dir
zugedacht ist. Gezwungen wirst du nicht. Du hast deinen freien Willen. Du
kannst das Dargebotene annehmen und der Wahrheit Zeugnis geben oder es
ablehnen und deinen bisherigen Weg weitergehen. Bist du bereit, es
anzunehmen, so wirst du wohl große irdische Opfer zu bringen haben. Du wirst
Verfolgung leiden müssen um des Rechten und der Wahrheit willen. Aber den
Frieden wirst du finden. - Lehnst du aber das dargebotene Gottesgeschenk ab,
so hast du dafür die Verantwortung zu tragen. Entscheide selbst! So - oder
so. Du sollst nicht blindlings
alles hinnehmen, sondern prüfen sollst du, ob es die Wahrheit ist oder ob dir
ein Gaukelspiel des Bösen vorgemacht wird. Du sollst dich nicht mit dem
zufrieden geben, was du von mir hörst. Du sollst auch durch eigene Anschauung
auf diesem Gebiet Erfahrungen sammeln, unabhängig von dem, was dir hier
entgegentritt. Deshalb möchte ich dich zum
Schluß bitten: Suche dir in deiner Landpfarre einige Personen aus, die von
derartigen Dingen noch nichts wissen. Halte mit ihnen zu einer gelegenen
Stunde wöchentlich die eine oder andere Zusammenkunft unter Gebet und
Schrifterklärung, so wie es bei den ersten Christen Sitte war. Und dann gib
auf alles genau acht, was sich dabei ereignen wird. So wirst du Gelegenheit
haben, das dort Erlebte mit dem zu vergleichen, was du hier siehst und hörst.
Daneben richte es so ein, daß du jeden Sonntagabend 8 Uhr hier in diesem
Kreise bist, damit ich mit meinen Belehrungen fortfahren kann.“ “Ich bin gern bereit“,
sagte ich, “sonntags hierher zu kommen, sooft es mir möglich sein wird. Doch
kann ich mich nicht dazu entschließen, droben in meiner Landpfarre aus diesen
einfachen Bauersleuten einige Personen für eine solche Zusammenkunft
auszuwählen. Das würde in dem kleinen Dorfe ein ungeheueres Aufsehen erregen,
dessen Folgen nicht abzusehen wären. Zudem wüßte ich auch nicht, wen ich dazu
nehmen könnte.“ “Wenn du dich nur dazu
entschließen wolltest, dann würde alles andere schon gefügt werden“,
entgegnete er auf meine Einwendungen. “Du mußt es nicht. Alles unterliegt
deiner freien Willensentscheidung. Aber ich möchte dir doch dazu raten. Und
nun will ich schließen.“ Die Hände, wie tags zuvor,
zum Segen erhebend, sprach er die Worte: “Gott möge dich behüten! Er möge dir
Kraft geben, seinen Willen auszuführen! Amen. - Grüß Gott!“ Dann sank der Junge wieder
vornüber und kam nach wenigen Augenblicken zu sich. Von allem, was sich
zugetragen, wußte er nichts. Alle natürlichen
Erklärungsversuche, die ich heranzog, mußte ich immer wieder als unzulänglich
preisgeben. Sie reichten nicht aus, auch nur einen geringen Teil des Erlebten
verständlich zu machen. Was mich am meisten, ich
möchte sagen mit unwiderstehlicher Gewalt innerlich gefangen nahm, war die
ruhige Klarheit und überzeugende Folgerichtigkeit dessen, was ich hier zum
erstenmal hörte. So konnte nur die Wahrheit wirken. Dieser Wirkung vermochte
ich mich nicht zu entziehen, selbst wenn ich es versucht hätte. So vieles in der Bibel, was
ich bis dahin nicht verstanden hatte, war mir jetzt klar. Zudem stand ich erst am Anfang.
Eine vollständige Belehrung über alle Zusammenhänge war mir in Aussicht
gestellt. Ich brauchte nur das Dargebotene anzunehmen. Noch mehr! Ich sollte
mich mit dem hier gehörten nicht begnügen. Ich sollte auch aus einer anderen,
von dieser unabhängigen Quelle schöpfen, um sicher zu gehen. Ich sollte mit
einfachen, unerfahrenen Leuten vom Lande, die vom “Spiritismus“ keine Ahnung
hatten, mich zu einer Art Gottesdienst nach dem Beispiel der ersten Christen
zusammensetzen, fern von jeder fremden Beeinflussung - in meiner eigenen
Pfarrei. Sollte ich das wirklich
wagen? Was würden die Leute sagen? Ich merkte, wie das Gefühl der
Menschenfurcht in mir hoch kam. - Würden meine eigenen Pfarrkinder mich nicht
für geistesgestört halten müssen, wenn ich etwa Derartiges unternähme? - Und
wenn meine geistliche Behörde davon Kunde erhielt, würde es mich nicht meine
Stelle kosten? Ein schwerer Kampf tobte in
mir. Nach welcher Seite sollte ich mich entscheiden? Denn daß ich mich jetzt
entscheiden müsse, fühlte ich. Nie in meinem Leben habe ich mit einer solchen
Innigkeit zu Gott gebetet, wie in diesen Tagen. Endlich entschloß ich mich,
die gegebenen Weisungen zu befolgen, auch unter den größten persönlichen
Opfern, auch unter Verlust meiner Stellung und meiner wirtschaftlichen
Existenz. So war also die
Entscheidung gefallen. Danach wurde ich innerlich vollkommen ruhig, und mit
großer Zuversicht sah ich den kommenden Dingen entgegen. _______ *
_______ Ihr
jedoch gehört zu denen, welche die geistige Salbung der Wahrheit von
dem Heiligen empfingen und daher in die ganze Wahrheit eingeführt sind. 1.
Joh. 2,20 Ohne Rücksicht auf die
drohenden Folgen hatte ich mich entschlossen, in meiner eigenen Pfarrei
einige Leute auszusuchen, um mit ihnen Zusammenkünfte zu veranstalten, wie
ich sie in der benachbarten Stadt selbst mitgemacht hatte. Wen ich dazu
nehmen sollte, wußte ich nicht. Es war mir ja gesagt worden, es werde alles
gefügt, sobald ich dazu bereit sei. Und so geschah es. Ich brauchte mir die
Leute nicht zu suchen, sondern sie wurden mir ohne mein Zutun auf ganz
merkwürdige Weise zugeführt. In meiner Pfarrei hatte ich
eine Kranke, die teilweise gelähmt war. Ich besuchte sie mehrere male in der
Woche. Eine Schwester von ihr war in meinem Pfarrort verheiratet und hatte
vier Kinder im Alter von 20 bis 28 Jahren: Drei Söhne und eine Tochter. An einem Abend saß ich bei
der Kranken und unterhielt mich mit ihr. Da kam einer der Söhne ihrer
Schwester und fragte, ob seine Mutter nicht hier sei. Es wurde ihm gesagt,
daß die Mutter dagewesen, aber wieder fortgegangen sei, um einige Geschäfte
zu besorgen. Sie werde in wenigen Minuten wieder hierher zurückkommen. Der
Junge setzte sich hin, um auf die Mutter zu warten. Es dauerte nicht lange,
da kam die Mutter und fast gleichzeitig mit ihr die beiden anderen Söhne, die
ihren Bruder abholen wollten. Denn sie hatten mit Kameraden verabredet, sich
an diesem Abend in einer bestimmten Familie zu treffen. Einige Minuten später
trat auch die Tochter ins Zimmer. Sie war Krankenpflegerin und wollte mich
fragen, ob bei einem Kranken Nachtwache nötig sei. So waren wir also zu sieben
Personen zusammen. Plötzlich brachte einer der Söhne die Sprache auf meine
Predigt vom letzten Sonntag. Ich hatte darin einen Abschnitt aus der Bibel
angeführt, der ihnen gänzlich unbekannt war. Nun erklärte ich den um mich
herum Sitzenden ausführlich jene Stellen der Heiligen Schrift. Alle hörten
mit größter Aufmerksamkeit zu. Als ich geendet hatte, meinte einer der Söhne,
er wäre froh, wenn er öfters Gelegenheit hätte, über so manches aus der Bibel
Aufklärung zu bekommen. Ich sagte, daß ich gern
bereit sei, hier bei ihrer kranken Tante öfters mit ihnen zusammenzukommen
und ihnen die Fragen zu beantworten, die sie mir vorlegen würden. So hätten
sich ja auch die ersten Christen in ihren Häusern versammelt und die
religiösen Dinge zusammen besprochen. Mit Freuden willigten die Anwesenden in
meinen Vorschlag ein, und wir setzten sofort schon die Abende für diese Zusammenkünfte
fest. An mehreren Abenden waren
wir bereits zusammengekommen, ohne daß sich etwas Außergewöhnliches dabei
ereignet hatte. Bei unseren “Sitzungen“ begannen wir mit Gebet. Dann widmeten
wir, uns die Hände reichend, einige Minuten schweigend der inneren Sammlung.
Es folgte eine Lesung aus der Heiligen Schrift und Erklärung und Besprechung
des Gelesenen sowie Beantwortung der von den Anwesenden gestellten Fragen.
Auch überlegten wir zusammen, wie wir den Notleidenden unserer näheren oder
weiteren Umgebung Hilfe bringen könnten. Ich wunderte mich, mit
welch tiefem Ernst besonders die drei Brüder die Sache aufnahmen. Dabei fiel
nicht bloß mir, sondern auch der Mutter etwas Merkwürdiges auf: Der
Gesichtsausdruck der drei Jungen wurde ein anderer, viel edler und schöner.
Selbst Fremden fiel dies auf. Auch bekannte einer dieser drei, er wisse
nicht, was eigentlich in seinem Inneren vorgehe. Wenn er draußen im Feld bei
der Arbeit sei, mahne ihn eine innere Stimme ständig daran, Gott zu loben und
zu preisen und ihm zu danken. Früher seien ihm solche Gedanken nie gekommen.
Und wenn er jetzt bei seinem jähzornigen Temperament einmal einer
Zornesaufwallung nachgebe, dann falle ihm dies in demselben Augenblick so
schwer auf die Seele, daß er sofort in der Arbeit einhalten müsse, um Gott
für den begangenen Fehler um Vergebung zu bitten. Erst dann könne er wieder
froh weiterarbeiten. Früher sei er dutzendemal am Tage in diesen Fehler
gefallen, ohne daß er sich dadurch innerlich beschwert fühlte. Es war dasselbe, was auch
ich an mir erfahren hatte seit dem Tage, wo ich die erste Zusammenkunft in
der benachbarten Stadt mitgemacht haue. Fehler und Nachlässigkeiten, die ich
früher nicht beachtete, brannten wie Feuer in meiner Seele. In unserer vierten Sitzung
hatte ich eine Stelle der Bibel erklärt. Meine Auslegung war dieselbe, wie
sie heute von allen christlichen Bibelauslegern gegeben wird. Eine andere
kannte ich nicht. Noch war ich mit meiner Auslegung nicht zu Ende, als sich
des einen Jungen eine mir unerklärliche Erregung bemächtigte. Mit merkwürdig
glänzenden Augen sah er mich an, und ich merkte, wie er sich innerlich gegen
etwas zu wehren suchte. Plötzlich wandte er sich an mich, indem ein Zittern
durch seine Glieder ging, und sagte: “Ich kann nicht anders. Ich muß Ihnen
mitteilen, daß Ihre Erklärung falsch ist. Ich werde gezwungen, die richtige
Auslegung zu sagen.‘ Und nun sprach er die
Sätze, die ihm als Auslegung der Bibelstelle innerlich eingegeben wurden. Sie
waren so klar und einleuchtend, daß weder bei mir noch bei den anderen
Teilnehmern ein Zweifel an ihrer Richtigkeit möglich war. Noch hatten wir uns von
unserem Staunen nicht erholt, da erklärte derselbe Junge: “Ich muß
schreiben.“ “Was willst du denn
schreiben?“ fragte ich. “Ich weiß es nicht. Aber
eine unwiderstehliche Gewalt zwingt mich dazu. - Gebt mir Papier und
Bleistift!“ Wir legten ihm beides hin.
Sofort schrieb er mit großer Geschwindigkeit eine Seite eines Folioblattes
voll. Ein Buchstabe war an den anderen gereiht, ohne daß Wörter und Sätze
voneinander getrennt waren. Als Unterschrift stand unter dem Geschriebenen
das Wort “Celsior.“ Das Schriftstück enthielt
eine für uns wichtige Belehrung. Der Junge fragte mich, was das Wort
“Celsior“ zu bedeuten habe. Ich erklärte ihm, daß es ein lateinisches Wort
sei und so viel heiße wie: “Der Höhere“ oder “ein Höherer“. Ich wollte nun von dem
Jungen wissen, welche Empfindungen er bei dem soeben Erlebten gehabt habe. Er
gab mir zu Antwort, daß er nicht die rechten Worte finde, um das
auszudrücken. Er habe unter dem Einfluß einer Gewalt gestanden, die so groß
war, daß er nicht widerstehen konnte. Er habe sich zwar mit allen Kräften zur
Wehr gesetzt, als er mir sagen sollte, daß meine Bibelerklärung falsch sei.
Denn er sei selbstverständlich überzeugt gewesen, daß meine Erklärung richtig
war. Aber er sei zum Sprechen und nachher auch zum Schreiben gezwungen
worden. Es sei ihm dabei gewesen, als ob ihm die eigenen Gedanken weggenommen
und durch andere ersetzt wurden. Er habe gewußt, daß er schrieb. Auch des
Inhaltes eines jeden Satzes sei er sich bewußt gewesen, aber nur so lange,
als er den Satz aussprach oder schrieb. War ein Satz zu Ende, so habe er
keine Erinnerung mehr daran gehabt, sondern der folgende Satz habe seinen
Geist vollständig ausgefüllt, und er sei gezwungen gewesen, ihn mit den
Worten auszusprechen oder niederzuschreiben, die ihm eingegeben wurden. Auf
die Buchstaben, Rechtschreibung, Komma oder Punkt habe er beim Schreiben
nicht achten können. Am Schluß seiner Bibelauslegung und seiner Niederschrift
habe er von dem Inhalt nichts mehr gewußt, so daß es ihm unmöglich sei, das
Gesprochene und Geschriebene zu wiederholen. Wir waren noch daran, das
Vorgefallene zu besprechen, als einer seiner beiden Brüder sagte, er könne an
den Zusammenkünften nicht mehr teilnehmen, denn er vermöge seinen Kopf nicht
mehr ruhig zu halten. Er werde ihm gegen seinen Willen hin und her gedreht.
Er versuche sich dagegen zu wehren, aber ohne Erfolg. Auch ich hatte das
Hinundherbewegen seines Kopfes bemerkt. Ebenso seine Mutter. Diese schaute
mich mit fragenden Blicken ängstlich an. Ich beruhigte sie und den Jungen,
indem ich ihnen sagte, daß sie keine Angst zu haben brauchten. Denn das, was
wir täten, könne nichts Böses sein. Zwar verständen wir das noch nicht, was
hier vor sich gehe. Aber es werde uns ohne Zweifel bald klarwerden. Ähnliche
Vorkommnisse hätten sich auch in den Versammlungen der ersten Christen
ereignet. Und ich las ihnen zum Beweis dafür das Kapitel 14 des ersten
Korintherbriefes vor und erklärte es ihnen, so gut ich es damals konnte. Mir waren die Vorkommnisse
des heutigen Abends ebenso neu wie den anderen Teilnehmern. Bei dem
Zusammentreffen mit dem Jungen in der benachbarten Stadt hatte ich ja bloß
erlebt, daß ein Geist aus einem vollständig bewußtlosen Menschen sprach. Daß
ein Geist einen Menschen auch bei vollem Bewußtsein als Werkzeug benutzen
konnte, und zwar zum Sprechen und Schreiben, davon hatte auch ich keine
Kenntnis. Vollends unklar war mir, was bei dem Jungen vor sich ging, dessen
Kopf hin und her bewegt wurde. Ich war daher froh, daß ich
am kommenden Sonntag bei der Sitzung in der Stadt mir Aufklärung über diese
Dinge erbitten konnte. Dort wurde mir gesagt: “Beunruhige dich nicht, wenn du
nicht in allen Punkten sofort volle Klarheit gewinnst. Dafür ist die Sache
für dich viel zu neu, und es fehlen dir für manches die richtigen Begriffe.
Aber nach und nach wird dir alles verständlich werden. - Bei euren
menschlichen Erfindungen und Entdeckungen geht es ja ähnlich. Zuerst hält man
die entdeckte Wahrheit für unmöglich und den Entdecker für geistig nicht
normal. Jahre später wird dieselbe Entdeckung allgemein anerkannt und als
etwas Selbstverständliches betrachtet. - Wer konnte sich vor hundert Jahren
einen Begriff von euren jetzigen Flugzeugen machen, vom Telefon oder Telegraf
oder gar vom Radio? Wenn jemand damals gesagt hätte, es werde eine Zeit
kommen, wo man in der Luft fliegen, nach fernen Orten sprechen und in der
eigenen Wohnung ein Konzert hören könne, das viele hundert Stunden entfernt
stattfände, so hätte man ihn nicht ernst genommen. Und gerade eure Gelehrten
würden sich am meisten gegen diese Möglichkeiten ausgesprochen haben. Nun wird dir gesagt, und du
erlebst es selbst, daß die Geisterwelt mit den Menschen in Verbindung treten
kann, sobald die erforderlichen Vorbedingungen erfüllt sind. Die große Masse
glaubt das nicht und hält es für unmöglich, genauso wie sie früher vieles für
unmöglich gehalten hat, was heute Wirklichkeit ist. Auch eure Gelehrten wollen
nicht zugeben, daß die Geisterwelt in einer mit euren Sinnen wahrnehmbaren
Weise in euer Leben eingreifen kann. Und doch vollziehen sich Tausende von
Ereignissen auch in eurer Zeit, die von den Gelehrten als unwiderlegliche
Tatsachen festgestellt werden können, und zwar als Tatsachen, die nur als
Eingriffe der Geisterwelt zu erklären sind. Eure Gelehrten suchen jedoch
andere Ursachen für jene Geschehnisse und muten euch zu, daß Unvernünftigste
und Unglaublichste zu glauben, um jene Tatsachen ‘menschlich‘ zu erklären,
nur damit sie nicht gezwungen sind, eine Geisterwelt und ein Jenseits
anzunehmen. Die einen von ihnen tun es, weil sie ein Fortleben nach dem Tode
leugnen. Die anderen, weil sie noch nicht den Mut aufbringen, als
Wissenschaftler für das Eingreifen von Geistern einzutreten, obschon sie
innerlich davon überzeugt sind. Sie fürchten, daß ihr wissenschaftlicher Name
darunter leiden könnte. Aber es wird die Zeit
kommen, wo auch eure Wissenschaft das Bekenntnis ablegen muß, daß die
Geisterwelt, sowohl die gute als auch die böse, in euer Leben und euer
Schicksal in der mannigfachsten Weise sichtbar und fühlbar eingreift. Du darfst dich daher nicht
wundern, wenn du in der jetzigen Zeit nicht für normal gehalten wirst, sobald
du erklärst, du habest mit einem Geist gesprochen. Darüber muß ich allerdings
staunen, daß auch eure Religionsgemeinschaften den Glauben an das Eingreifen
der Geisterwelt und ihren Verkehr mit den Menschen für die heutige Zeit
ablehnen, oder wenn sie ihn zugeben, die Behauptung aufstellen, daß es nur
die böse Geisterwelt sein könne, die sich heute kundtue. Eine solche Stellungnahme
ist ganz töricht. Denn wenn heute keine Geister zu euch kommen können, dann
war es auch in früheren Zeiten nicht möglich. Dann sind auch alle biblischen
Berichte über einen Geisterverkehr in das Reich der Sage zu verweisen. Oder
sind es bloß böse Geister, die sich heute kundgeben, dann waren es auch
früher bloß böse Geister. Damit würden alle Religionen, die sich auf das Alte
und Neue Testament gründen, in sich zusammenfallen. Denn sie behaupten doch,
durch Geister ihre religiösen Wahrheiten und Gesetze empfangen zu haben.
Waren es jedoch früher gute Geister, die zu den Menschen kamen, so ist kein
Grund auszudenken, weshalb sie heute nicht mehr kommen sollten. Es ist
derselbe Gott, der damals die guten Geister schickte und der sie heute
schickt. Wie er damals die Menschheit auf den rechten Weg führen wollte, so
auch heute. Oder meint ihr etwa, ihr hättet heute eine Belehrung und Führung
durch die Geister Gottes nicht mehr nötig? Meint ihr vielleicht, ihr seiet
bessere und klügere Menschen als die der alten Zeit und im Besitz der vollen
Wahrheit? Was du in deiner Pfarre
erlebt hast, ist eine Bestätigung dessen, was du von mir vernimmst. Du wirst
noch viel mehr erleben. Habe keine Angst wegen des einen Jungen, der seinen
Kopf nicht mehr ruhig halten kann. An ihm wird gearbeitet, und du sollst mit
eigenen Augen sehen, auf welche Weise die verschiedenen ‘Medien‘ ausgebildet
werden. Das Wort ‘Medium‘ bedeutet
‘Werkzeug‘. ‘Medien‘ sind also Menschen, die von der Geisterwelt als Werkzeug
benutzt werden, um einen Verkehr mit der Menschenwelt zu ermöglichen. Auch
Tiere können Medien sein. Doch diese lassen wir einstweilen außer Betracht. Wenn Menschen als Werkzeuge
der Geisterwelt dienen sollen, bedürfen sie dazu einer Ausbildung, die durch
die Geisterwelt erfolgt. Sie ist von kürzerer oder längerer Dauer, je nach
der Verschiedenheit der Personen und vor allem der Zwecke, für die sie
verwendet werden sollen. Über die Arten der Medien
und die Einzelheiten ihrer Ausbildung werde ich dich eingehend belehren,
sobald die Zeit dafür da ist. Heute sage ich dir darüber nur so viel, als für
dich nötig ist, um die Geschehnisse in den nächsten Sitzungen da oben in
deiner Pfarrei zu verstehen. Dort hast du augenblicklich
zwei Arten von ‘Medien‘, die in der Ausbildung begriffen sind und an denen
vonseiten der Geisterwelt gearbeitet wird. Das eine ist ein sogenanntes
‘Inspirationsmedium‘. Ihm werden von einem Geist bestimmte Gedanken mit einer
solchen Kraft eingegeben, daß die eigenen Gedanken des Mediums verdrängt
werden und es ganz unter der Gewalt jenes Geistes steht. Von ihm empfängt es
nicht bloß die Gedanken, sondern wird von ihm auch gezwungen, sie entweder
auszusprechen oder niederzuschreiben. Dabei behält das Medium sein volles
Bewußtsein. - Dein Inspirationsmedium muß noch weiter ausgebildet werden,
damit seine Aufnahmefähigkeit für die Eingebungen der Geisterwelt
vervollkommnet wird. Es muß noch manches, was als Hemmnis im Wege steht, aus
ihm hinausgeschafft werden. Was das ist, verstehst du jetzt noch nicht. Aber
später wird es dir klar werden. Das andere Medium, das noch
nicht weiter in Tätigkeit getreten ist, befindet sich im ersten Stadium der
Ausbildung. Es ist der Junge, der seinen Kopf bei der letzten Sitzung nicht
ruhig halten konnte und dadurch ängstlich wurde. Er wird ein ‘Sprechmedium‘.
Der eigene Geist wird aus seinem Körper verdrängt, und ein fremder Geist
nimmt von ihm Besitz und spricht durch ihn. Man nennt diesen Zustand
‘Trance‘. Er hat eine Menge Abstufungen, je nachdem der Geist des Mediums nur
teilweise oder vollständig von seinem Körper getrennt ist. Wie das Lösen des Geistes
von dem Körper des Mediums vor sich geht, ist für euch schwer verständlich.
Doch ein anderes Mal wird es dir ausführlich erklärt werden. Die Ausbildung eines
‘Volltrancemediums‘ oder ‘Tieftrancemediums‘ ist zwar nicht schön anzusehen.
Aber sie ist notwendig und vollzieht sich nach ewigen Gesetzen. Damit die Mutter des
Mediums beim Anblick der Vorgänge sich nicht unnötig ängstigt, ist es am
besten, wenn sie einstweilen den Sitzungen fern bleibt. Die Ausbildung der Medien
ist eine wichtige und heilige Sache. Ihr sollt daher in euren Sitzungen viel
für die Medien beten und Gott um Kraft und Beistand bitten, damit alles nach
Gottes Willen geschieht und die Medien brauchbare Werkzeuge des Guten werden
und Gott treu bleiben. Diese Mitteilungen waren heute für dich notwendig,
damit du die Vorgänge bei der Ausbildung deiner Medien einigermaßen verstehst
und dich nicht über das beunruhigst, was du bei ihnen erlebst.“ Was mir über die Ausbildung
der beiden Medien meiner Pfarre gesagt wurde, bestätigte sich in allen
Punkten. An dem Jungen, der als “Inspirationsmedium“ bezeichnet worden war,
ging die Ausbildung schnell vonstatten. Ihm wurden ausführliche Belehrungen
über die wichtigsten Wahrheiten eingegeben und von ihm niedergeschrieben. Sie
enthielten etwas für mich ganz Neues und standen zum größten Teil mit dem in
Widerspruch, was der Junge selbst bisher geglaubt und was auch ich als
Wahrheit gepredigt hatte. Von Unterbewußtsein und Gedankenübertragung, mit
der manche alles Derartige zu erklären suchen, konnte in diesem Falle also
keine Rede sein. Gedankenübertragung kam auch schon deswegen nicht in Frage,
weil das Inspirationsmedium alle Sachen, die es von jetzt abschrieb, nicht in
den Sitzungen niederschrieb, sondern zu Hause, ohne Beisein irgend eines
anderen. Der Junge setzte sich nie aus eigener Entschließung zum Schreiben
hin, sondern dieselbe unwiderstehliche Gewalt, die ihn das erstemal in der
Sitzung gepackt hatte, zwang ihn jedesmal dazu und bestimmte auch den
Augenblick dafür. Einmal wurde er in den frühesten Morgenstunden, als noch an
kein Aufstehen zu denken war, plötzlich geweckt und aufgefordert, aufzustehen
und sich zum Schreiben hinzusetzen. Er leistete dieser Aufforderung nicht
Folge, da er dachte, es sei noch viel zu früh zum Aufstehen. Da fühlte er,
wie er mit Gewalt aus dem Bett gezogen und auf den Boden gelegt wurde. Von
Angst ergriffen, sprang er auf und setzte sich zum Schreiben hin. Er schrieb
wunderbare Ausführungen über “die Erlösung“, die in keinem Punkte mit dem
übereinstimmen, was er als Katholik darüber wußte, aber auch sonst nirgends
auch nur in ähnlicher Weise zu finden sind. Ebenso schrieb er, der einfache
Landjunge, eine Abhandlung über die “Heilige Schrift“, die vollständig neue
Wahrheiten enthält. Nicht bloß der Inhalt, sondern auch die Satzbildung ist
in diesen Niederschriften so, daß der Junge das nie aus sich hätte
fertigbringen können. Er schrieb folgende Abhandlungen in Prosa: “Die
Vergeistigung der Seele“, “Die Gnade Gottes“, “Was hat dein Erlöser für dich
getan?“, “Frühling, Sommer, Herbst und Winter“, “Die Ernte“, “Die Nacht“,
“Flehet zum Herrn!“. “Die Heilige Schrift“, “Kindesliebe“, “Der Tod des
Sterblichen“. Wie alle Niederschriften in
Prosa nur die Wahrheiten Gottes zum Gegenstand haben, so auch seine Gedichte:
“Der Helden Ruf“, “Die Sprache der Schöpfung“, “Heil und Hosanna“, “Auf
Gottes Wegen“, “Gottes Hirt und seine Herde“, “Der Stärkere“, “So ziehet dein
Schöpfer“. Die Ausbildung seines
Bruders zum Sprechmedium nahm längere Zeit in Anspruch. Der Anblick der dabei
eintretenden körperlichen Zustände war oft recht beängstigend. Ich war daher
froh, vorher darüber unterrichtet worden zu sein, sonst hätte ich wohl kaum
den Mut gefunden, bis zum Schluß auszuharren. Die Mutter des Jungen hatte ich
gebeten, bis auf weiteres den Sitzungen fern zu bleiben. Nachdem seine Ausbildung
vollendet war, fiel er in derselben Weise in den sogenannten
“Trance-Zustand“, wie ich dies zuerst bei dem Sprechmedium in der Stadt
gesehen hatte. Das Geistwesen, das zum erstenmal durch ihn sprach, kam mit
dem Gruß: “Gott mit uns!“ Dann schwor es bei Gott, daß es ein guter Geist
Gottes sei und nannte seinen Namen. Durch diesen Geist wurde
mir eine Fülle von Weisungen und Belehrungen gegeben, die alle mit dem
übereinstimmten, was ich durch das “Inspirationsmedium“ meiner Pfarre und vor
allem durch das Medium in der Stadt erfuhr. Zwei Dinge fielen mir dabei
auf: Zunächst konnte ich einen Rangunterschied zwischen dem Geist
feststellen, der durch das Sprechmedium in meiner Pfarre sprach, und dem
Geist, der sich des Mediums in der benachbarten Stadt bediente. Denn
manchmal, wenn ich eine sehr wichtige Frage an den aus dem Medium meiner Pfarre
sprechenden Geist richtete, lehnte er die Beantwortung mit dem Bemerken ab:
“Dazu habe ich keinen Auftrag. Aber frage ‘Ihn‘!“ - Bei dem Wort “Ihn“
verbeugte er sich tief. Mit “Ihn“ meinte er den Geist, der den Jungen in der
Stadt als Medium hatte. Das erstemal, als er mich an diesen wies, fragte ich,
ob er diesen Geist kenne. “Ich kenne ihn“, war seine kurze Antwort. Dabei
verneigte er sich wiederum sehr tief. - Es wollte mir zuerst etwas
unverständlich vorkommen, daß der aus meinem Bauernjungen sprechende Geist
mir nicht die Fragen ebensogut beantworten dürfe, wie der Geist, der den
Jungen in der Stadt als Medium hatte. Letzteren fragte ich daher eines Tages
nach der Ursache. Er belehrte mich, daß es in der Geisterwelt ähnlich gehe,
wie bei uns Menschen. Wenn ein Bote mit einem bestimmten Auftrag zu jemand
geschickt werde, dann habe er nur das auszurichten, was ihm aufgetragen
worden sei. Nichts anderes. So habe er selbst als Beauftragter Gottes das
Recht, mir jede Frage zu beantworten, die ich an ihn stelle, wenn er die
Beantwortung für notwendig oder nützlich halte. Einen so weitgehenden Auftrag
habe jedoch der Geist nicht, der aus dem Sprechmedium meiner Pfarre spreche.
Dieser habe daher die Pflicht, mich in allen Fragen, die er nicht beantworten
dürfe, an ihn zu weisen. Denn jener Geist sei ihm untergeordnet. Noch ein anderer
Unterschied fiel mir auf: Aus dem Medium in der Stadt redete stets derselbe
Geist, während in das Sprechmedium meiner Pfarre auch andere Geistwesen
eintraten. Allerdings blieb der daraus redende hohe Geist immer der Führer.
Er kam stets mit dem Gruß: “Gott mit uns!“ und war an seiner zarten Stimme
und an der ihm eigentümlichen Ausdrucksweise erkenntlich. Auch kam er bei den
Sitzungen in meiner Pfarre stets als erster. Eines Tages fragte ich ihn,
wie es zu erklären sei, daß durch das Medium in der Stadt immer nur ein und
derselbe Geist rede, während das von ihm benutzte Medium auch anderen
Geistern als Werkzeug diene. Darauf gab er mir folgende Antwort: “Dem Geist,
der durch das Medium in der Stadt spricht, wurde zur Erfüllung einer
bestimmten Aufgabe jenes Medium zur alleinigen Benutzung zugeteilt. Darum
werden andere Geistwesen bei jenem Medium nicht zugelassen. - Das Medium
durch das ich spreche, ist zwar auch für mich ausgebildet worden, aber es ist
Gottes Wille, daß auch noch andere Geister, gute und böse, hohe und niedere,
in dieses Medium eintreten und sich kundgeben. Dadurch soll dir Gelegenheit
gegeben werden, die verschiedenen Arten der Geister kennenzulernen. Aus dem,
was sie reden und tun, sollst du den Zustand beurteilen, in dem sie sich im
Jenseits befinden. Vor allem sollst du einen Begriff bekommen von dem Weg,
den die niederen Geister zu gehen haben, bis sie zur Vollendung gelangen. Ein
solch persönliches Erleben der Geisterwelt durch ihr Auftreten in den Medien
ist für dich von der größten Wichtigkeit und vermehrt deine Erkenntnisse auf
diesem Gebiet in viel vollkommenerer Weise, als es eine mündliche Belehrung
zu tun vermag. Doch werden die Geister, die sich durch dieses Medium kundtun,
nicht nach Belieben kommen und gehen. Sie unterstehen einem Kontrollgeist,
der zu bestimmen hat, welche Geister in das Medium eintreten und wie lange
sie darin verweilen dürfen. Bei allen Medien, die als Werkzeuge des Guten
dienen, ist eine solche Kontrolle. Ebenso in allen Versammlungen, in denen
der Geisterverkehr so vor sich geht, wie es Gott haben will. Wo diese
Kontrolle fehlt, erlebt ihr nichts wirklich Schönes und Gutes. Denn die guten
und hohen Geister fehlen. Sie treten nur dort auf, wo alles nach der von Gott
bestimmten Ordnung sich vollzieht und ein Geist Gottes Ordnung hält. Bei den
meisten der heutigen spiritistischen Zusammenkünfte fehlt diese Kontrolle,
und daher sind sie der Tummelplatz der niederen Geisterwelt. Am Anfang werde ich dir
vorher sagen, welche Geister in das Medium eintreten und wie du dich ihnen
gegenüber zu verhalten hast. Später wirst du sie selbst unterscheiden können
und wirst wissen, was du in jedem einzelnen Falle tun sollst.“ So geschah es. Sehr groß
war die Zahl der Geister, die sich des “Sprechmediums“ meiner Pfarre
bedienten. Es kamen hohe Geister, die mit Worten des Lobes und Preises Gottes
eintraten, uns wichtige Belehrungen erteilten und dann mit dem Segen Gottes
sich verabschiedeten. Schwer leidende Geister
meldeten sich, die oft in erschütternden Worten um Hilfe flehten und uns
baten, mit ihnen zu beten. Manchmal sprachen sie in einer fremden Sprache,
die wir nicht verstanden, und zeigten sich sehr unglücklich darüber, daß sie
sich uns nicht verständlich machen konnten. Dann kamen niedere Geister,
die sich und ihr Schicksal verfluchten und die schändlichsten Beschimpfungen
gegen uns ausstießen und über alles Hohe und Heilige höhnten. Wenn wir sie
aufforderten, mit uns zu Gott zu beten, lehnten sie es unter Ausdrücken des
Spottes oder des Hasses ab. Drangen wir darauf, den Namen Gottes
auszusprechen, so traten sie sofort aus dem Medium aus. Sehr zahlreich waren die
Geistwesen, die überhaupt nicht wußten, daß sie durch den Tod von ihrem
irdischen Leib getrennt waren. Sie glaubten sich noch auf der Erde zu
befinden und die Beschäftigung zu verrichten, die sie als Menschen hatten. Es
waren die sogenannten “erdgebundenen Geister“. Das Grauenhafteste, was wir
erlebten, war das Auftreten der Geister von Verbrechern. Sie sahen sich
beständig an dem Ort ihrer Taten und erlebten immer von neuem die Szenen, die
sich bei Verübung ihrer Verbrechen abgespielt hatten. Es war wie ein Film,
der sich stets wiederholte. - Der Geist des Mörders war dauernd in der
Vorbereitung und Ausführung des Mordes in allen seinen Einzelheiten, brachte
die Gedanken und Empfindungen jener schrecklichen Stunden in Worten zum
Ausdruck, die uns erschaudern ließen; er sah sein Opfer vor sich, das ihn
ständig anschaute und ihn durch diesen Blick zur Verzweiflung trieb.
Ähnliches widerfuhr den Geistern von Wucherern oder sonstigen Übeltätern, die
einst ihre Mitmenschen in Not und Unglück gebracht hatten. Wohin sie sich
wenden mochten, überall standen die Gestalten ihrer Opfer vor ihnen. Der Geist
des Selbstmörders war unaufhörlich in den Gefühlen, Verzweiflungsausbrüchen
und Geschehnissen, die seinen Selbstmord begleitet haften. Kein
Bühnendarsteller der Welt vermag seine Rolle so wahrheitsgetreu zu spielen,
wie diese Geister das Erleben der dunkelsten Stunden ihres irdischen Daseins
durch den Körper der in diesen Dingen ganz unerfahrenen, unwissenden und
harmlosen Medien darstellten. Oft zitterten wir bei Ansehen und Anhören
dessen, was sich vor unseren Augen abspielte, an allen Gliedern. Hier und da stellten sich
auch sogenannte “Foppgeister“ ein, die uns mit ihren Späßen und Lügen zu
belustigen suchten. Da wir ihr Verbleiben ablehnten, mußten sie so schnell,
wie sie gekommen waren, auch wieder gehen. Das Auftreten der
verschiedenartigen Geister und das, was sich dabei zutrug, hatte seine tiefe
Bedeutung. Von den hohen Geistern
empfingen wir wertvolle Unterweisungen, manchmal auch ernste Zurechtweisungen
und Tadel, so daß nicht selten bei dem einen oder anderen der Teilnehmer die
Tränen kamen. Mehr als einmal wurden die geheimsten Gedanken der Anwesenden
offenbart, jedoch stets so, daß keiner vor den übrigen beschämt wurde. Es ist
überhaupt eine Eigentümlichkeit der guten Geisterwelt, daß sie ihren Tadel
und ihre Zurechtweisungen immer in Formen kleidet, die nie verletzen, sondern
mit dem Hinweis auf die Verfehlung der Menschen stets Worte des Trostes, der
Ermunterung und der Liebe verbinden. Sie brechen nie das geknickte Rohr und
löschen den glimmenden Docht nicht aus. Mit zarten Händen behandeln sie die
Wunden an den Herzen ihrer Pflegebefohlenen. Mahnungen und Ratschläge in
einer und derselben Sache pflegen sie nicht oft zu wiederholen. Wird das, was
sie sagen, nicht befolgt, so machen sie vielleicht noch das eine oder andere
Mal darauf aufmerksam. Dann nicht mehr oder nur in den seltensten Fällen.
Gibt sich jedoch einer Mühe, den Rat oder die Mahnung auszuführen, dann
kommen sie immer wieder darauf zurück und helfen ihm durch Belehrung und
liebevolle Ermunterung so lange, bis er sein Ziel erreicht hat. Wenn jemand
nur wirklich guten Willen zeigt, dann kennt ihre Liebe und ihr Erbarmen auch
in den Fällen, wo einer immer wieder aus menschlicher Schwäche strauchelt,
keine Grenze. Macht einer jedoch nicht einmal den Versuch das auszuführen,
was ihm einer dieser Gottesboten gesagt, und er bittet nachher in einer
anderen Sache um seinen Rat, dann erfolgt gewöhnlich die Antwort: “Warum fragst du mich? Du
tust ja doch nicht, was ich dir sage.“ Aber auch das Auftreten der
niedrigsten Geister gereichte uns zur Belehrung. Nie werde ich jenen Abend
vergessen, an dem in ein Sprechmedium die Geister von drei Selbstmördern in
kurzen Abständen nacheinander eintraten und wir das Grauenhafteste erlebten,
was Menschen auf diesem Gebiete vor Augen treten kann. Als der letzte der
drei Geister aus dem Medium ausgetreten war und wir noch zitternd dasaßen,
kam der leitende Geist - auch “Führer“ genannt - in das Medium und richtete
folgende Worte an uns: “Es hat seinen tiefen Grund, daß euch das Furchtbare
heute Abend gezeigt worden ist. Zunächst solltet ihr sehen, wie die ‘Ruhe‘
beschaffen ist, die manche Menschen nach ihrem irdischen Tode haben. Ihr
pflegt ja am Grabe der Menschen so oft zu sagen: ‘Nun hat er Ruhe!‘ - Heute
Abend habt ihr diese ‘Ruhe‘ gesehen. Ihr vermögt gar nicht zu ermessen, was
diese unglücklichen Geister zu erleiden haben, bis sie zur Erkenntnis ihres
Zustandes kommen und sich zu Gott wenden. Ihr durftet die drei Geister nicht
belehren. Sie sind es noch nicht wert. Sie müssen erst durch Leiden reif werden
für eine solche Belehrung. Heute wäre sie zwecklos gewesen. - Aber der
Zustand dieser Geister ist euch noch aus einem anderen Grunde gezeigt
worden.“ Und nun erhob er in
feierlichem Ernst seine Stimme und sagte: “Einer von euch hat sich heute mit
Selbstmordgedanken getragen und war schon im Begriff, die Vorbereitungen dazu
zu treffen.“ Da stieß eine der Anwesenden einen jähen Schrei aus und rief:
“Ich bin es! Ach Gott, ich bin es!“ “Ja, du bist es“, sagte er nun in sanftem
Ton. “Du glaubtest dich dem Schweren, das du nun schon seit vielen Jahren zu
tragen hast, durch Selbstmord entziehen zu können und dadurch Ruhe zu finden.
Heute hast du ja die ‘Ruhe‘ gesehen, die deiner in einem solchen Falle
harret. Jetzt wirst du wohl für immer von dem Gedanken des Selbstmordes
geheilt sein. So war der heutige Abend für dich eine große Wohltat.“ Mein besonderes Augenmerk
richtete ich darauf, ob das, was mir durch die “Medien“ mitgeteilt oder
vorausgesagt wurde, sich bewahrheitete. Denn wenn das, was wir auf seine
Richtigkeit nachprüfen konnten, Wahrheit war, dann hatten wir keinen Grund,
an der Wahrheit dessen zu zweifeln, was sich einer Nachprüfung entzog. Aus den vielen
Feststellungen, die ich bezüglich der Angaben der Geister gemacht habe,
möchte ich einige anführen, die geeignet sind, jeden Vorurteilslosen zu
überzeugen. Ein Rundgang mit einem Medium durch
meine Pfarrkirche. Eines Tages besuchte mich
das Medium aus der Stadt in meinem Pfarrhaus. Wir saßen zusammen in meinem
Arbeitszimmer und unterhielten uns über gleichgültige Dinge. Meine
Haushälterin war in der Küche beschäftigt und kam ab und zu ins Zimmer. In
einem Augenblick, als wir wieder allein waren, fiel der Junge plötzlich in
“Trance“, und der Geist wandte sich mit den folgenden Worten an mich: “Deine
Haushälterin ist soeben in den Garten gegangen, um dort zu arbeiten. Diese
Zeit möchte ich benutzen, um mit dir zu sprechen. Bitte, zeige mir deine
Kirche!“ Daß meine Haushälterin in
den Garten gegangen war, um darin zu arbeiten, konnte weder ich noch der
Junge als Mensch wissen. Denn der Garten lag hinter dem Pfarrhaus und man
gelangte aus der Küche, die an den Garten anstieß, in der Weise in den
Garten, daß man zunächst den hintersten Teil des Hausflurs betrat, aus dem
dann eine Türe in den Garten führte. Wir beide saßen in einem Zimmer der
entgegengesetzten Seite und konnten weder sehen noch hören, was in Küche und
Garten vorging. Auf die Bitte, ihm die
Kirche zu zeigen, stand ich auf. Der Junge folgte mir in seinem Trancezustand
mit schwerfälligen Schritten und geschlossenen Augen. Die Kirche lag dicht
neben dem Pfarrhaus. Man brauchte nicht über die Straße zu gehen, um
hineinzugelangen. Durch eine Seitentüre konnte man aus dem Vorgarten in die
Kirche eintreten. In der Kirche angekommen, sagte er: “Der Altar steht ja
über einem Totengerippe, das in der Erde liegt. Auch unter dem Fußboden des
Schiffes befindet sich eine Anzahl von Totengerippen. Hier war früher ein
Kirchhof“. Ich entgegnete, daß ich
davon nichts wisse. Auch hielt ich dies nicht für möglich. Denn die Kirche
stand erhöht und um die Kirche herum war kein Raum für Grabstätten. -
“Erkundige dich bei den ältesten Leuten deiner Pfarrei“, sagte er, “sie
können vielleicht darüber Aufschluß geben.“ Dann wandte er die
geschlossenen Augen zu der Orgelbühne mit den Worten: “Du weißt, daß ich in
rein materiellen Dingen keine Ratschläge zu geben pflege. Aber heute möchte
ich eine Ausnahme machen. Du hast die Orgel angeschafft. Sag deinem
Organisten, er möge nach dem Orgelspiel jedesmal die Register wieder ganz in
die Orgel zurückdrücken. Drei Register sind augenblicklich noch halb
herausgezogen. Dadurch setzt sich Staub und Feuchtigkeit in die Orgelpfeifen
und beeinträchtigt im Laufe der Zeit die Reinheit der Töne. Ein reines,
schönes Orgelspiel trägt zur Verschönerung des Gottesdienstes und dadurch zur
Ehre Gottes bei. Darum sage ich dir dies.“ Der Spieltisch der Orgel war
verschlossen, so daß man weder die Tasten noch die Register sehen konnte,
selbst wenn man davor gestanden hätte. Erst recht nicht vom Altar aus, an dem
wir uns in diesem Augenblick befanden. Aus dieser Entfernung hätten wir
selbst dann nichts sehen können, wenn die Orgel offen gewesen wäre. Der
Schlüssel zur Orgel hing im Sakristeischrank. Dann gingen wir zu einem
Seitenaltar. Das Altarbild stellt den Tod des heiligen Josef dar. Jesus und
Maria stehen an seinem Sterbebett. “Diese Darstellung ist nicht richtig“,
sagte er, “Jesus war beim Tode Josefs nicht anwesend.“ Nun gingen wir an den
einzelnen Kreuzwegstationen vorüber. Bei der Darstellung, in der Veronika das
Schweißtuch mit dem Bilde des blutigen Antlitzes Jesu zurückerhält, fragte
ich ihn, ob diese Begebenheit bloß Legende oder Wirklichkeit sei. “Es ist
Wirklichkeit und keine Legende“, war seine Antwort. Bei der Darstellung der
Kreuzigung Christi fragte er mich plötzlich: “Was, glaubst du, hat bei der
Kreuzigung den größten Schmerz verursacht?“ Ich erwiderte: “Die Annagelung.“
- “Nein“, entgegnete er, “nicht die Annagelung, sondern der Durst. Die Nägel
wurden mit einem wuchtigen Schlag von den brutalen Henkersknechten durch
Hände und Füße getrieben und verursachten zunächst eine nicht besonders
schmerzliche Betäubung. So, wie eure Verwundeten im Kriege die schweren
Verletzungen durch Kugel oder Granatsplitter im ersten Augenblick kaum
fühlen. Aber der Durst infolge des Blutverlustes ist das Furchtbarste, auch
bei euren Verwundeten. Er kann den Menschen wahnsinnig machen. Kein
körperlicher Schmerz ist mit der Qual des Verdurstens zu vergleichen.“ Beim Weitergehen gelangten
wir zu einer Seitenkapelle. Darin war ein altes Marienbild aus Holz, das in
den früheren Jahrhunderten in einem Kloster gestanden hatte, dessen Ruinen
sich noch in der Nähe befanden. - “Dieses Bild“, sagte er, “suchen schon seit
langem die leidenden Geister, die da unten im Tal bei den Ruinen des Klosters
gebannt sind.“ - Ganz erstaunt fragte ich: “Warum suchen denn jene Geister
schon so lange dieses Marienbild? Es ist hier doch leicht zu finden. Und
zudem, was kann das Bild den leidenden Geistern nützen?‘ “Du verstehst das nicht?
Nun, dann will ich es dir erklären. Siehe, die Geister, die zur Strafe für
ihre Taten an irgend einen Ort gebannt sind, dürfen über den für sie
bestimmten ‘Bannkreis‘ nicht hinaus. Aus diesem Grunde können auch die in
jenes Tal bei den Klosterruinen gebannten Geister nicht bis zu dieser Kirche
gelangen. Sie können das Marienbild also nur innerhalb ihres Bannkreises
suchen. Und da finden sie es nicht. - Wenn du weiter fragst, was ihnen das
Marienbild denn helfen könne, so ist es richtig, daß ihnen das Bild selbst
keine Hilfe bringen kann. Aber etwas anderes, was mit dem Bilde zusammenhing,
brachte ihnen früher Erleichterung. Als nämlich das Bild noch im Kloster
stand, kamen viele Menschen, um vor dem Bilde zu beten. Bei dieser
Gelegenheit verrichtete man auch Gebete für die ‘armen Seelen‘, wie ihr die
leidenden Geister nennt. Das Gebet kann zwar diesen Geistern nichts von ihrer
Schuld und Strafe wegnehmen. Aber sie vernehmen das Beten, und ihre Gedanken
werden ebenfalls auf Gott hingelenkt. Dadurch finden sie eine Erleichterung
ihres Zustandes. Seit der Zeit nun, wo das Bild dort weggenommen wurde, kommt
niemand mehr zum Beten dorthin, und die Geister vermissen die Wohltat, die
ihnen einst das Gebet brachte. Sie wissen, daß das Beten im Zusammenhang mit
der Anwesenheit des Marienbildes stand. Darum sind sie darauf aus, das Bild
wieder dorthin zu schaffen. Jetzt kamen wir an die
Treppe, die zur Orgelbühne führte. Ich hätte nun gar zu gern gewußt, wie es
sich mit den halb herausgezogenen Orgelregistern verhielt. Aber noch ein
anderer Gedanke beschäftigte mich in diesem Augenblick. Ich legte mir nämlich
die Frage vor, ob er wohl die Orgel spielen könne. Daß der Junge es nicht
konnte, wußte ich. Nur ein Bedenken hatte ich: Wird der fremde Geist soviel
Gewalt über den Körper des Jungen haben, daß er die Finger und Füße so
schnell bewegen kann, wie es ein Orgelspiel erfordert? - Nur zaghaft sprach
ich daher die Bitte aus, ob er nicht auf der Orgel spielen wolle. “Gern, wenn
es dir Freude macht“, war seine Antwort. Sofort eilte ich in die Sakristei
und holte von dort den Schlüssel zur Orgel. Wir stiegen die Treppe zur
Orgelbühne hinauf. Ich öffnete mit dem Schlüssel die Orgel und sah sofort
nach den Registern. Richtig! Da waren drei Register halb herausgezogen.
Nochmals bat er mich, den Organisten darauf hinzuweisen. Dann setzte er sich an die
Orgel, zog Register und begann zu spielen. Zuerst leise und zart in
lieblichen Akkorden. Dann etwas stärker, und je länger er spielte, um so mehr
schwollen die Töne an. Und auf dem Höhepunkt des Spieles war es ein Wogen und
Brausen und Stürmen mit allen Registern, wie ein Orkan, der Bäume entwurzelt.
Dann nach und nach ein langsames Abschwellen und zum Schluß ein wunderbar
sanftes und friedliches Ausklingen. Kein Zweifel, hier saß ein Meister an der
Orgel. Als er geendet hatte,
drückte er alle Register in die Orgel und stand von der Orgelbank auf. Ich
schloß die Orgel wieder zu. Da trat er vor mich hin und stellte die Frage an
mich: “Weißt du, was ich soeben auf der Orgel gespielt habe?“ Ich antwortete
mit “Nein“. - “Dein Leben habe ich gespielt“, sagte er ruhig. Ich sah ihn erstaunt an.
Ich konnte mir nicht denken, daß man das Leben eines Menschen spielen könne.
Als ob er meine Gedanken gelesen hätte, begann er folgende Belehrung: “Das
Leben eines Menschen ist wie ein Gemälde. Man kann malen in Farben, man kann
auch malen in Tönen. Jede Farbe stellt einen Ton dar und jeder Ton eine
Farbe. Es gibt Hellseher, die alle Töne in ihren Farben sehen und Harmonie
und Disharmonie nicht durchs Gehör feststellen, sondern durch Anschauen der
Tonfarben. Daher kann man jedes Gemälde spielen, als ob man Noten vor sich
hätte. Wenigstens die Geisterwelt kann dies.“ Ich verstand seine
Ausführungen nicht. Sie waren mir zu neu. Schweigend gingen wir wieder
die Treppe hinunter in das Schiff der Kirche bis zu der Türe, durch die wir
hereingekommen waren. Hier blieb er mit den Worten stehen: “Ich will mich
jetzt verabschieden. Ich kann nicht mehr mit ins Pfarrhaus gehen. Denn deine
Haushälterin ist soeben im Begriff, aus dem Garten ins Haus zu kommen, und
ich möchte nicht, daß sie den Jungen im Trancezustand sehe. Ich stelle mich
jetzt an diese Wand. Stütze du den Körper des Jungen, damit er nicht zu Boden
fällt, wenn ich aus ihm austrete.“ Ich tat nach seiner Weisung
und mußte meine ganze Kraft anstrengen, den beim Austreten des Geistes
vornübersinkenden Körper des Jungen aufrecht zu halten. Sofort kam dieser zu
sich und war sehr erstaunt, mit mir in der Kirche zu sein. Er wußte sich bloß
zu erinnern, daß wir zusammen im Pfarrhaus gesessen. Von dem, was sich
inzwischen zugetragen, wußte er nichts. Als ich sagte, daß er so schön Orgel
gespielt habe, schüttelte er ungläubig den Kopf. In dem Augenblick, wo wir
die Pfarrhaustüre öffneten, betrat auch meine Haushälterin, aus dem Garten
kommend, den hinteren Teil des Hausflurs. Sie hätte also den Jungen in seinem
Trancezustand gesehen, wenn der Geist, um dies zu verhindern, nicht vorher
aus dem Medium ausgetreten wäre. Der Junge selbst, mit dem
ich nachher über die einzelnen Geschehnisse sprach, wußte weder etwas von den
Totengerippen, noch von den Orgelregistern noch von dem Tod des heiligen
Josef, noch von dem Schweißtuch der Veronika, noch von den Schmerzen bei der
Kreuzigung, noch von dem Marienbild und seiner Geschichte, noch von den bei
den Klosterruinen gebannten Geistern und der Wirkung des Gebetes für sie,
noch von Orgelspiel und der mir im Anschluß daran gegebenen Belehrung. Noch an demselben Abend
stellte ich durch Nachfrage fest, daß dort wo jetzt die Kirche steht, in ganz
alter Zeit sich tatsächlich ein Begräbnisplatz befunden hatte. Eine Angabe, die eines
Abends durch den Bauernjungen meiner Pfarre als Sprechmedium gemacht wurde,
erschien uns ganz unwahrscheinlich. Durch das Medium war nämlich gesagt
worden, daß auch ein Pater aus dem benachbarten Benediktinerkloster sich an
“spiritistischen Sitzungen“ beteilige, die in einer nicht weit entfernten
Stadt abgehalten würden. Wir konnten uns nicht denken, daß ein Mönch in
seinem Ordenshabit sich in einen spiritistischen Zirkel setze, da doch gerade
die katholische Kirche eine so schaffe Gegnerin des “Spiritismus“ ist. Eine
Möglichkeit, die Wahrheit der Angabe nachzuprüfen, hatten wir nicht. ihre
Richtigkeit wurde jedoch bald auf eine andere Weise bestätigt. Es war nämlich
gegen mich eine Anzeige wegen Teilnahme an spiritistischen Sitzungen bei
meiner geistlichen Behörde eingereicht worden. Es kam eine Kommission, um
mich über den Sachverhalt zu vernehmen. Das Verhör fand in der benachbarten
Benediktinerabtei statt, wohin ich vorgeladen wurde. Bei diesem Verhör gab ich
der Wahrheit gemäß an, daß ich derartigen Versammlungen beigewohnt und solche
auch in meiner Pfarre veranstaltet hätte. Man hielt mir vor, daß es den
Katholiken von Rom aus verboten sei, sich an spiritistischen Sitzungen zu
beteiligen. Ich erklärte, daß mir ein solches Verbot nicht bekannt sei.
Sollte es bestehen, so sei es mir unverständlich, daß ein Pater des Klosters,
in dem wir uns augenblicklich befänden‚ ebenfalls an derartigen Sitzungen
teilnehme. Ich machte diese Angabe nicht zu meiner Verteidigung, sondern bloß
zu dem Zweck, um auf diese Weise feststellen zu können, ob tatsächlich ein
Pater des Klosters an spiritistischen Sitzungen sich beteilige, wie es durch
das Medium behauptet worden war. Der Vorsitzende der
Untersuchungskommission bestritt mit großer Entrüstung meine Angabe und
betonte, es sei vollständig ausgeschlossen, daß ein Pater in “spiritistische
Zirkel“ gehe. Schon sein Ordensgewand mache ihm dies unmöglich. Er müsse
daher meine Behauptung als schwere Verleumdung zurückweisen. Ruhig entgegnete ich, daß
ich jene Tatsache nicht erwähnt hätte, um dem Pater oder dem Kloster
Unannehmlichkeiten zu machen. Man habe mir dies von anderer Seite mitgeteilt,
und ich möchte diese Gelegenheit benützen, die Wahrheit der Angabe
festzustellen. Sollte die mir gemachte Mitteilung sich als unwahr
herausstellen, so würde ich für eine Richtigstellung Sorge tragen. Der
Vorsitzende der Untersuchungskommission unterbrach nun mein Verhör und ging,
wie ich annahm, zum Abt des Klosters. Nach einiger Zeit kam er mit sehr
verlegener Miene zurück und bestätigte die Richtigkeit meiner Angabe. Als
Entschuldigung fügte er hinzu, der betreffende Pater habe von dem Abt die
Erlaubnis erhalten, spiritistische Sitzungen zu besuchen. So hatte sich also die
Angabe des Mediums als richtig erwiesen. Die Voraussage persönlicher
Schicksale geht in Erfüllung Im Laufe des gegen mich
eingeleiteten Verfahrens folgte Bestätigung auf Bestätigung der mir in meiner
eigenen Angelegenheit durch die Medien gemachten Angaben und Voraussagen. Eines Tages erhielt ich
eine Vorladung vor den Bischof. Kaum war das Schreiben in meiner Hand, da
erschien plötzlich der Bauernjunge meiner Pfarre, der Sprechmedium war, bei
mir im Pfarrhause und sagte: “Ich wurde gezwungen, zu Ihnen zu gehen. Sie
haben einen Brief von Ihrer bischöflichen Behörde erhalten. Sie müssen am ...
zum Bischof kommen.“ Ich fragte ihn, wieviel Zeilen der Brief enthalte. Auch
das gab er genau an. Darauf fiel er in den Trancezustand, und der aus ihm
sprechende Geist sprach mir Mut zu mit den Worten: “Du brauchst keine Furcht
zu haben. Auf Gott hoffe und fürchte dich nicht! Was können dir die Menschen
tun!“ Ich entgegnete, daß ich die durch den Verkehr mit der Geisterwelt
gewonnene Überzeugung auch vor dem Bischof bekennen werde. Infolgedessen
würde ich wohl in allernächster Zeit meine Absetzung als katholischer Pfarrer
zu erwarten haben. “Der Bischof wird dich nicht über den Spiritismus und
deine daraus gewonnene Glaubensüberzeugung fragen“, entgegnete er. “Du wirst
später auf dem Wege der Beurlaubung im Frieden mit deiner
Religionsgemeinschaft aus deiner Pfarrei scheiden und nicht auf dem Wege der
Absetzung.“ Ich konnte mir gar nicht
denken, daß der Bischof mich nichts über die spiritistischen Versammlungen
und die darin vorgetragenen Wahrheiten fragen würde. Und doch geschah es so,
wie es mir durch das Medium gesagt worden war. Der Bischof las mir das Verbot
der römischen Kongregation aus dem Jahre 1917 vor, wonach Katholiken keine
spiritistischen Versammlungen besuchen durften, ließ mich unterschreiben, daß
er mir das Verbot mitgeteilt habe und gab mir eine Buße für die bisherige
Übertretung des Verbotes. Auf die spiritistische Sache selbst ging er mit keinem
Worte ein. Später mußte ich eine für
mich sehr schmerzliche Bestätigung einer durch das Medium in der Stadt
gemachten Voraussage erfahren. Es war nämlich in einer Sitzung mitgeteilt
worden, daß einer aus dem Kreise der Sitzungsteilnehmer jener Stadt mich
verraten werde. Wir hielten keinen von uns eines solchen Verrates fähig. Und
doch wurde das unmöglich Erscheinende zur Wirklichkeit. Eine Frau aus unserem
Kreise erstattete gegen mich Anzeige bei der bischöflichen Behörde wegen
meiner fortgesetzten Teilnahme an spiritistischen Sitzungen. Infolge dieser Anzeige
schien meine Absetzung unvermeidlich. Zwar hatte ich meine Beurlaubung zum
Zwecke der Wohlfahrtspflege beantragt. Aber sie war in einer so schroffen
Form durch das bischöfliche Generalvikariat abgelehnt worden, daß nach
menschlichem Ermessen keine Hoffnung mehr bestand, sie zu erreichen. Das
Verfahren gegen mich vor dem geistlichen Gericht nahm seinen Fortgang, und es
wurde Termin zur Hauptverhandlung gegen mich anberaumt und ich zu der
Hauptverhandlung geladen. Nur noch wenige Tage trennten mich von diesem
Termin, an dem das Urteil meiner Absetzung ohne Zweifel gefällt worden wäre.
Dennoch vertraute ich auf die mir gemachte Voraussage, daß ich im Frieden mit
meiner Religionsgemeinschaft auf dem Wege der Beurlaubung meine Pfarrei
verlassen würde. Da erhielt ich noch in letzter Stunde vom geistlichen
Gericht ein Telegramm, daß auf Weisung des Bischofs das Verfahren gegen mich
einstweilen eingestellt sei. Bald folgte ein Brief des Bischofs, in dem er die
von mir nachgesuchte Beurlaubung genehmigte und anfragte, wann ich meine
Pfarrei zu verlassen wünschte. Ich gab den Tag an, der mir schon seit langem
als Tag meines Abschiedes aus meiner Pfarrei vorausgesagt worden war: 31.
Dezember 1925. Kundgebung eines Mediums im
Eisenbahnwagen In der Pfingstwoche des
Jahres 1924 fuhr ich nach Graz in der Steiermark. Auf der Strecke Passau -
Wien war ich allein mit einem jungen Manne im Eisenbahnabteil. Ich saß ihm
gegenüber und las in einem Buch. Da sah ich, wie der Kopf des jungen Mannes
sich plötzlich vornüberbeugen, als ob er eingeschlafen sei. Aber in demselben
Augenblick richtete er sich wieder in die Höhe, saß da mit geschlossenen
Augen, nahm sein Notizbuch aus der Tasche und beschrieb darin eine Seite.
Dann riß er das Blatt heraus und gab es mir mit den Worten: “Nimm dies und
verwahre es! An einer anderen Stelle wird dir gesagt werden, was es
bedeutet.“ Ich besah die Schrift, konnte jedoch die Zeichen nicht verstehen.
Dann kam der junge Mann wieder zu sich. Er wußte nichts davon, daß er
geschrieben hatte; auch nicht, daß er mir das Blatt gegeben und kein Wort von
dem, was er mir gesagt. Auch er konnte die Zeichen nicht lesen, die auf dem
Blatt standen. Nach meiner Rückkehr von
Graz in meine Pfarrei trug ich das beschriebene Blatt 14 Tage lang in meiner
Tasche. Da kam ich an einem Samstagabend in die Familie meines Sprechmediums.
Der Junge war allein im Zimmer. Nach einigen Augenblicken fiel er in “Trance“
und sagte: “Zeige mir den Zettel, den du bei dir trägst und der dir auf der
Reise nach Graz übergeben wurde.“ Ich gab ihm das Blatt. Er las es und
sprach: “Morgen Nachmittag wird ein Jude zu dir kommen. Die Menschen sind der
Meinung, daß er krank sei. In Wirklichkeit wird er von einem bösen Geist hart
gequält und so im Banne gehalten, daß er fast kein Wort hervorbringen kann.
Sobald er kommt, rufst du diesen Jungen, durch den ich spreche. Alles andere
überlasse mir. Du wirst dabei Großes erleben. Dieser Zettel wurde von dem
Schutzgeist des Juden durch jenes Medium bei deiner Reise nach Graz
geschrieben. Der Schutzgeist des Juden ist ein verstorbener Onkel aus Köln.
Auch der böse Geist, der den Juden quält, ist ein verstorbener Verwandter.“ Am anderen Nachmittag gegen
4 Uhr schellte jemand an der Pfarrhaustüre. Ich öffnete und erschrak bei dem
Anblick eines Mannes dessen Glieder sich verzerrten und dessen Kopf wie in
einem beständigen Nervenzucken hin- und herging. Er wollte sprechen, brachte
jedoch kein Wort hervor. Ich faßte ihn an der Hand und führte ihn in mein Zimmer.
Sofort ließ ich den Jungen rufen. Dieser kam, fiel in Gegenwart des Juden in
Trance, stand auf, streckte seine Hand wie zur Beschwörung gegen den Mann und
redete in einer Sprache, die ich nicht verstand. Der Jude wurde von einer
unsichtbaren Gewalt einigemale hin- und hergeworfen. Dann fühlte er sich
frei, begann vor Freude zu weinen und konnte ohne Stockung reden. Er erzählte
mir, daß er genau wisse, was soeben mit ihm vorgegangen sei. Er selbst sei
hellsehend und könne die Geister erkennen, die um ihn seien, sowohl die
guten, als auch die bösen. Sein guter Geist sei ein Onkel aus Köln. Der böse
sei ein Verwandter, den er in diesem Leben nicht gekannt habe. Der böse habe
ihn abhalten wollen, zu mir zu gehen, und habe ihm unterwegs die
schändlichsten Schimpf- und Lästerworte in hebräischer Sprache zugerufen. Er
nannte mir einige dieser hebräischen Beschimpfungen. Jetzt hoffe er, für
immer von diesem bösen Begleiter befreit zu sein. Er wisse auch, welcher
Geist es gewesen, der ihn heute befreit habe. Damit nahm er sein Gebetbuch
aus der Tasche und zeigte mir ein hebräisches Gebet zu einem hohen
Himmelsfürsten. Der Jude hatte recht gesehen. Dieser Geist war es. Während
ich noch mit dem Juden sprach, fiel der Junge wiederum in Trance und wandte
sich zu mir mit den Worten: “Was ich dir jetzt sage, hört dieser Mann da
nicht. Ihm werden die Sinne gehalten, daß er nichts versteht. Was du heute
hier erlebt hast, ist zu deiner Belehrung geschehen und auch diesem Manne zur
Belehrung. Er wird nur kurze Zeit vom Bösen befreit bleiben. Der Böse wird
bald wiederkehren und ihn weiter quälen bis zu seinem Tode. Das ist sein
gerechtes Schicksal. Er hat es verdient. Zu dir wird er nicht wiederkommen.
Er wird die Kraft dazu nicht mehr aufbringen.“ Ich fragte nun den Mann, ob
er verstanden habe, was soeben geredet worden sei. Er gab zur Antwort, daß er
nichts gehört habe. Tief erschüttert
verabschiedete ich mich von diesem armen Menschen. Er kam nicht mehr wieder. Zusendung einer wichtigen Schrift
von unbekannter Hand Oft war ich durch die
verschiedenen Medien darauf hingewiesen worden, daß an den Urkunden der
ersten christlichen Zeit so viele Fälschungen vorgenommen worden seien. Ich
fragte mich immer wieder, ob denn kein wissenschaftliches Werk existiere, das
den Versuch mache, die Fälschungen aufzudecken. Es war mir kein derartiges
Werk bekannt. Auch konnte mir niemand ein solches angeben. In unseren
Sitzungen fragte ich absichtlich nicht danach. Denn es war mir gesagt worden,
daß mir alles das zugeleitet würde, was für mich von Nutzen sein könne. Da wurden mir eines Tages
zwei Lieferungen eines Werkes zugeschickt. Sie waren noch nicht
aufgeschnitten. Dabei lag ein Brief von einer Dame, die ich erst einmal in
meinem Leben gesehen hatte. Der Brief lautete: „Die anliegenden Schriften
hat mir vorgestern Frau Dr. H. aus F. für Sie mitgegeben. Sie mußte sie Ihnen
plötzlich schicken, ohne sie gelesen zu haben. An ihr vollzieht sich ein ganz
Gewaltiges. Sie sollten baldmöglichst sie aufsuchen.“ Die Frau Dr. H., die mir
die Schriften plötzlich schicken mußte, kannte ich weder persönlich noch dem
Namen nach. In den Schriften, die sie
mir schickte und von denen sie selbst nicht wußte, was sie enthielten, wurde
der Nachweis geführt, daß eine Schrift des jüdischen Schriftstellers Flavius
Josephus durch christliche Abschreiber zugunsten des Christentums in der
gröblichsten Weise gefälscht worden war. Der Abschreiber hatte aus Flavius
Josephus als einem Verächter Christi einen Verehrer Christi gemacht. In diesen mir zugeschickten
Schriften waren außerdem zahlreiche Hinweise auf die planmäßig vorgenommenen
Fälschungen der Schriftwerke der ersten Jahrhunderte enthalten‚ so daß ich
darin alles bestätigt fand, was mir durch die in diesen Dingen vollständig
unerfahrenen Medien über diesen Punkt gesagt worden war. Diese Feststellung
war mir eine große Genugtuung. Erlebnisse bei meinem Aufenthalt in
Amerika Eine Bestätigung sowohl der
allgemeinen Wahrheit des Geisterverkehrs, als auch mancher Einzelwahrheiten
auf diesem Gebiete erlebte ich bei einem Aufenthalt in Amerika. Hier ist der
Spiritismus weit verbreitet unter der Bezeichnung “Spiritualismus“. Überall
bestehen sogenannte “Spiritualistische Kirchen. Ich benutzte nun zunächst die
Gelegenheit, die Handhabung des “Spiritismus“ in diesen Kirchen kennenzulernen.
Zu diesem Zwecke besuchte ich eine Anzahl spiritistischer Gottesdienste. Da
fand ich leider bestätigt, was mir so oft durch die Medien in Deutschland
gesagt worden war, die mich immer wieder darauf hingewiesen hatten, daß die
guten Geister Gottes überall da fernbleiben, wo es sich bei den Teilnehmern
an spiritistischen Versammlungen mehr um irdische Zwecke handle, als um ein
inneres Fortschreiten auf dem Wege zu Gott. Wo die materiellen Gesichtspunkte
vorherrschten, stelle sich die niedere Geisterwelt ein. Es fehle dann jede
Kontrolle der Geister. Solche Versammlungen seien dann der Tummelplatz jener
Geistwesen, die sich in den niederen Sphären befänden, ohne deshalb gerade zu
den ausgesprochen bösen Geistern zu gehören. Meistens seien es verstorbene
Angehörige, Freunde und Bekannte der Versammlungsteilnehmer, die im Jenseits
selbst noch nicht weit fortgeschritten seien und denen daher die irdischen
Anliegen ihrer menschlichen Hinterbliebenen mehr am Herzen lägen, als deren
geistiges Vorankommen. Solche Versammlungen seien dann kein Gottesdienst
mehr, sondern eher Auskunftsstellen für rein irdische Fragen und Anliegen und
näherten sich in sehr bedenklicher Weise dem, was bei dem heidnischen
Götzendienst sich abspielte. Denn die Anziehungskraft des heidnischen
Götzendienstes bestehe gerade darin, daß die Menschen durch die bei dem
Götzendienst tätigen Medien über ihr irdisches Fortkommen und ihre irdische
Zukunft Auskunft erhoffen. Etwas geistig Hohes und
Erhebendes trat mir in keiner dieser Kirchen entgegen, so sehr ich mich auch
danach sehnte. Meistens war vielmehr das, was ich darin erlebte, von einer
Art, welche die Sache des Spiritismus eher schädigen, als ihr von Nutzen sein
konnte. Auch hatte ich den Eindruck, daß die Besucher wohl nur wegen der Botschaften,
die sie in ihren irdischen Anliegen zu erhalten hofften, an diesen
Zusammenkünften teilnahmen. Ebenso scheint die Geldfrage bei den Leitern
dieser Kirchen keine untergeordnete Rolle zu spielen. Es wird eine feste
Eintrittsgebühr erhoben, die selten weniger als einen halben Dollar beträgt,
so daß dem Unbemittelten der Besuch unmöglich gemacht ist. Das alles bestätigte mir
die Wahrheit dessen, was mir in Deutschland über den heutigen Spiritismus,
auch wenn er unter äußeren religiösen Formen vor sich geht, so eindringlich
gesagt worden war. Ich gewann die Überzeugung, daß diese Art des Spiritismus
die Menschheit ihrem Gott nicht viel näher bringen wird. Es ist nicht der
Spiritismus der ersten Christen. Doch sollte ich in Amerika
auch das Hohe des Geisterverkehrs kennenlernen und darin eine Bestätigung des
früher von mir selbst Erlebten erfahren. Während meines Aufenthaltes
in New York wohnte ich bei einer deutschen Familie Niemann, 148 E. 18. Str. -
Ich gebe den Namen und die genaue Adresse dieser Familie deshalb an, weil sie
bei den folgenden Erlebnissen die Hauptrolle spielt und mir gestattet hat,
ihren Namen zu nennen. Grundsätzlich unterlasse ich es sonst in diesem Buche,
Namen anzuführen, damit niemand infolge der Veröffentlichung dieser Schrift von
übelwollenden Mitmenschen Unannehmlichkeiten zu erdulden hat. Mit Herrn Niemann hatte ich
nie über Spiritismus gesprochen, sondern ihm bloß etwas von den Erlebnissen
in den spiritistischen Kirchen New Yorks mitgeteilt. Er selbst gehörte keiner
Religionsgemeinde an. Der Gottesglaube schien bei ihm ausgelöscht zu sein.
Die Vorgänge in den spiritistischen Versammlungen, von denen ich ihm erzählt
hatte, hielt er für Schwindel und Geldmacherei. Doch entschloß er sich eines
Abends aus Neugierde, mich in eine solche Kirche zu begleiten. Wie jedem in
der Kirche Anwesenden, wurde auch ihm eine Botschaft erteilt. Das, was ihm da
gesagt wurde, erwies sich in allen Teilen als zutreffend, obschon das Medium
ihn zum ersten mal sah und selbstverständlich nicht wußte, wer er war. Dabei
wurde ihm auch mitgeteilt, daß er selbst eine große mediale Veranlagung habe,
die er doch weiter ausbilden möge. Nach Hause zurückgekehrt,
fragte mich Herr Niemann, was die Hellseherin mit der Ausbildung seiner
medialen Veranlagung meine. Nun erklärte ich ihm die Zusammenhänge und erbot
mich, mit ihm und seiner Frau zusammen das eine oder andere mal in der Woche
einen kurzen Gottesdienst zu halten. Damit war ja auch mir von neuem
Gelegenheit gegeben, daß in Deutschland Erlebte auf seine Richtigkeit zu
prüfen, an der ich freilich in keiner Weise mehr zweifelte. Ich hielt die Gottesdienste
in derselben Weise, wie ich es früher in meiner Pfarrei in dem kleinen Kreis
getan hatte, von dem ich bereits berichtet habe. Hier nun, jenseits des
Ozeans, in einer Familie, die den Gottesglauben preisgegeben, aber ehrlichen
und aufrichtigen Willens war, die Wahrheit anzunehmen, sah ich zunächst die
Ausbildung der Medien in derselben Weise vor sich gehen, wie ich das bei den
Medien meiner früheren Umgebung beobachtet hatte. Es waren also dieselben
Gesetze der medialen Entwicklung, dort wie hier. Schon am ersten Abend
begann bei Herrn Niemann das mediale Schreiben, bei dem er zwar wußte, daß er
schrieb, aber nicht, was er schrieb. Die einzelnen Abschnitte des Niedergeschriebenen
zeigten verschiedene Handschriften und waren auch von verschiedenen Namen
verstorbener Angehöriger und Freunde unterzeichnet, deren Herr Niemann sich
erst wieder erinnerte, als er ihren Namen auf seiner Niederschrift an diesem
Abend vor sich sah. Sie teilten ihm mit, er sei in dem, was er jetzt tue, auf
dem rechtem Wege. Er möge darauf fortfahren. Denn wie froh wären sie selbst
gewesen, wenn man ihnen während ihres irdischen Lebens diesen Weg zu Gott
gezeigt hätte. Es gäbe ein Jenseits und einen Gott; und auf ihn möge er
vertrauen. Herr Niemann war sprachlos,
als er zu sich kam und das las, was mit seiner Hand in verschiedenen
Schriftzügen geschrieben worden war. Nachher hielt Herr Niemann
in meiner Abwesenheit den Gottesdienst mit seiner Frau allein. Er schrieb
wiederum, wie das erstemal, worüber sich seine Frau sehr wunderte. Denn sie
war im Stillen der Meinung, ich hätte ihren Mann hypnotisiert und ihm durch
Gedankenübertragung das eingegeben, was er niedergeschrieben hat. Nun hatte sie
den Beweis, daß ihre Annahme unrichtig war, weil das mediale Schreiben auch
dann in derselben Weise vor sich ging, wenn ich nicht zugegen war. Außerdem
hätte sie sich schon das erstemal sagen müssen, daß mir die Namen der
Verstorbenen nicht bekannt sein konnten, die unter der ersten Niederschrift
standen, und ich daher auch nicht imstande war, sie auf den Schreibenden zu
übertragen. Sie erhielt aber in derselben Sitzung einen noch überzeugenderen
Beweis. Plötzlich wurde sie nämlich selbst von einer unsichtbaren Macht
gezwungen, den Bleistift zu ergreifen und zu schreiben, während ihr die
Tränen über die Wangen rannen. Im Gegensatz zu ihrem Manne wußte sie, was sie
schrieb. Es war bei ihr dasselbe, was ich bei dem einen Jungen in meiner
Pfarrei erlebt hatte. Wie diesem, so wurden auch der Frau Niemann die
Gedanken, die sie niederschreiben sollte, mit aller Macht eingegeben. Sie war
also ein “Inspirationsmedium“ wie jener Junge. Auch sie war nicht in der
Lage, am Schluß ihrer Niederschrift das noch einmal wiederzugeben, was ihr
inspiriert worden war. Die Ausbildung dieser
beiden Medien ging von Woche zu Woche weiter. Herr Niemann schrieb noch eine
kurze Zeit, dann aber begann seine Ausbildung als “Sprechmedium“ mit all den
äußeren Erscheinungen, die ich bei dem Sprechmedium in meiner früheren
Pfarrei erlebt hatte. Der Geist, der durch ihn sprach, kam stets mit dem
Gruß: “Der Friede Gottes sei mit euch!“ oder, wenn er besondere Belehrungen
erteilen wollte, mit dem Gruß: “Gottes Wort sei mit euch!“ Der Tod meines Freundes wird
vorausgesagt und tritt ein Eine Bestätigung der
Wahrheit dessen, was durch diesen Geist uns mitgeteilt wurde, erhielten wir
eines Tages in einer uns alle erschütternden Weise. Ich hatte in Deutschland
einen sehr lieben Freund. Er war ein einfacher Mann aus dem Volke und lebte
auf dem Lande in einem kleinen Dorfe. Vor meiner Amerikareise hatte ich mich
noch persönlich von ihm verabschiedet. Da wurde am 20. Juli 1930
bei einem unserer Gottesdienste durch den aus Herrn Niemann sprechenden Geist
gesagt, daß mein Freund in Deutschland schwer erkrankt sei und bald sterben
werde. Die Botschaft lautete wörtlich: “Dein Freund H.S. ist schwer erkrankt.
Er leidet an einer schleichenden Krankheit. Du wirst ihn auf dieser Erde
nicht mehr sehen.“ - Als ich wegen dieser Worte erschrak und mir die Tränen
in die Augen traten, tröstete er mich mit den Worten: “Dein Freund ist ein
edler Mensch. Bei uns ist er gut aufgehoben. Wenn du ihm schreiben willst,
dann tue es gleich, dann wird ihn dein Brief noch am Leben treffen.“ - Darauf
schien er sich noch einmal zu vergewissern, ob mein Brief noch rechtzeitig
ankäme, indem er den Kopf nach der Seite drehte, als wenn er mit jemand
verhandelte und sich erkundigte. Dann wandte er sich wiederum an mich mit den
Worten: “Ja, der Brief kommt noch rechtzeitig an. Aber zögere nicht länger
damit!“ Am folgenden Tage schrieb ich einen Brief an meinen Freund und fügte
ihm gewissermaßen zum Abschied mein Bild bei. Von dem, was mir über seinen
bevorstehenden Tod gesagt worden war, schrieb ich selbstverständlich nichts.
Ich drückte im Gegenteil meine Freude aus, ihn bald wiederzusehen, und bat
ihn, mich bei meiner Rückreise in Bremen abzuholen. Am 20. August 1930 erhielt
ich von meiner Schwester, die in Deutschland in der Nähe meines Freundes
wohnte, einen Brief, datiert vom 11. August 1930, der mit folgenden Worten
begann: “Leider muß ich Dir
mitteilen, daß Dein bester Freund H.S. aus O. gestorben ist. Wie ich hörte,
soll er am Montag noch einen Brief von Dir bekommen haben mit Deinem Bilde.
Da konnte er Dich noch einmal sehen und Dir Lebewohl sagen. Er soll sehr
geweint haben, da Du ihm geschrieben, er möge Dich, wenn Du zurückkommst, in
Bremen abholen. Jetzt ist er schon in der Ewigkeit.“ An dem Tage, als ich den
Brief von meiner Schwester erhielt, hatten wir in unserem kleinen Kreise
einen Gottesdienst. Seit jenem Abend, an dem mir der bevorstehende Tod meines
Freundes angekündigt worden war, hatte der durch Herrn Niemann sich
kundgebende Geist nicht mehr gesprochen. An diesem Abend trat er nun in das
Medium ein und sprach nach dem von Frau Niemann aufgenommenen wörtlichen
Stenogramm folgendes: “Gottes Wort sei mit euch!
Amen! - Daß ich heute durch ihn spreche, ist nur eine Ausnahme, um deine
Bitte zu erfüllen.“ (Ich hatte nämlich während des Tages still für mich
gebetet, Gott möge mir einige Worte des Trostes sagen lassen.) “Es ist dir
ein Leid widerfahren, das du als Mensch sehr schwer nimmst. Doch sei nicht
traurig! Ihm (dem verstorbenen Freunde) geht es viel, viel besser. Und dir zu
Belohnung: Er steht an deiner rechten Seite, dir zugewandt, dir freundlich
zulächelnd und mit der rechten Hand über deinen Kopf streichelnd. Er läßt
vielmals grüßen. Du sollst es nicht so schwer nehmen. Vielleicht später wirst
du ihn hören.“ (Er meinte damit, daß der Verstorbene später vielleicht durch
das Medium selbst mit mir spreche.) “Noch nicht. - Sein letzter Kampf war
nicht so schwer. Er wollte dich gern noch einmal sehen und sprechen. Das
Erste kann er jetzt (nämlich das Sehen). Das Zweite (nämlich das Sprechen)
noch nicht. - Er starb im Gebet zu Gott. - O ihr armen Menschenkinder! Es ist
hier so schwer für euch. Doch bleibet treu! Wanket nicht und stolpert nicht,
so bleibt die Belohnung nicht aus. Und viele, denen es hienieden nicht so gut
ging wie manch anderen, die stehen drüben viel höher als die, die hier ihre
Herrscher waren. Der ‘Stoff macht nicht glücklich.“ (Unter Stoff meint der
Geist das Geld. Das Wort “Geld“ spricht er nie aus, sondern bezeichnet es mit
“Stoff“.) “Also nimm es nicht so schwer! Ach, wenn du ihn sehen könntest! Daß
er sehr hoch ist, kannst du daran erkennen, daß er hier ist. Er hat noch eine
kleine Läuterung, dann ist er in der elften Sphäre. Er überspringt die
zehnte. Er gehört zu den wenigen Menschen, die rechte Kinder Gottes sind und
waren.“ Dann betete der Geist mit
aufgehobenen Händen des Mediums: “Himmlischer Vater, sei uns gnädig! Neige
dein Angesicht herab zu uns! Erfülle ihn, der hier in Trauer und Schmerz um
den verlorenen Freund sitzt mit Trost! Gib ihm den Frieden und die
Heiterkeit, daß er den Schmerz überwindet. Lasse ihn den Abgeschiedenen, der
ein Muster war unter den Menschen, gnädig zu dir kommen! Nimm ihn auf in
deinen Kreis, damit er schnell sich entwickelt und Gnade und Segen wirkt für
die Menschheit. Vater, den du ausersehen, er kommt zu dir. Laß ihn das Werk
vollbringen, für das er dann ausersehen ist. Sei gnädig, Vater, und segne sie
beide! Amen!“ In den darauffolgenden
Gottesdiensten schrieb Frau Niemann unter der geistigen Einwirkung meines
verstorbenen Freundes Dinge, die sie als Mensch nicht wissen konnte. So wurde
in einer Niederschrift auf einen Spaziergang hingewiesen, den ich vor langen
Jahren mit dem nun verstorbenen Freunde durch ein kleines Hunsrücktal gemacht
hatte. Dabei hatten wir uns über Gott und die großen Jenseitsfragen
unterhalten. Ich selbst erinnerte mich erst wieder an diese Begebenheit, als
ich sie in der medialen Niederschrift der Frau Niemann las. Das Tal war darin
mit dem richtigen Namen angegeben, den nur die Leute kennen, die in der
Gegend des Tales wohnen. Auch in den Jahren, wo mein
Freund noch lebte, erhielt ich durch ihn so gewaltige Beweise von der
Wahrheit dessen, was mir im Verkehr mit der Geisterwelt mitgeteilt worden
war, daß sie allein genügt hätten, mich zu überzeugen. Als ich nämlich
infolge meiner geistigen Erlebnisse meine religiöse Überzeugung von Grund auf
ändern mußte, dachte ich mit tiefem Schmerz daran, daß ich wegen meiner
veränderten religiösen Einstellung auch diesen treuen Freund verlieren würde.
Denn er war ein guter Katholik. Als ich nun bei einer Sitzung in Deutschland
dem sich kundgebenden Geist meine Befürchtung aussprach, erhielt ich die
Antwort: “Deine Furcht, den Freund zu verlieren, ist unbegründet. Denn wir
selbst werden ihn belehren, ohne daß du ihm Aufklärung zu geben brauchst.“ Es dauerte nicht lange, da
suchte mich mein Freund auf und erzählte mir von den merkwürdigen Visionen,
die er geschaut hatte. Es waren ihm darin eine Reihe grundlegender Wahrheiten
gezeigt worden, die mit seinem katholischen Bekenntnis in Widerspruch
standen. So vor allem durch eine Vision auf dem Kirchhof die Wahrheit, daß es
auch für die Verdammten einmal eine Amnestie geben und alles wieder zu Gott
zurückkehren werde. Dann über die verschiedenen Schicksale der Geister der Verstorbenen.
Er erhielt dabei auch die entsprechenden Belehrungen. Auch wurde ihm die
Aufgabe gezeigt, die ich persönlich in meinem Leben zu erfüllen hätte. Diese
Erlebnisse, über die man ein eigenes Buch schreiben könnte, wirkten auf ihn
so überzeugend, daß ich mich damit begnügen konnte, ihm einfach die
Richtigkeit seiner Visionen zu bestätigen. — Eine Sache, deren
Bedeutung ich selbst bis heute noch nicht in vollem Umfang erkennen kann und
deren Erfüllung noch nicht eingetreten ist, möchte ich nicht mit
Stillschweigen übergehen. Es handelt sich um die
Auffindung zweier ägyptischer Königsgräber aus der Zeit 5000 vor Christi
Geburt. Es besteht für mich nicht der geringste Zweifel, daß die darüber
gemachten Angaben wahr sind; daß die Gräber später aufgefunden werden und
alles das enthalten, was mir durch vier verschiedene Medien darüber
mitgeteilt worden ist. Doch hören wir zunächst,
auf welch merkwürdige Weise ich von diesen Gräbern Kenntnis erhielt. Es war
am 1. Februar 1924. Ich saß nach Schluß der Bürostunden in meinem Privatbüro
in den Räumen des Hilfsbundes. Da kamen zwei junge Leute im Alter von
ungefähr 20 und 28 Jahren zu mir und gaben an, sie seien zu mir geschickt
worden, um mir einen Dienst zu erweisen. Kaum hatten sie diese Worte
ausgesprochen, da fielen beide zu meiner großen Überraschung gleichzeitig in
“Tieftrance“. Die Geistwesen, die aus ihnen sprachen, baten mich um Papier
und Bleistift. Ich gab ihnen das Gewünschte. Sie setzten sich an einen Tisch
und begannen zu zeichnen. Als sie nach einer Weile aufhörten, sah ich, daß
jeder von ihnen an der Wiedergabe eines ägyptischen Königsgrabes arbeitete
und daß die Zeichnungen mit alten, mir unverständlichen Inschriften versehen
waren. Sie sagten, daß sie später wiederkommen und die Zeichnungen fortsetzen
wollten. Ich fragte, wer sie seien.
Nur der eine von ihnen konnte die deutsche Sprache verstehen und gab mir in
deutscher Sprache Antwort. Der zweite redete in einer Sprache, die mir
unbekannt war und die der erste mir ins Deutsche übersetzte. Er gab folgenden
Bericht: “Wir beide, die wir durch
diese Werkzeuge reden und schreiben, waren ägyptische Fürsten. Unsere Namen
sind Arras und Isaris. Ich - Arras - war Fürst des Oberen Nil und mein Freund
Isaris war Fürst des Unteren Nil. Wir behandelten unsere Untertanen gut. Wir
züchtigten unsere Sklaven nicht. Wir ließen unserem Volk seinen freien
Willen. Es war reich, und ausgesprochen Arme gab es in unserem Lande nicht.
Dreimal im Jahre wurde geerntet, so daß wir übergenug zum Leben hatten.
Überall war Überfluß. Das Volk hatte alles, was es begehrte. Es feierte die
glänzendsten Feste und legte großen Prunk an den Tag und lebte in den Tag
hinein, Gott den Allmächtigen vergessend. Es aß die Früchte und Körner des
Bodens, die Gott wachsen ließ. Es trank reinstes Wasser, wie es aus keiner
reineren Quelle kommen konnte. Es trank den herrlichsten Wein, den es
überhaupt gab, ohne zu denken, wer das alles geschaffen hätte. Und des
Trubels und der Feste wurde immer mehr. Und das Volk war nicht mehr zufrieden
mit dem Althergebrachten. Da schuf es sich aus Gold und Edelsteinen Götter.
Es betete diese gemachten Götzen an und verehrte sie. Ja, es gab unter ihnen
solche, die sich um des Volkes willen für diese Götzenbilder hinmorden
ließen. Wir sahen dem allem ruhig
zu und ließen das Volk das alles ausüben, anstatt, wie es richtig gewesen
wäre, es daran zu hindern. Im Gegenteil, um die Gunst des Volkes zu erlangen,
haben wir es in seinem götzendienerischen Treiben noch unterstützt. Ich habe
dem Götzen Amojo zehn Wagen voll Goldsachen gesandt, damit sein Götzenbild
fertiggestellt wurde. Damit wollte ich beim Volke im Ansehen steigen. Auch
Isaris hat zehn Wagen Goldsachen für den Götzen Lachitju gegeben, damit er
mehr in der Achtung des Volkes steigen sollte. Wir gingen an der Spitze des
Volkes zur Einweihung der Götzenbilder und stellten unsere Truppen zum
Schutze dieser Gottheiten auf, anstatt sie zu vernichten. Vor dem Götzenbilde
war eine goldene Schale, in der sich Blut eines neugeborenen Kindes befand.
Dieses Blut durfte nicht austrocknen. Es mußte durch Erneuerung des Blutes
dafür Sorge getragen werden, daß es nicht vertrocknete. Denn wenn es
vertrocknet war, wurde der Priester, der dies verschuldete, von dem
Oberpriester vor dem Bildnis des Götzen mit dem Schwerte hingerichtet. Die Sache wurde immer
toller. Da sandte Gott die Strafe. Sie war furchtbar aber gerecht. Er ließ
die Quellen versiegen. Er sandte eine Hitze, so daß die Hitzewelle alles
niederschlug. Alles verdorrte. Und doch flehte das Volk nicht zu ihm. Wenn es
die Allmacht Gottes erkannt hätte, dann wäre Gott nicht allzu streng mit ihm
ins Gericht gegangen. Aber es war niemand da, der zu ihm betete. Da sandte
Gott die Rache, die vollständige Vernichtung auf das abtrünnige Volk, das ihn
nicht als den Schöpfer anerkennen wollte. Es konnte zur Erkenntnis des wahren
Gottes gelangen. Denn es gab Sterndeuter und hohe Gelehrte, welche die
Wahrheit verkündeten und das Volk auf das Strafgericht Gottes vorbereiten
sollten und es auch vorbereiteten. Doch das Volk verlachte und verspottete
sie. Man hörte nicht auf sie, sondern schlug sie tot. Da verdunkelte sich der
Himmel. Graue Wolken zogen heran. Schwarz war der Himmel. Sturm zog herauf
Blitze zuckten hernieder, welche die Götzen zerschmetterten, so daß man nicht
ein Atom mehr davon finden konnte. Dann kamen die Schrecknisse, welche die
Menschen vernichteten: Feuer und Schwefel kamen vom Himmel und verursachten
Dämpfe, welche die Luft verpesteten, so daß die Menschen erstickten. Die
Steine der Paläste stürzten ein und begruben alles unter einem Schutthaufen.
Dann sandte Gott einen gewaltigen Sturm und bedeckte alles mit gelbem, grauem
Sande in einem Erdbeben. Dies war die Gottesrache für die Beleidigung. Es war
ein Akt der Gerechtigkeit. Als die Vernichtung kam,
waren wir beide schon tot. Ich - Arras - starb unter dem Dolch eines
Priesters, der nach meinem Weib trachtete. Mein Freund Isaris, mit dem ich
Blutsfreundschaft geschlossen und bis zum Lebensende gehalten habe, starb im
Kampf mit Zyelov. Er war ein Feldherr und wohnte unter seinem Dach. Er
strebte nach Macht und nicht mit reinem Herzen. Er suchte den Thron seines
Herren zu untergraben und empörte sich gegen ihn und erschlug ihn. Unsere Stadt und unsere
Gräber sind verschüttet und noch nicht gefunden. Wir lebten 5000 Jahre vor
Christi Geburt. Das ganze Reich Ägypten hatte mehrere Fürsten unter einem
Herrscher, den ihr ‘Kaiser‘ nennen würdet. Es waren Bundesfürsten. Zu diesen
gehörten auch wir beide. Nur war Isaris dazu noch Sachwalter des ganzen Reiches;
ihr würdet sagen ‘Reichskanzler'. Die Hauptstadt des Reiches war Memph. Die
ersten Familien, die Priester und Heerführer pflegten den König oder Fürsten
immer aus derselben Familie zu nehmen.“ Auf meine Frage, welche
anderen Völker damals existierten, antwortete er: “Auf der Halbinsel Arabien
zogen die Nomadenstämme umher. Es gab ein großes Reich am Euphrat. Dieses
Reich war an der Mündung des Euphrat und reichte bis zum Ganges. Dann gab es
noch ein Reich, wo später die Mauren wohnten. Spuren von diesem Reich sind
noch auf den alten Karten vorhanden.“ Als die Medien zu sich kamen, wunderten
sie sich über die von ihnen angefertigten Zeichnungen und wußten nicht, was
das alles zu bedeuten hätte. Sie kamen im ganzen siebenmal in drei Monaten.
Es war mir vorher nie bekannt, wann sie die Fortsetzung machten. An einem Morgen, als ich im
Begriff stand, aus meinem Pfarrort in die Stadt zum Büro des Hilfsbundes zu
reisen, kam der Bauernjunge, der Sprechmedium war, zu mir ins Pfarrhaus und
sagte, er habe den Auftrag bekommen, mich heute in die Stadt zu begleiten.
Weshalb er mitfahren sollte, war ihm nicht bekannt. Ich nahm in also mit,
weil ich aus Erfahrung wußte, daß es sich stets um etwas Wichtiges handelte,
wenn der Junge solche Aufträge erhielt. An diesem Tage erschienen
wiederum die beiden Medien für die ägyptischen Zeichnungen. Gleichzeitig mit
ihnen fiel auch mein Bauernjunge in Trance und saß so lange schweigend da,
während die beiden anderen ihre Zeichnungen fortsetzten. Plötzlich stand das
meiner Pfarrei angehörige Medium auf und ging zu dem einen der Zeichnenden
hin und redete mit ihm in einer fremden Sprache. Er schien ihm etwas an der
Zeichnung zu erklären. Dann kam er zu mir und bat mich um Radiergummi. Als
ich ihm diesen überreichte, ging er wieder zu dem anderen Medium. Ich selbst
trat nun auch in dessen Nähe und sah, daß es den Nil gezeichnet hatte. Es
nahm den Radiergummi aus der Hand des Jungen und radierte an dem Lauf des
Nils einen kleinen Teil aus und zeichnete ihn anders. Ich fragte das in Trance
befindliche Medium aus meiner Pfarrei, ob es mir sagen dürfe, was diese
Vorgänge zu bedeuten hätten. Der daraus sprechende Geist gab mir zur Antwort,
daß er heute die Aufsicht über die beiden zeichnenden Medien habe. Denn es
werde die für die Auffindung der Königsgräber wichtigste Zeichnung
angefertigt, nämlich der Lauf des Nil. Der Geist einer der beiden früheren
Fürsten hätte durch das Medium den Nilfluß so gezeichnet, wie er zur
damaligen Zeit seinen Lauf genommen. Heute jedoch sei der Lauf des Nil
infolge einer Versandung an einigen Stellen ein anderer. Es sei gerade eine
dieser Stellen, von der aus die Messung der Entfernung vorgenommen werden
müsse, um die Königsgräber zu finden. Darum habe er auch heute morgen den
Jungen veranlaßt, mit mir in die Stadt zu gehen. Als die letzte Zeichnung
vollendet war, erhielt ich den Auftrag, alle Zeichnungen durchzupausen und
eine Pause versiegelt an einer mir bezeichneten Stelle zu hinterlegen. Dann
wurde mir eine Urkunde von dem einen der ägyptischen Fürsten diktiert, die
ich unterschreiben mußte. Sie lautete: “Im Jahre 1924
erhielt ich Kunde von der Existenz zweier Geister, die früher einmal Fürsten
waren. Arras und Isaris - so nennen sie sich. Von eben denselben sind mir
mehrere Zeichnungen und Diktate zugetragen worden. Dieselben umfassen einen
Bericht über das Schicksal der beiden Fürsten und ihres Lebens. Mir wurde
aufgetragen, in das Land der beiden zu ziehen und ihre Gräber zu öffnen und
die Überreste der verschütteten Stätten freizulegen. Diese Materialien
sammelte ich in der Zeit vom 1. Februar bis 1. Mai 1924.“ Isaris erklärte im Auftrage
des Arras und in seinem eigenen Namen: “Wir beide haben euch das kundgetan,
was uns aufgetragen worden ist, euch zu sagen, damit ihr unsere Grabstätten
findet. Die Durchführung liegt in eurer Hand. Seelisch, geistig habt ihr für
uns bis heute gewirkt. Wir danken euch dafür. Wir bitten euch, dies auch
fernerhin zu tun, und mit heutigem Tage verabschieden wir uns von euch. Wir
werden nur noch einmal kommen. Das wird an dem Tage sein, wo die Erfüllung
des Vorhergesagten eintrifft und von euch als tatsächliches, geschichtliches
Geschehen nicht bloß geglaubt, sondern auch erkannt wird. Betet für uns! Und
- Gott zum Gruß! Wenn ihr vor unserem Grabe stehet und ihr die Reste findet,
dann sind wir dort. Hier ist unsere Aufgabe erfüllt. - Gott zum Gruß - auf
Wiedersprechen!“ Diese Urkunde
unterzeichnete ich und nahm sie zu den anderen ägyptischen Akten. Bei dieser Gelegenheit
stellte ich noch manche Fragen, die sich auf die vorliegende Sache bezogen.
Als Antwort darauf wurde mir folgende Belehrung zuteil: “Ich kann dir sagen,
daß alles aufgezeichnet ist, was auf die Örtlichkeit selbst Bezug hat, wo die
Gräber liegen. Die genauen Angaben können wir euch nur an Ort und Stelle
geben. Es ist jetzt nur die eine Frage: Die Ausführung des Auftrages. Ihr
habt die Gräber nur zu suchen, und ihr findet sie. Ihr findet darin
verschiedene Kultursachen. Sie sind schon mehrfach gefunden worden und sind
an und für sich nicht so ganz wichtig. Aber wichtig ist der ‘Aufruf an das
Volk‘ und die ‘Rolle‘, in der die Gesetze der ‘Weißen Magie‘ über den
Geisterverkehr enthalten sind und auch die Heilarten, wie man Krankheiten
heilen kann. Dann sind auch Angaben darin über die Herstellung verschiedener
Erzeugnisse aus Pflanzen, Salzen und derartigen Stoffen, womit man
verschiedene Sachen konservieren kann, und auch, wie man aus Pflanzen Stoffe
herstellen kann, die sehr dauerhaft sind. Geld und Gold liegt auch dort,
damit ihr alle eure Auslagen decken könnt und noch mehr. Ihr werdet nicht das
Schicksal so vieler haben, die bisher solche Gräber öffneten und getötet
wurden. Denn auf jedem Grabe steht die Inschrift: ‘Diejenigen, welche Hand
anlegen oder den Antrieb dazu geben, sind verfallen.‘ - Ihr gehet in Gottes
Namen und nehmet den Grundstich auch in unserem Namen mit Gottes Hilfe vor.
So wird euch nichts geschehen. Du fragst mich nach den
Schriftzeichen auf den Zeichnungen. Die Schriftzeichen sind verschieden. Denn
man hat nicht überall gleich geschrieben. Es ist die Schrift so, wie wir sie
damals geschrieben haben. Ihr könnt die Schrift nicht lesen und nicht
schreiben. Ich könnte euch die Buchstaben diktieren. Aber damit vermöget ihr
nichts anzufangen. Denn ein Buchstabe gilt sowohl für ein Wort, als auch für ein
Zeichen. Auf unserem Grabe, auf unserem Palast, auf den Steinen, auf den
Säulen, auf den Wänden ist überall dieselbe Schrift. Die Gelehrten können
sich die Köpfe an diesen Steinen einrennen; die Schrift werden sie nicht
entziffern können. Vielleicht wird der eine oder andere sagen, daß die
Schrift, die er bei euch sieht, möglicherweise aus Ägypten ist, weil er
einige Zeichen erkennt. Aber die meisten werden sagen, ihr hättet euren
Verstand verloren. Und sie werden euch Hindernisse in den Weg legen. Der Großkönig, unter dem
wir Bundesfürsten waren, hieß ‘AM-EL‘. Er starb nach uns beiden. Sein Grab
ist noch nicht gefunden. Es sind in ganz Ägypten ungefähr 10.000 Gräber von
Königen, Fürsten und Vornehmen. Die anderen Gräber zähle ich nicht. Da könnt
ihr sicher sein, daß nicht alles entdeckt ist.“ Später fragte ich in den
Sitzungen mit den Medien meiner Pfarrei nach dieser ägyptischen Sache. Ich
wollte erfahren, um welche Zeit die Gräber aufgefunden würden. Ich erhielt
zur Antwort: “Das alles hat noch seine Zeit. Es werden Weltereignisse
eintreten, wodurch diese Sache reif wird. Heute ist sie noch unmöglich und
würde aus Gründen, die ihr nicht versteht, das Leben vieler Menschen kosten.
Welche großen Absichten Gott damit verbindet, könnt ihr nicht einmal ahnen.“
Diese ägyptische Sache habe ich deshalb in dieser Ausführlichkeit an Hand der
Akten wiedergegeben, damit im Augenblick der Erfüllung auch hierdurch der
Beweis erbracht ist, daß alle Einzelheiten genau vorausgesagt worden sind. Ich persönlich habe das Empfinden,
daß die Auffindung der hier beschriebenen Gräber für die heutige Wissenschaft
der gewaltigste Beweis für die Wahrheit dessen sein soll, was in diesem Buche
enthalten ist. Denn solche Beweise kann auch selbst die jenseits feindlichste
Wissenschaft nicht mehr beiseite schieben, sondern muß sie als vollwertig
anerkennen. Doch das ist meine rein
persönliche Meinung. Näheres über die Bedeutung der Auffindung der
ägyptischen Gräber ist mir nicht mitgeteilt worden. Die Richtigkeit dieser
ägyptischen Sache wurde mir auch durch das Medium in der Stadt bestätigt. Es
fügte noch hinzu, daß der Fürst, der sich “Arras“ nannte, auch den Namen
“Hario“ geführt habe.“ Wenn man die bisher
angeführten Beispiele, die nur einen ganz kleinen Bruchteil meiner Erlebnisse
auf diesem Gebiet ausmachen, in aller Ruhe überdenkt, so wird es jedem klar,
daß man mit den üblichen “natürlichen“ Erklärungsversuchen keinen Schritt
weiterkommt. Nicht “Suggestion“, nicht “Gedankenübertragung“, nicht
“Unterbewußtsein“ können die Ursachen solcher Erscheinungen sein. Weder die
Medien als Menschen wußten diese Dinge, noch auch andere Menschen. Was nie im Bewußtsein eines
Menschen war, kann bei ihm auch nie zum Unterbewußtsein werden, und Gedanken,
die ich selbst nicht habe, kann ich auch nicht auf andere übertragen. Die Worte “Suggestion“,
“Unterbewußtsein“, “Gedankenübertragung“ sind auf diesem Gebiet in den
meisten Fällen eben nur Worte, mit denen man recht viel Gelehrtes
auszudrücken glaubt und auch auf diejenigen Eindruck macht, die nicht
nachzudenken pflegen. Aber in Wirklichkeit sind es Worte ohne anwendbare
Begriffe. “Wo die Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich
ein.“ Was die Gedankenübertragung
angeht, so habe ich mich oft bemüht, meine Gedanken auf die Medien sowohl vor
ihrem Trancezustand, als auch während desselben mit aller Kraft zu
übertragen. Aber in keinem einzigen Falle enthielten ihre darauf folgenden
Kundgebungen auch nur ein Wort von dem, was ich an Gedanken auf sie zu
übertragen suchte. Auch andere habe ich
veranlaßt, mit mir zusammen einen bestimmten Gedanken, den wir vorher
vereinbart haften, einem Medium für seine Kundgebungen zu suggerieren. Aber
alle diese Versuche blieben ohne den geringsten Erfolg. Was mir durch die
ungelehrten und auf allen Gebieten des Wissens vollständig unerfahrenen
Medien mitgeteilt wurde, übersteigt jedes menschliche Wissen von diesen
Dingen. Hier gibt es bloß eine
Erklärung, die unser Denken befriedigt, nämlich: Es sind außerirdische
Geistwesen, die sich dieser Medien als Werkzeuge bedienen, um uns von der
Existenz eines Jenseits, von dem Dasein eines Gottes und einer Geisterwelt zu
überzeugen und uns auf den Weg zu Gott zu führen. Die in den folgenden
Kapiteln wiedergegebenen Belehrungen über die “Gesetze des Geisterverkehrs“
und “die großen Fragen des Diesseits und Jenseits“ werden weitere Beweise
dafür in Fülle liefern. ____________ *
____________ Ich
habe erkannt, daß alles, was Gott bestimmt hat, ewige Geltung besitzt. Man
kann da nichts hinzufügen und nichts davon hinwegnehmen. Und
das hat Gott so eingerichtet, daß man Ehrfurcht vor ihm habe. Prediger 3,14 Vorbemerkung Es war mir schon bei der
ersten Berührung mit der Geisterwelt die Zusage gemacht worden, daß ich über
die Gesetze belehrt würde, nach denen sich der Verkehr der Geister mit der
materiellen Welt, besonders mit den Menschen, vollzieht. Würde diese Zusage erfüllt,
so bedeutete dies für mich einen neuen, unwiderleglichen Beweis für die
Wahrheit dessen, was ich bisher aus dieser Quelle an Belehrungen empfangen
hatte. Ich selbst wußte von jenen Gesetzen nichts. Erst recht war den auf
allen wissenschaftlichen Gebieten unerfahrenen Medien von derartigen Gesetzen
nichts bekannt, so daß sie aus sich keine Belehrungen darüber erteilen
konnten. Die mir gemachte Zusage
wurde in viel vollkommenerer Weise gehalten, als ich zu hoffen gewagt hatte.
Der Unterricht, der mir über die Gesetze des Geisterverkehrs zuteil wurde,
war von einer Klarheit und Überzeugungskraft, wie sie nur der Wahrheit
innewohnt. Alle Fragen, die ich stellte, wurden mir ausführlich bis in ihre
Einzelheiten beantwortet. Nie konnte ich auch nur den kleinsten Widerspruch
in den Ausführungen feststellen. Alles griff ineinander, wie in einem feinen
Uhrwerk. Mein Lehrmeister war dasselbe Geistwesen, das mir schon bei meinem
zweiten Zusammentreffen mit ihm versprochen hatte, mich in alle Wahrheit
einzuführen. Es bediente sich dazu als Medium desselben Jungen wie damals. Da
dieser nur mittelmäßige Schulbildung besaß, so bewahrheitete sich auch
hierbei das Wort des Apostels Paulus: Was der Welt für töricht gilt das hat Gott erwählt um die Weisen zu
beschämen; und was der Welt für niedrig und verächtlich gilt, ja was der Welt
nichts gilt, das hat Gott erwählt um das zunichte zu machen, was in den Augen
der Welt groß dasteht. Denn kein Sterblicher soll sich seiner eigenen
Leistungen vor Gott rühmen können (1. Kor. 1, 27-29). _______
* _______ Gesetzmäßigkeit in der gesamten
Schöpfung Gottes „Ihr Menschen“, so begann
der Geist seine Belehrungen - „scheint anzunehmen, daß Gesetzmäßigkeit bloß
in der materiellen Welt herrsche. Das ist ein Irrtum. Gott ist ein Gott der
Ordnung und der Gesetzmäßigkeit sowohl in der irdischen, als auch in der
geistigen Schöpfung. Er selbst unterwirft sich bei seinem Tun den von ihm
geschaffenen Gesetzen und hebt keines von ihnen auf. So müssen auch wir Geister
die gottgewollten Naturgesetze beobachten, sooft wir mit der materiellen Welt
in Verbindung treten. Das gilt sowohl für die gute, als auch für die böse
Geisterwelt. Ihr pflegt alles ein ‘Wunder‘ zu nennen, was ihr mit den euch
bekannten Naturgesetzen nicht in Einklang bringen könnt. Für den, der die Kräfte
der materiellen und der geistigen Welt kennt, gibt es keine ‘Wunder‘. Denn
alles vollzieht sich nach denselben unwandelbaren Gesetzen, von denen keines
das andere aufhebt oder abändert. Wenn du einen Stein mit der
Hand in die Höhe hebst, so wird dadurch das Gesetz der ‘Schwerkraft‘ des
Steines, wie ihr es nennt, nicht beseitigt, sondern durch die stärkere Kraft
deiner Hand überwunden. Würde jedoch ein Stein durch eine für euch
unsichtbare Hand emporgehoben, so wäre das in euren Augen ein ‘Wunder‘, weil
ihr die Kraft nicht sehet und darum der Ansicht wäret, der Stein erhebe sich
von selbst. Und doch muß in beiden Fällen eine Kraft vorhanden sein, die das
Heben des Steines bewirkt. Ob ihr die Kraft sehet oder nicht, macht in dem
Vorgang selbst keinen Unterschied. In beiden Fällen wird die Schwerkraft des
Steines durch eine stärkere Kraft überwunden. Selbst Gott kann infolge
der von seiner Allmacht geschaffenen Gesetze nicht machen, daß sich ein Stein
von selbst erhebt. Wohl hätte er andere Gesetze für die Materie schaffen
können. Nachdem er aber die jetzt bestehenden Gesetze für alles irdische
Geschehen festgelegt hat, muß auch er bei dem Stein, der sich erheben soll,
eine Kraft wirksam werden lassen, die größer ist als die Schwerkraft des
Steines. So ist es auf allen Gebieten. Es ist auch kein ‘Wunder‘,
wenn die Geisterwelt mit euch Menschen in wahrnehmbare Verbindung tritt und
mit euch spricht. Und wenn ich durch diesen Jungen mit dir rede, so geht auch
das nach feststehenden Gesetzen vor sieh, die ich befolgen muß und die ein
böser Geist, der durch diesen Jungen sprechen wollte, in derselben Weise
befolgen müßte. Betrachtet eure
Fernsprecheinrichtungen! Wieviel Naturgesetze müssen da erfüllt werden, bis
ein Gespräch zustande kommt! Es muß ein Kraftstrom vorhanden sein; Drähte und
andere Einrichtungen müssen angebracht werden, die zur Übertragung des
gesprochenen Wortes erforderlich sind und den Gesetzen der Elektrizität und
der Akustik entsprechen. Ob nun ein guter Mensch den Sprechapparat benutzt
oder ein Verbrecher, beide sind denselben Fernsprechgesetzen unterworfen. Zum
Verständnis dessen, was du auf dem Gebiet des Geisterverkehrs wahrnimmst, ist
es für dich wichtig, die hauptsächlichsten Gesetze kennenzulernen, die beim
Verkehr der Geisterwelt mit der materiellen Schöpfung in Betracht kommen.
Hast du diese begriffen, dann wird dir das meiste verständlich sein, was dir
auf diesem Gebiet begegnet und euch Menschen bis jetzt so unerklärlich
erscheint. Das “Od“ als geistige Lebenskraft Geist und Materie können
wegen der Verschiedenheit ihres Seins nicht unmittelbar aufeinander wirken.
Auch dein eigener Geist ist aus sich allein nicht fähig, ein Glied oder Organ
deines Körpers in Tätigkeit zu setzen. Ebensowenig bin ich, der ich jetzt von
dem Körper dieses Jungen Besitz ergriffen habe, aus mir allein imstande, den
Körper aufzurichten, seine Hände zu erheben oder mit seinen Sprechwerkzeugen
einen Laut hervorzubringen. Sowohl dein eigener Geist, als auch ich bedarf
dazu eines “Kraftstromes.“ So hat der Maschinenführer
den Kraftstrom des Dampfes oder der Elektrizität nötig, um die Maschine in
Gang zu bringen. Fehlt der Kraftstrom oder ist er zu schwach, so steht die
Maschine still. In unserem Fall ist der Maschinist der Geist. Die Maschine
ist der Körper oder die Materie. Soll die Materie vom Geist in Bewegung
gesetzt werden, so ist dazu ein Kraftstrom nötig. Die Gelehrten der alten
Zeit nannten den Kraftstrom im Menschen ‘Seele‘, im Gegensatz zu ‘Geist‘ und
‘Körper‘. Sie lehrten daher mit Recht, daß der Mensch aus Geist, Seele und
Körper besteht. Die Bibel bezeichnet den
Kraftstrom oder die Lebenskraft als ‘Odem des Lebens‘. Und Gott hauchte dem
Menschen den Odem des Lebens in die Nase; so wurde der Mensch zu einem
lebendigen Wesen (1. Mose 2, 7). Eure heutige Wissenschaft
hat dem Kraftstrom im Menschen den Namen ‘Odkraft‘ gegeben. Die ‘Odkraft‘ oder
Lebenskraft befindet sich in und um alles, was Gott geschaffen hat. Jeder
Mensch, jedes Tier, jede Pflanze, jeder Stein, jedes Mineral, jedes Wasser,
jeder Weltkörper, jeder Geist und was es sonst noch gibt, hat Odkraft. Sie
ist nichts Materielles, sondern etwas Geistiges und stets mit einem Geist
verbunden. Sie ist die Lebenskraft des Geistes. Träger der Odkraft ist daher
stets der Geist. Wo also Leben ist, ist Od, und wo Od ist, ist Geist. Da nun
die Odkraft in und um alles ist, was Gott geschaffen hat, und stets mit dem
Geist verbunden ist, so folgt daraus, daß in allem Geschaffenen ein Geist
ist. Das klingt euch
unglaublich, und doch ist es die Wahrheit. Ist ein Geist mit einem
materiellen Körper verbunden, so besitzt er zunächst die Odkraft, die für
seine eigene Existenz als Geist erforderlich ist. Sodann eine entsprechende
Zugabe an Odkraft, um das Leben, den Aufbau und die Betätigung des irdischen
Körpers zu ermöglichen. So bedarf ja auch, um mich eines unvollkommenen
irdischen Gleichnisses zu bedienen, eine Lokomotive einer bestimmten Menge
Dampfkraft, um sich selbst fortbewegen zu können, und einer entsprechenden
Zugabe an Dampf, um die angehängten Wagen mitzuziehen. Der an euren Geist
angehängte Wagen ist der Körper. Für ihn benötigt also euer Geist eine
besondere Zugabe an Odkraft. Das für den Körper
bestimmte Od unterscheidet sich jedoch von dem des Geistes. Denn alles, was
auf Materie wirken soll, muß bis zu einem gewissen Grade der Materie
verähnlicht und angepaßt werden. Daher ist das Od der irdischen Körper nicht
so geistig, wie das Od der Geister selbst, die sich in diesen Körpern
befinden. Das körperliche Od hat
Ähnlichkeit mit euren irdischen Kraftströmen. Sie sind weder rein materiell,
noch rein geistig. Ihr eigentliches Wesen ist euch unbekannt, wenn ihr auch
ihre Wirkung täglich erfahret. Für die irdischen
Kraftströme habt ihr materielle Leitungsdrähte, um den Strom in der
zweckmäßigsten Stärke wirken zu lassen. Ihr habt Maschinen und sonstige
Einrichtungen und Anlagen, deren Betrieb eine bestimmte Stromstärke
erfordert. Ist der Kraftstrom zu stark, so zerstört er diese Einrichtung. Ist
er zu schwach, so kommt der Betrieb zum Stillstand. So wird auch der Odstrom
bei allen körperlichen Wesen an einem Leitungsdraht durch den ganzen Körper
mit all seinen wunderbaren Einrichtungen, die ihr Organe nennt, in der dafür
notwendigen Stärke geführt. Wirkt der Strom zu stark auf ein Organ, so kommt
es in Unordnung; ist er zu schwach, so stellt es seine Tätigkeit ein. Der Leitungsdraht der
Odkraft ist das Blut. Wird er zerstört, indem das Blut verlorengeht oder
durch Zersetzung vernichtet wird, so hört auch der Odstrom auf genau so, wie
bei euren Kraftströmen der Strom versagt, wenn die Leitungsdrähte durch
äußere Eingriffe oder durch Zersetzung beschädigt werden. Weil das Blut der Odleiter
und daher ohne Blut das körperliche Leben nicht möglich ist, darum wird in
der Bibel das Blut der ‘Sitz des Lebens‘ genannt: Das Blut ist der Sitz
des Lebens (5. Mose 2,23). Das körperliche Od wird
nicht vom Geist des betreffenden Körpers erzeugt, sondern aus den
Nahrungsstoffen gewonnen, die der Körper in sich aufnimmt. Damit du die weiteren
Belehrungen über die Odkraft verstehst, muß ich dich über das Wesen der
Materie unterrichten. Die Materie als verdichtetes Od Hast du dir schon einmal
klarzumachen versucht, wie der Körper der Lebewesen sich bildet? Betrachte
deinen eigenen Körper und sein Wachstum! Wurde dein Körper vielleicht in der
Weise gebildet, daß fertige Materie daran gesetzt wurde, so wie ein Haus
entsteht, indem Stein auf Stein gefügt wird? Du wirst von selbst einsehen,
daß dein Körper nicht auf diese Weise entstanden ist. Der Körper ist nichts
anderes als zur Materie verdichtetes Od. Das gilt von jedem Körper, nicht
bloß von dem des Menschen, sondern auch von dem der Tiere, Pflanzen und
Mineralien. Ihr Wachstum und materielles Entstehen unterliegt denselben
Gesetzen der Odverdichtung. Das Od der einzelnen
materiellen Wesen stellt eine nach wunderbaren, euch unbekannten Gesetzen
hergestellte Mischung der verschiedenen Odkräfte und Odarten dar. Bei den
Menschen ist die Odmischung eine andere als bei den Tieren, und bei dem Tier
wieder anders als bei der Pflanze und bei der Pflanze anders als bei den
Mineralien. Dieser Unterschied der
Odmischung besteht aber nicht bloß zwischen den verschiedensten Naturstufen,
sondern auch zwischen den Einzelwesen derselben Naturstufe. So ist die
Odmischung bei den einzelnen Menschenrassen eine verschiedene. Der Neger hat
eine andere Odmischung als der Weiße oder Indianer. Aber die der weißen Rasse
angehörenden Menschen haben nicht alle die gleiche Odmischung. Ebenso ist es
bei den anderen Rassen. Jeder einzelne Mensch hat eine ihm eigentümliche
Odmischung. Es gibt also keine zwei Menschen mit genau demselben Od. Das gilt
in derselben Weise von den Tieren, Pflanzen, Mineralien. Da nun der Aufbau des
Körpers eines Lebewesens in der Verdichtung der dem Lebewesen eigentümlichen
Odmischung besteht, so hat jeder Körper seine besondere materielle Eigenart.
Fleisch, Knochen, Nägel, Haare und alle anderen zum Körper gehörenden Teile
haben bei jedem Lebewesen ihre besondere Eigentümlichkeit. Sie beruht auf der
Odmischung, die bei dem Einzelwesen zu finden ist. Es ist für euch ein großes
Naturgeheimnis, wie es möglich ist, daß das vergeistigte und daher für eure
Augen nicht sichtbare Od sich zur festen Materie verdichten kann. Daß es
möglich ist, lehrt euch die tägliche Erfahrung, denn ihr sehet, daß euer Leib
nicht dadurch wächst, indem fertige Materie daran geklebt wird. Ihr wißt, daß
die Eichel nicht dadurch zum Eichbaum wird, daß immer mehr Eichenholz dazu
getan wird, sondern daß das Wachstum einen im Inneren des Lebewesens sich
vollziehenden Prozeß darstellt. Ihr wißt ferner, daß die von euch
aufgenommenen Speisen nicht inwendig an euren Körper angefügt werden, und auf
diese Weise der Körper sein Wachstum vollzieht, sondern daß ein euch
unbekanntes Etwas in alle Teile und Teilchen des ganzen Körpers strömt, sich
dort zu Fleisch, Knochen, Haaren, Nägel und sonstigen Substanzen verdichtet
und durch diese Verdichtung zur Materie wird. Das euch unbekannte Etwas
ist das ‘Od‘. Woher stammt nun das für
den Aufbau und die Erhaltung des Körpers aller Lebewesen notwendige Od? Du
kannst das selbst finden, wenn du darüber nachdenkst, was zu deinem
körperlichen Leben notwendig ist. Du hast Luft, Wasser, Speisen nötig. Aber
nicht alles, was in der Luft, dem Wasser und der Speise enthalten ist, kann
dein Körper gebrauchen. Vor allem kann es den einzelnen Teilen deines Körpers
nicht in dem Zustand zugeführt werden, wie es in der Luft, in dem Wasser und
der Speise enthalten ist, nämlich nicht in materiellem Zustand. Denn auch die
Luft ist Materie. Es muß zunächst in eine vergeistigte Form gebracht und als
Od in die kleinen und kleinsten Teilchen des Körpers geleitet werden. Die Umwandlung der
materiellen Nährstoffe in Od erfolgt auf dem Wege der Auflösung in dem in
eurem Körper vor sich gehenden Verdauungsprozeß. Die Luft, die ihr einatmet,
stellt eine materielle Odmischung dar. Daraus lösen eure Lungen nur die
Odteile auf, deren euer Körper bedarf. Die nicht brauchbaren Teile scheiden
sie durch die Atmung aus. Das Wasser hat ebenfalls
eine besondere Odmischung. Das Wasser-Od benötigen die Körper der Menschen,
Tiere und Pflanzen am meisten. Denn der menschliche, tierische und
pflanzliche Körper ist zum größten Teil eine Verdichtung des dem Wasser
entnommenen Od. Darum ist auch das Wasser-Od in reichster Menge in den aus
der Tier- und Pflanzenwelt entnommenen Nahrungsmitteln enthalten, so daß ihr
mit der Aufnahme dieser Nahrungsmittel in den meisten Fällen auch den
notwendigen Bedarf an Wasser-Od empfanget. Weil das Od des Wassers bei den
Körpern eine so große Rolle spielt, darum kann dieses Od nicht lange entbehrt
werden. Eure Hungerkünstler können wochenlang der festen Speise entsagen,
aber ohne Wasseraufnahme würde bei ihnen bald der Tod eintreten. Aus
demselben Grunde gehen Tiere und Pflanzen ein, denen das Od des Wassers
längere Zeit versagt bleibt. Nun verstehst du auch, daß
die Qual des Verdurstens die größte Qual ist, die ein Lebewesen zu ertragen
hat. Sie stellt den schmerzlichsten Todeskampf dar. Das Od der Luft wird nicht
so sehr zum Aufbau des Körpers gebraucht, sondern in der Hauptsache zur
Erzeugung der verschiedenen Kraftströme, durch welche die Zersetzung der
Speisen, ihre Auflösung in Od die Mischung der verschiedenen Odarten und
endlich ihre Verdichtung zur körperlichen Materie bewirkt wird. Alle
Auflösungen erfolgen durch heiße und alle Verdichtungen durch kalte Odströme.
Daher könnt ihr nur wenige Augenblicke ohne das Od der Luft leben. Denn wenn
dies fehlt, hört jede andere Odwirkung von selbst auf. Die Odstrahlung der Weltkörper Es bleibt nun noch die
Frage zu beantworten, woher denn das in der Luft, im Wasser und den
Nahrungsmitteln enthaltene Od stammt? Es kommt von der Erde. Die
Erde als Weltkörper hat eine Odmischung und Odstrahlung, die alle Odarten
enthält, welche für die auf ihr befindlichen Lebewesen notwendig sind. Das Od
der Erde setzt sich zusammen aus dem Od, das sie selbst als Weltkörper
besitzt. Außerdem nimmt sie die Odstrahlung all der Weltkörper, die sich im
Bereich der Erde befinden, in die eigene Odmischung auf. Jeder dieser
Weltkörper hat ein ihm eigentümliches und besonderes Od, das bei keinem der
anderen Weltkörper in dieser Art und Mischung zu finden ist. Je nach der Stellung jener
Weltkörper zu eurer Erde ist auch ihre Odstrahlung auf die Erde bald stärker,
bald schwächer. Da die Stellung der Weltkörper zueinander mit jeder Sekunde
wechselt, darum wechseln in demselben Maße auch die Odstrahlungen, die jene
Weltkörper zu eurer Erde senden. Die Mischung des Od eurer Erde mit dem Od
der sie umgebenden Weltkörper ist von der größten Bedeutung für das Leben und
das Wachstum auf eurer Erde. Du mußt ferner bedenken,
daß jede Odart auch eine ganz eigenartige Kraftwirkung in sich schließt. In
dem Maße nun, in dem im Augenblick der Geburt das körperliche Od des
Neugeborenen unter dem Einfluß einer einseitig starken Odwirkung eines oder
mehrerer Weltkörper steht, in demselben Maße wird die Odmischung des
Neugeborenen beeinflußt. Sie ist ja im Augenblick der Geburt gewissermaßen
noch ziemlich neutral und wird nun durch die auf sie einwirkende Odstrahlung
und Odmischung nach einer gewissen Richtung für immer festgelegt. - Wenn du
in einem Glas eine Mischung herstellen sollst und du gießt von einem
bestimmten Stoff eine große Menge hinein, dann kannst du von anderen Stoffen
um so weniger beimischen. Die ganze Mischung trägt alsdann in Farbe, Geruch,
Geschmack und sonstigen äußeren Merkmalen den Charakter des Stoffes, den du
in besonders großer Menge in das Glas getan. Du kannst auch den zu groß
bemessenen Bestandteil nachträglich nicht mehr verringern oder durch Beifügen
größerer Mengen anderer Bestandteile verdünnen. Denn das Glas kann nicht mehr
als voll gemacht werden. So ist es auch bei der Odmischung des Neugeborenen.
Die Gesamt-Odmenge ist bestimmt und kann nicht vermehrt werden. Bildet nun
eine gewisse Odart den Hauptbestandteil des Gesamt-Od, so wird sie für die
Gestaltung und das Wachstum den Neugeborenen für immer maßgebend bleiben. Und
da die einzelnen Odarten auch ganz eigenartige Lebensenergien entwickeln, so
wird die Eigenart des Hauptbestandteiles an Od dem Neugeborenen neben einer
besonderen Gestaltung seines Körpers auch einen ihm eigentümlichen Charakter
in seinem Handeln geben. Es ist daher kein
Aberglaube und auch keine leere Phantasie, daß man aus dem Zeitpunkt der
Geburt auf die körperliche Eigenart und den Charakter eines Menschen
schließen kann. Der Einfluß der Odwirkung der Weltkörper auf euer irdisches
Dasein, eure Lebensenergien, Charaktere und Temperamente ist ein viel
größerer, als ihr euch denkt. Ihr pflegt ja selbst zu sagen: ‘Er ist unter
einem glücklichen oder unglücklichen Stern geboren.‘ Damit soll die Wirkung
ausgedrückt werden, welche die Odstrahlung eines Weltkörpers auf die
Lebewesen bei ihrer Geburt ausübt. Das alles steht im
Zusammenhang mit den großen Fragen des Menschenschicksals, so daß ich es
nicht ganz mit Stillschweigen übergehen konnte. Alle Körper der irdischen
Wesen sind also verdichtetes Od, das von der Odstrahlung der Erde und der sie
umgebenden Weltkörper stammt. Den Auflösungs- und
Verdichtungsprozeß könnt ihr euch an einem Beispiel in der Natur klarmachen. Du weißt, daß unter dem
Einfluß der Wärme eine für euer Auge meistens nicht sichtbare Verdunstung der
Feuchtigkeit des Erdbodens und der Gewässer erfolgt. In einer gewissen Höhe
über der Erde verdichtet sich der bis dahin unsichtbare Dunst zunächst zu
einem feinen, kaum sichtbaren Schleier. Eine weitere Verdichtung zeigt euch
den feinen Schleier als Wolke. Diese wird unter dem Einfluß der Kälte immer
dichter und fällt schließlich unter einer noch größeren Verdichtung als
Wasser oder Schnee zur Erde. Wird das Wasser durch einen höheren Kältegrad
weiter verdichtet, so wird es Eis und stellt eine feste Materie dar. Hier
hast du die stufenweise Verdichtung eines für eure Augen nicht sichtbaren,
gleichsam vergeistigten Stoffes zur festen Materie, die ihr nicht bloß sehen
und mit den Händen greifen könnt, sondern die euch auch eine große
Widerstandskraft entgegensetzt. So ist also die Eisdecke eurer Bäche, Teiche
und Flüsse verdichtetes Wasser und von derselben Art wie das betreffende
Wasser und zeigt auch dessen Eigentümlichkeiten, und das Wasser ist
verdichteter Dunst. Wie also der Dunst von der
Erde aufsteigt, nach und nach zur festen Materie in Form von Eis wird, sich
wieder in Wasser und dann in Dunst auflöst, so geht es mit allen irdischen
Körpern. Sie entstehen aus dem euren Augen unsichtbaren Od der Erde, das sich
auf dem Wege des Wachstums zur Materie verdichtet und nach dem irdischen Tode
des Lebewesens wieder zu dem Od der Erde zurückkehrt. Allen irdischen Wesen
gilt daher das Wort: ‘Von der Erde bist du genommen und zur Erde kehrst du
zurück.‘ Das ist der beständige Kreislauf bis zu dem Tage, an dem alle
Materie endgültig in Od aufgelöst und nicht wieder zu materiellen Körpern
verdichtet wird. - Doch darüber werde ich dir später noch manches zu sagen
haben. Hieraus magst du entnehmen,
daß bei jedem irdischen Wesen drei Zustände des Od unterschieden werden
können: - Das Od des Geistes, der in den Wesen verkörpert ist - das etwas
mehr verdichtete, aber für menschliche Augen nicht sichtbare Od als
körperliche Lebenskraft - und das zur festen Materie gewordene Od, das ihr
Körper nennt. Das Od als Lebenskraft des
Körpers bleibt, wie dir bereits bekannt, stets mit dem Od des Geistes und
dadurch mit dem Geist selbst verbunden. Es ist der körperliche Betriebsstoff
in der Hand des Geistes, wie der irdische Kraftstrom der Betriebsstoff in der
Hand des Maschinisten ist. Wird daher dieser körperliche Betriebsstoff so gemindert,
daß er für die Lebensfähigkeit des Körpers nicht mehr ausreicht, so trennt
sich der Geist vom Körper. Es tritt der irdische Tod ein. So läßt der
Maschinist die Maschine im Stich, die er wegen Mangel an Strom nicht mehr in
Betrieb halten kann. Sterben die irdischen Körper, so bleibt die Odkraft beim
Geist. Denn die irdischen Körper haben keine selbständige Odkraft, sondern
bloß die Geister, die von ihnen Besitz genommen haben. Stärkung und Schwächung des Od Der Geist kann jedoch mit
der ihm eigenen Odkraft das durch Krankheit geschwächte Od seines Körpers
vermöge seiner Willensenergie stärken, die schlecht arbeitenden körperlichen
Organe in erhöhte Tätigkeit versetzen und dadurch die schädlichen
Bestandteile aus dem Körper ausscheiden. Dabei muß der geschwächte Körper
selbstverständlich die Aufnahme schädlicher Speisen meiden und durch gesunde
Nahrungsmittel die Wirkung des geistigen Od fördern. Der Geist wirkt in
diesem Falle, um mich wiederum eines materiellen Vergleiches zu bedienen, mit
seiner eigenen Odkraft wie eine starke Druckpumpe auf das körperliche Od und
die Odstromleitung, nämlich das Blut. Wie groß die Stärkung sein
kann, die der Geist eines Menschen durch die ihm eigene Odkraft infolge
Anspannung seines Willens dem Od seines Körpers zuführt, könnt ihr aus
zahlreichen Vorkommnissen ersehen. Oft empfangen Gelähmte, denen eine große
Gefahr droht, durch die auf die Rettung gerichtete Willensenergie des Geistes
eine solche Stärkung der körperlichen Odkraft, daß die Lähmung weicht und die
Glieder wenigstens für kurze Zeit wieder gebrauchsfähig werden. Dieselbe Wirkung hat eine
aufs Höchste gesteigerte Hoffnung auf Heilung. Sie ist ebenfalls ein Akt des
Willens und bringt durch die damit verbundene Stärkung der körperlichen
Odkraft manche plötzlichen Heilungen hervor, die ihr als Wunder anseht. Willensenergie, die in Mut,
Hoffnung, Vertrauen und Freudigkeit zum Ausdruck kommt, ist daher das beste
Heilmittel. Sie ist aber auch der beste Schutz gegen ansteckende Krankheiten.
Das da durch gestärkte Od des Körpers bildet gewissermaßen einen Schutzwall,
der das Eindringen der Krankheitskeime abhält. Je stärker die Willensenergie,
um so stärker ist auch dieser unsichtbare Panzer. Willensschwäche,
Mutlosigkeit, Angst und Verzagtheit des Geistes bewirken das Gegenteil. Sie
arbeiten wie eine Saugpumpe, die das Od des Körpers samt dem Blut aus dem
Körper und seinen Organen nach innen zieht, dadurch die Kraft des Körpers
schwächt und den Weg für Ansteckungen freimacht. Wie der Geist das durch
Krankheit geminderte Od seines Körpers stärken kann, so ist eine solche
Stärkung auch möglich durch Übertragung der Odkraft eines gesunden Wesens auf
ein krankes. Eine derartige Odübertragung nennt ihr ‘Magnetisieren‘. Jedes
Lebewesen kann Od auf ein anderes übertragen. Nicht bloß Menschen auf
Menschen, sondern auch Menschen auf Tiere, Pflanzen und Mineralien. Ihr könnt
Pflanzen durch Übertragung eures eigenen Od zu schnellerem Wachstum bringen.
Ihr könnt Wasser, Öl und andere derartige Dinge magnetisieren, sie
gewissermaßen mit eurem Od tränken und dadurch den Kranken, die das Wasser
trinken oder mit dem Öl gesalbt werden, eine raschere Heilung verschaffen. Der Mensch kann auch das Od
von Tieren, Pflanzen und Mineralien zur eigenen Heilung verwenden. Auf dieser
gegenseitigen Odübertragung beruhen die Gesetze der Heilkraft in der
Schöpfung Gottes. So strömen auch die Felle mancher lebenden Tiere ein
bestimmtes Od aus, das heilkräftig wirkt. Von vielen Pflanzen ist die
Heilkraft allgemein bekannt. Leider kennt ihr heute die Heilkräfte der
einzelnen Pflanzen für die verschiedenen Krankheiten nicht mehr in dem Maße
wie die alten Völker. Dasselbe gilt von den Mineralien. Daß jeder Edelstein
eine ihm eigentümliche Odkraft besitzt, dünkt den meisten als Aberglaube. Und
doch ist gerade das Od der Edelsteine von ganz besonderer Reinheit und Kraft
und stärkt das Od desjenigen, der den Edelstein trägt. Dabei muß allerdings
vorausgesetzt werden, daß der Mensch den Edelstein wählt, der zu seinem
eigenen Od paßt und nicht Odkräfte enthält, die der eigenen Odstrahlung
widerstreiten. Ihr habt ja Bücher, die euch darüber näheren Aufschluß geben,
welcher Edelstein je nach der Geburtszeit für den einzelnen Menschen in Frage
kommt. Sehr wichtig für das Gebiet
der Heilung ist die Odübertragung von Mensch zu Mensch. - Ein krankes Kind
fühlt sich bald besser, sobald die gesunde Mutter es an ihren Körper
schmiegt. Dadurch überträgt sie von ihrem gesunden Od auf das kranke Kind und
stärkt das durch Krankheit geschwächte Od des Kindes. - Ein gesunder Mensch,
der mit kranken oder alten Leuten zusammen schläft, teilt ihnen von seiner
Odkraft mit. Die kranken oder alten Bettgenossen werden dadurch gestärkt,
während der Gesunde durch beständige Abgabe des Od immer schwächer wird.
Daher bekommen Gesunde, die längere Zeit mit kranken oder alten Leuten
zusammen schlafen, infolge der Schwächung der eigenen Odkraft ein krankhaftes
Aussehen. Das ist der Grund, weshalb man Kinder nicht mit alten Leuten
zusammen in demselben Bett schlafen lassen soll. Das Od durchströmt den
irdischen Körper in allen seinen Teilen und strahlt noch ein Stück darüber
hinaus. Die dadurch bewirkte Umstrahlung des irdischen Körpers bezeichnet
eure Wissenschaft mit dem Namen ‘Aura‘. Alles Geschaffene hat diese Odaura.
Auch die großen Weltkörper. Was ihr Anziehungskraft der Erde nennt, ist die
Kraft der Odstrahlung, deren Reichweite in einem bestimmten Verhältnis zur
Größe der Erdkugel steht. Dasselbe gilt von allen anderen Weltkörpern. In dem
ganzen Universum gibt es keinen Punkt, der nicht von der Odstrahlung irgend
eines Weltkörpers getroffen wird. Die Odaura umstrahlt den
materiellen Körper in gleichem Abstand von jedem Teilchen des Körpers.
Infolgedessen hat die ‘Aura‘ auch die Gestalt des Körpers, dem sie angehört
und den sie umströmt. Man spricht daher auch von dem ‘Odkörper‘ oder dem
‘Astralkörper‘ oder dem ‘fluidalen Körper‘ der materiellen Wesen im Gegensatz
zu dem materiellen Körper. Es ist das, was die Bibel den ‘geistigen Leib‘
nennt. Er ist für euer leibliches Auge nicht sichtbar. Doch sogenannte
‘Hellseher‘, die über die Gabe des geistigen Schauens verfügen, können die
Odstrahlung oder den ‘Odkörper‘ sehen. Die Quelle des Lebens ist
der Geist. Aber die Auswirkung des Lebens und die Lebensbetätigung erfolgt
durch die mit dem Geist verbundene Odkraft, die darum auch Lebenskraft
genannt wird. Diese Kraft äußert sich in Schwingungen des Od. Jeder Ausdruck
des geistigen Lebens, jeder Ausdruck des Lebens in der euch umgebenden Natur,
alle Naturkräfte sind Odschwingungen. Jedes Denken und Wollen äußert sich in
entsprechenden Schwingungen des Od, die durch den Geist als Träger des Od
erzeugt werden. Jedes körperliche Gefühl, jedes seelische Empfinden wird
durch Schwingungen des Od hervorgerufen. Alle Töne, Farben, Gerüche,
Geschmacks- und Tastempfindungen entstehen durch ganz bestimmte
Odschwingungen. In der geistigen Welt sind es die Schwingungen des reinen
geistigen Od. In der materiellen Schöpfung sind es die Schwingungen des mehr
oder minder verdichteten Od. Alles, was ihr an irdischen
Erscheinungen vor euch seht, alles Wachsen, Blühen und Reifen, alle
Kraftströme und Strahlungen, Elektrizität, Radio, Ätherwellen, Licht und
Finsternis, alle Stufenleiter der Töne, Farben, Gerüche, der Geschmacks- und
Tastempfindungen, alle Kraftströme des Universums, die Anziehungskraft der
Weltkörper und ihre Bewegungen im Weltenraum alles beruht auf diesen
Odschwingungen. Ein Denker der alten Zeit hat gesagt: Alles ist im Fließen.‘
Er hätte sagen müssen: ‘Alles ist im Schwingen.‘ Den Schwingungen der das
ganze Universum durchströmenden und jedes Teilchen durchdringenden Odkraft
liegt das große göttliche Geheimnis der Zahlen zugrunde. Ihr kleinen Menschen
werdet nie dieses Geheimnis ergründen. Ihr sucht nach der Einheitszahl im
Weltengeschehen. Ihr werdet sie nicht finden. Zwar habt ihr bereits manche
Wahrheiten jenes Zahlengeheimnisses entdeckt. Ihr wißt die Zahlen der
Schwingungen der einzelnen euch bekannten Töne. Ihr versucht auch die den
Farben zugrunde liegenden Zahlen der Odschwingungen zu erforschen. Aber was
ist das alles zu dem unendlichen Meer von Wahrheiten, das euch verschlossen
ist? Ihr vermöget die sieben Siegel der Schöpfung Gottes nicht zu lösen. Ihr
könnt nur staunend und anbetend euer Haupt neigen vor der Weisheit und
Allmacht des Allerhöchsten. Ziehen wir nun aus dem
wenigen, das ich dir über die Odschwingungen gesagt habe, einige für unsere
Zwecke wichtige Folgerungen. Zunächst wird es dir
einleuchten, daß Harmonie dieser Odschwingungen Schönheit, Gesundheit,
Freude, Friede und Glück bedeutet; daß aber Disharmonie der Schwingungen der
Grund der Häßlichkeit, der Krankheit, des Schmerzes, des Unglücklichseins
sein muß. Wie Disharmonie der Töne und Farben euer seelisches Empfinden
verletzt und euch seelisch gewissermaßen weh tut, so ist Disharmonie des
geschaffenen Geistes zu seinem Schöpfer dasselbe auf geistigem Gebiet. Denn
diese Disharmonie äußert sich in entsprechenden Schwingungen des geistigen
Od. Sie verursacht eine geistige Häßlichkeit, ein geistiges Kranksein, einen
geistigen Unfrieden, ein geistiges Sich-unglücklich-fühlen - kurz, einen
geistigen Schmerz, der in dem Maße wächst, als die Disharmonie des Geistes
Gottes gegenüber zunimmt. Die äußerste Grenze der Disharmonie, nämlich die vollständige
Gegensätzlichkeit des geschaffenen Geistes zu seinem Schöpfer, bedeutet daher
auch das höchste Maß des geistigen Schmerzes und Unglücks; es ist das, was
ihr Hölle nennt. Und weil die größte Disharmonie der geistigen Odschwingungen
auch den größten Gegensatz zu Schönheit und Licht bedeutet, die ja höchste
Harmonie zur Voraussetzung haben, so muß die Hölle ein Zustand größter
Häßlichkeit des geistigen Odleibes und tiefste Finsternis sein. Das sind auf
ewigen Gesetzen beruhende Notwendigkeiten. Nicht Gott wirft euch in die
Hölle, sondern eure Disharmonie zu allem Schönen und Guten, zu allem geistig
Gesunden und Reinen, zu Licht und Leben. Darum ist die Hölle der geistige
Tod, in den sich derjenige stürzt, dessen geistiges Sein die größte
Disharmonie zum göttlichen Sein darstellt. Disharmonie der geistigen
Odschwingungen ist das Tiefensteuer beim Geistesflug, Harmonie das
Höhensteuer. Die Beseitigung der Disharmonie aus dem geistigen Sein ist die
Lebensaufgabe eines jeden Geschöpfes. Doch werden die Odschwingungen
eines Lebewesens nicht bloß durch die Gedanken und Stimmungen des eigenen
Geistes beeinflußt, sondern auch durch die Odschwingungen eines anderen
Lebewesens, dessen Odstrahlung es in sich aufnimmt. Wenn daher sogenannte
‘hellempfindende Menschen‘ auf irgendeine Weise mit der Odstrahlung eines
anderen in hinreichende Verbindung kommen, dann nehmen sie auch deren
Empfindungen in sich auf. Auf diesem Gesetz beruht das ‘Sich-Einfühlen‘ in
das Empfinden, den Charakter, die Gesinnung und das Schicksal eines anderen. Alle Odschwingungen eines
Lebewesens lassen in dem eigenen Odkörper ähnliche Eindrücke zurück, welche
die Schwingungen der Töne eines Liedes auf die Platte eines Grammophons
ausüben, so daß sie später immer wieder zu Gehör gebracht werden können, und
zwar nicht bloß als dieselben Töne, sondern auch mit demselben
Gefühlsausdruck, den der Sänger in das gesungene Lied hinein legte. Darauf
beruht auch das Erinnerungsvermögen. Je tiefer die Eindrücke waren, die auf
diese Odplatte ausgeübt wurden, um so leichter können sie wieder hervorgeholt
werden. Derselbe Vorgang, der sich
bei der phonographischen Platte in materialisierter Form vollzieht, ist in
geistiger Weise beim Nachempfinden von Geschehnissen durch hellempfindende
Personen vorhanden, sobald sie mit der geistigen Odplatte eines anderen in
hinreichend starke Verbindung kommen. Dadurch werden in ihrem eigenen Od
dieselben Schwingungen und infolgedessen auch dieselben Empfindungen erzeugt,
die in jener fremden Odplatte enthalten sind. Du weißt ja aus dem
Vorhergegangenen, daß bestimmte Schwingungen der Odkraft nicht bloß einen
bestimmten Ton, sondern auch eine bestimmte Farbe, einen bestimmten Geruch,
einen bestimmten Geschmack und eine bestimmte Tastempfindung erzeugen. Auch
das Gefühl von Wärme und Kälte beruht auf solchen Odschwingungen. Es gibt
Hellempfindende, die einen Ton auch als Farbe sehen und die sogar Farben
durch das Tastgefühl feststellen können, indem sie die Verschiedenheit der
Farben an der Verschiedenheit der Kälte und Wärmestrahlung erfühlen, die von
den Farben ausgeht. Andere nehmen die seelischen Gefühle der Liebe oder des
Hasses, des Wohlwollens oder der Mißgunst, des Mutes oder der Furcht, der
Treue oder der Treulosigkeit als Gefühle des anderen nicht bloß im eigenen
Empfinden wahr, sondern sogar in entsprechenden Farbbildern, so daß sie die
Begriffe der Liebe, Treue, Trauer, Freude, des Hasses, Neides in einem
Farbenbild zu malen imstande sind. Das alles beruht auf den Odschwingungen,
von denen jene Empfindungen begleitet sind. Das Od als Träger des körperlichen
Gefühls Das Od ist daher auch
Träger des körperlichen Gefühls. Wenn also das Od aus einem körperlichen
Glied verdrängt wird, so verschwindet daraus auch das Gefühl. Die Verdrängung
des Od aus dem Körper oder Körperteilen kann auf die verschiedenste Art
erfolgen. Sie kann durch Schlaganfälle oder innere Brüche herbeigeführt
werden, welche das Blut als Odleiter stören. Eine künstliche Verdrängung des
Od pflegen eure Ärzte durch narkotische Mittel zu bewirken. Auch durch
übermäßigen Genuß von Alkohol tritt eine Odverdrängung ein, die sich in einer
teilweisen oder vollständigen Gefühllosigkeit äußert. Das Gefühl kehrt
wieder, sobald der Körper von jenen Stoffen wieder freigeworden ist. Umgekehrt ist das Gefühl
auch dann noch vorhanden, wenn das materielle Glied eines Körpers selbst
entfernt ist. Denn der Odkörper eines irdischen Wesens bleibt als Ganzes
bestehen, wenn auch ein Glied des materiellen Leibes weggenommen ist. Bei
einem Menschen, der ein Bein verloren hat, ist also das Odbein noch
vorhanden. Und da das Od Träger des Gefühls ist, empfindet er nach Verlust
des leiblichen Beines noch so, als ob er es überhaupt nicht verloren hätte.
Er fühlt Schmerzen im Knie, den Waden, der Ferse, den Zehen eines Beines, das
er gar nicht mehr besitzt. Die Wahrheit dieser Tatsache werden dir alle
Amputierten bestätigen können. Weil das Od nach Trennung
des Geistes vom Körper im irdischen Tode beim Geist bleibt und Träger des
Gefühls ist, so kann der vom Körper getrennte Geist dieselben Empfindungen
haben wie ein Geist, der noch mit dem materiellen Körper verbunden ist. Darum
sind die Geister der Abgeschiedenen genauso leidensfähig, wie sie es in ihrem
irdischen Leben waren. Geister von Verstorbenen,
die infolge ihres Lebenswandels in eine niedere (tiefe) Sphäre gelangen, sind
der Meinung, sie lebten noch als Menschen auf der Erde. Das hat folgende
Gründe: Zunächst haben sie noch dieselben Empfindungen, die sie als Menschen
hatten. Ferner sehen sie ihren Odleib als einen materiellen Leib an, weil er
dem irdischen Leib nach Form und Gestalt vollkommen gleich ist. Endlich ist
die Erinnerung an ihren irdischen Tod bei ihnen ausgelöscht. Das Od der einzelnen
Lebewesen hat einen bestimmten Geruch. Da das Od etwas Geistiges ist,
so wird auch der Odgeruch durch das geistige Empfindungsvermögen und nicht
durch den körperlichen Geruchssinn wahrgenommen. Der Odgeruch ist bei jedem
Lebewesen verschieden. So wie es keine zwei Menschen gibt, die genau dieselbe
Gestalt und dieselben Gesichtszüge haben, so gibt es auch keine zwei
Menschen, die dasselbe Od und denselben Odgeruch besitzen. Da jeder Geist,
auch der körperlose, einen Odkörper hat, so haben auch die körperlosen
Geister einen ihnen eigenen Odgeruch, der um so unangenehmer wirkt, je tiefer
das Geistwesen steht. Darum wird in den alten Büchern bei den Berichten über
das Erscheinen des Teufels erwähnt, er sei mit großem Gestank angekommen. Das Od wird dadurch, daß es
in Gestalt der Aura über den Körper hinausströmt, für andere auch nach seinem
Geruch wahrnehmbar. Etwas von dem Odgeruch eines Wesens bleibt an allem
haften, was mit seiner Odstrahlung in Berührung kommt. An dem Odgeruch
erkennt der Hund die Sachen und die Spur seines Herrn. Der Odgeruch führt die
darauf abgerichteten Polizeihunde auf die Spur des Verbrechers. Nur wenn
andere Spuren mit frischerem Odgeruch die ursprüngliche Spur verdecken, ist
eine Weiterverfolgung der ersten Spur sehr erschwert oder ganz unmöglich. Jedoch haftet die
Odausstrahlung eines Wesens mit dem ihm eigentümlichen Odgeruch nicht bloß an
der grobstofflichen Materie, mit der das Wesen in Berührung kam, sondern auch
an der feinstofflichen, wie zum Beispiel am Äther, durch den ein Wesen seinen
Weg nahm. So hinterläßt also alles
Geschaffene eine Odspur seines Daseins, die den ersten Tag seines Entstehens
mit dem letzten Lebenstage verbindet. Zur Erläuterung wähle ich
ein materielles Beispiel. Wenn ein Wagen einen Weg entlangfährt, mit einem
feingemahlenen Stoff beladen, und es rinnt durch eine Ritze des Wagens von
diesem Stoff beständig zur Erde, so kann man an der dadurch gebildeten Spur
den Weg verfolgen, den der Wagen genommen hat. Sie ist gleichsam ein Band,
das den Ausgangspunkt und Ankunftspunkt des Wagens miteinander verbindet. Ein solches Band bildet bei
jedem Geschöpf das auf seinem Daseinsweg ausgestrahlte Od. An diesem Odband
findet der Zugvogel seine alte Heimat wieder und die Schwalbe dasselbe Dach,
an dem sie früher ihr Nest gebaut. Diese Tiere haben ein sehr feines
Odempfinden. Ihr nennt es die ‘Witterung‘ des Tieres. Doch ist diese
Witterung nur so lange vorhanden, als das Tier gesund ist. Bei kranken Tieren
schwindet infolge der Schwächung der Odkraft auch das Odempfinden für die
eigene oder fremde Spur. Daher finden kranke Zugvögel ihren Heimweg nicht
mehr und ein kranker Hund weder die Spur seines Herrn noch die eigene Spur. Es gibt auch Menschen, die
ein sehr feines Odempfinden besitzen, durch das sie schon auf gewisse
Entfernung den Odgeruch eines anderen wahrnehmen und ihn als angenehm
(sympathisch) oder abstoßend (antipathisch) empfinden, obschon sie den
betreffenden Menschen noch nie gesehen oder sonstwie kennengelernt haben. Die
Abneigung oder Zuneigung ‘auf den ersten Blick‘ ist die Wirkung des
gegenseitigen Odempfindens. Daher auch der Volksausdruck: ‘Sie können sich
nicht riechen.‘ Das Od als Spiegel des Schicksals Das Od gehört zu dem
Wunderbarsten in der Schöpfung Gottes. Durch das Band des Od bleibt ihr nicht
bloß mit allem verbunden, womit ihr in eurem Dasein in Berührung kamt,
sondern es spiegelt auch euer ganzes Dasein wie ein Film wieder: Alle eure
Erlebnisse, alle eure Taten, alles Gesprochene und Gedachte. Es ist das ‘Buch
des Lebens‘, in dem alles eingetragen ist. Es ist die fotografische Platte,
die alles festhält und wiedergibt. Dieser Film lügt nicht. Da gibt es kein
Ableugnen. Nach diesem Film werdet ihr einst von eurem Schöpfer gerichtet
werden. In das Od ist bei jedem
irdischen Wesen auch das für es vorherbestimmte ‘Schicksal‘ von Anfang an
eingezeichnet, und zwar ist es sowohl in dem ganzen Odkörper, als auch in
jedem einzelnen Teilchen des Od sichtbar. Das Lebensschicksal ist daher auch
in den Odteilchen zu sehen, die sich als Ausstrahlung an allem befinden,
womit das Wesen in Berührung gekommen ist. Es ist nicht alles
Schicksal, was ihr in eurem Leben tut oder erleidet. Das meiste ist das
Ergebnis der Selbstbestimmung eures freien Willens. Vorherbestimmt ist bloß
euer Lebensweg mit gewissen Schicksalsstationen an diesem Wege. Was ihr darauf
treibt und wie ihr euch an den einzelnen Stationen verhaltet, das ist Sache
eurer Willensentscheidung. Dafür tragt ihr die Verantwortung. Euer Leben hat
den einzigen Zweck, daß euer Geist auf dem ihm vorgezeichneten Weg höher
kommt, näher zu Gott. Euer Lebensweg ist ein Examensweg. Er ist euch nach Art
und Dauer vorherbestimmt. Daran könnt ihr nichts ändern. Die
Schicksalsstationen an diesem Weg sind Zwischenprüfungen. Der irdische Tod
bildet den Abschluß. Ob ihr nun auf dem vorgezeichneten Weg eure Pflicht tut
oder nicht, das hängt alles von eurem freien Willen ab. Wer das Examen
besteht, dessen Geist wird im Jenseits weiter fortschreiten bis zum letzten
Ziele, der Vereinigung mit Gott. Wer durchfällt, hat das Examen so oft von
neuem zu machen, bis er besteht. Das Bestehen oder Durchfallen ist nicht
Schicksal, sondern eigenes Verdienst oder eigene Schuld. Die christlichen Religionen
erkennen diese Wahrheit nicht. Sie wissen nicht, daß der Schöpfer es ähnlich
macht wie ein Baumeister, der zuerst den Bauplan zeichnet, nach dem der Bau
errichtet werden soll. Der Plan enthält nicht jede Einzelheit der inneren
Ausführung des Baues und des dazu verwendeten Materials, sondern nur die
äußeren Linien. So hat auch Gott für den
Lebensbau eines jeden Menschen die Hauptlinien festgelegt, nach denen das
Leben sich äußerlich gestaltet. Den inneren Ausbau überläßt er der freien
Entscheidung des Menschen. Die Bibel weist euch sehr
häufig auf die Vorherbestimmungen des Menschenschicksals hin. ‘Der Mensch
kennt ja nicht einmal die für ihn bestimmte Zeit‘ (Pred. 9,12,). - ‘In deinem
Buche standen eingeschrieben alle Tage, die vorher bestimmt waren, als noch
keiner von ihnen da war‘ (Ps. 139,16). - Und im Buch des Predigers heißt es:
‘Alles, was geschieht ist längst im voraus bestimmt worden und von vornherein
steht fest, wie es einem Menschen gehen wird, und niemand vermag den zur
Rechenschaft zu ziehen, der stärker ist als er. Wohl findet darüber viel
Redens statt, aber das ist nutzlos. Denn wer weiß, was dem Menschen im Leben
gut ist?‘ (Pred. 6,10-11). - ‘In deiner Hand steht mein Schicksal‘ (Ps.
31,15). - Der Prophet Jeremia spricht die Worte: ‘Ich weiß, Herr, daß des
Menschen Schicksal nicht in seiner hand steht und daß ein Mensch, der da
wandelt, seinen Gang nicht fest zu richten vermag‘ (Jerem. 10,23). - ‘Eilends
kommt das Schicksal heran, das für sie festgesetzt ist‘ (5. Mose 32,35). Geburt und Tod und die
dazwischenliegende Lebensdauer sind Schicksalsbestimmung, an welcher der
Mensch nichts ändern kann. Niemand, auch kein Arzt, kann daher das Leben
eines Menschen retten. Jeder stirbt in dem Augenblick, der für ihn
festgesetzt ist: ‘Ebensowenig ist jemand Herr über den Tag seines Todes‘
(Pred. 8,8). - Christus bestätigt diese Wahrheit in den Worten: ‘Wer
von euch vermag mit allen seinen Sorgen der Länge seiner Lebenszeit auch nur
eine Spanne zuzusetzen?‘ (Matth. 6,27). Zu Mose sprach der Herr: ‘Sieh,
die Zeit ist nahe, daß du sterben mußt‘ (5. Mose 31,14). Wie der irdische Baumeister
nachträglich Änderungen an seinem Bauplan machen kann, so ist es nicht
ausgeschlossen, daß auch Gott ausnahmsweise eine Änderung in dem
Lebensschicksal irgend eines Menschen eintreten läßt. Nur Er vermag die
Lebenszeit zu verlängern oder zu verkürzen. Wie euch ebenfalls die Bibel
berichtet, verlängert Er bisweilen die Lebensjahre bei dem, der Gott treu ist
und sich als zuverlässiger Mitarbeiter an dem Rettungsplan Gottes erweist,
nachdem er die von ihm Abgefallenen wieder zurückführen will. Darum läßt er
dem Hiskia sagen: 'Ich will zu deinen Lebenstagen noch fünfzehn Jahre
hinzufügen‘ (2.Kön.20,6). Anderen verkürzt er die schicksalsmäßig
festgesetzte Lebensdauer, weil sie sowohl die eigene Lebensaufgabe unerfüllt
lassen, als auch ihre Mitmenschen von der Pflichterfüllung Gott gegenüber
abzubringen suchen. ‘Die Männer der Blutschuld und des Truges werden ihr
Leben nicht auf die Hälfte bringen‘ (Ps.55, 24). Unter ‘Blutschuld‘
versteht die Bibel nicht das irdische Blutvergießen, sondern das Töten der
Seele des Mitmenschen durch Verleitung zum Abfall von Gott. ‘Die Furcht
des Herrn verlängert die Lebenstage, aber die Jahre der Gottlosen werden
verkürzt‘ (Sprüche 10,27). - Dem Hamanja läßt Gott durch den Propheten
Jeremia sagen: Noch in diesem Jahr sollst du sterben, weil du zum
Ungehorsam gegen den Herrn aufgefordert hast‘ (Jeremia 28,16,). - Durch
das Blut, das du vergossen hast (durch Verleitung zum Abfall von Gott), hast
du dich mit Schuld beladen und durch die Götzen, die du dir angefertigt hast,
bist du unrein geworden und hast die Tage des Gerichtes herbeigeführt und
bist zum Abschluß deiner Jahre gekommen‘ (Hesek. 22, 4). Auch den einzelnen Völkern
ist ihr Schicksal bestimmt. Ihr versteht das alles nicht, weil ihr keine
rechte Erkenntnis der Ursachen und Zwecke des großen Weitgeschehens besitzt.
Ihr kennt vor allem den Zweck der materiellen Schöpfung nicht und wisset
nicht, in welchem Zusammenhang der verkörperte Geist mit der Schöpfung Gottes
steht. Darüber werde ich dich
später noch eingehender unterrichten. Diese Belehrung über die Frage
des Schicksals habe ich eingefügt, weil sie in Verbindung mit der Odkraft
erwähnt werden mußte, da du sonst nicht das verstehen kannst, was ich über
das ‘Hellsehen‘ in seiner Beziehung zum Od zu sagen habe. ‘Hellseher‘ sind Wesen
(Menschen oder Tiere), deren Geist sich so viel vom Körper lösen kann, daß
sein Sehen ähnlich ist dem Sehen der vom materiellen Körper getrennten
Geister des Jenseits. Ein vollständig ausgebildeter ‘Hellseher‘ kann unter
gewissen Umständen auch das in dem Od eingezeichnete Schicksal eines anderen
erkennen. Aus der Vergangenheit sieht er alles, was sich im Leben desjenigen
ereignet hat, dessen Od er schaut. Sowohl das, was als Schicksal in dessen
Leben enthalten ist, als auch das, was an tatsächlichem Geschehen durch seine
freie Willensentscheidung bereits verwirklicht ist. Von der Zukunft sieht er
jedoch nur das durch das Schicksal Vorherbestimmte, aber nicht das, was vom
freien Willen des Menschen abhängt. Die Art des Todes eines
Menschen kann ein Hellseher nur dann vorausschauen, wenn sie durch das
Schicksal festgelegt ist. Denn nicht bei allen gehört die Art des Todes zu
ihrem Schicksal, wie überhaupt etwas bei dem einen Schicksal sein kann, was
bei dem anderen der freien Bestimmung unterliegt. Nur die Stunde des Todes
ist bei allen Schicksal. Um das ‘Hellsehen‘ auf
diesem Gebiete zu ermöglichen, muß der ‘Hellseher‘ auf irgendeine Weise mit
dem Od dessen in Verbindung kommen, um dessen Schicksal es sich handelt.
Entweder muß er die Person selber vor sich haben und ihre Odstrahlung auf
sich wirken lassen, oder er muß mit einem Gegenstand in Berührung kommen, den
jene Person in Besitz hatte und an dem infolgedessen etwas von ihrer
Odstrahlung haftet. Auf dieser Odwirkung beruht
auch die Fähigkeit des Hellsehers, verschlossene Briefe zu lesen oder
Gegenstände zu erkennen, die er mit seinem körperlichen Auge nicht wahrnehmen
kann. Je stärker die von dem betreffenden Gegenstand ausgehende Odwirkung
ist, um so deutlicher ist sein Schauen. Kann sich der Geist des
Hellsehenden vollständig von seinem Körper lösen und aus dem Körper
austreten, so ist er auch in der Lage, der Odspur eines anderen zu folgen und
festzustellen, wo jener sich augenblicklich befindet. Doch nicht jedes Hellsehen
erfolgt aufgrund der Odstrahlung. Sehr viele Dinge, die sich fern von dem
Hellseher ereignen, werden von ihm im Augenblick des Geschehens dadurch
geschaut, daß sein aus dem Körper ausgetretener Geist bei dem Ereignis selbst
anwesend ist oder weil ihm, ohne daß sein Geist austritt, von der Geisterwelt
das Geschehnis durch ‘Hellhören‘ mitgeteilt oder in einem Bild auf dem Wege
des ‘Hellsehens‘ gezeigt wird. Die zukünftigen Schicksale
von Einzelpersonen, mit deren Odstrahlung der Hellseher nicht in Verbindung
kam, sowie die Zukunft ganzer Länder, Völker, Städte und sonstiger
Gemeinschaften kann ein Hellseher nur dann schauen, wenn sie ihm durch die
Geisterwelt in entsprechenden Bildern vor Augen geführt werden. Die
Gestaltung solcher Bilder, sei es als wahrheitsgetreue Wiedergabe des
wirklichen Geschehens, sei es in Form von ‘Symbolen‘, ist für die damit
beauftragten Geister nicht schwer. Das Od benutzen sie als
Bildmaterial. Den Propheten des Alten
Bundes wurden die zukünftigen Schicksale der Völker und sonstige Ereignisse
meistens in symbolischen Bildern gezeigt. Das Od hat auch Farbe. Sie
ist ebenfalls bei jedem Wesen verschieden. Sie geht vom tiefsten Schwarz
durch Billionen Farbenschattierungen hindurch bis zum herrlichsten Weiß. Ihr
Menschen könnt euch nicht vorstellen, wie groß die Mannigfaltigkeit der
Farben ist. Betrachte einmal im Herbst das Gelb der Blätter. Unter allen gelb
gewordenen Blättern wirst du keine zwei finden, die genau dasselbe Gelb
haben. Diese Mannigfaltigkeit findet sich bei allen Farben. Ich habe dir bereits
wiederholt angedeutet, worin der Grund für die große Verschiedenheit in
Geruch und Farbe des Od zu suchen ist. Nämlich in dem Geist der Lebewesen. Je
tiefer ein Geist in seinem Denken und Wollen seinem Gott gegenübersteht, um
so häßlicher ist er als Geist. Denn auch der Geist hat Gestalt. So hat euer
menschlicher Geist die Gestalt des menschlichen Körpers oder richtiger
gesagt: Euer menschlicher Körper hat die Gestalt eures Geistes; und das Tier
die Gestalt des tierischen Geistes. Der materielle Körper ist nämlich
gleichgeformt dem Odkörper und der Odkörper ist dem Geist vollkommen
angepaßt. Mit Hilfe des Od baut ja der Geist den materiellen Körper auf nach
seinem eigenen Bild und seiner eigenen Gestaltung. Eure sogenannten
Wissenschaftler werden dich allerdings verlachen, wenn du sagst, daß die in
der Materie verkörperten Geister die Gestalt ihres Körpers haben. Sie können
sich einen Geist als Gestalt nicht denken. Sie meinen, Gestalt habe bloß das
Materielle, das an Raum und Zeit Gebundene. Darin irren sie sehr. Die Geister
sind nichts Formloses, wie es in der ganzen Schöpfung nichts Formloses gibt.
Sie haben Gestalt und Form und sind trotzdem nicht an Raum und Zeit gebunden
wie die materiellen Gestalten. - Wie sollten wir Geister uns denn untereinander
erkennen, wenn wir keine Gestalt hätten? Michael unterscheidet sich doch von
Gabriel und Gabriel von Raphael und anderen Geistern - um diese biblischen
Namen anzuführen. Die Wahrheit ist also, daß alle Geister eine Gestalt haben,
angefangen von Gott und den hohen Geistern Gottes bis hinunter zu den
häßlichsten Mißgestalten der Tiefe und der in Materie gehüllten Geisterwelt. Schönheit ist Harmonie und
Häßlichkeit ist Disharmonie. Das ist ein Gesetz, das für die ganze Schöpfung
gilt. Das schönste Antlitz eines Gemäldes kann durch einen disharmonischen
Strich zur häßlichsten Fratze entstellt werden. So wird auch der Geist um so
häßlicher in seiner Gestaltung, besonders in der Gestaltung seines Antlitzes,
je disharmonischer seine Einstellung seinem Schöpfer gegenüber ist, nach
dessen Bild und Gleichnis er einst geschaffen wurde. Wie das den Geist umgebende
Od dieselbe Gestaltung empfängt, die auch der Geist hat, so nimmt es auch
Teil an der Schönheit und Häßlichkeit in Farbe und Geruch. Darum erlebt ihr
bei den heutigen Materialisationen der Geister, daß die Odstrahlung eines
guten Geistwesens in einem schönen Lichte erglänzt und bei zunehmender
Verdichtung seines Od einen lieblichen Geruch verbreitet, während das Od der
niedrigen Geistwesen in Dunkel gehüllt ist und immer einen widerlichen Geruch
verursacht. Freilich nimmt der Mensch nicht immer diesen Geruch wahr, weil er
nur in seltenen Fällen auch mit dem körperlichen Geruchssinn empfunden werden
kann. Das sind Tatsachen, die
auch eure Gelehrten wiederholt festzustellen Gelegenheit haben. Die Harmonie oder
Disharmonie des Geistes wird durch den Odkörper auch auf den materiellen
Körper übertragen. Darum ist der Charakter des Menschen in den Linien des
Körpers, besonders im Angesicht ausgeprägt und sogar in der Gestaltung seiner
Glieder zum Ausdruck gebracht. Der Kenner dieses Gesetzes ist daher in der
Lage, aus den Linien und der Gestaltung der Körperteile die Eigenschaften des
Geistes zu ermitteln. Auch die Haltung des Körpers, der Gang, die Bewegungen
sind Ausdrucksformen des Geistes. Darum kann man auch an den Schriftzügen
eines Menschen seinen Charakter erkennen. Aus demselben Grunde wird der Geist
eines Abgeschiedenen, der durch ein menschliches Medium schreibt, dieselben
Schriftzüge machen, die er vor seinem irdischen Tode hatte; sie werden sich
erst dann ändern, wenn im Jenseits sein Charakter eine wesentliche Besserung
erfahren hat. Da das Schicksal eines
Menschen in dem Od wie ein Bauplan eingezeichnet ist und durch das Od auch
auf den materiellen Körper übertragen wird, so ist das Schicksal eines Wesens
auch in den Linien und Zeichen seines Körpers zu sehen. Wer daher diese
Zeichen kennt, wird einen Teil von dem wahrnehmen, was ein Hellseher in
vollkommenerer Weise im Od erschaut. Ich könnte dir ein sehr
interessantes Buch über alle diese Zusammenhänge diktieren. Allein ich habe
nicht die Aufgabe, eure menschliche Wissenschaft zu bereichern, sondern dir
bloß so viel darüber mitzuteilen, als zum Verständnis des Geisterverkehrs mit
der materiellen Schöpfung und der diesem Verkehr zugrunde liegenden Gesetze
erforderlich ist. Da das Od etwas Geistiges
ist, so hat es mit dem Geist auch die Eigenschaft gemeinsam, durch keine
Materie gehemmt zu werden. Wie es den eigenen Körper ohne Widerstand
durchdringt, so kann es auch jede beliebige andere Materie durchdringen,
sobald es vom eigenen Körper gelöst ist. Nichts kann ihm Widerstand leisten. Etwas Ähnliches habt ihr
bei den sogenannten Röntgenstrahlen, so daß es euch nicht schwerfallen wird,
das Gesagte zu verstehen. Wie ferner in der Natur
unter Einwirkung der Wärme und unter Wolkenbildung sich starke Kraftströme
entwickeln, die in der Form des Blitzes sichtbar werden, so vermag auch die
Geisterwelt mit Hilfe des Od sehr starke Kraftströme zu erzeugen, heiße und
kalte. Ihr sprecht ja auch beim Blitz von heißen Schlägen, unter denen alles
schmilzt, und von kalten Schlägen, die nicht zünden, sondern bloß durch ihren
ungeheuren Druck wirken. Wärme dehnt aus und löst
auf - Kälte zieht zusammen und verdichtet. Das ist ein Gesetz, das nicht bloß
in der materiellen Welt Geltung hat, sondern auch in der geistigen Schöpfung. Wie ihr mit Hilfe großer
Hitze Materie in Dampf verwandeln und sogar in einen für das leibliche Auge
unsichtbaren Zustand versetzen könnt, so vermag auch die Geisterwelt Materie
vollständig aufzulösen. Auch sie bedient sich dazu heißer Kraftströme, durch
die sie die Materie in einen odähnlichen, also vergeistigten Zustand
versetzt. Denn alle Materie ist, wie ich dir bereits erklärt habe, nichts
anderes als verkörpertes Od, das in geistiges Od aufgelöst werden kann. Die
in Od verwandelte Materie durchdringt wie jedes andere Od alles Materielle
ohne Widerstand und kann an beliebige Orte gebracht und dort wieder zu Materie
verdichtet werden. Das Auflösen der Materie
nennt ihr ‘Dematerialisieren‘ und das Verdichten des Od zu Materie bezeichnet
ihr mit dem Ausdruck ‘Materialisieren‘. Während die Geisterwelt die
Auflösung der Materie durch heiße Starkströme des Od herbeiführt, verwendet
sie zur Verdichtung des Od kalte Ströme entsprechend den allgemein gültigen
Naturgesetzen. Und wie ihr bei Anwendung starker irdischer Kraftströme große
Vorsicht walten lasset, um keinen Schaden zu erleiden, so geht die
Geisterwelt bei Anwendung der Kraftströme mit der selben Vorsicht zu Werke.
Ihr wendet bei Berührung von Hochspannungsdrähten sogenannte ‘Isolatoren‘ an.
Ihr sprecht von ‘Kurzschluß‘ und ähnlichen Zwischenfällen. Auch bei den
Odströmen, die zum Zwecke der ‘Dematerialisation‘ im Beisein von irdischen
Lebewesen verwendet werden, müssen die Geister dieselbe Vorsicht gebrauchen,
damit eine Schädigung dieser Wesen vermieden und die erstrebte Auflösung oder
Verdichtung der Materie erreicht wird. So kann ein
unvorhergesehenes Eingreifen der Teilnehmer einer spiritistischen Sitzung in
die Arbeit der Geisterwelt eine Gefahr für das Medium, das als Kraftquelle
dient, oder auch für die Teilnehmer sein und das Gelingen der Phänomene
erschweren oder ganz vereiteln. Denn auch bei dieser Arbeit kann es
‘Kurzschluß‘ geben, wenn nicht rechtzeitig die notwendigen ‘Isolierungen‘
vorgenommen werden. Das klingt euch alles zu
menschlich. Aber ich kann dich nicht oft genug darauf hinweisen, daß alles,
was ihr in der irdischen Welt in materieller Form habt, auch in der
Geisterwelt in geistiger Form existiert, und zwar ohne jede Ausnahme. Es ist
für euch nicht leicht, dies zu verstehen. Denn alle Begriffe eures Denkens
sind der materiellen Welt entnommen. Und es fällt euch sehr schwer, diese
Begriffe auf das Geistige zu übertragen. Das Od, mit dem euer
eigener Geist in eurem materiellen Körper arbeitet, hat eine gewisse
Verdichtung nötig, wie ich dir bereits dargetan habe. Denn es muß ein
bestimmter Ausgleich zwischen Geist und Materie geschaffen werden. Aus demselben
Grunde muß auch die Geisterwelt bei ihrer Arbeit an materiellen Wesen das
dazu erforderliche irdische Od bis zu einem ihrem Zwecke entsprechenden Grad
verdichten. Große Hemmnisse bilden bei solchen Odverdichtungen die Wärme und
das Licht. Daß Wärme dabei hinderlich ist, wird dir ohne weiteres klar sein.
Denn Wärme dehnt aus und löst auf. Daß auch das Licht bei der Odverdichtung
ein Hindernis bilden kann, vermagst du wenigstens zu ahnen, wenn ich dich an
die Dunkelkammer erinnere, die ihr für die Entwicklung eurer fotografischen
Platten benötigt. Eine Odverdichtung bei
Wärme und hellem Tageslicht ist zwar nicht unmöglich, aber sie erfordert eine
so große Odmenge, wie sie nur in den allerseltensten Fällen der Geisterwelt
zur Verfügung steht, um den Menschen Mitteilungen zu machen. Sonst für die
Schöpfung und zur Ausführung eines besonderen Auftrages Gottes steht der
guten Geisterwelt die Odkraft in unbeschränkter Menge und Stärke zur
Verfügung. Es ist daher sehr töricht
und ein Zeichen eurer großen Unwissenheit in diesen Dingen, wenn ihr darüber
spottet, daß manche spiritistischen Phänomene nur im Dunkeln gelingen. Auch
viele eurer Gelehrten behaupten, die Dunkelheit werde nur deswegen gewählt,
damit man die ‘spiritistischen Betrügereien‘ nicht so leicht sehen könne. Mit
demselben Recht müßte man auch von dem Fotografen verlangen, daß er seine
Platten bei hellem Tageslicht anstatt in der Dunkelkammer entwickelt, und ihn
für einen Betrüger halten, wenn er die Entwicklung der fotografischen Platten
nur im Dunkeln fertigbringt. Daß die Arbeit der Geisterwelt nach denselben
Gesetzen vor sich geht, die für euer irdisches Handeln gelten, ist leider
fast allen unbekannt. Unsichtbare Nahrungszufuhr
(Odspeisung) Auf dem Wege der Auflösung
und Wiederverdichtung der Materie erfolgt auch die dem leiblichen Auge
unsichtbare und eurem menschlichen Verstand so unbegreiflich erscheinende
Nahrungszufuhr, die man ‘Odspeisung‘ nennen könnte. Es hat nämlich zu allen
Zeiten Menschen gegeben, die keine Nahrung zu sich nahmen und doch am Leben
blieben. Bei ihnen wird die Nahrungsaufnahme auf geistigem Wege bewirkt. Die
Geisterwelt löst Speise in Od auf und bringt sie in diesem Odzustand in die
Verdauungsorgane. Dort wird die Odspeise zur materiellen Nahrung verdichtet
und verdaut. Darum haben auch jene Personen, von denen ihr meint, sie seien
ohne jede Nahrung, ganz normale Körperentleerungen, als wenn sie materielle
Speise zu sich nähmen. Diese Art der Ernährung tritt bei den betreffenden
Personen stets im Zusammenhang mit anderen Wirkungen der Geisterwelt auf. Sie
ist nicht Selbstzweck, sondern ein Glied in der Kette von Geschehnissen, die
einem höheren Zweck dienen sollen. Quellen des Od für den
Geisterverkehr Aus dem, was ich dir bis
jetzt erklärt habe, wirst du von selbst den Schluß ziehen können, daß eine
hinreichende Odkraft die Vorbedingung für jede Arbeit ist, die von geistigen
Wesen an irdischen Geschöpfen in einer für eure Sinne wahrnehmbaren Weise
geleistet wird. Die Odkraft ist der Betriebsstoff in der ganzen Schöpfung
Gottes, - auch in der irdischen Werkstätte der Geister. Nun erhebt sich von selbst
die Frage: Woher nehmen die Geistwesen die Odkraft, die sie für ihren Verkehr
mit den irdischen Geschöpfen benötigen? Zunächst könntest du auf
den Gedanken kommen, es genüge den Geistern, die eigene Odkraft für ihre
Arbeit an der Materie. Das ist jedoch nicht der Fall. Denn die Geistwesen
haben ihre Odkraft für die eigenen Lebensfunktionen und ihre in der
Geisterwelt zu leistende Arbeit nötig. Vor allem aber ist das Od der höheren
Geisterwelt viel zu fein und rein, als daß es mit dem ganz anders gearteten
Od der irdischen Wesen eine Verbindung eingehen könnte. So habt ja auch ihr
manche feinen Stoffe, die ihr nicht mit gröberen Stoffen zu einer
einheitlichen Mischung vereinigen könnt. Daraus folgt, daß die Geisterwelt zu
ihrer irdischen Arbeit dasjenige Od nehmen muß, das zu dem irdischen Od paßt.
Und das findet sie in der Regel bei den irdischen Wesen, in deren Bereich sie
ihre Arbeit zu leisten hat. Menschen, Tiere, Pflanzen, Mineralien sind daher
die Odquellen, denen die Geister den erforderlichen Betriebsstoff entnehmen.
Diese Lieferanten des Od bezeichnet ihr mit dem Namen ‘Medien‘. Irdische
Wesen, die genügend Odkraft abgeben können, werden ‘medial‘ genannt. In geringem Maße sind alle
materiellen Geschöpfe medial. Denn alle besitzen Odkraft und vermögen auch
etwas davon abzugeben. Aber bei den meisten ist die Abgabefähigkeit so
gering, daß sie als Odquelle für die Betätigung der Geisterwelt nicht in
Frage kommen. Doch auch die an und für
sich ausreichende Odkraft der ‘Medien‘ ist in vielen Fällen nicht sofort
verwendbar. Sie muß in allen Fällen, in denen sie der ‘höheren Geisterwelt‘
als Betriebsstoff dienen soll, vorher gereinigt, gewissermaßen ‘filtriert‘
werden. Auch bei euren irdischen Stoffen ist nicht selten eine solche
Filtrierung nötig, bevor ihr sie verwenden könnt. Die niedere Geisterwelt
braucht freilich eine Reinigung des Od der Medien nicht vorzunehmen. Denn je
unreiner das Od ist, um so besser paßt es zu dem Od dieser Geister. Darum ist
es für sie auch viel leichter, die Medien für ihre Zwecke zu gebrauchen, und
sie kommen damit viel schneller zum Ziel als die hohen Geister. Art der Odverwendung beim
Geisterverkehr Die Belehrungen, die ich
dir nun noch über die Verwendung der Odkraft geben möchte, könntest du
eigentlich aus den bisherigen Ausführungen durch folgerichtiges Denken von
selbst finden. Es handelt sich nämlich um
die Beantwortung der Frage: Auf welche Weise verwendet die Geisterwelt das
irdische Od für die bei den materiellen Wesen zu leistende Arbeit? Die beste und kürzeste
Antwort auf diese Frage wäre folgende: In derselben Weise, wie dein eigener
Geist sich der materiellen Glieder deines Leibes bedienen muß, um sinnlich
wahrnehmbare Betätigungen auszuführen, muß auch der körperlose Geist in den
meisten Fällen sich materielle Glieder schaffen, um derartige Betätigungen zu
ermöglichen. Das erreicht er dadurch,
daß er seine geistigen Glieder mit dem den Medien entnommenen und
entsprechend verdichteten Od umkleidet. Wenn dein eigener Geist
einen materiellen Gegenstand anfassen will, dann kann er das mit deiner
materiellen Hand. Deine körperliche Hand ist aber in Wirklichkeit nichts
anderes als die Hülle der durch Verdichtung des irdischen Od materialisierten
Hand deines Geistes. Wenn also ein körperloser Geist denselben materiellen
Gegenstand anfassen will, dann muß er seine Geisterhand zuerst durch
Verdichtung des ihm zur Verfügung stehenden irdischen Od materialisieren.
Einen anderen Weg gibt es für ihn nicht. Die Materialisation braucht
selbstverständlich nicht so stark zu sein wie die deiner leiblichen Hand.
Auch nicht einmal so stark, daß der materielle Gegenstand damit angefaßt
werden kann. Reicht das vorhandene Od zu einer solchen Verdichtung nicht aus,
so kann der fremde Geist den materiellen Gegenstand ebensowenig anfassen wie
du es könntest, wenn dir die leiblichen Arme und Hände abgehauen wären. Allerdings kann der Geist
den materiellen Gegenstand auch ohne Materialisierung seiner Geisterhand
anfassen und fortbewegen, wenn er den Gegenstand zuerst in Od auflöst. Denn
eine in Od verwandelte, also vergeistigte Materie ist für den körperlosen
Geist ohne weiteres zugänglich. Ohne vorherige Auflösung in Od kann aber der
materielle Gegenstand von dem körperlosen Geist nur dann angefaßt werden,
wenn er seine Geisterhand materialisiert. Denn Gleiches kann nur mit Gleichem
angefaßt werden. Es gibt sehr viele
Abstufungen in der Odverdichtung oder Materialisation, angefangen von den
bloß dem Auge eines Hellsehers sichtbaren Odverdichtungen bis zu den festen
Materialisationen der Geister, die sich in nichts von einem materiellen
Körper unterscheiden. Die Stärke der Verdichtung ist also von der Odmenge
abhängig, die der Geisterwelt für ihre Zwecke zur Verfügung steht. Gehen wir in den Beispielen
weiter. Dein eigener Geist will reden, so daß es deine Mitmenschen mit ihren
leiblichen Ohren hören. Was muß er tun? Er muß die materiellen
Sprechwerkzeuge deines Körpers zu Hilfe nehmen. Sonst geht es nicht. Und wenn
ein Geist reden will, der keinen Körper und darum auch keine körperlichen
Sprechwerkzeuge hat, was muß er tun, um für menschliche Ohren verständliche
Laute hervorzubringen? Er hat dazu zwei Wege: Der eine Weg ist der, daß er
seine eigenen geistigen Sprechwerkzeuge durch Verdichtung mit Hilfe des
irdischen Od materialisiert. Der zweite Weg besteht darin, daß er die
geistigen Töne durch das ihm zur Verfügung stehende Od der Medien soweit
verdichtet, daß sie für das menschliche Gehör wahrnehmbar werden. In diesem Falle
benötigt er also nicht die materialisierten Sprechwerkzeuge, sondern nur das
verdichtete Od der Töne. Ihr bezeichnet diese Art des Sprechens der Geister
mit dem Ausdruck: ‘Direkte Stimmen‘, die in größerer oder geringerer Stärke
vernehmbar werden, je nach der größeren oder geringeren Odkraft, die den
Geistern von Seiten der Medien zur Verdichtung der Odtöne zur Verfügung
gestellt wird. Du bist deinen
Mitgeschöpfen dadurch sichtbar, daß du einen materiellen Körper hast. Dein
materieller Körper ist aber lediglich die materielle Hülle deines Geistes mit
allen seinen Organen. Denn die Organe, die dein Körper aufweist, besitzt dein
Geist in geistiger Form. Will sich daher ein körperloser Geist so dem
irdischen Auge zeigen, daß er in allem als ein irdisches Wesen angesehen
wird, so muß er seine geistige Gestalt mit allen ihren geistigen Organen mit
einer materiellen Hülle überkleiden, die er durch Verdichtung des irdischen
Od herstellt. Bei einem so materialisierten Geiste kann das menschliche Auge
nichts entdecken, was ihn von einem gewöhnlichen Menschen unterscheidet. Er
hat Haut und Knochen, alle äußeren Organe, Fingernägel, Haare, Zähne; alle
inneren Organe, wie Herz und Herzschlag, Blutumlauf und was sich sonst bei
einem normalen irdischen Menschen vorfindet. Eine derartig vollständige
Materialisation erfordert so viel Od, daß ein einzelnes Medium nie so viel
abgeben kann. Es muß daher in einem solchen Falle auch noch von dem
materiellen Körper des Mediums Materie aufgelöst und bei der Materialisation
des Geistes verwendet werden. Darum verliert ein Medium bei einer derartigen
Geisterverkörperung sehr viel von seinem körperlichen Gewicht. Doch erhält es
bei Auflösung der Materialisation wieder alles zurück, was es abgegeben hat. Ich muß mich darüber
wundem, daß eure Gelehrten, die auf diesem Gebiet so viele Versuche machen,
nicht von selbst diese Wahrheiten finden. Sie erleben doch genug Phänomene,
die ihnen den richtigen Weg zeigen. Sie sehen, wie materialisierte Hände
Gegenstände erfassen und fortbewegen. Sie hören ‘direkte Stimmen‘ und
beobachten oft gleichzeitig auch die Odwolke, aus der die Stimme vernommen
wird. Und wenn sie manche Erscheinung fotografieren, so finden sie nachher
auf der Platte bisweilen etwas wie einen Kehlkopf geformt, den sich der Geist
durch Odmaterialisation zur Erzeugung der Stimme gebildet hatte. Bei
Untersuchung vollständiger Geisterverkörperungen finden sie alles, was bei
einem normalen Menschen vorhanden ist, und trotzdem kommen sie nicht auf die
Spur der Wahrheit. Das größte Hemmnis, das der
Erkenntnis der Wahrheit im Wege steht, ist die unrichtige Auffassung der
Begriffe ‘Geist‘ und ‘Materie‘. Wenn einmal die Tatsache erkannt ist, daß die
geistige Schöpfung ihrem Wesen nach dieselbe ist, wie die materielle und daß
sich beide nur durch die Art ihres Seins unterscheiden, dann fallen die
meisten Schwierigkeiten für die richtige Erkenntnis auf dem Gebiet des
Verkehrs der Geister mit der materiellen Schöpfung von selbst fort. Dann wird
man erkennen, daß der geschaffene Geist denselben Lebensorganismus in
geistiger Form besitzt, den die irdischen Geschöpfe in materieller Form
haben; daß der Körper über die Form des Geistes gegossen ist und daher in dem
materiellen Guß nichts enthalten sein kann, was nicht in der geistigen Form
vorhanden ist. Man wird einsehen, daß das Jenseits in allem dem Diesseits
gleicht, nur mit dem Unterschied, daß im Diesseits alles materiell und im
Jenseits alles geistig ist. Gott als die Quelle aller Odkraft Aber alles Leben sowohl in
der materiellen als auch in der geistigen Welt ist gebunden an die Odkraft.
Sie ist die gewaltigste Kraft der Schöpfung, mit der Gott, die Quelle dieser
Kraft, alles umstürzen kann. Mit ihr tut er und seine Geisterwelt die größten
‘Wunder‘, wie ihr es nennt. Es ist die Kraft, die den Magier zu überirdischen
Leistungen befähigt, indem seine eigenen Odkräfte durch die Geisterwelt
gesteigert werden können, entweder von der guten oder von der bösen, je
nachdem er sich mit der einen oder der anderen in Verbindung setzt. Bei den bösen, also von
Gott getrennten Geistern, den Dämonen, ist sie jedoch nur in ganz bestimmten
Grenzen wirksam, während sie von den Geistern Gottes in ungemessener Stärke
zur Auswirkung gebracht werden kann. Mit dieser Kraft hat
Christus Kranke geheilt und Tote erweckt. Mit dieser Kraft trieb er die bösen
Geister aus den Besessenen aus. Mit Hilfe dieser Odkraft bewirkten die guten
Geister das Wandeln Christi auf den Meereswogen. Mit dieser Kraft brachte die
Christus unterstellte gute Geisterwelt auf sein Geheiß die wunderbare
Brotvermehrung durch Materialisation des in Odform her beigebrachten Brotes
hervor. Dieselbe Kraft verhieß
Christus allen denen, die gläubig würden. ‘Denen aber, die Glauben haben,
werden folgende Wunderzeichen zuteil werden: Durch meinen Namen werden sie
böse Geister austreiben, werden in fremden Sprachen reden, Schlangen mit
Händen aufheben, und wenn sie etwas Giftiges trinken, wird es ihnen nicht
schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen und sie werden gesund werden.‘
‘Jene aber zogen aus und predigten überall; und der Herr war mit seiner Kraft
bei ihnen und bestätigte ihr Wort durch die Wunderzeichen, die dabei
geschahen‘ (Markus 16,17ff). Denn der Glaube an Gott, der nicht bloß in einem
Fürwahrhalten, sondern in einem unerschütterlichen Gottvertrauen und treuen
Erfüllen des göttlichen Willens besteht, bringt den Menschen in die innigste
Verbindung mit Gott als der unendlichen Kraftquelle. Ein solcher Glaube macht
ihm auch die Geisterwelt Gottes dienstbar, so daß er in diesem Glauben alles vermag.
‘Alles ist dem möglich, der Glauben hat‘ (Markus 9,23). Bei jedem wahrhaft
Gottesgläubigen erfüllt sich daher dasselbe, was bei Christus Wahrheit wurde;
nämlich: Wenn wir tun, was Gott will, tut Gott auch, was wir wollen. _______ *
_______ Da
fuhr der Herr in der Odwolke herab und
redete mit ihm. 4.
Mose 11,25 Naturgesetze haben
allgemeine Gültigkeit. Sie dulden keine Ausnahme. Wenn daher das Gesetz der Odkraft,
das ich dir geschildert habe, das Grundgesetz jeden Geisterverkehrs ist, so
muß es überall dort zu Anwendung kommen, wo Geister mit Menschen in
Verbindung treten. Damit du siehst, daß der
Kraftstrom des Od auch bei dem in der Bibel erwähnten Verkehr der Geisterwelt
mit den Menschen nötig war, möchte ich einige Berichte des Alten und des
Neuen Testamentes mit dir durchgehen und sie dir erklären. Es ist selbstverständlich,
daß bei den meisten Geisterkundgebungen, von denen die Bibel berichtet, bloß
die Tatsache des Geisterverkehrs erwähnt wird, während die
Begleiterscheinungen mit Stillschweigen übergangen werden. Aber trotzdem sind
die Fälle noch zahlreich genug, in denen die Anwendung des Od ausdrücklich
angegeben wird. Die erste Andeutung findet
ihr in der Geschichte des Abraham: ‘Als die Sonne untergegangen und es ganz
finster geworden war, da war es wie ein rauchender Ofen und eine Feuerfackel,
was zwischen jenen Fleischstücken hindurchfuhr‘ (1.Mose15,17). - Das geschah,
während der Herr mit Abraham redete. Der Odstrom sieht in leicht verdichtetem
Zustand aus wie eine Rauchwolke und leuchtete im Dunkeln rötlichgelb wie eine
Feuerflame. Die Geschichte des Mose ist
voll von Beispielen, die hierher gehören. ‘Da erschien ihm der Engel des
Herrn als eine Feuerflamme, die mitten aus einem Dornbusch hervorschlug. Als
er hinblickte, sah er, daß der Dornbusch in Feuer brannte, ohne jedoch vom
Feuer verzehrt zu werden‘ (2.Mose3,20). - Auch hier war es das Od, das der
Geist benutzte, um mit Mose zu reden. Es war also Nacht, als Mose diese
Erscheinung sah. Denn am Tage würde das Od nicht wie eine Flamme ausgesehen
haben, sondern wie ein Wölkchen, das den Dornbusch einhüllte. Das geht auch
aus folgendem Bericht der Bibel hervor: ‘Der Herr aber zog vor ihnen her, bei
Tage in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen, und nachts in einer
Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten.
Bei Tage wich die Wolkensäule und nachts die Feuersäule nicht von der Spitze
des Zuges‘ (2.Mose13,21-22). - Die Wolkensäule war nichts anderes als die
Odwolke. Sie bildete sowohl im Dornbusch als auch bei der Führung der
Israeliten die Odhülle, die den Engel des Herrn umgab und die er benötigte,
um sich in menschlich wahrnehmbarer Weise kundzutun. Ich habe dir schon
erklärt, daß das Od immer mit einem Geist verbunden ist. Ein für sich
unabhängiges, freischwebendes Od gibt es nicht. So war es auch bei allen
Kundgebungen, deren Zeuge das israelitische Volk war. So oft also im Alten
Testament von der Wolkensäule! die Rede ist, steht sie in Verbindung mit
irgendeiner Betätigung eines Geistes Gottes: ‘Da änderte der ‘Engel Gottes‘
der bisher vor dem Heere der Israeliten hergezogen war, seine Stellung und
trat hinter sie; infolgedessen ging auch die ‘Wolkensäule‘ vorn vor ihnen weg
und trat hinter sie‘ (2.Mose14,19). - ‘Sobald dann Mose in das Zelt getreten
war, senkte sich die ‘Wolkensäule‘ herab und nahm ihren Stand am Eingang des
Zeltes, solange der Herr mit Mose redete‘ (2.Mose33,9,). - Dann berief Mose
siebzig Männer aus den Ältesten des Volkes und ließ sie sich rings um das
Zelt aufstellen. Da fuhr der Herr in einer Wolke herab und redete mit ihm‘
(4.Mose11,24-25). Als am Berge Sinai der Herr
so laut mit Mose reden wollte, daß das ganze Volk es hören könnte, sagte er
zu Mose: ‘Ich werde diesmal die Wolke noch dichter machen, damit das ganze
Volk es höre, wenn ich mit dir rede und dir für immer Glauben schenke‘
(2.Mose19,9). - Hier wird ausdrücklich gesagt, daß die Odwolke notwendig war,
damit der Herr zu den Menschen sprechen konnte. Ferner wird betont, daß der
mit der Odkraft erzeugte Laut um so stärker wird, je dichter das Od ist.
Dasselbe erlebt ihr auch bei eurem Radio. Je stärker der Kraftstrom, desto
stärker ist die Übertragung des Tones. Als daher am Berge Sinai
der Herr sich unter gewaltigem Posaunenschall offenbarte, mußte auch die
Odkraft entsprechend stark sein. Daher heißt es: ‘Der Berg Sinai war ganz
in Rauch gehüllt, weil der Herr im Feuer auf ihn herabgefahren war; Rauch
stieg vor ihm auf wie der Rauch eines Schmelzofens, und der ganze Berg
erbebte. Und der Posaunenschall wurde immer gewaltiger. Mose redete und der
Herr antwortete ihm mit lauter Stimme‘ (2.Mose 19,18-19). Bei der Erklärung des
Gesetzes der Odkraft habe ich darauf hingewiesen, daß die Odverdichtung mit
Hilfe starker Kraftströme erfolgt. Die odischen Kraftströme am Sinai Ebenso die Auflösung des
verdichteten Od. Auch die große Odmassen am Berge Sinai wurden durch solche
Starkströme verdichtet. Es war daher mit Lebensgefahr verbunden, in den
Bereich der Starkströme zu treten. Darum verbot der Herr dem Volke, sich dem
Berge zu nähern. ‘Alle Menschen und Tiere, die das Gebot nicht beachteten,
sollten des Todes sein ‘ (2.Mose19,12). - Das war nicht eine leere
Drohung, um dem Volke bloß Furcht vor Gott einzuflößen, wie ihr es auffaßt.
Es war vielmehr eine berechtigte Warnung vor der Lebensgefahr, die jede
Berührung mit jenen Kraftströmen naturnotwendig mit sich brachte. Wie ihr bei
euren irdischen Kraftströmen durch Warnungstafeln die Menschen auf die
Lebensgefahr aufmerksam macht, die mit einer Berührung der
Hochspannungsdrähte verbunden ist, so hatte die dem israelitischen Volke
gegebene Warnung denselben Zweck. Erst nach Ausschaltung der Kraftströme
durfte das Volk den Berg besteigen. Diesen Zeitpunkt gab der Herr mit den
Worten bekannt: ‘Erst wenn das Widderhorn geblasen wird, dürfen sie auf
den Berg steigen‘ (2.Mose19,13). - Nur diejenigen durften vorher in die
Odströme ohne Lebensgefahr eintreten, die der Herr eigens dazu bestimmte,
nämlich Mose und Aaron. Bei ihnen wurden zur Abwendung der Lebensgefahr
ähnliche ‘Isolierungen‘ vorgenommen, wie ihr sie bei denen anwendet, die mit
Kraftströmen in Berührung treten müssen. Und wenn der Herr ferner
gebot, daß Menschen oder Tiere getötet werden sollten, die auch nur den
Versuch machen würden, an den rauchenden Berg heranzukommen, so sollte das
nicht eine Strafe für den Ungehorsam sein. Denn zunächst konnte bei den
Tieren die Sünde des Ungehorsams nicht in Frage kommen. Es handelte sich bei
diesem Gebot vielmehr darum, unter allen Umständen eine Unterbrechung der
Kraftströme zu verhindern. Eine solche Unterbrechung wäre jedoch erfolgt,
wenn materielle Geschöpfe unbefugter Weise, das heißt ohne die erforderlichen
Isolierungsmaßnahmen, mit den Odströmen in Berührung gekommen wären. Du wunderst dich über diese
Erklärung der in der Bibel berichteten Vorgänge. Sie scheinen dir wohl allzu
irdisch und materiell zu sein. Doch es ist die Wahrheit und für dich ein
neuer Beweis für die Allgemeingültigkeit der von Gott geschaffenen Gesetze,
denen auch der Schöpfer selbst bei seinen Betätigungen an der Materie sich
unterwirft. Er hebt kein Gesetz auf, nach dem Worte der Schrift: ‘Ich habe
erkannt, daß alles, was Gott bestimmt hat, ewige Geltung besitzt‘ (Pred.3,14). Nach dieser Erklärung wirst
du auch verstehen, weshalb Christus gleich nach seiner Auferstehung der
Magdalena verbot, ihn zu berühren. Denn die Verkörperung seines Geistes war
erst im Entstehen begriffen, und Magdalena würde durch eine Berührung die Weiterentwicklung
der Materialisation nicht bloß verhindern, sondern auch die begonnene wieder
zunichte gemacht haben. Die Erklärung, die in der Bibel als Grund für das
Verbot Christi angegeben ist, wurde erst später von einem unwissenden
Abschreiber mit den Worten hinzugesetzt: ‘Denn ich bin noch nicht zum
Vater aufgefahren' (Joh.20,17). Daß dies nicht der Grund
gewesen sein kann, weshalb er der Magdalena die Berührung seiner
Odverkörperung untersagte, kannst du daraus ersehen, daß Christus später
seine Apostel ausdrücklich aufforderte, ihn zu berühren. Damals war er auch
noch nicht zum Vater aufgefahren. Aber seine materielle Verkörperung war
vollendet, und darum konnte eine Berührung weder auf den Körper der Apostel
noch auf das Zustandekommen der Materialisation nachteilig wirken. Die Odwolke im Neuen Testament Nehmen wir noch einige
Beispiele aus dem Neuen Testament. Bei der Verklärung auf Tabor ‘kam eine
Wolke, die sie beschattete, und eine Stimme rief aus der Wolke. ‘(Matth.17,5)
- Also auch hier war die Odwolke notwendig, um eine für menschliche Ohren
vernehmbare Stimme hervorzubringen. Dieselbe Odwolke wurde von dem Geist des
Mose und des Elia benutzt, um sich den anwesenden drei Aposteln in einem
verdichteten Odkörper sichtbar zu machen. In einer materialisierten
Odgestalt erschien Christus nach seiner Auferstehung. In ihr stand er vor
seinen Jüngern am Himmelfahrtstage. Sie sahen, wie der Odkörper vor ihren
Augen sich in eine Odwolke auflöste, und als diese durch eine weitere
Auflösung unsichtbar geworden, war auch Christus ihren Blicken entschwunden.
Die gewöhnliche Auffassung, als ob Christus durch eine am Himmel befindliche
Wolke den Blicken der Jünger entzogen worden sei, ist völlig irrig. Am Pfingstfest erschienen
über den Aposteln und denen, die bei ihnen waren, ‘Zungen von Feuer‘. Es
waren Odflämmchen von der Art der Flamme im Dornbusch, die sich auf die
einzelnen niederließen. Auf jeden kam ein Geist Gottes in dieser Odhülle und
redete mit der Odkraft aus ihnen, der eine in dieser, der andere in jener
fremden Sprache, und zwar in so vielen fremden Sprachen, als Nationen unter
den Zuhörern vertreten waren. Aus dem Umstand, das die Odzungen wie
‘Flämmchen‘ aussahen, ergibt sich, daß es Nacht war, als die Geister Gottes
herabkamen. Die Ausgießung des Geistes erfolgte nämlich nach eurer Zeit
nachts um 1 Uhr 30. Daß die böse Geisterwelt an
dieselben Odgesetze gebunden ist, zeigt dir eine Stelle aus der Offenbarung
des Johannes: ‘Da sah ich einen Stern, der vom Himmel auf die Erde gefallen
war. Dem wurde der Schlüssel zum Schlund der Unterwelt gegeben. Er öffnete
also den Schlund der Unterwelt: Da stieg Rauch aus dem Schlunde auf wie der
Rauch eines gewaltigen Ofens, und die Sonne und die Luft wurden durch den
Rauch verfinstert. Aus dem Rauch kamen dann Heuschrecken her vor auf die
Erde‘ (Offenb.9,1-3). Und nun wird weiter geschildert, wie die bösen Geister
auf Befehl Gottes zur Züchtigung der Menschen sich mit Hilfe der Odkraft zu
Heuschrecken materialisieren, die aber die Gesichter von Menschen haben. Ich führe diese Stelle nur
deswegen an, weil hier ausdrücklich die ‘Odwolken‘ erwähnt werden, die zur
Materialisierung der bösen Geister erforderlich waren. Selbstverständlich hatten
alle die zahlreichen, in der Bibel mitgeteilten Geisterverkörperungen und Geisterkundgebungen
die entsprechende Odkraft zur Voraussetzung, wenn sie in den Einzelfällen
auch nicht ausdrücklich erwähnt wird. Die Opfer des Alten Bundes als
Odquelle für das Sprechen Gottes Die Opfer des Alten Bundes
waren die Odquelle für das Sprechen der Geisterwelt Gottes. Zu dem, was euch in den
Schriften des Alten Testamentes unverständlich ist, gehören vor allem die
Opfergesetze der Israeliten. Ihr sagt euch mit Recht: Wie kann Gott, der die
Quelle alles Lebens, alles Glückes, alles Guten und Schönen ist, ein
Wohlgefallen an Opfern von Tieren, Pflanzen und Kräutern haben? Wie sollte er
sich laben an dem Blute von Opfertieren, an dem in Dunst aufgehenden Fett von
Stieren, Böcken und Lämmern? Wie sollte er die Wohlgerüche lieben, die aus
Myrrhe, Zimt, Kalmus, Kassia und Olivenöl bereitet werden? Wie sollten ihm
Gewürzkräuter eine besondere Annehmlichkeit sein? - Und es erscheint euch als
eine kindische Spielerei, wenn der große Gott, den die Himmel nicht zu fassen
vermögen, ein kleines irdisches Zelt sich bauen läßt und dabei jede
Kleinigkeit selbst anordnet und bestimmt, jeden Balken und jeden Riegel,
jeden Teppich und Vorhang, jedes Kleid der Priester, von der Kopfbedeckung
bis zu den Unterkleidern. In der Tat, sieht das nicht nach menschlicher Eitelkeit
aus, wenn Gott sich die kostbarsten Materialien aussucht: Gold, Silber und
die schönsten Edelsteine, so daß die Stiftshütte mit ihrer Einrichtung nach
eurem Gelde ein ungeheures Vermögen kostete? Wenn ihr das rein
menschlich betrachtet, dann mag euch das alles eines Gottes unwürdig
erscheinen. Aber wenn ihr den Zweck erkennt, den Gott dabei verfolgte, und
einsähet, daß dieser Zweck nur durch das, was euch so unverständlich
erscheint, erreicht werden konnte, dann werdet ihr auch hierin seine
unendliche Weisheit und Liebe bewundern. Die Kenntnis dieses Zweckes
ist euch leider verborgen, obschon ihn die Heiligen Schriften ausdrücklich
angeben und euch deutlich darauf hinweisen. Ihr habt es verlernt, die
Heiligen Urkunden denkend zu lesen. Euer Auge überfliegt ihren Inhalt, wie
man ein irdisches Buch liest. Ihr nehmt das Gelesene in rein menschlicher
Auffassung. Euer irdisch gesinnter Geist vermag das darin enthaltene große
Wirken Gottes nicht zu erkennen. So ist er auch nicht imstande, die wahre
Bedeutung dessen zu sehen, was in den irdischen Formen der Stiftshütte und
der alttestamentlichen Opfer euch entgegentritt. Das Offenbarungszelt im Lichte der
Odbereitung Schlage die Bibel auf, und
ich will dich zu dem Verständnis dessen führen, was über das Offenbarungszelt
und seine Einrichtung, über Opfer und Priestertum darin enthalten ist. Der einzige Zweck, den alle
jene Vorschriften verfolgen, ist in den Worten angegeben: ‘Ein regelmäßiges
Brandopfer soll bei euch sein von Geschlecht zu Geschlecht vor dem Herrn am
Eingang des Offenbarungszeltes, wo ich mit euch in Verkehr treten werde, um
dort mit dir zu reden. Ich will nämlich dort mit den Israeliten in Verkehr
treten‘ (2.Mose29,42-43). Also der Verkehr Gottes mit
den Israeliten war der einzige Zweck, den er bei Errichtung des
Offenbarungszeltes und bei der Anordnung der Opfer verfolgte. Du weißt, daß jeder Geist
der irdischen Odkraft bedarf, wenn er mit den materiellen Geschöpfen in einer
für irdische Sinne wahrnehmbaren Weise in Verbindung treten will. Das ist ein
von Gott geschaffenes Gesetz, das für alle geistigen Wesen Geltung hat,
angefangen von Gott als dem höchsten Geist bis zu den niedrigsten Geistern
der Tiefe. Wenn also Gott selbst oder
die Geister Gottes in seinem Auftrag oder unter seiner Gutheißung mit den
Israeliten in Verbindung treten und zu ihnen sprechen wollten, mußten sie das
entsprechende Od zur Verfügung haben. Der Beschaffung des reinsten irdischen
Od dienten nun alle Maßnahmen, die Gott durch Mose bei Errichtung des
Offenbarungszeltes und der Einführung der Opfer treffen ließ. Da irdische Wesen die
Träger des irdischen Od sind und das menschliche Od eine wunderbare Mischung
aus den verschiedensten Odarten der Erde ist, darum wurde auch das zum
Sprechen Gottes mit den Menschen erforderliche Od aus den verschiedenen
irdischen Odquellen entnommen: aus Mineralien, Pflanzen, Kräutern, Bäumen und
Tieren. Aber vor allem mußte von vornherein dafür gesorgt werden, daß das
gesammelte Od nicht dadurch verunreinigt wurde, daß in seiner Umgebung befindliche
irdische Materie unreines Od ausstrahlte und in das bereitete reine Od
einströmen ließ. Darum mußte zunächst das Material, aus dem das
Offenbarungszelt und seine Einrichtung bestand, ein solches sein, das nur
reinstes Od enthielt. Von den Mineralien sind
Gold, Silber und Kupfer Träger der reinsten mineralischen Odmischung. Das
siehst du auch daran, daß sie keinen Rost annehmen. Denn Rost entsteht durch
Aufnahme von unreinem Od, das zerstörend auf das Od wirkt, in das es
eindringt. Dasselbe gilt von den Stoffen,
die teils zu Kleidungsstücken der Priester, teils zu Vorhängen und Teppichen,
teils zur Dachbedeckung des Offenbarungszeltes verwendet wurden. Blauer und
roter Purpur, Karmesin und Byssus besitzen als Stoffe die reinste Odmischung.
Darum mußte das Schulterkleid des Hohen Priesters, der ja in die engste
Verbindung mit dem durch die Odwolke redenden Geiste Gottes trat, aus blauem
und rotem Purpur, Karmesin und gezwirntem Byssus angefertigt und mit Gold
durchwirkt sein. In derselben Weise war das zum Schulterkleid gehörige
‘Orakelbrustschild‘ angefertigt. Dazu enthielt es zwölf Edelsteine, weil sie
das wertvollste Od in besonders großer Menge enthalten. Das Obergewand war ganz aus
blauem Purpur und unten am Saum mit Granatäpfeln aus blauem und rotem Purpur
und Karmesin und dazwischen mit goldenen Glöckchen versehen. Das alles hatte
seine große Bedeutung. Die Unterkleider waren aus
Byssus. Die Beinkleider aus reiner Leinwand. Auch euch ist bekannt, daß
reines Leinen am Körper und auf Betten der Gesundheit besonders zuträglich
ist. Das kommt daher, daß dieser Stoff ein eigenartiges und reines Od
enthält, das sich eurem Körper mitteilt und dadurch stärkend auf ihn wirkt. Von allen Holzarten ist das
Akazienholz die reinste. Darum durfte nur dieses Holz beim Offenbarungszelt
Verwendung finden. Von dem alleinigen
Gesichtspunkt der größten Reinheit des Od aus wurden auch alle anderen
Vorschriften: über Beschaffenheit der Gerätschaften, Vorhänge, Teppiche,
Dachbedeckung getroffen, die du im einzelnen in der Bibel nachlesen kannst. Alles, was ich bis jetzt
angeführt habe, diente als Vorsichtsmaßregel, um eine Verunreinigung des Od
zu verhindern, das in Gestalt der über der Bundeslade sich bildenden Odwolke
zum Sprechen Gottes bereitet wurde. Aus demselben Grunde mußten auch die
Priester sich Hände und Füße in dem am Eingang zum Allerheiligsten stehenden
Wasser waschen, bevor sie an die Bundeslade herantraten. Die Hauptsache war jedoch
die Bereitung des Od, das als Odwolke über der Bundeslade zur Erzeugung der
Laute nötig war, in denen Gott zu Mose redete. Es war also nicht ein Sprechen
durch ein Medium, sondern als ‘direkte Stimme‘. Die geistigen Laute wurden
durch das irdische Od der Wolke so weit verdichtet, als es erforderlich war,
um sie für menschliche Ohren hörbar zu machen. Die Bibel sagt: ‘Wenn nun
Mose in das Offenbarungszelt hineinging, so hörte er die Stimme zu sich reden
von der Deckplatte her, die sich auf der Gesetzeslade befand, und zwar von
dem Raume zwischen den beiden Cherubs her; und so redete er mit ihm‘
(4.Mose7,89). Der Bereitung dieser
Odwolke galten die vorgeschriebenen Opfer. Es ist dir hinreichend
bekannt, daß das Blut der Leiter des Od im materiellen Körper ist. Darum ist
im Blut das meiste und das am leichtesten lösliche Od enthalten. Deshalb
bildet das Blut für den Verkehr mit der Geisterwelt die beste Odquelle. Und
nur aus dem Grund der Odbeschaffung wurde sowohl bei dem Götzendienst der
Heiden als auch beim Gottesdienst der Juden Opfertiere geschlachtet. Das Blut
wurde an den Altar gegossen, und einzelne Teile des Fleisches, besonders das
Fett, die Nieren und der Leberlappen, durch Verbrennung in Od aufgelöst. Denn
die genannten Teile sind neben dem Blut am odhaltigsten. Die Heiden bereiteten durch
ihre Götzenopfer das Od zum Verkehr mit der bösen Geisterwelt. Im
Offenbarungszelte Gottes diente die Odbereitung dem Verkehr Gottes und seiner
hohen Geister mit dem israelitischen Volke. Das besagen auch die Worte, die
Gott zu Mose sprach: ‘Der Priester soll das Blut an den Altar des Herrn
vor dem Eingang des Offenbarungszeltes sprengen und das Fett zu lieblichem
Geruch für den Herrn in Rauch aufgehen lassen. Sie sollen also ihre
Schlachttiere hinfort nicht mehr den bösen Geistern schlachten, deren
Götzendienst sie jetzt treiben‘ (3.Mose17,6-7). Da die Odwolke über der
Bundeslade die reinste Mischung des irdischen Od darstellte, so durften
zunächst nur solche Tiere geschlachtet werden, die das reinste Od besaßen.
Die sogenannten unreinen Tiere durften nicht als Opfertiere verwendet werden.
Die in der Bibel als ‘unrein‘ angeführten Tiere sind solche, die das
tiefststehendste und unreinste Od von allen den Tieren besitzen, die für den
Menschen als Nahrung in Frage kommen könnten. Aus diesem Grunde war auch dem
Volke der Genuß des Fleisches unreiner Tiere verboten. Wegen des darin
enthaltenen unreinen Od war es zunächst dem menschlichen Körper schädlich. So
wissen ja eure Ärzte, daß der Genuß von Schweinefleisch vor allem für die
heranwachsenden Kinder nicht zu empfehlen ist. Das, was ihr Skrofulose nennt,
würde bei den Kindern nicht leicht entstehen können, wenn sie kein
Schweinefleisch zu sich nähmen. Gesund ist das Schweinefleisch auch für
Erwachsene nicht, wenn es einen wesentlichen Bestandteil der täglichen
Nahrung bildet. Aber noch aus einem anderen
Grunde wurde dem jüdischen Volke der Genuß unreiner Tiere untersagt. Du
weißt, daß das unreine Od eines Menschen der bösen Geisterwelt eine
gefährliche Handhabe gibt, in besonders nachhaltiger Weise nach der
schlechten Seite auf ihn einzuwirken. Denn das unreine Od ist das
Lebenselement der tiefen Geistwesen, und bei wem sie das gleiche Od finden,
bei dem haben sie leichte Arbeit, nicht bloß seine Gedanken und seine
Phantasie zu beeinflussen, sondern auch die körperlichen Gefühle zu leidenschaftlicher
Wallung zu bringen. Bei einem Menschen mit reinem Od findet das Böse nicht so
leicht Zugang. Die reine Odstrahlung verwehrt ihm den direkten Zutritt. Es
kann eine reine Odstrahlung ebensowenig ertragen wie ein Augenkranker das
Licht. Die Reinheit des Od eines Menschen hängt von der Reinheit seines
Geistes ab. Weil die meisten Menschen wegen der Unreinheit ihres Geistes an
und für sich schon genug unreines Od haben und dadurch dem Bösen hinreichende
Angriffspunkte geben, so soll dieses unreine Od nicht noch überdies durch
Zuführung weiteren unreinen irdischen Ods infolge unreiner Speisen weiter
verschlechtert werden. Es waren also sehr wichtige
Gründe, die Gott zu dem Verbot des Genusses unreiner Tiere veranlaßte. Gerade
in der damaligen Zeit war der Einfluß der bösen Mächte infolge des überall
verbreiteten Götzendienstes besonders groß. Und Gott wollte das als Träger
des Gottesglaubens von ihm erwählte Volk vor diesen schlimmen Einflüssen nach
Möglichkeit behüten. Aus demselben Grunde erließ
er auch die vielen Vorschriften über alle die Fälle, in denen die Israeliten
mit unreinem Od in Verbindung kamen und dadurch als unrein galten. Zu der Bereitung der für
das Offenbarungszelt erforderlichen Odmischung genügte aber nicht das Od
reiner, fehlerloser Tiere. Auch das reinste Od aus dem Pflanzen- und
Mineralreich wurde dazu verwendet. Das Od von selbstausgeflossener Myrrhe,
von Zimt, Kalmus, Kassia, Roggenbrot, Mehl, Wein und Olivenöl wurde gemischt
mit dem Od der Gewürzkräuter: Stakte, Raucherklaue, Galban, reinem Weihrauch
und Salz. So wurde es zu einem ‘lieblichen Geruch für den Herrn‘. Du
verstehst infolge meiner früheren Belehrungen, was der Ausdruck ‘zum
lieblichen Geruch des Herrn‘ zu bedeuten hat. Du weißt, daß das reinste Od
auch den lieblichsten Geruch verbreitet. Die Odmischung für das
Offenbarungszelt wurde durch die Geister Gottes in jener Reinheit
hergestellt, wie sie der Reinheit des sich offenbarenden Geistes entsprach.
Als ‘Chemiker des Jenseits‘ waren dabei jene Geister tätig, die ihr mit
‘Cherubinen‘ bezeichnet. Darum war ihr Bild sowohl in den goldenen Gestalten
über dem Deckel der Bundeslade als auch in den Figuren der Vorhänge und
Teppiche dargestellt. Weil das Od über dem Deckel
der Bundeslade gesammelt und zum Sprechen des Geistes Gottes verwendet wurde,
mußte auch die Odbereitung in allernächster Nähe der Bundeslade vor sich
gehen. Denn die Odquelle muß bei dem Geisterverkehr stets in der Nähe des
Geistes sein, der ihrer bedarf. Darum standen die Altäre und Tische, auf
denen die verschiedenen Opfer hergerichtet wurden, dicht an dem Vorhang,
hinter dem die Bundeslade sich befand. Die Sammlung, das
Zusammenhalten und die Verdichtung des Ods wurde dadurch erleichtert, daß die
Bundeslade in einem von Teppichen und einem Vorhang eingeschlossenen Raum
sich befand. Auch ihr gebraucht ja, um starke Odsammlungen und
Odverdichtungen zu erzielen, ein sogenanntes ‘Kabinett‘, in dem oder an
dessen Eingang das Medium als Odquelle Platz nimmt. Es sind überall dieselben
Gesetze für den Verkehr der Geisterwelt mit den Menschen. Dem Zusammenhalten der
Odwolke diente über der Bundeslade auch die Einrichtung, daß die an den
beiden Enden der Lade angebrachten goldenen Cherubinen ihre Flügel wie ein
Dach über die Lade breiteten. Die große Strenge, die in
den Vorschriften über das Fernhalten von unreinem Od im Offenbarungszelt
herrscht, hatte auch noch einen anderen Grund. Denn wenn die reinen und sehr
starken Odströme, wie sie in dem Offenbarungszelt durch die Geister Gottes
hergestellt wurden, mit unreinen Odströmen in Verbindung kamen, wurde der
Träger des reinen Ods durch diese Starkströme in derselben Weise getötet, wie
ein Mensch sein Leben lassen mußte, der ohne Isolierung mit dem Strom einer
irdischen Hochspannung in Berührung kommt. Deshalb durfte auch Aaron
nicht jederzeit in das Allerheiligste eintreten, sondern erst dann, wenn die
Odverdichtung über der Bundeslade beendet und die dabei verwendeten
Starkströme ausgeschaltet waren. Der Zeitpunkt wurde ihm angegeben. Hätte er
nicht darauf geachtet, so würde er ebenso getötet worden sein, wie seine
beiden Söhne ums Leben kamen, als sie die Vorschriften über die Reinhaltung
der Odbereitung bei der Räucherung übertraten. Nach dieser Belehrung
werden dir die Opfergesetze und die Einrichtung des Offenbarungszeltes in
einem ganz anderen Lichte erscheinen, als es bisher der Fall war. _______ *
_______ Bei
vielen Gelegenheiten und auf mancherlei Art sprach
Gott früher zu unseren Vätern durch die Propheten. Hebräer 1,1 In den Zeiten, wo die
Menschen innerlich Gott suchten, war ihre Verbindung mit der Geisterwelt
Gottes eine unmittelbare. Die einzelnen besaßen zum großen Teil die
natürlichen Fähigkeiten für diesen Geisterverkehr. Ihr eigener Geist, der auf
das Hohe und Göttliche gerichtet war, hatte die Möglichkeit, auf dem Wege des
‘geistigen Sehens, Hörens und Empfindens‘ die Kundgebungen der Geisterwelt
entgegenzunehmen. Es was dasselbe, was ihr heute mit ‘Hellsehen‘, ‘Hellhören‘
und ‘Hellempfinden‘ bezeichnet. Man hatte also keine Zwischen-person nötig,
durch welche die jenseitigen Botschaften übermittelt wurden. Diese Gaben schwanden, als
sich die Menschheit von Gott abwandte und ihr Sinnen und Trachten nur auf das
irdische richtete. Mit dem übermäßigen Haschen nach Geld und anderen materiellen
Gütern vergaß man Gott. Dadurch wurde nicht nur die Verbindung mit der guten
Geisterwelt gelöst, sondern es schwanden auch jene Gaben, die vorher den
Geisterverkehr ermöglicht hatten. Und heute ist der größte Teil der
Menschheit so weit, daß er überhaupt nicht mehr an die Möglichkeit einer
solchen Verbindung denkt oder glaubt. Verhältnismäßig wenige gibt es, die in
der jetzigen Zeit noch jene Gaben besitzen und nach Art der früheren
gottestreuen Menschen mit der Welt der guten Geister im Verkehr stehen. - Aber es wird die Zeit
kommen, wo es in diesem Punkte wieder so sein wird wie ehedem, wo also die
einzelnen durch die persönlichen Fähigkeiten des geistigen Sehens und Hörens
mit dem Jenseits in Verbindung kommen können. Inzwischen sollen jedoch
die Menschen, die noch an Gott glauben, den Geisterverkehr auf eine andere
Weise haben. Und auch viele, die nicht an Gott glauben, sollen die
Bestätigung der Geisterwelt mit ihren leiblichen Sinnen wahrnehmen und
dadurch innerlich aufgerüttelt werden, damit sie wieder zum Glauben an Gott,
das Jenseits und das Fortleben nach dem irdischen Tode gelangen. Deshalb gab Gott der
jetzigen Menschheit sogenannte ‘Medien‘. Die Bedeutung dieser Bezeichnung ist
dir bereits aus dem früher Gesagten bekannt. Doch da die richtige Erkenntnis
von dem Wesen der ‘Medien‘ zu dem Wichtigsten auf dem Gebiet des
Geisterverkehrs gehört, möchte ich es nicht unterlassen, dir darüber eine
umfassende Belehrung zu geben. Ich beschränke mich dabei auf die menschlichen
Medien und sehe von den Fällen ab, wo auch Tiere als Medien dienen. ‘Medien‘ sind
Mittelspersonen oder menschliche Werkzeuge, deren sich die Geisterwelt
bedient, um sich den Menschen kundzutun. Da die Geistwesen zu diesem Zweck
die Odkraft nötig haben, so sind ‘Medien‘ solche Menschen, die der
Geisterwelt als Quelle der Odkraft dienen. Die Medien geben in der
Hauptsache das eigene Od an die sich kundgebenden Geister ab. Sie sind
gleichzeitig aber auch Sammelstellen für das Od, das die Nichtmedien als
Teilnehmer sogenannter spiritistischer Sitzungen abgeben. Wie beim Bau einer
Wasserleitung manchmal viele kleine Quellen mit dem Wasser der Hauptquelle
vereinigt werden, um die Leistung der Hauptquelle zu erhöhen, so wird auch
die Odleistung eines Mediums dadurch gesteigert, daß das Medium die
schwächeren Odkräfte der Teilnehmer in sich aufsammelt. Wenn auch alle Menschen
Odkraft besitzen, so ist sie doch beiden meistens zu sehr an den eigenen
Körper gebunden und nicht löslich genug. Sie kann daher von den Geistern
nicht in ausreichender Stärke verwendet werden. Menschen, die sich als
Medien eignen, sind sehr ‘sensitiv‘. Das bedeutet, daß sie infolge der
leichten Löslichkeit des Od alle Eindrücke viel tiefer empfinden als andere
Menschen. Es ist dies nicht etwas Krankhaftes, wie die irdischen Gelehrten
meinen. Auch hat es nichts mit Nervosität, Hysterie oder Willensschwäche zu
tun. Im Gegenteil, die guten Geister können nervöse, willensschwache und
kranke Menschen nicht als ‘Medien‘ gebrauchen. Ein gutes Medium hat mehr
Willenskraft und Nervenstärke und ist organisch gesünder als irgend ein
anderer Mensch. Je nach den verschiedenen
Zwecken, zu denen die Geisterwelt die Odkraft eines Mediums gebraucht,
unterscheidet man verschiedene Arten der Medien. 1. Tischmedien Wird die Odkraft dazu
verwendet, um an einem Tisch Bewegungen durch Heben und Senken zu bewirken
oder auch Klopflaute des Tisches hervorzurufen, so habt ihr dafür die
Bezeichnung ‘Tischmedium‘. Das Heben und Senken oder
Klopfen des Tisches wird als Zeichensprache benutzt, um Mitteilungen durch
die Geisterwelt zu erlangen. Es ist dies die niedrigste Art des
Geisterverkehrs. Denn es sind fast ausnahmslos tiefstehende Geister, die sich
bei den Tischsitzungen einstellen. Die höhere Geisterwelt wählt diese Art der
Kundgebungen nicht. So kommt es, daß bei solchen Zusammenkünften nicht selten
von den in Tätigkeit tretenden niederen Geistwesen grober Unfug getrieben
wird, den bisweilen die anwesenden Teilnehmer durch eigene Schwindeleien noch
unterstützen. Leider kommt durch das sogenannte ‘Tischrücken‘ mit seinen
teils lächerlichen, teils lügenhaften Kundgebungen auch die höhere Art des
Geisterverkehrs in Verruf. Gottsucher und
Wahrheitsfreunde werden sich daher von dieser Art der Geisterverbindung fern
halten und nur die Wege des Geisterverkehrs wählen, die des hohen Zieles
würdig sind. 2. Schreibmedien Werden Kundgebungen der
jenseitigen Wesen durch die Schrift eines Menschen hervorgebracht, so nennt
ihr ihn ein ‘Schreibmedium‘. Die Art, wie die Schrift
zustande kommt, ist bei den ‘Schreibmedien‘ sehr verschieden. Dem einen
werden die Gedanken bei vollem persönlichen Bewußtsein eingegeben und von ihm
niedergeschrieben. Man nennt einen solchen auch ‘Inspirationsmedium‘. - Einem
anderen wird die Hand geführt, und gleichzeitig werden die Worte, welche die
Hand schreibt, seinem Geiste inspiriert. Alles bei vollem Bewußtsein des
Mediums. Die gleichzeitige Inspiration ist bei denen notwendig, die der
Führung der Hand zu viel Widerstand entgegensetzen. - Wieder andere wissen bloß,
daß sie schreiben, aber der Inhalt des Geschriebenen ist ihnen unbekannt. -
Noch andere schreiben im Zustand vollständiger Bewußtlosigkeit. Sie wissen
also weder, daß sie schreiben noch was sie schreiben. Doch kommen nicht
selten bei demselben ‘Schreibmedium‘ die verschiedenen Arten des Schreibens
vor. Wesentlich verschieden von
dieser Art des medialen Schreibens ist die sogenannte ‘direkte Schrift‘. Sie
wird in der Weise hervorgebracht, daß ein Geistwesen bloß die Odkraft des
Mediums, aber nicht dessen Hand benutzt. Mit dem von dem Medium entnommenen
Od materialisiert das Geistwesen die eigene Geisterhand und schreibt damit
auf einen Gegenstand, der mit dem Medium nicht in Berührung ist, zum Beispiel
auf eine Tafel auf ein Papier oder sonstige Dinge. Dazu bedarf es einer
bedeutend größeren Odmenge als beim Schreiben mit der Hand des Mediums. Zwei Beispiele von
‘direkter Schrift‘ sind dir aus der Bibel bekannt. Die Gesetzestafeln auf
Sinai wurden von Gottes Hand geschrieben, wie in den Büchern des Mose berichtet
wird: ‘Diese Tafeln waren von Gott selbst angefertigt, und die Schrift war
Gottes Schrift, in die Tafeln eingegraben‘ (2.Mose32,16). Als der König Belsazar bei
einem Gastmahl mit den Großen seines Reiches aus den heiligen Gefäßen trank,
die sein Vater aus dem Tempel zu Jerusalem geraubt hatte, und dabei seinen
Götzen Loblieder sang, ‘da kamen Finger einer Menschenhand zum Vorschein
und schrieben dem Kronleuchter gegenüber auf die getünchte Wand des
königlichen Saales, so daß der König den Rücken der schreibenden Hand sah‘
(Daniel5,5). Anstatt zum Schreiben kann
die Hand des Mediums von der Geisterwelt auch zum Zeichnen und Malen benutzt
werden. In diesem Falle spricht man von Zeichen- oder Malmedien‘. Der Vorgang
ist jedoch derselbe wie beim Schreiben. 3. Planschettemedien Eine Art Schreibmedien sind
auch die sogenannten ‘Planchettemedien‘. ‘Planchette‘ (oder Viabrett) nennt
man eine Platte aus Holz, Metall oder sonstigem Stoff, auf der die Buchstaben
des Alphabets, Zahlen und andere Zeichen angebracht sind. Die Fläche der
Planchette ist glatt, damit ein Gegenstand leicht darauf hin- und
hergeschoben werden kann. Das Medium legt bei vollem Bewußtsein die Hand auf
einen leichtbeweglichen Gegenstand, der mit einer Spitze oder einem Zeiger
versehen ist und auf der glatten Platte liegt. Es wartet dann, bis der
Gegenstand mit dem Zeiger zu den Buchstaben hinbewegt wird. Die Spitze des
Zeigers zeigt nacheinander die einzelnen Buchstaben an, aus deren
Zusammensetzung Worte und Sätze gebildet werden. Das Planchettemedium sitzt
da mit geschlossenen oder am besten mit verbundenen Augen, damit es selbst
die Buchstaben nicht sehen kann, weil sonst die Gefahr besteht, daß es der
Bewegung der Hand aus sich nachhilft und so seine eigenen Gedanken
wiedergibt. Die berühmteste
‘Planchette‘ ‘war im Alten Testament das ‘Brustschild‘ auf dem Kleide des
Hohen Priesters. Dieser selbst war das Medium. Das ‘Brustschild‘ wird in
der Bibel nach eurer heutigen Übersetzung ‘Orakelschild‘ genannt, weil es von
den Israeliten zum ‘Befragen Gottes‘ benutzt wurde. Es war quadratformig und
mit vier Reihen Edelsteinen besetzt. In der ersten Reihe waren ein Karneol,
ein Topas und ein Smaragd; die zweite Reihe bestand aus einem Rubin, einem
Saphir und einem Jaspis; die dritte Reihe aus einem Hyazinth, einem Achat und
einem Amethyst; die vierte Reihe aus einem Chrysolith, einem Soham und einem
Onyx‘ (2.Mose39,8ff). Auf jedem Edelstein war ein
Schriftzeichen eingraviert, entsprechend den Namen der zwölf Stämme Israels.
Dadurch bildeten sie eine Art Alphabet. Edelsteine waren deswegen gewählt,
weil sie eine große Odkraft besitzen und die mediale Kraft des Hohen
Priesters stärkten. Eine breite, glatte Rinne von Gold zog sich zwischen den
Edelsteinen hin, ohne Ecken und Kanten. Dazu gehörte das sogenannte
‘Stirnblatt‘, das heilige Diadem aus Gold, auf dem die Worte eingraviert
waren: ‘Dem Herrn geweiht‘. Es war mit einer Schnur von blauem Purpur an dem
Kopfbund des Hohen Priesters befestigt. Es bildete den wichtigsten Gegenstand
beim Befragen Gottes und war daher mit Recht mit der Inschrift versehen: ‘Dem
Herrn geweiht‘(2.Mose39,30-31). Beim ‘Befragen Gottes‘ band
der Hohe Priester das Brustschild an der unteren Seite vom Priesterkleid los
und brachte es in eine waagrechte Stellung. Dann löste er das ‘Stimblatt‘ von
seinem Kopfbund und legte es in eine der Rinnen zwischen die Edelsteine. Dann
hielt er seine Hand über das Brustschild, ohne mit ihm oder dem darauf
liegenden ‘Stimblatt‘ in Berührung zu kommen. Die sehr starke Odkraft des
Hohen Priesters wurde von der Geisterwelt Gottes benutzt, um das goldene
‘Stirnblatt‘ in Bewegung zu setzen. Es glitt durch die goldenen Rinnen und
stieß mit der kleinen Öse, durch die es an den Kopfbund befestigt war, an die
Edelsteine, deren Buchstaben man in der Reihenfolge, in der sie von dem
Stirnblatt angezeigt wurden, zu einem Wort zusammensetzte. War durch
Zusammensetzen der angegebenen Schriftzeichen ein Wort zu Ende, so glitt das
Stimblatt an den rechten Rand des Orakelschildes, stieß dort an ein kleines
Glöckchen zum Zeichen, daß das Wort zu Ende sei. War durch Zusammensetzung
der Wörter ein Satz beendet, so glitt das Stirnblatt sowohl an die rechte als
auch an die linke Seite des Orakelschildes und ließ den Ton der an beiden
Seiten befindlichen Glöckchen hintereinander erklingen. Dieses Doppelzeichen
kündigte an, daß der Satz zu Ende sei. Infolgedessen war jeder Irrtum
ausgeschlossen. Es konnte kein Schriftzeichen zum vorhergehenden Wort gezogen
werden, das zum folgenden Worte gehörte, und kein Wort zum folgenden Satz
gezogen werden, das zum vorhergehenden Satz gehörte. Weil durch diese
Einrichtung die Antwort Gottes ohne jede Möglichkeit eines Mißverständnisses
erfolgte, nannte man das Stirnblatt in Verbindung mit den Glöckchen als
Zeichen der Wahrheit und Klarheit ‘die heiligen Lose‘. ‘Urim und Thumim‘
bezeichnet es der hebräische Text, was ebenfalls ‘Wahrheit und Klarheit‘
bedeutet. Zur Zeit der israelitischen
Könige wurde dieses ‘Orakelschild‘ sehr häufig zum ‘Befragen Gottes‘
gebraucht, wobei die Priester als Medien auftraten. Besonders David war es,
der in fast allen wichtigen Anliegen durch den Priester Abjathar unter
Benutzung des ‘Orakelschildes‘ Gott befragte und die Antworten Gottes
entgegennahm. 4. Tieftrancemedien Die für die Übermittlung
der Wahrheit wichtigsten Medien sind die ‘Sprechmedien‘, sobald sie zu
‘Tieftrancemedien‘ ausgebildet sind. ‘Tieftrance‘ ist bei einem Medium dann
vorhanden, wenn der eigene Geist aus dem Körper vollständig ausgetreten ist.
In diesem Zustand gleicht das Medium einer Leiche, mit dem Unterschied, daß
der ausgetretene Geist noch durch ein Odband mit seinem Körper verbunden
bleibt, was bei einer Leiche nicht der Fall ist. Bei ihr fehlt das Odband.
Durch dieses Odband empfängt der Körper des Mediums von dem ausgetretenen
Geist so viel Lebenskraft, daß die körperlichen Organe in Tätigkeit gehalten
werden. An dem Odband kehrt nachher der ausgetretene Geist des Mediums wieder
in den Körper zurück. An Stelle des ausgetretenen
Geistes tritt ein anderes Geistwesen in den Körper des Sprechmediums ein und
macht mit Hilfe der Sprechwerkzeuge des Mediums seine Mitteilungen. Dabei
bedient es sich der Odkräfte, die bei Austritt des Geistes des Mediums in
dessen Körper zurückgeblieben sind. Ein Tieftrancemedium weiß
selbstverständlich nichts von dem, was der fremde Geist gesprochen hat. Wenn
es zu sich kommt, indem der eigene Geist wieder in den Körper eintritt, ist
es ihm, als habe es geschlafen. Ihr sprecht daher von einem ‘medialen Schlaf‘
der Tieftrance-Medien. Für diejenigen, zu denen
ein fremdes Geistwesen durch ein Medium spricht, ist es von der größten
Wichtigkeit zu wissen, was für ein Geist von dem Körper des Mediums Besitz
ergriffen hat; ob es ein hoher oder niedriger, guter oder böser Geist ist.
Darum rate ich jedem Menschen, die Geister zu prüfen, ob sie wahrhaftig von
Gott geschickt oder ob sie böse sind. Das könnt ihr, wenn ihr sie im Namen
Gottes schwören laßt, wer sie sind und woher sie kommen. Ein guter Geist wird
den Schwur leisten, ein böser nicht. Ist es ein guter Geist, so wird er euch
Mitteilungen, Ermahnungen, Belehrungen und Unterweisungen geben, die zu eurem
Besten sind. Ist er jedoch ein böses Geistwesen, so schickt es fort. Doch
vorher gebt ihm die Mahnung, daß es sich zu Gott wenden und zu Gott beten
soll. Treten in Sprechmedien
solche Geistwesen ein, die zwar zu den niederen und schwer leidenden Geistern
gehören, aber guten Willens sind, so sollt ihr sie über ihren Zustand
belehren, sie auf Gott hinweisen und mit ihnen beten. Auf diese Weise könntet
ihr vielen ‘armen Seelen‘, wie ihr diese Geister zu nennen pflegt, eine große
Wohltat erweisen und sie werden euch dafür stets dankbar bleiben. Die Pflicht, die Geister zu
prüfen, wurde auch den ersten Christen von den Aposteln stets eingeschärft.
Jede christliche Gemeinde wurde darüber eingehend belehrt, wie auch die
Menschen des Alten Bundes hierin genau Bescheid wußten. 5. Apportmedien Die ‘Apportmedien‘ sind
meistens ebenfalls Tieftrancemedien‘. Ihre Odkraft benutzt die Geisterwelt,
um materielle Dinge von außen her in geschlossene Räume zu bringen oder aus
geschlossenen Räumen nach auswärts fortzutragen. Der Zustand des ‘Tieftrance‘
ist deswegen in den meisten Fällen erforderlich, weil die Geister das ganze
körperliche Od des Mediums benötigen, um die ‘Apporte‘ zu ermöglichen. Die
materiellen Gegenstände, die ‘apportiert‘ werden, müssen nämlich an dem einen
Ort aufgelöst und an dem anderen Ort wieder zur Materie verdichtet werden. Es
gibt allerdings auch Medien, die ohne ‘Tieftrance‘ so viel Od abgeben können,
daß es zur Verwirklichung der ‘Apporte‘ ausreichend ist, vor allem, wenn
mehrere starke Medien gleichzeitig als Odquellen dienen. Obschon ihr die
außerordentlich hohe Hitze körperlich nicht fühlen könnt, die durch die
Odströme zum Zweck der Auflösung der Materie erzeugt wird, so könnt ihr etwas
von der Hitze doch nachher bei der Wiederverdichtung der apportierten
Gegenstände noch wahrnehmen. Ein Beispiel möge es dir klarmachen. Sogenannte
‘Spukgeister‘ bringen bisweilen von der Straße aus Steine, Sand oder sonstige
Stoffe in geschlossene Räume eines Hauses. Sie können dies nur dann, wenn
ihnen hinreichend Odkraft zur Verfügung steht, mit der sie die heißen
Starkströme erzeugen. Damit lösen sie die Materie der Stoffe auf, bringen die
in Od aufgelöste Materie ins Zimmer und verdichten dort das Od wieder zur
festen Materie. Doch fühlt der wieder verkörperte Stoff sich jetzt heiß an.
Denn wenn auch die Verdichtung durch kalte Kraftströme erfolgte, so bleibt
doch von der sehr großen Hitze der Auflösung der Materie noch ein Teil
zurück, wie ihr es bei einem glühenden Stahl wahrnehmt, den man durch
Eintauchen in kaltes Wasser abgekühlt hat. Bisweilen wird der Körper der
Medien selbst von einem Ort zu einem anderen transportiert, manchmal sogar
auf sehr weite Entfernungen. Ihr Körper wird ebenfalls an dem einen Ort
aufgelöst und an dem anderen wieder zur Materie verdichtet. Als der Prophet Habakuk im
Alten Bund mit dem Essen, das er bei sich trug, von einem Engel Gottes an die
Löwengrube zu Daniel gebracht werden sollte, hat der Engel ihn nicht durch
die Luft getragen, wie ihr anzunehmen scheint, sondern ihn mit allem, was er
bei sich trug, aufgelöst und an der Löwengrube wieder materialisiert. -
Dasselbe geschah mit Philippus, von dem euch die Apostelgeschichte erzählt.
Als er den Kämmerer der Königin Kandace von Äthiopien belehrt und getauft
hatte, ‘entführte ihn der Geist des Herrn nach der Stadt Asdod‘.
(Apg.8,26ff.). Der Geist löste den Körper des Philippus auf, so daß er
plötzlich aus den Augen des Kämmerers verschwunden war, und materialisierte
ihn wieder in der Stadt Asdod. Solche Vorgänge sind den
Menschen deswegen unbegreiflich, weil sie die Kräfte nicht sehen, die dabei
wirksam sind. Die Tatsache der Auflösung der Materie und auch der Körper
lebender Menschen an dem einen Ort und ihrer Wiederverkörperung an einem
anderen kann auch heute nicht mehr geleugnet werden. Denn die Fälle sind zu
zahlreich, in denen die Auflösung und Wiederverkörperung materieller Dinge
und Personen unwiderleglich nachgewiesen worden ist. Die Naturgesetze, nach
denen das alles geschieht, sind dir nach den vorausgegangenen Erklärungen
hinreichend verständlich. 6. Materialisationsmedien Bei den
‘Materialisationsmedien‘ wird die ganze körperliche Odkraft des Mediums dazu
benutzt, um einem oder mehreren Geistwesen die Möglichkeit zu geben, sich für
eure leiblichen Augen sichtbar zu machen. Da das ganze Od des Mediums dazu
benötigt wird, muß der Geist aus dem Medium entfernt werden. Je nach der
Menge des zur Verfügung stehenden Ods überkleidet der fremde Geist damit
entweder seine ganze Gestalt, also sämtliche Glieder, oder nur das eine oder
andere Glied, seien es die Augen oder das Gesicht oder die Hände. Soll die
Verkörperung so stark sein, daß der betreffende Geist wie ein irdisches Wesen
aussieht, dann genügt das Od des Mediums nicht. Es muß vielmehr auch noch
Materie seines Körpers entnommen und in Odform zur Verkörperung des Geistes
verwendet werden. Ein Medium nimmt daher bei einer solchen Gelegenheit so
viel an Körpergewicht ab, als an Od und Materie für den fremden Geist
abgegeben wird. Die Gewichtsabnahme des Mediums pflegen eure Gelehrten mit
automatischen Waagen festzustellen, auf denen sie die Medien vorher Platz
nehmen lassen. Es gibt Fälle, wo ‘Materialisationsmedien‘ in wenigen Minuten
bis zu 40 Kg an Körpergewicht verlieren. Doch bleibt so wohl das abgegebene
Od wie auch die abgegebene Materie durch das Odband mit dem Medium verbunden
und strömt nach Auflösung der Verkörperung des Geistes wieder in den Körper
des Mediums zurück. Darum seht ihr, daß die Verkörperungen sich stets in der
Nähe des Mediums bilden. Auch könnt ihr wahrnehmen, wie die Bewegungen des
Mediums begleitet sind. Denn die Verbindung zwischen Medium und
materialisiertem Geiste ist eine sehr enge. Wenn deine Hände und Arme durch
straff angezogene Bänder mit den Händen eines anderen verbunden sind, und du
machst damit Bewegungen, so verursachst du auch ähnliche Bewegungen der Hände
und Arme des anderen. Solche geistigen Odbänder bestehen zwischen dem
materialisierten Geist und dem Medium. Aus der engen Verbindung
zwischen Medium und materialisiertem Geist erklärt sich noch eine andere
Erscheinung, die euren Gelehrten ebenfalls unverständlich ist. Sie haben
nämlich festgestellt, daß bei Materialisationen oft verschieden-artige Gerüche
von den Medien ausströmen. Bald sind es Wohlgerüche, bald ist es Gestank oder
unerträglicher Leichengeruch. Diese Gerüche hängen von der Beschaffenheit der
Geister ab, die sich mit dem Od des Mediums verkörpern. Bei der Odlehre habe
ich dir bereits erklärt, daß das Od im Geruch die Eigenschaft des Geistes
annimmt, den es umgibt. Das dem Medium entnommene und von einem Geist zu
seiner Materialisation gebrauchte Od nimmt daher den Geruch an, welcher der
Beschaffenheit jenes Geistes entspricht. Und da das verkörperte Od des
Geistes mit dem Medium in engster Verbindung bleibt, so strömt der dem Geiste
entsprechende Odgeruch auch auf das Medium über. Dadurch wird der Eindruck
erweckt, als ob das Medium die Ursache des vorhandenen angenehmen oder
unangenehmen Geruches sei. In Wirklichkeit rühren also jene Gerüche von den
Geistern her, die sich mit dem Od des Mediums verkörpert haben. 7. Physikalische Medien Nun gibt es noch eine Art
Medien, die für die Menschheit nicht gut ist. Denn ihrer bedienen sich
meistens böse Wesen. Es sind die sogenannten ‘physikalischen Medien‘. Die
Geister benutzen die Odkraft dieser Medien, um Gegenstände zu bewegen, die
sich im Bereich des Mediums befinden. Tische, Stühle, Gerätschaften aller Art
erheben sich und schweben von einer Stelle zur anderen, Instrumente beginnen
zu spielen, eine Trompete erhebt sich in die Luft und bläst, auf einer
daliegenden Trommel erschallen Schläge, Schellen fliegen durch das Zimmer und
läuten, und unzählige ähnliche Dinge ereignen sich. Daß gute Geistwesen sich
nicht in dieser Weise betätigen, ist natürlich. Denn es ist nicht Sache der
guten Geisterwelt, Erscheinungen hervorzurufen, die nur der Befriedigung der
menschlichen Sucht nach außergewöhnlichen Erlebnissen dienen. Das gilt
allerdings auch von manchen Erscheinungen, die bei den anderen Arten von
Medien vorkommen. Allein bei ihnen ist es nicht so regelmäßig der Fall wie
gerade bei den ‘physikalischen Medien‘. Du fragst mich, welchen
Zweck es überhaupt habe, daß die niederen Geister in den heutigen ‘spiritistischen
Sitzungen‘ einen solchen ‘Karneval‘ treiben und treiben dürfen. Darauf
antworte ich dir, daß die niederen Geistwesen dieselbe Freiheit des Willens
haben wie niedrige und böse Menschen. Wie letztere an ihrem Tun und Treiben
nicht gehindert werden, so wird auch den Geistern ihre Freiheit nicht
geschmälert, auch den bösen Geistern nicht, wenigstens nicht bis zu einer
gewissen Grenze. Vollständige Freiheit haben sie allerdings nicht, sonst
würden sie in der Menschheit noch viel mehr Unheil anrichten, als sie es
jetzt schon tun. Denn das Ziel der Menschheit ist, zu Gott zu gelangen. Und
mit Rücksicht auf dieses Ziel hat Gott für die Betätigung der Bösen eine
gewisse Grenze bestimmt. Aber auch selbst der in den heutigen spiritistischen
Sitzungen vorkommende ‘Kameval‘ des Bösen, wie du es nanntest, hat nicht
selten doch auch eine gute Wirkung. Denn in der heutigen Zeit, wo so viele an
keinen Gott, kein Jenseits, keine Geisterwelt und kein Fortleben nach dem
irdischen Tode glauben wollen, ist es schon von Nutzen, daß die Menschen
derartige Dinge erleben, damit sie sich darüber ihre Gedanken machen, in
ihrem Unglauben wankend werden und anfangen, nach der Wahrheit zu suchen. Das
gilt in bezug auf alle Vorkommnisse eurer heutigen spiritistischen Sitzungen,
angefangen vom Tischrücken und Tischklopfen bis zu den physikalischen
Phänomenen und zu den Geisterverkörperungen. Wenn die Beteiligung an
derartigen Dingen auch bei den meisten aus keinem anderen Grund erfolgt als
um Sensationen zu erleben, so bleibt bei sehr vielen doch der Eindruck
haften, daß es etwas Jenseitiges geben muß. Wenn dies auch kein großer Erfolg
ist, so ist es doch besser, als wenn sie überhaupt nicht an das Jenseits
erinnert würden. Was allerdings der
Menschheit not tut, ist eine gründliche Aufklärung über das Wesen des
Geisterverkehrs und über den Weg, auf dem man mit der guten Geisterwelt in
Verbindung kommen kann. Und das soll deine Lebensaufgabe sein. Zu diesem
Zweck empfängst du alle diese Belehrungen. Sie sind nicht bloß für dich, sondern
für deine Mitmenschen bestimmt. Ihnen sollst du als deinen Geschwistern diese
Wahrheiten vermitteln. Wird den Menschen gesagt, wie sie die Verbindung mit
der guten Geisterwelt suchen sollen, dann wird jede spiritistische Sitzung zu
einem erhebenden Gottesdienst. 8.
Hellsehen, Hellhören, Hellempfinden Eure Gelehrten rechnen zu
den Medien auch diejenigen, welche die Gabe des ‘Hellsehens‘ und ‘Hellhörens‘
besitzen. Das ist nicht richtig. Zwar haben die Hellsehenden, Hellhörenden
und Hellempfindenden mediale Kräfte; aber wirkliche Medien sind sie nicht.
Bei ihnen ist es ja der eigene Geist, der tätig ist, der sieht und hört,
während bei den eigentlichen ‘Medien‘ ein fremdes Geistwesen wirksam und der
eigene Geist ausgeschaltet ist. Die Gaben des ‘Hellsehens‘
und ‘Hellhörens‘ befähigen den Geist des Menschen zwar, die ihn umgehenden
Geister zu sehen und zu hören, aber der Hellseher ist kein Werkzeug dieser
Geister und gehört deshalb nicht zu den ‘Medien‘. Der Geist des Hellsehenden,
Hellhörenden, Hellriechenden, Hellschmeckenden, Hellempfindenden empfängt
diese Fähigkeiten lediglich dadurch, daß er sich von seinem Körper mehr oder
weniger zu lösen imstande ist. Der vom Körper gelöste und teilweise aus dem
Körper austretende Geist ist dadurch nicht mehr an die körperlichen Sinne
gebunden. Er hat die Kräfte und Eigenschaften des körperlosen Geistes. Er
sieht, hört, empfindet nach der Art der Geister des Jenseits, je nach der
Vollkommenheit der Loslösung von seinem Körper und der Feinheit des ihn
umgebenden Ods. Die Reinheit des Ods spielt bei den ‘Hellsehern‘ eine große
Rolle. Denn durch ein unreines Glas kann man nicht deutlich sehen. Aus
demselben Grunde sind auch die Geister des Jenseits, je nach der
Beschaffenheit ihres Odkörpers, in ihren geistigen Fähigkeiten sehr
verschieden. Die einen von ihnen sehen, hören und empfinden, was die anderen
Geister nicht wahrnehmen können. Dasselbe ist der Fall bei den mit den Gaben
des Hellsehens, Hellhörens und Hellempfindens ausgestatteten Menschen. Auch
bei ihnen sind diese Gaben in zahllosen Abstufungen, von der unvollkommensten
bis zur höchsten Stufe vorhanden. Die einen empfinden bloß die Nähe der sie
umgebenden Geister und deren Einwirkungen auf sie. Aber die Geister selbst
sehen und hören sie nicht. Wieder andere sehen die Geister, aber hören sie
nicht. Wieder andere sehen sie und hören auch ihre Worte und vermögen die
einzelnen Geister in ihrem Wesen zu unterscheiden. Die vielen Irrtümer, die
euren Hellsehern bei ihren Angaben unterlaufen, sind daraus zu erklären, daß
bei den meisten die Gabe sehr unvollkommen vorhanden ist. Das Hellsehen findet ihr
oft in den Büchern des Alten und des Neuen Testamentes. Von dem Erzvater
Jakob wird berichtet: ‘Als Jakob seines Weges zog, begegneten ihm Engel
Gottes. Sobald Jakob sie erblickte, sagte er: Hier ist das Heerlager
Gottes‘(1.Mose32,1-2). Als zur Zeit Davids ein
Engel Gottes die Pest als Strafgericht über das Volk Israel verhängte, da sah
David diesen Engel. ‘Der Engel des Herrn war aber gerade bei der Tenne des
Jebusiters Arawna angekommen. Als nun David den Engel sah, der das Sterben
unter dem Volke anrichtete, rief er zum Herrn betend aus: Ach, ich bin‘s ja,
der gesündigt hat, und ich habe mich vergangen. Diese Herde aber - was hat
die verschuldet?‘ (2.Sam24,16ff). Der Prophet Elisa hatte die
Gabe des Hellsehens. Von ihm erzählt das Buch der Könige, daß er hellsehend
wahrnahm, wie sein Diener Gehasi dem geheilten Hauptmann Naemann nachlief und
sich von ihm unter falschen Vorspiegelungen Geschenke für Elisa erbat. Als er
sie zur persönlichen Verwendung in seinem Hause verborgen hatte und vor Elisa
trat, fragte ihn dieser: ‘Woher kommst du Gehasi?‘ - Er antwortete: ‘Ich
bin überhaupt nicht aus gewesen.‘ Da sagte Elisa zu ihm: Bin ich nicht im
Geiste mit dir gegangen, als sich jemand von seinem Wagen aus nach dir
umwandte? Ist es jetzt an der Zeit, Geld und Kleidungsstücke anzunehmen und
Gärten und Weinberge, Kleinvieh und Rinder, Knechte und Mägde dafür zu
erwerben?‘ (2.Könige5,20ff). Elisa sah auch das
Schicksal des Hasael hellsehend voraus. Darüber berichtet dasselbe Buch der
Könige: ‘Elisa starrte unverwandt vor sich hin und war aufs äußerste entsetzt
und brach dann in Tränen aus. Als Hasael ihn nun fragte: ‘Warum weint mein
Herr?‘, antwortete er: ‘Weil ich weiß, wieviel Unheil du den Israeliten
zufügen wirst. Ihre festen Städte wirst du in Brand stecken, ihre jungen
Männer mit dem Schwerte töten, ihr Säuglinge zerschmettern und ihren
schwangeren Frauen den Leib aufschlitzen. Denn Gott der Herr hat dich mir als
König über Syrien gezeigt. (2.Könige8,11ff). Hellsehend schauten die
großen Propheten sowohl die zu ihnen gesandten Geister als auch die
Schicksale der Menschheit, Völker und Einzelpersonen. Sie wurden ihnen von
der Geisterwelt meistens in Symbolen kundgetan. Mit dem ‘Hellsehen‘ war bei
ihnen auch das ‘Hellhören‘ verbunden. Als Beispiel dafür lies einmal das Buch
Daniel nach, besonders die Stellen, wo von der Erscheinung des Erzengels
Gabriel berichtet wird: ‘Während ich noch mein Gebet verrichtete, da kam
Gabriel, den ich im ersten Gesicht gesehen hatte, in Gestalt eines Menschen
eilends auf mich zu um die Zeit des Abendopfers. Er wollte mir Aufklärung
geben und redete mich mit den Worten an: ‘Daniel, jetzt bin ich hergekommen,
um dir zum richtigen Verständnis zu helfen. Als du zu beten begannst, erging
ein Gotteswort, und ich bin gekommen, es dir zu verkünden; denn du bist ein
besonders geliebter Mann. So achte nun auf das Wort, damit du die Offenbarung
genau verstehst‘ (Daniel9,21-23). - ‘Am vierundzwanzigsten Tage des ersten
Monats befand ich mich am Ufer des Tigris, und als ich dort meine Augen erhob
und Umschau hielt, sah ich da einen Menschen stehen, der in Linnen gekleidet
war und um die Hüften einen Gürtel von Uphasgoid trug. Sein Leib war wie
Chrysolith, sein Gesicht leuchtete wie Blitzesschein und seine Augen brannten
wie Feuerfackeln; seine Arme und Beine funkelten wie poliertes Erz; und wenn
er redete, klang seine Stimme wie das Tosen einer Volksmenge. - Ich, Daniel,
war der einzige, der die Erscheinung sah, während die Männer, die bei mir
waren, die Erscheinung nicht sahen; doch befiel sie ein solcher Schrecken,
daß sie flohen und sich versteckten. So blieb ich denn allein zurück und sah
diese gewaltige Erscheinung; doch alle Kraft entschwand mir; mein Gesicht entfärbte
sich bis zur Unkenntlichkeit, und ich wurde völlig kraftlos. Als er dann laut
zu reden begann und ich den Klang seiner Worte vernahm, sank ich ohnmächtig
auf mein Angesicht zur Erde nieder. Da berührte mich eine Hand und
half mir, daß ich mich zitternd auf meine Knie und Hände aufrichtete‘ (Daniel
10,4-10). Diese beiden Stellen aus
dem Buch Daniel habe ich deswegen ausführlich erwähnt, weil sie für dich sehr
lehrreich sind und manche von den Belehrungen, die ich dir bisher gegeben
habe, als richtig bestätigen. Zunächst hast du hier die Tatsache des
Hellsehens und Hellhörens in der ausgeprägtesten Form. Daniel sieht die
Geistergestalt, während seine Begleiter sie nicht sehen. Aber da die
Begleiter ebenfalls ‘medial‘ waren, fühlten sie die Nähe des Geistes und
dessen gewaltige Odkraft, und sie flohen vor Schrecken. Hier ist die von mir
erwähnte Tatsache bestätigt, daß manche Menschen die Geister zwar nicht sehen
und hören können, aber ihre Nähe empfinden. Außerdem ist in diesen Stellen,
wie in so vielen anderen Stellen der Bibel, der Beweis erbracht, daß die
Geister eine Gestalt und geistige Glieder haben, ähnlich denen eines
Menschen. Endlich fühlte Daniel eine Hand, die ihn anfaßte und aufrichtete.
Es war die Hand Gabriels, die er mit Hilfe der Odkraft des Daniel
materialisiert hatte. Denn nur mit einer materialisierten Hand konnte Gabriel
einen Menschen aufrichten. Das laute Sprechen des Geistes und die
Verkörperung seiner Hand beanspruchte so viel Odkraft, daß Daniel kraftlos
zur Erde sank und Gabriel ihn mit seiner eigenen geistigen Odkraft stärken
mußte. ‘Da berührte mich der, welcher wie ein Mensch aussah, nochmals und
gab mir neue Kraft‘ (Daniel 10,18). Aus dem Neuen Testament
möchte ich nur das ‘Hellsehen‘ des Apostels Paulus erwähnen. In Troas sah
Paulus nachts plötzlich einen mazedonischen Mann vor sich stehen, der die
Bitte aussprach: ‘Komm nach Mazedonien herüber und hilf uns!‘ (Apg.16,9).
- In einer anderen Nacht trat der Herr zu Paulus und sagte: ‘Sei getrost!
Denn wie du für mich in Jerusalem Zeugnis abgelegt hast, so sollst du auch in
Rom Zeuge für mich sein‘ (Apg.23,11). - Bei einer Überfahrt nach Italien
sagte Paulus zu den Seeleuten des Schiffes: ‘Ihr Männer, ich sehe voraus,
daß unsere Fahrt mit Gefahr und großem Schaden nicht nur für die Ladung und
das Schiff sondern auch für unser Leben verbunden sein wird‘ (Apg.27,10).
- Ich habe dir bereits gesagt, daß das Schauen von großen Ereignissen der
Zukunft nur möglich ist, wenn die Geisterwelt sie dem Hellsehenden in einem
Bilde zeigt. Das finden wir auch in diesem Falle bestätigt. Denn als die
Schiffsmannschaft nicht auf die Mahnung des Paulus hörte und die Fahrt wagte,
gerieten sie in Sturm, mußten einen Teil der Ladung und auch das Schiffsgerät
über Bord werfen, und alle hatten jede Hoffnung auf Rettung aufgegeben. Da
trat Paulus mitten unter sie und sagte: ‘Ihr Männer! Ihr hättet auf mich
hören und nicht von Kreta abfahren sollen, dann wäre uns dieses Ungemach und
dieser Schaden erspart geblieben. Doch, wie die Dinge jetzt liegen, fordere
ich euch auf, guten Mutes zu sein; denn keiner von euch wird das Leben
verlieren; nur das Schiff ist verloren. Denn in dieser Nacht ist mir ein
‘Engel des Herrn‘ erschienen, dem ich angehöre und dem ich auch diene, und
hat zu mir gesagt: ‘Fürchte dich nicht, Paulus! Du sollst vor den Kaiser
treten; und siehe, Gott hat dir das Leben aller Reisegefährten geschenkt.
‘Darum seid guten Mutes, ihr Männer! Denn ich habe die Zuversicht zu Gott,
daß es so kommen wird, wie es mir gezeigt worden ist. Wir müssen aber
an irgend einer Insel stranden‘ (Apg.27,21ff). An die Korinther schreibt
Paulus: ‘Ich, der ich leiblich zwar abwesend, aber mit meinem Geist bei euch
gegenwärtig bin, habe über diesen Menschen, der sich so schwer vergangen hat,
bereits Gericht gehalten, als ob ich bei euch wäre‘ (1.Kor.5,3). Ebenso schreibt er an die
Kolosser: ‘Wenn ich auch leiblich fern hin, so ist mein Geist doch bei euch
gegenwärtig, und ich sehe mit Freuden eure festgeschlossene Kampfstellung und
das feste Bollwerk eures Glaubens (Kol.2,5). Aus den beiden zuletzt
angeführten Stellen geht hervor, daß der Geist des Paulus austrat und bei den
in der Ferne sich vollziehenden Ereignissen anwesend war. _______ *
_______ Ich
will Wasser ausgießen auf das dürstende Land und Riesenfluten
auf das dürre. Ich will meinen Geist auf deine Volksgenossen
gießen und meinen Segen auf die Sprößlinge. Jes. 44, 3 Der Zweck der medialen Ausbildung Was einem bestimmten Zweck
dienen soll, muß vorher in entsprechender Weise hergerichtet, zubereitet und
angepaßt werden. Eure Maschinen und Werkzeuge werden so konstruiert, wie es
der Zweck erfordert, dem sie dienen sollen. Die Medien sind Werkzeuge
der Geisterwelt. Sie sollen die Verbindung der Geister mit der materiellen
Schöpfung ermöglichen. Daher müssen sie befähigt werden, das zu leisten, was
zur Erreichung jenes Zweckes erforderlich ist. Das geschieht durch die
Ausbildung ihrer medialen Kräfte. Die Medien sind in der
Hauptsache Kraftquellen, aus denen die Geistwesen den Betriebsstoff für ihre
Arbeit nehmen. Sie liefern die Odkraft. Um dir die Vorgänge bei
Ausbildung der Medien möglichst verständlich zu machen, nehme ich wiederum
ein Gleichnis zu Hilfe. Zum Betrieb eurer Kraftwagen habt ihr einen Stoff,
der aus den Erdölquellen genommen wird. Bei Erschließung dieser Quellen sucht
man durch Tiefbohrung zunächst eine solche Menge Erdöl zu gewinnen, daß die
Ausbeute sich lohnt. Aber das aus jenen Quellen fließende Rohöl ist noch
nicht gebrauchsfähig. Es muß zuerst gereinigt und durch verschiedene
Filtrierungsmethoden den mannigfachsten Verwendungszwecken angepaßt werden. So muß auch die Geisterwelt
in erster Linie darauf bedacht sein, eine möglichst große Odmenge durch die
Medien zu erlangen. Das Od ist jedoch mit dem Körper des Mediums verbunden.
Es muß erreicht werden, daß es sich leicht löst und in der erforderlichen
Menge an die Geisterwelt abgegeben werden kann. Auch bei euren künstlichen
Düngemitteln sprecht ihr von einer Löslichkeit der Stoffe. Ihr unterscheidet
einen Gesamtgehalt an Phosphor, Kali, Stickstoff und Kalk und einen löslichen
Teil. Nur der letztere hat für euch Wert, und nur die Prozentsätze der
löslichen Stoffe werden bezahlt. So hat für die Geister nur
das Od einen Wert, das infolge seiner Löslichkeit vom irdischen Körper an sie
abgegeben werden kann. Je höher die Löslichkeit des Od eines Mediums ist, um
so großer ist die abgabefähige Odmenge. Und um so stärker und umfangreicher
sind auch die Phänomene, die von den Geistwesen hervorgebracht werden. Wenn ich von dem Od
spreche, das durch die Ausbildung der Medien beschafft wird und das der sich
betätigenden Geisterwelt als Betriebsstoff dient, so muß ich eine sehr
wichtige Bemerkung einschalten. Handelt es sich nämlich bei der Betätigung
eines Geistes um Ausführung eines besonderen Befehles Gottes, so steht ihm
mehr Od zur Verfügung, als alle irdischen Wesen zusammen besitzen. In diesem
Falle steht der Geist mit der Quelle aller Odkraft, mit Gott selbst, in einer
besonderen Verbindung und bekommt aus dieser Quelle so viel Kraft, als er zur
Ausführung des göttlichen Befehles bedarf. Ergeht zum Beispiel an
einen Geist ein Befehl Gottes, euch Belehrungen zu erteilen, dann erhält er
auch das dazu erforderliche Od. Er benutzt in diesem Falle freilich auch euer
Od. Denn die Geisterwelt geht mit diesem wertvollen Stoff so sparsam um, wie
ihr selbst mit sehr wertvollen irdischen Kostbarkeiten es zu halten pflegt.
In diesem Falle unterstützt ihr mit eurem Od das dem Geiste zur Verfügung
stehende Od und versetzt ihn dadurch in die Lage, seine Kundgebungen länger
auszudehnen, als es von vornherein vorgesehen war. - So wird, um auf einen
irdischen Vorgang vergleichshalber hinzuweisen, dem Kühlwasser eines
Kühlturmes nach dem Abkühlen doch noch etwas frisches Wasser hinzugefügt, um
die Wirkung zu verbessern und die Wirkungsdauer zu erhöhen. Liegt jedoch kein Befehl
Gottes vor, sondern betätigen sich bei euch die guten Geister aus eigener
freier Entschließung, wenn auch unter Gutheißung Gottes, so sind die
Leistungen der Geister von der Odmenge abhängig, die ihnen aus den irdischen
Odquellen zur Verfügung steht, also von den Medien herrührt. Die abgabefähige Odmenge
ist bei jedem Medium verschieden. Bei dem einen reicht sie bloß zu ganz
leichten Arbeiten der Geisterwelt aus; bei einem zweiten ermöglicht sie schon
viel größere Leistungen; bei einem dritten ist sie so groß, daß das Schwerste
ausgeführt werden kann, was es auf diesem Gebiet gibt. Dazu gehört die
Verkörperung eines Geistes durch eine so starke Odverdichtung, daß er in
einem vollständigen menschlichen Körper vor euch steht und sich in nichts von
einem wirklichen Menschen unterscheidet. In einer solchen Verkörperung
erschienen drei Boten Gottes dem Abraham, begleitete der Erzengel Raphael den
jungen Tobias und stand Christus nach der Auferstehung vor seinen Jüngern. Das körperliche Od
möglichst löslich zu machen, ist in der Hauptsache eine Aufgabe des Mediums
selbst. Es geschieht durch innere Sammlung oder ‘Konzentration‘, wie ihr es
nennt. Nur solche Menschen können daher gute Medien werden, die sich geistig
zu sammeln und ihre Gedanken von den materiellen Dingen abzulenken fähig
sind. Daher habt ihr die meisten starken ‘Medien‘ unter den Völkern, bei
denen die geistige Sammlung als religiöse Übung eine große Rolle spielt. Das
an Medien reichste Volk sind die Inder, weil ihre Religion von ihnen
verlangt, daß sie sich von Jugend auf einer täglichen geistigen Sammlung
befleißigen. Sie nennen es ‘geistige Versenkung‘, und viele bringen es darin
zu einer großen Vollkommenheit. Da bei der geistigen Sammlung der menschliche
Geist bloß mit dem ihm eigenen Od tätig ist, ruht unterdessen das körperliche
Od. Es ist zu keinerlei Kraftanstrengung angespannt und kann so leichter frei
werden für die Benutzung durch die Geisterwelt. Je öfter der Mensch sich
dieser geistigen Sammlung widmet, um so leichter wird es ihm, die ruhende
körperliche Odkraft frei zu machen und durch Ausstrahlung abzugeben. Es geht
dabei, wie bei einem Magneten. Beim ersten Gebrauch ist seine Kraft noch sehr
schwach. Er zieht nicht einmal das kleinste Eisenteilchen an. Aber je mehr er benutzt
wird, um so stärker wird seine Kraft. Schließlich ist sie so groß, daß sie
auch schwere Eisenteile festhält. So ist es auch mit der
Odkraft. Zuerst ist sie bei dem werdenden Medium sehr gering. Je öfter es
sich aber der inneren Sammlung widmet, um so stärker wird die für den
Geisterverkehr brauchbare Odstrahlung. Die Ausbildung der Medien
hat also als erstes Ziel, durch geistige Konzentration eine möglichst starke
Odabgabe zu erreichen. Die Menge oder Stärke des irdischen Ods ist für alle
Geister, die guten sowohl als auch die bösen, gleich wichtig. Eine zweite Aufgabe der
Ausbildung der Medien ist die Anpassung des Ods des Mediums an das des
arbeitenden Geistes. Es ist Sache der Geisterwelt, dies zu erreichen. Die
Anpassung des Ods ist sehr verschieden, je nachdem hohe Geister es benutzen
wollen oder niedere Geistwesen. Ein hoher Geist muß das mediale Od reinigen
und verfeinern. Er muß es gewissermaßen filtrieren. Ein niederes Geistwesen
jedoch braucht sich dieser Mühe nicht zu unterziehen. Sein eigenes Od ist
unrein und paßt sich sehr leicht ungereinigtem irdischen Od an. Lösung des eigenen Geistes vom
Körper des Mediums Bei manchen Medien verfolgt
die Ausbildung noch einen dritten Zweck. Soll nämlich das ganze körperliche
Od eines Mediums für die Arbeit der Geister verwendet werden, so ist dies
bloß in dem Falle möglich, wo der Geist des Mediums aus dem Körper entfernt
ist. Es muß daher eine Lösung des Geistes vom Körper des Mediums erfolgen.
Diese zu bewerkstelligen, ist nicht leicht. Es erfordert eine für die
Geisterwelt mühevolle und zeitraubende Arbeit. Das Medium macht dabei etwas
Ähnliches durch wie ein Sterbender. Bei einem Sterbenden tritt der Tod ja auch
durch Lösung des Geistes vom Körper ein. Über den Unterschied zwischen dem
Körper eines Mediums, dessen Geist ausgetreten ist, und einer Leiche habe ich
schon bei einer anderen Gelegenheit gesprochen. Du wirst dich erinnern, daß
beim Austritt des Geistes eines ‘Tieftrancemediums‘ noch ein Odband den
ausgetretenen Geist mit seinem Körper verbindet, während bei einer Leiche der
Tod dadurch herbeigeführt wurde, daß auch dieses Odband abriß. Aus dem Gesagten wird dir
der Zweck der Ausbildung der Medien klargeworden sein. Er besteht in
möglichst großer Odabgabe, Reinigung des Ods für die Aufgaben der hohen
Geisterwelt und endlich in der Lösung des Geistes der ‘Tieftrancemedien‘ vom
Körper. Auch zur Erlangung der
Gaben des ‘Hellsehens‘ und ‘Hellsehens‘ ist eine Ausbildung erforderlich.
Auch hier erfolgt eine teilweise Lösung des Geistes vom Körper des
Hellsehers. Auch bei ihm muß das seinen Geist umgebende Od einer
entsprechenden Reinigung unterzogen werden. Doch ist die teilweise Lösung des
Geistes zum Zwecke des Hellsehens wesentlich verschieden von der Lösung des
Geistes eines ‘Tieftrancemediums‘. Beim Hellseher tritt der Geist zwar aus,
bleibt aber trotzdem mit dem ganzen körperlichen Od und allen seinen Teilen
an den Körper gebunden. Das Od dehnt sich bloß, um mich irdisch auszudrücken,
und ermöglicht durch diese Dehnung den teilweisen Austritt des Geistes. Eine
Lösung des körperlichen Ods vom Geiste des Hellsehers findet nicht statt. Beim ‘Tieftrancemedium‘
aber wird das ganze Od mit Ausnahme eines Odbandes von seinem Geiste gelöst,
der dadurch frei wird, aus dem Körper austreten und, infolge der großen
Dehnbarkeit des Odbandes, sich sehr weit von seinem Körper entfernen kann. An
Stelle des ausgetretenen Geistes des Mediums tritt ein fremdes Geistwesen in
den Körper ein und macht seine Kundgebungen. Das ist beim Hellseher nicht
möglich. Bei ihm kann ein fremder Geist deswegen nicht eintreten, weil der
eigene Geist noch mit dem gesamten Od seines Körpers verbunden bleibt und
daher für ein anderes Geistwesen kein Platz frei ist. Beim Hellseher also ein
engstes Verbundenbleiben des eigenen Geistes mit dem Od seines Körpers, beim
‘Tieftrancemedium‘ eine fast vollständige Loslösung von seinem körperlichen
Od. Beim Hellseher will der eigene Geist sehen und hören. Beim Tieftrancemedium
macht der Geist des Mediums einem anderen Geistwesen Platz, damit es sich
durch den Körper des Mediums, unter Benutzung des zurückgebliebenen
körperlichen Od, kundgeben kann. Es gibt jedoch Hellseher,
die gleichzeitig ‘Trancemedien‘ sind, sei es nun ‘Teiltrancemedien‘ oder
‘Tieftrancemedien‘. Daß die Geisterwelt bei der
Ausbildung oder Zubereitung der Medien eine vielseitige und schwierige Arbeit
zu leisten hat, wirst du verstehen können. Du vermagst dir freilich keine
Vorstellung zu machen, wie kostspielig - um mich menschlich auszudrücken -
die Ausbildung eines Mediums für die Geisterwelt ist. Wieviele geistige
Kraftströme müssen dabei verwendet, kostbare geistige Medikamente und
sonstige Mittel gebraucht werden! Es sind geistige Operationen nötig, die oft
viel größer und schwerer sind als die Operationen, die eure Ärzte an
irdischen Körpern vornehmen. Manche Medien haben innere Fehler, die zuerst
geheilt werden müssen, bevor die Ausbildung zum Medium ihren Anfang nehmen
kann. Wie eure Ärzte bei ihren
Operationen und Heilungen die mannigfachsten Instrumente und medizinischen
Mittel haben, so auch wir. Es ist ja bei uns alles in derselben Weise geistig
vorhanden, wie bei euch materiell. Selbstverständlich werden wir Geister
nicht krank und benötigen keine Operationen und Heilungen. Wir verwenden
unsere reichen Kenntnisse und Mittel nur für die materielle Schöpfung zur
Heilung von Menschen und Tieren und zur Ausbildung der Medien zum Zweck des
Geisterverkehrs. Wir haben dazu unsere Spezialisten auf allen Gebieten. Auch
auf dem Gebiet der Ausbildung der Medien. Wir haben Chefärzte, Assistenten
und Hilfspersonal der verschiedensten Art. Wir haben eine große Auswahl an
geistigen Instrumenten, geistigen Betäubungsmitteln, Stärkungsmitteln und
Medizinen. Das alles kommt bei der
Ausbildung der Medien zur Anwendung. Groß ist daher auch die Zahl der
Geister, die bei der Ausbildung eines dem Guten dienenden Mediums in
Tätigkeit treten. Wie bei denen, die bei einer irdischen Operation mithelfen,
ein jeder eine ganz bestimmte Aufgabe zu erfüllen hat, so muß auch von den
bei der Ausbildung der Medien mitwirkenden Geistern ein jeder die ihm
zugeteilte Arbeit verrichten. Das alles ist wunderbar geordnet. Eure in der
Ausbildung begriffenen Medien sind daher stets in guten Händen, wenn sie sich
den guten Geistern zur Verfügung stellen, das Böse von sich abweisen und
alles mit Gott tun. Es braucht sich deshalb
auch niemand zu ängstigen, wenn er die Vorgänge bei den Medien, vor allem den
Tieftrancemedien, während der Ausbildung sieht. Es geht alles nach bestimmten
Gesetzen, und die guten Geister sind eure besten Freunde. Bei ihnen habt ihr
nichts zu befürchten. Die Ausbildung der Medien
erfolgt am schnellsten in den sogenannten ‘spiritistischen Sitzungen‘. Darum
möchte ich, wegen der großen Wichtigkeit der medialen Ausbildung,
ausführlicher schildern, wie diese ‘Sitzungen‘ zu halten sind. Gleichzeitig
werde ich dir die Gründe für die Einzelheiten angeben, die dabei beobachtet
werden sollen. Auch werde ich dir Aufklärung geben über die bei diesen
Versammlungen zutage tretenden Vorgänge in der Ausbildung der Medien. Haben sich einige Wahrheit
und Gott suchende Menschen entschlossen, gemeinsam die Verbindung mit der
guten Geisterwelt zu erlangen, so sollen sie sich zunächst über den Ort
einigen, an dem sie regelmäßig zusammenkommen. Es ist ein Raum zu wählen, in
dem sie frei von jeder Störung sind. Ihr wollt ja auch bei wichtigen
irdischen Arbeiten nicht gestört sein. Das gilt um so mehr, wenn es sich
darum handelt, ein rein geistiges Band zu knüpfen, das durch irdische
Störungen in viel höheren Graden beeinflußt wird, als jede weltliche Arbeit. Die beste Zeit für die
Zusammenkünfte sind die Abendstunden nach 8 Uhr. Dann ist die Tagesarbeit mit
ihren irdischen Sorgen und Gedanken vorbei, und man kann sich in Ruhe der
inneren Sammlung widmen. Mehr als zweimal in der
Woche sollen die ‘Sitzungen‘ im allgemeinen nicht stattfinden. Der Raum soll vor Beginn
der Sitzung gut durchlüftet und von Dunst, Tabaksrauch und schlechter Luft
freigemacht werden. Denn die Odkraft der Teilnehmer wird durch verdorbene
Luft sehr beeinträchtigt, und die für die Geisterwelt so notwendige
Odstrahlung gehemmt. Zum Zwecke der
Frischhaltung der Luft stellt man in den Raum eine große Schale mit frischem
Wasser. Dies saugt die während der Sitzung sich ansammelnde verbrauchte Luft
zum Teil auf. Auf den Tisch, um den sich
die Teilnehmer setzen, legt man für jeden einige Blätter Schreibpapier und
einen weichen Bleistift. Kurz vor Beginn der Sitzung
sollen sich die Anwesenden nicht mehr über materielle Dinge unterhalten,
sondern sich sammeln und die Gedanken an das rein Irdische ausschalten. Es
ist ja ein Gottesdienst, den sie beginnen wollen. Die Plätze, die man das
erstemal wählt, soll man auch später beibehalten, weil die Odströmung, die
bei den einzelnen verschieden ist, nach und nach zu einem gewissen Ausgleich
gebracht werden muß. Aus demselben Grunde sollen sich die Anwesenden nach den
Geschlechtern so verteilen, daß eine männliche Person neben eine weibliche zu
sitzen kommt. Denn das männlich Od ist in der Hauptsache positiv, das
weibliche negativ. Beide gleichen sich am besten aus. Doch ist diese
Reihenfolge der Plätze nicht unbedingt notwendig, sondern bedeutet bloß eine
Erleichterung des Odausgleiches zu einem wirkungsvollen Odstrom. Eine
Änderung der einmal gewählten Plätze soll nur dann vorgenommen werden, wenn
eine diesbezügliche Mitteilung von Seiten der Geisterwelt durch ein
ausgebildetes oder in der Ausbildung begriffenes Medium dies anordnet. Ist ein Musikinstrument
(Klavier oder Harmonium) in dem Versammlungsraum, so beginnt man am besten
mit einem religiösen Lied, das unter Begleitung des Musikinstrumentes
gesungen wird. Als Ersatz dafür dient auch das Abspielen einer
Grammophonplatte mit einem religiösen Hymnus oder einem anderen ernsten Lied.
Das Singen und Spielen eines schönen Liedes trägt Harmonie und Weihe in die
Herzen der Teilnehmer und lenkt ihre Gedanken auf das Höhere. Auch ist es ein
kräftiges Abwehrmittel gegen die Einflüsse der bösen Geisterwelt, die sich in
die Versammlung hindernd und störend einzudrängen sucht. Denn das Böse ist
Disharmonie und fühlt sich dort nicht wohl, wo Harmonie guter Gedanken und
Gesinnungen in Wort und Lied zum Ausdruck kommt. Darum wich ja auch nach dem
Bericht der Bibel der böse Geist von Saul, sobald David die Harfe vor Saul
spielte und die schönen Gotteslieder dazu sang. Nach dem Lied spricht einer
der Anwesenden ein einfaches, schlichtes Gebet mit seinen eigenen Worten.
Sollte er zu schüchtern sein, das Gebet frei vorzutragen, so mag er es vorher
aufschreiben und andächtig vorlesen. Jeder der Teilnehmer sollte an die Reihe
kommen, das Gebet zu sprechen. Nach dem Gebet lese einer aus der Bibel des
Alten oder Neuen Testamentes einen Abschnitt vor, und die Anwesenden
besprechen das Gelesene. Lied, Lesung und Besprechung des Gelesenen soll
zusammen ungefähr eine halbe Stunde dauern. Ist die Besprechung
beendet, so reichen sich die Teilnehmer bei möglichst abgeblendetem Licht die
Hände, indem die rechte Hand des einen über die linke Hand des Nachbarn faßt.
Man nennt dies heute ‘Kette‘ bilden. Das ist notwendig, um die Odkraft der
einzelnen zu einem geschlossenen Odstrom zu vereinigen; wie ja auch
Einzeldrähte, durch die ein Strom geleitet werden soll, zusammengefügt werden
müssen, wenn man eine Wirkung des Stromes erzielen will. Man darf nie
vergessen, daß von der Stärke des Odstromes das Wirken der Geisterwelt in den
Sitzungen abhängt. Die Abblendung des Lichtes ist der Odwirkung sehr
förderlich. Das ‘Kettebilden‘ hat auch
eine hohe symbolische Bedeutung. Denn so, wie die Anwesenden durch das
Händereichen äußerlich zu einer Einheit verbunden werden, so sollen sie auch
untereinander ein Herz und eine Seele sein. Sie sollen einander lieben, sich
gegenseitig helfen, einer des anderen Fehler verzeihen und alles aus dem
Herzen entfernen, was die innere Harmonie stören könnte. Aus den angegebenen Gründen
reichten sich auch die ersten Christen in ihren gottesdienstlichen
Versammlungen in derselben Weise die Hände. Sie bekundeten damit die Einheit
der Gesinnung, erstrebten aber vor allem die Erzeugung eines starken
Odstromes, um die Kundgebungen der guten Geisterwelt zu ermöglichen. Ungefähr 12 bis 15 Minuten
mag die ‘Kette‘ dauern. Während dieser Zeit soll ein jeder sich bemühen,
gesammelt zu bleiben, alle weltlichen Gedanken abzuwehren und an das Gute zu
denken. Zu diesem Zweck kann er Einkehr in sich selbst halten, über sein
bisheriges Leben, seine Fehler, sein Verhalten gegen Gott und seine Mitmenschen,
seine Unterlassungen des Guten und dergleichen nachdenken, entsprechende
Vorsätze fassen, Gott um Verzeihung und um Kraft bitten, das Böse zu meiden.
Er soll Gott danken für die empfangenen Wohltaten, ihn loben und preisen und
in andächtigem Gebet die Verbindung mit der guten Geisterwelt von ihm
erflehen. Alles, was seiner Seele Nutzen bringen kann, mag er zum Gegenstand
seiner Betrachtung und seines Gebetes machen. Ist die hierfür bestimmte
Zeit vorüber, so löst der Leiter der Versammlung die ‘Kette‘. Jeder nimmt nun
den vor ihm liegenden Bleistift in die Hand und legt sie leicht auf das
bereitliegende Schreibpapier. Dabei soll er den Willen haben, nicht aus
eigenem Antrieb zu schreiben, doch auch die Hand so lose halten, daß sie
jeder Bewegung nachgibt, die von der Geisterwelt ausgehen sollte. In den ersten Sitzungen ist
die zur Verfügung stehende Odkraft gewöhnlich noch sehr schwach. Die
anwesenden Geister vermögen daher noch keinerlei Wirkung hervorzubringen.
Auch sind die Hemmnisse bei den Teilnehmern noch sehr groß. Es ist ihnen
alles noch zu neu. Die innere Sammlung füllt ihnen schwer, und sie sind zu
sehr auf das gespannt, was etwa kommen könnte. Gerade die Spannung ist das
größte Hindernis für die Odabgabe, worauf ich gleich noch zu sprechen komme.
Im übrigen gleichen die Teilnehmer noch zu sehr einem ungebrauchten Magneten,
der erst durch öftere Benutzung zur Kraftentfaltung gebracht werden muß. Doch kommt es nicht selten
vor, daß mancher Teilnehmer in seiner medialen Entwicklung viel weiter ist,
als er selbst wußte. In diesem Falle können sich schon bei der ersten Sitzung
Einwirkungen von Seiten der Geisterwelt zeigen. Vielleicht stellt sich ein
Ziehen oder auch ein Steifwerden der Hand ein, die den Bleistift hält, und
sie beginnt sich zu bewegen. Dieser Einwirkung darf man nicht den geringsten
Widerstand entgegensetzen, sondern soll der Bewegung der Hand nachgeben.
Zunächst werden vielleicht durch einige Sitzungen hindurch nur Striche,
Bogen, Kreise oder sonstige Schreibübungen mit dem Bleistift von Seiten der
Geisterwelt ausgeführt, bevor ein Buchstabe, Wort oder Satz zustandekommt.
Das rührt daher, daß die von den Anwesenden abgegebene Odkraft noch nicht
stark genug ist, vor allem die Odkraft des werdenden Schreibmediums sich noch
im Anfangsstadium befindet. Durch die Schreibübungen wird sie immer mehr
gestärkt. Zeigen sich in dieser oder anderer Weise die ersten Einwirkungen
der Geistwesen, dann wird das große Hemmnis besonders fühlbar, das durch die
Spannung der Anwesenden entsteht. Sie schauen gewöhnlich neugierig und mit
größter Aufmerksamkeit auf das, was sich bei dem anderen Teilnehmer zeigt.
Spannende Erwartung hält aber bei jedem Menschen die Odkraft zurück, so wie
ein gespannt Horchender unwillkürlich auch seinen Atem anhält. Dadurch wird
der Odstrom verringert und die Arbeit der Geistwesen erschwert. Denn auch der
beste Maschinist ist einer Maschine gegenüber hilflos, wenn der Kraftstrom
abgestellt oder bedeutend vermindert wird. Dieselbe ungünstige
Wirkung, wie sie die geistige Spannung auf die Odströmung ausübt, haben auch
die Gefühle der Furcht, des Schreckens, des Mißtrauens, des Zweifels und
jeder inneren Gegensätzlichkeit. Wer mit derartigen Gefühlen und Empfindungen
an diesen Versammlungen teilnimmt, gibt nicht bloß selbst keine Odkraft ab,
sondern stört und unterbricht auch den Odstrom der anderen. Darum fühlen die
Medien es sofort, wenn unter den Teilnehmern sich jemand befindet, der als
ein Fremdkörper stromausschaltend wirkt. Und sie haben Recht, wenn sie die
Entfernung eines solchen Teilnehmers verlangen, bis er sich innerlich anders
eingestellt hat. Sobald daher bei den
spiritistischen Zusammenkünften das harmonische Zusammenklingen der Gefühle
und Gesinnungen fehlt, kann eine einheitliche Odströmung nicht zustandekommen,
und ist der Erfolg ganz oder teilweise in Frage gestellt. Das ist auch der Grund,
weshalb wissenschaftliche Kommissionen, die mit Medien experimentieren, in
vielen Fällen wenig oder keinen Erfolg haben. Die Medien, die doch die
Kraftquellen für die Kundgebungen der Geistwesen bilden, fühlen sich
beängstigt, eingeschüchtert, mit Mißtrauen umgeben. Sie merken auf Schritt
und Tritt, wie man sie des Betruges fähig hält und an die Sache selbst nicht
glaubt. Durch solche Gefühle muß bei den Medien die Kraftabgabe bedeutend
vermindert, wenn nicht ganz unmöglich gemacht werden. Das ist ein Naturgesetz,
und zwar dasselbe Naturgesetz, demzufolge bei einem von Angst befallenen das
Blut sich aus den Wangen nach innen zieht, so daß er erbleicht. Das Blut wird
nämlich durch das sich nach innen konzentrierende Od ebenfalls nach dem
Herzen gezogen. Es folgt nach einem Naturgesetz der Kraft des Od, weil es der
Leiter des Od im Körper ist. Wie falsch wird daher auch
von eurer Wissenschaft so oft das Versagen der Medien gedeutet! Sie sollte
doch einmal gründlich die Hemmnisse studieren, die so manches mal den Medien
als den Kraftquellen der Geisterwelt in den Weg gestellt werden und zwar
gerade von euren Wissenschaftlern, und sie sollte die Hemmnisse beseitigen;
dann würden auch die Kundgebungen der Geistwesen zur Zufriedenheit ausfallen. Zwar beteiligt sich die
gute Geisterwelt nur in den seltensten Fällen an Kundgebungen, die nicht
ausschließlich dem Guten, sondern nur rein wissenschaftlichen Zwecken oder
gar bloß der Neugierde dienen. Das ist das Gebiet, auf dem die niedere
Geisterwelt sich mit Eifer betätigt und leider nur allzu oft nicht geringes
Unheil anrichtet. Es ist den Teilnehmern
guter spiritistischer Zusammenkünfte immer von neuem einzuschärfen, daß sie
jeden Zweifel und jedes Mißtrauen aus ihrem Herzen bannen und ohne Spannung
in Geduld abwarten, was kommen wird. Wird ein Sitzungsteilnehmer
innerlich gedrängt, einen Gedanken, der ihm eingegeben wird,
niederzuschreiben, so soll er es tun. Nach und nach wird er lernen, die
inspirierten Gedanken von den eigenen zu unterscheiden. Die von der
Geisterwelt eingegebenen Gedanken drängen sich nämlich, wenn ihr eure eigenen
Gedanken auszuschalten sucht, immer wieder mit Schärfe auf, und wenn ihr sie
ausschlagt, kommen sie immer wieder. Fühlt einer der Anwesenden
eine gewisse Betäubung des Kopfes oder eine auffallende Schwere der Glieder,
wird ihm der Kopf hin und her gedreht oder sein Körper von einer ihm
unerklärlichen Bewegung ergriffen, so ist das ein Zeichen, daß die Geisterwelt
an ihm arbeitet. Am meisten wird der Körper derjenigen in Mitleidenschaft
gezogen, die ‘Tieftrancemedien‘ werden. Das Hin- und Herbewegen, das Auf- und
Abzerren des Körpers hängt mit dem Lösen des Geistes des werdenden Mediums
vom Körper und dem körperlichen Od zusammen. Die mit der Lösung des Geistes
verbundenen körperlichen Erscheinungen sind oft für den Zuschauer
beängstigend. Es ist ja eine Art Todeskampf, wenn auch ohne Schmerzen für das
Medium. Ein Grund zu irgendeiner Befürchtung besteht jedoch nicht. Es
vollzieht sich alles nach bestimmten Gesetzen. Die schwierigste Zeit für
die in der Ausbildung begriffenen Tieftrancemedien ist die Zeit der
sogenannten ‘Halbtrance‘ oder ‘Teiltrance‘. Der eigene Geist ist noch nicht
ganz aus dem Körper gelöst und entfernt, und ein fremdes Geistwesen benutzt
schon den Körper des Mediums für seine Kundgebungen. Der noch anwesende Geist
des Mediums hört die von dem fremden Geist durch das Medium gesprochenen
Worte. Das Medium kommt dadurch leicht zu der Annahme, es seien seine eigenen
Worte und Gedanken, die zum Ausdruck gebracht würden. So kommt es leicht in
Gefahr, an der Sache selbst irre zu werden und die Kundgebungen als
Selbsttäuschung zu betrachten. Auch mischt sich in diesem Stadium der
Ausbildung der eigene Geist des Mediums leicht in die Kundgebungen des
fremden Geistes ein und ruft dadurch berechtigte Zweifel der Teilnehmer
hervor. Es könnte darum auf den
ersten Blick scheinen, als ob der fremde Geist besser daran täte, mit seinen
Kundgebungen zu warten, bis das Medium ganz ausgebildet sei, damit derartige
Unannehmlichkeiten vermieden würden. Allein die Gründe, die das fremde
Geistwesen veranlassen, schon bei ‘Teiltrance‘ des Mediums seine Kundgebungen
zu machen, sind so wichtiger Natur, daß es lieber die geschilderten
Unzuträglichkeiten in Kauf nimmt, als daß es die Kundgebungen bis zur vollen
Ausbildung des Mediums verschiebt. Denn gerade in der ersten Zeit, wo ein
ausgebildetes Medium den Teilnehmern nicht zur Verfügung steht, sind diese
über so viele Punkte zu belehren und aufzuklären, daß diese Unterweisungen
nicht gut auf später verschoben werden können. Von den Belehrungen hängt
gerade am Anfang für die Teilnehmer so viel an innerem Nutzen ab, daß die
unvollkommene Art der Kundgebungen als ein viel geringeres Übel betrachtet
werden muß als das vollständige Unterlassen der Belehrung. Die Zeit des Überganges aus
dem Stadium der ‘Teiltrance‘ in das der ‘Tieftrance‘ dauert gewöhnlich nicht
allzu lange, wenn das Medium sich Mühe gibt, innerlich voranzukommen und
seine menschlichen Fehler zu verringern. Sobald ‘Volltrance‘ eintritt, weiß
das Medium nichts von dem, was das fremde Geistwesen spricht oder tut. Die größten Hemmnisse und
Schwierigkeiten bereitet die böse Geisterwelt allen denen, die im guten Sinne
den Verkehr mit dem Jenseits suchen. Denn das Böse will auch hier, wie
überall, das Gute verhindern. Es läßt kein Mittel unversucht, die Teilnehmer
von dieser Sache abzubringen. Es beginnt damit, ihnen und vor allem den
werdenden Medien den Gedanken einzugeben, es sei alles Selbsttäuschung,
Autosuggestion oder Hypnose. Sie möchten sich doch nicht mit solchen Dingen
befassen, durch die sie sich dem Spotte der Menschen aussetzen. Die Bösen haben schon viel
erreicht, wenn sie dadurch bei dem einen oder anderen ernste Zweifel an der
Wahrheit, Echtheit und Güte der Sache wachgerufen haben. Dazu benutzen sie
oft auch die nichtigsten äußeren Vorwände, besonders kleine Irrtümer und
Fehler, die überall mit unterlaufen, wo schwache Menschen sind. Bei solchen, die sich in
der Ausbildung zum Hellsehen befinden, bemüht sich die böse Geisterwelt, sie
durch Schreckgestalten, Teufelsfratzen oder sonstige Gebilde scheußlichster
Art in Angst zu versetzen, um sie dadurch dazu zu bringen, auf eine
Fortsetzung ihrer Ausbildung zu verzichten und die Sache aufzugeben. Natürlicherweise bleiben,
diejenigen, die sich dem niedrigen Spiritismus widmen, von diesen
Anfechtungen verschont. Das ist leicht erklärlich. Denn der niedrige
Spiritismus ist die Verbindung mit dem Bösen, und darum hat das Böse keine
Veranlassung, den Menschen davon zurückzuhalten. Die Zeit der Einwirkung der
Bösen ist die Prüfungszeit für die Teilnehmer, vor allem für die Medien.
Jeder wird in besonderer Weise geprüft und zwar an seiner schwächsten Stelle.
Nur wer die Prüfungen besteht, erhält die medialen Gaben. Wer unterliegt,
wird bald die Sache aufgeben oder verfällt ganz dem Einfluß der bösen
Geisterwelt. Darum soll jeder um Beistand und Kraft bitten, damit er den
Versuchungen der Bösen erfolgreich widersteht. Was die Dauer der Sitzungen
betrifft, so soll man sie nicht allzusehr ausdehnen. Eine Stunde wird in der
Regel genügen. Sobald die Geister sich durch Medien kundgeben, wird
gewöhnlich von ihnen bestimmt, wann Schluß gemacht werden soll. Denn Gott ist
ein Gott der Ordnung, und auch seine Geister sind Geister der Ordnung. Das
tritt in den Sitzungen, die unter dem Schutze Gottes gehalten werden, in so
wunderbarer Weise auch dadurch in Erscheinung, daß stets ein Kontrollgeist
anwesend ist, der alles leitet. Er bestimmt, was die Teilnehmer zur
Erleichterung der Ausbildung der Medien zu tun haben; er sagt ihnen, wie sie
an ihrem eigenen inneren Vorankommen arbeiten sollen, welche Fehler sie
abzulegen und welche Tugenden sie sich anzueignen haben. Er bestimmt oft die
Lesungen aus der Heiligen Schrift zu Beginn der Sitzungen, ändert manchmal
auch die Plätze der Teilnehmer, je nachdem es für die Erhöhung der Odkraft
dienlicher ist. Er bestimmt ferner, welche Geister bei den Medien zugelassen
werden, welcher Art ihre Kundgebung ist und wie lange sie in dem Medium
bleiben dürfen. Er läßt auch böse Geister durch die Medien zu, damit die
Anwesenden diese Geistwesen in ihrer Gesinnung und ihrem Tun kennenlernen und
daraus die praktische Erfahrung sammeln, wie sie sich solchen Geistwesen
gegenüber zu verhalten haben. Mit Vorliebe läßt er schwer leidende Geister,
die ziemlich guten Willens sind, in die Medien eintreten, um diesen Geistern
die Möglichkeit zu geben, von den Anwesenden belehrt und auf Gott hingewiesen
zu werden. Es ist ein großes Werk der Nächstenliebe, das auf diese Weise die
Teilnehmer an solchen Sitzungen ihren leidenden Geschwistern im Jenseits
erweisen können. Manchmal erklärt der Kontrollgeist nachher den Zweck,
weshalb die verschiedenen Geister zugelassen wurden. Der Kontrollgeist kommt bei
jeder Sitzung als erster mit einem auf Gott hinweisenden Gruß. Er ist der
geistige Führer der Teilnehmer, ermahnt sie, warnt sie, tadelt sie, belehrt
sie. Besonders eindringlich weist er, sowohl während der Zeit der Ausbildung
der Medien, als auch später darauf hin, daß sie im Glauben an Gott und im
Vertrauen auf ihn stets wachsen und fester werden müßten. Je näher der Mensch
innerlich seinem Gott kommt, um so größer ist seine Teilnahme an der von Gott
kommenden Kraft. Um so größer und wunderbarer sind aber auch die Gaben, die
er von Gott zum Nutzen seiner Mitmenschen erhält. Darum ist das Ziel einer
jeden Sitzung, in der Gottes Geister verkehren: ‘Näher, mein Gott, zu dir!“ Am Anfang der Ausbildung
der Medien, wenn die ersten schriftlichen Kundgebungen aus dem Jenseits
erfolgen, sind es gewöhnlich eure verstorbenen Angehörigen und Freunde,
welche die Erlaubnis erhalten, mit euch in Verbindung zu treten,
vorausgesetzt, daß sie selbst im Jenseits auf dem Wege zu Gott sind und nicht
zu den bösen Geistern gehören. Auch sie ermahnen euch inständig zum Glauben
an Gott und sagen euch immer wieder, daß ihr bei eurem Verkehr mit den guten
Geistern auf dem rechten Wege seid. Sie drücken dabei oft ihr tiefes Bedauern
aus, daß sie bei ihren Lebzeiten nicht auf diesen Weg aufmerksam gemacht
worden sind. Im Verlauf der weiteren Ausbildung treten die verstorbenen
Angehörigen und Freunde mit ihren Kundgebungen vollständig zurück und hohe
Geistwesen geben sich kund. Die Voraussetzung muß jedoch erfüllt sein, daß
die Teilnehmer innerlich an sich arbeiten und guten Willens sind. Ist bei
einem Teilnehmer der gute Wille nicht oder nicht mehr vorhanden und bleiben
wiederholte Ermahnungen der guten Geister bei ihm fruchtlos, so wird er auf
Anordnung des ‘Kontrollgeistes‘ von den Zusammenkünften ausgeschlossen. Das
ist deswegen notwendig, weil er selbst nicht weiterkommt und für die anderen
ein großes Hemmnis bedeutet. Denn an ihn heften sich die bösen Geistwesen.
Sie folgen ihm in die Sitzungen und üben ihren schlechten Einfluß in der
mannigfachsten Weise auch auf die anderen Teilnehmer aus; ferner wird die
Odkraft durch die Disharmonie, die er infolge seiner inneren Einstellung in
die Gemeinschaft trägt, nachteilig beeinflußt. Alle Zusammenkünfte zum
Zwecke der Verbindung mit der Geisterwelt, in denen nicht ein Geist Gottes
die Aufsicht führt, gehören nicht zu den gottgewollten. Mögen sie auch den
rein äußerlichen Anstrich eines ‘Gottesdienstes‘ an sich tragen, so ist doch
die ganze Richtung, in der sich der Geisterverkehr dann bewegt, nicht die
Richtung zu Gott. Es ist nicht ein Läutern und Höherführen des inneren
Menschen. Wo die von Gott gesetzte ‘Kontrolle‘ fehlt, da ist kein Platz für
die Geister, die zum Dienst derer bestimmt sind, die das Heil erwarten
sollen. Das Seelenheil der Teilnehmer ist der einzige Zweck der
spiritistischen Versammlungen. Wenn daher in so vielen
sogenannten ‘spiritistischen Kirchen‘ der heutigen Zeit der Verlauf der
Zusammenkünfte auch mit Gebet und religiösen Liedern umrahmt ist, so ist doch
die Hauptsache dessen, was darin vor sich geht, von dem Göttlichen weit
entfernt. Die als Leiter oder
Mitarbeiter in diesen Kirchen tätigen Personen besitzen gewöhnlich die Gaben
des Hellsehens, Hellhörens und Hellempfindens. Dadurch ist es ihnen möglich,
mit den Geistern in Verbindung zu kommen, die sich in Begleitung der
Versammlungsteilnehmer befinden. Die Odstrahlung dieser Geistwesen kommt in
Fühlung mit der Odstrahlung der medialen Diener und Dienerinnen jener
Kirchen. Sie vermittelt ihnen nicht bloß die Persönlichkeitsbilder der
anwesenden Geister und ihr Verhältnis zu den Personen, in deren Begleitung
sie sich befinden, sondern ermöglicht ihnen auch, die Botschaften zu
vernehmen, welche die Geistwesen im Interesse ihrer irdischen Freunde
kundtun. Die Erteilung der
Geisterbotschaften, die sich fast nur auf die menschlichen Schicksale und
Sorgen und das materielle Fortkommen beziehen, bildet die Hauptsache bei
diesen kirchlichen Versammlungen. Sie ist auch bei den meisten Teilnehmern
der einzige Zweck, weshalb sie kommen. Sie betrachten diese Kirchen als
Auskunftsstellen, bei denen man gegen Entrichtung eines Eintrittsgeldes von
den Geistern verstorbener Angehöriger oder Freunde durch Vermittlung der
hellsehenden Kirchendiener über sein irdisches Schicksal etwas hören möchte.
Darum sind die Leiter jener Kirchen auch darauf bedacht, daß kein Besucher
ohne eine solche ‘Botschaft‘ die Versammlung verläßt. Da die Geister Gottes bei
so gearteten Zusammenkünften fehlen und infolgedessen auch keine Kontrolle
führen, so hat die niedere Geisterwelt freies Spiel. Sind es auch nicht
gerade böse Geister, die kommen und gehen, so handelt es sich doch um einen
Geisterverkehr, der den Menschen nicht viel seelischen Nutzen bringen kann. Kommt nun noch dazu, daß in
solchen Kirchen Hellseher auftreten, die zugleich ‘Teiltrancemedien‘ sind,
dann gleichen diese einem offenen Fenster, durch das die niedere Geisterwelt
nach Belieben einsteigen kann. Es ist ja kein Kontrollgeist da, der es ihnen
wehrt und Ordnung hält. Und so wirbeln die Geisterkundgebungen in einer Weise
durcheinander, die abstoßend wirken muß. Dadurch erleidet der gute und
gottgewollte Geisterverkehr in der Beurteilung der in diesen Dingen meistens
ganz unerfahrenen Menschen nicht geringen Schaden. Denn wegen der ‘religiösen
Aufmachung‘ jener kirchlichen Versammlungen wird der Eindruck erweckt, als
sei das, was da vor sich geht, der gottgewollte Spiritismus. Die Leiter solcher Kirchen
tragen daher vor Gott eine schwere Verantwortung für das, was bei diesen
Zusammenkünften geschieht. Sie haben die Pflicht, die ihnen verliehenen Gaben
uneigennützig und ohne menschliche Rücksichten ganz in den Dienst Gottes zu
stellen. Sie müssen um eine ‘Geisterkontrolle‘ beten, die ihnen gern gewährt
wird. Ihr müssen sie dann aber auch in allem Gehorsam leisten. Tun sie dies,
dann werden die Versammlungen zu einem wirklichen Gottesdienst werden und zur
Erbauung und zum seelischen Nutzen der Teilnehmer gereichen. Denn dann tritt
die hohe Geisterwelt Gottes in Tätigkeit, und die niederen Geister sind
ausgeschaltet. Wenn die Versammlungen so
gehalten werden, wie ich dich eben belehrt habe, dann werden sie euch großen
Segen, viel Freude und wahren Herzensfrieden vermitteln. Jede Sitzung wird geschlossen
mit einem kurzen Dankgebet, das der Sitzungsleiter spricht und - wo möglich -
mit einem Lied. Der spiritistische
Einzelgottesdienst Die Ausbildung eines
Mediums und die sonstige Verbindung mit der guten Geisterwelt ist aber nicht
an solche ‘gemeinschaftliche Sitzungen‘ gebunden. Der einzelne kann auch für
sich allein entweder täglich oder öfters in der Woche eine bestimmte Zeit,
vielleicht eine halbe Stunde oder auch weniger, zur inneren Sammlung
verwenden. Er verfährt dabei in derselben Weise, wie ich es dir für die
gemeinschaftlichen Sitzungen geschildert habe. Er beginnt mit einem kurzen
Gebet, hält eine Lesung aus der Heiligen Schrift und denkt über das Gelesene
nach. Darauf hält er, wie vorhin angegeben, seine Hand mit einem Bleistift
auf ein vor ihm liegendes Blatt Schreibpapier und verhält sich abwartend ohne
irgendwelche geistige Spannung. Wird er zur Niederschrift von Gedanken
gedrängt, die mit großer Bestimmtheit ihm inspiriert werden, so schreibe er
sie nieder. Wird seine Hand durch eine fremde Kraft in Bewegung gesetzt, so
gebe er nach. Ist die Zeit vorüber, die
er für diesen Privatgottesdienst bestimmt hatte, so schließe er mit Gebet. Er
kann versichert sein, daß die gute Geisterwelt vom ersten Augenblick an, wo
er ihre Verbindung sucht, bei ihm zu arbeiten beginnt und die Vorbedingungen
schafft, die für dies Verbindung erforderlich sind. Ja, diese Arbeit beginnt
schon dann, wenn ein Mensch in seinen Gedanken sich ernstlich mit dieser
Sache beschäftigt. Oft stellt sich bei medial veranlagten Personen ein ihnen
unerklärliches Gefühl ein, sobald sie nur einer ernsten Unterhaltung über die
Geisterwelt und ihre Verbindung mit den Menschen beiwohnen. Dieses Gefühl rührt daher,
daß die Geister des Jenseits, von denen einige beständig um euch sind, sie
jetzt schon zu beeinflussen beginnen, weil sie infolge ihrer medialen
Veranlagung für die Odeinwirkung der Geisterwelt sehr empfänglich sind. Bevor
ein Mensch jedoch etwas von der Möglichkeit einer Verbindung mit der
Geisterwelt weiß, wäre es zwecklos, wenn die ihn umgebenden Geistwesen mit
den vorbereitenden Arbeiten an ihm beginnen wollten. Es wäre nicht bloß
zwecklos, sondern könnte auch sehr unangenehme irdische Folgen haben. Denn
weder er noch seine Angehörigen vermöchten die bei ihm einsetzenden medialen
Vorgänge zu verstehen. Man würde ihn für nervenkrank halten, ihn in ärztliche
Behandlung geben oder in eine Heilanstalt bringen. Die gute Geisterwelt
beginnt daher erst dann mit ihrer Arbeit, wenn sie Aussicht auf Erfolg hat,
sonst nicht. In welchem Falle ist der
Spiritismus schädlich? Im Anschluß an diese
Belehrungen möchte ich die Frage beantworten, die von vielen mit Recht
gestellt wird. Sie lautet: ‘Schadet der Spiritismus gesundheitlich den Medien
oder den Personen, die sich an spiritistischen Sitzungen beteiligen?‘ Auf diese Frage antworte
ich mit ‘Nein‘ - und mit ‘Ja‘. Wenn ihr eine Sitzung, in der Geister
verkehren, mit Gott haltet und alles in seinem Namen tut, euch dem Schutze
Gottes unterstellt und ihn liebt und stets das Gute wollt, so wird euch diese
Verbindung mit der Geisterwelt nie schaden. Ihr werdet im Gegenteil dadurch
körperlich und seelisch gestärkt. Am meisten jedoch die Medien. Denn der
Schlaf, den ihr zur Stärkung braucht, haben die Medien, die in Tieftrance
fallen, während dieser Zeit nicht nötig. Aber nur, wenn ihr dem Guten dient
und böse Geister von euch weist. Solange die Medien im Trancezustand sind,
ruht ihr Körper und wird dadurch gekräftigt. Wenn wir guten Geister auch an
ihnen oder durch sie arbeiten, so schadet ihnen dies durchaus nicht. Sie
ruhen sich vielmehr, wie gesagt, körperlich aus und fühlen sich nach Schluß
der Sitzung wohler als vorher. Die Odkraft, die den Medien und Teilnehmern
einer Sitzung entzogen wird, ersetzt die gute Geisterwelt durch frisches Od. Dazu
kommt, daß bei Ausbildung der Medien innere Gebrechen des Mediums, die den
Trancezustand erschweren oder verhindern, zuerst durch Eingreifen der guten
Geisterwelt beseitigt werden, so daß der betreffende Mensch nach seiner
Ausbildung als ‘Tieftrancemedium‘ gesünder ist als vorher. Der Spiritismus schadet
jedoch, wenn ihr Gott dabei außer acht lasset, alles mit dem Bösen betreibt,
euch sogar an dem Bösen belustigt und das Gebet vergeßt. So verfällt ihr nach
und nach dem Bösen. Das ist nicht bloß deswegen so schlimm, weil ihr durch
die bösen Geister vom Weg der Wahrheit und rechten Erkenntnis weggelockt
werdet, sondern weil sie euch auch körperlich schwer schädigen. Denn die
Odkraft, die sie euch entziehen, wird von ihnen nicht mehr ersetzt.
Infolgedessen wird vor allem die Gesundheit der Medien, aber auch die der
Teilnehmer, sehr geschwächt und nach und nach vollständig zugrunde gerichtet.
So ist ein Körnchen Wahrheit in dem Volksglauben, daß derjenige sein Leben
einsetzen müsse, der mit dem Teufel ein Bündnis schließt. Denn seine Odkraft
wird durch das Böse nach und nach verbraucht, und sein irdischer Körper
bleibt nicht mehr lebensfähig. Viele Medien, die dem niederen Spiritismus
dienen, erleiden eine geistige und körperliche Zerrüttung. Manche enden im Irrenhaus
oder begehen Selbstmord. Gefahren und Schädigungen
sind also im Spiritismus nur dort vorhanden, wo man ihn nicht betreibt, um
die göttliche Wahrheit kennenzulernen und innerlich besser zu werden, sondern
wo man darin bloß seine Neugierde, seine Sucht nach außerordentlichen
Erlebnissen befriedigen, Auskünfte für sein materielles Fortkommen erhalten
oder rein wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen will. Warne daher deine
Mitmenschen aufs ernstlichste vor der Teilnahme an einem Geisterverkehr, der
nicht höheren Zwecken dient. Belehre sie über den guten, gottgewollten
Spiritismus. Denn diesen soll jeder Mensch betreiben. Er ist für ihn der
einzige Weg zur Wahrheit und der kürzeste Weg zu Gott. Auch der, welcher sich noch
nicht zum Gottesglauben durchgerungen hat, soll sich an dem guten Spiritismus
beteiligen, sofern er den ehrlichen Willen hat, die Wahrheit anzunehmen,
sobald sie ihm in überzeugender Weise geboten wird. Wahrheitssucher mit
solcher Gesinnung werden auf diesem Wege die Wahrheit und die Freiheit der
Kinder Gottes finden. Sie werden erkennen, worin wahre Religion in
Wirklichkeit besteht. Von ihnen gilt das Wort Christi: ‘Suchet und ihr werdet
finden!‘ Die, welche noch nicht an
Gott glauben, sollen doch zu Gott, wenn auch nur bedingungsweise, beten. Sie
mögen das Gebet ihrem augenblicklichen Zustand anpassen. Folgendes Gebet kann
jeder Ungläubige sprechen, wenn er guten Willens und bereit ist, die Wahrheit
anzunehmen: ‘O Gott, wenn es wahr ist,
daß du existierst, so bitte ich dich von Herzen: Lehre mich dich erkennen!
Zeige mir die Wahrheit und führe mich den rechten Weg! - Amen.‘ Er wird sicher erhört
werden. Denn Gott erbarmt sich eines jeden, der guten Willen hat. Welcher
religiösen Gemeinschaft einer angehört, ist für die Beteiligung an guten
spiritistischen Zusammenkünften belanglos. _______ *
_______ Ich
habe von euren Söhnen manche als Propheten und von
euren Jünglingen manche als Gottgeweihte auftreten lassen. Amos2,11 Den Menschen der Jetztzeit
erscheint der Gedanke an die Möglichkeit des Verkehrs der Geister mit der
Menschenwelt als etwas Fremdes und Neues. Das kommt daher, daß ihr die Bibel
nur oberflächlich lest und über ihre Berichte nicht tiefer nachdenkt. Sonst
müßtet ihr euch doch bei dem, was darin mitgeteilt wird, einmal die Frage
vorlegen: ‘Wie geschah das alles? Wie ging das vor sich? Wie habe ich mir das
zu denken? Wie soll ich mir das erklären?‘ Wenn schon in den ersten
Abschnitten der Bibel davon die Rede ist, daß Gott mit den Menschen sprach,
daß er mit Adam und Eva, mit Kain und Abel, mit Abraham, Isaak und Jakob und
Mose redete, dann müßtet ihr als denkende Menschen wenigstens versuchen, euch
den Hergang klarzumachen. Diejenigen, zu denen die Geister Gottes damals
sprachen, waren doch Menschen wie ihr. Sie hatten ihre Sünden und
Fehler wie ihr. Die Naturgesetze ihres irdischen Daseins waren ebenfalls
dieselben wie damals. Und wenn ihr dann weiterlest, wie ein täglicher Verkehr
zwischen dem israelitischen Volke und dem jenseitigen Geisterreich bestand,
wie jeder Gott fragen konnte und Antwort erhielt, wie die Führer des Volkes
nichts unternahmen ohne Anweisung aus der guten Geisterwelt, dann muß euch
euer gesunder Menschenverstand sagen: Also ist eine Verbindung mit der
Geisterwelt möglich. Und wenn sie möglich ist und Jahrtausende hindurch von
den Menschen aufrechterhalten wurde, warum sollte dann die Menschheit von
heute diese Verbindung nicht mehr haben können? Ihr scheint allerdings zu
glauben, daß es bloß von der Geisterwelt abhänge, ob sie mit euch verkehrt
oder nicht, und daß sie aus sich allein und nach eigenem Belieben die
Verbindung herbeiführen könne, ohne daß ihr selbst dabei irgendwie
mitzuwirken hättet. Ihr denkt euch das wohl so, als ob die Geister jederzeit
zu den Menschen auf Besuch kommen könnten, und die Menschen brauchten ihnen
bloß Zutritt zu gewähren und hätten lediglich zuzuhören, was ihnen die
Geisterwelt mitteilt. Und da ihr heute von dem Geisterverkehr der früheren
Zeit, der in der Bibel eine so große Rolle spielt, nichts mehr merkt, so ist
bei euch die Meinung aufgekommen, das Jenseits habe den Verkehr mit dem
Diesseits endgültig eingestellt. Das ist ein bedauerlicher Irrtum. Die gute
Geisterwelt sehnt sich vielmehr auch heute danach, zu euch zu kommen und ist
bereit, die Brücke zu betreten, die vom Jenseits zum Diesseits führt. Aber
ihr selbst müßt die Brücke bauen helfen. Auch in den früheren Zeiten mußten
von Seiten der Menschen alle Vorbedingungen erfüllt werden, die den Verkehr
der Geisterwelt mit den Menschen ermöglichten. Die alten Völker kannten diese
Vorbedingungen und richteten sich danach. Heute meint ihr, wenn ihr
die Vorgänge in der Bibel lest, die als Begleiterscheinungen der
Geisterkundgebungen geschildert werden, das sei alles bloß äußere Ausschmückung
und habe mit dem Geisterverkehr selbst nichts zu tun. Glaubt ihr wirklich, es
sei bloß Spielerei gewesen und überflüssiges, äußeres Getue, wenn der Engel
des Herrn aus dem brennenden Dornbusch zu Mose und aus der Wolkensäule zu den
Israeliten sprach, so daß er auch ohne diese Odflamme und Odsäule sich hätte
verständlich machen können? Meint ihr vielleicht, Gott habe einen Scherz
gemacht, als er zu Mose sagte: ‘Ich will die Wolke noch dichter machen, damit
mich das ganze Volk hören kann, wenn ich mit dir spreche‘? - Als ob er die
Verstärkung des Schalles seiner Worte auch ohne Verstärkung der Odwolke hätte
erreichen können. - Oder seid ihr der Ansicht, daß die gewaltige Wolke, die
den Berg Sinai während des Donners und Posaunenschalles einhüllte, bloß
äußere Aufmachung war, so daß der Donner und Posaunenschall auch ohne jenes
Gewölk hätte hervorgebracht werden können? Und wenn David den Priester
Abjathar bittet, das Ephod mit dem Orakelschild zu bringen, weil er Gott
fragen wollte und Gott ihm antworten sollte‚ war da das Orakelschild
vielleicht auch nur Spielerei? - Oder waren die Flammen im Dornbusch,
Wolkensäule, Orakelschild und andere Dinge, die euch in der Bibel bei dem
Verkehr der Geisterwelt mit den Menschen begegnen, nicht vielmehr die unbedingt
notwendigen Leitungsdrähte, durch die das ‘Telefongespräch‘ aus dem Jenseits
nach dem Diesseits ermöglicht wurde? Sie bildeten in der Tat
eine Brücke, über die Gottes Geister zu jenen Menschen kamen. Ohne diese
Brücke wäre ihr Kommen unmöglich gewesen. Das Material, das die irdischen
Geschöpfe dazu lieferten, war die Odkraft, die beim brennenden Dornbusch in
Gestalt einer Flamme, bei der Wolkensäule in Gestalt einer Odwolke allein
sichtbar in Erscheinung trat, wie sie auch bei den vielen Geisterverkörperungen
in jenen Zeiten zur Bildung der materiellen Gestalt des Geistes erforderlich
war. Dieselbe Kraft mußte den Geistern in hinreichender Menge zur Verfügung
stehen, die bei dem Orakelschild die Buchstaben anzeigten, aus denen die
Sätze gebildet wurden, welche die Antworten des Jenseits enthielten. Die Quellen der Odkraft für
den Geisterverkehr in der Bibel bildeten, genau wie heute, die ‘Medien‘. In
den Schriften des Alten Testamentes lest ihr so viel von ‘Propheten‘ und
‘Prophetenschulen‘. Was denkt ihr euch darunter? Glaubt ihr vielleicht, daß
man in Schulen die Prophetengabe erlernen könne, wie man eine weltliche
Wissenschaft erlernt? Nach eurem heutigen Sprachgebrauch versteht ihr ja
unter einem ‘Propheten‘ einen Menschen, der die Zukunft voraussagen kann.
Danach müßtet ihr annehmen, daß man in den alten ‘Prophetenschulen‘ sich die
Fähigkeit erwerben konnte, zukünftige Dinge vorherzusagen. Das ist eine falsche
Auffassung von der Bedeutung der Worte ‘Prophet‘ und ‘Prophetenschulen‘ in
der Bibel. Ein ‘Prophet‘ ist ein
Mensch, aus dem nicht der eigene Geist, sondern ein anderes Geistwesen
spricht. In diesem Sinne schreibt der Apostel Paulus von ‘Prophetengeistern‘
(1.Kor.14,32). - Sind es Geister der Wahrheit, die sich durch die ‘Propheten‘
kundgeben, so nennt man diese ‘wahre‘ oder ‘echte‘ Propheten. Sind es aber
Geister der Lüge, also böse Geister, so hat die Bibel dafür die Bezeichnung
‘falsche Propheten‘. Was man in den biblischen
Zeiten ‘Prophet‘ nannte, bezeichnet ihr heute als ‘Medium‘. Auf den
Sprachgebrauch kommt es nicht an, sondern auf die Sache selbst. Alle großen
Persönlichkeiten des Alten und des Neuen Testamentes waren große ‘Medien‘.
Werden auch ihre medialen Zustände, in denen sie ihre Odkraft an die
Geisterwelt abgaben, nicht ausführlich in den Heiligen Schriften geschildert,
so sind sie doch nicht selten in den Berichten wenigstens angedeutet. Abraham war Medium. Auf
seine Trancezustände, die bei seinem Verkehr mit dem Jenseits zum Zweck der
Odabgabe eintraten, wird an einer Stelle klar hingewiesen: ‘Als nun die
Sonne untergehen wollte, da fiel ein tiefer Schlaf auf Abraham und zugleich
stellte sich eine Beängstigung und tiefe Finsternis bei ihm ein ... Als dann
die Sonne untergegangen war und es ganz finster wurde, da war es wie ein
rauchender Ofen und wie eine Feuerfackel, was zwischen jenen Fleischstücken
hindurchfuhr‘(1.Mose 15,12 +17). Der tiefe Schlaf war nicht
ein natürlicher Schlaf, sondern das was ihr auch heute ‘medialen Schlaf‘ nennt,
in dem das Od des Mediums frei wird zum Gebrauch für die Kundgebungen der
Geisterwelt. Die Beängstigung und tiefe Finsternis, von der hier die Rede ist
und von der nicht selten die dem Guten dienenden Medien befallen werden, ist
eine Wirkung der bösen Geisterwelt, die da durch die Kundgebung der guten
Geister zu verhindern sucht. Denn das Angstgefühl hemmt bei jedem Medium die
Odabgabe und macht eine Geisterkundgebung unmöglich. Schon vorher hatte das
Böse bei Abraham störend einzugreifen versucht. Abraham hatte nämlich auf
Geheiß des Herrn Tiere geschlachtet und in Stücke zerlegt. Da stürzten
‘Raubvögel‘ auf die Stücke herab, aber Abraham verscheuchte sie. Das
Schlachten der Opfertiere hatte den Zweck, außer der Odkraft des Abraham noch
eine andere Odquelle zu erschließen, nämlich das Od der geschlachteten Tiere.
Was in dem hier vorliegenden Bericht als ‘Raubvögel‘ bezeichnet wird, waren
keine natürlichen Raubvögel. Es waren als Raubvögel materialisierte böse
Geistwesen. Nur in einer Materialisierung war es ihnen möglich, die
Fleischstücke fort zu nehmen. Nun verstehst du auch, worauf es ihnen ankam.
Sie wollten zunächst die durch das Schlachten der Tiere erschlossene Odquelle
beseitigen, und dann versuchten sie, die menschliche Odquelle, die Abraham als
Medium war, durch Einflößung des Angstgefühls zu verschütten. Zu dem medialen
Geschehen wurde die Dunkelheit gewählt, weil bei der notwendigen Verdichtung
des Ods nach den bekannten Gesetzen Licht und Wärme nachteilig wirken. - Daß
das, was hier als ‘Rauch‘ bezeichnet wird, der feurig leuchtete, das Od war,
ist dir bekannt. Auch Mose war Medium. Er
gab das Od ab, das im Dornbusch als Flamme leuchtete. Es wurde verstärkt
durch die Odabgabe der dicht dabei ruhenden Herde, die Mose zu weiden hatte.
Auch hier war es Nachtzeit. Die Odverdichtung erschien in einem Dornbusch,
weil er mit seinen vielen Verästelungen gewissermaßen als ein Vorhang wirkte,
der die Odmasse zusammenhielt, ähnlich wie der Vorhang des
‘Offenbarungszeltes‘ und das ‘Kabinett‘ in den heutigen spiritistischen
Sitzungen. Auch hatte der Dornstrauch selbst Od, das sich mit dem anderen Od
vereinigte. Man nannte die ‘Medien‘ in
den ältesten Zeiten ‘Seher‘, weil sie außer ihren sonstigen medialen
Fähigkeiten meistens auch die Gabe des ‘Hellsehens‘ besaßen. Erst später kam
die Bezeichnung ‘Prophet‘ auf. In allen Orten gab es
solche ‘Seher‘ oder ‘Propheten‘. Als Saul mit seinem Knecht die entlaufenen
Eselinnen seines Vaters suchte und nicht fand, sagte der Knecht zu ihm: Hier
in dem Ort wohnt ein ‘Seher‘. Laß uns zu ihm gehen. Vielleicht gibt er uns
Auskunft.‘ Und an dieser Stelle fügt der biblische Bericht erläuternd hinzu:
Ehedem gebrauchte man in Israel, wenn man zur Befragung Gottes ging, die
Redensart: Kommt, laßt uns zum ‘Seher‘ gehen. Denn einen Menschen, der
heutzutage ‘Prophet‘ heißt, nannte man ehedem ‘Seher“ (1.Samuel 9, 6+9).
- So kamen Saul und sein Knecht zu Samuel. Samuel war nicht bloß
selbst ‘Medium‘, sondern leitete auch die ‘Medienschule‘ in Rama. Solche
Schulen nannte man damals ‘Prophetenschulen‘. Als Saul auf seinem Heimweg
nach Gibea kam, begegnete ihm eine Schar ‘Medien‘, die sich im Trancezustand
befanden und aus denen Geister das Lob Gottes verkündeten. Da geriet auch
Saul in diesen Zustand und ein Geist kam in ihn. Eure Bibelübersetzer, die
nicht wissen, was dieser Zustand zu bedeuten hat, sagen: ‘Er geriet in
prophetische Begeisterung‘ - ein Ausdruck, unter dem der Leser sich nichts
Rechtes vorstellen kann. Nicht der Geist Sauls und der ‘Medien‘, die ihm
begegneten, geriet in Begeisterung, sondern gute Geistwesen des Jenseits
nahmen von ihnen Besitz. Die Medien brauchten dabei nicht in dem Zustand des
‘Tieftrance‘ zu sein, sondern es genügte das, was ihr heute ‘Teiltrance‘ oder
‘Habtrance‘ nennt. Ferner berichtet die Bibel,
daß David sich zu Samuel nach Rama flüchtete, wo beide im ‘Prophetenhaus‘,
also in der ‘Medienschule‘, wohnten. Als Saul nun dorthin Boten schickte, um
David zu holen, hielt Samuel gerade eine Sitzung mit den Medien ab. Sie befanden
sich im Trancezustand, als die Boten Sauls eintrafen. Eure Bibelübersetzung
berichtet darüber: ‘Als die Boten die Versammlung der Propheten sahen, die
sich in Begeisterung‘ befanden und Samuel an ihrer Spitze stehend erblickten,
kam der Geist Gottes über die Boten Sauls, so daß auch sie in prophetische
Begeisterung gerieten. Als man das dem Saul meldete, schickte er andere Boten
ab; aber auch diese wurden verzückt. Und ebenso erging es den Boten,
die Saul zum drittenmal sandte. Da ging er selbst nach Rama. Als er bei der
großen Zisterne, die sich in Sechu befindet, angekommen war, fragte er: Wo
sind Samuel und David? Man antwortete ihm: Im Prophetenhaus in Rama. Er ging
also von dort zum Prophetenhause nach Rama. Als er aber noch unterwegs war,
kam auch über ihn ein Geist Gottes, und er befand sich ununterbrochen in
‘prophetischer Begeisterung‘ bis zu seiner Ankunft im Prophetenhaus in Rama.
Da zog auch er seine Oberkleider aus und war ebenfalls in ‘Verzückung‘ und
lag in bloßen Unterkleidern während jenes ganzen Tages und der ganzen Nacht
da. Daher pflegt man zu sagen: ‘Gehört auch Saul zu den Propheten?‘ (1.Samuel
19,18-24). Manches in diesem Bericht
bedarf der Erklärung. Der Umstand, daß alle Boten Sauls so schnell in
‘Trance‘ gerieten, ist damit zu erklären, daß sie sehr medial waren. Bei der
großen und starken Odströmung nun, die in einer Versammlung von ausgebildeten
oder in der Ausbildung begriffenen Medien vorhanden ist, wie hier in der
Medienschule Samuels, war es für die Geisterwelt nicht schwer, die
‘Halbtrance‘ bei denen herbeizuführen, die eine mediale Veranlagung hatten. Saul selbst war Medium. So
waren bei ihm nicht fremde Odkräfte nötig, um ihn in Halbtrance zu bringen.
Deshalb kam er schon auf dem Wege nach Rama in diesen Zustand. Daran, daß die Medien in
der Medienschule in Rama in leichten Unterkleidern dasaßen oder nach der
Sitte der damaligen Zeit dalagen, dürft ihr euch nicht stoßen. Auch heute
nehmen die Medien in möglichst leichter Kleidung an den Sitzungen teil. Denn
es muß vermieden werden, daß sich bei ihnen eine große Wärme entwickelt, weil
die Wärme, wie du weißt, auf die Odverdichtung ungünstig einwirkt und sie
erschwert. Aus diesem Grund lag auch Saul in seinen Unterkleidern da. Wenn
gesagt ist, daß er einen Tag und eine Nacht so zugebracht hat, so soll damit
nicht ausgedrückt werden, daß er während dieser ganzen Zeit in ‘Trance‘ war.
Er wurde deshalb so lange dort festgehalten, weil es der letzte Versuch der
guten Geisterwelt war, Saul wieder zu seinem Gott zurückzuführen. Er war ja
infolge seines Ungehorsams von Gott abgefallen. Mit der guten Geisterwelt
stand er nicht mehr in Verbindung, sondern ein böser Geist beherrschte ihn.
Er war ja an diesem Tage nach Rama gekommen, um David gefangenzunehmen und zu
töten. Das alles wurde ihm nun als letzter Ruf Gottes durch die Geister
Gottes, die durch die anwesenden Medien sprachen, in den mannigfachsten
Kundgebungen vorgehalten. Samuel selbst bemühte sich, den von ihm gesalbten
ersten König durch eindringliche Mahnung vor dem drohenden Verderben zu
retten. Denselben Zweck verfolgte Samuel mit den verschiedenen
Gottesdiensten, die er im Beisein des Saul hielt und von denen in eurem
biblischen Bericht nichts erwähnt wird. Er wollte das Herz des Königs rühren
und zur Umkehr bewegen. Die Gefahren für die Medien im
Alten Bund Der Gottesdienst war
überhaupt das Wichtigste in den ‘Medienschulen‘. Die angebenden Medien oder
‘Prophetenschüler‘, wie sie damals genannt wurden, sollten in ihrer ganzen
inneren Einstellung mit Gott in innige Verbindung gebracht werden.
Unerschütterlicher Gottesglauben und tiefes Gottvertrauen sollten die
Grundlage bilden, auf der sich die medialen Fähigkeiten der Schüler
entwickelten. So sollten sie befähigt werden, als würdige Werkzeuge Gottes
und seiner Geisterwelt ihren Mitmenschen zu dienen. Denn die Gefahren, die
den Medien damals drohten, waren dieselben wie heute. Die größte Gefahr bildet,
wie es zu allen Zeiten der Fall ist, auch damals die Sucht nach Ehre und nach
Geld. Die Medien standen in hohem Ansehen. Nicht bloß die weltlichen
Herrscher waren bemüht, sie in großer Zahl um sich zu haben, sondern auch die
einzelnen wohlhabenden Familien hielten sich ein Medium zum Befragen des
Jenseits und nannten es ‘Priester‘. Man gab ihnen reiche Geschenke und den
gesamten Lebensunterhalt. Es waren meistens Medien, die ihr heute
‘Planchettemedien‘ nennen würdet. Sie benutzten zum Befragen der Geisterwelt
das ‘Orakelschild‘, eine Nachbildung des Orakelschildes im Offenbarungszelt. Das Gesagte wird dir
bestätigt durch einen Bericht im Buche der Richter. Da wird geschildert, wie
ein Mann mit Namen Micha das der Mutter entwendete Geld an sie zurückgab.
Diese ließ von einem Teile des Geldes ein ‘geschnitztes und ein gegossenes
Gottesbild‘ anfertigen, das im Hause Michas aufgestellt wurde. Er stellte
einen seiner Söhne an, um ihm dabei als ‘Priester‘ zu dienen. Er gewann aber
auch noch einen Leviten aus Bethlehem zu diesem Zweck und sagte zu ihm: ‘Bleibe
bei mir und sei mir Vater und Priester, so will ich dir jährlich zehn Schekel
Silber geben und für Kleidung und deinen Lebensunterhalt aufkommen. Als er
dann dem Levitenleiter zuredete, erklärte dieser sich einverstanden‘ (Richter
17,10). - Was in eurer Übersetzung als ein ‘geschnitztes und gegossenes
Gottesbild‘ bezeichnet wird, waren die beiden Teile der ‘Planchette‘. Es ist menschlich zu
verstehen, daß die Medien sich die Gunst derer zu erhalten suchten, bei denen
sie lebten. Aber darin lag die große Gefahr. In dem Bestreben, dem Brotherrn
nur Angenehmes zu sagen, schreckten sie bisweilen nicht davor zurück, die
ihnen gewordene unangenehme Wahrheit zu verheimlichen und die Unwahrheit an
ihre Stelle zu setzen. So wurden sie zu ‘Lügenpropheten‘. Damit schieden sie
aus der Verbindung mit der guten Geisterwelt aus und wurden Werkzeuge der
Bösen, wenn sie auch zum Schein noch den Namen Gottes bei ihrer medialen
Betätigung im Munde führten. Besonders die Medien, die
im Dienste der weltlichen Gewalthaber standen, fielen leicht dieser
Versuchung zum Opfer, wie dir die Geschichte des Königs Ahab zeigt
(1.Kön.22). Dort vereinbarten 400 Medien, dem König nur Angenehmes zu sagen.
Eine solche Vereinbarung entsprang ihrer eigenen schlechten Gesinnung. Damit
schlossen sie sich aber auch von der Verbindung mit den Geistern der Wahrheit
aus und wußten, daß sie sich zu Werkzeugen von Lügengeistern machten. Sie
mußten, daher fürchten, daß sie als ‘Lügenpropheten‘ entlarvt würden, wenn
der König ein Medium des Guten befragen würde. Als daher der König den
Propheten Micha, der ein Medium der guten Geisterwelt war, zur Befragung
kommen ließ, suchten sie ihn durch einen Boten zu überreden, ebenfalls nur
Angenehmes dem König zu sagen. Dieser kündete jedoch dem König seinen
Untergang, wie es ihm der Geist Gottes geoffenbart hatte. Da gab ihm einer
der anwesenden Lügenpropheten einen Backenstreich mit den Worten: ‘Wie, ist
etwa der Geist des Herrn von mir gewichen, um mit dir zu reden?‘ - Hier
siehst du die ganze Verworfenheit eines Prophetentums, das aus Ehr- und
Geldsucht sich der Lüge und dem Betrug hingibt und doch den Schein erweckt,
als ob es ein Werkzeug Gottes wäre. Seine medialen Kundgebungen von
Lügengeistern aus. Das weiß jenes Prophetentum. Und seine schlechte Gesinnung
sucht Mittel und Wege, jene Lügen zu verdecken. Ein solches Medientum mußte
unter dem Einfluß gottentfremdeter Könige auch zum Unheil für das ganze Volk
werden, sobald es sich offen auf die Seite des ausgesprochenen Götzendienstes
stellte. ‘Propheten des Baal‘ wurden sie dann genannt. Ihre Zahl war
außerordentlich groß. Manchmal gab es fast keine Medien des Guten mehr. So
heißt es von der Zeit des Hohen Priesters Eli: ‘In der Zeit, wo der junge
Samuel den Dienst des Herrn unter Elis Aufsicht versah, waren Offenbarungen
des Herrn in Israel etwas Seltenes ‘(1.Sam.3,1). Auf dem Berg Karmel stand
der Prophet Elia als einziger ‘Prophet Gottes‘ den 450 Propheten Baals und
den 400 Propheten der Aschera gegenüber. Daß sich auch in den alten
Zeiten die Medien durch irdische Vorteile verleiten ließen, ihre mediale Gabe
zu mißbrauchen, geht aus den Worten hervor, die Gott durch den Propheten
aussprechen ließ: ‘So hat der Herr wider die Propheten gesprochen, die
mein Volk irreführen, die Glück verkünden, wenn ihre Zähne was zu beißen
haben, aber gegen den, der ihnen nichts für ihren Mund gibt, den heiligen
Krieg predigen‘ (Micha 3,5). - ‘Ihre Propheten wahrsagen für Geld, und dabei
berufen sie sich auf den Herren‘ (Micha 3,11). Ihr dürft nicht glauben,
daß die Menschen der damaligen Zeit alle Phänomene, die durch die Medien
hervorgebracht wurden, ohne weiteres als echt hinnahmen. Sie waren den Medien
gegenüber genauso mißtrauisch, wie ihr es heute seid. Sie rechneten damit,
daß sie das Opfer von Betrügereien werden könnten. Sie fesselten die Medien,
um sicher zu sein, daß sie nicht durch Taschenspielerkünste ihnen etwas
vorgaukelten. Darum hatten die privaten Medien, die einen Broterwerb aus der
medialen Gabe machten, in ihren Häusern geeignete Binden für Kopf, Hände und
Füße bereit. Damit ließen sie sich von den Besuchern festbinden. Wenn dann
doch Erscheinungen erfolgten, die nur von Geistwesen herrühren konnten und
auch tatsächlich herrührten, so machte dies auf die Anwesenden einen tiefen
Eindruck, und sie wurden für diesen Geisterverkehr gewonnen. Da es aber keine
guten Geister waren, die sich solcher Medien als Werkzeuge bedienten,
verfielen die Teilnehmer an derartigen Veranstaltungen nach und nach dem
Bösen. Die Lehren, die ihnen die bösen Geistwesen durch die Medien gaben,
drängten sie vom wahren Gott ab und verleiteten sie zu den schändlichsten Lastern.
Besonders waren es die weiblichen ‘Medien‘, die großen Zulauf hatten. Gegen
sie richtet sich eine Drohung Gottes bei dem Propheten Hesekiel: ‘Du aber,
Menschensohn, tritt gegen die Töchter deines Volkes auf die sich nach eigenem
Gutdünken als ‘Prophetinnen‘ gebärden; sprich dich gegen sie aus und sage: So
hat Gott der Herr gesprochen: Wehe den Weibern, die da Binden zusammennähen
für alle handgelenke und Kapuzen in geeigneter Größe anfertigen, um Seelen zu
fangen; Seelen fangt ihr mir weg. Ihr entheiligt mich bei meinem Volk um ein
paar Hände voll Gerste und um einige Bissen Brot, um Seelen zu töten,
die nicht sterben sollten., indem ihr mein Volk belügt, da gern auf Lügen
hört ‘(13,17ff) Die Ausbildung der Medien im
Altertum Die Art der Ausbildung der
Medien in den Medienschulen der biblischen Zeiten wird in den Urkunden der
Heiligen Schriften nicht näher beschrieben. Sie bestand zunächst darin, daß
die mediale Veranlagung der Schüler geprüft wurde. Schon nach kurzer Zeit
stellte es sich heraus, bei wem diese Veranlagung vorhanden war. Wer sich
nicht eignete, wurde entlassen. Aber auch diejenigen, die
eine große mediale Begabung aufwiesen, wurden nur dann als Schüler behalten,
wenn ihre Charaktereigenschaften eine Ausübung des Medienberufes im Dienste des
Guten und Göttlichen verbürgten. Darauf legten die Leiter der guten
Medienschulen den. Hauptwert, während in den Medienschulen der Götzenpriester
nur die mediale Kraft eines Schülers in Frage kam. Es war damals derselbe
Unterschied in der Ausbildung der Medien vorhanden, den ihr in der jetzigen
Zeit feststellen könnt. Du selbst hast die Ausbildung einiger Medien mit
eigenen Augen angesehen. Du hast die Zusammenkünfte selbst veranlaßt und
geleitet, in denen sich die Ausbildung vollzog. Diese Zusammenkünfte
gestaltetest du als Gottesdienste und gabst dir Mühe, dich und die Teilnehmer
Gott näherzubringen. Ihr stelltet euch unter den Schutz Gottes. Mit Gebet und
Lobpreis Gottes habt ihr die Stunde begonnen und geschlossen. Das in den
Heiligen Schriften niedergelegte Wort Gottes war eure Lesung. Ihr strebtet
nur nach dem Guten und wolltet, wenn es der Wille Gottes sein sollte,
brauchbare Werkzeuge des Guten werden. Auf diese Weise suchte man
auch bei den gottesgläubigen Israeliten die Medien auszubilden. Im Gegensatz hierzu müßtest
du dir den Betrieb in den meisten der heutigen ‘spiritistischen Sitzungen‘
ansehen können. Von Gott, einem Lobpreis Gottes ist dabei meistens nicht die
Rede. Man kommt zusammen, um etwas Außergewöhnliches und Nervenerregendes zu
erleben. Durch wen es verursacht wird, ob durch gute Geistwesen oder durch
böse, ist nebensächlich. Zudem glauben sehr viele überhaupt nicht daran, daß
die Phänomene eine Wirkung der Geisterwelt seien. Man sucht sie ‘menschlich‘
zu erklären. Damit ist der einzige Zweck, den die gute Geisterwelt durch ihre
Verbindung mit den Menschen erreichen will, nämlich den Menschen seinem Gott
näher zu bringen, von vornherein unmöglich gemacht. Dieser Art waren auch die
Zusammenkünfte, in denen die ‘Medien Baals‘ ausgebildet wurden. Zwar wußte
man damals, daß es sich um den Verkehr mit der Geisterwelt handelte. Aber
allen, die sich an dem niedrigen Spiritismus beteiligten, war es bloß darum
zu tun, etwas auf diesem Wege zu erleben und zu erfahren, was ihr rein
irdisches Tun und Streben befriedigte. Das jenseitige Schicksal lag ihnen
fern, ebenso fern, wie den meisten Menschen des jetzigen Zeitalters. Daher
hatten sie auch kein Interesse daran, daß die Medien bei ihrer Ausbildung für
das Hohe und Göttliche vorbereitet wurden. Die Medienschulen der
Götzenpriester werden in der Bibel nicht näher erwähnt, weil die Ausbildung
der ‘Medien des Baal‘ sich in den allgemeinen Versammlungen vollzog, die zum
Zwecke des Götzendienstes abgehalten wurden. Zur Erreichung des Schlechten
bedarf es keiner besonderen Ausbildung. Das stellt sich von selbst ein. Denn ‘der
Mensch ist zum Bösen geneigt von Jugend an‘. Aber wer das Gute und
Gottgewollte erlangen will, wird es nur nach großen Anstrengungen und
schweren Kämpfen erreichen. Dazu bedarf es einer besonderen Vorbereitung.
Diese war daher bei den Medien erforderlich, die sich entschlossen, nur als
Werkzeug des Göttlichen dienen zu wollen. Sie wurden in den
‘Prophetenschulen‘ ausgebildet, die in der Bibel erwähnt sind; sie hatten
Gottesmänner, wie einen Samuel, Elia und Elisa als Lehrer und geistliche
Führer. In den Zeiten, wo große und
gottbegnadete Männer an der Spitze solcher ‘Medienschulen‘ standen, wie zu
den Zeiten des Samuel, des Elia und des Elisa, war der Andrang zu diesen
Schulen sehr groß. Denn die gottesgläubigen Familien betrachteten es als
besonderes Geschenk Gottes, wenn eines ihrer Kinder die mediale Gabe besaß
und sie unter Leitung jener Männer ausbilden konnte. Zur Zeit des Elia und des
Elisa gab es in jedem größeren Ort eine Medienschule. So in Rama, Gilgal,
Bethel, Jericho und anderen Orten. Die Prophetenschüler des Elisa waren so
zahlreich, daß der Raum, in dem sie zusammenkamen, nicht mehr ausreichte.
Darum sagten sie eines Tages zu Elisa: ‘Sieh doch, der Raum, wo wir hier
beim Unterricht vor dir sitzen, ist zu eng für uns. Wir wollen daher an den
Jordan gehen und ein jeder von uns einen Balken holen, damit wir uns dort
einen Raum herrichten, wo wir wohnen können.‘ Er antwortete: ‘Ja, gehet hin!‘
(2.Könige 6,1-2). Die Medien der ersten Christen Im Neuen Testament hatte
man bei den Christen keine eigenen Medienschulen. Sie waren deswegen nicht
nötig, weil die gottesdienstlichen Versammlungen in einer Weise abgehalten
wurden, daß sie die Tätigkeit der früheren Medienschulen vollkommen
ersetzten. Man reichte sich die Hände beim Beten, um zum Ausdruck zu bringen,
daß alle ‘ein Herz und eine Seele‘ seien, daß die Liebe sie zu einer
Gemeinschaft verbinde und daß sie darum auch als eine Einheit zu Gott beten
wollten: Alle zusammen als Glieder eines geistigen Leibes, von einem Geist
beseelt, zu einer Hoffnung berufen, durch denselben Glauben verbunden,
flehend zu dem einen Gott. Diese Händereichung hatte
für die medial Veranlagten unter den Versammlungsteilnehmern eine große
Bedeutung. Denn dadurch wurde die Odkraft der Anwesenden zu einem Odstrom
vereint. Ihn konnten die Geister Gottes benutzen, um sowohl durch die
ausgebildeten Medien sich kundzutun, als auch die werdenden Medien
auszubilden. Die medialen Vorgänge waren den ersten Christen von ihrer
Heidenzeit her sehr gut bekannt, so daß sie darüber Bescheid wußten. Sie
hatten ja als Heiden dem Verkehr mit der bösen Geisterwelt gehuldigt, und die
natürlichen Gesetze dieses Verkehrs waren ihnen geläufig. Sie wußten, daß der
ganze heidnische Götzendienst nichts anderes war, als eine Verbindung mit den
Dämonen, die unter denselben naturgesetzlichen Bedingungen sich vollzog, wie
die Verbindung mit den guten Geistern. Darum brauchte auch Paulus
die Korinther nicht erst über die Gesetze zu belehren, unter denen ein
Geisterverkehr überhaupt zustande kommt, sondern bloß über die Wirkungen,
welche die guten Geistwesen im Gegensatz zu den bösen bei ihnen
hervorbrachten. Der Apostel Paulus über
Geisterverkehr und Medien Die Kapitel 12 und 14 des
ersten Korintherbriefes enthalten über den guten Geisterverkehr alles, was
ein gläubiger, gottsuchender Mensch darüber wissen muß. Nur versteht ihr
heute leider die Belehrungen nicht mehr, die der Apostel den Korinthen in
jenen Kapiteln gegeben hat. Das kommt vor allem daher, weil ihr euch über den
Geisterverkehr überhaupt in Unkenntnis befindet. Dann fragen eure falschen
Bibelübersetzungen daran einen großen Teil der Schuld sowie die falschen
Erklärungen, die aufgrund der unrichtigen Übersetzungen den Christen gegeben
werden. Wegen der Wichtigkeit der
Sache möchte ich daher die Kapitel 12 und 14 des ersten Korintherbriefes mit
dir durchgehen und dir die richtige Erklärung davon geben. Nach eurer Übersetzung
beginnt das 12. Kapitel mit den Worten: ‘Inbetreff der Geistesgaben will ich
euch, liebe Brüder, nicht im Unklaren lassen. Ihr wißt von eurer Heidenzeit
her, da waren es die stummen Götzen, zu denen es euch mit unwiderstehlicher
Gewalt hinzog. ‘(1.Kor.12,1-2) - Schon gleich die ersten Worte: ‘Inbetreff
der Geistesgaben‘ enthalten einen irreführenden Übersetzungsfehler. Sie
können vom Leser nur so aufgefaßt werden, als handle es sich dabei um Gaben,
die dem Geist des Menschen von Gott verliehen würden. Der euch vorliegende
griechische Text sagt etwas ganz anderes. Dort heißt es in wörtlicher
Übersetzung: ‘Über das, was sich auf den Geisterverkehr bezieht, will ich
euch nicht im Unklaren lassen.‘ Heute würde man kurz sagen: ‘Über den
‘Spiritismus‘ will ich euch nicht im Unklaren lassen.‘ Auch hieß es
ursprünglich nicht ‘stumme Götzen‘, sondern ‘tote Götter‘; denn unter ‘toten
Göttern‘ verstand man allgemein die ‘Dämonen‘ oder die von Gott getrennten
Geister, die immer in der Bibel als ‘Tote‘ bezeichnet werden. Die richtige Übersetzung
der ganzen angeführten Stelle wäre also folgende: ‘Über den Spiritismus
möchte ich euch nicht im Unklaren lassen. Ihr kennt ihn schon aus der Zeit,
wo ihr Heiden ward. Damals ginget ihr zu den von Gott abgefallenen Geistern,
zu denen ihr euch mit unwiderstehlicher Gewalt hingezogen fühltet.‘ Im Folgenden fehlen auch in
dem griechischen Text, den ihr jetzt habt, zwei Sätze. Sie lauteten: ‘So wurdet ihr die Genossen
der bösen Geister, die Jesus nicht als ihren Herrn anerkennen. Jetzt aber, wo
ihr Christus angehört und seiner Herrschaft unterstellt seid, steht ihr in
Verbindung mit heiligen Geistern.‘ An diese fehlenden Sätze schloß sich dann
Vers 3 an, der in eurer Übersetzung lautet: ‘Deshalb erkläre ich euch, daß
niemand, der durch den Geist Gottes redet, sagen kann: Verflucht sei Christus!
Und keiner zu sagen vermag: Jesus ist der Herr! Außer durch den Heiligen
Geist‘ (1.Kor.12,3) Aber auch in diesem Vers 3
ist wiederum ein das Verständnis erschwerender Übersetzungsfehler. Es heißt
nämlich im griechischen Text nicht durch den Geist Gottes und durch den
Heiligen Geist, sondern durch einen Geist Gottes und durch einen heiligen
Geist. Es ist ja nicht Gott
selbst, der in direkter Weise die einzelnen Wirkungen hervorbringt, sondern
es sind die Gott dienenden Geister, die mit der Kraft Gottes bei den
Geschöpfen das ausführen, was dem Willen Gottes entspricht. Dadurch das eure
Bibelübersetzer an zahllosen Stellen den Ausdruck ‘der Heilige Geist‘
gebrauchen, wo im griechischen Text ‘ein heiliger Geist‘ zu lesen ist, haben
sie nicht bloß unrichtige Deutungen der betreffenden Stellen veranlaßt,
sondern vor allem den Begriff ‘Heiliger Geist‘ derart verwirrt, daß die
falsche Lehre aufkommen konnte, der Heilige Geist sei eine göttliche Person. Um den richtigen Begriff
des Geistes und der Geister dir klarzulegen und dadurch auch das Verständnis
der beiden genannten Kapitel des ersten Korintherbriefes zu ermöglichen,
wähle ich ein Beispiel aus eurem irdischen Leben: In den Zeiten, wo eure
Könige noch unumschränkte Herrscher waren, galt bei allem, was im Machtbereich
des Königs geschah, nur der Wille des Königs. Alle Gesetze und Verordnungen
gingen von ihm aus. In seinem Reiche herrschte nur ein Wille, nur ein Geist:
Der Geist und Wille des Königs. Seine Diener und Beamten vollzogen ihre
Amtshandlungen nur in Abhängigkeit von ihm, nur nach seinem Willen und in
seinem Geist. Daraus folgte nun nicht, daß sie für jede Einzeltätigkeit den
König um Erlaubnis zu fragen hatten. Denn sie besaßen ja seine Gesetze und
Richtlinien, nach denen sie von selbst wußten, was sie im Einzelfalle zu tun
hatten. Es waren also im Reiche viele, die wirkten, aber eigentlich nur ein
Wirkender, nämlich der König. So ist es auch im Reiche
Gottes. Da ist nur ein unbeschränkter Herrscher, dessen Wille in allem
Geschehen maßgebend ist. Es ist Gott - oder, wie es manchmal in der Bibel
ausgedrückt ist, der Geist Gottes oder der Heilige Geist. Die anderen
Geister, die auch Geister Gottes oder heilige Geister genannt werden, sind
bloß die ausführenden Organe Gottes, seine Diener und Beamten. Auch sie haben
für ihre Tätigkeit Gesetze und Richtlinien, nach denen sie wirken. Auch sie
haben daher nicht für jedes Wirken einen besonderen Auftrag Gottes nötig. Sie
alle arbeiten in demselben Geist und in derselben Gesinnung, wie es dem
Willen und Geist Gottes entspricht. Sie stellen gewissermaßen einen großen
Regierungskörper dar mit vielen Gliedern, die zwar als Einzelwesen
selbständig sind und sich voneinander unterscheiden, aber als Teile eines
Ganzen von dem Geist geleitet werden, der die Geisterwelt als einen
Regierungskörper geschaffen hat und ihr seine Macht und Kraft verleiht. In
diesem Sinne sagt Paulus: ‘Es gibt zwar verschiedene Gnadengaben, aber nur
einen Geist und es gibt verschiedene Dienstleistungen, doch nur einen Herrn.
Und es gibt verschiedene Kraftwirkungen, aber nur einen Gott, der alles in
allen wirkt‘ (1.Kor.12,4-6). Wenn also in den
Versammlungen der Christen von Korinth ein Geist durch ein Medium in fremder
Sprache redete, ein anderer Geist durch ein Medium in der Muttersprache, ein
anderer Geist ein Medium zum Heilmedium machte und viele andere Geister in
anderer Weise wirkten, so taten sie das nicht nach eigenem Gutdünken und in
der eigenen Kraft, sondern nach dem Willen und in der Kraft des einen Gottes,
des höchsten allmächtigen Geistes. Auf die Korinther machte es
einen besonderen Eindruck und erregte ihr Erstaunen, wenn ein Geist durch
eines ihrer Medien in einer fremden Sprache redete. Darum hegten sie den
lebhaften Wunsch und beteten auch darum, daß möglichst viele solcher Geister
sich kundgeben möchten. Weil dieser Wunsch bloß der menschlichen Neugierde
und Sensationslust entsprang, werden sie deswegen von Paulus getadelt. Er
sagte ihnen, daß die einzelnen Betätigungen der zu ihnen kommenden Geister
nur den einen Zweck hätten, zur Erbauung und zum inneren Wachstum der
Christengemeinde zu dienen und nicht dazu, rein persönliche Wünsche zu
erfüllen. Was könne es ihnen an geistigem Nutzen bringen, wenn die Geister,
die zu ihnen kämen, in fremden Sprachen redeten. Weder der eigene Geist des
Mediums hätte einen Vorteil davon, da er die Worte der fremden Sprache nicht
verstehe, noch auch die übrigen Teilnehmer; denn auch sie verständen die
fremdsprachigen Reden des Geistes nicht. Sie sollten doch lieber um Geister
beten, die ihnen in ihrer Muttersprache Belehrungen erteilten. Und wenn ein
Geist in einer ihnen unbekannten Sprache zu ihnen rede, möchten sie bitten,
daß ihnen diese Sprache in ihre Muttersprache übersetzt werde - was entweder
durch denselben Geist oder durch ein anderes Geistwesen erfolgen konnte. Nun könnte es auffällig
erscheinen, daß überhaupt Geister in einer den Anwesenden unbekannten Sprache
redeten. Doch auch dies hatte seinen großen Zweck. Es diente als Beweis für
die Echtheit des Geisterverkehrs oder, wie Paulus mit Recht sagt, als Beweis
für die Ungläubigen. Hier muß ich die Bemerkung
einflechten, daß eure Bibelübersetzungen das Reden in fremder Sprache mit
‘Zungenreden‘ bezeichnen und die in der Muttersprache erteilten Belehrungen
der Geister mit ‘Prophezeien‘. Paulus billigt durchaus,
daß die Korinther eifrig bemüht sind, mit der Geisterwelt in Verbindungen zu
kommen. Denn er sagt: ‘Da ihr euch eifrig um Geister bemüht, so seid darauf
bedacht, deren eine reiche Fülle zu haben, zur Erbauung der Gemeinde‘
(1.Kor.14,12). - Auch diesen Satz haben eure Übersetzer dadurch
unverständlich gemacht, daß sie für ‘Geister‘ den Ausdruck ‘Geistesgaben‘
gesetzt haben. Und doch heißt es an dieser Stelle ausdrücklich ‘Geister‘ und
nicht ‘Geistesgaben‘. Zum Schluß seiner Belehrung
ermahnt Paulus die Korinther, bei ihrem Geisterverkehr alles in Ordnung vor
sich gehen zu lassen. Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern der
Ordnung und des Friedens. Dieser Ordnung hätten sich auch die Medien zu
fügen. Nicht mehr als zwei oder drei Medien sollten sich für Geister zur
Verfügung stellen, die in fremder Sprache reden und auch nur dann, wenn
Geister anwesend seien, die eine Übersetzung der fremden Sprache in die
Muttersprache der Teilnehmer vornehmen könnten. Ist ein solcher nicht da, so
soll eine Rede in fremder Sprache nicht zugelassen werden. Auch sollen die in
der Muttersprache der Teilnehmer gehaltenen Ansprachen der Geister auf zwei
bis drei beschränkt bleiben‚ damit die Zuhörer Zeit haben, sich über das
Gehörte zu unterhalten und ihre Auffassung darüber zum Ausdruck zu bringen.
Paulus drückt letzteres mit den Worten aus: ‘Die anderen sollen ihr Urteil
darüber abgeben.‘ Hier richtet Paulus an die Korinther dieselbe Mahnung, die
ich, wie dir bekannt, auch bei euren Zusammenkünften so oft ausgesprochen
habe. Sowohl ich, wie auch andere Geister, die zu euch sprachen, pflegten
euch zum Schluß aufzufordern, das Gehörte miteinander zu besprechen und eure
Meinung darüber auszutauschen, also, wie Paulus sich ausdrückte, das Gesagte
zu ‘beurteilen‘. Denn es kommt nicht so sehr darauf an, daß ihr möglichst
viel auf einmal hört, als vielmehr darauf, daß ihr es richtig verstanden
habt. Wenn ihr euch nun über das unterhaltet, was euch von uns Geistern
gesagt worden ist, so können wir feststellen, wer es richtig aufgefaßt hat
und wer nicht. Denn die Geister sind während eurer Unterhaltung noch anwesend
und hören euch zu. Ergibt sich nun aus eurer Aussprache, daß eure Auffassung
nicht richtig ist oder daß Meinungsverschiedenheiten herrschen, so treten wir
von neuem in die Medien ein und klären euch über das auf, was euch unklar
geblieben ist. Wer die Zusammenhänge in
den Geisterkundgebungen und das Verhältnis der Geister zu den Medien nicht
durch eigene Erfahrung kennengelernt hat, wird die von Paulus gegebenen
Verhaltungsmaßregeln nicht verstehen. Daher noch eine kurze Erklärung dazu. Ihr könnt euch den Verkehr
der guten Geister mit euch nicht menschlich genug vorstellen. Sie sind ja
eure besten Freunde und bei euren gottesdienstlichen Versammlungen in großer
Anzahl vertreten. Es sind meistens Geister, die früher Menschen waren wie ihr
und nun im Jenseits zu Gott sich emporgearbeitet haben. Sie sind euch als
Führer, Berater und Beschützer zugeteilt. Sie haben das sehnlichste
Verlangen, euch schon in diesem irdischen Leben möglichst weit auf dem Wege
zu Gott zu bringen, damit ihr bei eurem Scheiden von dieser Erde in eine
möglichst hohe Sphäre der Geisterwelt gelangt. Eure Geisterfreunde sind nicht
selten als Menschen Angehörige anderer Nationen gewesen und haben deren
Sprache gesprochen. Manche können eure Muttersprache nicht sprechen. Denn
auch die Geister müssen die irdischen Sprachen erlernen, die ihnen als
Menschen unbekannt waren. Aber alle möchten euch doch gerne etwas Gutes sagen
und drängen sich um die Medien, um sie zum Sprechen oder Schreiben zu
benutzen. Damit das alles nun in Ordnung vor sich geht, ist in jeder
Versammlung, die dem guten Geisterverkehr gewidmet ist, ein ‘Kontrollgeist‘
anwesend. Dieser hat zu bestimmen, welche Geister zu Wort kommen sollen und
wie lange sie sprechen dürfen. Er richtet sich bei Zulassung der einzelnen
Geister auch nach den Anordnungen und Bestimmungen, welche die
Versammlungsteilnehmer selbst getroffen haben. Setzten sie zum Beispiel fest,
daß nicht in einer den Anwesenden unbekannten Sprache gesprochen werden soll,
so läßt der Kontrollgeist keinen Geist zu, der sich nicht in der
Muttersprache der Versammelten ausdrücken kann. Auch die Medien haben es in
ihrer Macht, einem Geistwesen den Eintritt in ihren Körper zu versagen. Denn
der ‘Trancezustand‘ tritt nur dann ein, wenn die Medien ihren Willen dem
nicht entgegensetzen. Darum sagt Paulus, die prophetischen Geister seien den
‘Propheten‘, das ist den ‘Medien‘, gehorsam. Eine Stelle in den
Unterweisungen des Apostels Paulus ist teils in sich, teils durch die falsche
Übersetzung unklar. Diese Stelle lautet: ‘Sooft ihr euch versammelt, hat
ein jeder etwas in Bereitschaft: einen Psalm, einen belehrenden Vortrag, eine
Offenbarung, eine Zungenrede, eine Auslegung; das alles laßt zur Erbauung der
Gemeinde dienen‘. (1.Kor.14,26,) Zunächst ist die
Übersetzung falsch. Sie muß lauten: ‘Sooft ihr euch versammelt, erhält ein
jeder von euch einen Psalm usw.‘ Das erhält ein jeder durch die anwesenden
Medien. Ein jeder hat es nicht schon in Bereitschaft, wenn er kommt, als ob
er es schon mitbrächte, sondern im Laufe der Versammlung tragen die Geister
durch die Medien diese verschiedenen Dinge vor: Der eine einen Lobgesang, der
andere einen belehrenden Vortrag, ein dritter eine Offenbarung, ein anderer
eine Rede in fremder Sprache, wieder ein anderer die Übersetzung der fremden
Sprache in die Muttersprache. Jeder der Anwesenden mag aus dem Vielen, was
ihm an geistiger Kost geboten wird, das herausnehmen, was Dir seinen augenblicklichen
Seelenzustand am dienlichsten ist. Denn die ganze Gemeinde soll erbaut
werden, nicht bloß der eine oder andere der Versammelten. Es wird darum so
vielerlei geboten, weil die geistigen Bedürfnisse der Teilnehmer so
verschiedenartig sind. Wer vieles bringt, hat für jeden etwas. Der eine, dem
etwas besonders Gutes für seine Person oder seine Familie widerfahren ist,
wird in einem Lobpreis Gottes, der von einem Geist durch ein Medium
vorgetragen wird, den rechten Ausdruck seiner augenblicklichen Stimmung
finden. Ein anderer fühlt sich niedergedrückt und wird durch eine tröstliche
Belehrung aufgerichtet. Ein anderer hat mit Zweifeln zu kämpfen, ob das, was
da vor sich geht, auch tatsächlich die Wirkung der Geisterwelt ist. Er wird
von seinen Zweifeln befreit, wenn er ein Medium in einer fremden Sprache
reden hört. Die Belehrung, die der
Apostel den Korinthern über die Art des Geisterverkehrs gibt, hat er nicht
aus sich selbst, sondern er handelt im Auftrag des Herrn. Denn er schließt
seine Mahnung mit den Worten: ‘Wenn sich jemand für einen ‘Propheten‘ oder
Geistesbegabten hält, so möge er erkennen, daß das, was ich hier schreibe,
ein Gebot des Herrn ist‘ (1.Kor.14,37). - Und er fügt hinzu: ‘So lehre
ich in allen Gemeinden der Heiligen.‘ _______ *
_______ 'So
hat der Herr gesprochen, der Heilige Israels und sein Bildner: Über
die kommenden Dinge befragt mich‘. Jes. 45,11 Gott ist die Quelle der
Wahrheit. Wer aus dieser Quelle schöpft, wird die Wahrheit erlangen und vor
Irrtum bewahrt bleiben. Diese Erkenntnis veranlaßte die Gläubigen der alten
Zeit, bei ihrem Suchen nach der Wahrheit mit Gott in Verbindung zu kommen. Es
war nicht eine Verbindung auf dem Wege innerer Erleuchtung, die ihnen Gewißheit
bringen sollte, sondern sie wählten den Weg der äußeren, mit den menschlichen
Sinnen wahrnehmbaren Mitteilung der Wahrheit von Seiten Gottes. Sie befragten
Gott durch menschliche Hilfsmittel und erhielten auf dieselbe Weise die
Antwort Gottes. Das Befragen Gottes war ständiger
Brauch des Gottesvolkes Sie waren sich bewußt, daß
die Gott dienende gute Geisterwelt die Vermittlerin des göttlichen Willens
und der göttlichen Kundgebungen ist und daß ein Befragen Gottes
gleichbedeutend war mit einem Befragen der Geistwesen des Reiches Gottes. Ebenso bekannt war ihnen
das Geisterreich des Bösen. Daß man auch mit diesem in Verbindung treten
konnte, lehrte sie die tägliche Erfahrung. Zu allen Zeiten des Alten
Bundes und des ersten Christentums haben die gottsuchenden Menschen von dem
Befragen Gottes reichlich Gebrauch gemacht. Die Schriften des Alten und des
Neuen Testamentes sind voll von Berichten, nach denen die Gottesgläubigen zur
Erlangung der Wahrheit ‘Gott befragten‘ und die durch die Geister Gottes übermittelten
Antworten entgegennahmen. Schlage die Bibel auf und
gehe die einzelnen Schriften durch, und du wirst dies bestätigt finden. Schon sehr früh wird in der
Bibel das ‘Befragen Gottes‘ erwähnt. Von Rebekka, der Frau Isaaks, wird
berichtet, daß sie den Herrn befragte, als sie während ihrer Schwangerschaft
in Sorge war: ‘Als sich nun die beiden
Kinder in ihrem Schoße stießen, sagte sie: Wenn es so steht, wozu bin ich
dann in diesen Zustand gekommen? Und sie ging hin, um den Herrn zu
befragen‘(1.Mose25,22). - Auf welche Weise die Befragung Gottes‘ geschah,
wird hier nicht berichtet. Auch nicht, auf welchem Wege sie die Antwort
entgegennahm, die ihr zuteil wurde. Aus der einfachen Erzählung geht jedoch
hervor, daß damals ein Befragen Gottes nichts Außergewöhnliches war. Das Befragen Gottes zur Zeit des
Mose, Josua und David Nach dem Auszug der
Israeliten aus Ägypten kam das Volk täglich zu Mose, damit er in ihren
Anliegen ‘Gott befrage‘: ‘Als nun der Schwiegervater des Mose sah, was er
alles mit dem Volk zu tun hatte, sagte er: Was machst du dir da mit dem Volk
so viel zu schaffen? Warum sitzest du allein zu Gericht, während das ganze
Volk vom Morgen bis zum Abend vor dir steht?‘ Mose antwortete seinem
Schwiegervater: ‘Ja, das Volk kommt zu mir, um ‘Gott zu befragen‘. Sooft sie
einen Rechtshandel haben, kommen sie zu mir, damit ich Schiedsrichter
zwischen den Parteien sei und ihnen Gottes Rechtssprüche und Entscheidungen
kundtue‘ (2.Mose18,14-16). - Auch hier ist nicht angegeben, wie das Befragen
Gottes vor sich ging. Erst später, als Mose auf Geheiß Gottes das
Offenbarungszelt hergestellt hatte, werden nähere Angaben darüber gemacht,
mit welchen Mitteln das ‘Befragen Gottes‘ und die darauf erfolgenden
Antworten ermöglicht wurden: ‘Mose aber nahm jedesmal das Zelt und schlug es
für den Herrn außerhalb des Lagers auf und nannte es ‘Offenbarungszelt‘.
Sooft nun jemand den Herrn befragen wollte, ging er zu dem Offenbarungszelt
hinaus, das außerhalb des Lagers lag. Wenn aber Mose selbst zu dem Zelt
hinausging, so standen die Leute auf und traten ein jeder an den Eingang
seines Zeltes und blickten hinter Mose her, bis er in das Offenbarungszelt
eingetreten war. Sobald dann Mose eingetreten war, senkte sich die
Wolkensäule herab und nahm ihren Stand am Eingang des Zeltes, solange der
Herr mit Mose redete. Wenn nun das Volk die Wolkensäule am Eingang des Zeltes
stehen sah, erhob sich das ganze Volk, und ein jeder warf sich am Eingang
seines Zeltes nieder. Der Herr aber redete mit Mose von Angesicht zu
Angesicht, wie jemand mit seinem Freunde redet. Mose kehrte dann wieder in
das Lager zurück, während sein Diener Josua, der Sohn Nuns, ein junger Mann,
das Zelt nicht verließ‘ (2.Mose33,7-11). - Das Wesentliche an diesem Bericht
ist dir bereits aus früheren Erklärungen bekannt. Nun muß dir auffallen, daß
ein Unterschied erkennbar ist zwischen der Art, wie Mose Gott befragte und
der Art, wie das Volk es tat. Mose erhält bei dem hier geschilderten
feierlichen Befragen Gottes als Vertreter des ganzen Volkes die Antwort des
Herrn durch die Wolkensäule. Aber wenn Leute aus dem Volke Gott befragten,
erhielten sie die Antwort Gottes nicht durch die Wolkensäule, sondern auf
eine andere Weise. Sie ist zwar nicht klar ausgesprochen, aber doch
hinreichend angedeutet, so daß der Kenner dieser Vorgänge darüber nicht im
Unklaren ist. Es heißt nämlich, daß Josua, der Diener des Mose, das
Offenbarungszelt nicht verlassen durfte. Sein Verbleiben im Zelt mußte doch
einen Grund haben. Es hing mit dem Befragen Gottes zusammen. Und zwar diente
Josua als Medium für die Leute aus dem Volke, die in ihren
Privatangelegenheiten Gott befragen wollten. Es heißt ja ausdrücklich, daß
jeder, der Gott befragen wollte, zum Offenbarungszelt hinausging‘. Bestimmte
Stunden zum ‘Befragen Gottes‘ waren nicht angesetzt. Deshalb mußte Josua
stets im Zelte anwesend sein und den einzelnen Leuten aus dem Volk als Medium
zur Vermittlung der Antworten Gottes zu jeder Zeit zur Verfügung stehen. Ihn
benutzten die Geister Gottes als Werkzeug in derselben Weise, wie sie sich der
heutigen Medien bedienen. Es wurde bei den Israeliten
feststehender Gebrauch, nichts von Bedeutung zu unternehmen, ohne Gott
befragt zu haben. Gott hatte ja dem Mose verheißen: ‘Ich will dir alles
mitteilen, was ich den Israeliten durch dich aufzutragen habe‘ (2.Mose25,). -
ich will dort im Offenbarungszelt mit den Israeliten in Verkehr treten‘
(2.Mose29,42+43). - Bei dem Befragen Gottes handelte also das Volk ganz
nach göttlichem Willen. Nach Josuas Tode fragten
die Israeliten beim Herrn an: ‘Wer von uns soll zuerst gegen die Kanaanäer
hinaufziehen, um mit ihnen zu kämpfen?‘ Der Herr antwortete: ‘Juda soll
hinaufziehen. Hiermit gebe ich das Land in seine Gewalt‘ (Richter1,1-2). Als die Daniten sich ein
Gebiet zur Ansiedlung suchten, schickten sie fünf Männer, um das Land zu
erforschen. Diese trafen einen Leviten, der im Hause des Micha als Medium
weilte. Da baten sie ihn: ‘Befrage doch Gott, damit wir erfahren, ob das
Unternehmen, für das wir jetzt unterwegs sind, glücklichen Erfolg haben
wird.‘ Der Priester gab ihnen hierauf Bescheid: ‘Ziehet getrost hin; euer
jetziges Unternehmen ist dem Herrn wohlgefällig“ (Richter18,1-7). - An
dieser Stelle wird auch ausführlich erzählt, auf welche Weise das Befragen
Gottes vor sich ging. Es wird berichtet, daß Micha sich von einem Goldschmied
ein ‘geschnitztes und gegossenes Gottesbild hatte anfertigen lassen‘. Gottesbild‘ nennen es eure
Bibelübersetzer, die nicht wissen, was darunter zu verstehen ist und sogar
meinen, es sei ein ‘Götzenbild‘ gewesen. In Wirklichkeit war es eine
Nachbildung des Orakelschildes auf dem Kleide des Hohen Priesters, das
bekanntlich zum Befragen Gottes diente und davon den Namen ‘Orakelschild‘
führte. Die Nachahmungen des
hohenpriesterlichen Orakelschildes durch das israelitische Volk dienten dem
Privatgebrauch zum ‘Befragen Gottes‘. Es war dasselbe, wie die in euren
spiritistischen Kreisen gebrauchte ‘Planchette‘ und bestand wie diese aus
zwei Teilen: Aus dem unteren, unbeweglichen Teil, der gewöhnlich als Platte
gegossen und mit den Buchstaben des Alphabets und anderen Zeichen der
Verständigung versehen war - und einem schön geschnitzten, leichten
Holzbrettchen, an dem sich eine Spitze als Zeiger befand. Die gegossene
Platte wurde entweder auf einen Tisch gelegt oder auf einem festen Sockel oder
einer Säule befestigt. Sie war glatt poliert, damit das Holzbrettchen leicht
darüber hingleiten konnte. Beim Befragen Gottes wurde das Holzbrettchen auf
die polierte Platte gelegt. Das Medium legte seine Hand auf das Holzbrettchen
und wartete ab, ob sie mit Hilfe der medialen Odkraft von den Geistwesen zu
den Buchstaben der ‘Platte‘ hinbewegt wurde. Geschah dies, so zeigte die
Spitze des Brettchens die Buchstaben nacheinander an, die zu Worten und
Sätzen zusammengefaßt, die Antwort der Geisterwelt enthielten. Es war also im
Wesentlichen dasselbe, wie beim Brustschild des Hohen Priesters. Auch darin ahmte man bei
den privaten Orakelschildern das kostbare ‘Brustschild‘ des Hohen Priesters
nach, daß man die Buchstaben auf Edelsteine eingravieren und diese durch
einen Goldschmied in kunstgerechter Arbeit in die gegossene Platte einlegen
ließ. Man gab sehr große Summen dafür aus, und wie der hohe Priester beim
Befragen Gottes mit einem kostbaren Priestergewande bekleidet war, so
schaffte man ein ähnliches Gewand auch für die Privatmedien an, die das
Orakelschild bedienten. So tat auch Micha: ‘Er ließ ein kostbares
Priestergewand und ein Orakelschild anfertigen und stellte einen seiner Söhne
an, um ihm als Priester zu dienen‘ (Richter17,5). - Auch Gideon ließ aus den
von den Midianitern erbeuteten Goldsachen ein ‘Orakel‘ der eben geschilderten
Art anfertigen und stellte es in seinem Wohnort Ophra auf (Richter 8,27).
Jeder konnte es zum ‘Befragen Gottes‘ benutzen. Allein bald wurde es vom
Volke auch zum ‘Befragen des Bösen‘ gebraucht. ‘Ganz Israel trieb damit
Abgötterei, so daß es für Gideon und sein Haus zum Fallstrick wurde.‘ Gideon
beabsichtigte damit nur das ‘Befragen Gottes‘, aber das Volk mißbrauchte es,
um die ‘Toten zu befragen‘, sich also mit der bösen Geisterwelt in Verbindung
zu setzen. Und das war Abgötterei. Doch die Gesetzestreuen
unter den Israeliten machten nur im Notfall von dem privaten Befragen Gottes
in ihren Familien Gebrauch. Bei wichtigen Dingen zogen sie es doch vor, an
der Stelle bei Gott anzufragen, die Gott selbst zur Zeit des Mose bestimmt
hatte. Sie gingen zum ‘Offenbarungszelt‘ und ließen den Hohen Priester durch
das Orakelschild Gott befragen. So machten sich die Israeliten auf den Weg
nach Bethel, um Gott zu befragen, wer von ihnen zuerst zum Kampfe mit den
Benjaminiten ausziehen solle. Der Herr antwortete ihnen: Juda soll den Anfang
machen‘ (Richter 1,2). Als Saul die Philister noch
in der Nacht verfolgen und gänzlich vernichten wollte und seine Leute damit
einverstanden waren, ‘sagte der Priester zu ihm: ‘Wir wollen zuerst hier vor
Gott treten. Als nun Saul bei Gott anfragte: ‘Soll ich zur Verfolgung der
Philister ausziehen? Wirst du sie in die Hand Israels geben? erteilte ihm der
Herr an jenem Tage keine Antwort‘ (1.Sam.14,36-46). Denn der Sohn Sauls hatte
an diesem Tage gegen ein Verbot Gottes gehandelt. Gott wollte durch das
Versagen der Antwort zu erkennen geben, daß er nur denen antworten will, die
seinen Weisungen auch nachkommen. David pflegte fast immer
durch das ‘Orakelschild‘ Gott zu befragen. Sein Medium war der Priester
Abjathar: ‘David gewann neue Kraft durch sein Vertrauen auf den Herrn, seinen
Gott und befahl dem Priester Abjathar, dem Sohne des Abimelechs: Bringe mir
das ‘Ephod‘ (Orakelschild) her! Als nun Abjathar das Ephod zu David gebracht
hatte, richtete David die Frage an den Herrn: Soll ich diese Räuberschar
verfolgen? Werde ich sie einholen? Da erhielt er die Antwort: Ja, verfolge
sie, du wirst sie sicher einholen und die Gefangenen erretten‘
(1.Sam.30,7-8). Nur von solchen läßt sich
Gott befragen, die ihr volles Vertrauen auf ihn setzen und auf seine Hilfe
bauen. Wer sich jedoch mit dem Bösen abgibt und auch von der Verbindung mit
den Geistern der Tiefe Hilfe erwartet, den weist Gott zurück. ‘Diese
Männer haben ihre Götzen in ihr Herz geschlossen und sie sich als Anstoß zu
ihrer Verschuldung vor die Augen gestellt: Sollte ich mich da von ihnen
befragen lassen?‘ (Hesekiel 14,3). Nicht die Menschen mit
geteiltem Herzen, die heute zu Gott und morgen zu Baal gehen, die heute die
Kirche besuchen und danach die Werke des Bösen vollführen, erhalten von Gott
Antwort, damals nicht und auch heute nicht. Gott hat diese Menschen nach
ihrem wahren Wesen beim Propheten Jesaja gezeichnet: ‘Zwar befragen sie
mich Tag für Tag und tragen Verlangen nach der Kenntnis meiner Wege; als wäre
es ein Volk, das Gerechtigkeit übt und das Recht seines Gottes nicht
verlassen hat, fordern sie wohlverdiente Rechte von mir, erwarten ungeduldig
eine Kundgebung Gottes. Warum fasten wir, sagen sie, und du siehst es nicht?
... Das ist vielmehr das rechte Fasten, wie ich es liebe, daß man ungerechte
Fesseln löst, daß man die Bande des Knechtschaftjoches sprengt, Vergewaltigte
in Freiheit setzt und jegliches Joch zerbricht Nicht wahr, wenn du dem
Hungrigen dein Brot brichst und unglückliche Obdachlose in dein Haus nimmst,
wenn du einen Nackten siehst, ihn kleidest und dich deinen Volksgenossen
nicht entziehst: Dann wird dein Licht wie das Morgenrot hervorbrechen und
deine Heilung schnelle Fortschritte machen ... wenn du dann fragst, wird der
Herr dir antworten‘ (Jesaja58,2-9). Verschieden war die Art,
wie Gott seine Kundgebungen den gläubigen Menschen übermittelte, die sich in
ihren Anliegen an ihn wandten. In der Geschichte des Saul wird erwähnt, auf
welche Weise dieser erste König des israelitischen Volkes die Antworten
Gottes empfing, solange er Gott treu blieb. Am Tage vor der Schlacht von
Gelboe fragte Saul, von dem der Geist Gottes wegen seines Ungehorsams
gewichen war, bei Gott an: ‘Aber der Herr gab ihm keine Antwort, weder
durch ‘Träume‘, noch durch ‘Orakelschild‘, noch durch die ‘Propheten“
(1.Sam.28,6). Also hatte Saul bisher die Antworten Gottes entweder durch
‘Träume‘ oder durch das ‘Orakelschild‘ oder durch ‘Propheten‘ erhalten. Das,
was eure Bibelübersetzer mit dem Wort ‘Träume‘ bezeichnen, ist ein geistiges
Schauen, eine Vision, ein Hellsehen oder Hellhören, wodurch dem Betreffenden
eine Wahrheit mitgeteilt wird. Ein solches Schauen kann
nur dem zuteil werden, der die mediale Veranlagung dazu hat. Die Geisterwelt
muß sich daher bei der Auswahl der Mittel für ihre Kundgebungen auch nach den
Aufnahmefähigkeiten desjenigen richten, für den sie bestimmt sind. Bei dem ‘Orakelschild‘
erfolgten die Antworten Gottes unter Mitwirkung eines Mediums, wie ich dir
bereits wiederholt erklärt habe. Bei den ‘Propheten‘, die so
oft in der Bibel als Überbringer der Kundgebungen Gottes auftreten, handelt
es sich um ‘Sprechmedien‘, die aber auch nicht selten auf dem Wege des
Hellsehens und des Hellhörens die Antworten Gottes in Empfang nahmen und dann
weitergaben. Wo immer euch in den
Heiligen Schriften das ‘Befragen Gottes‘ begegnet, da findet ihr die Wahrheit
bestätigt, daß Gott den Menschen, die sich vertrauensvoll an ihn wenden und
ihn befragen, seine Antwort auf irgendeine menschlich wahrnehmbare Weise
zuteil werden läßt. _______ *
_______ Soll
nicht ein Volk bei seinem Gott anfragen? Soll
es für die Lebenden bei den “Toten‘ anfragen? Jesaja
8,19 Die Begriffe „Tot“ und „Tote“ nach
der Bibel Wenn ihr heute in Wort oder
Schrift von ‘Toten‘ redet, so meint ihr damit die irdisch Verstorbenen, deren
Leiber auf den Kirchhöfen ruhen. Eine andere Bedeutung der Bezeichnung
‘Toten‘ habt ihr nicht. Ihr versteht unter ‘Tod‘ also bloß die Trennung des
Geistes vom irdischen Körper. In der Heiligen Schrift
wird sehr viel von dem ‘Tod‘ und den ‘Toten‘ gesprochen. Aber nur an wenigen
Stellen ist unter ‘Tod‘ das irdische Sterben gemeint. Die ‘Toten‘ der Bibel
sind nicht die aus dem irdischen Leben Geschiedenen. Wenn die Bibel von ‘Tod‘
spricht, meint sie nicht die Trennung des Geistes vom Körper, sondern die
Trennung des Geistes von Gott. Mit Gott vereint sein und ihm angehören, ist
das ‘Leben‘. Von Gott getrennt sein, ist der ‘Tod‘. Diese Lehre zieht sich
durch alle Schriften des Alten und Neuen Testamentes. Die ‘Toten‘ sind also die
von Gott Getrennten, die ‘geistig Toten‘. Mögen sie nun als Geister im
Jenseits weilen oder als von Gott abgefallene Menschen durch dieses irdische
Leben gehen. Schon das erstemal, wo das
Wort ‘Tod‘ in der Bibel vorkommt, bezeichnet es die Trennung von Gott. Als
nämlich Gott den ersten Menschen im Paradies den Genuß einer bestimmten
Frucht verbot, setzte er die Drohung hinzu: ‘An dem Tage, wo ihr davon
esset, werdet ihr des ‘Todes‘ sterben‘ (1.Mose2,17). - Es war damit nicht
der irdische Tod gemeint, sondern die Trennung von Gott. Die ersten Menschen
starben ja auch nicht leiblich, als sie das Verbot übertreten hatten, sondern
erlitten den geistigen Tod. Durch ihren Ungehorsam traten sie auf die Seite
des Bösen und trennten sich dadurch von Gott. Als Mose vor seinem
irdischen Tode von seinem Volke Abschied nahm, gab er ihm die Mahnung: ‘Das
‘Leben‘ und den ‘Tod‘ habe ich euch vorgelegt, den Segen und den Fluch. So
wähle denn das ‘Leben‘, indem du den Herrn, deinen Gott, liebst und seinen
Weisungen gehorchst und fest an ihm hältst‘(5.Mose30,19-20).- Nicht das
leibliche Leben und den leiblichen Tod hat er ihnen vorgelegt, sondern das
geistige Leben, das so lange dauert, als sie fest an Gott halten, und den
geistigen Tod, der sofort eintritt, sobald sie von Gott ablassen und sich von
ihm trennen. ‘Wer das Gebot Gottes bewahrt, der bewahrt sein Leben; wer
dagegen das Wort Gottes verachtet, wird sterben‘ (Sprüche19,16). - ‘Wer mein
Wort befolgt, wird den Tod in Ewigkeit nicht sehen‘ (Joh.8, 51). Die Sünde des Abfalls von
Gott führt also den geistigen Tod herbei. ‘Wisset ihr nicht, daß ihr entweder
Knechte der Sünde seid, was zum Tode führt, oder Knechte des Gehorsams,
wodurch ihr zur Gerechtigkeit gelangt?‘ (Röm.6,16). - ‘Was für eine Frucht
habt ihr damals, als ihr der Sünde dientet aufzuweisen gehabt? Nur solche
Dinge, deren ihr euch jetzt schämt; denn das Ende davon ist der Tod. Jetzt
dagegen, wo ihr von der Sünde frei und Knechte Gottes geworden seid, habt ihr
als eure Frucht die Heiligung und als Endergebnis ewiges Leben. Denn der
Sold, den die Sünde zahlt, ist der ‘Tod‘, die Gnadengabe Gottes ist ewiges
Leben‘ (Römer6,21-23). ‘Nicht jede Sünde führt zur
Trennung von Gott, sondern nur ‘die Sünde, die zur vollen Entwicklung
gekommen ist, gebiert den ‘Tod“ (Jakobus1,15). - Nicht das Straucheln und
Fallen des Gottesgläubigen und Gottsuchers führt den geistigen Tod herbei.
Denn es ist ein Straucheln aus menschlicher Schwäche, ein Fallen auf dem Wege
zu Gott. Aber sich abwenden von Gott, ihm den Rücken kehren und so leben, als
ob es keinen Gott gäbe - das ist die Sünde, die den geistigen Tod gebiert. Die Toten sind die Feinde
Gottes. Sie haben sich unter die Herrschaft der bösen Geistermächte begeben. ‘Sie
haben wie Adam den Bund gebrochen und sind treulos von mir abgefallen‘ (Hosea
6,7). - Sie sind fahnenflüchtig geworden und dienen dem Fürsten der
Finsternis. Ihn haben sie zu ihrem Gott erwählt. Das ist der Sinn des Wortes
‘Abgötterei‘, das so oft in den Heiligen Schriften vorkommt. ‘Ihr ganzes
Treiben gestattet ihnen nicht, zu ihrem Gott zurückzukehren. Denn der Geist
der Abgötterei wohnt in ihrem Inneren‘ (Hosea5,4). - Wegen dieser
abtrünnigen Gesinnung sind sie nicht reif zur Rückkehr. ‚Aus der Gewalt
des Totenreiches sollte ich sie befreien, vom Tode sie erlösen? - Nein -
vielmehr, wo sind deine Seuchen, o Tod? Wo ist deine Pest, o Hölle?‘
(Hosea13,14). - Pest und Seuchen sind die Strafen, die Gott durch die
bösen Geistermächte über die Abtrünnigen verhängt. Sie müssen zuerst mürbe
gemacht werden durch Leid und Jammer, sie müssen elend werden wie der
verlorene Sohn, bis das Heimweh nach dem Vaterhaus, nach Gott, sie packt und
zur Rückkehr treibt. Der Götzendienst ist ein Befragen
der Toten Es ist natürlich, daß Gott,
der nur das geistige Leben will, die Verbindung mit den ‘Toten‘ als seinen
Feinden so streng untersagt. Bei den ‘Toten‘ kann man nichts Gutes lernen,
weder die Wahrheit noch die Tugend. Schrecklich waren die
Folgen des Verkehrs der alten Völker mit den bösen, von Gott getrennten
Geistern auf dem Wege des niedrigen Spiritismus, der in der Bibel stets als
‘Götzendienst‘ bezeichnet wird. Zu allen erdenklichen Greueltaten haben die
‘Toten‘ durch ihre menschlichen Medien das irregeleitete Volk verführt. Es aß
nicht bloß das Opferfleisch, das den Dämonen geweiht war und bekundete damit
seine Gemeinschaft mit ihnen; es opferte auch seine Söhne und Töchter den
bösen Geistern und trieb bei den Opfermahlen die schändlichste Unzucht. Zu
alledem trieb das Böse diese Menschen an, nachdem sie sich einmal mit ihm in
Verbindung gesetzt hatten. ‘Dann hängten sie sich an Baal-Peor und aßen
Opferfleisch der ‘Toten “(Ps.106,28). - ‘Ja, sie opferten ihre Söhne und
Töchter den bösen Geistern‘ (Ps.106,37). In dem Buch der Weisheit
wird der Einfluß des Götzendienstes mit folgenden Worten geschildert: ‘Indem sie bald kindermörderische Weihen (Kinderopfer) oder verborgene
Geheimkulte feiern, bald tolle Gelage nach eigenartigen Gebrauchen
veranstalten, bewahren sie weder den Lebenswandel noch die Ehen rein; nein,
einer bringt den anderen durch Meuchelmord um oder kränkt ihn durch Ehebruch.
Bei allen ohne Unterschied herrscht Blutvergießen und Totschlag, Diebstahl
und Betrug, Verführung und Treulosigkeit, Aufruhr und Meineid, Beunruhigung
der Guten und Undankbarkeit, Befleckung der Seelen und unnatürlicher
Geschlechtsverkehr, Zerrüttung der Ehen, Ehebruch und Unzucht. Denn die
Verehrung der ‘toten Götzen‘ ist alles Unheils Anfang, Ursache und Ausgang.
Denn entweder rasen sie in ihren Lustbarkeiten oder weissagen Lügen‘
(Weisheit 14,23-28). Wenn ihr das lest, könntet
ihr vielleicht auf den Gedanken kommen, jene Menschen seien nicht mehr bei
gesunden Sinnen gewesen. Doch sie waren so normal wie ihr. Aber so groß ist
die Gewalt des Bösen und so geschickt seine Art, andere Wesen zu betören, daß
derjenige ihm nicht leicht entrinnt, der ihm einmal verfallen ist. Die
stärkste Waffe der Mächte der Finsternis ist die Mischung von Wahrheit und
Lüge. Denen, die sich mit ihnen
durch ‘Befragen der Toten‘ in Verbindung setzen, brachten sie die Überzeugung
bei, daß in den Tieren, in Sonne, Mond und Sternen mächtige Geister
verkörpert seien, die große Gewalt über die Menschen hätten und ihnen Glück
und Unglück bereiten könnten. Daß man sie daher verehren müsse, um sich
irdisches Wohlergehen zu sichern und Mißgeschick von sich fernzuhalten. Daß
man ferner mit ihnen in Verbindung treten könne durch Opfer, besonders durch
Opfer von Kindern. Daß in jedem materiellen
Wesen Geister verkörpert sind, entsprach der Wahrheit; ebenso daß man mit den
Geistern durch Opfer in Verbindung treten kann. Daß aber jene Geisterwelt
mächtige Geister des Gutes seien, die ihren Verehrern Glück brächten, war die
verhängnisvolle Lüge. Hatten aber die bösen Geister einmal ihre Anhänger zu
jener Überzeugung gebracht, dann war es nur mehr ein kleiner Schrift zu den
Menschenopfern. Den Eltern der Kinder, die geopfert werden sollten, wurde
verheißen, daß der Geist ihres Kindes nach dessen Tode als mächtiger,
glückbringender Geist stets um sie sei; daß aber sowohl sie selbst, als auch
ihr Kind Furchtbares erleiden müßten, wenn sie dem Götzen das Opfer
verweigerten. So gaben sie denn in ihrem Wahne nach. Ihr braucht euch darüber
nicht zu wundem. Denn bei dem Götzendienst und den dazu veranstalteten
Versammlungen trugen die bösen Geister durch ihre Trancemedien diese Lehren
vor und beglaubigten sie durch staunenerregende Dinge, die sich dabei
ereigneten. Nicht selten begannen die Götzenbilder selbst zu sprechen. Es
waren die ‘direkten Stimmen‘, welche die niedere Geisterwelt mit Hilfe des
Ods der dargebrachten Opfer und der anwesenden Medien erzeugten. Gott ließ das zu, weil er
auch den Bösen in den ihnen gesetzten Grenzen volle Freiheit gewährt. Die Sucht nach irdischem
Glück und Wohlergehen war damals wie heute der Grund des Abfalles von Gott.
Nur kannte man damals die Vorbedingungen für den Verkehr mit der Geisterwelt,
und heute sind diese in Vergessenheit geraten. Infolgedessen zeigte sich
damals der Abfall nicht bloß in der inneren Abkehr von Gott, sondern auch in
der absichtlich herbeigeführten, mit menschlichen Sinnen wahrnehmbaren
Verbindung mit der niederen Geisterwelt im spiritistischen Götzendienst. Das
Befragen der ‘Toten‘ war ein tägliches Bedürfnis für die irdisch Gesinnten,
wie das Befragen Gottes zum ständigen Gottesdienst der Gottesgläubigen
gehörte. Das, was die ‘Toten‘ durch
ihre Medien sagten, schmeichelte den menschlichen Leidenschaften. Es war nur
Angenehmes, was sie von ihnen zu hören bekamen. Von den guten Medien als
Werkzeugen Gottes wollten sie nichts wissen. Was diese ihnen im Auftrag
Gottes mitzuteilen hatten, war ihnen zu bitter. ‘Ein widerspenstiges Volk,
mißratene Kinder, die den Weisungen des Herrn nicht gehorchen wollten; die zu
den Sehern sagen: Ihr sollt nicht sehen! Und zu den Propheten Gottes: Ihr
sollt uns nicht die Wahrheit prophezeien! Verkündet uns angenehme Dinge!
Prophezeit uns Täuschungen! Weicht vom richtigen Wege ab, verlaßt den rechten
Pfad! Laßt uns mit ‘dem Heiligen Israels‘ in Ruhe!‘ (Jesaja 30,9-11). -
Nur angenehme Dinge wollten sie hören, besonders für ihr materielles
Fortkommen. Auch wollten sie mit ganz bestimmten Geistern in Verbindung
kommen, ähnlich wie Saul bei der Totenbeschwörerin in Endor das Erscheinen
des Geistes des Samuel wünschte. Gute Geister lassen sich nicht zitieren, wie
es den Launen und der Sensation der Menschen gefällt. Sie kommen aus eigenem
Antrieb mit Erlaubnis Gottes oder auch in bestimmten Fällen infolge eines
ausdrücklichen Auftrages Gottes. Aber sie kommen bloß zu gottsuchenden
Menschen, um ihnen den Weg zu Gott zu zeigen. Wer von den guten Geistern sich
kundgibt, das haben nicht die Menschen zu bestimmen, sondern das ist Sache
der guten Geisterwelt selbst. Auch von der niederen Geisterwelt kommen
durchaus nicht immer diejenigen, welche die Menschen gern haben möchten,
sondern auch sie bedürfen einer Erlaubnis zu ihrer Kundgebung. Allerdings
werden die niederen Geister stets sagen, sie seien diejenigen, welche man
haben wollte, auch wenn sie es nicht sind. Denn es sind Geister der Lüge, die
das Bestreben haben, ihren Anhängern nur das zu sagen, was ihnen gefällt und
was sie wünschen. Es ist daher auch eine
große Torheit, wenn Menschen miteinander vereinbaren, daß derjenige, welcher
zuerst stirbt, dem Überlebenden Mitteilung machen soll, ob es ein Jenseits
gibt. Wer eine solche Vereinbarung trifft, von deren Erfüllung er seinen
Glauben an ein Fortleben abhängig macht, wird diesen Beweis nie erlangen.
Denn solche Verabredungen beweisen, daß diesen Menschen der Gottesglaube
fehlt. Und wer im Unglauben stirbt, findet ein solches jenseitiges Schicksal,
das ihm eine Kundgebung gegenüber dem Überlebenden nicht ermöglicht. Die
Geister der tiefsten Sphären wissen nichts, auch nichts mehr von einer
solchen Vereinbarung. Und wenn sie es wüßten, könnten sie sich doch nicht von
dem Ort entfernen, an den sie durch ihre Schuld gebannt sind. Wer jedoch
gottesgläubig ist, wird ohne solche Vereinbarungen mit den Geistern seiner Verstorbenen,
falls sie ebenfalls gläubig waren, schon während seines irdischen Lebens in
Verbindung kommen, ohne daß er diese Verbindung absichtlich sucht. Auch hier
gilt das Wort Christi: ‘Suchet zuerst das Reich Gottes und seine
Gerechtigkeit; das andere wird euch dazugegeben werden.‘ (Matth. 6,33) Aber das Suchen des Reiches
Gottes fehlte bei denen, die sich mit der niederen Geisterwelt abgaben. Ihrer
ganzen Gesinnung nach waren sie keine Gottsucher, sondern ausschließlich auf
ihr irdisches Wohl bedacht. Darum lehnten sie auch die Verbindung mit der
guten Geisterwelt ab. Denn die Antworten, die sie von den guten Geistern
bekamen, waren für die Ohren der ihren Leidenschaften frönenden Menschen zu
allen Zeiten hart und bitter. Sie empfanden die Aussprüche Gottes als eine
drückende Last. Sie gingen so weit, daß sie die im Auftrag Gottes ergangenen
Mahnungen, Warnungen und Drohungen der Propheten mit dem gotteslästerlichen
Ausdruck ‘Last des Herrn‘ bezeichneten. ‘Was ist die Last des Herrn?‘ lautete
die übliche Frage, sooft man wissen wollte, was Gott hatte verkünden lassen.
Darum ließ Gott ihnen sagen: ‘Wenn aber dieses Volk oder ein Prophet oder ein
Priester dich fragen sollte: ‘Was ist die Last des Herrn? so antworte
ihnen: ‘Ihr seid die Last des Herrn, und ich will euch abwerfen. ‘Der Prophet
aber und der Priester und wer sonst vom Volke noch von der ‘Last des Herrn‘
redet, einen solchen Menschen will ich es büßen lassen samt seinem Hause. Ihr
sollt vielmehr zueinander und untereinander so sagen: ‘Was hat der Herr
geantwortet?‘ oder ‘Was hat der Herr Verkündet? ‘Aber den Ausdruck ‘Last des
Herrn‘ sollt ihr nicht mehr gebrauchen, sonst soll einem jeden sein eigenes
Wort zu Last werden; denn ihr würdet die Worte des lebendigen Gottes, des
Herrn der Heerscharen unseres Gottes verdreht haben‘ (Jer.23,33-37). Wer also zum Volke Gottes
gehören wollte, durfte sich nicht mit der von Gott abgefallenen Geisterwelt
in Verbindung setzen. Er durfte nicht die ‘Toten befragen‘. Das war
Hochverrat gegen Gott und Abfall von der Wahrheit. Denn bei den Toten war die
Wahrheit nicht zu finden. ‘Die Toten wissen nichts.‘ Was sie sagen, ist Lüge
und Täuschung und darauf berechnet, die Gottestreuen in die Tiefe zu ziehen. Darum richtet Gott die
Mahnung an sein Volk: ‘Über die kommenden Dinge fragt mich, meine Kinder! Das
Werk meiner Hände lasset mir anbefohlen sein‘ (Jesaja45,11). - ‘Ich der Herr,
dein Gott, bin es, der dich lehrt zu tun, was dir zum Heile dient; der dich
auf dem Wege leitet, den du gehen sollst‘ (Jesaja48,17). - ‘Und wenn jemand
zu euch sagt: Ihr müßt die Totenbeschwörer und Geisterkundigen befragen, die
da flüstern und murmeln! - so entgegnet: Soll nicht ein Volk bei seinem Gott
anfragen? Soll es für die Lebenden bei den Toten anfragen?‘ (Jesaja8,19) -
‘Wie? Nach der Weise eurer Väter wollt ihr euch verunreinigen und mit ihren
Scheusalen ebenfalls Buhlerei treiben? Ja, durch die Darbringung eurer Gaben,
dadurch, daß ihr eure Kinder als Opfer verbrennt, verunreinigt ihr euch an
allen euren Götzen bis auf den heutigen Tag; und da sollte ich mich von euch
befragen lassen. So war ich lebe, ich will mich von euch nicht befragen
lassen.‘ (Hesek.20, 30-31) Die Israeliten hatten das
Befragen der geistig ‘Toten‘ in Ägypten betrieben und waren dort zum großen
Teil dem Götzendienst verfallen. Deshalb gehörte das Verbot Gottes, die Toten
zu befragen, zu den ersten Weisungen, die Gott den Israeliten nach dem Auszug
aus Ägypten gab: ‘Ihr sollt keine Wahrsagerei noch Zauberei treiben!‘
(3.Mose19,26). - ‘Wendet euch nicht an die Totenbeschwörer und an die
Wahrsager; suchet sie nicht auf, damit ihr nicht durch sie verunreinigt
werdet. Ich bin der Herr, euer Gott‘ (3.Mose19,31). - ‘Wenn sich jemand an
die Totenbeschwörer und Wahrsager wendet, um Götzendienst mit ihnen zu
treiben, so will ich mein Angesicht gegen einen solchen Menschen kehren und
ihn aus der Mitte meines Volkes ausrotten‘ (3.Mose20,6) - ‘Wenn ein Mann oder
ein Weib einen Geist der Totenbeschwörung oder einen Wahrsagergeist in sich
hat, so sollen sie unfehlbar mit dem Tode bestraft werden; man soll sie
steinigen. Blutschuld lastet auf ihnen‘ (3.Mose20,27). In diesen Sätzen
ist eine Tatsache enthalten, daß die Totenbeschwörer männlichen und
weiblichen Geschlechts ‘Medien‘ waren, aus denen böse Geister sprachen. Diese
Medien waren für ihre Verbindung mit dem Bösen selbst verantwortlich. Sie
hätten das Böse abweisen können, wenn sie sich gläubig an Gott gewandt hätten
und mit der guten Geisterwelt in Verkehr getreten wären. Ihre Strafe war
daher berechtigt. - Andere traten durch ‘Hellsehen‘ mit der bösen Geisterwelt
in Verbindung. Wenn hier von ‘Blutschuld‘
die Rede ist, so soll damit nicht das natürliche Blutvergießen oder die
körperliche Tötung bezeichnet werden. Unter ‘Blutschuld‘ versteht die Bibel
die geistige Tötung, die Trennung des Geistes von Gott. Die Totenbeschwörer
luden deshalb eine Blutschuld auf sich, weil sie die Menschen, die zu ihnen
kamen, mit den bösen Geistern in Verbindung brachten, sie dadurch von Gott
trennten und so dem geistigen Tode überantworteten. Die Verunreinigung, die
sich jene zuziehen, welche mit den Totenbeschwörern Verkehr unterhalten,
besteht nicht in einer leiblichen Besudelung. Es ist vielmehr das schlechte
Od, das sie bei den Totenbeschwörern in sich aufnehmen und das ihr eigenes Od
verunreinigt und es zum Tummelplatz böser Geistwesen macht. Saul und die Totenbeschwörerin in
Endor Ein Fall von
Totenbeschwörung ist in der Bibel ausführlich geschildert. Er ist in
verschiedener Hinsicht sehr lehrreich. Es ist die Befragung der
Totenbeschwörerin in Endor durch den König Saul. Samuel war gestorben. Saul
aber hatte alle Totenbeschwörer aus dem Lande getrieben. Da fielen die
Philister mit großer Heeresmacht in sein Land ein. Als nun Saul das Lager der
Philister erblickte, geriet er in Angst und erschrak im innersten Herzen. Er
befragte daher den Herrn; aber der Herr gab ihm keine Antwort, weder durch
Hellsehen noch durch das Orakelschild noch durch die guten Medien. Denn durch
seinen Ungehorsam hatte sich Saul von Gott getrennt. Die Geister Gottes waren
von ihm gewichen, und ein böser Geist hatte Besitz von ihm genommen. Da gab
Saul seinen Dienern den Befehl, eine Frau ausfindig zu machen, die sich auf
Totenbeschwörung verstehe. Er wollte zu ihr gehen und sie befragen. Da ihm
die gute Geisterwelt keine Kundgebung zuteil werden ließ, wollte er es mit
der bösen versuchen. Seine Diener berichteten
ihm, daß in Endor eine Frau wohne, die Tote beschwören könne. Saul machte
sich unkenntlich und begab sich zu ihr auf den Weg. Nachts kam er bei der
Frau an und sagte zu ihr: ‘Wahrsage mir durch Totenbeschwörung und laß mir
aus der Unterwelt den erscheinen, den ich dir nennen werde. ‘Die
Totenbeschwörerin wollte nicht weil sie fürchtete, deswegen angezeigt und
getötet zu werden. Doch Saul beruhigte sie. Da fragte das Weib: ‘Wen soll ich
dir erscheinen lassen?‘ Er antwortete: ‘Laß mir den Samuel erscheinen. ‘Als
nun die Frau den Samuel erblickte, schrie sie laut auf und sagte zu Saul:
‘Warum hast du mich betrogen? Du bist Saul.‘ Der König erwiderte ihr:
‘Fürchte dich nicht! Doch was siehst du?‘ Die Frau antwortete ihm: ‘Ein
übermenschliches Wesen sehe ich aus der Erde steigen.‘ Da fragte er sie: ‘Wie
sieht es aus?‘ Sie antwortete: ‘Ein alter Mann steigt herauf der in einen
Mantel gehüllt ist.‘ Da erkannte Saul, daß es Samuel sei; er neigte sich mit
dem Antlitz zur Erde und bezeugte ihm seine Ehrfurcht. Samuel aber sagte zu
Saul: ‘Warum störst du mich in meiner Ruhe, daß du mich heraufkommen läßt?‘
Saul erwiderte: ‘Ich befinde mich in großer Not; denn die Philister haben Krieg
mit mir angefangen; Gott aber gibt mir keine Antwort mehr. Darum habe ich
dich rufen lassen, um von dir zu erfahren, was ich tun soll.‘ Samuel
antwortete: ‘Warum fragst du mich denn, da doch der Herr dich verlassen hat
und dein Feind geworden ist? Der Herr hat dir nur so getan, wie er dir durch
mich hat ankündigen lassen. Der Herr hat dir das Königtum entrissen und es
einem anderen, dem David gegeben. Weil du dem Befehl des Herrn nicht gehorcht
hast, darum hat der Herr dich jetzt in diese Lage kommen lassen. Und der Herr
wird auch die Israeliten zugleich mit dir in die Hand der Philister fallen
lassen. Morgen wirst du mitsamt deinen Söhnen bei mir sein‘ (1.Samuel
28,3-19). Manches in diesem Bericht
bedarf der Erläuterung, da es für euch schwer verständlich ist. Fällt es dir nicht auf, daß
Saul beim Anblick des Heeres der Philister bis in sein Innerstes erbebte? Das
war sonst nicht seine Art. Er war ein tapferer Mann, der unzählige Kämpfe
mitgemacht hatte und dem Tod unerschrocken ins Auge sah. Woher also dieses
plötzliche Erbeben? - Hier hast du eine jener merkwürdigen Tatsachen, die ihr
oft im Leben vor euch sehet. Es ist die ‘Todesahnung‘, wie ihr es nennt. Das
Wort ‘Todesahnung‘ ist nicht richtig gewählt. Es müßte ‘Todesgewißheit‘
heißen. Beim ersten Blick auf das Heer der Philister sagte ihm ein inneres
Etwas, daß seine Todesstunde geschlagen habe. Sie ist ja für einen jeden
durch sein Schicksal festgelegt. Aber was ist das für eine innere Stimme, die
es dem Saul zur Gewißheit werden ließ, daß mit dem beginnenden Kampf sein Tod
mit absoluter Gewißheit verbunden sei? Was war es, das so manchem eurer
Soldaten im Kriege als innere Stimme zurief: ‘Beim nächsten Angriff findest
du den Tod!‘ Oder: ‘Den heutigen Tag wirst du nicht überleben!‘ Oder: ‘Es ist
dein letzter Urlaub, den du hast. Du wirst zu den Deinen nicht mehr
zurückkehren!‘ - Warum fiel es manchen Soldaten, die doch oft in Urlaub
waren, gerade das letztemal so schwer, an die Front zu gehen, von der sie
nicht mehr zurückkehren sollten? - Bei Saul sowohl als auch bei allen
anderen, denen die innere Gewißheit von dem nahen Tode zuteil wurde, waren es
die Schutzgeister, die auf jene wichtigste Stunde des Lebens aufmerksam
machten. Sie sind euch als Führer und Freunde beigegeben. Oft in eurem Leben
hat ihre Stimme euch gewarnt, wo euch Gefahr drohte. Sie waren eure
Beschützer. Oft haben sie für rechtzeitige Rettung gesorgt. Aber nun, wo der
unabänderliche Schlußstrich unter das Leben gemacht wird, schütteln diese
Geisterfreunde euer ganzes Innere mit solcher Gewalt, daß die nahende
Todesstunde euch in die Ohren gellt und ihr es nicht überhören könnt. Sie
wird euch zu Gewißheit. Nicht bei allen dürfen sie es. Bei denen es
geschieht, ist es eine besondere Gnade, damit sie in den ihnen noch
verbleibenden Augenblicken den Anschluß an Gott suchen und sich seine Hilfe
für den folgenschweren Schritt ins Jenseits sichern. Auch für Saul war es der
letzte Ruf der Geisterboten Gottes, zu dem Gott zurückzukehren, dem er untreu
geworden war. Anstatt sich bei seiner Todesgewißheit innerlich an Gott zu
wenden und sein Treuegelöbnis mit aller Aufrichtigkeit zu erneuern, hat er
zunächst bloß äußerlich durch Medien bei Gott angefragt, um irdische Hilfe
von ihm zu erlangen. Eine innere Verbindung mit Gott in Reue über sein bisheriges
Verhalten hat er nicht erstrebt. Darum gab Gott ihm auch auf sein äußeres
Anfragen keine Antwort. So ging er denn in seiner Angst um sein irdisches
Leben zu der Totenbeschwörerin. Wenn Saul sagte: ‘Ich bin in großer Not‘, so
meinte er damit die Todesgewißheit, die auf ihm lastete. Bei dieser Gelegenheit
möchte ich dich auch noch kurz auf die zahlreichen anderen Arten der
Ankündigung eines nahenden Todes aufmerksam machen. Du weißt, daß der
Volksglaube das Heulen eines Hundes, das Erscheinen eines Vogels, das
Weißwerden von Pflanzen und viele andere Dinge als Vorausverkündung eines
Todesfalles ansehen. Das ist kein Aberglaube, wie eure wissenschaftlich so
aufgeklärte Zeit meint. Es ist Wahrheit. Und wenn durch diese Zeichen auch
nicht derjenige bestimmt angegeben wird, der gemeint ist, so sollen es sich
alle zu Herzen nehmen, die jene Zeichen kennen und Einkehr in sich selbst
halten. Es ist ein Ruf eurer Geisterfreunde, der euch an Gott und die
Rechenschaft erinnert, die ihr ihm nach dem irdischen Scheiden ablegen mußt.
Die Geisterwelt ist es, die jene Tiere als Werkzeuge benützt und sie das tun
läßt, was euch als Vorbedeutung erscheint. Denn ich habe dir oft gesagt, daß
auch Tiere als Medien benutzt werden können und zwar sowohl von der guten,
als auch von der bösen Geisterwelt. Dasselbe gilt von den Pflanzen und
Blumen. Doch die Geisterwelt wendet jene Zeichen nur dann an, wenn die
Menschen, die sie sehen, auch fähig sind, die Zeichen zu verstehen. Denn die
Geister tun nichts Zweckloses. Das möge über diesen Punkt genügen. Bei der Totenbeschwörerin
in Endor möchte es auffallend erscheinen, daß Samuel überhaupt erschien. Er
gehörte ja nicht zu den ‘Toten‘, also nicht zu den von Gott Getrennten. Er
war keiner von den Geistern der Tiefe, mit denen die Frau in Endor bisher in
Verbindung stand. Er war ein guter Geist Gottes. Das erkannte die Frau auch
an der übermenschlichen Größe, in der der Geist des Samuel erschien. Durch
das Erscheinen des Geistes Samuels vollzog sich an Saul ein Strafgericht
Gottes. Saul sollte sofort für den Frevel büßen, daß er sich an das Böse um
Auskunft gewandt hatte. Wäre anstelle Samuels ein böser Geist erschienen, so
würde er ihm nicht die furchtbare Wahrheit seines Schicksals gesagt, sondern
ihm eine angenehme Täuschung offenbart haben. Darum mußte nach dem Willen
Gottes der gute Geist Samuels vor die Hellseherin treten, die zugleich
hellhörend war und durch sie dem Saul das kundtun, was ihn am anderen Tag
erwartete. Daß er heute schon das Furchtbare erfuhr, war das Schwerste, was
ihn treffen konnte: ‘Morgen wirst du samt deinen Söhnen und einem großen Teil
deines Heeres sterben.‘ Das bedeutete für Saul eine Todesqual, die jetzt
schon begann und sein Inneres bis zur Stunde der Erfüllung zermalmte. Darum
fiel er bei der Schreckenskunde voll Entsetzen seiner ganzen Länge nach zu
Boden. Was er bei der Totenbeschwörerin erfahren wollte, nämlich wie er den
Sieg über seine Feinde erlangen könne, das erfuhr er nicht - und das
Schreckliche, das er nicht wissen wollte, ward ihm zur Strafe offenbart. Bei
ihm ging in Erfüllung, was Gott durch den Propheten Hesekiel sagen ließ: ‘Wenn
irgend jemand aus dem Hause Israel und von den Fremden, die in Israel leben,
sich von mir lossagt und seine Götzen in sein Herz schließt und sich als
Anstoß zu seiner Verschuldung vor die Augen stellt und sich trotzdem zu einem
Propheten begibt, damit dieser mich für ihn befrage, so will ich, der Herr,
ihm persönlich Antwort erteilen, und zwar will ich gegen den betreffenden
Mann vorgehen und ihn zu einem warnenden Beispiel und zu einem Sprichwort
machen und ihn aus der Mitte meines Volkes ausrotten, damit ihr erkennt, daß
ich der Herr bin‘ (Hesek.14,7-8). Daß die Totenbeschwörerin
beim Erscheinen Samuels den Saul erkannte, kam daher, daß sie hellhörend vom
Geist des Samuel den Namen Sauls vernahm. Wenn ferner Samuel in
seiner Kundgebung an Saul verheißt, daß er und seine Söhne morgen bei ihm
seien, so ist das nicht so zu verstehen, als ob Saul und seine Söhne im
Jenseits mit Samuel dasselbe Schicksal teilten. Samuel will Saul nur kundtun,
daß er und seine Söhne am anderen Tage sterben würden und daß Samuel sie bei
ihrem Übertritt ins Jenseits abholen werde. Denn die Geister der Sterbenden
werden von den ihnen im Tode Vorausgegangenen schon am Sterbebett in Empfang genommen
und begrüßt, wenn sie ihnen im Leben nahegestanden. Von ihnen werden sie auch
belehrt und ermahnt, bevor sie an den Ort kommen, an den sie gemäß dem ihnen
zuteil gewordenen Los hingehören. Das ist ein ebenso selbstverständliches
Gesetz der Geisterwelt, wie es für euch eine Selbstverständlichkeit ist, eure
Freunde bei der Landung im Hafen eines fremden Landes abzuholen, wenn ihr
selbst schon vorher in diesem Lande angekommen seid. Deshalb kann doch euer
Schicksal in jenem Lande von dem Schicksal eurer Freunde wesentlich
verschieden sein. Bei der Totenbeschwörerin
in Endor erfolgte die Verbindung mit den ‘Toten‘ auf dem Wege des Hellsehens
und Hellhörens. Sie teilte dem, der sie befragte, bloß mit, was sie sah oder
hörte. Andere Totenbeschwörer waren wirkliche Medien und fielen in Trance,
und der fremde Geist redete selbst durch sie. Wenn endlich gesagt ist,
daß der Geist Samuels ‘aus der Erde heraufgestiegen sei‘, so ist dies nur
nach dem Augenschein angegeben. Der Geist bedarf, um sich
sichtbar zu machen, einer Odwolke. Das Od entnimmt er der Odstrahlung der ihn
umgebenden Menschen. Die Odwolke bildet sich nicht auf einmal, sondern
entwickelt sich nach und nach, meistens von unten nach oben größer werdend,
so daß es wie ein Aufsteigen nach oben aussieht. Daß Samuel als alter Mann
erschien und in den Mantel gehüllt war, den er als Mensch zu tragen pflegte,
geschah deswegen, damit man seine Persönlichkeit erkennen konnte. Die Geister
pflegen sich in der Odgestalt zu zeigen, die alle diejenigen Merkmale trägt,
an denen man sie während ihres irdischen Lebens erkannte. Wie ihr eure
materielle Gewandung nach Belieben gestalten könnt, so vermögen auch die
Geister ihrer Odgewandung die Formen zu verleihen, die ihnen am
zweckmäßigsten erscheinen. Da die Gesetze der
Verbindung mit der niederen Geisterwelt dieselben sind, wie die des guten
Geisterverkehrs, so seht ihr in den Berichten der Heiligen Schrift bei dem
Befragen der Toten die selben Mittel angegeben, wie beim Befragen Gottes.
Hier wie dort trefft ihr als Träger der erforderlichen Odkraft die Medien,
entweder als Propheten des Baal oder als Propheten Gottes. Hier wie dort
werden zur Verstärkung der Odkraft Tieropfer dargebracht und Räucherungen
vorgenommen. In beiden Fällen werden Orte gewählt, die frei sind von jeder
Störung und an denen die schädigenden Wirkungen von Licht und Wärme auf die
Odverdichtung möglichst beseitigt sind. Darum werden in der Bibel zugleich
mit dem Götzendienst auch die Orte verwünscht, an denen der Verkehr mit den
bösen Geistern unterhalten wurde. ‘Mein Volk befrage sein Stück Holz, und
sein Stab muß ihm die Zukunft kundtun. Denn der Geist der Abgötterei hat sie
betört, daß sie ihren Gott verlassen haben und Götzendienst treiben. Auf den
Gipfeln der Berge opfern sie und 1assen Weihrauch aufsteigen auf den Hügeln
unter Eichen, Pappeln und Terebinthen, deren Schatten ja so lieblich ist‘
(Hosea 4,12-13). Aus allem, was dich die
Bibel über die ‘Toten‘ lehrt, magst du ersehen, daß die ‘Toten‘ die Mächte
des Bösen sind. Wer sich diesen Mächten anschließt, trennt sich von Gott und
erleidet den geistigen Tod. ‘Groß stand Israel da; als es sich aber durch
den Baalsdienst versündigte, fing es an zu sterben‘ (Hosea 13,1). Nun darf man jedoch nicht
meinen, der Baalsdienst bestehe bloß darin, daß der Mensch sich wirkliche
Götzenbilder mache und sich absichtlich mit der bösen Geisterwelt in
Verbindung setze, wie dies in den alten Zeiten geschah und heute noch beim
Götzendienst verschiedener Völker geschieht. Götzendienst ist vielmehr schon
jede Gesinnung, die Gott aus dem Leben ausschaltet und sich ganz zu dem
Materiellen hinwendet und unter dem Einfluß des Bösen das Irdische anstelle
Gottes setzt. Die Menschheit der jetzigen
Zeiten ist nicht minder götzendienerisch, wie die Völker, von denen euch die Bibel
berichtet, wenn auch in den Gebieten der sogenannten Kultur keine
Götzenbilder von Holz oder Stein aufgestellt werden. Aber die Götzenbilder
stehen in den Herzen. Es ist das Geld, die Ehre und das irdische Wohlergehen.
Und diesen Götzen werden heute ebenso viele Opfer gebracht, wie vor
Jahrtausenden den sichtbaren Götzen. Diesen Götzen werden, wenn auch in
feinerer Weise, heute noch Millionen von Menschen, Millionen von Kindern
geopfert. Die bösen Geistermächte des ‘Totenreiches‘ führen auch in den heutigen
Zeiten die Herrschaft über den weitaus größten Teil der Menschheit. Und was
der Prophet Micha von den damaligen Geschlechtern sagt, gilt in demselben
Umfang von der Jetztzeit: ‘Ausgestorben sind die Frommen im Lande, und
ehrliche Leute gibt es nicht mehr unter den Menschen. Allesamt liegen sie auf
der Lauer nach Übeltaten. Jeder macht auf den anderen Jagd mit dem Fangnetz.
Auf das Böse gehen ihre Hände aus, es eifrig auszuführen. Der Obere fordert,
und der Richter steht ihm gegen Bezahlung zu Diensten. Der Mächtige spricht
das aus, wonach ihn gelüstet, und dann karten sie es miteinander ab. Der
Beste unter ihnen ist wie ein Dornstrauch, der Rechtschaffenste schlimmer wie
eine Dornhecke. Aber der Tag, den deine Späher angekündigt haben, dein
Strafgericht, kommt heran. Alsdann verlaßt euch nicht auf den vertrauten
Freund! Vor dem Weibe, das an deinem Busen liegt, hüte die Pforten deines
Mundes! Denn der Sohn mißachtet den Vater, die Tochter lehnt sich wider die
Mutter auf, die Schwiegertochter wider die Schwiegermutter. Eines jeden
Feinde sind die eigenen Hausgenossen. - Ich aber will nach dem Herrn
ausschauen, will harren auf Gott, der mir hilft: Mein Gott wird mich erhören‘
(Micha7,2-7). Aber Gott wird sich auch
der heutigen Menschheit erbarmen. Er wird es tilgen, daß sie wieder mit der
guten Geisterwelt in Verbindung kommt und dadurch von den Toten aufersteht. ‘Es
wird geschehen, daß ich meine Geisterwelt über alles Fleisch ausgieße, so daß
eure Söhne und eure Töchter weissagen, eure Greise Offenbarungen in Visionen
empfangen, eure jungen Leute Gesichte schauen; ja selbst über die Knechte und
Mägde werde ich in jenen Tagen meine Geisterwelt ausgießen‘ (Joel 3,1-2). ____________ *
____________ Sie werden alle
von Gott unterwiesen sein. (Joh.
6,45) Die Belehrung über die
Gesetze des Geisterverkehrs mit der materiellen Schöpfung und alles, was ich
selbst bei diesem Verkehr erlebte, verbreiteten so viel Licht über die mir
bisher unverständlichen Geschehnisse, die in der Bibel berichtet sind, daß
alle Unklarheit schwand. Außerdem setzten sie mich instand, auch die Dinge zu
verstehen, die ich später durch mündliche und gedruckte Berichte über
Vorkommnisse außergewöhnlicher Natur kennenlernte. Was mich jedoch innerlich
am meisten beschäftigte, waren die großen religiösen Fragen. Über sie wollte
ich vor allem Gewißheit haben. Ich war Geistlicher und hatte mein Leben der
religiösen Belehrung meiner Glaubensgenossen gewidmet. Da war es natürlich,
daß ich mich in erster Linie danach sehnte, Gewißheit darüber zu bekommen, ob
auch alles Wahrheit war, was ich bisher in meiner Religion glaubte und
lehrte, oder ob es Glaubenssätze in meiner Kirche gab, die von der Wahrheit
abwichen. Daß die Abweichungen so
zahlreich und bedeutend wären, wie es sich nach und nach zu meiner großen
Überraschung ergab, konnte ich nicht ahnen. Doch war ich von vornherein
darauf gefaßt. In späteren Jahren las ich,
daß besonders die katholische Kirche und die ihr angehörenden Schriftsteller
in ihren Schriften über “Spiritismus“ vor dem sogenannten
“Offenbarungsspiritismus“ dringend warnten. Also gerade vor dem, was der
ernste Wahrheitssucher in erster Linie erstrebt. Denn wer, wie ich, die
spiritistischen Zusammenkünfte nach der Weise der ersten Christen als
wirkliche Gottesdienste abhielt, dem war es nicht darum zu tun, möglichst
interessante spiritistische Phänomene zu erzielen, wie dies in den
gewöhnlichen okkulten Sitzungen erstrebt wird, sondern ich wollte mit derselben
guten Geisterwelt in Verbindung kommen, welche die Menschheit der biblischen
Zeiten belehrte hatte. Von ihr hoffte ich die Wahrheit über die wichtigsten
Lebensfragen des Menschen zu erfahren, ich wollte von ihr über die
Zusammenhänge von Diesseits und Jenseits belehrt werden. Alles andere war mir
Nebensache. Daß die “Kirchen“ vor einem
solchen Spiritismus, wie er von mir betrieben wurde, als von einem
“Offenbarungsspiritismus“ dringend warnten, fand ich allerdings von ihrem
Standpunkt aus selbstverständlich. Denn sobald man die Möglichkeit zugibt,
daß die Menschen von Gottes Geistern auch heute noch durch direkte
Kundgebungen in alle Wahrheit eingeführt werden können, beginnen die
Fundamente der Kirchen zu wanken. Die Kirchen mit ihren sich widersprechenden
Glaubensbekenntnissen kommen dann in Gefahr, ihre Gläubigen zu verlieren.
Denn die Menschen sind dann bei ihrem Suchen nach Wahrheit nicht mehr auf
ihre Religionsdiener angewiesen, sondern besitzt in dem Verkehr mit der
Geisterwelt Gottes denselben direkten Weg zu der Quelle der Wahrheit, den die
Menschheit der biblischen Zeiten besaß. Der Selbsterhaltungstrieb
ist der Grund, weshalb die Religionsdiener der Kirchen Gegner des Spiritismus
im allgemeinen und besonders des sogenannten “Offenbarungsspiritismus“ sind.
Es ist der Kampf, den ein Herodes um seine Königsherrschaft zu führen
beschloß, als er Kunde von dem neugeborenen König der Juden erhielt. Dieser Kampf der Kirchen
gegen den gottgewollten Geisterverkehr wird jedoch ebenso vergeblich sein,
wie es der Kampf des Herodes gegen den Gottgesandten war. Die Wahrheit, daß
die gute Geisterwelt mit den Menschen in Verbindung treten und ihnen die
großen und wichtigen Fragen des Jenseits unabhängig von Kirchen und
Kirchendienern beantworten kann, wird ihren Siegeslauf durch die Menschheit
nehmen. Und von den Kirchen wird es auch einmal heißen: “Die sind tot, die
dem Kinde nach dem Leben strebten“ (Matth.2,20). Was von den bestehenden
Kirchen dem unwissenden Volke vorgetragen wird, ist nicht die Wahrheit. Ganz anders
lauten die Antworten der Geisterwelt Gottes auf die Fragen über Gott, die
Schöpfung Gottes und ihr Schicksal, über die Erlösung, über Christus, sein
Leben und sein Werk, über Kirche und Sakrament, über Himmel und Hölle und
über das Entstehen und letzte Ziel alles Geschaffenen. _______ *
_______ Kannst
du den Urgrund der Gottheit erreichen oder
die Unendlichkeit des Allmächtigen ergründen? (Hiob 11,7) Du willst, daß ich dich
über Gott belehren soll. Aber was soll ich dir sagen, das du begreifen
könntest? Du verstehst ja nicht einmal das niedrigste Sein, das dich umgibt,
verstehst dein eigenes Sein nicht. Du kannst das kleinste Steinchen am Wege
und den geringsten Wurm auf dem Felde nicht begreifen. Es fehlt dir jedes Verständnis
für die armseligste Materie, die dein Auge sieht - und da sollte ich dir das
höchste Sein erklären, das rein Geistige deinem Verständnis näherbringen? Das ist unmöglich. Dafür
fehlen dir alle Begriffe, die zur Aufnahme dieser höchsten Wahrheiten nötig
sind. ‘Denn der vergängliche Leib beschwert die Seele, und die irdische
Behausung belastet den denkenden Geist. Kaum erratet ihr, was auf der Erde
ist, und nur mit Mühe machet ihr ausfindig, was handgreiflich vor euch liegt!
Wer aber hat die himmlischen Dinge ergründet?‘ (Weisheit9,15-16). Nur eins kann jeder von
euch durch vernünftiges Denken finden: Daß es etwas geben muß, das die
Ursache alles Geschaffenen ist. Wie keine Uhr denkbar ist ohne Uhrmacher, so
ist auch die wunderbarste und genaueste Uhr, die es gibt, nämlich die
Weltenuhr, nicht denkbar ohne einen großen Meister, der diese Weltenuhr mit
ihren Billionen und abermals Billionen Rädern gemacht hat, die alle genau
ineinanderpassen und ineinandergreifen und so pünktlich gehen, daß ihr schon
heute ausrechnen könnt, wie nach Tausenden von Jahren die einzelnen Räder
dieser Uhr zueinander stehen werden. Den für ein Menschengehirn
unausdenklich großen Schöpfer der Weltenuhr nennt ihr ‘Gott‘. Daß also ein
Gott existieren muß, kann jeder erkennen, und nur die Toren sprechen in ihren
Herzen: ‘Es gibt keinen Gott‘ (Psalm14,1). Aber das Wesen Gottes kann
ich dir nicht klarmachen und auch nicht die Ursache für das göttliche Sein
angeben. Wollte ich es versuchen, so wäre es dasselbe, als wenn du einem vierjährigen
Kinde die Berechnung der Sternenbahn klarmachen wolltest. Dem Kinde würde ja
jedes Verständnis für die astronomische und mathematische Wissenschaft mit
ihren Grundsätzen, Formeln und Gleichungen fehlen. Und wenn sogar eure
berühmtesten Astronomen viele Jahre gebraucht haben, um die Berechnung einer
einzigen Sternenbahn fertigzustellen, so würdest du einen Menschen, dem alle
Begriffe jeder Wissenschaft fehlen, ins Irrenhaus bringen, sobald du
versuchen wolltest, ihm das für ihn Unbegreifliche beizubringen. So würdest
auch du irrsinnig, wenn ich dein Denken mit Begriffen füllen wollte, die dir
ganz unfaßbar wären und von deinem Verstand nicht verarbeitet werden könnten.
Auch du mußt sagen: ‘Zu wunderbar ist solches Wissen für mich, zu hoch, ich
vermag es nicht zu begreifen‘ (Psalm139,6). Außer dem, was du schon
über Gott weißt, kann ich dir also nicht viel mehr sagen. Dein eigenes Denken
zeigt dir Gott als einen wollenden, schaffenden und alles weise ordnenden
höchsten Geist, zeigt dir seine Allmacht, Weisheit und Größe, soweit sie der
menschlichen Vernunft zugänglich ist. Aus den Heiligen Schriften erfährst du
Näheres über seine Weltregierung, seine Wunderwerke, seine Liebe und sein
Erbarmen mit den Geschöpfen. Ich kann dir die Wahrheiten der Heiligen Schriften
über Gott nur näher erklären und dich auf falsche Auffassungen aufmerksam
machen, die in den Lehren eurer Religionen über Gott und seine Eigenschaften
enthalten sind. Daß Gott ein Geist ist,
darin stimmen die Religionen überein, gemäß den Worten Christi: ‘Gott ist
Geist, und die ihn anbeten, sollen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten‘
(Joh.4,24). Aber darin stimmen sie nicht überein, daß dieser höchste
Geist eine Gestalt hat. Viele meinen, Gestalt sei bloß bei der Materie zu
finden, aber nicht beim Geist. Das ist ein Irrtum. Das Materielle ist ein
Abbild des Geistigen. Und wie alles Materielle Form und Gestalt hat, so auch
alles Geistige, also auch Gott. Es gibt überhaupt nichts Formloses, weder in
der materiellen noch in der geistigen Welt. Schönheit ist Formvollendung,
auch im Reiche des Geistes. Gott ist die vollendetste Schönheit und daher
auch die vollendetste Gestalt. Gott als selbständiges, denkendes und
wollendes Wesen ist Persönlichkeit. Es gibt aber keine Persönlichkeit, kein
‘Ich‘ ohne Form und Gestalt. Gott unterscheidet sich als höchster Geist von
allen geschaffenen Geistern. Eine Unterscheidung ist aber nur dort möglich,
wo Merkmale der Unterscheidung vorhanden sind. Und Merkmale sind nur dort, wo
sich Form und Gestalt findet. Weil Gott Gestalt hat, kann
er von den Geistern geschaut werden. Alle, die zu ihm kommen, werden ihn
sehen, wie er ist, von Angesicht zu Angesicht. Darum bat Mose Gott, doch in
eigener Person mit dem Volke Israel zu ziehen. ‘Wenn du nicht in Person
mitziehst, so laß uns lieber nicht von hier wegziehen.‘ Da antwortete der
Herr: ‘Auch diese Bitte will ich dir erfüllen ‘(2.Mose33,15+17). Weiter bat
Mose: ‘Laß mich doch dein Angesicht schauen!‘ Aber der Herr antwortete: Mein
Angesicht kannst du nicht sehen. Denn ein Mensch, der mich schaut, bleibt
nicht am Leben‘ (2.Mose33,18+20). Gott hat also Gestalt und Angesicht.
Wenn er auch nicht von Menschen geschaut werden kann, so doch vom Geiste. Weil Gott Persönlichkeit
ist und Gestalt hat, ist er nicht in der Weise allgegenwärtig, wie ihr das
auffaßt. Wohl sind ihm alle Dinge und alles Geschehen gegenwärtig durch die
von ihm ausgehende Kraft; denn alles, was existiert, verdankt sein Dasein,
Bestehen und Wirken nur der von Gott ausgehenden Lebenskraft: ‘In ihm leben
wir, bewegen wir uns und sind wir.‘ Durch seine Kraft ist er mit allem
Bestehenden verbunden. Nichts kann sich seinem Einfluß entziehen. Aber als geistige
Persönlichkeit ist er nicht überall. Darum betet ihr ja auch: ‘Vater unser,
der du bist in dem Himmel.‘ - ‘Vom Himmel blickt der Herr herab, sieht alle
Menschenkinder; von der Stätte, da er thront, überschaut er alle Bewohner der
Erde, er, der allen ihr herz gebildet, der acht hat auf all ihr Tun‘
(Ps.33,13-15). - ‘Der Herr schaut aus dem Himmel nach den Menschenkindern, zu
sehen, ob da sei ein Verständiger, der nach Gott frage‘ (Ps.53,3). - Und von
der Wohnung Gottes heißt es: ‘Ein Strom ist da; seine Bäche erfreuen die
Gottesstadt, die heilige Wohnung des Höchsten. Gott ist in ihrer Mitte, sie
wird nicht wanken‘ (Ps.46,5-6,). Was euch die Heilige
Schrift an so vielen Stellen über Gott sagt, ist nicht bloß Bild und
Gleichnis, sondern Wahrheit mit dem Unterschied, daß das, was ihr materiell
unter dem Gesagten versteht, bei Gott geistig ist. Es gibt einen Thron Gottes
und eine Wohnung Gottes. Gott kann sich in Person zu den einzelnen Teilen der
Schöpfung begeben. Es ist Wahrheit, wenn es in der Bibel heißt: ‘Als Gott dann seine
Unterredung mit Abraham beendet hatte, fuhr er zum Himmel empor von Abraham
weg‘ (1.Mose17,22). Du kennst ja die vielen Stellen der Bibel, in denen vom
Kommen und Gehen Gottes die Rede ist. Wie wunderbar die
Weltregierung Gottes eingerichtet ist, vermag ich dir nicht einmal
anzudeuten. Es geht über die Grenze eures Denkens weit hinaus. So könnt ihr
euch kein Bild davon machen, daß bei allen Lebewesen Geister Gottes als
Wächter stehen und über alles Geschehen Bericht erstatten. Darum kann nichts
geschehen ohne Wissen Gottes. Ihr nennt Gott daher den Allwissenden. Und ihr
habt Recht. Nur in einem Punkt geht ihr
bei der Allwissenheit Gottes wieder zu weit, aus Furcht, ihr würdet sonst
Gott etwas von seiner Größe rauben. Ihr lehrt nämlich, daß Gott auch
diejenigen freien Entscheidungen des Menschen wisse, die noch der Zukunft
angehören. Da seid ihr falsch unterrichtet; Gott weiß alles Tatsächliche. Er
weiß das Vergangene und das Gegenwärtige. Er weiß jeden Gedanken. Von dem
Zukünftigen weiß er die Schicksale, die er selbst für die Geschöpfe
festgelegt hat. Aber er weiß nicht das, was in der Zukunft von der freien
Willensentscheidung der geschaffenen Wesen abhängt. Er weiß nicht im voraus,
wie der freie Wille des Geschöpfes in diesem oder jenem Falle sich
entscheiden wird. Darum prüft er ja auch die Geschöpfe. Eine Prüfung wäre aber
überflüssig und zwecklos, wenn Gott ohne Prüfung schon das Resultat der
Prüfung bekannt wäre. Gott aber tut nichts Zweckloses. Auch wäre das
Vorherwissen Gottes bezüglich der zukünftigen freien Entscheidungen der
Geschöpfe nur auf Grund von Gesetzen möglich, die eine Notwendigkeit der
zukünftigen Entscheidung in sich schließen und dadurch die Freiheit der
Willensentscheidung aufheben würden. Es ist ein Widerspruch in sich, daß
etwas frei-gewollt und doch zugleich notwendig eintreten soll. Es würde
notwendig eintreten, wenn Gott es als Tatsache vorausgewußt hätte. Denn auch
das Wissen Gottes unterliegt, wie jedes andere Wissen, ewigen Gesetzen. Für
Gott ist aus demselben Grunde 2 mal 2 gleich 4, wie für jeden anderen Geist.
Ein Wissen, also auch ein Vorauswissen, für das es keinen Anhaltspunkt gibt,
existiert nicht. Auch nicht bei Gott. Denn auch beim Wissen Gottes gilt der
Satz: ‘Nichts ohne Ursache.‘ Wenn Ihr die freigewollten
zukünftigen Entscheidungen der Geschöpfe ein absolut sicheres Vorauswissen
Gottes bestünde, dann müßte ein Grund für dieses Wissen vorhanden sein.
Dieser Grund könnte nur der sein, daß Gott von sich aus die zukünftige freie
Entscheidung des Geschöpfes mit einer solchen Notwendigkeit herbeiführt, daß
sie nicht anders ausfallen kann. Damit wäre aber die Freiheit des Geschöpfes
aufgehoben. Das Nichtwissen der freien
zukünftigen Entscheidungen der Geschöpfe ist nicht ein Mangel in der
Vollkommenheit Gottes, sondern eine notwendige Folge der Freiheit des
Willens, des höchsten Geschenkes, das Gott seinen Geschöpfen geben konnte.
Wie Gott so vieles deswegen nicht kann, weil es ein Widerspruch in sich wäre,
wie er zum Beispiel nicht machen kann, daß 2 mal 2 gleich 5 ist, so kann er
auch kein mit Freiheit begabtes Geschöpf schaffen, dessen freie
Willensentscheidungen von Gott mit absoluter Gewißheit vorausgewußt werden,
die also mit irgendeiner Notwendigkeit erfolgen müßten. Denn Freiheit und
Notwendigkeit einer Entscheidung sind innere Widersprüche. Und absolute
Sicherheit eines Ereignisses ist stets mit einer absoluten Notwendigkeit des
Geschehens verbunden. Diese Wahrheit können eure Religionsgelehrten nicht
umstoßen, mögen sie auch noch so viele Bücher schreiben, die das Gegenteil
lehren. Es sind alles Trugschlüsse,
durch die sie die Mitmenschen irreführen. Es ist ein großer Trugschluß, wenn
sie sagen, für Gott sei alles Gegenwart; für ihn gebe es keine Zukunft, und
alles Zukünftige, auch die freigewollten Taten der Geschöpfe, seien ihm jetzt
schon als Tatsachen gegenwärtig. Und daher wisse er sie. So wenig, wie für euch ein
Haus, das erst in der Zukunft gebaut werden soll, jetzt schon steht,
ebensowenig ist für Gott das zukünftige Geschehen jetzt schon Tatsache. Zudem
liegt es ja gerade in dem Begriff der freien Entscheidungen, daß es fraglich
ist, ob die dadurch herbeizuführenden Geschehnisse überhaupt erfolgen und wie
sie erfolgen. Du weißt, daß ich dir
hierin, wie in allem anderen, die Wahrheit sage. Du hast die zahlreichsten
Beweise bekommen, daß ich ein Geist der Wahrheit bin, der dich belehrt. Ich
habe es dir geschworen bei dem Allerhöchsten, dem wahrhaftigen Gott. Ich
verkleinere durch diese Wahrheit des Nichtvorauswissens der freien
Entscheidungen nicht die Größe Gottes. Aber ihr verunehrt Gott durch die
gegenteilige Lehre, durch die ihr den Menschen einen abschreckenden Begriff
von Gott vor Augen stellt. Denn groß ist die Zahl der
Menschen, die gerade deswegen das Dasein Gottes leugnen, weil sie es nicht
fassen können, daß ein Gott Geschöpfe ins Dasein rufen sollte, von denen er
mit absoluter Sicherheit weiß, daß sie ewig unglücklich werden. Ihr lehrt ja,
wenn auch mit Unrecht, daß die Verdammten ewig verdammt bleiben. Nach eurer
Lehre sollte also Gott Millionen Wesen geschaffen haben, von denen er mit
unabänderlicher Sicherheit wußte, daß sie ewig verdammt würden. Ein solcher Gott wäre kein
Gott, sondern ein Ungeheuer. Auch der verkommenste irdische Vater würde sein
Kind nicht dorthin senden, wo eine nie endende Qual mit absoluter Sicherheit
seiner harret. Und was für einen irdischen Vaterbegriff eine
Ungeheuerlichkeit bedeutet, das sollte im Begriffe Gottes, des unendlich
gütigen Vaters, Wahrheit sein!? Lies doch die Heiligen
Schriften! Sie lehren dich, daß Gott gerade deswegen die Prüfungen schickt,
um durch das Verhalten der Menschen in diesen Prüfungen festzustellen, nach
welchen Richtungen sie sich entscheiden. ‘Der Herr, euer Gott, will euch
nur auf die Probe stellen, um sich zu überzeugen, ob ihr den Herrn, euren
Gott von ganzem herzen und von ganzer Seele liebt‘ (5.Mose13,4). Als Gott manche
Völkerschaften nicht in die Hand des Josua fallen, sondern sie weiter
bestehen ließ, wird in der Bibel auch der Grund angegeben, weshalb er dies
tat. Es heißt dort: ‘Folgendes sind die Völkerschaften, die der Herr
weiter bestehen ließ, um durch sie die Israeliten auf die Probe zu stellen,
nämlich die, welche die sämtlichen Kämpfe um Kanaan nicht mitgemacht hatten:
‘Die fünf Fürsten der Philister, alle Kanaanäer, die Sidonier, die Hewiter...
Durch diese wollte er nämlich Israel auf die Probe stellen, um zu erfahren,
ob sie den Geboten des Herrn gehorchen würden, die er ihren Vätern durch Mose
zur Pflicht gemacht hatte‘ (Richter3,1-4). Von dem gottestreuen König
Hiskia heißt es: ‘Bei Gelegenheit der Gesandtschaft, welche die Fürsten von
Babylon an ihn geschickt hatten, um Erkundigungen wegen des Wunders
einzuziehen, das im Lande geschehen war, verließ ihn Gott, um ihn auf die
Probe zu stellen, damit er seine Gesinnung völlig kennenlernte‘
(2.Chronik32,31). In den Psalmen heißt es: ‘Seine Augen halten
Umschau, seine Wimpern prüfen die Menschenkinder. Es prüft der Herr den
Gerechten und den Gottlosen, und wer Gewalt liebt, den haßt sein Herz‘
(Psalm11,4-5). - Und in den Sprüchen: ‘Der Schmelztiegel ist für das
Silber und der Ofen für das Gold; aber der die Herzen prüft, ist der Herr‘
(Sprüche17,3). Beim Propheten Jesaja heißt es: ‘Wisse wohl: ich habe
dich geläutert, aber nicht als Silber erfunden; ich habe dich geprüft im
Glutofen des Leidens ‘(Jes.48,10). Das in der Bibel erwähnte
Schicksal des Hiob ist ja nichts anderes als eine Probe, durch die Gott
erfahren wollte, wie sich dieser gerechte Mensch im schwersten Leid ihm
gegenüber verhalten würde. Alle Prüfungen, denen die Menschen von Gott
unterworfen werden, wären ja ein Komödienspiel, wenn Gott im voraus wüßte,
wie die Prüfungen ausgingen. Daß Gott, der den Geist
seiner Geschöpfe bis in die tiefsten Tiefen kennt, in vielen Fällen aus
dieser Kenntnis heraus weiß, wie ihre freie Entscheidung mit höchster
Wahrscheinlichkeit ausfallen wird, ist klar. Dieses Wissen haben auch wir
Geister in großem Umfang. Selbst ihr Menschen seid imstande, wenn ihr den
Charakter eines Mitmenschen kennt, mit einer gewissen Bestimmtheit
vorauszusagen, wie er sich in diesem oder jenem Falle verhalten und entscheiden
wird. Es ist dies alles aber bloß ein Mutmaßen. Doch darum handelt es sich
hier nicht, sondern um eine unfehlbare Sicherheit im Vorauswissen einer
Entscheidung, die vom freien Willen abhängt. Und dieses unfehlbare
Wissen besitzt kein Geist. Auch Gott nicht. Darum wußte auch Gott nicht im
voraus, ob von den geschaffenen Geistern einige oder viele zum Abfall kämen
und selbstverständlich auch nicht, welche von diesen Geistern abfallen
würden. Er kannte bloß die Möglichkeit des Abfalls, die ja in dem freien
Willen von selbst gegeben war. Hätte Gott mit Sicherheit
vorausgewußt, wie ihr lehrt, daß von ihm ins Dasein gerufene Geschöpfe unter
Mißbrauch ihrer Freiheit von ihm abfallen würden, so würde er diese überhaupt
nicht geschaffen haben, sondern nur solche, von denen er vorauswußte, daß sie
ihm treu blieben. Weitere Irrtümer der Religionen
über Gott Noch zwei andere große
Irrtümer eurer Religion über den Gottesbegriff will ich hier nur kurz
andeuten, weil eine ausführliche Belehrung darüber bei einer anderen
Gelegenheit gegeben wird. Ihr lehrt einen Gott in
drei Personen. Ihr behauptet also, daß es drei Geister gibt, von denen jeder
wahrer Gott sei und die zusammen doch nur einen Gott ausmachten. Das ist
menschlicher Wahn und die größte Torheit. Es gibt keine Dreifaltigkeit und
keine Dreieinigkeit in dem Sinne, wie ihr es lehrt. Gott ist nur eine einzige
Persönlichkeit. Nur der Vater ist Gott. Alle anderen heiligen Geister sind
Geschöpfe Gottes. Keiner von ihnen ist dem Vater gleich. Ferner lehrt ihr einen ewig
strafenden Gott. Ihr lehrt eine ewige Hölle. Die Hölle ist nicht ewig. Gott
ist die Liebe. Er verstößt kein Geschöpf für immer. Alle, die durch eigene
Schuld von ihm abgewichen sind, kehren auch wieder zu ihm zurück. Das ist die
Wahrheit, für die ich ein andermal den Beweis liefern werde. _______ *
_______ Du
hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet. Denn
deine gewaltige Macht zu betätigen, steht
dir alle Zeit zu Gebote. (Weisheit
11,20-21) Gott ist Geist und alles
was er erschafft, ist Geist. Nach seinem Bilde rief er geistige Wesen ins
Dasein in einer so unermeßlichen Menge, daß ihr keine irdischen Zahlen habt,
mit denen ihr sie auch nur annähernd ausdrücken könntet. Auf welche Weise der
unendlich große und allmächtige Gott die Geisterwelt schuf, kann dir als
Mensch nicht klargemacht werden. Das zu wissen, ist für den Menschen auch
nicht notwendig und von keiner Bedeutung für sein Seelenheil. Es genügt, die
Zusammenhänge kennenzulernen, in denen der Mensch mit der Schöpfung Gottes
steht. Daraus kann er ersehen, weshalb er auf der Erde ist und welche
Aufgaben er in seinem irdischen Dasein zu erfüllen hat. Dazu sollen meine
Belehrungen über die Schöpfung Gottes dienen. Gott schuf die Geisterwelt
nicht auf einmal. Gott ist der große Bildner, der nach unendlich weisen
Gesetzen aus dem Meinen das Große, aus der Einheit die Vielheit, aus dem
Samenkörnchen den Baum mit Billionen Samenkörnchen als Keime neuer Bäume
schafft; der die Familie nicht dadurch bildet, daß er Eltern und Kinder
gleichzeitig ins Dasein ruft, sondern daß er ein Elternpaar erschafft und ihm
die Zeugungskraft verleiht, so daß nach und nach durch Geburt von Kindern die
Familie wächst und aus dieser Familie neue Familien bis ins Unbegrenzte
entstehen können. In derselben Weise ging
Gott bei seiner geistigen Schöpfung vor. Alle Gesetze, die ihr in den
irdischen Welten sehet, sind in der geistigen Welt ebenso vorhanden. Wiederholt habe ich dich
mit allem Nachdruck auf diese Tatsache hingewiesen und muß es immer von neuem
betonen, weil es die Wahrheitsgrundlage für alles Wissen über das Jenseits
ist, ob ihr sie nun annehmt oder mit spöttischem Lächeln als unglaublich von
euch weist. So werdet ihr wohl
ungläubig den Kopf schütteln, wenn ich sage, daß das in der ganzen irdischen
Natur und bei allen Lebewesen vorhandene Gesetz der Verbindung des Männlichen
mit dem Weiblichen auch in der geistigen Schöpfung in demselben Umfang gilt
und gelten muß. Denn die Materie ist ja bloß eine Verkörperung des Geistigen,
also bloß ein anderer Zustand des Geistes, der die geistigen Gesetze nicht
aufhebt, sondern sie bloß in einer der Materie angepaßten Weise wirksam
werden läßt. Wie es daher in der
irdischen Schöpfung männliche und weibliche Wesen aller Gattungen gibt, so
gibt es auch männliche und weibliche Geister in der geistigen Schöpfung. Die
Zahl der männlichen Geister ist dieselbe, wie die der weiblichen. Jedem
männlichen Geist ist ein weiblicher Geist nach Gottes Gesetz zugeteilt. Beide
passen vollkommen zueinander und finden in der gegenseitigen Ergänzung und in
ihrem treuen Zusammenarbeiten an der ihnen von Gott gegebenen Aufgabe ihr
höchstes, persönliches Glück. Solche füreinander
geschaffene Geisterpaare nennt man ‘Duale‘. Das bedeutet so viel wie: ‘Zwei,
die zusammengehören‘. Das sind die Ehen, die im Himmel geschlossen wurden. Von diesem Gesetz der
paarweisen Verbindung des Männlichen mit dem Weiblichen ist bloß Gott
ausgenommen und der als erstes Geschöpf ins Dasein getretene ‘Sohn Gottes‘,
den ihr ‘Christus‘ nennt. („Dualität Christi“ siehe auch die Anmerkung im
Anhang des Herausgebers.) Von allen anderen
geschaffenen Geistern gilt das Wort der Bibel: ‘Mann und Weib erschuf er sie‘
und das andere Wort: ‘Wachset und mehret euch!‘ Christus ist der höchste
Geist, den Gott in seiner Allmacht schaffen konnte. Er ist in allem sein
vollkommenstes Ebenbild, soweit ein geschaffener Geist die Vollkommenheit des
Schöpfers besitzen kann. Darum nennt ihn Paulus mit Recht ‘ein Ebenbild
des unsichtbaren Gottes und den Erstling der ganzen Schöpfung‘ (Kol. 1,15). Christus ist also nicht
Gott, wie viele heute lehren, sondern der als Erster geschaffene ‘Sohn
Gottes‘, sein höchstes und vollkommenstes Geschöpf. Nach Christus traten noch
sechs Geister ins Dasein, die ebenfalls ‘Söhne Gottes‘ genannt werden, die
aber ihr Sein dem himmlischen Leibe nach dem erstgeschaffenen Sohn Gottes
verdanken und diesem an Größe, Macht und Herrlichkeit nicht gleichkommen. Der zweite ‘Sohn Gottes‘
war der, den ihr mit ‘Luzifer‘ bezeichnet: Der Lichtträger, nach Christus der
höchste der geschaffenen Geister, der später von Gott abfiel. Ein anderer der
sieben ‘Söhne Gottes‘ tritt euch in der Geschichte des Tobias entgegen. Dort
gibt sich der als Mensch verkörperte hohe Geist des Himmels, der den jungen
Tobias begleitet hatte, der Familie des Tobias mit den Worten zu erkennen:
‘Ich bin Raphael, einer der sieben Söhne Gottes‘ (Tobias 12,15). Die ganze außer dem
erstgeschaffenen Sohne Gottes ins Dasein getretene Geisterwelt ist nicht eine
direkte Schöpfung Gottes, wie der erste Sohn, sondern durch den
erstgeschaffenen Sohn, dem Gott die Schöpferkraft verlieh, ins Leben
getreten. Darum schreibt Paulus in seinem Brief an die Kolosser: ‘Durch
Christus ist alles geschaffen worden, was im Himmel und auf der Erde ist, das
Sichtbare und das Unsichtbare, Throne wie Herrschaften, Mächte und Gewalten:
Alles ist durch ihn und zu einer Gemeinschaft mit ihm geschaffen worden, und
er steht über allem und alles hat in ihm die Quelle seines Bestehens. ‘(Kol.
1,16-17) Wie das ganze irdische
Menschengeschlecht die Quelle seines leiblichen Bestehens in dem ersten
Menschen hat, so hat die ganze Geisterwelt den Grund ihres leiblichen Daseins
in Christus. Wie die Menschen vom ersten menschlichen Stammvater nur ihren
materiellen Leib durch viele Generationen hindurch überkommen haben, ihr
Geist jedoch jedesmal ohne Mitwirkung der Zeugenden mit dem Körper vereinigt
wird, so haben auch die himmlischen Wesen ihren himmlischen Leib dem Erstling
der himmlischen Schöpfung, dem ersten Gottessohn zu verdanken, während ihr
Geist, als von Gott kommend, jedesmal von Gott aus mit dem himmlischen Körper
vereinigt ward. Die Unterscheidung zwischen
‘himmlischen Leibern‘ und ‘irdischen Leiber‘ ist dir ja aus meinen früheren
Erklärungen verständlich. Bei den jenseitigen Wesen ist der Leib in geistiger
Form vorhanden. Darüber belehrt euch Paulus in seinem ersten Brief an die
Korinther: ‘Es gibt himmlische Leiber und irdische Leiber; aber anders ist
die äußere Erscheinung der himmlischen, anders die der irdischen Leiber ...
So gut es einen materiellen Leib gibt, gibt es auch einen geistigen.‘
(15,40-44) Der Geist empfängt in dem,
was man ‘Odleib‘ nennt, seine Gestaltung. Der Geist selbst ist ein Funke
Gottes, der je nach der Hülle leuchtet, der er einverleibt wird. Es ist dies
zwar nur ein Bild; aber anders als in unvollkommenen Bildern kann euch
Menschen das Geistige nicht verständlich gemacht werden. Wie ihr in der irdischen
Schöpfung die mannigfachsten Gattungen und Arten der Lebewesen habt, höhere
und niedere, abr jede Gattung und Art in sich und in bezug auf die von ihr zu
erfüllende Aufgabe etwas Vollkommenes ist, so waren auch die Geister, die
Gott in den himmlischen Leibern zu Einzelwesen gestaltete, in einer
herrlichen Vielheit der Gattungen und Arten vorhanden. Ihr selbst
unterscheidet ja nach der Bibel in der Geisterwelt Cherubinen, Seraphinen,
Erzengel, Engel, Herrschaften, Mächte und Fürstentümer. Die Einheit der geschaffenen
Geister Die durch Christus und zu
einer Gemeinschaft mit ihm geschaffene Geisterwelt war zu einem wunderbaren
lebendigen Organismus vereinigt, in dem alle Geister die Glieder einer
geistigen Gemeinschaft waren, verschieden in ihrer Art und Vollkommenheit. So wie die Glieder eines
irdischen Leibes trotz der Verschiedenheit ihrer Gestaltung und ihrer
Aufgaben doch zusammen ein organisches Ganzes bilden, an dem kein Glied
überflüssig und kein Glied für sich selbst da ist, so bildete auch die
Geisterschöpfung einen geistigen Leib mit Christus als Haupt und der übrigen
Geisterwelt als Glieder. In einem wohlgeordneten
irdischen Reich bildet der König als Haupt der Nation zusammen mit seinen
Ministern, seinen höheren und unteren Beamten und der Gesamtheit der
Untertanen eine einzige große Familie, in der alle an dem Wohl des Ganzen
arbeiten und wo vom Wohl des Ganzen auch das Wohl des Einzelnen abhängt. So
auch in der großen Geisterfamilie. Jeder Geist hatte die ihm
eigene Aufgabe, hohe oder minderhohe, aber alle waren zu einer großen,
herrlichen Einheit zusammengefaßt, in welcher kein Geist überflüssig war und
der einzelne Geist nicht für sich wirkte, sondern mit den anderen zusammen an
der wunderbaren Aufgabe, welche die Schöpfung Gottes zu erfüllen hatte. Sie sollte teilnehmen am
Wirken Gottes und infolgedessen an all dem Glück und der Schönheit dessen,
der sie ins Dasein gerufen, an der Herrlichkeit Gottes und Christi, als dem
von Gott bestimmten König. Darum kommt der Apostel
Paulus in seinen Briefen immer wieder auf ‘das Geheimnis des Leibes Christi‘
zu sprechen. ‘Wie wir an einem Leibe viele Glieder besitzen, die Glieder aber
nicht alle dieselbe Verrichtung haben, so bilden wir viele alle zusammen
einen Leib in Christus. Im Verhältnis zueinander aber sind wir Glieder, doch
so, daß wir Gaben besitzen, die nach der uns verliehenen Gnade verschieden
sind‘ (Römer12,4-6). - Daß wir in allem zunehmen in ihm, der das Haupt ist,
Christus; in ihm ist der ganze Leib zusammengefügt und vereint durch
jegliches Band der Mithilfe nach der einem jeglichen Gliede zugemessenen
Wirksamkeit, und dadurch erhält er sein Wachstum‘ (Epheser4,15-16). -
‘Christus ist das Haupt, von welchem der ganze Leib, durch Band und Fuge
zusammengehalten und vereint, Wachstum hat zum Gedeihen in Gott‘ (Kol.2,19).
Diese große Gemeinschaft der Geister nennt Paulus auch ‘Kirche‘. ‘Christus
ist das Haupt des Leibes - der ‘Kirche“ (Kol. 1,18). - ‘Gott hat alles
geordnet unter seine Füße und ihn gesetzt zum Haupt über die gesamte Kirche
welche sein Leib ist und die Fülle dessen, der alles in allein erfüllt‘
(Epheser1,22-23). Die ‘Kirche‘ ist also die
Gemeinschaft der gottestreuen Geister unter dem Königtum Christi. Das Wort
‘Kirche‘ bedeutet ‘Herrschaft des Herrn‘. Wer sich dieser Herrschaft und
dadurch Gott unterstellt, gehört zur ‘Kirche‘. Der richtige Begriff ‘Kirche‘
hat also mit euren irdischen Kirchen und religiösen Gemeinschaften nichts
gemein. Das alles ist Menschenwerk, aus menschlichen Irrungen entstanden und
vergänglich, wie alles Menschliche. Der Abfall eines Teils der
Geisterwelt Das, was Paulus als den
‘geistigen Leib Christi‘ schildert, war bei der Geisterschöpfung vollkommene
Wirklichkeit. Alle Geistwesen, die ins Dasein traten, waren Geister des
großen Geisterorganismus und Christus als dem Haupte untergeordnet. Sie
unterstanden keinem Zwang. Sie hatten ihre volle Freiheit. Was sie taten,
geschah aus freier Entscheidung ihres Willens. Alle waren Christus als ihrem
König und Statthalter Gottes und dadurch Gott selbst in Treue zugetan. Ein
inniges Band der Liebe umschlang diese große Geisterfamilie. Das Regieren
Christi als Beauftragter Gottes war nicht ein Thronen als Herrscher, sondern
vielmehr ein Geleiten in brüderlichem Schutze. Es war die schützende Hand des
Stärkeren über den Schwächeren. Der freie Wille, der als
höchstes Geschenk des Schöpfers den Geistern zuteil geworden war, gab ihnen
freilich auch die Möglichkeit, sich den Anordnungen ihres von Gott gesetzten
Königs zu widersetzen. Von allen geschaffenen Geistern - außer dem ersten
Sohne Gottes - gilt das Wort der Heiligen Schrift: ‘Seinen Dienern kann
der Schöpfer nicht trauen und seinen Engeln legt er Mängel zur Last
‘(‘Hiob4,18) - und das andere Wort: ‘Bedenke doch: Selbst seinen
heiligen Engeln kann er nicht trauen, und der Himmel ist nicht rein in seinen
Augen‘ (Hiob15,15). Und doch sind es heilige
Geister, solange sie die Herrschaft Gottes und Christi über sich anerkennen
und sich nicht durch Abfall von dem Reiche Gottes trennen. Leider kam die Trennung
eines großen Teiles der Geisterwelt von dem Reiche Gottes durch Auflehnung
gegen das Königtum Christi. Es war nicht, wie ihr lehrt, eine direkte
Auflehnung gegen Gott selbst, sondern gegen den von ihm eingesetzten
Statthalter. Es war die erste
Revolution. Ihr könnt euch die Vorgänge nicht menschlich genug vorstellen.
Sie waren dieselben, wie sie bei euren irdischen Revolutionen eintreten. Denn
auch bei euren Revolutionen sind es ja nicht die materiellen Körper der
Revolutionäre, welche die Pläne zum Aufstand schmieden und zur Ausführung zu
bringen suchen, sondern die Geister der irdischen Menschen. Und wenn ihr das
Entstehen und den Verlauf menschlicher Revolutionen in ihren Einzelheiten
verfolgt, dann habt ihr auch ein der Wahrheit sehr nahekommendes Bild von der
ersten Revolution im Geisterreich Gottes. Alle Revolutionen werden von
langer Hand vorbereitet. Sie entstehen nicht plötzlich. Sie gehen von einem
Rädelsführer aus, der eine möglichst große Anzahl Gleichgesinnter auf seine
Seite bringt, sie in seine Pläne einweiht und ihnen für den Fall des
Gelingens hohe Ämter und Machtstellungen als Belohnung in Aussicht stellt.
Die in den Plan Eingeweihten bearbeiten, zuerst in vorsichtiger Weise, dann
immer offener die große Masse des Volkes, ohne die eine Revolution nicht
möglich ist. Diese Masse der sogenannten
Mitläufer, die bei den irdischen Revolutionen toben und schreien, wissen
gewöhnlich gar nicht, worum es sich eigentlich handelt. Sie laufen mit, weil
auch andere mitlaufen; sie schreien, weil auch andere schreien. Sie sind daher auch bei
weitem nicht so schuldig, wie die Rädelsführer, die ihren Plan in seiner
ganzen Tragweite reiflich überlegt und in allen Teilen gründlich vorbereitet
haben. Sie wissen genau, was sie wollen. Darum trifft sie auch nach euren
menschlichen Gesetzen die schwerste Strafe, während die Masse der Mitläufer
viel milder beurteilt und behandelt wird. Der Rädelsführer bei der
Revolution im Geisterreich Gottes war Luzifer, der zweite Sohn des
Allerhöchsten, der Lichtträger, der nach Christus höchste und schönste Geist
der Schöpfung Gottes. Und was wollte er? - Er wollte höher hinaus. Er wollte
als erster regieren und nicht als zweiter unter der Leitung eines anderen
stehen. Er wollte an die Stelle Christi treten und an seiner statt König
sein. Er wollte den Bruder stürzen. Dieser Plan kam auch bei
ihm nicht plötzlich. Er reifte nur nach und nach in ihm heran, bis er als
fester Entschluß und dadurch als vollendete Sünde diesen hohen Geist
befleckte. Gott griff nicht ein, um die Auflehnung im Keime zu ersticken und
mit Gewalt zu verhindern, wie er es gekonnt hätte. Er läßt dem freien Willen
der Geschöpfe seinen Weg, wie er ja auch bei euch Menschen nicht eingreift,
sobald ihr Frevel plant und eure Vorbereitungen zur Ausführung trefft. Er ließ Luzifer und seine
Miträdelsführer ruhig arbeiten und hinderte sie nicht in ihren Bemühungen,
sowohl hohe, leitende Geister zu betören, als auch die Massen der Mitläufer
durch Versprechungen zu verlocken. Es war die große Probe, auf die Gott die
ganze geschaffene Geisterwelt stellen wollte. Mit freiem Willen sollte sie
sich entscheiden, ob sie auf der Seite Christi als dem von ihm eingesetzten
rechtmäßigen König bleiben oder zu Luzifer übertreten wollte. Zu den Mitläufern, die sich
in allen Geisterstufen in größerer Anzahl vorfanden, gehörte auch ein
Geisterfürst, der in eurer Bibel als Mensch den Namen Adam führt. Solche
Geisterfürsten gab es unzählige im Geisterreich Gottes. Große Geisterscharen
waren den einzelnen Fürsten unterstellt. Auch bei Adam war dies der Fall.
Viele dieser Fürsten halfen als Miträdelsführer dem Luzifer die Revolution
vorbereiten. Andere, darunter auch Adam, gehörten mit mehr oder weniger
großen Scharen ihrer Untergebenen zu den Mitläufern. Da kam die Stunde, wo
Luzifer und sein Anhang stark genug zu sein glaubten, die Herrschaft im
Reiche der Geister an sich zu reißen, zumal auch ein großer Teil des
Streitheeres Michaels mit ihm gemeinsame Sache machte. Auch bei euren
irdischen Revolutionen legt man den größten Wert darauf, das Heer für die
revolutionären Ideen zu gewinnen. Das war auch Luzifer in großem Umfang
gelungen. Ein solches Streitheer war gewissermaßen als stehendes Heer von
vornherein von Gott vorgesehen für den Fall, daß es einmal benötigt würde. So
habt ihr ein stehendes Heer, um für den Fall irgendeiner drohenden Gefahr
gerüstet zu sein. Die Strafe für die Abgefallenen Als nun der Kampf begann
und sich die Scheidung der Geister für oder gegen Christus vollzogen hatte,
griff Gott ein. Die Prüfung war vorüber. Der innere und äußere Abfall war
vollendete Tatsache. Nun folgte die Strafe. Fürst Michael erhielt den Befehl,
mit den treugebliebenen Legionen seines Streitheeres die Rebellen zu stürzen.
Mit Gottes Kraft ausgerüstet, führte er den Befehl aus. Furchtbar war das
Schicksal, das zunächst den einstigen Lichtträger und die mit ihm vereinten
Miträdelsführer traf. Sie wurden in die tiefsten Sphären der Schöpfung
verwiesen, von deren Finsternis und ihren Schrecken ihr euch auch nicht ein
annäherndes Bild machen könnt. Auch vermag ich dir nicht zu erklären, wie
diese Tiefen der Finsternis aufzufassen sind nach dem wirklichen Begriff des
Seins. Das gilt ja auch von eurer irdischen Finsternis. Ihr erfahret zwar,
daß dort Finsternis eintritt, wo das Licht vollständig schwindet. Und je mehr
das Licht schwindet, um so größer ist die Finsternis. Sie entsteht also durch
Entziehung des Lichtes. Aber worin sie besteht, dafür fehlen euch die
Begriffe. Ferner wißt ihr ebenfalls
aus Erfahrung, daß alle Farben zusammengemischt das Weiß ergeben und daß im
Lichtstrahl alle Farben enthalten sind; daß ferner das Schwarz nichts anderes
als das Fehlen aller Farben ist. Übertrage diese eure menschliche Erfahrung
auf den Ausschluß der gefallenen Geisterwelt aus dem Bereich jeglichen
Lichtes und dadurch auch jeglicher Farbe, und du ahnst, wie undurchdringlich
diese Finsternis sein muß, wenn du auch nicht weißt, was die Finsternis ihrem
Begriff nach ist. Die Heiligen Schriften
kommen öfters auf diesen Geisterkampf und den Sturz der Bösen zu sprechen.
Christus selbst sagt: ‘Ich sah den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel
herabgestürzt‘ (Luk10,18). - Und der Apostel Johannes sah in einer Vision
den Kampf Michaels und seiner Legionen gegen Luzifer. ‘Es erhob sich dann
ein Kampf im Himmel. Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen, und
der Drache und seine Engel setzten sich zur Wehr. Doch gewannen sie den Sieg
nicht, und ihres Bleibens war nicht länger im Himmel‘ (‘Offenb.12,7-8). -
Petrus schreibt: ‘Gott hat nicht einmal gegen gefallene Engel Schonung
geübt sondern sie in die Unterwelt hinabgestoßen, hinein in die Höhlen der
Finsternis, wo sie so lange festgehalten werden, bis sie sich wieder zu Gott
wenden‘ (2.Petrus2,4,). Die Schilderung der
Geisterschöpfung und des Abfalles eines Teiles der Geisterwelt war in
ähnlicher Weise, wie ich sie hier wiedergegeben, auch als erster Bericht in
der Urbibel enthalten. Später wurde er daraus entfernt. Bei dem Abfall eines großen
Teiles der Geisterwelt erhebt sich für euch Menschen mit Recht die Frage: Wie
war es denn überhaupt möglich, daß hohe und glückliche Geister Gottes fallen
konnten? Der Grund ist bei jenen Geistern derselbe gewesen, der auch bei
eurem Geist so oft als Ursache eurer Fehltritte zu finden ist: Das Streben
nach Mehr. Wer viel hat, möchte immer
noch mehr haben. Und wessen Macht groß ist, der möchte sie noch gesteigert
sehen, selbst auf die Gefahr hin, mit einem Schlage alles zu verlieren. Seht
ihr das nicht bei den Großen in der Geschichte der Menschheit und bei den
Kleinen im täglichen Leben? Mit ergreifenden Worten
schildert Hesekiel im Auftrag Gottes in einem Klagelied auf den König von
Tyrus den Grund seines Abfalles als Geist bei der großen Geisterrevolution
unter Luzifer: ‘Der du das Bild der Vollkommenheit warst, voll von
Weisheit und vollkommen an Schönheit. In Eden, dem Garten Gottes, befandest
du dich. Allerlei Edelsteine bedeckten deine Gewandung: Karneol, Topas, und
Jaspis, Chrysolith, Betyll und Onyx, Saphir, Rubin und Smaragd. Aus Gold
waren deine Einfassungen und Verzierungen an dir gearbeitet; am Tage
deiner Erschaffung wurden sie bereitet. Du warst ein gesalbter Cherub, der da
schirmt; ich hatte dich dazu bestellt. Auf dem heiligen Gottesberge weiltest
du, inmitten feuriger Steine wandeltest du. Unsträflich warst du in all
deinem Tun vom Tage deiner Erschaffung an, bis Verschuldung an dir gefunden
wurde. Infolge deines regen Verkehrs (mit Luzifer) füllte sich dein Inneres
mit Frevel. Und als du dich versündigt hattest trieb ich dich vom Gottesberge
weg und verstieß dich, du schirmender Cherub, aus der Mitte der feurigen
Steine. Dein Sinn war hochfahrend geworden infolge deiner Schönheit, und du
hattest deine Weisheit außer acht gelassen um deines Glanzes willen. Darum
stürzte ich dich auf die Erde hinab ... Infolge der Menge deiner
Verschuldungen durch die Untreue deines Tuns hast du deine Heiligtümer entweiht.
Darum habe ich ein Feuer aus deiner Mitte hervorgehen lassen, das dich
verzehrt hat und habe dich zum Staub auf der Erde gemacht vor den Augen
aller, die dich sahen. Ein Ende mit Schrecken hast du genommen und bist dahin
für unabsehbare Zeiten‘ (Hes.28,11-19). ‘Dein Sinn war hochfahrend
geworden‘ - mit diesen Worten ist die Ursache des Abfalles der Geisterwelt am
Richtigsten wiedergegeben. Das ‘Ich will nicht dienen, ich will herrschen‘
hat den Sturz herbeigeführt. Das Paradies als geistige Sphäre Und was geschah mit der
großen Zahl der Mitläufer? Sie waren ja bei weitem nicht so schuldig, wie die
Schar der Rädelsführer. Gott straft nur nach dem Maße der Schuld. Es wäre
daher Unrecht gewesen, wenn Gott sie zusammen mit Luzifer in dieselbe Tiefe
der Finsternis geworfen hätte. Gott verfuhr mit ihnen sehr
gnädig. Eine verhältnismäßig geringe Strafe legte er ihnen auf. Er schloß sie
zwar aus der bisherigen Herrlichkeit aus, versetzte sie aber in eine Sphäre,
die ihr für den Himmel ansehen würdet, wenn ihr sie sehen könntet. Sie ist
zwar nicht in Vergleich zu setzen mit der Herrlichkeit, welche die Mitläufer
vorher im Reiche Gottes besaßen, aber doch so, daß ihr den Begriff des
Paradieses damit verbindet. Denn die Sphäre, in die sie versetzt wurden, ist
das Paradies eurer Bibel. Es war also nicht auf
dieser Erde, wie ihr es auslegt. Denn eine materielle Welt gab es damals noch
nicht. Die biblische Schilderung des Paradieses als eines schönen Gartens mit
Flüssen, Bäumen, Blumen und Früchten hat euch veranlaßt, es auf eure Erde zu
verlegen. Ihr wißt nichts davon, daß es auch in den jenseitigen Sphären alles
das in geistiger Form gibt, was ihr auf eurer Erde in materieller Form vor
euch seht. Dort gibt es Gestalten, Wohnungen, Flüsse, Bäume, Sträucher,
Blumen, Früchte, Speise und Trank, Gold und Edelsteine, Berge und Täler,
Musik und Gesang, Wohlgerüche, Farben und Töne. An vielen Stellen der
Heiligen Schrift findest du meine Angaben bestätigt. Darin wird euch die
Stadt Gottes geschildert mit ihren Mauern und Toren, den Wassern, die da
fließen, und den Blumen, die da blühen, und all den Kostbarkeiten, die das
Herz erfreuen können. Ihr meint, daß sei bloß bildlich zu verstehen. Es ist
kein Bild, sondern Wirklichkeit. Hat nicht Christus selbst
gesagt: ‘In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre,
würde ich es euch nicht gesagt haben. Denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu
bereiten. Und wenn ich hingegangen bin und euch eine Stätte bereitet habe,
dann komme ich wieder und will euch zu mir nehmen, damit da, wo ich bin, auch
ihr seid‘ (Joh.14,2-3)? Hat ferner Christus nicht gesagt: ‘Ich werde von nun
an von dem Erzeugnis des Weinstockes nicht mehr trinken, bis zu jenem Tage,
an dem ich es neu trinke im Reiche meines Vaters ‘(Markus14,25)? - Und hatte
nicht schon im Alten Bunde der Engel Raphael zu Tobias gesagt: ‘Ich genieße
eine unsichtbare Speise und einen Trank, den Menschen nicht sehen können‘
(Tobias12,19)? - Ist ferner nicht in der Schilderung des abgefallenen Cherub
beim Propheten Hesekiel ausdrücklich seine herrliche Geistergewandung
erwähnt, besetzt mit Edelsteinen und mit Gold verziert, in die jener hohe
Geist vor seinem Sturz gekleidet war? Habe ich dich nicht bei der Lehre über
das Od eingehend darüber unterrichtet, daß jeder Geist einen Odleib als
geistigen Leib besitzt und daß die irdischen Leiber nur eine Verdichtung der
Odleiber sind? Die vollkommenste Form des
Ods ist also nicht die zur Materie verdichtete, sondern die geistige. Nicht
der materielle Leib ist der schönste, sondern der geistige. Nicht der
materielle Edelstein ist der prachtvollste, sondern der geistige. Nicht das
materielle Gold das wertvollste, sondern da geistige. Denn Gold und
Edelsteine sind sowohl in materieller, als auch in geistiger Form nichts
anderes als wunderbar zubereitetes Od, das in dem einen Falle in
verdichtetem, im anderen Falle in unverdichtetem Zustand sich befindet. Das mag euch schwer
verständlich erscheinen, weil ihr in euren Begriffen ganz auf das Materielle
eingestellt seid. Von geistigen Zuständen habt ihr keine Vorstellung. Auch
hat man euch von Jugend auf nicht darüber belehrt. Die Hellseher jedoch, die
mit geistigen Augen das Geistige schauen können, verstehen das Gesagte
vollkommen. Sie verstehen auch die Schilderung des Paradieses mit seinen Bäumen,
Pflanzen, Früchte und Flüssen als eine geistige Sphäre. Auch was du im Traume
erlebst, siehst und hörst, nimmst du nicht in materieller Weise war, sondern
alles dies steht in geistiger Form und Gestaltung vor dem Träumenden. Die Prüfung der Geister im Paradies In diese geistige Sphäre
des Paradieses wurden also die Mitläufer der Geisterrevolution versetzt. Aber
nicht bloß zur Strafe, sondern auch zur erneuten Prüfung. Es war ein Akt der
Gerechtigkeit und Güte Gottes, daß er diesen Geistern nochmals Gelegenheit
gab, ihren aus Schwäche begangenen Fehltritt durch Bestehen einer Probe
wieder gutzumachen. Sie waren Mitläufer, und
ihre Sünde war nicht der Bosheit ihrer Gesinnung entsprungen. Sie war in
schwacher Stunde durch den Verführer in sie hineingetragen worden. Äußerlich
hatten sie die Lossagung vom Königtum Christi mitgemacht. Aber ihrer
Gesinnung nach waren sie halb auf seiten Christi und halb auf seiten
Luzifers, wie das ja auch heute noch bei so vielen Menschen der Fall ist. Sie
hinkten gewissermaßen nach zwei Seiten. Die Gerechtigkeit Gottes aber
verlangte eine endgültige Stellungnahme auch in ihrer Gesinnung. Er versetzte sie daher mit
der Verweisung in die Paradiessphäre in eine ‘neutrale Zone‘. Hier sollten
sie sich entscheiden. Die Entscheidung wäre ihnen nun nicht schwer gefallen,
wenn sie noch dieselben geistigen Fähigkeiten in dem vollen Maße besessen
hätten, wie sie ihnen vorher im Reiche Gottes beschieden gewesen. Das war
jedoch nicht der Fall. Denn, wie ich dir in der Odlehre mitteilte, hat jede
Gegensätzlichkeit eines Geistes zu Gott auch eine Änderung des geistigen
Odleibes zur Folge. Dieser wird getrübt, verliert die reine geistige
Gestaltung und erhält eine größere Verdichtung. Diese schwächt nicht nur die
Erkenntnis, sondern nimmt dem Geist vor allem die Erinnerung an das frühere
Dasein. Daher konnten sich die
Geister in der Paradiessphäre nicht mehr der Herrlichkeit erinnern, die sie
vor ihrem Abfall im Reiche Gottes besaßen. Sonst wäre ja auch eine Prüfung
dieser Geister im Paradies unmöglich gewesen. Denn eine Rückerinnerung an den
früheren Zustand des Glückes und der Vergleich mit dem jetzigen hätte sie
keine Sekunde schwanken lassen, für wen sie sich entscheiden wollten. Aber
weder die verlorene Herrlichkeit, noch der erfolgte Geisterkampf, noch ihr
eigener Abfall bei diesem Kampf war ihnen bekannt. Sie kannten bloß ihr
jetziges Dasein, so wie ihr Menschen auch bloß euer jetziges Leben kennt und
keine Rückerinnerung mehr an eure früheren Daseinsstufen habt, so daß die
meisten Menschen glauben, sie seien bei ihrer jetzigen menschlichen Geburt
zum ersten Mal ins Leben getreten. Weder von dem früheren Weilen bei Gott,
noch von den darauf folgenden irdischen Verkörperungen ihres Geistes wissen
sie etwas. Nur bei Wenigen besteht noch eine dunkle Ahnung, daß sie schon
früher einmal gelebt haben. Die Prüfung, welche die
Geister im Paradies zu bestehen hatten, bestand darin, daß Gott ihnen etwas
verbot, was sie nicht begreifen konnten. Die Bibel stellt diese Verbot dar
unter dem Bilde einer verbotenen Frucht. Das Verbot galt für alle Mitläufer,
die wie Adam gefallen und mit ihm in der gleichen Sphäre weilten und mit
demselben Odleib umkleidet waren. Um diese Geister bemühten sich nun sowohl
die gottestreuen Scharen des Himmels, als auch die finsteren Mächte der
Tiefe; die ersteren suchten sie zur Standhaftigkeit und zur Einhaltung des
göttlichen Verbotes zu bewegen; die letzteren scheuten keine Mühe, ihnen
durch die verlockendsten Vorspiegelungen die Mißachtung jenes Verbotes als
das Beste erscheinen zu lassen. Es war der Kampf, der auch
heute noch um jeden Menschen tobt. Auf der einen Seite die Einflüsterungen
des Bösen, das zum Übertreten des göttlichen Gesetzes reizt und die Sünde als
vorteilhaft erscheinen läßt. Auf der anderen Seite die innere Stimme des
Guten, die warnt und mahnt, dem Bösen nicht nachzugeben. Der Mensch selbst
hat zu entscheiden, wem er folgen will. Die Entscheidung und ihre Folgen Und wenn ihr in eurem
menschlichen Leben die große Masse des Volkes für eure Zwecke gewinnen wollt,
dann sucht ihr zuerst vor allem diejenigen Persönlichkeiten auf eure Seite zu
bringen, die beim Volke im Ansehen stehen und deren Urteil und Tun für die
breite Masse ausschlaggebend zu sein pflegt. So geschah es auch bei den
Scharen in der Sphäre des Paradieses. Unter ihnen ragte Adam, der ehemalige
hohe Himmelsfürst, infolge seiner großen geistigen Fähigkeiten besonders
hervor. Es war daher natürlich, daß seine Stellungnahme zu dem Verbot Gottes
auch für die übrigen Geister des Paradieses ausschlag-gebend werden konnte.
Darum machte sich das Böse in erster Linie an ihn heran, um ihn zu Fall zu
bringen. Es bediente sich dazu des weiblichen Geistes, der Adam als Dual
beigegeben war und den eure Bibel ‘Eva‘ nennt. Eva fiel den Verlockungen des
Bösen zum Opfer und brachte auch Adam zum Abfall. Diesem Beispiel folgten nun
alle die Geisterscharen, die in der Sphäre des Paradieses weilten. Durch diesen zweiten Fall
in Sünde wurden Adam und die übrigen Mitläufer das Eigentum des Bösen und
standen mit Luzifer auf fast gleicher Stufe. Aus den Sphären des Paradieses
sanken sie in die Tiefen der Finsternis hinab. Luzifer war nunmehr auch
der Fürst dieser Geister. In seinem Reich war er selbstständiger Herrscher.
Zwar unterstand auch er der Macht Gottes und konnte insofern nicht tun, was
er wollte, aber die Ausübung seiner Herrscher-rechte über diejenigen, die
freiwillig seine Untertanen geworden waren, schmälerte Gott ihm nicht. Es war
eine furchtbare Folge der Gerechtigkeit Gottes, daß Luzifer diejenigen als
sein Eigentum behalten durfte, die zu ihm übergetreten waren. Für sie gab es
also kein Entrinnen mehr. Selbst wenn ihnen nachträglich ihr Abfall zum Bösen
leid tat, so konnten sie nicht mehr zurück. Sie hatten sich dem Herrscher der
Hölle für immer verschrieben. Das ist der Schuldbrief,
auf den Paulus in seinen Briefen zu sprechen kommt, und von dem er sagt, daß
er ein ‘unübersteigbares Hindernis‘ für die Rettung der Gefallenen bedeutet.
In euren irdischen Staaten ist es ja nicht anders. Ist einer Untertan eines Reiches
geworden, so hat er sich der Regierung dieses Landes zu fügen. Ohne ihre
Erlaubnis kann er das Land nicht verlassen. Und ist es mit einem anderen
Reich im Kriegszustand, so wird die Erlaubnis zum Übertritt zum Feind nie
gegeben. So auch im Reiche Luzifers. Es ist beständig im Kriegszustande gegen
das Reich Gottes. Darum war es ausgeschlossen, daß Luzifer einem seiner
Untertanen je die Erlaubnis geben würde, wieder zum Reiche Gottes
zurückzukehren. Ein anderes Beispiel. Wer freiwillig in die Fremdenlegion
eintritt, wird darin festgehalten. Er mag seinen Eintritt nachträglich
tausendmal bereuen, er mag weinen und wehklagen über das, was er dort
durchmachen muß - es hilft ihm nichts. Er untersteht dort einem harten
Regiment, das kein Erbarmen kennt. Er muß bleiben. Und sucht er zu fliehen,
so wird er von den Legionären eingeholt und zurückgebracht, und sein Los wird
noch furchtbarer. Es führt keine Brücke hinüber zu dem Vaterland und der
Heimat, die er durch eigene Schuld verlassen hat. Eine solche Fremdenlegion
ist Satans Reich. Wer bei ihm eintrat, konnte nicht mehr zurück. Es gab keine
Brücke, die über die abgrundtiefe Kluft führte, die sich zwischen der
Fremdenlegion der Finsternis und dem Reiche Gottes aufgetan hatte. Diese
Brücke wurde erst später durch die Erlösung Christi gebaut. Darum läßt
Christus in dem Gleichnis von dem reichen Prasser und dem armen Lazarus
dieselbe Wahrheit durch den Mund Abrahams aussprechen: ‘Und zu alledem ist
zwischen uns und euch eine große Kluft festgelegt, damit die, welche von uns
zu euch hinüberwollen, es nicht können und man auch von dort nicht zu uns
herüberkommen kann‘ (Lukas16,26). Ein drittes Beispiel.
Betrachte das Schicksal eines Soldaten, der im Kriege sein eigenes Heer
verläßt und zum Feinde übergeht. Er mag nachher seine Fahnenflucht bitter
bereuen und sich noch so sehr in sein Vaterland zurückzusehen - der Feind
gibt ihn nicht frei. Nun habe ich dich in meinen
Belehrungen bis zu dem Punkte geführt, wo sich zwei Reiche in
unüberbrückbarem Gegensatz zueinander befinden. Das Reich der von Gott
Getrennten oder das ‘Totenreich‘ - und das Reich Gottes. Das Reich der
Finsternis gegen das Reich des Lichtes. Das Königtum Luzifers gegen das
Königtum Christi. Hier Luzifer - dort Christus. Aber Gott liebt alle seine
Kinder, auch die vom Vaterhaus durch eigene Schuld getrennten. Und wie er sie
geschaffen hatte durch die Vermittlung seines Sohnes und sie als geistige
Glieder dem Leibe Christi eingepflanzt hatte, so wollte er die abgetrennten
Glieder auch wieder mit dem geistigen Leibe seines Sohnes vereinigen - ‘jene
nämlich, die nicht in ihrem Abfall verbleiben, sollen wieder eingepfropft
werden; Gott hat ja die Macht sie wieder einzupfropfen‘ (Römer11,23). Doch das Wiedereinpflanzen
der abgerissenen Zweige in den Baum des Lebens, das Wiedereinverleiben der
abgefallenen Glieder in den lebensspendenden Organismus des Leibes Christi
konnte nur durch freie Willensentscheidung der getrennten Geister erfolgen.
Gott hatte ihnen freien Willen gegeben. Mit freiem Willen waren die einen als
Rädelsführer, die anderen als Mitläufer bei dem Geisterkampf in die Reihen
der Empörer getreten. Die Mitläufer waren bei der erneuten Prüfung in der
Sphäre des Paradieses mit freiem Willen zum zweitenmale gefallen. Sie sollten
sich auch mit freiem Willen wieder erheben und ins Vaterhaus zurückkehren. Doch das schien unmöglich.
Zunächst mußte eine Rückkehr Luzifers und seiner Miträdelsführer als
ausgeschlossen gelten. Denn gestürzter Hochmut verwandelt sich in verstockte
Bosheit, die lieber unglücklich bleibt, als daß sie sich verdemütigt. Die als
einstige Mitläufer verführten Geisterscharen unterschieden sich zwar in ihrer
Gesinnung auch jetzt noch wesentlich von ihren Beherrschern, aber sie sahen
keine Hoffnung auf Rettung aus der Tiefe. Und wo die Hoffnung auf Rettung
fehlt, da fehlt auch jeder Wille, sie herbeizuführen. Und wo dieser Wille
fehlt, da wird auch nichts unternommen, was den Weg zur Rettung anbahnen
könnte. Aber auch selbst wenn sie
den Willen zur Rückkehr gehabt hätten, so lag ein unübersteigbares Hindernis
in dem Herrscherrecht Luzifers über diese Geister, das auch Gott ihm nicht
schmälern durfte, weil er es ihm eingeräumt hatte. ‘Doch Gottes Wege sind
wunderbar und seine Weisheit kennt die Mittel, die zum Ziele führen: Du
verfährst schonungslos gegen alles, weil es dein Eigentum ist, o Herr, du
Freund alles Lebens. Denn dein unvergänglicher Geist ist in allem‘
(Weisheit11,26 -12,1). Nach dem Abfall der Geister legte daher Gott den
Plan fest, nach dein er die von ihm Getrennten wieder zurückführen wollte. Der Erlösungsplan ist das
große Geheimnis, das dem Apostel Paulus und den übrigen Aposteln durch
Geister, die Christus ihnen sandte, mitgeteilt wurde. Aber auch die Apostel
wagten nicht, den ersten Christengemeinden die ganze Wahrheit dieses
Heilsplanes Gottes zu offenbaren. Denn das meiste darin war ihnen unfaßbar.
Auch bei ihnen mußte es daher den in den christlichen Gottesdiensten durch
die Medien redenden Geistern Gottes überlassen bleiben, sie nach und nach in
die ganze Wahrheit einzuführen. Dies geschah auf dieselbe
Weise, wie ich dich jetzt über die Wahrheiten unterrichte. Auch dir wird es
fürs erste nicht leicht sein, die ganze Wahrheit über den Rettungsplan Gottes
zu erfassen. Ihr könnt, wie Paulus wiederholt den ersten Christen schreibt,
feste Speisen nicht vertragen. Man darf euch nur Milch verabreichen, wie
unmündigen Kindern. Die Wahrheit in ihrer ganzen Größe und ihrem ganzen
Umfang ist die feste Speise des Geistes, die nur von den im Geiste Erstarkten
vertragen werden kann. Eine leichtverständliche Auslese von Wahrheiten ist
die Milch, die man denen gibt, die noch Säuglinge im Leben des Glaubens und
der Wahrheit sind. Nicht Milch gebe ich dir in meinen folgenden Belehrungen,
sondern feste Speise, wie ja auch unter dem bisher Mitgeteilten schon manche
feste Speise vorhanden ist. Ich begnüge mich nicht damit, dir die Kenntnis
der Wahrheit in den großen Jenseitsfragen zu vermitteln. Du sollst vielmehr
auch eine Erkenntnis der ursächlichen Zusammenhänge der Einzelwahrheiten aus
meinen Belehrungen sammeln. Denn nur die Erkenntnis der Ursachen des
Geschehens befriedigt den Geist. _______ *
_______ Was
wir vortragen, ist Weisheit bei den Gereiften, doch nicht Weisheit dieser
Welt. Wir
tragen Gottes geheimnisvolle, verborgene Weisheit vor, die
Gott vor aller Zeit zu unserer Verherrlichung vorherbestimmt hat. (1. Kor. 2,6-7) Die Besserungsstufen zum Aufstieg
der gefallenen Geister Nach dem Abfall eines
großen Teiles der Geisterwelt legte Gott den Plan fest, nach dem er die in
die Tiefe gesunkenen unglücklichen Wesen retten und zu seinem Reiche wieder
zurückführen wollte. Sein Erbarmen galt zunächst
den weniger Schuldigen. Das waren die unermeßlichen Scharen, die bei der
erneuten Prüfung in der Sphäre des Paradieses die Sünde des endgültigen
Abfalles begangen hatten. Erst wenn sie Rettung gefunden hatten, sollten ihre
Verführer - Luzifer und seine Miträdelsführer - zur Rückkehr ins Vaterhaus
Gottes gelangen. Gott ist gerecht. Bei den
Verführten lag die Sünde der Schwachheit vor, bei den Verführern die Sünde
der Bosheit. Wie die Sünde wesentlich verschieden war, so auch die Strafe und
der Weg der Rückkehr aus der Tiefe. Der erste Schritt zur
Rettung bestand darin, daß Gott Besserungssphären schuf und zwar stufenweise,
nach euch unbegreiflichen Gesetzen, wie sie nur die Weisheit Gottes zu
ersinnen Vermag. Auf diese Stufen des Emporsteigens der gefallenen Geister
aus der Tiefe der Finsternis hinauf zu Gott, weist Paulus in seinem Brief an
die Epheser hin, indem er von Entwicklungsstufen spricht, die Gott angeordnet
habe, um seinen Ratschluß auszuführen, nach dem er alles wieder mit dem Sohne
vereinigen wolle. An dieser Stelle gebraucht
der Urtext das Bild von dem Bau eines Hauses mit seinen verschiedenen
Stockwerken. Nimm dieses Bild geistig, dann wird dir die Lehre von den
‘Besserungssphären‘ der gefallenen Geister leichter verständlich sein. Das, was ihr ‘Hölle‘ nennt,
ist die tiefste Stufe, in welche alle gefallenen Geister kamen. Aber auch die
Hölle enthält eine Anzahl Besserungssphären, durch die ein Geist, durch
Besserung seiner Gesinnung, sich emporarbeiten kann, bis zur ersten der
irdischen Sphären. Diese beginnen mit der Stufe der niedrigsten Tiere und
findet ihre Fortentwicklung in den Stufen der Steine, der Pflanzen, Kräuter,
Blumen, der höheren Tiere und erlangen ihren Abschluß in der Stufe des
höchsten Tieres, dem ihr den Namen ‘Mensch‘ gegeben habt. Diese irdischen Stufen
existieren nicht bloß auf eurer Erde, sondern auch auf anderen Weltkörpern.
Es gibt also viele Parallelstufen zu denen eurer Erde. Auch sind die
irdischen Stufen nicht bloß in der materiellen Gestaltung vorhanden, wie ihr
sie in dem Tierreich, Pflanzenreich und Mineralreich vor euch seht, sondern
auch in einer entsprechenden geistigen Gestaltung, so, daß es auch ein
geistiges Tierreich, Pflanzenreich und Mineralreich der verschiedensten
Gattungen und Arten der Lebewesen gibt, die in diesen Reichen in ähnliche
Odleiber gehüllt sind, wie ihr sie auf dieser Erde in materiellen Leibern
erblickt. In diese geistigen
Parallelsphären der irdischen Stufen treten die nach dem irdischen Tode vom
materiellen Körper getrennten Geister wieder ein und bleiben darin, bis sie
in einer neuen irdischen Geburt wieder verkörpert werden. Bessert sich der
Geist nicht, so wird er in derselben Stufe so oft wiederverkörpert, bis er
reif ist, für die Verkörperung in einer höheren Stufe. Jede einzelne der
Besserungsstufen erfordert zu der darin vorgesehenen leiblichen Gestaltung
der Geister ein besonderes Eingreifen Gottes. Es bestand darin, daß er die
Odgestalten der Geisterpaare in der Form dieser Stufe verkörperte und ihnen
die Fähigkeit verlieh, durch Zeugung den Leib dieser Stufe fortzupflanzen.
Doch die Geister selbst werden nach feststehenden Gesetzen der Geisterwelt
den gezeugten Körpern einverleibt. Ihr Menschen könnt freilich
das ‘Wie‘ all dieser Vorgänge nicht verstehen, wie ihr ja auch von dem ganzen
Naturgeschehen, das euch umgibt und das ihr täglich mit eigenen Augen seht,
in Wirklichkeit nichts begreift. Eure Wissenschaft
beschäftigt sich mit der Frage der Abstammung, besonders der Abstammung des
Menschen vom Affen. Eine körperliche Abstammung einer höheren Stufe von einer
niederen besteht nicht. Pflanzen erzeugen keine Tiere und niedere Tiere keine
höheren. Jede Art der Lebewesen erzeugt ihre eigene Art. Aber in jeder Art
gibt es viele Rassen. Die Glieder der verschiedensten Rassen ein und
derselben Art sind untereinander zeugungsfähig. Der Mensch gehört zu der
Art der Affen. Er bildet die höchste Rasse dieser Art. Man kann daher mit
Recht sagen, daß der Affe der niedrigste Mensch, und der Mensch der edelste
Affe ist. Der Mensch ist also das höchste Tier der Erde. Aber er stammt
körperlich nicht vom Affen ab, wie wohl der Affe in der irdischen Entwicklung
ihm am nächsten steht. Der Geist des Menschen war,
bevor er zum erstenmal in einem menschlichen Leib verkörpert wurde, in einem
Tierleibe. Es ist daher derselbe Geist, der durch die verschiedenen
Naturstufen in stets vollkommenerer Gestaltung emporsteigt. Die Naturstufen selbst
erfahren in ihrem materiellen Sein keine Veränderung. Sie sind heute, wie sie
vor Tausenden von Jahren waren. Nur sind im Laufe der Zeiten manche Arten der
einzelnen Stufen ausgestorben, weil keine Geister mehr darin verkörpert wurden.
Gott schuf dafür andere, höhere Arten, in denen diejenigen Geister verkörpert
werden, für welche die ausgestorbenen Arten früher bestimmt gewesen. Die
ausgestorbenen Arten waren Zwischenstationen in der Aufwärtsentwicklung. Als
sie wegfielen und an ihre Stelle höhere Arten traten, mußten die betreffenden
Geister länger warten, bis sie in die höheren Arten einrückten, die anstelle
der ausgestorbenen getreten waren. So findet ihr noch heute
körperliche Überreste ausgestorbener Arten der Pflanzen- und Tierwelt der
früheren Zeitperioden. Ein Zurücksinken eines
Geistes aus einer höheren Besserungsstufe in eine tiefere gibt es nicht. Wohl
ein Stillstehen in derselben Stufe. Wie ich dir bereits gesagt
habe, muß ein Geistwesen, das bei seinem irdischen Tode in der betreffenden
Stufe seiner Verkörperung nicht weitergekommen ist, so oft in derselben Stufe
wiederverkörpert werden, bis es für die nächst höhere Stufe reif ist. Das
gilt auch vom Menschen. Hat sich sein Geist im irdischen Leben auf dem Wege
zu Gott nicht vervollkommnet, so wird er wieder Mensch. Jedes Leben ist ein
Examen. Wer durchfällt, muß es so oft machen, bis er es besteht. Das sind
göttliche Gesetze, die für die ganze Schöpfung gleichmäßig Geltung haben. Bei
Gott gibt es keine Willkür. Wenn ich dir sagte, daß es
ein Zurücksinken eines Geistes in eine tiefere Stufe nicht gibt, so hat das
darin seinen Grund, daß ein Geist, der in einem Punkt schlechter wird, als er
vorher war, dafür in einem anderen Punkt sich bessert, und so ein Ausgleich
geschaffen wird. Auch hierin waltet ein göttliches Gesetz. Von der Größe der
Zeiträume, die vom Augenblick des Geisterfalles bis zu dem Tage verflossen
sind, an dem der erste gefallene Geist reif war, als Mensch verkörpert zu
werden, könnt ihr euch keine Vorstellung machen. ‘Bei Gott sind tausend
Jahre wie ein Tag‘ (2.Petrus3,8). Von allen diesen Wahrheiten
weiß das heutige Christentum nichts. Sie widerstreben auch deinem bisherigen
Denken. Aber sollte ich dir deswegen die Wahrheit vorenthalten, weil sie dir
unglaublich erscheint und deine Mitmenschen darüber lachen werden? Du hast ja
Gelegenheit, bei den Geisterkundgebungen in den verschiedensten
spiritistischen Gottesdiensten nach diesen Wahrheiten zu fragen, und du wirst
sehen, daß sie dir überall bestätigt werden. Der gefälschte Schöpfungsbericht in
der Bibel Leider sind die wichtigen
Lehren, die ich dir soeben vorgetragen habe, auch aus dem biblischen
Schöpfungsbericht beseitigt worden. Er enthält fast nichts mehr davon. Er
weiß nichts von der Geisterschöpfung Gottes, nichts von dem Kampf der Geister
und ihrem Abfall, nichts von den Besserungssphären und der Gestaltung der
Odleiber der Gefallenen in den einzelnen Stufen, nichts von der Verkörperung
der Odleiber zur irdischen Materie. Wo eure Bibel von der irdischen Schöpfung
erzählt, stellt sie es so dar, als ob diese eine neue und vollkommen
selbständige Schöpfung sei, die mit der Geisterverkörperung und dem Abfall
eines Teiles der Geisterwelt in keinerlei Verbindung stehe. Die Urbibel enthielt alle
diese Wahrheiten. Bei der späteren Gestaltung der Heiligen Schrift war die
Macht des Bösen am Werk, die Zusammenhänge in dem Erlösungsplan Gottes der
menschlichen Kenntnis zu entziehen. Der Menschheit sollte die tröstliche
Wahrheit vorenthalten werden, daß alles wieder zu Gott kommt. ‘Denn Gott
will, daß alle gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen‘
(1.Tim.2,4). Alles wieder zu Gott zu führen, ist auch der Zweck der
materiellen Schöpfung. Den Herrschermächten der
Finsternis war freilich viel mehr gedient mit den Lehren der
Hoffnungslosigkeit und Verzagtheit, mit der Lehre von einer ‘ewigen Hölle‘,
über die ja einer eurer Dichter die furchtbaren Worte geschrieben hat: ‘Ihr,
die ihr hier eintretet, lasset alle Hoffnung fahren!‘ Diese Worte klangen dem
Herrscher der Hölle viel angenehmer, als die Lehre von dem erbarmenden Gott,
der zwar in seiner Gerechtigkeit zürnt und straft, aber nicht ewig am Zürnen
und Strafen bleibt, sondern allen seinen Kindern wieder verzeiht und sie
heimruft. Mit dem bloß zur Einflößung von Furcht dienenden Schreckmittel der
‘ewigen Höllenstrafen‘ hat man den wahren Gottes begriff geschändet. Man hat
damit auch die Ausführung des Rettungsplanes jenes Gottes erschwert, der den
sünden- und leidbeladenen Menschen das Wort der allerbarmenden Liebe hat
zurufen lassen: ‘Wenn auch eine Mutter ihres Kindes vergessen könnte, so
werde ich doch deiner nie vergessen‘ (Jes.49,15). Manchen Abschnitten eurer
Bibel ist es ergangen, wie den Gemälden der alten Meister, die auf den Wänden
eurer alten Kirchen angebracht waren. Später kamen die sogenannten
‘Kirchenmaler‘ und haben ihre alltäglichen Figuren darüber gestrichen. Und
wenn ihr heute die später aufgetragene Tünche vorsichtig von diesen Wänden
abwascht, dann kommt das alte Gemälde wieder zum Vorschein, und ihr steht
bewundernd vor dem Kunstwerk der großen Meister. So ist auch das Bild der
Wahrheit, das die ursprüngliche Bibel enthielt, später entstellt worden.
Irrende Menschen schoben die biblischen Berichte zurecht. Was sie nicht
verstanden, ließen sie weg oder versahen es mit falschen Erklärungen. Die
nach ihnen kamen, ‘verbesserten‘ von neuem daran, machten Zusätze, nahmen
Streichungen vor. So wurde nicht bloß die Wahrheit verdrängt, sondern es
schlichen sich manche Dinge in die Bibel ein, die geeignet sind, das Wort
Gottes lächerlich zu machen. Ein menschlicher Dichter hat das Wort geprägt:
‘Bücher haben ihre Schicksale‘. Ja, leider hat auch die Bibel ihre Schicksale
gehabt. Es ist vieles daraus verschwunden, was hineingehört, und manches
hineingesetzt worden, was nicht darin sein dürfte, weil es der Wahrheit
widerspricht. Wenn einige ‘Kirchen‘ diese
Tatsachen nicht zugeben wollen, sondern die euch vorliegende Bibel als
‘unverfälscht‘ ansehen, so nützen sie damit der Sache Gottes nicht. Sie Fügen
ihr nur Schaden zu. Denn auch der weniger Gebildete muß beim aufmerksamen
Lesen der heiligen Schriften, vor allem des Schöpfungsberichtes, zu der
Erkenntnis kommen, daß so manches darin Mitgeteilte nicht richtig sein kann. Über die im Alten Testament
vorgekommenen Fälschungen beklagt sich Gott durch den Propheten Jeremia: ‘Wie
könnt ihr sagen: Wir sind weise; wir sind im Besitz des göttlichen Gesetzes?
Jawohl, zur Lüge hat es der Fälschergriffel der Abschreiber verdreht.
Beschämt müssen daher die Weisen dastehen und bestürzt. Denn sie haben sich
selbst gefangen. Sie haben das Wort des Herrn weggeworfen. Welcherlei
Weisheit besitzen sie da noch?‘ (Jer.8,8-9). An anderen Stellen der
heiligen Schriften hat die Wahrheit dadurch Schaden gelitten, daß eure
Übersetzer Wörter und Ausdrücke des Urtextes so falsch wiedergegeben haben,
daß der richtige Sinn nicht mehr zu erkennen ist. In dem Gesagten findest du
den Grund für die große Verwirrung und Entstellung der Wahrheit, die in dem
biblischen Schöpfungsbericht enthalten ist, wie er heute vorliegt. Nur aus
ganz vereinzelten Angaben dringt noch ein schwacher Schimmer der Wahrheit
durch. So sind darin zwar einige Entwicklungsperioden der materiellen
Schöpfung angedeutet; sie stimmen jedoch weder in der Zahl, noch in der Reihenfolge
mit der Wirklichkeit überein. Die Wahrheit über die Erschaffung
des ersten Menschenpaares Dasselbe gilt von der
Erschaffung der ersten Menschen. Hier ist die Erschaffung der Geister mit der
Verkörperung der ersten Geister im materiellen Menschenleib durcheinander
geworfen. Im ersten Kapitel der Bibel
wird mitgeteilt, daß Gott die Menschen als seine letzte Schöpfung ins Dasein
rief, Erde, Pflanzen und Tiere waren schon da. Dann heißt es: ‘Nun schuf
Gott den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn; als
Mann und Weib erschuf er sie. Gott segnete sie dann und sprach: Seid
fruchtbar und mehret euch!‘ (1.Mose1,2 7+28). Richtig ist, daß Gott die
beiden Geister, die als erste zu Menschen verkörpert wurden und den Namen
‘Adam‘ und ‘Eva‘ führten, einst vor ihrem Abfalle nach seinem Bild geschaffen
hatte. Richtig ist, daß er sie als männlichen und weiblichen Geist ins Dasein
gerufen und ihnen den Segen zur Fortpflanzung gegeben hatte. Aber das war
nicht nach der Erschaffung der Erde, Pflanzen und Tiere geschehen, sondern
bezieht sich auf ihre Schöpfung als Geister. Wenn Gott etwas nach seinem
Bilde schafft, dann kann es nur Geist sein. Denn Gott ist Geist und nur
Geist, also nicht Materie. Und was er nach seinem Bilde schafft, ist ebenfalls
nur Geist und nicht teils Geist und teils Materie, wie die irdischen
Menschen. In den weiteren
Einzelheiten des biblischen Berichtes über die Erschaffung der Menschen
finden sich noch größere Widersprüche. Denn einige Zeilen weiter wird gesagt,
daß Gott den Menschen gebildet und zwar bloß einen männlichen Menschen, und
das zu einer Zeit, als sonst noch nichts Lebendes auf der Erde war, während
nach dem ersten Bericht der Mensch nach allen anderen Lebewesen erschaffen
sein soll. Nach dem zweiten Bericht soll also Gott den Menschen auf die kahle
Erde verpflanzt haben. Erst danach soll Gott einen Garten in Eden geschaffen
haben, in den er den Menschen brachte. Und dann erst sollen in diesem
‘Paradiese‘, wie ihr den Garten nennt, allerlei Bäume mit wohlschmeckenden
Früchten hervorgewachsen sein. Dem Menschen soll er dann den Auftrag erteilt
haben, diesen Garten zu bebauen und zu behüten. Man kann sich gar nicht
denken, vor wem der Mensch den Garten zu behüten hatte. Es war ja nach
demselben Bericht sonst nichts auf der Erde. So viele Sätze, so viele
Widersprüche! Stelle nun diesem
unverständlichen Bild das dir übermittelte Wahrheitsbild gegenüber! Da siehst
du das Paradies als jene geistige Sphäre, in die Gott nach der
Geisterrevolution die weniger schuldigen Mitläufer zur Strafe und erneuten
Prüfung verwies. Hier stand der geistige Baum der Erkenntnis des Guten und
des Bösen. Es war nichts anderes als das Gebot Gottes, das er ihnen zur
Prüfung für diese Sphäre gegeben hatte, und dessen Tragweite sie nicht erkannten.
An der Beobachtung oder Nichtbeobachtung dieses Gebotes oder Verbotes sollte
es sich zeigen, ob die Geister der Paradiesessphäre gewillt waren, wieder auf
die Seite Gottes zu treten oder sich Luzifer endgültig anzuschließen.
Bestanden sie die Prüfung durch Gehorsam gegen Gott, so wurde das Gebot für
sie zum Baume des Lebens in der Herrlichkeit Gottes. Übertraten sie jedoch
das Verbot, so wurde es zum Baum des Todes. Dann wurden sie auch aus diesem
Paradies hinab in die Sphären Luzifers geschleudert. Das war dann der Tag der
vollständigen Trennung von Gott. Es war der Tag, an dem sie des geistigen
‘Todes‘ starben. ‘An dem Tage, da ihr davon esset, müßt ihr des Todes
sterben‘ (1.Mose2,17). Jetzt verstehst du auch,
warum Adam das Paradies hüten sollte. Sich und die anderen behüten, vor der
Einwilligung in die Verlockungen zur Sünde des Ungehorsams gegen Gott. Jetzt
ist dir auch der Hinweis der Bibel klar, daß nach der Vertreibung der treulos
gewordenen Geister aus dem Paradiese ihre Rückkehr dorthin durch Cherube mit
flammenden Schwertern verhindert wurde. Denn die Entscheidung war gefallen.
Sie hatten dem Machthaber der Tiefe Gehorsam geleistet. Die Sphären der
Finsternis wurden nun ihr Los. Sie hatten kein Anrecht mehr auf die Gefilde
des Paradieses, die ihnen so lange versagt bleiben, bis der Tag kommt, wo die
gefallenen Geister auf dem Rückweg zu Gott diese Geistersphäre des Glückes
als Vorstufe der Sphäre des Himmels wieder erreicht haben. Dann dürfen sie
den geistigen Garten Eden wieder betreten, um aus ihm zu der Herrlichkeit
emporzusteigen, aus der sie einst durch eigene Schuld ausgestoßen wurden. Es ist daher das Gegenteil
von dem wahr, was in höhnischer Weise nach dem Bericht eurer Bibel gesagt
haben soll. Er soll nämlich in dem Augenblicke, wo unermeßliche Scharen
seiner Kinder in das namenlose Unglück der vollständigen Trennung vom Reiche
Gottes gestoßen wurden, die Worte gesprochen haben: ‘Der Mensch ist ja nun
geworden, wie unsereiner, so daß er weiß, was gut und böse ist. Nun aber soll
er nicht auch noch seine Hand ausstrecken und Früchte vom Baume des Lebens
nehmen und sie essen und unsterblich werden‘ (1.Mose3,22). So spricht ein Teufel, aber
nicht ein unendlich gültiger Gott. Und in Wirklichkeit sind es die Worte, mit
denen Satan die verführten Geister verhöhnte. Gottes Wille ist es ja, daß sie
ihre Hand nach dem Baume des Lebens auch nach ihrem Falle ausstrecken im
Gehorsam gegen Gott und in der Rückkehr zu ihm. Aber die Mächte der Tiefe
wollen es jenen Geistern, denen zuerst das Erbannen Gottes durch Schaffung
der ‘Besserungssphären‘ zuteil wurde, für alle Zukunft wehren, die Hand nach
dem Baume des Lebens auszustrecken und zu Gott zurückzukehren. Wenn es nach
dem Willen Luzifers gegangen wäre, würden jene Stufen des geistigen
Aufstieges nie geschaffen worden sein und auch eine materielle Welt wäre nie
entstanden. Er hätte dann seine Gewaltherrschaft über jene Geister
ungeschwächt ausüben können, ohne befürchten zu müssen, einen von ihnen zu
verlieren. Auch zu der Art, wie in eurer Bibel die Erschaffung des ersten
menschlichen Weibes dargestellt wird, muß ich Stellung nehmen. In dem biblischen Bericht
heißt es, daß Gott dem einsamen ersten Mann eine Gehilfin geben wollte. Darum
habe er aus Erde alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels gebildet
und sie dem Manne zugeführt, damit er sich aus diesen eine Frau aussuche.
Aber es habe sich keine geeignete darunter befunden. Um diesem Übelstand
abzuhelfen, habe Gott den Mann in einen tiefen Schlaf fallen lassen, eine
Rippe aus seiner Seite genommen und die dadurch entstandene Lücke mit Fleisch
wieder ausgefüllt. Aus der Rippe habe er einen weiblichen Menschen gebildet
und ihn dem Manne als sein Weib zugeführt. Du weißt, daß diese
Darstellung zum Gegenstand des Hohnes, besonders bei den Gegnern des Gottesglaubens
geworden ist. Es ist schmerzlich, die Schöpfungstat Gottes so entstellt und
dem Gespötte der Menschen preisgegeben zu sehen. Auch hier hat das Böse durch
seine menschlichen Werkzeuge das Bild der Wahrheit zur abstoßenden Fratze
verzerrt, damit der Begriff eines allmächtigen und allweisen Gottes ins
Lächerliche gezogen werden sollte. Denn etwas der Lächerlichkeit preisgeben,
heißt die tödlichste Waffe zu seiner Vernichtung schmieden. Gott verhindert solche
Entstellungen der Wahrheit nicht, wie er überhaupt nicht eingreift, wenn
Menschen Böses tun wollen. Die Wahrheitssucher und Gottes-gläubigen hatten ja
stets ein Mittel, auch bei den gefälschten Heiligen Schriften das Wahre von
dem Falschen zu unterscheiden. Es stand ihnen die Verbindung mit der guten
Geisterwelt offen, wo sie die Wahrheit jederzeit erfahren konnten. Welches ist nun der
wahrheitsgetreue Hergang bei der Erschaffung des ersten irdischen
Menschenpaares? Adam war der erste Geist, der reif wurde, aus der höheren
Tierwelt in eine menschliche Verkörperung einzutreten. Diese ging aber nicht
so vor sich, wie ihr es euch nach der unrichtigen Darstellung der Bibel
denkt. Gott bildete nicht einen Mann aus Lehm und blies ihm den Odem des
Lebens in die Nase und machte ihn so zu einem Menschen. Vielmehr erfolgte die
Verkörperung des ersten Menschengeistes nach denselben Gesetzen, wie sie auch
heute noch bei Geisterverkörperungen zur Anwendung kommen. Über die Materialisationen
von Geistern habe ich dich hinreichend belehrt. Du weißt, daß man heute dazu
das Od von sogenannten ‘Materialisationsmedien‘ benötigt, mit dem die Gestalt
des Geistes materiell verdichtet wird. Dasselbe Gesetz wandte Gott
bei der Verkörperung des ersten Menschengeistes an. Nun gab es damals noch
kein menschliches Materialisationsmedium, dessen Od er hätte verwenden
können. Daher nahm er das Od der Erde und zwar eine solche Odmischung, wie
sie dem Aufbau des menschlichen Körpers entsprach. Es war dieselbe
Odmischung, aus der sich auch heute die Körper der Menschen auf dem Wege des
Wachstums bilden. Schon Paulus sagt: ‘Gott gibt jeder Art der Lebewesen
einen besonderen Leib. Nicht alles Fleisch hat dieselbe Beschaffenheit.
Anders ist das Fleisch bei Menschen, anders bei vierfüßigen Tieren, anders
bei Vögeln, anders bei Fischen‘ (1.Kor.15,38-39). Die Zubereitung des Od
zur Verkörperung des ersten Menschen erfolgte durch die Geisterwelt Gottes. Der Leib des ersten
Menschen, den ihr ‘Adam‘ nennt, ist also tatsächlich ‘von der Erde‘ genommen,
wenn auch in anderer Form, als ihr bisher annahmt. Es wurde nicht ein Mann
aus Lehm gebildet, sondern die geistigen Glieder jenes Geistwesens wurden mit
Hilfe des verdichteten Od der Erde mit einer materiellen Hülle umgeben. Und
jener so gebildete Leib Adams löste sich später bei seinem Tode auch wieder
in das Od der Erde auf. In der Form des Od war er von der Erde genommen und
in derselben Form kehrte er auch wieder zur Erde zurück. Das ist das Gesetz
für alle materiellen Wesen. Der auf diese Weise ins
Dasein getretene erste männliche Mensch war nun der einzige in seiner Art. Er
war, wie eure Bibel mit Recht sagt, einsam. Nur die Pflanzen- und Tierwelt
hatte er um sich. Er sehnte sich nach der Stunde, wo der nächste Geist sich
zur Reife für eine menschliche Verkörperung durchgerungen hätte. Er hielt
Umschau unter den ihn umgebenden höheren Tieren, ob bei deren Tode Gott nicht
vielleicht den einen oder anderen Tiergeist als würdig befinden würde,
ebenfalls Mensch zu werden. Ein Anklang hieran liegt in eurem biblischen
Bericht, daß Gott dem ersten Menschen alle Tiere zugeführt habe, damit er
sich unter ihnen nach einer Gefährtin umsehe. Da endlich kam der Tag, wo
wieder ein Geist die Stufe des Menschen erreicht hatte. Diesmal war es ein
weiblicher Geist. Es war jener Geist, der als Gefährtin Adams im Reiche
Gottes und dann auch in der Paradiesessphäre war und zuerst ungehorsam wurde
und Adam zum gleichen Ungehorsam verführt hatte. Die Schuld dieses Geistes
war größer und infolgedessen auch die Strafe. Der Aufstieg aus der Tiefe
dauerte daher länger und er erreichte nicht gleichzeitig, mit dem männlichen
Dualgeist die Höhe des irdischen Menschendaseins. Die Schilderung der
Verkörperung dieses weiblichen Geistes zum materiellen Menschen, wie sie in
der heutigen Bibel enthalten ist, läßt die Wahrheit des wirklichen Herganges
ein wenig durchschimmern. Die Verkörperung der ‘Eva‘,
wie eure Bibel das erste Weib nennt, nahm den Verlauf, den alle
Materialisationen der Geister haben. Bei Eva brauchte Gott nicht mehr das Od
der Erde zu nehmen, sondern er hatte ein ‘Materialisationsmedium‘ zur
Verfügung. Es war Adam. Daß er außerordentliche mediale Kräfte besaß, ist aus
dem Umstand erklärlich, daß die Geisterwelt seinen Körper materialisiert
hatte und mit ihm auf medialem Wege beständig in Verbindung stand. Wie auch heute eine
Geisterverkörperung nur dann möglich ist, wenn das Materialisationsmedium
sich in ‘Tieftrance‘ befindet, so auch damals. Den Zustand der ‘Tieftrance‘
bei Adam schildert die Bibel mit den Worten: ‘Gott ließ einen tiefen
Schlaf auf Adam fallen‘ (1.Mose2,21). Es war der ‘mediale Schlaf‘, bei
dem der Geist des Adam aus dem Körper austrat. Und wie auch heute bei einer
vollständigen Materialisation eines Geistes das Od des
Materialisationsmediums nicht ausreicht, sondern auch noch Materie des
Mediums aufgelöst werden muß, so löste die Geisterwelt bei der
Materialisation der Eva auch noch körperliche Materie des Adam in Od auf und
verwandte sie zur Bildung des Leibes der Eva. Dieser Vorgang hat die
Veranlassung gegeben zu dem Bericht der Bibel von der Wegnahme einer Rippe
des Adam: ‘Als Adam eingeschlafen war, nahm Gott eine von dessen Rippen
und gestaltete sie zu einem Weibe‘ (1.Mose2, 21-22). Bei den sonstigen
Geisterverkörperungen dauert die Materialisation bloß eine bestimmte Zeit.
Dann löst sie sich wieder auf, und das Medium erhält alles wieder zurück, was
es an Od und körperlicher Materie hatte abgeben müssen. Bei der Eva mußte
jedoch die Verkörperung eine dauernde sein. Darum konnte Adam als Medium
weder das abgegebene Od, noch den in Odform abgegebenen Teil der körperlichen
Materie wiedererhalten. So mußte ihm die Geisterwelt dafür Ersatz liefern.
Diesen beschaffte sie aus dem Od der Erde auf dieselbe Weise, wie sie zuerst
den Leib des Adam gebildet hatte. Darauf weist die Bibel mit den euch bisher
so unverständlichen Worten hin: ‘Er verschloß die Stelle
der weggenommenen Rippe wieder mit Fleisch. Die Fortpflanzung des
Menschengeschlechts So war das erste
Menschenpaar geschaffen. Von ihm sollte auf dem Wege der Zeugung das ganze
Menschengeschlecht abstammen. Bei der irdischen Zeugung
wird bloß der Keim für den Aufbau des materiellen Leibes des werdenden Kindes
übertragen. Der Geist wird nach euch unbekannten Gesetzen erst wenige
Augenblicke vor der Geburt mit dem Kindeskörper vereinigt. Das Leben des
Kindes im Mutterkörper rührt von der Mutter her. Das Blut der Mutter
durchflutet den Kindeskörper und setzt die Organe in Bewegung, sobald sie
einigermaßen gebrauchsfähig entwickelt sind. Das ist gewöhnlich der Fall im
fünften Monat der menschlichen Schwangerschaft. Die Bewegung der kindlichen
Organe im Mutterleib ist deshalb notwendig, damit diese sich frühzeitig an
ihre Tätigkeit gewöhnen. Sie rührt also nicht von dem eigenen Geist des
Kindes her, der erst später einverleibt wird, sondern von der Mutter. Es ist
hier ähnlich wie bei einer Maschine, die fertiggestellt und zusammengesetzt
ist. Sie wird zunächst durch äußeren Antrieb in Gang gebracht, bevor sie mit
der für sie bestimmten Kraft versehen wird, mit der sie später zu arbeiten
hat. Sie muß sich also zuerst einlaufen, bevor sie in Betrieb genommen wird.
So ist es auch mit den Körpern der werdenden irdischen Wesen. Gottes Allmacht und
Weisheit zeigt sich dem denkenden Menschengeist nirgends erhabener als gerade
bei dem großen Naturgeheimnis des Werdens eines neuen Menschen. Das gilt
selbstverständlich in demselben Maße auch von der Fortpflanzung in den
anderen Naturstufen. Überall sind es gefallene Geister, die den durch Zeugung
gebildeten materiellen Körpern einverleibt werden nach so weisen Gesetzen
Gottes, daß euer Menschenverstand dieses göttliche Geheimnis nicht begreifen
könnte, auch wenn ich es klarzumachen versuchen wollte. Adam und sein Weib bekamen
Söhne und Töchter (1.Mose5,4). Die Brüder nahmen ihre Schwestern zu Frauen.
Wenn daher in der Bibel berichtet wird, daß Kain nach der Ermordung Abels in
ein anderes Land flüchtete und dort sein Weib ‘erkannte‘, so heißt das nicht,
er habe dort erst sein Weib kennengelernt, als ob es noch andere Menschen
gegeben hätte, die nicht von Adam und Eva abstammten. Das Wort ‘erkennen‘
besagt nach dem hebräischen Sprachgebrauch: Geschlechtsverkehr haben. Es
heißt von Kain: ‘Und Kain erkannte sein Weib; die ward schwanger und gebar
den Henoch‘ (1.Mose 4,17). Auch bei Adam werden dieselben Worte
gebraucht: ‘Und Adam erkannte sein Weib Eva, und sie ward schwanger und
gebar den Kain‘ (1. Mose 4, 1). Von dem ersten Menschenpaar
stammt also die ganze Menschheit ab. Sie bildete die höchste irdische
Besserungsstufe im Aufstieg der gefallenen Geister. Hier war die Grenze des
Herrschaftsbereiches Luzifers. Über diese Grenze konnte vor der Erlösung kein
gefallener Geist hinaus. Denn keiner konnte sich der Herrschaft Luzifers
entziehen, weil er dessen rechtmäßiger Untertan war und Luzifer selbst bei
den gefallenen Geistern, die in Reue wieder zurück ins Reich Gottes wollten,
auf seine Herrscherrechte nicht verzichtete. Zu diesem Verzicht mußte er erst
durch einen Erlöser gezwungen werden. Bevor dieser Erlöser kam, mußten alle
Menschengeister in der Menschensphäre bleiben, sei es als materiell
verkörperte Menschen, sei es als Geister in einer geistigen Sphäre, die der
Höhe des irdischen Menschen entsprach. Darüber hinaus war die große Kluft,
die das Reich Luzifers von dem Reiche Gottes trennte. Sie konnte nur durch
einen Sieg über Luzifer überbrückt werden. Über den Begriff der Erlösung und
ihren Verlauf werde ich dich später ausführlich belehren. War die Erlösung erfolgt,
dann hatte Gott die Schaffung von ‘Geistersphären‘ vorgesehen, in denen die
Menschengeister nach dem irdischen Tode bis zur Sphäre des Himmels nach und
nach aufsteigen konnten. Sie vor der Erlösung zu schaffen, war deswegen
zwecklos, weil ja keiner der gefallenen Geister zu diesen Sphären aufsteigen
und durch sie in den Himmel gelangen konnte. In diesem Zusammenhang
möchte ich dich auf eine andere sehr wichtige Wahrheit aufmerksam machen. Es
gab nämlich vor der Erlösung sehr viele Menschen, in denen nicht ein
gefallener Geist verkörpert war, sondern Geister des Himmels, denen Gott die
Erlaubnis gegeben, durch menschliche Geburt Mensch zu werden, um den anderen
Menschen behilflich zu sein, zum wahren Gottesglauben zu gelangen und dadurch
reif für die Erlösung zu werden. Solche menschgewordenen Geister des Himmels
waren z.B. Henoch, Abraham, Isaak, Jakob, Mose, Josua, Kaleb, die meisten der
Propheten, Maria, die Mutter Jesu, und viele andere, deren Namen in den
Urkunden der Heiligen Schriften nicht enthalten sind. Diese Geister kehrten
nach ihrem menschlichen Tode wieder zum Reiche Gottes zurück. Sie unterstanden
ja nicht der Herrschaft Luzifers, da sie den Abfall vom Reiche Gottes nicht
mitgemacht hatten. Die nach der Erlösung geschaffenen
Geistersphären Was nun die im
Erlösungsplan Gottes vorgesehenen ‘Geistersphären‘ betrifft, in denen nach
erfolgter Erlösung die Menschengeister zu Gott aufsteigen sollten, so gibt es
deren dreizehn. Ich brauche dir die einzelnen nicht näher zu schildern. Was
du als Mensch davon verstehen kannst, hast du persönlich durch Kundgebungen
von Geistern aus diesen Sphären erfahren, die in großer Zahl dir zur
Belehrung in den Medien erfolgten. Aus der Art, wie diese Geister auftraten,
und aus den Worten, die sie sprachen, konntest du erkennen, welches das Los
jener Geister in den einzelnen Sphären ist und wie es in den Sphären selbst
aussieht. Du hast jene schwer
leidenden Menschengeister kennengelernt, die nach ihrem irdischen Tode in die
tiefsten der dreizehn Geistersphären gekommen waren. Bei ihnen sahst du das
Wort Christi bewahrheitet: ‘Werfet ihn in die äußerste Finsternis, wo Heulen
und Zähneknirschen sein wird.‘ Auch das andere Wort der Bibel wurde dir bei
ihnen klar: ‘Die Toten wissen nichts.‘ Diese infolge ihres Unglaubens als
Menschen dem geistigen Tode anheimgefallenen, von Gott getrennten Geistwesen,
wußten nichts. Sie wußten weder, wer sie als Mensch gewesen waren, noch wo
sie früher gelebt, noch wo sie sich jetzt befanden, noch was das Schreckliche
zu bedeuten hatte, das sie in dieser Finsternis erlebten und das sie so
unglücklich machte. Du konntest beobachten, wie
bei den Geistern in den aufsteigenden Sphären auch die Erkenntnis
entsprechend größer wurde und die Gegensätzlichkeit zu Gott immer geringer.
Auch die Farbenwirkungen des Lichtes konntest du aus den Kundgebungen
bezüglich der einzelnen Sphären erkennen. Die Farben dieser Sphären bewegen
sich vom tiefsten Schwarz in der untersten Stufe durch alle Farben hindurch
bis zum strahlendsten Weiß in der obersten Sphäre. In der dreizehnten Sphäre
ist ein so blendendes Weiß, daß ein irdisches Auge es nicht ertragen könnte.
Es ist die Sphäre der reinen Geister Gottes. Es ist das, was ihr ‘Himmel‘
nennt. Aus dem, was du mit den
Geistern aus den untersten Sphären erlebt hast, wirst du ersehen haben, wie
schwer es für diese Geistwesen ist, sich aus ihrem beklagenswerten Zustand
emporzuarbeiten. Denn ein Aufstieg in jenen Geistersphären ist für sie nur
dann möglich, wenn sie sich zu Gott wenden. Nun hast du aber selbst erfahren,
ein wie großer Widerstand dem Gottesgedanken gerade von diesen Geistern
entgegengesetzt wird. Für sie ist es daher eine große Gnade Gottes, wenn sie
möglichst bald wieder von neuem Mensch werden. Denn als Menschen können sie
durch das, was sie in der Schöpfung Gottes sehen, sowie infolge eigenen
Nachdenkens oder durch fremde Belehrung und das Beispiel anderer leichter zum
Gottesglauben kommen, als in jenen tiefen Geistersphären. Die meisten Menschengeister
müssen wiederholt zur Erde zurück. Denn der Abschluß ihres diesseitigen
Lebens ist immer wieder ein ungünstiger und führt sie in die tiefsten
Geistersphären zurück, anstatt sie für die höheren Stufen des Jenseits reif
zu machen. Betrachte dir das Leben der meisten Menschen! Ist nicht ihr ganzes
Sinnen und Trachten auf das Irdische eingestellt? Wieviele denken überhaupt
an Gott und glauben fest an ihn und tun das Gute? Seitdem die bösen Mächte
das Geld unter die Menschen gebracht, haben sie ein Mittel, durch das sie
eine unumschränkte Herrschaft über den größten Teil der Menschheit ausüben.
Die Zeit, welche die Geister der tieferen Sphären im Jenseits zubringen müssen,
bis sie als Menschen wiederverkörpert werden, ist bei jedem Geist
verschieden. Sie richtet sich auch nach dem, was der einzelne als Strafe für
sein letztes irdisches Leben zu verbüßen hat. Gott ist gerecht, und jedes
Vergehen erheischt seine Sühne. Doch Gott ist auch gütig und straft nie so
hart, als seine Geschöpfe es verdienen. (Ist das wirklich so? Prüfet
alles!!!) Die Kundgebungen der
Geister, aus denen du die Kenntnis jener dreizehn Geistersphären erlangtest,
traten dir in den verschiedensten Medien entgegen. Das wurde so gefügt. Es
sollte dir als Beweis der Wahrheit dienen. Denn wenn du die Angaben über jene
Sphären durch die Vermittlung ein und desselben Mediums erhalten hättest,
dann würde dir vielleicht der Gedanke gekommen sein, diese Kundgebungen
rührten aus dem Unterbewußtsein des Mediums her. Eure heutige Wissenschaft
hat ja das Wort ‘Unterbewußtsein‘ gleich bei der Hand, wenn sie etwas auf
diesem Gebiete erklären soll, was sie rein menschlich nicht erklären kann,
aber auch nicht als Wirkung von Geistern erklären möchte. Die Befreiung der gefallenen
Geister durch einen Erlöser Die Schaffung der dreizehn
Geistersphären war der letzte Teil in dem Erlösungsplan Gottes. Vorher mußte
eine noch viel schwerere Aufgabe gelöst werden. Denn was nützten die
Besserungsstufen von der tiefsten Sphäre der Hölle hinauf zu der obersten
irdischen Stufe - der des Menschen; was nützen die vorgesehenen dreizehn
Geistersphären zum weiteren Aufstieg bis zur Höhe Gottes, wenn Luzifer keinen
der einst zu ihm übergetretenen Geister freigab, sondern stets das ihm von
Gott eingeräumte Herrscherrecht über sie geltend machte!? Wer aber sollte Satan
zwingen, auf seine Rechte wenigstens denen gegenüber zu verzichten, die in
Reue zu Gott zurück wollten? Gewiß, Gott hätte ihn zwingen können. Aber seine
Gerechtigkeit hatte ihm jenes Recht verliehen, und darum verbot es dieselbe
Gerechtigkeit, es ihm zu schmälern. Nur ein Geist, der sich in den
Herrschaftsbereich des Fürsten der Finsternis begab und somit alle Drangsale
seiner Gewaltherrschaft auf sich nahm, hatte das Recht, den Kampf gegen ihn
aufzunehmen. So ist es ja auch bei euch internationales Recht, daß ein von
seinen Machthabern unterdrücktes und gequältes Volk sich selbst gegen seine
Peiniger erhebt und ihr Joch abzuschütteln sucht. Doch durfte ein solcher
Geist nicht durch Abfall von Gott Untertan Luzifers werden. Denn sonst wäre
er ihm rettungslos verfallen gewesen. Es mußte ein Geist des
Himmels sein, der auf dem Wege der Menschwerdung nur äußerlich in den
Herrschaftsbereich Satans trat. Denn alles, was in der Materie verkörpert
ist, untersteht dem Einfluß der bösen Mächte. Darum hat das Böse über alle
irdischen Wesen eine so große Gewalt, selbst wenn sie der Gesinnung nach
nicht dem Bösen angehören. Auch die gottestreuesten Menschen erfahren täglich
die Macht des Bösen an sich und straucheln oft unter seinem Einfluß. Darum war es für den
betreffenden Geist des Himmels ein großes Wagnis. Er war ja nach seiner
menschlichen Geburt ein Mensch, wie alle anderen Menschen. Er hatte keine
Erinnerung an sein früheres Dasein als Geist des Himmels. Er wußte also
nicht, wer er war, kannte auch zunächst nicht die Aufgabe, die er durch seine
Menschwerdung zu lösen hatte und wurde zum Bösen und vom Bösen versucht, wie
alle anderen Menschen. Gott gab ihm auch nicht mehr geistige Hilfe, wie jedem
anderen. Das hätte der Gerechtigkeit Gottes widersprochen. Die größere Hilfe
Gottes, die dieser menschwerdende Himmelsgeist zur Lösung seiner Aufgabe
nötig hatte, mußte er sich dadurch verdienen, daß er den an ihn
herantretenden Angriffen des Bösen widerstand. In dem Maße, wie er in den
großen Versuchungen zum Bösen festblieb, empfing er immer größere Hilfe
Gottes. Das ist bei allen Menschen so. Aber in dem gleichen Maße, wie die
Hilfe Gottes bei ihm zunahm, durfte auf der anderen Seite auch das Böse seine
Angriffe gegen ihn verstärken. Denn Gott läßt niemand über seine Kräfte
versuchen. Das Kind darf vom Bösen nicht so schwer angefallen werden, wie der
Erwachsene. Man darf keinem eine Zentnerlast auf die Schultern legen, wenn
seine Kräfte bloß für einen halben Zentner ausreichen. So durfte auch jener
menschwerdende Geist des Himmels als Kind nicht so schwer vom Bösen
angefochten werden, wie in seinen reiferen Jahren. Und erst, wenn er die
Erkenntnis gewonnen hatte, wer er war und welchen Zweck seine Menschwerdung
hatte, wurde der Hölle gestattet, mit allen Machtmitteln gegen ihn anzugehen.
Dann begann der Vernichtungskampf. Es war also für jenen Geist als Mensch ein
Verteidigungskampf gegen das Böse, das ihn zum Abfall von Gott zu bringen
suchte. Es mußte ein Kampf werden, der für den menschgewordenen Himmelsgeist
so fern er bis zum Schluß standhaft blieb, mit einem martervollen irdischen
Tod endete. Denn es ist die ständige Kampfart der bösen Mächte, daß sie die
Festung, die sie mit kleineren und mittleren Geschützen nicht niederkämpfen
können, mit dem schwersten Kaliber irdischer Qualen zur Übergabe zu zwingen
suchen. Dafür finden sie unter den Menschen stets Werkzeuge und Helfershelfer
genug. Blieb jener Geist trotz der
größten Qualen, die ihm als Mensch von seiten der Höllenmächte und ihrer
menschlichen Werkzeuge seelisch und körperlich angetan wurden, bis zum
letzten Atemzuge standhaft und seinem Gotte treu, dann hatte er sich durch
diesen Verteidigungskampf gegen das Böse die größte Hilfe und Kraft Gottes
verdient, die ein Geist erlangen kann. Mit dieser Gotteskraft ausgerüstet,
konnte er nach seinem irdischen Tode als Geist gegen die Hölle im
Angriffskampf vorgehen, gegen die er als Mensch bloß im Verteidigungskampf
hatte stehen können. Sein Sieg über Luzifer war ihm dann gewiß. Denn die
Kampflegionen des Himmels standen ihm zur Verfügung. Das mußte ein Kampf werden,
wie er einst im Himmel tobte, als Michael mit seinen Legionen Luzifer und
seinen Anhang stürzte. Er sollte sich in der Hölle
abspielen, in die der himmlische Erlösungsgeist hinabstieg, um Luzifer in
seinem eigenen Reich zu überwältigen. Dieser sollte nicht seiner Herrschaft
über die abgefallenen Geister beraubt und zur vollständigen Ohnmacht
verurteilt werden. Der Sieger sollte bloß seine bisherigen Herrscherrechte
beschränken. Denn bis jetzt übte Luzifer seine Gewaltherrschaft nicht bloß
über die aus, die ihm der Gesinnung nach noch immer angehörten, sondern in
gleicher Weise auch über die, welche zwar einst durch eigene Verschuldung zu
ihm übergetreten waren, aber ihren Schritt bereuten und aus der Fremdenlegion
Satans wieder zur Heimat Gottes wollten. Satan sollte nun durch den Sieg
jenes hohen Himmelsgeistes gezwungen werden, die reuigen Geister aus seiner
Gewalt zu entlassen. Wohl behielt er das Recht, nach wie vor alle Mittel der
Verführung gegen diese anzuwenden, um sie wieder umzustimmen und an sich zu
fesseln. Aber er sollte nicht mehr das Recht haben, sie mit Gewalt unter sein
Szepter zu beugen, wie er das bisher getan hatte. Er mußte gewissermaßen
seine Grenzposten an der nun durch den Erlöser gebauten Brücke zum Reiche
Gottes zurückziehen, damit sie keinen Geist, der in sein früheres Vaterland
zurückgehen wollte, mit Gewalt daran hindern konnten. Würde der Fürst der
Finsternis in diese Beschränkung seiner Rechte einwilligen - und als
Besiegter mußte er einwilligen - und war sie als Friedensbedingung
festgelegt, dann mußte er sie auch halten, denn Gott war der allmächtige und
gerechte Hüter dieses Friedensvertrages. Seiner Macht untersteht auch die
Hölle. Gegen seinen Arm ist sie ohnmächtig. Die Folgen eines solchen
Friedensvertrages mußten auf die Dauer für Luzifer und sein Reich
verhängnisvoll werden. Denn auf diese Weise wurden ihm nach und nach alle
seine Untertanen entzogen, und zum Schluß hatte er das Schicksal eines
Feldherrn, dessen sämtliche Mannschaften zum Feinde übergegangen sind. Ihm
bleibt dann nichts anderes übrig, als in der Erkenntnis seiner Ohnmacht sich
ebenfalls zu unterwerfen. So würde dann später auch
Luzifer, nachdem alle von ihm gegangen, seine Ohnmacht Gott gegenüber
einsehen und als letzter freiwillig seine Unterwerfung anbieten. Das wäre dann nach dem
Heilsplan Gottes der Tag, wo es keine Trennung von Gott, also keinen ‘Tod‘
mehr gibt. Das wäre der Tag, wo alle einst vom Baume des Lebens abgerissenen
Zweige wieder eingepfropft sind, der Tag, wo keine Klage und kein Kummer mehr
ist, der Tag, wo Gott abwischen wird alle Tränen, die in so großer Zahl von
den abgeirrten Kindern auf dem langen Weg der Trennung geweint worden sind.
Es wäre der Tag, an dem das Reich Gottes wieder in demselben Umfang
erstrahlen wird, wie es vor dem Abfall der Geister gewesen. Dann würden die
zurückgekehrten Kinder Gottes die Plätze im Vaterhaus wieder einnehmen, die
sie einst innegehabt. Und auch Luzifer, der als
letzter mit übergroßer Reue im Herzen über die vom Sieger gebaute Brücke
geht, würde wieder der herrliche Lichtträger sein an der Seite Christi,
seines königlichen Bruders, dessen Liebe und weise Regierung er einst schnöde
verkannt. Und es würde ein Freudenjubel durch das Reich der Himmel schallen. Diesen Erlösungsplan
offenbarte Gott nach dem Sturz Luzifers und seines Anhangs bloß seinem
erstgeschaffenen Sohne und einigen der höchsten Himmelsfürsten. Einer von
ihnen sollte sich freiwillig bereiterklären, zur gegebenen Zeit die
gefahrvolle Aufgabe zu übernehmen, den Fürsten der Finsternis zu besiegen auf
dem Wege über die Menschwerdung. Alle wußten, was eine Menschwerdung für sie
bedeutete. Sie wußten, daß sie als Mensch Gefahr liefen, von dem Feinde, den
sie besiegen wollten, selbst überwunden zu werden und daß in diesem Falle die
erstrebte Erlösung nicht stattfinden konnte. Ferner war ihnen bekannt, daß
eine Niederlage des ersten Geistes, der als Erlöser zur Erde ging, die
Sendung eines zweiten notwendig machte und daß dies so lange fortgehen müsse,
bis die Erlösung gelang. - Jeder der hohen Himmelsgeister erklärte sich mit
Freuden bereit, den Versuch zu wagen. Doch Christus, der höchste
geschaffene Geist und von Gott bestellte König der Geisterwelt, bat als
erster um die Erlaubnis, diese Aufgabe zu übernehmen. Ihm hatte ja der Kampf
Luzifers bei der großen Geisterrevolution gegolten. Wegen ihm war die große
Spaltung erfolgt. Wegen ihm hatte sich die unüberbrückbare Kluft zwischen dem
Reiche Gottes und dem Reiche der Finsternis aufgetan. Er wollte daher auch
die Brücke über diese Kluft bauen, damit alle in die Irre gegangenen Kinder
Gottes wieder heimkehren konnten. Gott gab seine Einwilligung in die
Menschwerdung seines Sohnes. Sie sollte dann erfolgen, wenn die gefallenen
Geister in ihrem Aufstieg durch die Besserungssphären bis zur letzten
irdischen Stufe, der des Menschen, wenigstens zu einem gewissen Teil sich
emporgearbeitet hätten und als Menschen sich nach der Rückkehr zu Gott sehnen
würden. Allen anderen Geistern des Gottesreiches, wie auch den Mächten der
Finsternis, blieb der Heilsplan Gottes verborgen. Das geschah, damit die
Hölle ihn nicht durchkreuzen konnte. Hätten die bösen Mächte gewußt, was das
eigentliche Ziel der Menschwerdung des Sohnes Gottes war, hätten sie gewußt,
daß sein leidvoller Kampf gegen die Angriffe des Bösen und sein qualvoller
Tod die notwendige Voraussetzung für seinen Sieg als Geist über Luzifer sei,
dann würden sie ihn überhaupt nicht versucht haben. Sie hätten einen
Kreuzestod mit allen Mitteln verhindert, anstatt ihn mit allen Kräften
herbeizuführen. Erst nach dem Erlösungstode
Christi war die Zeit gekommen, der ganzen Schöpfung den Erlösungsplan Gottes
in seiner unbegreiflichen Größe zu offenbaren. Jetzt konnte sein
Bekanntwerden keinen Schaden mehr anrichten, sondern nur Gutes wirken. Der
Rohbau des Rettungswerkes war fertiggestellt und konnte nicht mehr zerstört
werden. Seine innere Vollendung wurde durch die Bekanntgabe nur beschleunigt.
Diese Vollendung bestand ja darin, daß die von Gott einst abgewichenen
Geister über die vom Erlöser geschlagene Brücke zur alten Heimat
zurückkehrten. Das, was aus dem Heilsplan
Gottes als Hoffnungsanker für die Menschheit bekannt gegeben werden durfte,
war in der Urbibel enthalten. Es waren die Wahrheiten über die
Geisterschöpfung, den Geisterkampf, den Abfall, die Schaffung der
Besserungssphären zum Zwecke des allmählichen Aufstieges aus der Tiefe sowie
das Kommen eines großen Gottgesandten als Befreier. Mit Ausnahme der
Ankündigung des kommenden Messias ist im Laufe der Zeiten das alles aus den
Heiligen Schriften des Alten Testamentes entfernt worden. Die Menschheit
verstand jene Wahrheiten nicht mehr. Und was sie nicht versteht, pflegt sie
als Torheit zu betrachten und aus ihrem Gedächtnis auszulöschen. So war es auch zur Zeit
Christi. Was über die Alltagsdinge hinausging oder im Gegensatz zu dem von
den Vätern ererbten Religionsbekenntnis stand, konnte man damals den Menschen
ebensowenig beibringen, wie man es heute kann. Darum ging auch Christus auf
jene Wahrheiten nicht näher ein, sondern beschränkte seine Lehre auf die
Verkündigung der Wahrheit über Gott, die Erfüllung des göttlichen Willens und
seine eigene Sendung vom Vater. Alles Übrige überließ er den Geistern der
Wahrheit, die er der Menschheit schicken wollte. Aber auch dann noch, als
die Geisterwelt Gottes als Lehrmeisterin auftrat, waren es nur die in der
Erkenntnis der Wahrheit Fortgeschrittenen, die den Heilsplan Gottes erfaßten.
Für die anderen war er eine schwer verdauliche Kost, die sie nicht vertragen
konnten. Selbst manche Christen hielten den Apostel Paulus, als er darüber
predigte, für wahnsinnig (2.Kor.5,13). Und als Paulus vor dem König Agrippa
im Beisein des Statthalters Festus über die ihm zuteilgewordenen
Offenbarungen sprach, da rief Festus mit lauter Stimme aus: ‘Paulus, du
bist von Sinnen, das viele Studieren bringt dich um den Verstand!‘
(Apg.26,24). Auch dir wird man sagen,
wenn du meine Belehrungen zur Kenntnis deiner Mitmenschen bringst, das seien
lächerliche Phantasien und du habest deinen Verstand verloren. Es ist zu
allen Zeiten das Los der Wahrheit gewesen, als Unwahrheit und Torheit
angesehen zu werden, während andererseits offenkundige Unwahrheiten in den
Jenseitsanschauungen gedankenlos als Wahrheit hingenommen, allgemein
gepredigt und zu Glaubensbekenntnissen erhoben werden. Was ich dir über den
Heilsplan Gottes mitgeteilt habe, wirst du in allen Einzelheiten bestätigt
finden, wenn ich dir später die ganze Lehre Christi im Zusammenhang vortrage,
wie sie teils von Christus selbst, teils von den Geistern der Wahrheit durch
die Apostel und Medien den Gläubigen verkündet worden ist. Alsdann werden wir
auch einen für dich und deine Mitmenschen besonders lehrreichen Vergleich
anstellen zwischen der wirklichen Lehre Christi und dem heutigen Christentum. Für
uns Christen gibt es nur einen Gott, den Vater, von
dem alle Dinge sind und für den wir geschaffen sind; und
nur einen Herrn, Jesus Christus, durch dessen Vermittlung alle
Dinge sind und dem wir verdanken, daß wir sind. (1. Kor. 8,6) Die Christusfrage in meinem Leben Was dünkt euch von
Christus? - Diese Frage stand in Flammenschrift über meinem Leben von dem
Tage an, an dem ich mich entschlossen hatte, Priester zu werden. Ich sollte
ja nicht bloß die Lehre Christi meinen Glaubensgenossen verkünden, sondern
auch die Wahrheit über die Person Christi, sein Leben und sein Werk. Wer war Christus? - Wer war
er, bevor er Mensch wurde? Was war er als Mensch? - War er Gott oder bloß ein
Sohn Gottes? War er nach seiner menschlichen Geburt ein Mensch wie wir -
innerlich und äußerlich? Wurde er gezeugt und geboren wie alle Menschen?
Mußte er sich als Kind Kenntnisse erwerben wie alle Menschenkinder? Mußte
auch er nach und nach zur Erkenntnis eines Gottes kommen und sich über Gottes
Wesen und Willen klarwerden auf demselben Wege, den alle Menschen gehen
müssen, wenn sie zur Erkenntnis Gottes gelangen wollen? Mußte auch er die
Versuchungen des Bösen mit all den folgenschweren Entscheidungen erleben, die
wir Menschen täglich an uns erfahren? Konnte er, wie jeder andere Mensch,
diesen Versuchungen auch unterliegen? Konnte auch er durch die Macht des
Bösen zum Abfall von Gott gebracht werden wie Millionen anderer Menschen? Und
wenn er die Menschen erlösen sollte - worin bestand dann diese Erlösung? Wie
waren alle diese Zusammenhänge zu erklären? Als ich daher in den
spiritistischen Gottesdiensten die Gewißheit erlangt hatte, daß Geister
Gottes durch die Medien redeten, wie in den ersten christlichen Gemeinden, da
war es vor allem die „Christus-Frage“, über die ich eine eingehende Belehrung
erbat. Sie wurde mir bis in alle Einzelheiten gegeben. Sie war das für mein
religiöses Leben Wertvollste. Im Folgenden gebe ich die
Wahrheiten wieder, wie sie mir über Christus, sein Leben und sein
Erlösungswerk mitgeteilt worden sind. Christus als Führer des ersten
Menschengeschlechts Also sprach der mich
belehrende Geist: Du willst Klarheit haben über die Person Christi, über
seine Menschwerdung, sein menschliches Leben, Leiden und Sterben und über die
Zusammenhänge der Erlösung. Einen kleinen Teil dieser
Fragen habe ich dir bereits beantwortet, als ich dich über die Schöpfung
Gottes und ihr Schicksal sowie über den Erlösungsplan Gottes belehrte. Damals ist dir gesagt
worden, daß Christus der erste und höchste von Gott geschaffene Geist ist,
die einzige direkte Schöpfung Gottes; daß durch Christus die übrige
Geisterwelt ins Dasein trat, die mit ihm zusammen eine große geistige
Gemeinschaft bildete - ein geistiges Königreich, an dessen Spitze nach dem
Willen Gottes Christus als König stand. Christus war also in diesem Reich
gewissermaßen der Stellvertreter Gottes. Er selbst war nicht Gott. Er war
bloß der erste Sohn Gottes. Seine Macht und Größe und sein Königtum hatte er
von Gott empfangen. Er war bloß ein Geschöpf Gottes und daher nicht ewig wie
Gott. Gegen das Königtum Christi richtete sich die Geisterrevolution unter
Luzifer. Nach dem Abfall eines Teiles der Geisterwelt und dessen Sturz in die
Sphären der Tiefe erbot sich Christus, die Abgefallenen nach dem von Gott
festgelegten Erlösungsplan wieder zum Reiche Gottes zurückzuführen. Das Erlösungswerk Christi
begann sofort nach dem Abfall der Geisterscharen. Christus war es, der die
von Gott vorgesehenen Besserungsstufen schuf, über die ich dich bei meiner
Belehrung über den Erlösungsplan Gottes ausführlich unterrichtete. Dadurch
wurde Christus der Schöpfer des ganzen materiellen Universums, das die
Stufenleiter für die gefallenen Geister aus der Tiefe zur Höhe des
Gottesreiches bildet. Als nun Geister der Tiefe
in ihrer Aufwärtsentwicklung bis zur Stufe des Menschen gelangt waren, da
wurde Christus der Führer der Menschheit von den ersten Menschentagen an. Er
suchte die zum Bösen geneigte Gesinnung der Menschheit zu Gott hinzulenken.
Aber auch die Herrschermächte der Hölle boten alles auf, dieselbe Menschheit
weiter in ihrem Banne zu behalten. So entspann sich der gewaltige Kampf zwischen
Christus und Luzifers Reich um die in der Menschheit verkörperten Geister,
der den Hauptinhalt dessen bildet, was euch in den Schriften des Alten
Testamentes überliefert ist. Bei diesem Kampf wurde
Christus von der ihm unterstellten guten Geisterwelt unterstützt. Viele
dieser Geister erboten sich freiwillig, selbst Mensch zu werden, um durch
Verkündigung der Wahrheit und das Beispiel eines gottgefälligen Lebens die
Menschen zum Guten zu führen. Henoch war ein solcher
Geist des Himmels, dem gestattet wurde, als Mensch zur Erde zu gehen. Er
belehrte seine Zeitgenossen über den wahren Gott und den rechten Weg zur
Gotteserkenntnis, vor allem auch über den Verkehr mit der Geisterwelt Gottes,
mit der er ja selbst in täglicher Verbindung stand. Denn die Menschen waren
damals fast alle dem Verkehr mit den bösen Geistern verfallen und wurden
durch sie zum schändlichsten Götzendienst und zu allen Lastern verführt. Doch der Erfolg seines
Wirkens war nicht von langer Dauer. Die Macht des Bösen war so gewaltig, daß
unter den Völkern jener Zeit Greuel verübt wurden, von denen ihr heute keine
Vorstellung mehr habt. Die höchsten der Höllengeister benutzten die
menschlichen Tieftrancemedien nicht bloß zum Sprechen, sondern auch, um mit
deren Körpern Zeugungen vorzunehmen. Denn ebensogut wie der eigene Geist des
Mediums mit seinem menschlichen Körper zeugungsfähig ist, kann auch ein
fremdes Geistwesen in ein Tieftrancemedium eintreten und eine Zeugung
bewirken. Und das verkommene weibliche Geschlecht jener Zeit rechnete es sich
zur Ehre an, bei den Götzendiensten in dieser Weise mißbraucht zu werden. Das
bestätigt euch die Bibel, indem sie berichtet, daß sich die Gottessöhne zu
den Menschentöchtern gesellten und diese ihnen Kinder gebaren (1.Mose6,4). -
Was hier mit ‘Gottessöhnen‘ bezeichnet wird, sind die einst als Rädelsführer
von Gott abgefallenen, führenden Geister des Himmels. Es sind dieselben
Geister, von denen es bei Hiob heißt: ‘Nun begab es sich eines Tages, daß
die Gottessöhne‘ kamen, um sich Gott dem Herrn vorzustellen, und unter ihnen
erschien auch der Satan‘ (Hiob 1,6). - Auch hier waren es bloß die
abgefallenen Gottessöhne. Satan war ja der zweite der Söhne Gottes. Diese
Gottessöhne als Beherrscher des Reiches der Finsternis können nicht schalten
wie sie wollen, sondern unterstehen der Herrschergewalt Gottes und werden von
ihm bisweilen zur Verantwortung gezogen. Christus als Führer der Menschheit
nach der Sintflut Die Beeinflussung einer
solchen, dem Bösen ganz verfallenen Menschheit durch Christus und seine gute
Geisterwelt war fruchtlos. Es mußte darum das damalige Menschengeschlecht
vernichtet und durch eine neue Menschheit ersetzt werden. Die Vernichtung kam
in der Sintflut, aus der bloß eine Familie gerettet wurde, damit sie die
Stammfamilie einer besseren Menschheit würde. Es war die Familie des Noah. Allein schon bald nach der
großen Flut erhob auch bei den Nachkommen Noahs das Böse wieder sein Haupt.
Das seht ihr bei den Städten Sodom und Gomorrha und der Familie des Lot. Und
je weiter die Menschen sich verbreiteten, um so größer wurde der Teufeldienst
in Form des Götzendienstes und des Lasters. Um nun trotz der
furchtbaren Gewalt des Bösen über die Menschheit doch sein Ziel zu erreichen,
suchte Christus lange vor seiner Menschwerdung wenigstens einen kleinen
Bruchteil des Menschengeschlechts für die Sache Gottes zu gewinnen. Dieser
Bruchteil sollte der Träger des Gottesglaubens und der Erlösungshoffnung für
die späteren Geschlechter werden. Er sollte der Sauerteig sein, mit dem nach
und nach die große Masse der Menschheit durchsäuert würde. Er sollte das
Senfkorn sein, das zum großen Baume des wahren Gottesglaubens und Gottsuchens
emporwachsen und im Laufe der Jahrtausende die Menschen unter seinen Zweigen
sammeln sollte. War dieser Baum einmal zu einer gewissen Entwicklung
gekommen, dann war die ‘Fülle der Zeit‘ erschienen, wo der Erlöser zur
Erfüllung des letzten Teiles seines Erlösungswerkes als ‘Menschensohn‘ zur
Erde stieg. Dann lohnte es sich für ihn, die Brücke zu bauen, über die der
gottestreue Teil der Menschengeister aus dem Reiche Luzifers hinübergehen
konnte nach dem Reich Gottes. Auch ihr baut ja keine Brücke, bevor genügend
Leute da sind, die hinübergehen wollen. Israel als Träger des
Gottesglaubens Als Sauerteig und Senfkorn
des Gottesglaubens und der Erlösungshoffnung wurde Abraham erwählt. Er war
der Mann der starken Gottestreue. Christus trat mit ihm in Verbindung, bald
selbst, bald durch seine Geister. Denn auch Abraham war ein menschgewordener
Geist des Himmels. Die Gottestreue Abrahams wurde auf eine sehr schwere Probe
gestellt. Denn jeder, dem Gott etwas sehr Großes anvertrauen will, wird
vorher einer Belastungsprobe unterzogen. Wenn ihr eine
Eisenbahnbrücke baut, über die Güter- und Personenzüge fahren sollen, so
prüft ihr zunächst ihre Tragfähigkeit, bevor ihr sie in Betrieb nehmt. Wird
sie als zu schwach befunden, so bringt ihr Verstärkungen an. Ergeben aber
auch diese nicht die erforderliche Tragfähigkeit, so ist die Brücke
unbrauchbar, und ihr müßt eine andere bauen. - So macht es Gott auch mit den
Menschen, die wichtige Aufgaben für das Reich Gottes erfüllen sollen.
Erweisen sie sich bei den Belastungsproben als ungeeignet und sind auch alle
Verstärkungsmaßnahmen erfolglos, dann werden sie als unbrauchbar beiseite
geschoben und andere für jene Aufgaben ausgewählt. Oft sind viele an und für
sich für die großen Zwecke Gottes brauchbar. Aber wegen selbstverschuldeter
Fehler, die sie nicht ablegen, müssen sie ausgeschaltet werden. Denn wegen
dieses Mangels reicht ihre Tragfähigkeit nicht aus. - Viele sind berufen,
aber nur wenige sind auserwählt. Wie gewaltig war die
Belastungsprobe, der Abraham bei der Opferung seines Sohnes unterworfen
wurde! Wer Vater oder Mutter, Bruder oder Schwester, Sohn oder Tochter oder
Freund mehr liebt als Gott, ist der großen Gaben und Aufgaben Gottes nicht
wert. Abraham bestand die schwere
Prüfung und empfing dafür die Verheißung Gottes: ‘Dafür, daß du so gehandelt und mir deinen einzigen Sohn nicht
vorenthalten hast, will ich dich reichlich segnen und deine Nachkommenschaft
zahlreich werden lassen, wie die Sterne des Himmels und wie der Sand am Ufer
des Meeres ... und durch deine Nachkommenschaft sollen alle Völker der Erde
gesegnet werden‘ (1.Mose22,16-18,). Die ihm hier verheißene
Nachkommenschaft war keine leibliche. Sie hätte ja nicht alle Völker der Erde
umfassen können und wäre nicht so zahlreich wie die Sterne des Himmels und
der Sand am Meere. Gott übertreibt nicht. Was er sagt, ist stets die volle
Wahrheit. Die Nachkommenschaft Abrahams war eine geistige. Sie sollte die
ganze gefallene Geisterwelt umfassen, indem der Gottesglaube und die
Gottestreue Abrahams sich nach und nach auf alle von Gott Abgewichenen
ausdehnen sollte. Für Abraham wäre es wahrlich kein Segen gewesen, wenn von
ihm leiblich viele Menschen abstammten, die dem Bösen verfielen, wie ja
tatsächlich später ganze Generationen, die Abraham zum Stammvater hatten, dem
wahren Gottesglauben den Rücken kehrten und dem Götzendienst huldigten. Die zweite menschliche
Nachkommenschaft Abrahams, Jakob und seine Söhne, wurde nach Ägypten geführt.
Dort sollte sie sich in dem fruchtbaren Länderstrich Gosen zu einem großen
Volk entwickeln und abgeschlossen von den götzendienerischen Einwohnern
Ägyptens Träger des wahren Gottesglaubens bleiben. Aber irdischer Wohl bildet
für den Menschen auf die Dauer stets eine große Gefahr für ihre Gottestreue.
Darum ließ Gott es zu, daß das Volk der Hebräer, wie die Nachkommen Abrahams
genannt wurden, von den Pharaonen hart bedrückt und in schwerer Knechtschaft
gehalten wurde. Nicht Gott hat den Pharao zu dieser Maßnahme veranlaßt,
sondern die bösen Geistermächte. Denn diese hatten erkannt, daß das Volk der
Hebräer mit seinem wahren Gottesglauben ein für die gottfeindliche
Geisterwelt gefährliches Werkzeug in der Hand Christi war. Darum sollte es
der Vernichtung anheimfallen. Und als diese nicht durch harten Frondienst
erreicht werden konnte, trieben die dämonischen Mächte die Pharaonen dazu,
das Volk der Hebräer auf dem einfachsten, aber sichersten Wege auszurotten.
Jeder männliche Nachwuchs dieses Volkes sollte getötet werden. Als Begründung
für dieses Vorgehen hatten die Höllenmächte dem ägyptischen König den
Gedanken eingegeben, das in seinem Lande wohnende und schon äußerst stark
gewordene Volk der Hebräer könnte durch ein Bündnis mit den Feinden Ägyptens
dem Pharaonenreich gefährlich werden. Das Böse weiß die Menschen, besonders
auch die menschlichen Herrscher, an ihrer schwächsten Stelle zu fassen. Die
schwächste Stelle bei einem König ist stets die Furcht um seinen Thron. So
fiel der Pharao diesen Einflüsterungen des Bösen zum Opfer und begann mit der
Tötung der neugeborenen männlichen Kinder der Hebräer. So hätte innerhalb
einer nicht allzu langen Zeitperiode nach dem Plane Pharaos alles Männliche
des hebräischen Volkes aussterben müssen. Das weibliche Geschlecht wäre dann
als Frauen und Sklavinnen der Ägypter unter dem Volke des Landes aufgegangen
und auch dem Götzendienst anheimgefallen. So wäre denn alle bisherige Arbeit
Christi und seiner Geisterwelt, einen menschlichen Träger des wahren
Gottesglaubens zu sichern, mit einem Schlage vernichtet gewesen. Aber das Böse war auch
hier, wie so oft in der Schöpfung und im Menschenleben, die Kraft, die das
Übel will, aber das Gute schaffen hilft. Denn der Zeitpunkt, wo ein Volk
durch Tötung seiner Kinder von seiten eines Herrschers zur höchsten
Verzweiflung getrieben wird, ist der günstigste, um dieses Volk zum Verlassen
des Ortes ihrer Qual zu veranlassen. Und aus einem anderen, viel wichtigeren
Grunde war es die höchste Zeit, daß das Volk der Hebräer aus dem Lande der
Pharaonen weggeführt wurde. Es war nämlich im Laufe der 400 Jahre seines
dortigen Aufenthaltes nach und nach immer mehr in Fühlung mit dem ägyptischen
Götzendienst gekommen, und nicht wenige machten bereits diesen Götzendienst
mit. Dieser ungeheuren Gefahr für den Gottesglauben des hebräischen Volkes
konnte nur durch Auszug aus dem ägyptischen Lande vorgebeugt werden. Dazu war
jetzt der geeignetste Augenblick gekommen. Denn die Tötung der Kinder machte
den Hebräern jedes längere Verweilen in Ägypten zur Hölle. Zur Wegführung eines so
zahlreichen und an und für sich schwer zu behandelnden Volkes bedurfte es
eines großen menschlichen Führers. Christus wählte dazu einen seiner hohen
Himmelsgeister und ließ ihn als Mensch geboren werden. - Es war Mose. Als
Sohn hebräischer Eltern wurde er durch die Tochter Pharaos vom Tode errettet.
Sie ließ ihn in allen Wissenschaften der damaligen Zeit unterrichten, so daß
er auch als Mensch das Können besaß, das er als Führer eines großen Volkes
benötigte. Als er zum Manne
herangewachsen war, trat Christus im brennenden Dornbusch mit ihm in
Verbindung und berief ihn zum Führer des ‘Volkes Gottes‘. Mose hatte zunächst
zwei Aufgaben zu erfüllen. Die eine war die, sich dem geknechteten Volke der
Hebräer gegenüber als Gesandten Gottes auszuweisen, der den Auftrag hatte, es
aus Ägypten wegzuführen. Die zweite bestand darin, daß er den Pharao dahin
brachte, die Hebräer aus dem Lande ziehen zu lassen. Zu diesen beiden
Aufgaben rüstete ihn Christus mit übermenschlichen Kräften aus. Aber auch die
bösen Geister, die ihre Vernichtungspläne durchkreuzt sahen, erschienen mit
ihrer gesamten Macht auf dem Kampfplatz und bedienten sich der ägyptischen
Zauberer als ihre Werkzeuge. Nun entspann sich der
größte Geisterkampf, der je auf der Erde ausgefochten wurde. Auf der einen
Seite stand Christus mit der guten Geisterwelt und Mose als seinem sichtbaren
Werkzeug. Auf der anderen Seite die Hölle mit den ägyptischen Zauberern als
Helfershelfer. Mose vollführte mit Hilfe der Geister Gottes, die ihm
unsichtbar zugeteilt waren, die größten Wundertaten, die bis auf Christus
gewirkt worden sind. Dadurch wollte er sowohl das Volk der Hebräer, als auch
den Pharao von seiner göttlichen Sendung überzeugen. Das Volk Gottes sollte
durch die vor seinen Augen sich abspielenden Geschehnisse bestimmt werden,
dem Mose als Führer Folge zu leisten. Pharao sollte bewogen werden, das Volk
ziehen zu lassen. Aber die bösen
Geistermächte wirkten durch die Zauberer am Anfang ähnliche Wunder wie Mose,
damit das Volk und der Pharao dem Mose keinen Glauben schenkten. Doch
erlahmte bald die Macht des Bösen, und die Zauberer mußten selbst bekennen:
‘Hier ist der Finger Gottes.‘ Nie haben solch gewaltige
Geistermaterialisationen stattgefunden wie bei diesem Kampfe. Bei Mose
verwandelte sich ein guter Geist unter Auflösung des Stabes in eine Schlange.
Bei den Zauberern geschah das gleiche von seiten der niederen Geistwesen. Bei
Mose wird das Wasser durch Gottes Geister in Blut verwandelt. Die Zauberer
taten dasselbe mit Hilfe der Höllenmächte. Gott ließ die Bösen ihre Macht bis
zum Äußersten ihres Könnens ausüben, um so Gelegenheit zu haben, seine
Allmacht in ihrer ganzen Fülle zu zeigen und dadurch vor allein den Glauben
der Israeliten zu festigen. Denn in diesem Kampf handelte es sich um Sein und
Nichtsein der Hebräer als Volk Gottes. Israel war der Erstgeborene des
Gottesglaubens. Fiel er der Hölle zum Opfer, dann dauerte es lange, bis in
der Menschheit wieder ein Volk als Träger des Gottesglaubens herangewachsen
war. Christus, der Erstgeborene Gottes, kämpft mit dem Erstgeborenen der
Hölle um den erstgeborenen irdischen Träger des Gottesglaubens und der
Erlösungshoffnung. Christus blieb Sieger. Gottes Strafengel schlug die
gesamte männliche Erstgeburt Ägyptens. Das brachte die Entscheidung. Furcht
fiel auf Pharao und sein Volk, und er entließ auf Drängen der eigenen
Untertanen die Hebräer aus dem Lande. Christus zog in der Wolkensäule vor
Israel her und redete daraus zu Mose. Er schützte das Volk Gottes gegen die
nachdrängenden Ägypter. Die gute Geisterwelt teilte das Meer und türmte die
Wogen. Das Volk vertraute auf den, der durch die Wolkensäule sprach und ging
furchtlos zwischen den Wogen durch. Es empfing die erste Taufe auf Christus im
gläubigen Vertrauen auf den ‘Engel des Herrn‘; denn dieser war Christus. Gott
und Christus führten Israel durch die Wüste, ließen ihm durch die Geisterwelt
Wasser aus dem Felsen strömen und das Manna bereiten. Darum schreibt Paulus
mit Recht: ‘Ich will euch nicht im
Unklaren darüber lassen, daß unsere Väter alle unter dem Schutze der Wolke
gewesen und alle durch das Meer gegangen sind und alle die Taufe auf Mose in
der Wolke und im Meer empfangen haben, auch alle dieselbe Speise gegessen und
denselben geistigen Trank getrunken haben. Sie tranken nämlich aus einem
geistigen Felsen, der sie begleitete. Und dieser Fels war Christus‘
(1.Kor.10,1-4). Gott und Christus, sowie
die gute Geisterwelt gaben dem Volke in allem die notwendigen Unterweisungen
und Belehrungen. Gott selbst gab die Gesetzgebung auf dem Berge Sinai. Der Aufenthalt in der Wüste
war nötig zur Erprobung des Volkes. Es sollte sich zeigen, ob sein
Gottesglaube und sein Gottvertrauen stark genug war, die Gefahren zu
bestehen, die ihm von den götzendienerischen Bewohnern des Landes drohten,
das sie später in Besitz nehmen sollten. Denn der Gottesglaube dieses Volkes
durfte nicht mehr vernichtet werden, da sonst alle bisherige Arbeit umsonst
gewesen wäre. Noch eine andere Gefahr für
die Gottestreue mußte beseitigt werden. Das war die Sucht nach irdischen
Gütern und die übermäßige Anhänglichkeit an das Materielle, die stets den
Menschen in die Arme des Bösen treibt. Christus ergriff alle
Maßnahmen, die zur Beseitigung oder doch Verminderung dieser Gefahren
erforderlich waren. Er ließ das von ihm erwählte Volk in dieser Hinsicht eine
Radikalkur durchmachen. Er führte eine Gesetzgebung ein, nach der die
Israeliten - wie das Volk der Hebräer später genannt wurde - von allem
Besitztum den Zehnten entrichten mußten. Ferner hatten sie die Erstlinge von
allem abzuliefern oder gegen eine andere Abgabe einzulösen. Außerdem mußten
sie zahlreiche Opfer von Tieren und Früchten als Brandopfer, Speiseopfer,
Friedensopfer, Sündopfer und Schuldopfer darbringen und dabei nur Fehlerloses
abliefern. Bei der Ernte durften sie nicht alles abernten und auch keine
Nachlese halten, sondern mußten das Übrigbleibende den Armen und Fremdlingen
überlassen. Im siebenten Jahr durften sie kein Feld bestellen. In jedem
fünfzigsten Jahre mußte jedem sein früheres Eigentum wieder zurückgegeben
werden. Endlich sah das Gesetz das Zinsverbot vor, das den Wucher von
vornherein unmöglich machte. Wurden diese Satzungen vom
Volke Israel gehalten, dann war die Gefahr nicht allzu groß, daß es sein Herz
übermäßig an Hab und Gut hängte und aus Liebe zum Mammon Gott die Treue
brach. Aber die andere Gefahr, die dem Gottesglauben drohte, war viel größer.
Es war der Götzendienst der Völker, die sie in dem sogenannten ‘Gelobten
Lande‘ antreffen sollten. Er war deswegen so gefährlich, weil er, wie jeder
Götzendienst, in einer menschlich wahrnehmbaren Verbindung mit der bösen
Geisterwelt bestand. Für den Menschen ist das Geisterreich etwas
Geheimnisvolles. Und das Geheimnisvolle übt auf jeden eine unwiderstehliche
Gewalt aus. Die größte Aufmerksamkeit schenkt ihr den Erzählungen von
Geistergeschichten. Und wo etwas Geheimnisvolles und Geisterhaftes wirklich
oder vermeintlich vor sich geht, da strömt alles hin. So fühlten sich auch die
Israeliten schon früher zu den geheimnisvollen Vorgängen des Götzendienstes
der Ägypter hingezogen. Auch der Apostel Paulus bezeugt den Korinthern
dasselbe mit den Worten: ‘Ihr wißt ja von eurer Heidenzeit her, da waren es
die toten Götzen, zu denen es euch mit unwiderstehlicher Gewalt hinzog‘
(1.Kor.12,2). - Daß es sich dabei nicht um das bloße Anschauen von
Götzenbildern handeln konnte, werdet ihr als denkende Menschen euch wohl
selbst sagen können. Toter Stein und Holz konnte die Menschen der damaligen
Zeiten ebensowenig fesseln, wie die der Jetztzeit. Das Anziehende des
Götzendienstes bestand in dem wirklichen Verkehr mit der niederen
Geisterwelt. Daß Geister durch die Götzenbilder und menschliche Medien
sprachen und sonstige staunenerregende Dinge vollbrachten, das war es, was die
Menschen anzog. Hier wurde ihnen so viel Geheimnisvolles gesagt. Hier
erhielten sie die Antworten auf die Fragen nach ihrem materiellen Fortkommen.
Hier bekamen sie vermeintlichen Aufschluß über ihre Zukunft, die ja jeder
Mensch so gern wissen möchte. Dazu wurde ihnen so vieles mitgeteilt, was
ihren menschlichen Leidenschaften schmeichelte. Hier wurde das Laster zur
Tugend und die Tugend zum Laster gestempelt. Wer einmal diesem Geisterverkehr
verfallen war, der konnte nicht leicht mehr davon ablassen. Durch zwei Maßnahmen suchte
Christus als Führer des Gottesvolkes seine Schutzbefohlenen vor dem Abfall
zum Götzendienst zu schützen. Die eine Maßnahme bestand darin, daß er ihnen
als Ersatz für den verbotenen Verkehr mit der bösen Geisterwelt den guten Geisterverkehr
vermittelte. Er gab ihnen das Offenbarungszelt, das Orakelschild und die
guten Medien, die euch unter der Bezeichnung ‘Propheten‘ bekannt sind.
Darüber habe ich dir ja bereits in meinen früheren Darlegungen ausführliche
Belehrungen gegeben. Die zweite Maßnahme bestand
in dem Gebot des Herrn, bestimmte Völkerschaften, in deren Land die
Israeliten einziehen sollten, vollständig zu vernichten. Es waren deren
sechs, die derart dem Götzendienst und seinen Lastern verfallen waren, daß
ihre Bekehrung zum Gottesglauben ausgeschlossen erschien. Andererseits aber
unterlag es keinem Zweifel, daß sie in kurzer Zeit das bei ihnen wohnende
israelitische Volk ebenfalls zum Abfall von Gott verführt haben würden. Wegen der Ausrottung dieser
Völker zeihen viele von euch den ‘alttestamentischen Gott‘ der Grausamkeit.
Sie meinen, die Schreiber des Alten Testamentes hätten sich noch nicht zu der
Höhe des Gottesbegriffes Christi aufschwingen können, sonst würden sie nicht
ein so grausames Vorgehen als von Gott angeordnet bezeichnet haben. Da
befindet ihr euch in einem Irrtum. Es war der selbe Christus, der sowohl den
Gottesbegriff des Neuen Testamentes predigte, als auch die Vernichtung jener
götzendienerischen Völker anordnete. Indem einen wie in dem anderen Falle
steht Christus als Retter da. Dadurch, daß er jene Völker vertilgen ließ,
bewahrte er sie vor einem noch tieferen Versinken in Unglauben und Laster. Er
gab ihnen vielmehr die Gelegenheit, sich in einem neuen Dasein aus ihrer
Tiefe heraufzuarbeiten. Hier lag derselbe Grund vor, der vor Zeiten die
Vernichtung der ganzen Menschheit durch die Flut und die Zerstörung der
Städte Sodom und Gomorrha herbeigeführt hatte. Dazu kam noch der
wichtigere Grund der Erhaltung des Gottesglaubens bei dem Volke Gottes. Ihr
Menschen pflegt in einem Kriege jeden zu erschießen, der eure Soldaten zur
Fahnenflucht verleiten sucht. Das findet ihr selbstverständlich. Sollte nun
Gott nicht dasselbe Recht zustehen, diejenigen töten zu lassen, die sein
Volk, das er als Träger des Gottesglaubens ausgewählt hatte, zur Fahnenflucht
verleiten und zum Abfall an die Mächte der Finsternis verführen wollten.
Ferner sollte mit dem Gottesvolke die Stunde der Erlösung der ganzen
Menschheit vorbereitet werden. Sollte sich Christus diese ohnehin so schwere
Vorbereitung von denen zunichte machen lassen, die Gottes Feinde und
Werkzeuge Luzifers waren? Was ihr Menschen mit einmal so zartfühlend werdet,
wenn die Weisheit und Gerechtigkeit Gottes dem Bösen vollständig und
hoffnungslos verfallene Menschen vertilgen läßt, damit sie nicht noch
Millionen anderer Menschen unglücklich machen und damit sie selbst als
Geister wieder auf den Weg der Rettung gebracht werden. Und dazu ist es Gott,
der dies tut, der Herr über Leben und Tod, der in übergroßer Langmut mit diesen
Völkerschaften Erbarmen geübt, obschon sie alles, was für den Herrn ein
Greuel war, bei ihrem Götzendienst verübt und sogar ihre Kinder ihren Götzen
zu Ehren verbrannt haben (5.Mose12,31). Gegen andere Völkerschaften
sollten die Israeliten menschlich verfahren. ‘Wenn du gegen eine andere Stadt
heranziehst, um sie zu belagern, so sollst du sie zu einem friedlichen
Abkommen auffordern. ‘(5.Mose20,10). - Nicht einmal einen Obstbaum durften
sie bei der Belagerung einer Stadt beschädigen. Ihre Belagerungsgeräte mußten
sie von dem Holz solcher Bäume herstellen, die keine eßbaren Früchte tragen. Einen Vorgeschmack von der
Gefährlichkeit des Götzendienstes für sein Volk hatte Mose zuerst bei der
Geschichte vom goldenen Kalb bekommen. Aber auch bald nachher, als sie sich
dem Gebiet der Moabiter näherten: ‘Als die Israeliten sich in Sittim
niedergelassen hatten, fingen sie an, mit den Moabiterinnen Unzucht zu
treiben. Diese luden sie nämlich zu den Opferfesten ihrer Götzen ein, und das
israelitische Volk nahm an ihren Opfermahlen teil und betete ihre Götter an‘
(4.Mose25,1-2). - Die hier erwähnte Unzucht gehörte zum Götzendienst und
wurde von den Dämonen durch den Mund ihrer Medien von den Teilnehmern als
etwas den Göttern Wohlgefälliges verlangt. Sie bildeten einen Bestandteil des
Götzendienstes, wie bei allen anderen heidnischen Völkern Mit dieser Waffe des
Götzendienstes und der damit notwendig verbundenen Laster fügten die bösen
Geistermächte in den folgenden Zeiten auch dem Volke Gottes und dadurch dem
Vorbereitungswerk der Erlösung schweren Schaden zu. Fast ganze Generationen
des von Gott erwählten Volkes fielen nachher vom wahren Gottesglauben ab. Um
sie wieder zurückzuführen, verhängte Gott furchtbare Strafgerichte über sie.
Auch sandte Christus ihnen die Propheten, um sie wieder für das Gute zu
gewinnen. Die Propheten waren Medien der guten Geisterwelt, und es wurde
ihnen nicht leicht, gegen den Einfluß der dämonischen Medien - der ‘Propheten
des Baal‘ - anzukämpfen. Es waren Geister des Himmels, die in den Propheten
Gottes verkörpert waren, wenn sie auch als Menschen dem Bösen ebenso
ausgesetzt blieben, wie die anderen Menschen. Durch ihr Eingreifen wurde
wenigstens erreicht, daß der Glaube an den wahren Gott und den kommenden
Erlöser nicht ganz aus der späteren Menschheit ausgetilgt wurde. _______ *
_______ Endlich war der Zeitpunkt
da, wo ein großer Teil der Menschheit wenigstens in ihrem Sehnen nach Rettung
reif war, die Erlösungstat Christi im Glauben entgegenzunehmen und über die
Brücke zu gehen, die Christus über den Abgrund zwischen dem Reiche der Tiefe
und dem Reiche Gottes schlagen sollte. Unzählige Menschengeister standen
schon zum Übergang bereit. Nun war die Fülle der Zeit angebrochen, die nach
dem Erlösungsplan Gottes für das Erscheinen des Erlösers vorgesehen war. Kurz
bevor Christus selbst Mensch wurde, sandte er einen Herold, der seine Ankunft
vorbereiten und ankündigen sollte. Er war wiederum ein Geist des Himmels. Es
war Elia - also derselbe Geist, der einst in schwerer Zeit des allgemeinen
Götzendienstes im Auftrag Christi zur Erde gegangen war und den Kampf gegen
die Werkzeuge der bösen Mächte mit Erfolg aufgenommen hatte. Nachdem er seine
Aufgabe vollendet, war er wieder zur Höhe gegangen, ohne den irdischen Tod
gekostet zu haben. Nun wurde er als Vorläufer Christi zum zweitenmal Mensch,
wurde als Sohn des Zacharias geboren und führte den Namen - ‘Johannes‘. Noch war Johannes nicht
geboren, da wurde auch schon die Menschwerdung des Gesalbten Gottes
verkündet. Der Erzengel Gabriel, der dem Zacharias die Kunde von der Geburt
des Johannes als des Vorläufers Christi überbracht hatte, wurde auch mit der
Botschaft von der Menschwerdung des Erlösers betraut. Er wurde zu einer Jungfrau
in Nazareth gesandt, die Maria hieß. Sie war zur Mutter des Erlösers
ausersehen. Zeugung und Geburt
vollziehen sich in der Schöpfung Gottes nach unabänderlichen Gesetzen. Die
Verbindung männlichen und weiblichen Samens ist zur Zeugung überall
erforderlich. Eine Ausnahme von diesem Gesetz gibt es nicht. Eine menschliche
Zeugung kann daher nur zustande kommen, wenn der Same eines männlichen
Menschen mit dem eines weiblichen sich vereinigt. Es kann infolgedessen kein
körperloser Geist, sei es nun ein Geist des Himmels oder ein Geist der Hölle,
ohne Benutzung eines menschlichen Körpers mit menschlichem Samen die Zeugung
eines Menschen vornehmen. Den Bericht der Bibel von
der Zeugung Christi faßt ihr nun so auf, als ob ein Geist des Himmels ohne
Benutzung eines männlichen Menschenkörpers und männlichen Samens im Schoße
einer menschlichen Jungfrau den Lebenskeim des werdenden Kindeskörpers
geschaffen habe. Diese Auflassung ist unrichtig (wirklich?) und gibt
zahllosen Menschen, gläubigen sowohl als ungläubigen, mit Recht Veranlassung,
diese Art der Menschwerdung des Sohnes Gottes zu leugnen oder doch zu
bezweifeln. Hier liegt das Wunderbare und Außergewöhnliche, aber doch den
Naturgesetzen Entsprechende mit dem Widersinnigen und darum Unglaublichen
nahe zusammen. Ich will dir auch hierin
die volle Wahrheit mitteilen, da ich weiß, daß du sie verstehen wirst. Ist aus einem
Tieftrancemedium der eigene Geist ausgetreten und hat ein fremdes Geistwesen
von dem Körper des Mediums Besitz ergriffen, so vermag es die Organe des
Körpers in derselben Weise zu gebrauchen, wie der eigene Geist. Infolgedessen
ist ein in dem Körper eines männlichen Mediums befindlicher fremder Geist,
sei es nun ein guter oder ein böser, auch fähig, mit einer weiblichen Person
eine Zeugung vorzunehmen. Habe ich dich nicht bei der Schilderung des
Götzendienstes der vorsintflutlichen Zeit ausdrücklich auf den
Geschlechtsverkehr aufmerksam gemacht, den die bösen Geister durch männliche
Medien mit den Töchtern der Menschen unterhielten und mit ihnen nach dem
Zeugnis der Bibel Kinder zeugten? Was nun die bösen Geister durch menschliche
Medien vermögen, sollte das den guten Geistern nicht ebenso möglich sein?
Wenn die abgefallenen ‘Gottessöhne‘ durch männliche Medien Kindern das Dasein
geben konnten zum Verderben der Menschheit, sollten dann treugebliebene
Gottessöhne zur Rettung der Menschheit nicht dasselbe tun können? Jetzt wird
dir die menschliche Zeugung Christi ohne weitere Auseinandersetzung klar
sein. Das menschliche Medium war Josef, mit dem Maria verlobt war. Schon oft
hatten Geister Gottes durch Josef als Medium zu Maria über die kommende
Erlösung gesprochen. Solche Geisterkundgebungen waren ihr also nichts
Ungewöhnliches, wie überhaupt das jüdische Volk über den Verkehr mit der
Geisterwelt gut Bescheid wußte. Das siehst du aus dem Bericht der Bibel über
die Erscheinung des Engels bei Zacharias. ‘Als Zacharias aus dem Heiligtum
heraustrat und nicht mehr reden konnte, da merkte das Volk, daß er die
Erscheinung eines Boten Gottes gehabt hatte‘ (Lukas1,22). Maria erschrak daher auch
nicht, als eines Tages ein Geist in Josef als Medium eintrat und ihr eine
Botschaft brachte. Nur über die Anrede, die der Geist an sie richtete, wurde
sie bestürzt. Er nannte sie die Gesegnete unter den Frauen. Damit deutete er
ihr an, daß sie Mutter werden sollte. Sie konnte nicht begreifen, wie er das
meinte, da sie ja keinerlei Geschlechtsverkehr gehabt hatte und daher auch
nicht Mutter werden konnte. Nun wurde ihr zur Aufklärung mitgeteilt, daß ein
heiliger Geist auf sie kommen und die Kraft eines sehr Hohen sie überschatten
werde. Darum solle auch das Heilige, das aus ihr geboren würde, ein Sohn
Gottes genannt werden. Der Geist erklärte ihr noch näher, wie das geschehen
würde, was jedoch eure Bibel nicht berichtet. Er sagte ihr, daß sofort nachdem
er aus dem Körper des Mediums ausgetreten sei, ein sehr hoher Geist des
Himmels in das Medium eintreten werde und daß sie durch ihn nach dem
allgemein gültigen Zeugungsgesetz Mutter würde. Maria erklärte daraufhin ihre
Zustimmung. Nach Austritt Gabriels aus dem Medium trat, noch bevor Josef aus
dem medialen Schlaf erwachte, Christus selbst in seinen Körper ein, und Maria
wurde durch ihn Mutter nach demselben Naturgesetz, nach dem alle menschlichen
Mütter guter Hoffnung werden. Und wenige Augenblicke vor der Geburt des
Kindes trat der Geist Christi in den Kindeskörper, also um dieselbe Zeit, wo
bei allen Müttern durch Eintritt eines Geistes in den kindlichen Organismus
die Menschwerdung eines Geistes sich vollzieht. Diese Art der Zeugung
Christi war den ersten Christen bekannt. Sie wurde ihnen auf dieselbe Weise
mitgeteilt, wie ich sie dir mitteile. Sie wußten also, daß der menschliche
Leib Christi durch Christus selbst als Geist unter Benutzung des Josef als
Medium gezeugt worden ist, daß also der Heilige Geist, der nach den Worten
Gabriels auf Maria kommen sollte, Christus selbst war. Denn er wollte alles,
was er zur Vollbringung der Erlösung für erforderlich hielt, selbst
vollbringen. Er hatte die schwere Vorbereitungsarbeit für die Erlösung in der
Menschheit vom ersten Tage an selbst in die Hand genommen. Er hatte das
Gottesvolk als Träger des Gottesglaubens sich auserwählt, es geführt,
belehrt, gemahnt, gewarnt, gestraft. Er hatte hohe Geister des Himmels als
Propheten gesandt. Nun war sein letztes Vorbereitungswerk die Zeugung der
menschlichen Hülle, in die er nach wenigen Monaten im Mutterschoße eintreten
wollte, um durch menschliche Geburt als Mensch unter Menschen zu wandeln. Nachdem Josef aus der
Tieftrance erwacht war, teilte ihm Maria sofort das Geschehene mit. Es war
eine sehr schwere Probe, auf die Josef sich gestellt sah. Sollte er den
Angaben seiner Verlobten Glauben schenken? Ein furchtbarer innerer Kampf
begann. Josef war ja ein Mensch wie alle anderen Menschen. Das Böse trat
jetzt mit den schwersten Angriffen an ihn heran. Die Höllenmächte hatten
jetzt nur das eine Ziel im Auge, Josef an Maria irre werden zu lassen, damit
er sie verstoße. Denn nach dem jüdischen Gesetze mußte eine Jungfrau, die
verlobt war, den Steinigungstod erleiden, sobald sie sich mit einem anderen
verging. Das Böse hämmerte nun dem Josef den Gedanken ein, daß Maria sich mit
einem anderen eingelassen hätte und nun die Ausrede gebrauche, ein Geist
Gottes habe Josef in seinem medialen Zustand zur Zeugung benutzt. Alles, was euch
Menschen an Mißtrauen, Eifersucht und Bitterkeit über erlittene Enttäuschung
eingegeben werden kann, das haben die bösen Mächte dem Josef eingeflößt. Sie
setzten ihm in furchtbarer Weise zu. Diese Belastungsprobe schien zu schwer
für ihn zu sein. Halb und halb neigte er dazu, seine Verlobte heimlich zu
entlassen. Eine heimliche Entlassung sollte es deshalb sein, weil er seiner
Sache nicht sicher war und als gerechter Mensch nicht ohne vollen Beweis der
Schuld jemand in den Tod bringen wollte. Andererseits konnte er bei diesem
nagenden Zweifel an ihrer Treue seine Verlobte auch nicht ehelichen. Maria
sagte ihm bloß, daß Gott ihn sicherlich auf irgendeine Weise über die
Wahrheit aufklären werde. Auch sie litt unter den Zweifeln ihres Verlobten
unsagbar. Da, noch in derselben Nacht, stand ein Bote Gottes vor dem mit der
Gabe des Hellsehens ausgestatteten Josef und klärte ihn über alles auf. Damit
war der Kampf zu Ende. Ich weiß, daß euch kleinen
Menschen diese Wahrheit - und es ist die Wahrheit – (wirklich wahr?) viel zu
menschlich erscheint und zu sehr den Naturgesetzen entsprechend. Sie ist euch
nicht wunderbar und geheimnisvoll genug. Die menschliche Zeugung erscheint
vielen als etwas Niedriges, und sie möchten Gott gewissermaßen einen Vorwurf
daraus machen, daß er so etwas überhaupt in seine Schöpfung eingeführt hat.
Gott ist euch nicht keusch genug. - O, ihr elenden Menschen, die ihr die
herrlichsten Gesetze der Allmacht und Weisheit Gottes, wie sie bei der
Zeugung, dem Werden und der Geburt eines Kindes hervortreten, so minderwertig
beurteilt! Christus, dem höchsten geschaffenen Geist, war es nicht zu
minderwertig, nach den ewig gültigen Gesetzen der Zeugung seine menschliche
Hülle zu bilden, um unter euch wohnen, leiden und sterben zu können. Wenn euch
die Wahrheit seiner menschlichen Zeugung nicht wunderbar genug ist, ihm ist
alles das wunderbar, was nach den heiligen Gesetzen seines himmlischen Vaters
geschieht, von denen der Prediger sagt: ‘Ich habe erkannt, daß alles, was
Gott bestimmt hat, ewige Geltung besitzt. Man kann da nichts hinzufügen und
nichts davon hinwegnehmen. Und das hat Gott so eingerichtet, damit man
Ehrfurcht vor ihm habe‘ (Pred.3,14). - Diese Ehrfurcht besitzt ihr leider
nicht. Darum klügelt ihr euch Erklärungen für das Menschwerden Christi aus,
die wegen ihrer angeblichen Wunderbarkeit voll von Widersprüchen sind und den
Ungläubigen berechtigten Anlaß geben, über diesen ersten Schritt Christi zur
Menschwerdung zu höhnen. Wäre die Menschwerdung
Christi nicht nach den Gesetzen der menschlichen Zeugung erfolgt, dann hätte
Paulus nicht sagen können: ‘Christus ist uns in allem gleich geworden.‘ Denn
dann wäre er in dem Punkte der Zeugung von euch Menschen wesentlich
verschieden. Sein Körper wäre nicht aus menschlichem Samen entstanden. Aber
Paulus hat Recht. Christus ist euch in allem gleich geworden, auch in der
Entstehung seiner menschlichen Hülle aus menschlichem Samen. Nun komme ich, auf deinen
Wunsch, auf einige Lehren der katholischen Kirche zu sprechen, die hierher gehören.
Du warst ja Priester dieser Kirche. Es ist daher verständlich, daß es dir
besonders am Herzen liegt, zu vernehmen, was von ihren Lehren der Wahrheit
entspricht und was Irrtum ist. Die katholische Kirche lehrt, daß die Mutter
Jesu ohne ‘Erbsünde‘ gewesen sei. Das ist richtig. Aber es ist nicht aus dem
Grunde richtig, den deine bisherige Kirche dafür angibt. Auch in Maria war,
wie in so manchen Menschen der früheren Zeiten, die eine große Aufgabe Gottes
zu erfüllen hatte, ein Geist des Himmels verkörpert. So war es bei Henoch,
Abraham, Mose, Elia und den anderen, die ich dir bereits genannt habe. So war
es bei Johannes, dem Vorläufer Christi, in dem Elia wieder zur Erde gekommen
war. In Maria war also keiner der Geister, die einst von Gott abgefallen waren,
sondern ein Gott treu gebliebener Geist. Die Sünde des Abfalles, die alle
anderen irdischen Wesen belastet, hatte sie nicht auf sich. Von dieser
‘Erbsünde‘ war sie frei. Aber ganz unrichtig ist die
Lehre der katholischen Kirche, daß Maria als Mensch frei von jeder, auch der
geringsten Sünde gewesen sei. Kein Mensch ist ohne das, was ihr menschliche
Sünden nennt und das nichts gemein hat mit der Sünde, von der Christus die
Welt erlösen sollte - nämlich der Sünde des Abfalls von Gott. Dies ist die
eigentliche Sünde. Alles andere ist ein menschliches Straucheln, von dem auch
Maria nicht frei war. Trotzdem blieb sie ihrem Gott treu, wie ja auch Mose,
jener hohe Geist des Himmels, Gott treu blieb, obschon er mehr als einmal als
Mensch zum Straucheln kam und zur Strafe dafür nicht in das gelobte Land
einziehen durfte. Auch darin irrt die
katholische Kirche, daß Maria nach der Zeugung und der Geburt Jesu noch
Jungfrau gewesen sein soll. Ebensowenig wie jede andere Jungfrau nach der
Empfängnis und nach der Geburt eines Kindes noch Jungfrau ist, ebensowenig
war es Maria. Nur bevor sie Christus empfing war sie Jungfrau. Der Erlöser
sollte nicht von einer Mutter geboren werden, die vorher schon einmal geboren
oder empfangen hatte. Das ist der Sinn der Worte bei Matthäus: ‘Siehe, die
‘Jungfrau‘ wird empfangen und einen Sohn gebären.‘ Es steht auch mit der
Wahrheit im Widerspruch, wenn die katholische Kirche behauptet, nach der
Geburt Jesu habe Maria keine Kinder mehr geboren. Aus welchem Grunde sollte
sie denn nach der Geburt ihres Erstgeborenen auf ihre Mutterrechte und Josef
auf seine Vater- und Gattenrechte verzichten? Die nach Christus geborenen
Geschwister beeinträchtigten doch in keiner Weise weder die Persönlichkeit
Christi, noch sein Leben, noch seine Lehre oder sein Werk. Wenn in den Urkunden des
Neuen Testamentes an verschiedenen Stellen von Brüdern und Schwestern Jesu
die Rede ist, so sind seine leiblichen Brüder und Schwestern damit gemeint
und keine ‘Verwandte‘, wie die Katholiken krampfhaft zu beweisen sich
bemühen. Wären es ‘Verwandte‘ Christi gewesen, so hieße es nicht ‘Brüder‘ und
‘Schwestern‘, sondern ‘Verwandte‘. Oder meint ihr, die damalige Sprache habe
kein Wort gehabt, mit dem sie die Bezeichnung ‘Verwandte‘ hätte ausdrücken können?
Das werdet ihr doch wohl im Ernst nicht behaupten wollen. Denn in der
Geschichte des zwölfjährigen Jesu im Tempel wird ja mitgeteilt, daß seine
Eltern ihn suchten bei den ‘Verwandten‘ und Bekannten. Also hier, wo es sich
um wirkliche ‘Verwandte‘ handelte, gebraucht auch der Evangelist das Wort
‘Verwandte‘. Wenn derselbe Evangelist nun später schreibt: ‘Es trafen seine Mutter und
seine Brüder bei ihm ein‘ (Lukas8,19), dann will er sicher nicht sagen,
daß diese Brüder bloß ‘Verwandte‘ gewesen seien, die mit seiner Mutter kamen.
Und die Leute, die Jesus die Ankunft seiner Mutter und Brüder meldeten,
sagten ebenfalls: ‘Deine Mutter und deine ‘Brüder‘ stehen draußen und
wünschen dich zu sprechen. ‘ Und Matthäus und Markus berichten ebenfalls, daß
seine ‘Mutter‘ und ‘Brüder‘ zum ihm kamen. Sollten alle drei Evangelisten das
Wort ‘Brüder‘ gebraucht haben, wo es ‘Verwandte‘ heißen soll, wiewohl sie
doch das Wort Verwandte hätte gebrauchen können und müssen? Es ist töricht,
so etwas anzunehmen. Ferner berichtet Matthäus über das Auftreten Jesu in
seiner Vaterstadt Nazareth: ‘Als er in seine Vaterstadt gekommen war, machte
er in dem dortigen Betsaale durch seine Lehre solchen Eindruck auf sie, daß
sie in Staunen gerieten und fragten: ‘Woher hat dieser solche Weisheit und
Wunderkraft? Ist dieser nicht der Sohn des Zimmermannes? Heißt seine Mutter
nicht Maria und seine Brüder nicht Jakobus, Josef, Simon und Judas? Leben
nicht auch seine Schwestern alle hier bei uns? Woher hat er denn dies alles?‘
(Matth.13,54-56). - Kann irgendeiner mit gesundem Menschenverstand behaupten,
in dieser Aufzählung von Vater, Mutter, Brüdern und Schwestern Jesu handle es
sich bloß um Verwandte? So wie hier der wirkliche Vater und die wirkliche
Mutter Jesu gemeint ist, so sind auch die wirklichen Brüder und Schwestern
Jesu gemeint. Und was könnte die Aufzählung von ‘Verwandten‘ hier überhaupt
bezwecken? Die Bewohner von Nazareth staunten über die Lehre und Wunder Jesu.
Und da fragten sie, wie auch ihr in ähnlichen Fällen manchmal fragt: Von wem
hat er denn das alles? Sein Vater der Zimmermann, ist doch ein einfacher
Mann. Seine Mutter, die Maria, ist eine einfache, schlichte Frau, und auch an
seinen Geschwistern ist nichts Auffallendes zu bemerken. Denn seine Brüder,
der Jakobus und der Josef und der Simon und der Judas, verkehren doch täglich
mit uns. Aber an ihnen haben wir bisher nichts Außergewöhnliches bemerkt.
Auch seine Schwestern, die alle hier in unserem Orte sind, unterscheiden sich
ebenfalls in nichts von den anderen weiblichen Bewohnern von Nazareth. Wie
kommt nun der Jesus als einziger von allen seinen Geschwistern zu der
wunderbaren Veranlagung? Hier sagen zu wollen, mit der Bezeichnung ‘Brüder‘
und ‘Schwestern‘ Jesu seien hier bloß ‘Verwandte‘ gemeint, ist so töricht,
daß niemand eine solche Behauptung aufstellen kann, wenn er sich nicht durch
andere Gründe dazu gezwungen fühlt. Aber hier siehst du, wie es geht, wenn
man eine Unwahrheit durch eine andere schützen muß. Die katholische Kirche
hat die widersinnige Lehre aufgestellt, daß Maria trotz der Geburt Jesu
Jungfrau geblieben sei. Dann durfte sie selbstverständlich erst recht nicht
noch andere Kinder haben. Nun berichtet aber die Bibel an vielen Stellen von
Brüdern und Schwestern Jesu. Da dies aber mit der Lehre von der immerwährenden
Jungfrauschaft Marias in Widerspruch steht, so müssen die tatsächlich
vorhandenen Brüder und Schwestern Jesu zu ‘Verwandten‘ gestempelt werden.
Denn sonst wäre sowohl das Dogma von der immerwährenden Jungfrauschaft
Marias, als auch das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papsttums hinfällig.
(Schön zusammengeraimt, nicht wahr?) Die Geburt Jesu verlief bei
Mutter und Kind wie jede andere menschliche Geburt. Das neugeborene Kind
wurde genährt, gepflegt und später der Muttermilch entwöhnt wie jedes andere
Kind. Die Engelbotschaft an die
Hirten, deren Begrüßung des erschienenen Retters der Menschen, die
Darstellung Jesu im Tempel und das Erscheinen der Magier aus dem Morgenlande
verlief so, wie es eure neutestamentliche Bibel berichtet. Die Magier waren
Werkzeuge Gottes mit großen medialen Gaben. Sie waren in ihrer Heimat Künder
des wahren Gottesglaubens und durch ihren Verkehr mit der guten Geisterwelt
in manche Heilswahrheiten eingeweiht worden. Durch dieselbe Geisterwelt, die
den Hirten die Geburt des Heilandes verkündet hat, empfingen auch sie die
Nachricht von dem freudigen Ereignis. Schon vorher war es ihnen
durch Boten Gottes als nahe bevorstehend angezeigt worden. Sie wurden nun
aufgefordert, sich auf den Weg zu machen, um das Kind zu finden, in dem
Gottes Sohn Mensch geworden war. Der Ort selbst wurde ihnen nicht genannt. Es
wurde ihnen bloß gesagt, daß ein Lichtschein vor ihnen hergehen werde, um
ihnen den Weg zu zeigen. Nicht bloß die Magier, sondern jeder sah diesen
Lichtschein, der wie ein strahlender Stern aussah und vor ihnen herzog. Durch
ihn wurden die Magier auf dieselbe Weise geführt, wie einst Mose und das
israelitische Volk durch die Wolkensäule. Sie kamen zunächst nach Jerusalem
zu Herodes. Das war Fügung Gottes. Dadurch sollte der irdische Fürst die
Geburt des Weltenkönigs erfahren, damit das durch den Propheten
vorherverkündete Schicksal der bethlehemitischen Kinder seine Erfüllung fand.
Auch hier war es das Eingreifen der christusfeindlichen Geistermächte, die
durch Einflößung der Furcht um den Thron den irdischen Fürsten veranlaßten,
den Kindermord zu begehen, um den neugeborenen Lehrer der Wahrheit zu
vernichten. Die Ankunft der Magier in
Bethlehem erfolgte nach der Darstellung Jesu im Tempel. Die Eltern des Kindes
waren mit dem Kinde von Jerusalem wieder nach Bethlehem gegangen. Dort
wollten sie noch einige Zeit bleiben und dann nach Nazareth zurückkehren.
Während ihres Aufenthaltes in Bethlehem erschienen die Magier. Nachdem diese
ihre Rückreise angetreten hatten, rüsteten sich auch die Eltern des Kindes
zur Heimkehr. Da erhielt Josef durch einen Boten Gottes die Weisung, mit
Mutter und Kind nach Ägypten zu fliehen. Denn Herodes, der schon auf die
erste Nachricht von der Geburt des neuen Königs der Juden den Entschluß gefaßt
hatte, ihn aus dem Wege zu räumen, stand unmittelbar vor der Ausführung des
Vorhabens. Nachdem das Jesuskind dem
Säuglingsalter entwachsen war, gestalteten sich seine Kinderjahre wie die
anderer Kinder. Es lernte gehen und sprechen und spielte, wie es auch sonst
bei Kindern der Fall ist. Es beging kindliche Fehler in derselben Weise, wie
ihr sie bei allen anderen Kindern erlebt. Der Knabe kam in die Jahre des
Erwachens der Vernunft. Da in ihm der höchste der geschaffenen Geister
verkörpert war, hatte er auch eine hohe menschliche Begabung. Aber trotzdem
mußte er anfangen zu lernen, wie jeder, auch der Begabteste anfangen muß. Er
kam als Kind zur Erkenntnis eines Gottes auf dieselbe Weise wie du dazu
kamst, nämlich zunächst durch Belehrung von seiten seiner Eltern und Lehrer.
Er hörte die Predigten über Gott in dem Betsaal seines Heimatstädtchens. Er
besprach sich über das Gehörte mit seinen Eltern und Lehrern und ließ sich
von ihnen Aufklärung über das geben, was er nicht verstanden hatte oder was
ihm nicht richtig zu sein schien. Die menschlichen Schwächen Jesu Auch die Versuchung zum
Bösen trat an den Knaben heran, wie an alle Menschenkinder und in der Stärke,
wie es der kindlichen Kraft entsprach. Er überwand in einer seinem Alter
entsprechenden Erkenntnis des Bösen die Versuchungen zur Sünde. Doch auch er
strauchelte und beging Fehler aus menschlicher Schwäche, wie sie auch das
beste Kind begeht. Mit jeder Überwindung einer Versuchung zum Bösen erhielt
der Knabe von Gott eine Vermehrung seiner inneren Kraft und Erkenntnis des
Geistes. Aber in dem Maße, in dem die innere Widerstandsfähigkeit bei ihm
wuchs, durften auch die bösen Mächte ihre Angriffe gegen ihn verstärken. So
ist es auch bei jedem anderen Menschen. Bei dem Jesusknaben wurde also auch
hierin keine Ausnahme gemacht. Denn es ist ein für die
Menschheit allgemein gültiges Gesetz, daß ein Mensch mit jedem neuen Sieg
über das Böse eine größere Widerstandskraft gegen die Sünde erlangt, daß aber
auch dem Bösen gestattet wird, mit entsprechend größerer Gewalt gegen ihn
vorzugehen, so daß das ganze Leben eines gottestreuen Menschen ein
beständiger Kampf gegen die gottfeindlichen Mächte bedeutet. ‘Ein Kriegsleben
ist des Menschen Leben auf dieser Erde.‘ Einen großen inneren Kampf
verursachten dem Jesusknaben bei zunehmendem Alter die vielen Irrtümer in der
jüdischen Religion als der Religion seiner Eltern. Es waren alle jene
Irrtümer, die im Laufe der Zeit von der jüdischen Kirche als
Menschensatzungen und angebliche Ergänzungen des Gesetzes Gottes eingeführt
worden waren. Als er soweit war, daß er selbst die Urkunden des Alten
Testamentes lesen und verstehen konnte, empfand er die Auslegungen, die von
den jüdischen Gesetzeslehrern über so manche Bibelstelle gegeben wurden, als
unrichtig. Und wenn er in seinem kindlichen Freimut seine Überzeugung seinen
Eltern oder Lehrern gegenüber zum Ausdruck brachte, erhielt er manch harten
Verweis. Diese im Gegensatz zu der jüdischen Kirchenlehre stehende
Überzeugung des Knaben war es, die der Zwölfjährige im Tempel zu Jerusalem
den Priestern zu deren größtem Erstaunen vortrug, ihnen darüber Fragen
vorlegte und deren Fragen nach seiner eigenen Erkenntnis beantwortete. Gewiß, er war in dieser
Beziehung das, was ihr ein ‘Wunderkind‘ nennt. Ihr habt Wunderkinder auf den
verschiedenen Gebieten menschlichen Könnens. Dieser Knabe war ein Wunderkind
in der Erkenntnis der Heilswahrheiten Gottes. Aber er war Mensch wie alle
anderen Menschen. Er wußte zunächst nicht, wer er war und welche Aufgabe er
als Mensch zu erfüllen hatte. Aber schon in den ersten
Jahren der Vernunft hatten sich große mediale Gaben bei diesem Knaben zu
entwickeln begonnen. Es waren die Gaben des Hellsehens und Hellhörens, die,
mit kleinen Anfängen beginnend, nach und nach zur höchsten Vollkommenheit
sich steigerten. Sie befähigten ihn, mit der Geisterwelt in Verbindung zu
treten, die Geister hellsehend zu schauen und ihre Worte hellhörend zu
vernehmen. Es war nichts Neues, was dem heranwachsenden Jüngling mit dieser
Gabe verliehen wurde. Viele Menschen vor ihm besaßen sie. Nur wurde sie bei
diesem Gottgesandten zum höchsten Grade entwickelt, der bei Menschen
überhaupt möglich ist. Durch seine Verbindung mit der Geisterwelt Gottes
wurde er während seines Erdenlebens über alles unterrichtet, was zur
Erfüllung seiner Aufgabe für ihn zu wissen notwendig war. Denn als Mensch
wußte er von alledem ebensowenig wie andere Menschen. Eine Rückerinnerung an
sein früheres Dasein als höchster Geist Gottes besaß er nicht, weil jede
Verkörperung eines Geistes in einem materiellen Leibe die Rückerinnerung
auslöscht. Was also Christus während
seines menschlichen Lebens lehrte, hatte er aus diesem Geisterverkehr
empfangen, wie auch Mose alles, was er dem Volke mitteilte, vorher im
Offenbarungszelte durch Befragen Gottes erfahren hatte. So wuchs der Knabe zum
Jüngling und Manne heran. Mit zunehmendem Alter nahmen auch seine
Erkenntnisse zu, nicht bloß die Erkenntnisse, wie sie jeder Mensch mit
zunehmendem Alter gewinnt, sondern auch vor allem die Erkenntnisse, die ihm
durch die Geister Gottes vermittelt wurden. In demselben Maße ging auch sein
Wachstum im Guten voran, was eure Bibel in den Worten ausdrückt: ‘Er nahm
zu an Alter und Weisheit und Wohlgefallen vor Gott und den Menschen‘
(Lukas2,52). Es war ein wirkliches
Zunehmen und nicht bloß ein äußeres Andentaglegen, wie deine bisherige
Religion behauptet. Christus war als Mensch nicht von vornherein vollkommen,
da kein Geist im Menschenkörper vollkommen sein kann. Denn die Materie ist in
sich etwas Unvollkommenes und Niedriges. Auch der Geist, der rein und
vollkommen in die materielle Hülle kommt, muß sich als Mensch nach und nach
in beständigem Kampfe gegen das ihn niederziehende Böse zur Vollkommenheit
durchringen. Mit jedem Menschenleib sind menschliche Schwächen und
Unvollkommenheiten des darin verkörperten Geistes verbunden, mit denen auch
der vollkommenste Geist zu ringen hat und von denen er sich, so lange er
Mensch ist, nie ganz befreien kann. Es gehört dies eben zur Natur des
Menschen. Auch Christus machte darin keine Ausnahme. Er hatte mit diesen
Unvollkommenheiten bis zu seinem letzten Atemzuge zu kämpfen und unterlag
mehr als einmal der menschlichen Schwäche im Kampfe gegen das Böse. Im Garten
Gethsemane wurde dieser große Überwinder des Bösen doch als Mensch schwach
und unvollkommen, als er betete, der Vater möge den Kelch des Leidens an ihm
vorübergehen lassen; wenn er auch hinzufügte: ‘Doch nicht mein, sondern dein
Wille geschehe!‘ Er wußte, daß es der Wille des Vaters war, daß er diese
Leiden erdulden sollte. Hier spricht also der schwache, unvollkommene Mensch,
der infolge seiner Menschennatur vor einem qualvollen Tod erbebt und sich
gegen ihn sträubt. Der Vollkommene würde gesagt haben: ‘Vater, gib mir soviel
Leiden als du willst und für gut findest, ich nehme sie gern auf mich. ‘ Er
würde nicht gesagt haben: ‘Nimm sie weg!‘ - Und der schwache Mensch sprach am
Kreuze aus ihm, als er sich bei Gott mit den Worten beklagte: ‘Mein Gott,
mein Gott, warum hast du mich verlassen?‘ Diese Klage hätte ein in allen
Stücken vollkommener Mensch nicht ausgesprochen. Aber einen so vollkommenen
Menschen gibt es nicht. Da müßte der Mensch aufhören, Mensch zu sein und der
Leib aufhören, Materie zu sein. Paulus hat diese Wahrheit
in seinem Brief an die Hebräer in Worten wiedergegeben, die denjenigen sehr
unangenehm klingen, die Christus als Gott bekennen und daher jede Möglichkeit
der Sünde und des Abfalls von Gott bei Christus leugnen. Er schreibt: ‘Christus
hat in den Tagen seines Erdenlebens Bitten und Flehen mit lautem Geschrei und
Tränen vor den gebracht, der ihn vom ‘Tode ‘ zu retten vermochte. Und er hat
auch Erhörung gefunden und ist von der Angst befreit worden. ‘(Hebr.5,7). In diesen Worten findest du
alles, was ich dir vorhin gesagt habe, bis ins einzelne bestätigt. Ich wies dich bei der
Erklärung des Heilsplanes Gottes auf die sehr wichtige Tatsache hin, daß auch
der höchste geschaffene Geist sich durch eine Menschwerdung der Gefahr
aussetze, vom Bösen besiegt und zum Abfall von Gott verleitet zu werden.
Diese Gefahr bedrohte auch Christus. Er erkannte sie in ihrer ganzen Größe.
Mehr als einmal war er nahe daran, den Angriffen Satans zu erliegen. Darauf
weist Paulus in den vorgenannten Worten seines Briefes hin, wenn er sagt, daß
Christus zu Gott unter Tränen geschrieen habe, ihn doch von dem Tode zu
erretten. Daß nicht der leibliche Tod damit gemeint war, geht daraus hervor,
daß Paulus ausdrücklich sagt, Gott habe das Gebet Christi erhört. Er hat ihn
also vor dem Tode bewahrt, vor dem Christus so große Angst empfand. Hat ihn
Gott vor dem irdischen Tode und der irdischen Todesangst bewahrt? Im
Gegenteil. Den Kelch der irdischen Todesangst und des irdischen Todes hat
Gott ihn bis zur Neige leeren lassen. Es muß also ein anderer Tod gewesen
sein, von dem Christus auf sein Flehen errettet wurde. Du weißt, daß das Wort
‘Tod‘ an fast allen Stellen der Bibel und vor allem in den Briefen des Paulus
den ‘geistigen Tod‘ oder den Abfall von Gott bezeichnet. Vor diesem Abfall
zitterte Christus schon zu einer Zeit, wo er von einem Kreuzestod noch nichts
wußte. So furchtbar hat ihm Satan zugesetzt. Eure Bibel weiß nichts von dem
täglichen Ringen Christi mit den Höllenmächten, die alles aufboten, ihn mürbe
zu machen und dadurch zum Abfall von Gott zu bringen. Daß er unter Tränen zu
Gott aufschrie und ihn um Hilfe anfleht, wenn Satan mit seiner ganzen Horde
an ihm war und er vor Angst zitterte, er möchte der Hölle auf die Dauer nicht
widerstehen können - daran möget ihr erkennen, daß die Möglichkeit eines
Abfalles von Gott auch bei Christus gegeben war. Denn wäre bei ihm keine
Möglichkeit eines Abfalles vorhanden gewesen, dann brauchte er nicht vor dem
Angriff der Hölle zu zittern und noch weniger unter gewaltigem Schrei und
unter Tränen Gott um Rettung anzuflehen. Und Satan, der ja genau wußte, wen er
in Christus vor sich hatte, wäre nicht so dumm gewesen, seine ganzen
Machtmittel gegen ihn ins Feld zu führen, wenn er keine Aussicht gehabt
hätte, ihn zu besiegen. Darum richten sich seine Angriffe nie gegen Gott
selbst, sondern nur gegen die Geschöpfe Gottes. Und wenn Luzifer als
zweithöchster der geschaffenen Geister von Gott abfiel, warum sollte nicht
der erste dieser Geister ebenfalls abfallen können, vor allem jetzt, wo er
als schwacher Mensch den Höllenmächten gegenüberstand. Satan weiß genau, was er
tut, und er unternimmt nichts Aussichtloses. Auch die Wahrheit, daß
Christus menschliche Fehler und Schwächen beging, hat Paulus in der
angegebenen Stelle zum Ausdruck gebracht. Denn er sagt, Christus habe,
wiewohl er Gottes Sohn war, doch aus dem, was er durchzumachen hatte,
Gehorsam gelernt. Also auch Christus mußte als Mensch Gehorsam lernen. Auch
er hat nicht immer den inneren und äußeren Anregungen zum Guten Folge
geleistet. Aber die Strafe, die auch er als Mensch für den kleinsten aus
Schwachheit begangenen Ungehorsam bekam, hat ihn nach und nach Gehorsam
gelehrt, und so ist er zur Vollendung gekommen und zwar durch den größten Akt
des Gehorsams - seinen Tod am Kreuze. Das ist ja das Große und Wunderbare an
Christus, daß er, obschon er der Sohn Gottes war, doch als Mensch mit
denselben Schwachheiten und Unvollkommenheiten zu kämpfen hatte, die auch die
anderen Menschen haben, und daß er trotzdem gegen die Macht der Hölle
standhält. Er hat die schlimmsten Angriffe des Bösen an sich erfahren müssen
als einer, der besiegt werden konnte und vor Angst, er möchte besiegt werden,
zu Gott im Gebet schrie. Darum weiß er auch aus eigener Erfahrung, wie es
euch schwachen Menschen zumute ist. ‘Wir haben ja nicht einen
Hohenpriester, der nicht Mitgefühl mit unseren Schwachheiten haben könnte,
sondern einen solchen, der in allen Stücken ebenso versucht worden ist nur
ohne die Sünde‘ (Hebr.4,15). Mit ‘Sünde‘ ist hier nicht das menschliche
Straucheln aus Schwachheit gemeint, von dem kein Mensch frei ist und von dem
auch Christus nicht frei war, sondern unter ‘Sünde‘ ist die Verfehlung zu
verstehen, die uns von Gott trennt. Es ist die Sünde, die den Tod gebiert
infolge des Abfalles von Gott. Christus gehörte nie zu den von Gott
Abgefallenen und ließ sich auch nicht als Mensch von Gott trennen. ‘Die Sünde
zum Tod‘, wie der Apostel Johannes sie nennt‚ beging er nicht. Sonst ist er
den Menschen in allem gleich geworden, auch in der menschlichen Schwachheit
und im menschlichen Straucheln. Denn die Schwachheit zeigt sich im Straucheln.
Wer nie strauchelt, ist auch nie schwach. Jesu erste Erkenntnis seiner
Gottessohnschaft Der Zeitpunkt, an dem
Johannes der Täufer öffentlich als Bußprediger auftrat, sollte auch für
Christus von entscheidender Wichtigkeit werden. Denn bis dahin wußte er noch
nicht, daß er der verheißene Messias war. Als er jedoch Johannes aufsuchte
und dieser ihn der Volksmenge als das Lamm Gottes vorstellte, das die Sünde
der Welt hinwegnehmen solle, da erkannte er, wer er war und erhielt sofort
auch von Gott selbst die Bestätigung: ‘Du bist mein geliebter Sohn; an dir
habe ich mein Wohlgefallen. Jetzt war der Augenblick
gekommen, wo auch die Geisterwelt Gottes Christus über seine Lebensaufgabe
aufklärte. Es wurde ihm gesagt, daß er der höchste der geschaffenen Geister,
der erstgeborene Sohn Gottes sei. Er wurde belehrt, daß er die Wahrheiten
Gottes zu verkünden habe, daß er gegenüber den Angriffen Satans standhaft
bleiben müsse, daß Satan in seinem Kampfe gegen ihn bis zum Äußersten gehen
und ihn in den Kreuzestod hineintreiben werde, wie es von den Propheten
vorausgesagt worden war. Worin jedoch der endgültige Sieg über Satan bestand,
erfuhr Christus erst, als sein Geist sich im Kreuzestod vom irdischen Leib
getrennt hatte. Die Hölle erkannte Christus
als den Sohn und Gesandten Gottes, der die Menschheit durch seine Lehre zu
Gott führen und für die Wahrheit zu sterben bereit sein solle. Der wirkliche
Zusammenhang zwischen dem Kreuzestod Christi und einem Sieg über die Hölle
war auch Satan nicht bekannt. Hätte er die Wahrheit darüber gewußt, so würde
er Christus weder versucht, noch seinen Tod herbeigeführt haben. So aber
wollte er Christus, den er bloß als einen Künder der Wahrheit erkannte,
möglichst bald unschädlich machen. Sofern es ihm nicht gelang, Christus zum Abfall
von Gott zu bringen, hoffte er seiner Wirksamkeit als Wahrheitskünder dadurch
ein Ende machen zu können, daß er ihm das schimpfliche Los eines Kreuzestodes
bereitete. Satan rechnete damit, daß die Lehre eines ‘Gehängten‘ bei den
Menschen schnell abgetan sei. Denn diese mußten erwarten, daß ein Gottessohn,
als den sich Christus ausgab, soviel Macht von Gott erhalten werde, daß er
einen schmählichen Tod von Seiten seiner Feinde verhindern könne. War er dazu
nicht imstande, dann war mit seinem Tode auch seine Lehre gerichtet. Das war
die Berechnung, die Satan sich gemacht hatte. Christus wußte jetzt also,
wer er war und welche große Aufgabe er zu vollbringen hatte. Doch ehe er mit
der Ausführung begann, hatte auch er die Belastungsprobe zu bestehen, wie
alle bisherigen Werkzeuge Gottes sie hatten bestehen müssen. Er mußte zeigen,
ob er seiner wichtigen und folgenschweren Aufgabe gewachsen war. Darum führte
ihn der Geist Gottes in die Wüste. Hier hatte er einen
furchtbaren Ansturm der Höllenmächte auszuhalten, Niemand stand ihm dabei
helfend und stützend zur Seite. Kein Wort menschlichen Trostes von seiten
seiner Mutter oder der Geschwister oder eines Freundes erreichte ihn hier.
Und doch sehnt sich der Mensch gerade in schweren Seelenkämpfen nach einem
mitfühlenden, mittragenden und stützenden Menschenherzen. Das alles war ihm
in der Wüste versagt. Wilde Tiere umheulten ihn, und die Geister der Hölle
standen vor seinem hellsehenden Auge. Unaufhaltsam kamen und gingen sie. Er hörte
ihre Lockungen, Versprechungen, Drohungen. Zu allem, wozu Menschen versucht
werden können, wurde dieser Menschensohn bis zum äußersten versucht. Satan
hat ja seine Spezialisten auf allen Gebieten des Bösen. Es kamen die Geister
der Verzagtheit und des Kleinmuts, die Geister des Zweifels, die ihm den
Glauben an seine Gottessohnschaft und an seine gottgegebene Aufgabe rauben
und ihn zur Verzweiflung an sich selbst bringen wollten. Es kamen die Geister
des Hasses und suchten ihm Erbitterung gegen einen Gott einzuflößen, der ihn
hier in der Wüste einem solchen Jammer preisgab. Es kamen die Geister der
Lebensfreude, die ihm den Gegensatz zwischen dieser schaurigen Wüste und dem
menschlichen Wohlleben in Freude und Lust in den verlockendsten Bildern
vorführten. Aber alle kamen in der Gestalt von Engeln des Lichtes und gaben
sich als seine Freunde aus. Diese
Verführungsspezialisten hatten ihre Rollen gut verteilt. Die Geister des
Zweifels waren die mächtigsten und erschienen immer wieder auf dem Plan. Wie
konnte denn ein Gott seinen erstgeborenen Sohn in eine solche Wüste schicken,
dem Hunger preisgeben und diesen Seelenqualen aussetzen? War am Ende doch
alles, was er von vermeintlichen guten Geistern gehört, war der Ausspruch des
Täufers, war die Gottesstimme am Jordan nicht eine einzige große Täuschung
oder eine Kundgebung des Bösen? War die Gottessohnschaft infolgedessen nicht
ein großer Wahn, dem er zum Opfer gefallen war? Um diesen Punkt drehte sich
der Hauptangriff der Hölle. Die Überzeugung von seiner Gottessohnschaft
sollte in diesem Menschensohn vernichtet werden. War das erreicht, dann hatte
Satan gewonnenes Spiel. Denn wer an seiner Aufgabe irre wird, wirft sie von
selbst fort. Vierzig Tage und vierzig
Nächte dauerte das Kesseltreiben der Hölle. Und ihr Opfer war ihr schutz- und
hilflos preisgegeben, zitternd an allen Gliedern vor seelischen Aufregungen
vor körperlichem Elend infolge Hungers und Schlaflosigkeit. Es fehlte hier ja
jede Nahrung. Er fastete, aber nicht freiwillig, sondern weil nichts Eßbares
vorhanden war. Nichts als Sand und Steine, so weit man schaute. Aber alle Spezialisten der
Hölle mühten sich vergeblich ab, diesen fiebernden Jesus von Nazareth zu Fall
zu bringen, obschon er sich vor körperlicher Schwäche, Hunger und Durst nicht
mehr aufrecht halten konnte. Immer wieder schrie er unter Tränen zu seinem
Vater um Hilfe, damit er ihn vor dem Tode des Abfalls bewahren und ihm die
Kraft geben möge, dem Ansturm des Bösen bis zum siegreichen Ende
standzuhalten. Da, am letzten Tage, als
alle Höllenmächte mit ihren Verführungskünsten dem gequälten Opfer gegenüber
versagt hatten, kam er selbst - er, der Fürst der Finsternis. In manchen
Dingen ist er Spezialist. Vor allem ist er der Geist höllischer Wundertaten.
Als solcher steht er vor dem vor Hunger zitternden Jesus und spricht: ‘Du
meinst, du seiest ein Sohn Gottes? Wenn du das bist, dann brauchst du keinen
Hunger zu leiden, sondern du kannst diese Steine zu Brot machen. Aber du
kannst es nicht, du Irregeführter und mußt hier wegen dieses Wahns des
Hungertodes sterben. Wunder kannst du nicht wirken und hast noch keine
gewirkt und wirst auch keine wirken. Und doch bildest du dir ein, du seiest
ein Sohn Gottes. Siehe mich an, ich bin ein Sohn Gottes, aber von jenem Gott
weggegangen, der in seiner Grausamkeit dich hier so elend werden läßt. Ich
kann Wunder wirken. Diese Kraft kann mir jener Gott nicht nehmen. Ich kann
aus diesen Steinen Brot machen. Ich will dir zu essen geben. Du wirst sehen,
ich kann es. Sag dich los von dem, der dich hier verhungern läßt! Tritt zu
mir, und die schönsten Speisen der Erde stehen dir zur Verfügung. ‘Weiche Satan, ich mag dein
Brot nicht und möchte auch keines, wenn ich es aus diesen Steinen bereiten
könnte. Ich warte auf das Wunderwort, das aus dem Munde Gottes kommt. Das
Wort wird kommen zur rechten Stunde und mir Speise verschaffen, und ich werde
am Leben bleiben.‘ Aber so leicht läßt Satan
sich nicht abweisen. ‘Gut!‘ spricht er, ‘wenn du keine Wunder in meinem
Beisein wirken und von mir kein Brot haben willst, das ich dir bloß aus
Mitleid angeboten habe, dann kannst du ja einen anderen Weg wählen, um dich
zu überzeugen, ob du ein Sohn Gottes bist. Denn daß du kein Sohn Gottes bist,
dafür möchte ich dir den Beweis erbringen. Von dieser Selbsttäuschung möchte
ich dich befreien. Siehe, hier ist die Zinne des Tempels. Ich will dich
dorthin bringen, damit du dich hinabstürzest. Denn den Gottessöhnen ist ja
versprochen worden, daß sie in solchen Fällen von Engelshänden getragen
werden. Also mache den Versuch! Daß ich dir dabei nicht helfen werde, weißt
du. Denn ich will dir ja gerade beweisen, daß du nicht zu den Gottessöhnen
gehörst. Und ich bin sicher, daß du bei diesem Sturz zerschmettert
liegenbleiben wirst. Aber versuchen sollst du es. Auch Gott kann nicht
verlangen, daß du blindlings an deine Gottessohnschaft glauben sollst. Auf
eine Probe mußt du doch wohl deine angebliche Gottessohnschaft stellen, wenn
du nicht jedes vernünftige Denken preisgeben willst. Kommst du heil unten an,
so will auch ich an dich glauben. Findest du aber den Tod dabei, dann kannst
du froh sein, lieber sofort von dem ganzen Trug, den man dir vorgegaukelt,
durch den Tod befreit zu werden, als daß du dein ganzes Leben einem solchen
Irrwahn opferst, um zum Schluß enttäuscht und von den Menschen verflucht
zugrunde zu gehen.‘ Alle Kraft zusammennehmend, gibt ihm das schon seit
vielen Wochen gequälte Opfer die Antwort: ‘Meinen Gott versuche ich nicht.
Nicht auf diese Art will ich mich als den Sohn Gottes erweisen. Meinem Vater
überlasse ich es, wie er mich als seinen Sohn bezeugt. Er wird den Beweis
erbringen, und du wirst den Beweis an dir selbst erfahren. Vor dieser Sprache wich
Luzifer, der zweite, aber gefallene Sohn Gottes, vor seinem ältesten, aber
gottestreuen Bruder für einige Augenblicke zurück. Mit der Kunst seiner
Wunderkraft konnte er nichts ausrichten, weil sein Opfer von ihm kein Wunder
annahm und auch nicht zur Vermessenheit bestimmt werden konnte, selbst ein
Wunder wirken zu wollen. Aber Satan gab seine
Hoffnung noch nicht auf. Er hatte noch ein anderes Lockmittel, mit dem er
bisher stets glänzende Erfolge erzielte: Die Welt war sein. Alles Materielle
untersteht seiner Herrschaft. Er konnte die Reiche der Erde geben, wem er
wollte. Ob er ein Reich dem Babylonier Nebukadnezar gab oder dem Römer
Tiberius oder dem Nazarener Jesus - er hatte es zu bestimmen. Alle, denen er
sie bisher gegeben hatte, waren seine Vasallen gewesen und hatten getan, was
er ihnen befahl. Und wie in einem Film zogen die irdischen Reiche in all
ihrer verlockenden Pracht vor dem fieberglühenden Auge des Menschensohnes
vorüber: ‘Siehe, das alles will ich dir geben. Willst du alles haben, es ist
dein. Willst du nur das eine oder andere davon haben, wähle es dir aus; du
sollst es besitzen. Aber mich mußt du als Oberherrn über dich anerkennen. In
diesen Reichen, die du gesehen, bin ich der erste und will der erste bleiben.
Aber du sollst der zweite sein.‘ ‘Weiche, Satan! - Ich
erkenne nur einen als meinen Oberherrn an meinen Gott.‘ Satan hatte den Kampf
verloren. Er glaubte sicher, ihn gewinnen zu können, als er sein Opfer in den
verflossenen Tagen so oft zum Vater schreien hörte und seine Angst sah. Und
da waren doch nur Luzifers Untergebene an der Arbeit. Jetzt war er selbst
gekommen, um die, wie er glaubte, sturmreife Festung zu nehmen, in der sich
der Hunger als starker Bundesgenosse eingestellt hatte. Doch er hatte sich
getäuscht. Mit geistigen Waffen und menschlichen Lockungen war diesem
Menschensohn nicht beizukommen. Doch ein Kampfmittel blieb
ihm noch, vor dem alle Menschen erbeben und willfährig werden. Es war das
Kampfmittel irdischer Leibesqualen. Die schärfsten wollte er hervorholen.
Menschliche Henkersknechte hatte er ja genug in seinem Dienst: Gelehrte und
Ungelehrte, Könige und Landpfleger, geistliche und weltliche Machthaber. Es
mußte gelingen. Die beste Gelegenheit zur Ausführung würde er schon finden.
Darum sagt eure Bibel: ‘Als der Teufel so mit allen Versuchungen zu Ende
war, ließ er von ihm ab bis zu einer gelegenen Zeit‘ (Lukas4,13). Die furchtbaren Anstürme des
Bösen auf Jesus in der Wüste hatte Paulus vor allem im Auge, als er schrieb,
daß Christus unter lautem Schrei und unter Tränen den um Hilfe angefleht
habe, der ihn vom Tode des Abfalls erretten konnte. Du siehst, Gott verschenkt
seine wertvollen Gaben nicht. Sie müssen unter harten Proben errungen werden.
Auch Christus mußte sich als Mensch die Kraft bitter verdienen, die er für
seine gewaltige Aufgabe nötig hatte. Ihm wurde nichts in den Schoß geworfen.
Aber jedesmal, wenn er siegreich mit dem Bösen gerungen hatte, kam die
Gotteskraft als Lohn über ihn. Der Himmel tat sich auf und Gottes Geister
umgaben ihn. So geschah es auch nach dem Kampfe in der Wüste. ‘Engel kamen
und leisteten ihm Dienste‘ (Matth.4,11). Sie verschafften ihm auch das
irdische Brot, das er vierzig Tage hatte entbehren müssen. Jetzt, wo die
Steine durch die Geister Gottes in Brot verwandelt wurden, nahm er es mit
Dank gegen Gott an. Er hatte es zurückweisen müssen, als es ihm unter Satans
Einfluß gereicht werden sollte. Nach der ersten siegreich
bestandenen Probe trat Jesus sein öffentliches Lehramt an. Er sammelte einige
arme, schlichte, aber für die Wahrheit empfängliche Männer um sich, die euch
unter dem Namen ‘Apostel‘ bekannt sind. Diese wollte er tiefer in das Verständnis
der Erlösung einführen. Doch bald stellte sich heraus, daß auch sie schwache
Kinder ihrer Zeit und nicht stark genug waren, mehr als bloß einen Bruchteil
der Wahrheit zu tragen. Zunächst hatte Jesus sich
sowohl seinen Jüngern, als auch dem Volke gegenüber als den Gottgesandten zu
erweisen. Er mußte ihnen sagen, wer er sei und was er wolle und seine Aussage
durch die Kraft desjenigen beweisen, als dessen Gesandten er sich ausgab. So war es ja auch bei Mose,
dessen Aufgabe in allen Teilen ein genaues Abbild der Aufgabe des kommenden
Christus war. Auf ihn wies Mose auch ausdrücklich mit den Worten hin:
‘Einen Propheten wie mich wird Gott der Herr aus eurer Mitte erwecken‘
(5.Mose18,18). - Mose sollte als Gottgesandter ein einzelnes Volk aus dem
Lande der Knechtschaft in das Gelobte Land führen. Die Geknechteten waren die
Israeliten. Ihre Peiniger waren die Ägypter unter Pharao. Die Geknechteten,
die Christus von der Knechtschaft befreien sollte, waren alle zum Abfall von
Gott verführten Geister. Ihre Beherrscher waren die Mächte der Hölle unter
Luzifer. Mose konnte seine Aufgabe nur lösen, wenn ihm zwei Dinge gelangen:
Zuerst mußten die Geknechteten bereit sein, das Land der Knechtschaft zu
verlassen und sich der Führung des Mose anzuvertrauen. Hatte Mose dies
erreicht, dann blieb ihm ein zweites, viel Schwereres zu tun übrig. Er mußte
die Ägypter unter ihrem König Pharao zwingen, das bis dahin geknechtete Volk
Israel aus Ägypten wegziehen zu lassen. Denn daß Pharao und sein Volk nicht
freiwillig auf die billigen Fronknechte und Sklavinnen verzichtete, war
selbstverständlich. So hing auch die Erlösung
durch Christus von zwei Dingen ab: Zuerst mußte auch er die in der
Knechtschaft des Bösen schmachtenden Geister, die in der Stufe des Menschen
verkörpert waren, dahin bringen, daß sie bereit waren, dem Bösen zu entsagen.
Dann aber blieb noch als schwierigste Aufgabe, die Herrschermächte des Bösen
unter Luzifer zu zwingen, diejenigen freizugeben, die zu Gott wollten. Diese beiden Aufgaben waren
sowohl bei Mose, als auch bei Christus scharf voneinander getrennt. Mose hatte, was seine
eigene Person betraf, vor allem dafür zu sorgen, daß er dem Pharao gegenüber
stark blieb, nicht nachgab und sich von ihm weder durch Drohungen noch durch
Lockungen von seiner gottgegebenen Aufgabe abbringen ließ und den
Rettungsplan Gottes nicht durch eigene Schuld zunichte machte. Das Volk
Israel hatte das Seine zu tun und sich zum Auszug bereit zu erklären und
bereitzuhalten. Gott war es, der dann den endgültigen Sieg über Pharao verlieh
und die Befreiung des Volkes Israel zur vollendeten Tatsache machte. Auf
welche Weise Gott diesen Sieg verlieh, danach hatte weder Mose, noch das Volk
zu fragen. Das war allein Gottes Sache. So auch bei Christus. Auch
für ihn war es wertlos, dem Volk darüber Mitteilung zu machen, auf welche
Weise die Erlösung erfolgen sollte. Er hatte es bloß darüber zu belehren, daß
die Zeit der Befreiung nahe sei, daß es sich der Befreiung würdig machen
solle und daß er selbst derjenige sei, der von Gott als Retter zu ihm gesandt
worden war. Christus hatte für seine
Person dafür zu sorgen, daß er nicht den Machthabern des Bösen unterlag, die
kein Mittel unversucht ließen, ihn zum Abfall von Gott und dadurch auch von
seiner göttlichen Aufgabe zu bringen. Christus mußte wie Mose auf der Hut
sein, von dem nicht besiegt zu werden, den er besiegen wollte. Blieb er in
seiner Verteidigungsstellung gegen die Angriffe des Bösen fest, dann war es
Gottes Sache, zu bestimmen, wie er den Sieg über Satan auch in der Offensive
errang. Es war ja klar, daß Christus nicht als Mensch gegen die Geister zum
Angriff vorgehen konnte. Menschen haben bloß die Möglichkeit, sich gegen den
Ansturm der bösen Mächte zu wehren, wenn diese durch Einflüsterungen,
Verlockungen, Einjagen von Furcht oder auch durch Erscheinungen, sowie
menschliche Helfershelfer sie zum Bösen zu verleiten suchen. Zum Angriff
konnte Christus daher bloß als Geist nach seinem irdischen Tode gegen Satan
vorgehen. Dann erst konnte es heißen: ‘Abgestiegen zu der Hölle.‘ Ich habe dir gesagt, daß
Christus als Mensch Satan gegenüber hätte unterliegen können. Dann hätte der
Fürst der Unterwelt auch diesen ersten Sohn Gottes zu seinem Vasallen
gemacht. In diesem Falle hätte Gott einen anderen der höchsten Himmelsfürsten
Mensch werden lassen, um das Werk der Erlösung zu vollbringen, das dem ersten
Sohn Gottes wegen seiner Schwachheit als Mensch mißlungen war. Du schauderst bei dem
Gedanken, daß Christus den Angriffen Satans hätte unterliegen können. Und
doch ist es so. Ihr wißt ja gar nicht die unermeßliche Liebe eures
himmlischen Vaters zu schätzen, der seinen eingeborenen Sohn nicht schonte,
sondern sich aus Liebe zu euch der Gefahr aussetzte, auch ihn zu verlieren,
wie er den zweiten Sohn verloren hatte. Und ihr vermögt euch auch nicht das
Furchtbare des Kampfes vorzustellen, den Christus euretwegen gegen die ganze
Hölle zu bestehen hatte, wenn er euch erlösen wollte. Bei euch genügt schon
einer der kleinsten Teufel, um euch in wenigen Augenblicken zum Abfall von
Gott zu bringen. Er braucht euch bloß eine Handvoll Geld, eine menschliche
Ehre oder einen Sinnesgenuß hinzuhalten, und er hat den Sieg errungen. - Aber
auf Christus, euren ältesten Bruder, stürzte sich die ganze Hölle, an ihrer
Spitze Luzifer selbst. Und das nicht bloß einmal und für wenige Augenblicke,
sondern immer und immer wieder, ein ganzes Menschenleben hindurch.
Sturmkolonne auf Sturmkolonne der finsteren Mächte ging Tag für Tag gegen
diesen Menschensohn vor, und schließlich nahmen sie als Sturmwaffe die größte
menschliche Marter, bis der Gequälte am Kreuze verblutete - zwar als Mensch
getötet, aber nicht zum Abfall von Gott gebracht. Satan hatte an ihm nichts
ausrichten können. Und doch war der, gegen den die ganze Höllenmacht in
dieser Weise anstürmte, ein Mensch wie ihr, euch in allem gleich. Das ist das wahre Bild des
Erlösers, und so sollte sein Erlösungswerk verlaufen. Wie es für Mose das erste
war, sich den Israeliten als Gesandten Gottes und als von Gott bestell ten
Retter vorzustellen und als solchen durch Wunderwerke zu erweisen, so war es
auch Christus zunächst dem Volke schuldig, zu sagen, wer er sei und welche
Aufgabe er zu erfüllen habe. Auch er mußte seine Sendung als Erlöser durch
Wunderwerke beglaubigen. Jesus Christus - nicht Gott,
sondern Gesandter Gottes. Wer war Christus und als
was bezeichnete er sich selbst? - ‘Ich bin Christus, der Sohn des lebendigen
Gottes.‘ - Das ist sein Zeugnis von sich selbst. Und dieses Zeugnis stellte
ihm auch Gott aus: ‘Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.‘
- Christus war also der Sohn Gottes, und nur das wollte er sein. Er war nicht
Gott. Niemals sagte er: ‘Ich bin Gott.‘ Niemals behauptete er, Gott in irgend
einem Punkte gleich zu sein. Er wird nicht müde, immer wieder zu betonen, daß
er nichts aus sich selbst vermöge, nichts aus sich selbst rede, keine
wunderbaren Werke aus sich selbst vollbringen könne. Der Vater ist es, der
ihn beauftragt hat. Der Vater ist es, von dem er alle Wahrheit empfangen hat.
Der Vater ist es, der ihm die Kraft gibt, Kranke zu heilen und Tote zu
erwecken. Alles tut er so, wie der Vater es will, und zu der Stunde, die der
Vater dazu bestimmt hat. Wie ein Statthalter nur im
Namen und Auftrag des Herrschers, der ihn als Statthalter eingesetzt hat,
seine Machtbefugnisse ausübt und nur in den Grenzen der empfangenen
Machtbefugnisse handeln darf, so auch Christus. Und wenn ein Herrscher seinem
Statthalter alle Macht überträgt, die er selbst als Herrscher besitzt, so hat
der Statthalter doch nichts aus sich. Er ist nicht der Herrscher, sondern von
diesem in allem abhängig. Er kann von ihm jederzeit seines Postens enthoben
werden. So war Josef der Statthalter des Pharao. Er hatte von ihm
unbeschränkte Macht zur Rettung des Landes erhalten. Pharao hatte ihm als
Zeichen der ihm übertragenen königlichen Gewalt seinen Siegelring überreicht
und in königliche Gewänder gekleidet. Mit dem Siegelring hatte Josef seine
Urkunden als königliche Urkunden zu kennzeichnen. In seiner Gewandung glich
er dem Pharao. Aber er war nicht der oberste Herrscher. Der war Pharao und
blieb es. Josef war bloß der vom ägyptischen Herrscher ernannte, wenn auch
mit voller Königsgewalt ausgestattete Statthalter. Er hatte die volle
Königsgewalt nicht aus sich. Er hatte sie bekommen durch freien Entschluß des
Königs. Dieser konnte sie wieder nach Belieben beschränken oder ganz
entziehen oder sie auf einen anderen übertragen. Hier hast du in der
einfachsten und klarsten Weise ein Bild von Christus in seinem Verhältnis zu
Gott. Gott ist der Herr und Schöpfer aller Dinge. Auch der Herr und Schöpfer
des Sohnes Gottes. Gott ist aus sich ewig, allmächtig und allwissend. Der
Sohn nicht. Der Vater hat dem Sohn die Statthalterschaft über die Schöpfung
übertragen und ihn vor allem zu der Aufgabe der Erlösung gesalbt. Aber aus
sich hat der Sohn nichts, weder das Dasein, noch sein Amt als Statthalter,
noch irgendeine Kraft. Alles hat ihm der Vater gegeben. Ist der Sohn im
Himmel auch in gottähnliche Gewänder gekleidet, und tritt er mit göttlichen
Machtbefugnissen auf, so ist er doch ebensowenig Gott, wie Josef der Pharao
war. Diese Wahrheit ist in den
Heiligen Schriften so klar enthalten, daß man sich darüber wundern muß, wie
Menschen dazu kommen konnten, Christus zum ‘Gott‘ zu machen, während der
Vater und Gebieter alles Geschaffenen feierlich schwört: ‘Ich allein bin Gott
und sonst keiner. Die christlichen
Religionen, die Christus als Gott bekennen und ihn dem Vater in allem gleich
stellen, wagen selbst nicht zu behaupten, daß Christus gesagt habe, er sei
‘Gott‘. Aber sie folgern es zunächst daraus, daß er sich ‘Sohn Gottes‘
nannte. Sie urteilen, wie die Hohen Priester, Schrift gelehrten und Pharisäer
geurteilt haben, von denen es in der Bibel heißt: Sie trachteten ihm um so
mehr nach dem Leben, weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch in
einem einzigartigen Sinne Gott seinen Vater nannte und sich damit Gott
gleichstellte‘ (Joh.5,18). Gegen den Vorwurf, daß er
in einem einzigartigen Sinne Gott seinen Vater nannte, wehrte sich Christus
nicht. Denn er war in einem Sinne ein ‘Sohn Gottes‘, wie kein anderer der
‘Gottessöhne‘ oder der Geister Gottes. Er war nicht bloß der höchste der von
Gott geschaffenen Geister, sondern auch der einzige Geist, der auch seinem
himmlischen Leibe nach von Gott ins Dasein gerufen worden ist. Die anderen Söhne
Gottes hatten bloß ihrem Geiste nach von Gott ihr Dasein erhalten, während
ihre himmlischen Leiber dem erstgeschaffenen Sohne ihr Entstehen verdankten.
Christus war also nicht bloß der ‘Erstgeborene‘ Gottes, sondern auch der
einzige, der nach seinem ganzen Sein eine direkte Schöpfung Gottes war. Er
war der einzige in seiner Art. Er war der ‘Eingeborene‘ des Vaters. Auch noch
aus einem anderen Grunde war er in einzigartigem Sinne der Sohn Gottes. Ihm
allein hatte der Vater die Statthalterschaft über die Schöpfung übertragen.
Er hatte ihm dieselbe Stellung in seinem Reiche eingeräumt, die der Pharao
dem ägyptischen Josef im Reiche Ägypten verliehen hatte. Also darin hatten
die Juden Recht: Christus nannte sich in einer besonderen Bedeutung einen
Sohn Gottes. Er war der Sohn Gottes. Aber wogegen sich Christus bis aufs
äußerste wehrte, war die Behauptung seiner jüdischen Feinde, er stelle sich
Gott gleich. Er beteuerte immer wieder, daß er keinerlei Macht von sich
selbst habe und aus sich selbst nicht das Geringste tun könne. Wenn einer aus
sich selbst nichts kann, dann ist damit der unwiderlegliche Beweis erbracht,
daß er nicht Gott sein kann. Soviel folgerichtiges Denken mußten auch die
Hohen Priester und Schriftgelehrten besitzen. Und sie begriffen es auch sehr
gut, was Jesus unter ‘Sohn Gottes‘ verstand. Aber nach außen wollten sie es
nicht verstehen. Sie suchten ja einen Grund, ihn zu töten. Und da konnten sie
keinen besseren finden, als wenn sie behaupteten, Christus mache sich zum
Gott, indem er sich Sohn Gottes nenne. Diesen Scheingrund durften sie um
keinen Preis mehr aus der Hand geben. Darum war auch jede Belehrung von
seiten Christi zwecklos. Es ist wahr, Christus hatte
alle Macht im Himmel und auf Erden. Aber er hatte sie ebensowenig von sich
selbst, wie der ägyptische Josef alle Macht über Ägypten aus sich hatte. Wie
Josef nicht der Pharao war, so war Christus auch nicht Gott. Nur der Vater ist Gott und
sonst keiner. Der Vater hat alle Macht und sonst niemand. Der Vater kann
diese Macht nach seinem Gutdünken auf irgendeinen geschaffenen Geist
übertragen, indem er in diesem und durch diesen wirkt. Gott hätte daher die
Macht, die er Christus verlieh, einem anderen geschaffenen Geiste geben
können. Es mußte nicht sein erstgeborener Sohn sein. Und die großen Wunder,
die Christus wirkte, konnte auch jeder andere Mensch wirken, wenn ihm Gott
die Kraft dazu gab. Christus sagt ja selbst, daß nicht bloß er das alles
wirken könne, sondern auch jeder andere, sobald er gläubig werde. ‘Wer an
mich glaubt, wird die Werke, die ich tue, auch tun, ja er wird noch größere
als diese vollbringen‘ (Joh.14,12). - An Christus glauben heißt an Gott
glauben, aber nicht etwa, weil Christus selbst Gott ist, sondern weil er die
Lehre Gottes verkündet. ‘Ich habe nicht von mir aus geredet, sondern der
Vater selbst, der mich gesandt hat, der hat mir aufgetragen, was ich sagen
und was ich lehren soll‘ (Joh.12,49). Zwischen dem Vater und
Christus herrscht die große Einheit der Liebe. Jedes Geschöpf Gottes kann zu
dieser Einheit mit dem Vater gelangen. Sie erbittet ja Christus von Gott auch
für seine Jünger. ‘Sie sollen eins sein, wie wir eins sind: Ich in ihnen und
du in mir, auf daß sie voll ausgestaltet werden zu einer Einheit mit uns‘
(Joh.17, 22-23). Du siehst, wie töricht es
ist, wenn deine bisherige Kirche zum Beweis für die Gottheit Christi sich auf
den Satz beruft: ‘Ich und der Vater sind eins‘, wo doch dieselbe Einheit, die
der Sohn mit dem Vater hat, auch den Gläubigen zuteil werden soll. Wenn du dir die Aussprüche
Christi zusammenstellst, in denen er sein Verhältnis zu seinem Vater darlegt,
so wirst du erkennen, wie frevelhaft es ist, Christus als Gott zu bezeichnen,
ihn als den Gebenden hinzustellen, wo er bloß der Empfangende ist und anderen
bloß das geben kann, was er selbst von Gott erhalten hat. - Die große
Gotteslästerung, welche die Juden Christus vorwarfen, indem sie fälschlich
behaupteten, er mache sich Gott gleich, begehen heute diejenigen, die
Christus zum Gott machen, während Christus selbst die Gottgleichheit so weit
von sich wies. Die Lehre Christi über
seine eigene Person, über den Ursprung seiner Lehre und die Macht und Kraft,
die er besitzt, war also die, daß er alles und jedes vom Vater erhalten hat.
Aus sich hat er nichts. Er ist nicht Gott. Nicht alles hat ihm der
Vater übertragen. Gewisse Dinge hat der Vater sich selbst vorbehalten. Zu den
Söhnen des Zebedäus sagte Christus: ‘Den Platz zu meiner Rechten und Linken
habe nicht ich zu vergeben, sondern er wird denen zuteil, für die er von
meinem Vater bestimmt ist‘ (Matth.20,23). Auch den Tag des
allgemeinen Gerichtes weiß der Sohn nicht, sondern nur der Vater. ‘Von jenem
Tage aber und von der Stunde hat niemand Kenntnis, auch die Engel im Himmel
nicht, auch der Sohn nicht, sondern ganz allein mein Vater‘ (Matth.24,36,). Christus hatte von Gott
auch nicht die Erlaubnis bekommen, die Marter des Kreuzestodes von sich
abzuwenden. Darum wurde er im Garten Gethsemane nicht erhört, als er den
Vater bat, diesen Leidenskelch an ihm vorübergehen zu lassen. Jesus in der Beurteilung seiner
Umgebung Sowohl die Angehörigen
Jesu, als auch die Apostel und das gläubige Volk erkannten in ihm bloß den
‘Propheten‘ - den ‘Gottesgesandten‘. Daß einer der ‘Söhne Gottes‘ in ihm
Mensch geworden war, wußte wohl seine Mutter aus der Verkündigung des Engels
vor seiner Geburt. Aber sie wußte auch, daß er ein Mensch war mit
menschlichen Schwächen. Sie war mit der Art seines öffentlichen Auftretens
und seiner Lehrverkündigung nicht einverstanden. Sie wußte wohl, daß seine
Glaubensüberzeugung von der Lehre der jüdischen Religion wesentlich abwich.
Aber daß er das alles jetzt dem Volke öffentlich predigte, das drückte sie
schwer. Sie hatte sich seine Aufgabe ganz anders gedacht. Und als sie hörte,
daß Jesus in seinen Predigten so scharfe Worte gegen die geistlichen Führer
des jüdischen Volkes gebrauchte und so manches in ihrer althergebrachten
Religion in der Öffentlichkeit als unrichtig bezeichnete, da suchte sie das
im Verein mit ihren anderen Söhnen zu verhindern. Sie wollte ihn zur Rückkehr
in sein Elternhaus zwingen. Dadurch glaubte sie den Anstoß beseitigen zu
können, den sein Vorgehen bei den Priestern, Schriftgelehrten und Pharisäern
erregt hatte. ‘Als seine Angehörigen es hörten, machten sie sich auf um
sich seiner zu bemächtigen. Denn sie sagten, er sei von Sinnen gekommen‘
(Mark.3,21,). - ‘Denn nicht einmal seine Brüder glaubten an ihn‘ (Joh.7,5). Daß seine Mutter und seine
Brüder diese Einstellung gegenüber seinem öffentlichen Auftreten hatten, ist
menschlich verständlich. Sie hielten die Lehre der jüdischen Kirche für die
richtige. Darin waren sie von Jugend auf erzogen. Ihre Vorfahren hatten in
dieser Religion gelebt und waren darin gestorben. Und nun sollte der eigene
Sohn und Bruder öffentlich predigen, daß diese Religion in vielen Punkten im
Irrtum sei. Das war für diese einfachen, unerfahrenen Leute unerträglich.
Das, was ihre Geistlichkeit ihnen sagte, war für sie maßgebend. Doch war auch
Menschenfurcht dabei im Spiele. Man zeigte mit Fingern auf sie als die
Angehörigen eines Mannes, der die Religion seiner Väter angriff. Von dem
Synagogenvorsteher ihres Ortes mußten sie oft Vorhaltungen deswegen über sich
ergehen lassen. Auch eine geschäftliche Schädigung mußten sie befürchten.
Besonders hart aber traf sie die Nachricht, daß die oberste Kirchenleitung
Jesus in den Bann getan habe und alle, die ihm anhingen und als den Messias
bekannten, ebenfalls mit dem Banne bedrohe. ‘Sie hatten schon abgemacht,
daß der, welcher Jesus als den Messias bekenne, in den Bann getan würde‘
(Joh.9,22). Die jüdische Geistlichkeit warnte das Volk vor Jesus und
seiner Lehre. Reichlichen Gebrauch machte sie von der Waffe der Verleumdung.
Sie nannte ihn einen ‘falschen Propheten‘, einen ‘vom Teufel Besessenen‘,
einen ‘Volksaufwiegler‘, einen ‘Weinsäufer‘ und ‘sittlich Verkommenen‘, der
sich mit Dirnen abgebe und bei den öffentlichen Sündern zu Gast sei. Kein
Mittel war ihr zu schlecht, um denjenigen unschädlich zu machen, von dem sie
ihren Einfluß auf das Volk bedroht sah. Sie konnte nicht dulden, daß die
große Masse des Volkes etwas anderes als religiöse Wahrheit annahm, als was
sie selbst vortrug. Ihr hatte sich das Volk zu fügen. Was sie nicht glaubte,
durfte auch das Volk nicht glauben, oder der Fluch traf es. ‘Ist denn
irgendein Mitglied des Hohen Rates oder ein Pharisäer zum Glauben an ihn
gekommen? Nein, nur dies gemeine Volk, das vom Gesetz nichts weiß - verflucht
sei es!‘ (Joh. 7,48-49). Es ist das alte Lied, das
die Geistlichkeit aller Religionen stets anzustimmen pflegt, wenn sie ihren
Einfluß auf das Volk durch irgendeinen Wahrheitskünder bedroht sieht. Auch du wirst diese Melodie
noch reichlicher kennenlernen wie bisher, sobald du die Wahrheiten
veröffentlicht hast, die du von mir empfingst. Da wirst du sehen, daß sich
das alles wiederholt, was sich damals abspielte. Denn der Knecht ist ja nicht
über den Meister. Man wird dich einen abgefallenen Priester, einen falschen
Propheten, einen Irrsinnigen, einen vom Teufel Besessenen, einen verkommenen
Menschen nennen. Auch deine Angehörigen werden dir Vorwürfe machen. Sie
werden dir sagen, du hättest alles beim alten lassen sollen, und was anderen
Geistlichen gut genug war, hätte auch dir genügen können. Doch fürchte dich
nicht! Hoffe auf Gott! Was können dir die Menschen tun? Aber auch vielen
wirst du durch Vermittlung der Wahrheit die größte Wohltat erweisen. Auch
manche Geistliche, die dein Buch lesen, werden zu der Überzeugung kommen, daß
es die Wahrheit enthält, wenn sie es auch nicht offen einzugestehen wagen. So
war es auch zur Zeit Christi. ‘Es glaubten sogar von den Mitgliedern des
flohen Rates viele an ihn, wagten aber um der Pharisäer willen nicht, es
offen zu bekennen, um nicht in den Bann getan zu werden. Denn an der Ehre bei
den Menschen lag ihnen mehr, als an der Ehre bei Gott‘ (Joh.12,42-43). Auch die Apostel wurden
mehr als einmal irre an ihrem Meister. Auch sie hatten sich den Messias
anders gedacht. Daß in Jesus von Nazareth der ‘Sohn Gottes‘ zur Erde gekommen
sei, wußten auch sie nicht, bis es ihnen eines Tages durch das Bekenntnis des
Petrus zum Bewußtsein kam: ‘Du bist Christus, der Sohn
des lebendigen Gottes‘ (Matth.16,16). - Diese Überzeugung hatte jedoch
Petrus nicht aus den Worten und Taten Christi, noch aus dem eigenen Denken
heraus gewonnen. Sie war ihm durch eine Offenbarung Gottes eingegeben worden:
‘Nicht Fleisch und Blut hat dir das geoffenbart, sondern mein himmlischer
Vater‘ (Matth.16,17). Die Verbindung Jesu mit der
Geisterwelt Über den Weg, auf dem
Christus die Offenbarungen Gottes zuflossen, habe ich dir bereits einige
Andeutungen gegeben. Doch möchte ich noch näher darauf eingehen, weil es zum
vollen Verständnis des Lebens und Wirkens Christi erforderlich ist. Dabei
wirst du erkennen, daß auch in diesem Punkte bei Christus nichts vollständig
Neues und nie Dagewesenes in Erscheinung trat. Du brauchst dir bloß zu
vergegenwärtigen, auf welche Weise Gott früher seinen Werkzeugen die
erforderlichen Offenbarungen und Aufträge zukommen ließ. Wie machte er es bei
Abraham, Isaak und Jakob? Wie bei Mose und Josua? Wie bei den Richtern, Königen
und Propheten? Wie bei Zacharias, Maria und Josef? Nun, auf dieselbe Weise
vollzog sich alles auch bei Christus. Hierin hatte er also vor den bisherigen
Gesandten und Werkzeugen Gottes nichts voraus. Gott ließ mit ihm, wie mit
allen anderen, seine Geisterwelt in Verkehr treten und durch sie alles
vermitteln, dessen Christus zur Erfüllung seiner Aufgabe bedurfte. Die Vorbedingungen für eine
Verbindung mit der Geisterwelt waren bei ihm dieselben, wie bei jedem
Menschen, mit dem Geister in Verkehr treten. Daß seine mediale Veranlagung
eine besonders große war, ist natürlich. Denn bei ihm handelte es sich um den
höchsten und reinsten der von Gott geschaffenen Geister in menschlicher
Verkörperung. Die innere Sammlung und geistige Versenkung, von der ich dir bei
den Belehrungen über die Ausbildung der Medien sprach, war bei Christus in
einem Grade vorhanden, wie sie in dieser Stärke noch von keinem Menschen
erreicht worden ist. Auch hatte niemals ein menschliches Medium die Reinheit
des körperlichen Ods, wie Christus sie besaß. Bei ihm waren daher die
Vorbedingungen für eine Verbindung mit den Geistern Gottes in einem Umfange
gegeben, wie sie von keinem anderen Menschen je erreicht werden können. Christus hatte die größte
Aufgabe für das Reich Gottes zu lösen, die je einem Menschen zugeteilt war.
Daher mußte Gott ihm auch die Geister in reicher Fülle zusenden, nicht bloß
reich an Zahl, sondern auch an Kraft und Fähigkeit. Zu ihm traten die Geister
der Stärke, um ihm neue Kraft zu verleihen, wenn er die eigene Kraft im
Kampfe gegen die bösen Mächte erschöpft hatte. Oft waren in ihrer Begleitung
Geister der Hoffnung, der Freude und des Seelenfriedens. Dann wieder traten
Kampfengel der Legion Michaels an seine Seite, wenn Satan seine Legionen
aufbot, um Jesus zu Fall zu bringen und die Gewalt seines Angriffes jede
menschliche Widerstandsfähigkeit zu übersteigen drohte. Geister der Wahrheit
und der Erkenntnis traten bei ihm in Tätigkeit, wenn er über die Lehren
unterrichtet werden sollte, die er als Wort Gottes dem Volke zu verkünden
hatte oder wenn er selbst über persönliche Fragen und Aufgaben Aufklärung
erhalten sollte. Geister der Weisheit zeigten ihm den rechten Weg zur
Ausführung seiner Einzelaufgaben. Aber auch nur dann, wenn er die eigenen
Geisteskräfte bis zum äußersten angespannt hatte, ohne das Rechte zu finden.
Auch bei ihm galt, was bei jedem anderen Menschen gilt: Hilf dir selbst, dann
hilft dir Gott! Gebrauche zuerst deine eigenen Kräfte, um zum guten Ziele zu
kommen, und wenn diese nicht ausreichen, dann erst greift Gott mit Hilfe
seiner Geisterwelt ein. Gott wirft das Gute und den Sieg des Guten niemandem
in den Schoß. Er verlangt, daß jeder zunächst seine persönlichen Kräfte voll
ausnutzt. Auch von Christus verlangt er dies. Handelte es sich um die
Heilung von Kranken, dann waren es die Geister der Heilkraft, die in seinen
Dienst traten, sofern die ihm eigene natürliche Heilkraft nicht ausreichte,
das kranke Od des Leidenden gesund zu machen. Seine überaus große persönliche
Heilkraft war in sehr vielen Krankheitsfällen stark genug, die Heilung
herbeizuführen, ohne daß Geister der Heilung in Tätigkeit zu treten
brauchten. Doch heilte Christus nicht
alle, die geheilt sein wollten. Bei manchen ist die Krankheit eine Strafe
Gottes, die der Kranke eine kürzere oder längere Zeit zu tragen hat. Durch
die Gabe des Hellsehens oder Hellempfindens erkannte Christus in jedem Falle,
ob eine Heilung erfolgen sollte oder nicht. Auch war der Glaube an Gott und
Christus als den Gottgesandten die Vorbedingung jeglicher Heilung. Auch blieben nicht alle
geheilt. Manche fielen wieder in ihr früheres Leiden zurück, sobald sie dem
Glauben an Gott und Christus wieder untreu wurden. Denn die Heilungen sollten
ja in erster Linie eine Beglaubigung der Wahrheit sein, die Christus verkündigte. Bei den durch Christus
gewirkten ‘Totenerweckungen‘ muß ich dir etwas sagen, was dich wohl sehr
überraschen wird. Bei allen sogenannten ‘Totenerweckungen‘, sowohl bei den im
Alten Testament erwähnten, als auch bei den von Christus gewirkten, handelte
es sich nicht um Menschen, deren Geist bereits ins Jenseits hinübergetreten
war. Ein wirklich Toter kann aus dem Jenseits in das Diesseits nicht mehr
zurückkehren. Sein Geist kann nicht wieder von dem Körper Besitz ergreifen,
den er durch den irdischen Tod verlassen hat. Das ist ein göttliches Gesetz,
von dem es keine Ausnahme gibt. Sobald sich ein Geist im Jenseits befindet,
ist seine irdische Laufbahn endgültig abgeschlossen. Sein diesseitiges
Schicksal ist unwiderruflich entschieden. Ein Mensch kann er alsdann nur
wieder auf dem Wege einer neuen Geburt werden. In allen Fällen, in denen
Christus Menschen zum Leben erweckte, handelte es sich um solche, deren Geist
zwar vom Körper gelöst war, aber noch durch ein ganz schwaches Odband mit dem
materiellen Leib verbunden blieb. Dieses Odband war so schwach, daß der
ausgetretene Geist weder aus eigener Kraft, noch durch menschliche
Wiederbelebungsmittel hätte in den Körper zurückkehren können und
infolgedessen der wirkliche Tod durch Zerreißen des Odbandes bald hätte
eintreten müssen. Bei Lazarus war dieses Odband so schwach, daß nicht einmal
soviel Lebenskraft dem Körper zugeführt werden konnte, als notwendig war, um
den Verwesungsprozeß zu verhindern. Weder der Verwesungsgeruch, noch die
sogenannten Totenflecken an der Leiche sind also untrügliche Zeichen des
wirklichen Todes. Daß es sich bei den
Totenerweckungen nur um Scheintote handelte, deutet Christus klar an, als er
die Tochter des Jairus ins Leben zurückrief: ‘Das Mädchen ist nicht tot,
sondern schläft nur‘ (Matth.9,24). - Ihr erklärt diese Worte als Scherz.
Solche Scherze machte Christus nicht, wenn es sich darum handelte, die
Beweise für seine göttliche Sendung dem Volke zu erbringen. Auch bei Lazarus
weist er seine Apostel daraufhin, daß es sich bei ihm nicht um einen
wirklichen Tod handelte. Denn als er von seiner Krankheit vernahm, sagte er
zu ihnen: ‘Der Zweck dieser Krankheit ist nicht der Tod, sondern sie dient
zur Verherrlichung Gottes‘ (Joh.11,4). - Und als Lazarus nach
menschlichem Ermessen tot war, sagte Jesus wiederum: ‘Unser Freund Lazarus
ist eingeschlummert und ich gehe hin, ihn aufzuwecken.‘ Als aber seine
Apostel ihn nicht recht verstanden und es auch zwecklos erschien, längere
Erklärungen darüber abzugeben, die sie doch nicht begriffen hätten, da sagte
er: ‘Lazarus ist tot. ‘ Damit gebrauchte er zwar nicht die richtige
Bezeichnung des Zustandes, in dem sich Lazarus befand; aber es war die
einzige, durch die er sich verständlich machen konnte. Denn in diesem
Augenblick lag Lazarus bereits im Grabe und wurde von den Menschen zu den
Toten gerechnet. Wäre es der wirkliche Tod gewesen, dann hätte Christus nicht
einige Tage vorher sagen können, daß der Zweck der Krankheit des Lazarus
nicht sein Tod sei. Auch hätte er nach der Grablegung nicht die Worte
gebrauchen dürfen: ‘Unser Freund ist eingeschlummert.‘ In beiden Fällen
sprach Christus die Wahrheit, da es sich tatsächlich nicht um den wirklichen
Tod handelte, sondern um einen ‘Scheintod‘. Aber deswegen ist die Tat
der Auferweckung um nichts verkleinert. Denn sie konnte nicht durch
menschliche Kräfte herbeigeführt werden, sondern nur durch die Kraft Gottes.
So war es bei allen Totenerweckungen Christi. Menschenkräfte versagten hier
vollständig. Die Geister Gottes griffen ein. Sie vollendeten alles, was den
Wiedereintritt des Geistes in den Körper ermöglichte. Christus nahm die
Arbeit der Geisterwelt hellsehend wahr, und auf sein Wort trat dann der Geist
des Scheintoten wieder in seinen Körper zurück und der Scheintote wachte auf. Ihr Menschen denkt nicht
daran, daß sich derartige Wirkungen nach gottgegeben Gesetzen vollziehen. Das
gilt nicht nur von den Totenerweckungen, sondern von allen wunderbaren Taten
Jesu. Als er Wasser in Wein verwandelte, war es ebenfalls die Geisterwelt
Gottes, die dies vollführte. Darum konnte auch Christus diese Verwandlung
nicht in dem Augenblick vornehmen, als seine Mutter es wünschte. Seine Stunde
war deswegen noch nicht gekommen, weil die dazu erforderliche Arbeit der
Geisterwelt noch nicht beendet war. Auch die Arbeit der Geister erfordert
Zeit. Weil ihr diese Vorgänge nicht versteht, darum ist euch auch der Sinn
mancher Worte nicht klar, die euch die Bibel berichtet, und ihr übersetzt sie
deswegen falsch in eure Sprachen. So enthält auch der biblische Bericht über
die Auferweckung des Lazarus einen Satz in eurer Übersetzung, der euch ganz
unverständlich sein muß. Er lautet: ‘Als nun Jesus sah, wie Maria weinte
und wie auch die Juden laut weinten, die mit ihr gekommen waren, fühlte er
sich im Geiste entrüstet und erregte sich ‘(Joh.11,33). Andere
übersetzten: ‘Er ergrimmte. ‘ Warum sollte denn Christus ergrimmen oder
entrüstet sein, wenn er Schwestern und Freunde eines Toten weinen sieht? -
Nein, es heißt: ‘Ein Schauer befiel seinen Geist und er fühlte sich
erschüttert. ‘ Denn wenn Geister an euch herantreten und ihre starke
Odstrahlung auf euch wirken lassen, dann fühlt ihr einen Schauer euch
durchrieseln, so daß ihr euch schüttelt. Es ist ein wohltuender Schauer, wenn
es gute Geistwesen sind, die auf euch einwirken und ein unangenehmes Gefühl,
wenn die Einwirkung von einem niedrigen Geistwesen herrührt. Ein solcher
Schauer rann auch durch Christus. Es waren die gewaltigen Odstrahlungen der
Geister, die ihn umgaben und die ihm die Kraft zuströmten, die er als
Schlußstein der Geisterarbeit durch seinen lauten Ruf: ‘Lazarus, komm
heraus!‘ auf den Scheintoten wirken ließ. Solche ‘Totenerweckungen‘
konnte Christus nur dann vornehmen, wenn er durch die Boten Gottes erfahren
hatte, daß es der Wille Gottes sei. Denn alle Zeichen der Krafterweise Gottes
erfolgen nur dann, wenn sie zur Verbreitung des Reiches Gottes oder zur
Bestätigung seines Gesandten und seiner Lehre in besonderer Weise dienlich
waren. Christus sprach in der
Öffentlichkeit nie über seine Verbindung mit der Geisterwelt Gottes. Nur wenn
er sie erwähnen mußte, tat er es. So sagte er zu den Juden, die ihm
vorwarfen, daß er durch das Böse die Geister aus den Besessenen austreibe, er
treibe die bösen Geister durch einen Geist Gottes aus. ‘Wenn ich aber die
bösen Geister durch einen Geist Gottes austreibe, so ist ja das Reich Gottes
schon zu euch gekommen (Matth.12,28). Mit dem höchsten Grade des
Hellsehens, wie es Jesus eigen war, hing auch die Gabe zusammen, den
geistigen Zustand eines Menschen zu erkennen und dessen Gedanken zu sehen. Es
gab zu allen Zeiten Menschen, die eine ähnliche Gabe besaßen. Eure Zeit
versteht das nicht und weiß vor allem nicht, daß es sich auch hierbei um ewig
gültige Gesetze handelt, nach denen derartige Erscheinungen auftreten. Auch bei Christus vollzog
sich alles nach diesen Gesetzen. Ihnen trug er auch dadurch Rechnung, daß er
Ort und Stunde für den Geisterverkehr so wählte, daß die Vorbedingungen dafür
möglichst günstig waren. Er, der seine Anhänger aufforderte, das stille
Kämmerlein zum Gebete aufzusuchen, ging selbst auf belaubte Höhen in den
kühlen Abend- und Nachtstunden. Denn Licht und Wärme und der Lärm des Tages
sind der für den Geisterverkehr notwendigen Odgestaltung sehr nachteilig.
Darum wählte er die Einsamkeit des Waldes oder Gartens und das Dunkel und die
Kühle der Nacht. Auch alles, was Christus
von der Zukunft voraussagte, wußte er nur aus seiner Verbindung mit den
Geisterboten seines Vaters. Die früheren Gottgesandten und die
Geisterwelt Ihr pflegtet bisher die
Wunder und Weissagungen Jesu als Beweis für seine Gottheit anzusehen. Dabei
begingt ihr einen großen Trugschluß. Ihr verwechselt den Wirkenden mit dem
Werkzeug. Der Wirkende ist Gott. Das sichtbare Werkzeug seines Wirkens kann
jedes Wesen sein, während die unsichtbaren Werkzeuge die dem Betreffenden
Wesen beigegebenen Geister Gottes sind. Wenn ihr nur ein wenig nachdenken
würdet, so müßtet ihr dies von selbst finden. Wenn du über die ‘Gottheit
Christi‘ predigtest und sie mit seinen Wundern und Weissagungen zu beweisen suchtest,
kam dir da nicht in den Sinn, einmal einen Vergleich mit den früheren
Gottgesandten anzustellen? Haben diese nicht ähnliche Wunderzeichen gewirkt,
wie Christus? Waren die Wunder des Mose denn geringer, als die Wunder Jesu?
War die Verwandlung des Stabes in eine Schlange, des Wassers in Blut, die
Tötung der ägyptischen Erstgeburt, der Durchgang durch das Rote Meer, das
Hervorbringen von Trinkwasser durch einen Schlag seines Stabes und viele
andere Zeichen des Mose etwas Geringeres, als die durch Jesus bewirkte
Verwandlung des Wassers in Wein, das Wandeln auf dem Meere und die Stillung
des Meeressturmes? Dann müßtet ihr ja auch Mose als Gott ansehen, wenn ihr in
dem, was Jesus tat, einen Beweis für seine Gottheit erkennen wollt. Und
wurden nicht durch viele Menschen, die Werkzeuge Gottes waren, Kranke geheilt
und ‘Tote‘ erweckt? Dann mußten auch sie alle Gott gewesen sein. Dann waren
Josua, Elia, Elisa und die übrigen großen Propheten Gottes ebenfalls Gott.
Dann waren auch die Apostel Gott, da sie ja dieselben Wunderzeichen wirkten,
wie Christus und gemäß seinen Worten noch Größeres wirken sollten, als er
selbst. Ihr könnt keine Wunder Jesu angeben, die nicht in gleicher oder
ähnlicher Weise von anderen Menschen als Gesandten Gottes gewirkt worden sind.
Ihr verkennt vollständig den Zweck, den die Wunderwerke nach den Absichten
Gottes bei seinen Gesandten haben. Ihr bedenkt zu wenig, daß Gott seine
Werkzeuge durch solche außergewöhnliche Taten beglaubigen muß, bevor er von
den Menschen verlangen kann, daß sie jene Werkzeuge als von Gott beauftragt
anerkennen. Alle Gesandten Gottes haben bei Erfüllung ihres Auftrages von der
Menschheit Schweres zu erdulden gehabt. Alle hatten einen bitteren Leidensweg
zu gehen. Sie waren die Gefäße, in denen Gottes Licht und Wahrheit leuchtete.
Aber die im Banne der Finsternis liegenden Menschen konnten das Licht nicht
vertragen. Es schien ihnen zu hell in ihre von Sünden kranken Augen. Sie
wandten sich von dem Lichte ab und suchten die menschlichen Gefäße zu
vernichten, die als Leuchter für das Licht Gottes dienten. So war es zu allen
Zeiten. So ist es auch heute und so wird es so lange bleiben, als es
sündenkranke Menschenaugen gibt, die es schmerzt, wenn ihnen das Licht der
Wahrheit vorgehalten wird. Die bösen Mächte und die von ihnen geknechteten
Menschen hassen das Licht und die Lichtträger und bieten ihre ganze Kraft zum
Vernichtungskampfe gegen sie auf. Die Leiden Jesu in seiner Bedeutung
für die Erlösung Wie furchtbar mußte daher
vor allem auch das Wüten sein, das gegen den größten Lichtträger, der je zur
Erde kam, von seiten des Bösen einsetzte, um ihn unschädlich zu machen! Wie
bitter mußte der Leidensweg werden, den Christus zu gehen hatte! Das, was Christus innerlich
unter den Anfechtungen des Bösen zu erdulden hatte, entzog sich den Augen der
Menschen. Darum berichtet auch die Bibel nichts darüber. Sie bringt bloß die
so wenig sagende Erzählung von der Versuchung Jesu in der Wüste. Und doch
waren diese Angriffe Satans so furchtbar, daß alle früheren Gottgesandten zum
Abfall von Gott gebracht worden wären, wenn Gott den Höllenmächten gestattet
hätte, mit solcher Stärke gegen sie vorzugehen, wie er es ihnen bei Jesus
erlaubte. Aber auch die körperlichen
Leiden, die er bis zu seinem letzten Atemzug am Kreuze zu erdulden hatte,
waren derart, daß ihnen die anderen Gottgesandten, vor allem in Verbindung
mit den gleichzeitigen Seelenqualen, nicht hätten standhalten können. Für
Christus hatte sein Leidensweg allerdings eine wesentlich höhere Bedeutung,
als für die anderen Propheten Gottes. Für diese war mit dem Abschluß ihres
Menschenlebens ihre Aufgabe erfüllt, wenn sie Gott treu blieben. Für Christus
war sein menschliches Leiden jedoch bloß die Erfüllung eines Teiles seiner
Aufgabe. Den Hauptteil dieser Aufgabe hatte er nach seinem irdischen Tode als
Geist durch einen Sieg über die Mächte der Finsternis zu lösen. Der
Kreuzestod war bloß die Vorbedingung für diesen Sieg. Zwar nicht der
Kreuzestod als solcher, sondern das Ertragen des Kreuzestodes, ohne dadurch
zum Abfall von Gott gebracht zu werden. Christus hätte ja, schon am Kreuze
hängend, noch im letzten Augenblick an Gott verzweifeln und dem Bösen
verfallen können. Dann wäre er zwar auch am Kreuze gestorben, aber als ein
von Satan Besiegter und von Gott Abgefallener. Bis dahin stand er in der
Verteidigung gegen das furchtbare Trommelfeuer höllischer Angriffe. Wäre
Christus diesen Angriffen erlegen, dann wäre alles zu Ende gewesen. Der
Erlösungsversuch war gescheitert und Christus war der Gefangene des Fürsten
der Finsternis. Konnte jedoch Christus
weder durch die seelischen Anfechtungen noch durch die furchtbarsten
körperlichen Leiden als Mensch von den Höllenmächten niedergekämpft werden,
dann begann im Augenblick des irdischen Todes Jesu der zweite Teil des
Befreiungskampfes. Er, der als Mensch in der Verteidigung gegen die
Höllenmächte stand, ging nun als Geist zum Angriff gegen sie vor, um den
endgültigen Sieg über sie zu erringen. Er stieg zum Entscheidungskampf in die
Hölle hin ab. ‘Abgestiegen zu der Hölle!‘ Doch möchte ich zunächst
noch bei dem ersten Teil dieses wichtigsten Kampfes, der je ausgefochten
wurde, etwas länger verweilen, ich möchte mit dir die menschlichen
Leidensstunden Christi durchgehen, die ihr die ‘Passion‘ nennt. Ihr Menschen
würdigt ja viel zu wenig das unsagbare Leiden, das dieser gottgesandte
Kreuzträger zu eurer Rettung erdulden mußte. Am Abend vor seinem Tode
befand er sich mit seinen Jüngern im Abendmahlssaale. Das Ostermahl, das er
mit ihnen hielt, war zugleich sein Abschiedsmahl. Aber wer vermag den
Seelenschmerz zu ermessen und nachzuempfinden, der ihn hier durchzitterte! -
Er wußte durch die Geisterboten Gottes, daß bereits alle Vorbereitungen zu
seiner Gefangennahme und beschleunigten Hinrichtung getroffen waren. Er
wußte, daß einer seiner Jünger Verhandlungen mit den Hohen Priestern geführt
und sich gegen einen Verräterlohn von 30 Silberlingen bereiterklärt hatte,
ihnen seinen Meister in die Hände zu liefern. Und dieser Verräter lag in
diesem Augenblick mit ihm an demselben Tisch. Sie saßen nämlich nicht, wie
ihr annehmt und eure Bilder es darstellen, an einem langen Tisch, sondern
lagen auf Tierfellen, deren Köpfe zu einem Ruhepolster erhöht waren, zu je
drei an kleinen niedrigen Tischchen, mit dem einen Arm sich auf das Polster
stützend und mit dem anderen die Speisen essend, die vor ihnen standen. Mit
Christus zusammen an demselben Tischchen lagen Johannes und Judas: Johannes
zu seiner Linken mit seinem Haupt nahe an der Brust des Meisters, an der
anderen Seite Judas. Dieser wagte nicht, seine Augen zum Meister zu erheben
und sehnte sich nach dem Augenblick, wo er unauffällig den Saal verlassen
konnte. Wie schnitt es dem Meister
ins Herz, diesen seinen Jünger als Verräter vor sich zu sehen, dessen
furchtbaren Tod er vorauswußte. ‘Es wäre ihm besser, wenn er nicht geboren
wäre.‘ - Jesu Augen füllten sich mit Tränen, als er ihn immer wieder
anschauen mußte. Sein Herz hing mit Liebe auch an diesem verlorenen Bruder.
Vor seinem Geist stieg das Bild auf, das schon nach wenigen Stunden
Wirklichkeit werden sollte: Judas in Erkenntnis seiner Freveltat mit
Verzweiflung im Herzen und einem Strick in der Hand vor dem Baume stehend, an
dem er sich erhängte, und neben ihm Luzifer, um den Geist des von ihm
Verführten mit sich in die Tiefe zu nehmen. - Der Meister schüttelte sich vor
Entsetzen bei diesem Bilde. Und die anderen Apostel?
Werden sie ihm in seinen schweren Marterstunden tröstend und helfend zur
Seite stehen? Er sah den Schicksalsfilm der nächsten zwölf Stunden sich vor seinem
geistigen Auge abrollen. Er sah sie alle von ihm fliehen aus Angst für das
eigene Leben, sah einen Petrus in Todesangst zitternd vor einer Türhüterin
stehen und die Zugehörigkeit zu seinem Meister unter einem Eidschwur
ableugnen. Er sah die Teufel sich schon an der Tür des Abendmahlsaales
drängen, um seine Jünger beim Verlassen des Saales in Empfang zu nehmen und
sie in dieser Nacht an ihrem Meister irre werden zu lassen, damit sie dem für
den Tod Bestimmten keine Stütze sein und ihm keinen Beistand leisten könnten.
- ‘Satan hat verlangt, euch sieben zu dürfen wie den Weizen.‘ Warum hatte
Satan dies verlangt? - Jetzt erst hatte er durch eine Offenbarung Gottes
erfahren, was bei diesem Entscheidungskampfe für ihn auf dem Spiele stand.
Die Gerechtigkeit Gottes war es Luzifer schuldig, ihn nicht länger darüber im
unklaren zu lassen, daß es sich in dem nun beginnenden Kampfe zwischen ihm
und Christus um die Herrscherrechte der Hölle über die gefallenen Geister
handle. Gott offenbarte ihm, daß Christus, falls er in dem nun beginnenden
Todesleiden standhaft bliebe, nachher als Geist im Verein mit den himmlischen
Legionen gegen die Hölle zum Angriff schreiten, ihn - den Fürsten der Hölle -
besiegen und ihm einen wesentlichen Teil seiner Herrscherrechte entziehen
werde. Satan erbebte bei dieser Kunde. Nun verlangte er von derselben
Gerechtigkeit Gottes, die ihm einst das unbeschränkte Recht über die
gefallenen Geister eingeräumt hatte, für den Entscheidungskampf vollständige
Neutralität von seiten Gottes. Gott sollte seine Hand von Jesus wegziehen und
ihm auch keine menschliche Hilfe gewähren, andererseits aber der Hölle in
allem freie Hand lassen. Würde Gott dieser Forderung nachgeben, so hoffte
Luzifer bei Anspannung aller seiner Kräfte diesen Jesus von Nazareth im
letzten Augenblick doch noch mürbe machen und zur Verzweiflung treiben zu
können. Gott erfüllte das Verlangen
Satans mit der einzigen Ausnahme, daß er sich eine Stärkung der rein
körperlichen Lebenskraft Jesu vorbehielt. Denn ohne diese Stärkung wäre Christus
schon im Garten Gethsemane gestorben, und sein Leidensweg hätte sich nicht
vollenden können. Alles seelische und
körperliche Leid der Erde sollte nach dem Verlangen Luzifers auf wenige
Stunden zusammengedrängt über dem Haupte seines Gegners zusammenschlagen und
gleichzeitig die Hölle mit ihrer ganzen Macht auf ihn und seine Getreuen
eindringen dürfen. So sollte dem Alleinstehenden, vom eigenen Jünger
Verratenen, von den übrigen im Stich Gelassenen und ohne Hilfe Gottes der
Hölle Preisgegebenen das Ende eines Judas bereitet werden. Schon jetzt, als Jesus nach
dem Weggang des Judas Brot und Wein als Sinnbild seines Sterbens den Aposteln
darreichte und die Abschiedsworte an sie richtete, da blutete sein Herz aus
tausend Wunden. Er war Mensch, wie ihr und hatte auch in dieser und den
folgenden Stunden vor anderen Menschen nichts voraus. Im Gegenteil, ihm
fehlte überdies noch alles das, was sonst den Menschen in ihren
Leidensstunden als Quelle des Trostes und der inneren Aufrichtung zu dienen
pflegt. Nun geht er in die dunkle
Nacht hinaus zum Garten Gethsemane. Die Nacht ist keines Menschen Freund, vor
allem keines leidgequälten. Die Jünger, an denen schon die bösen
Geistermächte am Arbeiten sind, gehen in banger Erwartung der Dinge, die da
kommen sollen, schweigend neben ihm her. Auch er schweigt unter dem Drucke
tiefster Seelenqual. Im Garten, an der einsamen
Stelle, die er sich für sein Gebet um Stärke auswählt, wartet schon Luzifer
mit seinen stärksten Höllenmächten, um den Kommenden mit vereinten Kräften
seelisch niederzuringen. Jetzt ist ja die Stunde, die Gott dem Fürsten der
Finsternis zugebilligt hat. Menschliche Worte vermögen
das nicht wiederzugeben, was die Hölle in dieser einen Stunde an
Schrecknissen über ihr Opfer ausgegossen hat. Wie einst derselbe Luzifer bei
der Versuchung in der Wüste diesem Menschensohn alle Reiche der Welt in ihrer
Herrlichkeit zeigte, um ihn damit zum Abfall zu verlocken, so führt er ihm
jetzt zu demselben Zwecke das Furchtbarste und Häßlichste vor Augen, das es
in dieser Menschheit gibt. Er läßt die Gott lästernde und dem Bösen
verfallene Menschheit in allen Einzelbildern des Unglaubens und Lasters an
seinen Augen vorüberziehen. Bild folgt auf Bild ... grauenhaft! Dann zeigt er
Jesus die angeblichen ‘Früchte‘ seiner vieljährigen Tätigkeit unter dem
jüdischen Volke als dem Volke Gottes, zeigt hohnlachend auf seine Jünger, von
denen der eine als Verräter mit einer Horde im Anzug ist, während die anderen
nicht weit von ihm liegen und schlafen und in dieser qualvollen Stunde kein
liebes Wort für ihren Meister finden und nicht eine Stunde mit ihm wach
bleiben können. ‘Und für eine solche Menschheit willst du zur Besiegelung
deiner Lehre sterben?‘, hört er Luzifer höhnen. ‘Für diese Menschheit, die
deinen Vater verlästert und dich als einen Narren verhöhnen wird, wenn du
dein Leben für solche Verbrecher hingibst. - Und wie wirst du sterben?‘ Und
nun dreht er den Leidensfilm vor dem hellsehenden Auge seines an allen
Gliedern zitternden Opfers: die Gefangennahme, die Flucht der Jünger, die
Verleugnung des Petrus, das blutdürstige Geheul jenes Volkes, das ihm noch
vor wenigen Tagen das Hosanna zugerufen, das Todesurteil, die Geißelung, die
furchtbaren Mißhandlungen, die Dornenkrönung, den Kreuzweg, die Kreuzigung
alles in den schauerlichsten Bildern, nur um ihn zu einem seelischen
Zusammenbruch und zur Verzweiflung zu bringen. Und gleichzeitig hämmerten die
Geister der Trostlosigkeit und der Verzweiflung die entsetzlichsten Gedanken
in den Geist dieses von allen Verlassenen. Seine Pulse rasten, sein ganzer
Leib erzitterte im höchsten Fieberschauer, das Herz drohte zu zerspringen.
Todesangst befiel ihn, und mit dem Angstschweiß wurden auch Blutstropfen
durch die Poren hindurchgepreßt und rannen zur Erde. Die Jünger schliefen,
während sich das Furchtbare bei ihrem Meister abspielte. Die Bilder der
Leidensgeschichte Jesu hat eure Bibel in wenigen Strichen gezeichnet, die
euch das wirkliche Erleben dessen nicht nahebringt, was an seelischen und
körperlichen Martern dem Erlöser bereitet worden ist. Auch sind manche der
schlimmsten Qualen in eurer Bibel überhaupt nicht erwähnt. So sind die
entsetzlichen Stunden mit Stillschweigen übergangen, die Jesus in den
unterirdischen Kellern der Statthalterei hat zubringen müssen. In diese
nassen, von den abscheulichsten Tieren wimmelnden dumpfen Verließe hatten die
Soldaten Jesus nach seiner Geißelung, Dornenkrönung und Verhöhnung
geschleppt, nachdem sie vorher die zahllosen tiefen Wunden des von den
Geißelhieben zerfetzten Leibes voll Salz gestreut und ihm die Hände gebunden
hatten, damit er sich nicht durch Entfernung des Salzes eine Linderung der
unmenschlichen Qualen verschaffen konnte. Nie hat ein Mensch eine
solche Marter zu erdulden gehabt, wie dieser mensch-gewordene Gottessohn. Die
Hölle hat durch ihre irdischen Werkzeuge bei ihm das Äußerste versucht, weil
sie ihn als den größten Gegner erkannte, der auf die Erde kommen konnte. Aber
das, was sie ihm an leiblichen Schmerzen bereitete, kam dem nicht gleich, was
er an seelischen Leiden zu tragen hatte. Und zwar lasteten die körperlichen
und seelischen Qualen gleichzeitig auf ihm. Dazu fehlten ihm bis zum letzten
Augenblick jeder menschliche Trost und, was noch schlimmer war, auch jede
göttliche Hilfe. Gott zog seine stärkende Hand von ihm weg und überließ ihn
hilflos den Mächten der Hölle. Der Schrei des am Kreuze mit dem Tode
Ringenden: ‘Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?‘ verrät die
ganze Größe dessen, was er im Augenblick höchster irdischer Qual an tiefster
innerer Verlassenheit zu erdulden hatte. Satan sollte nicht sagen können, er
habe diesen Menschen deshalb nicht zu besiegen vermocht, weil ihm von anderer
Seite zu viel Hilfe zuteil geworden sei. Er sollte bekennen müssen, daß er
einen sich selbst überlassenen Menschen trotz der größten geistigen und
leiblichen Folterqualen, die er ihm bereitete, nicht zum Abfall von Gott
hatte bewegen können. Fehler in der Bibel in Bezug auf
die Kreuzigung Jesu Es ist unrichtig, wenn eure
Bibel berichtet, daß unter dem Kreuze die Mutter Jesu mit Johannes gestanden
habe. Auch dieser äußere Trost war ihm versagt. Von allen, die ihn am meisten
liebten, war keiner bei der Kreuzigung anwesend. Sie hätten den Anblick nicht
ertragen können. Oder wo wäre eine menschliche Mutter, die zusehen könnte,
wie ihr Kind ans Kreuz genagelt wird. Und dazu soll nach eurer Annahme Maria
unter dem Kreuze sogar gestanden haben. Wäre sie dort gewesen, so hätte sie
sicherlich nicht gestanden, sondern wäre ohnmächtig zusammengebrochen. Darum ist es auch
unrichtig, daß Jesus vom Kreuze herab zu seiner Mutter und zu Johannes die
Worte gesprochen haben soll: ‘Mutter, siehe deinen Sohn - Sohn, siehe deine
Mutter!‘ - Wohl hat er ähnliche Worte an seine Mutter und an Johannes
gerichtet, als er nach dem von Pilatus verkündeten Todesurteil aus der
Statthalterei heraustrat und seine Mutter und Johannes im tiefsten
Seelenschmerz sich an ihn klammerten, bis die Soldaten sie wieder von ihm
wegrissen. Zur Gerichtssitzung waren Mutter und Jünger gekommen. Die Mutter
hatte immer noch auf einen günstigen Ausgang gehofft. Sie mußte immer wieder
an das Opfer Abrahams denken, dessen Sohn Gott auch noch im letzten
Augenblick, als schon das Schlachtmesser gezogen war, vor dem Tode bewahrte.
Auch bei euch bleibt keine Mutter von der Gerichtssitzung fern, bei der es
sich um Leben und Tod des Kindes handelt. Aber auch keine Mutter geht mit auf
den Richtplatz, um zu sehen, wie ihr Kind hingerichtet wird. Der Anblick
seiner vor Schmerz und Entsetzen taumelnden Mutter schnitt Jesus tief in die
Seele. Er wollte sie der Qual, das Leiden ihres Sohnes mitanzusehen, nicht
länger aussetzen. Darum bat er Johannes, sie mit sich in sein Haus zu nehmen,
bis alles vorüber sei, und er redete seiner Mutter liebevoll zu, mit Johannes
zu gehen und Gott um Stärke in dieser schweren Stunde zu bitten. Denn was
jetzt mit ihm geschehe, sei der Wille seines himmlischen Vaters. Sie werde
ihn nach drei Tagen wiedersehen. Johannes kam dem Wunsche
des Meisters nach und brachte diese mit tausend Schmerzensschwertern
durchbohrte Mutter, die sich nur mit äußerster Kraftanstrengung aufrecht
halten konnte, in seine Wohnung. Er nahm sie nicht von dieser Stunde an zu
sich, wie eure Übersetzung lautet, sondern er nahm sie aus dieser qualvollen
Stunde heraus mit sich in sein Haus. Dorthin kamen nach und nach alle
Getreuen Jesu. Später, als man annehmen konnte, daß die Kreuzigung vorüber
sei, gingen einige, darunter auch Maria Magdalena, an einen Platz, von wo aus
sie die Kreuzigungsstätte sehen konnten und berichteten nachher den Tod Jesu. Die Mutter Jesu blieb bei
Johannes nur so lange, als sie in Jerusalem weilte. Nachher ging sie wieder
nach Nazareth. Dort waren ja ihre anderen Kinder und dort hatte sie ihr Heim.
Selbstverständlich ging sie oft nach Jerusalem zu den Aposteln, solange diese
dort wohnten, besonders zu Johannes. Wie Christus während seines
Lebens durch die Kraft Gottes als Gottgesandter bestätigt wurde, so auch in
seinem Tode. Die Sonne verfinsterte sich drei Stunden lang. Es war keine
natürliche Finsternis, sondern eine durch Gottes Kraft bewirkte. Und in dem
Augenblick, wo Christus seinen Geist aufgab, zerriß der Vorhang des Tempels
von oben bis unten zum Zeichen, daß die Scheidewand zwischen dem Reiche
Gottes und dem Reiche Satans durch den Tod Jesu gefallen sei. - Die Erde erbebte
und die Felsen zersprangen. Aber was eure Bibel im Matthäus-Evangelium
berichtet, daß nämlich die Toten aus den Gräbern gekommen und vielen in
Jerusalem erschienen seien, ist eine Fälschung eines ursprünglich richtigen
Textes. Dieser lautete: ‘Da zerriß der Vorhang im Tempel von oben bis unten
in zwei Stücke, die Erde erbebte, die Felsen zersprangen, die Gräber wurden
auseinandergerissen und viele Leichen der Entschlafenen wurden
herausgeschleudert. Viele, die aus der Stadt herausgekommen waren, konnten
die Leichen dort liegen sehen.‘ In diesem richtigen Text wird also der ganz
natürliche Vorgang berichtet, daß durch die Erdstöße die in die Felsen
gehauenen Grabkammern auseinandergerissen und die Leichen an die Oberfläche
geschleudert wurden. Da nun viel Volk zu dem Schauspiel der Kreuzigung aus
der Stadt herausgeströmt war, konnten diejenigen, die an den
auseinandergesprengten Grabstätten vorbeikamen, die herausgeschleuderten
Leichname dort liegen sehen. Hier hast du wieder eines
von den zahlreichen Beispielen, wie man in der Vergangenheit die Heiligen
Urkunden aus ganz bestimmten Absichten fälschte. Man hatte die falsche Lehre
aufgestellt, daß auch die irdischen Leiber der Menschen später wieder
auferstehen würden. Um für diese Lehre in der Bibel eine Beweisstelle zu
schaffen, hat man außer anderen Stellen auch diese Bibelstelle gefälscht,
indem man folgende Änderungen an dem richtigen Text vornahm: Anstatt der
Worte: ‘Die Leichen der Entschlafenen wurden herausgeschleudert‘ setzte man
die Worte: ‘Die Leiber der entschlafenen Heiligen wurden auferweckt. ‘ Das
Wort ‘Heilige‘ mußte man schon deshalb hinzufügen, weil man nicht sagen
durfte, daß auch die Leiber unheilig Verstorbener beim Tode Christi
auferweckt wurden. - Aber eine noch größere Schwierigkeit hatte man bei
dieser Fälschung zu überwinden. Es wäre nämlich nach der Lehre der Kirche
nicht möglich, daß Leiber von Verstorbenen auferstehen konnten, noch bevor
Christus auferstanden war. Denn Christus stand ja als erster von den Toten
auf Darum setzte man hinzu: ‘Sie kamen nach dessen Auferstehung in die
Heilige Stadt und erschienen vielen.‘ Die Fälscher haben sich dabei nicht
überlegt, daß vorher ausdrücklich gesagt war, daß die Leiber der Verstorbenen
schon am Karfreitag auferstanden sind, also drei Tage vor der Auferstehung
Christi. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie am Karfreitag oder am
Ostersonntag den Leuten in Jerusalem erschienen sein sollen. Und dann - wo
haben sich denn diese schon am Karfreitag angeblich auferstandenen Leiber
während der nächsten Tage aufgehalten? Und wo sind sie nach dem Ostersonntag
hingegangen? Sind sie wieder in die Gräber zurückgekehrt oder was ist aus
ihnen geworden? - Es ist merkwürdig, daß den drei anderen Evangelisten nichts
von dieser Auferstehung von Leibern der Toten am Karfreitag bekannt ist. Aber
auch Matthäus hat in Wirklichkeit nichts dergleichen berichtet, wie du aus
meinen Richtigstellungen ersiehst. Christi Abstieg in die Hölle und
sein Sieg Christus war tot. Sein
Geist hatte sich im irdischen Sterben von der materiellen Hülle getrennt. Als
Mensch war er allen Angriffen der Hölle gegenüber standhaft geblieben. Somit
hatte er den ersten und wichtigsten Teil seiner Messias-Aufgabe gelöst. Er
war von der Hölle nicht besiegt worden. Damit war er selbst aber noch nicht
Sieger über den Feind, dem er standgehalten hatte. Denn wenn zwei miteinander
kämpfen und der eine wehrt alle Angriffe des anderen ab, dann ist er damit
noch nicht Sieger. Um den Sieg zu erlangen, muß er den anderen angreifen und
ihn niederringen, so daß jener sich für besiegt erklärt. So war es auch bei
Christus. Als Mensch hatte er alle Angriffe seines gewaltigen Gegners
abgeschlagen. Das war alles, was er als Mensch tun konnte. Jetzt aber, wo er
frei war vom irdischen Körper, konnte er als Geist auch zum Angriff gegen
seinen Feind, den Fürsten der Finsternis, vorgehen. Er stieg hinab zur Hölle
im Vertrauen auf die alles überwindende Kraft Gottes, die er sich durch seine
Standhaftigkeit in der Gottestreue als Mensch verdient hatte. Gott sandte ihm
nun die himmlischen Heerscharen als Kampfgenossen. Es begann ein Ringen, das
demjenigen ähnlich war, das sich damals abspielte, als Luzifer mit seinem
Anhang gegen die himmlischen Legionen am Tage der großen Revolution im
Geisterreiche Gottes kämpfte. Der jetzige Kampf spielte sich im Reiche Satans
ab. Es war sowohl ein Einzelkampf zwischen Christus und Luzifer, als auch ein
Massenkampf zwischen den himmlischen Legionen und denen der Finsternis.
Dieses gewaltige Ringen pflanzte sich fort bis in die tiefsten Sphären der
Hölle, wohin Luzifer und sein Anhang zurückweichen mußte. Da, als die
Niederlage der Höllenmächte nicht mehr zweifelhaft war, traten auch viele von
denen, die bisher ihre Vasallen waren, aber ihren Abfall von Gott bereuten,
auf die Seite der himmlischen Heerscharen und kämpften mit diesen zusammen
gegen ihre bisherigen Unterdrücker. Und die Zahl der Überläufer wuchs von
Sekunde zu Sekunde. Als Luzifer sah, daß alles
verloren war, flehte er um Schonung. Er, der einst bei der Versuchung in der
Wüste dem Gottessohne die Reiche der Welt angeboten hatte, stand jetzt bebend
vor demjenigen, dem er damals den Glauben an die Gottessohnschaft rauben
wollte. Jetzt zitterte er bei dem Gedanken, dieser Jesus von Nazareth werde
ihm die ganze Herrschaft entziehen, und es sei jetzt der Augenblick gekommen,
wo er mit seinem Anhang in die Tiefe der Finsternis eingeschlossen würde.
Denn die Weissagung war ihm bekannt, wonach eine Zeit kommen werde, da er als
Fürst des Totenreiches mit seinen Höllenmächten in die Tiefe geschleudert,
zur vollständigen Ohnmacht verdammt und der Herrschaft über die gefallenen
Geschöpfe Gottes beraubt würde. Christus eröffnete ihm
jedoch, daß ihm seine Herrscherrechte nicht ganz entzogen, sondern bloß auf
die beschränkt würden, die ihm der Gesinnung nach angehörten. Aber die,
welche aus seinem Reiche zu Gott zurückwollten, müsse er freigeben. Er dürfe
sie nicht mehr als seine Untertanen betrachten. Wohl stehe es ihm frei, sie
durch Betörung und Verführung an sich zu fesseln, aber nicht mehr mit Gewalt
wie bisher. Satan willigte ein - mußte
einwilligen. Er hatte viel härtere Bedingungen erwartet. Die Urkunde seiner
Herrscherrechte, die ihm Gott einst ausgestellt, wurde so geändert, wie
Christus als Sieger es wollte. Und Gott, in dessen Namen der Sieger die
Abmachungen mit Luzifer traf, ist der gerechte und allmächtige Hüter, der die
genaue Einhaltung dieses Friedensvertrages garantiert. Seiner Macht ist ja
alles unterworfen. Auch die Hölle. Seinen Befehlen müssen auch die gehorchen,
die ihm feindlich gegenüberstehen. Damit war das große
Rettungswerk der Erlösung zum Abschluß gebracht. Der Erlösungsplan Gottes
hatte in seinen wesentlichen Teilen die Verwirklichung gefunden. Die zwischen
dem Reiche der Finsternis und dem Reiche Gottes gähnende Kluft war
überbrückt. Jeder, der von jetzt an aus der Fremdenlegion Satans nach der
alten Heimat Gottes zurückkehren wollte, konnte über diese Brücke gehen. Kein
Wächter des Höllenreiches durfte ihm das Überschreiten der Grenzen verwehren.
Umjubelt von seinem Geisterheer, zog Christus aus der Residenz Satans hinauf
in die Sphäre des einstigen Paradieses. Und die Cherubinen, die seither die
Paradiesessphäre bewacht hatten, senkten ihre flammenden Schwerter zum
Willkommensgruß vor Christus, ihrem König und Herrn und seinem siegreichen
Geisterheer. Hier im Paradies blieben sie bis zu dem Tage, wo Christus an
ihrer Spitze in die Himmelsgefilde einzog. Doch während dieser Zeit
waren, weder Christus noch seine Geisterschar untätig. Es galt, schon von
hier aus der ganzen Schöpfung Gottes den Sieg des Erlösers zu verkünden und
alle, die guten Willens waren, zur Heimkehr zu mahnen. Besonders die
ungeheure Zahl der in den unteren Geistersphären leidenden Geister wurden
aufgesucht, belehrt, ermuntert, getröstet und angespornt, sich nun
aufzuraffen, um den von Christus eröffneten Weg zum Vaterhaus zu betreten.
Christus selbst leitete die Belehrung dieser zahllosen Geschwister, damit
schon jetzt möglichst viele den Heimweg fänden. Darauf weist Petrus in seinem
Brief mit den Worten hin: ‘Als Geist ist Christus hin gegangen und hat den
Geistern im Gefängnis die Botschaft gebracht, solchen, die einst ungehorsam
gewesen, als Gottes Langmut geduldig zuwartete in den Tagen Noahs, während
die Arche hergestellt wurde‘ (1.Petrus3,19-20). Christus erschien in
menschlicher Materialisation denen, die ihm als Menschen am nächsten
gestanden und viel Leid mit ihm und um ihn getragen hatten: Seiner Mutter,
seinen Aposteln und Freunden. Da kam der Tag, an dem
Christus zu der im Paradies seiner harrenden Geisterschar aufstieg, nachdem
er sich von seinen irdischen Freunden verabschiedet und ihnen seine Aufträge
erteilt hatte. Es war der Tag seiner Himmelfahrt. Als Sieger zog er an der
Spitze eines großen Geisterheeres in das Reich Gottes ein. Der Rückweg der Erlösten zu Gott Nach der großen
Erlösungstat Christi bleibt es nunmehr den von Gott abgefallenen Geschöpfen
überlassen, ob sie von der Erlösung Gebrauch machen wollen. Die
Gefangenenlager Satans sind durch den Sieg Christi geöffnet. Die Gefangenen
können nach ihrer Heimat gehen. Ob sie es tun oder nicht, das hängt von ihnen
selbst ab. Christus hat die Brücke zur Heimat gebaut. Aber der Freie Wille
des einzelnen muß die Heimkehr bewerkstelligen. Er darf die Mühen nicht
scheuen, die mit Zurücklegung des Heimweges verbunden sind. Was haben es sich
eure Gefangenen im Weltkrieg nach Friedensschluß kosten lassen, um zur Heimat
zu gelangen! Aus den fernsten Steppen Sibiriens wanderten sie mit blutenden
Füßen Woche um Woche, um die Grenzen ihres Vaterlandes zu erreichen. So müssen auch die
Gefangenen Satans sich aufmachen, um den Weg zu finden, der zur Heimat Gottes
führt. Christus steht ihnen in den Strapazen der Heimkehr durch seine
Geisterwelt hilfreich zur Seite. Seine Boten zeigen ihnen den Weg, stärken,
ermuntern, trösten sie, richten sie immer wieder auf, wenn die Heimkehrenden
auf dem Weg ermatten und straucheln. Nur dürfen sie nicht wieder umkehren in
die Knechtschaft des Feindes durch Abfall von Gott, sonst dauert es um so
länger, bis sie von neuem zu dem Entschluß kommen: ‘Ich will mich aufmachen
und zu meinem Vater gehen!‘ Doch für jeden wird einmal der Tag kommen, wo er
seinen Hunger nach Glück und Frieden nicht mehr an den Trögen des Bösen
stillen kann, und er wird endgültig den Heimweg antreten. Die einen brauchen zu
diesem Weg nur ein einziges Menschenleben. Andere quälen sich Hunderte,
wieder andere Tausende von Jahren fern von Gott auf der Suche nach dem Golde
des Glückes in den Falschmünzerstätten der Finsternis, von den Irrlichtern
Satans aus der einen Irre in die andere gelockt. Es ist ihre eigene Schuld,
daß sie öfters von neuem Mensch werden müssen und so spät den Weg des Lichtes
finden, gebaut von der Liebe Gottes und seines Sohnes, des großen Retters der
gefallenen Schöpfung. _______ *
_______ Sehet
zu, daß euch niemand gefangennehme durch die sogenannte Wissenschaft, sowie
durch die törichten und irreführenden Lehren, die
sich auf menschliche Überlieferungen stützen und von den bösen, die
Welt beherrschenden Geistermächten herrühren, aber
mit der Lehre Christi nichts gemein haben. (Kolosser 2,8) Die Geisterwelt Gottes als Quelle
der Wahrheit In der ersten
spiritistischen Sitzung, die ich mitmachte, hatte ich an den durch das Medium
sprechenden Geist die Frage gestellt: Wie kommt es, daß die Lehre Christi auf
das heutige Christentum keinen Einfluß mehr auszuüben scheint? - Es wurde mir
geantwortet, daß wir heute die Lehre Christi nicht mehr in ihrer
ursprünglichen Reinheit und Klarheit besäßen, sondern daß sich im Laufe der
Zeit viele menschliche Irrtümer in das Christentum eingeschlichen hätten.
Später wurde mir darüber eine eingehende Belehrung zuteil, in der die
wirkliche Lehre Christi in Vergleich gestellt wurde mit den Glaubensbekenntnissen
der heutigen christlichen Kirchen, besonders mit dem der katholischen
Religion, deren Priester ich war. Diese Belehrung lautete: Wo
ist das Wasser eines Baches am reinsten und klarsten? An der Quelle oder an
der Mündung? - Sicherlich an der Quelle. Fließt jedoch das Quellwasser als
Bächlein weiter, dann verliert es seine Frische, verliert auch seine Reinheit
und Klarheit. Trübe Wässerlein von rechts und links vermischen sich mit ihm
in seinem Lauf. Die Abwässer menschlicher Behausungen nimmt es in sich auf,
den Schmutz von Menschen und Tieren und menschlichen Betrieben. Und wer dann
seinen Durst daran stillen will, dem ist es keine Erquickung mehr. Nur mit
Widerwillen trinkt er es in der äußersten Not, wo ihm kein Quellwasser zur
Vertilgung steht. So geht es auch mit der
Wahrheit. Aus der Quelle geschöpft, ist sie für den Menschengeist ein
erfrischender, stärkender Trank, der neues Leben spendet. Aber aus dem Bach
geschöpft, der schon eine weite Strecke durch die Niederung menschlicher
Irrtümer und irdischer Leidenschaften hindurchgeflossen ist, hat sie ihre
Reinheit und Frische verloren. Von den Beimischungen der Unwahrheit und des
Irrtums hat sie einen üblen Geschmack bekommen. Von dem durstigen
Wahrheitssucher wird sie nur mit innerem Widerstreben getrunken. Er schöpft
nur dann aus diesem trüben Bach, wenn ihm das Quellwasser der Wahrheit
versagt bleibt. Auch die Lehre Christi
hatte das Schicksal des Quellwassers, das als Bächlein durch irdische
Behausungen fließt. Auch sie wurde bei ihrem Lauf durch die Menschheit
verunreinigt. Das Böse im Menschen und die ihn umgebenden bösen Mächte haben
die reine Lehre Christi so getrübt und ungenießbar gemacht, daß sie ihre
lebenspendende Kraft verloren hat. Die Quelle der Wahrheit ist
Gott. Zu dieser Quelle kann der Mensch als irdisches Wesen nicht
hinaufsteigen. Er ist auf die Wasserträger der Wahrheit angewiesen, die aus
jener Quelle schöpfen. Es sind die Geisterboten Gottes. Nur sie haben Zutritt
zu dieser Quelle. Nur sie besitzen die reinen Gefäße, in denen sie die
Wahrheit frisch und ungetrübt der Menschheit überbringen können. Der erste und größte
Vermittler der Wahrheit war Christus als Geist in den Zeiten vor seiner
Menschwerdung. Er war es, der teils selbst, teils durch die ihm unterstellte
Geisterwelt der ersten Menschheit den Trunk der Wahrheit reichte. Daher der
rege Geisterverkehr bei der ermatteten und kranken Welt des Alten Bundes.
Daher das Auf- und Absteigen der Geister der Wahrheit im Anfang des Neuen
Bundes, die immer wieder das Wasser der Wahrheit aus der Gottesquelle
schöpften und es im Auftrage Christi den wahrheitsdurstigen Menschenseelen
spendeten. Es ist daher eine grundlegende Lehre des wahren Christentums, daß
nicht Menschen aus sich Wahrheitskünder sein können. Menschen können dabei nur
als Werkzeuge der Geisterwelt Gottes dienen. Auch Christus konnte als Mensch von sich aus
nicht zu der Quelle der Wahrheit emporsteigen. Als Mensch wußte er von der
Wahrheit aus sich nicht mehr, als die anderen Menschen. Sein Wissen aus der
Zeit, wo er als erstgeschaffener Geist bei Gott weilte, war durch seine
Menschwerdung infolge seiner Einhüllung in den materiellen Leib ebenso
erloschen, wie es bei allen anderen Menschen erloschen ist, obschon auch sie
einst als Geister Gottes beim Vater weilten. Die Eigenschaft der Materie, die
Rückerinnerung an das frühere Dasein auszutilgen, wirkte bei dem
menschgewordenen Christus in derselben Weise, wie bei jedem anderen Geist,
der als Mensch verkörpert wird. Daher war auch Christus nach seiner
Menschwerdung auf die Geisterboten angewiesen, die ihm der Vater sandte. Das
bestätigte er mit den Worten: ‘Ihr werdet die Boten Gottes über dem
Menschensohn auf- und absteigen sehen‘ (Joh.1,51). Er war nur ein Gesandter
Gottes und hatte in diesem Punkte vor den bisherigen Gottgesandten nichts
voraus. Denn auch diese waren von den Geistern Gottes belehrt worden. Ein
Henoch, ein Abraham, ein Mose, alle Propheten des Alten Bundes haben nicht
von sich aus geredet. Von allen gilt das Wort des Petrus: ‘Von einem heiligen
Geiste geleitet haben diese Männer von Gott aus geredet.‘ Ein Geist Gottes
gab ihnen ein, was sie reden sollten. Christus selbst weist immer
wieder darauf hin, daß er nicht aus sich rede, sondern nur das ausspreche,
was er von seinem Vater gehört habe. Der Vater gab ihm die notwendigen
Belehrungen durch seine Geisterboten, die beständig über dem Menschensohn
auf- und abstiegen. ‘Ihr werdet erkennen, daß ich nichts von mir selbst
tue, sondern so rede, wie mein Vater mich gelehrt hat‘ (Joh.8, 28). - ‘Was
ich von ihm gehört habe, rede ich zu der Welt‘ (Joh.8,26). Aus derselben Quelle der
Wahrheit, aus der Christus schöpfte, sollten alle diejenigen immer von neuem
schöpfen, die seine Lehre weitertrugen. Also zunächst seine Apostel. Sie
sollten das von Christus Vernommene nicht einfach nach eigener Auffassung
weitergeben. Denn bei Menschen schleichen sich leicht Mißverständnisse ein,
wenn sie das wiedergeben sollen, was ein anderer gesagt hat. Wenn Hundert
dasselbe vortragen hören, so wird jeder dieser Hundert nachher bei der
Wiedergabe des Gehörten in diesem oder jenem Punkte etwas anderes vorbringen,
als der Vortragende gesagt oder gemeint hat. Darum sollten auch die Apostel
über das, was sie aus der menschlichen Rede Christi vernommen hatten, von den
Geistern der Wahrheit von neuem unterrichtet werden, damit sich ja kein
Irrtum infolge falscher Auffassung einschleichen könne. Sie sollten durch
Gottes Geister sowohl eine Bestätigung der von Christus vorgetragenen Lehre
erhalten, als auch in neue Wahrheiten eingeführt werden, die ihnen Christus
hatte vorenthalten müssen, weil sie entweder nach dem Heilsplan Gottes vor
dem Erlösungstod noch nicht verkündigt werden durften, oder weil die Apostel
für diese Wahrheiten noch nicht reif waren und sie daher nicht verstanden
hätten. Die Richtigkeit dieser
Darlegungen findest du in den Worten Christi selbst bestätigt: ‘Ich will den
Vater bitten, daß er euch einen anderen Beistand senden möge, damit er für
immer bei euch bleibe, die Geisterwelt der Wahrheit‘ (Joh.14,16). - ‘Ich
hätte euch noch viel zu sagen, doch ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn
aber jene Geisterwelt der Wahrheit gekommen ist, dann wird sie euch in die
ganze Wahrheit einführen‘ (Joh.16,12-13). - ‘Der Beistand aber, die heilige
Geisterwelt, die der Vater in meinem Namen senden wird, sie wird euch über
alles Weitere belehren und euch an alles das erinnern, was ich euch gesagt
habe‘ (Joh.14,26). Nach diesen Worten hatten
also die Geister der Wahrheit eine doppelte Aufgabe. Zunächst sollten sie die
Gläubigen an das erinnern, was Christus als Mensch sie gelehrt hatte. Sie
sollten es als Wahrheit bestätigen. Dann aber hatten sie die von Christus
begonnene Belehrung fortzusetzen und ihnen auch die Wahrheiten zu verkünden,
die Christus aus den vorhin angeführten Gründen absichtlich übergangen hatte.
Ferner sollten die Geister Gottes für immer bei ihnen bleiben. Denn die
Gefahr des Irrtums war wegen der Macht des Bösen und der menschlichen
Schwäche eine beständige. Es sollten also die später Lebenden nicht auf die
religiösen Überlieferungen ihrer Vorfahren angewiesen sein. Denn solche
menschlichen Überlieferungen boten ihnen keine Gewähr für die Wahrheit. Sie
hätten daraus nicht erkennen können, was davon aus der Wahrheitsquelle Gottes
und was aus menschlichem Irrtum stammte. So kamen denn gemäß der
Verheißung Christi nach seinem irdischen Tode beständig die Boten Gottes als
Geister der Wahrheit. Auf sie berufen sich stets die Apostel, wenn sie von
den Menschen Glauben für ihre Lehre fordern. Besonders bei Paulus findet ihr
immer wieder den Hinweis auf diese Wahrheitsboten. ‘Meine Rede und meine
Predigt erfolgte nicht mit eindrucksvollen Weisheitsworten, sondern mit
Erweis eines Geistes Gottes und der Kraft Gottes. Denn euer Glaube sollte
nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft gegründet sein Uns aber
hat Gott dies durch seinen Geist geoffenbart ... Wir haben nicht einen Geist
der Welt empfangen, sondern einen Geist, der von Gott stammt. Wir reden nicht
mit Worten, wie menschliche Weisheit sie lehrt, sondern mit solchen, wie ein
Geist Gottes sie lehrt, indem wir geistgewirkten Inhalt mit geistgewirkter
Sprache verbinden. Ein weltlich gesinnter Mensch nimmt freilich nichts an,
was von einem Geiste Gottes kommt. Es gilt ihm als Torheit. Er ist nicht
imstande, es zu verstehen, weil es geistig beurteilt werden muß‘
(1.Kor.2,4-14,). - ‘Ihr seid ein Brief Christi, der von uns als seinen
Dienern angefertigt ist, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit einem Geist
des lebendigen Gottes‘ (2.Kor.3,3). - ‘ich weise euch daraufhin, liebe
Brüder, daß die von mir verkündete Lehre nicht Menschenwerk ist. Ich habe sie
ja auch von keinem Menschen empfangen und durch keinen Unterricht gelernt,
sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi‘ (Gal. 1,11-12). Aber nicht nur die Apostel
empfingen ihre Lehre von Geistern Gottes, sondern auch die ‘Medien‘, die
allenthalben in den Gemeinden angetroffen wurden. Man nannte sie, wie du
weißt, ‘Propheten‘. Paulus schreibt, daß die Geheimnisse Christi jetzt ‘seinen
heiligen Aposteln und Propheten durch einen Geist Gottes geoffenbart worden
sind ‘(Eph.3,5). Durch diese Medien als
Werkzeuge der guten Geister konnten die Gläubigen jederzeit Gewißheit
erlangen, ob eine Lehre richtig und wie sie aufzufassen sei. Darum schreibt
Paulus an die Philipper: ‘Wenn ihr über irgend etwas anderer Meinung seid, so
wird Gott euch darüber Klarheit geben‘ (Phil.3,15). Sie konnten Gott in ihren
gottesdienstlichen Versammlungen befragen und erhielten die Antwort durch die
Geister Gottes, die durch die Medien sprachen. Petrus sagt sowohl von den
früheren Propheten, als auch von denjenigen, die zu seiner Zeit die
Heilsbotschaft verkündigten, daß sie ‘in der Kraft eines vom Himmel
gesandten heiligen Geistes gepredigt haben‘ (1.Petrus 1,12,) und fügt in
einem anderen Brief hinzu: ‘Denn noch niemals ist eine Weissagung durch
menschlichen Willen zustandegekommen, sondern von einem heiligen Geiste
geleitet, haben die Menschen von Gott geredet‘ (2.Petrus1,21). Das in der Bibel so oft
gebrauchte Wort ‘Weissagung‘ bedeutet nicht, wie ihr meint, das Vorhersagen
eines zukünftigen Ereignisses, sondern jedes Sprechen eines Geistes Gottes
durch ein menschliches Medium. Im Alten Bunde fordert Gott
die Menschen auf, bei ihm die Wahrheit zu suchen: ‘Fragt mich!‘ - und er gab
sie ihnen durch seine Geisterboten. Christus empfing als Mensch nach seinem
eigenen Geständnis die Wahrheit von Geistern Gottes. Er verspricht seinen
Aposteln die Einführung in alle Wahrheit durch Geister der Wahrheit. Die
Apostel bezeugen, daß diese Verheißung Christi bei ihnen in Erfüllung
gegangen ist, daß sie also ihre Lehre von Gottes Geistern empfangen haben. Und woher schöpft das
heutige Christentum die Wahrheit? Können die christlichen Prediger der
verschiedenen Religionsgemeinschaften auch von sich sagen, ein Geist Gottes
rede aus ihnen? Können sie mit Paulus bekennen, sie hätten ihre Lehre nicht
von Menschen empfangen und nicht durch menschlichen Unterricht erworben,
sondern durch eine Offenbarung Christi? - Nein, das können sie nicht. Sie
sind Angestellte ihrer Kirchen. Die Religion dieser Kirchen haben sie in
einem menschlichen Unterricht erlernt, in Schulen, Seminaren, Universitäten.
Menschenweisheit, Professorenweisheit mit allen ihren Irrtümern haben sie in
sich aufgenommen und predigen sie ihren Gläubigen. Von Geistern als Boten
Gottes und Kündern der Wahrheit wissen sie nichts. Es gilt ihnen, wie Paulus
sagt, als Torheit, daß auch heute noch eine Lehre von einem Geiste Gottes
kommen sollte. Das ist nach ihrer Ansicht in den jetzigen Zeiten nicht mehr
erforderlich. Das war, wie sie meinen, wohl früher nötig, als die Menschheit
angeblich noch viel unwissender war, als in eurem aufgeklärten Zeitalter. Ein Mann wie Mose muß sich
noch mit dem Geisterreich Gottes in Verbindung setzen und ‘Gott befragen‘, um
die Wahrheit zu erfahren. Die großen Propheten mußten es, Christus mußte es,
so wie die Apostel. Aber heute gilt das alles als veraltet, als überlebt. Ihr
seid ja in euren Wissenschaften so weit fortgeschritten, ihr könnt alle lesen
und schreiben und habt Millionen Bücher. Aus ihnen schöpft ihr. Und dazu habt
ihr ja so viele gelehrte Theologen, Doktoren und Professoren. Diese müssen
doch wohl wissen, was Wahrheit ist. In Wirklichkeit haben gerade diese
Doktoren und Professoren der ‘heiligen Theologie‘ jene Lehren eingeführt, vor
denen Paulus mit den Worten warnt: ‘Sehet zu, daß euch niemand
gefangennehme durch die Wissenschaft und eitle Täuschung, die sich auf
menschliche Überlieferung, auf die Geistermächte der Welt gründet, aber mit
der Lehre Christi nichts zu tun hat‘ (Kol.2,8). - ‘Sie möchten als
Gelehrte angesehen werden; aber sie besitzen nicht das geringste Verständnis
für die Bedeutung der von ihnen gebrauchten Ausdrücke noch für die Dinge
selbst, über die sie so zuversichtliche Behauptungen aufstellen‘ (1.Tim.1,7).
- ‘Das sind die Leute, die Parteiungen verursachen, bloße Sinnesmenschen,
die einen heiligen Geist nicht erhalten haben‘ (Jud. 19). Menschliche Irrtümer in den Lehren
der christlichen Kirchen Die Geisterwelt Gottes ist
in den christlichen Kirchen schon seit langem ausgeschaltet. Die Leiter der
Kirchen haben den heiligen Geist ausgelöscht. Wo aber die Geister Gottes
haben weichen müssen, da stellen sich andere Geistermächte ein, von denen
Paulus an Timotheus schreibt: ‘Der Geist aber sagt ausdrücklich, daß in
späteren Zeiten manche vom rechten Glauben abfallen werden, indem sie sich
irreführenden Geistern und Lehren zuwenden, die von den Dämonen stammen‘
(1.Tim.4,1). Anstelle der Geister des
Guten wurden die Mächte des Bösen wirksam. Diese haben ja das größte
Interesse daran, die Wahrheit zu verdunkeln und in ihr Gegenteil zu
verkehren. Sie benutzen alle Schwächen der Menschen dazu, um zu ihrem Ziele
zu kommen. Menschliche Eitelkeit und irdischen Gelehrtenstolz, menschlichen
Hunger nach Macht, Ehre, Geld und Wohlleben. Das alles dient ihnen dazu, die
Wahrheiten der Weisheit, der Liebe und des Erbarmens Gottes zu verfälschen
und daraus Fesseln zu schmieden, mit denen die Leiter der Kirchen das arme,
unerfahrene Volk ketten und sich dienstbar machen. Die Wurzel alles Bösen ist
die Habsucht - die Liebe zum Geld. Auch in euren christlichen Kirchen spielt
das Geld eine große Rolle. Satan hat gewußt, was er tat, als er das Geld als
Lockmittel auch in die Religionen hineinwarf. Er wußte, daß er damit die
geistlichen Führer am festesten an den Irrtum binden konnte. Er wußte, daß
keiner von ihnen so leicht seine gutbezahlte Lebensstellung als
Religionsdiener einer Kirche aufgeben werde, selbst wenn er das Irrige der
von ihm gepredigten Lehre einmal einsehen sollte. So drangen denn seit der
Zeit, wo man auf die Verbindung mit der Geisterwelt Gottes als den einzigen
Weg zur Wahrheit verzichtete, die mannigfachsten und folgenschwersten
Irrtümer in das Christentum ein. Von Jahrhundert zu Jahrhundert wurde es
schlimmer. Eine Wahrheit nach der anderen wurde vom Irrtum verseucht und
ungenießbar gemacht. Und was war die Folge?
Heute steht ihr vor einem hundertfältig gespaltenen Christentum, vor
zahllosen Religionsgemeinschaften, die alle etwas anderes als Wahrheit
verkünden und von denen jede ihr Glaubensbekenntnis als die wahre Lehre
Christi ausgibt. Und da wundert ihr euch, daß ein so verfälschtes und
zerrissenes Christentum keinen Einfluß mehr auf die Menschheit ausübt? Gebt
dem Volk das Christentum der ersten Christen wieder! Nehmt die geistigen
Lasten von seinen Schultern, die ihr durch eure Menschensatzungen aus
Herrschsucht darauf gelegt habt, und setzt die Menschheit wieder in
Verbindung mit den Wahrheitsboten Gottes - und ihr werdet staunen, welche
Wirkung das echte Christentum auch auf die heutige Menschheit auszuüben
imstande ist. Es gibt kein unfehlbares Papsttum Die katholische Kirche
sucht die Zersplitterung in so viele christliche ‘Sekten‘, wie sie es nennt,
damit zu erklären, daß alle anderen christlichen Gemeinschaften von ihr als
der allein wahren und seligmachenden Kirche abgewichen seien. Aber ich werde
dir zeigen, daß auch die katholische Kirche von dem Christentum Christi und
der Apostel fast nichts mehr besitzt. Sie hat es allerdings
verstanden, für die im ersten Christentum wirkenden Geister Gottes einen
menschlichen Ersatz zu schaffen. Sie führte ein ‘unfehlbares Papsttum‘ ein.
Das war die einfachste Lösung der Wahrheitsfrage. Nun war Christus der Mühe
enthoben, die Geister der Wahrheit zu den irrenden Menschen zu senden, wie er
es verheißen hatte. Auch brauchte er sein Versprechen, daß er selbst bei
seinen Gläubigen alle Tage bis zum Ende der Welt bleiben werde, nicht mehr zu
erfüllen. Denn es war ja ein ‘Stellvertreter Christi‘ auf Erden. Wo ein
Stellvertreter ist, braucht der nicht zu erscheinen, der vertreten wird. Durch die Lehre von einem
unfehlbaren Stellvertreter Christi auf Erden wurde die Vermittlung der
göttlichen Wahrheiten ganz in die Hände irrender und sündiger Menschen gelegt
unter Ausschluß der Wahrheitsboten Gottes. So war der menschlichen Willkür
und irdischen Machtgelüsten Tür und Tor geöffnet. Zwar erklärt ihr, daß auch
bei der Papstwahl der ‘Heilige Geist‘ mitwirke. Aber ihr könnt keinen
einzigen Fall angeben, in dem ein Papst durch einen Geist Gottes für sein Amt
bestimmt worden wäre. Oder hat je ein Geist Gottes bei den Papstwahlen durch
einen der Wähler als Werkzeug Gottes angegeben, wer Papst werden solle, wie
es die Geister Gottes in den ersten christlichen Gemeinden durch die Medien taten,
wenn einer als Ältester oder als Bischof bestellt werden sollte? Schaue dir in der
Geschichte des Papsttums die Vorgänge bei den Papstwahlen an. Ging es dabei
oft nicht recht teuflisch zu? Hat man nicht sogar Waffengewalt angewendet, um
Anhängern und Günstlingen gewisser Familien die Tiara aufs Haupt zu setzen?
War nicht eine Reihe von Päpsten in ihrem Tun und in ihrer ganzen
Lebensführung eher ein Werkzeug der Hölle, als ein ‘Stellvertreter Christi‘? Doch, um diesen Einwand zu
beseitigen, seid ihr auf eine merkwürdige Erklärung verfallen. Ihr
unterscheidet zwischen dem Papst als Mensch und dem Papst als ‘Stellvertreter
Christi‘. Ihr behauptet, daß auch der schlechteste Mensch, sobald er Papst
sei, Christi Stelle vertrete und die Gabe der Unfehlbarkeit besitze. Also ein
Werkzeug Satans und gleichzeitig Christi Stellvertreter! Ist das nicht die
größte Lästerung, die ihr Christus und Gott zufügen könnt? Würde irgend ein
Mensch seinen größten Feind auch nur für eine Stunde zu seinem Stellvertreter
machen? Gewiß nicht. Und Gott und Christus sollten das tun? Gott sollte die
hohen Gaben seiner Heilsordnung einem Diener der Hölle anvertrauen? Euer gesunder
Menschenverstand muß euch sagen, daß dies unmöglich ist. Die Geister Gottes
kommen mit ihren Gaben nur zu dem gottestreuen Menschen und verbleiben nur so
lange bei ihm, als seine Treue währt. Das siehst du in der Geschichte des
Königs Saul. Solange dieser begnadete König Gott gehorsam war, stand er
täglich mit der Geisterwelt Gottes in Verbindung und konnte ‘Gott befragen‘,
wenn er in irgend einem Punkte nicht die Wahrheit erkannte, und er erhielt
stets die Antwort Gottes durch die Geister der Wahrheit. Als er aber Gott die
Treue brach, hörte in demselben Augenblicke der Verkehr mit der Geisterwelt
Gottes auf. Auf seine Fragen, die er an Gott richtete, erhielt er keine
Antwort mehr. Anstatt der Geisterboten Gottes nahmen die bösen Geister von
ihm Besitz. Alle hohen Gaben waren ihm genommen. Ein schlechter Mensch kann
nie und nimmer Träger heiliger Gaben Gottes sein - auch kein schlechter
Papst. Also besaßen wenigstens die schlechten Päpste niemals die Gabe der
Unfehlbarkeit. Da ihr aber bei keinem Papste, wie überhaupt bei keinem
Menschen, die Gewißheit habt, ob er innerlich ein Freund oder Feind Gottes
ist, so könnt ihr auch niemals wissen, ob die Lehre eines Papstes Wahrheit
oder Irrtum ist. Also nur Gott wählt sich
die Menschen aus, zu denen er die Geister der Wahrheit sendet. Nicht
menschliche Wahl kann einen Menschen zum Träger der Wahrheiten Gottes machen.
Nicht einmal Christus wählte sich seine Apostel nach seinem eigenen Gutdünken
aus. Denn die Apostelgeschichte sagt euch ausdrücklich, daß er sie ‘kraft
eines heiligen Geistes ‘ erwählt habe (Apg.1,2). Daraus folgt, daß Gott erst
recht nicht an ein menschliches Amt, wie es das Papsttum ist, die Gabe der
Unfehlbarkeit knüpfen kann. Ganz irrig sind daher auch die Auslegungen, die
ihr manchen Stellen des Neuen Testamentes gebt, um die Lehre von dem
unfehlbaren Papsttum zu beweisen. Ihr weist auf die Worte
Christi an Petrus hin: ‘Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine
Kirche bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Auch
will ich dir die Schlüssel des Himmelreiches geben; und was du auf der Erde
bindest, das wird auch im Himmel gebunden sein; und was du auf der Erde
lösest, das wird auch im Himmel gelöst sein‘ (Matth.16,18-19). Aus diesen Worten schließt
ihr, daß Petrus als Mensch das Fundament der Kirche Christi gewesen sei; daß
er als Leiter dieser Kirche in der Verkündigung der Wahrheit nicht irren
könne und daß er die Binde- und Lösegewalt über die Glieder der Kirche
empfangen habe. Nun sei das Amt des Petrus auf seine Nachfolger übergegangen.
Diese Nachfolger aber seien die römischen Päpste. Infolgedessen hätten auch
sie dieselben Gaben und Gewalten, die ein Petrus besaß. Dies alles sind große
Trugschlüsse. Nicht der Mensch Petrus wurde von Christus als der Fels
bezeichnet, auf dem er seine Kirche bauen wolle. Nur dem Glauben des Petrus
gab er diese Verheißung. Der Petrusglaube an Christus als den von Gott
gesandten Messias ist das Dauernde, Unvergängliche und von der Hölle nicht zu
Überwältigende - nicht die Person des Petrus. Diesen Petrus hatte die
Hölle schon bald nachher überwältigt, als er Christus unter einem Eidschwur
dreimal verleugnete. Gerade Petrus zeigt, wie wenig Gott auf einen Menschen
sich verlassen und daß er auf Menschen keine Heilsordnung aufbauen kann. Das
hieße auf Sand bauen. Nur eines ist unwandelbar: Die Wahrheit und der Glaube
an die von Gottes Geistern übermittelte Wahrheit. Auch Petrus hatte die
Wahrheit, daß Christus der Messias sei, von Boten Gottes empfangen. Denn
Christus sagte zu ihm: ‘Nicht Fleisch und Blut hat dir das geoffenbart,
sondern mein Vater im Himmel.‘ Und weil Petrus diese Wahrheit von Geistern
Gottes empfangen hatte, glaubte er sie. Mit diesem Glauben stand er auf
unerschütterlichem Felsgrund. Denn die Geisterwelt Gottes lügt nicht. Und
jeder andere, der so tut, wie Petrus getan, steht auf demselben Felsen, auf
dem Petrus mit seinem Glauben stand. Wer die Wahrheit Gottes aus
der Hand der Wahrheitsboten Gottes entgegenzunehmen und daran zu glauben
bereit ist, gehört zur Kirche Christi. Sie ist daher eine geistige Kirche.
Sie kennt keine äußere Zugehörigkeit in der Form der Mitgliedschaft einer
irdischen Kirchenorganisation. Sie kennt keine Priester und Bischöfe mit den
Machtvollkommenheiten, wie sie die Geistlichkeit der katholischen Kirche für
sich in Anspruch nimmt. Sie kennt keinen unfehlbaren Papst. Christus hat
keinen Stellvertreter auf Erden. Zur Kirche Christi gehören Menschen aus
allen Religionen der Welt. Diese geistige Kirche
Christi kann nie vom Bösen überwunden werden. Denn sie ist die Quelle der
Wahrheit, und die Wahrheit ist unüberwindlich. Ihre Wahrheitsboten sind nicht
Menschen, nicht Päpste, Bischöfe und Priester - sondern die Geister Gottes. Die ‘Schlüssel des
Himmelreiches‘, die Christus dem Petrus wegen seines Glaubens zu übergeben
versprach, sind die Wahrheiten Gottes. Mit ihnen sollte er binden und lösen,
indem er die Schlüssel der Wahrheit an die im Irrtum Befangenen
weiterreichte. Wer die Schlüssel nicht annahm, in dem er sich durch Unglauben
der Wahrheit widersetzte, wurde noch fester an seinen Irrtum gebunden. Wer
jedoch willig nach dem dargereichten Schlüssel griff, dessen Fesseln des
Irrtums wurden gelöst. Das Gebunden- und
Gelöstwerden hatte seine Wirkung sowohl für das irdische, als besonders für
das jenseitige Leben. Dasselbe Bild von den ‘Schlüsseln des Himmelreiches‘
wendet Christus bei den geistlichen Führern des damaligen jüdischen Volkes
an. Diese hatten durch ihre falsche Lehre dem Volke den verkehrten Schlüssel
gegeben, mit dem man die Tür des Reiches Gottes nicht öffnen konnte. Und den
richtigen Schlüssel, den ein Johannes der Täufer und Christus selbst ihm anbot
und den das Volk auch anzunehmen bereit war, riß die jüdische Geistlichkeit
ihm aus der Hand. Darum rief Christus aus: ‘Wehe euch, Schriftgelehrten
und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr schließt das Himmelreich vor den Menschen
zu. Ihr selbst geht ja nicht hinein; aber ihr laßt auch die nicht hinein, die
hineingehen möchten‘ (Matth.23,13). Die Worte: ‘Weide meine
Lämmer, weide meine Schafe!‘, die Christus nach seiner Auferstehung an Petrus
richtete, deutet ihr ebenfalls als eine Bevorzugung des Petrus. Doch mit
Unrecht. Petrus hatte seinen Meister unter Eidschwüren dreimal öffentlich
verleugnet. Nach menschlichem Ermessen mußte man annehmen, daß Christus den
ungetreuen Jünger entlassen und ihm das Apostelamt entziehen würde. Auch
Petrus selbst war überzeugt, daß der Meister ihn verstoßen werde gemäß seinen
eigenen Worten: ‘Wer mich vor den Menschen verleugnet, den werde ich auch
vor meinem himmlischen Vater verleugnen.‘ (Matth.10,33) - Ihr Menschen
würdet es jedenfalls unter ähnlichen Umständen getan haben. - Aber Christus
hatte Erbarmen mit dem reuigen Petrus. Er stellte ihn wieder den übrigen
Aposteln gleich und übertrug auch ihm das Hirtenamt. Auch er sollte gleich
seinen bisherigen Mitaposteln, trotz der begangenen Untreue, seine
Mitmenschen auf die Weide der Wahrheit führen. Seine dreimalige Frage:
‘Petrus, liebst du mich?‘ sollte den tiefgefallenen Petrus an die dreimalige
Verleugnung erinnern und ihm zum Bewußtsein bringen, wie groß die Güte Gottes
gegen ihn war, die trotz allem Vorgefallenen ihn doch als Verkünder des
Reiches Gottes und als Werkzeug der Geister Gottes beibehalten wollte. Du siehst, wie irrig die
Auslegungen der angeführten Bibelstellen durch deine bisherige Kirche sind
und daß sie daraus keinen Beweis für eine bevorzugte Stellung des Petrus und
die Unfehlbarkeit des römischen Papstes ableiten kann. Die Hölle hat diese
Kirche längst überwunden, und das Böse ist auch die Urheberin der
Unfehlbarkeitslehre. Denn da die meisten Lehren dieser Kirche große Irrtümer
sind, ist die Hölle bemüht, jene Irrtümer in der Menschheit möglichst lange
zu erhalten. Das erreicht sie am besten mit dem Machtmittel der
Unfehlbarkeit. Die Kirche kann ja die Irrtümer nicht mehr rückgängig machen,
weil sie dieselben unter dem Siegel der Unfehlbarkeit lehrt. Sie aufzugeben
hieße sich selbst vernichten. In eurer Papstlehre häuft sich Unwahrheit auf
Unwahrheit. So ist es auch eine
geschichtliche Unwahrheit, daß der römische Bischof ein direkter Nachfolger
des Petrus im Apostelamt sei. Denn die Bischöfe der ersten Christengemeinden
wurden weder von einem Apostel, noch durch eine menschliche Wahl für ihr Amt
bestimmt, sondern nur durch die sich kundgebenden Geister Gottes. Und wenn in
einzelnen Fällen ein Apostel oder Apostelschüler einen als Bischof in sein
Amt einführte, so tat er es erst dann, wenn ein Geist Gottes jenen als
Bischof bestimmt hatte. Außerdem hatte ja kein
Bischof vor einem anderen einen Vorzug und kein Apostel eine höhere Gewalt,
als seine Mitapostel. ‘Mir ist es gleichgültig‘ ‚ sagt Paulus, ‘wie groß das
Ansehen der Apostel war. Denn Gott nimmt auf das Ansehen eines Menschen keine
Rücksicht‘ (Gal.2,6). - Und an derselben Stelle schildert er, wie er einmal
dem Apostel Petrus mit aller Schärfe entgegen getreten sei und ihm vor der
ganzen Gemeinde vorgehalten habe, daß er nicht in Übereinstimmung mit der
Wahrheit des Evangeliums wandle. Wenn es genügt hätte, daß
Gott dem Apostel Petrus als dem ersten unfehlbaren Papst die Heilswahrheiten
offenbarte, dann brauchten die Geister Gottes erst recht nicht zu den ersten
Christengemeinden zu kommen. Sie besaßen ja dann in Petrus eine unfehlbare
Quelle der Wahrheit. Und warum wurde denn Paulus nicht zu Petrus geschickt,
um von ihm die Wahrheit zu empfangen? Er war doch in seiner nächsten Nähe.
Warum wurde er anstatt dessen gemäß seinen eigenen Worten von Christus selbst
belehrt? Die Einzelwahrheiten der
Lehre Christi möchte ich dir nun in ihren Hauptzügen vor Augen führen. Ich
will sie dabei in Vergleich stellen mit den Lehren des heutigen Christentums,
vor allem mit den Lehren, die du bisher als Priester der katholischen Kirche
gepredigt hast. So erfülle ich einen von dir längst gehegten Wunsch. Damit
ist dann auch jede andere, von der wahren Lehre Christi abweichende Lehre der
übrigen christlichen Kirchen als irrig dargetan. Es gibt keinen dreipersönlichen
Gott Christus lehrte einen
einpersönlichen Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Er kennt keinen
Gott in drei Personen, wie es die katholische Kirche und andere christliche
Kirchen lehren. Nur der Vater ist Gott.
Kein anderer ist ihm gleich, weder der Sohn, noch das, was ihr ‘Heiliger
Geist‘ nennt. Nach seiner Auferstehung
sagte Christus: ‘Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem
Gott und eurem Gott‘ (Joh.20,17). Nach den Worten Christi
steht der Vater über allem. ‘Mein
Vater, der die Schafe mir gegeben hat, ist größer als alles, und niemand
vermag sie der Hand des Vaters zu entreißen‘ (Joh.10,29,). Wenn der Vater
größer als alles ist, dann gibt es nichts, was ihm gleichkommt. Dann ist er
auch größer als der Sohn. Das bestätigt Christus mit den Worten: ‘Der Vater
ist größer als ich‘ (Joh.14,28). - Auch nennt er den Vater den allein Guten.
Wenn einer Jesus mit ‘guter Meister‘ anredete, pflegte er zu sagen: ‘Warum
nennst du mich gut? Niemand ist gut, als Gott allein‘ (Luk.18,19). Weil Gott über allem steht,
darum kann er auch Macht geben, wem er will. Alle Macht hat er dem Sohne
verliehen. ‘Du hast dem Sohn die Macht
über alles Fleisch verliehen, damit er allem, was du ihm gegeben hast, ewiges
Leben verleihe‘ (Joh.17,2). Daß Christus nicht Gott ist, habe ich dir in
ausführlicher Weise an Hand der Heiligen Schrift dargetan, als ich dich über
sein Leben und sein Werk belehrte. Auch nach der Lehre der Apostel ist bloß
der Vater Gott und nicht der Sohn. Denn Paulus schreibt: ‘Wir wissen, daß
es keinen anderen Gott gibt als den einen. Denn mag es auch sogenannte
Götter, sei es im Himmel, sei es auf Erden, geben - es gibt ja viele solcher
Götter und viele Herren -‚ so gibt es für uns Christen doch nur einen Gott,
den Vater, von dem alle Dinge sind und für den wir geschaffen sind.
‘(1.Kor.8,4-6). Ferner nennt Paulus den
Vater ‘den Gott Christi‘. ‘Der Gott unseres Herrn Jesus Christus wolle euch
einen Geist der Weisheit geben‘ (Eph.1,17). - Nach ihm wird die Erscheinung
Jesu Christi herbeigeführt ‘durch den allein Gewaltigen, der allein
Unsterblichkeit besitzt, der da wohnt in unzugänglichem Lichte‘
(1.Tim.6,15-16). Wenn der Vater allein
Unsterblichkeit besitzt, dann besitzt sie der Sohn nicht. Wenn der Vater der
allein Gewaltige ist, dann ist es nicht der Sohn. Dann besitzt der Sohn aus
sich keine Allmacht. Also ist der Sohn nicht Gott, sondern er ist das, als
was er sich selbst bezeichnet und als was ihn die Apostel einstimmig ausgeben
- er ist der ‘Sohn Gottes‘, geringer als der Vater, ein Geschöpf des Vaters. Die ganze Bibel, sowohl des
Alten als auch des Neuen Testamentes, kennt nur einen Gott in einer Person.
Der Vater ist Gott und zwar der alleinige Gott. Keiner der Söhne Gottes,
weder der Erstgeborene noch die anderen Söhne Gottes, sind Gott. Weil ihr Christus zum Gott
macht, habt ihr die unüberwindlichen Schwierigkeiten, die Persönlichkeit, das
Leben, Leiden und Sterben Jesu zu verstehen. Es hindert euch, seine so klare
Lehre über seine Stellung zum Vater als das zu nehmen, was sie in
Wirklichkeit ist: Nämlich als die Stellung eines Geschöpfes Gottes, wenn auch
des höchsten Geschöpfes, zu seinem Schöpfer. Zu welch törichten Erfindungen
müssen doch eure Theologen ihre Zuflucht nehmen, um die unleugbaren Tatsachen
im Leben Jesu und seine eigenen Worte in Einklang zu bringen mit seiner
angeblichen Gottheit. Sie konstruieren sich die Person Jesu in der Weise
zusammen, daß sie sagen, in dem Menschen Christus seien zwei Geister gewesen:
Der göttliche Geist und ein menschlicher Geist. Daher habe Christus zweierlei
Willen und zweierlei Wissen gehabt: Einen göttlichen und einen menschlichen
Willen, ein göttliches und ein menschliches Wissen. Trotzdem seien die beiden
Geister nur eine Persönlichkeit. - Das alles sind Wahngebilde. Jeder Geist
ist eine selbständige Persönlichkeit, und selbst Gott kann nicht zwei Geister
zu einer Persönlichkeit verschmelzen, wie er auch nicht zwei Menschen zu
einem Menschen verschmelzen kann. Er kann es trotz seiner Allmacht nicht,
weil es in sich ein Widerspruch ist, daß zwei gleich eins sein soll. Euer gesunder
Menschenverstand muß euch sagen, daß Christus, wenn er Gott gewesen wäre, am
Kreuze nicht hätte ausrufen können: ‘Mein Gott, warum hast du mich
verlassen?‘ Gott kann sich doch nicht selbst verlassen. Und wenn es in der
Heiligen Schrift heißt, durch die Kraft des Vaters sei Christus von den Toten
erweckt worden, weshalb war denn die Kraft des Vaters dazu nötig, wenn
Christus selbst Gott war? Nach seinem irdischen Tode hatte er doch alles
Menschliche abgelegt und war nur noch Gott und als solcher dem Vater in allem
gleich, wie ihr lehrt. Er hatte also dieselbe Kraft wie der Vater. Warum denn
die Kraft von einem anderen benötigen, wenn man sie selbst besitzt? Das sind
doch unlösliche Widersprüche. Wie könnt ihr es ferner
erklären, daß Christus nicht ein einziges Mal sagt: ‘Ich bin Gott - dem Vater
in allem gleich.‘ Er hat doch an zahllosen Stellen über sein Verhältnis zu
Gott gesprochen, und er sollte nicht ein einziges Mal die Wahrheit gesagt
haben, nämlich daß er selbst Gott sei. Aber er nennt sich bloß den ‘Sohn
Gottes‘ und beteuert, daß er in allem vom Vater abhängig sei. Er erklärt
feierlich: ‘Darin besteht das ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren
Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus.‘ Er ist nur der Gesandte
Gottes - aber nicht Gott. Paulus nennt ihn den ‘Erstling der Schöpfung‘. Er
ist also von Gott geschaffen und somit ein Geschöpf Gottes und ebensowenig
Gott, wie alle anderen Geschöpfe Gott sind. Weil man keinen
Anhaltspunkt für die falsche Lehre, daß Christus Gott sei, im Neuen Testament
finden konnte, verlegte man sich auf das Mittel der Fälschung mehrerer
Bibelstellen, um so Beweisstellen für die Gottheit Christi zu schaffen.
Einige davon will ich dir anführen. Im Briefe an die Römer schreibt Paulus: ‘Gern
wollte ich selbst aus der Gemeinschaft mit Christus ausgestoßen sein, wenn
ich dadurch meine Brüder, meine Stammesverwandten nach dem Fleische retten
könnte: Sie sind ja Israeliten, denen die Annahme zum Gottesvolk und die
Herrlichkeit, die Bündnisse und die Gesetzgebung, der Gottesdienst und die
Verheißungen zuteil geworden sind, denen die Erzväter angehören und aus deren
Mitte der Messias leiblich hervorgegangen ist. Der über allem waltende Gott
sei dafür gepriesen in Ewigkeit Amen. ‘(Röm.9,3-5) Aus innigem Dank dafür, daß
der Messias als Mensch aus demselben Volke hervorgegangen ist, dem er selbst
angehört, spricht hier Paulus einen Lobpreis Gottes aus, wie er das öfters in
seinen Briefen tut. Nun hat man diese Stelle zu einer Fälschung benutzt,
indem man übersetzte: ‘... aus deren Mitte der Messias leiblich
hervorgegangen ist, der da ist der über allem waltende Gott, gepriesen in
Ewigkeit. Durch diese Fälschung hat
man den Messias zum Gott gestempelt. Eine ähnliche Fälschung nahm man vor bei
folgender Stelle in dem Brief des Paulus an Titus: ‘Dabei sollen wir auf
unser seliges Hoffnungsgut und auf die Erscheinung der Herrlichkeit unseres
großen Gottes und auf die unseres Heilandes Christus Jesus warten.
‘(Tit.2,13) Hier spricht Paulus von der
Herrlichkeit des großen Gottes, zu der zu gelangen das Ziel der ganzen
materiellen Schöpfung ist und von der Herrlichkeit unseres Heilandes Christus
Jesus, durch die wir in die Herrlichkeit Gottes eingeführt werden nach den
Worten Christi: ‘Niemand kommt zum Vater außer durch mich.‘ Paulus
unterscheidet also hier die Herrlichkeit des Vaters von der Herrlichkeit
Christi. Diese Stelle hat man nun in die falsche Fassung gebracht: ‘Dabei
sollen wir auf unser seliges Hoffnungsgut und auf die Erscheinung unseres
großen Gottes und Heilandes Christus Jesus warten.‘ Durch diese Übersetzung
soll bei dem Leser der Eindruck erweckt werden, als sei Christus der große
Gott, auf dessen Herrlichkeit wir warten sollen. Solche Fälschungen werden
freilich demjenigen sofort zum Bewußtsein kommen, der mit den Briefen des
Apostels Paulus vertraut ist. Denn er weiß, wie scharf dieser Apostel in
allen seinen Schreiben die Person Christi von der Person Gottes
unterscheidet; wie er den Vater den ‘Gott Christi‘ nennt und Christus bloß
als den vom Vater bestimmten ‘Herrn‘ bezeichnet; wie er lehrt, daß Gott alle
Feinde dem Sohn unterwerfen werde, und zwar als letzten Feind den
Todesfürsten Luzifer selbst; daß aber dann der Sohn auch sich selbst dem
unterwerfen werde, der ihm alles unterworfen habe, damit Gott alles in allen
sei‘ (1.Kor.15,27-28). - Sein Gruß lautet stets: ‘Gnade sei mit euch und
Frieden von Gott, unserem Vater und vom Herrn Jesus Christus. ‘ Er sagt nie:
‘Und von Gott dem Sohn.‘ Wenn daher aus irgendeiner
Stelle eurer jetzigen Bibel etwas anderes herausgelesen wird als die
Wahrheit, daß nur der Vater Gott ist, dann ist entweder die Übersetzung in
eure Sprachen falsch oder es liegt schon eine Fälschung des griechischen
Textes vor, aus dem eure Übersetzungen angefertigt sind. Manchmal liegt
sowohl eine Fälschung des griechischen Textes, als auch eine falsche
Übersetzung in eure Sprache bei ein und derselben Stelle vor. Eine solche hast du im
Briefe des Paulus an die Philipper, die nach eurer heutigen Übersetzung
lautet: ‘Ein jeglicher sei gesinnt, wie Jesus Christus es war. Obwohl dieser
in göttlicher Gestalt war, hielt er es nicht für einen Raub, Gott gleich zu
sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an‘
(Phil.2,5-6). Der richtige Text lautet:
‘Dieselbe Gesinnung sei in euch allen, wie sie in Christus Jesus war; denn
wiewohl er in seiner äußeren Gestalt wie ein Gott aussah, hat er es doch
nicht als eine Selbstberaubung angesehen, sich vor Gott zu demütigen, sondern
er hat sich entäußert und die äußere Gestalt eines Sklaven angenommen.‘ Daß
Christus in der Gestaltung seines himmlischen Leibes als Geist wie ein Gott
aussah, ist die Wahrheit, und alle Geister, die ihn zum erstenmal sehen,
meinen Gott zu sehen - so herrlich hat Gott seinen Erstgeborenen
ausgestattet. Die grobe Fälschung in diesem Text besteht darin, daß anstatt
der Worte: ‘... sich vor Gott zu demütigen‘ die Worte eingeschoben wurden:
‘Gott gleich zu sein. Da soeben der Ausdruck
gebraucht wurde: ‘Wie ein Gott aussehen‘, so möchte ich hier die Stelle aus
dem Anfang des Johannes-Evangeliums anschließen, die ihr ebenfalls als Beweis
für die Gottheit Christi anführt: ‘Im Anfang war das Wort und das Wort war
bei Gott und Gott war das Wort. Zunächst heißt es nicht:
Gott war das Wort, sondern ‘ein Gott‘ war das Wort. Hier gebraucht Johannes die
Bezeichnung ‘ein Gott‘, wie sie im Sprachgebrauch der damaligen Zeit für
diejenigen angewandt wurde, die besondere Werkzeuge Gottes waren und als
Gesandte Gottes mit dem allein wahren Gott in besonderer Verbindung standen.
Denselben Sprachgebrauch wandte einst Gott bei Mose, dem großen Gottgesandten
und Vorbild Christi an, indem er zu Mose sagte: ‘Aaron soll für dich zum
Volke reden; er soll dein Mund sein - und du sollst sein ‘Gott‘ sein‘
(2.Mose4,16). Dasselbe bestätigt Christus
den Juden gegenüber, die ihm vorwarfen, er mache sich Gott gleich, weil er
sich als ‘Sohn Gottes‘ bezeichnete. Er fragte sie: ‘Steht nicht in eurem
Gesetz geschrieben: Ich habe gesagt: ihr seid Götter? Wenn nun die Schrift
die Männer, an die ein Auftrag Gottes erging, ‘Götter‘ genannt hat, wie könnt
ihr da mir, den der Vater geweiht und in die Welt gesandt hat,
Gotteslästerung vorwerfen, weil ich gesagt habe: Ich bin Gottes Sohn?‘ Christus sagt also in
diesen Worten: ‘Wie könnt ihr behaupten, ich mache mich Gott gleich, indem
ich mich als Sohn Gottes ausgebe? Selbst wenn ich mich ‘einen Gott‘ genannt
hätte, wäre dies keine Gotteslästerung. Denn diejenigen, die bisher als
Gesandte Gottes auftraten, wurden ‘Götter‘ genannt, weil sie Aufträge Gottes
zu verkünden hatten. Um wieviel mehr könnte ich mich daher ‘einen Gott‘
nennen, da mir die höchste Aufgabe übertragen ist, die je einem Gesandten
Gottes zuteil wurde. Aber ich vermeide absichtlich die Bezeichnung ‘Gott‘, um
keine falsche Deutung dieses Wortes zu veranlassen und nenne mich den ‘Sohn
Gottes‘, der ich auch in Wirklichkeit bin.‘ Ebenso schreibt Paulus:
‘mag es auch sogenannte ‘Götter‘ sei es im Himmel, sei es auf Erden, geben -
es gibt ja viele solcher Götter und viele Herren - so gibt es doch für uns
Christen nur einen Gott, den Vater ... und nur einen Herrn, Jesus Christus‘
(1.Kor.8,5-6). Paulus möchte also den
Ausdruck ‘Gott‘ bei den Christen nicht mehr in dem uneigentlichen Sinn gebraucht
wissen, in dem er bisher auch auf Geschöpfe Gottes angewandt wurde, sondern
sie sollen die Bezeichnung ‘Gott‘ nur dann gebrauchen, wenn sie den einen
wahren Gott, ‘den Vater‘ damit meinen und niemand als ‘Herrn‘ bezeichnen
außer Jesus Christus. Also auch Jesus Christus durften sie nicht als ‘Gott‘
bezeichnen. Eine andere Fälschung
findet sich im Briefe des Johannes. Die Stelle lautet in der richtigen
Fassung: ‘Wir wissen, daß der Sohn Gottes gekommen ist und uns Einsicht
verliehen hat, um den Wahrhaftigen zu erkennen. Und wir stehen in der
Gemeinschaft mit dem Wahrhaftigen, indem wir in Gemeinschaft mit seinem Sohne
sind. Dieser ist wahrhaftig und ewiges Leben.‘ (1.Joh.5,20). Hier hat man außer anderen
Fehlern vor allem das Wort ‘Gott‘ im letzten Satz hinzugefügt, so daß dieser
lautet: ‘Dieser ist der wahrhaftige Gott und ewiges Leben. Johannes lehrt hier
dasselbe, was Christus und die Apostel an so vielen Stellen ausgesprochen
haben, nämlich: Gott ist der Wahrhaftige. Aber auch der Sohn ist wahrhaftig.
Denn er spricht die Worte Gottes. Er lehrt ja bloß das, was der Vater ihm
aufgetragen hat. Er ist also in allem, was er verkündigt, ebenso wahrhaftig
wie der Vater selbst. Diejenigen, die daher in der Gemeinschaft mit dem Sohne
stehen, sind dadurch auch in der Gemeinschaft mit dem wahrhaftigen Gott. Und
da Gott seinem Sohn ewiges Leben verliehen hat, so ist der Sohn für alle, die
in Gemeinschaft mit ihm sind, ebenfalls ewiges Leben. Als Hauptbeweisstelle für
die Lehre, daß in Gott drei Personen seien, die zusammen nur einen Gott
ausmachen sollen, dient jene große Fälschung im Briefe des Apostels Johannes,
deren richtiger Text lautet: ‘So sind es also drei, die Zeugnis ablegen:
Der Geist, das Wasser und das Blut., und diese drei stimmen in ihrem Zeugnis
überein‘ (1.Joh.5,7-8). Die Fälscher haben hier den
Satz hinzugefügt: ‘Und drei sind im Himmel, die Zeugnis geben: Der Vater, das
Wort und der Geist, und diese drei sind eins.‘ Daß dieser ganze letzte Satz
eine erfundene Einschiebung ist, wissen auch eure katholischen Theologen.
Trotzdem ist sie immer noch in den katholischen Bibelausgaben enthalten,
während andere christliche Kirchen sie daraus entfernt haben. Außer dieser Fälschung habt
ihr im ganzen Neuen Testament auch nicht einmal einen scheinbaren Anhaltspunkt
für die Lehre, daß das, was ihr ‘Heiliger Geist‘ nennt, gleicher Gott mit dem
Vater sein soll. Was das Neue Testament mit ‘Heiliger Geist‘ bezeichnet,
bedeutet die Gesamtheit der guten Geisterwelt. Gott ist ein heiliger Geist.
Er ist der höchste und heiligste aller Geister. Der Sohn Gottes ist ein
heiliger Geist. Er ist der höchste und heiligste der geschaffenen Geister.
Die hohen Himmelsfürsten, ein Michael, ein Gabriel, ein Raphael und viele
andere sind heilige Geister. Alle Heerscharen Gottes sind heilige Geister.
Auch Luzifer war vor seinem Abfall ein heiliger Geist. Alle Menschen und die
ganze materielle Schöpfung waren einmal heilige Geister. Das große Mißverständnis,
das durch die Bezeichnung ‘der Heilige Geist‘ hervorgerufen wurde, rührt von
den falschen Übersetzungen des griechischen Textes des Neuen Testamentes her.
Wo dort ‘ein‘ heiliger Geist zu lesen ist, haben eure Übersetzer
unbegreiflicher Weise ‘der‘ Heilige Geist geschrieben. Man muß sich deshalb
darüber wundern, weil die Übersetzer doch Männer waren, welche die
griechische Sprache beherrschten und genau wußten, wie streng gerade diese
Sprache im Gebrauch des bestimmten und des unbestimmten Geschlechtswortes
ist. Du hast ja früher während
deiner Studien die griechische Sprache gelernt, in der das Neue Testament
euch abschriftlich überliefert ist. Soviel wirst du von dieser Sprache wohl
noch verstehen, daß du an Hand des griechischen Neuen Testamentes meine
Behauptung nachprüfen kannst. Ich will nur einige Stellen
aus der überaus großen Anzahl herausgreifen. Ich nehme das Evangelium des
Matthäus. Da heißt es gleich in den ersten Kapiteln von Maria, daß sie von
‘einem‘ heiligen Geist guter Hoffnung war, nicht von ‘dem‘ Heiligen Geist.
Und einige Zeilen weiter: Das von ihr zu erwartende Kind stammt von ‘einem‘
heiligen Geist - nicht von ‘dem‘ Heiligen Geist, als ob es bloß einen
einzigen heiligen Geist gäbe. Wenn du das Evangelium des Lukas nachschlägst,
so wirst du dasselbe finden. Auch hier heißt es: ‘Ein‘ heiliger Geist wird
auf dich kommen und die Kraft ‘eines‘ sehr Hohen wird dich überschauen - und
nicht, wie eure Übersetzung lautet: ‘Der‘ Heilige Geist wird über dich kommen
und die Kraft ‘des Allerhöchsten‘ dich überschatten . Es war nicht der
Allerhöchste, der sie überschattete, sondern einer von den höchsten Geistern
Gottes. Ebenso heißt es schon vorher von der Geburt des Johannes: Mit ‘einem‘
heiligen Geist wird er von Geburt an erfüllt sein. Und nachher von Elisabeth:
Sie wurde mit ‘einem‘ heiligen Geist erfüllt. Ebenso bei Zacharias: Er wurde
mit ‘einem‘ heiligen Geist erfüllt. Christus sagt: ‘Wenn ich
aber die bösen Geister durch ‘einen‘ Geist Gottes austreibe ...
‘(Matth.12,28). Und Johannes, der Täufer erklärt: ‘Der nach mir kommt, wird
euch mit ‘einem‘ heiligen Geist taufen‘ (Mark.1,8). Die Apostelgeschichte sagt
in den ersten Zeilen von Jesus, daß er sich die Apostelkraft ‘eines‘ heiligen
Geistes erwählt hat und schildert, wie am Pfingstfest ‘ein‘ heiliger Geist
auf jeden der Anwesenden kam und sie erfüllt wurden von ‘einem‘ heiligen
Geist. Bei der Erklärung des 12.
und 14. Kapitels des 1. Korintherbriefes habe ich dich bereits auf diesen
verhängnisvollen Übersetzungsfehler aufmerksam gemacht, durch den in euch die
Meinung erweckt wird, es gäbe bloß einen einzigen heiligen Geist, und dieser
sei eine göttliche Person, eines Wesens mit dem Vater, wie ja auch deine
bisherige Kirche lehrt. An allen Stellen, an denen der griechische Text ‘ein‘
heiliger Geist oder ‘ein‘ Geist sagt, haben eure Übersetzer ‘der‘ Heilige
Geist oder ‘der‘ Geist geschrieben. Wenn es in den griechischen
Bibelurkunden ‘ein‘ Geist heißt, dann ist einer von vielen gemeint. Ihr
begeht daher einen sinnentstellenden Fehler, wenn ihr ‘der‘ Heilige Geist
dafür setzt. Es gibt in jenen Urkunden allerdings auch Stellen, in denen es
‘der‘ Heilige Geist oder ‘der‘ Geist heißt. In diesen Stellen bedeutet es
entweder den Geist im Gegensatz zur Materie, wie in dem Satz: ‘Der Geist ist
willig, aber das Fleisch ist schwach‘‚ oder es bedeutet den Geist Gottes,
also Gott selbst oder eine bestimmte Art von Geistern, wie: Der Geist des
Lichtes, der Geist der Finsternis, der Geist der Wahrheit, des Trostes. Damit soll nicht gesagt
werden, daß es bloß einen einzigen Geist des Lichtes, der Finsternis, der
Wahrheit, des Trostes, der Stärke gibt. Hier steht die Einzahl anstelle der
Mehrzahl. Es ist dieselbe Ausdrucksweise, wie ihr sie auch in den heutigen
Sprachen habt. Auch ihr sagt zu dem Kranken: ‘Ich will dir ‘den‘ Arzt holen.
‘ Ihr wollt damit gewiß nicht zum Ausdruck bringen, daß es bloß einen
einzigen Arzt gäbe. So sagt ihr auch: ‘Der‘ Bauersmann hatte dieses Jahr eine
gute Ernte und meint damit den ganzen Bauernstand. So wendet ihr die
Bezeichnung: ‘Der‘ Handwerker, ‘der‘ Jurist, ‘der‘ Künstler, ‘der‘ Theologe
an, wenn ihr alle Handwerker, Juristen, Künstler, Theologen meint. Wenn also Christus sagt:
‘Ich werde euch ‘den‘ Geist der Wahrheit senden, so meint er ‘die‘ Geister
der Wahrheit. Denn du weißt bereits, daß die Geister Gottes gemäß ihren
Aufgaben nach Berufen eingeteilt sind. Es gibt Geister des Schutzes, Geister
des Kampfes, Geister des Trostes, Geister der Stärke, Geister der Weisheit
und zahllose andere Arten. Ein Geist der Wahrheit hat
ganz andere Aufgaben und daher auch andere Fähigkeiten als ein Geist aus den
Legionen Michaels. Ein Geist des Kampfheeres kann nicht die Aufgabe eines
Geistes des Trostes oder der Weisheit oder der Wahrheit übernehmen. Jeder
Geist hat seinen bestimmten Beruf und die zur Ausübung dieses Berufes
erforderlichen Gaben und Kräfte. Auch Luzifer hat seine
Geisterscharen nach besonderen Aufgaben gegliedert. Auch er hat sein
Kampfheer, seine Geister der Lüge, der Trostlosigkeit, der Habsucht, des
Stolzes, des Neides, der Rache, der Unzucht und jeder anderen Schlechtigkeit. Die einzelnen Arten sowohl
der guten als auch der bösen Geister sind Spezialisten in ihrem Fach und
wissen die, an denen sie arbeiten, für das Gute oder das Schlechte ihres
Spezialfaches reif zu machen. Du siehst, wie die Lehre
von dem dreipersönlichen Gott nicht nur dem gesunden Denken widerspricht,
sondern auch in der Heiligen Schrift keinerlei Stütze hat. Wenn nun auch nur
der Vater Gott ist, während der Sohn und die übrigen Geister seine Geschöpfe
sind, so besteht doch zwischen Vater, Sohn und der guten Geisterwelt eine
innige Zusammengehörigkeit und Einheit. Es ist die Einheit des Wollens und
Wirkens. Was der Vater will, das will auch der Sohn und das wollen auch die
dem Sohne unterstellten Geisterscharen. Gott ist der Herr und Eigentümer der
ganzen geistigen und materiellen Schöpfung. Ihm gehört alles. Dem Sohn hat er
die Leitung der Schöpfung übertragen in ähnlicher Weise, wie nicht selten
eure irdischen Fabrikherren dem ältesten Sohne die Leitung der Fabrik
übertragen und ihm das gesamte Fabrikpersonal unterstellen, in einem solchen
Falle empfängt der betreffende Sohn die Anweisungen und Aufträge von seinem
Vater und ist von ihm in allem abhängig. Denn der Vater ist und bleibt der
Herr und Eigentümer der Fabrik und der Sohn kann in der Leitung des gesamten
Betriebes nur nach den Anweisungen handeln, die er von seinem Vater erhalten
hat. Aber den Angestellten und Arbeitern des Betriebes gegenüber ist der Sohn
der ‘Herr‘, dessen Anordnungen sie Folge zu leisten haben. Und alle Wünsche,
die sie dem Vater als dem Fabrikeigentümer vortragen möchten, haben sie durch
den Sohn als den Beauftragten und Stellvertreter des Fabrikeigentümers an
diesen gelangen zu lassen. Übertrage dieses
menschliche Beispiel auf das Verhältnis zwischen Gott und dem Sohne Gottes,
und alle Aussprüche Christi über seine Stellung zu Gott, seinem Vater, werden
dir klarwerden. Alle Macht, deren der Sohn als Stellvertreter des Vaters zur
Leitung der Schöpfung Gottes bedarf, hat er vom Vater erhalten. Er hat sie
nicht aus sich. Alles ist dem Sohne unterstellt, aber nur auf Anordnung des
Vaters. Alles, was der Vater in der Schöpfung als seinem Eigentum wirken
will, wirkt er durch den von ihm dazu beauftragten Sohn, und alles, was zu
dem Vater gelangen soll, kann nur durch den Sohn zu ihm kommen. Daher der
Ausspruch Christi: ‘Niemand kommt zum Vater, außer durch mich.‘ Der Sohn nimmt die Aufträge
Gottes entgegen. Die er nicht selbst auszuführen hat, gibt er an diejenigen
Geister weiter, die kraft ihres besonderen Berufes dafür in Frage kommen.
Diese vollziehen sie im direkten Auftrage des Sohnes und im indirekten
Auftrage des Vaters. Das ist auch der Sinn der Worte, die Christus bei der
Aussendung der Apostel gebrauchte und die in eurer Bibel nicht ganz genau
wiedergegeben sind. Er sagte: ‘Gehet hin und lehret alle Völker und taufet
sie im Namen des Vaters und des Sohnes, in einem heiligen Geiste‘
(Matth.28,19). Den Auftrag, den Christus
den Aposteln gab, hatte er vom Vater erhalten. Darum handelten die Apostel
bei der Ausführung des Auftrages indirekt im Namen des Vaters. Da sie ihn
aber direkt durch den Sohn erhalten hatten, geschah die Ausführung im Namen
des Sohnes. Weil die Ausführung aber nur möglich war, wenn ein Geist Gottes
ihnen durch seine Kraft dabei half, so geschah sie in der Kraft eines
heiligen Geistes oder ‘in einem heiligen Geiste‘. Die heiligen Geister, die
sie dabei benötigten, wurden ihnen von Christus selbst zugewiesen. Auf sie
berufen sich daher auch immer wieder die Apostel bei ihrer Lehrverkündigung
und betonen, daß sie die Wahrheiten empfangen hätten durch Zuteilung eines
heiligen Geistes. So ist es auch bei allen
euren gottgewollten Werken. Ihr tut sie in Erfüllung des Willens Gottes -
also im Namen des Vaters: Der Wille Gottes ist kundgetan durch den Sohn, so
daß ihr auch handelt im Namen des Sohnes, und die Kraft, die ihr dazu
benötigt, empfangt ihr durch einen heiligen Geist. Ihr tut also das Werk in
einem heiligen Geiste. Über die Schöpfung Gottes
und ihr Schicksal enthält das Neue Testament nicht viel. Die Wahrheiten über die
Geisterschöpfung, den Abfall eines Teiles der Geisterwelt unter der Führung
Luzifers, über die von Gott geschaffenen Besserungsstufen, auf denen die
abgefallenen Geister wieder zu Gott zurückgeführt werden, über die Einhüllung
der Geister in die Materie, waren für die damaligen Zeiten ebenso schwer
verständlich, wie sie es für eure jetzige Zeit sind. Auch in den Briefen der
Apostel findet ihr nicht viel davon. Denn dieser Wahrheitsstoff eignete sich
sehr schlecht für eine briefliche Belehrung. Er konnte nur im mündlichen
Vortrag dem Verständnis der Gläubigen nähergebracht werden. Doch Paulus deutet an
verschiedenen Stellen seiner Briefe diese Wahrheiten wenigstens an. Ihr
versteht seine Ausführungen nicht, weil sie eurer religiösen Anschauung fremd
geworden sind. So schreibt er in seinem Brief an die Römer: ‘Das
sehnsüchtige Verlangen der ganzen Schöpfung wartet auf das Abstreifen der
Hülle als Kinder Gottes. Denn der materiellen Vergänglichkeit ist die
Schöpfung unterworfen worden, nicht auf eigenen Wunsch hin, sondern auf
Veranlassung dessen, der ihre Unterwerfung bewirkt hat, wegen der Hoffnung
auf Rettung. Weil ja auch die Schöpfung von der Knechtschaft des Verderbens
erlöst und dadurch zu der Freiheit gelangen wird, die in der Herrlichkeit der
Kinder Gottes besteht. Wir wissen ja, daß bis jetzt die ganze Schöpfung
überall seufzt und mit Schmerzen einer Neugeburt harrt. Und nicht sie allein,
sondern auch wir selbst, die wir doch den Geist als Erstlingsgabe bereits
besitzen, seufzen gleichfalls in unserem Inneren nach der Kindschaft, indem
wir auf die Auflösung unseres Leibes warten.(Röm.8,19-23) Du kennst infolge meiner
Belehrung die Zusammenhänge, von denen hier die Rede ist. Paulus sagt, daß
die ganze Schöpfung mit Sehnsucht auf das Abstreifen der Hülle wartet. Es
warten also darauf die Steine, die Pflanzen, die Kräuter, die Blumen, die
Tiere, die Menschen. Ein sehnsüchtiges Warten ist nur möglich in einem Wesen,
in dem ein Geist verkörpert ist. Es sind daher in der ganzen Schöpfung
Geister in die verschiedenen Arten der Materie eingehüllt. Es sind die einst
abtrünnig gewordenen Geister, die zuerst als gehorsame Kinder Gottes und
heilige Geister in Glanz und Herrlichkeit dastanden, dann aber ungehorsame
Kinder wurden und sich dadurch den Ausschluß aus dem Vaterhaus Gottes
zuzogen. Aber Kinder Gottes sind sie
heute noch, wenn auch verstoßene Kinder. Sie sehnen sich nach dem Vaterhaus
zurück und ringen danach, wieder frei zu werden von der materiellen Hülle,
mit der sie umgeben wurden, so wie das Kind in den Geburtswehen danach ringt,
frei zu werden von der Hülle des Mutterschoßes. Jene Geister haben sich nicht
aus eigener Entschließung diese Hülle bereitet, sondern Gott war es, der sie
ihnen aus Erbarmen gab, um sie durch Läuterung und Prüfung zu retten. Alle
materiellen Wesen sehnen sich nach dieser Rettung, wenn sie auch nicht den
Weg und das Ziel dieser Rettung kennen und wünschen den Tag herbei, wo ihnen
die materielle Hülle nach erfolgter Läuterung zu Kindern Gottes wieder
weggenommen wird. Diese Sehnsucht haben vor
allem die gottesgläubigen Menschen. Denn wenn sie auch schon, wie dies bei
den ersten Christen der Fall war, mit den Geisterboten des himmlischen
Vaterhauses in täglicher Verbindung stehen und in ihnen bereits die
Erstlingsgabe und den Vorgeschmack des Gottesreiches empfangen haben, so sind
sie doch dieses Reiches so lange nicht teilhaftig, als sie noch im
materiellen Leibe leben. Die Aufwärtsentwicklung in
den Naturstufen deutet Paulus in seinem Brief an die Epheser mit den Worten
an: ‘Dahin ging nämlich der Ratschluß Gottes, dessen Ausführung er sich
vorgenommen hatte, sobald die Zeit zum Vollmaß der von ihm geordneten
Entwicklung gelangt wäre: ‘Er wollte in Christus als dem Haupte alles
einheitlich wieder zusammenfassen, was im Himmel und auf der Erde ist‘
(Eph.1,9-10). Auf der Erde sind aber
nicht bloß die Menschen. Sie bilden nur einen ganz geringen Bruchteil dessen,
was auf der Erde existiert. Wenn nun Gott alles, was auf der Erde ist, mit
Christus als dem Haupte vereinigen will, so folgt daraus, daß in allem
Geister sind, die in der von Gott geordneten Entwicklung immer höher steigen,
bis sie als reine Geister in die große Gemeinschaft mit Christus
eingegliedert werden, der sie einst vor ihrem Abfall angehört haben. Daß es im Heilsplan Gottes
liegt, alles wieder zu Gott zurückzuführen und zwar nicht bloß die Menschen,
sondern auch die ganze übrige Schöpfung, sagt Paulus im Römerbrief: ‘Ich
will euch nämlich, meine Brüder, über dies Geheimnis nicht in Unkenntnis
lassen, damit ihr nicht in vermeintlicher Klugheit eigene Ansichten hegt:
Verstockung ist über einen Teil der Israeliten gekommen bis zu der Zeit, da
die Heiden vollzählig in das Reich Gottes eingegangen sein werden. Alsdann
wird ganz Israel gerettet werden ... Denn Gott hat alles wegen des
Ungehorsams eingeschlossen, weil er Erbarmen an allem üben will‘
(Röm.11,25-32) Ich habe diese Stelle so
wiedergegeben, wie sie richtig ist. Wenn der letzte Satz in der Übersetzung,
die du vor dir hast, so lautet: ‘Denn Gott hat die ganze Menschheit in
Ungehorsam fallen lassen, um Erbarmen an allen zu üben‘, so hat der
Übersetzer darin zwei Fehler gemacht: Er hat zunächst geschrieben ‘die ganze
Menschheit‘, obschon im griechischen Text ‘alles‘ steht. Ferner hat er
übersetzt: ‘In Ungehorsam fallen lassen‘, während es heißt: ‘Er hat alles im
Hinblick auf den Ungehorsam eingeschlossen.‘ Er hat nämlich alles
eingeschlossen in die materielle Hülle, die den einzelnen Besserungsstufen
entspricht. Gott verschließt niemand in Ungehorsam. Er will im Gegenteil, daß
alle zum Gehorsam zurückkehren, die einst wegen ihres Ungehorsams aus dem
Reiche Gottes ausgeschlossen werden mußten. Das Israel der früheren
Jahrtausende waren diejenigen, denen der reine Gottesglaube übermittelt
worden war. Es sollte diesen Gottesglauben auf die Mitwelt übertragen und so
als Sauerteig der Wahrheit wirken. Nach treuer Erfüllung dieser Aufgabe wäre
es nach erfolgter Erlösung als erstes in das vom Erlöser erschlossene Reich
Gottes eingegangen. Dieser Aufgabe hat sich jedoch der größte Teil Israels
unwürdig gemacht. Darum wird das Heil zuerst den Nicht-Israeliten zuteil,
also denjenigen, die früher nichts von Gott wußten. Und erst wenn alle
Nicht-Israeliten zu Gott gelangt sind, werden diejenigen gerettet werden, die
früher den Gottesglauben besaßen, aber nicht danach lebten. ‘Die Ersten
werden die Letzten sein.‘ Aber alles ohne Ausnahme wird gerettet werden. Über den Verlauf des
Rettungswerkes Gottes macht der Apostel Paulus kurze, aber klare Angaben in
seinem ersten Brief an die Korinther: ‘Wie durch Adams Schuld alle
starben, so werden umgekehrt durch Christi Verdienst alle wiederum zum Leben
kommen, und zwar ein jeder, wann die Reihe an ihn kommt: Als Erstling
Christus. Hierauf die, welche Christus angehören bei seiner Wiederkunft.
Darauf der Rest, wenn er Gott, dem Vater das Reich übergibt, sobald er jede
andere Herrschaft und jede Macht zum Aufhören gebracht hat. Er muß ja als
König herrschen, bis er Gott alle Feinde unter die Füße gelegt hat. Der
letzte Feind, der vernichtet wird, ist der ‘Tod‘. Denn alles hat er ihm unter
die Füße gelegt. Wenn er aber aussprechen wird: ‘Alles ist unterworfen! so
wird doch selbstverständlich derjenige ausgenommen sein, der dem Sohne alles
unterworfen hat (nämlich Gott). Wenn ihm (Gott) aber alles unterworfen ist,
dann wird sich auch der Sohn selbst dem unterwerfen, der ihm alles
unterworfen hat, damit Gott alles in allem sei. ‘(1.Kor.15,22-28) Also alles wird wieder zu
Gott kommen, was von Gott getrennt und als geistig ‘tot‘ dem Fürsten des
geistigen Todes unterworfen war. Christus wird alles zu Gott zurückführen. Er
war der erste, der aus der Hölle, dem Reiche des Todesfürsten wieder
herauskam, nachdem er dorthin zum Kampfe mit Luzifer hinabgestiegen war und
ihn besiegt hatte. Das war die erste Auferstehung von den geistig Toten. Nach
und nach werden alle geistig Toten folgen, indem sie zur Erkenntnis und Liebe
Gottes gelangen, jeder, wann er an der Reihe ist. Die Reihenfolge hängt von
den geistig Toten selbst ab. Wer sich beeilt und sich Mühe gibt, Gott zu
suchen und nach dem Willen Gottes zu leben, kommt eher an die Reihe, als der,
welcher an seine Rückkehr überhaupt nicht denkt oder sie sehr nachlässig und
langsam betreibt. Alles hängt von seinem freien Willen ab. Wer in den Examina
immer wieder durchfällt, wird erst spät zum Ziele gelangen. So ist es in
eurem menschlichen Leben, so ist es auch im jenseitigen. - Der letzte, der zu
Gott kommt, ist der Todesfürst selbst - Luzifer. Paulus nennt ihn den ‘Tod‘.
Er ist ja die Ursache allen Abfalles vom Reiche Gottes und dadurch des
geistigen Todes. Er ist der ‘Mörder von Anbeginn‘, der den geistigen Tod
aller von Gott Getrennten verschuldet hat und Millionen Jahre hindurch alles
aufbot, die Rückkehr seiner Untertanen zum Reiche des Lebens in Gott zu
verhindern. Er ist daher die verkörperte Trennung von Gott - der verkörperte
Tod. Wenn es daher in der Offenbarung des Johannes heißt: ‘Der Tod gab seine
Toten heraus‘ (Offenb.20,13), so heißt das nichts anderes als: ‘Der
Todesfürst Luzifer mußte die geistig Toten, die seinem Reiche angehörten,
wieder herausgeben. Wenn ich dir sagte, daß die
Reihenfolge der Rückkehr von dem freien Willen der gefallenen Geister
abhänge, so muß ich in diesem Punkte eine einzige Einschränkung machen:
Nämlich Luzifer allein kann nicht eher wieder zu Gott kommen, bis der letzte
der von ihm Verführten das Ziel - Gott - erreicht hat. Er kann es nicht, auch
wenn er es infolge einer Gesinnungsänderung zu erstreben suchte. Auch darf
er, selbst wenn ihm eine bessere Erkenntnis früher käme, keinen der
gefallenen Geister zur Besserung antreiben oder ihm zur rechten Erkenntnis
verhelfen, um dadurch selbst schneller zu Gott zu gelangen. Das ist das
gerechte Schicksal, das auf ihm als dem einstigen Rädelsführer lastet und das
er nicht zu ändern vermag. Die Rettung aller von Gott
Abgefallenen - auch Luzifers - ist die große Freudenbotschaft, die nicht bloß
in den Briefen des Apostels Paulus verkündet wird, sondern die auch den
Propheten des Alten Bundes in ihren Visionen gezeigt wurde. Es ist die Freudenbotschaft,
auf welche die Offenbarung des Johannes mit den Worten hinweist: ‘In den
Tagen, wo die Stimme des siebten Engels erschallt, sobald er sich anschickt,
in die Posaune zu stoßen, dann ist auch der geheime Ratschluß Gottes zum
Abschluß gekommen, wie er ihn seinen Knechten, den Propheten, als
Freudenbotschaft mitgeteilt hat‘ (Offenb.10,7). Wenn es wahr wäre, daß die
Hölle ewig ist, wie ihr es heute lehrt, worin sollte dann am Ende der Tage
die ‘Freudenbotschaft‘ bestehen, die Gott als Abschluß seines Heilsplanes in
Aussicht stellt? Ein Abschluß mit der ewigen Verdammnis zahlloser Geister
wäre wahrlich kein Tag der Freude, sondern ein Tag des Entsetzens für die
ganze Schöpfung Gottes. Wo bliebe da die Wahrheit
der Erlösung aller, auf die Paulus so oft und so eindringlich hinweist? Wo
bliebe die Wahrheit des Wortes, das Gott beim Propheten Jesaja geschworen
hat: Daß der Tag komme, wo jedes Knie sich beugen und ihm jede Zunge schwören
soll, und wo alle zu ihm kommen, auch die, welche ihm feindselig widerstrebt
hatten? Wo bliebe da die Erfüllung all der Stellen, die ich dir vorhin
angeführt habe? Alle Feinde Gottes werden durch Christus dem Vater zu Füßen
gelegt, nicht mit Gewalt, sondern durch erbarmende Liebe, der auch ein Luzifer
auf die Dauer nicht widerstehen kann. Gott zwingt keinen
gefallenen Geist mit Gewalt vor seine Füße. Wenn er das wollte, dann brauchte
er nicht so lange zu warten. Das hätte er schon längst tun können. Unter der
Allmacht Gottes steht die Hölle von jeher. Wenn die Hölle sich einst vor Gott
verdemütigt, dann geschieht es mit freiem Willen in reumütiger Erkenntnis der
Gerechtigkeit, der Liebe und Langmut Gottes. An der Lehre von einer
‘ewigen Hölle‘, welche die ersten Christen nicht kannten, haltet ihr mit erstaunlicher
Zähigkeit fest. Auf dieses Schreckmittel scheint ihr nicht verzichten zu
wollen. Glaubt ihr denn, mit einer
grausamen Unwahrheit bei den armen Menschen mehr erreichen zu können, als mit
den Wahrheiten der Liebe und des Erbarmens? Und welche Anstrengungen ihr
macht, um jene unwahre Lehre zu begründen! Ihr sagt, daß eine sogenannte
‘Todsünde‘ eine ewige Strafe zur Folge haben müsse. Denn eine Todsünde sei
eine unendliche Beleidigung Gottes. Das sind irrige und selbsterfundene
Begriffe. Ein Geschöpf kann Gott nicht unendlich beleidigen und daher auch
keine unendliche Bestrafung ihr sein Vergehen verdienen. Je tiefer derjenige
steht, der dich beleidigt, um so geringfügiger siehst du die Beleidigung an.
Aber was ist ein armseliges Geschöpf seinem Schöpfer gegenüber? Ein
Stäubchen. Eure Beleidigung reicht an Gott überhaupt nicht heran. Ihr fügt
ihm nichts Böses zu, sondern euch selbst. Und dann, wenn eine
Todsünde eine unendliche Beleidigung Gottes wäre, dann könnte sie ja auch in
eurem irdischen Leben nicht mehr vergeben werden. Wenn sie aber nach eurer
Lehre den irdischen Menschen vergeben werden kann, warum sollte sie denn den
Geistern des Jenseits nicht vergeben werden. Es sind doch dieselben Geister,
ob sie nun in einem materiellen Körper sich befinden oder ob sie den Körper
im irdischen Tode verlassen haben. Es ist dasselbe ‘Ich‘ im Diesseits und im
Jenseits mit denselben geistigen Fähigkeiten. Im Jenseits ist daher dem
Geiste dieselbe Gesinnungsänderung möglich, wie im irdischen Leben. Man beruft sich auf die
Bibel, um den Beweis für die Ewigkeit der Höllenstrafen zu erbringen. Man
klammert sich an das Wort ‘ewig‘, das in euren Übersetzungen des Neuen
Testamentes in Verbindung mit den jenseitigen Strafen gebraucht wird. Aber
wie lautet denn das Wort, das ihr mit ‘ewig‘ übersetzt habt, im griechischen
Urtext? Denn nicht auf eure Übersetzungen kommt es an, sondern auf den Sinn
des Wortes, das im Urtext steht. Nun findest du aber an
allen Stellen, an denen eure deutschen Bibelübersetzungen das Wort ‘Ewigkeit‘
oder ‘ewig‘ gebrauchen, im griechischen Text das Wort ‘Aeon‘. Auch ihr
sprecht unter Benutzung desselben Wortes von ‘Aeonen‘. Ihr wollt damit große
Zeiträume bezeichnen. Auch im Griechischen bedeutet das Wort ‘Aeon‘ niemals
‘Ewigkeit‘ oder den Begriff des ‘Ewigen‘. Auch dort hat es nur die Bedeutung
eines Zeitraumes von unbestimmter Dauer. Das Altertum war ein ‘Aeon‘, das
Mittelalter war ein ‘Aeon‘, die Neuzeit ist ein ‘Aeon‘. Nach der Anschauung
der Römer war ein ‘Aeon‘ ein Zeitraum von hundert Jahren. Ein ‘Aeon‘ ist also eine
Zeitdauer, deren Grenzen bald weiter auseinander-, bald näher zusammenliegen.
Sogar ein Menschenalter wird manchmal mit dem Wort ‘Aeon‘ wiedergegeben. Aber
niemals kann damit eine nie endende Zeitperiode ausgedrückt werden. Du darfst
daher das Wort ‘Aeon‘ nie mit Ewigkeit und das davon abgeleitete
Eigenschaftswort nie mit ‘ewig‘ übersetzen, sondern mußt dafür die
Bezeichnung ‘Zeit‘ und ‘zeitlich‘ gebrauchen. -. Nun möchte ich dich zunächst
auf die merkwürdige Tatsache aufmerksam machen, daß eure Übersetzer an
zahlreichen Stellen der Bibel das Wort ‘Aeon‘ und das davon abgeleitete
Eigenschaftswort in richtiger Weise mit ‘Zeit‘ und ‘zeitlich‘ wiedergeben,
weil das Wort ‘ewig‘ an jenen Stellen widersinnig wäre. Nur dort, wo von einer
jenseitigen Strafe die Rede ist, gebrauchen sie das Wort ‘ewig‘. Man merkt
deutlich, daß sie da unter dem Einfluß der christlichen Religionen stehen,
die eine Ewigkeit der Höllenstrafe lehren. Greifen wir nun einige von
den zahlreichen Stellen der Bibel heraus, wo das Wort ‘Aeon‘ mit ‘Zeit‘ oder
‘zeitlich‘ übersetzt werden muß. So heißt es von der Sünde wider den Geist,
daß sie weder in diesem noch in dem anderen ‘Aeon‘ vergeben werde, also weder
in diesem Zeitalter noch dem folgenden oder weder in diesem Leben, noch in
dem kommenden. Man könnte ja nicht übersetzen: Sie wird weder in dieser
Ewigkeit noch in der zukünftigen vergeben werden. Denn es gibt keine zwei
Ewigkeiten. Bei dem Gleichnis von dem
Sämann wird gesagt, daß bei einigen der Same erstickt wird durch die Sorgen
dieses ‘Aeon‘, was ihr richtig übersetzt mit ‘zeitlichen Sorgen‘. Von dem
Begriff ‘ewig‘ kann auch hier nicht die Rede sein. In dem Gleichnis von dem
Unkraut unter dem Weizen sagt Christus, daß die Ernte das Ende dieses ‘Aeon‘
sei, also das Ende dieser Zeit oder dieser Welt. Auch hier kann es nicht
‘Ewigkeit‘ heißen. An dieser Stelle kommt das Wort ‘Aeon‘ noch zweimal in der
Bedeutung von zeitlich vor. Ich nehme noch einige Stellen aus den Briefen des
Apostels Paulus: ‘Gestaltet eure Lebensführung nicht nach der Weise des
jetzigen ‘Aeon‘ (der jetzigen Zeit).‘ – 'Was wir vortragen, ist nicht die
Weisheit dieses ‘Aeon‘ oder der Machthaber dieses ‘Aeon‘, sondern verborgene
Weisheit, die Gott vor allen ‘Aeonen‘ vorherbestimmt hat.' Aus diesen Stellen, die
noch durch eine große Anzahl ähnlicher Stellen vermehrt werden könnten, magst
du ersehen, daß das Wort ‘Aeon‘ nicht die ‘Ewigkeit‘ bedeutet, sondern einen
begrenzten Zeitabschnitt. Nun steht dasselbe Wort
‘Aeon‘ an den Stellen, wo von einer jenseitigen Strafe die Rede ist. Wer gibt
euch daher das Recht, dasselbe Wort, das ihr an zahlreichen anderen Stellen
mit ‘Zeit‘ und ‘zeitlich‘ übersetzt, gerade dort mit ‘ewig‘ wiederzugeben, wo
es sich um die Höllenstrafe handelt? Man sollte fast meinen, ihr hättet eine
besondere Freude an einer ewigen Hölle. Christus sagt nach eurer
Übersetzung: ‘Es ist besser für dich, verstümmelt und lahm zum Leben
einzugehen, als daß du zwei Hände und zwei Füße habest und in das ‘ewige‘
Feuer geworfen werdest. Was hier mit ‘ewigem‘ Feuer
bezeichnet wird, ist auch bloß ein Feuer, das einen ‘Aeon‘ hindurch dauert,
also zeitlich ist. Und merkwürdiger Weise stand im Urtext an dieser Stelle
nicht einmal das Wort ‘Aeon‘, sondern ist hineingefälscht worden. Denn im
Urtext heißt es: ‘In das Feuer der Hölle‘ und nicht: ‘In das ewige Feuer‘. Auch an anderen Stellen hat
man nachträglich ähnliche Fälschungen begangen. So heißt es in euren jetzigen
Übersetzungen: ‘Weichet von mir, ihr Verfluchten, in das ‘ewige‘ Feuer!‘,
während es im richtigen Text heißt: ‘Weichet von mir, ihr Verfluchten, in die
äußerste Finsternis!‘ Ich denke, dich durch meine
Darlegungen davon überzeugt zu haben, daß ihr für eure grausame und unwahre
Lehre von einer ‘ewigen‘ Hölle in der Bibel keinen Anhaltspunkt finden könnt.
Wie lange die Strafe für die einzelnen Geister dauert, hängt vor allem von
den Geistern selbst ab. Je länger sie bei ihrem Abfall verharren, um so
länger dauert die Trennung und die Strafe der Trennung. Selbst Gott weiß
nicht, wann die einzelnen Geister zu ihm zurückkehren, da die Rückkehr von
der freien Entscheidung des Geistes abhängt; und ich habe dir ja gesagt, daß
die zukünftigen freien Entscheidungen der Geister selbst dem Vorauswissen
Gottes entzogen ist. Auch das, was ihr in
falscher Übersetzung ‘ewiges Leben‘ nennt, indem ihr auch hier das Wort
‘Aeon‘ mit ‘ewig‘ wiedergebt, ist bloß ein Leben in den zukünftigen ‘Aeonen‘
oder in den zukünftigen Zeiten. Wie lange dieses Leben bei Gott für euch
dauern wird, hängt von euch selbst ab. Wenn ihr Gott stets treu bleibt, dann
wird jenes Leben endlos, also tatsächlich ‘ewig‘ sein. Aber wer weiß, ob
später nicht noch einmal ein Abfall der Geister von Gott erfolgen wird, an
dem ihr euch beteiligt, wie ihr euch an dem ersten Abfall unter Luzifer beteiligt
habt. Denn die Freiheit des Willens ist bei den Geistern des Himmels dieselbe
wie damals, und die Möglichkeit des Mißbrauches der Willensfreiheit ebenso
vorhanden, wie vor dem ersten Abfall. Ob ein solcher Abfall wieder einmal
kommen wird, weiß auch Gott nicht, aus dem Grunde, den ich dir bereits
angegeben habe. Ihr könnt also ebensowenig
von einer ‘ewigen Belohnung‘ sprechen, wie von einer ‘ewigen Bestrafung‘.
Wenn nun in der Bibel von einem ‘Feuer‘ der Hölle gesprochen wird, so soll
damit ein Sinnbild des übergroßen Schmerzes derer gegeben werden, welche die
Strafen der Hölle zu erdulden haben. Auch ihr sprecht von einem brennenden
Schmerz, ohne daß ihr wirkliches Feuer darunter versteht. Die Qualen der Hölle sind
so groß, daß ihr euch keine menschliche Vorstellung davon machen könnt.
Christus sagt: ‘Die Verdammten werden mit Feuer gesalzen.‘ So wie das Salz
alles durchdringt, so durchströmt der Schmerz jene Geister. Aber Christus
fügt an dieser Stelle hinzu: ‘Das Salz ist etwas Gutes.‘ So ist auch die Qual
der Geister im Hinblick auf ihre Rettung in Wirklichkeit etwas Gutes, wenn
sie sich auch noch so grausam ansieht und von den Menschen nicht verstanden
wird, da sie ihnen nicht im Einklang mit der Barmherzigkeit eines Gottes zu
stehen scheint. Und doch ist es nur die
Liebe Gottes, die auch in den Qualen der Hölle spricht. Wenn eine Mutter ihr
Kind dem Messer des Arztes hinhält, damit er es durch eine schmerzliche
Operation von einer tödlichen Wunde heilen soll, dann ist es die Mutterliebe,
die sie dazu antreibt. Sie muß dieses schmerzliche Mittel der Heilung wählen,
weil es kein anderes gibt. So wird auch die Gesinnung
der Geister der Tiefe nur durch die Qual geläutert, die sie zu erdulden
haben. Ein anderes Mittel gibt es nicht. Aber für alle, auch die
Verstocktesten, wird die Stunde kommen, wo sie als unglücklich gewordene
Kinder infolge ihrer Qual sich aufmachen und heim zum Vater gehen. _______ *
_______ Weil das heutige
Christentum das große Weltgeschehen nicht versteht, ist es in den wichtigsten
Jenseitsfragen so ratlos. Darum kann es weder den Ursprung des
Menschengeistes, noch die auf dem Menschengeist lastende Sünde des Abfalles
von Gott, noch den Zweck der materiellen Schöpfung erklären. In allen diesen
Fragen stellt es völlig irrige Lehren auf. Wenn man von den heutigen
christlichen Religionen über den Ursprung des Menschengeistes Aufschluß
erbittet, so geben sie euch zur Antwort: ‘Der Menschengeist wird im
Augenblick der menschlichen Zeugung von Gott geschaffen. Er ist jedoch mit
einer Sünde belastet, der sogenannten ‘Erbsünde‘, weil der irdische
Stammvater Adam in einem irdischen Paradies gesündigt hat und diese Sünde auf
alle seine Nachkommen übergeht. Sie bedenken nicht das
Törichte einer solchen Lehre. Sie erwägen nicht, daß alles, was Gott schafft,
rein und ohne Fehl aus seiner Hand hervorgeht, und daß die Befleckung eines
Geistes nur durch persönliches Verschulden erfolgen kann; daß daher auch der
Menschengeist, wenn er bei der menschlichen Zeugung von Gott geschaffen
würde, ganz rein und unbefleckt wäre. Von einer ‘Erbsünde‘ könnte
in diesem Falle keine Rede sein. Denn wie sollten die Nachkommen Adams
deswegen von Gott mit einer Knechtschaft der Sünde und einem Ausschluß vom
Reiche Gottes bestraft werden, weil der Stammvater gesündigt hat? Von
demselben Gott, der gesagt hat: ‘Ein jeder, der Sünde tut, soll sterben;
aber ein Sohn soll die Schuld des Vaters nicht mittragen‘ (Hes.18,20). Demnach können die
Nachkommen Adams nicht wegen des Abfalles ihres Stammvaters von Gott bestraft
werden, wenn sie nicht selbst diesen Abfall mitgemacht haben. Tatsächlich
sind sie, wie ich dich bereits belehrt habe, persönlich abtrünnig geworden,
indem sie dem Beispiel Adams als Geist folgten und sich gleich ihm den
Ausschluß aus Gottes Reich mit all seinen furchtbaren Folgen durch eigenes
Verschulden zuzogen. Es ist also richtig, daß
der Menschengeist von der Geburt an eine Sünde auf sich hat, die ihr
‘Erbsünde‘ nennt. Aber unrichtig ist eure Lehre, daß der Geist des Menschen
erst bei der menschlichen Zeugung ins Leben tritt und eine Sünde auf sich
habe, ohne persönlich gesündigt zu haben. Wie wollt ihr ferner bei eurer
falschen Lehre über den Ursprung des Menschengeistes das Leid in der Welt
erklären? Sollte Gott Geschöpfe zum Leiden ins Leben rufen und unter Qualen
sterben lassen, ohne daß sie persönlich etwas Unrechtes begangen haben?
Betrachte die Millionen von Kindern, die jährlich in größter Qual ihre Seele
aushauchen! Womit haben sie das verdient? Haben sie etwa in ihrem jetzigen
Dasein Gott beleidigt, daß er sie so schwer bestraft? Sie konnten ja noch gar
nicht sündigen; sie konnten gut und böse nicht unterscheiden. Und doch sollte
der unendlich gütige und gerechte Gott unschuldige Kinder quälen? Wo bliebe
da seine Güte und vor allem, wo bliebe seine Gerechtigkeit? So grausam und
ungerecht ist nicht einmal der brutalste irdische Vater, daß er sich an einem
harmlosen Kind vergreift, das ihm nichts zuleide getan hat. Und Gott sollte
das tun? Ihr mögt alle erdenklichen Ausflüchte suchen, um dies zu erklären,
es gelingt euch nicht, die grausame Ungerechtigkeit wegzudiskutieren, die in
dem Schicksal dieser Kinder läge. - Das gilt von dem Menschenschicksal
überhaupt. - Aber wenn ihr wißt, daß euer Geist schuldbeladen aus einem
früheren Dasein in das jetzige tritt, dann sind alle Schicksalsrätsel mit
einem Schlage gelöst. Dann steht euch sowohl der große Abfall von Gott vor
Augen, den der Geist des Menschen einst begangen, als auch etwaige frühere
Menschenleben, die der Mensch mit Freveln belastet hat, deren Strafe und
Sühne das jetzige Leben bedrücken. Wenn ihr das bedenkt, dann wird euch nicht
mehr die Frage auf die Lippen kommen, die ihr so oft in den Stunden tiefen
Leides auszusprechen pflegt: ‘Womit habe ich das verdient?‘ Wenn Gott euch
auf diese Frage euer ganzes vergangenes Dasein in einem Bilde vor Augen
stellen wollte, dann würdet ihr vor Grauen verstummen. Auch so vieles aus den
biblischen Schriften würde euch verständlich sein, was euch bis jetzt dunkel
geblieben ist. So würdet ihr den scheinbaren Widerspruch von selbst lösen
können, der in den Worten des Alten Testamentes enthalten ist, indem es
einmal heißt: ‘Ein Sohn soll die Schuld des Vaters nicht mittragen‘ und ein
anders Mal: ‘Ich will die Sünden der Väter an den Kindern strafen bis ins
dritte oder vierte Glied‘. Wenn Gott die Sünden der
Väter an den Kindern straft, so geschieht es nicht in der Weise, daß er
unschuldige Kinder für das Vergehen des Vaters leiden läßt. Das wäre ein
Unrecht. Vielmehr verkörpert er in dessen Kindern solche Geister, die von
sich aus ein schweres Schicksal verdient haben, aber infolge dieses
Schicksals auch für ihren Vater eine sichtbare Strafe sein sollen. Und da ein
Vater seine Nachkommen höchstens bis ins dritte oder vierte Glied erlebt, so
kann diese Strafe für ihn bis ins vierte Glied dauern. Wie erklärtest du ferner
bisher bei deiner bisherigen Lehre von der Erschaffung des Menschengeistes im
Augenblick der Zeugung den Satz der Bibel: ‘Gott kann auch aus diesen Steinen
Kinder Abrahams erwecken.‘? Du sagst vielleicht, daß
Gott in seiner Allmacht aus den Steinen Menschen erschaffen könne. Aber
solche Menschen wären doch keine Kinder Abrahams. Denn Menschen können nur
auf dem Wege der Zeugung Kinder Abrahams werden, indem sie durch ihre
menschlichen Vorfahren von Abraham abstammen. Wie aber können Steine auf dem
Wege der Zeugung Kinder Abrahams werden? Mit all eurer theologischen Weisheit
vermöget ihr das nicht zu erklären. Wenn du aber weißt, daß in
den Steinen, wie überhaupt in der Materie, Geister verkörpert sind, dann ist
die Erklärung von selbst gegeben. Dann begreifst du, daß Gott die in den
Steinen verkörperten Geister ihrer Hülle entkleiden und sie den Kindesleibern
einverleiben kann, die auf dem Wege der Zeugung im Schoße der
Nachkommenschaft Abrahams ins Dasein treten. Dasselbe gilt von den Worten
Christi: ‘Ich sage euch: Wenn diese schwiegen, würden die Steine schreien‘
Lukas19,40). Steine können selbstverständlich nur dann schreien, wenn ein
Geist in ihnen lebt. Wie ihr eine ganz falsche
Lehre von der Erbsünde aufgestellt habt, so ist auch eure Auffassung von der
Sünde überhaupt eine verkehrte. Die Bibel unterscheidet
zwischen der Sünde als ‘Abfall von Gott‘ und den Sünden als menschliches
Straucheln der Gottesgläubigen. In dem ersten Brief des Apostels Johannes
steht eine Stelle, deren Erklärung euch große Schwierigkeiten bereitet. Sie
lautet: ‘Wenn jemand seinen Bruder sündigen sieht, und es ist keine Sünde
zum Tode, so soll er für ihn beten und ihm so Lebenskraft geben, nämlich
denen, die keine Sünde zum Tode begehen. Es gibt auch eine Sünde zum Tode.
Wenn jemand eine solche begeht, sage ich nicht, daß man für ihn beten soll.
Jedes Unrecht ist eine Sünde. Aber nicht jede Sünde führt zum Tode‘
(1.Joh.5,16-17). Hier macht also Johannes
einen Unterschied zwischen der Sünde, die zum Tode führt und den Sünden, die
nicht zum Tode führen. Und - was euch in den Worten des Apostels am
unverständlichsten klingt - ihr braucht für einen, der die Sünde zum Tode
begeht, nicht einmal zu beten. Den Sinn dieser Worte kann
ich dir am besten an einem Beispiel klarmachen. Die Soldaten haben bei ihrem
Eintritt zum Militär einen Fahneneid zu leisten. Dadurch werden sie Soldaten
ihres Vaterlandes. Nun kommen ja auch bei den Soldaten Fehler vor, für die
sie nach den militärischen Gesetzen bestraft werden, ohne daß sie dadurch
aufhören, Soldaten ihres Vaterlandes zu sein. Aber eine Soldatensünde gibt
es, durch die einer aufhört, Soldat seines Vaterlandes zu sein und auf der
die Todesstrafe ruht. Es ist dies die Fahnenflucht durch Übergehen zum Feinde
des Vaterlandes. Dadurch wird er tot für die eigene Heimat. Es ist
militärisch ‘die Sünde zum Tode‘. Und wenn die Mutter eines solchen
Deserteurs bei der Regierung ihres Landes um Gnade für ihren fahnenflüchtigen
Sohn bitten würde, so wäre dies zwecklos. Denn er untersteht ja nicht mehr
der Gewalt des eigenen Staates, sondern hat sich unter die Herrschaft eines
feindlichen Staates begeben und ist jetzt dessen Gesetzen unterworfen. Dieser
Staat läßt ihn nicht mehr frei, selbst wenn der Fahnenflüchtige zurückwollte.
Aber er will ja auch gar nicht zur alten Heimat zurückkehren. Die an die heimatliche
Regierung gerichteten Gnadengesuche der Mutter sind also vollkommen zwecklos.
Wende dieses Beispiel auf eure Stellung zu Gott an. Als gottesgläubige
Menschen seid ihr Untertanen des Reiches Gottes. Wenn ihr auch als schwache
Erdenpilger täglich kleinere oder größere Fehler begeht, so sind das Sünden,
für die ihr zwar von Gott bestraft werdet, durch die ihr jedoch nicht
aufhört, Untertanen des Reiches Gottes zu sein. Kehrt ihr aber Gott den
Rücken durch Unglauben, Gottesleugnung oder indem ihr lebt, als ob es keinen
Gott gäbe, so ist das die Sünde der Fahnenflucht. Es ist die Sünde, durch die
ihr euch vom Reiche Gottes trennt und in das Reich der bösen, gottfeindlichen
Mächte übergeht. Ihr gebt den Gehorsam gegen Gott vollständig auf wie ja ein
Deserteur durch die Fahnenflucht sich dem Gehorsam gegen seinen Landesherrn
entzieht. Ihr seid tot für das Reich Gottes. Ihr habt ‘die Sünde zum Tode‘
begangen. Was sollte also das Gebet
eines anderen für einen solchen Überläufer für Nutzen haben? Jener will ja
von Gott nichts wissen und nicht zu ihm zurückkehren. Gott müßte ihn also auf
euer Gebet hin zwingen, zurückzukehren. Das kann Gott nicht, weil er jedem
freien Willen gegeben hat und niemals in die freien Entscheidungen eines
Geschöpfes mit Zwang eingreift. Sein Heil muß jeder aus freier Entschließung
wirken. Die Auferstehung der Toten ist
keine Auferstehung der Leiber Die erste Fahnenflucht
wurde begangen bei der großen Geisterrevolution unter Luzifer. Das war die
erste ‘Sünde zum Tode‘. Die Auferstehung von den Toten besteht also darin,
daß die im Reiche der geistig Toten weilenden Geister sich in Reue wieder zum
Reiche Gottes erheben. Sie kehren als frühere Deserteure wieder in die alte
Heimat zurück. Daß sie zurückkehren können
und von dem Fürsten des gottfeindlichen Reiches - Luzifer - nicht mehr mit
Gewalt festgehalten werden, haben sie dem Erlöser zu verdanken. Dieser hat
durch seinen Sieg über den Fürsten des Totenreiches die Freigabe derer
erzwungen, die ihren Abfall bereuen und zu Gott zurückkehren möchten. Er
selbst war der erste, der zu den Toten der Hölle hinabgestiegen war, ohne
selbst zu den von Gott Abgefallenen zu gehören. Er war auch der erste, der
aus der Hölle zum Himmel aufstieg. Vorher war dies keinem Geiste der Tiefe
möglich. Wer einmal in der Hölle war, konnte nicht mehr zur Höhe. Die Rückkehr Christi aus
der Hölle war die erste ‘Auferstehung von den Toten‘. Darauf weist Paulus so
oft in seinen Briefen hin. So schreibt er an die Epheser: ‘Daß Christus
aber auferstanden ist, welchen Sinn hat es als den, daß er zuerst auch
hinabgestiegen war an die Plätze, die tiefer als die Erde sind‘ (Eph.4,9).
- Er meint damit die Höllensphären. Sie sind, wie ich dich bei einer anderen
Gelegenheit belehrt habe, tiefer als die irdischen. Und an die Kolosser
schreibt er: ‘Nachdem er die Mächte und Gewalten überwunden hatte,
triumphierte er über sie. ‘(Kol.2,15) Es sind Höllenmächte, gegen die er
nach seinem Abstieg in die Hölle im Verein mit den himmlischen Legionen
kämpfte und die er überwand, und deren Fürsten - Luzifer - er durch seinen
Sieg zwang, diejenigen herauszugeben, die nicht mehr länger Untertanen des
Totenreiches sein wollten. Darauf weist Paulus in
seinem Brief an die Kolosser hin mit den Worten: ‘Weil ihr zu Christus
gehört, seid ihr auch mit ihm auferweckt worden ... Auch euch, die ihr einst
tot waret, hat Gott zusammen mit ihm lebendig gemacht‘ (Kol.2,12-13). Die Kolosser, an die Paulus
schreibt, waren einst auch geistig tot und Untertanen Luzifers. Aber später
kamen sie zum Glauben an Christus und das Reich Gottes. Durch diesen Glauben
gehörten sie Christus an und wurden mit ihm des Reiches Gottes teilhaftig.
Wenn es hier von Christus heißt, daß Gott ihn lebendig gemacht habe, so ist
das nicht so zu verstehen, als sei Christus auch geistig tot gewesen. Aber er
war im Reiche der geistig Toten und äußerlich vom Reiche Gottes getrennt.
Also der Wirkung nach war Christus in diesen Höllensphären einem geistig
Toten gleich, wenn er auch selbst nicht geistig tot war. Gott machte ihn
insofern wieder lebendig, als er ihm die Kraft zum Siege über die Mächte des
Totenreiches verlieh und ihn dadurch in das Reich des himmlischen Lebens
zurückführte. ‘Die Auferstehung von den
Toten‘ hat also nicht das Geringste mit einer Wiedererweckung der irdischen
Leiber zu tun. Eine ‘Auferstehung des Fleisches‘, wie es in den christlichen
Glaubensbekenntnissen heißt, gibt es nicht. Darin stand in den ersten
christlichen Jahrhunderten auch nicht die ‘Auferstehung des Fleisches‘,
sondern ‘Auferstehung der Toten‘. Dieser Ausdruck bedeutet nichts anderes als
die tröstliche Wahrheit, daß alle geistig Toten, einschließlich Luzifer,
wieder zu Gott zurückkehren würden. Später hat man diese Worte
geändert, als man die falsche Lehre einführte, daß die irdischen Leiber der
Verstorbenen wieder lebendig würden, während doch Paulus die richtige Lehre
in den Worten wiedergibt: ‘Es wird gesät ein natürlicher Leib, auferweckt
ein geistiger Leib‘ (1.Kor15,44,). Auch der irdische Leib
Christi wurde nicht auferweckt. Er war wie alle materiellen Menschenleiber
aus dem Od der Erde entstanden und kehrte wie diese auch wieder zur Erde
zurück. Nur daß er nicht auf dem Wege der Verwesung in das irdische Od
aufgelöst wurde, sondern durch eine Dematerialisierung von Seiten der
Geisterwelt. In derselben Weise wie der
Leichnam Christi, war auch der Leib eines Henoch und eines Elia in Od
aufgelöst worden. Aus Od der Erde ist jeder Menschenleib entstanden; in Od
der Erde löst sich auch jeder Menschenleib wieder auf. Von diesem Gesetz gibt
es keine Ausnahme. Die Christen von heute denken sich unter ‘Auferstehung von
den Toten‘ eine Wiederherstellung des irdischen Leibes. Und die Auferstehung
Christi am Ostersonntag ist ihnen die Wiedervereinigung seines Geistes mit
dem Körper, der drei Tage im Grabe gelegen hatte. Das alles sind große
Irrtümer. Denn die Auferstehung Christi von den Toten ist - um dies noch
einmal zu wiederholen - nur seine Rückkehr aus dem Reiche der geistig Toten,
eine Rückkehr aus der Hölle, in die er als Geist hinabgestiegen war. Das apostolische
Glaubensbekenntnis drückt das richtig in den Worten aus: ‘Abgestiegen zu der
Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten‘. Klarer würden die
Worte lauten: ‘Ab gestiegen zu den Toten, am dritten Tage wieder
zurückgekehrt von den Toten. Die Bezeichnung
‘Auferstehung von den Toten‘ wirkt deshalb so verwirrend auf euch, weil ihr
bei dem Worte ‘Tod‘ nur an das irdische Sterben und bei dem Worte ‘Tote‘ nur
an Leichen, Gräber und Kirchhöfe zu denken gewohnt seid. Ihr beachtet nicht
den Sprachgebrauch der Bibel, wonach das Wort ‘Tod‘ die Trennung von Gott
bezeichnet und unter ‘Toten‘ die von Gott Getrennten zu verstehen sind. Viel haben zu diesem
Mißverständnis auch die falschen Übersetzungen einzelner Bibelstellen
beigetragen. So die Stelle im Buch Hiob: ‘Ich weiß, daß mein Erlöser lebt
und als letzter auf dieser Erde auftreten wird, und danach werde ich, mag
auch meine Haut so ganz zerfetzt und ich ohne mein Fleisch sein, meinen Gott
schauen. ‘(Hiob19,25-26). Diese Worte hat man in ihr Gegenteil verdreht
und geschrieben: ‘Ich weiß, daß mein Erlöser lebt und er wird mich hernach
aus der Erde aufwecken und ich werde danach mit dieser meiner Haut umgeben
werden und in meinem Fleische Gott schauen. Eine andere Fälschung habe
ich dir bereits früher erklärt. Es ist die Stelle im Matthäus-Evangelium, wo
berichtet wird, daß beim Tode Jesu Tote aus den Gräbern hervorgekommen seien,
während es in Wirklichkeit hieß, daß durch das Erdbeben Leichen aus den
Gräbern herausgeschleudert wurden. Hierher gehört ferner eine Stelle des
Johannes-Evangeliums: ‘Die Stunde kommt, ja sie ist schon jetzt da, in der
alle, die in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden.
‘(Joh.5,28) Was hier mit ‘Gräber‘
bezeichnet wird, ist dasselbe, was Petrus in seinem Brief ‘Gefängnis‘ nennt,
indem er schreibt: ‘Im Geist ist Christus hingegangen und hat den Geistern
im Gefängnis‘ die Botschaft gebracht‘ (1.Petrus3,19). - Und an der
anderen Stelle: ‘Gott hat die gefallenen Engel in die Unterwelt
hinabgestoßen, hinein in die ‘Höhlen‘ der Finsternis‘ (2.Petrus2,4). Daß in der vorhin
angeführten Stelle bei Johannes nicht die Gräber auf dem Kirchhof gemeint
sein können, geht schon daraus hervor, daß Christus sagt, die Stunde sei
jetzt schon da, wo die Toten in den Gräbern seine Stimme hören würden. Also
hätten damals bereits die Leiber der Verstorbenen aus den Gräbern kommen
müssen. Doch Christus meint mit jenen Worten die ‘geistig Toten‘ in den
Gefängnissen Satans, die er durch seinen bevorstehenden Abstieg zur Hölle
befreien wollte, soweit sie auf die Stimme des Erlösers hören würden. Auch die Tatsache, daß Christus
nach seinem irdischen Tode seinen Getreuen in einer materiellen Gestalt
erschienen ist, hat zu der falschen Auffassung geführt, er habe seinen
früheren menschlichen Leib wieder angenommen. In Wirklichkeit machte er sich
in derselben Weise sichtbar, wie sich stets die Geister sichtbar machen,
nämlich durch Materialisation ihres geistigen Leibes. Haben nicht viele andere
Geister vor Christus das getan? Kamen nicht eines Tages drei Geister in
vollkommen menschlicher Gestalt zu Abraham und aßen mit ihm in derselben
Weise, wie Christus nach seinem Tode mit seinen Jüngern gegessen hat? Und hat
der Erzengel Raphael nicht viele Wochen hindurch den jungen Tobias in einer
menschlichen Gestalt begleitet, mit ihm gegessen und getrunken, so daß dieser
ihn für einen gewöhnlichen Menschen hielt? War es da also etwas Besonderes,
daß Christus sich nach seinem Tode seinen Jüngern zeigte und mit ihnen
sprach, aß und trank? Solche Materialisationen von Geistern erlebt ihr auch
heute noch. Auch böse Geister können sich in dieser Weise verkörpern. Der wahre Sinn der
‘Auferstehung von den Toten‘ wurde erst nach der Himmelfahrt Christi durch
die Geister Gottes den Aposteln und Gläubigen klargemacht. Denn sooft
Christus während seines irdischen Lebens mit den Aposteln über seine
‘Auferstehung von den Toten‘ sprach, verstanden sie nicht, was er damit
meinte. ‘Sie sprachen untereinander darüber, was wohl mit der Auferstehung
von den Toten gemeint sei‘ (Mark9,10). Über die Ansicht der
religiösen Führer des jüdischen Volkes der damaligen Zeit bezüglich der
‘Auferstehung von den Toten‘ berichtet die Apostelgeschichte: ‘Die Sadduzäer
behaupten, es gäbe keine Auferstehung, auch keine Engel und keine Geister,
während die Pharisäer beides annehmen (Apg.23,8). Zu einer Rückkehr aus dem
Reich der geistig Toten zum Reiche Gottes bedarf niemand irgend welche
menschliche Einrichtungen, keine äußeren Kirchenorganisationen, keine
Priester, wie sie die heutigen Religionen, vor allem die katholische,
aufweisen. Der von Gott Abgeirrte kann sich jederzeit innerlich mit Gott,
seinem Vater, in Verbindung setzen und erhält von ihm ohne menschliche
Zwischeninstanzen Verzeihung und Kraft zu einem Leben nach dem Willen Gottes. Deine bisherige Kirche
lehrt im Gegensatz hierzu die Notwendigkeit sogenannter ‘Sakramente‘ als
Mittel zur Erlangung des Heiles. Und da diese Sakramente nur von Priestern
gespendet werden können, die von den Bischöfen geweiht sind, so besitzt die
katholische Kirche in der Sakramentenlehre das stärkste Machtmittel, die
Gläubigen an ihre Kirchenorganisation zu fesseln. Denn ohne das
Dazwischentreten eines Priesters ist es nach der Lehre dieser Kirche nicht
möglich, zu Gott zu gelangen. Es wird dir beim Lesen des
Neuen Testamentes auffallen, daß in der Lehre Christi und der Apostel auch
nicht ein einziges Wort enthalten ist, mit dem ihr die Sakramentenlehre
begründen könntet. Eure Sakramente in der von euch gelehrten Bedeutung sind
menschliche Erfindungen, wie ich dir jetzt zeigen werde. Als erstes und notwendigstes
Sakrament gilt euch die Wassertaufe. Ihr behauptet, daß die Taufe aus sich,
also ohne Zutun des Täuflings, aus einem Feinde Gottes ein Kind Gottes mache,
indem sie sowohl die sogenannte Erbsünde, als auch alle persönlichen Sünden
tilge. Darum tauft ihr auch die Kinder, die nicht einmal wissen, daß sie die
Taufe empfangen. Das sind ganz irrige
Vorstellungen von der Bedeutung der Taufe. Denn in der ersten christlichen
Zeit war die Taufe nichts weiter als die Vornahme einer äußeren Handlung zum
Zeichen einer inneren Gesinnung. Durch die Taufe wurde also nichts Neues
bewirkt, wie ihr lehrt, sondern bloß das nach außen kundgetan, was an innerer
Gesinnung im Täufling vorhanden war. So war die Taufe des Johannes für
diejenigen, die sie annahmen, ein in der Öffentlichkeit abgelegtes Zeugnis
dafür, daß sie den Worten des großen Bußpredigers Glauben schenkten und von
ihrem bisherigen schlechten Lebenswandel ablassen wollten. Daß diese Taufe
öffentlich gespendet wurde, war das Wesentliche. Alle sollten sehen können, wer
die Taufe empfing. Du könntest nun denken, ein
äußeres Zeichen für eine innere Gesinnung sei nicht erforderlich. Aber ihr
Menschen täuscht euch selbst so oft über eure wirkliche Gesinnung und werdet
euch erst dann vollkommen darüber klar, wenn ihr sie äußerlich vor der
Öffentlichkeit an den Tag legen sollt. Da zeigt es sich dann nicht selten,
daß das vermeintliche Gute in euch doch nicht so groß ist, als ihr im Stillen
geglaubt hattet. Unter denen, die zu Johannes kamen und seine Predigt hörten,
befanden sich auch viele, die eine Änderung ihrer Gesinnung in sich zu
verspüren meinten. Als sie aber die Taufe als äußeres Bekenntnis dieser
Gesinnungsänderung vor allem Volke empfangen sollten, da schreckten sie
zurück. Es kam die Menschenfurcht, und sie war stärker als das Gute in ihnen.
Sie fürchteten das Gespött ihrer Mitmenschen, vor allem der jüdischen
Geistlichkeit, die ja Johannes nicht als einen Gesandten Gottes anerkannte. Aus Menschenfurcht lehnten
sie also die Taufe ab. Wäre daher dieses äußere Zeichen nicht gewesen, vor
dessen Annahme oder Ablehnung sie gestellt wurden, so wäre es ihnen nie zum
Bewußtsein gekommen, daß sie tatsächlich nicht reif für das Reich Gottes
waren. Denn wer sich aus menschlichen Rücksichten scheut, für das, was er als
wahr und recht erkannt hat, auch öffentlich einzutreten und alle irdischen
Folgen eines solchen Bekenntnisses auf sich zu nehmen, auf den ist kein
Verlaß. Er ist nicht brauchbar für die Sache Gottes; denn das Irdische steht
ihm höher. Aus demselben Grunde ließ sich auch Christus von Johannes taufen.
Auch er wollte öffentlich bekunden, daß er für die von Johannes gepredigte
Wahrheit eintrete. Johannes wählte als äußeres
Zeichen der Anerkenntnis seiner Lehre und des Willens zur Lebensbesserung die
Taufe in der Form des Untertauchens in Wasser. Er hätte auch ein anderes
Zeichen wählen können, aber das Untertauchen in Wasser war das schönste
Sinnbild dessen, was er mit seiner Predigt bezweckte. Er lehrte die Reinigung
von Sünde durch Änderung der bisherigen schlechten Gesinnung. So wie nun der
Getaufte durch Untertauchen äußerlich von Schmutz gereinigt wurde und
gewissermaßen als ein neuer Mensch aus dem Wasser stieg, so sollte ihn die
Annahme der Wahrheit innerlich reinigen und befähigen, als ein neuer Mensch
ein Leben des Gehorsams gegen Gott zu führen. Aus demselben Grunde der
Sinnbildlichkeit hat auch Christus die Wassertaufe als äußeres Zeichen der
Annahme seiner Lehre beibehalten. Was die öffentliche Taufe als Bekenntnis
zum Christentum für die Menschen der ersten christlichen Zeiten an äußeren
Folgen hatte, davon vermöget ihr euch heute keine rechte Vorstellung mehr zu
machen. Die zum Christentum übertretenden Juden setzten sich dem Haß, der
Verfolgung und der wirtschaftlichen Schädigung ihrer früheren Glaubensgenossen,
besonders der jüdischen Geistlichkeit aus. Man beschimpfte sie auf der
Straße, schleppte sie ins Gefängnis, steinigte sie. Aus der Geschichte des
Paulus und des Stephanus kannst du ersehen, mit welchem Fanatismus das
damalige Judentum die Judenchristen verfolgte. Ebenso schlimm waren die
Christenverfolgungen durch das Heidentum. Die heidnische Religion war
Staatsreligion. Die Verehrung der Götter, die Götzenfeste und Götzenopfer
waren durch Staatsgesetze vorgeschrieben. Es wurde als eines der größten Verbrechen
gegen den Staat und den Herrscher betrachtet, sich von der Götterverehrung
und den Opferfesten fernzuhalten. Darauf ruhte Todesstrafe und Einziehung der
Güter. Nun aber konnte ein Christ sich selbstverständlich nicht mehr an den
Götterfesten und Opfermahlzeiten beteiligen. Wurde er angezeigt, so mußte er
sich auf das Schlimmste gefaßt machen. Die Schrecknisse der
Christenverfolgungen durch das Heidentum sind dir ja bekannt. Tod und
Einziehung ihrer Güter waren das Los vieler Christen. Wieviele der heutigen
sogenannten Christen würden wohl bereit sein, eine Taufe zu empfangen, die
mit solchen Folgen für Leben und Eigentum verbunden wäre? Doch wer nicht den Mut hat,
unter solchen Opfern seinen Glauben zu bekennen, der ist kein wahrer Christ.
Die Taufe gab also dem Getauften nichts Besonderes an inneren Gnaden, sondern
war bloß das Zeichen, daß er bereit war, alle Folgen eines solchen
öffentlichen Bekenntnisses auf sich zu nehmen. Was folgt nun daraus? Vor allem, daß die Taufe
von unmündigen Kindern wertlos ist. Sie können ja weder die Wahrheit erkennen
noch ein Bekenntnis dafür ablegen. Darum haben die Christen der ersten
Jahrhunderte nie Kindern die Taufe gespendet. Deshalb gebot auch Christus
seinen Aposteln, zuerst zu lehren und dann erst die zu taufen, die zur
Annahme der Wahrheit bereit waren. Ferner folgt daraus, wie irrig die Lehre
der christlichen Kirchen ist, die da behaupten, die Taufe reinige ein Kind
von der Erbsünde und die ohne Taufe sterbenden Kinder gingen für immer des
Reiches Gottes verlustig. Eine Reinigung von Sünden
kann nur durch Abwendung des Willens vom Bösen erfolgen und nicht durch
irgendeine äußere Handlung. Paulus berichtet von einigen Christen seiner
Zeit, daß sie sich für diejenigen taufen ließen, die bereits gestorben waren.
Das war christlicher Übereifer von Neulingen im Glauben. Niemand kann sich
für einen anderen taufen lassen. Sein Heil hat jeder selbst zu wirken. Da
gibt es keine Stellvertretung. Jene Christen meinten es gut. Sie wollten
damit bekunden, daß ihre Verstorbenen, wenn sie noch am Leben wären,
ebenfalls die Lehre Christi angenommen und als äußeres Bekenntnis die Taufe
empfangen hätten. Aus Liebe zu ihren Verstorbenen taten sie es. Die Sendung des Geistes (Firmung) Als zweites Sakrament Führt
deine Kirche die ‘Firmung‘ an. Der Bischof legt beim Spenden dieses
‘Sakramentes‘ dem Firmling die Hand auf, salbt ihn und betet über ihn. Diese
äußeren Handlungen sollen nun bewirken, daß der ‘Heilige Geist‘ über den
Gefirmten kommt, wie er am Pfingstfest über die Apostel kam. Es ist richtig, daß
Christus verheißen hat, nach seiner Auferstehung Geister vom Vater zu den
Gläubigen zu senden. Aber diese Ausgießung der Geister Gottes hatte er nicht
an äußere Zeremonien eines Bischofs geknüpft . Die Boten Gottes sollten zu
allen kommen, die innerlich würdig waren, sie zu empfangen. Und wenn in dem
Bericht der Apostelgeschichte auch eine Handauflegung in Verbindung mit der
Ausgießung der Geister Gottes erwähnt wird, so waren diese Zusammenhänge doch
ganz andere, als ihr heute annehmt. Den Getauften oder den
Neubekehrten wurde von seiten der Presbyter die Hand aufgelegt zum Zeichen
der Aufnahme in die Gemeinde. Da die Presbyter eine große mediale Kraft
besaßen, so wurde bei den medial veranlagten Täuflingen die Odkraft durch die
Handauflegung so gestärkt, daß nicht selten Kundgebungen der Geister Gottes
durch sie erfolgten. Es brauchte dazu kein eigentlicher Trancezustand bei
ihnen einzutreten, sondern die Einwirkung der Geisterwelt war oft dieselbe,
wie du sie bei den sogenannten ‘Inspirationsmedien‘ kennengelernt hast. Die
unter dieser Einwirkung Stehenden sprachen Worte des Gebetes oder des
Lobpreises Gottes, was euch aus den ersten christlichen Jahrhunderten als
‘Beten im Geiste‘ bekannt ist. Auch waren es oft Worte der Ermahnung und
Belehrung, durch welche die Umstehenden tief erschüttert wurden. Ferner wurden bei denen,
die eine besondere Aufgabe in den christlichen Gemeinden zu erfüllen hatten,
die Handauflegung vorgenommen, um dadurch zu bekunden, daß sie als Werkzeuge
Gottes zu gelten hatten, nachdem sie von Geisterboten Gottes als solche
bestimmt worden waren. Wenn daher der Apostel
Paulus seinen Mitarbeiter Timotheus ermahnt, niemandem übereilt die
Handauflegung zu erteilen, so meint er damit zweierlei: Einmal sollte er keinem
zur Ausbildung als Medium behilflich sein, den er nicht vorher nach seiner
inneren Gesinnung und Standhaftigkeit im Glauben erprobt hatte, damit nicht
die Gefahr bestand, daß das Medium nachher dem Bösen verfiel und dadurch
großen Schaden in der Gemeinde anrichtete. Ferner sollte er bei keinem die
Handauflegung zum Zeichen der öffentlichen Anerkennung als Werkzeug für eine
bestimmte Aufgabe vornehmen, wenn nicht ein Geist Gottes ihn ausdrücklich für
diese Aufgabe benannt hatte. Einer, dem bloß die Heilkraft
zuteil geworden war, durfte nur zur Krankenheilung verwendet werden und nicht
etwa für das Lehramt. Denn dazu war er weder berufen noch befähigt. ‘Sind etwa alle Apostel?‘, fragt Paulus im Korintherbrief. ‘Sind alle
geistliche Redner? Sind alle Lehrer? Besitzen etwa alle Wunderkräfte? Haben
etwa alle die Gabe der Heilung? Reden etwa alle in fremden Sprachen? Können
alle die fremden Sprachen in die Muttersprache übertragen?‘ (1.Kor.12,29-30). Und wenn Paulus an
denselben Timotheus die Mahnung richtet, die Gnadengabe Gottes, die ihm durch
seine Handauflegung zuerkannt worden sei, zu heller Flamme anzufachen, so
meint er die Gabe des Lehramtes. Timotheus war von Paulus auf Weisung eines
Geistes Gottes durch Handauflegung als Lehrer der Heilswahrheiten feierlich
anerkannt und ausgesandt worden. Aber er wurde kleinmütig und verzagt wegen
der großen Schwierigkeiten, die ihm bei Ausübung seines Lehramtes begegneten. Wenn du das Wirken der
Geister in der ersten christlichen Zeit mit dem vergleichst, was ihr heute
darüber lehrt, dann wirst du finden, wie weit ihr auch in diesem Punkte von
der Wahrheit abgeirrt seid. Gottes Geist läßt sich nicht von Menschen durch
äußere Handlungen nach menschlichem Belieben austeilen. Er kommt zu denen,
die sich ihn innerlich verdienen und nach ihm sehnliches Verlangen tragen,
ohne Bischof und bischöfliche Salbung. Der Geist Gottes weht, wo er will und
nicht, wo die Menschen wollen, daß er wehen soll. Vor der Erlösung durch
Christus war über die ganze Menschheit der Geist der Finsternis ausgegossen.
Furchtbar waren die Wirkungen, welche die bösen Mächte auf die Menschen
ausübten. Das erkennst du an den vielen Fällen von Besessenheit, die in der
Bibel bei den Heilungen Christi erwähnt werden. Anderen fügten die bösen
Geister schwere körperliche Schäden zu. Ihr lest in den Evangelien von
solchen, die infolge der Einwirkung eines bösen Geistes stumm, taubstumm,
blind, fallsüchtig waren. Bald war es ein einzelner
der bösen Geister, der sich auf sein Opfer stürzte, bald war es ein ganzes Heer.
‘Unsere Zahl ist Legion‘ bekannte einer dieser Geister. Wenn auch die
Mehrzahl der Menschen die Macht des Bösen nicht in so offenkundiger Weise an
sich erfuhren, wie die von den bösen Geistern körperlich Gequälten, so war
doch das Böse auch bei ihnen in der Weise übermächtig, daß es die Erkenntnis
der Wahrheit und des Guten verhinderte und die Herzen verstockte. Auch die
Erlösung hat an diesem Einfluß der bösen Geister auf die, welche durch ihren
Unglauben dem Bösen freiwillig verfallen blieben, nichts geändert. Auf die,
welche dem Satan der Gesinnung nach angehören, übt er auch jetzt noch seine
Macht in demselben Umfange aus, wie vorher. Auch ihr habt heute viele
Besessene. Ihr nennt sie Irrsinnige, die in allen Fällen, wo kein Fehler des
Gehirns vorliegt, zu den Besessenen gehören. Bei denen‚ die zum Glauben an
Gott und zum Gehorsam gegen ihn zurückkehren, ist die Macht des Bösen seit
der Erlösung gebrochen. Freilich haben auch sie immer noch zu kämpfen und
bedürfen, wie Paulus sagt, der Waffenrüstung Gottes, damit sie gegen die
listigen Angriffe des Teufels festbleiben. ‘Denn sie haben nicht mit Wesen
von Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit den außerirdischen Mächten und
Gewalten, mit den Herrschern der Finsternis, mit dem Heer der bösen Geister im
Universum‘ (Eph.6,12). Das dritte Sakrament der
katholischen Kirche führt die Bezeichnung ‘Sakrament des Altares‘. Andere
christliche Kirchen nennen es ‘Abendmahl‘. Paulus nennt es ‘Des Herrn Mahl‘.
Auch daraus hat man im Laufe der Jahrhunderte etwas ganz anderes gemacht, als
es nach der Absicht Christi sein sollte. Opfermahle waren bei den
Juden und Heiden gottesdienstliche Gebräuche. Sie bildeten einen wesentlichen
Teil ihres Gottesdienstes. Sie schlachteten an geweihter Stätte Tiere, gossen
das Tierblut vor der Gottheit aus, verbrannten Teile des Opferfleisches zur
Ehre der Gottheit und aßen das übrige in Form eines gemeinschaftlichen
Mahles. Doch nicht bloß Tiere opferten sie, sondern auch Früchte, Brot, Öl
und Wein und ähnliche Dinge. Auch davon wurde ein Teil der Gottheit zu Ehren
vernichtet und der Rest bei der Opfermahlzeit verzehrt. Was vor der Gottheit
verbrannt oder ausgegossen wurde, diente, wie du weißt, zur Bereitung des
Kraftstromes für die Geisterkundgebungen. Aber auch das, was von den
Verehrern der Gottheit verzehrt wurde, galt als geweiht und durch die
Gottheit geheiligt. Das Essen und Trinken der
Opferreste war das Sinnbild der inneren Gemeinschaft mit der Gottheit selbst.
So wie die geweihten Speisen und Getränke durch Aufnahme in den Körper des
Genießenden mit diesem eins wurden, so sollten die Teilnehmer an dem
Opfermahl auch in Geist und Gesinnung eins werden mit der Gottheit und deren
Willen vollziehen. Diese Bedeutung hatten die
Opfermahle sowohl bei den Juden, als auch bei den Heiden. Das Passahmahl der
Juden am Abend vor dem Auszug aus Ägypten war das Sinnbild dafür, daß sie mit
dem Gott in Gemeinschaft bleiben wollten, der sich ihnen durch Mose als
Retter kundgetan hatte. Seinen Weisungen wollten sie in Zukunft gehorchen.
Das Passahmahl der Israeliten war also das Sinnbild ihrer Rettung durch Gott
aus der Knechtschaft Ägyptens unter der Führung des Mose als des Gesandten
Gottes. Christus war der durch Mose
vorbedeutete und vorherverkündete große Gottesgesandte, der die Menschheit
aus der Knechtschaft Satans, des höllischen Pharao, herausführen sollte. Am
Vorabend des Tages, an dem er die Befreiung der Menschheit durch sein Sterben
und seinen Sieg über die Hölle verwirklichen sollte, feierte er mit seinen Getreuen
dasselbe Mahl, das einst Mose am Abend vor der Befreiung des Judenvolkes
gefeiert hatte. Zweierlei wollte er ihnen mit diesem Mahl versinnbildlichen:
Seinen Abschied im leiblichen Tode - und sein beständiges Vereintbleiben mit
ihnen dem Geiste nach. Als sinnbildliche Zeichen
wählte er Brot und Wein. Er nahm eine Scheibe Brot, brach sie in Stücke und
reichte sie seinen Jüngern zum Genusse mit den Worten: ‘Nehmet hin und esset;
das ist das Sinnbild meines Leibes, der für euch in den Tod gegeben wird. Tut
dies zum Andenken an mich!‘ So wie er jetzt die
Brotscheibe in Stücke brach, so wurde am folgenden Tage sein irdischer Leib
im Tode gebrochen und vom Leben getrennt. Ebenso nahm er den Kelch
mit Wein, ließ jeden daraus trinken indem er sprach: ‘Dieser Kelch ist das
Sinnbild des Neuen Bundes in meinem Blute, das für euch vergossen wird. Sooft
ihr ihn trinkt, denkt an mich!‘ So wie der Wein beim Genuß aus dem Kelche
floß, so floß am Sterbetag Christi sein Blut aus seinem Körper. Aber in der Hauptsache war
dieses Mahl das Sinnbild der geistigen Gemeinschaft, in der Christus trotz
seiner irdischen Trennung mit seinen Getreuen bleiben wollte. So wie das
unter die Jünger verteilte Brot vorher nur eine einzige Brotscheibe war und
die einzelnen Schlucke Wein vorher im Kelche eine Einheit bildeten, so
sollten die Jünger sowohl mit Christus, als auch untereinander im Geist und
in der Liebe eins sein. Um dieses Einssein hat
Christus so innig und ergreifend an diesem Abend gebetet. Sie sollten die
Liebe zu ihrem Meister in ihren Herzen bewahren und dadurch mit ihm verbunden
bleiben zu einem geistigen Leibe: Christus ist das Haupt und sie die Glieder. Daran sollten die Jünger
von nun an denken, sooft sie zusammenkamen, um zum Andenken an ihn das Mahl
zu wiederholen, das er als Abschiedsmahl mit ihnen gefeiert hatte. Sie
sollten nicht vergessen, daß es ein Mahl der Liebe war, das ihr Herr und
Meister am Abend vor seinem irdischen Scheiden mit ihnen gehalten hatte; daß
nur derjenige an der Wiederholung dieses Mahles teilnehmen darf, der durch
das Band der Liebe mit Gott und den Menschen verbunden ist. Wer diese Liebe nicht im
Herzen trägt, kann nicht das Gedächtnismahl der Liebe empfangen. Wer beim
Empfang dieses Mahles Haß, Feindschaft, Groll, Neid und sonstige Sünden gegen
die Nächstenliebe in seinem Inneren hegt, würde dadurch die größte Heuchelei
begehen. Es wäre die schwerste Beleidigung dessen, der dieses Mahl als
Gedächtnis der Liebe eingesetzt hat. Darum hat ein jeder, der dieses Mahl der
Liebe empfangen will, sich vorher zu prüfen, ob er die Liebe zu Gott und dem
Nächsten besitzt, da sonst das Mahl eine Verhöhnung Christi wäre. Das ist die
wahre Bedeutung des Abendmahls Christi und der Wiederholung dieses Mahles zum
Andenken an ihn. Und was hat man im Laufe
der Jahrhunderte aus diesem Mahle gemacht? Man hat die Lehre aufgebracht,
Christus habe durch die Worte, die er bei der Überreichung des Brotes und des
Kelches gesprochen, das Brot in seinen wirklichen Leib und den Wein in sein
wirkliches Blut verwandelt. Brot und Wein seien daher nicht bloß Sinnbilder
gewesen, sondern das Brot sei zu Christi lebendigen Leib und der Wein zu
seinem lebendigen Blut geworden. Zwar könne man diese Verwandlung äußerlich
nicht wahrnehmen. Und diese Verwandlung finde auch heute noch jedesmal statt,
sobald der Priester die Worte Christi über Brot und Wein spreche. Es ist diese Lehre wohl das
Widersinnigste, was jedem Menschengeiste zu glauben zugemutet worden ist.
Nach dieser Lehre wäre also beim letzten Abendmahle im Saale zu Jerusalem die
Person Christi in ein und demselben Augenblick dreiundzwanzigmal anwesend
gewesen. Sie saß in menschlicher Gestalt vor den Aposteln; jedes Stück Brot,
das die elf Jünger aßen, war dieselbe lebendige Person Christi und jeder
Schluck Wein, den die elf tranken, war wiederum Christus mit Leib und Seele,
mit Fleisch und Blut. Es ist unbegreiflich, wie
Menschen einen solchen Wahn aufbringen können. Kein Mensch und kein Geist
kann sich selbst vervielfältigen. Auch Gott nicht. Niemand - auch Gott nicht
- kann als Persönlichkeit gleichzeitig an mehreren Orten sein. Niemand kann
sich in etwas anders verwandeln und gleichzeitig das bleiben, was er ist.
Christus konnte sich nicht selbst essen. Denn da Christus auch selbst von dem
Brote aß, das er seinen Jüngern darreichte, so verzehrte er sich nach eurer
Lehre selbst. Ich finde keinen Ausdruck in eurer Sprache, um diese Lehre als
Ausfluß höchster menschlicher Verblendung zu brandmarken. Dazu lehrt ihr, daß die
Priester täglich diese Verwandlung von neuem vornehmen. Wenn sie über Brot
und Wein die Worte sprechen: ‘Dies ist mein Leib - dies ist mein Blut!‘,
sollen alle Brotteile und Weintropfen in die Person Christi verwandelt
werden. Eure Priester nehmen damit eine Macht für sich in Anspruch, die
selbst Gott nicht hat, weil auch er das in sich Unmögliche nicht möglich
machen kann. Ihr mögt noch sooft
beteuern, das sei ein unbegreifliches Geheimnis und mögt es das Geheimnis des
Glaubens nennen, das ändert an der Unwahrheit dieser Lehre nichts. Mit dem
Worte ‘Geheimnis‘ kann man jeden menschlichen Wahn verdecken. Worte findet
man immer, auch wenn man sich unter den Worten nichts Vernünftiges denken
kann. Über eins muß ich mich bei
dieser Lehre besonders wundem: Ihr lest doch die Bibel. Ist euch dabei denn
nicht aufgefallen, daß in dem ganzen Neuen Testament auch nicht die geringste
Spur eurer widersinnigen Lehre enthalten ist? Wenn bei dem Abendmahl des
Herrn Brot und Wein in den wahrhaftigen Christus verwandelt worden wäre, dann
würden die Apostel nicht müde geworden sein, auf dieses unbegreifliche
Geschehen immer wieder hinzuweisen. Sowohl die Evangelien hätten über dieses
Wunder aller Wunder ausführlich berichtet, als auch die Apostel hätten in
ihren Briefen die ersten Christen immer wieder auf dieses Gedächtnismahl
hinweisen müssen. Aber nirgends wird etwas
davon erwähnt. Der Apostel Johannes, der beim Abendmahl an der Seite seines
Meisters ruhte und als erster von ihm einen Bissen jenes gesegneten Brotes
empfing, erzählt in seinem Evangelium überhaupt nichts von der Darreichung
des Brotes und Weines durch Christus. Er erzählt die Fußwaschung. Er erzählt
den Verrat des Judas. Und er sollte über dieses unbegreiflichste und
gewaltigste Geschehen im Leben Jesu verschwiegen haben? Die Apostel erwähnen in
ihren Briefen nichts vom Abendmahl. Die Apostelgeschichte teilt bloß mit, daß
die ersten Christen an der Lehre der Apostel, an der Gemeinschaft, am
Brotbrechen und am Gebet festhielten. Also hier wird die Feier des Abendmahls
als ein ‘Brotbrechen‘ erwähnt und nicht als das, was ihr heute daraus gemacht
habt. Sie brachen das Brot als Sinnbild des Todes Christi und der Liebe, die
sie in der Gemeinschaft miteinander und mit Christus bestätigten. Es war
Brot, was sie brachen und aßen. Aber bei dem Genuß dieses Brotes waren sie
mit ihren Gedanken und Gebeten bei dem, der ihnen verheißen hatte: ‘Wo auch
nur zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter
ihnen.‘ Der Genuß des Brotes und des Weines war für sie ein heiliges Sinnbild
ihrer geistigen Vereinigung mit ihrem Erlöser. Der Apostel Paulus, der
eine große Anzahl von Briefen an die Gemeinden geschrieben hat, ist der
einzige, der in seinem ersten Brief an die Korinther das Abendmahl erwähnt. Aber auch er würde darüber
nichts gesagt haben, wenn er nicht durch die äußeren Umstände dazu gezwungen
gewesen wäre. Man hat ihm nämlich mitgeteilt, daß es in der korinthischen
Gemeinde bei der Abendmahlsfeier sehr schlimm zuging. Die ersten Christen
gestalteten die Abendmahlsfeier zu einer vollständigen Mahlzeit, wie dies ja
auch bei dem Abendmahl Christi in Jerusalem der Fall war. Denn bevor Christus
den Jüngern Brot und Wein zum Gedächtnis reichte, hatte er mit ihnen das
Osterlamm nebst allem Dazugehörigen gegessen und Wein dazu getrunken. So aßen
nun auch die ersten Christen bei ihren Abendmahlsfeiern zuerst
Fleischgerichte mit den verschiedensten Zutaten. Auch sie tranken dazu Wein.
Und erst zum Schluß dieser Mahlzeit brachen sie Brot und tranken aus einem
gemeinschaftlichen Kelch Wein zum Gedächtnis Christi. Auch diese Christen waren
schwache Menschen mit denselben Fehlern wie ihr. Das zeigte sich leider auch
bei der Abendmahlsfeier in Korinth. Sie wurde in Privathäusern abgehalten.
Nun war der Eigentümer des Hauses, in dem die Feier stattfand, nicht in der
Lage, die Mahlzeit für alle Teilnehmer zu stellen. Denn die ersten Christen
waren meist arme Leute. Darum mußte sich jeder sein Essen und seinen Wein für
die gewöhnliche Mahlzeit, die der Abendmahlsfeier vorausging, selbst
mitbringen. Nun kam es vor, daß die Armen nur ein kärgliches Essen bei sich
hatten oder überhaupt nichts aßen, sondern sich bloß am Schluß an der
eigentlichen Abendmahlsfeier beteiligten. Dabei mußten sie oft zusehen, wie
die Bessergestellten ihr reichliches Mahl verzehrten und Wein dazu tranken
und bisweilen im Weingenuß die Grenzen des Erlaubten überschritten und sich
betranken. Solche Zustände konnten
natürlich nicht geduldet werden; nicht bloß deswegen, weil die dabeisitzenden
Armen Anstoß daran nahmen, sondern vor allem, weil sie mit dem Geist der
Abendmahlsfeier unvereinbar waren. Als daher Paulus gehört
hatte, daß sich Vorfälle dieser Art in der Gemeinde zu Korinth ereigneten,
griff er ein und machte den Korinthern darüber scharfe Vorhaltungen. Dabei
mußte er notgedrungen auch über den eigentlichen Sinn des Abendmahls zu ihnen
sprechen. Zunächst tadelte er sie
wegen der Vorkommnisse bei der Abendmahlsfeier: ‘Wenn ihr an demselben Ort
zusammenkommt, so heiße ich daß was ihr tut, nicht das Herrenmahl feiern.
Denn ein jeder nimmt zuvor seine eigene Mahlzeit zu sich, und dabei leidet
der eine Hunger und der andere betrinkt sich. Habt ihr denn nicht eure
eigenen Häuser, wo ihr essen und trinken könnt? Oder meint ihr, ihr brauchtet
keine Rücksicht zu nehmen auf die Gemeinde Gottes und ihr dürftet die Unbemittelten
beschämen? Was soll ich zu solchen Dingen sagen? Soll ich euch etwa loben? In
diesem Punkte gewiß nicht‘ (1.Kor.11,20-22). Und nun weist er sie auf
die Bedeutung des Abendmahls hin. Er brauchte ihnen nicht viel darüber zu
erklären. Denn er hatte sie schon früher mündlich darüber belehrt. Er führt
ihnen die von Christus beim ersten Abendmahl gesprochenen Worte an und faßt
ihre Bedeutung in den Worten zusammen: ‘Sooft ihr das Brot esset und den
Kelch trinket, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. Das Abendmahl ist also ein
Essen des Brotes und ein Trinken des Kelches als Sinnbild des Todes Christi,
der aus Liebe zu den gefallenen Geistern sein Leben hingab. Wer daher bei
einer Feier zum Gedächtnis Christi die Sinnbilder des Leibes und Blutes des
Erlösers in einer so unwürdigen Weise behandelt, wie dies manche Christen in
Korinth taten, der versündigt sich nicht bloß an diesen Sinnbildern, sondern
an Christus selbst. Denn wer die Feier zu Ehren eines Herrschers schändet,
der verunehrt den Herrscher selbst und wird wegen Majestätsbeleidigung
bestraft. ‘Wer daher in unwürdiger Weise das Brot ißt und den Kelch des Herrn
trinkt, der versündigt sich am Leibe und Blute des Herrn.‘ Darum soll niemand Brot und
Wein als Sinnbild des Leibes und des Blutes Christi genießen, der nicht
vorher bei sich festgestellt hat, ob seine Gesinnung der Gesinnung des
Erlösers ähnlich ist. ‘Jedermann prüfe sich also selbst und esse dann erst
von dem Brote und trinke aus dem Kelche; denn wer da ißt und trinkt, der zieht
sich selbst durch sein Essen und Trinken ein göttliches Strafgericht zu, wenn
er den Leib des Herrn nicht gebührend würdigt.‘ Wer Brot und Wein als
Sinnbilder der größten und heiligsten Liebestat der Schöpfung als etwas
Gleichgültiges und Gewöhnliches behandelt, sie in Trunkenheit und unter
anderen Ärgernis erregenden Begleitumständen genießt, der muß von Gott
bestraft werden. Denn nicht einmal ihr Menschen laßt es euch gefallen, daß
jemand ein Andenken, das ihr ihm gabt, in entehrender Weise behandelt. Zu dieser entehrenden
Behandlung der Sinnbilder des Todes und der Liebe Christi gehört vor allem
auch die unwürdige innere Verfassung der Teilnehmer am Abendmahl. Wo ein
Gedächtnismahl der Liebe gefeiert wird, da darf nicht das Gegenteil der Liebe
in den Herzen der Anwesenden zu finden sein. Mit Streitsucht, Feindschaft,
Bitterkeit und ähnlichen Sünden gegen die Nächsten-liebe im Herzen kann man
nicht das Mahl der Liebe genießen. Auch hierin hatten die
Korinther schwer gefehlt. Denn Paulus gibt als ersten Grund, weshalb die
Abendmahlsfeier ihnen keinen Segen, sondern nur geistigen Schaden bringe, den
Umstand an, daß Spaltungen und Streitigkeiten bei ihnen herrschten, sie sich
also gegen die Nächstenliebe verfehlten. Wo die Abendmahlsfeier äußerlich und
innerlich in so unwürdiger Weise gehalten wurde wie in der Gemeinde von
Korinth, da brauchte man sich nicht darüber zu wundern, daß die Teilnehmer
nach den Worten des Apostels ‘schwach und krank‘ waren und bei manchen von
ihnen schon das Schlimmste, nämlich der geistige Schlaf der Gleichgültigkeit
gegen Gott eingetreten war. Wie du siehst, weiß Paulus
nichts davon, daß Brot und Wein etwas anderes sein sollen, als Sinnbilder des
Leibes und Blutes Christi. Wäre das Brot nicht mehr Brot, wie ihr lehrt,
sondern Christus selbst, dann würde Paulus es mit aller Deutlichkeit gesagt
haben. Was würde dieser feurige Christusjünger wohl für Worte gegen die
Korinther gebraucht haben, wenn das Brot des Abendmahls Christus selbst wäre. Schon vorher hatte Paulus
in demselben Briefe bei Besprechung der Götzenopfer das Abendmahl der
Christen erwähnt. Er stellt dort einen Vergleich an zwischen der Teilnahme an
den Opfermahlen zu Ehren der Götzen und der Teilnahme am Abendmahl zu Ehren
Christi. Der Sinn seiner Worte ist
folgender: Die Heiden setzen sich durch den Genuß des Götzenfleisches in
Verbindung mit den bösen Geistern. Das Opferfleisch als solches ist nichts
Besonderes. Es ist Fleisch und bleibt Fleisch, wie jedes andere Fleisch. Aber
die Gesinnung, in der die Heiden das Fleisch opfern und genießen, ist es,
durch die sie in Verbindung mit den bösen Geistern treten. Die Christen setzen sich
durch den Genuß von Brot und Wein in Verbindung mit Christus. Brot und Wein
werden dadurch in sich nichts Besonderes, sondern bleiben Brot und Wein. Nur
die Gesinnung, in der sie das gesegnete Brot und den gesegneten Wein
genießen, ist es, durch die sie in Verbindung mit Christus kommen. Darum darf kein Christ an
den Opfermahlen der Heiden teilnehmen, weil er sich durch eine solche
Teilnahme in Verbindung mit den bösen Geistern setzen würde. ‘Ihr könnt
nicht zugleich den Kelch des Herrn und den Kelch der bösen Geister trinken;
ihr könnt nicht zugleich am Tisch des Herrn und am Tisch der bösen Geister
Gäste sein (1.Kor.10,21). Ebensowenig, wie das Opferfleisch
der Heiden in böse Geister verwandelt wird, ebensowenig wird bei den Christen
Brot und Wein in Christus verwandelt, in beiden Fällen wird allerdings eine
Verbindung mit der Geisterwelt hergestellt, - bei den Heiden eine Verbindung
mit den bösen Geistern unter dem Sinnbild des Opferfleisches und des
Opferweines; bei den Christen eine Verbindung mit Christus unter dem Sinnbild
von Brot und Wein. Wie ferner bei den
Opfermahlen der Heiden die Teilnehmer nicht bloß mit dem einen bösen Geiste
in Gemeinschaft traten, zu dessen Ehren das Opfermahl gehalten wurde, sondern
mit der Gesamtheit der bösen Geisterwelt, die ja ein einheitliches Ganzes
bildet, so traten auch die Christen durch den Genuß von Brot und Wein nicht
bloß mit Christus als einem Einzelgeist in Verbindung, sondern mit allen
Geistern des Reiches Gottes, dessen König Christus ist. Paulus gebraucht zur
Bezeichnung dieser großen Gemeinschaft den Ausdruck ‘Leib des Herrn‘.
Christus ist das Haupt, und die ganze geschaffene Geisterwelt des Guten
einschließlich der gottesgläubigen Menschen sind die Glieder dieses geistigen
Leibes. Wer also mit Christus in Gemeinschaft steht, der hat auch
Gemeinschaft mit den Gliedern Christi. Diese Gemeinschaft wird beim Abendmahl
besonders durch das eine Brot versinnbildlicht. So wie das genossene Brot
vorher ein Ganzes war, so sollen die vielen, unter die es verteilt wurde,
eins sein durch das Band der Liebe: ‘Weil es ein einziges Brot ist, sind
auch wir trotz unserer Vielheit ein einziger Leib: Denn wir alle teilen uns
in das einzige Brot‘ (1.Kor.10,17). Das Bild, daß alle, die
Christus angehören, mit ihm einen geistigen Leib bilden, braucht Paulus sehr
häufig in seinen Briefen. Es ist dasselbe, was ihr in eurem
Glaubensbekenntnis mit ‘Gemeinschaft der Heiligen‘ bezeichnet. Um eure falsche Lehre von
der Verwandlung des Brotes und Weines in die Person Christi aufrecht zu
halten, versteift ihr euch zunächst auf die von Christus angeblich
gebrauchten Worte: ‘Das ist mein Leib - das ist mein Blut.‘ ihr betont, daß
es heißt ‘ist‘ und nicht ‘bedeutet‘. Aber woher wißt ihr, daß Christus in
seiner Sprache ein Wort gebraucht hat, das eurem ‘ist‘ entspricht? ihr kennt
ja die von Christus in der aramäischen Sprache gebrauchten Worte gar nicht
und besitzt auch den ursprünglichen griechischen Text des Neuen Testamentes
nicht mehr. In Wirklichkeit hat
Christus beim Abendmahl keine Worte gebraucht, die etwas anderes bedeuten als
den Hinweis auf Brot und Wein als Sinnbilder seines am folgenden Tage
eintretenden Todes als Erlösungstat für die Rettung der Welt. Doch wir wollen einmal
annehmen, er habe tatsächlich gesagt: ‘Das ist mein Leib - das ist mein
Blut!‘, so weiß doch wohl jeder Bibelkenner, daß Christus nur in Sinnbildern
gesprochen hat, wie er selbst mit den Worten bestätigt: ‘Dies habe ich
euch in sinnbildlichen Reden verkündet. Aber es kommt die Zeit, wo ich nicht
mehr in Bildern zu euch reden werde‘ (Joh.16,25). Und wann sprach er diese
Worte? Wie du dich überzeugen kannst, gerade beim letzten Abendmahl, wenige
Stunden vor seinem Tode. Als Mensch redete er alles in Sinnbildern. ‘Dies
alles redete Jesus in Sinnbildern zum Volke und ohne Sinnbilder redete er
nichts‘ (Matth.13,34,) Auch am Abend des
Abschiedes von seinen Jüngern redete er nicht bloß von Brot und Wein als
Sinnbildern seines Todes, sondern in einem anderen Sinnbild zeigte er das
Lebensverhältnis zwischen ihm und seinen Jünger: ‘Ich bin der Weinstock
und ihr seid die Reben‘ (Joh.15,5). Wenn ihr nun Brot und Wein
nicht als Sinnbilder gelten lassen wollt, dann dürft ihr auch nicht die Worte
vom Weinstock und den Reben sinnbildlich nehmen, sondern müßt sagen:
‘Dadurch, daß Christus die Worte sprach: ‘Ich bin der Weinstock und ihr seid
die Reben‘ wurde Christus in einen Weinstock und seine Jünger in Reben
verwandelt.‘ Denn es ist in beiden Fällen dieselbe Ausdrucksweise, und die
eine Verwandlung ist nicht schwieriger als die andere; nämlich beide wären
gleich möglich. Es ist begreiflich, daß die
katholische Kirche alles nur von ferne Verwendbare aus der Bibel zusammensucht,
um ihre ungeheuerliche Lehre zu stützen. So nimmt sie auch andere Sinnbilder
in ihrer wörtlichen Bedeutung, wo Christus sich das ‘Brot‘ nennt, das vom
Himmel gekommen ist, und auch, wo er sagt, daß sein Fleisch wahrhaftig eine
Speise und sein Blut wahrhaftig ein Trank sei. Das alles ist geistig zu
verstehen, was ja auch Christus selbst immer wieder betonte. ‘Der Geist ist
es, der das Leben schafft das Fleisch hilft dazu nichts. Die Worte, die ich
zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben‘ (Joh.6,63). Er sagt von sich, daß es
seine ‘Speise‘ sei, den Willen seines himmlischen Vaters zu erfüllen. Der
Samariterin am Jakobsbrunnen versprach er ‘Wasser‘ zu geben, das zum ewigen
Leben fließe. Das alles sind sinnbildliche Ausdrücke, die nie im wörtlichen Sinne
genommen werden dürfen, da sonst die größten Torheiten zum Vorschein kämen. Christus ist nicht ein
wirklicher Weinstock und seine Jünger sind keine wirklichen Reben. Das
Abendmahlsbrot ist nicht sein wirklicher Leib und der Wein nicht sein
wirkliches Blut. Alles ist geistig und sinnbildlich zu verstehen. Und so
verstanden es auch die Apostel und alle Christen der ersten Jahrhunderte. Der Gottesdienst, dessen
Mittelpunkt die angebliche Verwandlung von Brot und Wein in die Person
Christi ist, wird von den Katholiken ‘Messe‘ genannt. Man bezeichnet sie auch
als die Erneuerung des Kreuzestodes Christi. Es gibt keine Erneuerung des
Kreuzestodes Christi - auch keine unblutige. Wie ihr euch wohl eine unblutige
Erneuerung des Kreuzestodes denkt? Nun, in Wirklichkeit denkt ihr euch
überhaupt nichts dabei, weil sich nichts Vernünftiges darunter denken läßt.
Die Messe ist entstanden durch eine Erweiterung der Gebete der
Abendmahlsfeier der ersten christlichen Zeit. Sie hat jedoch im Laufe der
Jahrhunderte alles eingebüßt, was das Abendmahl zu einem Gemeinschaftsmahl
und einem Gedächtnismahl des Herrn machte. So enthält also die
sogenannte Messe an Gutem weiter nichts als eine Reihe von Gebeten, die jeder
für sich ebenso gut in seinem Kämmerlein beten kann. Er bedarf dazu keines
Priesters. Das große Vertrauen des katholischen Volkes auf die Wirkung der
bezahlten Messen ist daher leider eine große Selbsttäuschung. Gebt dem Volke die
Abendmahlsfeier der apostolischen Zeit wieder! Denn diese Feier ist eine
heilige und segenbringende Handlung. Ihr sollt sie recht oft halten. Dafür
eignen sich besonders die Vorabende eurer hohen Feste oder die Tage der Feste
selbst. Auch an anderen Tagen, die für euch von Bedeutung sind, mögt ihr euch
zu einer solchen Feier zusammenfinden. Ihr könnt dies ohne fremde
Hilfe, in eurer eigenen Familie. Ihr braucht dazu keine sogenannten
‘Priester‘ oder sonstige Religionsdiener und keine Kirchen. Es wird sich in
jedem Kreis von Gläubigen jemand finden, der es versteht, die Abendmahlsfeier
in würdiger Weise vorzunehmen. Wegen der Wichtigkeit der
Sache möchte ich dir den Verlauf einer solchen Feier kurz schildern. Als Brot
nehmt ihr am besten ungesäuertes Brot, in eurer Sprache ‘Matzen‘ genannt. Mit
Rotwein oder auch Weißwein füllt ihr einen Glas- oder Kristallbecher. Beides
stellt ihr auf einen weißgedeckten Tisch. Das Gefäß mit Wein deckt ihr bis
zum Gebrauche zu, damit der Wein durch nichts verunreinigt wird. Ebenso kann
man das Brot mit einem reinen Tüchlein überdecken. Außerdem mögt ihr nach dem
Beispiel der ersten Christen ein einfaches Kreuz ohne Christuskörper auf den
Tisch stellen. Hinter das Kreuz sieben Kerzen, und zwar so, daß die mittlere
Kerze dicht hinter das Kreuz zu stehen kommt. Wenn ihr zur festgesetzten
Stunde versammelt seid, beginnt ihr mit einem zu dieser Feier passenden Lied.
Dann betet der, welcher die Feier leitet, ein Gebet mit seinen eigenen Worten
und liest dann den einen oder anderen Psalm, der sich für diese Stunde
eignet. Auch kann er aus mehreren Psalmen diejenigen Verse auswählen, die er
für passend findet. Darauf folgt eine entsprechende Lesung aus der Heiligen
Schrift. Sollte einer der Anwesenden befähigt sein, eine kurze Ansprache zu
halten, so wird dies von Nutzen sein. Darauf verbringen die Teilnehmer einige
Minuten in stiller Sammlung, indem sie ihre Sünden und Fehler überdenken und
in wahrer Reue Gott um Verzeihung bitten. Dann betet der Versammlungsleiter
oder alle zusammen den Psalm: ‘Aus der Tiefe rufe ich zu dir‘. Nach Beendigung dieses
Bußpsalms tritt der Leiter an den Tisch und betet mit selbstgewählten Worten,
daß Gott Brot und Wein segnen möge, damit deren Genuß allen Teilnehmern zum
Heile gereiche. Darauf bricht er jedem der Anwesenden ein Stück von der
Brotscheibe ab und reicht es dem einzelnen hin mit den Worten: ‘Nehmet hin
und esset! Das ist das Sinnbild des Leibes Christi, unseres Erlösers, der zu
unserer Rettung am Kreuze gestorben ist.‘ Das spricht er nur einmal langsam,
während er das Brot herumreicht, das die Teilnehmer in die Hand nehmen und
sofort essen. Als letzter nimmt der Austeiler selbst ein Stück und ißt es. Ebenso reicht er im
Anschluß daran den Kelch herum mit den Worten: ‘Trinket alle daraus! Das ist
das Sinnbild des Blutes unseres Herrn Jesu Christi, das einst geflossen ist
zur Vergebung unserer Sünden.‘ Zuletzt trinkt er selbst aus dem Kelche. Dann
spricht er ein Dankgebet. Ein Lied schließt die Feier. Ist ein Tieftrancemedium
anwesend, so wird der aus ihm sprechende Geist die Leitung der Feier
übernehmen und das Erforderliche veranlassen. Es ist durchaus nicht verboten,
im Anschluß an das Abendmahl eine irdische Feier mit einem Mahle zu
veranstalten und in recht froher Stimmung zusammenzubleiben. Denn ihr sollt
frohe Menschen sein und die innere Freude auch äußerlich an den Tag legen. Ihr
sollt nicht bloß die geistigen Gaben Gottes, sondern auch die irdischen mit
Dank gegen Gott in Freude und Frohsinn genießen, ohne die Grenzen des
Erlaubten dabei zu überschreiten. Die katholische Kirche hat
ein Sakrament der Buße. Nach der Lehre des Neuen Testamentes bedeutet ‘Buße‘
eine ‘Änderung der Gesinnung‘. Johannes der Täufer predigte Buße zur
Vergebung der Sünden. Und von Christus heißt es: ‘Von dieser Zeit an
begann Jesus die Heilsbotschaft mit den Worten zu verkünden: Tuet Buße, denn
das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!‘ (Matth.4,17). Die Worte ‘Tuet Buße!‘
lauten in der Bibel nach wörtlicher Übersetzung: ‘Ändert eure Gesinnung!‘
Buße ist also eine geistige Umkehr vom Bösen zum Guten und zu Gott. Wer das
Böse, das er bis dahin getan hat, nicht mehr tut, und das Gute, das er bis
dahin unterlassen, zu tun beginnt, bei dem ist eine Gesinnungsänderung
eingetreten. Er gehört zu denen, die Buße tun. Die Katholiken verbinden
mit dem Sakrament der Buße einen viel weiteren Begriff. Es genügt ihnen nicht
eine Umkehr des Menschen in Gesinnung und Tat; die katholische Kirche fordert
vielmehr als unerläßliche Bedingung für eine solche Umkehr und für eine
Versöhnung mit Gott das Bekenntnis aller einzelnen schweren Sünden vor einem
katholischen Priester. Nur dieser hat nach ihrer Lehre die Macht, an Gottes
Statt die Sünden zu vergeben. Ohne priesterliche Lossprechung gibt es für sie
keine Sündenvergebung. Dadurch bindet sie die Gläubigen fest an das
Priestertum und die kirchliche Organisation. Mit diesem geistigen Machtmittel
übt sie eine absolute Herrschaft über die Seelen aus. ‘Niemand kann Sünden
vergeben, als Gott allein.‘ Mit diesem Ausspruch hatten die Schriftgelehrten
Christus gegenüber recht. Kein Mensch und kein Priester kann eine
Lossprechung erteilen. Auch Christus konnte es nicht. Wohl kann Gott einem
Menschen als Werkzeug Gottes in einem bestimmten Fall einen Auftrag geben,
einem Sünder zu sagen, daß Gott ihm seine Sünden verziehen habe. Einen
solchen Auftrag gab Gott dem Propheten Nathan. Er sandte ihn zu David, um ihm
mitzuteilen, daß er ihm die Sünde des Ehebruches und Mordes vergeben habe. Ebenso hatte Christus in
den einzelnen Fällen, in denen er Sündern die Vergebung der Sünden mitteilte,
einen speziellen Auftrag Gottes erhalten. Er verkündete die Sündenvergebung
nicht aus sich und nach eigenem Ermessen. Er verkündete sie nur denen, die
ihm Gott durch seine Geisterboten als der Vergebung würdig bezeichnet hatte.
Das bestätigt Christus, indem er seinen Gegnern ausdrücklich sagt, der Vater
habe ihm den Auftrag dazu erteilt. Nicht einen Auftrag für alle Fälle nach
dem Belieben Christi, sondern in jedem einzelnen Fall. Der katholische Priester
behauptet nun, von seinem Bischof die Gewalt bekommen zu haben, nach eigenem
menschlichen Ermessen den Gläubigen die Lossprechung zu erteilen oder zu
versagen. Aber wie will er denn
wissen, ob Gott dem einen die Sünden vergeben hat und dem anderen nicht? Oder
seid ihr so töricht, zu glauben, Gott vergebe deswegen einem Sünder, weil ein
Priester ihm die Lossprechung erteilt, und versage einem anderen die
Verzeihung, weil ein Priester sie ihm versagt hat? Oder überbringen dem
katholischen Priester, wie beim Propheten Nathan und bei Christus,
Geisterboten den Auftrag, in dem einen Falle die Sünden zu vergeben und in
dem anderen Falle nicht? Oder hat er sonst eine überirdische Gabe, dies zu
erkennen? Kann er in den Herzen der Beichtkinder lesen, ob Gott ihnen die
Sünden vergeben hat? Die katholischen Priester
müssen gestehen, daß sie nichts dergleichen besitzen. Wie können sie denn
anderen mitteilen, daß Gott ihnen die Sünden vergebe, wenn sie nicht den
geringsten Anhaltspunkt dafür haben, ob ihre Mitteilung auf Wahrheit beruht?
Der Priester vermag weder in das Herz des Sünders zu schauen, noch den Willen
Gottes zu erkennen. Und wenn ihr sagt, die Lossprechung gelte bloß für den
Fall, daß das Beichtkind seine Sünden wahrhaft bereue und den ernstlichen
Willen habe, sich zu bessern, so besteht das Törichte der priesterlichen
Lossprechung eben darin, daß der Priester in keinem Falle weiß, ob jene
Bedingung bei dem Beichtkind erfüllt ist. Er kann also in keinem Falle sagen:
‘Ich spreche dich los von deinen Sünden.‘ Er kann höchstens sagen: ‘Gott möge
dich lossprechen von deinen Sünden!‘ Um einen solchen Wunsch dem Sünder
gegenüber auszusprechen, braucht man nicht Priester zu sein. Das kann jeder
Mensch. Es ist eben bloß ein Wunsch ohne jede Wirkung. Aber der Priester sagt
ausdrücklich: ‘Ich spreche dich los von deinen Sünden.‘ Damit spricht er ein
richterliches Urteil aus, von dem er in keinem Falle weiß, ob es vor Gott
Rechtskraft besitzt oder nicht. Was würdet ihr von einem irdischen Richter
sagen, der Urteile ohne jede Rechtskraft verkünden würde? Nicht wahr, das
wäre eine lächerliche Komödie. Dasselbe ist die katholische Sündenvergebung
durch einen Priester, wie dir dein gesunder Menschenverstand sagen muß. Die Wahrheit ist die: Wer
seine Sünden aufrichtig bereut und sich zu Gott wendet, dem vergibt Gott,
einerlei ob ein Priester ihm vergeben hat oder nicht. Und wer nicht bereut,
dem wird von Gott keine Vergebung zuteil, wenn ihm die Priester auch noch so
oft die Lossprechung erteilen. Eure Lehre der Sündenvergebung durch Priester
ist daher eine der großen menschlichen Irrungen, die sich im Laufe der Zeit
in das Christentum eingeschlichen haben. Zum Beweis dafür, daß die
katholischen Priester die Gewalt haben, die Lossprechung von Sünden zu
erteilen, beruft sich die katholische Kirche auf eine gefälschte Bibelstelle.
Auf diese Fälschung habe ich dich bereits in meinem ersten Zusammentreffen
mit dir hingewiesen. Es ist die Stelle: ‘Wenn ihr anderen die Sünden
vergebet, so werden sie ihnen vergeben. Wenn ihr sie behaltet so werden sie
ihnen behalten‘ (Joh.20,23). Du weißt bereits, daß im
griechischen Text ein einziges Wörtchen in dieser Stelle ausgelassen und
dadurch der ganze Sinn entstellt ist. Anstatt des Wortes ‘ihnen‘ stand im
Urtext ‘euch selbst‘. Die Stelle heißt also richtig: ‘Wenn ihr anderen die
Sünden vergebet, so werden sie euch selbst vergeben. Wenn ihr sie behaltet
(oder nicht vergebt), dann werden sie euch selbst behalten (oder nicht
vergeben). In diesen Worten verkündet
Christus dieselbe Lehre, die in der Bitte des Vaterunsers enthalten ist: ‘Vergib
uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern‘ (Matth.6,9)
und die er im direkten Anschluß an das Vaterunser in den Worten ausgesprochen
hat: ‘Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euer
himmlischer Vater auch euch vergeben; wenn ihr aber den Menschen nicht
vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater eure Verfehlungen auch nicht
vergeben‘ (Matth.6,14). Weil eine Gewalt der Sündenvergebung, wie sie die
katholische Kirche für sich in Anspruch nimmt nicht besteht und nicht
bestehen kann, ist sie auch niemals in den ersten christlichen Zeiten gelehrt
oder ausgeübt worden. Deshalb wurde früher von
den Christen auch nie ein Sündenbekenntnis vor einem Priester verlangt. Die
Menschen des ersten Christentums wurden aufgefordert, entsprechend der Lehre
Christi, einander die Sünden zu bekennen; nämlich die Sünden, die sie
gegeneinander begangen hatten. Sie sollten das Unrecht, das sie ihren
Mitmenschen zugefügt hatten, diesen eingestehen und dadurch die Versöhnung
herbeiführen. Dies ist ja auch der
einzige und schnellste Weg der Aussöhnung. Wenn dich jemand beleidigt hat und
er kommt zu dir und gesteht sein Unrecht ein, dann reichst du ihm gern die
Hand zur Versöhnung. Dazu fordert ja auch Christus mit den Worten auf: ‘Wenn
du deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, daß dein Bruder
etwas wider dich habe, so laß deine Gabe dort vor dem Altare und geh zunächst
hin und versöhne dich mit deinem Bruder. Alsdann komm wieder und opfere deine
Gabe‘ (Matth.5,23-24). Wäre zur Sündenvergebung
das Bekenntnis vor einem Priester und dessen Lossprechung erforderlich, dann
würden Christus und die Apostel es nicht unterlassen haben, immer wieder
darauf hinzuweisen. Denn es wäre das Wichtigste der ganzen christlichen Lehre
gewesen, weil ja ohne Sündenvergebung niemand in das Reich Gottes eingehen
kann. Aber weder Christus noch
die Apostel kennen die Beichte vor einem Priester oder deren Lossprechung.
Beichte und priesterliche Lossprechung sind Menschensatzungen, die dem
Gläubigen den Weg zu Gott nicht erleichtern, sondern bedeutend erschweren,
indem sie ihn in falsche Sicherheit wiegen. Er beichtet und empfängt die
Lossprechung des Priesters und meint nun, damit sei zwischen ihm und Gott
wieder alles in Ordnung. Damit wird er das Opfer
einer großen Täuschung. Jeder Irrtum in den Heilswahrheiten ist mit einem
Irrweg zu vergleichen, der den Wanderer dem Ziel nicht näher bringt, sondern
vom Ziele immer weiter entfernt. In deiner bisherigen
Religion spielen auch die sogenannten äußeren ‘Bußübungen‘ keine geringe
Rolle. Sie schreibt Enthaltung von gewissen Speisen an bestimmten Tagen vor,
ordnet Fasttage an, hält körperliche Kasteiungen für einen höheren Grad der
Vollkommenheit, empfiehlt Wallfahrten und fordert von ihren Priestern und
Ordensleuten als eine höhere Stufe der Vollkommenheit das ehelose Leben. Alle diese Dinge haben mit
dem rechten Bußbegriff und einer inneren Vollkommenheit nichts zu tun. Christus hat nie freiwillig
gefastet oder sich kasteit. Als er in der Wüste fastete, war es ein Zwang,
dem er sich nicht entziehen konnte. Denn in der Wüste gab es nichts Eßbares.
Darum werdet ihr in der Lehre oder in den Briefen der Apostel kein Wort
finden, durch das die Menschen zur Enthaltung von Speisen oder zu leiblichen
Kasteiungen aufgefordert werden. Im Gegenteil, derartige Dinge werden als
wertlos bezeichnet. So sagt Paulus den Korinthern: ‘Der Genuß oder
Nichtgenuß von Speise wird für unsere Stellung zu Gott nicht maßgebend
sein‘(l.Kor.8,8). Und an die Kolosser
schreibt er: ‘Wenn ihr mit Christus den Geistermächten der Welt abgestorben
seid, warum laßt ihr euch, als ob ihr noch mit der Welt lebtet, Satzungen
aufbürden, wie: Fasse dies nicht an, iß jenes nicht, rühre dies nicht an.
Alles derartige ist doch dazu da, daß es durch den Verbrauch der Vernichtung
anheimfalle. Solche Satzungen sind Menschengebote und Menschenlehren, die
zwar im Ruf besonderer Weisheit infolge einer selbstgemachten Frömmigkeit und
äußerlicher Demut und Kasteiung des Leibes stehen, aber ohne wirklichen Wert
sind und nur zur vollen Befriedigung des Fleisches dienen‘ (Kol.2,20-23). Alle den Menschen
auferlegte äußeren Satzungen in den christlichen Religionen stammen nicht von
Christus, sondern, wie Paulus an Timotheus schreibt, ‘von denen, die vom
wahren Glauben abgefallen sind, indem sie sich irreführenden Geistern und
Lehren zuwenden, die von Dämonen stammen, verführt durch das heuchlerische
Gebaren von Lügenlehrern, die ein Brandmal der Schuld im eigenen Gewissen
tragen. Es sind die Leute, die das Heiraten verbieten und Enthaltsamkeit von
Speisen verlangen, die doch dazu geschaffen sind, daß die Gläubigen und alle,
welche die Wahrheit voll erkannt haben, sie mit Danksagung genießen. Denn
alles von Gott Geschaffene ist gut, und nichts ist verwerflich, was man mit
Danksagung hinnimmt; es wird ja durch Gottes Wort und durch Gebet geheiligt‘
(1.Tim.4,1-5). Die katholische Kirche
gehört auch zu denen, die so großen Wert auf die Enthaltsamkeit von Speisen
an gewissen Tagen legt. Sie ordnet eine einmalige Sättigung durch ihre
Fastengebote an. Ihren Priestern und Ordensleuten verbietet sie das Heiraten
und erklärt den Ordensstand als den vollkommensten Stand. Auch sie hat sich
Lehren zugewandt, die von den Dämonen stammen. Das alles sind
Menschensatzungen, die nach den Worten des Apostels zwar im Ruf besonderer
Weisheit infolge einer selbstgewählten Frömmigkeit und äußerlicher Demut und
Kasteiung des Leibes stehen, aber ohne wirklichen Wert sind. Sie haben keinen
Wert für das Seelenheil der Menschen, und darum hat keine Kirche das Recht,
solche Satzungen ihren Gläubigen aufzuzwingen und deren Übertretung als
‘schwere Sünden‘ zu brandmarken. Zwar sagt deine Kirche
bezüglich ihres Gebotes der Ehelosigkeit der Priester und Ordensleute, daß
sie niemand dazu zwinge. Denn sie nötige keinen, Priester zu werden oder in
den Ordensstand einzutreten. Gewiß, sie zwingt keinen
dazu, Priester, Mönch oder Nonne zu werden. Aber wenn einer es als seinen
Beruf erkannt zu haben glaubt, als Priester Verkünder der Heilswahrheiten zu
werden, so zwingt sie ihn zur Ehelosigkeit und stellt ihn vor die Wahl,
entweder dem erkannten Beruf zu entsagen oder die nicht von Gott gewollte,
sondern durch Kirchensatzung geforderte Ehelosigkeit zu wählen. Er steht also
unter dem größten geistigen Zwang, den man auf einen Menschen ausüben kann. Und wenn die Kirche auch
niemand äußerlich zwingt, in einem religiösen Orden einzutreten und
infolgedessen ehelos zu leben, so übt sie doch den größten seelischen Druck
dadurch aus, daß sie das Ordensleben als das Ideal der Vollkommenheit
hinstellt. Gerade die besten Menschen betrachten es als ihre Pflicht, das
Ideal der Vollkommenheit zu erreichen. Da ihnen dies jedoch fälschlich als
eheloses Ordensleben hingestellt wird, so fühlen sie sich in ihrem Streben
nach Vollkommenheit dem unabwendbaren Zwang unterworfen, ehelos zu bleiben. Man sage nicht, Gott gebe
demjenigen die Kraft zur unverletzten Ehelosigkeit, der den Beruf zum
Priester- oder Ordensstand in sich fühle. Das ist eine große Selbsttäuschung.
Gott gibt bloß die Kraft zur Erfüllung dessen, was der Wille Gottes ist, aber
nicht zu dem, was Menschen in selbstgewählter äußerer sogenannter Frömmigkeit
sich oder anderen gegen Gottes Willen auferlegen. Das Gute und Vollkommene
ist stets nur das, was dem Willen Gottes entspricht und vom Menschen in jedem
Augenblick frei gewollt ist. Nie jedoch ist etwas gut
oder vollkommen, was unter irgendeinem äußeren Zwang geschieht oder was
vielleicht beim ersten Schritt frei gewollt, nachher aber als äußerer Zwang
bis zum Lebensende weitergetragen werden muß. Nicht einmal Gott übt auf
irgend einen Menschen einen Zwang aus, seinen Willen zu erfüllen. Und da
sollte eine Kirche im Namen Gottes einem Menschen die Freiheit der
Selbstbestimmung rauben dürfen, die Gott selbst nie antastet? Das Böse herrscht stets
durch Zwang und Knechtung, das Gute durch Freiheit. Nur das Böse hat die
Knechtschaft in die Religion hineingetragen. Die Sucht, über andere
schrankenlos gebieten zu können, hat die Unterdrückung der persönlichen
Freiheit unter dem Deckmantel höherer Vollkommenheit in die katholische
Kirche eingeführt. Das ehelose Priestertum sowie das Ordensleben mit den
Gelübden der Armut, der Keuschheit als Ehelosigkeit und des vollkommenen
Gehorsams gegen die geistlichen Oberen sind die stärksten äußeren Machtmittel
der katholischen Religion zur Festigung der kirchlichen Organisation. Weder Christus noch die
Apostel wissen etwas von einem Priestertum, wie es die katholische Kirche
hat; sie kennen keine geistlichen Orden. Sie haben nichts dergleichen gelehrt
oder eingesetzt. Sie kennen kein Gelübde der Armut und der Keuschheit als
Ehelosigkeit oder gar des vollkommenen Gehorsams unter einem geistlichen
Oberen als Vollkommenheitsideale. Sie kennen keine
freiwillige Armut im Sinne der katholischen Kirche. Sie gründeten keine
Ordensgemeinschaften und lehrten auch nicht, solche zu gründen, damit
Menschen bei ihnen eintreten und ihr Vermögen ihnen zur Verfügung stellen
sollten. Sind denn die Ordensleute
wirklich arm? Sind sie nicht vielmehr für ihr ganzes Leben jeder Nahrungssorge
enthoben? Ist nicht täglich der Tisch für sie gedeckt? Und das nennt ihr
Armut? Wenn alle Menschen so viel hätten, dann gäbe es keine Armen mehr. Und
wenn eine solche Armut zum Ideal der Vollkommenheit gehört, weshalb sind denn
so viele Klöster so reich an irdischen Gütern? Wenn die Armut das Ideal des
einzelnen sein soll, dann muß sie auch das Ideal der Gemeinschaft sein. Und
warum übt denn euer Priestertum, das die freiwillige Armut als einen der
höchsten Grade der Vollkommenheit predigt, nicht selbst diese Armut? Ein
Prediger des Ideals muß doch wohl dieses Ideal zuerst an sich selbst
verwirklichen. Oder ist vielleicht euer Priestertum arm? Ist der Papst arm?
Sind die Bischöfe arm? Sind die Priester arm? Wenn es allen Menschen irdisch
so gut ginge wie diesen Predigern des Armutsideals, dann gäbe es nirgend mehr
Armut. Ihr beruft euch auf die
Worte Christi an den reichen Jüngling, um zu beweisen, daß freiwillige Armut
zur Vollkommenheit gehöre. Doch ihr gebt diesen Worten eine ganz unrichtige
Deutung. Wenn Christus zu dem Jüngling sagt: ‘Willst du vollkommen sein, so
gehe hin und verkaufe alles, was du hast und gib das Geld den Armen; so wirst
du einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!‘, so galt
diese Mahnung bloß diesem Jüngling. Denn er hatte sein Herz an Geld und Gut
gehängt. Das wurde ihm zum Fallstrick und verhinderte seinen Eintritt in das
Reich Gottes. Als der Jüngling wegen dieser Mahnung Christus den Rücken
wandte, sagte der Meister zu seinen Jüngern: ‘Kinder, wie schwer ist es doch
für Menschen, die sich auf Geld und Gut verlassen, in das Reich Gottes
einzugehen.‘ Nicht jeder, der viele
irdische Güter besitzt, ist im Sinne Christi reich, sondern nur der, welcher
sein Herz an den Mammon hängt und ihn zu seinem Gott macht. Abraham, Isaak,
Jakob, Hiob, David waren sehr reich an materiellen Dingen. Und doch gehören
sie nicht zu den Reichen, die Christus meint, ihr Reichtum war ihnen kein
Hindernis auf dem Wege zu Gott. Ihnen würde Christus nie gesagt haben, daß
sie alles verkaufen sollten, um vollkommen zu werden. Anders war es bei dem
reichen Jüngling. Ihn hielt seine Anhänglichkeit an sein Besitztum ab, dem
Rufe Gottes zu folgen. Lieber verzichtete er auf das Reich Gottes, als auf
sein Vermögen. Bei allen Menschen finden
sich Hindernisse, wenn es sich darum handelt, Gott näher zu kommen. Sie sind
so verschieden, wie die Menschen selbst. Ein jeder hat das Hindernis zu
beseitigen, das ihm im Wege steht. Das ist auch der Sinn der Worte Christi:
‘Wenn dein Auge dich ärgert, so reiß es aus und wirf es von dir.‘ Wenn irgend
etwas in deinem Leben dir hinderlich ist, den Willen Gottes zu erfüllen, und
wäre es dir so lieb, wie dein Auge, so trenne dich davon. Bei dem reichen
Jüngling war sein Reichtum das Hindernis. Darum mußte er sich davon trennen,
indem er alles verkaufte und den Erlös den Armen gab. Ist jedoch der Reichtum
für jemand kein Hindernis in seinem Aufstieg zu Gott, so hat er auch keine
Veranlassung, auf Hab und Gut zu verzichten. Und wenn alle ihr Besitztum
verkaufen müßten, um vollkommen zu sein, dann dürfte niemand Güter erwerben.
Denn wenn das Behalten von Geld und Gut bei jedem gegen die Vollkommenheit
wäre, dann würde auch der Erwerb irdischen Vermögens gegen die Vollkommenheit
verstoßen. Dann dürften erst recht nicht die Kirchen und Klöster Güter
erwerben und besitzen. Auch Christus war vor
seinem öffentlichen Auftreten nicht arm. Er besaß mehrere Häuser, die er sich
durch fleißige Arbeit erworben hatte. Er verkaufte sie vor Beginn seiner
Lehrtätigkeit und gab den Erlös denjenigen seiner Freunde, bei denen er
während seines öffentlichen Wirkens Wohnung nahm. Wenn er infolgedessen
während seiner Lehrtätigkeit auch keinerlei Eigentum mehr besaß, so brauchte
er doch bei niemand zu betteln. (Wirklich wahr?) Ehelosigkeit ist nicht von Gott
gewünscht Auch die vollkommene
Keuschheit in der Form der Ehelosigkeit gilt deiner bisherigen Kirche als
ideal der Vollkommenheit. Die vollkommene Keuschheit soll und kann jeder
üben. Aber sie hat mit Ehelosigkeit nichts zu tun. Denn die Ehe ist nichts
Unkeusches. Verheiratete können sehr keusch und Unverheiratete sehr unkeusch
sein, auch wenn sie Priester oder Ordensleute sind. Die wahre Keuschheit
besteht lediglich in dem rechten Maßhalten in den Dingen, die mit dem
Naturgesetz des Geschlechtslebens zusammenhängen. Wie Mäßigkeit im Essen und
Trinken nicht darin beruht, daß man Hunger und Durst gewaltsam unterdrückt,
sondern darin, daß man bei Aufnahme von Speise und Trank die Grenzen des
Erlaubten nicht überschreitet, so ist es auch beim Geschlechtsleben. Der
Geschlechtstrieb ist als Naturgesetz vom Schöpfer in alles Geschaffene
hineingelegt. Und was Gott geschaffen hat, ist gut und soll von Menschen
nicht gewaltsam unterdrückt, sondern in den von Gott bestimmten Grenzen
gebraucht werden. Das Gesetz der
Fortpflanzung gilt für jeden Menschen. Die Familiengründung ist ein Auftrag
Gottes, dem sich niemand ungestraft entziehen darf. Denn die irdische Zeugung
ist der Weg, auf dem die von Gott abgewichenen Geister in den einzelnen
Naturstufen höher steigen sollen, um zur Vollendung zu gelangen. Es ist eine
Fügung der Weisheit Gottes, daß diejenigen der gefallenen Geister, die sich
bis zu einer bestimmten irdischen Stufe emporgearbeitet haben, auf dem Weg
der Fortpflanzung ihren Geschwistern aus den tieferen Naturstufen zu höheren
hinauf helfen. Wenn irdische Geschwister
zusammen in eine Grube stürzen, so reicht derjenige von ihnen, der zuerst in
der Höhe ist, dem anderen die Hand, damit auch sie aus der Grube befreit
werden. Das ist Geschwisterpflicht. Von diesem Gesichtspunkt
der Weisheit und des Erbarmens Gottes sollt ihr das Gesetz des
Geschlechtslebens betrachten. Gott hat den Geschlechtstrieb deshalb so stark
gestaltet, weil die Fortpflanzung ein Teil des Erlösungsplanes Gottes ist und
die Geschöpfe sich der Pflicht, an der Ausführung dieses Planes mitzuwirken,
nicht so leicht sollten entziehen können. Es ist daher klar, daß es sich
hierbei um eine Pflicht handelt, von deren Erfüllung nur die
schwerwiegendsten Gründe den Menschen befreien können. Darum ist das Gelübde
der Ehelosigkeit ein schwerer Verstoß gegen den Willen Gottes. Weder die
katholischen Priester noch die Ordensleute haben vor Gott einen hinreichenden
Grund, ehelos zu bleiben. Ich weiß, daß man zur
Rechtfertigung der Ehelosigkeit das siebente Kapitel des ersten
Korintherbriefes anführt. Paulus gibt darin verschiedene Gründe an, weshalb
es besser sei, ehelos zu bleiben. Er erteilt den Rat, daß nur derjenige
heiraten solle, dem die Ehelosigkeit zur Gefahr werde. Diese Ansicht des Apostels
war falsch. Er hatte auch keinerlei Auftrag Christi, eine solche Lehre zu
verkünden. Dessen war sich Paulus auch vollkommen bewußt. Es wird dir nämlich
beim Lesen des siebenten Kapitels des ersten Korintherbriefes etwas
auffallen, was du sonst nie in den Briefen dieses Apostels findest: Nämlich
die immer wiederkehrende Betonung, daß es bloß die eigene Meinung sei, die er
den Korinthern inbetreff der Ehelosigkeit mitteilte, und daß er nicht im
Auftrag Christi rede. Daher das stets wiederkehrende: ‘Sage ich.‘ - ‘Den
unverheirateten Männern und besonders den Witwen sage ich.‘ - ‘Den
Verheirateten gebiete nicht ich, sondern der Herr.‘ - ‘Den übrigen aber sage
ich, nicht der Herr.‘ - ‘inbetreff der unverheirateten Mädchen habe ich kein
ausdrückliches Gebot des Herrn, sondern spreche nur meine Meinung aus.‘ - Und
zum Schluß des Kapitels betont er nochmals: ‘Das ist meine Ansicht!‘ Seine Ansicht war falsch,
wenn er auch hinzufügte, er glaube doch auch, einen Geist Gottes zu besitzen. Paulus selbst war ehelos.
Seine Ehelosigkeit fand nach seiner Ansicht ihren hinreichenden Grund darin,
daß er bei seiner über weite Gebiete sich erstreckenden Lehrtätigkeit viel
und lange auf Reisen sein mußte. Hätte er Familie gehabt, so wären ihm solche
Reisen unmöglich gemacht worden. Er hätte Frau und Kinder nicht mitnehmen,
aber auch nicht Monate und Jahre lang allein lassen können. Seine eigene
Ehelosigkeit machte ihn in diesem Punkte einseitig und zum Fanatiker. Wo
Menschen sind, findet ihr auch immer menschliche Fehler. Auch bei den
Aposteln müßt ihr diese in Kauf nehmen. Über seine falsche Ansicht
inbetreff der Ehelosigkeit wurde Paulus nachher von Christus belehrt. Er
mußte sie in einem an alle Gemeinden gerichteten Brief richtigstellen. Von
diesem Brief, in dem auch eine Reihe anderer Stellen seiner früheren
Schreiben, die zu Mißverständnissen Anlaß gegeben hatten, aufgeklärt wurde,
habe ich dir bereits am ersten Abend Mitteilung gemacht. Ich sagte dir, daß
dieser Brief später vernichtet wurde, weil die darin enthaltenen Klarstellungen
und Berichtigungen der späteren Kirche und ihrer Lehre nicht paßten. Wie sehr Paulus infolge der
Belehrung und Zurechtweisung seines Meisters seine Meinung über die
Ehelosigkeit änderte, könnt ihr aus seinen Schreiben an Timotheus und Titus
ersehen. Er, der an die Korinther geschrieben hatte, daß er wünsche, sie
wären alle ehelos wie er selbst, duldet nicht daß ein Eheloser oder eine
Ehelose irgendeine Stellung in der Gemeinde bekleidete. Nach seinem Brief an
die Korinther hätte man doch erwarten müssen, daß er im Gemeindedienst gerade
die Ehelosen bevorzugen würde. Aber nein, alle mußten verheiratet sein. ‘So
muß denn der Bischof eines Weibes Mann sein ... einer, der seinem Hause gut
vorsteht, indem er seine Kinder im Gehorsam hält mit aller Würde; denn wenn
einer seinem eigenen Hause nicht vorzustehen weiß, wie sollte er für die
Gemeinde Gottes sorgen können.‘ - ‘Ebenso müssen auch die Gehilfen ein jeder
eines Weibes Mann sein und die Leitung ihrer Kinder und ihres eigenen Hauses
gut versehen‘ (1.Tim.3,2-12). - Auch an Titus richtete er dieselbe
Mahnung, daß er keinen Unverheirateten als Ältesten in einer Gemeinde
anstellen solle, sondern nur solche, die eines Weibes Mann seien und gläubige
Kinder hätten (Tit. 1, 5 Während er in seinem Brief
an die Korinther den Witwen gesagt hatte, er wünsche, daß sie ehelos blieben,
schreibt er an Timotheus: ‘Es ist mein Wille, daß jüngere Witwen wieder
heiraten, Mütter werden und ihrem Haushalt vorstehen‘ (1.Tim.5,14). Wenn Paulus das ‘eines
Weibes Mann‘ so scharf betont, so heißt das nicht, daß der Mann nicht zum
zweiten Male verheiratet sein dürfe. Denn wenn er den Witwen eine zweite
Heirat anrät, wie er es in seinem Schreiben an Timotheus tut, so steht
sicherlich dem Witwer dasselbe Recht zu. Jener Ausdruck ‘eines Weibes Mann‘
hat folgenden Grund: Manche von den heidnischen Männern, die zum Christentum
übertraten, hatten vorher neben der eigenen Frau auch noch Nebenfrauen. Und
das war öffentlich bekannt. Wegen der Unzuträglichkeiten, die daraus
entstehen konnten, duldete Paulus nicht, daß solche Männer im Gemeindedienst
verwendet wurden. Er wollte dafür nur verheiratete Männer haben, die sich bei
Christen und Nichtchristen eines guten Rufes erfreuten. Das schreibt er ja
auch ausdrücklich an Timotheus: ‘Er muß sich auch bei den Nichtchristen
eines guten Rufes erfreuen, damit er nicht in übles Gerede komme und der
Schlinge des Verleumden verfalle‘ (1.Tim.3,7). Ein Jahrtausend hindurch
war die Ehe, die Paulus den Ältesten, Bischöfen und Mitarbeitern seiner Zeit
zur Pflicht machte, auch den katholischen Priestern gestattet. Es war nicht
ein höherer Gesichtspunkt der Religion, der das Papsttum veranlaßte, den
Geistlichen die Ehelosigkeit aufzuzwingen. Ein solcher war überhaupt nicht
denkbar, sonst würde er schon in der ersten christlichen Kirche zur
Vorschrift der Ehelosigkeit geführt haben. Ausschlaggebend dafür war später
nur ein rein weltlicher Gesichtspunkt, nämlich die Verstärkung der Macht des
Papsttums. Denn ein von allen Familienbeziehungen losgelöster Geistlicher ist
ein viel willfährigeres Werkzeug der kirchlichen Organisation, als ein
Priester, der an Frau und Kindern eine seelische und auch materielle
Unterstützung hat. Dazu bestand die Wahrscheinlichkeit, daß der ehelose
Priester sein Vermögen der Kirche vermachte. Die Gefahren der Ehelosigkeit,
die einen Apostel Paulus veranlaßten, ehelose Mitarbeiter im Dienste der
Religion abzulehnen, sind zu allen Zeiten dieselben. Sie waren damals nicht
größer als heute. Der Vorwand größerer Sittenreinheit und Hingabe an die
Sache Gottes bei einem ehelosen Priestertum ist eben bloß ein Vorwand, der
sich seither als trügerisch erwiesen hat. Was von dem Gelübde der
vollständigen Armut und der steten Keuschheit als Ehelosigkeit gilt, das gilt
in gleichem Maße von dem Gelübde des vollkommenen Gehorsams gegen menschliche
Obere. Auch dies ist gegen Gottes Willen und bloß eine Erfindung menschlicher
Herrschsucht. Gott hat jedem Geist bei
der Schöpfung als höchste Gabe die Willensfreiheit geschenkt. Diese Freiheit
der persönlichen Entscheidung bei allem, was er tut oder unterläßt,
beschränkt Gott bei niemand. Es ist auch nicht sein Wille, daß sie von
menschlicher Seite beschränkt wird. Denn jeder Mensch ist für das, was er
tut, in jedem Augenblick seines Lebens persönlich verantwortlich. Die Verantwortung kann ihm
niemand abnehmen. Er kann sich Gott gegenüber niemals darauf berufen, daß er
seinen Willen und die persönliche Entscheidung einem anderen Willen
untergeordnet habe. Sobald daher ein Mensch zur Reife der Vernunft gelangt
ist, darf er niemals seinen Willen in blindem Gehorsam dem Willen eines
anderen Menschen unterstellen, weder einer weltlichen noch einer geistlichen
Obrigkeit. Blinden Gehorsam soll man bloß Gott gegenüber leisten. Wenn es in
der Bibel heißt: ‘Gehorsam ist besser als Opfer‘, so beziehen sich diese
Worte nur auf den Gehorsam gegen Gott, aber niemals auf den Gehorsam gegen
Menschen. Zwar berufen sich die
menschlichen Oberen, besonders die geistlichen, so gerne auf dieses
Bibelwort, um blinden Gehorsam von ihren Untergebenen zu erlangen. Auch hat
man die falsche Lehre aufgestellt, daß ein blinder Gehorsam gegenüber einem
geistlichen Oberen den Gehorchenden von jeder persönlichen Verantwortung in
den Dingen befreie, die er im Gehorsam vollführe. Nur eine Sünde dürfe er
nicht im Gehorsam begehen. Das ist ein großer Irrtum.
Denn der Mensch ist nicht bloß für das Böse, das er tut, persönlich
verantwortlich, sondern ebensosehr für das, was er an Gutem unterläßt. Ja,
die Unterlassung des Guten kann oft eine viel größere Sünde sein, als das
Begehen einer sündhaften Tat. Wenn ein geistlicher Oberer
einem Untergebenen befiehlt, einen Diebstahl zu begehen, so darf nach eurer
Lehre der Untergebene nicht gehorchen. Verbietet er ihm jedoch z.B. einem Mitmenschen,
dem der Untergebene Hilfe bringen könnte, zu helfen, so müßte der Untergebene
die Hilfe unterlassen. Und doch wäre diese Unterlassung in den Augen Gottes
vielleicht eine viel größere Sünde, als der Diebstahl. Der Untergebene könnte
sich im letzteren Falle Gott gegenüber nicht darauf berufen, daß er wegen der
Gehorsamspflicht gegen seinen Oberen das Gute nicht hätte tun können, zu dem
ihn das eigene Gewissen drängte. Er muß vielmehr unter allen Umständen seinem
Gewissen Folge leisten. Das Gewissen eines anderen kann nie das eigene
Gewissen ersetzen. Jedem Menschen gibt Gott
seine besondere Aufgabe. Diese muß er erfüllen und darf sich nicht durch
menschliche Befehle und Satzungen daran hindern lassen. Daraus folgt, daß
niemand seinen Willen dem Willen eines anderen durch ein Gelübde des
Gehorsams unterstellen darf. Das Gelübde des Gehorsams, das eure Priester und
Ordensleute ablegen, ist daher wider Gottes Willen. Auch den weltlichen
Machthabern gegenüber kommt bloß ein Gehorsam in Frage, der sich auf
diejenigen weltlichen Gesetze erstreckt, die mit dem Gesetze Gottes nicht in
Widerspruch stehen. Ihr beruft euch auf die Worte des Apostels Paulus am
Anfang des 13. Kapitels des Römerbriefes, um die Pflicht des Gehorsams gegen
menschliche Obrigkeiten zu begründen. Ihr habt aber den Sinn dieser Worte gar
nicht verstanden und sie vollständig falsch in eure Sprache übersetzt. Denn
Paulus spricht darin überhaupt nicht von menschlichen Mächten, sondern von
den geistigen, die Gott einem jeden zuteilt. Jedem Menschen sind Geister
Gottes zu seiner Leitung und Führung beigegeben, dem einen in größerer, dem
anderen in geringerer Anzahl. Das hängt von der Größe der Aufgabe ab, die ein
Mensch nach dem Willen Gottes zu erfüllen hat. Diese Geister Gottes haben
nicht bloß den Auftrag, euch zu beschützen, innerlich zu ermahnen, zu warnen,
zu belehren, zum Guten anzuspornen. Sie haben auch das Recht, euch zu
bestrafen. Sie führen das Strafschwert Gottes. Denn die Strafen, die Gott
verhängt*, vollzieht er durch seine Geister. Das ist dir ja aus vielen
Stellen der Bibel bekannt. (* der liebende Gott ??) Nun möchte ich dir die
Worte des Apostels Paulus in der richtigen Übersetzung mitteilen: ‘Jede Seele
sei den Geistermächten untertan, unter deren Leitung sie steht. Denn es gibt
keine gottgewollten Geistermächte außer denen, die von Gott dafür bestimmt
sind. Wer sich also dieser Geistermacht widersetzt, stellt sich dem Willen
Gottes entgegen. Und die sich widersetzen, ziehen sich dadurch ein
Strafurteil zu. Denn diese Mächte sind nicht Gegenstand der Furcht für die,
die das Gute tun, sondern bloß für die, welche das Böse vollführen. Willst du
also eine solche Macht nicht zu fürchten(?) brauchen, so tue das Gute; dann
wirst du von ihr Lob empfangen. Denn sie ist dir als eine Dienerin Gottes für
das Gute zugeteilt. Wenn du aber das Böse tust, dann hast du Grund zur
Furcht. Sie trägt das Strafschwert nicht umsonst. Denn sie ist auch eine
Dienerin Gottes, die dem göttlichen Zorn zu Recht verschafft bei dem, der das
Böse tut. Darum muß man ihr Gehorsam leisten, nicht bloß aus Furcht vor dem
göttlichen Zorn, sondern der Stimme des Gewissens folgend. Darum bringt auch
die euch auferlegten geistigen Opfer! Denn jene Mächte sind Beauftragte
Gottes, die zu diesem Zwecke beständig bei euch ausharren. Tuet allen
gegenüber eure Schuldigkeit! Fordert der eine Opfer von euch, so bringet sie;
fordert er die Ausführung eines Werkes, so führt es aus; flößt er euch Furcht
vor etwas ein, so fürchtet euch davor; zeigt er euch etwas als wertvoll, so haltet
es dafür! Bleibt keinem gegenüber in irgendeinem Punkte im Rückstande. Ihr
tut in allem eure Schuldigkeit, wenn ihr einander liebt. Denn wer den anderen
liebt, hat das ganze Gesetz erfüllt. Wie konntet ihr nun diese
Worte auf die weltlichen Herrscher beziehen? Glaubt ihr denn im Ernst, daß
jede menschliche Obrigkeit von Gott eingesetzt wird? Waren etwa die zahllosen
Könige und Fürsten, die bis jetzt lebten und in so vielen Fällen Werkzeuge
des Bösen waren, von ‘Gottes Gnaden‘ oder nicht vielmehr von ‘Teufels
Gnaden‘? Konnte man auf die, welche die größten Grausamkeiten,
Ungerechtigkeiten und Unterdrückungen gegen das arme Volk begingen, die Worte
aus der oben angeführten Stelle anwenden: ‘Sie sind Gottes Diener zu eurem
Besten‘? Ihr Menschen verschafft den weltlichen und geistlichen Machthabern
ihre Stellung aufgrund von Menschensatzungen - nicht Gott. Ein Geist Gottes
ist weder bei euren Fürstenkrönungen, noch bei den Papst- und Bischofswahlen
tätig. Wenn ihr in eurer
Übersetzung des vorliegenden Textes von ‘Steuern und Abgaben‘ sprecht und
darum meint, es handle sich um irdische Herrscher, denen ihr diese entrichten
sollt, so vergeßt ihr, daß es auch geistige Abgaben gibt, die ihr Gott
schuldet. Es sind dies die Früchte des Geistes. So wie die jährlichen Abgaben
eines Baumes in seinen Früchten besteht, so sollt auch ihr als Abgaben für
Gott die Früchte bringen, welche die euch beigegebenen Geister Gottes in
unablässiger Tätigkeit in euch zur Reife bringen wollen. Wie du siehst, sind die
Vollkommenheitsideale der katholischen Kirche - freiwillige Armut in
Ordensgemeinschaften, Keuschheit als Ehelosigkeit und blinder Gehorsam gegen
geistliche Obere - in Wirklichkeit große Irrtümer, von denen das erste
Christentum nichts wußte. Im Zusammenhang mit der
Lehre deiner bisherigen Kirche über Buße und Sündenvergebung muß ich noch
eine sehr sonderbare Lehre dieser Kirche erwähnen. Es ist die Lehre vom
Ablaß. Sie ist ein Anhängsel der Lehre von der Sündenvergebung. Denn wenn
eine Kirche Sünden vergeben kann, warum sollte sie nicht auch Sündenstrafen
erlassen können. Sie beansprucht damit also ein Begnadigungsrecht. Aber wie
nur Gott Sünden vergeben kann, so kann auch nur Gott begnadigen. Besonders
merkwürdig ist die Erklärung, welche die katholische Kirche für ihr Begnadigungsrecht
gibt. Sie spricht von einem ‘Kirchenschatz‘, der von den überschießenden
Verdiensten Christi und der Heiligen angefüllt sein soll. Und von diesen
Verdiensten nimmt sie nun in der Form des Ablasses einen Teil zum Ausgleich
der fehlenden Verdienste reuiger Sünder, so daß deren Sündenstrafen entweder
ganz oder teilweise erlassen werden. Ein gänzlicher Erlaß geschieht nach
ihrer Lehre durch einen vollkommenen Ablaß und ein teilweiser durch einen
unvollkommenen. Diese Lehre vom Ablaß ist
aus verschiedenen Gründen widersinnig. Zunächst kann kein Geschöpf Gottes
mehr leisten, als es Gott schuldig ist, weder ein Geist, noch ein Mensch. Vor
Gott, von dem es heißt, daß nicht einmal der Himmel rein ist in seinen Augen,
ist auch der vollkommenste Geist nur ein Knecht, der bloß seine Schuldigkeit
tut, auch wenn er das Höchste leistet, was in seiner Macht steht.
Überschüssige Verdienste gibt es bei ihm nicht. Auch Christus hatte bei
dem, was er vollbrachte, nicht mehr geleistet, als er sollte. Hätte er weniger
getan, so würde er seine hohe Aufgabe nicht erfüllt haben. Er wäre der Hölle
unterlegen und von Gott abgefallen. Mehr als den Willen Gottes kann niemand
tun. Und wenn er ihn erfüllt, dann tut er bloß seine Pflicht und
Schuldigkeit. Er kann davon an andere, die ihre Schuldigkeit nicht tun, auch
nicht das geringste abgeben. Sein Heil hat ein jeder selbst zu wirken. Das ist der zweite Grund,
weshalb die Zuwendung des Verdienstes des einen an einen anderen unmöglich
ist. Was nach euren menschlichen Gesetzen der Gerechtigkeit nicht angängig
ist, gilt in demselben Maße von der Gerechtigkeit Gottes. Wie eure
menschlichen Richter niemals einem Verletzer des Gesetzes deswegen seine
Strafe ermäßigen, weil andere das Gesetz treu beachten, so wird auch einem
Sünder nie deswegen etwas von seiner Strafe geschenkt, weil andere die Gebote
Gottes hielten. Wo bliebe sonst seine Gerechtigkeit? Und wie denkt ihr euch
eigentlich einen solchen Kirchenschatz der überschießenden Verdienste
anderer? Meint ihr vielleicht, das geistige Leben in Gott könne in einer
Schatzkammer aufgespeichert werden, wie eure irdischen Kirchenschätze, so daß
es je nach Bedarf für andere hervorgeholt werden könne? Wie unvernünftig ihr
Menschen doch so oft in eurem Denken seid. Und wie über alle Maßen töricht
ist in deiner bisherigen Kirche die Handhabung des Ablasses. Könnt ihr als vernünftige
Menschen es für möglich halten, daß ein Nachlaß von Sündenstrafen an
lächerliche äußerliche Bedingungen geknüpft ist? Solltest du deswegen, weil
du ein Gebet an einem gesegneten Rosenkranz verrichtest, ein Nachlaß der
Strafe erlangen, aber nicht dann, wenn du ohne einen Rosenkranz in der Hand
zu Gott betest? Solltest du einen vollkommenen Nachlaß aller deiner
Sündenstrafen erhalten, weil du an einem bestimmten Tage und in einer
bestimmten Kirche ein bestimmtes Gebet verrichtest - und dieses Nachlasses
verlustig gehen, wenn du dasselbe oder gar ein besseres Gebet in deinem
Kämmerlein betest? Sollten dir deswegen in deiner Todesstunde alle
Sündenstrafen erlassen werden, weil du ein gesegnetes Sterbekreuz in der Hand
hast oder ein geweihtes Skapulier trägst, mit dem deine Kirche einen
sogenannten vollkommenen Ablaß verbunden hat? Glaubst du wirklich, daß
Sterbekreuz und Skapulier dich retten können, wenn du ohne diese Dinge dem
Strafgericht Gottes anheimfielest? Kannst du wirklich glauben, daß mit
bestimmten Gebeten, Besuch von Wallfahrtsorten und ähnlichen Dingen ein
Strafnachlaß verbunden ist, den deine Kirche nach Belieben bestimmen und
abstufen kann? Ist es nicht viel mehr eine Lästerung des großen und heiligen
Gottes, seine Erweise des Erbarmens und der Liebe als an solche
Lächerlichkeiten geknüpft zu betrachten? Nicht Menschen, nicht
Päpste und Bischöfe können Nachlaß von Sündenstrafen erteilen; Gott allein
ist derjenige, der jedem vergilt nach seinen Werken. Die innere Umkehr des
Sünders zu Gott und seine Werke der Liebe sind Maßstäbe, die Gott bei seinem
Verzeihen und Begnadigen anwendet. Wer sich in Reue zu Gott wendet, erhält
Verzeihung seiner Sünden; und wenn er sich Mühe gibt, die Werke der Liebe zu
vollbringen, indem er seinen Mitmenschen verzeiht und ihnen nach Kräften
hilft, dann werden ihm auch die für die Sünden verdienten Strafen erlassen. Darum sagt Christus bei
Maria Magdalena: ‘Ihr wird viel vergeben, weil sie viel geliebt hat; und wem
weniger vergeben wird, der hat auch weniger geliebt. ‘ Hier ist
selbstverständlich nicht die Geschlechtsliebe gemeint, sondern die Gottes-
und Nächstenliebe. Wer viel Liebe seinen
Mitmenschen erweist, dem wird auf dem Wege der Begnadigung auch viel von der
für seine Sünden verdienten Strafe erlassen. Auf die Waagschale werden die
Sündenstrafen gelegt und auf die andere die Werke der Nächstenliebe. Soviel
wie die Schale der Strafen schwerer wiegt als die Schale der Werke der Liebe,
so viel hat der Sünder abzubüßen. Wem also wenig an Strafe erlassen wird, der
hat auch wenige Werke der Liebe aufzuweisen. Maria Magdalena hatte viel
gesündigt. Aber sie war auch stets hilfsbereit, wenn es galt, den
Notleidenden und unschuldig Verfolgten beizuspringen. Darum wurde ihr,
nachdem sie sich von ihrem Sündenleben abgewendet hatte, eine sehr
weitgehende Begnadigung zuteil. Nun spricht allerdings
Christus von einer Sünde, die weder in diesem noch im anderen Leben vergeben
wird. Das Wort ‘vergeben‘ hat auch hier, wie an so vielen anderen Stellen der
Bibel, die Bedeutung ‘begnadigen‘. Bei der Sünde, die Christus meint, gibt es
keine Begnadigung. Die Strafe dafür muß ganz abgebüßt, der ‘letzte Heller
bezahlt werden.‘ Diese Sünde hat er in folgenden Worten angegeben: ‘Jede
Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden; aber die Lästerung des
Geistes wird nicht vergeben werden. Und wenn jemand ein Wort wider den
Menschensohn sagt, wird es ihm vergeben werden; wer aber etwas wider den
heiligen Geist sagt dem wird es weder in dieser Welt noch in der zukünftigen
vergeben werden‘ (Matth.12,31-32). Wer die Wirkung des Geistes
Gottes kennengelernt, wessen Seele durchstrahlt worden ist von der Wahrheit,
die Gottes Geister unter der Kraftwirkung Gottes ihm mitgeteilt, und wer
trotzdem aus irdischen Rücksichten die Wahrheit ablehnt, der begeht die Sünde
wider den Geist, für deren Strafe es keine Begnadigung gibt. Der Grund für die Ablehnung
einer Begnadigung liegt in der Natur dieser Sünde. Denn wenn die höchsten
Beweise der Wahrheit, die Gottes Geister liefern können, einen Menschen nicht
zur Annahme der Wahrheit bewegen, obschon er in seinem Inneren die Wahrheit
als Wahrheit erkennt und fühlt, welches andere Mittel gibt es denn da noch,
ihn zur Annahme der Wahrheit zu bringen? Da bleibt nur noch eins: Er muß
durch vollständige Abbüßung der schweren Strafe für diese Sünde zuerst
innerlich mürbe gemacht werden. Er muß elend und hungrig werden, wie der
verlorene Sohn. Erst dann wird er reif dafür, daß ihm von Gott noch einmal
die Wahrheit angeboten wird. Das jüdische Priestertum,
die Pharisäer und Schriftgelehrten begingen diese Sünde wider den Geist. Sie
hörten die Lehre Christi und sahen täglich mit eigenen Augen die Bestätigung
seiner Lehre durch die Kraftwirkungen des Geistes Gottes, durch die er die
Kranken heilte, Tote erweckte und andere Wundertaten vollbrachte. Größere
Beweise der Wahrheit konnten nicht gegeben werden. Aber trotzdem nahmen seine
Gegner die Wahrheit nicht an. Sie lästerten vielmehr die Geister Gottes, die
in Christus wirkten, indem sie dieselben als ‘Teufel‘ erklärten. So würdest auch du die
Sünde wider den Geist begehen, wenn du nach den empfangenen überwältigenden
Beweisen der guten Geisterwelt die dir geschenkten Wahrheiten aus Menschenfurcht
oder anderen Gründen von dir weisen würdest. Bei allen anderen Sünden
macht Gott von dem Mittel der Begnadigung einen viel reicheren Gebrauch, als
die Menschen es verdienen, soweit sie nur den guten Willen aufbringen und
sich Mühe geben, sich zum Guten zu wenden. Alle Menschen und sündigen Geister
sind auf diese Begnadigung angewiesen. Denn kein Mensch ist sündenlos und
tritt unbefleckt aus diesem Leben ins Jenseits. Es gibt darum auch keine
menschlichen ‘Heiligen‘ in dem Sinne, wie deine bisherige Kirche es lehrt. Die katholische Kirche
versteht unter einem ‘Heiligen‘ etwas ganz anderes, als das Urchristentum
darunter verstanden hat. Die Apostel gebrauchen in ihren Briefen sehr häufig
das Wort ‘Heilige‘. Sie meinen damit jeden, der die Lehre Christi als
göttliche Wahrheit annimmt und sich bemüht, sein Leben nach dieser Lehre
einzurichten. Darum reden sie die Glieder der Christengemeinden mit ‘Heilige‘
an. Sie wollen damit nicht zum Ausdruck bringen, daß die ersten Christen
keine Sünden begingen. Sie tadeln sie vielmehr in fast jedem Brief wegen
ihrer täglichen Sünden und menschlichen Verirrungen. Sie wußten, daß kein
Mensch ohne Sünde ist. ‘Wenn wir behaupten, keine Sünden zu haben, so
betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns‘, sagt der Apostel
Johannes. Deine Kirche ist in diesem
Punkte anderer Ansicht. Sie behauptet, daß diejenigen, die sie als ‘Heilige‘
verehrt, entweder ihr ganzes Leben sündenfrei gewesen seien, wie die Mutter
Jesu, oder daß sie doch von dem Tage ihrer Bekehrung an keine Sünden mehr
begingen. Sie lehrt, daß diese ‘Heiligen‘ bei ihrem irdischen Tode sofort zur
Anschauung Gottes gelangt seien und daß Gott ihre Heiligkeit durch Wunder
bestätigt habe. Sie nimmt ferner für sich die Macht in Anspruch, unfehlbar
erklären zu können, ob jemand als ‘Heiliger‘ zu verehren sei. Die Heiligkeit
liegt in dem Willen und in der Gesinnung eines Menschen. Da kein Mensch, auch kein
Papst, die Gesinnung eines Menschen erkennen und unfehlbar beurteilen kann, so
bedarf es keines weiteren Beweises, daß eine Heiligsprechung durch Menschen
nie den Anspruch auf Wahrheit erheben kann. Gott allein spricht heilig, sonst
niemand. Nur Gott kennt das Menschenherz. Von keinem könnt ihr sagen, ob er
der Liebe oder des Hasses(?) Gottes würdig ist. Es ist eine ungeheure
menschliche Überhebung, mit Unfehlbarkeit sagen zu wollen, daß dieser oder
jener Mensch bei Gott ist. Denn neben der wahren
Heiligkeit gibt es auch die Scheinheiligkeit, und oft sind beide nicht von
einander zu unterscheiden. Und was die angeblichen Wunder betrifft, die Gott
durch die Heiligen gewirkt haben soll, so ist zunächst eine große Zahl davon
in das Reich der Dichtung zu verweisen. Andere euch wunderbar erscheinende
Vorgänge in ihrem Leben beruhten auf verschiedenen medialen Gaben, durch die
sie in Verbindung mit der Geisterwelt standen, ohne daß ihr heute angeben
könnt, ob es die gute oder böse Geisterwelt war, die sich bei ihnen kundgab. Die Zauberer zur Zeit des
Mose in Ägypten und der Magier Simon in Samaria, den seine Zeitgenossen die
‘große Kraft Gottes‘ nannten, haben mehr sogenannte Wunder gewirkt, als
irgendein Heiliger der katholischen Kirche. Und doch war es das Böse, das in
ihnen wirksam war, wenn auch unter dem Deckmantel des Guten. Gott hat kein Interesse
daran, euch durch Wunderzeichen kundzutun, wer heilig ist. Denn er will keine
Heiligenverehrung, keine Verehrung von Reliquien der Heiligen, keine
Wallfahrten zum Grabe eines Heiligen oder zu sonstigen Heiligtümern. Denn das
alles ist feiner Götzendienst. Warum wollte Satan den
Leichnam des Mose haben? Er wollte ihn dem israelitischen Volke zu derselben
Verehrung übergeben, die ihr den Überresten eurer ‘Heiligen‘ erweist. Und
warum hat Michael mit Satan gerungen, ihm den Leichnam des Mose zu entreißen?
Aus demselben Grunde, aus dem ihr auch heute keine Heiligen- und
Reliquienverehrung und keine Wallfahrten haben sollt. Das israelitische Volk
würde dadurch einen großen Teil der Ehre Gott entzogen und mit der Leiche des
Mose einen ähnlichen Kult getrieben haben, wie ihr ihn heute mit den
Überresten eurer Heiligen treibt. Wenn ihr auch sagt, ihr verehrtet in den
Heiligen Gott selbst, so ist das bloß Schein. In Wirklichkeit setzt das
katholische Volk auf die Heiligen, ihre Bilder, Statuen und Reliquien einen
großen Teil des Vertrauens, das es nur auf Gott setzen sollte. Mit demselben
Rechte hätte Gott ja auch die Leiche des Mose den Israeliten überlassen
können. Die ersten christlichen
Jahrhunderte kannten keine Heiligenverehrung, auch keine Marienverehrung, die
in deiner Kirche, wie du selbst wohl feststellen konntest, mehr gepflegt
wird, als die Verehrung Gottes. Das ‘Gegrüßet seist du, Maria‘ wird viel mehr
gebetet, als das ‘Vaterunser‘. Denk an euer Rosenkranzgebet, das ja der
Gebetsersatz bei allen Gelegenheiten ist. Christus, die Apostel und
die ersten Christen kannten nur eine Verehrung Gottes und keine Verehrung von
Geistern des Reiches Gottes. Auch sie hatten damals Menschen, die nach
menschlicher Ansicht als große ‘Heilige‘ gestorben waren: Einen Johannes den
Täufer, von dem Christus sagt, er sei der größte, der je vom Weibe geboren,
einen Stephanus, der als Märtyrer starb, einen Apostel Jakobus, um nur einige
von denen zu nennen, die in den biblischen Zeiten starben, aber es fiel den
Aposteln nie ein, diese als Heilige auch nur zu erwähnen, geschweige denn,
sie mit einer gottesdienstlichen Verehrung zu umgeben, wie dies heute
geschieht. Auch Maria wird nie von den
Aposteln erwähnt. Die ganze Heiligenverehrung ist eine menschliche Erfindung
viel späterer Zeiten. Der Apostel Paulus spricht sich gegen die aus, die sich
in Verehrung von ‘Engeln‘ gefallen. Unter ‘Engel‘ versteht er alle bei Gott
weilenden Geister, also das selbe, was ihr mit ‘Heilige‘ bezeichnet. Alle von Gott geschaffenen
heiligen Geister haben das, was sie besitzen, nicht aus sich und können von
sich aus nicht das Geringste den Menschen geben. Alles kommt von Gott. Darum
sei auch Gott allein die Ehre! Das ist auch der Grund, weshalb die guten
Geister Gottes, die sich euch kundtun, jedesmal den Dank ablehnen, den ihr
ihnen aussprecht. Stets, wenn du dich bei ihnen bedanken wolltest, erhieltest
du die Antwort: ‘Danke Gott!‘ Die Bedeutung der Krankensalbung
(Letzte Ölung) Ihr habt in der
katholischen Kirche ein Sakrament, das ihr ‘Letzte Ölung‘ nennt. Auch im
ersten Christentum hatte man eine Salbung mit Öl bei Kranken. Doch hatte sie
eine ganz andere Bedeutung, als ihr heute mit der ‘Letzten Ölung‘ verbindet.
Ihr wendet die Krankensalbung nur in Lebensgefährlichen Krankheiten an und bezweckt
damit vor allem eine Vergebung der Sünden des Kranken. Nebenbei auch eine
Besserung seines Krankheitszustandes. Bei den ersten Christen jedoch, wurde
die Krankensalbung als körperliches Heilmittel angewandt, dessen Wirksamkeit
davon abhing, daß der Kranke die Sünde aus seinem Herzen tilgte. Im Briefe des Apostels
Jakobus heißt es: “Ist einer unter euch krank, so lasse er die Ältesten der
Gemeinde zu sich rufen; diese sollen über ihn beten, nachdem sie ihn im Namen
des Herrn mit Öl gesalbt haben; dann wird das gläubige Gebet den Ermatteten
retten und der Herr ihn aufrichten, und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm
Vergebung zuteil werden. Bekennet also einander die Sünden und betet für
einander, damit ihr geheilt werdet; das inständige Gebet eines Gerechten hat
große Kraft‘ (Jakobus5,14-16). Die sogenannten ‘Ältesten‘
der ersten christlichen Gemeinden waren begnadete Männer. Sie hatten die
Heilkraft, da der Besuch der Kranken eine ihrer wichtigsten Aufgaben war.
Durch die Salbung mit Öl übertrugen sie unter Gebet die Heilkraft auf den
durch Krankheit Geschwächten. Durch das Gebet setzt sich der Mensch in innige
Verbindung mit Gott als der Quelle der Heilkraft. Und je inniger diese
Verbindung ist, um so größer ist die Kraft, die dem Betenden aus dieser Kraftquelle
zuströmt. Nun weißt du aus den
Heilungen Christi, daß manche Krankheiten eine Strafe für Sünden sind,
besonders der Sünden gegen die Nächstenliebe. Darum sagte Christus immer
wieder zu den Geheilten: ‘Sündige nicht mehr, damit dir nicht Schlimmeres
widerfahre.‘ Darum mußte zuerst die Sünde als Ursache der Krankheit entfernt
werden. Das geschah dadurch, daß der Kranke den gegen seine Mitmenschen
begangenen Fehltritt demjenigen bekannte, gegen den er gefehlt hatte. Er ließ
ihn, wenn möglich, zu diesem Zweck an das Krankenbett rufen, und es erfolgte
die Aussöhnung. Darum mahnt ja auch der Apostel Jakobus: ‘Bekennet also
einander eure Sünden, damit ihr geheilt werdet.‘ Nicht einem beliebigen
Menschen sollten sie ihre Sünden bekennen, auch nicht einem Priester, sondern
dem, gegen den sie gefehlt hatten. War die Aussöhnung mit dem Beleidigten
erfolgt, dann vergab auch Gott dem Kranken seine Sünde, und seine Krankheit
schwand durch die Heilkraft des Ältesten, der sie unter Gebet und Ölsalbung
auf den kranken Körper übertrug. In den Worten des Apostels
ist die erhabenste Krankenheilung beschrieben, die es für einen Menschen
geben kann. Es war eine Krankenheilung, die Leib und Seele des Kranken gesund
machte. Und was habt ihr heute aus
dieser Krankensalbung und Krankenheilung gemacht? Nach eurer Lehre muß das Öl
von einem Bischof geweiht sein. Nur ein von einem Bischof geweihter Priester
kann die Salbung mit diesem Öl vornehmen, indem er dabei ein ihm
vorgeschriebenes Gebet spricht. Und da meint ihr, daß eine solche Salbung die
Verzeihung der Sünden des Kranken her beiführe. Ihr spendet diese Salbung
sogar einem Bewußtlosen und meint, selbst in diesem Zustand bewirke sie die
Vergebung der Sünden. Euer gesundes Denken müßte
euch doch sagen, daß eine solche Ölsalbung auf den Seelenzustand des
Bewußtlosen keine Wirkung ausüben kann. Auch bei den ersten Christen bewirkte
nicht die Salbung die Sündenvergebung, sondern die vorher erfolgte
Sündenvergebung räumte das Hindernis der Heilung hinweg, so daß nun die Heilsalbung
ihre Wirkung bei dem Kranken betätigen konnte. Da bei eurer heutigen
Krankensalbung in den meisten Fällen all die Vorbedingungen fehlen, die in
den ersten Christengemeinden vorhanden waren, so ist die sogenannte ‘Letzte
Ölung‘ in den meisten Fällen eine rein äußerliche Zeremonie ohne jegliche
innere Wirkung. Das Priestertum der ersten Christen
und das heutige Auch eine ‘Priesterweihe‘
gab es im Urchristentum nicht. Das Wort ‘Priester‘ ist entstanden aus dem
griechischen Wort ‘Presbyter‘ der alten Kirche. Es bedeutet ‘Ältester‘. Es
sind damit jedoch nicht Älteste den Jahren nach gemeint, sondern die
innerlich Reifsten in der Sache Gottes. Von ihnen galt das Wort aus dem Buche
der Weisheit: ‘Nicht das lang dauernde Alter ist der Ehre wert und es wird
nicht die Zahl der Jahre gemessen; nein, das wahre graue Haar ist für die
Menschen die Einsicht und das wahre Greisenalter ein fleckenloses Leben.‘
(Weish.4,8-9) Darum wurden die Presbyter
der ersten christlichen Kirchen nicht von Menschen für ihre Aufgaben ausgewählt,
da Menschen die innere Würdigkeit eines Mitmenschen nicht beurteilen können.
Sie wurden in den gottesdienstlichen Versammlungen der Christen durch die
sich kundgebenden Geister Gottes als diejenigen bezeichnet, die Gott für
seine Zwecke bestimmt hatte. Von den Gliedern der christlichen Gemeinden
wurden sie durch Handauflegung in feierlicher Weise als die anerkannt, die im
Auftrage Gottes ihres Amtes walteten. Und worin bestand ihre
Tätigkeit? Hatten sie vielleicht größere geistige Befugnisse als gewöhnliche
Christen? Hatten sie geistliche Vollmachten, die sie den Mitchristen
gegenüber ausübten, so daß diese in ihrem Verhältnis zu Gott und in der
Erlangung des Heils von ihnen abhängig gewesen wären? Nichts von alledem. Man
kannte damals kein Priestertum, wie ihr es heute habt. Damals gab es keine
Priester mit besonderer geistlicher Gewalt, die nur sie hätten ausüben
können. Es gab keine Priester, die sogenannte Sakramente spendeten, Sünden
vergaben oder andere geistigen Gnaden vermittelten. Es gab keine Bischöfe,
die andere zu Priestern weihten und ihnen geistige Vollmachten übertrugen. Das Amt eines ‘Ältesten‘
oder ‘Presbyters‘ umfaßte eine ganz andere Tätigkeit. Wo Menschen sich zu
einem bestimmten Zweck vereinigen und zusammenkommen, da muß ein Leiter sein,
der die äußere Ordnung aufrechthält und dafür sorgt, daß alles so gehandhabt
wird, wie es zur Erreichung des gesteckten Zieles erforderlich ist. So war es
auch bei den ersten Christen. Sie kamen zusammen zum Gottesdienst, zur Feier
des Abendmahls, zur gegenseitigen Erbauung und Stärkung im Glauben. Da war es
notwendig, daß jemand da war, der diese Versammlungen anberaumte, sie
vorbereitete, die Stunde festsetzte, das ganze leitete und dafür Sorge trug,
daß alles in schöner Ordnung und Eintracht verlief. Denn Gott ist ein Gott
der Ordnung in seiner ganzen Schöpfung. Wie er in der Geisterwelt
Führer und Leiter bestimmt hat, welche die Ausführung seiner Anordnungen zu
überwachen haben, so will er auch, daß es in der menschlichen Heilsordnung
Leiter gibt, die alles so einrichten, daß die Glieder der Heilsgemeinschaft
möglichst großen geistigen Nutzen ernten. Diese Aufgabe hatten die Presbyter.
Sie sorgten zunächst für die äußere Ordnung. Sie bestimmten, in welchem Hause
die gottesdienstlichen Versammlungen abgehalten wurden, sorgten dafür, daß
der Raum entsprechend eingerichtet und mit allem Notwendigen versehen wurde;
sie setzten die Zeit der Zusammenkünfte fest und sahen überall nach dem
Rechten. Aber in dem inneren Leben
der Gemeinde erwuchsen ihnen noch wichtigere Aufgaben. In den Gottesdiensten
wurde durch die sich kundgebenden Geister vieles angeordnet, was für das
geistige Fortkommen der Gemeinde von Wichtigkeit war. Der Presbyter hatte nun
dafür zu sorgen, daß jene Anordnungen und Aufträge pünktlich und gewissenhaft
ausgeführt wurden. Da die wahre Religion eine
Religion der tätigen Nächstenliebe ist, so wurde bei den Christen ein großer
Wert auf die Hilfe gelegt, die den wahrhaft Hilfsbedürftigen in der Gemeinde
gewährt werden sollte. Da war es der Presbyter, der in ständiger Fühlung mit
den Familien seiner Gemeinde blieb und mit ihnen alles besprach, was sie
leiblich und seelisch bedrückte. Er war der treueste Freund aller. Alle
hatten deswegen ein unbegrenztes Vertrauen zu ihm, weil er von den Geisterboten
Gottes als derjenige bestimmt worden war, der Freud und Leid mit ihnen teilen
sollte und dem sie alles anvertrauen konnten. Infolge seiner Erwählung
durch die Geisterwelt besaß er auch die Gottesgabe, ihnen stets das für sie
Beste in Rat und Tat zu gewähren. Er stellte fest, wo Hilfe nottat, besuchte
die Kranken und menschlich Verlassenen, Witwen und Waisen und trug dafür
Sorge, daß von den anderen christlichen Familien die erforderliche Hilfe
geleistet wurde. Die ersten Christen
brachten zu den Versammlungen sehr viele materielle Gaben der verschiedenen
Art mit und übergaben sie dem Ältesten, damit er sie an die Notleidenden
austeile. Da der Älteste auch die Gabe der Heilung hatte und so ein großer
Helfer der Kranken war, so war es natürlich, daß er sich durch seine
Tätigkeit auch rein menschlich die Liebe und Zuneigung der Mitchristen
erwarb. Aus dem großen Vertrauen
heraus, das alle zu ihm hatten, sprachen sich die Glieder der Gemeinde auch
über das bei ihm aus, was sie an geistigen Bedrängnissen zu tragen hatten,
bekannten ihm dabei auch manche Fehltritte und baten ihn um seinen Rat. Er
richtete sie auf, tröstete und ermunterte sie, betete mit ihnen und war allen
ein geistiger Vater und wahrer Hirte. Die ersten
Christengemeinden bestanden in der Form der Nachbarschaften. Eine gewisse
Anzahl von Familien, die in einem gewissen Umkreis wohnten, bildeten eine
Gemeinde. Sehr groß durfte sie nicht sein, da sonst der beschränkte Raum
eines Privathauses ihre Zusammenkünfte nicht hätte fassen können. Darum war
die Zahl der Gemeinden an einem größeren Orte oder in einem größeren Bezirk
oft recht groß. Jede von ihnen hatte ihren eigenen Presbyter. Nun kam es
häufig vor, daß in der einen Gemeinde fast nur materiell besser gestellte
Familien waren, während eine andere Gemeinde fast nur hilfsbedürftige
Familien umfaßte. Und da gerade die wohlhabenden Familien mit ihrem irdischen
Vermögen recht viel Gutes tun wollten aber in der eigenen Gemeinde keine
Gelegenheit dazu hatten, so stellte sich bald folgende Notwendigkeit heraus:
Es mußte eine Verbindung der einzelnen Gemeinden miteinander in der Weise
hergestellt werden, daß einer bestimmt wurde, der sich mit den Presbytern des
ganzen Bezirkes in Verbindung zu setzen hatte. Bei ihnen sollte er
feststellen, wie groß die Zahl der Hilfsbedürftigen war und welche
Hilfsmittel im ganzen zur Verfügung standen. So konnte ein Ausgleich der
Gaben und Hilfeleistungen in die Wege geleitet werden. Denn die Presbyter
führten ein genaues Verzeichnis sowohl über die Zahl der Armen, als auch über
den Umfang der zur Verfügung stehenden Hilfsmittel ihrer Gemeinde. Derjenige nun, der den
Ausgleich und die Verteilung der Mittel und Hilfeleistungen des gesamten
Bezirkes auf die einzelnen Gemeinden dieses Bezirkes vornahm, nannte man
‘Episeopos‘, woraus euer heutiges Wort ‘Bischof‘ entstand. Es bedeutet:
‘Aufsichtführender. Er hatte mit den Gliedern der Einzelgemeinden nichts zu
tun. Seine Aufgabe bestand darin, daß er mit den Presbytern seines Bezirkes
zusammenkam, mit ihnen die Zusammenarbeit auf dem Gebiete der christlichen
Hilfe besprach und organisierte und die Hilfsmittel an die einzelnen
Presbyter zur weiteren Verteilung überbringen ließ. Daß bei solchen
Besprechungen der Presbyter mit dem ‘Episeopos‘ oder Bischof auch andere
wichtige Fragen der Seelsorge behandelt wurden, ergab sich von selbst. Der
Bischof wurde, wie der Presbyter, nicht von Menschen gewählt, sondern durch
Kundgebungen der Geister Gottes bestimmt. Sein Einfluß auf das Leben der
christlichen Gemeinden war naturgemäß ein sehr großer. Aber es war ein
Einfluß, der aus seiner inneren Würdigkeit und seinem vorbildlichen Leben
entsprang. Darum wurde er in allen wichtigen Fragen um sein Urteil gebeten. Auch die Geisterwelt wies
die Presbyter in allen die Gesamtheit der Christengemeinden betreffenden
Fragen an den Bischof ihres Bezirkes. Und dieser wurde von Gottes Geist
belehrt, was er tun solle. Wie jedoch der Einfluß, den
ihr Menschen auf eure Mitmenschen erlangt, von euch so leicht mißbraucht
wird, so geschah es auch später in den christlichen Gemeinden. Es kam die
Zeit, wo die Geister Gottes aus der christlichen Kirche ausgeschaltet wurden.
Nun wurden die Presbyter und Bischöfe nicht mehr von der Geisterwelt
bestimmt, sondern von einflußreichen Menschen. Herrschsucht und andere
menschliche Untugenden schlichen sich ein. Denn wo die Geister Gottes fehlen,
da wirken andere Geister, die nicht das Heil der Menschheit wollen, sondern
ihr Verderben. Das Gute herrscht durch Freiheit - das Böse durch Zwang. Die
Urkirche, in der die Geister Gottes das Szepter führten, war eine Kirche der
Freiheit der Kinder Gottes. Die spätere Kirche, welche die Geister Gottes
ausschaltete, wurde unter dem Einfluß der bösen Mächte, die in ihr wirksam
wurden, eine Kirche der geistigen Knechtschaft, in der die Leiter sich
Gewalten anmaßten, die gegen den Willen Gottes verstießen und infolge dieser
Gewalten den Gläubigen den direkten Weg zu Gott versperrten. So ist es bis heute in der
katholischen Kirche geblieben. Die Katholiken sind fest an die Rockschöße des
katholischen Priestertums gebunden. Denn ohne Inanspruchnahme dieses
Priestertums gibt es nach der Lehre dieser Kirche keine Sündenvergebung, kein
Kommen des Geistes Gottes, kein Abendmahl des Herrn, keine Krankensalbung und
keine gültige Ehe. Letztere hat sie eben falls zu einem Sakrament gestempelt,
über das ich dir nach meinen vorhergehenden Darlegungen über die Ehe nichts
weiter mehr zu sagen habe. Wenn Christus heute wieder
auf die Erde käme, würde er noch einmal die Klage aussprechen müssen: ‘Mich
erbarmet des Volkes.‘ Sollen die jetzigen
christlichen Kirchen wieder ‘Träger der wahren Lehre Christi werden, dann
müssen sie zurückkehren zum Gottesdienst der Urkirche. Es ist freilich keine
Hoffnung, daß eine Rückkehr zum Christentum Christi von seiten der Leiter der
heutigen christlichen Kirchen angebahnt wird. Sie muß vom Volke ausgehen. Das
Volk, dem so viele Menschensatzungen im Namen der Religion aufgebürdet
wurden, muß wieder lernen, auf dieselbe Weise seinen Gott zu suchen und
dessen Willen zu erfüllen, wie es die ersten Christen unter Anleitung der
Geister Gottes getan haben. Denn auch heute gilt noch der Satz, den die
christliche Urkirche sich zur Richtschnur nahm: ‘Wo die Geister Gottes sind,
da ist die Wahrheit! ___________________________________ Gegen alles, was mit dem
Althergebrachten nicht übereinstimmt, pflegen wir uns ablehnend zu verhalten.
Das liegt in der Natur des Menschen. Die Gewohnheit ist die stärkste Macht
sowohl im Leben des einzelnen, als auch im Leben der Völker. Darum hängt der
Mensch so fest an den Sitten und Gebräuchen, die er von seinen Eltern
überkommen und von Jugend auf geübt hat. In verstärktem Maße gilt
dies von den Dingen, die mit der Religion des Elternhauses zusammenhängen.
Was Vater und Mutter dem Kinde als etwas Heiliges und Göttliches dargestellt,
was sie selbst als religiöse Pflicht geübt und dem Kinde als gleiche Pflicht
ins Herz gelegt, ist nicht leicht ganz daraus zu tilgen. Und wenn sich auch
die meisten im praktischen Leben nicht danach richten, so gilt es doch als
etwas Altehrwürdiges, vor dem man eine gewisse Scheu empfindet und das man
wenigstens äußerlich nicht ganz aufgeben möchte. Ein Begräbnis nach
althergebrachter Weise der Väter möchte man immerhin noch haben, wenn man
auch nicht nach dem Glauben der Väter gelebt hat. Man meint, das der
Familien- und Glaubenstradition schuldig zu sein. Alle sind vom Kindheit an
so oft in die bunte Farbenmischung des religiösen Denkens und Empfindens des
Elternhauses und der Glaubensgenossen eingetaucht worden, daß immer noch
etwas davon haften bleibt, wenn sie auch noch so oft in dem Wasser eines
unreligiösen Alltagslebens gewaschen wurden. Diese Macht der Gewohnheit
ist der größte Feind der Wahrheit auf allen Gebieten, besonders auf dem der
Religion. Sie hält den Menschen nicht bloß ab, selbst nach der Wahrheit zu
suchen, sondern treibt ihn auch instinktmäßig dazu, ohne weitere Prüfung
alles von sich zu weisen, was im Gegensatz zu seiner bisherigen Meinung
steht. Dagegen gibt es bloß ein
Mittel: Es ist das Selbsterleben der Wahrheit. Auch mir erging es ähnlich
bezüglich der Wahrheiten, die in diesem Buch enthalten sind. Daß es einen Gott und eine
Geisterwelt gibt, lehrte mich meine Religion. Davon war ich daher auch völlig
überzeugt. Daß aber eine mit menschlichen Sinnen wahrnehmbare Verbindung mit
der Geisterwelt hergestellt werden könne, das verstieß gegen die Lehre meiner
Kirche. Darum hielt ich diese Annahme für Torheit. Als ich daher eines Tages
gezwungen war, Dinge zu prüfen, die angeblich Geisterkundgebungen sein
sollten, war ich in meinem Inneren überzeugt, daß es mir ein leichtes sein
werde, die ganze Sache als Schwindel zu entlarven. Dabei war ich mir freilich
bewußt, daß eine solche Prüfung nur dann eine einwandfreie sein könne, wenn
sie nach denselben wissenschaftlichen Grundsätzen vorgenommen würde, die wir
auf allen Gebieten anwenden müssen, um die Wahrheit zu ermitteln. Es sind
dies die Gesetze von Ursache und Wirkung. Sie sind allgemein gültig und
erleiden keine Ausnahme. Denn eine bestimmte Wirkung ohne eine entsprechende
Ursache ist auf keinem Gebiet denkbar. So muß dort, wo Gedanken klar und
deutlich ausgesprochen werden, auch ein Träger dieser Gedanken - ein
denkendes “Ich“ sein. Werden nun durch irgendeinen Menschen Gedanken zum
Ausdruck gebracht, die er selbst nicht kennt und nie gekannt hat, spricht und
schreibt er in fremden Sprachen, deren Laute er bisher nie vernommen, dann
kann das eigene “Ich“ eines solchen Menschen nicht die Ursache solcher
Wirkungen sein. Das gilt umso mehr, wenn dieses Sprechen oder Schreiben in
einem Zustand vollständiger Bewußtlosigkeit erfolgt. Es widerstreitet jedem
gesunden Denken, daß ein vollständig Bewußt-loser überhaupt einen klar
durchdachten, die schwierigsten Dinge behandelnden stundenlangen Vortrag halten,
die gestellten Fragen und Zwischenfragen eingehend beantworten und erläutern
kann. Noch viel weniger kann ein Bewußtloser eine Sprache sprechen oder
schreiben, die er nie gehört oder gelernt hat. Hier kann nicht das eigene
“Ich“ des bewußtlosen Menschen als Träger solcher Kundgebungen angenommen
werden, sondern es muß in solchen Fällen ein anderes denkendes Wesen sein,
das sich des Körpers des bewußtlosen Menschen zum Sprechen und Schreiben
bedient. Auch nach den Grundsätzen der exakten Wissenschaft müssen wir diese
Schlußfolgerung ziehen. Wenn dann ferner diese
unserem Auge unsichtbaren denkenden Wesen uns immer wieder beteuern, daß sie
körperlose Geister seien, und wenn sie uns die Gesetze genau angeben, nach
denen es ihnen möglich sei, mit den Menschen in Verbindung zu treten, dann
haben wir ja ein Mittel, die Richtigkeit ihrer Angaben zu prüfen. Wir
brauchen bloß die Bedingungen zu erfüllen, welche die Geisterwelt für ihre
Verbindung mit uns nötig zu haben behauptet. Stellt es sich dann heraus, daß
bei Beobachtung jener Gesetze der Geisterverkehr tatsächlich zustandekommt,
und zwar überall und in jedem Falle, dann ist der Geisterverkehr eine
Wahrheit, die ebenso unleugbar ist, wie die Tatsache, daß unter Anwendung der
Gesetze des Radios uns Mitteilungen aus weiter Ferne vermittelt werden. Die
Gesetzmäßigkeit ist in beiden Fällen dieselbe. Die Gesetze für die
Übertragung durch das Radio sind nicht heute erst geschaffen worden. Sie sind
so alt, wie das Universum. Nur hat man erst heute Kenntnis davon bekommen. So
sind auch die Gesetze des Verkehrs der Geisterwelt mit den Menschen immer
dagewesen. Man hat sie nicht einmal in unserer Zeit entdeckt, sondern
Menschen aller Völker und Zeiten kannten sie und traten aufgrund dieser
Gesetze in Verbindung mit dem Jenseits. Bei meinen eigenen
Erlebnissen auf diesem Gebiet, wie bei den Erlebnissen von tausend anderer,
darunter auch vieler wissenschaftlicher Forscher, handelt es sich nicht um
Illusionen, Halluzinationen oder sonstige Sinnestäuschungen. Es sind
objektive Geschehnisse. Ich selbst habe das auf diesem Gebiet Erlebte mit dem
nüchternen Sinn betrachtet und geprüft. Ich besitze keinerlei mediale Gaben,
bin weder hellsehend oder hellhörend noch irgendwie sensitiv. Ich kenne
nichts von Trancezuständen an mir. Mit einer sehr guten Gesundheit und
starken Nerven ausgerüstet, habe ich jene Dinge beobachtet in einem Alter von
50 Jahren, nachdem ich als katholischer Geistlicher in fünfundzwanzigjähriger
Seelsorge die Höhen und Tiefen des Menschenlebens kennengelernt hatte. Die
Erscheinungen der Hysterie, der Nervenüberreizung, des Irrsinns, der
Epilepsie und ähnliche Zustände waren mir in zahllosen Fällen vor Augen
getreten und in der Seelsorge alltägliche Vorkommnisse. Was ich aber bei dem
in diesem Buch geschilderten Geisterverkehr vor mir sah, war etwas ganz
anderes. Es hatte nicht die entfernteste Ähnlichkeit mit anormalen Vorgängen
auf dem Gebiet des Seelenlebens. Daß ich mit dem tiefsten
Ernst und der größten Gewissenhaftigkeit jene Dinge prüfte, dazu wurde ich
schon durch die Erwägung gezwungen, daß für mich alles dabei auf dem Spiel
stand. Als Geistlicher hatte ich eine Lebensstellung, die mich für immer
jeder materiellen Sorge enthob. Daß keiner eine solche Stellung ohne die
schwerwiegendsten Gründe aufgibt und mittellos wird, bedarf keines weiteren
Beweises. Aber ich mußte sie aufgeben, wenn sich das als Wahrheit erwies, was
ich in der angeblichen Verbindung mit der Geisterwelt erlebte. Denn das, was
mir dort gesagt wurde, stand mit dem in Widerspruch, was ich als katholischer
Geistlicher meinen Glaubensgenossen zu predigen und in der Seelsorge zu
betätigen hatte. Beruhten die Mitteilungen der Geisterwelt auf Wahrheit, dann
mußte ich auf meine Stellung als katholischer Geistlicher verzichten. Noch ein Wort der Belehrung
möchte ich an den Leser dieses Buches richten. Ich möchte ihm die Frage
beantworten, ob eine Verbindung mit der Geisterwelt Gottes, wie sie in diesem
Buche geschildert ist, von jedem angestrebt werden muß. Die Antwort lautet:
Nein und Ja. Denn wer an Gott glaubt, auf ihn vertraut und tut, was er als
den Willen Gottes erkennt, der wird zu Gott gelangen. Er bedarf dazu keiner
für ihn wahrnehmbaren Verbindung mit der Geisterwelt Gottes. Wer aber im
Zweifel ist über das Dasein eines Gottes; wer Klarheit haben will, ob die
Lehren seiner Kirche richtig oder falsch sind, wer Aufklärung sucht über die
großen Diesseits- und Jenseitsfragen, dem bleibt nur der eine Weg zur
Wahrheit: Die Verbindung mit der guten Geisterwelt. In seiner Stellung zu Gott
und Jenseits zu einer festen Überzeugung zu kommen, ist Pflicht eines jeden
nach den Worten des Apostels Paulus: “Ein jeder möge nach seiner eigenen
Denkweise zu einer festen Überzeugung kommen. Hast du eine feste Überzeugung
gewonnen, so halte sie für dich selbst fest vor dem Angesicht Gottes. Denn
alles, was nicht aus Überzeugung geschieht, ist Sünde“ (Röm.14,23). Für den ehrlichen
Wahrheitssucher ist die Wahrheit ein Schatz, von dem Christus in einem
Gleichnis sagt: “Das Himmelreich ist einem Schatze gleich, der in einem Acker
vergraben war. Den fand ein Mann, ging vor Freude hin und verkaufte alles,
was er hatte, und kaufte jenen Acker“ (Matth.13,44). _______ *
_______ Anhang des Verfassers: Kommt einmal etwas vor, von dem man sagen möchte: “Siehe, das ist etwas Neues“, so ist es doch längst dagewesen in den Zeiträumen, die
hinter uns liegen. Pred.
1,10 Nachdem mir die im zweiten
Teil dieses Buches niedergelegten Belehrungen über die Gesetze des
Geisterverkehrs sowie über die Geisterkundgebungen in der Bibel erteilt
worden waren, blieb es mir überlassen, den sonstigen Geisterverkehr in der
Geschichte der Menschheit selbst zu studieren und mit dem zu vergleichen, was
ich durch die Geisterwelt erfahren hatte. Es wurde mir nahegelegt,
vor allem das zu prüfen, was in den heutigen spiritistischen Sitzungen vor
sich geht und was die heutige Wissenschaft über “Medien“ und ihre
Kundgebungen berichtet. Gern hätte ich auch aus der Vergangenheit die
Berichte der alten Schriftsteller, sowohl der heidnischen, als auch der
christlichen, einer Prüfung unterzogen, soweit sie etwas über einen Verkehr
mit der Geisterwelt enthielten. Dazu hätte ich die Werke der alten
griechischen und römischen Philosophen, Dichter und Geschichtsschreiber
studieren müssen. Ich hätte alle Werke der Kirchenväter und kirchlichen
Schriftsteller der nachapostolischen Zeit bis tief ins Mittelalter hinein und
die Werke der Mystiker durcharbeiten müssen. Auch die zahllosen Berichte über
das Leben und Wirken der katholischen Heiligen konnte ich dabei nicht außer
acht lassen, wenn meine Arbeit Anspruch auf Vollständigkeit machen wollte.
Ferner hätte ich dann das unübersehbare Material sichten müssen, das der
heutige “Okkultismus“ in Büchern und Zeitschriften niedergelegt hat. Auf den
ersten Blick mußte ich einsehen, daß eine solche Arbeit ein ganzes
Menschenleben beansprucht hätte. So entschloß ich mich denn,
nur drei Kapitel als Ergänzung diesem Buche beizufügen. In ihnen wollte ich
von mir aus in kurzen Zusammenstellungen zeigen, daß der Geisterverkehr in
der nachapostolischen Zeit eine allgemein bekannte und anerkannte Tatsache
war und daß er sich auch in der jetzigen Zeit vollzieht, wenn er auch von der
heutigen Menschheit noch nicht anerkannt wird, und zwar nach denselben
Gesetzen sich vollzieht, die in diesem Buche geschildert sind und in allen
Zeiten dieselben waren und für alle Zukunft dieselben bleiben werden. So entstanden die folgenden
Kapitel “Der Geisterverkehr in der nachapostolischen Zeit“, “Die Wirkungen
der Geister in dem Leben eines evangelischen und eines katholischen Pfarrers
im 19. Jahrhundert“, “Der Spiritismus im Lichte der heutigen Wissenschaft“. Die Kundgebungen der Dämonen im
heidnischen Götzendienst Zwischen der Welt des
Heidentums, in die das Christentum eintrat, und dem Christentum entspann sich
ein gewaltiger Kampf. Bei diesem Kampfe auf Leben und Tod war es die
allgemeine Überzeugung der Christen der nachapostolischen Zeit, daß die bösen
Geistermächte die wirklichen Beherrscher des ganzen Heidentums waren und daß
die weltlichen Machthaber und ihre Untertanen nur die menschlichen Werkzeuge
jener bösen Mächte bildeten. Die Hölle sah ihre bisherige Herrschaft über die
Menschheit durch die Geisterwelt des Guten bedroht, die sich im Christentum
kundgab. “Hier galt es einen Kampf mit einem höheren Herrn, als dem Kaiser in
Rom, mit stärkeren Gewalten, als seinen Statthaltern und Beamten. Die Macht
dieser Gewalten war schon da, als noch kein römisches Reich existierte. Sie
erstreckte sich auch in die dunklen Provinzen des Reiches, wo römische
Verwaltung nur zum Schein bestand. Sie reichte hinein in die Menschenherzen
und ihre Gedanken, die keiner Verwaltung unterstehen.“ “Das Leben des Staates, wie
der einzelnen war voll von Beziehungen zu dieser jenseitigen Welt der
Geister, welche die Heiden Götter, Heroen oder Dämonen nannten. Das Leben des
Staates spielte sich unter ihrem Schutze ab. Ein großer Teil öffentlichen
gemeinsamen Handelns mit Opfern und Festen galt ihrer Verehrung“ (Weinel S. 2
u. 3). Wenn die Götzenbilder auch
äußerlich tot waren, so war man überzeugt, daß hinter jenen Statuen von Stein
und Holz wirkliche Geistwesen lebten, die sich kundgaben. Von ihnen sagt der
Christ und Märtyrer Justin: “Jene Bilder tragen Gestalt und Namen der
erschienenen schlechten Dämonen.“ - Diesen Dämonen galt die Verehrung der
Heiden. “In alten Zeiten sind die Dämonen (in menschlichen Medien) erschienen
und haben mit Frauen Ehebruch getrieben und Knaben geschändet und den Menschen
Schreckbilder gezeigt, so daß diejenigen erschraken, welche diese Vorgänge
nicht verstanden; sie nannten sie Götter und gaben ihnen den Namen, den sich
ein jeder Dämon beilegte. Sie taten es von der Furcht getrieben, weil sie
nicht wußten, daß es böse Dämonen waren“ (Justin 1.5, 2). Aber nicht bloß in der
Vergangenheit waren die bösen Geister wirksam, sondern die Christen der
ersten Jahrhunderte sahen täglich die Kundgebungen dieser Geister mit eigenen
Augen. Da waren zunächst
mancherlei Krankheiten, bei denen ein anderer Geist als der des Kranken aus
den Leidenden sprach und handelte. Der Wahnsinnige hatte einen Dämonen in
sich. Der Hysterische und Epileptische waren besessen. Das war allgemeiner
Volksglaube bei Juden, Heiden und Christen. Diese unsichtbaren
Geistwesen sprachen auch aus menschlichen Medien. Der Christ Tatian schildert
ein weibliches Medium des Apollo mit folgenden Worten: “Nachdem sie Wasser
getrunken hat, gerät sie in Raserei, und durch Weihrauch kommt sie von
Sinnen, und du meinst, sie sage wahr“ (19.p. 86). - Das Rasen ist stets ein
Zeichen, daß ein niederes Geistwesen von einem Medium Besitz ergriffen hat.
Die hohen Geister geben sich kund unter den Zeichen der Ruhe und des
Friedens. Das Rasen der Baalspriester
nach den Berichten der Bibel, die rasenden Bewegungen der Bacchantinnen bei
den Götzenfesten der Römer und Griechen, die tanzenden Derwische unserer
Zeit, sowie die große Zahl ähnlicher Erscheinungen bei den heutigen Medien
sind auf die Einwirkung böser Geistwesen zurückzuführen. Jene Geistwesen konnten
auch von den Hellsehern der damaligen Zeiten geschaut werden. Menschen,
welche die Gabe des Hellsehens oder andere mediale Fähigkeiten besaßen, durch
die sie mit der Geisterwelt in Verbindung treten konnten, nannte man damals “Pneumatiker“.
Dieses Wort ist abgeleitet von dem griechischen Wort “Pneuma“, das Geist
bedeutet. In der heutigen Zeit, die nichts mehr von den Gesetzen des
Geisterverkehrs kennt, deutet man das Wort “Pneumatiker“ als “Geistbegabten“
und erweckt dadurch die Meinung, als sei der eigene Geist jener Menschen die
Ursache wunderbarer Wirkungen. In Wirklichkeit waren jedoch die “Pneumatiker“
entweder vollständige “Medien“ oder Menschen mit einer medialen Veranlagung
oder solche, die mit der Gabe des Hellsehens und Hellhörens ausgestattet
waren. Also nicht bloß jene waren “Pneumatiker“, die mit der guten
Geisterwelt Berührung hatten, sondern auch diejenigen, welche mit den bösen
Geistwesen in Verbindung standen. Die Gesetze, nach denen sich diese
Verbindung vollzog, waren ja in beiden Fällen dieselben. “Die Dämonen werden auch
den Menschen sichtbar, indem sie sich ihnen zeigen, damit man glauben soll,
sie seien etwas Rechtes“. - “Leicht und oft werden ihre luft- und
feuerartigen Körper allerdings nur von den ‘Pneumatikern‘ gesehen; aber die
Tatsache, daß man sie sieht und häufig sieht, steht fest“, sagt Tatian (Or.
15 p. 70). Die hier erwähnten luft-
und feuerartigen Körper der Dämonen sind die Odkörper. Alle Geister besitzen
sie. Nur ist ihr Aussehen bei den einzelnen Geistwesen verschieden, je nach
der Sphäre, in der sich der Geist befindet. Auch redeten die
Götzenbilder selbst und wirkten Wunder. Das konnten auch die Christen nicht
leugnen, da diese Tatsache allgemein bekannt war. Gerade hieraus leiteten die
Heiden ihre Überzeugung ab, daß die Götzen, die sie verehrten, lebendige
Geistwesen waren, die über eine große Kraft verfügten. Sie sagen: “Aus
welchem Grunde vollbringen einige Bilder Wunderwirkungen, wenn es nicht
Götter sind, für die wir Bildsäulen errichten? Es ist doch nicht
wahrscheinlich, daß die leblosen unbeweglichen Bilder selbst Kraft entwickeln
können, ohne daß sie einer bewegt?“ - Der Christ Athenagoras entgegnet: Daß
in einzelnen Plätzen und Städten und Völkern im Namen der Bilder
Wunderwirkungen geschehen, leugnen auch wir Christen nicht. Nur halten wir
sie nicht für Götter“ (Athenagoras leg. 23 p. 116). - Von einer Bildsäule
eines gewissen Neryllinus in Troas erzählt er: “Man glaubt, daß sie wahrsage
und Kranke heile. Die Einwohner von Troas opfern ihr daher und schmücken sie
mit Gold und bekränzen sie. Ebenso soll in Parion von den Bildsäulen des
Alexander und des Proteus die eine weissagen; der anderen aber, der des
Alexander, feiert man auf Staatskosten Opfer und Feste, wie einem Gott, der
erhören kann.“ Athenagoras leugnet diese Wirkungen nicht. Nur sagt er, daß
diejenigen, die sie vollbringen, böse Geister seien. “So erlebte und erfuhr man
die Wirkungen und in ihnen den Beweis für die Existenz einer geheimnisvollen
Welt geistiger Wesen hinter den Dingen dieser Welt - geistiger Wesen, die
mächtiger, wissender, aber auch ruchloser waren, als die Menschen. Hinter und
über dem römischen Reich erhob sich das Reich dessen, welcher der wahre Herr
der Welt war, der Zeus, der Teufel und gerade in diesem Römerreich, dessen
führende Kreise dem Christentum so heftigen Widerstand entgegensetzten,
schien jenes Geisterreich sich sein mächtigstes Bollwerk geschaffen zu haben“
(Weinel, S. 12). Mit Entsetzen erfuhren die
Christen am eigenen Leibe die Wirkung des unsichtbaren Machthabers der Welt
und seiner Werkzeuge. Und was war der Zweck des
Teufels und seiner Dämonen mit all seinem Anstürmen gegen die Christen? Er
wollte sie fortlocken von Gott in den Irrtum der Vielgötterei. Er wollte sie
fort schleudern von ihrem geistigen Leben und in den geistigen Tod stürzen.
‘Denn nichts anderes erstreben die sogenannten Dämonen, als die Menschen
wegzuführen von ihrem Gott und Schöpfer und seinem Erstgeborenen, dem
Christus und die, welche sich über das Irdische nicht zu erheben vermochten,
haben sie an irdische, von Menschen gemachte Dinge gebunden (Bildsäulen) und
tun es noch“ (Justin 1, 58). - “Die Dämonen haben dies dadurch erreicht, daß
sie durch Erfindung von Mythen und Mysterien den Heilsplan Gottes mit der
Menschheit nachgeäfft haben. Sie haben denen, die nach Gottesgemeinschaft
trachteten, durch ihre Gebilde einen angenehmen, aber seelenverderbenden
Ersatz der wahren Offenbarung geschaffen“ (Justin 1, 56). Die bei den Götzenfesten
durch die Götzenbilder redenden bösen Geister erzeugten die für menschliche
Ohren vernehmbare Stimme dadurch, daß sie das ihnen zur Verfügung stehende Od
zur Bildung der sogenannten “direkten Stimme“ verwendeten. Es war in der Tat
eine Nachahmung des Sprechens Gottes durch die Odwolke über der Bundeslade im
Offenbarungszelt. Denn dies erfolgte ebenfalls als “direkte Stimme“, wie es
in meinen früheren Darlegungen ausführlich klar gelegt ist. Und wie bei dem
Sprechen Gottes die erforderliche Odwolke durch das Od des Opferblutes und
die Räucherungen beschafft wurde, so war auch das Blut der heidnischen
Götzenopfer und die dabei vorgenommene Räucherung die Odquelle für die
“direkten Stimmen“ der bösen Geister. Bei der großen Gefahr, die
den Christen ständig durch den Teufel und sein Heer drohte, war die Furcht
vor diesen finsteren Mächten weit verbreitet. Es waren nicht Schatten und
Phantasiegebilde, um die es sich handelte, wie es den meisten modernen
Menschen erscheint, auch nicht mit Zähigkeit festgehaltene, unbewiesene Glaubenssätze,
wie sie die heute lebenden Christen in ihren Religionen haben, sondern die
bösen Geister waren erlebte, täglich sich kundgebende Gewalten, welche auf
Schritt und Tritt geheimnisvoll, aber machtvoll wirkend ins Leben eingriffen
(Weinel, S. 24). Wir müssen uns einen
Christen vorstellen, wie ihn in dem Hause, in dem er lebt, die Laren und
Penaten (Bilder und Götzen) von den Wänden anstarren; wie auf den Straßen und
Plätzen die Bilder ihm zu drohen scheinen; wie er an den Tempeln vorübergeht,
wo in dem dunklen Haus hinter den hellen Säulenreihen die geheimnisvollen
Gewalten ihr Wesen treiben, Scharen von Menschen zu sich ziehend. Unter
diesen Bildern gab es viele, deren scheußliche Gestalt mit ihrer wundersam
grotesken Mischung von Menschen- und Tierleibern abstieß und doch denjenigen
mit Grausen erfüllte, der hinter ihnen eine persönliche Geistermacht lebendig
und wirksam wußte. Weit gefährlicher aber waren die Dämonen, wenn sie dem
zart schimmernden Marmor Leben einhauchten, wenn die schönheitsfrohen Glieder
der griechischen Götter und Göttinnen der sinnverlockende Zauber wurden,
durch den die Teufel die Menschen knechteten. Der Christ erkannte mit
Entsetzen, daß all diese lebensvolle Schönheit Gott gestohlen war, um sie zur
Sünde zu gebrauchen; daß alle Majestät, welche die Göttergestalten umfloß,
ein Raub an Gottes Herrlichkeit und an seiner Herrschaft über die
Menschenherzen war. Und wenn der Christ dann
bei Familienfeiern, bei den Festen der Stadt und der Provinz voll Grauen die
ungeheure Macht des Abfalls von Gott erfuhr; wenn er sah, wie bei solchen
Festen die schlimmsten Schandtaten der Dämonen und Heroen auf der Bühne sich
abspielten, wie die Leidenschaften der Menschen und Götter Habgier, Haß,
Rachgier und Sinnenliebe, und was ihnen folgt: Krieg, Mord und Ehebruch, vor
den Augen von alt und jung, der Reifen wie der Unreifen, in verführerischem
Zauber sich entfalten: Dann zog ein Schauer der Verachtung und des Hasses
gegen diejenigen durch sein Herz, welche die Seelen der Menschen durch ihre Gaukeleien
und Schreckbilder von dem wahren Gott und seiner ewigen Güte und Reinheit
weggehauen.“ “Glücklich der Christ, der
nur diese Empfindungen kannte. Aber wenn sich die Schönheit der Bilder und
der Menschen, wenn sich der Sinnenreiz der Schauspiele ihm ins Herz schlich,
wenn bei den Kämpfen der Gladiatoren die im Menschen schlummernde Blutgier
auch in ihm erwachte, dann hörte er mit Schrecken und Entsetzen dieselben
finsteren Mächte aus den Regungen seines eigenen Trieblebens bald in süßem
Schmeicheln, bald in wildem Locken zu sich reden. Er glaubte sie nicht bloß
zu hören. Je mehr er auf sich achtete, je mehr er sich versenkte in das
Erleben der Geisterwelt, je mehr er ein ‘Pneumatiker‘ wurde, desto klarer und
öfter hörte er diese Stimmen, ja er sah die Gestalten der bösen Geister
leiblich und erlebte körperlich ihre peinigende Gegenwart.“ “Und blieb er
seinem Gotte treu, so wartete auf ihn vielleicht das Schlimmste. In einer
Zeit der Verfolgung entfalteten Satan und seine Geister ihre höchste Macht. Mit
Abscheu und bangem Entsetzen erfuhr er dann die Grausamkeit dieser
wildgewaltigen Feinde an den Qualen seiner Freunde, oder er erlebte sie in
den peinigenden Schmerzen, die seinen eigenen gefolterten Leib zerrissen.“
(Weinel, S. 24 u.25). Was für eine Kraft war es
nun, welche die Christen befähigte, die bösen Geistermächte zu überwinden?
Die Christen selbst antworten uns: Es ist ein heiliger Geist, ein Geist
Gottes, der sie wirkt. Die Geister Gottes kamen zu ihnen in derselben Weise,
wie sie zu den ersten christlichen Gemeinden kamen. So sagt Justin von den
Christen seiner Zeit: “Sie empfangen Gaben, ein jeder nach Würdigkeit,
erleuchtet durch den Namen dieses Christus. Denn der eine empfängt einen
Geist der Einsicht, der andere einen Geist des Rates, der andere einen der
Kraft, der andere einen Geist der Heilung, der andere einen Geist des
Vorherwissens, dieser einen Geist der Lehre, jener einen Geist der Furcht
Gottes“ (Justin, Dial. 39 p. 132). - “Bei uns kann man Frauen und Männer
sehen, welche Gnadengaben von einem Geist Gottes haben“ (Justin, Dial. 88 p.
318). In seinem Gespräch mit dem
Juden Tryphon sagt Justin: “Bei uns sind noch bis jetzt prophetische Gaben
vorhanden, woraus ihr erkennen könnt, daß das, was vor alten Zeiten in eurem
Geschlecht war, jetzt zu uns kam. Und wie auch falsche Propheten zu der Zeit
lebten, da die heiligen Propheten bei euch auftraten, so gibt es auch jetzt
bei uns falsche Lehrer“ (Justin, Dial. 82 p. 296). Gegen diejenigen, welche
die Kundgebungen der Geister Gottes aus der Religion verweisen wollten, tritt
Irenaeus auf. Er spricht den Standpunkt der ganzen christlichen Kirche der
damaligen Zeit aus, wenn er gegen die Religionsgemeinschaft der Aloger sagt:
“Sie machen die Gabe des Geistes zunichte, welche in der Endzeit nach dem
Willen des Vaters über das ganze Menschengeschlecht ausgegossen ist. Sie
wollen jene Form des Evangeliums nicht zulassen, welche im
Johannes-Evangelium dargestellt ist, wo der Herr versprochen hat, die
Geisterwelt zu senden. Und sie verwerfen sowohl das Evangelium, als auch den
prophetischen Geist.“ Wenn Irenaeus den Ausdruck
“Endzeit“ gebraucht, so meinten die Christen damit die Zeit vom Erscheinen
Christi an bis zum Weltende. Unter “prophetischem Geist“ verstanden die Christen
einen Geist, der durch ein menschliches Medium die Wahrheiten Gottes
verkündete, wie dies in den ersten christlichen Gemeinden der Fall war. Nach
dem alt-christlichen Grundsatz konnte man die Wahrheit nur dort lernen, wo
Geister Gottes sich kundgaben. Dieser Grundsatz wurde in die Formel
gekleidet: “Wo die Gnadengaben Gottes bestehen, dort muß man die Wahrheit
lernen.“ Da die Verbindung mit der
guten Geisterwelt unter denselben Gesetzen und Vorbedingungen sich vollzog
und noch vollzieht, wie die mit den bösen Geistern, so sind die Kundgebungen
beider Geisterwelten äußerlich gleichartig. Nur aus dem Inhalt der
Kundgebungen und dem Benehmen der Geistwesen in den menschlichen Medien kann
man erkennen, ob sie von guten oder bösen, hohen oder niederen Geistwesen
stammen. Aber die Kundgebungen selbst betrachtete damals so wohl der Jude wie
der Heide und der Christ, der katholische Christ sowohl wie der nicht
katholische, in gleicher Weise als Wirkungen unsichtbarer Geistwesen. “Erblickt ein Christ in
einer Vision einen Engel oder einen Dämon, Christus oder den Teufel, hat ein
Heide oder ein Gnostiker eine Vision, so ist nicht, wie für manche moderne
Theologen, bei einem Juden Selbsttäuschung, was bei einem Christen wahres
Erleben ist, sondern in jedem der angegebenen Fälle sind für jene Zeit
übermenschliche, unsichtbare Geistwesen in Erscheinung getreten. Und das
Erlebnis kann sich jedesmal ganz in der gleichen Form abspielen“ (Weinel, S.
64). “Die Wirkungen des heiligen
Geistes und der Dämonen sind aber nicht nur im allgemeinen gleichartige
Vorgänge, sondern derselbe Vorgang kann bald als Wirkung des guten, bald als
Wirkung des bösen Geistes beurteilt werden, je nach dem dogmatischen
Standpunkt (Glaubensstandpunkt) des Verfassers. Was der Gnostiker (eine christliche
Sekte) für gute, heilige Geistwirkung hält, beurteilt der katholische Christ
als Blendwerk der Dämonen und umgekehrt“ (Weinel, S. 64). “Wo die
pneumatischen Vorgänge auf demselben seelisch-leiblichen Gebiet auftreten,
ist es höchst auffallend, wie gleichartig sie in allen Jahrhunderten gewesen
sind. Der mittelalterliche mönchische Mystiker, der Quäker im
protestantischen England, der hugenottische Inspirierte, der Wunderarzt des
19. Jahrhunderts, erlebt und tut dann ganz dasselbe, wie die Pneumatiker der
werdenden Kirche“ (Weinel, S. 65). “Innerhalb des Gebietes der
pneumatischen (medialen) Erscheinungen gibt es nach christlicher Überzeugung
keine neutrale Wirkung. Der Geist, welcher wirkt, ist entweder ein böser oder
ein guter“ (Weinel, S. 67). Trancezustände der christlichen
Medien Die Art und Weise, wie die
Geister in den nachapostolischen Zeiten sich kundgaben, ist dieselbe, wie sie
in den früheren Kapiteln dieses Buches über die Medien dargelegt wurde. Die Geister bedienten sich
der Medien zum Sprechen. Es gab sowohl “Teiltrancemedien“, bei denen der
eigene Geist alles hört, was das fremde Geistwesen durch das Medium spricht,
als auch “Tieftrancemedien“, bei denen ein anderer Geist redete, während das
Medium selbst in vollständig bewußt-losem Zustand sich befand. Ein Medium,
das in Teiltrance sprach, schildert seinen eigenen Zustand mit folgenden
Worten: “Stets empfand ich dabei eine außerordentliche Erhebung zu Gott, bei
welchem ich daher beteuere, daß ich weder durch irgend jemand bestochen oder verleitet,
noch durch eine weltliche Rücksicht bewogen bin, durchaus keine anderen Worte
als solche zu sprechen, welche der Geist oder der Engel Gottes selbst bildet,
indem er sich meiner Organe bedient. Ihm allein überlasse ich daher in meinen
Ekstasen die Lenkung meiner Zunge, indem ich mich nur bestrebe, meinen Geist
auf Gott zu richten und die Worte zu merken, welche mein Mund ausspricht. Ich
weiß, daß alsdann eine höhere und andere Macht durch mich spricht. Ich denke
darüber nicht nach und weiß vorher nicht, was ich reden werde. Meine Worte
kommen mir daher wie die Rede eines anderen vor, aber sie lassen einen tiefen
Eindruck in meinem Geist zurück“ (Weinel, S. 77 u. 78). Oft auch betet ein Geist
unter Benutzung eines Mediums in Teiltrance. Ein Beispiel des “Betens im
Geist“ berichtet höchst anschaulich das Martyrium des Polykarp. Hier ist auch
das große Ergriffensein treffend geschildert. Polykarp begibt sich aus dem
Obergemach des Hauses, wohin man ihn geflüchtet hatte, zu der
Truppenabteilung hinunter, befiehlt, den Soldaten zu essen vorzusetzen, und
bittet sie dann um eine Stunde Verzug für ein ungestörtes Gebet. “Als sie es
ihm gestatteten, trat er hin und betete, voll der Gnade Gottes (im Geiste) so
sehr, daß er zwei Stunden lang nicht schweigen konnte und alle Zuhörer
erschraken, viele es aber bereuten, daß sie gekommen waren zu einem solch
gottbegnadeten Greis, um ihn festzunehmen.“ Er konnte nicht schweigen. Denn
nicht er selbst redete, sondern etwas anderes sprach aus ihm und ließ ihn
nicht zum Schweigen kommen. Dabei vernimmt er nichts von dem, was um ihn
vorgeht. Er ist unempfindlich gegen die Müdigkeit, die dem alten Manne doch
sonst das Stehen unmöglich gemacht hätte. Alle Anwesenden sahen, daß Polykarp
nicht selbst sprach, sondern daß ein anderer aus ihm redete. Eine solche
Wahrnehmung hat für den Zuschauer immer etwas Schreckhaftes, wie überhaupt in
allen Fällen, wo die jenseitige Geisterwelt mit Menschen in sinnlich
wahrnehmbarer Weise in Berührung kommt, vor allem, wenn es das erstemal ist,
wo der Mensch so etwas erlebt. Solch ein Beter, wie
Polykarp, war ohne Zweifel der schwäbische Pfarrer Blumhardt, bei dessen
Gebet die Kranken die Geister der Krankheit von sich weichen fühlten (Weinel,
S. 83). Das Stadium der
“Tieftrance“ oder der eigentlichen “Ekstase“ war sehr oft bei den Medien der
Montanisten vorhanden. Von Montanus erzählt sein Gegner Eusebius, es sei ihm
berichtet worden, “Montanus, ein Neugetaufter, habe, von unmäßigem Ehrgeiz
getrieben, dem bösen Feind Einlaß in sein Inneres gewährt. Er sei von einem
Geist erfüllt worden und habe plötzlich, in Besessenheit und Ekstase geraten,
in einem Erregungszustand zu reden und fremdartige Worte auszustoßen
begonnen. Auch zwei von ihm erweckte Frauen hätten gesprochen “in bewußtlosem
Zustande und ganz plötzlich und fremdartig, ähnlich wie Montanus, von
demselben bösen Geist erfüllt.“ Der Geist, der aus Montanus
redet, erklärt diesen medialen Zustand mit folgenden Worten: “Siehe, der
Mensch ist wie ein Lyra (Musikinstrument), und ich fliege hinzu wie ein
Plektrum (durch das auf das Musikinstrument geschlagen wurde).“ Damit gibt dieser Geist in
der richtigen Weise das Verhältnis an, in dem der Geist, der aus einem Medium
spricht, zu dem Medium steht. Das Medium ist bloß Werkzeug in der Hand des
Geistes. Es ist das Klavier und der fremde Geist ist der Klavierspieler. So
ist es bei allen echten Medien ohne Ausnahme. Das abfällige Urteil, das
bei Eusebius über die Geistwirkungen in der montanistischen
Religionsgemeinschaft, die doch auch eine christliche war, in den oben
angeführten Sätzen gefällt wird, ist das Urteil eines religiösen Gegners. Und
bekanntlich sind Religionskämpfe stets die erbittertsten, bei denen die
Gegner von den Waffen der Lüge und der Verleumdung und der Entstellung der
Wahrheit zu allen Zeiten den ausgiebigsten Gebrauch gemacht haben. Daß bei
den Montanisten die Geisterkundgebungen nicht von der Art gewesen sein
können, wie die katholischen Gegner sie hinstellen, geht schon allein aus der
Tatsache hervor, daß Tertullian, der gelehrteste und ernsteste Kirchenlehrer
der damaligen Zeit, aus der katholischen Religionsgemeinschaft zu der
montanistischen übergetreten ist. Wer die Werke dieses Kirchenlehrers kennt,
dem ist es ohne weiteres klar, daß die bei den Montanisten zutage getretenen
Geistwirkungen etwas Ernstes und Heiliges gewesen sein müssen, sonst hätte
sich dieser Mann ihnen nicht angeschlossen. Da die Geistwirkungen bei
den Montanisten unter den Christen sehr viel Aufsehen erregten und der
bisherigen christlichen Religionsgemeinschaft, die man die katholische
nannte, dadurch großen Abbruch taten, stellte man plötzlich von Seiten der
damaligen katholischen Kirchenleiter den Grundsatz auf, daß ein wahres
Werkzeug Gottes nicht in der Ekstase, also nicht in Tieftrance spreche. Und doch
war es allgemein bekannt, daß zu allen Zeiten zahlreiche Menschen als
Werkzeuge Gottes in Ekstase gesprochen hatten. So sagt der katholische
Athenagoras aus derselben Zeit: “Die Propheten haben in der Bewußtlosigkeit
der Exstase, indem sie ein göttlicher Geist in Tätigkeit versetzte, das
ausgesprochen, was ihnen eingeflößt wurde, wobei sie ein heiliger Geist
benutzte, wie ein Flötenspieler seine Flöte bläst“ (Athenag. leg. p. 42). Und
an einer anderen Stelle sagt er, der Geist habe die “Sprachorgane der
Propheten wie Instrumente in Bewegung gesetzt.“ In der justinischen Coh. ad.
Grace. heißt es: “Das göttliche, aus dem Himmel herabkommende Plektrum hat
die gerechten Männer wie ein Instrument, eine Zither oder Lyra, benutzt.!!
Auch Justin und Theophilus gebrauchen dieselben Bilder. Es ist also das
nämliche, was der aus Montanus sprechende Geist gesagt hatte, im Montanismus
war die Art der Geisterkundgebungen dieselbe, wie bei den ersten christlichen
Gemeinden. Die Unterscheidung der Geister Das Buch: “Der Hirte des
Hermas“, ein durch und durch spiritistisches Buch, genoß in der
nachapostolischen Zeit ein so großes Ansehen, daß man es an die Heilige
Schrift anreihte. Darin wird auch ausführlich erklärt, wie man die
Sprechmedien der guten Geister von denen der bösen unterscheiden könne. Aus
seinen Ausführungen geht mit voller Deutlichkeit hervor, daß man an der Form
des Sprechens “den Geist von oben“ und den irdischen Geist nicht zu
unterscheiden vermag. Außer an dem Inhalt des Gesprochenen sind nach Hermas folgende
Kennzeichen für ein Sprechen guter Geister durch ein Medium maßgebend: “Kein
Geist, von Gott gegeben, läßt sich befragen.“ Er läßt sich also nicht als
Orakel menschlicher Neugierde benutzen. Selbstverständlich darf der Mensch in
den Dingen, die der sich kundgebende Geist vorgetragen hat, auch Fragen an
den Geist richten, sobald er die Kundgebung nicht verstanden hat oder ihm der
eine oder andere Punkt daraus unklar geblieben ist. Die gute Geisterwelt
verlangt in einem solchen Falle sogar, daß die Zuhörer solche Fragen stellen.
Er teilt ja seine Belehrungen, Anweisungen und Ermahnungen zum Besten der
Anwesenden mit und hat daher den sehnlichsten Wunsch, daß seine Worte richtig
verstanden und aufgefaßt werden. Darum will er auch, daß man nötigenfalls Fragen
stellt. Oft fordern die Geister sogar die Anwesenden auf, Fragen zu stellen,
selbst solche, die mit dem soeben Kundgegebenen in keinem Zusammenhang
stehen. Das geschieht in den Fällen, wo der Geist weiß, daß einer der
Anwesenden eine Frage stellen möchte, die sich allerdings nie auf rein
materielle Dinge beziehen darf. Ein zweites Kennzeichen für die Anwesenheit
eines guten Geistes in einem Medium ist: “Nicht Menschen können bestimmen, ob
und wann der Geist spricht, sondern er spricht nur dann, wann Gott es will,
daß er rede.“ Es ist daher bei dem guten Geisterverkehr nicht möglich, ein
Medium in Trance zu versetzen, damit eine Geisterkundgebung erfolgen soll.
Sie erfolgt, wann sie erfolgen soll. Menschen können sie nicht herbeiführen.
Wohl können Menschen durch Beschaffung der erforderlichen Odkraft die
Vorbedingungen für eine Geisterkundgebung sicher stellen. Ob aber eine solche
Kundgebung erfolgt, hängt nicht von ihnen ab. Den Vorgang selbst deutet
Hermas mit den Worten an: “Der Engel des prophetischen Geistes, der bei ihm
wohnt, füllt den Menschen, und der Mensch, erfüllt mit einem heiligen Geiste,
spricht zu der Gemeinde, wie der Herr will.“ Von den montanistischen
Medien als Tieftrancemedien wird der bei allein Tieftrancemedien eintretende
Zustand mit den Worten angedeutet. “Sie beugen das Antlitz zur Erde.“ Es
scheint hier mit auf den Eintritt der Tieftrance angespielt zu werden. Denn
bei dem Austritt des eigenen Geistes des Mediums fällt der Körper vornüber
und wird erst von dem eintretenden fremden Geist wieder emporgerichtet. Das
Austreten oder Weggehen des Geistes des Mediums ist in dem Worte “Ekstase“
genau wiedergegeben. Denn “Ekstase“ heißt “Austritt“. Nach dem Eintritt des
fremden Geistes gehen die Kundgebungen in aller Ruhe vor sich, wenn das
Geistwesen ein gutes ist. Hat jedoch ein böser Geist von dem Medium Besitz
ergriffen, so treten sehr häufig Zustände ein, die selbst auf den in diesen
Dingen Unerfahrenen den Eindruck dämonischer Besessenheit machen. “Rasen ist
ein Werk der Dämonen“ sagt der Christ Tatian. Das Hellsehen und Hellhören der
damaligen Medien Auch das Hellsehen,
Hellhören und Hellempfinden, wozu auch die Empfindungen des Geschmacks- und
Geruchssinns gehören, ist eine häufige Erscheinung bei den Christen der
ersten Jahrhunderte. In dem Buch des Hermas
nimmt das Hellsehen und Hellhören einen großen Raum ein. Denn das meiste
nimmt Hermas hellsehend und hellhörend wahr. Eine weibliche Gestalt, die er
sieht und hört, erklärt ihm die jenseitigen Wahrheiten. Sie ist seine
Führerin, wie es bei dem hellsehenden Dante die Beatrice war. Denn auch Dante
hat die Hauptsache dessen, was er in seiner “Göttlichen Komödie“
niederschrieb, hellsehend geschaut. Der Märtyrer Polykarp
schaut hellsehend sein Todesschicksal. Auf dem Landgut, wohin er entflohen
war, weilte er mit einigen wenigen und tat “Tag und Nacht“ nichts anderes,
als daß er betete für alle und die Gemeinden der ganzen Welt, wie er es zu
tun pflegte. Und als er betete, hatte er ein Gesicht, drei Tage, bevor er
gefangengenommen wurde: Er sah sein Kopfkissen im Feuer verbrennen. Da drehte
er sich um und sagte zu denen, die bei ihm wahren. “Es ist von Gott bestimmt,
daß ich lebend verbrannt werden soll.“ Am häufigsten ist bei den
hellsehenden Gottesgläubigen das Schauen jenseitiger Gestalten und Gefilde,
überhaupt ein Schauen des Geisterreiches als eine Welt gleich der irdischen,
nur geistig anstatt materiell. Daß auch heidnische
Hellseher derartige Visionen hatten, ist selbstverständlich. Denn das
Hellsehen ist eine Gabe des menschlichen Geistes infolge einer entsprechenden
Gestaltung des seinen Geist umgebenden Ods, so daß er ähnlich sieht, wie ein
körperloser Geist. Das, was der Hellseher schaut, ist als Bild ebenso wahr,
wie die Bilder der materiellen Welt, die unser körperliches Auge schaut. Die
Geisterwelt kann diese Bilder nach Belieben vor den Augen des Hellsehers
entstehen lassen. Das Od ist das Material, aus dem sie geformt werden. Es
kommt nur auf die innere Einstellung des Hellsehers an, ob die gute oder die
böse Geisterwelt bei seinem Schauen jenseitiger Dinge tätig ist. Bei dem
Hellsehen, das sich auf Diesseitiges bezieht und von der Odstrahlung der
irdischen Geschöpfe abhängig ist, spielt die innere Gesinnung des Hellsehers
keine Rolle. Darum konnten die heidnischen Hellseher diesseitige Schicksale
ebensogut schauen, wie christliche, wenn die Christen ihnen auch vorwarfen,
daß auch dies von den Dämonen bei jenen bewirkt werde. Die Urkunden der ersten
christlichen Jahrhunderte sind voll von solchen Tatsachen des Hellsehens und
Hellhörens. Als Polykarp in Smyrna als Märtyrer starb, hörte Irenaeus‚ der
sich gerade in Rom aufhielt, eine Stimme wie eine Trompete, welche sagte:
“Polykarp ist Blutzeuge geworden.“ Was das mediale Schreiben betrifft, so
behaupten viele der führenden christlichen Männer jener Zeit, bei ihren
Schreiben von der Geisterwelt inspiriert worden zu sein. Die Ausbildung der damaligen Medien Die Ausbildung der Medien
in der nachapostolischen Zeit war dieselbe, wie bei den Medien der ersten
Christengemeinden. Sie erfolgte bei den gottesdienstlichen Versammlungen.
Nach Hermas tritt der pneumatische Zustand eines Propheten ein unter
allgemeinem Gebet der Gemeinde. Die Gemeinde betete, indem sich alle
Anwesenden als Sinnbild der Einheit die Hände reichten. Der dadurch erzeugte
geschlossene Odstrom lieferte der Geisterwelt das Material zur Ausbildung der
Medien und zu ihren Kundgebungen durch die fertigen Medien. - Wer die
Ausbildung von Medien selbst sah, dem sind die aus jenen Zeiten berichteten
medialen Vorgänge vollkommen klar. Denn es sind dieselben wie heute. Wenn Eusebius berichtet,
daß die Kirche es nicht gestattete, sich zum Propheten machen zu lassen oder
sich selbst dazu zu machen, so sind auch diese Vorgänge für den Kenner sehr
verständlich. Denn ebensogut wie ein Mensch in den gottesdienstlichen
Versammlungen zum Medium werden konnte, so war dies auch möglich, wenn sich
ein medial Veranlagter mit einigen anderen zu einem Privatgottesdienst
vereinigte oder auch für sich allein zu geistigen Sammlung hinsetzte. Nur der
eine Unterschied war vorhanden, daß die Ausbildung eines Mediums in einer
größeren harmonischen Versammlung schneller vor sich ging, als im Beisein von
nur wenigen oder gar bei vollständigem Alleinsein des Mediums. Denn die
konzentrierte Odkraft einer großen Versammlung ermöglicht die Arbeit der
Geisterwelt an den Medien in viel wirksamerer Weise, als die bedeutend
schwächere Odkraft einiger weniger oder die Odkraft eines Alleinstehenden.
Aber nach und nach wird die Odkraft auch bei dem einzelnen, der sich
innerlich zu sammeln versteht, so stark, daß seine Ausbildung als Medium,
wenn auch in längerer Zeit, erfolgen kann. Die spätere „Kirche“ verbietet den
Geisterverkehr Das Verbot der späteren
christlichen, besser gesagt katholischen Kirche, sich selbst zu einem Medium
auszubilden oder mit Hilfe anderer dies zu erreichen, stammt aus einer Zeit,
wo die Geisteinwirkungen auch in den gottesdienstlichen Versammlungen
aufgehört hatten, weil die Leiter der Kirche diese Dinge mit Gewalt
unterdrückten. Der Grund hierfür war
damals derselbe, der heute bei den christlichen Kirchen vorliegt, wenn sie
sich gegen den Spiritismus feindselig verhalten. Die Leiter einer zur
geschlossenen weltlichen Organisation gewordenen Kirche können die Konkurrenz
einer Geisterwelt nicht gebrauchen. Schon zur Zeit des Irenaeus war die alte
Kirche zu einem festen irdischen Gefüge geworden. Das geistliche Beamtentum
regierte die Gläubigen. Die Bischöfe wurden nicht mehr von den sich
kundgebenden Geistern Gottes bestimmt, sondern von Menschen ernannt oder
gewählt. Auch begnügten sie sich nicht mehr mit der dienenden Aufgabe des
Episkopos der ersten Christen, sondern betrachteten sich als Träger der
überlieferten Glaubenswahrheiten und als deren rechtmäßige Ausleger. Wo aber
Menschen, die nicht von einem Geiste Gottes dazu ausgewählt werden, Hand an
das Heilige legen, da folgt die Entweihung auf dem Fuße. Dasselbe gilt von
den späteren “Presbytern“, im Gegensatz zu den “Presbytern“ der apostolischen
Zeit. Wenn man auch rein
religionsgeschichtlich den Unterschied zwischen dem Urchristentum und der
späteren “katholischen Kirche“ in wenigen Worten kennzeichnen soll, so muß
man sagen: “Im Urchristentum hatten die Geister Gottes alles zu sagen und die
Menschen nichts. In der späteren katholischen Kirche hatten die Menschen
alles zu sagen und die Geister Gottes nichts.“ _______ *
_______ Die Wirkungen der Geister im Leben eines
evangelischen und eines katholischen Pfarrers des 19. Jahrhunderts Die Erlebnisse des evangelischen
Pfarrers Blumhardt Über Johann Christoph
Blumhardt, einen der bedeutendsten Pfarrer der evangelischen Kirche
Deutschlands im 19. Jahrhundert, der von 1805 bis 1880 lebte, hat Friedrich
Zündel eine Lebensbeschreibung verfaßt. (Friedrich Zündel: Johann Christoph
Blumhardt. Ein Lebensbild. Brunnen-Verlag, Gießen 1926. - Die im vorliegenden
Kapitel angeführten Tatsachen habe ich diesem Buche entnommen und die
Seitenangaben beziehen sich auf dieses Buch. Der Verfasser) Darin nimmt die Schilderung
von Kundgebungen der Geisterwelt im Leben und der Seelsorge Blumhardts einen
breiten Raum ein. Die berichteten Tatsachen sind deshalb für das Verständnis
des Geisterverkehrs in der jetzigen Zeit von so großer Wichtigkeit, weil an
der Echtheit der Kundgebungen nicht im geringsten gezweifelt werden kann und
weil die Geschehnisse dieselben sind, wie sie zu allen Zeiten der Menschheit
erfolgten. Blumhardt hat seine
Berührung mit der Geisterwelt in einer Denkschrift an seine Kirchenbehörde
wahrheitsgetreu geschildert, nichts hinzugesetzt und nichts weggelassen. Das
beweist das Vorwort, das er seiner Denkschrift beifügte: “Indem ich mitfolgenden
Aufsatz meiner Kirchenbehörde übergebe, fühle ich mich zu der Erklärung
gedrungen, daß ich mich noch gegen niemanden so kühn und unumwunden über
meine Erfahrungen ausgesprochen habe ... War daher bei weitem das meiste
bisher Geheimnis geblieben, das ich in meiner Brust bis ins Grab unenthüllt
bewahren konnte, so stand es mir völlig frei, für diesen Aufsatz beliebige
Auswahl zu treffen; und es wäre mir eine Kleinigkeit gewesen, eine
Darstellung zu geben, die sich ohne allen Anstoß von jedermann hätte lesen
lassen können. Das konnte ich aber nicht über mich bringen; und obwohl ich
fast bei jedem Abschnitt zittern wollte, ob es nicht übereilt und unvorsichtig
wäre, alles so bar heraus zu sagen, so lautete es doch immer in mir: Heraus
damit!“ “So sei es denn gesagt; und
ich tue es auf den Namen Jesu, der Sieger ist. Eben hier ehrlich und offen zu
sein, achtete ich nicht nur als Schuldigkeit gegen meine hochverehrte
Kirchenbehörde, welche alles Recht zu einer Offenheit um mich verdient hat,
sondern auch gegen meinen Herrn Jesum, dessen Sache allein es ist, die ich zu
verfechten hatte. Indem ich aber hier zum ersten Male ohne jeden Rückhalt
mich ausspreche, liegt mir freilich der Wunsch nahe, es möchten diese
Mitteilungen mehr als Privatmitteilungen angesehen werden, als lege ein
vertrauter Freund seine Geheimnisse in den Schoß seiner Freunde nieder.“ “Eine zweite Bitte möchte
auch verzeihlich sein: Es mögen die verehrten Leser öfters das Ganze lesen,
ehe sie ein Urteil fällen. Indessen vertraue ich dem, der die Herzen in
seiner Gewalt hat und wie auch die Urteile ausfallen mögen, so bleibt mir die
Beruhigung, ohne Hehl die Wahrheit gesprochen zu haben und obendrein die
felsenfeste Gewißheit: ‘Jesus ist Sieger!“ Eine weitere Beleuchtung
seiner Denkschrift gibt Blumhardt in einer Verteidigungsschrift gegen einen
Dr. de Valenti in folgenden Worten: “Ich hätte können freilich,
möchte man sagen, klüger sein und in meinem Bericht das, was man mir als den
ungemessensten Eigendünkel auslegen konnte, lüglich weglassen, weil man ja
längst gewohnt ist, Geschichten von dämonischen Erscheinungen, namentlich von
Somnambulen, ohne einen vernünftigen Ausgang sich schließen zu sehen. Aber
ich habe das alles wohl gefühlt und man glaube ja nicht, daß ich in der
Dummheit allzu ehrlich gewesen sei. Wenn ich berichten mußte, und dazu war
ich beauftragt, so wollte ich nicht gegen die Wahrheit es so darstellen, als
ob eben da einmal wieder eine dämonische Charlaterie oder Sonderbarkeit
vorgekommen sei, wie man sie in den letzten Jahrzehnten schon so oft gehört
und gesehen hat. Ich hätte mich geschämt, in die Reihe der abenteuerlichen
Sonderlinge mich einreihen zu lassen, welche so häufig nur ein irriges Spiel
mit Erscheinungen und Ereignissen aus der anderen Welt treiben; ich stand in
der Furcht Gottes bei jener Sache, und wenn letztere ein viel ernsteres
Gewand bekam, als alle Geschichten ähnlicher Art sonst haben, so mußte ich
eben das schon zu meiner Selbstrechtfertigung meiner Behörde deutlich machen.
Schrieb ich einmal etwas, so mußte ich alles schreiben, und so sagte ich
offen und ohne Vorbehalt heraus, wie ich handelte und dachte; so konnte ich
auch um so getroster jedes Resultat erwarten, und war ich etwa verkehrt oder
im Irrtum oder im Eigendünkel, so sollte das meine Behörde wissen oder zu
beurteilen imstande sein. Denn ich will einmal nicht in einem stummen
Eigensinn mich verrammeln, wie es allerdings in gegenwärtiger Zeit manche falsche
Richtungen und dämonische Geistlichkeiten tun, da die Betrogenen im
Verborgenen mancherlei ausbrüten und niemanden, der nicht schon ganz ihnen
angehört, in ihre Heimlichkeiten hineinschauen lassen. Meine Sache sollte ans
Licht und im Lichte geprüft werden - aber wohlgemerkt, nur als eine Art
Beichtgeheimnis gegenüber meiner Behörde. Dieser wollte ich es sagen und
vorerst sonst niemandem. Ich habe auch Wort gehalten.“ In seiner Pfarrei hatte
Blumhardt eine arme Familie Dittus. Sie bestand aus fünf Geschwistern: Drei
Schwestern und zwei Brüdern. Die eine der Schwestern hieß Gottliebin und war
25 Jahre alt. Im Frühjahr 1840 waren die Geschwister in das Erdgeschoß eines
ärmlichen Hauses in Möttlingen, der Pfarrei Blumhardts, eingezogen. Schon
bald glaubte Gottliebin Dittus unerklärliche Vorgänge bei sich zu verspüren.
Es kam ihr vor, als sähe und höre sie manches Unheimliche im Hause. Gleich am
ersten Tage, wo sie das Haus bezogen hatten, hatte Gottliebin beim Tischgebet
einen Anfall bekommen, bei dem sie bewußtlos zu Boden fiel. Oft hörte man ein
immer wiederkehrendes Gepolter und Geschlürfe in der Kammer, Stube und Küche.
Das setzte sowohl die Geschwister Dittus, als auch die im oberen Stock
wohnenden Hausleute in Schrecken. Aber keiner hatte den Mut, etwas zu sagen.
Gottliebin fühlte, wie ihr nachts die Hände gewaltsam übereinandergelegt
wurden. Sie sah Gestalten und Lichter. Pfarrer Blumhardt hörte nur
hier und da von der Sache und schenkte ihr keine Aufmerksamkeit. Dieser Spuk hatte schon
über zwei Jahre gedauert, da wurde Blumhardt durch Verwandte der Gottliebin
auf den jammervollen Zustand des Mädchens aufmerksam gemacht und um Hilfe
gebeten. Das Gepolter war inzwischen in dem Hause so furchtbar geworden, daß
man es weit in der Nachbarschaft hörte, gerade als wären Handwerksleute in
dem Hause beschäftigt. Gottliebin sah besonders häufig die Gestalt eines zwei
Jahre vorher gestorbenen Weibes aus Möttlingen mit einem toten Kind auf den
Armen. Dieses Weib, dessen Namen Gottliebin zuerst nicht nannte, stand immer
an derselben Stelle vor ihrem Bette, bewegte sich zuweilen zu ihr hin und
wiederholte oft die Worte: “Ich will Ruhe haben“ oder; “Gib mir Papier, so
komme ich nicht wieder!“ Blumhardt ordnete nun an,
daß eine Freundin bei der Gottliebin schlafen solle, um ihre Gedanken von
derartigen Dingen abzulenken. Aber auch sie hörte nachts das Gepolter. Beide
sahen ein Licht aufflackern. Sie gingen dem Lichtschein nach und fanden unter
einem Brett einen rußigen Bogen Papier. Das darauf Geschriebene war
unleserlich. Daneben lagen drei Kronentaler und etliche Papiere, die
innwending ebenfalls mit Ruß überzogen waren. Von da an war es ruhig im
Hause. Blumhardt glaubte schon, daß die Gespenstergeschichte damit ihr Ende
erreicht hätte. Allein nach 14 Tagen fing
das Gepolter von neuem an und nahm von Tag zu Tag zu. Der Arzt Dr. Späth, dem
Gottliebin alles anvertraute, blieb mit einigen Personen zweimal in der Stube
über Nacht. Was er da erlebte, übertraf alle seine Erwartungen. Das Aufsehen,
das diese Sache machte, zog immer weitere Kreise, und viele Neugierige von
nah und fern stellten sich ein, wie immer, wenn es sich darum handelt, gerade
auf diesem Gebiet eine Sensation zu erleben. Da entschloß sich
Blumhardt, dem Skandal ein Ende zu machen und zu diesem Zweck etwas Durchgreifendes
zu tun. Mit sechs der ernstesten und vertrauenswürdigsten Männer seiner
Pfarrei wollte er die Vorgänge prüfen. Mit ihnen zusammen ging er an einem
Abend zu dem Hause. Er selbst blieb in der Stube, um Gottliebin zu
beobachten. Die anderen verteilten sich je zwei und zwei in und um das Haus.
An diesem Abend wurden nun diese sieben Männer Zeugen davon, daß innerhalb
dreier Stunden 25 Schläge auf eine gewisse Stelle der Kammer erfolgten, die
so gewaltig waren, daß der leere Stuhl dort aufsprang, die Fenster klirrten
und der Verputz von der Oberdecke herunterfiel. Die Bewohner des ganzen Ortes
vernahmen ebenfalls diese furchtbaren Schläge, die sich draußen anhörten wie
ein Neujahrsschießen. Als Gottliebin, die
wiederum jenes Weib mit dem toten Kind auf den Armen sah, an Blumhardt die
Frage richtete, ob sie ihm den Namen nennen solle, lehnte dies Blumhardt
entschieden ab. Am folgenden Tag wurde
Blumhardt mitgeteilt, Gottliebin liege in tiefer Ohnmacht und sei dem Tode
nahe. Er eilte hin und fand sie ganz starr auf dem Bette liegen, die äußere
Haut an Kopf und Armen glühend und zitternd, sonst dem Anschein nach am
Ersticken. Die Stube war gedrängt voll Menschen, und ein Arzt von einem
Nachbarorte, der eben im Dorfe war, versuchte sie zum Leben zu bringen, ging
jedoch kopfschüttelnd und ratlos weg. Nach einer halben Stunde erwachte sie.
Blumhardt vernahm von ihr, daß sie wieder die Gestalt des Weibes mit dem
toten Kinde gesehen habe, aber sofort bewußtlos umgefallen sei. Nun brachte er das Mädchen
aus dem Hause weg und ließ es bei einer zuverlässigen Familie Wohnung nehmen.
Dort durfte niemand, nicht einmal ihre Geschwister, sie besuchen. Seine inneren Empfindungen
schildert Blumhardt mit folgenden Worten: “Ein besonderes Grauen hatte ich
vor Erscheinungen des Somnambulismus, die so häufig ein ärgerliches Aufsehen
erregen und so wenig Gutes bisher gestiftet haben. Und da immerhin ein
geheimnisvolles und gefährliches Feld sich hier eröffnete, so konnte ich
nicht umhin, in meinen einsamen Gebeten die Sache dem Herrn zu empfehlen, ihn
bittend, doch ja vor allen Torheiten und Verirrungen, in welche man
verwickelt werden könnte, mich und andere zu bewahren. Tiefbekümmert waren
wir, daß der Teufel noch so viel Macht haben sollte und daß solche von
niemand erkannte Satansnetze über die Menschheit sollten ausgebreitet sein.
Unser herzliches Mitleid betraf nicht bloß die arme Person, deren Jammer wir
vor uns sahen, sondern wir jammerten und seufzten vor Gott über die
Millionen, die von Gott abgewichen, in die heimlichen Bande der Zauberei
verstrickt werden. Wir beteten, daß Gott doch wenigstens in diesem Falle uns
Sieg geben und Satan unter unsere Füße treten wolle.!! Aber auch in der anderen
Wohnung, in der sich jetzt Gottliebin befand, begann die Sache von neuem.
Gottliebin verfiel, sobald man etwas an Gepolter und Schlägen vernahm, sofort
in heilige Zuckungen. Diese wurden immer stärker und andauernder. Eines Tages, als die
Krämpfe so heftig wurden, daß die Bettstelle auseinander ging, sagte der
anwesende Arzt Dr. Späth unter Tränen: “Man sollte meinen, es sei gar kein
Seelsorger im Orte, daß man die Kranke so liegen läßt. Das ist nichts
Natürliches.“ Blumhardt ließ sich diese
Worte des Arztes zu Herzen gehen und besuchte Gottliebin häufiger. Als er
einmal mit Dr. Späth zusammen bei ihr war, zitterte ihr ganzer Leib, jeder
Muskel am Kopf und an den Armen war in glühender Bewegung, wiewohl sie sonst
starr und steif dalag. Dabei floß häufig Schaum aus ihrem Munde. So lag sie
schon mehrere Stunden da. Der Arzt, der noch nie etwas Ähnliches erlebt
hatte, schien ratlos zu sein. Da erwachte sie plötzlich, konnte sich
aufrichten, Wasser trinken, und kaum konnte man glauben, daß sie die nämliche
Person sei. Mit jedem Tag wurde es
Blumhardt klarer, daß hier etwas Dämonisches im Spiele sei. Wie auf eine
innere Eingebung hin trat er nun eines Tages bei einer solchen Gelegenheit
auf die Kranke zu, faltete ihre vom Starrkrampf befallenen Hände mit Gewalt
zum Gebete, rief ihr in ihrem bewußtlosen Zustande ihren Namen laut ins Ohr
und sprach: “Lege die Hände zusammen und bete: Herr Jesu, hilf mir! Wir haben
lange genug gesehen, was der Teufel tut; nun wollen wir auch sehen, was Jesus
vermag.“ Nach wenigen Augenblicken erwachte sie, sprach betend die Worte
nach, und alle Krämpfe hörten auf, zum großen Erstaunen der Anwesenden. Das war für Blumhardt, wie
er selbst bekennt, der Wendepunkt seines Lebens. Darauf hatte die Kranke
mehrere Stunden Ruhe. Da aber wiederholten sich die Krämpfe in noch viel
schlimmerer Weise. Wiederum ließ Blumhardt sie die Bitte aussprechen: Herr
Jesu, hilf mir! Und wieder ließen die Krämpfe augenblicklich nach. Später, als Blumhardt sie
wieder besuchte, stellten sich neue Zustände bei ihr ein. Die Kranke
gebärdete sich wütend gegen ihn, versuchte ihn zu schlagen jedoch ohne ihn zu
berühren. Endlich schlug sie die Hände aufs Bett nieder, wobei es den
Anschein hatte, als ob eine geistige Macht durch die Fingerspitzen
ausströmte. So ging es noch eine Zeit weiter, dann trat Ruhe ein. Aber auch diese war nur von
kurzer Dauer. Bald hörte man wieder ein Klopfen wie mit Fingern um sie her,
dann bekam sie plötzlich einen Schlag auf die Brust und sank zurück. Auch sah
sie die weibliche Gestalt wieder, die sie in der vorigen Wohnung gesehen.
Diesmal nannte Gottliebin dem Pfarrer den Namen der Gestalt. Es war eine vor
einigen Jahren gestorbene Witwe, die Blumhardt aus der Seelsorge noch in
guter Erinnerung hatte. Sie hatte bei ihren Lebzeiten ein gedrücktes Wesen,
suchte Frieden und fand ihn nicht. Da betete Blumhardt laut
und erwähnte den Namen Jesus. Sogleich rollte Gottliebin die Augen, schlug
die Hände auseinander, und eine Stimme ließ sich hören, die man sofort für
eine fremde halten mußte, nicht wegen des Klanges, sondern wegen des
Ausdrucks und der Haltung in der Rede. Es rief: ‘Den Namen kann ich nicht
hören.“ Alle Anwesenden erschauderten. Blumhardt schreibt: “Ich hatte noch
nie etwas derart gehört und wandte mich in der Stille zu Gott, er möge mir
Weisheit und Vorsicht schenken. Endlich fragte ich: ‘Hast du keine Ruhe im Grabe?‘
Es antwortete: Nein.‘ - ‘Warum nicht?‘ Antwort: ‘Das ist meiner Taten Lohn.
Ich habe zwei Kinder gemordet und im Acker begraben.‘ - ‘Weißt du denn jetzt
keine Hilfe mehr? Kannst du nicht beten?‘ Antwort: ‘Beten kann ich nicht.‘ -
‘Kennst du Jesum, der Sünden vergibt?‘ Antwort: ‘Den Namen kann ich nicht
hören.‘ - ‘Bist du allein?‘ Antwort: Nein.‘ - ‘Wer ist denn bei dir?‘ Die
Stimme antwortete zögernd, dann rasch herausfahrend: ‘Der Allerärgste.‘ - Die
Redende klagte sich sodann der Zauberei an, um derentwillen sie des Teufels
Gebundene sei. Schon siebenmal sei sie ausgefahren, jetzt aber gehe sie nicht
mehr. Ich fragte sie, ob ich für sie beten dürfe, was sie erst nach einigem
Bedenken gestattete. Ich gab ihr zu verstehen, daß sie im Leibe der Gottliebin
nicht bleiben dürfe. Sie schien wehmütig zu flehen, dann wieder trotzig zu
werden. Ich aber gebot ihr auszufahren, worauf Gottliebin die Hände stark
aufs Bett niederschlug. Dann war sie wieder frei.“ Einige Tage später
wiederholte sich die Besessenheit. Bald war es, als führen in bestimmter Zahl
Hunderte von Dämonen aus, wobei sich das Gesicht der Person jedesmal
veränderte und eine neue drohende Miene gegen Blumhardt einnahm. Auch bekamen
die Männer, die Blumhardt stets mitnahm, manche Stöße und Faustschläge, ohne
daß sie sahen, wer ihnen diese versetzte. Blumhardt selbst durften die
Dämonen, wie sie sagten, nichts tun. Gottliebin raufte sich die Haare, schlug
sich die Brust, warf den Kopf an die Wand und suchte auf allerlei Weise sich
zu verletzen. Es war, als ob die Szenen immer schrecklicher würden und als ob
Blumhardts Einwirkung die Sache nur verschlimmerte. “Was ich“, sagte er, “in
Geist und Gemüt damals ausgestanden habe, läßt sich nicht in Worten
beschreiben.“ “Mein Drang, der Sache ein
Ende zu machen, wurde immer größer. Obwohl ich jedesmal befriedigt scheiden
konnte, da ich fühlte, daß die dämonische Macht sich fügen müsse, und da die
Person jedesmal vollkommen recht war, so schien die finstere Macht sich immer
wieder zu verstärken und mich zuletzt in ein großes Labyrinth verstricken zu
wollen, mir und meiner amtlichen Wirksamkeit zum Schaden und Verderben. Alle
Freunde rieten mir, zurückzutreten. Aber ich mußte mit Schrecken daran
denken, was aus der Person werden könnte, wenn ich meine Hand von ihr abzöge,
und wie sehr ich von jedermann, wenn es übel erginge, als der Verursacher
dastehen müsse. Ich fühlte mich in einem Netze, aus dem ich mich ohne Gefahr
für mich und andere unmöglich durch bloßes Abtreten wieder herauswinden
konnte. Zudem schämte ich mich vor mir und meinem Heilande, zu dem ich so
viel betete und dem ich so viel anvertraute und der mir so viele Beweise
seiner Hilfe gab - ich gestehe es offen -‚ dem Teufel nachzugeben. ‘Wer ist
der Herr?‘ mußte ich mich oft fragen. Und im Vertrauen auf den, der Herr ist,
hieß es in mir immer wieder: Vorwärts! Es muß zu einem guten Ziele führen,
wenn es auch in die tiefste Tiefe hinuntergeht, es sei denn, daß es nicht
wahr wäre, daß Jesus der Schlange den Kopf zertreten habe.“ Die Zustände, in denen es
war, als führen Dämonen aus, steigerten sich. Zugleich traten aber andere
unheimliche Erscheinungen ein, die sich sogar körperlich fühlbar machten. So
fühlte sich Gottliebin in einer Nacht und im Schlafe von einer brennenden
Hand am Halse gefaßt, die alsbald große Brandwunden zurückließ. Bis die
Tante, die im gleichen Zimmer schlief, das Licht anzündete, waren bereits
gefüllte Brandblasen um den ganzen Hals herum entstanden. Der Arzt, der am
folgenden Morgen kam, konnte sich nicht genug darüber wundern. Auch sonst
bekam sie bei Tage und bei Nacht Stöße auf die Seite oder auf den Kopf, oder
es faßte sie an den Füßen, daß sie plötzlich auf der Straße oder auf der
Treppe oder wo es sonst war, hinstürzte, so daß sie Beulen oder andere
Schäden davontrug. Am 25. Juni 1842, als
Blumhardt zu einem Kinderfest mußte, vernahm er bei seiner Rückkehr,
Gottliebin sei nahezu wahnsinnig. Er ging zu ihr, und es schien ihr bald
wieder gutzugehen. Nachmittags aber nahmen die Ereignisse eine
außerordentliche Gestalt an. Die Kranke wurde so angegriffen, daß sie wie tot
dalag; es wiederholte sich nun jener Eindruck vom Ausfahren von Dämonen in
einer Weise, die das bisher Erlebte weit hinter sich ließ und den Eindruck
eines Sieges von ungeahnter Ausdehnung bei Blumhardt erweckte. Es kam auch
mehrere Wochen lang nichts mehr vor, und Gottliebin konnte gehen, wohin sie
wollte. Da kam die Kranke eines
Tages blaß und entstellt zu ihm, um ihm etwas zu klagen, was sie bisher aus
Schüchternheit vor ihm verborgen hatte. Sie erzählte ihm von einem Leiden,
das sie an einem jeden Mittwoch und Freitag befalle und das mit so
schmerzlichen und starken Blutungen verbunden sei, daß diese Plage, wenn sie
nicht aufhöre, ihr Tod sein müsse. Ihre Schilderungen über andere mit diesem
Leiden verbundene Erlebnisse entziehen sich jeder Mitteilung und waren
derart, daß Blumhardt hier die allerschauerlichsten Phantasien des
Volksaberglaubens verwirklicht sehen mußte. “Vorderhand“, schreibt Blumhardt,
“brauchte ich ordentlich Zeit dazu, mich zu sammeln, um zu der traurigen
Überzeugung zu kommen, daß die Finsternis so viele Macht über die Menschen
solle bekommen haben. Mein nächster Gedanke war: ‘Jetzt bist du fertig, jetzt
geht‘s in die Zauberei und Hexerei hinein; und was willst du gegen diese
machen!‘ Wenn ich aber das jammernde Mädchen ansah, so schauderte es mich vor
der Möglichkeit der Existenz jener Finsternis und vor der Unmöglichkeit der
Hilfe. Es fiel mir ein, daß es Leute gebe, denen man geheimnisvolle Künste
zur Abwehr von allerlei dämonischen Übeln zuschrieb und sympathische Mittel,
welchen immer unbedingt Hohe und Niedere huldigen. Sollte ich etwa nach
dergleichen Dingen mich umsehen? Das hieße, wie ich längst überzeugt war,
Teufel mit Teufel vertreiben.“ “Soll gläubiges Gebet nicht
auch wider obige Satansmacht, worin sie nun bestehen möge, etwas auszurichten
vermögen? Was sollen wir arme Menschlein machen, wenn hier nicht direkte
Hilfe von oben zu erflehen ist? Gibt es eine Zauberei und Hexerei, ist es da
nicht Sünde, sie unangetastet ihr Spiel treiben zu lassen, wenn eine
Gelegenheit sich zeigt, ihr mit Ernst die Spitze zu bieten?“ Blumhardt rief daher der
Kranken zu: “Wir beten, sei es, was wolle, wir probieren es. Wir verspielen
wenigstens nichts mit dem Gebet. Und auf Gebetserhörung weist uns die Schrift
auf fast jeder Seite; der Herr wird tun, was er verheißt!“ Blumhardt besuchte die
Kranke am folgenden Tage. Es wurde ein für ihn und die bei ihm waren,
unvergeßlicher Tag. Nach mehrmonatlicher Dürre zog an diesem Abend zum
erstenmal ein Gewitter herauf. Gottliebin war von einer wahren Wut befallen,
sich das Leben zu nehmen. Sie raste durch die Stuben und begehrte wild ein
Messer. Dann lief sie auf den Speicher, sprang auf das Gesims des
Fensterladens hinauf und stand bereits außerhalb des Ladens in freier Luft,
nur noch mit einer Hand nach innen sich haltend, als der erste Blitzstrahl
des nahenden Gewitters ihr ins Auge fiel, sie aufschreckte und sie aufweckte.
Sie kam zur Besinnung und rief: “Um Gottes willen, das will ich nicht.“ Der
lichte Augenblick aber verschwand wieder, und im wiederkehrenden Delirium
erfaßte sie einen Strick und band ihn künstlich um das Gebälke mit einer
Schleife, die sich leicht zusammenzog. Schon hatte sie den Kopf beinahe ganz
hineingezwängt, als ein zweiter Blitzstrahl durch das Fenster ihr Auge traf,
der sie wie vorhin wieder zur Besinnung brachte. Ein Tränenstrom floß am
folgenden Morgen aus ihren Augen, als sie den Strick an dem Balken erblickte,
den sie bei der besten Besinnung so künstlich umzuwinden nicht imstande gewesen
wäre. Am gleichen Tage, abends um 8 Uhr, wurde Blumhardt gerufen, und er fand
sie ganz im Blute schwimmend. Ihre sonstigen furchtbaren Bedrängnisse seien
mit Stillschweigen übergangen. Blumhardt fing an, mit Ernst zu beten, nachdem
er ohne viel Erfolg einige Trostworte gesprochen, während draußen der Donner
rollte. Das wirkte nach einer Viertelstunde so entscheidend, daß alles weg
war. Bald kam sie ganz zu sich, und Blumhardt entfernte sich auf einige
Augenblicke, bis sie ganz umgekleidet war. Die Kranke bekam unvermutet
einen neuen Anfall, gerade wie sonst, wenn Dämonisches sie überfiel. Da aber
brach plötzlich der ganze Zorn und Unmut der Dämonen los, und es wurden eine
Menge Äußerungen folgender Art vernommen, meist mit heulender und
wehklagender Stimme: “Jetzt ist alles verspielt, jetzt ist alles verraten, du
verstörst uns ganz; der ganze Bund geht auseinander; alles ist aus, alles
kommt in Verwirrung; du bist schuld daran mit deinem ewigen Beten; du
vertreibst uns doch noch. Wehe, wehe, alles ist verspielt; unser sind 1067
und derer, die noch leben, sind auch viele, aber die sollte man warnen; o weh
ihnen, wehe, sie sind verloren, Gott verschworen, ewig verloren.“ Das Gebrüll
der Dämonen, die zuckenden Blitze, die rollenden Donner, das Plätschern der
Regengüsse, der Ernst der Anwesenden, die Gebete von meiner Seite, auf welche
die Dämonen in oben beschriebener Weise ausfuhren - das alles bildete eine
Szene, die sich kaum jemand auf eine der Wirklichkeit entsprechende Weise
wird vorstellen können.“ Blieb auch diese Plage nun
völlig aus, so traten doch bald immer wieder andere Erscheinungen dämonischer
Art auf. Doch zeigte sich unter den sich jetzt kundgebenden Dämonen ein
Unterschied. Die einen waren trotzig, voll Haß gegen Blumhardt, sprachen oft
Worte aus, die wert gewesen wären, aufgezeichnet zu werden. Sie hatten ein
Grauen vor dem Abgrund, dem sie jetzt sich nahe fühlten und sagten unter
anderem: “Du bist unser ärgster Feind; wir sind aber auch deine Feinde;
dürften wir, wie wir wollten! O wenn doch kein Gott im Himmel wäre!“ Daneben
schrieben sie doch alle Schuld ihres Verderbens sich selber zu. Schauerlich
war das Benehmen eines Dämonen, der früher im Hause der Gottliebin von ihr
gesehen worden war und jetzt als Meineidiger sich zu erkennen gab. Er verzog
das Gesicht, hob starr drei Finger in die Höhe, schauderte plötzlich zusammen
und stöhnte. Solche Szenen, denen Blumhardt gern mehr Zuschauer gegönnt
hätte, kamen viele vor. Die meisten Dämonen jedoch, die sich vom August 1842
bis Februar 1843 und später kundgaben, gehörten zu denen, die mit heißester
Begierde nach Befreiung aus den Banden des Satans schmachteten. Es kamen
dabei auch die verschiedensten Sprachen zum Ausdruck, aber die meisten waren
keine europäischen Sprachen. Sonderbar und mitunter komisch anzuhören waren
in einzelnen Fällen die Versuche solcher Dämonen, deutsch zu reden, besonders
auch, wenn sie Begriffe, deren deutschen Ausdruck sie nicht wußten, zu
umschreiben sich bemühten. Dazwischen hinein ließen sich Worte vernehmen, die
Blumhardt keiner der genannten Arten von Dämonen zuschreiben konnte. Denn sie
klangen als aus einer höheren Region stammend. Es waren Worte der Belehrung
und des Hinweises auf Gott, die teils den Anwesenden galten, teils an die
Dämonen selbst gerichtet waren, um sie auf ihr gottfeindliches Treiben
aufmerksam zu machen. Blumhardt wußte lange
nicht, wie er sich den einzelnen Arten von Geistern gegenüber zu verhalten
hatte, besonders gegen die schwer leidenden Geistwesen, die ihn um Hilfe
anflehten. “Ich gab lange Zeit ihren Reden kein Gehör“, sagte Blumhardt, “und
kam oft in großes Gedränge, wenn ich den schmerzvollen Ausdruck im Gesicht,
die flehentlich emporgehobenen Hände und den heftigen Tränenstrom sah, der
aus ihren Augen floß und dabei Worte der Verzweiflung und der Angst und die
Bitte hörte, die einen Stein hätte erweichen sollen. So sehr ich mich daher
sträubte, auf irgend eine Erlösungsmanier einzugehen, weil ich für die
Nüchternheit meines evangelischen Glaubens fürchtete, so konnte ich doch
zuletzt nicht umhin, eine Probe zu machen, besonders da diese Dämonen weder
durch Drohung noch durch Anmahnungen sich zum Weichen bringen ließen. Der
erste Dämon, bei dem ich es wagte, war jenes Weib, durch das die ganze Sache
in Gang gekommen schien. Sie zeigte sich wieder in der Gottliebin und rief
fest und entschieden, sie wolle des Heilands und nicht des Teufels sein. Dann
sagte sie, wieviel durch die bisherigen Kämpfe in der Geisterwelt verändert
worden sei. Mein Glück aber sei es gewesen, daß ich allein beim Worte Gottes
und dem Gebet geblieben sei. Wenn ich zu geheimnisvoll wirkenden Mitteln
meine Zuflucht genommen hätte, wie sie vielfältig unter den Leuten üblich
seien und auf welche es die Dämonen auch bei mir angelegt hätte, so wäre ich
verloren gewesen. Das sagte sie, bedeutungsvoll den Finger erhebend und
schloß mit den Worten: ‘Das war ein fürchterlicher Kampf, den du unternommen
hast.‘ Dann filehte sie dringend, ich möchte für sie beten, daß sie vollends
aus der Gewalt des Teufels befreit würde.“ Blumhardt sah von Tag zu
Tag mehr ein, daß bei der Kundgebung der leidenden, aber gutgesinnten Geister
eine göttliche Leitung waltete. Es kam dabei auch keinerlei Unruhe vor. Doch
scheinen ihm die wirklichen Zusammenhänge verborgen geblieben zu sein, nach
denen sich das alles abspielte. Nur ein sehr interessanter
Fall soll nach dem Bericht Blumhardts hier noch erwähnt sein. Einer der
Geister bat darum, daß ihm ein Aufenthalt in der Kirche gewährt werden möge.
Blumhardt gab ihm zur Antwort: “Du siehst, daß der Herr es ist, der dir den
Weg zeigt, und daß es also nicht auf mich ankommt. Gehe hin, wo der Herr dich
hingehen heißt.“ Dann fuhr der Geist fort: “Dürfte ich nicht in Ihr Haus
gehen?“ Diese Bitte überraschte Blumhardt, und an Frau und Kinder denkend,
war er nicht geneigt, die Bitte zu gewähren. Doch er besann sich und sagte:
“Nun denn, wenn du niemand beunruhigst und Jesus es dir erlaubt, mag es
geschehen.“ Da kam eine Stimme aus dem Munde der Kranken, die rief: “Nicht
unter Dach! Gott ist ein Richter der Witwen und Waisen!“ Der Geist fing an zu
weinen und bat, wenigstens in den Garten Blumhardts gehen zu dürfen, was ihm
jetzt von der göttlichen Kontrolle gestattet zu werden schien. Es war so, als
ob durch diesen Geist bei seinen Lebzeiten als Mensch Witwen oder Waisen um
ihr Obdach gekommen seien. Die Erlebnisse, die
Blumhardt in seiner Denkschrift weiter mitteilte, sind in seiner
Lebensbeschreibung von Zündel absichtlich weggelassen. Zündel begründet es
damit, daß er meint, Fernstehenden könnten die schauerlichen und qualvollen
Kunststücke der Finsternis, die da zutage traten, den Eindruck der großen
göttlichen Hilfe zu überragen und zu beeinträchtigen scheinen, die Blumhardt
dabei erlebte. Es wäre jedoch sicherlich besser gewesen, wenn Zündel alles
berichtet hätte. Denn die Wahrheit braucht nie das Tageslicht zu scheuen. Bei dem, was Zündel nicht
erwähnte, handelt es sich um die Macht der bösen Geister, materielle Substanz
in geistige Substanz zu verwandeln, sie in diesem Zustand an andere Plätze,
z.B. in einen menschlichen Körper zu bringen und sie dort wieder zur festen
Substanz zu verdichten. Die Gesetze einer solchen “Dematerialisierung“ und
“Materialisierung“ sind bei der Odlehre in diesem Buch eingehend besprochen
worden. Blumhardt bezeichnete diese Vorgänge mit dem volkstümlichen Ausdruck
“Zauberei“. Doch hören wir jetzt den Bericht Blumhardts selbst. Er sagt:
“Soviel Unbegreifliches und Unerhörtes im Bisherigen auch schon erzählt
worden ist, so habe ich das Ärgste noch vor mir. Ich bleibe bei meiner Ehrlichkeit
und fahre fort, das mitzuteilen, was mir noch in Erinnerung ist und bin
überzeugt, daß der Herr auch bei dieser Darstellung seine Hand über mir haben
wird. Ihm zur Ehre, als dem Sieger über alle finsteren Kräfte, alles zu
erzählen, ist auch meine einzige Rücksicht.“ “Mit dem 8. Februar 1843
begann eine neue Epoche in der Krankheitsgeschichte. Denn von jetzt an kamen
noch schlimmere Erscheinungen und Wirkungen der verschiedenartigsten Zauberei
zu meiner Beobachtung. Schauerlich war es für mich, wahrzunehmen, daß alles,
was bisher zu dem lächerlichsten Volksaberglauben gerechnet wurde, als
wirkliches Geschehen vor meine Augen trat. Unzählige Dinge wurden in die
Gottliebin hinein gezaubert, um sie zu töten. Es fing mit Erbrechen von Sand
und kleinen Glasstücken an. Dann kamen allerlei Eisenstöcke, namentlich alte
und verbogene Bretternägel zum Vorschein. Einmal fielen nach langem Würgen
des Mädchens vor meinen Augen nacheinander zwölf solcher Nägel in das
vorgehaltene Waschbecken. Ferner Schuhschnallen von verschiedener Größe und
Gestalt, oft so groß, daß man kaum begriff, wie sie durch den Hals
hindurchkommen konnten. Auch ein besonders großes und breites Eisenstück, bei
welchem ihr der Atem ausging, so daß sie mehrere Minuten wie tot dalag.
Außerdem kamen in unzähligen Mengen Stecknadeln, Nähnadeln und Stücke von
Stricknadeln heraus, oft einzeln, oft auch in Massen, mit Papier und Federn
zusammengebunden. Es sah öfters aus, als ob Stricknadeln quer durch den Kopf
gezogen wären, von einem Ohr bis zum anderen. Einmal kamen mehrere
fingerlange Stücke zum Ohr heraus; ein andermal konnte ich es unter
Handauflegung fühlen und hören, wie Nadeln im Kopf zerbrachen oder sich
drehten und zusammengebogen wurden. Die einen wahren stählerne Nadeln, die
langsam in kleineren Stücken sich gegen den Schlund hinbewegten und zum Munde
herauskamen; die anderen waren von Eisen und ließen sich biegen und fanden,
drei- bis viermal gebogen, doch ganz, ihren Ausweg durch den Mund. Auch aus
der Nase zog ich viele Stecknadeln hervor. Einmal kamen 15 solcher Nadeln auf
einmal und mit solcher Heftigkeit zur Nase heraus, daß alle in der
vorgehaltenen Hand der Gottliebin steckenblieben. Ein andermal klagte sie
über Kopfschmerzen, und als ich ihr die Hand auflegte, sah ich überall weiße
Punkte vorschimmern. Es waren zwölf Stecknadeln, die bis zur Hälfte noch im
Kopfe steckten und einzeln von mir herausgezogen wurden, wobei sie jedesmal
durch ein Zucken die Schmerzen kundgab. Nähnadeln zog ich ferner aus allen
Teilen des oberen und unteren Kiefers hervor. Sie fühlte dabei zuerst
unerhörte Zahnschmerzen. Man konnte lange nichts sehen, bis man endlich die
Spitzen fühlte. Nur unter großer Anstrengung konnte ich sie herausziehen.
Zwei alte, fingerlange und verbogene Drahtstücke zeigten sich sogar in der
Zunge, und es kostete Zeit und Mühe, bis sie völlig herausgenommen waren.
Ferner waren um den ganzen Leib unter der Haut zwei lange, vielfach verbogene
Drahtstücke eingewunden. Ich brauchte zusammen mit meiner Frau wohl eine
Stunde dazu, bis sie ganz entfernt waren. Mehr als einmal fiel sie dabei, wie
dies überhaupt oft der Fall war, in Ohnmacht. Es kamen aus allen Teilen des
Oberleibes ganze und halbe Stricknadeln so häufig hervor, daß ich deren Zahl
wohl auf 30 schätzen darf. Sie kamen teils quer, teils senkrecht heraus und
manchmal mitten aus der Herzgrube. Wenn die Nadeln oft schon zur Hälfte
heraus waren, hatte ich doch noch eine halbe Stunde mit aller Kraft zu
ziehen, um sie ganz zu entfernen. Auch andere Dinge, Nadeln verschiedener
Art, große Glasstücke, Steinchen und einmal ein langes Eisenstück kamen aus
dem Oberleib.“ “Ich kann es wahrlich
niemand übelnehmen, der mißtrauisch gegen meine Mitteilungen wird; denn es
geht zu sehr über alles Denken und Begreifen. Aber bei diesen Beobachtungen,
die fast ein ganzes Jahr dauerten, hatte ich immer mehrere Zeugen. Ich mußte
schon deswegen streng darauf halten, solche Zeugen bei mir zu haben, um üblen
Gerüchten vorzubeugen. Ich kann daher kühn und frei diese Sachen erzählen, da
ich völlig sicher bin, daß nicht der geringste Betrug obwaltete noch obwalten
konnte. So oft ich sie in jener Zeit besuchte, gerufen oder ungerufen, regte
sich wieder etwas und arbeitete sich aus irgend einem Teile des Leibes
hervor. Der Schmerz war jedesmal fürchterlich und fast immer so, daß sie mehr
oder weniger die Besinnung verlor. Sie sagte: ‘Das mache ich nicht durch, das
ist mein Tod!“ “Alle diese Gegenstände
konnten bloß unter Gebet aus ihr entfernt werden. Wenn sie zu klagen anfing,
daß sie irgendwo Schmerzen fühle, so brauchte ich ihr nur unter Gebet die
Hand aufzulegen, und sie fühlte alsbald, daß die Sache sich bewegte oder
drehte und einen Ausgang suchte. Durch die äußere Haut ging es am schwersten,
und man fühlte es oft lange, wie sich von innen heraus etwas vordrückte. Blut
floß nie; auch wurde keine Wunde verursacht. Höchstens konnte man noch eine
Weile die Stelle erkennen, aus der sich etwas herausgearbeitet hatte. Doch
das war nur der Fall, wenn die Entfernung der Gegenstände unter Gebet
vorgenommen wurde. Bisweilen jedoch schnitt sie sich in meiner Abwesenheit,
von Schmerz überwältigt, mit einem Messer die Haut auf, und diese Wunden
waren fast nicht mehr zu heilen.“ “Auch lebendige Tiere kamen
aus ihrem Munde: Heuschrecken, Fledermäuse, Frösche und einmal eine Natter.
Die Natter verursachte ihr nachher eine Wunde am Halse und stach sie so
heftig in den Fuß, daß das Bluten fast nicht aufhören wollte.“ “Ich kann diese Seite des
Kampfes nicht schließen, ohne wenigstens noch einen Fall der
schauderhaftesten Art zu erzählen. Zu Anfang Dezember 1843 hatte Gottliebin
ein Nasenbluten, das gar nicht aufhören wollte. Wenn sie eine Schüssel voll
Blut verloren hatte, fing es von neuem an. Es ist unbegreiflich, wie sie bei
einem so ungeheuren Blutverlust überhaupt noch am Leben bleiben konnte.
Auffallend war, daß das Blut zugleich einen sehr scharfen Geruch hatte und
immer besonders schwarz aussah. Eines Tages, als ich von einem anderen Ort
heimkehrte, kam mir jemand entgegengelaufen und sagte, ich möchte doch
schnell zu der Gottliebin kommen. Ich eilte und sah überall die Leute voll
Schrecken zum Fenster herausschauen und hörte sie rufen: ‘Herr Pfarrer, es
tut Not!‘ Ich trat in die Stube der Gottliebin. Aber ein erstickender
Blutdunst wollte mich wieder heraustreiben. Sie saß in der Mitte der kleinen
Stube, hatte vor sich einen Kübel, der wohl zur Hälfte mit Blut und Wasser
gefüllt war. Durch die ganze Länge der Stube vor ihr und hinter ihr floß eine
breite Blutlache. Sie selbst war über und über so mit Blut bedeckt, daß man
die Kleider kaum mehr erkannte. Das Blut rieselte lebhaft aus beiden Ohren,
aus beiden Augen, aus der Nase und sprudelte sogar oben auf dem Kopf in die
Höhe. Es war das Gräßlichste, das ich je gesehen habe. Im Augenblick war ich
ratlos. Doch faßte ich mich. Ein kurzes und tiefes Gebet brachte vorerst das
Bluten zum Stillstand. Dann ließ ich ihr das Gesicht waschen, das nicht mehr
zu erkennen war, ebenso den Kopf. Darauf befühlte ich eine Stelle des Kopfes,
an der sich etwas befinden sollte. Oberhalb der Stirne gewahrte ich einen
kleinen, aber verbogenen Nagel, der sich emporbohrte. Am Hinterkopf drehte
und arbeitete sich innerhalb der Haut etwas weiter herab. Endlich kam ein
verbogener Bretternagel zum Vorschein. Das Bluten hatte von nun an ein Ende,
und am Abend fühlte sie sich ziemlich wohl und gestärkt.“ “Gottliebin konnte sich aus
früherer Zeit gut erinnern, daß sie bisweilen auf das Essen einer Suppe oder
anderer Speisen sogleich etwas Eigentümliches im Hals oder Leib gefühlt habe.
Einmal warf sie Überbleibsel von einem solchen Essen einem Huhn vor, das
augenblicklich rasend umherlief und nach einer Weile wie erstickend tot
umsank. Sie öffnete Kopf und Hals des Huhnes, und da steckten zu ihrem
Schrecken eine Menge Schuhnägel. Wie aber konnten solche Sachen in den Kopf
und Leib kommen? Gottliebin erzählte, daß sie nachts öfters die Geister von
Personen aller Arten und Stände zu sich ans Bett kommen sah. Diese hätten ihr
entweder etwas wie Brot in den Mund gereicht oder andere Stellen ihres Leibes
berührt. Alsbald habe sie Veränderungen in sich gefühlt, und nachher seien
dann die Gegenstände aus ihr hervorgekommen. Jener Bretternagel und der
kleine Nagel, die das heftige Bluten verursachten, wurden ihr abends mitten
auf der Straße von einem Geist, der einen geistlichen Ornat trug und dort
wartete, auf eine besondere Weise in den Kopf geschafft, wobei sie nicht den
geringsten Widerstand leisten konnte; und bald darauf fing das Bluten an.
Eines Nachts traten drei Männer als Geister vor sie, die in einem Glas eine
giftige Essenz in der Hand hielten. Sie konnte sich wiederum nicht bewegen.
Der eine öffnete ihren Mund, der andere hielt sie am Kopf und der dritte
wollte ihr die Flüssigkeit eingießen. Doch gelang es ihm nur, ihr ein wenig
davon in den Mund zu schütten. Um sie zu ersticken, wurde ihr nun wieder der
Mund geschlossen und zugehalten. Der Dampf der Flüssigkeit ging jedoch durch
die Nase heraus. Sie war nur imstande, während dies geschah, ein kurzes Gebet
zu seufzen. Als die Männer merkten, daß sie nichts ausrichteten, schütteten
sie ihr den Inhalt des Glases über den Kopf und entfernten sich. Am Morgen
war die Nachthaube der Gottliebin von einem gelblichen, häßlich riechenden
Stoffe zerfressen und ließ sich leicht zerbröckeln. Einmal, als sie in ihrer
Kammer schlief, hatte sie abends ihren Rock an die Kammertüre gehängt. Die
Schwester, die mit ihr in demselben Bette lag, wußte genau, was in der
Rocktasche war und daß Gottliebin nicht aus dem Bette aufstand. Gottliebin
aber sah des Nachts eine Gestalt zu ihrem Rock gehen, aus der Tasche ein
blechernes Geldbüchschen, wie es die Bauers haben, nebst anderem herausnehmen
und dann vor sie hintreten. Am anderen Morgen wurden von ihr unter heftigem
Würgen Geldstücke und das Büchschen erbrochen.“ “Endlich, als diese
Erscheinungen unerschöpflich zu werden drohten, raffte ich meine ganze
innerliche Kraft im Gebet zusammen und flehte zu Gott, er möge, da er die
Kraft sei, die alles aus nichts gemacht habe, nun diese Gegenstände in nichts
verwandeln, damit die Kunst des Teufels gänzlich zunichte werde. Diese Art
war mein Kämpfen mehrere Tage lang, und der Herr, der verheißen hat: ‘Alles,
was ihr in meinem Namen bitten werdet, das will ich euch geben‘, hat Wort
gehalten. Es gelang.“ Aber auch diesem
vermeintlichen Ende folgten nun noch einmal entsetzliche
Krankheitserscheinungen bei der Gottliebin, die absichtlich auf ihren Tod zu
zielen schienen. Als sie einmal sich selbst in unglaublich furchtbarer Weise
verwundet hatte, wurden die Wunden wieder wunderbar geheilt. Aber plötzlich brachen
sie wieder auf, und eine Freundin kam in größter Bestürzung zu Blumhardt mit
der Meldung, jede Minute könne der Tod eintreten. “Da stürzte ich“, erzählt
Blumhardt, “in meinem Zimmer auf die Knie nieder und redete kühne Worte.
Diesmal wollte ich, so stark war ich geworden, im Augenblick dem Teufel nicht
einmal die Ehre antun, selbst hinzugehen, sondern ließ durch die Freundin
sagen: Gottliebin soll sich selbst aufmachen und zu mir kommen. Sie könne es
im Glauben.! Es stand nicht lange an, so kam sie die Treppe herauf. Wie es
aber mir dabei wurde, kann mir niemand nachfühlen.“ Den Schluß der Geschichte
erzählt Blumhardt mit folgenden Worten: “Es schien sich alles, was nur je
früher vorgekommen war, noch einmal zusammenzudrängen. Das Mißlichste war,
daß sich in diesen Tagen die finsteren Einwirkungen auch auf den halbblinden
Bruder und eine andere Schwester Katharina ausdehnten, und ich also mit
dreien zugleich den verzweifelten Kampf durchzumachen hatte, wobei deutlich
der innere Zusammenhang zwischen diesen dreien zu erkennen war. Den Verlauf
des einzelnen kann ich nicht mehr genau erzählen. Es war viel zu
mannigfaltig, als daß ich es im Gedächtnis hätte behalten können. Aber Tage
waren es, wie ich keine mehr zu erleben hoffte. Denn es war soweit gekommen,
daß ich sozusagen alles aufs Spiel zu setzen wagen mußte, wie wenn es hieße
‘Siegen oder sterben‘. So groß übrigens auch meine Anstrengung war, so
fühlbar war mir ein göttlicher Schutz. Der Bruder war am schnellsten wieder
frei, und zwar so, daß er sogleich tätige Hilfe im Nachfolgenden leisten
konnte. Die Hauptsache kam aber diesmal nicht an Gottliebin, welche im letzen
Akt nach vorausgegangenen Kämpfen gleichfalls völlig frei zu sein schien,
sondern an ihre Schwester Katharina, die früher nicht das mindeste derart
erfahren hatte, nun aber so rasend wurde, daß sie nur mit Mühe festgehalten
werden konnte. Sie drohte, mich in tausend Stücke zu zerreißen, und ich
durfte es nicht wagen, ihr nahezutreten. Sie machte unaufhörlich Versuche mit
eigener Hand, wie sie sagte, sich den Leib aufzureißen oder lauerte listig
umher, als wollte sie etwas Gräßliches an denen, die sie hielten, verüben.
Dabei rasselte und plärrte sie so fürchterlich, daß man Tausende von
Lästermäulern sich in ihr vereinigt denken konnte. Am auffallendsten war, daß
sie ganz bei Besinnung blieb, indem man mit ihr reden konnte, sie auch bei
scharfen Ermahnungen sagte, sie könne nicht anders reden und handeln. Man
möchte sie nur recht festhalten, damit nichts durch sie geschehe. Auch
nachher hatte sie noch von allem, selbst von den gräßlichsten Mordversuchen,
bestimmte Erinnerungen, und diese wirkten so niederschlagend auf sie, daß ich
mich mehrere Tage ihrer besonders annehmen mußte, bis nach fleißigem und
ernstlichem Beten ihr die Erinnerungen allmählich schwanden. Daneben ließ
sich dennoch der Dämon aus ihr ebenso bestimmt vernehmen, der sich diesmal
nicht als einen abgeschiedener Menschengeist, sondern als einen vornehmen
Satansengel ausgab, als das oberste Haupt aller Zauberei. Er behauptete, daß
mit dem, daß er in den Abgrund fahren müsse, der Zauberei der Todesstoß
gegeben werde, an dem sie allmählich verbluten müsse.“ “Plötzlich gegen 12 Uhr um
Mitternacht dröhnte aus der Kehle des Mädchens zu mehreren Malen, ja wohl
eine Viertelstunde andauernd, nur ein Schrei der Verzweiflung mit einer
erschütternden Stärke, als müßte das Haus zusammenstürzen. Grauenerregenderes
läßt sich nicht denken. Und es konnte nicht fehlen, daß die Hälfte der
Bewohner des Ortes nicht ohne besonderen Schrecken Kenntnis von dem Kampfe
bekam. Dabei befiel Katharina ein so starkes Zittern, daß es war, als wollten
sich alle ihre Glieder voneinander abschütteln. Unter Äußerung von Angst und
Verzweiflung mischten sich in der dämonischen Stimme ein riesenhafter Trotz,
eine Herausforderung gegen Gott, ein Zeichen zu tun, damit er nicht so gemein
wie andere Sünder seine Rolle niederlegen, sondern gewissermaßen unter Ehren
in die Hölle fahren müsse. Solch schauerliches Gemisch von Bosheit,
Verzweiflung, Trotz und Hochmut ist wohl schwerlich je irgendwo erblickt
worden. Endlich kam der ergreifendste Augenblick, welchen unmöglich jemand
genügend sich vorstellen kann, der nicht Augen- und Ohrenzeuge war. Um 2 Uhr
morgens brüllte der angebliche Satansengel, wobei das Mädchen den Kopf und
Oberleib über die Lehne des Stuhles zurückbog, mit einer Stimme, die man kaum
bei einer menschlichen Kehle für möglich halten sollte, die Worte heraus
‘Jesus ist Sieger! - Jesus ist Sieger!‘ Worte, die, soweit sie ertönten, auch
verstanden wurden und auf viele Personen einen unauslöschlichen Eindruck
machten. Nun schien die Macht und Kraft des Dämons mit jedem Augenblick mehr
gebrochen zu werden. Er wurde immer stiller und ruhiger, konnte immer weniger
Bewegungen machen und verschwand zuletzt ganz unmerklich, wie das Lebenslicht
eines Sterbenden erlischt, jedoch erst gegen 8 Uhr morgens.“ Damit war der zweijährige
Kampf zu Ende. Was Blumhardt erlebt hatte,
waren die Kundgebungen der bösen und niederen Geisterwelt durch menschliche
Medien. Es war an und für sich nichts Neues. Nur für ihn war es neu. Hätte er
sich dieser in der Gewalt des Bösen befindlichen Medien nicht angenommen, so
würde es ihnen ergangen sein, wie es täglich so vielen ergeht, die man in
vollständiger Unkenntnis der Vorgänge sich selbst überläßt. Sie wären
entweder im Irrenhaus gelandet oder hätten durch Selbstmord ihrem Leben ein
Ende gemacht. Die Insassen der Irrenanstalten sind zum großen Teil die Opfer
der niederen Geisterwelt. Und dieselben unheimlichen Mächte sind oft auch bei
den Selbstmördern tätig. Gottliebin Dittus war “Tieftrancemedium“. Auf welche
Weise sie sich dazu entwickelte, dafür finden sich in den Angaben des
Blumhardt keine Anhaltspunkte. Es ist wahrscheinlich, daß sie mit ihren
anderen Geschwistern zusammen das sogenannte “Tischrücken“ betrieben hatte
und daß ihre angeborene Medialität auf diesem Wege immer stärker sich
entfaltete. Die Bewußtlosigkeit trat
dann bei ihr ein, wenn der eigene Geist von den fremden Geistwesen aus ihr
verdrängt wurde und jene Geistwesen von ihr Besitz ergriffen. Beim Austritt
des eigenen Geistes fiel sie wie tot hin und wurde wieder aufgerichtet durch
den Geist eines Dämons, der in ihren Körper eingetreten war und seine
Kundgebungen machte. Die starken Klopftöne
wurden durch das Od erzeugt, das Gottliebin infolge ihrer starken Medialität
an die Geisterwelt abgab und womit diese die dröhnenden Schläge hervorrief,
die den Beobachtern so unerklärlich vorkamen, die Schläge wurden um so
lauter, je größer die Odkraft war, die sich bei dem Medium ansammelte. Die
Odkraft des Mediums wurde durch die Odmenge verstärkt, welche die anwesenden
Menschen ausstrahlten. Da auch Blumhardt, ohne es zu wissen, über bedeutende
mediale Kräfte verfügte, so waren die Kundgebungen der Geisterwelt durch das
Medium in seiner Gegenwart stärker als in seiner Abwesenheit. Auch die
Materialisationen und Lichterscheinungen wurden von den Dämonen mit Hilfe des
medialen Ods der Gottliebin hervorgebracht. Ihre Schwester Katharina war kein
Tieftrancemedium, sondern bei ihr stellte sich bloß Teiltrance ein.
Infolgedessen war ihr Geist nicht ganz aus dem Körper verdrängt, sondern
hörte alles, was der fremde Geist durch sie redete, und sie konnte sich daher
aller Vorgänge nachher erinnern, wenn sie auch nicht imstande war, die
Kundgebungen selbst zu verhindern, da sie sich ganz in der Gewalt des fremden
Geistwesens befand. Blumhardt lernte nach und
nach die einzelnen Arten der Geister unterscheiden. Vor allem wurde ihm die
wichtige Tatsache zur Gewißheit, daß bei dem Erscheinen höherer Geister und
schwerleidender Geistwesen, die aber guten Willens sind, eine göttliche
Kontrolle herrscht, so daß alles in schönster Ordnung vor sich geht. Diese
Kontrolle bestimmt, welche Geister zugelassen werden. Darum leisteten diese
von der höheren Kontrolle zugelassenen leidenden Geister auch keinen
Gehorsam, als Blumhardt sie anfangs ohne Hilfe fortschicken wollte. Sie waren
ja auf höhere Anordnung in das Medium eingetreten, um durch Blumhardt belehrt
und auf Gott hingewiesen zu werden. Sie hatten daher ein Recht auf diese
Belehrung, und es war Pflicht Blumhardts, ihren Bitten zu willfahren. Leider
hat Blumhardt erst spät diese Pflicht erkannt. Das Lehrreiche an diesen
Vorgängen war für Blumhardt die unleugbare Tatsache, daß es einen Verkehr mit
der Geisterwelt gibt. Die Geschehnisse, die sich vor seinen Augen abspielten,
waren keine Sinnestäuschungen und können von niemand in das Reich der Fabel
verwiesen werden. Denn sie spielten sich in voller Öffentlichkeit ab, und
eine große Zahl von Augen- und Ohrenzeugen konnte sie bestätigen. Die Wirklichkeit der
Geschehnisse war auch der Grund, weshalb die Kirchenbehörde Blumhardt
ersuchte, eine Denkschrift über die Vorgänge an sie einzureichen. Blumhardt sah bloß die
unleugbaren Tatsachen vor sich und lernte erst nach und nach einige
Zusammenhänge auf diesem Gebiete kennen. Die ewigen Gesetze, nach denen die
Verbindung mit der Geisterwelt vor sich geht, scheinen ihm bis zu seinem Tode
unbekannt geblieben zu sein. Darum erkannte er auch nicht den Weg, auf dem
sowohl das israelitische Volk, als auch die ersten Christen zur Verbindung
mit der guten Geisterwelt gelangten. Das Sprechen der bösen und schwer
leidenden Geister durch menschliche Medien hat er in erschütternder Weise
erlebt. Aber die wunderbaren Kundgebungen der hohen Geister Gottes durch
Sprechmedien blieben ihm versagt. Auch das hat seinen tiefen Grund. Denn
alles Geschehen hat seine Zeit. Sicherlich waren die Zeitverhältnisse, in
denen Blumhardt lebte, zu einer derartigen absichtlich herbeigeführten Verbindung
mit der guten Geisterwelt nicht geeignet. Sicherlich würde Blumhardt bei der
Einstellung seiner Kirche zu solchen Dingen sein ganzes Wirken und seine
Stellung gefährdet haben. Hatte er ja schon Anfeindungen von seiner
Kirchenbehörde genug auszustehen, als nachher sich die guten Geistwirkungen
bei ihm und seinen Pfarrangehörigen zeigten, auf die ich gleich zu sprechen
komme. Ein Mehr auf diesem Gebiete, wie es ein Abhalten guter spiritistischer
Zusammenkünfte gewesen wäre, würde ohne Zweifel das schärfste Vorgehen der
evangelischen Kirchenleiter gegen Blumhardt veranlaßt haben. Auch die
Geisterwelt Gottes paßt ihr Wirken den Umständen an, die ihnen in den
Zeitverhältnissen entgegentreten. Hatte Blumhardt die
Ausgießung der Geister der Finsternis auf die Menschheit an einigen
Beispielen in erschreckender Weise gesehen und persönlich erlebt, so sollte
er aber auch in noch wunderbarerer Form die Ausgießung der Geister Gottes an
sich und seiner Gemeinde erfahren. Sie erinnerte an die Ausgießung der
göttlichen Geister in den ersten christlichen Zeiten. Die Geister der Buße und
der Gesinnungsänderung waren das erste Geschenk von oben, das Blumhardt nach
treu überstandenem Kampfe gegen die bösen Mächte für seine ganze Pfarrei und
die Umgebung empfing. Nach und nach kamen alle und bekannten, von einer
unwiderstehlichen inneren Gewalt genötigt, die Sünden ihres Lebens. Blumhardt
wurde innerlich von einem Geiste Gottes eingegeben, wem er die Vergebung der
Sünden verkünden solle. Es war also nicht ein gewöhnliches Beichten und
Lossprechen, wie es in der katholischen Kirche Sitte ist, sondern eine
Reinigung von Sünden infolge einer Offenbarung eines Geistes Gottes. Darum
war der Wahlspruch Blumhardts von da an: “Bitten wir und hoffen wir auf eine
neue Ausgießung des Heiligen Geistes.“ Auch kam der Geist der
Heilung auf Blumhardt. Durch seine Handauflegung, sein Gebet, seine Nähe
wurden die schwersten Krankheiten geheilt. Dabei zeigte es sich, daß die
meisten chronischen Krankheiten die Wirkung böser Geistermächte sind, wie
dies ja auch die Bibel lehrt. Wichen diese Mächte von den Kranken, so trat
auch die Heilung unverzüglich ein. Das Wunderbare dieses Geschehens möge man
in dem Buche Zündels nachlesen. Ich schließe diese
Darstellung der Wirkungen der bösen und der guten Geisterwelt im Leben
Blumhardts mit seinen Worten in einem seiner Briefe: “Wenn etwa einer
untersuchen möchte, ob alles, was der Herr bei mir tut, persönlich sei oder
sich nachahmen lasse, so muß ich gestehen, daß infolge meiner Kämpfe mir
allerdings etwas Persönliches geworden ist, daß nicht jeder so plötzlich auch
haben kann. Indessen ist meine Überzeugung, daß es allgemeiner werden muß und
daß man überhaupt um die Erneuerung der ursprünglichen Kräfte in deren ganzem
Umfang bitten darf. Bei mir wird eigentlich vorderhand nur der Beweis
geliefert, daß man diese Bitte tun darf. Aber ehe gleichsam der Himmel sich
auftut, wird es nicht, und es ist eine falsche Meinung, als ob man nur wieder
glauben dürfte, um sogleich alles wieder zu haben, was die apostolische Zeit
hatte. Nein, die Kräfte sind in Wahrheit wieder zurückgenommen worden und
können nur langsam wieder erlangt werden. Der Unglaube und Abfall der
Christenheit von mehr als einem Jahrtausend hatte eine Ungnade von seiten des
Herrn zufolge, wie auch einen Überschwang der satanischen Kräfte. Darum
können wir nicht so ohne weiteres wieder anfangen; versuchen wir es, so
stoßen wir bald auf eine durchbrochene Mauer. Sie sehen daraus, wie
verschieden ich von den Irwingianern bin, die, den jetzigen Zustand der Christenheit
übersehend, alles wiederhaben wollen. Das erste, was not tut, ist eine neue
Bekehrung der Christenheit, jedoch von völligerer Art, als man es im kleinen
sieht. Daß dies werde, muß ernstlicher gekämpft, biblischer gepredigt,
dringlicher gebetet werden. Wird ein Geist der Buße ausgegossen im großen,
wie ich es im kleinen an meiner Gemeinde erfahren habe, da sich dann sogleich
die ersten Spuren der Geistesgaben offenbarten, so gibt sich eins ums andere,
bis allerdings eine apostolische Zeit wiederkehrt, neben welcher sich dann
freilich der eigentliche Widerchrist aufmachen wird.“ Diese Ausführungen
Blumhardts sind etwas unklar und nur zum Teil richtig. Die Wahrheit ist
folgende: Jeder Mensch, ob Christ oder Nichtchrist, kann mit der guten
Geisterwelt in Verbindung kommen, wenn er sie im Ernste will und sie in der
Weise sucht, wie es in diesem Buche geschildert ist. Was jeder aus dem guten
Geisterverkehr empfängt, ist eine Belehrung über den wahren Weg, der zu Gott
führt. Es ist die Predigt der Wahrheit, die ihm zuteil wird. Ob dann noch
weitere Kräfte der Geister Gottes bei ihm in Wirksamkeit treten, hängt bei
jedem davon ab, ob er sein Leben nach der ihm mitgeteilten Wahrheit gestaltet
und in welchem Maße er es tut. Wer bloß die Predigt der Wahrheit von der
Geisterwelt entgegennimmt, sich aber nicht danach richtet, der erhält keine
weiteren Geschenke von oben. Er verliert vielmehr auch noch die Verbindung
mit den guten Geistern, die ihm zuerst zuteil geworden war, indem sich keine
guten Geister mehr kundgeben. Wer jedoch die Wahrheit in sich aufnimmt und
sein Inneres danach umzugestalten sich bemüht, bei dem machen sich auch die
Geisterkräfte bemerkbar, die wir bei den ersten Christen finden, und zwar so,
wie es seiner Lebensaufgabe entspricht. Denn auch bei den ersten Christen
hatte nicht jeder die gleichen Gaben. Auch waren die einzelnen Gaben nicht
dazu bestimmt, daß derjenige, der sie besaß, bloß für sich Nutzen davon haben
sollte, sondern damit sie zum allgemeinen Wohl der Gesamtheit dienten. Diese
Tatsache wird ja auch von dem Apostel Paulus stets so scharf betont. Auch
heute wird der kleinsten Gemeinde gottesgläubiger und gottsuchender Menschen
dasselbe von Gottes Geistern gewährt, was die ersten Christen empfingen.
Voraussetzung ist bloß, daß man mit allen Kräften nach dem Guten strebt und
die Einflüsse des Bösen von sich abwehrt. Ob der Kreis, der dies tut, ein
großer oder ein kleiner ist, wird niemals für die Wirkung der Geisterwelt
Gottes maßgebend sein. Die Erlebnisse des katholischen
Pfarrers Vianney Ein ähnliches Bild von den
Wirkungen der bösen und guten Geisterwelt, wie wir es bei dem evangelischen
Pfarrer Blumhardt sahen, tritt uns bei dem katholischen Pfarrer Vianney von
Ars entgegen. Johannes Baptista Maria
Vianney lebte von 1786 bis 1840. Seine Lebenszeit fällt also noch zu einem
großen Teil in die des Pfarrers Blumhardt. Während Blumhardt in der deutschen
Pfarrei Möttlingen seine segensreiche Wirksamkeit entfaltete, lebte und
wirkte Vianney in der kleinen Gemeinde Ars in Frankreich. Wegen seiner
geringen Begabung konnte Vianney nur unter großen Anstrengungen seine Weihe
zum Priester erreichen. Schon als Kind gab sich
Vianney täglich der inneren Sammlung im Gebet hin. Diese innere Konzentration
übte er, ähnlich wie Blumhardt, sein ganzes Leben. Sie brachte bei ihm die
medialen Gaben zur Entfaltung, welche die Vorbedingung für die Wirkungen
sind, die von der Geisterwelt auf die Menschen ausgeübt werden. Dasselbe gilt
von Blumhardt. Während der evangelische
Pfarrer Blumhardt zuerst die dämonischen Kundgebungen durch das Medium
Gottliebin Dittus in seiner Pfarrei erlebte und nachher erst die Wirkungen
sowohl der guten, als auch der bösen Geisterwelt an seiner eigenen Person
erfuhr, war der Pfarrer von Ars allein die Persönlichkeit, an der die Kundgebungen
der Geister sich zeigten. Bei anderen Personen seiner Umgebung oder seiner
Pfarrei machten sich derartige Wirkungen nicht bemerkbar. Im übrigen sind die
Geschehnisse bei beiden dieselben. Sowohl Blumhardt, als auch Vianney
erlebten die Betätigung der Dämonen in derselben Weise. Auch die Wirkungen
der guten Geister waren bei beiden dieselben. Beide empfingen einen Geist der
Heilkraft in sehr hohem Maße. Beide hatten die Gabe des Hellsehens in
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Beide konnten den inneren Zustand eines
Menschen hellsehend wahrnehmen. Über die Pfarreien beider Seelsorger wurde in
wunderbarer Weise der Geist der Bekehrung ausgegossen, die sich nach und nach
auf weite Kreise der entfernteren Bezirke erstreckte. Zu beiden pilgerten die
durch ein sündenbeladenes Leben gequälten Menschen zu vielen Tausenden, um
ihre Vergehen zu bekennen und die Zusicherung der Verzeihung Gottes zu
erlangen. Beide wußten durch eine innere Erleuchtung, wem sie die Zusicherung
der Verzeihung geben konnten. Die Übereinstimmung in all diesen Dingen
erstreckt sich bei diesen beiden Männern bis in die kleinsten Einzelheiten,
so daß man das Walten einer göttlichen Gesetzmäßigkeit daraus erkennen kann.
Auch die dämonischen Kundgebungen erfolgten bei beiden nach denselben
geistigen Gesetzen. Doch lassen wir nun die
Tatsachen aus dem Leben Vianneys selbst reden. Beginnen wir mit dem
Dämonischen, das sich bei Vianney kundgab. In der Lebensbeschreibung wird der
Teil, der von den dämonischen Einflüssen handelt, mit den Worten eingeleitet:
“Doch möge hier zunächst ein Wort für diejenigen gesagt sein, die versucht
sind, in dieser Hinsicht zu zweifeln oder bei der Lesung der folgenden Seiten
zu lächeln. Sie werden nicht die ersten sein, die das tun. Ja, sie werden
nicht einmal etwas in dieser Beziehung denken oder aussprechen, was nicht
schon vor ihnen zu Lebzeiten Vianneys die Welt gedacht oder gesagt hat und
was nicht mit noch größerem Nachdruck als die Weltleute, die Geistlichkeit
damals ausgesprochen hat. Kaum hatte nämlich das Gerücht, der Pfarrer von Ars
werde von den Teufeln heimgesucht, sich zu verbreiten begonnen, als ein
großes Gelächter in allen umliegenden Pfarrhäusern anhob. Alsbald setzten die
‘guten‘ Mitbrüder dem Pfarrer von Ars auseinander, daß er ein großer Träumer
sei, der ein krankes Gehirn habe; daß ferner die Hölle, aus der seine Dämonen
kämen, ganz einfach der Fleischtopf sei, in welchem er seine Kartoffeln
verschimmeln lasse. ‘Mein lieber Pfarrer‘, sagten sie ihm, ‘leben Sie wie
jedermann; nähren Sie sich besser, dann wird ihr Kopf wieder gesund, und Sie
werden sehen, wie die Teufel verschwinden.“ Vianney lebte nämlich sehr
bescheiden und fast nur von Kartoffeln, die er sich am ersten Wochentage für
die ganze Woche kochte und dann kalt aß, die nicht selten am Ende der Woche
schimmlig geworden waren. “Weit davon entfernt, jener
schwache Geist zu sein, der solchen Hirngespinsten zum Opfer fällt, wie es
sich seine Amtsbrüder eingeredet hatten, war Pfarrer Vianney von Natur aus so
wenig leichtgläubig, daß er selbst zuerst nicht annehmen wollte, es seien
Teufel, die ihn quälten. Erst dann, als er vergebens nach einer Erklärung für
die seltsamen Geräusche gesucht hatte, die ihn immer wieder während der Nacht
störten, begriff er ihre Herkunft und Art.“ “Eines Tages hörte er
heftig gegen seine Haustüre stoßen. Er öffnete das Fenster und fragte: ‘Wer
ist da?‘ Niemand antwortete ihm. Als das Geräusch sich an seiner Treppentüre
wiederholte, stellte er dieselbe Frage. Abermals blieb er ohne Antwort. Da
ihm damals prächtige Gewänder für seine Kirche geschenkt worden waren, die er
im Pfarrhause aufbewahrte, so dachte er, es hätten Diebe bei ihm einzubrechen
versucht. Er hielt es für gut, Vorsichtsmaßregeln zu treffen. Deshalb bat er
einige mutige Männer, Wache zu stehen. Sie kamen denn auch während mehrerer
Nächte und hörten denselben Lärm. Doch entdeckten sie nichts. Man paßte im
Glockenturm auf, indessen gleichfalls ohne Erfolg. Man hörte heftige Stöße,
ohne etwas zu sehen. Die Wächter waren sehr erschrocken. Selbst dem Pfarrer
wurde recht bange. Eines Nachts im Winter, als er wieder starke Schläge gegen
die Türe vernommen hatte, sprang er eilends aus dem Bett, stieg in den Hof
hinab, indem er überzeugt war, daß die Übeltäter, wenn es sich um solche
handelte, ihre Spur im frischgefallenen Schnee zurückgelassen härten und daß
man sie so endlich fassen könne. Aber er sah niemanden, hörte nichts mehr und
bemerkte auch keine Fußspur im Schnee. Da nun zweifelte er nicht mehr, daß
der Satan ihn verfolgen wollte.“ “Von dem Tage an, wo er
überzeugt war, daß die nächtlichen Ruhestörer Dämonen seien, hatte er viel
weniger Angst.“ “Indessen richteten sich
die Hauptabsichten der Dämonen zweifellos darauf, seine seelsorgerliche
Tätigkeit minder fruchtbar zu machen, indem sie seinem überanstrengten Leibe
die nötige Nachtruhe raubten. Alles schien bei diesen Plagen gar trefflich
darauf eingerichtet zu sein, daß ihm das Schlafen ganz unmöglich gemacht
würde. Meistens vernahm Vianney eines von jenen eintönigen Geräuschen, die
mehr als alles andere, wie man weiß, zur Schlaflosigkeit veranlassen. Bald
war es ein Geräusch, wie wenn ein Balken durchgesägt oder durchgebohrt würde.
Bald schien es, als ob man eine Reihe Nägel einklopfe. Es kam ihm auch vor,
als ob Regimenter Soldaten an seiner Tür vorbeizogen; als ob eine Schafherde
über seinem Haupt dahintrampelte; als ob ein Pferd über seine Fliesen
galoppierte; als ob jemand auf seinem Tisch trommelte; als ob man in seiner
Nähe Eisenreifen um ein Faß festschlage; als ob alle Wagen von Lyon über seine
Diele rollten; als ob eine lärmende Versammlung in unbekannter Sprache in
seinem Hofraum sich unterhalte. Diese letzte Plage dauerte mehrere Nächte
hintereinander. Ein anderes Mal hörte er seine Türe öffnen und sich in
barscher Weise bei seinem Familiennamen anreden. Dann hatte er eine Fülle von
spöttischen Grobheiten zu ertragen, unter denen am häufigsten die Bezeichnung
‘Kartoffelfresser‘ vorkam. Ferner wurden seine Möbel hin- und herbewegt. Es
wurde an seinen Vorhängen mit solcher Wucht gerissen, daß er darüber
verwundert war, sie am anderen Morgen noch heil zu finden“ (S. 66-70). Groß waren auch die inneren
Anfechtungen, die er von seiten der Bösen zu erdulden hatte und mit denen sie
ihn zur Verzweiflung zu treiben suchten. Bei Blumhardt treffen wir dieselben
Erscheinungen. Leider sind die in seiner Denkschrift enthaltenen dämonischen
Einwirkungen, soweit sie seine Person angingen, absichtlich in seiner
Lebensbeschreibung unterdrückt worden, wie ich dies bereits früher erwähnte. Sowohl bei Blumhardt, als
auch bei Vianney haften jene dämonischen Machenschaften den einzigen Zweck,
das Wirken dieser Männer in der Führung ihrer Mitmenschen zu Gott ganz zu
vernichten oder doch zu beschränken. Darum suchten sie Blumhardt in das ihm
unbekannte Gebiet des Dämonischen durch die Gottliebin Dittus zu verstricken
und ihn, als ihnen das nicht gelungen war, nachher durch äußere und innere
Anfechtungen zu verwirren und mutlos zu machen. Bei Vianney hatten sie es
zunächst auf die Einflößung der Mutlosigkeit und Verzweiflung abgesehen und
benutzten dazu als Werkzeuge die katholischen Geistlichen der Nachbarbezirke,
die einen solchen Feldzug der gemeinsten Verleumdung und Verdächtigung gegen
den armen Pfarrer von Ars eröffneten und zehn Jahre lang durchführten, daß
jeder andere einem solchen Kampfe hätte erliegen müssen. Als dies nicht zum
Ziele führte, versuchten es die Dämonen mit einer Schwächung seiner
Gesundheit durch Entziehung des Schlafes. Von diesem Versuch ließen sie
während seines ganzen Lebens nicht ab. Erst in seinen letzten Lebensjahren
scheint er nachts nicht mehr belästigt worden zu sein. Noch ähnlicher, wie im
Punkte der dämonischen Erlebnisse, sind sich beide Männer in dem, was ihnen
an Göttlichem von seiten der guten Geister zuteil wurde. Hier haben sie alles
gemeinsam. Beiden wurden die hohen
Gottesgaben erst zuteil, als sie ihre schweren Prüfungen im Kampfe mit den
bösen Mächten und deren menschlichen Werkzeugen bestanden hatten. Diesen
Kampf hat jeder zu bestehen, der als Werkzeug Gottes zum Heile seiner
Mitmenschen arbeiten und die zu diesem Zwecke erforderlichen Gotteskräfte
erlangen will. Auch Christus mußte diesen Kampf bestehen. Auch seine
öffentliche Tätigkeit mit den Beweisen der Gotteskraft, die in ihm wirksam
war, begann erst, als er 40 Tage und 40 Nächte das Dämonische und seine
furchtbaren Wirkungen an sich erfahren hatte und dagegen standhaft geblieben
war. Der Knecht ist nicht über dem Meister. Die Bekehrungen infolge der
Ausgießung eines Geistes der Buße als innere Umkehr hatten in der Pfarrei
Blumhardts denselben Verlauf, wie in der Pfarrei Vianneys. Und aus beiden
Pfarreien erstreckten sie sich in gleicher Weise nach und nach bis in die
entferntesten Gegenden. Die erste Wirkung der Geister der Buße ist in den
Herzen der Menschen ein inneres Erschrecken über die Sünden und Vergehen des
vergangenen Lebens und über die dadurch herbeigeführte Gottesferne. Dieses
innere Erschrecken über sich bei einem vom Geiste der Buße berührten Menschen
ist so groß, daß er keine Ruhe mehr findet, bis er sein Inneres einem
gottestreuen Menschen offenbart und dessen Urteil gehört hat. Eine
unsichtbare Gewalt treibt sie unwiderstehlich, bis sie die Gottesnähe in
ihrem Herzen fühlen und die darin enthaltene Gewißheit haben, daß ihre Sünden
vergeben sind, ein solches Gefühl des Glückes strömt dann in ihr Herz, daß es
keine menschlichen Worte gibt, ein solches Glück zu beschreiben. Man möge in
den Lebensbeschreibungen dieser beiden Männer nachlesen, was die Bekehrten
innerlich empfunden haben. Die Seelen, die seiner Hilfe
nicht bedurften, erkannte Vianney auf den ersten Blick. Er bat sie
freundlich, seine Zeit nicht zu beanspruchen, und zu manchem sagte er: “Gehen
Sie ruhig heim, Sie haben mich nicht nötig.“ Die kranken Seelen zu
heilen, die mit sich selbst nicht fertig werden konnten, war das Hauptziel
des Pfarrers von Ars. Die Heilung der Körper war in seinen Augen viel
nebensächlicher. Vielen gab Vianney Auskunft
über das jenseitige Los ihrer Verstorbenen, sobald dies für ihr eigenes
Seelenheil nützlich erschien. Aber auch in die Zukunft schaute er hellsehend.
Man kann sagen, daß so, wie zu seinen Lebzeiten über nichts so viel
gesprochen wurde, als über seine Kämpfe mit den bösen Geistern, alle Welt
nach seinem Tode von seinen Voraussagungen zu reden anfing. Seine Vorhersagen
betrafen fast immer nur das Wohl des einzelnen und nicht das öffentliche
Wohl. Manchen Bekehrten sagte er ihren nahen Tod voraus. In anderen Fällen
benachrichtigte er dritte Personen von dem bevorstehenden Tode eines ihrer
Angehörigen, damit sie sich bereithalten möchten. Auch sah er im Geiste ferne
Ereignisse, welche die Personen angingen, mit denen er gerade sprach. Als er
eines Tages einen Mann in der auf ihn wartenden Menge erblickte, sagte er zu
ihm: “Kehren Sie schnell nach
Lyon zurück, Ihr Haus steht in Flammen!“ Und so war es. Ein anderes Mal
schickte Vianney eine Bäuerin, die eben ihr Sündenbekenntnis abgelegt hatte,
schleunigst heim, denn eine Schlange sei in ihr Haus gekrochen. Die Frau
eilte in ihr Haus zurück und durchsuchte es nach allen Richtungen, fand aber
nichts. Schließlich kam sie auf den Gedanken, auch ihren Strohsack zu
schütteln, den sie zum Auslüften in die Sonne gelegt hatte. Sie sah aus
demselben eine Schlange hervorkriechen. Einem jungen Mädchen, das er in der
Kirche stehen sah, sagte er, sie möge ohne Säumen heimkehren, denn sie werde
dort dringend erwartet. Als sie nach Hause kam, fand sie ihre bisher
vollständig gesunde Schwester tot daliegen. - Es kam eine Frau nach Ars zur
Beichte, die sich von einem “Zauberer“ eine Flasche mit einem angeblichen
Wundermittel hatte geben lassen. Als Vianney ihr Sündenbekenntnis gehört
hatte, bemerkte er ihr: “Sie sagen mir ja nichts von der Flasche, die sie in
einem Gebüsch vor Ars versteckt haben.“ Noch häufiger zeigte sich
bei ihm das Schauen der innersten Gedanken und Gefühle anderer. Diese Gabe
trat regelmäßig hervor, sobald es sich um besonders schwierige Bekehrungen
handelte. Fast täglich ereigneten es sich, daß er seinen Beichtstuhl verließ
und gerade jene Personen, die am eiligsten oder am unglücklichsten waren, zu
sich heranwinkte, damit sie zuerst an die Reihe kamen. Es kamen auch solche, die
seine Gabe auf die Probe stellen wollten. Mit großer Beschämung gingen sie
von dannen. Einer bekannte ihm schlimme Sünden, die er sich erdichtet hatte.
Vianney hörte ihn ruhig an und sagte dann: “Sie haben in der Tat viel schwere
Schuld auf der Seele; aber das Böse, das Sie in Wirklichkeit getan haben,
besteht nicht in jenen Sünden, die Sie mir soeben erzählt haben, sondern es
sind folgende Sünden“, und nun offenbarte Vianney zur großen Bestürzung des
Betrügers alle Schandtaten seiner Vergangenheit. Vianney heilte, beriet,
tröstete und bekehrte aus der Ferne diejenigen, die nicht persönlich zu ihm
kommen konnten und darum Vermittler oder auch Briefe schickten. Alle bisher geschilderten
Einzelzüge im Bilde der bei Vianney wirkenden Kräfte der Geisterwelt finden
sich in derselben Art und in demselben Umfang, und man kann sagen, bis in die
kleinsten Linien genau bei Blumhardt. Und es ist schwer, festzustellen, bei
wem von beiden die Zahl der Tausenden, die zu ihnen strömten und die
wunderbaren Wirkungen jener Kräfte an sich erfuhren, größer war, ob bei
Vianney oder bei Blumhardt. Auch das ereignete sich bei
beiden, was man eine wunderbare Brotvermehrung nennen könnte. Bei Blumhardt
kam es vor, daß bei dem großen Andrang der Fremden, die von den Pfarrkindern
Blumhardts gastlich aufgenommen und beherbergt wurden, sich Mangel an Nahrung
einstellte. Aber ein besonderer Segen waltete bei diesen Speisungen. Eine
Familie, die nicht genug hatte 14 Personen zu sättigen, machte mit derselben
Speise 42 Personen satt, und es blieb noch Speise übrig. Von Vianney wird ein
noch augenscheinlicheres Wunder berichtet, für das seine ganze Pfarrei Zeuge
wurde. Er hatte ein Heim für arme Kinder. Eines Tages waren alle
Nahrungsmittel ausgegangen. Auf dem Speicher lagen nur noch einige Handvoll
Brotfrucht. Schon hatte er sich schweren Herzens entschlossen, die Kinder zu
entlassen. Er betete zu Gott noch einmal um Hilfe. Als er nun auf den
Speicher kam, war er hoch mit Korn angefüllt. Die ganze Pfarrei stieg auf den
Speicher, um das Korn zu sehen. Dieses Ereignis machte in der ganzen Gegend
ein großes Aufsehen. Auch der Bischof kam später und ließ sich zeigen, wie
hoch der Speicher angefüllt war. Wenn wir nun diese beiden
Männer als Werkzeuge Gottes nebeneinanderstellen, dann muß uns etwas sehr
Wichtiges dabei auffallen. Wir haben hier zwei Männer, deren kirchliches
Glaubensbekenntnis wesentlich verschieden ist. Auf der einen Seite steht ein
katholischer Pfarrer als Anhänger von Heiligen- und Reliquienverehrung, der
die Krankenheilungen auf die heilige Philomena zurückführte; ein Mann, der
die Messe feierte und die Beichte als notwendiges Sakrament der
Sündenvergebung betrachtet, der an die Gegenwart Christi im Altarssakrament
glaubt und an allen anderen Lehren seiner Kirche festhält - und auf der
anderen Seite der evangelische Pfarrer Blumhardt als schroffer Gegner des
Glaubensbekenntnisses eines Vianney. Er lehnt Heiligen- und
Reliquienverehrung, Messe und Altarssakrament, katholische Beichte und
katholische Sündenvergebung, Papsttum und alles, was damit zusammenhängt, als
nicht von Gott gewollt, sondern aus menschlichen Irrtümern herrührend, mit
aller Entschiedenheit ab. Und doch sind beide in der Hand Gottes ebenbürtige
Werkzeuge der Befreiung der Menschheit von der Sünde und Satan und ihrer
Führung zum Vaterhaus Gottes. Beide erhalten die höchsten Gaben, die Christus
seinen Gläubigen verheißen hat, trotz ihrer Gegensätzlichkeit im kirchlichen
Glaubensbekenntnis. In einem Punkte stimmen
beide überein: In dem tiefen Gottesglauben und in dem darin verankerten
unerschütterlichen Gottvertrauen sowie in der großen Liebe zu Gott und den
Menschen. Vor Gott ist also das sonstige kirchliche Glaubensbekenntnis eines
Menschen von keiner Bedeutung. Er betrachtet es bloß als ein äußeres Kleid,
das man den Menschen umgehängt hat, das jedoch die geistige Persönlichkeit
nicht beeinflußt, wenn in ihr Gottesglaube und Gottesliebe wirksam sind. Er
läßt den Menschen dieses Kleid, das aus den Flicken menschlicher Irrtümer
zusammengenäht ist, solange es die Aufgabe nicht verhindert, die er dem
Menschen zugeteilt. Wenn man nun fragen wollte,
weshalb die gute Geisterwelt jene Männer nicht über die Irrtümer in ihren
religiösen Anschauungen aufgeklärt und ihnen die Wahrheit vermittelt habe, so
ist die Antwort darauf nicht schwer. Zunächst war eine solche
Belehrung nicht notwendig, weil die konfessionellen Irrtümer der Arbeit nicht
im Wege standen, zu der beide von Gott berufen waren. Sie sollten die
Menschen ihrer näheren und ferneren Umgebung zur Einkehr in sich und zur
Rückkehr zu Gott bewegen. Dem stand weder das katholische noch das
evangelische Glaubensbekenntnis im Wege. Vor allem aber konnte eine
Aufklärung über religiöse Irrtümer deshalb von seiten der Geisterwelt nicht
erfolgen, weil sie sowohl einem Blumhardt, als auch einem Vianney die
Erfüllung ihrer Aufgaben unmöglich gemacht hätte. So hätte der evangelische
Pfarrer Blumhardt infolge neuer Wahrheitserkenntnisse auch eine Änderung in
seiner Lehre vornehmen müssen. Damit würde er sich außerhalb der
evangelischen Kirche gestellt und dadurch sowohl sein Amt, als auch seinen
Wirkungskreis verloren haben. Das gilt in noch höherem
Maße von dem katholischen Pfarrer Vianney. Wäre seine Glaubenseinstellung
auch nur in einem Punkte von der seiner Kirche abgewichen, so wäre er in ganz
kurzer Zeit für immer erledigt. Unter Katholiken konnte an
der Aufgabe der Rettung von Seelen nur arbeiten, der in das Gewand des
katholischen Bekenntnisses gekleidet war, wie Blumhardt nur als Mann des
evangelischen Glaubens unter seinen Glaubens-genossen Aussicht auf Erfolg
hatte. Ohnedies wurde das Wirken
beider schon über die Maßen von ihren Amtsbrüdern angefeindet, trotzdem jeder
seiner Kirche treu ergeben war. Welche Kämpfe würden erst gegen sie
eingesetzt haben, wenn sie in dem einen oder anderen Punkte von der Lehre
ihrer Kirche abgewichen wären? Besonders bei Vianney kannten die Angriffe
seiner Amtsbrüder keine Grenzen. Wie schon vorher angedeutet, wurde er zehn
Jahre hindurch von ihnen maßlos verfolgt, bekrittelt, geschmäht, verdächtigt,
verleumdet und selbst mit äußerster Gewalt bedroht. Als die katholische
Geistlichkeit seiner näheren und fetteren Umgebung sah, wie ihre Pfarrkinder
ebenfalls zu Vianney eilten und mehr auf dessen Urteil gaben, als auf das der
eigenen Geistlichen, kamen die Regungen des Neides und der Eifersucht. Sie
nannten ihn den unwissenden Priester, der nur mit Mühe ein wenig Latein
gelernt habe und beinahe aus dem Priesterseminar zurückgeschickt worden wäre.
Vor allein die Begeisterung, mit der die Leute von dem Pfarrer von Ars
sprachen, brachte den Haß der anderen Geistlichen zum Überlaufen. Man
verleumdete ihn in der schändlichsten Weise. Die Pfarrer verboten ihren
Pfarrkindern, nach Ars zur Beichte zu gehen und drohten ihnen im Falle, daß
sie doch hingingen, mit dem Ausschluß von den Sakramenten und der
Verweigerung der Lossprechung, selbst in der Sterbestunde. Sonntag für
Sonntag schmähten sie von der Kanzel herab gegen den Pfarrer von Ars. Vianney
sagte später einmal: “Man ließ das Evangelium auf der Kanzel in Ruhe und
statt dessen predigte man gegen den armen Pfarrer von Ars.“ Während die einen
über seine Unwissenheit spotteten, verdächtigten die anderen seinen
Lebenswandel. Briefe ohne Unterschrift liefen in großer Zahl bei ihm ein, in
denen man ihm die größten Gemeinheiten in den ekelhaftesten Ausdrücken
vorwarf. Auch suchte die Geistlichkeit das Volk gegen ihn aufzuhetzen. Wenn
er morgens seine Haustür öffnete, fand er daran Zettel geklebt, auf denen man
ihn anklagte, die Nacht in den unsittlichsten Ausschweifungen verbracht zu
haben. Hier wie auch bei Blumhardt
wiederholte sich dasselbe, was die jüdische Geistlichkeit gegen Christus ins
Werk setzte. “Was sollen wir tun? Seht, das ganze Volk läuft ihm nach, diesem
Weintrinker und Gesellen der Sünder und der Dirnen.“ (Matth.11,19) Das Wort
von dem “geistlichen Neid“ und die Wahrheit, daß ein Geistlicher seinem
Mitgeistlichen ein Teufel ist, bestätigte sich auch bei diesen beiden
Geistlichen. Wenn die Angriffe der
Amtsbrüder gegen Blumhardt auch nicht das Maß der Gemeinheit erreichten, wie
es bei Vianney der Fall war, so hat doch auch er sehr viel Leid und
Verfolgung von ihnen zu erdulden gehabt. Entbrannte bei diesen
beiden Männern trotz ihrer kirchlichen Glaubenstreue ein solcher Kampf auf
Leben und Tod, was würde da erst geschehen sein, wenn man ihnen ein Abweichen
von der kirchlichen Lehre hätte nachweisen können? Gott und seine Geisterwelt
richten sich bei der Auswahl und Zubereitung ihrer Werkzeuge auch nach den
Zeitverhältnissen und der religiösen Atmosphäre, die in den Kreisen herrscht,
in denen sie wirken sollen. Alle menschlichen Ansichten und Irrtümer läßt die
Geisterwelt Gottes unberührt, solange sie nicht ein ernstliches Hindernis für
die Erreichung des von ihr gesteckten Zieles bilden. Von den irrigen
Ansichten in Glaubenssachen wurde bei Vianney durch die sich kundgebenden
guten Geister keine einzige hinweggeräumt, weil sie der Aufgabe, die er zu
erfüllen hatte, nicht im Wege standen. Nur als er in seiner falschen
Beurteilung der körperlichen Bußübungen, die er als Gott besonders
wohlgefällig betrachtete, seinen Körper mit solchen Bußübungen quälen wollte,
griff die Geisterwelt mit einer Belehrung ein. Nun mußte sie es, da eine
Schwächung seiner Körperkraft auch geringere Leistungen in seiner Wirksamkeit
zur notwendigen Folge gehabt hätte. Durch eine gebieterische Stimme, die er
hellhörend wahrnahm, wurde er an seine wahre Aufgabe erinnert. Vianney selbst
sagt darüber: “Ich weiß nicht, ob es wirklich eine Stimme war, die ich hörte,
oder ob ich es geträumt habe; aber wie dem auch sein mag, ich erwachte davon.
Diese Stimme sagte mir, es sei Gott wohlgefälliger, die Seele eines einzigen
Sünders zu retten, als alle möglichen Opfer zu bringen. Damals hatte ich mir
nämlich Bußübungen zu meiner eigenen Heiligung vorgenommen.“ Vianney, der katholische
Pfarrer von Ars, wurde von seiner Kirche heiliggesprochen. Wenn Menschen
einen Menschen überhaupt heiligsprechen könnten, dann müßte der evangelische
Pfarrer Blumhardt ebenfalls heiliggesprochen werden. Denn er stand in seiner
Gesinnung, seiner Wirksamkeit und den staunenerregenden Gaben von oben seinem
katholischen Amtsbruder nicht nach. Das Lebensbild dieser beiden Männer
zeigt, daß die guten und die bösen Geisterkräfte auch heute noch in derselben
Weise bei den Menschen wirksam sind, wie zu allen früheren Zeiten und daß sie
nach den gleichen Gesetzen sich vollziehen. _______ *
_______ Vor der Zeit, als ich die
Verbindung mit der Geisterwelt kennenlernte, hatte ich keine Kenntnis von der
Möglichkeit einer solchen Verbindung. Weder Bücher noch Zeitschriften hatte
ich gelesen, die sich damit beschäftigten. Auch während der Zeit, in der ich
durch meine Führer aus dem Jenseits die in diesem Buch niedergelegten
Belehrungen empfing, kam ich weder mit anderen spiritistischen Kreisen in
Berührung, noch nahm ich spiritistische Literatur zur Hand. Als Geistlicher
widmete ich mein ganzes Interesse den Wahrheiten, die mir Woche für Woche
durch die Medien zuteil wurden und vor allem mein religiöses Denken von Grund
auf änderten. Mein Studium galt der Heiligen Schrift. Ich wollte sehen, ob
die mein bisheriges Glaubensgebäude umstürzenden neuen Wahrheiten mit den
Lehren der Bibel übereinstimmten, die Heilige Schrift galt mir als Prüfstein.
Auch die Geisterwelt mahnte mich ständig, die neuen Lehren mit denen der
Bibel zu vergleichen. In den gottesdienstlichen Versammlungen nahm der sich
offenbarende Geist ebenfalls stets die Bibel und erklärte ihren Inhalt. Als ich jedoch das neue
Wahrheitsbild nach einer gewissen Zeit in mich aufgenommen hatte und es bei
mir zur festen Überzeugung geworden war, wurde ich aufgefordert, die
spiritistischen Phänomene der heutigen Zeit kennenzulernen. Dadurch sollte
ich Gelegenheit haben, jene Erscheinungen an Hand der mir mitgeteilten
Gesetze zu prüfen und zu erklären. Wenn ich etwas finden sollte, was ich
nicht verstand, brauchte ich bloß in meinen Sitzungen zu fragen, und die
gewünschte Aufklärung wurde mir zuteil. Von vornherein stand es bei
mir fest, daß ich nur solche Phänomene einer Prüfung unterziehen würde, deren
Echtheit einwandfrei feststand. Da lernte ich Anfang des
Jahres 1928 eine wissenschaftliche Zeitschrift kennen, die unter der
Mitarbeit bedeutender Professoren fast aller Länder herausgegeben wird und
solche Erscheinungen behandelt, die mit den bisher bekannten Naturgesetzen
nicht erklärt werden können. Die Zeitschrift führte den Titel: “Zeitschrift
für Parapsychologie“. Das Wort “Parapsychologie“ bedeutet die Lehre von dem,
was über die gewöhnlichen Gesetze des Seelenlebens hinausgeht. Die ersten Jahrgänge 1926
und 1927 dieser Zeitschrift machte ich zum Gegenstand meiner vergleichenden
Studien. Das darin berichtete Tatsachen-material ist in einer Weise als echt
erwiesen, daß man keinen Grund findet, an der Echtheit zu zweifeln. Es umfaßt
alle Erscheinungen, die auf dem Gebiet des Geisterverkehrs vorkommen. Es
werden darin allerdings bloß die Tatsachen angegeben. Wie sie zu erklären
sind, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Von einer Geisterwelt als
Träger jener Phänomene will die heutige Wissenschaft nichts wissen, und nur
schüchtern erwähnt hier und da der eine oder andere der Gelehrten die
Möglichkeit einer Einwirkung von Seiten geistiger Wesen. Statt dessen legt
man sich Erklärungen zurecht, die dem Denken eines normalen Menschen als
unvernünftig erscheinen müssen. Da die “Medien“ der
Geisterwelt als Kraftquellen für die Hervorbringung der verschiedenen
Phänomene dienen, so gruppiere ich in der folgenden Darstellung die heute
zutage tretenden medialen Erscheinungen um Medien, die in der genannten
Zeitschrift besprochen werden, die Tatsachen entnehme ich dieser Zeitschrift,
und die richtige Erklärung der geschilderten Vorgänge gebe ich am Schluß
eines jeden Abschnittes. Das Medium Kluski in
Warschau. (Zeitschrift für Parapsychologie, Jahrgang 1926, S. 5-22.) F.W.
Pawlowski, Professor der Anatomie an der Universität Michigan, USA, erstattet
einen ausführlichen Bericht über seine Erlebnisse mit dem Medium Kluski in
Warschau. Er schreibt: “Die Phänomene, welche ich
bei Kluski erlebte, waren ganz außerordentlich und übersteigen alles, was ich
bisher darüber gelesen und gehört hatte. Die gewöhnlichen
Vorarbeiten vor Beginn einer Sitzung mit dem Medium Kluski bestanden darin,
daß der Versuchsraum und die darin vorhandenen Gegenstände einer genauen
Untersuchung unterzogen wurden. Fenster und Türen wurden verschlossen und
versiegelt und mit Wachspapier streifen verklebt, auf die von den Teilnehmern
geheime Zeichen und deren Unterschrift angebracht wurden. Auf Wunsch und wenn
keine Damen im Zirkel anwesend waren, saß das Medium nackt da. Sobald alle Teilnehmer ihre
Plätze um den Tisch eingenommen und die Kette gebildet hatten, fiel das
Medium fast augenblicklich in tiefe Trance. Die Phänomene setzten dann
meistens sofort ein. Die Kette wurde durch gegenseitiges Einhaken des kleinen
Fingers in den des Nachbarn gebildet. Dadurch waren die Teilnehmer in der
Lage, den übrigen Teil ihrer Hand frei bewegen zu können, also zu schreiben,
zu fühlen und zu betasten, ohne den Kontakt zu unterbrechen. Die Sitzungen fanden
entweder bei vollkommener Dunkelheit oder bei Beleuchtung mit Rotlichtlampe
statt. In beiden Fällen lagen Leuchtplatten auf dem Tisch bereit. Diese
Leuchtplatten haben die Größe eines Quadratfußes und sind aus leichten
Holzplatten mit Handhaben, etwa wie wir sie an Toilettenspiegeln finden, hergestellt.
Auf einer Seite sind sie mit einer Leuchtmasse bestrichen. Es ist für die
Teilnehmer oft nicht nötig, das Weißlicht im Raume auszuschalten. Denn sobald
das Medium in Trance zu fallen beginnt, verlöscht das Weißlicht von selbst,
und das Rotlicht wird eingeschaltet. Ständige Sitzungsteilnehmer erzählen,
daß die Aus- und Einschaltung des Lichtes langsam und stufenweise sich
vollzieht. Durch persönliche Erfahrung
und durch Informationen aus erster Hand, durch vollkommen ehrenhafte
Beobachter kann ich feststellen, daß durch das Medium Kluski folgende
Phänomene hervorgebracht werden: a) Klopftöne oder Schläge,
die sehr charakteristisch sind und etwas ganz Eigenartiges darstellen. Ich
hörte sie oftmals und habe mir das an ihnen besonders Auffallende sofort
notiert, ohne von anderen darauf aufmerksam gemacht worden zu sein. Ich
konnte deutlich hören oder noch besser fühlen, daß sie nicht auf der
Oberfläche des Tisches oder der Mauer erzeugt wurden, sondern innerhalb
derselben. Ich verweile hier länger; denn ich machte verschiedene Versuche,
die von Kluski hervorgebrachten Klopflaute nachzuahmen. Es gelang mir aber
absolut nicht, den in den Kluski Sitzungen erzeugten Ton der Schläge zu
erhalten. b) Levitationen
(Freischweben des menschlichen Körpers) sah ich selbst nicht. Aber ich hörte,
daß sie in Kluskis Zirkel oftmals stattfinden. Nicht nur der Tisch wurde
umgestürzt und gehoben, auch das Medium sowie einer oder einige der
Teilnehmer wurden mehrere Fuß hoch über den Boden erhoben. c) Kluskis Spezialität ist
die Erzeugung teilweiser, meistens aber vollkommen ausgebildeter
Erscheinungen oder Phantome. Die teilweisen Materialisationen sind in der
Mehrzahl Köpfe. Diese Materialisationen erscheinen fast plötzlich über oder
hinter dem Medium oder noch öfter hinter oder zwischen Sitzungsteilnehmern,
die sich entfernt vom Medium befinden. Nach einigen heftigen und deutlich
hörbaren Schlägen auf den Tisch oder an den Wänden erscheinen leuchtende
Sterne oder Funken, die sich über den Tisch erheben und sich gegen die Zimmerdecke
bewegen. Die bläulichen Lichtfunken schwanken zwischen Erbsen- und
Haselnußgröße und erreichen an Zahl oft das Dutzend. Sie bewegen sich alle
zugleich mit ziemlicher Schnelligkeit über den Plätzen der Sitzungsteilnehmer
nach allen Richtungen hin, formen sich zu schwärmen oder zu Paaren. Manche
verschwinden, einige kommen paarweise herab bis in die Nähe der
Sitzungsteilnehmer. Wenn sie im abstand von ungefähr 16 Zoll von mir sich
befanden, sah ich zu meinem großen Erstaunen, daß es menschliche Augenpaare
waren, die mich ansahen. In wenigen Minuten formte sich aus einem solchen
Augenpaar ein vollkommen ausgebildeter menschlicher Kopf, der durch eine
ebenfalls materialisierte Hand mit leuchtender Innenfläche sehr gut
beleuchtet wurde. Die Hand erhob sich über den Kopf, um ihn von allen Seiten
zu beleuchten und ihn dem Beschauer zu zeigen. Dabei sahen die Augen die
Sitzungsteilnehmer mit festen Blicken an, und das Gesicht hatte einen
freundlichen, lächelnden Ausdruck. Ich sah eine Anzahl solcher Köpfe, manchmal
zwei zu gleicher Zeit, die wie Luftballons von einem der Teilnehmer zum
anderen flogen und auf die Bitte: ‘Komm doch zu mir her!‘ von einem weit
entfernten Punkte auf dem kürzesten Wege zu dem Bittsteller hinflogen, oft
quer über den Tisch und mit der größten Schnelligkeit, wie Sternschnuppen. d) Unsichtbare, jedoch
durch Tritte, Krachen des Fußbodens hörbare Phantome stellten sich ein, deren
lebende, sanfte Hände und Finger mich im Gesicht, an den Händen und am ganzen
Körper berührten. Das Gefühl, von einer lebenden menschlichen Hand berührt zu
werden, war unverkennbar deutlich. Diese unsichtbaren Phantome bringen auf
Wunsch aus den verschiedensten Teilen des Sitzungsraumes Gegenstände herbei,
machen aber trotz der Dunkelheit nie einen Fehlgriff, stoßen nirgends an und
berühren keinen der Teilnehmer, wenn sie schwere Gegenstände, wie eine 15 kg
schwere Bronzebüste oder den mit geschmolzenem Paraffin gefüllten Eisentopf
im Gewicht von 12 kg hinstellen. e) Bei Rotlicht sichtbare
Erscheinungen traten auf. Diese Phantome nahmen meistens die auf dem Tische
liegende Leuchtplatte, den dunklen Teil gegen die Teilnehmer gekehrt, zur
Hand und beleuchteten sich selbst, indem sie von einem Teilnehmer zum anderen
gingen und jedem Gelegenheit gaben, sie ganz nahe zu betrachten. Das von der
Leuchtplatte ausgehende Licht war so gut, daß man die Poren und Erhebungen
der Haut der Phantom-Angesichter und der Hände sehen konnte. Auf der Nase
eines alten Mannes konnte ich deutlich die Zeichnung der gekrümmten feinen
Äderchen erkennen. Desgleichen konnte ich genau die Stoffart der die Phantome
bekleidenden Gewebe wahrnehmen. Ich sah die Erscheinungen in so großer Nähe,
daß ich ihren Atem hören konnte und auf meinem Gesichte ihren Hauch
verspürte. Das Eindrucksvollste und Überzeugendste an diesen Erscheinungen,
wenn sie auf uns zukamen, waren die Augen und Gesichter und deren lebhafter
Ausdruck. Auf Fragen der Sitzungsteilnehmer hin wurde der Gesichtsausdruck
ganz der Antwort entsprechend, und ein liebenswürdiges Lächeln umspielte ihre
Lippen. 1) Von Tierphantomen zeigen
sich meistens Eichhörnchen, Hunde und Katzen. Bei einer Gelegenheit kam ein
Löwe und ein andermal ein großer Vogel, ein Falke oder ein Bussard. Ich
selbst sah die zwei zuerst erwähnten Erscheinungen. Sie betrugen sich ganz
ihrer Natur entsprechend. Das Eichhörnchen hüpfte ganz natürlich auf dem
Tische umher. Der Hund lief schweifwedelnd um den Tisch, sprang auf den Schoß
der Teilnehmer und leckte ihr Gesicht. Kurzum, er betrug sich nach jeder
Hinsicht so, wie ein erzogener Hund sich gebärdet. Der Löwe benahm sich, wie
mir berichtet wurde, bedrohlicher; er schlug mit dem Schweife und streifte
dabei die Möbel. Die erschreckten Sitzungsteilnehmer waren unfähig, dieses
Tier zu kontrollieren. Sie brachen die Sitzung ab, indem sie das Medium
weckten. - Der Bussard flog umher, mit den Flügeln an den Wänden und an der
Decke anschlagend. Als er sich endlich auf der Schulter des Mediums
niederließ, wurde er mit Blitzlicht fotografiert, da ein gebrauchsfertiger
Apparat vor dem Medium stand. Zu der eben erwähnten
Kategorie der Phantome gehört auch die seltsame Erscheinung eines Wesens, das
die Zirkelteilnehmer als den Pithecanthropos bezeichnen. Er ist nämlich ein
häufiger Gast der Kluskischen Sitzungen. Da er nur bei vollkommener
Dunkelheit erscheint, ist es schwer, ihn näher zu untersuchen. Er hat das
Aussehen eines behaarten Mannes oder eines großen Affen. Sein Gesicht ist
behaart, seine Stirn ziemlich hoch; er hat lange, starke Arme und benimmt
sich sehr rauh und stürmisch gegen die Sitzungsteilnehmer. Er versucht ihre
Hände oder Gesichter zu streicheln, und meistens macht er dadurch der Sitzung
ein Ende, oder die Teilnehmer werden dazu gezwungen, weil man ihn nicht
kontrollieren kann. Ich sah oder viel mehr fühlte ihn nur einmal, als er sich
an mir rieb. Ich nahm dabei einen ganz seltsamen Geruch wahr, den ich im
Augenblick nicht definieren konnten, den mir aber einige andere, mit dem
Phantom mehr vertraute Sitzungsteilnehmer als den eines nassen Hundes
bezeichneten. Bei dieser Gelegenheit ging er hinter mir vorbei und zu der
Dame neben mir, welche die Hand des Mediums hielt. Er durchbrach die Kette
und unterbrach damit die Sitzung, daß er die Hand der Dame ergriff und sie
gegen sein Gesicht rieb. Dies erschreckte die Dame so sehr, daß sie laut
aufschrie. g) Viele Erscheinungen
haben leuchtende Hände, das heißt, die Innenfläche ist leuchtend. Das weiße,
leicht grünliche Licht ist so stark, daß, wenn die Phantome die Hände über
Kopf und Gesicht oder Gestalt halten oder gleiten lassen, jede Einzelheit so
deutlich erkennbar ist, wie wenn man Leuchtplatten verwendet. So beleuchten
sie sich selbst, um den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, sie genau
betrachten zu können. Sie richten aber auch ihre leuchtenden Hände, vielmehr
Handflächen gegen die Teilnehmer, so daß diese selbst beleuchtet sind und von
ihnen betrachtet zu werden scheinen. Bei einer solchen Gelegenheit konnte ich
deutlich wahrnehmen, daß das Licht nicht vollkommen gleich beständig war,
sondern immer vibrierend die verschiedenste Lichtstärke zeigte, obschon die
Beleuchtung der ganzen Handfläche immer die gleiche blieb. Ich konnte auch
glänzende Funken oder Strahlen sehen, die im Zickzack oder auf verschiedenen
Bahnen von der Handwurzel zu den Fingerspitzen fluktuierten. Zugleich
entströmte den leuchtenden Handflächen starker Ozongeruch. h) Eine der seltensten,
wohl aber eine der höchsten Typen ist das Phantom eines alten Mannes, das
vollkommen selbst leuchtet. - Ich habe es nur zweimal gesehen. Die
Erscheinung gleicht einer Leuchtsäule. Man sieht sie, wie ich hörte, oft im
Kluski-Zirkel. Das von ihr ausgehende Licht ist so intensiv, daß nicht nur
alle Sitzungsteilnehmer, sondern auch alle, sowohl nahe, als auch entfernte
Gegenstände, im Sitzungsraum beleuchtet werden. Die Innenseite der Hände und
die Herzgegend waren, als ich die Erscheinung selbst sah, stärker leuchtend,
als die anderen Körperstellen. Das Phantom tauchte ziemlich entfernt von uns
in der Mitte des Zimmers auf. Der Tisch, um den wir saßen, stand in einer
Ecke des Raumes und das Medium saß ganz genau in der Ecke selbst. Der alte
Mann trug eine hohe, konische Kopfbedeckung und war mit einem langen Gewand
bekleidet, das in tiefen Falten an ihm herabhing. Er kam mit majestätischen
Schritten auf uns zu, und sein Gewand bewegte sich beim Schreiten. Mit den
Händen machte er triangulären Figuren gleichende Bewegungen. Zugleich sprach
er mit tiefer, feierlicher Stimme. Er blieb ungefähr zehn Sekunden hinter
meinem Rücken stehen, bewegte die leuchtenden Hände über uns und verschwand.
Mit ihm kam eine große Welle ozonhaltiger Luft, so daß der Raum noch lange
nach Schluß der Sitzung davon erfüllt war. Das Phantom ist ein sehr alter
Mann mit einem grauen Bart. Seine Sprache war ziemlich guttural und für uns
alle unverständlich, obwohl die Zirkelteilnehmer wohl an zwölf verschiedene
Sprachen beherrschten. Diese Sprache konnte aber bisher noch von niemand
festgestellt werden, ebenso wenig wie man bis jetzt herausbringen konnte, wer
das Phantom ist. Im Zirkel wird er der ‘assyrische Priester‘ genannt, was
ganz zu der äußeren Erscheinung paßt. i) Von den Phantomen wurden
Paraffinformen gemacht. Sobald sie den mit flüssigem Paraffin gefüllten
Eisentopf auf dem Tische wahrnahmen, gingen sie mit sichtlichem Vergnügen
daran und machten auf Wunsch Formen von ganz speziellen und komplizierten
Stellungen. Sie tauchten ihre Hände in das Paraffin und ließen die
handschuhartigen Formen auf den Tisch fallen. Wenn die Phantomhand
selbstleuchtend ist, so sieht man sie im flüssigen Paraffin plätschern, wie
ein Goldfisch im Aquarium. Die Handschuhe werden ziemlich unsorgfältig von
den Phantomen abgelegt. Bei einer Gelegenheit fiel ein Paar davon vom Tisch
herab auf meinen Schoß und von da zu Boden. Ich machte die anderen Teilnehmer
darauf aufmerksam und bat sie, ihre Füße nicht zu bewegen, damit die Formen
nicht beschädigt würden. Ein Teilnehmer bat das Phantom, die Formen zu holen
und auf den Tisch zu legen, was sofort geschah. Dabei wurde mein Fußknöchel
fest angefaßt und mein Bein beiseite geschoben, damit mehr Platz würde unter
dem Tische, wo sich 14 Beine befanden. Das Phantom brauchte eine halbe bis
eine dreiviertel Minute zur Herstellung einer Form. Als ich versuchte, dies
selbst zu machen, dauerte es mehrere Minuten, bis das Paraffin so weit
abgekühlt war, und auch dann war es unmöglich, den Handschuh, ohne ihn zu
zerbrechen, von der Hand zu streifen; ja, ich konnte es nicht einmal mit
einem einzigen Finger, der bis zum zweiten Gliede in Paraffin getaucht war,
fertigbringen. Als ich das Paraffin von dem Gipsabguß durch Eintauchen in
heißes Wasser ablöste, bemerkte ich eine Anzahl von Haaren, die im Wasser
schwammen. Es waren gewöhnliche Haare, von der Art, wie sie auf Handrücken
und dritten Fingergliedern vorkommen. Da ich vollkommen sicher war, ganz
reines Wasser und eine weiße Porzellanschüssel beim Versuch verwendet zu
haben, war ich durch diese Entdeckung sehr überrascht. Ich betrachtete also
nochmals die bisher gemachten Abgüsse und bemerkte bei einem davon durch die
dünne Paraffinschicht einige Haare oder Haarflaume, die sich im Paraffin
befanden. Ich erlebte in dieser Sache einen besonders bemerkenswerten Fall.
Bei einem Abguß sind die Finger zur Faust geballt, und der Daumen schaut
zwischen dem Zeige- und Mittelfinger hervor. Bei dem hier in Betracht
kommenden Versuch wurde das Phantom gebeten, etwas ganz Kompliziertes,
Eigenartiges und schwierig Nachzuahmendes zu zeigen. Man ließ der Erscheinung
jedoch ganz frei, zu machen, was sie wolle. Sie schien eine Weile
nachzudenken, um etwas ganz besonders Geeignetes zu finden. Sie tauchte dann
die ausgestreckte Hand in das Paraffin und faltete erst dann die Finger.
Bevor ich diese Form mit Gips ausfüllte, konnte ich im Inneren mehrere
unregelmäßig geformte Paraffinteile sehen, die sich in der Höhlung des
Handschuhes der Innenseite ausbreiteten und gewisse Punkte stützten. Sie
entsprachen den gekrümmten Vertiefungen zwischen den Fingern. j) Ich sah nur wenige
Apporte von kleinen Gegenständen. Es wurde mir aber gesagt, daß auch ziemlich
schwere Gegenstände aus entfernten Räumen ins Sitzungszimmer gebracht worden
seien. Das seltsamste Phänomen dieser Art war, als Kluski selbst aus dem
verschlossenen und versiegelten Sitzungsraum verschwand. Die erstaunten
Zirkelteilnehmer fanden ihn in einem ziemlich entfernten Raume der Wohnung
ruhig schlafend. k) Ich stellte ein
beträchtliches Sinken der Temperatur im Sitzungszimmer fest. Ich und andere
Sitzungsteilnehmer fühlten deutliche Kälteschauer gegen Ende der ein,
eineinhalb bis zwei Stunden dauernden Sitzungen. Die im Raume befindlichen
Thermometer zeigten gegen Ende der Sitzungen ein Sinken von sechs bis acht
Zentigraden der Temperatur an. Dies geht gegen die gewöhnliche Erfahrung, da
die Temperatur in einem Raume, der noch dazu gänzlich verschlossen ist und in
dem sich sieben Personen längere Zeit aufhalten, gewöhnlich steigt, zumal der
in Frage kommende Raum nur mäßig groß war. l) Beim Erscheinen der
Phantome sah ich etwas wie einen leuchtenden Rauch oder Nebel, der über dem
Kopfe des Mediums wie eine kleine Wolke lag. Die Wolke ging seitwärts, und in
wenigen Sekunden wurde daraus ein menschlicher Kopf, oder sie breitete sich
senkrecht aus, und es wurde aus ihr eine ganze menschliche Erscheinung, die
sofort anfing, herumzugehen. Das Überraschendste und Interessanteste
an den Erscheinungen, sozusagen das Wichtigste für mich daran war das
vollkommen menschliche Betragen derselben. Sie benahmen sich wie Teilnehmer
an einer Gesellschaft. Bei ihrem Rundgang um den Tisch begrüßten sie die mehr
familiären Teilnehmer mit einem Lächeln des Erkennens, während sie neue
Personen aufmerksam betrachteten. Der neugierige Ausdruck in ihren Augen ist
schwer zu beschreiben. Ich konnte aus ihren Bemühungen, unsere Blicke, unser
Lächeln, unsere Fragen und Antworten zu verstehen und aus ihren Handlungen
entnehmen, daß es ihnen sehr darum zu tun war, uns davon zu überzeugen, daß
sie wirkliche Wesenheiten und keine Illusionen oder Halluzinationen sind. Auch sind die Erscheinungen
nicht immer normaler Größe. Gegen Ende der Sitzung, wenn das Medium bis zu
einem gewissen Grade erschöpft ist oder wenn es schon vor der Sitzung weniger
gut disponiert war, haben die Phantome nicht die volle Größe, sondern nur
zwei Drittel oder nur die Hälfte davon. Als ich einmal ein solches Phantom das
erstemal sah, glaubte ich, es sei ein Kind; aber bei näherer Betrachtung sah
ich an dem faltenreichen Gesicht, daß es eine alte Frau oder ein alter Mann
war, nur unter Normalgröße. “Der Zirkelleiter pflegte
dann zu sagen: ‘Wir wollen dem Medium helfen.‘ Er fing dann an, im Takt zu
klopfen, wobei alle Teilnehmer tief und gleichmäßig atmeten. Die Wirkung war
wunder bar. Die verkleinerte Phantomgestalt wuchs und erreichte in wenigen
Sekunden ihre volle Größe. Die bei Kluski sich
zeigenden Phantome gehören verschiedenen Nationen an und sprechen gewöhnlich
ihre Muttersprache. Dessen ungeachtet verstehen sie die in jeder Sprache an
sie gerichteten Worte sehr gut. Sie scheinen die Gabe zu haben, in den Seelen
anderer zu lesen. Denn es ist nicht nötig, einen Wunsch oder eine bestimmte
Frage auszusprechen. Der Gedanke allein genügt schon, um ausgeführt zu
werden. Man braucht nur zu denken, daß das Phantom dies oder jenes tun soll,
so wird es ausgeführt oder die Ausführung verweigert. In der Tat, einige von
ihnen weigern sich manchmal, gewisse Dinge zu tun, oder sie erklären, daß sie
es gar nicht machen können oder nicht zu dieser Stunde, oder sie versprechen,
es bei einer anderen Gelegenheit zu tun oder es zu versuchen. Nicht alle Erscheinungen
können sprechen. Viele ziehen es vor, sich durch Klopfen zu verständigen, was
sehr langweilig und zeitraubend ist, weil man immer mit dem Alphabet von
vorne buchstabieren muß. Die Stimmen sind vollkommen
deutlich und von normaler Tonstärke. Sie hören sich an, wie ein lautes Flüstern. Der beim Sprechen die
Gesichter belebende Ausdruck ist sehr überzeugend. Bei einer Gelegenheit
konnte ich deutlich den Ausdruck der Erwartung im Gesicht der Erscheinung
eines Türken wahrnehmen, der sich vor mir verneigte und sagte: ‘Chokyash
Lehistan‘. Als er bemerkte, daß ich ihn nicht verstand, wiederholte er
freundlich lächelnd dieselben Worte. Nicht wissend, was er wollte, aber aus
einem Sympathiegefühl für seine ritterliche Nation heraus sagte ich zu ihm:
‘Vive la Turquie!‘ (Es lebe die Türkei.) Man konnte deutlich sehen, wie
erfreut er darüber war. Er lächelte, seine Augen strahlten, er kreuzte die
Arme, verbeugte sich und verschwand. Ich notierte mir seine Worte in den
vernommenen Lauten auf meinem Notizblock. Am nächsten Tag ließ ich sie mir von
einem Sprachenkenner übersetzen und fand, daß es heißt: ‘Es lebe Polen!“ Das, was Professor
Pawlowski als persönliche Erlebnisse bei dem Medium Kluski berichtet,
bestätigt in allen Punkten das, was mir über die Gesetze des Geisterverkehrs
mitgeteilt worden war und besonders in dem Abschnitt über die Odkraft
dargelegt ist. Bei allem, was in den
Sitzungen des Kluski vor sich geht, ist das Medium als denkende und handelnde
Persönlichkeit nicht im geringsten beteiligt. Es ist einzig und allein die
Kraftquelle, aus der die sich kundgebenden Geister das Od für die
Kundgebungen entnehmen. Kann das Medium nicht viel Od abgeben, entweder weil
es körperlich nicht wohl ist oder weil es durch vorhergegangene Odabgabe
schon sehr geschwächt ist, dann sind die Phänomene entweder sehr unvollkommen
oder ganz unmöglich. Das Od sah Professor
Pawlowski als einen leuchtenden Rauch oder Wolke oder als Funken und
Flämmchen. Darin sah er Augenpaare, dann ganze Gesichter, die sich in dem
Maße der Zunahme der Odkraft zu ganzen Gestalten entwickelten. Es ist dasselbe, was wir in
den Berichten der Bibel über den brennenden Dornbusch, die Wolken- und
Feuersäule der Israeliten, die Wolke in dem Offenbarungszelte, die Wolke auf
Tabor und die Odflämmchen am Pfingstfest finden. Das alles stand auch in der
Bibel stets in Verbindung mit der Kundgebung der Geisterwelt, wie dies in den
früheren Kapiteln eingehend nachgewiesen wurde. Wenn in dem vorstehenden
Bericht erwähnt wird, daß die kleinen Geisterverkörperungen sich zu normaler
Größe entfalteten, sobald die Sitzungsteilnehmer im Takt tief und gleichmäßig
atmeten, so ist dies nach dem Gesagten etwas Selbstverständliches. Denn nicht
bloß das Medium gibt Odkraft an die Geisterwelt ab, sondern alle
Sitzungsteilnehmer, der eine mehr, der andere weniger, besonders wenn sie
schon öfters an solchen Sitzungen teilgenommen haben. Sie sind gewissermaßen
Hilfsmedien für das Hauptmedium. Nun wird aber die Odabgabe der Teilnehmer
durch ein gleichmäßiges tiefes Atmen bedeutend verstärkt. Darum spielt die
Kunst des Atmens bei den Fakiren und ihren medialen Darbietungen eine so
große Rolle. Daß gegen Ende der
Sitzungen eine Temperaturabnahme festgestellt wurde anstatt einer zu
erwartenden Temperaturerhöhung, hat ebenfalls seinen natürlichen Grund. Es
ist in der Odlehre gesagt worden, daß nur ein verdichtetes Od für menschliche
Sinne wahrnehmbar wird und daß die Geister nur mit einem verdichteten Od auf
Materie wirken können. Ferner wurde dargetan, daß zur Verdichtung des Ods
kalte Kraftströme verwendet werden nach dem allgemein gültigen Naturgesetz,
daß Kälte verdichtet. Diese kalten Ströme müssen gegen Ende einer Sitzung in
besonderer Stärke zur Anwendung kommen, weil die Wärmeentwicklung der
anwesenden Personen auf die Odverdichtung schädlich wirkt. Die kalten
Kraftströme haben ein Sinken der Temperatur zur Folge. Professor Pawlowski wundert
sich über das menschliche Auftreten der verkörperten Geister, in deren Augen
und Antlitz er schauen, deren Gestalt er fühlen, deren Atem und Herzschlag
er hören und deren Stimme er vernehmen
konnte. Wenn man sich jedoch die früher mitgeteilte Wahrheit vor Augen hält,
daß die Geister dieselben Persönlichkeiten sind, die sie als Menschen waren,
daß sie als Geister dieselben Organe besitzen wie wir, nur daß sie bei ihnen
geistig und bei uns materialisiert sind, so verstehen wir es vollkommen, daß
bei den Geisterverkörperungen das materialisierte Geisterherz für unser Ohr
vernehmlich schlägt und wir den Atem hören, den die materialisierten Lungen
des Geistwesens genauso bewirken, wie er von unseren Lungen bewirkt wird. Demnach sind auch die
erscheinenden Einzelglieder nichts anderes, als die Verkörperung des
betreffenden geistigen Gliedes. Die Hände, die sich in die Paraffinmasse
tauchten, bis das Paraffin erkaltete, waren die materialisierten Hände eines
Geistes und hatten dieselbe Eigenart, die sie besaßen, als der Geist noch im
irdischen Körper lebte. Darum sind der Daumenabdruck oder die Fingerabdrücke
einer materialisierten Geisterhand genau dieselben, wie die Abdrücke, die sie
als Menschenhand hatte. Darum erscheinen aber auch alle sonstigen
Eigentümlichkeiten, die der Geist früher als Mensch besaß, in derselben Weise
wieder, wenn er sich als Geist vermittels des verdichteten Ods eines Mediums
materialisiert. Es erscheinen also auch die Härchen auf den Händen und
Fingern wieder, wenn er als Mensch solche an denselben Stellen hatte. Daß in
dem erkalteten Paraffin nachher von diesen Härchen einige gefunden wurden,
ist also ganz natürlich. Denn auch beim Menschen, der seine mit Härchen
besetzten Finger in heißes Paraffin taucht, wird man nachher einige von ihnen
im Paraffin finden, in dem sie sich abgelöst haben. Hier muß jedoch eine sehr
wichtige Bemerkung angefügt werden. Die Eigentümlichkeiten, welche die
Geister früher an ihrem irdischen Körper hatten, behalten sie nur so lange
als Geister des Jenseits, als sie geistig so tief bleiben, wie sie als
Menschen waren. Bessern sie sich jedoch im Jenseits, so wird auch ihre
geistige Gestalt schöner und edler, und die Mängel und Gebrechen ihrer
irdischen Gestalt schwinden. Aber auch die Geister, die im Jenseits infolge
ihrer Besserung eine andere, schönere Gestalt erlangt haben, pflegen bei
Materialisationen in spiritistischen Sitzungen dennoch in der Gestalt zu
erscheinen, die sie als Mensch hatten, indem sie diese künstlich wieder
herstellen. Das tun sie nur dann, wenn sie unter den Sitzungsteilnehmern
Verwandte oder Bekannte haben, denen sie sich zu erkennen geben wollen.
Dadurch wollen sie sich ihnen gegenüber ausweisen, daß sie dieselben sind,
die früher als Menschen unter ihnen gelebt haben. Die Paraffinformen, von
denen Professor Pawlowski spricht, konnten die Geister nur dadurch
herstellen, daß sie ihre materialisierte Hand in die flüssige Paraffinmasse tauchten
und nach Erkalten des Paraffins die Hand wieder ganz oder teilweise
dematerialisierten oder auflösten. Um die Hand aus den Paraffinformen zu
ziehen, ohne sie zu beschädigen, genügte eine teilweise Dematerialisierung
der Geisterhand, also ein Dünnerwerden der Glieder und eine kleine Verkürzung
derselben. Auch brauchte die Materialisierung im Augenblick des Paraffinbades
nur die Dichtigkeit eines dicken Nebels zu haben, um dem flüssigen Paraffin
die Form der Hand zu geben. Mit einer solchen Verdichtung der Odgestalt
vermag der Geist sogar noch durch feste Materie hindurchzugehen. Die bloß bis
zur Dichtigkeit des Nebels verdichtete Geisterhand kann also aus der
Paraffinhand heraustreten und die Paraffinmaske ablegen, ohne daß eine
Auflösung der materialisierten Geisterhand erfolgt. Der beobachtende
Zuschauer nimmt daher in diesem Falle eine Veränderung der materialisierten
Geisterhand nicht wahr. Es sind für den Geist also
drei Möglichkeiten gegeben, diese Paraffin formen herzustellen und abzulegen.
Entweder bedient sich der Geist einer festen Materialisation seiner Hand und
löst sie nachher wieder ganz auf. Oder er löst die feste Materialisation bloß
teilweise durch entsprechendes Verdünnen und Verkürzen der Hand auf, oder er
nimmt bloß eine Verdichtung des Ods bis zur Dichtigkeit eines dicken Nebels
und kann dann ohne Veränderung der Hand sowohl die Paraffinformen bilden, als
sie auch ohne Beschädigung ablegen. In diesem Falle tritt die Geisterhand
durch das erkaltete Paraffin hindurch ohne Widerstand nach außen, faßt dann
die Form von außen an und legt sie auf den Tisch. Wenn Professor Pawlowski
meint, die Geister gingen mit den Formen sehr unvorsichtig um und hätten sie
in einem Falle sogar auf den Boden fallen lassen, während er doch sonst ihre
große Freundlichkeit und Zuvorkommenheit lobt, so ist ihm dabei etwas sehr
Wichtiges unbekannt. Er weiß nicht, daß es nicht in der Macht des Geistes
steht, seine materialisierte Hand eine beliebig lange Zeit in der
Materialisation zu erhalten. Er ist darin ganz von dem ihm zur Verfügung
stehenden Od und der Verdichtung des Ods abhängig. Nun löst aber Wärme das Od
auf. Infolgedessen hebt auch das heiße oder sehr warme Paraffin die
Materialisation der eingetauchten Geisterhand sehr schnell auf, und die
Odverdichtung ist beim Herausnehmen der Paraffinformen in vielen Fällen nicht
mehr stark genug, um es dem Geist zu ermöglichen, die Form vorsichtig
hinzulegen. Sie fällt hin, nicht aus Mangel an Vorsicht von Seiten des
Geistwesens, sondern aus Mangel an Odkraft und ungenügender Odverdichtung. Daß nicht bloß Geister von
Menschen sich materialisieren, sondern auch Geister von Tieren, wird uns dann
verständlich, wenn wir wissen, daß beim Tode des Tieres der Tiergeist sich in
derselben Weise vom irdischen Körper trennt, wie der Menschengeist beim Tode
des Menschen. Ein Unterschied zwischen einem Tiergeist und einem
Menschengeist besteht bloß in der Höhe der Entwicklung, aber nicht im Wesen
des Geistes selbst. Im Tiere sind niedere Geister verkörpert, im Menschen
solche, die in ihrem Aufstieg schon höher gekommen sind. Daß im Kluskischen Zirkel
Tiergeister materialisiert wurden, ist ein Beweis dafür, daß es überhaupt die
niedere Geisterwelt ist, die in jenem Zirkel die Herrschaft führt, wenn auch
hier und da bessere Geister, wie zum Beispiel der “syrische Priester“,
zwischendurch erscheinen. Es sind dies gewöhnlich die Schutzgeister des
Mediums, die, soviel in ihrer Macht steht, die Einflüsse des Bösen zu
schwächen suchen. Viel können sie dabei nicht ausrichten, wenn nicht das
Medium und die Teilnehmer durch freie Willensentscheidung nur die Verbindung
mit dem Hohen und Guten anstreben und alles Niedere ablehnen. Den größten
Schaden aus der Verbindung mit der niederen Geisterwelt hat das Medium
selbst, nicht bloß seelisch, sondern auch körperlich. Die mir erteilte
Belehrung enthält den Hinweis, daß das Böse die Odkraft, die es dem Medium
entzieht, nicht mehr ersetzt. Daher berichtet Professor Pawlowski von dem
Medium Kluski, es sei nach jeder Sitzung vollkommen ermattet und müsse öfters
noch bevor es das Bewußtsein erlangt habe, zu Bett gebracht werden, wo es
manchmal erst nach mehreren Stunden erwache. Darum ziehe es auch das Medium
vor, nur alle vierzehn Tage eine Sitzung zu halten, da es zu sehr angestrengt
werde. Das Böse, das durch die
Schuld und innere Einstellung des Mediums und der Teilnehmer einmal in solche
Versammlungen hineingezogen wurde und seine Leistungen von den Versammelten
anerkannt und beifällig aufgenommen sieht, weicht nachher nicht mehr. Es
treibt, was es selbst will und nicht, was die Teilnehmer wollen, treibt mehr
als einmal den reinsten Unfug und verursacht nicht selten schreckenerregende
Szenen, denen nur durch Aufhebung der Sitzung ein Ende bereitet werden kann.
Hier gilt das Wort: “Die ich rief; die Geister werd‘ ich nun nicht los.“ Vor
allem wird die Gesundheit des Mediums nach und nach untergraben. Daher
versagen so viele starke Medien nach einer gewissen Zeit vollständig, da
ihnen bei den Sitzungen durch die niedere und böse Geisterwelt so viel Odkraft
entzogen, aber nicht mehr ersetzt wird. Ist die Odkraft des Mediums
geschwunden, so hören auch die Phänomene auf. Und dann kommt eine neue
Gefahr, der manche Medien zum Opfer fallen. Sie, die bisher als bedeutende
Medien gefeiert wurden, haben nicht die Demut und Wahrheitsliebe, den Verlust
der medialen Kraft offen einzugestehen und suchen die fehlende Kraft durch
betrügerische Tricks zu verdecken, bis sie dabei entlarvt werden. Solche
Entlarvungen dienen dann den Unwissenden dazu, die ganze Sache des Geisterverkehrs
als Betrug und Schwindel zu betrachten. Es laden daher auch nach dieser
Hinsicht alle diejenigen eine große Verantwortung auf sich, die bei Abhaltung
spiritistischer Zusammenkünfte nicht von vornherein dafür sorgen, daß alles
nur mit Gott geschieht und das Böse ausgeschaltet wird. Wird eine Versammlung
als Gottesdienst betrachtet und gehandhabt, so sind die Teilnehmer jeder
Furcht vor dämonischem Wirken enthoben. Das Gute führt die Kontrolle, und es
wird nur das zugelassen, was nach dem Willen Gottes ist. Es kann daher auch
an dieser Stelle nicht ernstlich genug vor den spiritistischen Sitzungen
gewarnt werden, die nur aus Sensationslust oder wissenschaftlicher Neugier,
aber nicht aus dem Bestreben abgehalten werden, durch die Verbindung mit der
guten Geisterwelt Gott näher zu kommen. Durch die Feststellung des
Professors Pawlowski, daß bei den höheren Geistern der Odgeruch ein sehr
angenehmer und sehr lieblicher war, während er bei der Verkörperung des
großen Affen den abstoßenden Geruch wie bei einem nassen Hund wahrnahm, wird
das über den Odgeruch früher Gesagte vollauf bestätigt. Professor Pawlowski
schließt seinen Bericht mit folgenden Sätzen: “Es ist für jedermann
unmöglich, diese Phänomene zu verneinen oder zu verwerfen. Und es ist
unmöglich, sie mit Taschenspielertricks zu erklären. Ich erkenne vollkommen
an, daß es für die Mehrzahl schwer ist, sie zu glauben; daß es schwer ist die
Möglichkeit zu begreifen, daß innerhalb weniger Minuten lebende menschliche
Wesen sich zeigen, deren Knochen man durch das Fleisch betasten kann, deren
Herzschlag zu hören und zu fühlen ist ... Ich erkenne an, daß dies alles
außer unserem Fassungsvermögen liegt. Wir sind durch die Wunder der modernen
Wissenschaft verdorben. Wir können nur an das Natürliche glauben, das in so
großer Schönheit zu uns kommt, wir können aber an das Geheimnis des
universellen Lebens, an das vor uns so sehr gehütete göttliche Geheimnis
nicht mehr glauben. Dies anzunehmen würde unseren ganzen Standpunkt sowohl
dem Leben, als auch dem Tode gegenüber von Grund aus verändern, als auch dem
der Philosophie und Wissenschaften. Die offizielle Wissenschaft
wird das große bereits heute vorliegende Experimentalmaterial anerkennen und
ihre Hand zur Feststellung der Wahrheit leihen, ohne Rücksicht auf jene
Moralisten, die in der Anerkennung der psychischen Phänomene eine Gefahr für
Moral und Religion erblicken. Intellektuelle Feigheit ist mehr oder weniger
entschuldbar bei den Moralisten, deren kleinliche Denkungsart sich mehr mit
vergänglichen, für die Allgemeinheit vorübergehenden Dingen beschäftigt. Ein
Gelehrter, ein Wahrheitssuchender darf diesen Standpunkt nicht einnehmen.
Wahrheit wird am Ende alles bewältigen und beherrschen; man braucht sie aber
weder zu fürchten noch zu verkleinern.“ Carlos Mirabelli, das
brasilianische Medium. (Zeitschrift für Parapsychologie, Jahrgang 1927, S.
450-462.) Im Jahre 1927 erschien in Santos (Brasilien) ein Werk unter dem
Titel: “O Medium Mirabelli“. Es enthält einen Bericht von 74 Seiten über die
Phänomene, die bei einem Medium Mirabelli festgestellt wurden. Die
Erscheinungen spielten sich sämtlich bei Tageslicht oder doch hellem
künstlichem Licht ab. Manchmal waren bis zu 60 Zeugen dabei anwesend, die den
ersten wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Kreisen Brasiliens
angehörten. Da die Berichte das
Unglaublichste enthalten, was je auf diesem Gebiet erlebt worden ist, so hat
sich die Schriftleitung der “Zeitschrift für Parapsychologie“ an das
brasilianische Konsulat in München gewandt und ihm die Frage vorgelegt, ob
die in dem Buch “O Medium Mirabelli“ angeführten Persönlichkeiten, die jene
Erscheinungen als echt bezeugen, dem Konsul durch ihr Ansehen und ihren Ruf
bekannt seien. Der Konsul bejahte die Frage unbedingt und fügte noch hinzu, daß
ihm 14 der angeführten Zeugen persönlich bekannt seien, darunter der
gegenwärtige Präsident der Republik, der als Vorsitzender eines
Schiedsgerichtes über das Medium Mirabelli tätig gewesen war. Dann der im
aktiven Dienst befindliche Staatssekretär Reynaldo Porchat, der Senator Muniz
Sodre und der Professor der Medizin Olegario de Moura von der Universität Sao
Paulo. Der Konsul erklärte, wenn auch nur diese vier Männer, die nicht nur
große Gelehrte, sondern auch erprobte Charaktere seien, sich für eine Sache
einsetzten, so hätte er nicht das Recht, ihren Wahrnehmungen einen Zweifel
entgegenzusetzen. Das Medium Mirabelli wurde
von 557 Zeugen beobachtet. Unter diesen befanden sich 452 Brasilianer und 105
Ausländer. Es waren 2 Universitäts-professoren, 72 Ärzte, 18 Apotheker, 12
Ingenieure, 36 Rechtsanwälte, 8 Übersetzer, 3 Landwirte, 22 Zahnärzte, 5
Chemiker, 20 Literaten, 89 Staatsmärmer, 25 Offiziere, 52 Börsianer, 128
Kaufleute, 9 Industrielle, 18 Journalisten, und 32 gehörten verschiedenen
Berufen an. Auch viele Mitglieder geistlicher Orden wohnten den Sitzungen
bei. Mirabelli ist ein
Universalmedium. Seine Odkraft reicht für alle Phänomene aus, die es im
Geisterverkehr gibt. Er ist Sprechmedium. Im
Trancezustand spricht er außer der Muttersprache und verschiedenen
einheimischen Dialekten folgende Sprachen: Deutsch, Französisch, Holländisch,
Englisch, 4 italienische Dialekte, Tschechisch, Arabisch, Japanisch,
Russisch, Spanisch, Türkisch, Hebräisch, Albanisch, afrikanische Dialekte,
Latein, Chinesisch, Neugriechisch, Polnisch, syrioägyptische Dialekte und
Altgriechisch. Er versteht in normalem Zustand nur seine Muttersprache. Er
hält im Trancezustand Vorträge über Dinge, von denen er als Mensch nichts
weiß. Seine Vorträge umfassen das Gebiet der Medizin, der Rechtswissenschaft,
der Soziologie, der Nationalökonomie, der Politik, der Astronomie, der
Philosophie, der Logik, der Musikwissenschaft, des Spiritismus und
Okkultismus, der Literatur. Das Medium selbst gibt an,
daß alles, was im Trancezustand von ihm gesprochen wird, nicht von ihm selbst
stamme, sondern es seien Geister, die aus ihm sprächen, und deren Namen es
angibt. Es nennt sie seine geistigen Führer. Mirabelli ist auch
Schreibmedium. Es schrieb bisher im Trancezustand in 28 verschiedenen
Sprachen und zwar mit einer Schnelligkeit, die kein Schreiber im normalen
Zustand erreichen kann. So schrieb es in 15 Minuten 5 Seiten Polnisch über
das Thema: “Das wiedererstandene Polen“. In 20 Minuten 9 Seiten Tschechisch
über: “Die Unabhängigkeit der Tschechoslowakei“. In 12 Minuten 4 Seiten
Hebräisch über: “Die Verleumdung“. In 20 Minuten Deutsch über:
“Großdeutschland, seine Zertrümmerung und Wiedererstehung“. In 40 Minuten 25
Seiten Persisch über: “Die Unhaltbarkeit der großen Kaiserreiche“. In 15
Minuten 4 Seiten Lateinisch über: “Die großen Übersetzungen“. In 12 Minuten 5
Seiten Japanisch über: “Der Russisch-Japanische Krieg“. In 22 Minuten 15
Seiten Syrisch über: “Allah und seine Propheten“. In 15 Minuten 8 Seiten
Chinesisch über: “Buddhistische Apologie“. In 15 Minuten 8 Seiten
Syrioägyptisch über: “Die Grundlagen der Gesetzgebung“. In 32 Minuten 3
Seiten Hieroglyphen, die bis jetzt noch nicht entziffert werden konnten, und
so weiter. Beim medialen Schreiben
Mirabellis wurde von den ihn kontrollierenden Gelehrten folgende
Vorsichtsmaßregel angewandt. Das Medium wurde von zwei Teilnehmern in den
Sitzungssaal geleitet und dort einer peinlichen Untersuchung seines Körpers
und seiner Kleider unterworfen. Auf einen kleinen Tisch, der weder Schubladen
noch Fächer hatte, wurde Papier und Bleistift gelegt. Mirabelli, der sich vor
solchen Sitzungen in starker Erregung befindet, nimmt bei hellem Licht auf
einem Stuhl Platz. Kontrolleure und Teilnehmer bilden um ihn einen Kreis und
verfolgen genau alle seine Bewegungen. Der Leiter der Sitzung bittet um Ruhe,
bis sich der geistige Führer des Mediums meldet. Das Medium in höchster
Ekstase fleht mit lauter Stimme um göttlichen Beistand und stimmt dann im
Trancezustand einen religiösen Hymnus an. Die Hand ergreift einen Bleistift,
schleudert ihn wiederholt von sich, ergreift ihn wieder und kommt dann in ein
fieberhaftes Schreiben. Der Bleistift eilt ohne Unterbrechung blitzschnell
über das Papier. Während des Schreibens hebt Mirabelli den Blick empor,
seufzt auf, ohne daß sich die Schnelligkeit des Schreibens mindert. Dann
wendet das Medium mit strahlendem Antlitz seine Augen nach oben, wo es seinen
geistigen Führer zu sehen behauptet, der ihm beim Schreiben die Hand führt,
und spricht liebevoll mit ihm. Der neben dem Medium stehende Sekretär nimmt
die beschriebenen Blätter weg und ordnet sie. Nun ändert sich manchmal
der Zustand des Mediums, geht von Ekstase in Apathie über und wird wieder ein
anderer: Mirabelli scheint seiner Sinne nicht mehr mächtig. Er lacht, weint,
singt, ruft irgendwelche Namen, antwortet auf Fragen, dreht und windet sich
wie ein Seiltänzer, spuckt rücksichtslos um sich, nimmt unzüchtige Stellungen
ein, versucht sich den Schädel einzurennen, Chemikalien zu trinken, schäumt
und schlägt um sich. Dann tritt Beruhigung ein, und die Sitzung kann
geschlossen werden. Die eben geschilderten
Vorgänge bedürfen zunächst einer Erklärung. Der Erregungszustand, in dem sich
das Medium vor Beginn einer solchen Sitzung befindet, rührt daher, daß es von
einer großen Anzahl von Geistwesen umgeben ist, die es stark umdrängen, gute
und böse. Diese wissen, daß jetzt das Schreiben beginnen soll. Sie drängen
sich mit Gewalt heran, um dem Medium die Hand zu führen. Es entspinnt sich
ein Kampf zwischen den guten und bösen Geistwesen. Diesen Kampf zeigt das
Ergreifen, Wiederwegschleudern und Wiederergreifen des Bleistifts. Bekommt
das Böse für einige Minuten die Oberhand, dann benutzt es den Körper des
Mediums zur Vollführung der oben geschilderten Häßlichkeiten in Wort und Tat.
Das Böse ist darauf aus, die dem Guten dienenden Medien körperlich und
moralisch zu vernichten. Mirabelli bemüht sich, nur die gute Geisterwelt in
seine Nähe zu ziehen und ihr als Werkzeug zu dienen. Das beweist sein Beten
um göttlichen Beistand. Aber daß er sich auch zu solchen Sitzungen hergibt,
die nur dem wissenschaftlichen Interesse der Teilnehmer und bei manchem
jedenfalls auch bloß der Sensationslust dienen, ist ein Fehler von ihm, der
den bösen Geistwesen große Macht über ihn verleiht. Würde er sich ausschließlich
an gottesdienstlichen Versammlungen beteiligen und so seine mediale Fähigkeit
nur dem Guten widmen, so hätten die bösen Mächte keinerlei Gewalt über ihn,
und solche gemeine und niedrige Szenen, wie die geschilderten, würden nie
vorkommen. Auch würde ihm seine mediale Kraft erhalten bleiben, während zu
befürchten ist, daß sie nach und nach schwinden wird, wenn er sich weiter als
Medium für irdische Zwecke verwenden läßt. Denn die Schwächung seiner Odkraft
durch die Bösen wird auf die Dauer so groß werden, daß er sowohl als Medium
vollständig versagen, als auch seine körperliche Gesundheit ganz einbüßen
oder zu noch Schlimmeren getrieben wird. Welche Gewalt die bösen
Geistermächte bisweilen auch den guten Geistern gegenüber entfalten, um sie
an ihrem Vorhaben zu hindern, zeigen uns die Berichte der Bibel. Als der hohe
Geist Gabriel zu Daniel geschickt wurde, um ihm die Zukunft zu enthüllen,
suchte der böse Geist, dem die Herrschaft über das götzendienerische
Perserreich übertragen war, ihn daran zu hindern und kämpfte mit ihm 21 Tage,
bis Fürst Michael dem Erzengel Gabriel zu Hilfe kam und ihn von dem Ansturm
der bösen Mächte befreite (Daniel 10,13). Mirabelli ist
physikalisches Medium. In der Apotheke Assis, Rue 15 de Novembro Nr. 9 in Sao
Paulo flogen in Anwesenheit des Mediums plötzlich die Scheiben aus den
Auslagekästen. Ein in den Gelenken beweglicher Totenkopf kam aus dem
Laboratorium, blieb schwebend in der Luft, klappte die Kinnladen auf und zu,
warf verschiedene Gegenstände durcheinander, flog hin und her und fiel
endlich zu Boden, ohne zu zerbrechen. In einer an einem
Nationalfeiertag abgehaltenen Versammlung, bei der das Medium und viele
andere Personen anwesend waren, hörten diese sowohl wie auch Anwesende und
Leute aus der Nachbarschaft Trommelwirbel und Trompetenblasen im Marschtempo.
Gleichzeitig schlugen Gläser und Flaschen, die sich in dem Saal befanden,
ohne menschliche Berührung aneinander und brachten Töne von vollendeter
Harmonie hervor, welche mit bewunderungswürdiger musikalischer Technik einen
Militärmarsch wiedergaben. Mirabelli spielte Billard,
ohne das Queue zu berühren. Dieses spielte für sich selbst. Ein Totenkopf
bewegte die Kiefer; ein ihm aufgesetzter Hut hob sich, als ob er zum Gruß
gelüftet würde. Alle diese Tatsachen sind von
einwandfreien Zeugen beglaubigt. Die Originalschrift betont ausdrücklich, daß
zweifelhafte Phänomene von vornherein aus der Veröffentlichung herausgelassen
wurden. In einer Sitzung in Sao
Vicente, bei der eine größere Anzahl von Teilnehmern anwesend war, im Beisein
der Ehrengäste Dr. Mario Alvin und Dr. Annibal des Meneses, ereignete sich
folgendes: Mirabelli saß auf einem
Stuhl und wurde von allen Anwesenden scharf beobachtet. Plötzlich bewegte
sich der Sessel und verschob sich samt dem Medium von seinem Platz, und zwar,
wie dies ausdrücklich festgestellt wurde, ohne Nachhilfe der Beine
Mirabellis. Dieser wandte seine Augen zum Himmel, breitete die Arme aus und
schien verzückt. Nach einigen Minuten stillen Gebetes machte der Stuhl wieder
einen heftigen Ruck und hob sich mit dem Medium immer höher in die Luft,
schwebte hin und her und erreichte endlich eine Höhe von zwei Metern vom
Fußboden. Die Anwesenden nahmen sofort eine Nachprüfung des Sitzungszimmers
vor. Die Erhebung (Levitation) dauerte ausgezählte 120 Sekunden. Die
Kontrolleure begleiteten den ohne Stützpunkt in der Luft schwebenden Stuhl.
Dieser bewegte sich in einer bestimmten Richtung fort und war schließlich
2,30 Meter von seinem ursprünglichen Platz entfernt und senkte sich dann
langsam zu Boden. Das Medium war unterdessen in Trance und sprach mit
verschiedenen Geistwesen. Nach dem Erwachen erinnerte sich Mirabelli an
nichts. Wie bereits in dem Kapitel
über die “Medien“ gesagt worden ist, sind die physikalischen Phänomene in den
meisten Fällen eine Wirkung niedriger, wenn auch nicht immer böser
Geistwesen. Gute Geister geben sich zu solchen Experimenten, wie sie in dem
vorigen Abschnitt als physikalische Phänomene Mirabellis angeführt wurden, im
allgemeinen nicht her. Ausnahmsweise beteiligten sie sich an derartigen
Dingen, wenn damit ein gottgewollter Zweck verbunden ist, zum Beispiel einem
gottsuchenden Menschen ein Beweis von der Existenz jenseitiger Geistwesen
erbracht werden soll. Aus der Wohnung Pinto de
Queiros in Sao Paulo wurde nach vorheriger Ankündigung ein Revolver, der in
einem Koffer eingeschlossen war, in die Wohnung des Herrn Watson apportiert.
Ferner wurde bei hellem Tageslicht aus der Wohnung des Herrn Watson ein Bild
in das Büro einer Versicherungsgesellschaft apportiert. Es war eine
Entfernung von mehreren Kilometern. Dort fiel es krachend zu Boden und
erregte ein ungeheures Aufsehen. Mirabelli befand sich mit
verschiedenen Personen auf dem Bahnhof da Luz und war im Begriff, sich nach
Santos einzuschiffen, als er plötzlich nicht mehr zu sehen war. Etwa 15
Minuten später wurde aus Sao Vicente, einer 90 Kilometer von da Luz
entfernten Stadt telefoniert, und es stellte sich heraus, daß das Medium
genau zwei Minuten nach seinem Verschwinden aus Sao Paulo in Sao Vicente
anwesend war. Gelegentlich einer Sitzung
der Untersuchungskommission zu Ehren des Dr. Enrico de Goes, in Anwesenheit
vieler Gelehrter, verschwand Mirabelli aus dem Sitzungsraum, ohne seine
Fesseln gelöst zu haben und ohne eine Plombe an Fenstern und Türen zu
verletzen. Man fand das Medium in einem Nebenzimmer auf einem Sofa liegend,
noch in Trance eine religiöse Hymne singend. Diese sogenannten “Apporte“
gehören in das Gebiet der Dematerialisierung und Rematerialisierung der
Materie. Sie wird an der einen Stelle aufgelöst und in Odform verwandelt, in
diesem Zustand durch Wände und verschlossene Türen transportiert und an einem
anderen Ort wieder zur festen Materie verdichtet. Die Bibel enthält mehrere
Beispiele desselben Vorganges. Der Prophet Habakuk, der aus weiter Ferne an
die Löwengrube zu Daniel gebracht wurde. Der Jünger Philippus, der an einer
Stelle plötzlich verschwand und in demselben Augenblick in einer weit
entlegenen Stadt war, sowie die Befreiung des Petrus aus dem Gefängnis bei verschlossenen
Kerkertüren. – Das alles ist nach denselben Gesetzen der Auflösung und
Wiederverdichtung der Materie vor sich gegangen, wie bei dem Medium
Mirabelli. Mirabelli als
Materialisationsmedium. Das Gewaltigste, was an
Geisterverkörperungen in der heutigen Zeit erfolgte, sind die
Materialisationen, die sich bei dem Medium Mirabelli abspielten. Es war in einer Sitzung im
Laboratorium der Studienkommission in Santos unter dem Vorsitz der Herren Dr.
Estanislau de Camargo, Alberto Riveira und J.F. Schmid. Anwesend waren
zahlreiche angesehene Persönlichkeiten. Es war vormittags 9 Uhr. Der
Versuchsraum war 10 mal 11 Meter groß. Er lag im Erdgeschoß. Die
Straßenfenster waren durch eiserne Riegel abgeschlossen. Der Fußboden bestand
aus schmalen Brettern, die eines nach dem anderen darauf untersucht wurden,
ob sie nicht für betrügerische Manipulationen zugerichtet seien. Es wurde
alles in Ordnung befunden und festgestellt, daß man nur dann ins Zimmer
dringen könne, wenn man die dicken Mauern oder die in Stein eingelassenen
Türen einrennen würde. Mirabelli saß auf einem
Stuhl. Er erbleichte, als Zeichen, daß Tieftrance eintrat. Seine Augen wurden
herausgetrieben und er wand sich, als ob ihn jemand an der Gurgel drosselte.
Starker Schweißausbruch trat auf. Plötzlich hörte man von einem Tisch des
Saales her drei Schläge, und eine kindliche Stimme rief: “Papa!“ – Doktor
Ganymed de Souza, einer der Anwesenden, erklärte tief ergriffen, er erkenne
die Stimme seines Töchterchens, das in der Hauptstadt an der Grippe gestorben
war. Während alle in höchster Spannung warteten, erblickte man endlich an der
Seite des Mediums die Gestalt eines Mädchens. Der Vater, kaum mehr seiner
Sinne mächtig, tritt aus dem Kreis, ruft seine Tochter an, geht zu ihr hin
und schließt sie in die Arme. Unter Schluchzen versichert Dr. de Souza immer
wieder, daß er seine Tochter umarme und daß das Kleid, welches die
Erscheinung trage, dasselbe Kleid sei, mit dem man sein Kind in das Grab
gelegt hätte. Während dieses Vorganges
lag Mirabelli wie im Todeskampf. Er war zusammengekauert, wachsfarben, mit
vollkommener Muskelerschlaffung, schwacher und pfeifender Atmung. Der Puls
war kaum zu fühlen. Coronel Octavio Viana erhob
sich, um sich ebenfalls von der Wirklichkeit der Erscheinung zu überzeugen.
Auch er nahm die Kleine in die Arme, fühlte ihr den Puls, schaute ihr in die
tiefen unergründlichen Augen, stellte Fragen an sie, die sie mit monotoner,
trauriger Stimme, aber sinngemäß beantwortete. Viana bestätigte ebenfalls die
Echtheit der Erscheinung. Dr. de Souza frischte Kindheitserinnerungen seiner
Tochter auf und erhielt verständnisvolle Antworten. Die Erscheinung wurde
fotografiert. Ein Bild davon ist dem Bericht der Untersuchungskommission
beigegeben. Nach der fotografischen
Aufnahme begann das Kind im Raume zu schweben. Es erhob sich in die Luft und
tummelte sich wie ein Fisch in seinem Element. Die Teilnehmer waren
aufgestanden und gingen hinter der Erscheinung her, die mit der Hand leicht
erreichbar war. Das Medium machte mit seinen Unterarmen die Bewegungen des
schwebenden Kindes gleichzeitig mit. Nachdem das Mädchen noch einige Sekunden
in der Luft schwebend gesehen worden war, verschwand es plötzlich. Es hatte
sich 36 Minuten bei Tageslicht unter einwandfreien Bedingungen einer
Versammlung gebildeter Männer gezeigt, welche bezeugen, daß sie ein
ausgebildetes menschliches Wesen vor sich hatten. Dr. Ganymed de Souza verlor
sein Kind zum zweitenmal – so tief hatte ihn das Erlebnis ergriffen. – Das
Protokoll dieses Vorganges ist von zehn Doktoren der Wissenschaft, die dabei
anwesend waren, zur Beglaubigung der Richtigkeit unterschrieben. Nachdem das Medium die
ungeheure Nervenanspannung des eben geschilderten Phänomens überwunden hatte,
blieb es noch lange zitternd und erschöpft. Es war noch nicht wieder bei
Kräften, da kam aus einem Schrank, in dem sich ein für Studienzwecke
bestimmter Totenschädel befand, heftige Schläge. Der Totenschädel wurde von
einer unsichtbaren Kraft wütend hin- und her- geschleudert, als ob er sein
Gefängnis sprengen wollte. Ein Teilnehmer näherte sich dem Schrank, um ihn zu
öffnen. Aber dessen Türen sprangen plötzlich von selbst auf. Der Totenschädel
kam heraus und stieg unter greulichem Zähneklappern in die Luft. Dr. Ganymed
de Souza wunderte sich im Stillen, daß nicht auch das zum Kopf gehörige
Skelett sich zeige. Wie zur Antwort bildeten sich sofort der Halswirbel, dann
Brustkorb und Arme, die Wirbelsäule, Beckenknochen, die Beine und schließlich
die Füße mit allen Knochen. Das Medium, an beiden Armen gehalten, stößt eine
Menge schaumigen Speichel aus und schlägt auf seinem Stuhl wütend gegen sich
selbst. Alle Schlagadern scheinen gestaut und pochen heftig. Mirabelli
verbreitet einen starken Leichengeruch, der die Anwesenden in hohem Maße
belästigt und das Zimmer derart verpestet, daß selbst frische Luft ihn nicht
vertreibt. Das Skelett stellt sich auf die Beine und schickt sich an, mit
unsicheren, großen Schritten durch das Zimmer zu gehen. Scheint es zu
stürzen, so bringt es sich wieder ins Gleichgewicht. Dr. Ganymed de Souza sucht
sich durch Berührung von der Echtheit der Erscheinung zu überzeugen. Er
beklopft die harten schmierigen Knochen, empfindet einen Nervenschlag und
kehrt wieder an seinen Platz zurück. Das Medium krümmt und windet sich auf
seinem Stuhl und ist nur mit Mühe festzuhalten. Das Skelett setzt seinen
unheimlichen Rundgang fort. Die Teilnehmer, angeregt durch das Beispiel des
Dr. Ganymed dc Souza, überwinden ihren Abscheu, erheben sich einer nach dem
anderen und berühren diese düstere Verkörperung des Todes und des Nichts.
Alle sind erschüttert. Der Leichengeruch bleibt bestehen. Das Skelett beginnt
langsam, in ausgezählten Minuten, sich aufzulösen, anfangend bei den Füßen,
bis schließlich nur mehr der Schädel in der Luft schwebt, der nun nicht mehr
mit den Kinnladen klappert, sondern auf den Tisch fällt und dort
liegenbleibt. Alles das geschah um 9.45
Uhr vormittags bei strahlender Sonne unter einer fast polizeimäßigen
Kontrolle in Gegenwart vieler gebildeter Persönlichkeiten und währte 22
ausgezählte Minuten. Während die Anwesenden noch
das vorhergehende Erlebnis besprachen, geriet das Medium wieder in einen
Erregungszustand und behauptete, im Zimmer die Gestalt des Bischofs Dr. Jose
de Camargo Barros zu sehen, der beim Schiffbruch der “Syrio“ ums Leben gekommen
war. Die Unterhaltung wurde schnell abgebrochen und Mirabelli unter die
vorschriftsmäßige Kontrolle genommen, welche die Herren Ataliba de Aranha und
Odassio Sampaio übernahmen. Süßer Rosenduft erfüllte das Zimmer. Das Medium
fiel in Trance. Innerhalb des Zirkels wurde
plötzlich ein feiner leichter Nebel gesehen, auf den sich alle Augen
richteten. Der Nebel teilte und verdichtete sich, glänzte wie eine goldene
Wolke, aus der sich langsam in ausgezählten Minuten eine Gestalt ablöste, die
lächelnd, das bischöfliche Barett auf dem Haupte, angetan mit allen Insignien
seiner Würde, sich vom Stuhl erhob und mit lauter, allen vernehm-barer Stimme
seinen Namen: Dr. Jose de Camargo Barros nannte. Die Anwesenden
vergewisserten sich, daß sie keiner Täuschung zum Opfer fielen. Dr. Ganymed
de Souza erhob sich, näherte sich furchtlos mit mehreren Schritten der
Erscheinung und blieb ihr gegenüber stehen. Diese sagte nichts, lächelte dem
Forscher zu, der nun ganz an sie herantrat, sie berührte, sie gründlich
abklopfte, gegen die Zähne schlug, mit dem Finger den Gaumen prüfte, um das
Vorhandensein von Speichel festzustellen. Er horchte Herz und Atmung ab,
legte sein Ohr auf den Bauch des Bischofs, um sich von der Tätigkeit der
Eingeweide zu überzeugen, untersuchte Nägel und Augäpfel, deren Blutäderchen
er noch besonders prüfte und kehrte auf seinen Platz zurück. Kein Zweifel –
es war ein Mann, der hier weilte. Die übrigen Beobachter
folgten dem Beispiel des Dr. Ganymed de Souza, und allen zeigte sich der
geheimnisvolle Gast gleich gefällig. Alle überzeugten sich, daß kein frivoles
Spiel mit ihnen getrieben wurde, sondern daß tatsächlich ein menschliches
Wesen mit menschlichen Organen vor ihnen stand. Der Bischof unterhielt sich
mit den Anwesenden in reinem, gewähltem Portugiesisch. Zum Schluß sagte er:
“Nun geben Sie wohl acht, wie ich verschwinde!“ Er begab sich zu dem Stuhl
des Mediums, welches in Tieftrance lag. Die Teilnehmer verfolgten gespannt
jede einzelne Bewegung, damit ihnen nicht das Interessanteste des Phänomens,
nämlich die Dematerialisierung, entginge. Bei dem immer noch in
Trance befindlichen Medium angelangt, beugte sich der Bischof über Mirabelli,
legte ihm die Hände auf und betrachtete ihn eine Weile schweigend. Die
Anwesenden bildeten um die beiden einen Kreis. Der materialisierte Körper des
Bischofs zuckte mehrmals heftig zusammen, begann zu schwinden und wurde immer
kleiner. Das Medium, in kaltem Schweiß gebadet, röchelte laut. Die
Erscheinung verkürzte sich auf etwa 30 Zentimeter und verschwand dann mit einer
Plötzlichkeit, die nicht zu beschreiben ist. Wieder erfüllte starker, süßer
Rosenduft den Raum. Mirabelli kam langsam zu sich. Die nachfolgende
Untersuchung ergab keine natürliche Erklärung des Vorgefallenen. In Santos, dem Sitz der
Akademie, wurde um 15.30 Uhr eine Nachmittagssitzung gehalten. Die Ergebnisse
dieser Sitzung sind durch 60 Unterschriften bestätigt. Nachdem zuerst die Gestalt
einer mit den Anwesenden plaudernden Frau erschienen und wieder verschwunden
war, hob sich nach wenigen Minuten eine Glocke in die Luft und läutete mit
silberhellem Ton. Mirabelli erwachte aus der Trance und behauptete, neben dem
Tisch eine ehrfurchtgebietende Gestalt zu sehen, die in weißes Linnen
gekleidet und von einer glänzenden Aura umgeben sei. Die Glocke in der Luft
läutete unaufhörlich. Verschiedene abseits sitzende Anwesende erhoben sich
und näherten sich dem eigentlichen Zirkel, der durch die
Untersuchungskommission gebildet wurde. Nun vernahm man einen Lärm, als ob
jemand mit den Absätzen hart auf den Boden auftrete. Da verkündeten die
Herren Oberst Soares und Dr. Oetavio Moreira Cavalcanti die Anwesenheit des
verstorbenen Dr. Bezerra de Meneses, der als hervorragender Kliniker in aller
Andenken stand. Die Erscheinung wandte sich zu den Anwesenden, sprach mit ihnen
über seine Person und bestätigte ihnen seine Gegenwart. Die Sprache und die
bestimmte Art des Auftretens machte auf alle einen tiefen Eindruck. Das
Megaphon trug seine Stimme durch den ganzen Raum. Es gelangen verschiedene
fotografische Aufnahmen. Die Herren Dr. Assumpcion
und Dr. Mendonea näherten sich nun der verhüllten Gestalt und unterwarfen sie
einer eingehenden Untersuchung, welche 15 Minuten dauerte und den Beweis
lieferte, daß es sich um eine mit allen natürlichen Organen versehene,
anatomisch genau gebaute menschliche Gestalt handle. Hierfür bürgen die
anwesenden Gelehrten mit ihren Namen. Nachdem die
Geisterverkörperung den Anwesenden die Hand gedrückt hatte, kündigte sie ihr
Verschwinden an. Sie schwebte wie ein Flugzeug durch die Luft. Zuerst verschwanden
die Füße, dann die Beine, schließlich der Unterleib. Nur Brust, Arme und Kopf
waren noch sichtbar. Dr. Archimedes Mendonea, der wie die übrigen Anwesenden
den Vorgang mit heftiger Spannung verfolgt hatte, näherte sich dem noch
vorhandenen Rumpf der Materialisation und griff danach. Da fiel er wie leblos
zu Boden, während das Gebilde völlig verschwand. Dr. Mendoneas kam im
Nebenzimmer wieder zu sich. Er behauptete, eine klebrige Masse zwischen den
Fingern gefühlt zu haben, ehe ihm die Sinne schwanden. Mirabelli befand sich nach
dem Erwachen in einem Zustand starker Erschöpfung. Seine Fesseln erwiesen
sich als unversehrt. Ebenso die Plomben der Türen und Fenster. Der Bericht der
Untersuchungskommission enthält 34 Abbildungen, von denen die ersten drei die
Versuchsbedingungen, die Verschnürung Mirabellis, sowie die Überwachung durch
die Kommission darstellten. Außerordentlich merkwürdig ist die Aufnahme, bei
welcher Mirabelli in weißem Kostüm sich mitten in dem vierzehnköpfigen
Untersuchungskomitee befindet. Seine Unterarme sind dematerialisiert. Links
sieht man nichts und rechts nur einen leichten Schatten an deren Stelle. Bei
den meisten befindet sich die materialisierte Gestalt mit dem Medium zusammen
auf der Platte. In einzelnen Fällen sitzt die Verkörperung mit dem Medium und
den Versuchleitern um den Tisch, und man könnte glauben, es handle sich um
eine lebendige Person, die zu dem Kreise der Kommission gehöre. Die Schriftleitung der
Zeitschrift für Parapsychologie sagt mit Recht: “Man hat gegenüber einer so
umfassenden Zeugenschaft und einer so gründlich geführten Untersuchung nicht
das Recht, dieses neue, gewaltige Dokument für die Echtheit mediumistischer
Erscheinungen einfach zu ignorieren.“ Wenn wir den Bericht über
die bei dem Medium Mirabelli aufgetretenen Phänomene an Hand der in diesem
Buch niedergelegten Odgesetze durchgehen, so wird uns alles verständlich
werden. Alles geschieht nach unveränderlichen Gesetzen, mögen nun die
Erscheinungen in Europa oder in Amerika oder in einem anderen Erdteil vor
sich gehen, mögen sie aus der alten oder der neueren Zeit berichtet werden.
Das Erscheinen der drei Männer bei Abraham‚ die Materialisation des Engels
Raphael bei Tobias‚ die Verkörperung Christi nach seiner Auferstehung und
unzählige andere Geisterverkörperungen kamen nach denselben Gesetzen
zustande, wie die hier geschilderten Materialisationen bei Mirabelli. Der
einzige Unterschied zwischen den erstgenannten Verkörperungen und denen bei
Mirabelli ist der, daß uns bei der Verkörperung der hohen Geister Gottes die
Odquelle für die Materialisation nicht angegeben ist, während bei den in
Brasilien erfolgten Geisterverkörperungen Mirabelli als Medium die
Hauptodquelle bildete und von den Sitzungsteilnehmern die meisten jedenfalls
so medial veranlagt waren, daß sie als Hilfsmedien ohne Trancezustand Od
abgaben. An anderer Stelle ist auf die wichtige Tatsache hingewiesen worden,
daß die hohen Geister, wenn sie im Auftrag Gottes den Menschen Kundgebungen
vermitteln sollen, das erforderliche Od in unbegrenztem Maße zur Verfügung
gestellt bekommen, so daß sie auf menschliche Medien nicht angewiesen sind.
Aber die Gesetze ihrer Kundgebungen sind dieselben. Das Sprechen und
Schreiben Mirabellis in den vielen fremden Sprachen und über die
mannigfachsten Themata geschieht durch die verschiedenen Geistwesen, die sich
des Mirabelli bloß als Werkzeug bedienen. Die Apporte kommen dadurch
zustande, daß die Geisterwelt mit Hilfe der Odkraft des Mediums die
Kraftströme erzeugt, die zur Auflösung der Materie und zu ihrer
Wiederverdichtung erforderlich sind. Die Materialisierung und
Dematerialisierung der Geister erfolgen unter Anwendung derselben Kraftströme
und unter Verwendung des Ods und der körperlichen Materie des Mediums. In dem
deutschen Auszug des brasilianischen Berichtes ist leider nicht erwähnt, wie
groß der Gewichtsverlust des Mediums während der Zeit der
Geisterverkörperungen gewesen ist. Die betäubenden Schläge, welche diejenigen
erlitten, die das in Auflösung begriffene Phantom berührten, kamen von den
odischen Kraftströmen her, welche die Auflösung bewirkten. Dieselbe
Einwirkung der Kraftströme würden diejenigen an sich erfahren haben, die den
Versuch gemacht hätten, die sich bildenden Verkörperungen zu berühren. Bei
vollendeter Materialisation sind die Ströme ausgeschaltet, und ihre Berührung
hat keinerlei nachteilige Folgen. Daß bei den
materialisierten Geistwesen alle Organe des menschlichen Körpers vorhanden
waren, ist darin begründet, daß der Geist diese Organe geistig besitzt. Er
braucht sie mit Hilfe des menschlichen Ods bloß entsprechend zu verdichten,
um sie in der materiellen Form eines menschlichen Leibes sichtbar zu machen.
Derselbe Vorgang vollzog sich ja bei Mirabelli selbst, als er aus dem
Sitzungsraum durch verschlossene Türen hindurch verschwand und nachher in
einem anderen Zimmer lag. Das Verschwinden aus dem verschlossenen Raum war
nur möglich, indem sein materieller Körper in einen Odkörper aufgelöst wurde.
Dieser Odkörper wurde dann in dem anderen Zimmer wieder zum festen Körper
materialisiert in derselben Weise und nach den selben Gesetzen, wie bei den
materialisierten Geistern die Verkörperung vor sich ging. Der liebliche Duft des Ods
der hohen Geister im Gegensatz zu dem Leichengeruch der materialisierten tiefen
Geister ist durch das, was in der Odlehre über den Odgeruch gesagt wurde,
hinreichend klar. Das Hellsehen an einem Sterbebett. (Zeitschrift für
Parapsychologie, Jahrgang 1927, S. 475-476.) Ein Mann aus San Francisco teilt
mit, was er am Sterbebett seiner Frau fünf Stunden lang geschaut hat.
Folgendes ist sein Bericht: “War ich einer
Sinnestäuschung unterworfen oder plötzlich hellsehend geworden in den letzten
fünf Stunden, die unmittelbar dem Scheiden meiner Frau vorausgingen, das ist
für mich heute eine Streitfrage, deren befriedigende Lösung mir wohl niemals
zuteil wird. Ehe ich zur Erzählung der
kleinen Begebenheit schreite, möchte ich zu Nutzen und Frommen des Lesers
unbedingt vorausschicken, daß für mich weder alkoholische Getränke noch
Kokain oder Morphium in Betracht kommen. Auch bin ich keineswegs nervös oder
phantastisch. Vielmehr gelte ich als kaltblütig, ruhig und besonnen und stehe
alledem ungläubig gegenüber, was man mit Spiritismus bezeichnet. Allen meinen Freunden ist
bekannt, daß meine Frau am Freitag, dem 23. Mai 1902, ein Viertel vor 12 Uhr
nachts von hinnen schied. Um sie herum versammelt waren einige meiner
vertrautesten Freunde, wie auch der behandelnde Arzt mit zwei geprüften
Krankenpflegerinnen. Die rechte Hand der Kranken in der meinigen haltend, saß
ich an der Seite des Krankenbettes. So vergingen zwei Stunden, und noch keine
Änderung war eingetreten. Der Diener lud zum Essen ein. Aber niemand war
geneigt, dieser Aufforderung zu einer Stärkung nachzukommen. Gegen 6.30 Uhr
forderte ich doch dringend die Anwesenden auf, sich zum Essen zu begeben, da
man ja nicht wissen könne, wie lange sich die Nachtwache noch hinziehen
könne. Sie verließen denn alle das Zimmer. Eine viertel Stunde später
sah ich unwillkürlich einmal nach der Türe und bemerkte, wie drei getrennte,
aber deutliche Wolkenschichten in das Zimmer hineingeweht wurden. Jede Wolke
schien eine Ausdehnung von etwa vier Fuß in der Länge zu haben, sechs bis
acht Zoll in der Breite, und die unterste war zwei Fuß von dem Boden entfernt.
Die anderen schienen in Zwischenräumen von etwa sechs Zoll sich zu bewegen. Mein erster Gedanke war
nun, daß einige Freunde vor dem Schlafzimmer ständen, Zigarren rauchend, und
die Rauchwolken drängen ins Zimmer ein. In diesem Gedanken sprang ich auf, um
ihnen meine Ungehaltenheit kundzugeben. Aber da stand niemand an der Türe,
noch war jemand auf dem Gang oder in den Nebenzimmern zu sehen. Erstaunen überkam mich, und
ich sah nach den Wolken. Diese näherten sich leise dem Bette, bis sie
dasselbe vollständig eingehüllt hatten. Als ich dann in den Nebel
hineinstarrte, gewahrte ich zu Häupten meines im Sterben liegenden Weibes
eine weibliche Gestalt, etwa drei Fuß groß, durchsichtig, dennoch wie ein
lichter Schein von leuchtendem Gold, eine Frauengestalt, so erhaben von
Anblick, daß mir die Worte fehlen, sie genauer zu beschreiben. Eingehüllt in
ein griechisches Gewand mit langen, lose herabwallenden Ärmeln. Auf ihrem
Haupt eine strahlende Krone. So stand die Gestalt in ihrem vollen Glanze und
ihrer Schönheit unbewegt da, ihre Hände über meine Frau erhoben. Sie schien
ihr gleichsam ein Willkommen zu bieten mit heiterer, stiller Miene, würdevoll
Ruhe und Frieden ausstrahlend. Zwei andere Gestalten in Weiß knieten an der
Seite meines Weibes und lehnten sich anscheinend an sie an. Andere Gestalten
schwebten über dem Bett, mehr oder weniger deutlich. Über meiner Frau, indessen
durch ein Band mit ihr verbunden, schwebte eine unbekleidete, weiße Gestalt,
anscheinend ihr Odkörper. Zeitweise verhielt sich die so verbundene Person
vollständig ruhig. Dann aber schrumpfte sie in sich zusammen, bis sie nicht
größer als 18 Zoll war. Der Odkörper war vollständig, Arme und Beine, alles
vollständig. Während der Odkörper so an Gestalt abnahm, wandte er sich öfter
hin und her, schlug mit den Armen und Beinen um sich, vermutlich in der
Absicht, sich freizumachen und zu entkommen. Er wand sich so lange hin und
her, bis er entkräftet zu sein schien. Dann wurde er ruhig, nahm wieder an
Größe zu, um das nämliche Spiel von neuem beginnen zu lassen. Diese Vision, oder was es
auch sein mochte, habe ich andauernd während der ganzen fünf Stunden gehabt,
die dem Scheiden meiner Frau vorausgingen. Unterbrechungen, zum Beispiel wenn
ich mit meinen Freunden sprach, meine Augen schloß und den Kopf abwandte,
vermochten das Blendwerk nicht im mindesten zu beeinflussen. Denn sobald ich
meinen Blick wieder auf das Sterbebett richtete, war auch die
Geistererscheinung zu sehen, diese ganzen fünf Stunden hindurch hatte ich ein
seltsames Gefühl der Bedrückung. Eine schwere Last lag auf meinem Kopf und
meinen Gliedern. Meine Augen waren schwer und voll Schlaf. Und während dieser
Zeit waren die Empfindungen so seltsam, die Erscheinungen so beständig und
lebhaft, daß ich glaubte, den Verstand zu verlieren. Und mehr als einmal
sagte ich zu dem behandelnden Arzt: ‘Herr Doktor, ich verliere meinen
Verstand.‘ Endlich trat der
verhängnisvolle Augenblick ein. Ein Keuchen, der Odkörper wand sich hin und
her; mein Weib hörte auf zu atmen. Es hatte den Anschein, als sei sie nun
tot. Einige Augenblicke später jedoch begann sie wieder zu atmen, zweimal –
und dann war es still. Mit ihrem letzten Atemzug war das Verbindungsband
plötzlich abgerissen und der Odkörper verschwunden. Die Wolken und die
Geistergestalten verschwanden ebenfalls augenblicklich. Und seltsam, das
ganze schwere Gefühl, das auf mir gelastet hatte, war mit einem Male von mir
gewichen. Ich war mir selbst wiedergegeben, kaltblütig, ruhig und besonnen
und von dem Augenblick des Todes an befähigt, alle Anordnungen inbetreff des
irdischen Körpers und seiner Bestattung zur letzten Ruhe zu treffen. Ich muß es nunmehr meinen
Lesern überlassen, darüber zu urteilen, ob ich einer Sinnestäuschung
unterworfen war infolge des Grams, des Herzleides und der Ermattung, oder ob
nicht doch ein Schimmer jener geistigen Welt mir ihrer Schönheit,
Glückseligkeit, Ruhe und Frieden meinen sterblichen Augen vergönnt war.“ Die hier geschilderten
Erlebnisse am Sterbebett waren keine Sinnestäuschung, sondern Wirklichkeit.
Das Schauen der geistigen Gestalten durch den Ehegatten der Sterbenden hing
von zwei Vorbedingungen ab: Zunächst mußte der Gatte die mediale Veranlagung
zum Hellsehen haben, wenn diese auch noch unvollkommen bei ihm ausgebildet
war. Ferner mußte soviel Od im Zimmer vorhanden sein, daß die Geistwesen ihre
Gestalten damit sichtbar machen konnten. Als Odquelle kam vor allem
die Sterbende selbst in Betracht. Im Sterben löst sich ja das Od vom Körper.
Aber auch der Ehegatte der Sterbenden gab wegen seiner medialen Veranlagung
Odkraft ab. Das Gefühl des Druckes, der
Schläfrigkeit und Müdigkeit, das während jener Stunden auf ihm lastete, rührt
von der Odabgabe her und schwand darum wieder, als nach dem Aufhören der
Geistererscheinung das von ihm abgegebene Od wieder in seinen Körper
zurückströmte. Auch hier war das Od in der
Form von Odwolken sichtbar, die das ganze Sterbebett einhüllten. Aus ihnen
bildeten sich dann die Gestalten der Geistwesen. Daß er nicht alle über dem
Bett schwebenden Geistwesen deutlich sehen konnte, kam daher, daß die
vorhandene Odmenge nicht ausreichte, um sämtliche anwesenden Geister gleich
deutlich in Erscheinung treten zu lassen. Bei jedem Sterbenden sind
Geister des Jenseits anwesend. Meistens sind es verstorbene Angehörige und
Freunde. Außerdem jene Geister, die als Schützer und Führer bei seinen
Lebzeiten um ihn waren. Viele Sterbende nehmen
diese Geister ebenfalls hellsehend wahr. Denn der Geist der Sterbenden ist in
den letzten Stunden ja schon teilweise vom Körper gelöst und daher zu einem
geistigen Schauen befähigt. Er erkennt die Gestalten der vor ihm
Verstorbenen, die bei seinem Sterben anwesend sind und nennt sie mit Namen. Diese Geister haben nicht
bloß die Aufgabe, den Sterbenden ins Jenseits abzuholen, sondern sie sind
auch bei der Lösung des Geistes vom Körper des Sterbenden mit tätig. Überall, wo eine Anzahl
Geister zu einem bestimmten Zweck erscheinen, haben sie einen Führer, der
ihnen übergeordnet ist. In unserem Falle war der
Führergeist jene herrliche Frauengestalt, die der Ehegatte über dem Bette
seines sterbenden Weibes schweben sah. Sie leitete die Arbeit, welche die ihr
unterstellten Geistwesen bei der Sterbenden zu verrichten hatten. Was der Mann als weiße,
nackte Gestalt über dem Körper seines sterbenden Weibes sich auf- und
abbewegen sah, war der Odkörper der Sterbenden. Das Hin- und Herwinden dieser
Odgestalt, die in allem das Abbild der Sterbenden war, ist durch die
Anstrengung bedingt, die der Geist der Sterbenden in der Hülle des Odkörpers
machen mußte, um das Odband durchzureißen, das ihn noch mit dem materiellen
Körper verband, als sich schon der übrige Odkörper gelöst hatte. Auch der
Ehegatte sah dieses Band deutlich. Das Odband hat naturgemäß eine große
Festigkeit und kann nicht leicht durchgerissen werden. Besondere Fälle des Hellsehens. (Zeitschrift für
Parapsychologie, Jahrgang 1926, S. 22-25.) In einem Artikel der eben
genannten Zeitschrift bespricht Professor Dr. Österreich einige Fälle von
Hellsehen, die der in Mexiko lebende Arzt Pagenstecher bei einer Patientin
Maria Reyes de Z. festgestellt hat und die auch von dem Amerikaner Prince
einer Nachprüfung unterzogen und bestätigt wurden. Professor Österreich
schreibt darüber: “Die Phänomene, welche Pagenstecher und Prince studierten,
waren vor allem Hellsehen und Psychometrie. Die nach dieser Richtung
angestellten Versuche wirken durchaus überzeugend. Nur aus ihrem frappanten
Charakter ist es auch verständlich, daß Pagenstecher, der aus der
materialistischen Schule hervorgegangen ist, von dem Vorhandensein solcher
Phänomene durch die eigene Beobachtung überzeugt wurde. Er hat dann eines
Tages in der mexikanischen Ärztegesellschaft von seinen Erfahrungen
berichtet. Seine Kollegen schüttelten den Kopf, und mancher begann wohl an
seiner geistigen Gesundheit zu zweifeln. Es wurde indessen eine Kommission
gebildet. Deren Mitglieder haben dann die Feststellungen Pagenstechers als
zutreffend anerkannt.“ Welches sind nun die
Tatsachen, die bei der hellsehenden oder besser gesagt, hellempfindenden
Maria Reyes de Z. festgestellt wurden? a) Sie hatte in einem
gewissen Zustand dieselben Empfindungen, die der ihr gegenübersitzende
Pagenstecher hatte. Es war ihr dann, als ob sie in seinem Organismus stecke.
Doch war dies nur dann der Fall, wenn Pagenstecher nicht weiter als drei
Meter von ihr entfernt saß oder stand. b) Sie schaute dabei eine
farbige Strahlung und ein leuchtendes Band, das sie mit Pagenstecher verband. c) Bei einem ihr gereichten
Meteorstein hatte sie das Empfinden, bald durch kältere, bald durch wärmere
Regionen des Weltenraumes zu fliegen und in ungemessene Tiefen zu fallen. d) Ein Brief wurde ihr in
die Hand gegeben. Sie wußte nicht, wer der Briefschreiber war. Aber sie
empfand, sah und schilderte die Ereignisse beim Untergang eines Schiffes und
beschrieb die Persönlichkeit des Briefschreibers, als ob sie ihm auf dem
untergehenden Schiffe gegenüberstände. Auch hatte sie das Empfinden des
Versinkens und Wiederemportauchens aus dem Meer. Der Brief war als
Flaschenpost im Meer aufgefischt worden. Die Erklärung der hier
angegebenen Vorgänge ist in dem enthalten, was in dem Kapitel über das Gesetz
der Odkraft gesagt wurde: Das Od ist nicht bloß
Träger des körperlichen Gefühls, sondern auch alles seelischen Empfindens. Da
der Geist eines Lebewesens der Träger der Odkraft ist, so äußern sich alle
Gedanken und Gefühle des Geistes in entsprechenden Schwingungen des Ods. Doch
werden die Odschwingungen eines Lebewesens nicht bloß durch die Gedanken und
Stimmungen des eigenen Geistes beeinflußt, sondern auch durch die
Odschwingungen eines anderen Lebewesens, dessen Odstrahlung es in sich
aufnimmt. Wenn daher sogenannte “hellempfindende“ Menschen auf irgendeine
Weise mit der Odstrahlung eines anderen in hinreichende Verbindung kommen,
dann nehmen sie auch die Empfindungen des anderen in sich auf. Auf diesem
Gesetz beruht das “Sich Einfühlen“ in die Gefühle, den Charakter, die
Gesinnung und das Schicksal eines anderen. Wenn also die
“hellempfindende“ Dame die Empfindungen Pagenstechers nachfühlte, als ob sie
sich in dem Organismus Pagenstechers befände, so war die Odstrahlung
Pagenstechers die Vermittlerin dieser Gefühle. Die Odstrahlung hatte bei
Pagenstecher nur eine Reichweite von drei Meter. Bei einer größeren
Entfernung war sie nicht mehr stark genug, die Odschwingungen der
“hellempfindenden“ Dame zu beeinflussen. Die hellempfindenden Personen
befinden sich in solchen Fällen in einem teiltranceähnlichen Zustand, in dem
der eigene Geist sich etwas vom Körper löst. Das farbige Odband, das die
Dame zwischen sich und Pagenstecher sah, war dessen auf sie übergehende
Odstrahlung. Daß jede Odstrahlung Farbe besitzt, ist ebenfalls in der Odlehre
dargetan. Denn auch die Farbe beruht auf Odschwingungen, wie die Töne, der
Geruch, der Geschmack, das Tastgefühl und alle anderen Äußerungen des Lebens,
dessen Träger stets der Geist ist. Alles dies steht miteinander in engstem
Zusammenhang. Auch der Meteor ist ein
Lebewesen, wie sich in allem, was existiert ein Geist befindet. Darum hat
auch der Meteor die ihm eigene Odschwingungen, die bei seinem Flug durch den
Weltenraum durch die Odstrahlungen der im Weltenraum befindlichen Weltkörper
beeinflußt wurde, ebenso durch das Fallen in ungemessene Tiefen. Alle
Odschwingungen eines Lebewesens lassen in dem Od dieselben Eindrücke zurück,
welche die Schwingungen der Töne eines Sängers auf der Platte eines
Grammophons ausüben, so daß sie nachher immer wieder zu Gehör gebracht
werden. Derselbe Vorgang, der sich
bei der phonographischen Platte in mehr materialisierter Form vollzieht, ist
in geistiger Weise beim Nachempfinden von Geschehnissen durch hellempfindende
Personen vorhanden, sobald sie mit der geistigen Platte des Ods eines
Lebewesens in hinreichend starke Verbindung kommen und dadurch in ihrem
eigenen Od dieselben Schwingungen und damit auch dieselben Empfindungen
erzeugt werden, die in jener Odplatte enthalten sind. Damit ist auch das Schauen
des Schicksals und der Persönlichkeit jenes Briefschreibers auf dem
untergehenden Schiff durch das hellempfindende Medium Pagenstechers erklärt.
Nur muß noch erläuternd hinzugefügt werden, daß jene geistige Odplatte nicht
bloß einer phonographischen Platte gleicht, sondern gleichzeitig auch eine
fotografische Platte darstellt. Daß also durch sie nicht bloß Empfindungen
wiedergegeben werden, sondern auch das Persönlichkeitsbild dessen, von dem
die Odstrahlung herrührt. Denn auch das Bild beruht auf Schwingungen des Ods.
So suchen die neueren Erfindungen es ja auch zu ermöglichen, daß die
Persönlichkeitsbilder derjenigen, die den Fernsprechapparat benutzen,
gleichzeitig sichtbar gemacht werden. Auch dies beruht auf den
Odschwingungen, die bei den irdischen Vorgängen in mehr materieller
Verdichtung sich vollziehen und bei den geistigen Vorgängen in geistiger
Form. Bei Pagenstecher und seinem
hellemfindenden Medium wurde bei den Versuchen eine Gewichtsabnahme
festgestellt von durchschnittlich 100 Gramm. Auch das ist leicht erklärlich.
Denn jede Abgabe von Od ist mit einem Gewichtsverlust verbunden. Bei
Pagenstecher rührte die Gewichtsabnahme daher, daß er eine größere Odmenge
auf sein Medium ausstrahlte. Und das Medium selbst erlitt einen
entsprechenden Odverlust dadurch, daß es die empfangenen Odeindrücke geistig
verarbeitete und gestaltete. Jede Arbeit, auch die geistige, ist mit einem
bestimmten Odverbrauch verbunden. So haben wir ja auch bei Wiedergabe des
Inhaltes einer phonographischen Platte einen gewissen Kraftstrom nötig, der
die Platte in eine hinreichend geschwinde Bewegung setzt, um das Tonbild zu
erzeugen. Eine solche mit
Gewichtsverlust verbundene Odabgabe ist bei jeder menschlichen Arbeit
festzustellen. Wer sich vor einer Arbeit wiegt und nach vollendeter Arbeit
wiederum sein Gewicht feststellt, wird eine größere oder geringere
Gewichtsabnahme finden, je nach der größeren oder geringeren Anstrengung bei
der körperlichen oder geistigen Arbeit, auch wenn während der Arbeit
keinerlei Körperentleerungen stattgefunden haben. Auch die Magnetopathen, die
durch Magnetisieren eines Kranken von ihrem Od abgeben, erleiden dadurch
entsprechende Gewichtsverluste. Die Erklärung aller Erscheinungen des Hellempfindens ist in
dem Gesagten enthalten, mögen sie auch in noch so verschiedenartiger Weise
zutage treten. Da der Mensch nicht
vollkommen ist, kommt es überall dort, wo Menschen wirken, auch zu Fehlern.
Die Stärke Satans ist es dann, aus kleinen Fehlern und Nebensächlichkeiten
große Streitigkeiten zu entfachen. Ein solcher Punkt ist in
dem Ihnen vorliegenden Buch das Thema der „Dualität Christi“. Wegen der Frage
„Hat Christus ein Dual oder nicht?“ ist es leider in der Vergangenheit zu
manchen, unschönen Streitigkeiten gekommen, da es in den Originaltexten
Grebers, je nach Auflage, zu gegensätzlichen Aussagen bezüglich dieses
Themas, kommt. Die Befürworter beider
Seiten haben plausible Argumente für ihren Standpunkt. Diese jedoch hier
aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Der geneigte Leser mag
daher für sich selber entscheiden, welcher Auffassung er sich anschließt. In
diesem, wie in allen strittigen Punkten mag er sich fragen: „Was nützt es
mir, auf meinem Weg zu Gott, wenn ich das weiß?“ _______ *
_______ Persönliche Erlebnisse auf dem Gebiet der
Geisterkundgebungen Mein erster Schritt zur Verbindung mit der Geisterwelt Belehrung über den biblischen Geisterverkehr Die Bestätigungen der Wahrheit Ein Rundgang mit einem Medium durch meine Pfarrkirche. Die Voraussage persönlicher Schicksale geht in Erfüllung Kundgebung eines Mediums im Eisenbahnwagen Zusendung einer wichtigen Schrift von unbekannter Hand Erlebnisse bei meinem Aufenthalt in Amerika Der Tod meines Freundes wird vorausgesagt und tritt ein Die Gesetze des Verkehrs der Geister mit der Materiellen Schöpfung Das Gesetz der “Odkraft“ (Lebenskraft) Gesetzmäßigkeit in der gesamten Schöpfung Gottes Das “Od“ als geistige Lebenskraft Die Materie als verdichtetes Od Die Odstrahlung der Weltkörper Stärkung und Schwächung des Od Das Od als Träger des körperlichen Gefühls Das Od als Spiegel des Schicksals Unsichtbare Nahrungszufuhr (Odspeisung) Quellen des Od für den Geisterverkehr Art der Odverwendung beim Geisterverkehr Gott als die Quelle aller Odkraft Die Verwendung der Odkraft bei dem Geisterverkehr in der Bibel Die odischen Kraftströme am Sinai Die Odwolke im Neuen Testament Die Opfer des Alten Bundes als Odquelle für das Sprechen Gottes Das Offenbarungszelt im Lichte der Odbereitung Der Zweck der medialen Ausbildung Lösung des eigenen Geistes vom Körper des Mediums Der spiritistische Einzelgottesdienst In welchem Falle ist der Spiritismus schädlich? Medien und Medienschulen in der Bibel Die Gefahren für die Medien im Alten Bund Die Ausbildung der Medien im Altertum Die Medien der ersten Christen Der Apostel Paulus über Geisterverkehr und Medien Das Befragen Gottes nach den Berichten der heiligen Schrift Das Befragen Gottes war ständiger Brauch des Gottesvolkes Das Befragen Gottes zur Zeit des Mose, Josua und David Das Befragen der “Toten“ im Sinne der Bibel Die Begriffe „Tot“ und „Tote“ nach der Bibel Der Götzendienst ist ein Befragen der Toten Saul und die Totenbeschwörerin in Endor Kundgebungen der guten Geister über die Fragen der Religion Weitere Irrtümer der Religionen über Gott Die Schöpfung Gottes und ihr Schicksal Die Einheit der geschaffenen Geister Der Abfall eines Teils der Geisterwelt Die Strafe für die Abgefallenen Das Paradies als geistige Sphäre Die Prüfung der Geister im Paradies Die Entscheidung und ihre Folgen Die Besserungsstufen zum Aufstieg der gefallenen Geister Der gefälschte Schöpfungsbericht in der Bibel Die Wahrheit über die Erschaffung des ersten Menschenpaares Die Fortpflanzung des Menschengeschlechts Die nach der Erlösung geschaffenen Geistersphären Die Befreiung der gefallenen Geister durch einen Erlöser Christus – sein Werk und sein Leben Die Christusfrage in meinem Leben Christus als Führer des ersten Menschengeschlechts Christus als Führer der Menschheit nach der Sintflut Israel als Träger des Gottesglaubens Die menschlichen Schwächen Jesu Jesu erste Erkenntnis seiner Gottessohnschaft Jesus Christus – nicht Gott, sondern Gesandter Gottes. Jesus in der Beurteilung seiner Umgebung Die Verbindung Jesu mit der Geisterwelt Die früheren Gottgesandten und die Geisterwelt Die Leiden Jesu in seiner Bedeutung für die Erlösung Fehler in der Bibel in Bezug auf die Kreuzigung Jesu Christi Abstieg in die Hölle und sein Sieg Der Rückweg der Erlösten zu Gott Die Lehre Christi und das heutige Christentum Die Geisterwelt Gottes als Quelle der Wahrheit Menschliche Irrtümer in den Lehren der christlichen Kirchen Es gibt kein unfehlbares Papsttum Es gibt keinen dreipersönlichen Gott Der Ursprung des Menschengeistes und die Erbsünde Die Auferstehung der Toten ist keine Auferstehung der Leiber Die Sendung des Geistes (Firmung) Ehelosigkeit ist nicht von Gott gewünscht Die Bedeutung der Krankensalbung (Letzte Ölung) Das Priestertum der ersten Christen und das heutige Der Geisterverkehr im nachapostolischen Zeitalter und der jetzigen Zeit Die Kundgebungen der Dämonen im heidnischen Götzendienst Trancezustände der christlichen Medien Die Unterscheidung der Geister Das Hellsehen und Hellhören der damaligen Medien Die Ausbildung der damaligen Medien Die spätere „Kirche“ verbietet den Geisterverkehr Die Erlebnisse des evangelischen Pfarrers Blumhardt Die Erlebnisse des katholischen Pfarrers Vianney Der Spiritismus im Lichte der heutigen Wissenschaft Mirabelli als Materialisationsmedium. Das Hellsehen an einem Sterbebett. Besondere Fälle des Hellsehens. _______ *
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