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Jakob
Böhme Aurora oder Morgenröte im Aufgang (1612) das ist: Die Wurzel oder
Mutter der Philosophiae, Astrologiae und
Theologiae aus rechtem Grunde oder Beschreibung der
Natur, wie alles gewesen und im Anfang worden ist: wie die Natur und
Elementa kreatürlich worden sind, auch von beiden Qualitäten, bösen und
guten; woher alle Ding seinen Ursprung hat, und wie es jetzt stehet und
wirket, und wie es am Ende dieser Zeit werden wird; auch wie Gottes und der Höllen
Reich beschaffen ist, und wie die Menschen in jedes kreatürlich wirken. * Alles aus rechtem
Grunde und Erkenntnis des Geistes und im Wallen Gottes mit Fleiß
gestellet durch Jakob Böhmen in
Görlitz, im Jahr Christi
1612, seines Alters 37 Jahr. * Gedruckt im Jahr
des ausgebornen Heils 1730. * * * Günstiger
Leser! V.1. Ich vergleiche
die ganze Philosophiam, Astrologiam und Theologiam samt ihrer Mutter einem
köstlichen Baum, der in einem schönen Lustgarten wächst. V.2. Nun gibt die
Erde, da der Baum inne stehet, dem Baum immer Saft, davon der Baum seine
lebendige Qualität hat; der Baum aber in sich selbst wächst von dem Saft der
Erden und wird groß und breitet sich aus mit seinen Ästen. V.3. Nun, gleichwie
die Erde mit ihrer Kraft an dem Baum arbeitet, daß derselbe wachse und
zunehme, also arbeitet der Baum stets mit seinen Ästen aus ganzem Vermögen,
daß er möchte immer viel guter Früchte bringen. V.4. Wenn aber der
Baum wenig Früchte bringet, dazu ganz klein, madig und wurmstichig, so ist
die Schuld nicht an des Baumes Willen, daß derselbe vorsätzlich begehre böse
Früchte zu tragen, dieweil er ein köstlicher Baum guter Qualität ist, sondern
die Schuld ist, daß oft große Kälte, Hitze, Mehltau, Rauben und Ungeziefer
auf ihn fällt; denn die Qualität in der Tiefe, von den Sternen ausgeworfen,
verderbet ihn, daß er wenig guter Früchte bringet. V.5. Nun hat aber der
Baum diese Art an sich, daß je größer und älter der Baum wird, je süßere
Frucht träget er. In seiner Jugend träget er wenig Früchte, denn das macht
die rauhe und wilde Art des Erdbodens und überlei Feuchte in dem Baum. Und ob
er gleich schön blühet, so fallen doch im Gewächse seine Äpfel meistens ab,
es sei denn Sache, daß er gar in einem gutem Acker stehet. V.6. Nun hat der Baum
auch eine gute, süße Qualität an sich, dagegen auch drei andere dem zuwider,
als bitter, sauer und herbe. Nun, wie der Baum ist, also werden auch seine
Früchte, bis sie die Sonne wirket und süße machet, daß sie einen lieblichen Geschmack
bekommen, und müssen seine Früchte bestehen im Regen, Wind und Ungewitter. V.7. Wenn aber der
Baum alt wird, daß seine Äste verdorren, daß der Saft nicht mehr in die Höhe
kann, so wachsen unten um den Stamm viel grüne Zweiglein aus, letztlich auch
auf der Wurzel, und verklären den alten Baum, wie er auch ein schönes grünes
Zweiglein und Bäumlein gewesen ist und nun gar alt worden. Denn die Natur
oder der Saft wehret sich, bis der Stamm gar dürre wird. Dann wird er
abgehauen und im Feuer verbrannt. V.8. Nun merke, was
ich mit diesem Gleichnis angedeutet habe: Der Garten dieses Baums bedeutet
die Welt, der Acker die Natur, der Stamm des Baumes die Sterne, die Äste die
Elementa, die Früchte, so auf diesem Baume wachsen, bedeuten die Menschen,
der Saft in dem Baume bedeutet die klare Gottheit. Nun sind die Menschen aus
der Natur, Sternen und Elementen gemacht worden. Gott der Schöpfer aber
herrschet in allen, gleichwie der Saft in dem ganzen Baume. V.9. Die Natur aber
hat zwo Qualitäten in sich bis in das Gerichte Gottes, eine liebliche,
himmlische und heilige, und eine grimmige, höllische und durstige. V.10. Nun qualifizieret
und arbeitet die gute immer mit ganzem Fleiß, daß sie gute Früchte bringe.
Darinnen herrschet der Hl. Geist und gibt dazu Saft und Leben. Die böse
quillet und treibet auch mit ganzem Fleiße, daß sie immer böse Früchte
bringt. Dazu gibt ihr der Teufel Saft und höllische Loh. V.11. Nun dieses beides
ist in dem Baum der Natur, und die Menschen sind aus dem Baum gemacht und
leben in dieser Welt, in diesem Garten zwischen beiden in großer Gefahr, und
fällt auf sie bald Sonnenschein, bald Regen, Wind und Schnee. V.12. Das ist, so der
Mensch seinen Geist erhebt in die Gottheit, so quillet und qualifizieret in
ihm der Heilige Geist und der höllische Saft. V.13. Gleichwie der
Apfel auf dem Baum madig und wurmstichig wird, wenn Frost, Hitze und Mehltau
auf ihn fällt, und leicht abfällt und verdirbet, also auch der Mensch, wenn
er läßt den Teufel mit seinem Gift in ihm herrschen. V.14. Nun gleichwie in
der Natur Gutes und Böses quillet, herrschet und ist, also auch im Menschen.
Der Mensch aber ist Gottes Kind, den er aus dem besten Kern der Natur gemacht
hat, zu herrschen in dem Guten und zu überwinden das Böse. Ob ihm gleich das
Böse anhanget, gleichwie in der Natur das Böse am Guten hanget, so kann er
doch das Böse überwinden. So er seinen Geist in Gott erhebet, so quillet in
ihm der Heilige Geist und hilft ihm siegen. V.15. Gleichwie die
gute Qualität in der Natur mächtig ist zu siegen über die böse, denn sie ist
und kommt aus Gott und der Heilige Geist ist Herrscher darinnen, also auch
ist die grimme Qualität mächtig zu siegen in der boshaftigen Seelen; denn der
Teufel ist ein mächtiger Herrscher in der Grimmigkeit und ist ein ewiger Fürst
derselben. V.16. Der Mensch aber
hat sich selbst in die Grimmigkeit geworfen durch den Fall Adams und Hevas,
daß ihm das Böse anhänget, sonst wäre sein Quell und Trieb allein in dem
Guten. Nun aber ists in beiden und heißet nun, wie St. Paulus saget: Wisset
ihr nicht welchem ihr euch begebet zu Knechten in Gehorsam, des Knecht seid
ihr, dem ihr gehorsam seid, entweder der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam
Gottes zur Gerechtigkeit (Rom 6,16). V.17. Weil aber der
Mensch in beiden den Trieb hat, so mag er greifen, zu welchem er will; denn
er lebet in dieser Welt zwischen beiden und sind beide Qualitäten Bös und Gut
in ihm, in welches der Mensch wallet, damit wird er angetan in heilige oder
höllische Kraft. V.18. Denn Christus
spricht: Mein Vater will den Heiligen Geist geben denen, die ihn darum bitten
(Luk 11,13). Auch so hat Gott dem Menschen das Gute befohlen und das Böse
verboten und lässet noch täglich predigen, rufen und schreien und den
Menschen vermahnen zum Guten. Dabei man ja wohl erkennet, daß Gott das Böse
nicht will, sondern will, daß sein Reich zukomme und sein Wallen geschehe,
wie im Himmel als auch auf Erden. V.19. Weil aber der
Mensch durch die Sünde vergiftet, daß die grimme Qualität sowohl als die gute
in ihm herrschet und nun halb tot und mit großem Unverstand Gott seinen
Schöpfer sowohl auch die Natur und ihre Wirkung nicht mehr erkennen kann, so
hat die Natur ihren höchsten Fleiß vom Anfang bis auf heute angeleget, dazu
hat Gott seinen Heiligen Geist gegeben, daß sie je und allewege hat weise,
heilige und verständige Menschen geboren und zugerichtet, welche die Natur
sowohl Gott, ihren Schöpfer haben lernen erkennen, welche allezeit mit ihrem
Schreiben und Lehren der Welt Licht sind gewesen. Damit hat Gott seine Kirche
auf Erden zugerichtet zu seinem ewigen Lobe. Dagegen hat der Teufel gewütet
und getobet und manchen edlen Zweig verderbet durch die Grimmigkeit in der
Natur, welches Fürst und Gott er ist. V.20. Wenn die Natur
hat oft einen gelehrten, verständigen Menschen zugerichtet mit schönen Gaben,
so hat der Teufel seinen höchsten Fleiß daran geleget, daß er denselben
verführet in fleischliche Lüste, in Hoffart, in Begierde reich zu sein und
Gewalt zu haben. Damit hat der Teufel in ihm geherrschet und hat die grimme
Qualität die gute überwunden und ist aus seinem Verstande und aus seiner
Kunst und Weisheit Ketzerei und Irrtum gewachsen, welcher der Wahrheit
gespottet und große Irrtum auf Erden angerichtet hat und ist dem Teufel ein
guter Heerführer gewesen. V.21. Denn die böse
Qualität in der Natur hat vom Anfang und noch immer mit der guten gerungen
und sich emporgehoben und manche edle Frucht im Mutterleibe verderbet, wie
solches klar zu sehen ist erstlich bei Kain und Habel, die aus einer Mutter
Leibe kamen. Kain war von Mutterleibe ein Verächter Gottes und hoffärtig,
dagegen Habel ein demütiger Gott-fürchtiger Mensch. So siehet mans auch bei
den Söhnen Noae sowohl auch bei Abraham mit Isaak und Ismael, sonderlich aber
beim Isaak mit Esau und Jakob, welche sich im Mutterleibe gestoßen und
gerungen, darum auch Gott saget: Jakob habe ich geliebet und Esau gehasset
(Gen 25,23). Ist anders nichts, denn daß beide Qualitäten in der Natur haben
heftig miteinander gerungen. V.22. Denn als Gott in
der Natur zur selben Zeit wallete und wollte sich der Welt offenbaren durch
den frommen Abraham, Isaak und Jakob und wollte ihm eine Kirche auf Erden
zurichten zu seiner Glorie und Herrlichkeit, so wallete in der Natur auch mit
die Bosheit und derselben Fürst Luzifer. Weil denn in dem Menschen
Böses und Gutes war, so konnten beide Qualitäten in ihm regieren. Derowegen
ward ein böser und ein guter Mensch in einer Mutter auf einmal geboren. V.23. Auch so ist es
bei der ersten Welt, sowohl auch an der andern bis ans Ende unserer Zeit klar
zu sehen, wie das himmlische und höllische Reich in der Natur hat je und
allewege miteinander gerungen und in großer Arbeit gestanden, als ein Weib in
der Geburt. V.24. Bei Adam und Heva
ist es am lautersten zu sehen; denn da wuchs ein Baum im Paradies auf von
beider Qualität, Böses und Gutes. Da sollten Adam und Heva versucht werden,
ob sie könnten in der guten Qualität, in engelischer Art und Form bestehen.
Denn der Schöpfer verbot Adam und Heva, von der Frucht zu essen. Aber die
böse Qualität in der Natur rang mit der guten und brachte Adam und Heva in
Lust, von beiden zu essen. Darum bekamen sie auch bald zur Stunde tierische
Art und Form und aßen von Bös und Gut und mußten sich auf tierische Art
mehren und leben, und verdarb mancher edler Zweig, von ihnen geboren. V.25. Hernach sieht
man, wie Gott in der Natur gewirket, als die heiligen Väter in der ersten
Welt geboren, als Abel, Seth, Enos, Kenan, Mahalalel, Jared, Henoch,
Methusalem, Lamech und der heilige Noah. Die haben der Welt des Herren Namen
verkündiget und Buße geprediget, denn der Hl. Geist hat in ihnen gewirket. V.26. Dagegen hat der
höllische Gott auch gewirket in der Natur und Spötter und Verächter geboren,
erstlich Kain und seine Nachkommen, und ist mit der ersten Welt gegangen wie
mit einem jungen Baume; der wächset, grünet und blühet schön, bringet aber
wenig guter Früchte von wegen seiner linden Art. Also brachte die Natur in
der ersten Welt wenig guter Früchte, ob sie gleich schön blühete in
weltlicher Kunst und Üppigkeit; denn das konnte der Hl. Geist nicht
ergreifen, der auch diesmal in der Natur sowohl als jetzt hat gewirket. V.27. Darum sprach
Gott: Es reuet mich, daß ich die Menschen gemacht habe (Gen 6,6), und erregte
die Natur, daß alles Fleisch starb, was im Trocknen lebet bis auf die Wurzel
und Stamm, der blieb stehn, und hat hiemit den wilden Baum gedünget und
angerichtet, daß derselbe sollte bessere Früchte tragen. Aber als derselbe
wieder grünete, brachte er bald wieder gute und böse Früchte bei den Söhnen
Noah. Da fanden sich bald wieder Spötter und Verächter Gottes und wuchs kaum
ein guter Ast in dem Baum, der heilige, gute Früchte brachte; die andern Äste
trugen und brachten die wilden Heiden. V.28. Als aber Gott
sah, daß der Mensch also in seiner Erkenntnis erstorben war, bewegete er die
Natur abermal und zeigete den Menschen, wie in derselben wäre Böses und
Gutes, damit sie das Böse fliehen und in dem Guten leben sollten, und ließ
Feuer aus der Natur fallen und zündete an Sodom und Gomorrah zum
schrecklichen Exempel der Welt. V.29. Als aber der
Menschen Blindheit überhand nahm und sich Gottes Geist nicht wollten lehren
lassen, gab er ihnen Gesetze und Lehre, wie sie sich halten sollten, und
bestätigte die mit Wunder und Zeichen, damit nicht erlösche die Erkenntnis
des rechten Gottes. V.30. Aber das Licht
wollte hiemit auch nicht an Tag kommen, denn die Finsternis und Grimmigkeit
in der Natur wehrete sich und derselben Fürst regierete gewaltiglich. V.31. Als aber der Baum
der Natur in sein Mittelalter kam, da hub er an und trug etliche milde, süße
Früchte, anzuzeigen, daß er hinfort würde liebliche Früchte tragen. Denn da
wurden die heiligen Propheten geboren aus dem süßen Ast des Baumes. Die
lehreten und predigten von dem Licht, welches künftig die Grimmigkeit in der
Natur überwinden würde. V.32. Auch so ging
unter den Heiden ein Licht in der Natur auf, daß sie erkenneten die Natur und
ihre Wirkung, wiewohl dieses nur ein Licht in der wilden Natur war, und noch
nicht das heilige Licht; denn die wilde Natur war noch nicht überwunden und
rang Licht und Finsternis so lange miteinander, bis die Sonne aufging und
zwang diesen Baum mit ihrer Hitze, daß er liebliche, süße Früchte trug. V.33. Das ist, bis da
kam der Fürst des Lichts aus dem Herzen Gottes, und ward ein Mensch in der
Natur und rang in seinem menschlichen Leibe in Kraft des göttlichen Lichts in
der wilden Natur. V.34. Derselbe Fürsten-
und königliche Zweig wuchs auf in der Natur und wurde ein Baum in der Natur
und breitete seine Äste aus von Orient bis in Occident und umfassete die
ganze Natur, rang und kämpfte mit der Grimmigkeit, die in der Natur war, und
mit derselben Fürsten, bis daß er überwand und triumphierte als ein König der
Natur und nahm den Fürsten der Grimmigkeit gefangen in seinem eigenen Hause
(Ps 68,19). V.35. Als dieses
geschah, da wuchsen aus dem königlichen Baume, der in der Natur gewachsen
war, viel tausend Legionen köstlicher süßer Zweiglein, die hatten alle den
Geruch und Geschmack des köstlichen Baums. Und ob gleich auf sie fiel Regen,
Schnee, Hagel und Ungewitter, daß manches Zweiglein vom Baum gerissen und
geschlagen ward, noch wuchsen immer andere Zweiglein. Denn die Grimmigkeit in
der Natur und derselben Fürst erregete groß Ungewitter mit Hageln, Donnern,
Blitzen und Regen, daß ja oft viel herrlicher Zweiglein von dem süßen und
guten Baum abgerissen wurden. Aber dieselben Zweiglein schmeckten also
holdselig, süß und freudenreich, daß keines Menschen noch Engels Zunge
aussprechen kann; denn sie hatten große Kraft und Tugend in sich. Sie
dieneten zur Gesundheit der wilden Heiden. Welcher Heide von den Zweiglein
dieses Baums aß, der ward entlediget von der wilden Art der Natur, darinnen
er geboren war, und ward ein süßer Zweig in dem köstlichen Baum und grünete
in dem Baum und trug köstliche Früchte wie der königliche Baum. V.36. Darum liefen
viele Heiden zu dem köstlichen Baum, da die köstlichen Zweiglein lagen,
welche der Fürst der Finsternis hatte mit seinen Sturrnwinden abgerissen, und
welcher Heide an diese abgerissene Zweiglein roch, der ward gesund von der
wilden Grimmigkeit, die ihm von seiner Mutter geboren war. V.37. Als aber der
Fürst der Finsternis sah, daß sich die Heiden um die Zweiglein rissen und
nicht um den Baum und sah seinen großen Verlust und Schaden, so ließ er ab
vom Sturm gegen Aufgang und Mittag und stellete einen Kaufmann unter den
Baum, der las die Zweiglein auf, die von dem köstlichen Baume waren gefallen.
V.38. Und wann denn die
Heiden kamen und frageten nach den guten und kräftigen Zweiglein, so bot der
Kaufmann dieselben an, ums Geld zu verkaufen, damit er Wucher von dem
köstlichen Baum hätte. Denn solches forderte der Fürst der Grimigkeit von
seinem Kaufmanne, darum weil ihm der Baum in seinem Lande gewachsen war und
verderbete seinen Acker. V.39. Als nun die
Heiden sahen, daß die Frucht von dem köstlichen Baume ums Geld zu verkaufen
feil war, liefen sie haufenweise zu dem Kramer und kauften von der Frucht des
Baumes und kamen auch von fernen Insulen dahin zu kaufen, ja von der Welt
Ende. V.40. Als nun der
Kramer sah, daß seine Ware so viel galt, auch so angenehm war, erdachte er
ihm eine List, damit er seinem Herrn möchte einen großen Schatz sammeln und
schickte Kaufleute aus in alle Lande und ließ seine Ware feilbieten und
hochloben. Aber er verfälschte die Ware und verkaufte andere Frucht für die
gute, die nicht auf dem guten Baum gewachsen war, darum daß seines Herrn
Schatz nur groß würde. V.41. Die Heiden aber
und alle Insulen und Völker, die auf Erden wohneten, waren alle aus dem
wilden Baume gewachsen, der da gut und böse war. Darum waren sie halb blind
und sahen den guten Baum nicht, der doch seine Äste ausstreckte vom Aufgang
bis zum Niedergang, sonst hätten sie die falsche Waren nicht gekauft. V.42. Weil sie aber den
köstlichen Baum nicht kannten, der doch seine Äste über sie alle ausstreckte,
so liefen sie allen den Krämern nach und kauften vermengte falsche Ware für
gute und vermeineten, sie dienete zur Gesundheit. Weil sie aber alle so hart
nach dem guten Baum lüsterten, der doch über ihnen allen schwebete, machte sie
gesund von ihrer Grimmigkeit und wilden Geburt und nicht des Krämers falsche
Ware. Das währete eine lange Zeit. V.43. Als nun der Fürst
in der Finsternis, der da ist der Quell der Grimmigkeit, Bosheit und
Verderbens, sah, daß die Menschen gesund wurden von seinem Gift und wilden
Art, von dem Geruch des köstlichen Baums, ward er zornig und pflanzete einen
wilden Baum gegen Mitternacht, der wuchs aus der Grimmigkeit in der Natur,
und ließ ausrufen: Das ist der Baum des Lebens; wer davon isset, der wird gesund
und lebet ewiglich! Denn an dem Orte, da der wilde Baum wuchs, war eine wilde
Stätte; und die Völker daselbst hatten das rechte Licht aus Gott von Anfang
bis zur selben Zeit, und auch noch heute nicht erkannt; und der Baum wuchs am
Berge Hagar, in dem Hause Ismaels, des Spötters. V.44. Da aber
ausgerufen war von dem Baum: Siehe, das ist der Baum des Lebens, da liefen
die wilden Völker zu dem Baum, die nicht waren aus Gott geboren, sondern aus
der wilden Natur, und liebeten den wilden Baum, und aßen von seiner Frucht.
Und der Baum wuchs und ward groß von dem Saft der Grimmigkeit in der Natur,
und breitete seine Äste aus von Mitternacht gegen Morgen und Abend. Der Baum
aber hatte seinen Quell und Wurzel aus der wilden Natur, die da bös und gut
war; und wie der Baum war, also war auch seine Frucht. V.45. Weil aber die
Menschen dieses Orts alle aus der wilden Natur waren gewachsen, so wuchs der
Baum über sie alle, und ward also groß, daß er mit seinen Ästen reichete bis
in das werte Land unter den heiligen Baum. V.46. Das war aber die
Ursache, daß der wilde Baum so groß ward: Die Völker unter dem guten Baum
liefen alle den Krämern nach, die die falsche Ware verkauften, und aßen von
der falschen Frucht, die auch bös und gut war, und vermeineten, sie würden dadurch
gesund werden; und ließen den heiligen guten, kräftigen Baum immer stehen.
Indes wurden sie immer blinder, matter und schwächer und konnten dem wilden
Baum gegen Mitternacht nicht wehren, daß er nicht wuchs. Denn sie waren viel
zu matt und schwach. Sie sahen wohl, daß es ein wilder, böser Baum war, aber
sie waren zu matt und schwach und konnten ihm sein Gewächses nicht wehren. So
sie aber nicht wären den Krämern mit der falschen Ware nachgelaufen und
hätten von der falschen Frucht gessen, sondern hätten von dem köstlichen Baum
gessen, so wären sie kräftig worden, dem wilden Baum Widerstand zu tun. V.47. Weil sie aber der
wilden Natur im Menschentand nachhureten in ihres Herzens Gelüste, in
Heuchelei, so herrschete auch die wilde Natur über sie und wuchs der wilde
Baum hoch und weit über sie, und verderbte sie mit seiner wilden Kraft. V.48. Denn der Fürst
der Grimmigkeit in der Natur gab dem Baum seine Kraft, zu verderben die
Menschen, die von des Kramers wilder Frucht aßen. Dieweil sie verließen den
Baum des Lebens und suchten eigene Klugheit wie Mutter Heva im Paradies; so
herrschte ihre angeborne eigne Qualität über sie und gerieten in solchen
kräftigen Irrtum, wie St. Paulus saget (2.Thess 2,11). V.49. Und der Fürst der
Grimmigkeit erregte Krieg und Sturmwinde von dem wilden Baum gegen
Mitternacht über die Völker, die nicht aus dem wilden Baum geboren waren; und
sie fielen in ihrer Mattigkeit und Schwachheit für Ungewitter, das aus dem
wilden Baum ging. V.50. Und der Kaufmann
unter dem guten Baum heuchelte mit den Völkern gegen Mittag und Abend und
gegen Mitternacht und lobete seine Ware hoch und betrog die Einfältigen mit
List. Und die Klugen machte er zu seinen Kaufleuten und Krämern, daß sie
ihren Gewinn auch davon hatten, bis daß ers dahin brachte, daß niemand den
heiligen Baum mehr recht sah und erkannte, und er das Land zum Eigentum
kriegte. V.51. Da ließ er
ausrufen: (2.Thess 2,4) Ich bin der Stamm des guten Baums und stehe auf der
Wurzel des guten Baums und bin eingepfropft in den Baum des Lebens. Kaufet
meine Ware, die ich euch verkaufe, so werdet ihr gesund werden von eurer
wilden Geburt und ewig leben. Ich bin aus der Wurzel des guten Baums
gewachsen und habe die Frucht des Hl. Baums in meiner Gewalt und sitze auf
dem Stuhl der göttlichen Kraft und habe Gewalt im Himmel und auf Erden;
kommet zu mir und kaufet euch ums Geld von der Frucht des Lebens! V.52. Da liefen alle
Völker zu und kauften und aßen, bis sie verschmachteten. Alle Könige von
Mittag, Abend und gegen Mitternacht aßen von des Kramers Frucht und lebeten
in großer Ohnmacht; denn der wilde Baum von Mitternacht wuchs je länger je
sehrer über sie und vertilgete sie eine lange Zeit. Und er war eine elende
Zeit auf Erden, als nicht gewesen war, weil die Welt gestanden. Aber die Menschen
meineten, es wäre gute Zeit, so hart hatte sie der Kaufmann unter dem guten
Baum verblendet. V.53. Am Abend aber
jammerte die Barmherzigkeit Gottes der Menschen Elend und Blindheit und
bewegte abermal den guten Baum, den herrlichen göttlichen Baum, der die
Frucht des Lebens trug. Da wuchs ein Zweig nahe bei der Wurzel aus dem
köstlichen Baume und grünete, und ihm ward gegeben des Baums Saft und Geist,
und redete mit Menschenzungen und zeigete jedermann den köstlichen Baum und
seine Stimme erscholl weit in viel Länder. V.54. Da liefen die
Menschen, zu sehen und hören, was da wäre. Da ward ihnen gezeiget der
köstliche und tugendreiche Baum des Lebens, davon die Menschen im Anfang
gessen hatten, und waren entlediget worden von ihrer wilden Geburt. V.55. Und sie wurden
hoch erfreuet und aßen von dem Baum des Lebens mit großer Freude und
Erquickung, und kriegten neue Kraft von dem Baum des Lebens, und sungen ein
neu Lied von dem wahrhaftigen Baum des Lebens, und wurden entlediget von der
wilden Geburt und hasseten den Kaufmann mit seinen Krämern und falscher Ware.
V.56. Es kamen aber
alle, die da hungerte und dürstete nach dem Baum des Lebens, und die im
Staube saßen, und aßen von dem heil. Baum, und wurden gesund von ihrer
unreinen Geburt und von der Natur Grimmigkeit, darinnen sie lebeten, und
wurden eingepfropft in den Baum des Lebens. V.57. Allein die Krämer
des Kaufmanns und ihre Heuchler, und die ihren Wucher hatten mit der falschen
Ware getrieben und ihre Schätze gesammlet, kamen nicht; denn sie waren im
Wucher der Hurerei des Kaufmanns ersoffen und im Tode erstorben und lebeten
in der wilden Natur; und die Angst und Schande, die da aufgedeckt ward, hielt
sie zurück, daß sie hatten mit dem Kaufmann so lange gehuret und die Seelen
der Menschen verführet; da sie doch rühmeten, sie wären in den Baum des
Lebens eingepfropft und lebeten in göttlicher Kraft, in Heiligkeit, und
trügen die Frucht des Lebens feil. V.58. Weil nun offenbar
ward ihre Schande, Betrug, Geiz und Schalkheit, verstummten sie und blieben
zurücke und schämten sich, daß sie hätten Buße getan für ihre Greuel und
Abgötterei und wären mit den Hungerigen und Durstigen zu dem Brunnquell des
ewigen Lebens gegangen. Darum verschmachteten sie auch in ihrem Durste, und
ihre Qual steiget auf von Ewigkeit zu Ewigkeit und ihr Gewissen naget sie. V.59. Da nun der
Kaufmann sah mit der falschen Ware, daß sein Betrug war offenbar worden, ward
er sehr zornig und verzagt und richtete seinen Bogen wider das heilige Volk,
das seine Ware nicht mehr kaufen wollte, und tötete viel des heiligen Volks
und lästerte wider den grünen Zweig, der aus dem Baum des Lebens war
gewachsen. Aber der Großfürst Michael, der vor Gott stehet, kam und stritt
für das heilige Volk und siegete. V.60. Als aber der
Fürst aus der Finsternis sah, daß sein Kaufmann war gefallen und sein Betrug
offenbar worden, erregte er das Sturmwetter von Mitternacht aus dem wilden
Baum gegen das heilige Volk, und der Kaufmann von Mittage stürmete auch wider
sie. Da wuchs das heilige Volk sehr und hoch im Blute. Gleichwie es war im
Anfang, da der heilige und köstliche Baum wuchs, der überwand die Grimmigkeit
in der Natur und ihren Fürsten, also war es auch zu der Zeit. V.61. Als, nun der edle
und heilige Baum allem Volk war offenbar worden, daß sie sahen, wie er über
ihnen allen schwebete und seinen Schmack über alle Völker ausstreckte und
mochte davon essen, wer da wollte; da ward das Volk überdrüssig zu essen von
seiner Frucht, die auf dem Baum wuchs, und lüsterten nach der Wurzel des
Baumes zu essen, und die Klugen und Weisen suchten die Wurzel und zanketen um
dieselbe. Und der Streit um die Wurzel des Baumes ward groß, also daß sie
vergaßen, von der Frucht des süßen Baums zu essen, von wegen des Zanks um die
Wurzel des Baums. V.62. Es war ihnen aber
nicht um die Wurzel noch um den Baum zu tun, sondern der Fürst in der
Finsternis hatte ein anders im Sinne, weil er sah, daß sie nicht mehr von dem
guten Baum essen wollten, sondern zankten um die Wurzel, sah wohl, daß sie
gar matt und schwach worden und daß die wilde Natur wieder in ihnen
herrschete. Darum bewegte er sie nun zur Hoffart, daß ein jeder meinete, er
hätte die Wurzel beim Stiele, man sollte auf ihn sehen und hören und ihn
ehren. Damit baueten sie ihre Palast-Häuser und dieneten heimlich dem Abgott
Mammon. Dadurch wurde der Laienstand geärgert, und lebeten in ihres Fleisches
Lust, in Begierde der wilden Natur und dieneten dem Bauch in Üppigkeit,
verließen sich auf die Frucht des Baumes, die über ihnen allen schwebete, ob
sie gleich in Verderben gerieten, daß sie dadurch möchten wieder gesund
werden. Und dieneten unterdessen dem Fürsten der Finsternis nach der wilden
Natur Trieb. Und der köstliche Baum mußte ihnen nur zum Schauspiegel
dastehen, und ihrer viel lebeten gleich den wilden Tieren und führeten ein
böses Leben in Hoffart, Pracht und Üppigkeit; und der Reiche verzehrte dem
Armen seinen Schweiß und Arbeit und drängte ihn noch dazu. V.63. Alle bösen Taten
wurden durch Geschenke gut. Die Rechte flossen aus der bösen Qualität in der
Natur; ein jeder trachtete nach viel Geld und Gut, nach Hoffart, Prassen und
Prangen. Der Elende hatte keine Errettung. Schelten, Fluchen, Schwören wurde
für kein Laster gehalten, und fühleten sich in der grimmen Qualität wie eine
Sau im Kote. Solches taten die Hirten mit den Schafen und behielten nicht
mehr den Namen von dem edlen Baume. Seine Frucht, Kraft und Leben mußte ihrer
Sünden Deckel sein. V.64. Also lebete die
Welt zur selben Zeit bis auf ein kleines Häuflein. Das ward geboren mitten
unter den Dornen, in großer Trübsal und Verachtung, aus allem Volk auf Erden,
von Orient bis in Occident. Da war kein Unterschied; sie lebeten alle im
Trieb der wilden Natur in Ohnmacht bis auf ein kleines Häuflein, das ward
errettet aus allen Völkern. Wie es war vor der Sintflut und vor Aufgang des
edlen Baums in die Natur und in der Natur, also auch zu der Zeit. V.65. Daß aber die
Menschen am Ende also hart nach des Baums Wurzel lästerten, ist ein
Geheimnis, Mysterium, und den Klugen und Weisen bisher verborgen gewesen, wird
auch nicht in der Höhe aufgehen, sondern in der Tiefe in großer Einfalt,
gleichwie der edle Baum mit seinem Kern und Herzen allezeit ist den
Weltklugen verborgen gewesen, ob sie gleich gemeinet haben, sie stünden auf
des Baums Wurzel und Spitze, so ist es doch nicht mehr als ein lichter Dunst
vor ihren Augen gewesen. V.66. Es hat aber der
edle Baum vom Anfang bis auf heute mit höchstem Fleiß in der Natur
gearbeitet, daß er möchte offenbar werden allen Völkern, Zungen und Sprachen.
Dawider hat der Teufel in der wilden Natur gewütet und getobet und sich
gewehret als ein grimmiger Löwe. Aber der edle Baum brachte je länger je
süßere Früchte und offenbarte sich je länger je sehrer wider alles Wüten und
Toben des Teufels, bis ans Ende; da ward es lichte. V.67. Denn es wuchs ein
grünes Zweiglein auf der Wurzel des edlen Baums und kriegte der Wurzel Saft
und Leben, und ihm ward gegeben des Baums Geist, und verklärete den edlen
Baum in seiner herrlichen Kraft und Macht, dazu die Natur, darinne er
gewachsen war. V.68. Als nun dieses
geschah, da gingen in der Natur beide Türen auf: die Erkenntnis beider
Qualitäten, Böses und Gutes, und ward offenbar das himmlische Jerusalem,
sowohl der Höllen Reich, allen Menschen auf Erden. Und das Licht und die
Stimme erscholl in die vier Winde, und der falsche Kaufmann vom Mittage ward
ganz offenbar und die Seinen hasseten ihn und rotteten ihn aus von der Erden.
V.69. Als nun dieses
geschah, da verdorrete auch der wilde Baum gegen Mitternacht, und alles Volk
sah den heiligen Baum auch in fernen Inseln mit Verwundern. Und der Fürst in
der Finsternis ward offenbar und seine Geheimnisse wurden aufgedeckt und
seine Schande und Spott und Verderben sahen und erkenneten die Menschen auf
Erden, denn es war lichte worden. Aber das währete eine kleine Zeit, so
ließen die Menschen das Licht und lebeten in ihres Fleisches Lust zum
Verderben; denn gleichwie sich die Tür des Lichts hatte aufgetan, also auch
die Tür der Finsternis, und gingen aus beiden allerlei Kräfte und Künste, was
darinne war. V.70. Gleichwie die
Menschen vom Anfang her hatten gelebet im Gewächse der wilden Natur, und nur
nach irdischen Dingen getrachtet, also wollte es auch am Ende nicht besser,
sondern nur ärger werden. V.71. Im Mittel dieser
Zeit wurden viel große Sturmwetter erreget vom Abend gegen Morgen und
Mitternacht, von Mitternacht aber ging ein großer Wasserstrom aus gegen den
heiligen Baum und verderbete viel Zweige an dem heiligen Baume, und mitten im
Strom ward es lichte, und verdorrete der wilde Baum gegen Mitternacht. V.72. Und der Fürst in
der Finsternis ward ergrimmet in der großen Beweglichkeit der Natur; denn der
heilige Baum wallete in der Natur, als der sich jetzt bald erheben und in
Glorifizierung der heiligen göttlichen Majestät anzünden wollte und den Grimm
von sich gebären, der ihm so lange war entgegengestanden und mit ihm gerungen
hatte. V.73. Desgleichen
wallete der Baum der Finsternis, Grimmigkeit und Verderbens auch grausam, als
der jetzt bald sollte angezündet werden und darinnen der Fürst mit seinen
Legionen ausging, zu verderben die edle Frucht von dem guten Baume. V.74. Und es stund in
der Natur schrecklich in der grimmen Qualität, in der Qualität, darinnen der
Fürst der Finsternis wohnet, menschlich zu reden: gleich als wenn man siehet ein
grausam schrecklich Wetter aufziehen, das sich greulich und schrecklich
erzeiget, mit vielen Wetterleuchten und Sturmwinden, da man sich entsetzet. V.75. Dagegen stund es
in der guten Qualität, in welcher der heilige Baum des Lebens stund, gar
lieblich, süße und wonnereich, gleich der himmlischen Freuden-Reich. Dieses
beides wallete heftig widereinander, also hart, bis da angezündet wurde die
ganze Natur, beide Qualitäten in einem Augenblick. V.76. Und der Baum des
Lebens ward angezündet in seiner eigenen Qualität mit dem Feuer des Hl.
Geistes, und seine Qualität brannte im Feuer der himmlischen Freuden-Reich,
die in der guten Qualität waren von Ewigkeit gewesen; und das Licht der
heiligen Trinität leuchtete in dem Baum des Lebens und erfüllete die ganze
Qualität, darinnen er stund. V.77. Und der Baum der
grimmen Qualität, welches ist das ander Teil in der Natur, ward auch
angezündet, und brannte im Feuer des Zorns Gottes mit höllischer Lohe; und
der grimme Quell stieg auf in Ewigkeit, und der Fürst der Finsternis mit
seinen Legionen blieb in der grimmen Qualität, als in seinem eigenen Reiche.
In diesem Feuer verging die Erde, die Sterne und Elementa; denn es brannte
alles zugleich, ein jedes in dem Feuer seiner eigenen Qualität, und wurde
alles schiedlich. V.78. Denn der Alte
bewegte sich, in dem da ist alle Kraft und alle Kreaturen und alles, was
genannt mag werden. Und die Kräfte von dem Himmel, von den Sternen und
Elementen wurden wieder dünne und in die Gestalt formieret, wie sie vorm
Anfang der Schöpfung waren. Allein die zwei Qualitäten bös und gut, die in
der Natur waren ineinander gewesen, die wurden voneinander geschieden, und
war die böse dem Fürsten der Bosheit und Grimmigkeit zur ewigen Behausung
gegeben, und das heißt die Hölle oder Verwerfung, welche die gute Qualität in
Ewigkeit nicht mehr ergreift oder berühret, eine Vergessung alles Guten, und
das in seine Ewigkeit. V.79. In der andern
Qualität stund der Baum des ewigen Lebens, und ihr Quell rühret her aus der
Hl. Trinität und der Hl. Geist leuchtet darinnen. Und es gingen herfür alle
Menschen, die von Adams des ersten Menschen Lenden kommen waren, ein jeder in
seiner Kraft und in der Qualität, darinnen er auf Erden gewachsen war. Die da
hatten auf Erden von dem guten Baum gessen, der da heißt Jesus Christus, in
denen war die Barmherzigkeit Gottes gequollen zur ewigen Freude, die hatten
die Kraft der guten Qualität in sich; die wurden aufgenommen in die gute und
heilige Qualität und sungen das Lied ihres Bräutigams, ein jeder in seiner Stimme
nach seiner Heiligkeit. V.80. Die aber im Licht
der Natur und des Geistes waren geboren und auf Erden den Baum des Lebens nie
recht erkannt hatten, waren aber in seiner Kraft gewachsen, der über alle
Menschen auf Erden hatte geschaltet, als da sind viel Heiden und Völker und
Unmündige; die wurden auch aufgenommen in derselben Kraft, darinnen sie
gewachsen waren und damit ihr Geist bekleidet war, und sungen das Lied ihrer
Kraft von dem edlen Baum des ewigen Lebens; denn ein jeder wurde nach seiner
Kraft glorifizieret. V.81. Und die heilige
Natur gebar freudenreiche, himmlische Früchte, gleichwie sie auf Erden hatte
in beider Qualität irdische geboren, die da bös und gut waren. Also gebar sie
jetzt himmlische, freudenreiche. Und die Menschen, die jetzt den Engeln
gleich waren, aßen ein jeglicher von der Frucht seiner Qualität und sungen
das Lied Gottes und das Lied von dem Baum des ewigen Lebens. Und das war in
dem Vater wie ein heiliges Spiel, eine triumphierende Freude; denn dazu waren
alle Dinge im Anfang aus dem Vater gemacht und bleibet nun in seine Ewigkeit
also. V.82. Die aber auf
Erden waren in Kraft des Zorn-Baums gewachsen, das ist, die die grimme
Qualität hatte überwunden und waren verdorret in der Bosheit ihres Geistes in
ihren Sünden, die gingen auch alle herfür, ein jeder in seiner Kraft, und
wurden aufgenommen in das Reich der Finsternis. Und ein jeder ward angetan in
der Kraft, darinnen er gewachsen war, und ihr König heißt Luzifer, ein
Verstoßener aus dem Licht. V.83. Und die höllische
Qualität brachte auch Früchte herfür, wie sie auf Erden hatte getan; allein
das Gute war von ihr geschieden, darum brachte sie jetzt Früchte in ihrer
eigenen Qualität. Und die Menschen, welche jetzt auch den Geistern gleich
waren, aßen ein jeglicher von der Frucht seiner Qualität, sowohl auch der
Teufel; denn gleichwie ein Unterschied ist in den Menschen auf Erden in den
Qualitäten und nicht alle einer Qualität sind, also auch bei den verstoßenen
Geistern, also auch in der himmlischen Pomp, in Engeln und Menschen, und das
währet in seine Ewigkeit. Amen. Günstiger
Leser, dieses ist ein kurzer Bericht von den zwei Qualitäten in der Natur,
vom Anfang zum Ende, wie daraus zwei Reiche entstanden sind, ein himmlisches
und ein höllisches, und wie sie in dieser Zeit gegeneinander wallen und
streiten und wie es zukünftig mit ihnen ergehen wird. V.84. Nun habe ich aber
diesem Buch den Namen gegeben: Die Mutter oder Wurzel der Philosophia,
Astrologia und Theologia. Damit du aber wissest, wovon dies Buch handelt, so
verstehe: Durch die Philosophia wird gehandelt von der
göttlichen Kraft, was Gott sei und wie im Wesen Gottes die Natur, Sterne und
Elementa beschaffen sind und woher alles Ding seinen Ursprung hat, wie Himmel
und Erden beschaffen sind, auch Engel, Menschen und Teufel, dazu Himmel und
Hölle und alles, was kreaturlich ist; auch was da sind beide Qualitäten in
der Natur; aus rechtem Grunde in Erkenntnis des Geistes, im Trieb und Wallen
Gottes. V.85. Durch die Astrologia
wird gehandelt von den Kräften der Natur, der Sterne und Elemente, wie daraus
alle Kreaturen sind herkommen und wie dieselben alles treiben, regieren und
in allem wirken, und wie Böses und Gutes durch sie gewirket wird in Menschen
und Tieren, daraus herkommt, daß Böses und Gutes in dieser Welt herrschet und
ist, auch wie der Höllen und Himmel Reich darinnen bestehet. V.86. Nicht ist das
mein Fürnehmen, daß ich wollte aller Sterne Lauf, Ort oder Namen beschreiben
oder wie sie jährlich ihre Conjunction oder Gegenschein oder Quadrat und
dergleichen haben, was sie jährlich und stündlich wirken. V.87. Welches durch die
lange Verjährung ist erfahren worden von hochweisen und klugen, geistreichen
Menschen, durch fleißiges Anschauen und Aufmerken und tiefen Sinn und
Rechnen. Ich habe dasselbe auch nicht studieret und gelernet und lasse
dasselbe die Gelehrten handeln, sondern mein Fürnehmen ist, nach dem Geist
und Sinne zu schreiben, und nicht nach dem Anschauen. V.88. Durch die Theologia
wird gehandelt von dem Reich Christi, wie dasselbe sei beschaffen, wie es der
Höllen Reich sei entgegengesetzt, auch wie es in der Natur mit der Höllen
Reich kämpfet und streitet und wie die Menschen durch den Glauben und Geist
können der Höllen Reich überwinden und triumphieren in göttlicher Kraft und
die ewige Seligkeit erlangen und als einen Sieg im Streit davonbringen. Auch
wie sich der Mensch durch die Wirkung der höllischen Qualität selbst in die
Verderbung wirft und endlich, wie es einen Ausgang mit beiden nehmen wird. V.89. Der oberste Titul
Morgenröte
im Aufgang ist ein Geheimnis, Mysterium, den Klugen und Weisen in
dieser Welt verborgen, welches sie selbst werden in kurzem müssen erfahren.
Denen aber, so dieses Buch in Einfalt lesen, mit Begierde des Hl. Geistes,
die ihre Hofnung allein in Gott stellen, wird es nicht ein Geheimnis sein,
sondern eine öffentliche Erkenntnis. V.90. Ich will diesen
Titul nicht erklären, sondern dem unparteiischen Leser, der da in dieser Welt
in der guten Qualität ringet, zu urteilen geben. V.91. Wenn nun Meister
Klügling, der da in der grimmen Qualität qualifizieret, über dies Buch kommen
wird, der wird Widerpart halten, gleichwie das Himmel- und Höllenreich
widereinander wallet und ist. Erstlich wird er sagen, ich sei viel zu hoch in
die Gottheit gestiegen, mir gezieme solches nicht. Danach wird er sagen, ich
rühme mich des Hl. Geistes, ich müsse auch also leben und solches mit
Wunderwerken beweisen. Zum dritten wird er sagen, ich tue solches aus
Begierde des Ruhms; zum vierten wird er sagen, ich sei nicht gelehrt genug
dazu. Zum fünften wird ihn die große Einfalt des Autoris sehr ärgern, wie
denn der Welt Brauch ist, nur auf das Hohe zu sehen und sich an der Einfalt
zu ärgern. V.92. Denen
parteiischen Klüglingen will ich entgegensetzen: die Altväter in der ersten
Welt, die waren auch nur geringe verachtete Leute, wider welche die Welt und
der Teufel wütete und tobete, als zur Zeit Henoch, da die heiligen Väter
haben erstlich gewaltig von des Herrn Namen geprediget; die sind auch nicht
mit dem Leibe in Himmel gestiegen und haben alles mit Augen gesehen; allein
der Hl. Geist hat sich in ihrem Geiste offenbaret. Hernach sieht mans in der
andern Welt auch bei denen heiligen Altvätern, Patriarchen und Propheten, die
waren allesamt nur einfältige Leute und ein Teil nur Viehhirten. V.93. Auch als Messias
Christus, der Held im Streit, in der Natur ein Mensch ward, ob er gleich ein
Fürst und König der Menschen war, so hielt er sich doch in dieser Welt in
großer Einfalt und war nur der Welt Hausgenoss; sowohl auch seine Apostel
waren allesamt nur arme, verachtete Fischerknechte und Leutlein. Ja, Christus
selbst danket seinem himmlischen Vater, daß ers den Klugen und Weisen in
dieser Welt hatte verborgen gehalten und den Unmündigen offenbaret (Matth
11,25). V.94. Dazu sieht man,
wie sie auch in gleicher Weise sind arme Sünder gewesen und haben beide
Triebe, bös und gut, in der Natur an sich gehabt; daß sie aber gleich wider
die Sünde der Welt, ja wider ihre eigene Sünde haben geprediget und die
gestraft, die haben sie durch den Trieb des Hl. Geistes getan und nicht aus
Ruhmsucht. Auch so haben sie aus eigenen Kräften und Vermögen nichts gehabt
oder in den Geheimnissen Gottes lehren können, sondern es ist alles im Trieb
Gottes geschehen. V.95. Also auch kann
ich von mir selbst nichts sagen, rühmen oder schreiben, als das, daß ich bin
ein einfältiger Mann, dazu ein armer Sünder und muß alle Tage bitten: Herr,
vergib uns unser Schuld! auch mit den Aposteln sagen: O Herr, du hast uns
durch dein Blut erlöset (Kor 1,14). Ich bin auch nicht in Himmel gestiegen
und habe alle Werke und Geschöpfe Gottes gesehen, sondern derselbe Himmel ist
in meinem Geiste offenbarer, daß ich im Geist erkenne die Werke und Geschöpfe
Gottes; auch so ist der Wille dazu nicht mein natürlicher Wille, sondern es
ist des Geistes Trieb. Ich habe auch manchen Sturz des Teufels müssen hiermit
erleiden. V.96. Es ist aber der
Geist des Menschen nicht allein aus den Sternen und Elementen herkommen,
sondern es ist auch ein Funke aus dem Licht und Kraft Gottes darinnen
verborgen. Es ist nicht ein leer Wort, das in Genesis (1,21) stehet, Gott
schuf den Menschen ihm zum Bilde, ja zum Bilde Gottes schuf er ihn; denn es
hat eben den Verstand, daß er aus dem ganzen Wesen der Gottheit ist gemacht
worden. V.97. Der Leib ist aus
den Elementen, darum muß er auch elementische Speise haben. Die Seele hat
ihren Ursprung nicht allein vom Leibe. Und ob sie gleich in dem Leibe
entstehet und ihr erster Anfang der Leib ist, so hat sie doch ihren Quell
auch von außen in sich durch die Luft; auch so herrschet darinnen der Hl.
Geist nach Art und Weise wie er alles erfüllet und wie in Gott alles ist und
Gott selber alles ist. V.98. Darum, weil der
Hl. Geist in der Seelen kreatürlich ist als der Seelen Eigentum, so forschet
sie bis in die Gottheit auch in der Natur; denn sie hat aus dem Wesen der
ganzen Gottheit ihren Quell und Herkommen. Wenn sie vom Hl. Geiste angezündet
wird, so siehet sie, was Gott ihr Vater machet, gleichwie ein Sohn im Hause
wohl siehet, was der Vater machet. Sie ist ein Glied oder Kind in des
himmlischen Vaters Hause. V.99. Gleichwie das
Auge des Menschen siehet bis in das Gestirne, daraus es seinen anfänglichen
Ursprung hat, also auch die Seele siehet bis in das göttliche Wesen, darinnen
sie lebet. V.100. Weil
aber die Seele auch aus der Natur ihren Quell hat und in der Natur Böses und
Gutes ist und sich der Mensch auch hat durch die Sünde in die Grimmigkeit der
Natur geworfen, daß also die Seele täglich und stündlich mit Sünden befleckt
wird, so ist ihre Erkenntnis nur stückweise; denn die Grimmigkeit in der
Natur herrschet nun auch in der Seelen. V.101. Der
Hl. Geist aber gehet nicht in die Grimmigkeit, sondern herrschet in dem Quell
der Seelen, der in dem Licht Gottes ist, und streitet wider die Grimmigkeit
in der Seelen. V.102. Darum
kann die Seele zu keiner vollkommenen Erkenntnis in diesem Leben kommen bis
ans Ende, da sich Licht und Finsternis scheidet, und wird die Grimmigkeit mit
dem Leibe verzehret in der Erden, dann siehet die Seele hell und vollkommlich
in Gott ihren Vater. Wenn aber die Seele vom Hl. Geist angezündet wird, so
triumphieret sie in dem Leibe, wie ein groß Feuer aufgehet, daß also Herz und
Nieren für Freuden zittern. Es ist aber nicht bald große und tiefe Erkenntnis
da in Gott ihrem Vater, sondern die Liebe gegen Gott ihren Vater triumphieret
also in dem Feuer des Hl. Geistes. V.103. Die
Erkenntnis Gottes aber wird in dem Feuer des Hl. Geistes gesäet und ist
erstlich klein wie ein Senfkorn, wie es Christus vergleichet (Matth 13,31).
Hernach so wächst sie groß wie ein Baum und breitet sich aus in Gott ihrem
Schöpfer, gleichwie ein Tröpflein Wassers in dem großen Meer nicht kann sehr
wallen, soll aber ein großer Strom darein gehet, der kann etwas mehr tun. V.104. Es
ist aber das Geschehene, Gegenwärtige und Zukünftige, sowohl die Weite, Tiefe
und Höhe, nahe und weit in Gott als ein Ding, eine Begreiflichkeit. Und die
heilige Seele des Menschen sieht solches auch, aber in dieser Welt nur
stückweise. Es entfällt ihr auch oft, daß sie nichts siehet, denn der Teufel
setzet ihr heftig zu in dem grimmen Quell, der in der Seelen ist und verdeckt
oft das edle Senfkörnlein, darum muß der Mensch immer im Streit sein. V.105. Auf
eine solche Weise, in solcher Erkenntnis des Geistes will ich in diesem Buch
von Gott unserem Vater schreiben, in dem alles ist und der selber alles ist,
will ich handeln, wie alles schiedlich und kreatürlich ist worden und wie
sich alles treibet und beweget in dem ganzen Baum des Lebens. V.106. Allhie
wirst du den rechten Grund der Gottheit sehen und wie es ein Wesen gewesen
ist vor den Zeiten der Welt, auch wie die heiligen Engel sind erschaffen
worden und woraus; auch von dem schrecklichen Fall Luzifers samt seinen
Legionen, auch wo aus Himmel, Erde, Sternen und Elementa sind worden, sowohl
in der Erden, Metallen und Steine und alle Kreaturen; wie da sei die Geburt
des Lebens und die Leiblichkeit aller Dinge, auch was da sei der rechte
Himmel, da Gott und seine Heiligen inne wohnen, und was da sei der Zorn
Gottes und das höllische Feuer und wie alles anzündlich worden sei: in Summa,
was oder wie da sei das Wesen aller Wesen. V.107. Die
ersten sieben Kapitel handeln ganz schlicht und begreiflich vom Wesen Gottes
und Engeln mit Gleichnissen, damit der Leser möchte von einer Stufe zur
andern endlich in tiefen Sinn und rechten Grund kommen. Im achten Kapitel
fähet sich an die Tiefe im göttlichen Wesen, und so fort je weiter je tiefer.
Es wird manche Specie oft wiederholet und immer tiefer beschrieben, um des
Lesers, auch meiner selbst zähen Begreiflichkeit willen. V.108. Was
du aber in diesem Buch nicht genug erkläret findest, das wirst du im zweiten
und dritten hell und klar finden; denn von wegen unserer Verderbnis ist
unsere Erkenntnis Stückwerk und nicht auf einmal ganz vollkommen, wiewohl
dieses Buch ein Wunder der Welt ist, welches die heilige Seele wohl verstehen
wird. V.109. Hiemit
tue ich den Leser in die sanfte und heilige Liebe Gottes empfehlen. 1.1. Wiewohl Fleisch und
Blut das göttliche Wesen nicht ergreifen kann, sondern der Geist, wenn er von
Gott erleuchtet und angezündet wird, so man aber will von Gott reden, was
Gott sei, so muß man fleißig erwägen die Kräfte in der Natur, dazu die ganze
Schöpfung, Himmel und Erden, sowohl Sternen und Elementa und die Kreaturen,
so aus denselben sind herkommen, sowohl auch die heiligen Engel, Teufel und
Menschen, auch Himmel und Hölle. 1.2. In solcher
Betrachtung findet man zwo Qualitäten, eine gute und eine böse, die in dieser
Welt in allen Kräften, in Sternen und Elementen, sowohl in allen Kreaturen
ineinander sind wie ein Ding, und bestehet auch keine Kreatur im Fleische in
dem natürlichen Leben, sie habe denn beide Qualitäten an sich. 1.3. Allhier muß man
nun betrachten, was das Wort Qualität heißt oder ist. Qualität ist die
Beweglichkeit, Quallen oder Treiben eines Dinges, als da ist die Hitze, die
brennet, verzehret und treibet alles, das in sie kommt, das nicht ihrer
Eigenschaft ist. Hinwiederum erleuchtet und erwärmet sie alles, was da ist
kalt, naß und finster und machet das Weiche hart. Sie hat aber noch zwo
Species in sich, als nämlich das Licht und die Grimmigkeit, davon zu merken
ist. 1.4. Das Licht oder
das Herze der Hitze ist an ihm selber ein lieblich, freudenreicher Anblick,
eine Kraft des Lebens, eine Erleuchtung und Anblick eines Dinges, das da
ferne ist, und ist ein Stück oder Quell der himmlischen Freudenreich. Denn es
machet in dieser Welt alles lebendig und beweglich, alles Fleisch, sowohl
Bäume, Laub und Gras wächset in dieser Welt in Kraft des Lichts und hat sein
Leben darinnen als in dem Guten. 15. Hinwiederum hat
sie in sich die Grimmigkeit, daß sie brennet, verzehret und verderbet;
dieselbe Grimmigkeit quellet, treibet und erhebet sich in dem Licht und machet
das Licht beweglich, ringet und kämpfet miteinander in seinem zweifachen
Quell als ein Ding. Es ist auch ein Ding, aber es hat einen zweifachen Quell.
1.6. Das Licht
bestehet in Gott ohne Hitze, aber in der Natur bestehet es nicht; denn in der
Natur sind alle Qualitäten ineinander wie eine Qualität nach Art und Weise,
wie Gott alles ist und wie von ihm alles herkommt und ausgehet: 1.7. Nun
herrschet die Hitze in allen Kräften in der Natur und erwärmet alles und ist
ein Quell in allem; sonst wo das nicht wäre, so wäre das Wasser viel zu kalt
und die Erde erstarrete, auch so wäre keine Luft nicht. 1.8. Die Hitze
herrschet in allem, in Bäumen, Kraut und Gras. Darum heißt sie eine Qualität,
daß sie in allem quillet und alles erhebet. 1.9. Das Licht aber in
der Hitze gibt allen Qualitäten die Kraft, daß alles lieblich und wonnereich
wird. Die Hitze ohne das Licht ist den andern Qualitäten kein Nutz, sondern
ist eine Verderbung des Guten, ein böser Quell; denn es verdirbet alles in
der Hitze Grimmigkeit. Also ist das Licht in der Hitze ein lebendiger
Quellbrunn, darein der Hl. Geist gehet, aber in die Grimmigkeit der Hitze
nicht. Die Hitze aber macht das Licht beweglich, daß es quallet und treibet,
als man siehet im Winter. Da ist das Licht der Sonnen gleichwohl auf Erden,
aber der Sonnenhitze Strahlen kann den Erdboden nicht erreichen, darum
wächset auch keine Frucht. Von
der Kälte Qualifizierung
1.10. Die Kälte ist
auch eine Qualität wie die Hitze. Sie qualifiziert in allen Kreaturen, was
aus der Natur worden ist, und in allem, was sich darinnen beweget: in
Menschen, Tieren, Vögeln, Fischen, Würmen, Laub und Gras, und ist der Hitze
entgegengesetzt und qualifizieret in derselben, als wäre es ein Ding. Sie
wehret aber der Hitze Grimmigkeit und stillet die Hitze. 1.11. Sie hat aber auch
zwo Species in sich, davon zu merken ist, als nämlich daß sie die Hitze
besänftiget und alles fein lieblich machet, und ist in allen Kreaturen eine
Qualität des Lebens; denn es kann keine Kreatur außer der Kälte bestehen; denn
sie ist eine quellende, treibende Beweglichkeit in allen Dingen. 1.12. Die andere
Species ist die Grimmigkeit; denn so sie Gewalt kriegt, so druckt sie alles
nieder und verderbet alles wie die Hitze. Es kann kein Leben in ihr bestehen,
so ihr die Hitze nicht wehret. Die Grimmigkeit der Kälte ist eine Verderbung
alles Lebens und ein Haus des Todes, gleichwie der Hitze Grimmigkeit auch
ist. Von
der Luft und des Wassers Qualifizierung
1.13. Die Luft hat
ihren Ursprung von der Hitze und Kälte; denn die Hitze und Kälte treiben
gewaltig von sich und erfüllen alles; davon wird eine lebende und webende
Bewegung. Wenn aber die Kälte die Hitze besänftiget, so wird beider Qualität
dünne und die bittere Qualität zeucht es zusammen, daß es tröpflich wird. Die
Luft aber hat ihren Ursprung und größte Bewegung aus der Hitze, und das
Wasser von der Kälte. 1.14. Nun ringen die
zwo Qualitäten stets miteinander. Die Hitze verzehret das Wasser und die
Kälte zwinget die Luft. Nun ist aber die Luft eine Ursache und Geist alles
Lebens und aller Bewegung in dieser Welt, es sei gleich dem Fleische oder in
allem dem, was aus der Erden wächset, so hat es alles sein Leben von der Luft
und kann nichts außer der Luft bestehen, das in dieser Welt ist, das sich
beweget. 1.15. Das Wasser
quellet auch in allen lebendigen und webenden Dingen in dieser Welt. In dem
Wasser bestehet der Leib aller Dinge und in der Luft der Geist, es sei gleich
im Fleische oder in den Gewächsen aus der Erden, und dieses beides kommt aus
der Hitze und Kälte und qualifizieret untereinander wie ein Ding. 1.16. Nun aber sind in
diesen beiden Qualitäten auch zwo sonderliche Species zu merken, als nämlich
die lebendige und tödliche Wirkung. Die Luft ist eine lebendige Qualität, so
sie sänftig in einem Dinge ist, und der Hl. Geist herrschet in der Sanftmut
der Luft, und alle Kreaturen sind fröhlich darinnen. Sie hat aber auch die
Grimmigkeit in sich, daß sie tötet und verderbet durch ihre grausame
Erhebung. Die Qualifizierung nimmt aber von der grimmen Erhebung ihren
Ursprung, daß es in allem quellet und treibet, davon das Leben Ursprung hat
und stehet, darum muß es beides in diesem Leben sein. 1.17. Das Wasser hat
auch einen grimmen, tödlichen Quell in sich, denn es tötet und verzehret;
dazu muß alles Lebende und Webende in dem Wasser verfaulen und verderben. 1.18. Also ist die
Hitze und die Kälte eine Ursache und Ursprung des Wassers und der Luft,
darinnen alles wirket und stehet. Alles Leben und Beweglichkeit stehet
darinnen, davon ich von Erschöpfung der Sternen klärlich schreiben will. Von
den Einflüssen der andern Qualitäten in die drei Elementa: Feuer, Luft und
Wasser – Von der bittern Qualität
1.19. Die bittere
Qualität ist das Herze in allem Leben, gleichwie sie in der Luft das Wasser
zusammenzeucht und auch zertreibet, das es scheidlich wird, also auch in
allen Kreaturen, sowohl auch in Gewächsen der Erden; denn Laub und Gras hat
seine grüne Farbe von der bittern Qualität. So nun die bittere Qualität in
einer Kreatur sänftig wohnet, so ist sie ein Herze oder Freude in derselben;
denn sie zerschneidet alle anderen bösen Einflüsse und ist ein Anfang oder
Ursache der Freuden oder des Lachens. 1.20. Denn so sie
beweget wird, machet sie eine Kreatur zittern und freudenreich und erhebet
dieselbe mit ganzem Leibe; denn es ist gleich ein Anblick der himmlischen
Freudenreich, eine Erhebung des Geistes, ein Geist und Kraft in allen
Gewächsen aus der Erden, eine Mutter des Lebens. 1.21. Der Hl. Geist
wallet und treibet mächtig in dieser Qualität, denn sie ist ein Stück der
himmlischen Freudenreich, wie ich hernach beweisen will. Sie hat aber auch
noch eine Species in sich, als nämlich die Grimmigkeit, die ist ein
wahrhaftig Haus des Todes, eine Verderbung alles Guten, eine Verderbnis und
Verzehrung des Lebens im Fleische. Denn so sie sich in einer Kreatur zu sehr
erhebet und entzündet sich in der Hitze, so scheidet sie Fleisch und Geist
und muß die Kreatur des Todes sterben; denn sie quallet und zündet an das
Element Feuer, darinnen kann kein Fleisch bestehen in der großen Hitze und
Bitterkeit. So sie sich aber in dem Element Wasser entzündet und darinnen
quellend wird, so bringt sie das Fleisch in Siechtage und Krankheit und
endlich in Tod. Von
der süßen Qualität
1.22. Die süße Qualität
ist der bittern entgegengesetzet und ist eine holdselige liebliche Qualität,
eine Erquickung des Lebens, eine Sänftigung der Grimmigkeit; sie machet alles
lieblich und freundlich in allen Kreaturen. Die Gewächse aus der Erden machet
sie wohlriechend und schmeckend mit schönen gelben, weißen und rötlichen
Farben. Sie ist ein Anblick und Quell der Sanftmut, eine Wonne der
himmlischen Freudenreich, ein Haus des Hl. Geistes, eine Qualifizierung der
Liebe und Barmherzigkeit, eine Freude des Lebens. Hinwieder hat sie auch
einen grimmen Quell des Todes und des Verderbens in sich; denn so sie in der
bittern Qualität entzündet wird in dem Element Wasser, so gebäret sie
Krankheit und aufgeschwollene Pestilenz und Verderbung des Fleisches. So sie
aber in der Hitze und Bitterkeit entzündet wird, so infizieret sie das
Element Luft, davon gebäret sich die geschwinde, fliegende Pestilenz und
jählinger Tod. Von
der sauren Qualität
1.23. Die saure
Qualität ist der bittern und süßen entgegengesetzt und temperieret alles
fein, eine Erquickung und Löschung, so sich die bittere und süße Qualität zu
sehr erhebet. Eine Begierde in dem Geschmack, eine Lust des Lebens, eine
quellende Freude in allen Dingen, eine Begierde, Sehnen und Lust der
Freudenreich, eine stille Wonne des Geistes, solches temperiert sie in allen lebendigen
und quellenden Dingen. Sie hat aber auch in ihr einen Quell des Bösen und
Verderbens; denn so sie sich zu sehr erhebet oder in einem Dinge zu sehr
quellet, daß sie sich entzündet, so gebäret sie Traurigkeit, Melancholie, in
dem Wasser einen Gestank, rührig und brüchig, eine Vergessung alles Guten,
eine Traurigkeit des Lebens, ein Haus des Todes, ein Anfang der Traurigkeit
und ein Ende der Freuden. Von
der herben oder gesalzenen Qualität
1.24. Die gesalzene
Qualität ist eine gute Temperanz in der bittern, süßen und sauren und machet
alles fein lieblich, wehret dem Aufsteigen der bittern Qualität, sowohl auch
der süßen und sauren, daß sie sich nicht entzünden. Sie ist eine scharfe
Qualität, eine Lust des Geschmackes, ein Quell des Lebens und der Freuden.
Hinwider hat sie auch in ihr die Grimmigkeit und Verderben. Wenn sie in dem
Feuer entzündet wird, so gebäret sie eine harte, reißende, steinernde Art,
eine grimmige Quall, eine Verderbung des Lebens. Davon wächset in dem
Fleische der Stein, davon das Fleisch große Marter leidet. So sie aber in dem
Wasser entzündet wird, so gebäret sie in dem Fleische böse Rauden, Geschwüre,
Franzosen, Krätze und Aussatz und ein Trauerhaus des Todes, ein Elend und
Vergessung alles Guten. 2.1. Dieses alles, wie
oben erzählet, heißt darum Qualität, daß es alles in der Tiefe über der
Erden, auf der Erden und in der Erden ineinander qualifizieret wie ein Ding,
und hat doch mancherlei Kraft und Wirkung, aber nur eine Mutter, daraus alles
Ding herkommt und quillet. Und alle Kreaturen sind aus diesen Qualitäten
gemacht und herkommen und leben darinne als in ihrer Mutter. Auch so hat die
Erde und Steine daraus sein Herkommen und alles, was aus der Erden wächset,
das lebet und quillet aus der Kraft dieser Qualitäten. Das kann kein
vernünftiger Mensch verneinen. 2.12. Dieser zweifache
Quell, bös und gut in allen Dingen, rühret alles aus den Sternen her; denn
wie die Kreaturen auf Erden sind in ihrer Qualität, also auch die Sterne.
Denn durch seinen zweifachen Quell hat alles seine große Beweglichkeit,
Laufen, Rennen, Quellen, Treiben und Wachsen. 2.13. Denn die Sanftmut
in der Natur ist eine stille Ruhe, aber die Grimmigkeit in allen Kräften
machet alles beweglich, laufend und rennend, dazu gebärend. Denn die
treibenden Qualitäten bringen Lust in alle Kreaturen zum Bösen und zum Guten,
daß sich alles untereinander begehret, vermischet, zunimmt, abnimmt, schön
wird, verdirbet, liebet, feindet. 2.14. Es ist in allen
Kreaturen in dieser Welt ein guter und böser Wille und Quell, in Menschen,
Tieren, Vögeln, Fischen, Würmen, sowohl auch in allem dem, was da ist, in
Gold, in Silber, Zinn, Kupfer, Eisen, Stahl, Holz, Kraut, Laub und Gras,
sowohl in der Erden, in Steinen, im Wasser und in allem, was man forschen
kann. 2.15. Es ist nichts in
der Natur, da nicht Gutes und Böses innen ist; es wallet und lebet alles in
diesem zweifachen Trieb, es sei, was es wolle, ausgenommen die heiligen Engel
und die grimmigen Teufel nicht, denn dieselben sind entschieden, und lebet,
qualifizieret und herrschet ein jeglicher in seiner eignen Qualität. Die
heiligen Engel leben und qualifizieren in dem Licht in der guten Qualität,
darinnen der Hl. Geist herrschet; die Teufel leben und herrschen in der
grimmen Qualität, in der Qualität des Grimmes und Zornes oder Verderbens. 2.16. Sie sind aber
beides, böse und gute Engel aus den Qualitäten der Natur gemacht worden,
daraus alle Dinge worden sind; allein die Quallfizierung ist in ihnen ungleich.
2.17. Die heiligen
Engel leben in Kraft der Sanftmut des Lichtes und der Freudenreich; und die
Teufel leben in Kraft der aufsteigenden oder erhebenden Quall der
Grimmigkeit, Erschrecken und Finsternis und können das Licht nicht ergreifen,
darein sie sich denn selber gestoßen haben durch ihre Erhebung, wie ich
hernach von der Schöpfung schreiben will. 2.18. So du aber nicht
glauben willst, daß in dieser Welt alles von den Sternen herrühre, so will
ich dirs beweisen, so du aber nicht ein Klotz bist und ein wenig Vernunft
hast, so merke wie nachfolget: 2.19. Erstlich schaue
an die Sonne, die ist das Herze oder der König aller Sterne und gibt allen
Sternen Licht vom Aufgang zum Niedergang und erleuchtet alles und erwärmet
alles, alles lebet und wächset in ihrer Kraft, dazu so stehet die Freude
aller Kreaturen in ihrer Kraft. 2.10. So nun dieselbe
würde weggenommen, so würde es ganz finster und kalt, auch so wüchse keine
Frucht, auch so würde sich weder Mensch noch Tier können mehren, denn die
Hitze verlösche und der Same würde in allen kalt und erstarret. Von
der Sonnen Qualität
2.11. Willt du ein
Philosophus und Naturkündiger sein und Gottes Wesen in der Natur erforschen,
wie dies alles beschaffen sei, so bitte Gott um seinen Hl. Geist, daß er dich
mit demselben wolle erleuchten. 2.12. Denn in deinem
Fleisch und Blute kannst du solches nicht ergreifen, ob du es gleich siehest,
so ists nur ein Dunst oder Dünkel vor reinen Augen. Allein in dem Hl. Geiste,
der in Gott ist und auch in der ganzen Natur, daraus alle Dinge worden sind,
kannst du forschen bis in den ganzen Leib Gottes, welcher ist die Natur,
sowohl auch bis in die heilige Trinität; denn der Hl. Geist gehet von der
heiligen Trinität aus und herrschet in dem ganzen Leibe Gottes, das ist in der
ganzen Natur. 2.13. Gleichwie der
Geist eines Menschen in dem ganzen Leibe, in allen Adern herrschet und
erfüllet den ganzen Menschen, also auch der Hl. Geist erfüllet die ganze
Natur und ist das Herze der Natur und herrschet in den guten Qualitäten in allen
Dingen. So du nun denselben in dir hast, daß derselbe deinen Geist erleuchtet
und erfüllet, so wirst du verstehen, was hie nachfolgend beschrieben ist; wo
aber nicht, so wird dirs gehen wie den weisen Heiden, die sich in der
Schöpfung vergaffeten und wolltens aus eigener Vernunft erforschen, und kamen
in ihrem Dichten bis vor Gottes Antlitz und konnten dasselbe doch nicht sehen
und waren in der Erkenntnis Gottes stockblind. Wie auch die Kinder Israel in
der Wüste das Angesicht Moses nicht konnten sehen, darum mußte er eine Decke
vor sein Angesicht machen, wenn er zu dem Volk trat. Das machte es, daß sie
den rechten Gott und seinen Willen nicht verstanden noch kannten, der doch
unter ihnen wandelte. Darum war die Decke ein Zeichen und Vorbild ihrer Blindheit
und Unverstandes. So wenig ein Werk kann seinen Meister ergreifen, so wenig
kann auch ein Mensch Gott, seinen Schöpfer, ergreifen und erkennen, es sei
denn, daß ihn der Hl. Geist erleuchte. Welches allein denen geschieht, die
sich auf sich selbst nicht vertrauen, sondern setzen ihre Hoffnung und Willen
allein in Gott und wallen in dem Hl. Geiste, die sind ein Geist mit Gott. 2.14. So man nun will
die Sonne und Sterne recht betrachten mit ihrem Corpus, Wirkungen und
Qualitäten, so findet man recht darinnen das göttliche Wesen, als das der
Sterne Kräfte sind die Natur. 2.15. So man das ganze
Curriculum oder den ganzen Umzirk der Sterne betrachtet, so findet sichs
bald, daß dasselbe sei die Mutter aller Ding oder die Natur, daraus alle
Dinge worden sind und darinnen alle Dinge stehen und leben, und dadurch sich
alles beweget, und alle Dinge sind aus denselben Kräften gemacht und bleiben
darinnen ewiglich. Und ob sie gleich am Ende dieser Zeit werden verwandelt
werden, indem sich das Gute und Böse scheiden wird, so werden gleichwohl
Engel und Menschen in der Kraft der Natur, daraus sie ihren ersten Anfang
haben genommen, in Gott ewiglich bestehen. 2.16. Du mußt aber
deinen Sinn allhie im Geist erheben und betrachten, wie die ganze Natur mit
allen Kräften, die in der Natur sind, dazu die Weite, Tiefe, Höhe, Himmel,
Erde und alles, was darinnen ist und über dem Himmel, sei der Leib Gottes;
und die Kräfte der Sterne sind die Quelladern in dem natürlichen Leibe Gottes
in dieser Welt. 2.17. Nicht mußt du
denken, daß in dem Corpus der Sterne sei die ganze triumphierende heilige
Dreifaltigkeit, Gott, Vater, Sohn und Hl. Geist, in welchen ist kein Böses,
sondern ist der lichtheilige, ewige Freudenquell, der unzertrennlich und
unveränderlich ist, das keine Kreatur genug ergreifen oder aussprechen kann,
welcher wohnet und ist über dem Corpus der Sterne in sich selbst; seine Tiefe
kann keine Kreatur ermessen. 2.18. Aber nicht also
zu verstehen, daß er gar nicht sei in dem Corpus der Sterne und in dieser
Welt; denn wenn man spricht: alles oder von Ewigkeit zu Ewigkeit, oder alles
in allem, so verstehe hiemit den ganzen Gott. Nimm dir ein Gleichnis an einem
Menschen, der ist gemacht nach dem Bilde oder Gleichnis Gottes, wie in Mose
geschrieben stehet Genesis 1,27. 2.19. Das Inwendige
oder Hohle im Leibe eines Menschen ist und bedeut die Tiefe zwischen Sternen
und Erde. Der ganze Leib mit allem bedeut Himmel und Erde. Das Fleisch bedeut
die Erde und ist auch von Erde. Das Blut bedeut das Wasser und ist auch vom
Wasser. Der Odem bedeut die Luft und ist auch die Luft. Die Blase, darinnen
die Luft qualifiziertet und die Wärme, Luft und Wasser qualifizieren auch in
der Blasen wie in der Tiefe über der Erden. Die Adern bedeuten die Kraftgänge
der Sterne und sind auch die Kraftgänge der Sterne; denn die Sterne mit ihrer
Kraft herrschen in den Adern und treiben den Menschen in ihre Gestalt. Das
Eingeweide oder Därmer bedeut der Sterne Wirkung oder Verzehrung. Alles was
aus ihrer Kraft worden ist, was sie selber gemacht haben, das verzehren sie
selber wieder und bleibet in ihrer Kraft, und die Därmer sind auch die
Verzehrung alles des, was der Mensch in seine Därmer schiebet, alles was aus
der Sterne Kraft gewachsen ist. 2.20. Das Herze im
Menschen bedeut die Hitze oder das Element Feuer und ist auch die Hitze; denn
Hitze hat im Herzen seinen Ursprung im ganzen Leibe. Die Blase bedeutet das
Element Luft, und die Luft herrschet auch darinnen. Die Leber bedeut das
Element Wasser und ist auch das Wasser; denn aus der Leber kommt das Blut in
ganzen Leib und in alle Glieder; die Leber ist des Blutes Mutter. 2.21. Die Lunge bedeut
die Erde und ist auch derselben Qualität. 2.22. Die Füße bedeuten
nahe und weit; denn in Gott ist nahe und weit ein Ding, und der Mensch kann
durch die Füße nahe und weit kommen, er sei, wo er wolle, so ist er in der
Natur weder nahe noch weit, denn es ist in Gott ein Ding. 2.23. Die Hände
bedeuten die Allmacht Gottes; denn gleichwie Gott in der Natur kann alles
verändern und daraus machen, was er will, also auch kann der Mensch mit
seinen Händen alles das, was aus der Natur gewachsen oder worden ist,
verändern und aus demselben mit seinen Händen machen, was er will. Er
regieret mit den Händen der ganzen Natur Werk und Wesen, und sie bedeuten
recht die Allmacht Gottes. 2.24. Nun merke hie
weiter: Der ganze Leib bis an Hals bedeut und ist der runde Zirkel des
Umganges der Sterne, sowohl auch die Tiefe zwischen den Sternen, darinnen die
Planeten und Elementa regieren. Das Fleisch bedeut die Erde, die ist
erstarret und hat keine Beweglichkeit; also auch das Fleisch hat in sich
selbst keine Vernunft, Begreiflichkeit oder Beweglichkeit. Allein es wird von
der Sternen Kraft, welche in dem Fleische und Adern regieret, beweget. 2.25. Also auch die
Erde brächte keine Frucht, auch so wüchse darinnen kein Metall, weder Gold,
Silber, Kupfer, Eisen noch Stein, so die Sterne nicht darinnen wirketen. Es
wüchse auch kein Gräselein daraus ohne Wirkung der Sterne. Das Haupt bedeut
den Himmel; dasselbe ist mit den Adern und Kraftgängen an Leib gewachsen, und
gehen alle Kräfte aus dem Haupt und Hirn in Leib, in die Quelladern des
Fleisches. 2.26. Nun aber ist der
Himmel ein lieblicher Freudensaal, darinnen alle Kräfte sind, wie in der
ganzen Natur, in Sternen und Elementen, aber nicht also hart, treibend und
quallend. Denn jede Kraft des Himmels hat nur eine Species oder Gestalt der
Kraft, helle und ganz sänftig quellend, nicht bös und gut miteinander, wie in
den Sternen und Elementen, sondern lauter und rein. Er ist aus dem Mittel des
Wassers gemacht, aber nicht auf eine solche Weise qualifizierend, wie das
Wasser in den Elementen; denn die Grimmigkeit ist nicht darinnen. 2.27. Aber nichts desto
weniger gehöret der Himmel zu der Natur; denn aus dem Himmel haben die Sterne
und Elementa ihren Ursprung und Kraft; denn der Himmel ist das Herze des
Wassers. Gleichwie in allen Kreaturen, sowohl in alledem, was da ist in
dieser Welt, das Wasser sein Herze ist, und bestehet nichts außer dem Wasser,
es sei gleich im Fleische oder außer dem Fleische, in Gewächsen der Erde oder
in Metall und Steinen, so ist in allen Dingen das Wasser der Kern und das
Herze. 2.28. Also ist der
Himmel das Herze in der Natur, darinnen alle Kräfte sind wie in Sternen und
Elementen, und ist eine weiche und sanfte Materia aller Kräfte, gleichwie das
Hirn im Haupt des Menschen. 2.29. Nun zündet der
Himmel mit seiner Kraft die Sternen und Elementa an, daß sie quallen und
treiben; also auch ist das Haupt des Menschen wie der Himmel. Gleichwie im
Himmel alle Kräfte sänftig und lieblich, dazu freudenreich sind und
qualifizieren, also sind im Haupt oder Hirn des Menschen alle Kräfte sänftig
und freudenreich. Und gleichwie der Himmel einen Schluß oder Festung hat über
den Sternen, und gehen doch alle Kräfte aus dem Himmel in die Sterne, also
hat das Hirn einen Schluß oder Festung vor dem Leibe, und gehen doch alle
Kräfte aus dem Hirn in den Leib und in den ganzen Menschen. 2.30. Das Haupt hat in
sich die fünf Sinne, als Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen;
darinnen qualifizieren die Sterne und Elementa und entstehet darinnen der
siderische Sternen oder Naturgeist in Menschen und Tieren. In diesen quillet
Böses und Gutes, denn es ist ein Haus der Sterne. Solche Kraft nehmen die
Sterne von dem Himmel, daß sie im Fleische können einen lebendigen und
bewegenden Geist machen in Menschen und Tieren. Die Bewegung des Himmels
macht die Sterne beweglich; also macht das Haupt den Leib beweglich. 2.31. Allhier tue nun
die Augen deines Geistes auf und schaue deinen Schöpfer. Allhier ist nun die
Frage, woher denn der Himmel solche Kraft hat oder nimmt, daß er solche
Beweglichkeit in der Natur machet? 2.32. Hie mußt du nun
sehen über und außer die Natur in die licht-heilige, triumphierende,
göttliche Kraft, in die unveränderliche Hl. Dreifaltigkeit, die ist ein
triumphierend, quallend, beweglich Wesen, und sind alle Kräfte darinnen wie
in der Natur. Denn das ist die ewige Mutter der Natur, davon Himmel, Erden,
Sternen, Elementa, Engel, Teufel, Menschen, Tiere und alles worden ist und
darinnen alles stehet. 2.33. So man nennet
Himmel und Erden, Sternen und Elementa und alles, was darinnen ist, und
alles, was über allen Himmeln ist, so nennet man hiemit den ganzen Gott, der
sich in diesem oberzählten Wesen in seiner Kraft, die von ihm ausgehet, also
kreatürlich gemacht hat. 2.34. Gott aber in
seiner Dreifaltigkeit ist unveränderlich, sondern alles, was da ist im Himmel
und auf Erden und über der Erde, das hat seinen Quell und Ursprung von der
Kraft, die von Gott ausgehet. 2.35. Nicht mußt du
denken, daß darum in Gott Böses und Gutes quälle oder sei, sondern Gott ist
selber das Gute und hat auch den Namen von dem Guten, die triumphierende
ewige Freude. Allein alle Kräfte gehen aus ihm aus, die du in der Natur
erforschen kannst und die in allen Dingen sind. 2.36. Nun möchtest du
sagen: Es ist ja Böses und Gutes in der Natur; weil denn alles Ding von Gott
kommt, so muß ja das Böse auch von Gott kommen. 2.37. Siehe, ein Mensch
hat in sich eine Galle, das ist Gift, und kann ohne Galle nicht leben; denn
die Galle machet die siderischen Geister beweglich, freudenreich,
triumphierend oder lachend, denn sie ist ein Quell der Freuden. So sie sich
aber in einem Element entzündet, so verderbet sie den ganzen Menschen, denn
der Zorn in den siderischen Geistern kommt von der Galle. 2.38. Das ist: wenn
sich die Galle erhebet und zu dem Herzen läufet, so zündet sie das Element
Feuer an, und das Feuer zündet die siderischen Geister an, welche im Geblüte
in Adern in dem Element Wasser regieren; denn zittert der ganze Leib für Zorn
und Gift der Gallen. Eben einen solchen Quell hat auch die Freude, und auch
aus dieser Substanz wie der Zorn. Das ist: wenn sich die Galle in der
liebhabenden oder süßen Qualität entzündet, in dem, was dem Menschen lieb
ist, so zittert der ganze Leib für Freuden, in welchem manchmal die
siderischen Geister auch angestecket werden, wenn sich die Galle zu sehr
erhebet und in der süßen Qualität entzündet. 2.39. Aber eine solche
Substanz hats in Gott nicht, denn er hat nicht Fleisch und Blut, sondern er
ist ein Geist, in dem alle Kräfte sind (Joh 4,24), wie wir im Vaterunser
beten: Dein ist die Kraft (Matth 6,13). Und wie Esaias von ihm schreibet: Er
ist Wunderbar, Rat, Kraft, Held, ewig Vater, Friedefürst (Jes 9,6). 2.40. Die bittere
Qualität ist auch in Gott, aber nicht auf Art und Weise wie im Menschen die
Galle, sondern ist eine ewig währende Kraft, ein erheblicher, triumphierender
Freudenquell. 2.41. Und obgleich in
Mose geschrieben stehet (Ex 20,5; Deut 4,24): Ich bin ein zorniger, eiferiger
Gott, – so hat es darum nicht die Meinung, daß sich Gott in sich selbst
erzürne oder daß ein Zornfeuer in der Hl. Dreifaltigkeit aufgehe. Nein, das
kann nicht sein; denn es stehet: über die, so mich hassen; in derselben
Kreatur gehet das Zornfeuer auf. 2.42. So sich aber Gott
in sich selbst sollte erzürnen, so würde die ganze Natur brennen, welches
einmal am jüngsten Tage in der Natur und nicht in Gott geschehen wird. In
Gott aber wird die triumphierende Freude brennen, wie es denn von Ewigkeit
nicht anders gewesen ist, auch nicht anders werden wird. 2.43. Nun macht aber
die erhebende, quellende, triumphierende Freude in Gott den Himmel
triumphierend und beweglich, und die Sterne und Elementa machen die Kreaturen
beweglich. 2.44. Aus den Kräften
Gottes ist worden der Himmel; aus dem Himmel sind worden die Sterne; aus den
Sternen sind worden die Elementa; aus den Elementen ist worden die Erde und
die Kreaturen. Also hat alles seinen Anfang bis auf die Engel und Teufel, die
sind vor der Schöpfung Himmels und der Sterne und Erden aus derselben Kraft
worden, daraus Himmel und Sterne und Erde worden ist. 2.45. Dieses ist also
ein kurzer Eingang oder Anleitung, wie man das göttliche und natürliche Wesen
betrachten soll. Hinfürder will ich nun den rechten Grund und Tiefe
beschreiben, was Gott sei und wie im Wesen Gottes alles beschaffen ist. 2.46. Dieses ist zwar
von der Welt her ein Teil verborgen blieben und hat es der Mensch mit seiner
Vernunft nicht können fassen. Weil sich aber Gott in der Einfalt in dieser
letzten Zeit will offenbaren, lasse ich seinen Trieb und Willen walten; ich
bin nur ein Fünklein. Amen. 3 - Von der hochgebenedeiten triumphierenden
heiligen, heiligen, heiligen Dreifaltigkeit, Gott Vater, Sohn, Heiliger
Geist, einiger Gott
3.1. Günstiger Leser,
allhie will ich dich treulich vermahnet haben, daß du deinen Dünkel fahren
lassest und dich nicht nach heidnischer Weisheit vergaffest, dich auch an der
Einfalt des Autoris nicht ärgerst; denn das Werk ist nicht seiner Vernunft,
sondern des Geistes Trieb. Schaue du nur, daß du den Hl. Geist, der von Gott
ausgehet, in deinem Geiste habest, der wird dich in alle Wahrheit leiten und
sich dir offenbaren. Alsdann wirst du in seinem Lichte und Kraft wohl sehen
bis in die Hl. Dreifaltigkeit und verstehen, was hienach geschrieben ist. Von
Gott dem Vater
3.2. Als unser Heiland
Jesus Christus seine Jünger lehrete beten, so sprach er, wenn ihr wollet
beten, so sprecht: Unser Vater, der du bist im Himmel (Matth 6,9). Dieses hat
nicht den Verstand, daß der Himmel könnte den Vater begreifen oder umfassen,
denn er ist selber aus der göttlichen Kraft gemacht. 3.3. Denn Christus
spricht: Mein Vater ist größer denn alles (Joh 10,29) und im Propheten
spricht Gott: Der Himmel ist mein Stuhl und die Erde ist mein Fußschemel (Jes
66,1). Items: Was wollt ihr mir für ein Haus bauen? Ich umfasse den Himmel
mit einer Spanne und den Erdenboden mit einem Dreilinge (Jes 40,12). Item: In
Jakob will ich wohnen und Israel soll meine Hütte sein (Ps 135,4; Sir 24,13).
3.4. Daß aber Christus
seinen Vater einen himmlischen Vater nennet, damit meinet er, daß seines
Vaters Glanz und Kraft ganz lauter, hell und rein im Himmel erscheine und daß
über dem Zirk oder Schluß, den wir da mit unsern Augen sehen, das wir Himmel
heißen, erscheine die ganze triumphierende Hl. Dreifaltigkeit, Vater, Sohn,
Hl. Geist. 3.5. Auch so
unterscheidet Christus hiemit seinen himmlischen Vater von dem Vater der
Natur, welcher ist die Sterne und Elementa. Dieselben sind unser natürlicher
Vater, daraus wir gemacht sind und in dessen Trieb wir allhie in dieser Welt
leben und von welchem wir unsere Speise und Nahrung nehmen. 3.6. Er ist aber darum
unser himmlischer Vater, daß unsere Seele sich stets nach ihm sehnet und ihn
begehret. Ja, sie dürstet und hungert stets nach ihm. Der Leib hungert und
dürstet nach dem Vater der Natur, welches sind die Sterne und Elementa, und
derselbe Vater speiset und tränket ihn auch. Die Seele aber dürstet und
hungert stets nach dem himmlischen heiligen Vater, und er speiset und tränket
sie auch mit seinem Hl. Geist und Freudenquell. 3.7. Nun aber haben
wir nicht zwei Väter, sondern nur einen: der Himmel ist aus seiner Kraft
gemacht und die Sterne aus seiner Weisheit, die in ihm ist, die von ihm
ausgehet. Von
der Substanz und Eigenschaft des Vaters
3.8. Wenn Man nun
betrachtet die ganze Natur und ihre Eigenschaft, so siehet man den Vater.
Wenn man anschauet den Himmel und die Sterne, so siehet man seine ewige Kraft
und Weisheit. Also viel Sterne unter dem Himmel stehen, die doch unzählig und
der Vernunft unbegreiflich, auch ein Teil unsichtlich sind, also viel und
mancherlei ist Gottes des Vaters Kraft und Weisheit. 3.9. Es hat aber ein
jeder Stern am Himmel eine andere Kraft und Qualität als der andere, welche
auch machen so vielerlei Unterschied in und unter den Kreaturen auf Erden in
dem ganzen Geschöpfe. Nun aber herrühren alle Kräfte, die in der Natur sind,
aus Gott, dem Vater, alles Licht, Hitze, Kälte, Luft, Wasser und alle Kräfte
der Erden, bitter, sauer, süß, herbe, hart, weit und das man nicht erzählen
kann, das hat alles seinen Ausgang vom Vater. 3.10. Wenn man aber den
Vater mit etwas vergleichen will, so muß man ihn der runden Kugel des Himmels
vergleichen. Nicht mußt du denken, daß jede Kraft, die in dem Vater ist, an
einem besondern Teil und Orte in dem Vater stehe wie die Sterne am Himmel;
nein, sondern der Geist zeiget, daß alle Kräfte in dem Vater ineinander sind
wie eine Kraft, wie man dessen ein Bild hat im Propheten Hesekiel Kap. 1,15,
der sieht den Herrn im Geist und Vorbild gleich einem Rade, da vier Räder
ineinander sind und waren alle viere eines wie das ander, und wenn sie
gingen, so gingen sie schlechts für sich, auf welche Seite der Wind ging, da
gingen sie alle viere für sich und durfte keines keiner Umwendung. Also ist
auch Gott der Vater, es sind alle Kräfte in dem Vater ineinander wie eine
Kraft, und alle Kräfte bestehen in dem Vater in einem unerforschlichen Licht
und Klarheit. 3.11. Nicht mußt du
denken, daß Gott im Himmel und über dem Himmel etwa stehe und walle wie eine
Kraft und Qualität, die keine Vernunft und Wissenschaft in sich habe, wie die
Sonne. Die läuft an ihrem Zirk herum und schüttet von sich die Hitze und das
Licht, es bringe gleich der Erde und den Kreaturen Schaden oder Frommen,
welches denn freilich geschähe, so die andern Planeten und Sterne nicht
wehreten. Nein, so ist der Vater nicht, sondern ist ein allmächtiger,
allweiser, allwissender, allsehender, allhörender, allriechender,
allfühlender, allschmeckender Gott, der da ist in sich sänftig, freundlich,
lieblich, barmherzig und freudenreich, ja die Freude selber. 3.12. Er ist aber von
Ewigkeit zu Ewigkeit also unveränderlich. Er hat sich in seinem Wesen noch
nie verändert, wird sich auch in alle Ewigkeit nicht verändern. Er ist von
nichts herkommen oder geboren, sondern ist selber alles in Ewigkeit, und
alles, was da ist, das ist von seiner Kraft worden, die von ihm ausgehet. Die
Natur und alle Kreaturen sind aus seiner Kraft worden, die von ihm ist von
Ewigkeit ausgangen. Seine Weite, Höhe und Tiefe kann keine Kreatur, auch kein
Engel im Himmel erforschen, sondern die Engel leben in des Vaters Kraft ganz
sänftig und freudenreich, und singen immer in des Vaters Kraft. Von
Gott dem Sohne
3.13. So man nun will
Gott, den Sohn, sehen, so muß man abermal natürliche Dinge anschauen, sonst
kann ich nicht von ihm schreiben. Der Geist siehet ihn wohl, aber man kann es
nicht reden oder schreiben, denn das göttliche Wesen stehet in Kraft, die
sich nicht schreiben oder reden lässet. Müssen derowegen Gleichnisse vor uns
nehmen, wenn wir wollen von Gott reden, denn wir leben in dieser Welt im
Stückwerk und sind aus Stückwerk gemacht worden. Will derowegen den Leser in
jenes Leben zitieret haben, da will ich eigentlicher und klärlicher mit ihm
von diesem hohen Artikul reden. Es wolle der liebhabende Leser derweil auf
des Geistes Sinn sehen, so wirds nicht fehlen, er wird auch ein Kräftlein
davon bekommen, so ihn nur hungert. Nun merke: Es sprechen die Türken und
Heiden, Gott habe keinen Sohn. Allhie tut die Augen recht auf und macht euch
nicht selber stockblind, so werdet ihr den Sohn sehen. 3.14. Der Vater ist
alles und alle Kraft bestehet in dem Vater. Er ist der Anfang und das Ende
aller Dinge, und außer ihm ist nichts; und alles, was da worden ist, das ist
aus dem Vater worden. Denn vor Anfang der Schöpfung der Kreaturen war nichts
als nur allein Gott, und wo nun nichts ist, daraus wird nichts. Alles Ding
muß eine Ursache oder Wurzel haben, sonst wird nichts. Nun aber mußt du nicht
denken, daß der Sohn ein ander Gott sei als der Vater. Du darfst auch nicht
denken, daß der Sohn außer dem Vater sei und sei ein besonder Teil, als wenn
zwei Männer nebeneinander stehen, da einer den andern nicht begreift. Nein
eine solche Substanz hat es nicht mit dem Vater und Sohne, denn der Vater ist
nicht ein Bild, mit etwas zu vergleichen, sondern der Vater ist der
Brunnquell aller Kräfte, und sind alle Kräfte ineinander wie eine Kraft.
Darum heißt er auch ein einiger Gott, sonst wo seine Kräfte zertrennt wären,
so wäre er nicht allmächtig. Nun aber ist er der selbständige, allmächtige
und allkräftige Gott. 3.15. Der Sohn aber ist
das Herze in dem Vater. Alle Kräfte, die in dem Vater sind, die sind des
Vaters Eigentum, und der Sohn ist das Herze oder der Kern in allen Kräften in
dem ganzen Vater. Er ist aber die Ursache der quellenden Freuden in allen
Kräften in dem ganzen Vater. Von dem Sohn, der da ist des Vaters Herze in
allen seinen Kräften, steiget auf die ewige himmlische Freude und quillet in
allen Kräften des Vaters. Eine solche Freude, die kein Auge gesehen und kein
Ohr gehöret hat und in keines Menschen Herze nie gestiegen ist, wie St.
Paulus saget 1.Kor 2,9. 3.16. So aber ein
Mensch allhie auf Erden mit dem Hl. Geist erleuchtet wird aus dem Brunnquell
Jesu Christi, daß die Geister der Natur, welche bedeuten den Vater,
angezündet werden, so gehet eine solche Freude in seinem Herzen auf in alle
Adern, daß der ganze Leib zittert und der animalische Geist triumphieret, als
wäre er in der Hl. Trinität, welches allein die verstehen, die an dem Orte
sind zu Gaste gewesen. 3.17. Dieses aber ist
nur ein Vorbild oder Anblick des Sohns Gottes in dem Menschen, dadurch der
Glaube gestärkt und erhalten wird; denn die Freude kann in einem irdischen
Gefäße nicht also groß sein als in einem himmlischen, da die vollkommene
Kraft Gottes völlig ist. 3.18. Hie muß ich nun
im Gleichnis schreiben. Allhier will ich dir ein Gleichnis in der Natur
zeigen, wie da sei das hl. Wesen in der hl. Trinität: Schaue an den Himmel, der
ist eine runde Kugel und hat weder Anfang noch Ende, sondern es ist überall
der Anfang und das Ende, wo du ihn nur ansiehest. Also ist auch Gott in und
über dem Himmel, der hat weder Anfang noch Ende. Nun siehe weiter an der
Sterne Zirk, die bedeuten des Vaters mancherlei Kraft und Weisheit, und sie
sind auch aus des Vaters Kraft und Weisheit gemacht worden. Nun der Himmel,
die Sterne und die ganze Tiefe zwischen den Sternen samt der Erden bedeuten
den Vater; und die sieben Planeten bedeuten die sieben Geister Gottes oder
die Fürsten der Engel, unter welchen Herr Luzifer auch einer gewesen ist vor
seinem Fall, welche alle aus dem Vater gemacht sind im Anfang der Schöpfung
der Engel vor der Zeit der Welt. 3.19. Nun merke:
Die Sonne gehet mitten in der Tiefe zwischen den
Sternen in dem runden Zirk, und sie ist das Heer der Sterne und gibt allen
Sternen Licht und Kraft, und temperieret aller Sterne Kraft, daß alles fein
lieblich und freudenreich wird. Auch so erleuchtet sie den Himmel, die Sterne
und die Tiefe über der Erde, und wirket in allen Dingen, was in dieser Welt
ist, und ist der König und das Herze aller Dinge in dieser Welt, und die
bedeutet recht Gott den Sohn. 3.20. Denn gleichwie
die Sonne mitten zwischen den Sternen und Erden stehet und erleuchtet alle
Kräfte und ist das Licht und Herze aller Kräfte, und alle Freude in dieser
Welt, dazu alle Schönheit und Lieblichkeit stehet in der Sonne Licht und
Kraft, also auch der Sohn Gottes in dem Vater, der ist das Herze in dem Vater
und leuchtet in allen Kräften des Vaters, und seine Kraft ist die bewegliche,
quellende Freude in allen Kräften des Vaters, und leuchtet in dem ganzen
Vater, gleichwie die Sonne in der ganzen Welt. So man könnte die Erde
wegnehmen, welche bedeutet das Haus der Trübsal oder der Hölle, so wäre die
ganze Tiefe gar licht an einem Ort wie am andern. Also ist auch die ganze
Tiefe im Vater gar licht an einem Orte wie am andern, von dem Glanze des
Sohns Gottes. Und gleichwie die Sonne ist eine selbständige Kreatur, Kraft
oder Licht, die nicht aus allen Kreaturen scheinet, sondern in alle
Kreaturen, und alle Kreaturen freuen sich in ihrer Kraft, also ist auch der
Sohn in dem Vater eine selbständige Person und erleuchtet alle Kraft in dem
Vater und ist des Vaters Freude oder Herze in seinem Centro oder Mitten. 3.21. Hie merke die
große Geheimnis Gottes: Die Sonne ist aus allen Sternen geboren oder gemacht,
und ist das Licht aus der ganzen Natur genommen und scheinet wieder in die
ganze Natur dieser Welt und ist mit den andern Sternen verbunden, als wäre
sie mit allen Sternen ein Stern. 3.22. Also ist auch der
Sohn Gottes aus allen Kräften seines Vaters von Ewigkeit immer geboren und
nicht gemacht, und ist das Herze und Glanz aus allen Kräften seines
himmlischen Vaters, eine selbständige Person, das Zentrum oder in der Tiefe
das Corpus des Glanzes. Denn des Vaters Kraft gebäret den Sohn von Ewigkeit
immerdar. So nun der Vater würde aufhören zu gebären, so wäre der Sohn nicht
mehr, und so der Sohn nicht mehr in dem Vater leuchtete, so wäre der Vater
ein finster Tal; denn des Vaters Kraft stiege nicht auf von Ewigkeit zu
Ewigkeit, und könnte das göttliche Wesen nicht bestehen. 3.23. Also ist der
Vater das selbständige Wesen aller Kräfte, und der Sohn ist das Herze in dem
Vater, das aus allen Kräften des Vaters immer geboren wird, und der des
Vaters Kräfte wieder erleuchtet. Nicht mußt du denken, daß der Sohn in dem
Vater vermischt sei, daß man seine Person nicht sehe oder erkenne; nein, wenn
das wäre, so wäre es nur eine Person. So wenig als die Sonne aus den andern
Sternen scheinet, und ob sie gleich aus andern Sternen ihren Ursprung hat, so
wenig scheinet auch der Sohn aus den Kräften des Vaters, was sein Corpus
anlanget. Und ob er gleich aus den Kräften des Vaters immer geboren wird, so
scheinet er doch wieder in die Kräfte des Vaters; denn er ist eine andere
Person als der Vater, aber nicht ein anderer Gott. Er ist ewig in dem Vater,
und der Vater gebäret ihn von Ewigkeit zu Ewigkeit immerdar, und ist der
Vater und der Sohn ein Gott, gleiches Wesens in Kraft und Allmacht. Der Sohn
siehet, hört, schmecket, fühlet, reucht und begreift alles wie der Vater. In
seiner Kraft lebet und ist alles, was da gut ist, wie in dem Vater; aber das
Böse ist nicht in ihm. Von
Gott dem Hl. Geist
3.24. Gott, der Hl.
Geist, ist die dritte Person in der triumphierenden hl. Gottheit, und gehet
vom Vater und Sohne aus der heilige wallende Freudenquell in dem ganzen
Vater, ein lieblich, sanftes und stilles Sausen, aus allen Kräften des Vaters
und des Sohnes, wie beim Propheten Elia am Berge Horeb (1.Kön 19,12) und am
Pfingsttage bei den Aposteln Christi zu sehen ist (Apg 2,2). 3.25. So man aber seine
Person, Substanz und Eigenschaft aus rechtem Grund beschreiben will, so muß
mans auch im Gleichnis vorbilden; denn den Geist kann man nicht schreiben,
dieweil er keine Kreatur ist, sondern die wallende Kraft Gottes. 3.26. Nun siehe aber
einmal die Sonne und Sterne an, die manch und vielerlei Sterne, die
unaussprechlich oder unzählig sind, die bedeuten den Vater. Aus denselben
Sternen ist worden die Sonne, denn Gott hat sie daraus gemacht, die bedeutet
den Sohn Gottes. Nun sind von der Sonne und Sternen worden die vier Elementa,
Feuer, Luft, Wasser, Erde, wie ich hernach klar beweisen will, wenn ich von
der Schöpfung schreiben werde. 3.27. Nun merke: Die
drei Elementa, Feuer, Luft und Wasser, die haben dreierlei Bewegung oder
Qualifizierung, aber nur ein Corpus. Siehe, das Feuer oder Hitze empöret sich
aus der Sonne und Sternen, und aus der Hitze empöret sich die Luft und aus
der Luft das Wasser. Und in dieser Bewegung oder Qualifizierung stehet aller
Kreaturen Leben und Geist, auch alles, was in dieser Welt genannt mag werden,
das bedeutet den Hl. Geist. 3.28. Gleichwie die
drei Elementa Feuer, Luft und Wasser von der Sonne und Sternen ausgehen und
sind ein Corpus ineinander und machen die lebendige Bewegung und den Geist
aller Kreaturen in dieser Welt, also auch gehet der Hl. Geist vom Vater und
Sohne aus, und machet die lebendige Bewegung in allen Kräften des Vaters. Und
gleichwie die drei Elementa in der Tiefe wallen als ein selbständiger Geist,
und machen Hitze, Kälte, Wolken und fließen aus aller Sterne Kraft, und alle
Kräfte der Sonne und Sterne sind in drei Elementen, als wären sie selber die
Sonne und Sterne, daraus denn aller Kreaturen Leben und Geist wird und
darinnen bestehet, also gehet der Hl. Geist aus vom Vater und Sohne und
wallet in dem ganzen Vater, und ist aller Kräfte Leben und Geist in dem
ganzen Vater. 3.29. Hie merke die
tiefe Geheimnis: Alle Sterne, die man siehet und nicht siehet, die bedeuten
die Kraft Gottes des Vaters; nun aus denselben Sternen ist geboren die Sonne,
die ist das Herze aller Sterne. Nun gehet aus allen Sternen aus die Kraft,
die in jedem Sterne ist, in die Tiefe. Nun gehet der Sonne Kraft, Hitze und
Schein auch in die Tiefe, und in der Tiefe ist aller Sterne Kraft mit der
Sonne Schein und Hitze ein Ding, eine bewegende Wallung, gleich eines Geistes
oder einer Materia, allein daß es nicht Vernunft hat, denn es ist nicht der
Hl. Geist. Auch so gehöret das vierte Element auch zu einem natürlichen
Geiste, soll er aber Vernunft haben. Also gehet aus Gott dem Vater aus, aus
allen seinen Kräften und gebietet den Glanz, das Herze oder den Sohn Gottes
in seinem Centro. Den vergleicht man der runden Kugel der Sonne, der leuchtet
über sich, unter sich und neben sich, und gehet der Glanz samt allen Kräften
aus dem Sohne Gottes in den ganzen Vater. 3.30. Nun ist in der
ganzen Tiefe des Vaters außer dem Sohne nichts denn die vielerlei und unermeßliche
oder unerforschliche Kraft des Vaters. Und die unerforschliche Kraft und
Licht des Sohnes, das ist in der Tiefe des Vaters ein lebendiger,
allkräftiger, allwissender, anhörender, allsehender, allriechender,
allschmeckender, allfühlender Geist, in dem alle Kraft und Glanz und Weisheit
ist wie in dem Vater und Sohne. 3.31. Gleichwie in den
vier Elementen ist der Sonne und aller Sterne Kraft und Glanz, also auch in
der ganzen Tiefe des Vaters, und das ist und heißt recht der Hl. Geist, der
die dritte selbständige Person ist in der Gottheit. Von
der heiligen Dreifaltigkeit
3.32. Wenn man nun
redet oder schreibet von drei Personen in der Gottheit, so darfst du nicht
denken, daß darum drei Götter sind, da ein jeder für sich herrschet und
regieret gleich den irdischen Königen auf Erden. Nein, eine solche Substanz
und Wesen hat es nicht in Gott; denn das göttliche Wesen stehet in Kraft und
nicht im Leibe oder Fleische. 3.33. Der Vater ist die
ganze göttliche Kraft, daraus alle Kreaturen worden sind, und ist von
Ewigkeit immer gewesen. Er hat keinen Anfang noch Ende. Der Sohn ist in dem
Vater des Vaters Herze oder Licht, und der Vater gebäret den Sohn von
Ewigkeit zu Ewigkeit immerdar, und des Sohns Kraft und Glanz leuchtet wieder
in dem ganzen Vater, gleichwie die Sonne in der ganzen Welt. 3.34. Und ist der Sohn
eine andere Person als der Vater, aber nicht außer dem Vater, und auch kein
ander Gott als der Vater. Seine Kraft, Glanz und Allmacht ist nichts kleiner
als der ganze Vater. 3.35. Der Hl. Geist
gehet vom Vater und Sohne aus und ist die dritte selbständige Person in der
Gottheit. Gleichwie die Elementa in dieser Welt von der Sonne und Sternen
ausgehen und sind der bewegliche Geist in allen Dingen in dieser Welt, also
auch ist der Hl. Geist der bewegliche Geist in dem ganzen Vater und gehet von
Ewigkeit zu Ewigkeit immer von dem Vater und Sohne aus und erfüllet den
ganzen Vater. Er ist nichts kleiner oder größer als der Vater und Sohn. Seine
webende Kraft ist in dem ganzen Vater. 3.36. Alles Ding in dieser
Welt ist nach dem Gleichnis dieser Dreiheit worden. Ihr blinden Juden, Türken
und Heiden, tut die Augen eures Gemütes auf, ich muß euch an eurem Leibe und
allen natürlichen Dingen zeigen, an Menschen, Tieren, Vögeln und Würmen,
sowohl an Holz, Steinen, Kraut, Laub und Gras, das Gleichnis der Hl. Dreiheit
in Gott. 3.37. Ihr saget, es sei
ein einig Wesen in Gott; Gott habe keinen Sohn. Nun tue die Augen auf und
siehe dich selber an: Ein Mensch ist nach dem Gleichnis und aus der Kraft
Gottes in seiner Dreiheit gemacht. Schaue deinen inwendigen Menschen an, so
wirst du das hell und rein sehen, so du nicht ein Narr und unvernünftig Tier
bist. So merke: In deinem Herzen, Adern und Hirne hast du deinen Geist. Alle
die Kraft, die sich in deinem Herzen, Adern und Hirne beweget, darinne dein
Leben stehet, bedeutet Gott den Vater. Aus derselben Kraft empöret sich dein
Licht, daß du in derselben Kraft siehest, verstehest und weißt, was du tun
sollst; denn dasselbe Licht schimmert in deinem ganzen Leibe und beweget sich
der ganze Leib in Kraft und Erkenntnis des Lichtes, das bedeutet Gott, den
Sohn. Denn gleichwie der Vater den Sohn aus seiner Kraft gebäret und der Sohn
leuchtet in dem ganzen Vater, also auch gebäret die Kraft deines Herzens,
deiner Adern und deines Hirnes ein Licht, das leuchtet in allen deinen
Kräften, in deinem ganzen Leibe. Tue die Augen deines Gemütes auf und denke
ihm nach, so wirst du es also finden. 3.38. Nun merke:
Gleichwie vom Vater und Sohn ausgehet der Hl. Geist und ist eine selbständige
Person in der Gottheit, und wallet in dem ganzen Vater, also gehet auch aus
den Kräften deines Herzens, Adern und Hirn aus die Kraft, die in deinem
ganzen Leibe wallet, und aus deinem Lichte gehet aus in dieselbe Kraft,
Vernunft, Verstand, Kunst und Weisheit, den ganzen Leib zu regieren und auch
alles, was außer dem Leibe ist, zu unterscheiden. Und dieses beides ist in
deinem Regiment des Gemütes ein Ding, dein Geist, und das bedeutet Gott, den
Hl. Geist. Und der Hl. Geist aus Gott herrschet auch in diesem Geiste in dir,
bist du aber ein Kind des Lichts und nicht der Finsternis. 3.39. Denn von wegen
dieses Lichts, Verstandes und Regiments ist der Mensch unterschieden von den
Tieren, und ein Engel Gottes, wie ich klar beweisen will, wenn ich von
Erschaffung des Menschen schreiben werde. 3.40. Darum merke eigen
und habe acht auf die Ordnung dieses Buches; du wirst finden, was dein Herze
begehret oder immer lüstert. 3.41. Also findest du
in einem Menschen drei Quellbrunnen: erstlich die Kraft in deinem ganzen
Gemüte, das bedeutet Gott den Vater; danach das Licht in deinem ganzen
Gemüte, das erleuchtet das ganze Gemüte, das bedeutet Gott den Sohn. 3.42. Danach so gehet
aus allen deinen Kräften und auch aus deinem Lichte ein Geist aus, der ist
verständig; denn alle Adern samt dem Lichte in dir, sowohl Herz und Hirn und
alles, was in dir ist, das macht denselben Geist, und das ist deine Seele und
bedeutet recht den Hl. Geist, der vom Vater und Sohne ausgehet und regieret
in dem ganzen Vater; denn die Seele des Menschen regieret im ganzen Leibe. 3.43. Der Leib aber
oder das tierische Fleisch im Menschen bedeutet die tote verderbte Erde, daß
ihm der Mensch durch seinen Fall selber also zugerichtet hat, wie hernach
folgen wird an seinem Orte. 3.44. Also findest du auch
die Dreiheit der Gottheit in den Tieren; denn wie der Geist eines Menschen
wird und entstehet, also auch in einem Tier, und ist in dem kein Unterscheid,
allein in diesem ist der Unterscheid, daß der Mensch ist aus dem besten Kern
der Natur gemacht von Gott selber zu seinem Engel und Gleichnis, und
herrschet in dem Menschen mit seinem Hl. Geist, daß der Mensch kann reden und
alles unterscheiden und verstehen. 3.45. Das Tier aber ist
allein worden aus der wilden Natur dieser Welt; die Sterne und Elementa haben
die Tiere durch ihre Bewegung geboren nach dem Willen Gottes. 3.46. Also entstehet
auch der Geist in Vögeln und Würmen im Gleichnis der Dreiheit und hat alles
seinen dreifachen Quell im Gleichnis der Dreiheit der Gottheit. Also siehest
du auch die Dreiheit in der Gottheit in Holz und Steinen, sowohl in Kraut,
Laub und Gras, allein daß dasselbe alles irdisch ist. Noch gebäret die Natur
nichts, es sei in dieser Welt, was es wolle, und wenn es gleich kaum eine
Stunde stehen oder bleiben soll, es wird alles in der Dreiheit oder nach dem
Gleichnis Gottes geboren. 3.47. Nun merke: In
einem Holze, Steine und Kraut sind drei Dinge, und kann nichts geboren werden
oder wachsen, so unter den dreien sollte in einem Dinge nur eines außen
bleiben. Erstlich die Kraft, daraus ein Leib wird, es sei gleich Holz oder
Stein oder Kraut. Hernach ist in demselben ein Saft, das ist das Herze eines
Dinges. Zum dritten ist darinnen eine quellende Kraft, Geruch oder Geschmack,
das ist der Geist eines Dinges, davon es wächst und zunimmt. So nun unter den
dreien eines fehlet, so kann kein Ding bestehen. 3.48. Also findest du
die Gleichnis der Dreiheit in dem göttlichen Wesen in allen Dingen, schaue
an, was du willst; und soll sich niemand stockblind machen und vermeinen, es
sei anders, oder denken, Gott habe keinen Sohn und Hl. Geist. Ich will
solches hinfüro, wenn ich werde von der Schöpfung schreiben, viel heller,
klärer und lauterer beweisen, denn ich nehme mein Schreiben und Buch nicht
von andern Meistern. Und ob ich gleich viel Exempel und Zeugnisse der
Heiligen Gottes darinnen führe, so ist mir doch solches alles von Gott in
meinen Sinn geschrieben, daß ichs ganz ungezweifelt glaube, erkenne und sehe,
nicht im Fleisch, sondern im Geiste, im Trieb und Wallen Gottes. 3.49. Nicht also zu
verstehen, daß meine Vernunft größer wäre als aller derer, die da leben,
sondern ich bin des Herrn Zweig nur ein kleines und geringes Fünklein aus
ihm. Er mag mich setzen, wo er hin will, ich kann ihm das nicht wehren. Auch
so ist dieses nicht mein natürlicher Wille, den ich aus meinen Kräften
vermag; denn so mir der Geist entzogen wird, so kenne oder verstehe ich meine
eigene Arbeit nicht, und muß mich auf allen Seiten mit dem Teufel kratzen und
schlagen und bin der Anfechtung und Trübsal unterworfen wie alle Menschen.
Aber du wirst in den nachfolgenden Kapiteln den Teufel mit seinem Reiche bald
bloß sehen. Es soll ihm seine Hoffart und Schande bald aufgedeckt werden. 4.1. Es haben die
Gelehrten und fast alle Skribenten viel und große Bekümmernis, Nachforschen,
Dichten und Trachten in der Natur gehabt, auch viel und mancherlei Meinung
herfürgebracht, wenn und wie oder woraus doch die heiligen Engel geschaffen sind.
Hinwiederum was doch der schreckliche Fall des Großfürsten Luzifer sei
gewesen oder wie er doch so ein böser und grimmiger Teufel sei worden wo doch
solcher böse Quell herrühre oder was ihn doch dazu getrieben habe. 4.2. Wiewohl dieser
Grund und große Geheimnis von der Welt her verborgen blieben und auch
menschlich Fleisch und Blut solches nicht fassen oder begreifen kann, so will
sich doch der Gott, der die Welt gemacht hat, jetzo am Ende offenbaren, und
werden alle großen Geheimnisse offenbar werden, anzuzeigen, daß der große Tag
der Offenbarung und endlichen Gerichts nun nahe und täglich zu gewarten sei,
an welchem wir herwieder gebracht werden, was durch Adam ist verloren worden,
an welchem sich wird scheiden in dieser Welt das Reich der Himmel und das
Reich der Teufel. 4.3. Dieses alles, wie
es beschaffen, will Gott in höchster Einfalt offenbaren, welchem niemand
widerstehen kann, und mag ein jeder seine Augen emporheben, darum daß sich
seine Erlösung nahet, und nicht nach schändlichem Geiz, Hoffart und üppigem
Prassen und Prangen trachten und vermeinen, es sei hier das beste Leben, da
er doch in seinem Übermut mitten in der Hölle sitzet, den Luzifer zu hüten,
welches er bald mit großen Schrecken, Angst und ewiger Verzweifelung, dazu
Spott und Schande wird sehen müssen; wie man dessen ein schrecklich Exempe1
an solchen Teufeln hat, welche sind die schönsten Engel im Himmel gewesen,
wie ich bald hernach schreiben und offenbaren will. Ich lasse es Gott walten,
ich kann ihm nicht widerstehen. Von
der göttlichen Qualität
4.4. Als du nun im
dritten Kapitel hast gründlich vernommen von der Dreiheit im göttlichen
Wesen, so will ich nun allhier klärlich anzeigen von der Kraft und Wirkung,
sowohl von den Qualitäten oder Qualifizierung im göttlichen Wesen oder woraus
eigentlich die Engel geschaffen sind oder was ihr Corpus und Kraft sei. 4.5. Wie ich vor auch
gemeldet habe, daß in Gott dem Vater sei alle Kraft, die kein Mensch mit
seinen Sinnen kann erreichen, allein an den Sternen und Elementen, sowohl an
den Kreaturen in dem ganzen Geschöpfe dieser Welt erkennet man das klar. 4.6. Es ist alle Kraft
in Gott dem Vater, und gehet von ihm aus als Licht, Hitze, Kalt, Weich, Süße,
Bitter, Sauer, Herbe, Schall und das unmöglich zu reden oder zu begreifen
ist. Dieses alles ist in Gott dem Vater ineinander wie eine Kraft, und
bewegen sich doch alle Kräfte in seinem Ausgange. Es sind die Kräfte in Gott
nicht auf eine solche Art und Weise qualifizierend wie in der Natur in
Sternen und Elementen oder in Kreaturen. 4.7. Nein, so mußt du
nicht denken; denn Herr Luzifer hat in seiner Erhebung die Kräfte der
unreinen Natur also brennend, bitter, kalt, herbe, sauer, finster und unrein
gemacht, sondern in dem Vater sind alle Kräfte linde, weich, gleich dem
Himmel ganz freudenreich; denn alle Kräfte triumphieren ineinander und der
Schall derselben steiget auf von Ewigkeit zu Ewigkeit. Darinnen ist nichts
denn Liebe, Sanftmut, Barmherzigkeit, Freundlichkeit, eine solche
triumphierende, aufsteigende Freudenquelle, da alle Stimmen der himmlischen
Freudenreich ergehen, das kein Mensch sagen, auch mit nichts vergleichen
kann. So mans aber will vergleichen, so muß mans der Seele des Menschen
vergleichen: Wenn dieselbe vom Hl. Geiste angezündet wird, so ist sie also
freudenreich und triumphierend; alle Kräfte steigen auf in ihr und
triumphieren, daß sie den tierischen Leib erheben, daß er zittert. Das ist
ein rechter Anblick der göttlichen Qualität, wie die Qualität in Gott ist; in
Gott ist alles Geist. 4.8. Die Qualität des
Wassers ist nicht auf solche laufende und qualifizierende Art und Weise in
Gott wie in dieser Welt, sondern es ist ein Geist, ganz hell und dünne, in
welcher der Hl. Geist aufsteiget, eine Kraft. Die bittere Qualität
qualifizieret in der süßen, herben und sauren, und die Liebe steiget darinnen
auf von Ewigkeit zu Ewigkeit; denn die Liebe in dem Licht und Klarheit geht
aus dem Herzen oder Sohn Gottes in alle Kräfte des Vaters, und der Hl. Geist
wallet in allem. 4.9. Und dieses ist in
der Tiefe des Vaters gleich wie ein göttlicher Salitter, welches ich
nothalben muß der Erde vergleichen, die vor ihrer Verderbung ein solcher
Salitter gewesen, aber nicht also hart, kalt, bitter, sauer und finster,
sondern gleich der Tiefe oder dem Himmel, ganz helle und rein, darinnen alle
Kräfte sind gut, schön und himmlisch gewesen, aber Fürst Luzifer hats also
verderbet, wie hernach folgen wird. 4.10. Dieser himmlische
Salnitter oder Kräfte ineinander gebären himmlische freudenreiche Früchte und
Farben, allerlei Bäume und Stauden. Darauf wächst die schöne und liebliche
Frucht des Lebens; auch so gehen in diesen Kräften auf allerlei Blumen mit
schönen himmlischen Farben und Geruch. Ihr Schmack ist mancherlei, ein jedes
nach seiner Qualität und Art, ganz heilig, göttlich und freudenreich; denn
jede Qualität träget seine Frucht, gleichwie in der verderbten Mordgrube oder
Finstertal der Erde aufgehen allerlei irdische Bäume, Stauden, Blumen und
Früchte, dazu in der Erde schöne Gesteine, Silber und Gold; das ist alles ein
Vorbild der himmlischen Gebärung. 4.11. Die Natur
arbeitet mit höchstem Fleiße an der verderbten und toten Erde, daß sie möchte
himmlische Form und Art gebären, aber sie gebäret tote, finstere und harte
Früchte, die nicht mehr als nur ein Vorbild sind der himmlischen; dazu sind
sie ganz grimmig, bitter, sauer, herbe, hitzig, kalt, hart und böse, und ist
kaum ein guter Funke darinnen. Ihr Saft und Geist ist vermischet mit der
höllischen Qualität, ihr Geruch ist ein Gestank. Also hat sie Herr Luzifer
zugerichtet, wie ich hernach klar beweisen will. 4.12. Wenn ich nun
schreibe von Bäumen, Stauden und Früchten, so mußt du es nicht irdisch,
gleich dieser Welt verstehen; denn das ist nicht meine Meinung, daß im Himmel
wachse ein toter, harter, hölzern Baum oder Stein, der in irdischer Qualität
bestehe; nein, sondern meine Meinung ist himmlisch und geistlich, aber doch
wahrhaftig und eigentlich also; ich meine kein ander Ding als wie ichs im
Buchstaben setze. 4.13. In der göttlichen
Pomp sind fürnehmlich zwei Dinge zu betrachten: erstlich der Salitter oder
die göttlichen Kräfte, die sind eine bewegende, quellende Kraft; in derselben
Kraft wächst aus und gebäret sich die Frucht nach jeder Qualität und Art als
himmlische Bäume und Stauden, die ohne Aufhören ihre Frucht tragen, schön blühen
und wachsen in göttlicher Kraft also freudenreich, daß ich das nicht reden
oder schreiben kann, sondern ich stammele daran wie ein Kind, das da lernet
reden und kanns nirgend recht nennen, wie es der Geist zu erkennen gibt. 4.14. Die andere
Gestalt des Himmels in der göttlichen Pomp ist der Marcurius oder der Schall,
gleichwie in dem Salitter der Erde ist der Schall, davon wächst Gold, Silber,
Kupfer, Eisen und desgleichen, davon man kann allerlei Instrumenta machen zum
Schall oder zur Freude, als da sind Glocken, Pfeifen und alles, was da
schallet; auch so ist derselbe Schall in allen Kreaturen auf Erden, sonst
wäre alles stille. 4.15. Nun durch
denselben Schall im Himmel werden alle Kräfte beweget, daß alles freudenreich
wächst und sich ganz zierlich gebäret. Nun gleichwie die göttlichen Kräfte
viel und mancherlei sind, also ist der Schall oder Marcurius auch viel und
mancherlei. Wenn nun die Kräfte in Gott aufsteigen, so reget eine die andere
und wallen ineinander und ist ein stetes Vermischen, alsdann gehen aus
denselben allerlei Farben, und in denselben Farben wächst allerlei Frucht;
das gehet in dem Salnitter auf und der Marcurius oder Schall vermenget sich
auch und steiget auf in allen Kräften des Vaters; alsdann gehet auf Tönen und
Schallen in der himmlischen Freudenreich. So du in dieser Welt viel
tausenderlei Instrumenta und Saitenspiel zusammenbrächtest und zögest sie
alle aufs künstlichste ineinander und hättest die allerkünstlichste Meister
dazu, die sie trieben, so wäre es doch nur wie ein Hundegebell gegen den
göttlichen Schall und Musica, das durch den göttlichen Schall aufgehet von
Ewigkeit zu Ewigkeit. 4.16. So du nun dies
himmlische göttliche Pomp und Herrlichkeit willst betrachten, wie sie sei,
was für Gewächse, Lust oder Freude da sei, so schaue mit Fleiß an diese Welt,
was für Früchte und Gewächse aus dem Salniter der Erde wächst von Bäumen,
Stauden, Wurzeln, Blumen, Öle, Wein, Getreide und alles, was da ist und dein
Herze nur forschen kann, das ist alles ein Vorbild der himmlischen Pomp. 4.17. Denn die irdische
und verderbte Natur hat von Anfang ihrer Schöpfung bis auf heute immer
gearbeitet, daß sie möchte himmlische Form herfürbringen, beides in der Erde
und in Mensehen und Tieren, als man das denn gar wohl siehet; wie alle Jahr
neue Künste herfürgehen; das hat vom Anfang bis auf dato gewähret, aber sie
hat nicht göttliche Kraft und Qualität können herfürbringen, darum ist ihre
Frucht halb tot, verderbet und unrein. 4.18. Nicht mußt du
denken, daß in der göttlichen Pomp Tiere Würme oder Kreaturen im Fleische
herfürgehen wie in dieser Welt; nein, sondern ich meine allein die
wunderbarliche Proporz, Kraft und Geschicklichkeit in derselben. Die Natur
arbeitet mit höchstem Fleiß, daß sie möge in ihrer Kraft himmlische Figuren
oder Formen herfürbringen, als man denn siehet in Menschen, Tieren, Vögeln
und Würmen, sowohl in den Gewächsen der Erden, daß sich alles aufs
künstlichste gebärdet; denn die Natur wäre gern der Eitelkeit los, daß sie
möchte himmlische Form in heiliger Kraft gebären. 4.19. Denn in der
göttlichen Pomp gehet gleichwohl herfür allerlei Gewächs von Bäumen, Stauden
und allerlei Frucht, und ein jedes träget seine Frucht, aber nicht auf
irdische Qualität und Art, sondern in göttlicher Qualität, Form und Art. 4.20. Die Früchte sind
nicht ein tot, hart, bitter, sauer, und herbe Aas, die verfaulen und zu einem
Gestank werden, wie in dieser Welt, sondern es stehet alles in heiliger,
göttlicher Kraft; ihre Zusammenfügung ist aus göttlicher Kraft, aus dem
Salnitter und Marcurio der göttlichen Pomp, eine Speise der Hl. Engel. 4.21. Wenn es des
Menschen greulicher Fall nicht hätte verderbet, so sollte er in dieser Welt
auch auf eine solche Weise sein zu Gaste gangen und haben von solchen
Früchten gessen, wie sie ihm denn im Paradies beiderlei fürgestellt worden.
Aber die infizierte Lust und Sucht des Teufels, der den Salitter infizieret
und verderbet hatte, daraus Adam gemacht ward, der brachte den Menschen in
böse Lust, von beiden Qualitäten Bösen und Guten zu essen, davon ich hernach
klar schreiben und solches auch beweisen will. Von
Erschaffung der Engel
4.22. Es zeiget und
weiset der Geist heil und klar, daß vor Erschaffung der Engel das göttliche
Wesen mit seinem Aufsteigen und Qualifizieren sei von Ewigkeit gewesen und
auch in der Schöpfung der Engel sei blieben, wie es noch auf heute ist, und
wird auch in Ewigkeit also bleiben. 4.23. Der Locus oder
der Ort und Raum dieser Welt samt dem kreatürlichen Himmel, den wir mit
unsern Augen sehen, sowohl der Locus oder Ort der Erde und Sterne samt der
Tiefe ist eine solche Forma gewesen, wie es noch heute über den Himmeln der
göttlichen Pomp ist. 4.24. Es ist aber des
Großfürsten Luzifer Königreich worden in der Erschaffung der Engel. Der hat
mit seiner stolzen Erhebung in seinem Königreich die Qualitäten oder den
göttlichen Salitter, daraus er gemacht war, angezündet und brennend gemacht. 4.25. Er meinte hiemit
also hochlichte und qualifizierend zu werden über den Sohn Gottes, aber er
ward ein Narr. Darum konnte dieser Locus nicht in seiner brennenden Qualität
bestehen in Gott, darauf denn die Schöpfung dieser Welt erfolget ist. Es wird
aber diese Welt am Ende in Gott bestimmter Zeit wieder in ihren ersten Locum
gesetzt werden, wie es war vor Erschaffung der Engel, und Herr Luzifer wird
eine Höhle, Gruft oder Loch zu seiner ewigen Behausung darinnen bekommen und
ewig in seiner angezündeten Qualität bleiben. Das wird sein eine ewige
Schandwohnung, ein wüst und finster Tal, eine Höhle der Grimmigkeit. 4.26. Nun merke: Gott
hat in seinem Wallen die heiligen Engel alle auf einmal geschaffen, nicht aus
fremder Materia, sondern aus ihm selber, aus seiner Kraft und ewigen
Weisheit. Es haben die Philosophi die Meinung gehabt, als hätte Gott die
Engel nur aus dem Lichte gemacht. Aber sie haben geirret, sie sind nicht
allein aus dem Lichte gemacht, sondern aus allen Kräften Gottes. 4.27. Wie ich vor
angezeiget, es sind in der Tiefe Gottes des Vaters sonderlich zwei Dinge zu
merken, erstlich die Kraft oder alle Kräfte Gottes des Vaters, des Sohnes und
des Hl. Geistes, die sind lieblich, wonnesam und mancherlei, und sind doch
alle ineinander wie eine Kraft. 4.28. Gleichwie in der
Luft aller Sterne Kraft regieret, also auch in Gott. Es erzeiget sich aber in
Gott jede Kraft mit ihrer Wirkung insonderheit. Darnach so ist der Schall in
jeder Kraft, und der Schall tönet nach jeder Kraft Qualität, und darinnen
stehet die ganze himmlische Freudenreich. Aus diesem göttlichen Salitter und
Marcurio sind alle Engel gemacht worden, verstehe aus dem Leibe der Natur. 4.29. Du möchtest aber
nun fragen: Wie sind sie gemacht oder geboren, oder was ist das für eine
Form? Ja, wenn ich eine Engelszunge hätte und du einen Engelsverstand, so
wollten wir wohl fein davon reden, aber so siehet es nur der Geist und die Zunge
kanns nicht erheben, denn ich kann keine andere Worte als die Worte dieser
Welt. So aber nur der Hl. Geist in dir ist, so wird’s deine Seele wohl
begreifen. 4.30. Siehe, die ganze
Hl. Dreifaltigkeit hat mit ihrem Wallen ein Corpus oder Bild aus sich zusammenfigurieret
gleich einem kleinen Gotte, aber nicht also hart ausgehend als die ganze
Trinität, doch etlichermaßen nach der Kreaturen Größe. 4.31. In Gott ist kein
Anfang noch Ende. Die Engel aber haben einen Anfang und Ende, aber nicht
abmeßlich oder begreiflich, denn ein Engel kann erwan groß sein und auch
klein; ihre geschwinde Veränderung ist also geschwinde wie der Menschen
Gedanken. Es sind alle Qualitäten und Kräfte in einem Engel wie in der ganzen
Gottheit. 4.32. Du mußt aber
dieses recht verstehen: Sie sind aus dem Salitter und Marcurio gemacht und
zusammenfigurieret, das ist, aus dem Ausgange. Siehe ein Gleichnis: Aus der
Sonne und Sternen gehen aus die Elementa, und die machen in dem Salnitter der
Erden einen lebendigen Geist, und die Sterne bleiben an ihrem Zirk, und der
Geist kriegt gleichwohl der Sterne Qualität. 4.33. Nun ist aber der
Geist nach seiner Zusammenfügung ein sonderliches und hat eine Substanz wie
alle Sterne, und die Sterne sind und bleiben auch ein sonderliches, ein jedes
für sich frei. Aber nichts desto weniger herrschet der Sterne Qualität in dem
Geiste, aber der Geist kann und mag sich in seinen Qualitäten erheben oder
senken oder mag in den Einflüssen der Sterne leben wie er will, denn er ist
frei, denn er hat seine Qualitäten, die er in sich hat, zum Eigentum
gekriegt. 4.34. Und ob er sie
gleich anfänglich von den Sternen hat, so sind sie doch nun seine, gleich als
wenn die Mutter den Samen in ihr hat; weil sie den hat und daß es ein Same
ist, so ist er der Mutter. Wenn aber ein Kind draus wird, so ist er nicht
mehr der Mutter, sondern des Kindes Eigentum. Und obgleich das Kind in der
Mutter Hause ist und die Mutter ernähret es von ihrer Speise und das Kind
könnte ohne die Mutter nicht leben, noch ist der Leib und der Geist, der aus
der Mutter Samen gezeugt ist, sein Eigentum und behält sein körperlich Recht
für sich. 4.35. Also hats auch
eine Gestalt mit den Engeln. Sie sind auch alle aus dem göttlichen Samen
zusammenfigurieret worden, aber sie haben jeder den Corpus nun für sich. Und
ob sie gleich in Gottes Hause sind und essen die Frucht ihrer Mutter, daraus
sie worden sind, so ist doch ihr Corpus nun ihr Eigentum. 4.36. Aber die Qualität
außer ihnen oder ihrem Corpus, als ihre Mutter, ist nicht ihr Eigentum.
Gleichwie auch die Mutter nicht des Kindes Eigentum ist und auch der Mutter
Speise ist nicht des Kindes Eigentum, sondern die Mutter gibt es ihm aus
Liebe, dieweil sie das Kind geboren hat. 4.37. Sie mag das Kind
auch wohl aus ihrem Hause stoßen, wenn es ihr nicht folgen will, und mag ihm
ihre Speise entziehen, welches dem Fürstentum Luzifers auch widerfahren ist. 4.38. Also mag Gott
seine göttliche Kraft, die außer den Engeln ist, wenn sie sich wider ihn
erheben, entziehen. Wenn aber das geschieht, so muß ein Geist verschmachten
und verderben, gleich als wenn einem Menschen die Luft, die auch seine Mutter
ist, entzogen wird, so muß er sterben, also auch die Engel können außer ihrer
Mutter nicht leben. 5.1. Allhier ist nun
die Frage, was denn ein Engel vor einen Corpus, Form oder Gestalt habe oder
wie er figurieret sei. Gleichwie ein Mensch ist geschaffen zu Gottes Bildnis
und Gleichnis, also auch die Engel; denn sie sind der Menschen Brüder, und
werden die Menschen in der Auferstehung keine andere Form und Bildnis haben
als die Engel, wie solches unser König Christus selber zeuget, Matth 22,30.
Auch so haben sich die Engel allhier auf Erden nie in keiner andern Gestalt
den Menschen offenbaret als in Menschengestalt. 5.2. Dieweil wir denn
in der Auferstehung sollen den Engeln gleich sein, so müssen die Engel ja
figurieret sein wie wir, sonst müßten wir ein ander Bildnis in der
Auferstehung an uns nehmen, welches doch wider die erste Schöpfung wäre. 5.3. Auch so
erschienen Moses und Elias den Jüngern Christi in ihrer Form und Gestalt auf
dem Berge Tabor (Matth 17,1), die doch schon lange waren im Himmel gewesen,
und Elias war mit lebendigem Leibe in Himmel genommen worden, und hatte doch
nun keine andere Gestalt als er auf Erden hatte gehabt (2.Kön 2,11). Auch als
Christus zu Himmel fuhr, schwebeten zween Engel in den Wolken, die sprachen
zu den Jüngern: Ihr Männer von Israel, was sehet ihr hinnach? Dieser Jesus
wird wiederkommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren (Apg 1,11). Das
ist ja hell und klar, daß er in solcher Form werde am jüngsten Tage
wiederkommen mit göttlichem und glorifiziertem Leibe gleich einem Fürsten der
heiligen Engel, welches werden sein die Menschen. 5.4. Es zeiget auch
der Geist hell und klar, daß die Engel und Menschen ein Bildnis haben, denn
Gott hat an des verstoßenen Luzifers Legionen Stelle aus demselben Loco,
darinnen Luzifer saß und daraus er gemacht ward, einen andern Engel gemacht.
Das war Adam, so er nur in seiner Klarheit blieben wäre, aber es ist noch die
gewisse Hoffnung der Auferstehung. Da werden wir engelische Klarheit und
Reinigkeit bekommen. 5.5. Nun fragest du:
Wie sind denn die Engel nach dem Bilde Gottes geschaffen? Antwort: Erstlich
ist der zusammenfigurierte Leib, der ist unzertrennlich und auch
unzerstörlich und des Menschen Händen unbegreiflich; denn er ist aus
göttlicher Kraft zusammengetrieben, und ist dieselbe Kraft also miteinander
verbunden, daß sie ewig nicht kann zerstöret werden. So wenig jemand oder
etwas kann die ganze Gottheit zerstören, so wenig kann auch etwas einen Engel
zerstören; denn ein jeder Engel ist aus allen Kräften Gottes
zusammenfigurieret, nicht mit Fleisch und Blut, sondern aus göttlicher Kraft.
5.6. Erstlich ist der
Corpus aus allen Kräften des Vaters, und in denselben Kräften ist das Licht
Gottes, des Sohnes. Nun gebären die Kräfte des Vaters und des Sohnes, die in
dem Engel kreatürlich sind, einen verständigen Geist, der in dem Engel
aufsteiget. 5.7. Anfänglich gebären
die Kräfte des Vaters ein Licht, dadurch ein Engel siehet in dem ganzen
Vater, dadurch er die äußerliche Kraft und Wirkung Gottes, die außer seinem
Corpus ist, kann sehen, und dadurch er seine Mitbrüder kann schauen und auch
die herrliche Frucht Gottes sehen und genießen, und darinnen seine Freude
stehet. 5.8. Und dasselbe
Licht ist anfänglich aus dem Sohn Gottes in den Kräften des Vaters in den
englischen Leib kreatürlich kommen und ist des Leibes Eigentum, das ihm durch
nichts kann entzogen werden, er verlösche es denn selber, wie Luzifer tat. 5.9. Nun alle Kraft,
die in dem ganzen Engel ist, die gebäret dasselbe Licht. Gleichwie Gott der
Vater seinen Sohn gebäret zu seinem Herzen, also gebäret des Engels Kraft
auch seinen Sohn und Herze in sich, und das erleuchtet hinwiederum alle
Kräfte in dem ganzen Engel. Hernach gehet aus allen Kräften des Engels und
auch aus dem Lichte des Engels ein Quellbrunn aus und quillet in dem ganzen
Engel. Das ist sein Geist, der steiget auf in alle Ewigkeit, denn in demselben
Geiste ist alle Erkenntnis und Wissenschaft aller Kraft und Art, die in dem
ganzen Gott ist. 5.10. Denn derselbe
Geist quillet aus allen Kräften des Engels und steiget in das Gemüte. Da hat
er fünf offene Tore, da kann er sich umschauen, was in Gott ist, und auch,
was in ihm ist. Er gehet aber aus allen Kräften des Engels aus und auch aus
dem Lichte des Engels, gleichwie der Hl. Geist vom Vater und Sohne, und
erfüllet den ganzen Corpus. 5.11. Nun merke die
große Geheimnis: Gleichwie in Gott zwei Dinge zu merken sind, das erste ist
der Salnitter oder die göttlichen Kräfte, daraus der Corpus ist, das andere
ist der Marcurius, Ton oder Schall. - also ist solches auch auf gleiche Form
in dem Engel. 5.12. Erstlich ist die
Kraft, und in der Kraft ist der Ton, der steiget in dem Geiste auf in das
Haupt, in das Gemüte, gleichwie im Menschen im Hirn, und in dem Gemüte hat er
seine offene Porten. Im Herzen hat er seinen Sessel und Ursprung, da er
entspringet aus allen Kräften. Denn aller Kräfte Quellbrunn quillet zum
Herzen, gleichwie auch im Menschen. Und im Kopf hat er seinen fürstlichen
Stuhl, da siehet er alles, was außer ihm ist und höret alles und schmecket
alles und reucht alles und fühlet alles. 5.13. Und wenn er nun
siehet und höret den göttlichen Ton und Schall aufsteigen, der außer ihm ist,
so wird sein Geist infizieret und mit Freuden angezündet, und erhebet sich in
seinem fürstlichen Stuhl und singet und klinget gar freudenreiche Worte von
Gottes Heiligkeit und von der Frucht und Gewächs des ewigen Lebens, von der
Zierheit und Farben der ewigen Freuden und von dem holdseligen Anblicke
Gottes des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes, auch von der löblichen
Bruderschaft und Gemeinschaft der Engel, von der ewigwährenden Freudenreich,
von der Heiligkeit Gottes, von ihrem fürstlichen Regiment, in Summa: von
allen Kräften und aus allen seinen Kräften, das ich vor Unmut meiner
Verderbung im Fleische nicht schreiben kann, und wäre viel lieber selber
dabei. 5.14. Was ich aber
allhier nicht schreiben kann, des will ich deiner Seelen zu bedenken befohlen
haben. Du wirst es am Tage der Auferstehung hell und klar sehen. Du darfst
meines Geistes allhier nicht spotten, er ist nicht aus einem wilden Tiere
entsprungen, sondern er ist von meiner Kraft geboren und von dem Hl. Geiste
erleuchtet. 5.15. Ich schreibe
allhier nicht ohne Erkenntnis. So du aber als ein Epikuräer und Teufels
Mastsau aus des Teufels Anregen wirst dieser Dinge spotten und wirst sagen:
Der Narr ist nicht in Himmel gestiegen und hats gesehen oder gehöret, es sind
Fabelei, so will ich dich in Kraft meiner Erkenntnis vor das ernste Gerichte
Gottes zitieret und gerufen haben. 5.16. Und ob ich in
meinem Leibe zu ohnmächtig bin, dich dahin zu bringen, so ist doch der, von
dem ich meine Erkenntnis habe, mächtig genug, dich auch in Abgrund der Höllen
zu werfen. 5.17. Darum sei
gewarnet und denke, daß du auch an den engelischen Reihen gehörst; und lies
das nachfolgende Liedlein mit Lust, so wird der Hl. Geist in dir erweckt
werden und wirst auch eine Begierde und Lust zum himmlischen Reihen-Tanz
bekommen. Amen. 5.18. Der Fiedler hat seine Seiten schon aufgezogen, der Bräutigam
kommt! Schaue zu, daß du nicht das Podagra in deinen Füßen hast, wenn dann
der Reihen angeht, daß du zum Engelstanz gar ungeschickt seist und werdest
von der Hochzeit hinausgestoßen, weil du kein engelisch Kleid anhast.
Wahrlich, die Tür wird hinter dir zugeschlossen werden, und du wirst nicht
mehr hineinkommen, sondern du wirst mit den höllischen Wölfen im höllischen
Feuer tanzen. Der Spott wird dir dann wohl vergehen und Reuen wird dich
nagen. Von
der Qualifizierung eines Engels
5.19. Nun ist die
Frage: Was denn ein Engel für Qualifizierung habe? Antwort: Die heilige Seele
des Menschen und der Geist eines Engels ist und hat eine Substanz und Wesen;
und ist kein Unterschied in diesem, als nur die Qualität selber in ihrem
körperlichem Regiment, die von außen in den Menschen durch die Luft
qualifiziert, die hat eine verderbte, irdische Qualität; hingegen aber hat
sie auch eine göttliche und himmlische, den Kreaturen verborgen. Aber die
heilige Seele verstehet das wohl, wie der königliche Prophet David saget: Der
Herr fähret auf den Fittigen des Windes (Ps 104,3). In dem Engel aber
qualifizieret die göttliche Qualität ganz heilig, göttlich und rein. 5.20. Es möchte aber
ein Einfältiger fragen: Was meinest du mit dem Qualifizieren oder was ist
das? Ich meine hiemit die Kraft, die in den Corpus des Engels von außen in
sich gehet und auch wieder heraus als im Gleichnis, wenn ein Mensch Odem
holet und lässet ihn wieder von sich; denn darinnen stehet des Corpus und
auch des Geistes Leben. 5.21. Die Qualität von
außen zündet den Geist im Herzen in dem ersten Quellbrunnen an, davon alle
Kräfte im ganzen Corpus rege werden; dann steiget dieselbe Qualität in dem
körperlichen Geiste, welcher ist des Engels oder Menschen Naturgeist auf in
Kopf. Da hat er seinen fürstlichen Stuhl und Regiment und hat allda seine
Räte, nach denen er sich richtet und tut. 5.22. Das erste oder
der erste Rat sind die Augen, die werden von allen Dingen infizieret, was sie
nur ansehen, denn sie sind das Licht. Gleichwie das Licht aus dem Sohn Gottes
ausgehet in den ganzen Vater in alle Kräfte, und infizieret alle Kräfte des
Vaters und hinwiederum infizieren alle Kräfte des Vaters das Licht des Sohnes
Gottes, davon dann der Hl. Geist entstehet. 5.23. Also wirken die
Augen in einem Dinge, das sie ansehen, und das Ding wirket wieder in den
Augen, und der Rat der Augen bringets in Kopf vor den fürstlichen Stuhl, da
wirds approbieret. So es nun dem Geiste gefällt, so bringet ers dem Herzen,
und das Herze gibts den Kraftgängen oder Quelladern im ganzen Corpus; alsdann
greift zu das Maul, Hände und Füße. 5.24. Der andere Rat
sind die Ohren; die haben ihr Aufsteigen auch aus allen Kräften im ganzen
Corpus durch den Geist. Ihr Quellbrunn ist der Marcurius oder Schall, der aus
allen Kräften aufsteiget und schallet (darinnen der himmlische Ton oder
Freude stehet, und der Ton gehet aus allen Kräften, und in der Zusammenfügung
des Geistes in Gott erhebet er sich, wenn eine Kraft die andere reget und
tönet oder schallet. Alsdann gehet aus der Ton oder Schall und steiget wieder
auf in alle Kräfte des Vaters, und werden alle Kräfte des Vaters hinwiederum
damit infizieret, davon sie des Tones immer schwanger sind und den in jeder
Kraft immer wieder gebären). 5.25. Also ist auch der
andere Rat im Kopfe, die Ohren, die da stehen offen und der Schall gehet
durch sie aus in alles, das da schallet. Wo nur der Marcurius schallet und
sich erhebet, da gehet der Marcurius des Geistes auch hinein und wird damit
infizieret und bringets vor dem fürstlichen Stuhl im Kopfe; da wird es durch
die andere vier Räte approbieret. 5.26. Und so es dem
Geiste gefällt, so bringet ers vor seine Mutter in das Herze; und das Herze
oder der Quellbrunn des Herzens gibts aller Kraft im ganzen Corpus, dann
greift zu Maul und Hände. Wenn es aber dem ganzen fürstlichen Rat im Kopfe
nicht gefällt, so es approbieret ist, so lässet ers wieder von sich und
bringts nicht der Mutter dem Herzen. 5.27. Der dritte
fürstliche Rat ist die Nase; da steiget auf der Quellbrunn aus dem Corpus in
dem Geiste in die Nasen, da hat er zwo offene Porten. Gleichwie der liebliche
und holdselige Ruch aus allen Kräften des Vaters und des Sohnes ausgehet und
temperieret sich mit allen Kräften des Hl. Geistes, davon der heilige und
hochteure Geruch aus dem Quellbrunn des Hl. Geistes aufsteiget und wallet in
allen Kräften des Vaters und zündet an alle Kräfte des Vaters, davon sie
hinwiederum des holdseligen Ruches schwanger werden und gebären in Sohn und
Hl. Geiste. 5.28. Also auch im
Engel und Menschen steiget auf die Kraft des Geruchs aus allen Kräften des
Corpus durch den Geist und fähret zu der Nasen raus und infizieret sich mit
allem Geruche und bringet den durch die Nasen, dem dritten Rat, in Kopf vor
den fürstlichen Stuhl. Da wird es approbieret, ob es ein guter Ruch seiner
Complexion annehmlich sei oder nicht. Ist er gut, so bringet er ihn der
Mutter, daß er ins Werk kommt, wo nicht, so wird er ausgestoßen. Und dieser
Rat des Geruchs, der sich dem Salnitter gebäret, der ist auch mit dem
Marcurio vermischet und gehöret zur himmlischen Freudenreich und ist ein
herrlicher, lieblicher und schöner Quellbrunn in Gott. 5.29. Der vierte
fürstliche Rat ist der Geschmack auf der Zunge, der steiget auch aus allen
Kräften des Corpus durch den Geist in die Zunge; denn alle Quelladern des
ganzen Leibes gehen in die Zunge, und die Zunge ist aller Kräfte Schärfe oder
Geschmack. 5.30. Gleichwie der Hl.
Geist vom Vater und Sohne ausgehe, und ist die Schärfe oder Approbation aller
Kräfte und bringet in seinem Wallen oder in seinem Aufsteigen alles, was da
gut ist, wieder in alle Kräfte des Vaters, davon des Vaters Kräfte wieder
schwanger werden und den Schmack immer gebären. Was aber nicht gut ist, das
speiet der Hl. Geist aus als einen Ekel, wie in der Offenbarung Johannis 3,16
steht; und wie er den Großfürsten Luzifer ausspeiete in seinem Hochmut und
Verderben, (denn er konnte die feurige, hoffärtige, stinkichte Qualität nicht
mehr schmecken); also gehets auch allen hoffärtigen stinkenden Menschen. 5.31. Mensch, laß dir
dies gesagt sein; denn der Geist eifert in dieser Species ernstlich; laß ab
vom Hochmut oder es gehet dir wie den Teufeln, es ist kein Scherz; die Zeit
ist gar kurz, du wirst es bald schmecken, das höllische Feuer. 5.32. Nun gleichwie der
Hl. Geist alles approbieret, also auch die Zunge, die aprobieret allen
Schmack. Und so es dem Geiste gefällt, so bringet ers in Kopf vor die andern
vier Räte vor den fürstlichen Stuhl, da wird es approbieret, ob es auch den
Qualitäten des Leibes nützlich sei. Und so es gut ist, so wird es in die
Mutter des Herzens gebracht, die gibts allen Adern oder Kräften des Leibes;
dann greift zu Maul und Hände. So es aber nicht gut ist, so speiet es die
Zunge aus, ehe es vor den fürstlichen Rat kommt. Ist es aber, daß es der
Zungen gefällt und wohlschmecket und dienet dem ganzen Corpus nicht, so wird
es noch, wenn es vor den Rat kommt, verworfen, und die Zunge muß es ausspeien
und nicht mehr anrühren. 5.33. Der fünfte
fürstliche Rat ist das Fühlen. Der fünfte Rat steiget auch aus allen Kräften
des Corpus in den Geist auf in Kopf. Denn gleichwie aus Gott dem Vater und
Sohne ausgehen alle Kräfte in den Hl. Geist und eine reget die andere, davon
der Schall oder Marcurius entstehet, daß alle Kräfte töten und sich bewegen;
sonst wo eine die andere nicht rügete, so bewegete sich auch nichts, und das
Regen macht den Hl. Geist beweglich, daß er in allen Kräften aufsteiget und
reget alle Kräfte des Vaters, darinnen dann die himmlische Freudenreich oder
Triumphieren entsteht, sowohl Schallen, Tönen, Gebären, Blühen und Wachsen.
Das hat alles sein Aufsteigen von dem, daß eine Kraft die andere reget. Denn
Christus spricht im Hevangelium: Ich wirke und mein Vater wirket auch. Joh
5,17. Eben dieses Regen oder Wirken meinet er, daß alle Kraft von ihm
ausgehet und gebäret den Hl. Geist, und in dem Hl. Geist sind alle Kräfte
schon rege von dem Ausgehen des Vaters. Darum wallet der Hl. Geist und steiget
auf von Ewigkeit zu Ewigkeit und zündet hinwiederum alle Kräfte des Vaters an
und macht sie rege, daß sie immer schwanger sind. 5.34. Eben eine solche
Gestalt hat es auch in Engel und Menschen; denn alle Kräfte in dem Corpus
steigen auf, und reget eine die andere, sonst fühlete der Engel und Mensch
nichts. So aber nun ein Glied zu sehr beweget wird, so schreiet es den ganzen
Leib um Hilfe an, und der ganze Leib reget sich als ein großer Aufruhr, als
ob der Feind vorhanden, und kommt demselben Gliede zu Hilfe und erlöset es
von den Schmerzen. Wie du das kannst sehen, so du dich nur hart an einen
Finger stößest, quetschest oder den verwundest, oder es sei an einem Gliede,
wo es wolle, so läuft bald der Geist an demselben Worte zu der Mutter, dem
Herzen und klagets der Mutter; und so der Schmerz ein wenig groß ist, so
wecket die Mutter alle Glieder des ganzen Leibes auf, und muß alles dem
Gliede zu Hilfe kommen. 5.35. Nun merke: Also
rüget ohn Unterlaß eine Kraft die andere im ganzen Corpus und steigen alle
Kräfte auf in Kopf vor den fürstlichen Rat, der approbieret aller Kräfte
Regen. So sich ein Glied zu sehr reget und irgend einem fürstlichen Ratsherrn
Schaden tut als durch das Sehen, wollte das lieben, das ihm nicht gebühret;
wie Herr Luzifer tat, der sah den Sohn Gottes und ihm liebete das hohe Licht
und bewegete und regete sich zu sehr, in willens, ihm gleich oder noch
schöner und höher zu werden. Solch Regen schaffen die Ratsherren ab. 5.36. Oder wollte sich
durch das Hören zu sehr regen und bewegen und gern falsche Reden oder Sachen
hören und die dem Herzen bringen; solches schaffen die Ratsherren auch ab. 5.37. Oder wollte sich
durch das Riechen lassen gelüsten nach dem, das nicht sein ist, wie Herr
Luzifer auch tat und ließ sich gelüsten des heiligen Ruches des Sohnes Gottes
und vermeinete, er würde in seiner Erhebung und Anzündung noch viel
lieblicher riechen, wie er denn Mutter Heva auch also betrog und sagte, so
sie äße von dem verbotenen Baume, so würde sie klug und Gott gleich werden.
Solches Regen schaffen die Räte auch ab. 5.38. Oder wollte sich
durch das Schmecken lassen gelüsten und das essen, das nicht des Leibes
Qualität ist oder das nicht sein ist, wie Mutter Heva im Paradies ließ sich
nach des Teufels Säu-Apfeln gelüsten und aß davon. Solches Regen in der Lust
schaffen die Räte auch ab. 5.39. In Summa: Ihrer
sind darum fünf in dem fürstlichen Rate, daß einer dem andern soll Rat
eingeben, und ein jeder ist einer sonderlichen Qualität. Und der
zusammengefügte Geist, der sich aus allen Kräften gebäret, der ist ihr König
oder Fürst, und sitzet im Kopf im Hirn des Menschen; und im Engel in der
Kraft ans Hirns Stelle auch im Kopfe auf seinem fürstlichen Stuhle und
exequieret dasjenige, was durch den ganzen fürstlichen Rat ist beschlossen worden. 6.1. Siehe, wie das
Wesen in Gott ist, also ist auch das Wesen im Menschen und Engeln; und wie
der göttliche Corpus ist, also ist auch der engelische und menschliche.
Allein das ist der Unterschied, daß ein Engel und Mensch eine Kreatur ist und
nicht das Ganze, sondern ein Sohn des ganzen Wesens, den das ganze Wesen
geboren hat. Darum ist er billig dem ganzen Wesen untertan, dieweil er seines
Leibes Sohn ist. Und so sich der Sohn wider den Vater setzet, so ists ja
recht, so ihn der Vater aus seinem Hause stößet, denn er setzet sich wider
den, der ihn geboren hat und von dessen Kraft er eine Kreatur ist worden.
Denn so einer etwas machet aus dem, das sein eigen ist, so hat er ja, so ihm
dasselbe nicht nach seinen Willen gerät, damit zu machen, was er will, ein
Gefäß zu Ehren oder zu Unehren, welches dem Luzifer auch geschah. 6.2. Nun merke: Die
ganze göttliche Kraft des Vaters spricht aus, aus allen Qualitäten das Wort,
das ist, den Sohn Gottes. Nun gehet derselbe Schall oder dasselbe Wort, das
der Vater spricht, aus des Vaters Salniter oder Kräften und aus des Vaters
Marcurius, Schall oder Ton. Nun das spricht der Vater aus in ihm selber, und
daselbe Wort ist ja der Glanz aus allen seinen Kräften. Und wenn es
ausgesprochen ist, so steckt es nicht mehr in des Vaters Kräften, sondern es
schaltet und tönet in dem ganzen Vater wider in alle Kräfte. 6.3. Nun hat dasselbe
Wort, das der Vater ausspricht, eine solche Schärfe, daß der Ton des Worts
augenblicklich geschwind durch die ganze Tiefe des Vaters gehet; und dieselbe
Schärfe ist der Hl. Geist. Denn das Wort, das ausgesprochen ist, das bleibet
als ein Glanz oder herrlich Mandat vor dem Könige; der Schall aber, der durch
das Wort ausgehet, der verrichtet des Vaters Mandat, das er durch das Wort
hat ausgesprochen. Und das ist die Geburt der Hl. Dreifaltigkeit. 6.4. Nun siehe, also
ist auch ein Engel und Mensch: Die Kraft im ganzen Leibe, die hat alle
Qualitäten, wie in Gott dem Vater ist. 6.5. Nun gleichwie in
Gott, dem Vater, alle Kräfte aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit, also
steigen auch alle Kräfte im Engel und Menschen auf in Kopf; denn höher können
sie nicht steigen, denn er ist nur eine Kreatur, die einen Anfang und Ende
hat. Und im Kopfe ist der göttliche Ratstuhl und bedeutet Gott, den Vater,
und die fünf Sinne oder Qualitäten sind die Ratgeber; die haben ihre
Einflüsse aus dem ganzen Leibe aus allen Kräften. 6.6. Nun halten die
fünf Sinne immer Rat in Kraft des ganzen Leibes. Und wenn der Rat beschlossen
ist, so spricht es der zusammengefügte Richter aus in sein Centrum oder in
die Mitte des Leibes als ein Wort in das Herze; denn das ist aller Kräfte
Quellbrunn, von dem es auch sein Aufsteigen nimmt. 6.7. Nun da stehet es
nun in dem Herzen als eine zusammengefaßte aus allen Kräften selbständige
Person, und ist ein Wort, und das bedeutet Gott, den Sohn. Nun gehet es aus
dem Herzen ins Maul auf die Zunge, die ist die Schärfe, und schärfet es, daß
es schallet, und unterscheidet es nach den fünf Sinnen. 6.8. Aus welcher
Qualität das Wort seinen Ursprung nimmt, in derselben Qualität wird es auf
der Zunge von sich gestoßen und gehet die Kraft des Unterschiedes von der
Zunge aus, und das bedeutet den Hl. Geist. 6.9. Denn gleichwie
der Hl. Geist vom Vater und Sohne ausgehet und unterscheidet und schärfet
alles und richtet das aus, daß der Vater durchs Wort spricht, also auch die
Zunge schärfet und unterscheidet dasjenige, was die fünf Sinne im Haupte
durch das Herze auf die Zunge bringen. Und der Geist fähret von der Zunge aus
durch den Marcurius oder Schall an den Ort, wie es im Rat der fünf Sinne
beschlossen ist, und richtet dasjenige aus. Vom
Maule
6.10. Das Maul
bedeutet, daß du ein unallmächtiger Sohn deines Vaters bist, du seist gleich
ein Engel oder Mensch; denn durch das Maul mußt du deines Vaters Kraft in
dich raffen, willst du aber leben. Ein Engel muß das so wohl tun als ein
Mensch; und ob er gleich nicht das Element Luft auf eine solche Weise bedarf
wie ein Mensch, so muß er doch den Geist in sich durch das Maul raffen, davon
die Luft in dieser Welt entstehst. 6.11. Denn im Himmel
hat es keine solche Luft, sondern die Qualitäten sind ganz sanft und
freudenreich gleich einem lieblichen Sausen, und der Hl. Geist ist unter
allen Qualitäten in dem Salitter und Marcurius. Und dieses muß sich ein Engel
auch gebrauchen, sonst kann er keine bewegliche Kreatur sein; denn er muß
auch von den himmlischen Früchten essen durch das Maul. 6.12. Du mußt dieses
aber nicht irdisch verstehen; denn ein Engel hat keine Därme, dazu auch weder
Fleisch noch Bein, sondern er ist von der göttlichen Kraft zusammengerüget,
auf Form und Art gleich einem Menschen, auch mit allen Gliedern wie ein
Mensch, aber die Geburtsglieder und auch keinen Ausgang von unten hat er
nicht, er bedarf es auch nicht. 6.13. Denn der Mensch
hat seine Geburtsglieder dazu auch seinen Ausgang erst in dem kläglichen
Falle bekommen. Ein Engel treibet nichts von sich als die göttliche Kraft,
die er mit dem Maule fasset, damit er sein Herz anzündet, und das Herz zündet
alle Glieder an. Dasselbe treibet er durch das Maul wieder von sich, wenn er
redet und Gott lobet. 6.14. Die himmlische
Früchte aber, die er isset, die sind nicht irdisch. Und ob sie gleich in Form
und Gestalt sind wie die irdischen, so sind sie doch nur göttliche Kraft und
haben also einen lieblichen Schmack und Ruch, daß ich das mit nichts in der
Welt vergleichen kann; denn sie schmecken und riechen nach der Hl.
Dreifaltigkeit. 6.15. Nicht sollst du
denken, als wenns nur etwa ein Vorbild wäre wie ein Schatten; nein, der Geist
zeiget hell und klar, daß in der himmlischen Pomp, in dem himmlischen
Salniter und Marcurius wachsen göttliche Bäume, Stauden, Blumen und
vielerlei, was in dieser Welt ein Vorbild ist. Gleich wie die Engel sind,
also auch die Gewächse und die Früchte, alles aus göttlicher Kraft. 6.16. Nicht mußt du mir
dies Gewächse des Himmels dieser Welt gar vergleichen; denn in dieser Welt
hats zwei Qualitäten, eine böse und eine gute, und wächset viel durch Kraft
der bösen Qualität; dasselbe wächst im Himmel nicht. Denn der Himmel hat nur
eine Gestalt; es wächst nichts, das nicht gut ist, allein Herr Luzifer hat
diese Welt also zugerichtet. Darum schämete sich Heva, als sie hatte von dem
gessen, was durch die böse Qualität war zugerichtet worden. Gleichfalls
schämete sie sich ihrer Mutter Geburtsglieder, die sie ihr durch diesen
Apfelbiß hatte zugerichtet. 6.17. Nun eine solche
Substanz hats nicht um die engelische und himmlische Frucht. Es hat wohl
gewiß und wahrhaftig allerlei Früchte im Himmel, und nicht nur Vorbilde, und
die Engel nehmen die mit ihren Händen und essen die, wie wir Menschen, aber
sie brauchen keine Zähne dazu, sie haben auch keine; denn die Frucht ist von
göttlicher Kraft. 6.18. Nun dieses alles,
was sich ein Engel gebrauchen, was ihm ist, zu Erbauung seines Lebens, das
ist nicht sein körperlich Eigentum, das er für Naturrecht hat, sondern der
himmlische Vater gibts ihnen alles aus Liebe. Ihr Corpus ist zwar ihr
Eigentum, denn Gott hats ihnen zum Eigentum gegeben, und was einem nun für
eigen oder zum Eigentum gegeben ist, das ist aus Naturrecht sein, und handelt
der nicht recht dran, der es ihm ohne Beding wieder nimmt. Also tut Gott auch
nicht. Darum ist ein Engel eine ewige, unvergängliche Kreatur, die in alle
Ewigkeit bestehet. 6.19. Nun aber, was
wäre ihm denn der Corpus nütze? Wenn ihn Gott nicht speisete, so hätte er
keine Beweglichkeit und läge da wie ein tot Holz. Darum sind die Engel Gott
gehorsam und demütigen sich vor dem gewaltigen Gott, loben, ehren, rühmen und
preisen denselben in seinen großen Wundertaten und singen stets von Gottes
Heiligkeit, daß er sie speiset. Von
der holdseligen und freudenreichen Liebe der Engel gegen Gott, aus rechtem
Grunde
6.20. Die rechte Liebe
in der göttlichen Natur rühret her aus Brunnquell des Sohnes Gottes. Siehe du
Menschenkind, laß dirs gesagt sein: Die Engel wissen vorhin wohl, was die
rechte Liebe sei gegen Gott; du darfst (brauchst) derselben in dein kaltes
Herz. 6.21. Merke: Wenn der
holdselige, freudenreiche Glanz und Licht mit der süßen Kraft aus dem Sohne
Gottes in dem ganzen Vater leuchtet in alle Kräfte, so werden alle Kräfte mit
dem holdseligen Lichte und süßen Kraft entzündet, triumphierend und
freudenreich. 6.22. Also auch wenn
das holdselige und freudenreiche Licht des Sohnes Gottes die lieben Engelchen
anleuchtet, und schimmert ihnen in ihr Herz hinein, da zünden sich alle
Kräfte in ihrem Leibe an, und gehet ein solch freudenreich Liebefeuer auf,
daß sie für großen Freuden loben, singen und klingen, und das ich, noch keine
Kreatur, aussprechen kann. 6.23. Mit diesem Gesang
will ich den Leser in jenes Leben zitieret haben, da wird ers selber
erfahren; ich kanns nicht schreiben. 6.24. Willst du es aber
in diesem Leben erfahren, so laß ab von deiner Heuchelei, Finanzen und
Betrug, auch von deiner Spötterei und wende dein Herz mit ganzem Ernst zu
Gott und tue Buße für deine Sünde in rechtem ernsten Vorsatz, heilig zu
leben, und bitte Gott um seinen Hl. Geist und ringe mit ihm, wie der Hl. Erzvater
Jakob hatte die ganze Nacht mit ihm gerungen bis die Morgenröte hatte
angebrochen und auch nicht ehe lassen, bis er ihn gesegnet hatte (Gen 32,26).
Also tue du ihm auch; der Hl. Geist wird wohl eine Gestalt in dir bekommen. 6.25. Wirst du aber in
deinem Ernst nicht nachlassen, so wird dieses Feuer plötzlich über dich
kommen und dich anblicken. Dann wirst du wohl erfahren, was ich hie
geschrieben habe und wirst meinem Buche wohl Glauben geben. Du wirst auch gar
ein ander Mensch werden und wirst dran denken, weil du lebest. Deine Lust
wird mehr im Himmel sein als auf Erden. Denn die heilige Seele wandelt im
Himmel; und ob sie gleich auf Erden in dem Leibe wandelt, so ist sie doch
allezeit bei ihrem Erlöser Jesu Christo und isset mit ihm zu Gaste; – das merke! 7 - Von dem Revier, Ort, Wohnung sowohl von dem
Regiment der Engel, wie es am Anfang gestanden ist nach der Schöpfung und wie
es also worden ist.
7.1. Allhier wird sich
der Teufel wehren wie ein gebeißiger Hund; denn seine Schande wird allhie
aufgedecket werden, und wird dem Leser manchen harten Stoß geben und es immer
in Zweifel stellen, es sei nicht also. Denn es tut ihm nichts weher, als wenn
man ihm seine Herrlichkeit fürwirft, wie er so ein schöner Fürst und König
gewesen ist. So ihm nun das fürgeworfen wird, so wütet und tobet er, als
wollte er die Welt stürmen. 7.2. So nun ein Leser
über dies Kapitel kommen möchte, in dem des Hl. Geistes Feuer etwas schwach
sein würde, so fürchte ich wohl, der Teufel wird ihm zusetzen und zur
Zweifelung reizen, ob sichs auch also verhalte, wie es geschrieben ist, damit
sein Reich nicht also gar bloß stehe und seine Schande nicht so gar
aufgedeckt sei. So er dies nur in einem Herzen wird können zum Zweifel
bringen, so wird ers an seiner Kunst, Mühe und Arbeit nicht fehlen lassen.
Ich sehe das auch zuvorhin wohl, daß ers im Sinne hat. 7.3. Will derowegen
den Leser gewarnet haben, daß ers mit Fleiß lese und sich also lang gedulde,
bis er auf die Schöpfung und das Regimente dieser Welt wird kommen; dann wird
ers hell und klar aus der Natur bewiesen finden. 7.4. Nun merke: Als
Gott der Allmächtige in seinem Rate beschlossen, daß er wollte Engel oder
Kreaturen aus ihm selber machen, so machte er dieselben aus seiner ewigen
Kraft und Weisheit nach Form und Art der Dreiheit in seiner Gottheit und nach
den Qualitäten in seinem göttlichen Wesen. 7.5. Erstlich so
machte er drei königliche Regimente nach der Zahl der Hl. Dreifaltigkeit, und
jedes Königreich hatte die Ordnung, Kraft und Qualität des göttlichen Wesens.
7.6. Allhier erhebe
deinen Sinn und Geist in die Tiefe der Gottheit, denn allhier wird eine Tür
aufgetan! 7.7. Der Locus oder
Ort dieser Welt, die Tiefe der Erden und über der Erden bis an Himmel, sowohl
der erschaffene Himmel, der aus dem Mittel des Wassers ist gemacht worden,
der über den Sternen schwebet, den wir mit unsern Augen sehen, dessen Tiefe
wir mit unsern Sinnen nicht ergründen können, dieser Raum und Ort, alles
zusammen ist ein Königreich gewesen, Luzifer ist der König darinnen gewesen
vor seiner Verstoßung. 7.8. Die anderen zwei
Königreiche, als Micha-Els und Uri-Els, die sind über den erschaffenen Himmel
und sind dem Königreich gleich. Diese drei Königreiche zusammen begreifen
eine solche Tiefe, die da keine menschliche Zahl ist, und kann durch nichts
gemessen werden. Doch sollst du wissen, daß diese drei Königreiche einen
Anfang und Ende haben. Aber Gott, der diese drei Königreiche aus ihm selber
gemacht hat, der hat kein Ende. Es ist außerhalb dieser drei Königreiche
gleichwohl die Kraft der Hl. Dreifaltigkeit, denn Gott der Vater hat kein
Ende. 7.9. Du sollst aber
dies Geheimnis wissen, daß inmitten dieser drei Königreiche werde der Glanz
oder der Sohn Gottes geboren. Und die drei Königreiche sind zirkelrund um den
Sohn Gottes. Keines ist das weiteste und auch keines das näheste von dem
Sohne Gottes. Eines ist so nahe um den Sohn Gottes als das andere. 7.10. Von diesem
Brunnen und aus allen Kräften des Vaters gehet der Hl. Geist aus mit samt dem
Licht und Kraft des Sohnes Gottes in und durch alle englische Königreiche und
außer alle englische Königreiche, das kein Engel noch Mensch erforschen kann.
7.11. Ich habe mir auch
nicht fürgenommen, weiter zu gedenken, viel weniger zu schreiben, sondern
meine Offenbarung langet bis in die drei Königreiche, gleich einer
engelischen Wissenheit, aber nicht meiner Vernunft oder Begreiflichkeit oder
Vollkommenheit gleich einem Engel, sondern stückweise, nur solange als der
Geist in mir beharret. Weiter erkenne ichs nicht. Wenn der von mir weicht, so
weiß ich nichts als nur von elementischen und irdischen Dingen dieser Welt.
Aber der Geist sieht bis in die Tiefe der Gottheit. 7.12. Nun möchte einer
fragen: Wie ist das eine Substanz, daß der Sohn Gottes inmitten dieser
Königreiche geboren wird, so wird freilich ein englisch Heer näher bei ihm
sein als das andere, dieweil ihr Reich eine solche große Tiefe hat? Auch so
wird außer diesen Königreichen die Klarheit und Kraft des Sohnes Gottes nicht
also groß sein als bei denen, die ihm nahe sind und als in den englischen
Revieren? 7.13. Antwort: Die
Engel sind darum zu Kreaturen aus Gott gemacht worden, daß sie sollen vor
Gottes Herzen, welches ist der Sohn Gottes, loben, singen, klingen,
jubilieren und die himmlische Freude vermehren. Und wo wollte sie der Vater sonst
hin verordnen, als vor seines Herzens Tür? Entspringet doch alle Freude des
Menschen, die im ganzen Menschen ist, aus dem Brunnquell des Herzens; also
auch in Gott entspringet die große Freude aus dem Brunnquell seines Herzens. 7.14. Darum hat er die
hl. Engel aus sich selber geschaffen. Die sind wie kleine Götter nach dem
Wesen und Qualitäten des ganzen Gottes, daß sie sollen in der göttlichen
Kraft spielen, loben, singen und klingen und die aufsteigende Freude aus dem
Herzen Gottes vermehren. 7.15. Der Glanz aber
und die Kraft des Sohnes Gottes oder das Herze Gottes, welches ist das Licht
oder Quell der Freuden, nimmt inmitten dieser Königreiche seinen schönsten,
freudenreichsten Ursprung und leuchtet in und durch alle englische Porten. 7.16. Du mußt aber
dieses eigentlich verstehen, wie es gemeinet sei; denn wenn ich im Gleichnis
rede und vergleiche den Sohn Gottes der Sonnen oder einer runden Kugel, so
hats nicht die Meinung, daß er sei ein abmeßlicher Brunnquell, den man
abmessen oder seine Tiefe, Anfang oder Ende ergründen könnte. Ich schreibe
nur also im Gleichnis, bis der Leser möchte auf den rechten Verstand kommen. 7.17. Denn es hat nicht
die Meinung, daß der Sohn Gottes allein inmitten dieser englischen Porten
sollte geboren werden und nicht auch außerhalb der Engels-Porten. Denn sind
doch des Vaters Kräfte allenthalben, davon und daraus der Sohn geboren wird
und davon der Hl. Geist ausgehet. Wie wollte er denn allein inmitten dieser
Engels-Porten geboren werden? 7.18. Allein das ist
der Grund und die Meinung, daß der Hl. Vater, der alles ist, in dieser
engelischen Porten habe seine allerfreundlichste und liebreichste Qualitäten,
daraus das allerfreudenreichste und allerliebreichste Licht, Wort, Herze der
Kräften oder Brunnquell geboren werde. Darum er denn auch an diesen Orten,
die hl. Engel geschaffen zu seiner Freude, Ehre und Herrlichkeit. 7.19. Und ist dies der
auserwählte Locus der Herrlichkeit Gottes, den Gott der Vater in sich selbst
erwählet hat, da sein heiliges Wort oder Herze in höchster Klarheit, Kraft
und triumphierender Freude geboren wird. 7.20. Denn merke dies
Geheimnis: Wird doch das Licht, welches aus des Vaters Kräften geboren wird,
welches der rechte Brunnquell des Sohnes Gottes ist, auch in einem Engel und
heiligen Menschen geboren, daß er in demselben Licht und Erkenntnis in großer
Freude triumphieret, wie sollte es denn nicht allenthalben in dem ganzen
Vater geboren werden? Sintemal seine Kraft ist alles und allenthalben, auch
da unser Herze und Sinne nicht hinreichen. 7.21. Wo nun der Vater
ist, da ist auch der Sohn und Hl. Geist; denn der Vater gebäret allenthalben
den Sohn, sein Wort, Kraft, Licht und Schalle. Und der Hl. Geist gehet
allenthalben vomVater und Sohne aus, auch in allen engelischen Porten und
außer allen engelischen Porten. 7.22. Wenn man nun den
Sohn Gottes der Sonnen Kugel vergleichet, als ich denn in den vorgehenden
Kapiteln zum öftern getan habe, so redet man in natürlichen Gleichnissen, und
habe ich also müssen schreiben um des Lesers Unverstand willen, damit er in
diesen natürlichen Dingen möchte seinen Sinn erheben und also von einer
Stufen zur andern steigen, bis er in die hohe Geheimnisse möchte kommen. 7.23. Es hat aber nicht
die Meinung, daß der Sohn Gottes sei ein zusammenfigurieret Bildnis gleich
der Sonnen; denn wenn das wäre, so müßte der Sohn Gottes einen Anfang haben
und müßte ihn der Vater auf einmal geboren haben. So würde er nun nicht ein
ewiger, allmächtiger Sohn des Vaters sein, sondern er wäre gleich einem
Könige, der noch einen größern König über sich hätte, der ihn in der Zeit
geboren hätte und der ihn Macht hätte zu verändern. 7.24. Das wäre ein
Sohn, der einen Anfang hätte, und seine Kraft wäre gleich der Sonnen Kraft
und Glanz, die von der Sonnen ausgehet, und der Corpus oder Kugel der Sonnen
bleibet an seinem Orte. Wenn nun aber dies also wäre, so wäre freilich eine
engelische Porte viel näher bei dem Sohne Gottes als die andere. Aber ich
will dir allhier die höchste Porte der göttlichen Geheimnis zeigen und darfst
keine höhere suchen, denn es ist auch keine höhere. 7.25. Merke: Des Vaters
Kraft ist alles in und über allen Himmeln. Und dieselbe Kraft gebäret
allenthalben das Licht. Nun ist und heißt dieselbe Alle-Kraft der Vater. Und
das Licht, das aus derselben Alle-Kraft geboren wird, das ist und heißt der
Sohn. 7.26. Es heißt aber
darum der Sohn, daß es aus dem Vater geboren wird, daß es des Vaters Herze in
seinen Kräften ist. Und wenn es nun geboren ist, so ist es eine andere Person
als der Vater, denn der Vater ist die Kraft und das Reich, und der Sohn ist
das Licht und der Glanz in dem Vater. Und der Hl. Geist ist das Wallen oder
der Ausgang aus den Kräften des Vaters und des Sohnes und formieret und
bildet alles. 7.27. Gleichwie die
Luft aus der Sonnen und Sternen Kräften ausgehet und wallet in dieser Welt
und macht, daß sich alle Kreaturen gebären und Gras, Kraut und Bäume aufgehen
und alles, was in dieser Welt ist, also auch gehet der Hl. Geist aus dem
Vater und Sohne aus und wallet, formieret und bildet alles in dem ganzen
Gott. Alle Gewächse und Formen in dem Vater gehen auf in den Willen des Hl.
Geistes. Darum ist ein einiger Gott und drei unterschiedliche Personen in
einem göttlichen Wesen. 7.28. Wenn man nun
wollte sagen, der Sohn Gottes wäre ein Bild, das abmeßlich wäre wie die
Sonne, so wären allein an dem Orte drei Personen, wo der Sohn wäre, und
außerhalb wäre nur sein Glanz, der von dem Sohne ausginge, und wäre der Vater
außerhalb dem Sohne nur einig. So würde die Kraft des Vaters, die weit und
ferne von dem Sohne wäre, außer den Engels-Porten keinen Sohn und Hl. Geist
gebären, und wäre ein unallmächtig Wesen außer diesem Loco des Sohnes. Dazu
so müßte der Vater auch ein abmeßlich Wesen sein. 7.29. Aber also ist es
nicht, sondern der Vater gebäret allenthalben aus allen seinen Kräften den
Sohn. Und der Hl. Geist gehet allenthalben vom Vater und Sohne aus, und ist
ein einiger Gott in einem Wesen mit drei unterschiedlichen Personen. Dessen
hast du ein Gleichnis an einem köstlichen Goldsteine, der ungeschieden ist:
Erstlich ist die Materia, das ist der Salniter und Marcurius. Das ist die
Mutter oder der ganze Stein, die gebäret allenthalben in dem ganzen Steine
das Gold. Und in dem Golde ist die herrliche Kraft des Steines. 7.30. Nun der Salnitter
und Marcurius bedeuten den Vater; das Gold bedeut den Sohn, die Kraft den Hl.
Geist. Auf eine solche Weise ist auch die Dreiheit in der Hl. Dreifaltigkeit,
allein daß sich darinnen alles beweget und ausgehet. 7.31. Man findet auch
in einem Goldsteine etwan an einem Orte einen Punkt, da mehr und schöner Gold
innen ist als in dem andern, unangesehen daß doch in dem ganzen Steine Gold
ist. Also auch ist dem Vater ein lieber, schöner, holdseliger Ort, sein Sohn
und Herze am allerliebreichsten geboren wird und der Hl. Geist am
allerliebreichsten vom Vater und Sohne ausgehet. 7.32. Also hast du den
rechten Grund dieser Geheimnis, und darfst nicht denken, daß der Sohn Gottes
sei auf einmal zu einer gewissen Zeit aus dem Vater geboren, der einen Anfang
habe und stehe nun da als ein König und lasse sich anbeten. 7.33. Nein, das wäre
nicht ein ewiger Sohn, sondern er hätte einen Anfang und wäre unter dem
Vater, der ihn geboren hätte. Er könnte auch nicht allwissend sein, denn er
wüßte nicht, wie es gewesen wäre, ehe ihn der Vater geboren hätte, sondern
der Sohn wird von Ewigkeit zu Ewigkeit immer geboren und leuchtet von
Ewigkeit zu Ewigkeit immer wieder in des Vaters Kräfte, davon des Vaters
Kräfte von Ewigkeit zu Ewigkeit immer des Sohnes schwanger sind und den immer
gebären. 7.34. Daraus entsteht
der Hl. Geist von Ewigkeit zu Ewigkeit immerdar, und gehet von Ewigkeit zu
Ewigkeit immer vom Vater und Sohne aus, und hat auch keinen Anfang noch Ende.
7.35. Und dies Wesen
ist nicht an einem Orte des Vaters allein also, sondern überall in dem ganzen
Vater, der weder Anfang noch Ende hat, dahin keine Kreatur sinnen noch denken
kann. Amen. Von
den Nativitäten der engelischen Könige, wie die worden sind
7.36. Die Person oder
der Corpus eines Königs der Engel ist aus allen Qualitäten und aus allen
Kräften seines ganzen Königreiches geboren worden durch den wallenden Geist
Gottes. Und darum ist er ihr König, daß seine Kraft in alle Engel seines
ganzen Königreichs reichet, und er ist ihr Haupt oder Heerführer, der
allerschönste und kräftigste Cherubim oder Thronengel. Ein solcher ist Herr
Luzifer auch gewesen vor seinem Fall. Von
dem Grund und Geheimnis
7.37. So man will die
Geheimnis erfinden und den tiefsten Grund, so muß man mit Fleiß anschauen und
betrachten die Schöpfung dieser Welt, das Regiment und Ordnung, sowohl die
Qualitäten der Sternen und Elementen. Wiewohl dieses ein verderbtes
zweifaches Wesen ist und auch nicht lebendig und verständig, denn es ist nur
der verderbte Salniter und Marcurius in welchem König sein Sohn und Herze am
allerliebreichsten geboren wird und da Luzifer hat hausgehalten, darinnen
Böses und Gutes ist, wiewohl es doch die wahrhaftige Kraft Gottes ist, die
vor ihrer Verderbung ist hell und rein gewesen wie jetzo im Himmel. 7.38. Diese Kräfte der
Sternen und Elementen hat der Schöpfer nach dem greulichen Fall des Reichs
Luzifers wieder in eine solche Ordnung verfasset, wie das Reich der Engel in
der göttlichen Pomp stund vor seinem Fall. Allein du sollst nicht denken, daß
das engelische Reich mit seinen Kreaturen wäre also herumgedrehet worden, wie
jetzo die Sternen, welche nur Kräfte sind, und von wegen der Geburt dieser
Welt also herumgedrehet werden. 7.39. Welche Geburt
stehet in der quellenden Angst in Böse und Gute, in der Verderbung und
Erlösung, bis ans Ende dieser Enumeration oder jüngsten Tag. 7.40. Nun merke: Die
Sonne steht mitten in der Tiefe und ist das Licht oder Herz aus allen
Sternen, denn als der Salniter und Marcurius vor der Schöpfung der Welt im
Reich Luzifers ist dünne gewesen und hat untereinander qualifizieret, so hat
Gott das Herze herausgezogen aus allen Kräften und die Sonne daraus gemacht.
Darum ist sie das allerlichteste und erleuchtet wieder alle Sternen, und alle
Sterne wirken in ihrer Kraft. Und sie selber hat aller Sternen Kraft und
zündet mit ihrem Glanz und Hitze an aller Sternen Kraft. Und ein jeder Stern
fähet nach seiner Kraft und Art von der Sonnen. 7.41. Also auch ist das
engelische Reich beschaffen. Die Sonne bedeutet den obersten Thron-Engel, den
Cherubim oder König in Abs. 7.36. Die Person oder der Corpus eines Königs der
Engel ist aus einem engelischen Reiche, als denn Herr Luzifer auch einer
gewesen ist vor seinem Fall. Der hat seinen Sitz im Centro oder inmitten
seines Reiches gehabt, und hat mit seiner Kraft in allen seinen Engeln
geherrschet, gleichwie die Sonne in allen Kräften dieser Welt herrschet: in
Salniter und Marcurio, das ist, in Weich und Hart, in Süße und Sauer, in
Bitter und Herbe, in Kälte und Hitze, in Luft und Wasser. Als man denn siehet
im Winter, wenn es also hart kalt ist, daß das Wasser zu Eis wird, so
scheinet die Sonne gleichwohl warm durch alle Kälte, unangesehen daß in ihrer
Straße, dadurch ihr Glanz gehet, Schnee und Eis gefrieret. 7.42. Ich will dir aber
allhier die rechte Geheimnis zeigen: Siehe, die Sonne ist das Herze aller
Kräfte in dieser Welt und ist aus allen Kräften der Sternen zusammen
figurieret und erleuchtet hinwiederum alle Sternen und alle Kräfte in dieser
Welt, und alle Kräfte werden in ihrer Kraft qualifizierend. 7.43. Gleichwie der
Vater seinen Sohn, das ist sein Herze oder Licht aus allen seinen Kräften
gebäret und dasselbe Licht, welches der Sohn ist, gebäret das Leben in allen
Kräften des Vaters, daß in demselben Licht in des Vaters aufgehet allerlei
Gewächs, Zierheit und Freuden, also ist auch der Engel Reich beschaffen,
alles nach dem Gleichnis und Wesen Gottes. 7.44. Ein Cherub oder
Heerführer eines Königreichs der Engel, der ist ein Quellbrunn oder Herz
seines ganzen Königreichs und ist aus allen Kräften gemacht worden, daraus
seine Engel gemacht sind worden, und ist das Allerkräftigste und Lichteste. 7.45. Denn der Schöpfer
hat aus dem Salniter und Marcurio der göttlichen Kräfte das Herz
herausgezogen und den Cherub oder König daraus formieret, daß derselbe soll
mit seiner Kraft wieder in alle Engel dringen und sie alle mit seiner Kraft
infizieren; gleichwie die Sonne mit ihrer Kraft in alle Sternen dringet und
sie alle infizieret; oder wie die Kraft Gottes des Sohnes in alle Kräfte
Gottes des Vaters dringet, dadurch sie alle infizieret werden, darinnen die
Geburt der himmlischen Freudenreich aufgehet. 7.46. Also hats auch
eine Forma und Gestalt mit den Engeln: Alle Engel eines Königreichs bedeuten
die viel- und mancherlei Kraft Gottes des Vaters. Und der engelische König
bedeutet den Sohn des Vaters oder das Herze aus des Vaters Kräften. Und er
ist auch das Herze aus allen Kräften, daraus die Engel gemacht sind. Der
Ausgang aus dem Könige eines Engels in seine Engel oder die Infizierung
seiner Engel bedeutet Gott den Hl. Geist. Gleichwie derselbe vom Vater und
Sohne ausgehet und infizieret alle Kräfte des Vaters, sowohl alle Himmlische
Früchte und Formen, davon alles sein Aufsteigen hat und darinnen die
himmlische Freudenreich stehet, also auch hats eine Gestalt mit der Wirkung
oder Kraft eines Cherub oder Thron-Engels, der wirket in allen seinen Engeln,
gleichwie der Sohn und Hl. Geist in allen Kräften des Vaters oder wie die
Sonne in allen Kräften der Sternen. 7.47. Davon kriegen
alle Engel den Willen des Thron-Engels und sind ihm alle gehorsam, denn sie
wirken alle in seiner Kraft. Und er dringet mit seiner Kraft in sie alle.
Denn sie sind seines Leibes Glieder, gleichwie alle Kräfte des Vaters des
Sohnes Glieder sind, und er ist ihr Herze, und wie alle himmlischen Formen
und Früchte des Hl. Geistes Glieder sind. Und er ist ihr Herze, in dem sie
aufgehen. Oder wie die Sonne ist das Herze aller Sternen und alle Sternen
sind der Sonnen Glieder und wirken untereinander wie ein Stern, und die Sonne
ist doch das Herze, obs gleich viel- und mancherlei Kräfte sind, noch wirket
alles in der Sonnen Kraft und alles hat sein Leben von der Sonnen Kraft.
Siehe an, was du willst, es sei gleich im Fleische oder in Metallen oder in
Gewächsen der Erden. 8.1. Die engelischen
Königreiche sind durchaus nach dem göttlichen Wesen formieret und haben keine
andere Gestalt als das göttliche Wesen in seiner Dreiheit hat. Allein das ist
der Unterscheid, daß ihre Leibe Kreaturen sind, die einen Anfang und Ende
haben und daß das Reich, darinnen sie ihr Revier haben, nicht ihr körperlich
Eigentum ist, das sie für Naturrecht haben, wie sie ihren Körper für
Naturrecht haben. Sondern das Reich ist Gottes des Vaters der hat sie aus
seinen Kräften gemacht und mag sie setzen, wo er hin will; sonst ist ihr Leib
nach allen und aus allen Kräften des Vaters gemacht. Und ihre Kraft gebäret
das Licht und Erkenntnis in ihnen, gleichwie Gott seinen Sohn aus allen
seinen Kräften gebäret, und gleichwie der Hl. Geist aus allen Kräften des
Vaters und des Sohnes ausgehet. Also auch in einem Engel geht ihr Geist aus,
aus ihrem Herzen, aus ihrem Licht und aus allen ihren Kräften. 8.2. Nun merke:
Gleichwie ein Engel in seinem körperlichen Leibe ist beschaffen mit allen
Gliedern, also ist auch ein ganz Königreich beschaffen; das ist zusammen wie
ein Engel. 8.3. Wenn man alle
Umstände recht betrachtet, so findet sichs, daß das ganze Regiment in seinem
Revier in einem Königreiche ist beschaffen wie ein Corpus eines Engels oder
wie die Hl. Dreifaltigkeit. 8.4. Hie merke die
Tiefe: In Gott dem Vater ist alle Kraft, und er ist aller Kräfte Quellbrunn
in seiner Tiefe. In ihm ist Licht und Finsternis, Luft und Wasser, Hitze und
Kälte, Hart und Weich, Dick und Dünne, Schall und Ton, Süß und Sauer, Bitter
und Herbe und das ich nicht erzählen kann. Allein an meinem Leibe nehme ichs
ab, denn der ist anfänglich von Adam her aus allen Kräften und nach dem Bilde
Gottes gemacht. 8.5. Du mußt aber
allhie nicht denken, daß die Kräfte in Gott dem Vater auf eine solche Weise
sind oder in solcher verderbten Art qualifizieren wie in einem Menschen,
welcher Herr Luzifer hat also zugerichtet, sondern es ist alles fein lieblich
und wonnereich, ganz sanfte. 8.6. Erstlich ist das
Licht gleich, wie ichs natürlich möchte vergleichen, dem Lichte der Sonnen;
aber nicht also unerträglich, wie das Licht der Sonnen in unsern verderbten
Augen unerträglich ist, sondern ganz lieblich und wonnesam, ein Anblick der
Liebe. 8.7. Die Finsternis
aber ist im Centro des Lichts verborgen, das ist, wenn eine Kreatur aus der
Kraft des Lichts gemacht würde und wollte in demselben Lichte höher und
sehrer wallen als Gott selber, so verlischet in ihm dasselbe Licht und hat
anstatt des Lichts die Finsternis. Da erfähret eine Kreatur, daß im Centro
eine Finsternis verborgen ist. 8.8. Gleich als wenn
man eine Wachskerze anzündet, so leuchtet sie. Wenn man sie aber auslöschet,
so ist der Stock oder die Kerze eine Finsternis. Also leuchtet das Licht aus
allen Kräften des Vaters. Wenn aber die Kräfte verderbet würden, so erlösche
das Licht und blieben die Kräfte eine Finsternis, wie beim Luzifer zu sehen
ist. 8.9. Die Luft ist auch
nicht auf eine solche Art in Gott, sondern es ist ein lieblich stilles Sausen
oder Wallen. Das ist der Ausgang oder Wallen der Kräfte, ist der Ursprung der
Luft, in welcher der Hl. Geist aufsteiget. 8.10. Das Wasser ist
auch nicht auf eine solche Art in Gott, sondern es ist der Quell in den
Kräften, nicht auf elementische Art wie in dieser Welt. So ichs um etwas
vergleichen soll, so muß ichs mit dem Saft in einem Apfel vergleichen, aber
ganz lichte, gleich dem Himmel, der Geist aller Kräfte. Herr Luzifer hats
also verderbet, daß es in dieser Welt also wütet und tobet, laufet und rennet
und daß es also finster und dicke ist und dazu, so es nicht läufet, so wirds
stinkicht, davon ich, wenn ich von der Schöpfung schreiben werde, ausführlich
handeln will. 8.11. Die Hitze ist in
Gott ein liebliches, sanftes Wärmen, ein Ausgang des Lichts, die sich aus dem
Licht empöret, darinnen der Quell der Liebe aufsteiget. 8.12. Die Kälte ist
auch nicht auf solche Art in Gott, sondern es ist das Kühlen der Hitze, eine
Sänftigung des Geistes, ein Aufsteigen oder Wallen des Geistes. 8.13. Hie merke die
Tiefe: Gott spricht in Mose, als er den Kindern Israel das Gesetze gab: Ich
bin ein zorniger, eifriger Gott über die, so mich hassen; – hernach nennet er
sich auch einen barmherzigen Gott über die, so ihn fürchten, Ex 20,5 f – Deut
5,9 f. 8.14. Nun ist die
Frage, was denn der Zorn Gottes im Himmel sei, ob sich denn Gott in sich
selber erzürne oder wie Gott erzürnet werde? 8.15. Siehe, in diesem
ist sonderlich auf siebenerlei Qualitäten oder Umstände zu merken: Erstlich
ist in der göttlichen Kraft im Verborgenen die herbe Qualität, das ist eine Qualität des Kerns oder verborgenen
Wesens, eine Schärfe, Zusammenziehung oder Durchdringung in dem Salitter,
ganz scharf und herbe, die gebäret die Härtigkeit und auch die Kälte, und so
sie entzündet wird, gebäret sie die Schärfe gleich dem Salze. 8.16. Das ist eine
Species oder Zorn-Quell in dem göttlichen Salitter. So dieser Quell
angezündet wird, welches geschehen kann durch große Bewegung oder Erhebung
oder Regung, so qualifizieret darinnen die herbe große Kälte, die ganz
scharf, gleich dem Salz, auch ganz hart zusammenziehend gleich den Steinen. 8.17. Sie ist aber in
der himmlischen Pomp nicht also erheblich, denn sie erhebet sich nicht selber
und zündet sich nicht selber an. Allein König Luzifer hat diese Qualität in
seinem Reiche durch seine Erhebung und Hoffart angezündet, davon diese
Qualität noch brennet bis an Jüngsten Tag. 8.18. Davon nun in der
Schöpfung dieser Welt die Sternen und Elementa, sowohl alle Kreaturen zittern
und brennen, daraus denn worden ist das Haus des Todes und der Höllen und dem
Reiche Luzifers und allen gottlosen Menschen eine ewige Schandwohnung. 8.19. Diese Qualität
gebäret in der himmlischen Pomp die Schärfe des Geistes, daraus und dadurch
formieret wird das kreatürliche Wesen, daß ein himmlisches Corpus kann
gebildet werden, sowohl allerlei Farben, Formen und Gewächse. Denn es ist die
Zusammenziehung oder Bildung eines Dinges. Darum ist sie die erste Qualität
und ein Anfang der engelischen Kreaturen und aller Bildnisse, die da sind im
Himmel und in dieser Welt und alles, was genannt mag werden. 8.20. So sie aber durch
Erhebung angezündet wird, welches allein die Kreaturen in ihrem Reiche, die
aus dem göttlichen Salitter geschaffen sind, können tun, so ist es eine
brennende Quellader des Zorns Gottes. Denn es ist der sieben Geister Gottes
einer, in welches Kraft das göttliche Wesen stehet in der ganzen göttlichen
Kraft und himmlischen Pomp. So es nun angezündet wird, so ist es ein
grimmiger Zornquell und ein Anfang der Höllen und auch ein Marter und Wehe
des höllischen Feuers und auch eine Qualität der Finsternis, denn die
göttliche Liebe und auch das göttliche Licht verlischt darinnen. Von
der andern Umstände oder Species
8.21. Die andere
Qualität oder der andere Geist Gottes in dem göttlichen Salitter oder in der
göttlichen Kraft ist die süße Qualität,
die wirket in der herben und sänftiget die herbe, daß sie ganz lieblich
und sanft wird. Denn sie ist eine Überwindung der herben Qualität, und ist
eben der Quell der Barmherzigkeit Gottes, welche den Zorn überwindet, dadurch
der herbe Quell gesänftiget wird und die Barmherzigkeit Gottes aufsteiget. 8.22. Dessen hast du
ein Gleichnis an einem Apfel; der ist anfänglich herbe. Wenn ihn aber die
süße Qualität zwinget und überwindet, so ist er ganz sanft und lieblich zu
essen. Also ist es auch in der göttlichen Kraft. Denn wenn man von des Vaters
Barmherzigkeit redet, so redet man von seiner Kraft, von seinen
Quellgeistern, die in dem Salitter sind, daraus sein liebreich Herze oder Sohn
geboren wird. 8.23. Hie merke: Die
herbe Qualität ist das Herze oder der Kern in der göttlichen Kraft, die
Zusammenziehung oder Bildung oder Form oder Trocknung, denn es ist die
Schärfe und Kälte, wie man denn siehet, daß die herbe Kälte das Wasser trocknet
und zu scharfem Eise machet. Und die süße Qualität ist die Linderung oder
Wärmung, davon die herbe und kalte Qualität dünne und linde wird, daraus das
Wasser seinen Ursprung nimmt. 8.24. Also ist und
heißt die herbe Qualität Herz, und die süße Barm oder Warm oder Linderung
oder Sänftigung. Und sind zwei Qualitäten, daraus das Herze oder der Sohn
Gottes geboren wird. Denn die herbe Qualität ist in ihrem Stock oder Kern,
wenn sie in ihrer eignen Kraft qualifizieret, eine Finsternis, und die süße
ist in ihrer eignen Kraft ein quellend und wärmend aufsteigendes Licht, ein
Quell der Sanftmut und des Wohltuns. 8.25. Dieweil sie aber
in der göttlichen Kraft in Gott dem Vater aller beide ineinander
qualifizieren, als wäre es nur eine Kraft, so ist es ein sanftes, liebliches,
barmherziges Qualifizieren. Und sind diese zwei Qualitäten zwei Geister
Gottes unter den sieben Quellgeistern in der göttlichen Kraft, wie du dessen
ein Bild kannst sehen in der Offenbarung Johannis 1,12 f. Der sieht sieben
güldene Leuchter vor dem Sohne Gottes, welches bedeuten die sieben Geister
Gottes, die da in großer Klarheit leuchten vor dem Sohne Gottes, aus welchen
der Sohn Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit immer geboren wird, und ist das
Herze der sieben Geister Gottes, welche ich allhie ordentlich nacheinander
beschreiben will. Du mußt deinen Sinn allhie im Geist erheben, willst du es
verstehen oder begreifen. In deinem eigen Sinne wirst du ein herber blinder
Stock sein. Von der dritten Umstände oder Species
8.26. Die dritte
Qualität oder der dritte Geist Gottes in des Vaters Kraft ist die bittere
Qualität. Die ist eine Durchdringung oder Zwingung der süßen und herben
Qualität, die ist zitternd, durchdringend und aufsteigend. 8.27. Hie merke: Die
herbe Qualität ist der Kern oder Stock oder Sauer oder Zusammenziehung, und
die süße ist die leichte Linderung oder Sänftigung; und die bittere ist die
Durchdringung oder Triumphierung, die da in der herben und süßen aufsteiget
und triumphieret. Das ist der Freudenquell oder die Ursache der lachenden,
aufhebenden Freuden, davon ein Ding für Freuden zittert und jubilieret, davon
die himmlische Freude entstehet. Dazu ist sie die Bildung allerlei roter
Farben in ihrer eigen Qualität. In der süßen bildet sie allerlei weiße und
blaue, in der herben und sauren allerlei grüne und dunkele und vermengte
Farben mit mancherlei Gestalt und Gerüche. 8.28. Die bittere
Qualität ist der erste Geist, davon das Leben rege wird, davon die
Beweglichkeit Ursprung nimmt, und heißt Cor oder Herz, denn es ist der zitternde,
kirrende, erhebliche durchdringende Geist, das Triumphieren oder Freude, ein
erheblicher Quell des Lachens. In der süßen Qualität wird die bittere
gesänftiget, daß sie ganz liebreich und freudenreich wird. So sie aber zu
sehr erhebet, beweget oder angezündet wird, so zündet sie die süße und herbe
Qualität an und ist als eine reißende, stechende und brennende Gift, gleich
als wenn ein Mensch eine reißende Pestilenzbeule hat, davon er ach und wehe
schreiet. 8.29. Diese Qualität
ist in der göttlichen Kraft, wenn sie angezündet wird, der Geist des
eiferigen und bitteren Zorns Gottes, der unerlöschlich ist, wie bei den
Legionen Luzifers zu sehen ist. Noch mehr: Diese Qualität, wenn sie
angezündet wird, so ist sie das bitter-höllische Feuer, die da verlöscht das
Licht, die aus der süßen Qualität macht einen Gestank, in der herben eine
Schärfe und Reißen, eine Härte und Kälte, in der sauren rühricht und
brüchicht, ein Gestank, ein Elend, ein Trauerhaus, ein Haus der Finsternis,
des Todes und der Höllen, ein Ende der Freuden, welcher darinnen nicht mehr
kann gedacht werden, denn es kann durch nichts gestillet werden und kann
durch nichts wieder erleuchtet werden, sondern der finstere, herbe,
stinkende, saure, rührichte, bittere, grimmige Quell steiget auf in alle
Ewigkeit. 8.30. Nun merke: In
diesen drei Species oder Qualitäten steht das körperliche oder das
kreatürliche Wesen aller Kreaturen im Himmel und in dieser Welt, es sei
gleich ein Engel oder Mensch oder Vieh oder Vogel oder Gewächse auf
himmlische oder irdische Form, Qualität und Art, wohl alle Farben und Formen.
In Summa: Alles was sich bildet, das stehet in dieser drei Hauptqualitäten
Kraft und Gewalt und wird durch sie gebildet und auch aus ihrer eigenen Kraft
formieret. 8.31. Erstlich ist die
herbe Qualität und die saure ein Corpus oder Quell, das zeucht die süße Kraft
zusammen, und die Kälte in der herben macht es trocken. Denn die süße
Qualität ist des Wassers Herze, denn sie ist dünne und lichte und vergleicht
sich dem Himmel. Und die bittere Qualität macht es schließlich, daß sich die
Kräfte in Glieder formieren, und macht in dem Corpus die Beweglichkeit. 8.32. Und wenn dann die
süße Qualität getrocknet ist, so ists ein Corpus, der vollkommen ist, aber
ohne Vernunft. Und die bittere Qualität dringet im Corpus in der herben,
sauren und süßen durch und bildet allerlei Farben, nach welcher Qualität der
Corpus am sehrsten geneiget ist oder welche Qualität am stärksten im Corpus
ist, nach derselben bildet die bittere Qualität den Corpus mit seiner Farbe,
und nach derselben Qualität hat die Kreatur seinen größten Trieb und
Neiglichkeit und Wallen oder Willen. Von
der vierten Umstände oder Species
8.33. Die vierte
Qualität oder der vierte Quellgeist in der göttlichen Kraft Gottes des Vaters
ist die Hitze. Die ist der rechte
Anfang des Lebens und auch der rechte Geist des Lebens. Die herbe, saure und
süße Qualität ist der Salitter, der zum Corpus gehöret, daraus der Corpus
gebildet wird. Denn es stehet in der herben die Kälte und die Härtigkeit und
ist die Zusammenziehung und Vertrocknung. Und in der süßen stehet das Wasser
und das Licht oder Scheinlichkeit und die ganze Materia des Corpus. Und die
bittere ist die Scheidung oder Formierung, und die Hitze ist der Geist oder
die Anzündung des Lebens, davon der Geist im Corpus entstehet, der in dem
ganzen Corpus quallet und außer dem Corpus leuchtet, und macht die lebendige
Bewegung in allen Qualitäten des Corpus. 8.34. Es ist aber
sonderlich auf zwei Dinge in allen Qualitäten zu sehen. So man ein Corpus ansiehet,
so siehet man erstlich den Stock oder Kern aller Qualitäten, der aus allen
Qualitäten gebildet ist; denn zu dem Corpus ist Herbe, Sauer, Süße, Bitter
und Hitze. Diese Qualitäten sind zusammen vertrocknet und machen den Corpus
oder Stock. 8.35. Die große
Geheimnis des Geistes: – Nun diese Qualitäten sind in dem Corpus vermischt,
als wären sie alle nur eine Qualität, und quillet doch jede Qualität in
seiner eigenen Kraft und gehet aus. Eine jede Qualität geht aus sich selber
in die andern und reget die andern, das ist, sie infizieret die andern. Davon
bekommen die anderen Qualitäten diesen Willen, das ist, sie approbieren
dieser Qualität Schärfe und Geist, was in ihr ist, und vermischen sich immer.
8.36. Nun zeucht die
herbe Qualität mit der sauren immer die andern Qualitäten zusammen, und
fasset und hält den Corpus und vertrocknet ihn, denn sie vertrocknet alle
anderen Kräfte und hält sie alle durch ihre Infizierung. Und die süße
sänftiget und befeuchtet die andern alle und temperieret, sich mit den
anderen allen. Davon werden sie fein lieblich und sanfte. 8.37. Und die bittere
macht die andern alle rege und beweglich, und scheidet in Glieder, daß jedes
Glied in der Temperierung aller Kräfte Brunnquell krieget, davon die
Beweglichkeit entstehet. 8.38. Und die Hitze
zündet alle Qualitäten an. Daraus empöret sich das Licht in allen Qualitäten,
daß eine die andere siehet, denn wenn die Hitze in der süßen Feuchtigkeit
wirket, so gebäret sie das Licht in allen Qualitäten, daß eine die andere
siehet. 8.39. Daraus entstehen
die Sinnen und Gedanken, daß eine Qualität die andere, die auch in ihr und
mit ihr selber temperiert ist, siehet und mit ihrer Schärfe approbieret, daß
es ein Wille wird, der in dem Corpus aufsteiget in den ersten Quellbrunn in
die herbe Qualität. 8.40. Da dringet die
bittere Qualität in der Hitze durch die herbe, und die süße in dem Wasser
läßt sie sänftig durch. Da fähret die bittere in der Hitze durch das süße
Wasser aus dem Corpus und macht ihm zwo offene Pforten. Das sind die Augen,
die erste Sinnlichkeit. 8.41. Dessen hast du
ein Exempel und Vorbild: Siehe an diese Welt, sonderlich die Erde, die ist
aller Qualitäten Art, und bilden sich darinnen allerlei Figuren. Erstlich ist
darinnen die herbe Qualität. Die zeucht den Salitter zusammen und befestiget
die Erde, daß sie ein Corpus ist und nicht zerbricht, und bildet darinnen
allerlei Corpus nach jeder Qualität Art als allerlei Steine und Erze und
allerlei Wurzeln nach jeder Qualität Art. 8.42. Nun, wenn
dasselbe gebildet ist, so liegts da als eine körperliche quellende
Beweglichkeit, denn es quellet durch und in der bittern Qualität in sich
selbst, als in seinem eigenen gebildeten Corpus. Es hat aber noch kein Leben
zur Wachsung oder Ausbreitung ohne die Hitze, die ist der Naturgeist. 8.43. Wenn der Sonnen
Hitze den Erdboden anleuchtet, so quellen und wachsen in der Erden alle
Bindungen von Erz und Kräutern, Wurzeln, Würmer und alles, was drinnen ist. 8.44. Dies verstehe
recht: Der Sonnen Hitze zündet in der Erden die süße Qualität des Wassers an
in allen gebildeten Figuren. Nun wird durch die Hitze in dem süßen Wasser das
Licht, das erleuchtet die herbe, saure und bittere Qualität, daß sie in dem
Lichte sehen. Und in dem Sehen steiget eine in die andere und approbieret die
andere, das ist: sie kostet in dem Sehen der andern Schärfe; daraus kommt der
Geschmack. 8.45. Und wenn die süße
Qualität der bittern Qualität Geschmack kostet, so flennt sie sich und giebet
das Weichen wie ein Mensch, wenn er bitter oder herbe Gallen kostet; so breitet
er im Maul beide Gaumen aus und flennt sich und erweitert die Gaumen weiter
als sie ihm gewachsen sind. Also tut die süße Qualität gegen der bittern. 8.46. Und wenn sich die
süße Qualität also ausdehnet und weidet vor der bittern, so dringt die herbe
immer hinnach und wollte auch gern von der süßen kosten, und macht den Corpus
hinter und in ihr immer trocken. Denn die süße Qualität ist des Wassers
Mutter und ist ganz sanfte. 8.47. Wenn nun die
herbe und bittere Qualität von der Hitze ihr Licht bekommen, so sehen sie die
süße Qualität und kosten ihr Süßes Wasser. Dann eilen sie dem süßen Wasser
immer nach und trinken das in sich, denn sie sind ganz harte, rauh und
durstig, und die Hitze vertrocknet sie vollends. Und die süße Qualität
fleucht immer vor der bittern und herben und dehnet ihren Gaumen immer weiter
aus, und die bittere und herbe eilen immer der süßen nach und laben sich von
der süßen und vertrocknen den Corpus. Also ist das wahrhaftige Gewächse in
der Natur, es sei gleich einem Menschen, Tiere, Holze, Kraut oder Steine. 8.48. Nun merke das
Ende der Natur in dieser Welt! Wenn nun die süße Qualität also vor der
bittern, sauren und herben fleucht, so eilen ihr die herbe und bittere also
heftig nach als an ihrem besten Schatz, und die süße dringet so heftig von
ihnen und bemühet sich so heftig, daß sie durch die herbe Qualität dringet
und zerreißt den Corpus und weicht außer dem Corpus aus und über die Erden,
und eilet auch so harte, bis ein langer Halm wächst. 8.49. Dann dringet die
Hitze über der Erden auf den Halm, so wird die bittere Qualität alsdann von
der Hitze angezündet und krieget einen Stoß von der Hitze, daß sie
erschrickt, und die herbe Qualität vertrocknet es. Da streiten die herbe,
süße und bittere und Hitze miteinander, und die herbe macht in ihrer Kälte
ihre Trockenheit immerdar, so weicht dann die süße auf die Seite, und die
andern eilen ihr nach. 8.50. Wenn sie aber
siehet, daß sie soll gefangen sein, daß die bittere also hart auf sie dringet
und die Hitze von außen auch auf sie dringet, so macht sie die bittere
inbrünstig und entzündet sie. Da tut sie einen Sprung durch die herbe
Qualität und steiget wieder über sich. So wird alsdann ein harter Knoten
hinter ihr an dem Orte, wo der Streit war, und der Knoten kriegt ein Löchel. 8.51. Wenn aber die
süße Qualität durch den Knoten springet, so hat sie die bittere also hart
infizieret, daß sie gar zitternd ist. Und alsbald sie über den Knoten kommt,
dehnet sie sich geschwind auf allen Seiten aus, in willens, der bittern zu
entfliehen. Und in solchem Ausdehnen bleibet ihr Leib in der Mitten hohl, und
in dem zitternden Sprung durch den Knoten krieget sie noch mehr Halmen oder
Laub und ist nun fröhlich, daß sie dem Kriege entlaufen ist. 8.52. Und wenn nun die
Hitze von außen also auf den Halm dringet, so werden die Qualitäten in dem
Halme angezündet und dringen durch den Halm und werden in dem auswendigen
Lichte von der Sonnen infizieret, und gebären die Farbe in dem Halm nach
ihrer Qualität Art. 8.53. Weil aber das
süße Wasser in dem Halme ist, so behält der Halm seine grüne, lichte Farbe
nach der süßen Qualität Art. 8.54. Solch Wesen
treiben die Qualitäten mit der Hitze immer in dem Halme, und wächst der Halm
immer für sich und wird immer ein Sturm nach dem andern gehalten, davon der
Halm immer mehr Knoten krieget und seine Äste immer weiter ausbreitet.
Indessen vertrocknet die Hitze von außen immer das süße Wasser im Halm, und
wird der Halm immer dünner; je höher er wächst je dünner wird er, bis er
nicht mehr entrinnen kann. 8.55. Alsdann gibt sich
die süße Qualität gefangen, so herrschst dann die bittere, saure, süße und
herbe zugleich untereinander. Und die süße dehnet sich noch etwas aus, aber
sie kann nicht mehr entrinnen, denn sie ist gefangen. 8.56. Alsdann wächst
aus allen Qualitäten, die in dem Corpus sind, eine Kolbe oder Kopf und wird
ein neuer Leib in der Kolben oder Kopf, und wird figurieret gleichwie
erstlich die Wurzel in der Erden, alleine daß es nun eine andere, subtilere
Form krieget. 8.57. Alsdann dringet
die süße Qualität sanft von sich, und wachsen kleine subtile Blättlein in dem
Kopfe, die sind aller Qualitäten Art. Denn das süße Wasser ist nun wie ein
schwanger Weib, das den Samen empfangen hat; und sie dringet immer von sich,
bis sie den Kopf zersprenget. 8.58. Alsdann dringet
sie auch in den Blättlein herfür, als ein Weib, das gebäret. Aber die
Blättlein oder Blüten haben nicht mehr ihre Farbe und Gestalt, sondern der
andern Qualitäten alle; denn die süße Qualität muß nun der andern Qualitäten
Kinder gebären. Und wenn dann die süße Mutter die schönen grünen, blauen,
weißen, roten und gelben Blümlein oder Kinder geboren hat, so wird sie gar
müde und kann dieselben Kinder nicht lange ernähren, und mag sie auch nicht
lange haben, dieweil es nur ihre Stiefkinder sind, die gar zarte sind. 8.59. Und wenn dann die
Hitze von außen auf die zarten Kinder dringet, so werden alle Qualitäten in
den Kindern angezündet, denn der Geist des Lebens qualifizieret in ihnen.
Dieweil sie denn nun zu ohnmächtig sind zu diesem starken Geist und können
sich nicht erheben, so lassen sie ihre edle Kraft von sich gehen, und das
reucht also lieblich, daß einem das Herze lacht. Sie aber müssen verwelken
und abfallen, weil sie zu zart sind zu diesem Geiste. 8.60. Denn der Geist
zeucht aus dem Kopf in die Blüte; und der Kopf wird formieret nach aller
Qualitäten Art. Die herbe Qualität zeucht zusammen den Leib des Kopfes und
die süße sänftiget ihn und dehnet ihn aus, und die bittere scheidet die
Materia in Gliedern, und die Hitze ist der lebendige Geist darinnen. 8.61. Nun arbeiten alle
Qualitäten darinnen und gebären ihre Frucht oder Kinder. Und ein jedes Kind
ist nach aller Qualitäten Art und Eigenschaft qualifizieret. Solches treiben
sie also lange, bis die Materia gar vertrocket, bis die süße Qualität oder
das süße Wasser vertrocknet. Alsdann fällt die Frucht aus und vertrocknet
auch der Halm und fällt um. 8.62. Und das ist der
Natur Ende in dieser Welt. In diesem sind noch gar hohe Dinge zu schreiben.
Das wirst du bei der Schöpfung dieser Welt finden. Dieses ist nur zu einem
Gleichnis allhie eingeführet worden und aufs kürzeste beschrieben. 8.63. Nun die andere
Gestalt der Qualitäten oder der göttlichen Kräfte oder der sieben Geister
Gottes ist sonderlich bei der Hitze zu merken: Erstlich ist der Grund oder
das körperliche Wesen, wiewohl sie in der Gottheit und auch in den Kreaturen
keinen sonderlichen Corpus hat, sondern es sind alle Qualitäten untereinander
wie eine, jedoch vermerket man jeder Qualität Wirkung insonderheit. 8.64. Nun in dem Corpus
oder Quellgrund ist die Hitze, die das Feuer gebäret. Das ist eine Gestalt
und die kann man erforschen. Und aus der Hitze gehet das Licht durch alle
Geister oder Qualitäten, und das Licht ist der lebendige Geist. Den kann man
nicht erforschen. Seinen Willen aber kann man erforschen, was er will oder
wie er ist, denn er fähet in der süßen Qualität, und das Licht gehet in der
süßen Qualität auf in dem süßen Wasser, und in den andern Qualitäten nicht. 8.65. Dessen hast du
ein Exempel: Du kannst alle Ding in dieser Welt anzünden, daß es leuchtet und
brennet, da die süße Qualität das Oberregiment innehat, und da die andern
Qualitäten das Regiment innehaben, kannst du nicht anzünden. Und ob du gleich
die Hitze drein bringest, so kannst du doch nicht den Geist drein bringen,
daß es leuchtet. Darum sind alle Qualitäten der süßen oder des süßen Wassers
Kinder, dieweil der Geist allein im Wasser aufgehet. 8.66. Bist du nun ein
vernünftiger Mensch, in dem Geist und Verstand ist, so siehe dich um in der Welt,
du wirst es also finden: Ein Holz kannst du anzünden, daß es leuchtet, denn
das Wasser ist Primus darinnen, desgleichen allerlei Kraut über der Erden, da
das süße Wasser Primus ist. Einen Stein kannst du nicht anzünden, denn die
herbe Qualität ist Primus drinnen. Die Erde kannst du auch nicht anzünden, es
werden denn zuvorhin die andern Qualitäten und rausgesotten, welches an dem
Pulver zu sehen ist, welches doch nur ein Blitz oder ein Geist des Schreckens
ist, da sich der Teufel in dem Zorne Gottes drinnen fürbildet, welches ich an
einem andern Orte ausführlich beschreiben und auch beweisen will. 8.67. Nun wirst du
sagen: Man kann ja das Wasser nicht anzünden, daß es leuchtet? – Ja, lieber
Mensch, hie steckt die Geheimnis. Das Holz, das du anzündest, ist auch nicht
das Feuer, sondern ein finsterer Stock, allein das Feuer und Licht nimmt
seinen Ursprung davon. Du mußt aber verstehen von der süßen Qualität des
Wassers und nicht vom Stocke, das ist von der Fettigkeit, das ist der Geist
drinnen. 8.68. Nun ist in dem
elementischen Wasser auf Erden die Süßigkeit nicht Primus oder Oberregent,
sondern die herbe, bittere und saure Qualität, sonst wäre das Wasser nicht
tödlich, sondern es wäre wie das Wasser ist, da der Himmel aus geschaffen
ist. Das will ich dir beweisen, daß in dem elementischen Wasser auf Erden die
herbe, saure und bittere Qualität Primus ist. 8.69. Nimm Korn,
Weizen, Gersten, Haber oder was du willst, da die süße Qualität Primus innen
ist, und weiche das in elementisch Wasser und brenne es hernach, so wird die
süße Qualität den andern das Regiment nehmen. Und zünde dasselbe Wasser
hernach an, so wirst du auch den Geist sehen, der von der Fettigkeit des
Korns in dem Wasser blieben ist, der das Wasser überwunden hat. Solches
siehst du auch im Fleische. Das Fleisch brennet und leuchtet nicht, allein
das Fett brennet und leuchtet. 8.70. Nun möchtest du
fragen: Wie kommt das oder wie hats eine Gestalt? Siehe, in dem Fleisch ist
die herbe, saure und bittere Qualität Primus und in dem Fetten die Süßigkeit.
Darum ist eine fette Kreatur immer fröhlicher als eine magere, dieweil der
süße Geist sehrer in ihm quallet als im magern. Denn das Licht der Natur,
welches der Geist des Lebens ist, scheinet sehrer in ihm als in dem magern,
denn in demselben Lichte in der süßen Qualität steht das Triumphieren oder
die Freude, denn die herben und bitteren Qualitäten triumphieren darinnen,
denn sie freuen sich, daß sie von der süßen und lichten Qualität gelabet,
gespeiset, getränket und erleuchtet werden. Denn in der herben ist kein
Leben, sondern der herbe, kalte, harte Tod; und in der bittern ist kein
Licht, sondern die finster, bittere und wütende Pein, das Haus des zitternden
und grimmigen furchtsamen Elendes. 8.71. Darum wenn sie
bei der süßen und lichten Qualität zu Gaste sind, so werden sie infizieret
und lieblich, dazu ganz freudenreich, und triumphieren in einer Kreatur.
Darum ist keine magere Kreatur fröhlich, es sei denn Sache, daß die Hitze in
ihr Primus ist, das ist, ob sie gleich mager ist und wenig Fettes hat, so ist
es dennoch trefflicher Süßigkeit. Dagegen hat manche Kreatur viel Fettes und
ist doch ganz melancholisch, das ist die Ursache, daß sein Fettes nach dem
elementischen Wasser geneiget ist, da die herbe und bittere Qualität etwas
stark ist. 8.72. Bist du nun ein
vernünftiger Mensch, so siehe: Der Geist, der sich aus der Hitze empöret, der
nimmt in der süßen Qualität seinen Ausgang, Aufsteigen und Leuchten. Darum
ist die süße Qualität sein freundlicher Wille und herrschet in der Sanftmut,
und die Sanftmut ist sein eigen Haus. Und das ist der Kern der Gottheit. Und
darum heißt er Gott, daß er ist süße, sänftig, freundlich und gütig, und
darum heißt er barmherzig, daß seine süße Qualität in der herben, sauren und
bittern aufsteiget und sie labet, erquicket, befeuchtet und erleuchtet, daß
sie nicht ein finster Tal bleiben. 8.73. Darum verstehe
nur deine Muttersprache recht, du hast so tiefen Grund darinnen als in der
hebräischen oder lateinischen, ob sich gleich die Gelehrten darinnen erheben
wie eine stolze Braut. Es kümmert nichts, ihre Kunst ist jetzt auf der
Bodenneige. Der Geist zeiget, daß noch vorm Ende mancher Laie wird mehr
wissen und verstehen als jetzt die klügesten Doctores wissen, denn die Tür
des Himmels tut sich auf; wer sich nur selber nicht verblenden wird, der wird
sie wohl sehen. Der Bräutigam krönet seine Braut. Amen. 8.74. Siehe das Wort
Barm ist nur auf deiner Lippen, und wenn du sprichst Barm, so machst du das
Maul zu und karrest hinten nach. Das ist die herbe Qualität. Die umschleußt
das Wort, das ist: sie figurieret zusammen das Wort, daß es hart wird oder
schallet, und die bittere Qualität zerscheidet es. 8.75. Das ist, wenn du
sprichst Bar, so kirret der letzte Buchstab R und murret als ein zitternder
Odem. Und das tut die bittere Qualität, die ist zitternd. Nun ist aber das
Wort Barm ein tot, unverständig Wort, das niemand verstehet, das bedeut, daß
die zwei Qualitäten Herbe und Bitter ein hart, dunkel, kalt und bitter Wesen
sind, die kein Licht in sich haben. Darum kann man ihre Kraft außerhalb des
Lichtes nicht verstehen. 8.76. Wenn man aber
spricht Barmherz so druckt man die andere Silbe Herz aus der Tiefe des Leibes
aus dem Herzen, denn der rechte Geist spricht das Wort Herz aus, der sich aus
der Hitze des Herzens empöret, in welchem das Licht ausgehet und quallet. 8.77. Nun siehe, wenn
du sprichst "Barm", so figurieren die zwei Qualitäten Herbe und
Bitter das Wort Barm gar langsam zusammen; denn es ist eine lange ohnmächtige
Silbe von wegen der Qualitäten Schwachheit. Wenn du aber sprichst
"Herz", so fähret der Geist in dem Wort Herz geschwind wie ein
Blitz heraus und gibt des Worts Unterscheid und Verstand. Wenn du aber
sprichst "ig", so fängest du den Geist mitten in den andern zwei
Qualitäten, daß er muß drin bleiben und das Wort formieren. 8.78. Also ist die
göttliche Kraft; die herbe und bittere Qualität sind der Salitter der
göttlichen Allmacht. Die süße Qualität ist der Kern der Barmherzigkeit, nach
welcher das ganze Wesen mit allen Kräften Gott heißt. Die Hitze ist der Kern
des Geistes aus welcher das Licht fähret und zündet sich in der Mitten in der
süßen Qualität an und wird von der herben und bittern gefangen als inmitten.
Darinnen wird der Sohn Gottes geboren. Das ist das rechte Herze Gottes. 8.79. Und des Lichts
Flammen oder Blitz, das augenblicklich in allen Kräften leuchtet, gleichwie
die Sonne in der ganzen Welt, das ist der Hl. Geist, der gehet aus der
Klarheit des Sohnes Gottes und ist der Blitz und die Schärfe, denn der Sohn
wird mitten in den andern Qualitäten geboren und ist mit den andern
Qualitäten gefangen. 8.80. Verstehe dies
hohe Ding recht: Wenn der Vater das Wort spricht, das ist: seinen Sohn
gebäret, welches dann immer und ewig geschieht, so nimmt dasselbe Wort
erstlich in der herben Qualität seinen Ursprung. Da fasset sichs, und in der
süßen nimmts seinen Quell. Und in der bittern schärfet sichs und beweget
sich, und in der Hitze steigets auf und zündet den mittlern süßen Quell an. 8.81. Nun brennets
zugleich in allen Qualitäten von dem angezündeten Feuer, und das Feuer
brennet aus den Qualitäten, denn alle Qualitäten brennen. Und dasselbe Feuer
ist ein Feuer nicht viel Feuer. 8.82. Und dasselbe
Feuer ist der wahrhaftige Sohn Gottes, der von Ewigkeit zu Ewigkeit immer
also geboren wird. Das wollte ich an Himmel und Erden, Sternen und Elementen
und an allen Kreaturen, an Steinen, an Laub und Gras, ja an dem Teufel selber
beweisen und nicht mit toten, schlechten, unverständigen Argumenten, sondern
mit eitel lebendigen und unüberwindlichen, ja mit unwiderruflichen und
unwiderleglichen festen Argumenten, auch über und wider aller Menschen
Vernunft und endlich wider aller Teufel und Höllen Porten, so es allhie nicht
zuviel und weiten Raumes nehmen wollte. 8.83. Allein es wird in
dem ganzen Buche in allen Artikel und Stücken gehandelt werden, und wird es
freilich bei der Schöpfung der Kreaturen, sowohl bei der Schöpfung Himmels
und Erden und aller Dinge finden, welches sich denn besser schickt und dem
Leser begreiflicher ist. 8.84. Nun merke: Aus demselben
Feuer gehet der Blitz oder das Licht aus und wallet in allen Kräften und hat
aller Kräfte Quellbrunn und Schärfe in sich. Dieweil es durch den Sohn aus
allen Kräften des Vaters geboren ist, so macht es nun hinwiederum alle Kräfte
in dem Vater lebendig und beweglich. Und durch denselben Geist sind alle
heiligen Engel formieret und aus des Vaters Kräften gebildet worden. Und
derselbe Geist erhält und trägt alles, formieret alles, alle Gewächse und
Farben und Kreaturen im Himmel und in dieser Welt und über aller Himmel
Himmel, denn die Geburt der Hl. Dreifaltigkeit ist überall also und nicht
anders und wird auch in Ewigkeit nicht anders werden. 8.85. Wenn aber das
Feuer in einer Kreatur angezündet wird, das ist: wenn sich eine Kreatur zu
sehr erhebet, wie Luzifer und seine Legionen taten, so verlischt das Licht
und gehet auf der grimmige und hitzige Quell, der Quell des höllischen
Feuers, das ist: es gehet auf der Geist des Feuers in der grimmen Qualität. 8.86. Hiemit merke die
Umstände, wie das geschieht oder geschehen kann: Ein Engel ist aus allen
Kräften zusammenfigurieret, wie ich nach der Länge beschrieben habe. Nun wenn
er sich erhebet, so erhebet er sich erstlich in der herben Qualität. Die
rafft er zusammen wie ein Weib, das gebären will, und druckt sich. Davon wird
die herbe Qualität also hart und scharf, daß sie das süße Wasser nicht mehr
zwingen kann und kann nicht mehr sänftig in der Kreatur aufsteigen, sondern
es wird von der herben Qualität gefangen und vertrocknet und in eine harte,
scharfe, grimmige Kälte verwandelt. Denn es wird zu derb von der herben
Zusammenziehung und verlieret seinen lichten Glanz und seine Fettigkeit,
darinnen der lichte Geist aufgehet, der der Geist des heiligen, engelischen
und göttlichen Lebens ist, welcher wird durch die herbe Qualität also hart
zusammengezogen und gedruckt, davon er vertrocknet als ein süßes, dürres
Holz. 8.87. Und wenn dann die
bittere Qualität in der vertrockneten süßen Qualität aufsteiget, so kann sie
die süße nicht sänftigen und mit süßem lichten Wasser tränken, dieweil sie
vertrocknet ist. Da wütet und tobet die bittere Qualität und suchet Ruhe oder
Speise und findet ihr nicht, und wallet in dem Corpus als eine verschmachtete
Gift. 8.88. Wenn denn nun die
Hitze die süße Qualität anzündet und will ihre Hitze in dem süßen Wasser
sänftigen, davon sie aufsteiget und in dem ganzen Corpus leuchtet; da findet
sie nichts als einen harten, dürren und süßen Quell, da kein Saft innen ist,
der gar vertrocknet ist von der Herbigkeit. 8.89. Alsdann zündet
sie den süßen Quell an, in willens sich zu laben. Aber da ist kein Saft mehr,
sondern der süße Quell brennet und glühet nun wie ein harter, verdorreter
Stein und kann sein Licht nicht mehr anzünden. Und der ganze Corpus bleibet
nun ein finster Tal, da nichts innen ist als in der herben Qualität eine
grimmige, harte Kälte, in der süßen ein hart glühend Feuer, darinnen die
grimmige Hitze aufsteiget in alle Ewigkeit, und in der bittern ein Wüten,
Toben, Stechen und Brennen. 8.90. Und da hast du
die wahrhaftige Beschreibung eines verstoßenen Engels oder Teufels und auch
die Ursache, und ist nicht nur ein Gleichnis geschrieben, sondern im Geiste
durch die Kraft, aus dem alles worden ist. Mensch, hierinne besinne dich
hinter sich und vorsich. Es ist nichts vergebens. 8.91. Diese große
Geschichte, wie sie ergangen ist, wirst du beim Fall des Teufels nach der
Länge finden. Von
der fünften Umstände oder Species
8.93. Die fünfte
Qualität: Nun merke, was da sei der Quellbrunn der holdseligen und
freundlichen Liebe Gottes; merke hie eigentlich, denn es ist der Kern. 8.94. Die fünfte Qualität:
Wenn die Hitze in der süßen Qualität aufgehet und zündet den süßen Quell an,
so brennet dasselbe Feuer in der süßen Qualität. Dieweil denn nun die süße
Qualität ein dünn, lieblich, süßes Quellwasser ist, so sänftiget sie die
Hitze und löschet das Feuer, so bleibet alsdann in dem süßen Quellbrunnen des
süßen Wassers nur das freudenreiche Licht. Und die Hitze ist nur ein sanftes
Wärmen, gleichwie in einem Menschen der sanguinischer Complexion ist, da ist
die Hitze auch nur ein freundlich Wärmen, so er sich nur recht mäßig hält. 8.95. Die fünfte
Qualität: Dasselbe freundliche Liebe-Licht-Feuer gehet in der süßen Qualität
auf in die bittere und herbe Qualität und zündet die bittere und herbe
Qualität an und speiset und tränket sie mit ihrem süßen Liebe-Saft, und
erquicket sie und erleuchtet sie und macht sie lebendig und freundlich. 8.96. Die fünfte
Qualität: Und wenn dann die süße, lichte Liebe-Kraft zu ihnen kommt, daß sie
davon kosten und ihr Leben kriegen, ach da ist ein freundlich Benevenieren
und Triumphieren, ein freundlich Willkommen und große Liebe, gar ein
freundlich und holdselig Küssen und Wohlschmecken. 8.97. Die fünfte
Qualität: Da küsset der Bräutigam seine Braut: O Holdseligkeit und große
Liebe, wie süße bist du, wie freundlich bist du, wie lieblich ist doch dein
Geschmack, wie sanft reuchst du doch! Ach, edles Licht und Klarheit, wer kann
deine Schönheit ermessen, wie zierlich ist deine Liebe, wie schön sind deine
Farben! Ach und ewiglich, wer kann das aussprechen oder was schreibe ich doch,
der ich doch nur stammele wie ein Kind, das da lernt reden. 8.98. Die fünfte
Qualität: Wem soll ichs doch vergleichen? Sollt ichs der Liebe dieser Welt
vergleichen, so ist es nur ein finster Tal. Ach und groß, ich kann dich mit
nichts vergleichen als nur mit der Auferstehung von den Toten. Da wird das
Liebe-Feuer wieder aufgehen in uns und den Menschen freundlich umfangen und
unsere herbe, bittere und kalte, finstere und tote Qualität wieder anzünden
und uns freundlich umfangen. 8.99. Die fünfte Qualität:
O edler Gast, warum bist du von uns gewichen? O Grimmigkeit und Herbigkeit,
du bist Ursache! O grimmigen Teufel, was hast du doch getan, der du dich und
alle deine schönen Engel in die Finsternis versenket hast! Ach und immer ach!
War doch die holdselige schöne Liebe auch in dir, o du hochmütiger Teufel!
Warum ließest du dir nicht genügen? Warest du doch ein Cherub und war im
Himmel nichts schöner als du, was suchtest du doch? Wolltest du der ganze
Gott sein? Wußtest du doch wohl, daß du eine Kreatur warest und hast nicht
die Wurfschaufel in deiner Hand. 8.100. Die
fünfte Qualität: Was klage ich dich doch, du stinkender Bock! O du
verfluchter stinkender Teufel, wie hast du uns verderbet! Was willst du dich
doch ausreden oder was wirfst du mir für? Du sagest, wenn dein Fall nicht
wäre geschehen, so wäre der Mensch nie erdacht worden. O du Lügenteufel, ob
das gleich wahr ist, so wäre der Salitter, daraus der Mensch gemacht ist, der
auch von Ewigkeit ist, so wohl als der, daraus du gemacht bist in ewiger Freude
und Klarheit gestanden, und wäre gleichwohl in Gott aufgestiegen und hätte in
den sieben Geistern Gottes die holdselige Liebe gekostet und der himmlischen
Freuden genossen. 8.101. O
du Lügenteufel, warte noch ein wenig. Der Geist wird dir deine Schande
aufdecken. Verzeuch noch eine kleine Weile, so wirst du ausgepranget haben.
Warte, der Bogen ist schon gerichtet. Trifft dich der Pfeil, wo wirst du
hinfallen? Der Locus ist schon bereitet. Er soll nur noch angezündet werden.
Trage nur tapfer Holz zu, daß du nicht erfrierest, du wirst wohl schwitzen.
Meinest du, du wolltest das Licht wieder kriegen. Ja, »nobis infernum«. Reuch
deine süße Liebe. Rat, Fritz, wie heißet sie? Gehenna, das wird dich ewig
lieben. 8.102. Ach
wehe, du armer verblendeter Mensch, warum lässest du dir den Teufel dein Leib
und Seele so finster und blind machen? O zeitlich Gut und Wollust dieses
Lebens, du blinde Hure, warum buhlest du mit dem Teufel? 8.103. O
Sicherheit, der Teufel wartet deiner! O Hochmut, du bist höllisch Feuer! O
Schönheit, du bist ein finster Tal! O Gewalt, du bist ein Wüten und Reißen
des höllischen Feuers! O eigene Rache, du bist der grimmige Zorn Gottes! 8.104. O
Mensch, warum will dir die Welt zu enge werden? Du willst sie allein haben,
und hättest du sie, so hättest du noch nicht Raum. Auch das ist des Teufels
Hochmut, der aus dem Himmel in die Hölle fiel. Ach Mensch, o Mensch, warum
tanzest du doch mit dem Teufel, der dein Feind ist? Hast du nicht Sorge, er
wird dich in die Hölle stoßen? Wie gehest du so sicher? Hast du doch nur ein
schmales Steglein, darauf du tanzest, unter dem Stege ist die Hölle. Siehst
du nicht, wie hoch und gefährlich du gehest? Du tanzest zwischen Himmel und
Hölle! 8.105. O
du blinder Mensch, wie spottet der Teufel deiner! Ach, warum betrübst du den
Himmel? Meinest du, du wirst nicht genug haben in dieser Welt? O blinder
Mensch, ist doch Himmel und Erde dein, dazu Gott selber. Was bringest du in
diese Welt oder was nimmst du mit? Ein Engelskleid bringest du in diese Welt
und machest in deinem bösen Leben eine Teufelslarve daraus. 8.106. O
du armer Mensch, kehre um! Der himmlische Vater hat beide Arme ausgestreckt
und ruft dir. Komm nur, er will dich in seine Liebe fassen, bist du doch sein
Kind! Er hat dich lieb. So er dich feindete, so müßte er mit ihm selbst
uneins sein. O nein, das ist nicht; in Gott ist nichts als barmherzige,
freundliche Liebe und Klarheit. 8.107. O
ihr Hüter Israels, warum schlafet ihr? Wacht auf vom Schlaf der Hurerei und
schmücket eure Lampen! Der Bräutigam kommt, lasset eure Posaunen schallen! O
ihr Geizhälse und Trunkenbolde, wie buhlet ihr mit dem Geizteufel! So spricht
der Herr: Wollt ihr mein Volk nicht weiden, das ich euch vertrauet habe?
Sieh, ich habe euch auf Mosis Stuhl gesetzt und euch meine Herde vertrauet,
aber ihr meinet nur die Wolle und nicht meine Schäflein. Damit bauet ihr eure
Palasthäuser. Aber ich will euch auf den Stuhl der Pestilenz setzen und mein
Hirte soll meine Schäflein ewig weiden. 8.108. Ach,
du schöne Welt, wie klaget dich der Himmel, wie betrübest du die Elementa!
Ach Bosheit, wann willst du aufhören? Wache auf, wache auf und gebäre, du
trauriges Weib! Dein Bräutigam kommt und fordert von dir die Frucht. Warum
schläfest du? Siehe, er klopfet an! 8.109. O
holdselige Liebe und klares Licht, bleib doch bei uns, denn es will Abend
werden! Ach, Wahrheit, o Gerechtigkeit und rechtes Gerichte, wo bist du
hinkommen? Wundert sich doch der Geist, als wenn er die Welt zuvorhin nie
gesehen hätte. Ach, was schreibe ich doch die Bosheit der Welt, der ich es
tun muß, und die Welt gibt mir dafür des Teufels Dank? Ach! Amen. 9 - Von der holdseligen, freundlichen und
barmherzigen Liebe Gottes - Die große himmlische und göttliche Geheimnis
9.1. Dieweil ich
allhie von himmlischen und göttlichen Dingen schreibe, welches der verderbten
Natur des Menschen gar fremd ist, darob sich der Leser an der Einfalt des
Autoris ohne Zweifel möchte wundern und ärgern, dieweil der verderbten Natur
Trieb nur auf das Hohe siehet als eine stolze, wilde, geile und hurische
Frau, die sich in ihrer Brunst immer nach schönen Männern umsiehet, mit
denselben zu buhlen. 9.2. Also ist die
hoffärtige, verderbte Natur des Menschen auch. Die sieht nur, was vor der
Welt gleißet und pranget, und vermeinet, Gott habe des Elenden vergessen,
darum plage er ihn also. Sie denket, der Hl. Geist sehe nur auf das Hohe, auf
die Kunst dieser Welt, auf das große und tiefe Studium. 9.3. Ob sichs aber
auch also verhalte, so siehe nur zurücke, so wirst du den Grund finden. Wer
war Abel? Ein Schäfer. – Wer war Henoch und Noa? Einfältige Leute. Wer war
Abraham, Isaak und Jakob? Viehhirten waren sie. Wer war Moses, der teure Mann
Gottes? Ein Viehhirt. – Wer war David, als ihn des Herrn Mund berief? Ein
Schäfer. – Waren die Propheten groß und klein? Gemeine und geringe Leutlein,
ein Teil nur Bauern und Hirten, die nur der Welt Fußhadern waren. Man hielt
sie nur für Narren. Und ob sie gleich Wunder und Zeichen taten, noch sah die
Welt nur auf das Hohe, und der Hl. Geist mußte ihrer Füße Schemel sein, denn
der stolze Teutel hat je und allewege wollen ein König in dieser Welt sein. 9.4. Nun, wie kam
unser König Jesus Christus in diese Welt? Arm und in großem Kummer und
Elende, und hatte nicht, da er sein Haupt konnte hinlegen, Matth 8,20. 9.5. Wer waren seine
Apostel? Arme, verachtete, ungelehrte Fischerknechte. Wer glaubte ihren
Predigten? Das arme, geringe Völklein. Die Hohen und Schriftgelehrten waren
Christi Henkersknechte, die da schrien: Crucifige, crucifige! Luk 23,21. 9.6. Wer ist je und
allwege bei der Kirchen Christi am festesten gestanden? Das arme verachtete
Völklein, das hat um Christi willen sein Blut vergossen. Wer hat die rechte,
reine christliche Lehre verfälscht und je und allwege angefochten? Die
Schriftgelehrten, Päpste, Kardinäle, Bischöfe und große Hansen. Warum folgete
ihnen die Welt? Darum, daß sie ein groß Ansehen hatten und vor der Welt
prangeten. Eine solche stolze Hure ist die verderbte menschliche Natur. 9.7. Wer hat des
Papsts Geldsucht, Abgötterei, Finanzen und Betrug in Deutschland aus der
Kirchen gefeget? Ein armer verachteter Mönch. Durch was Macht oder Kraft?
Durch die Macht Gottes des Vaters und durch die Kraft Gottes des Hl. Geistes.
9.8. Was ist noch
verborgen? Die rechte Lehre Christi? Nein, sondern die Philosophia und der
tiefe Grund Gottes, die himmlische Wonne, die Offenbarung der Schöpfung der
Engel, die Offenbarung des greulichen Falles des Teufels, davon das Böse
herkommt, die Schöpfung dieser Welt, der tiefe Grund und Geheimnis des
Menschen und aller Kreaturen in dieser Welt, das jüngste Gericht und
Veränderung dieser Welt, die Geheimnis der Auferstehung der Toten und des
ewigen Lebens. 9.9. Dieses wird in
der Tiefe in großer Einfalt aufgehen, warum nicht in der Höhe in der Kunst?
Auf daß sich niemand rühmen darf, er habe es getan, und des Teufels Hoffart
hiemit aufgedeckt und zunichte gemacht werde. Warum tut Gott das? Aus seiner
großen Liebe und Barmherzigkeit über alle Völker, und hiemit anzuzeigen, daß
nunmehr vorhanden sei die Zeit der Wiederbringung, was verloren ist, da die
Menschen werden schauen und genießen der Vollkommenheit und wallen in der
reichen, lichten und tiefen Erkenntnis Gottes. 9.10. Darum wird
zuvorhin aufgehen eine Morgenröte, dabei man den Tag erkiesen oder merken
kann. Wer nun will schlafen, der schlafe immerhin, und wer da will wachen und
seine Lampe schmücken, der wache immerhin. Siehe, der Bräutigam kommt. Wer
nun wachet und geschmückt ist, der gehet mit zur ewigen himmlischen Hochzeit
ein, wer aber schläft, wenn er kommt, der schläft immer und ewig im finstern
Kerker der Grimmigkeit. 9.11. Darum will ich
den Leser treulich gewarnet haben, daß er dies Buch mit Fleiß lese und sich
nicht an der Einfalt des Autoris ärgere. Denn Gott siehet nicht auf das Hohe,
denn er ist allein hoch, sondern er siehet, wie er dem Niedrigen helfe. Wirds
so weit mit dir kommen, daß du des Autoris Geist und Sinn ergreifest, so
wirds keiner Ermahnung mehr bedürfen, sondern du wirst dich in diesem Lichte
freuen und fröhlich sein, und deine Seele wird darinnen lachen und
triumphieren. 19.12. Nun merke: Die holdselige Liebe,
welche ist der fünfte Quellgeist in der göttlichen Kraft, ist der verborgene
Quell, den das korporalische Wesen nicht begreifen oder umfassen kann als
nur, wenn er in dem Corpus aufgehet, so triumphieret das Corpus darinnen und
gebäret sich freundlich und lieblich. Denn er gehöret nicht zur Bildung eines
Corpus, sondern gehet in dem Corpus auf wie eine Blume aus der Erden. Nun
derselbe Quellgeist nimmt anfänglich seinen Ursprung aus der süßen Qualität
des Wassers. 9.13. Verstehe dies,
wie es sei, hie merke eigentlich: Erstlich ist die herbe Qualität, danach die
süße, danach die bittere. Die süße ist zwischen der herben und bittern mitten
inne. Nun macht die herbe immer hart, kalt und finster, und die bittere
reißet, treibet, wütet und zerscheidet. Die zwei Qualitäten reiben und
treiben sich so hart miteinander und wallen so strenge, daß sie die Hitze
gebären. Die ist nun in den zwei Qualitäten finster wie die Hitze in einem
Steine. 9.14. Wenn man einen
Stein nimmt oder sonst etwas Hartes und reibet es auf Holz, so erhitzen sich
die beiden Dinge. Nun ist dieselbe Hitze nur eine Finsternis und darinnen
kein Licht. Also ists auch in der göttlichen Kraft. Nun die herbe und bittere
Qualität ohne des siiße Wasser reifen und treiben sich so harte, daß sie die
finstere Hitze gebären und in sich entzünden. 9.15. Und das ist nun
zusammen der Zorn Gottes, der Quell und Ursprung des höllischen Feuers, wie
beim Luzifer zu sehen ist. Der erhub sich und drückte sich so hart zusammen
mit seinen Legionen, daß das süße Quellwasser in ihm vertrocknete, darinnen
sich das Licht anzündet und darinnen die Liebe aufsteiget. Darum ist er nun
ewig ein herber, harter, kalter, bitter und hitziger und sauer stinkender Quellbrunn,
denn als die süße Qualität in ihm vertrocknete, so wards ein finster, sauer
Gestank und ein Jammertal, ein Haus der Verderbung und Elendes. 9.16. Nun weiter in der
Tiefe: Wenn sich nun die herbe und bittere Qualität also hart miteinander
reiben, daß sie die Hitze gebären, so ist nun die süße Qualität, das süße
Quellwasser zwischen der herben und bittern mitten innen, und die Hitze wird
zwischen der herben und bittern Qualität in dem süßen Quellwasser geboren
durch die herbe und bittere Qualität. 9.17. Allda zündet sich
das Licht in der Hitze in dem süßen Quellwasser an, das ist der Anfang des
Lebens. Denn die herbe und bittere Qualität sind der Anfang und eine Ursache
der Hitze und des Lichtes. Also wird das süße Quellwasser ein scheinend Licht
gleich dem blauen lichten Himmel. 9.18. Und dasselbe
lichte Quellwasser zündet an die herbe und bittere Qualität und die Hitze,
welche von der herben und bittern Qualität in dem süßen Wasser geboren wird,
die steiget aus dem süßen Quellwasser auf durch die bitter und herbe
Qualität. Und in der bittern und herben Qualität wird erst das Licht trocken
und scheinend, dazu beweglich und triumphierend. 9.19. Und wenn dann nun
das Licht aus dem süßen Quellwasser in der Hitze in der bittern und herben
Qualität aufgehet, so schmecken die bittere und herbe Qualität das lichte und
süße Wasser. Und die bittere Qualität fänget den Schmack des süßen Wassers,
und in dem süßen Wasser ist das Licht, aber nur himmelblaue Farbe. 9.20. Alsdann zittert
die bittere Qualität und zertreibet die Härtigkeit in der herben, und das
Licht trocknet sich in der herben und scheinet helle, viel Lichter als der
Sonnen Glanz. In diesem Aufsteigen wird die herbe Qualität sanfte, lichte,
dünne und lieblich und krieget ihr Leben, welches Ursprung steiget aus der
Hitze in dem süßen Wasser. Das ist nun der rechte Brunnquell der Liebe. 9.21. Merke dies im
tiefen Sinn: Wie wollte da nicht Liebe und Freude sein, wo mitten im Tode das
Leben geboren wird und mitten in der Finsternis das Licht? Sprichst du, wie
gehet das zu? Ja, wenn mein Geist in deinem Herzen säße und quälle in deinem
Herzen auf, so befände und begriffe es dein Leib. Aber anders kann ichs nicht
in deinen Sinn bringen. Du kannst es auch nicht begreifen oder verstehen, der
Hl. Geist zünde denn deine Seele an, daß dieses Licht in deinem Herzen selber
scheine. Alsdann wird dieses Licht in dir selber geboren wie ein Gott und
steiget in deiner herben und bittern Qualität auf in deinem süßen Wasser und
triumphieret wie in Gott. Wenn nun dies geschieht, so wirst du erst mein Buch
verstehen und eher nicht. 9.22. Merke: Wenn das Licht
in der bittern Qualität geboren wird, das ist: wenn das bitter und trocken
Quellen das süße Quellwasser des Lebens fänget und trinket es, so wird der
bittere Geist lebendig in dem herben Geist, und ist der herbe Geist nun wie
ein schwanger Geist, der des Lebens schwanger ist und muß das Leben immer
gebären. Denn das süße Wasser, und in dem süßen Wasser das Licht, steigt nun
immer in der herben Qualität auf. Und die bittere Qualität triumphieret nun
immer darinnen und ist nichts denn eitel Lachen und Freude, eitel Liebhaben. 9.23. Denn die herbe
Qualität liebet das süße Wasser erstlich darum, daß in dem süßen Wasser der
Geist des Lichts geboren wird und tränket die herbe, harte und kalte Qualität
und erleuchtet sie und wärmet sie, denn in dem Wasser, Hitze und Licht steht
das Leben. 9.24. Ferner hat die
herbe Qualität die bittere lieb, darum daß die bittere in dem süßen Wasser,
das ist: in dem Wasser, Hitze und Licht in der herben triumphieret und die
herbe beweglich macht, darinnen die herbe auch kann triumphieren. 9.25. Zum dritten hat
die herbe Qualität die Hitze lieb, darum daß in der Hitze das Licht geboren
wird, dadurch die herbe Qualität wird erleuchtet und gewärmet. 9.26. Und die süße
Qualität hat die herbe auch lieb, 1. darum, daß sie die herbe trocknet, daß
sie nicht dünne wird gleich dem elementischen Wasser, und ihre Qualität in
Kraft bestehet, und daß in der herben Qualität das Licht, das in ihr geboren
wird, scheinend und trocken wird. Dazu ist die herbe Qualität eine Ursache
der Hitze, welche in dem süßen Wasser geboren wird, darinnen das Licht
aufgehet, darinnen das süße Wasser in großer Klarheit stehet. 9.27. Zum 2. hat die
süße Qualität die bittere auch lieb, darum daß sie auch eine Ursache ist der
Hitze und auch darum, daß der bittere Geist in dem süßen Wasser, Hitze und
Licht triumphieret und zittert und macht die süße beweglich und lebendig. 9.28. Zum 3. hat die
süße Qualität die Hitze trefflich sehr lieb, also lieb, daß ich das mit
nichts vergleichen kann: Nimm dir ein Gleichnis, welches doch wohl viel zu
gering ist, an zweien jungen Menschen edler Komplexion, wenn dieselben
aneinander erhitzen in Liebe-Brunst, so ists ein solch Feuer. Könnten sie
einander in Leib kriechen oder sich in einen
Leib verwandeln, sie täten das. Aber die irdische Liebe ist nur kalt
Wasser und nicht recht Feuer. Man kann kein recht Gleichnis in dieser
halbtoten Welt finden als nur die Auferstehung der Toten am jüngsten Tage.
Das ist ein vollkommen Gleichnis, in allen göttlichen Dingen das rechte
Liebe-Empfangen. 9.29. Die süße Qualität
hat aber die Hitze darum also lieb, daß sie in ihr den lichten Geist gebäret,
der da ist der Geist des Lebens. Denn das Leben entstehet in der Hitze, sonst
wo die Hitze nicht wäre, so wäre alles ein finster Tal. Also lieb als nun das
Leben ist, also lieb ist auch dem süßen Geist die Hitze und in der Hitze das
Licht. 9.30. Und die bittere
Qualität liebet auch alle anderen Quellgeister, erstlich die süße, denn in
dem süßen Wasser wird der bittere Geist gelabet und erlöschet darinnen seinen
großen Durst, und seine Bitterkeit wird darinnen gesänftiget und krieget sein
Lichte Leben darinnen. Und in der herben hat er seinen Leib, darinnen er triumphieret
und sich kühlet und sänftiget. Und in der Hitze hat er seine Kraft und
Stärke, darinnen seine Freude stehet. 9.31. Und die hitzige
Qualität hat auch alle anderen Qualitäten lieb, und ist die Liebe auch also
groß in ihr, gegen und in den andern, daß mans nicht vergleichen kann, denn
sie wird von den andern geboren. Die herben und bitteren Qualitäten sind der
Hitze Vater und das süße Quellwasser ist seine Mutter, die es empfänget und
gebäret. Denn durch der herben und bittern hartes Treiben wird die Hitze. Die
gehet in der süßen Qualität als in einem Holze auf. 9.32. Willst du das
nicht glauben, so tu deine Augen auf und gehe zu einem Baum und siehe den an
und besinne dich, so siehest du erstlich den ganzen Baum. Nimm ein Messer und
schneide darein und koste wie er ist, so schmeckest du erstlich die herbe
Qualität, die zeucht dir die Zunge zusammen. Nun dieselbe hält auch und
zeucht zusammen alle Kräfte des Baumes. Danach schmeckest du die bittere
Qualität. Die macht den Baum beweglich, daß er wächst, grünet und seine Äste,
Laub und Frucht krieget. Danach schmeckest du die Süße, die ist ganz sänftig
und scharf, denn von der herben und bittern Qualität krieget sie die Schärfe.
9.33. Nun diese
Qualitäten wären finster und tot, so die Hitze nicht darinnen wäre. Alsbald
aber der Frühling kommt, daß die Sonne mit ihren Strahlen die Erde erreichet
und erwärmet, so wird der Geist in der Hitze in dem Baume lebendig, und heben
die Geister des Baumes an zu grünen, wachsen und blühen. Denn der Geist gehet
in der Hitze auf und alle Geister freuen sich darinnen und leben darinnen,
und ist eine herzliche Liebe zwischen ihnen. Die Hitze aber wird durch Kraft
und Trieb der herben und bittern Qualität in dem süßen Wasser geboren. Der
Sonnen Hitze aber müssen sie zur Anzündung gebrauchen, darum daß sie die
Qualitäten in dieser Welt halb tot und zu ohnmächtig sind, an welchem König
Luzifer eine Ursache ist, welches du bei seinem Fall und bei der Schöpfung
dieser Welt finden wirst. Von
der freundlichen Liebe, Holdseligkeit und Einigkeit dieser fünf Quellgeister
Gottes
9.34. Wiewohl dies mit
Menschenhänden unmöglich ist genugsam zu schreiben, so siehet es doch der
erleuchtete Geist des Menschen, denn er gehet gleich in solcher Form und
Geburt auf, wie das Licht der göttlichen Kraft und auch in den denselben
Qualitäten, die in Gott sind. 9.35. Allein das ist zu
beklagen bei dem Menschen, daß seine Qualitäten verderbet und halb tot sind,
darum dann des Menschen Geist oder sein Quellen, Aufsteigen oder Anzünden in
dieser Welt zu keiner Vollkommenheit kommen kann. 9.36. Hinwiederum ist
sich des hoch zu erfreuen, daß des Menschen Geist in seiner Notdürftigkeit
vom Hl. Geist erleuchtet und angezündet wird, gleichwie die Sonne die kalte
Hitze in einem Baum oder Kraute anzündet, davon die kalte Hitze lebendig
wird. 9.37. Nun merke:
Gleichwie die Glieder des Menschen eines das andere liebet, also auch die
Geister in der göttlichen Kraft; da ist nichts denn eitel Sehnen, Begehren
und Erfüllen, dazu einer in dem andern Triumphieren und sich Freuen, denn
durch diese Geister kommt der Verstand und Unterschied in Gott, in Engeln,
Menschen, Tieren und Vögeln und in allem, was da lebet, denn in diesen fünf
Qualitäten gehet auf das Sehen, Riechen, Schmecken und Fühlen und wird ein
vernünftiger Geist. 9.38. Wenn das Licht
aufgehet, so siehet ein Geist den andern. Und wenn das süße Quellwasser in
dem Lichte durch alle Geister gehet, so schmeckst einer den andern. Alsdann
werden die Geister lebendig, und dringet die Kraft des Lebens durch alles.
Und in derselben Kraft reucht einer den andern, und durch dieses Quellen und
Durchdringen fühlet einer den andern, und ist nichts denn ein herzlich Lieben
und freundlich Sehnen, Wohlriechen, Wohlschmecken und Liebefühlen, ein
holdselig Küssen, voneinander Essen, Trinken und Liebe-Spazieren. 9.39. Das ist die
holdselige Braut, die sich in ihrem Bräutigam freuet, darinnen ist Liebe,
Freude und Wonne. Da ist Licht und Klarheit; da ist lieblicher Geruch, da ist
ein freundlicher und süßer Geschmack. Ach und ewig ohn Ende, wie kann sich
eine himmlische Kreatur genugsam darinnen erfreuen! Ach Liebe und
Holdseligkeit! Hast du doch kein Ende, siehet man doch kein Ende an dir:
deine Tiefe ist unerforschlich; du bist überall also, nur in den grimmigen
Teufeln nicht, die haben dich verderbet in sich. 9.40. Sprichst du nun:
Wo sind denn die holdseligen Geister anzutreffen? Wohnen sie nur in sich
selber im Himmel? Antwort: Das ist die andere offene Porte der Gottheit. Du
magst allhier deine Augen weit auftun und den Geist in deinem halb toten
Herzen erwecken, denn es ist kein Dünkel, Gedichte oder Phantasei. 9.41. Merke: Die sieben
Geister Gottes begreifen in ihrem Zirk oder Raum den Himmel und diese Welt
und die Weite und Tiefe außer und über dem Himmel, über der Welt, unter der
Welt und in der Welt, ja den ganzen Vater, der weder Anfang noch Ende hat.
Sie begreifen auch alle Kreaturen im Himmel und in dieser Welt. Und alle
Kreaturen im Himmel und in dieser Welt sind aus diesen Geistern gebildet, und
leben darinnen als in ihrem Eigentum. Und ihr Leben und Vernunft wird auf
eine solche Weise in ihnen geboren, wie das göttliche Wesen geboren wird und
auch in derselben Kraft. Und aus demselben Corpus der sieben Geister Gottes
sind alle Dinge gemacht und hergekommen, alle Engel, alle Teufel, der Himmel,
die Erde, die Sternen, die Elementa, die Menschen, die Tiere, die Vögel, die
Fische, alle Würmer, das Holz und Bäume, dazu Steine, Kraut und Gras und
alles, was da ist. 9.42. Nun fragest du:
Weil denn Gott überall ist und selber alles ist, wie kommts dann, daß in
dieser Welt solche Kälte und Hitze ist; dazu beißen und schlagen sich alle
Kreaturen, und ist nichts denn eitel Grimmigkeit in dieser Welt. Siehe das
ist die Ursache und Bosheit: Als König Luzifer in seinem Reiche saß als eine
stolze hoffärtige Braut, so begriff sein Zirk den Locum, wo jetzt der
erschaffene Himmel ist, der aus dem Wasser gemacht ist, und auch den Locum
der erschaffenen Welt bis an Himmel, sowohl die Tiefe, wo jetzt die Erde ist.
Das war alles ein reiner und heiliger Salitter, da die sieben Geister Gottes
völlig und lieblich waren wie jetzt im Himmel, wiewohl sie noch in dieser
Welt völlig sind. Aber merke nur die Umstände recht: 9.43. Als sich König
Luzifer erhub, so erhub er sich in den sieben Quellgeistern und zündete
dieselben mit seiner Erhebung an, daß alles ganz brennend wurde. Die herbe
Qualität ward so hart, daß sie Steine gebar, und so kalt, daß sie das süße
Quellwasser zu Eis machte. Und das süße Quellwasser ward gar dicke und
stinkicht, und die bittere Qualität ward gar wütend, reißend und tobend,
davon sich die Gift empöret und das Feuer oder Hitze ward ganz eiferig,
brennend und verzehrend, und war ganz eine böse Temperanz oder Vermischung. 9.44. Auf dieses ist
nun König Luzifer aus seinem königlichen Loco oder Stuhl gestoßen worden,
welchen er an dem Orte hatte, wo jetzt der erschaffene Himmel ist, und ist
allda bald die Schöpfung dieser Welt darauf gefolget, und ist die harte,
derbe Materia, die sich in den angezündeten sieben Quellgeistern gewirket
hatte, zusammengetrieben worden. Davon ist die Erde und Steine worden.
Hernach sind alle Kreaturen aus dem angezündeten Salitter der sieben Geister
Gottes geschaffen worden. 9.45. Nun sind die
Quellgeister also grimmig in ihrer Anzündung worden, daß einer den andern
immer verderbet mit seinem bösen Quell. Also tun nun auch die Kreaturen, die
aus den Quellgeistern gemacht sind und in derselben Trieb leben. Da beißet,
stößet und neidet sich alles nach der Qualitäten Art. 9.46. Auf dieses hat nun
der ganze Gott das jüngste Gericht beschlossen. Da will er das Böse von dem
Guten scheiden und das Gute wieder in die sanfte und liebliche Wonne setzen,
wie es war von der greulichen Anzündung der Teufel, und will das Grimmige dem
König Luzifer zu einer ewigen Behausung geben. Und alsdann werden aus diesem
Reiche zwei Teile werden. Das eine kriegen die Menschen mit ihrem Könige Jesu
Christo, das andere die Teufel mit allen gottlosen Menschen und Bosheit. 9.47. Dieses ist also
eine kurze Anleitung, damit der Leser die göttliche Geheimnis möchte desto
baß verstehen. Bei dem Fall des Teufels und bei der Schöpfung dieser Welt
wirst du alles nach der Länge eigentlich beschrieben finden. Will derowegen
den Leser vermahnet haben, daß er alles in seiner Ordnung lese, so wird er
auf den rechten Grund kommen. 9.48. Es ist zwar von
Anbeginn der Welt keinem Menschen also ganz offenbaret worden. Weil es aber
Gott haben will, laß ichs seinen Willen walten und will zusehen, was Gott
hiemit tun will, denn seine Wege, die er für sich gehet, sind mir
meistenteils verborgen. Aber hintennach siehet ihn der Geist bis in die
höchste Tiefe. 10.1. Der sechste
Quellgeist in der göttlichen Kraft ist der Schall oder Ton, daß alles darinnen
schaltet und tönet, daraus die Sprache und Unterscheid aller Dinge erfolget,
dazu der Klang und Gesang der Hl. Engel, und stehet darinnen die Formung
aller Farben und Schönheit, dazu die himmlische Freudenreich. 10.2. Nun fragest du:
Was ist der Ton und Schall, oder wie nimmt dieser Geist seinen Quell und
Ursprung? Merke: Es werden alle sieben Geister Gottes ineinander geboren,
einer gebäret immer den andern. Es ist keiner der erste und auch keiner der
letzte, denn der letzte gebäret sowohl den ersten als der erste den andern,
dritten, vierten, bis auf den letzten. 10.3. Daß aber einer
der erste und ander und so fortan genennet wird, wird dahin gesehen, welcher
der erste an der Bildung einer Kreatur und Formung ist. Denn sie sind alle
sieben gleich-ewig, und hat keiner einen Anfang und Ende. Und darum, daß die
sieben Qualitäten immer eine die andere gebäret und keine außer der andern
ist, erfolget, daß da sei ein einiger, ewiger, allmächtiger Gott. 10.4. Denn so etwas aus
und in dem göttlichen Wesen geboren wird, so wird dasselbe nicht durch einen
Geist allein formieret, sondern durch alle sieben. Und so sich eine Kreatur,
die da ist wie das ganze Wesen Gottes, in einem Quellgeiste verderbet,
erhebet und anzündet, so zündet sie nicht nur einen Geist an, sondern alle
sieben. 10.5. Darum ist
dieselbe Kreatur ein Ekel vor dem ganzen Gott und allen seinen Kreaturen und
muß in ewiger Feindschaft und Schande stehen vor Gott und alle Kreaturen. 10.6. Nun merke: Der
Ton oder Marcurius nimmt seinen Ursprung in der ersten, das ist: in der
herben und harten Qualität. 10.7. Merke in der
Tiefe: Die Härtigkeit ist der Quellbrunn des Tones. Sie kann ihn aber allein
nicht gebären, sondern sie ist der Vater dazu, und der ganze Salitter ist die
Mutter, sonst wo die Härtigkeit allein Vater und auch Mutter des Tones wäre,
so müßte ein harter Stein auch klingen. Nun aber schaltet und pochet er nur
wie als ein Same oder Anfang des Tones, und das ist er auch gewiß. 10.8. Der Klang aber
oder die Stimme steiget im mittleren Centro auf in dem Blitze, wo das Licht
aus der Hitze geboren wird, da der Blitz des Lebens aufgehet. 10.9. Merke, wie dies
geschieht: Wenn die herbe Qualität sich mit der bittern reibet, daß die Hitze
in dem süßen Quellwasser aufgehet, so zündet die Hitze das süße Quellwasser
wie ein Blitz an, und derselbe Blitz ist das Licht. Der fähret in der Hitze
in die bittere Qualität, da wird der Blitz entschieden nach aller Kraft. 10.10. Denn
in der bittern werden alle Kräfte entschieden, und die bittern fähet den
Blitz des Lichts, als ob sie grausam erschrecke, und fähret mit ihrem Zittern
und Erschrecken in die herbe und harte Qualität. Da wird sie körperlich
gefangen. Und die bittere Qualität ist nun des Lichtes schwanger und zittert
in der herben und harten Qualität, und reget sich darinnen und ist in der
herben Qualität als in einem Corpus gefangen. 10.11. Und
wenn sich nun die Geister bewegen und wollen reden, so muß sich die harte
Qualität auftun, denn der bittere Geist mit seinem Blitze sprenget sie auf,
und alsdann gehet heraus der Ton und ist mit allen sieben Geistern schwanger.
Die unterscheiden das Wort, wie es im Centro, das ist im mittleren Zirkel, da
es noch im Rat der sieben Geister war, beschlossen ward. 10.12. Und
darum haben die sieben Geister Gottes den Kreaturen ein Maul geschaffen, daß
wenn sie reden oder schallen wollen, nicht erst dürfen zerreißen. Und darum
gehen alle Adern und Kräfte oder Quellgeister in die Zunge, daß der Schall
oder Ton fein sanft rausgehet. 10.13. Hie
merke eigen den Sinn und Geheimnis: Wenn der Blitz in der Hitze aufgehet, so
fänget ihn erstlich das süße Wasser, denn darinnen wird er scheinend. Nun
wenn das Wasser den Blitz fänget, das ist die Geburt des Lichts, so
erschrickt es. Und weil es so dünne und weich ist, so weicht es ganz
zitternd, denn die Hitze steiget in dem Lichte auf. 10.14. Wenn
nun die herbe Qualität, die da gar kalt ist, die Hitze und den Blitz fänget,
so erschrickt sie, als wenn es wetterleuchtet, denn wenn die Hitze mit dem
Licht in die harte Kälte kommt, so tuts einen grimmigen Blitz, ganz Feuer-
und Licht-Farbe. Derselbe Blitz fähret zurücke und das süße Wasser fängt ihn
und fähret in derselben Grimmigkeit auf. Und in dem Auffahren und Erschrecken
verwandelt sichs in grüne oder himmelblaue Farbe und zittert von wegen des
grimmigen Blitzes. Und der Blitz an ihm selber behält seine Grimmigkeit.
Davon entstehet die bittere Qualität oder der bittere Geist. Der fähret nun
in der herben Qualität auf und entzündet die Härtigkeit mit seinem grimmigen
Quell. Und das Licht oder der Blitz trocknet sich in der Härtigkeit und
scheinet helle, viel lichter als der Sonnen Glanz. 10.15. Es
wird aber in der harten Qualität gefangen, daß es körperlicherweise bestehet,
und muß ewig also leuchten. Und der Blitz zittert in dem Corpus wie ein
grimmiges Aufsteigen; damit werden immer und ewiglich alle Qualitäten
gereget. Und der Blitz des Feuers in dem Licht zittert und triumphieret immer
also. Und das süße Wasser sänftigt es immer also. Und die Härtigkeit ist immer
der Leib, der es behält und vertrocknet. Und dieses Regen in der Härtigkeit
ist der Ton, daß es schallet. Und das Licht oder der Blitz macht den Klang.
Und das süße Wasser macht den Klang sanft, daß man ihn kann zum Unterscheid
der Rede gebrauchen. 10.16. Hie
merke die Geburt der bittern Qualität noch das: Der bittern Qualität Ursprung
ist, wenn der Blitz des Lebens in der Hitze aufgehet in die herbe Qualität.
Und wenn dann nun der Blitz des Feuers in Vermischung des Wassers in die
herbe Qualität kommt, so fähet der Geist des feurigen Blitzes den herben und
harten Geist. Und das beides zusammen ist ein eiferig, streng, grimmig Quell,
das da wütet und strenge reißet gleich einer feuerigen, strengen Grimmigkeit.
Ich kann es mit nichts vergleichen als nur mit einem Donnerschlag, wenn das
grimme Feuer zuvor herniederfähret, daß einem das Gesichte vergehet. Dasselbe
grimme Feuer ist dieser beider Konjunction Art. 10.17. Nun
merke: Wenn nun dieser Feuergeist und der herbe Geist sich miteinander
würgen, so macht der herbe eine gestrenge, harte, kalte Herbigkeit und der
feuerige eine schreckliche, grimme Hitzigkeit. Nun das Aufsteigen der Hitze
und der Herbigkeit macht einen zitternden, grimmen, erschrecklichen Geist,
der da wütet und tobet, als wollte er die Gottheit zertrennen. 10.18. Du
mußt aber dies eigentlich verstehen: Dies ist also in der Qualität Ursprung
in sich selbst. Aber mitten im Aufsteigen dieses grimmen Geistes wird dieser
Geist im süßen Wasser gefangen und wird gesänftiget. Da wandelt sich sein grimmig
Quell in eine zitternde, bittere und grünliche Farbe gleich der grünlichen
Dunkelheit, und behält in sich aller drei Qualitäten Art und Eigenschaft, als
nämlich der feurigen, herben und süßen, und entstehet aus diesen dreien die
vierte Qualität, als nämlich die bittere. 10.19. Denn
von der feurigen Qualität wird der Geist zitternd und hitzig. Und von der
herben wird er strenge, herbe, hart und körperlich, daß es ein Geist ist, der
immer bestehet. Und von der süßen wird er sanft, und die Grimmigkeit
verwandelt sich in eine sanfte Bitterkeit. Der stehet nun in dem Quellbrunnen
der sieben Geister Gottes und hilft immer die andern sechs Geister gebären. 10.20. Verstehe dies recht: Er
gebäret sowohl seinen Vater und seine Mutter als ihn sein Vater und seine
Mutter gebäret. Denn nachdem er körperlich geboren ist, so gebäret er nun mit
der herben Qualität immer wieder das Feuer. Und das Feuer gebäret das Licht,
und das Licht ist der Blitz. Das gebäret immer wieder das Leben in allen
Quellgeistern, davon die Geister das Leben haben und immer einer den andern
wieder gebäret. 10.21. Allhie
sollst du aber wissen, daß nicht ein Geist allein kann einen andern gebären,
ihrer zweene könnens auch nicht tun, sondern die Geburt eines Geistes stehet
in aller sieben Geister Wirkung, ihrer sechs gebären immer den siebenten, und
so einer nicht wäre, so wäre der ander auch nicht. 10.22. Daß
ich aber allhier bisweilen nur zweene oder drei zur Geburt eines Geistes
ernenne, das tue ich um meiner selbst Schwachheit willen, denn ich kann sie
nicht alle sieben in meinem verderbten Gehirne in ihrer Vollkommenheit auf
einmal ertragen. Ich sehe sie wohl alle sieben, aber wenn ich spekuliere in
sie, so steiget der Geist im mittleren Quellbrunnen auf, da sich der Geist
des Lebens gebäret. Der steiget nun über sich oder unter sich und kann die
Geister Gottes nicht alle sieben auf einen Gedanken oder auf einmal
begreifen, sondern stückweise. 10.23. Ein
jeder Geist hat seinen eigenen Quell, und ob er gleich von den andern geboren
wird. Also ist auch die Begreiflichkeit des Menschen. Er hat wohl den
Quellbrunnen aller sieben Geister in sich, aber in welchem Quell der Geist
aufsteiget, dessen Quellgeister, darinnen derselbe Geist am stärkesten
gebildet wird, begreift im selben Aufsteigen am schärfsten. Denn auch in der
göttlichen Kraft ein Geist auf einmal in seinem Aufsteigen nicht alle sieben
Geister zugleich durchführet. Wenn er aufsteiget, so reget er sie wohl alle
sieben auf einmal. Er wird aber in seinem Aufsteigen gefangen, daß er seine
Pracht legen muß und nicht über alle sieben triumphieren. 10.24. Also
ists auch im Menschen: Wenn ein Quellgeist aufsteiget, so reget er die andern
alle und siehet die andern alle, denn er steiget im mittlern Quellbrunne des
Herzens auf, da sich in der Hitze der Blitz des Lichtes anzündet, darinnen
der Geist in seinem Aufsteigen in demselben Blitze durch alle Geister siehet.
Es ist aber in unserem verderbten Fleische nur wie ein Wetterleuchten, denn
so ich den Blitz, den ich gar wohl sehe und erkenne, wie er ist, könnte in
meinem Fleische begreifen, so wollt ich meinen Leib damit verklären, so würde
er nicht mehr dem tierischen Leibe ähnlich sehen, sondern den Engeln Gottes. 10.25. Aber
höre Fritz, warte noch eine Weile und gib den tierischen Leib den Würmern zur
Speise: Wenn aber der ganze Gott wird die sieben Geister Gottes in der
verderbten Erden anzünden, alsdann wird derselbe Salitter, den du in die Erde
säest, des Feuers nicht fähig sein, so werden deine Quellgeister in deinem
Von-Hinnen-Abscheiden in demselben Salitter, den du gesäet hast, wieder
aufgehen und darinnen triumphieren und wieder ein Corpus werden. Welcher aber
des angezündeten Feuers der sieben Geister Gottes wird fähig sein, der wird
darinnen bleiben, und seine Quellgeister werden in höllischer Pein
aufsteigen, welches ich an seinem Orte klar beweisen will. 10.26. Ich
kann dir nicht die ganze Gottheit in einem Zirkel beschreiben, denn sie ist
unermeßlich, aber dem Geiste, der in Gottes Liebe ist, nicht unbegreiflich.
Er begreifts wohl, aber nur stückweise. Darum fasse eine nach dem andern, so
wirst du das Ganze sehen. In dieser Verderbung können wir nicht höher denn
mit einer solchen Offenbarung. Und nicht höher beschleußt sich diese Welt,
beides der Anfang und das Ende. Ich wollte auch gern etwas Höheres sehen in
dieser meiner ängstlichen Gebärung, damit mein kranker Adam gelabet würde,
aber ich sehe mich in der ganzen Welt um und kann nichts erforschen. Es ist
alles krank, lahm und verwundt, dazu blind, taub und stumm. 10.27. Ich
habe viel hoher Meister Schriften gelesen, in Hoffnung den Grund und die
rechte Tiefe darinnen zu finden; aber ich habe nichts gefunden als einen
halbtoten Geist, der sich ängstet zur Gesundheit, und kann doch um seiner
großen Schwachheit willen nicht zur vollkommenen Kraft kommen. 10.28. Also
stehe ich noch als ein ängstlich Weib in der Geburt, suche vollkommenen
Labsal und finde nur den Geruch im Aufsteigen, darinnen der Geist prüfet, was
in dem rechten Labsal für Kraft stecket und labet sich derweil mit dem
vollkommenen Geruche in seiner Krankheit bis der rechte Samariter wird kommen
und wird ihm seine Wunden verbinden und heilen und wird ihn in die ewige
Herberge führen. Dann wird er auch des vollkommenen Geschmacks genießen. 10.29. Dieses
Kraut, das ich allhie meine, von welches Geruche sich mein Geist labet, kennt
nicht ein jeder Bauer, auch nicht ein jeder Doktor. Es ist ja einem wohl so
unkenntlich als dem andern. Es wächst wohl in jedem ein Garten, aber in
manchem ists ganz verderbet und böse, denn die Qualität des Ackers ist schuld
daran. Darum kennt mans nicht; es kennens auch wohl kaum die Kinder dieser
Geheimnis, wiewohl diese Erkenntnis von der Welt her teuer gewesen ist. 10.30. Obgleich
in manchem ist ein Quell aufgegangen, so ist die Hoffart hernach gedrungen
und hats alles verderbet. Da hat ers in seiner Muttersprache flugs nicht
schreiben wollen. Er hat vermeinet, es sei zu kindisch, er müsse sich in
tiefer Sprache sehen lassen, damit die Welt sehe, daß er ein Mann sei und
hats in seinem Vorteil gleich wie verborgen gehalten und mit tiefen fremden
Namen verkleistert, damit mans nicht kennet. Eine solche Bestia ist des
Teufels Hoffahrtsucht. 10.31. Aber
höre, du einfältige Mutter, die du alle Kinder zu dieser Welt gebärest,
welche sich hernach in ihrem Aufsteigen deiner schämen und dich verachten,
und sind doch deine Kinder, die du geboren hast: So spricht der Geist, der in
den sieben Geistern Gottes aufsteiget, der da ist dein Vater: Verzage nicht,
siehe, ich bin deine Stärke und deine Kraft; ich will dir einschenken einen
sanften Trunk in deinem Alter. 10.32. Weil
dich alle deine Kinder verachten, die du geboren und in ihrer Jugend gesäuget
hast, und wollen deiner in deinem hohen Alter nicht pflegen, so will ich dich
trösten und dir in deinem hohen Alter geben einen jungen Sohn, der soll in
deinem Hause bleiben, weil du lebest, und deiner pflegen und dich trösten
wider alles Wüten und Toben deiner stolzen Kinder. Nun
merke hie weiter vom Marcurio, Ton oder Schalle
10.33. Es
nehmen alle Qualitäten inmitten ihren anfänglichen Ursprung: Merke, wo das
Feuer geboren wird, denn daselbst gehet auf der Blitz des Lebens aller
Qualitäten, und wird in dem Wasser gefangen, daß es leuchtend bleibet und in
der Herbigkeit vertrocknet, daß er körperlich bleibet und helle scheinend
wird. 10.34. Hie
merke: Zünde ein Holz an, so wirst du die Geheimnis sehen. Das Feuer zündet
sich an in der Härtigkeit des Holzes. Das ist nun der herbe, harte Quell, der
Saturnus-Quell. Der macht das Holz hart und derbe. Nun aber bestehet nicht
das Licht, das ist der Blitz in der Härtigkeit, sonst brennete ein Stein
auch, sondern das Licht bestehet in dem Saft des Holzes, das ist in dem
Wasser. Weil Saft in dem Holze ist, so leuchtet das Feuer als ein scheinend
Licht. Wenn aber der Saft in dem Holze verzehret ist, so verlischt das
scheinende Licht, und ist das Holz eine glühende Kohle. 10.35. Nun
siehe, die Grimmigkeit, die in dem Lichte auffähret, die besteht nicht in dem
Wasser des Holzes, sondern wenn die Hitze in der Härtigkeit aufgehet, so wird
der Blitz geboren. Den fänget zuerst der Saft im Holze. Davon wird das Wasser
scheinend. Die Grimmigkeit oder Bitterkeit aber wird geboren inmitten der
Härtigkeit und der Hitze in dem Blitze, und darinnen bestehet sie auch. Und
so weit als der Blitz reicht, das ist des Feuers Lohe, so weit reicht auch
die Grimmigkeit der Bitterkeit, welcher der Härtigkeit und Hitze Sohn ist. 10.36. Dieses
Geheimnis aber sollst du wissen, daß die Bitterkeit vorhin schon in dem Holze
ist, sonst gebäre sich die grimme Bitterkeit nicht also blitzlich im
natürlichen Feuer. 10.37. Denn
gleichwie sich der Corpus des Feuers gebäret, wenn man Holz anzündet, gleich
auf eine solche Weise wird auch das Holz in der Erden und über der Erden
geboren. 10.38. So
aber die Grimmigkeit in dem scheinenden Lichte geboren würde, so würde sie
freilich auch also weit reichen als des Lichtes Glanz; so aber geschieht das
nicht. Das ist aber: Der Blitz ist des Lichtes Mutter, denn der Blitz gebäret
das Licht von sich und ist der Grimmigkeit Vater, denn die Grimmigkeit
bleibet im Blitze als ein Same im Vater, und derselbe Blitz gebäret auch den
Ton oder Schall. 10.39. Wenn
er von der Härtigkeit und Hitze ausgehet, so pocht die Härtigkeit im Blitze,
und die Hitze klinget und das Licht in dem Licht in dem Blitze macht den
Klang helle, und das Wasser macht ihn sanft, und in der Herbigkeit oder
Härtigkeit wird er gefangen und vertrocknet, daß es ein körperlicher Geist in
allen Qualitäten ist. Denn ein ieder Geist in den sieben Geistern Gottes ist
aller sieben Geister schwanger, und sind alle ineinander wie ein Geist.
Keiner ist außer dem andern, allein eine solche Geburt hat es darinnen, und
also gebäret einer den andern in und durch sich selber. Und die Geburt währet
von Ewigkeit zu Ewigkeit also. 10.40. Allhier will ich den Leser verwarnet
haben, daß er die göttliche Geburt recht betrachte: Du sollst nicht denken,
daß ein Geist neben dem andern stehe, wie du die Sterne am Himmel siehest
nebeneinander stehen, sondern sie sind alle sieben ineinander wie ein Geist,
wie du das in einem Menschen kannst sehen, der hat mancherlei Gedanken von
wegen der Wirkung der sieben Geister Gottes, welche den menschlichen Corpus
innehalten. - Aber du mußt sagen, bist du aber nicht töricht, daß ein jedes Glied
im ganzen Corpus jedes andern Kraft hat. 10.41. In
welcher Qualität, daß du aber den Geist erweckest und qualifizierend machest,
nach derselben Qualität steigen auch die Gedanken auf und regieren das
Gemüte. Erweckest du den Geist im Feuer, so quillet in dir auf der bitter und
harte Zorn, denn alsbald das Feuer angezündet wird, welches in der Härtigkeit
und Grimmigkeit geschieht, so quellet die bittere Grimmigkeit im Blitze. 10.42. Denn
wenn du dich in deinem Leibe erhebest wider etwas, es sei wider Liebe oder
Zorn, wider das du dich nun erhebest, dessen Qualität zündest du an und das
brennet in deinem zusammenkorporierten Geiste. In dem Blitze aber wird
derselbe Quellgeist erwecket. Denn wenn du etwa ansiehest, das dir nicht
gefällt, das wider dich ist, so erhebest du den Brunn des Herzens, als wenn
du einen Stein nähmest und schlügest auf ein Feuereisen, und wenn der Funke
im Herzen fängt, so zündet sich das Feuer an. Erstlich glimmet es, wenn du
aber den Brunn des Herzens sehrer erhebest, so ist es, als wenn du ins Feuer
bliesest, daß sich die Lohe anzündet, dann ist es Zeit zu löschen oder wird
das Feuer zu groß, so brennets und verzehrets und tut an seinem Nächsten
Schaden. 10.43. Sprichst
du nun: Wie kann man das angezündete Feuer löschen? - Höre, hast du das süße
Quellwasser in dir, geuß ins Feuer, so erlischts; lässest du es brennen, so
verzehret es dir den Saft in allen sieben Quellgeistern, daß du trocken
wirst. Wenn das geschieht, so bist du ein Höllenbrand und Schürknittel des
höllischen Feuers, und ist dir ewig kein Rat. 10.44. Wenn
du aber etwa ansiehest, das dir liebet und erweckest den Geist im Herzen, so
zündest du das Feuer im Herzen an. Das brennet erstlich im süßen Wasser als
eine glühende Kohle. Weil es nun glimmet, so ists nur eine sanfte Lust in dir
und verzehret dich nicht. Wenn du aber dein Herz sehrer erhebst und zündest
den süßen Quell an, daß er eine brennende Lohe wird, so zündest du alle
Quellgeister an. Dann brennet der ganze Leib und greifet zu Maul und Hände. 10.45. Dieses
Feuer ist das schädlichste, und hat von der Welt her am meisten verderbet,
und ist gar schwer zu löschen. Denn wenn es angezündet wird, so brennet es im
süßen Wasser, im Blitze des Lebens, und muß durch die Bitterkeit gelöschet
werden, welches doch gar ein elend Wasser ist, sondern vielmehr Feuer. Darum
folget auch ein trauriges Gemüte, wenn er das soll lassen, das in seinem
Liebefeuer brennet in dem süßen Quellwasser. 10.46. Aber
das sollst du wissen, daß du in deinem Regiment des Gemütes dein eigen Herr
bist. Es gehet dir kein Feuer in deinem Zirkel des Leibes und Geistes auf, du
erweckest es denn selber. Wahr ists, es quellen alle deine Geister in dir und
steigen in dir auf, und hat freilich ein Geist immer größere Macht und Kraft
in dir als der ander. Denn wenn in einem Menschen das Regiment der Geister
wäre wie im andern, so hätten wir alle einen Willen und Gestalt, aber sie
sind alle sieben in der Gewalt deines zusammenkorporierten Geistes, welcher
Geist die Seele heißt. 10.47. So
sich nun ein Feuer in einem Quellgeist erhebet, so ists der Seelen nicht
verborgen. Sie mag alsbald die andern Quellgeister aufwecken, die dem
angezündeten Feuer zuwider sind, und mag löschen. Will aber das Feuer zu groß
werden, so hat sie ihr Gefängnis. Da mag sie den angezündeten Geist
einschließen, als nämlich in die harte, herbe Qualität. Und die andern
Geister müssen ihre Stockmeister sein, bis ihnen der Zorn vergehet und das
Feuer auslischet. 10.48. Merke,
was das ist: Wenn dich ein Quellgeist zu hart zu einem Dinge treibet, das
wider der Natur Gesetze ist, so mußt du deine Augen davon abwenden. Will das
nicht helfen, so nimm denselben Geist und wirf ihn ins Gefängnis. Das ist,
wende dein Herze von zeitlicher Wollust, von Fressen und Saufen, von dem
Reichtum dieser Welt, und denke, daß heute der Tag deines Leibes Ende ist.
Wende dich von der Welt Üppigkeit und rufe ernstlich zu Gott und ergib dich
ihm. 10.49. Wenn
du das tust, so spottet die Welt deiner, und mußt ihr Narr sein. Dies Kreuz
trage mit Geduld, und laß den gefangenen Geist nicht wieder aus dem
Gefängnis, und traue Gott, er wird dir aufsetzen die Krone der göttlichen
Freuden. 10.50. Reißt
dir aber der Geist wieder aus dem Gefängnis, so setze ihn wieder hinein. Halt
Part mit ihm, weil du lebest. Wenn du nur so viel erhälst, daß er dir nicht
den Brunnquell des Herzens gar anzündet, davon deine Seele ein dürr Feuerholz
wird und jeder Quell noch seinen Saft hat, wenn du von hinnen scheidest, so
wird dir das angezündete Feuer am Jüngsten Tage nichts schaden, und wird nach
dieser ängstlichen Trübsal in der Auferstehung ein triumphierender Engel
Gottes sein. 10.51. Nun
möchtest du sagen: Ist denn in Gott auch ein Widerwille zwischen den Geistern
Gottes? Nein, ob ich gleich allhie ihre ernstliche Geburt anzeige, wie die
Geister Gottes so ernstlich und strenge geboren werden, dabei ein jeder gar
wohl den großen Ernst Gottes verstehen mag, so erfolget darum nicht, daß eine
Uneinigkeit zwischen ihnen sei. 10.52. Denn
die allerinnerlichste, tiefste Geburt im Kern ist nur also, welches keine
Kreatur im Corpus kann ergreifen, sondern im Blitze, wo der verborgene Geist
geboren wird, da wird es ergriffen. Denn derselbe wird auch auf eine solche
Weise und in solcher Kraft geboren. 10.53. Mir
aber wird die Porte meines Gemüts eröffnet, daß ichs sehen und erkennen kann,
sonst würde es bei mir wohl verborgen bleiben bis an Tag der Auferstehung von
den Toten. Es ist auch von der Welt her allen Menschen verborgen gewesen,
aber ich lasse es Gott walten. 10.54. In
Gott triumphieren alle Geister wie ein Geist. Und ein Geist sänftiget und
liebet immer den andern, und ist nichts denn eitel Freude und Wonne. Ihre
strenge Geburt aber, welche im Verborgenen geschieht, die muß also sein. Denn
das Leben und der Verstand und die Allwissenheit wird also geboren, und das
ist eine ewige Geburt, die keinmal anders ist. 10.55. Du
mußt nicht denken, daß im Himmel etwa ein Corpus sei, der nur also geboren
werde, den man für alles andere Gott heiße. Nein, sondern die ganze göttliche
Kraft, die selber Himmel und aller Himmel Himmel ist, wird also geboren. Und
das heißt Gott der Vater, aus dem alle hl. Engel sind geboren worden und auch
in derselben Kraft leben, und wird auch aller Engel Geist in ihrem Corpus
immer und ewig also geboren, dazu auch aller Menschen Geist. 10.56. Denn
diese Welt gehöret gleichwohl zum Corpus Gottes des Vaters als der Himmel.
Aber die Geister sind in der Räumlichkeit dieser Welt durch König Luzifer
angezündet worden in seiner Erhebung, daß alles in dieser Welt wie halb
verschmachtet und tot ist. Darum sind wir armen Menschen so gar verblendet
und leben in großer Gefährlichkeit. 10.57. Du
sollst aber darum nicht denken, daß das himmlische Licht in dieser Welt in
den Quellgeistern Gottes gar verlöschen sei. Nein, es ist nur eine
Dunkelheit, welches wir mit unsern verderbten Augen nicht ergreifen können.
So aber Gott die Dunkelheit wegtut, die über dem Lichte schwebet und würden
dir deine Augen eröffnet, so sähest du auch hie an der Stelle, wo du in
deinem Gemache stehest, sitzest oder liegest das schöne Angesichte Gottes und
die ganze himmlische Porten. Du dürftest deine Augen nicht erst in Himmel
schwingen, denn es stehet geschrieben: Das Wort ist dir nahe, nämlich auf
deiner Lippen und in deinem Herzen, Deut 30,14; Röm 10,8. 10.58. Also
nahe ist dir Gott, daß die Geburt der Hl. Dreifaltigkeit auch in deinem
Herzen geschieht. Es werden alle drei Personen in deinem Herze geboren, Gott
Vater, Sohn, Hl. Geist. 10.59. Wenn
ich nun allhie schreibe von dem Centro oder Mitten, daß der Quellbrunn der
göttlichen Geburt in der Mitten sei, so hats nicht die Meinung, daß im Himmel
ein besonderer Ort sei oder ein besonderer Corpus, da das Feuer des
göttlichen Lebens aufgehe, aus welchem die sieben Geister Gottes ausgehen in
die ganze Tiefe des Vaters, sondern ich rede auf körperliche oder engelische
oder menschliche Weise um des Lesers Unverstandes willen, auf Art und Weise,
wie die engelischen Kreaturen sind gebildet worden und wie es in Gott überall
ist. 10.60. Denn
du kannst keinen Ort, weder im Himmel noch in dieser Welt erkennen, da die
göttliche Geburt nicht also sei, es sei gleich einem Engel und heiligen
Menschen oder außer demselben. Wo ein Quellgeist in der göttlichen Kraft
gerüget wird, die Stätte sei gleich, wo sie wolle, nur in den Teufeln nicht
und in allen gottlosen verdammten Menschen nicht, so ist schon der Quellbrunn
der göttlichen Geburt vorhanden. Da sind schon alle sieben Quellgeister
Gottes, als wenn du einen räumlichen, kreatürlichen Zirkel schlössest und
hättest die ganze Gottheit besonders darinnen, gleichwie sie in einer Kreatur
geboren wird, also auch in der ganzen Tiefe des Vaters an allen Enden und in
allen Dingen. 10.61. Und
auf eine solche Weise ist Gott ein allmächtiger, allwissender, allsehender,
allhörender, allriechender, allschmeckender, allfühlender Gott, der über ist
und der Kreaturen Herzen und Nieren prüfet. Und auf solche Weise ist Himmel
und Erde sein, und auf eine solche Weise müssen alle Teufel samt allen
gottlosen Menschen seine ewigen Gefangenen sein und in dem Salitter, den sie
in ihrem Loco verderbet und angezündet haben, ewige Pein leiden und dazu
ewige Schmach und Schande. 10.62. Denn
das ganze schöne Angesichte Gottes samt allen hl. Engeln wird über ihnen und
unter ihnen und auf allen Seiten neben ihnen schön, herrlich und klar
leuchten. Und alle hl. Engel mitsamt allen heiligen Menschen werden über
ihnen und unter und neben ihnen ewig triumphieren und von großer Freude,
Wonne und Lieblichkeit singen, von Gottes Heiligkeit, von ihrem königlichen
Regiment, von der holdseligen Frucht des himmlischen Gewächses, und das wird
nach der Qualität der sieben Geister Gottes auf viel Stimmen ergehen. 10.63. Dagegen
werden die Teufel mit allen gottlosen Menschen in eine Höhle gezwänget
werden. Allda wird höllischer Gestank quellen und aufsteigen. Und das
höllische Feuer und höllische Kälte und Bitterkeit wird nach Art und Weise
der angezündeten Geister Gottes ewig in ihrem Corpus, sowohl auch in ihrem
Revier brennen. Ja, wenn sie noch könnten in ein Loch gesperret werden, daß
sie das zornige Angesicht Gottes nicht berührte, so wären sie noch zufrieden
und dürften nicht ewige Schmach und Schande ertragen. 10.64. Aber
da ist keine Hilfe, ihre Qual wird nur größer. Je mehr sie es betrauern, je
mehr zündet sich die höllische Grimmigkeit an. Sie müssen in der Höllen
liegen wie die Totenbeine, wie die versengten Schafe im Feuer. Ihr Gestank
und Greuel naget sie, sie dürfen ihre Augen nicht aufheben vor Schande, denn
sie sehen in ihrem Revier nichts als nur einen strengen Richter. Und über
sich und auf alle Seiten sehen sie die ewige Freude. 10.65. Da
ist Ach und Weh, Gellen und Schreien und keine Errettung. Ihnen ist als wenns
immer donnert und wetterleuchtet, denn also gebären sich die angezündeten
Geister Gottes. 1. Die Härtigkeit gebäret hart, rauhe, kalte und herbe
Qualität; 2. die Süßigkeit ist verschmachtet als wie eine glühende Kohle, da
kein Saft mehr im Holze ist, die lechzet und ist kein Labsal da; 3. die
Bitterkeit reißt wie hitzige Pestilenz und ist bitter als Gallen; 4. das
Feuer brennet als grimmiger Schwefel; 5. die Liebe ist eine Feindschaft; 6.
der Schall ist nichts als hart Pochen gleich einem hohlen Feuerklang, als ob
es einen Donnerschlag tät; das Revier des Corpus ist ein Trauerhaus. Ihre
Speise ist Greuel, und wächst aus aller Qualität Grimmigkeit. Ach und ewig
ohne Ende, da ist keine Zeit! Ein ander König sitzet auf ihrem Stuhle, der
hält ein ewig Gerichte, sie sind nur seiner Füße Schemel. 10.66. Ach
Schönheit und Wollust dieser Welt, o Reichtum und stolze Pracht, o Macht und
Gewalt! Dein unrechtes Gerichte und große Pracht mit aller deiner Wollust
liegt alles auf einem Haufen und ist höllisch Feuer worden. Nun friß und
sauf, nun schminke dich mit, nun herrsche darinnen; du schöne Göttin, wie bist
du zur Hure worden, und deine Schande und Schmach währet ewiglich! 11.1. Der siebente
Geist Gottes in der göttlichen Kraft ist der Corpus, der aus den andern sechs
Geistern geboren wird, darinnen alle himmlischen Figuren bestehen und
darinnen sich alles bildet und formet, und darinnen alle Schönheit und Freude
aufgehet. Das ist der rechte Geist der Natur, ja die Natur selber, darinnen
die Begreiflichkeit stehet und darinnen alle Kreaturen formieret sind im
Himmel und auf Erden. Ja, der Himmel selber ist darinnen formieret, und alle
Natürlichkeit in dem ganzen Gott stehet in diesem Geiste. So dieser Geist
nicht wäre, so wäre auch kein Engel noch Mensch, und wäre Gott ein
unerforschliches Wesen, welches nur in unerforschlicher Kraft bestünde. 11.2. Nun fragt sichs:
Wie ist diese Gestalt? Bist du nun ein vernünftiger Marcurius-Geist, der
durch alle sieben Geister Gottes dringet, und die approbieret, und schauet,
wie sie sind, so wirst du bei Erklärung dieses siebten Geistes die Wirkung
und das Wesen der ganzen Gottheit verstehen und im Sinne begreifen. 11.3. Verstehest du
aber bei diesem Geiste nichts, so laß dies Buch zufrieden und richte weder
vom Kalten noch Warmen darinnen, denn du bist im Saturno zu sehr gefangen und
bist kein Pilosophus in dieser Welt. Laß nur dein Richten bleiben oder du
wirst bösen Lohn empfahen, davor ich dich treulich will gewarnet haben. Warte
bis in jenes Leben, so wird dir die Himmelsporte aufgetan werden, dann wirst
du es auch verstehen. 11.4. Nun merke die
Tiefe: Allhie muß ich den ganzen göttlichen Corpus erklären, wie die Natur
wird. Da wirst du den höchsten Grund sehen, wie alle sieben Geister Gottes
immer einer den andern gebäret, und wie die Gottheit keinen Anfang noch Ende
hat. Darum siehe deines Geistes Lust und die ewige, göttliche Freudenreich,
die himmlische Wonne und körperlichen Freuden, die in Ewigkeit kein Ende hat.
11.5. Nun merke: Wenn
der Blitz im Centro aufgehet, so stehet die göttliche Geburt in voller
Wirkung. In Gott ist es immer und ewig also, aber in uns armen
Fleischeskindern nicht. In diesem Leben währet die triumphierende göttliche
Geburt in uns Menschen nur solange, als der Blitz wäret. Darum ist unsere
Erkenntnis stückweise, in Gott aber stehet der Blitz unveränderlich immer und
ewig also. 11.6. Siehe, es werden
alle sieben Geister Gottes zugleich geboren. Keiner ist der erste und keiner
ist der letzte. Aber man muß auf den Kern sehen, wie die göttliche Geburt
aufgehet, sonst verstehet mans nicht, denn alle sieben ineinander zugleich
können die Kreaturen nicht begreifen, sondern sie schauens an. Wenn aber ein
Geist geregt wird, so reget er die andern alle, so stehet die Geburt in
voller Kraft. Darum hats im Menschen einen Anfang, und in Gott keinen. Darum
muß ichs auch nur auf kreatürliche Weise schreiben, sonst verstehest du
nichts. 11.7. Siehe, alle
sieben Quellgeister wären außer dem Blitz ein finster Tal. Wenn aber der
Blitz zwischen der herben und bittern Qualität in der Hitze aufgehet, so wird
er im süßen Wasser scheinend und in der Hitze Flammen bitter und
triumphierend und lebendig, und in der herben körperlich, trocken und helle. 11.8. Nun bewegen sich
alle diese vier Geister in dem Blitze, denn sie werden alle vier darinnen
lebendig. Nun steiget diese 4. Kraft in dem Blitze auf, als wie das Leben
aufginge. Und die aufgestiegene Kraft in dem Blitze ist die Liebe, das ist
der fünfte Geist. Dieselbe Kraft wallet so lieblich in dem Blitze, als wenn
ein toter Geist lebendig würde und würde urplötzlich in große Klarheit
gesetzet. 11.9. Nun in diesem
Wallen reget eine Kraft die andere. Erstlich pocht die Herbe, und die Hitze
macht in dem Pochen einen hellen Klang, und die bittere Kraft zerteilet den
Klang, und das Wasser macht ihn sanft. Das ist der sechste Geist. 11.10. Nun
gehet der Ton in allen fünf Geistern auf gleich einer lieblichen Musica, und
bleibet bestehen, denn die herbe Qualität vertrocknet ihn. Nun ist in
demselben ausgegangenen Schalle, der nun trocken besteht, aller sechs Quellgeister
Kraft und ist gleich wie der Same der andern sechs Geister, den sie allda
zusammenkorporieret haben und einen Geist daraus gemacht. Der hat aller
Geister Qualität, und das ist der siebente Geist Gottes in der göttlichen
Kraft. 11.11. Nun
dieser Geist besteht in seiner Farbe gleich dem Himmelblau, denn er ist aus
allen sechs Geistern geboren. Wenn nun der Blitz, der inmitten in der Hitze
bestehet, in die andern Geister leuchtet, daß sie im Blitze aufsteigen und
den siebenten Geist gebären, so steiget auch der Blitz in der Geburt der
sechs Geister mit auf in den siebenten. 11.12. Weil
aber der siebente keine sonderliche Qualität in sich hat, so kann der Blitz
in dem siebten nicht heller werden, sondern er fänget von dem siebenten das
körperliche Wesen aller sieben Geister, und der Blitz stehet inmitten
zwischen diesen sieben Geistern und wird von allen sieben geboren. 11.13. Und
die sieben Geister sind des Lichtes Vater, und das Licht ist ihr Sohn, den
sie von Ewigkeit zu Ewigkeit immer also gebären. Und das Licht erleuchtet und
macht immer und ewig die sieben Geister lebendig und freudenreich. Denn sie
sehen alle ihr Aufsteigen und Leben in Kraft des Lichtes. Hingegen gebären
sie alle das Licht und sind alle zugleich des Lichtes Vater. Und das Licht
gebäret keinen Geist, sondern macht sie alle lebendig und freudenreich, daß
sie immer in der Geburt stehen. 11.14. Siehe,
ich will dirs noch einmal zeigen, ob du es vielleicht begreifen möchtest,
damit diese hohe Arbeit nicht vergebens geschehe, ohne Nutz. 11.15. Die
herbe Qualität ist der erste Geist, die zeucht zusammen und macht alles
trocken. Die süße Qualität ist der andere Geist, die sänftiget es. Nun ist
der dritte Geist der bittere Geist, der entsteht aus dem vierten und ersten.
Wenn sich nun der dritte Geist mit seiner Wüterei in dem herben reibet, so
zündet er das Feuer an, so gehet die Grimmigkeit in dem Feuer auf in der
herben. In derselben Grimmigkeit wird der bittere Geist selbständig, und in
der süßen wird er sanft, und in der harten körperlich. Nun bestehet er und
auch der vierte. 11.16. Nun
gehet der Blitz in Kraft dieser vier auf in der Hitze und steiget im süßen
Quellwasser auf, und die bittere macht ihn triumphierend, und die herbe macht
ihn scheinend und trocken und körperlich, und die süße macht ihn sanft und
nimmt seinen ersten Schein in der süßen. Nun da besteht der Blitz oder das
Licht in der Mitten als ein Herze. Wenn nun dasselbe Licht, das in der Mitten
steht, in die vier Geister scheinet, so steigen der vier Geister Kräfte im Licht
auf und werden lebendig und lieben das Licht, das ist: sie fassens in sich
und sind des schwanger. Und derselbe angefaßte Geist ist die Liebe des
Lebens; das ist der fünfte Geist. 11.17. Nun
wenn sie die Liebe in sich gefasset haben, so qualifizieren sie vor großer
Freude. Denn es siehet einer den andern im Licht, und reget einer den andern.
Alsdann gehet auf der Ton: der harte Geist pochet, der süße macht das Pochen
sanft, der bittere zerscheidet es nach jeder Qualität Art, der vierte macht
den Klang, der fünfte macht die Freudenreich, und dies zusammenkorporierte
Tönen ist der Ton oder der sechste Geist. 11.18. In
diesem Tönen gehet auf aller sechs Geister Kraft. Und wird ein begreiflicher
Corpus nach engelischer Art zu reden, und besteht in Kraft der andern sechs
Geister und in dem Licht. Und das ist der Corpus der Natur, darinnen alle
himmlischen Kreaturen und Figuren und Gewächse gebildet werden. 11.19. Die
heilige Porten: Das Licht aber, das inmitten in allen sieben Geistern
bestehet und darinnen aller sieben Geister Leben stehet und dadurch sie alle
sieben triumphieren und freudenreich werden, darinnen die himmlische
Freudenreich aufgehet, das alle sieben Geister gebären und das aller sieben
Geister Sohn ist, und die sieben Geister sind sein Vater, die das Licht
gebären. Und das Licht gebäret ihnen das Leben, und das Licht ist der sieben
Geister Herze. Und dieses Licht ist der wahrhaftige Sohn Gottes, den wir
Christen anbeten und ehren als die andere Person in der hl. Dreifaltigkeit. 11.20. Und
die sieben Geister Gottes sind alle zusammen Gott der Vater, denn es ist kein
Geist außer dem andern, sondern sie gebären alle sieben einer den andern. So
einer nicht wäre, so wäre der andere auch nicht. Das Licht aber ist eine
andere Person, denn es wird aus den sieben Geistern immer geboren, und die
sieben Geister steigen immer aus dem Lichte auf, und die Kräfte dieser sieben
Geister gehen immer im Glanze des Lichtes aus den sieben Naturgeistern und
formen und bilden alles in dem siebenten Geiste, und dieser Ausgang im Licht
ist der Hl. Geist. 11.21. Der
Blitz oder der Stock oder Herze, das in den Kräften geboren wird, der bleibet
inmitten stehen, und das ist der Sohn. Und der Glanz in aller Kraft gehet vom
Vater und Sohne aus in alle Kräfte des Vaters und formet und bildet in dem
siebenten Naturgeiste alles nach der Kraft und Wirkung der sieben Geister und
nach ihrem Unterschied und Trieb. Und das ist der wahrhaftige Hl. Geist, den
wir Christen für die dritte Person in der Gottheit ehren und anbeten. 11.22. Also
siehest du blinder Jude, Türke und Heide, daß drei Personen in der Gottheit
sind, du kannst es nicht leugnen, denn du lebest und bist in den drei
Personen und hast dein Leben von ihnen und in ihnen. Und du wirst am jüngsten
Tage von den Toten in Kraft dieser drei Personen aufstehen und ewig leben. 11.23. Wirst
du nun im Gesetze der Natur heilig und wohl in dieser Welt gelebet haben und
wirst den heiligen Blitz, der da ist der Sohn, der dich lehret das Gesetze
der Natur in deinen sieben Quellgeistern nicht verlöschet haben durch grimme
Erhebung, welche läufet wider die Wissenschaft der Natur, so wirst du mit
allen Christen in ewiger Freude leben. 11.24. Denn
es liegt nichts an deinem Unglauben. Dein Unglaube hebet Gottes Wahrheit
nicht auf. Der Glaube aber bläset den Geist der Hoffnung auf und bezeuget,
daß wir Gottes Kinder sind. Der Glaube wird im Blitze geboren und ringet mit
Gott so lange, bis er überwindet und sieget. 11.25. Du
richtest uns und richtest dich selber, indem du den Eifergeist im Zorne
aufbläsest, der dein Licht verlöschet. Bist du nun auf dem süßen Baume
gewachsen und zwingest die bösen Einflüsse und lebest heilig und wohl im
Gesetze der Natur, das dir dann gar wohl anzeiget, was Recht ist. 11.26. Bist
du aber nicht aus dem grimmen Zweig gewachsen und bist blind, wer will dich
abscheiden von der Liebe Gottes, darinnen du geboren bist und darinnen du
lebest, so du darinnen verharrest bis ans Ende? Wer will dich von Gott
scheiden, in dem du hie gelebet hast? 11.27. Was
du in den Acker gesäet hast, das wird aufgehen, es sei Weizen, Korn, Gersten,
Erbsen, Hülsen oder Dornen. Welches das endliche Feuer nicht wird fähig sein,
das wird auch nicht brennen. Gott aber wird seinen guten Samen nicht selber
verderben, sondern bauen, daß er Früchte trage ins ewige Leben. 11.28. Dieweil
denn nun alles in Gott lebet und ist, warum rühmet sich dann das Unkraut vor
dem Weizen? Meinest du, daß Gott ein Heuchler sei und sehe jemands Person
oder Namen an? Wer war unser aller Vater? War es nicht Adam? Da sein Sohn
Kain böse vor Gott lebete, warum half ihm nicht sein Vater Adam? Aber es
heißt hie: Wer sündiget, soll gestraft werden, Ez 18,20. Hätte Kain nicht
sein Licht verlöschet, wer wollte ihn scheiden von der Liebe Gottes? 11.29. Also
auch du, du rühmest dich einen Christen und kennest das Licht. Warum wandelst
du nicht drinnen? Meinest du, der Name mache dich heilig? Warte, Fritz, bis
dorthin, so wirst du es erfahren. Siehe, es wird dir mancher Jude, Türke und
Heide zuvor ins Himmelreich gehen, die ihre Lampen wohl geschmückt haben. 11.30. Was
haben denn die Christen Vorteil? Viel, denn sie wissen den Weg des Lebens und
wissen, wie sie vom Falle aufstehen sollen. Will aber einer bleiben liegen,
so wirft man ihn in die Gruben, da muß er mit allen gottlosen Heiden
verderben. Darum schaue zu, was du tust und wer du bist, du richtest andere
und bist selber blind. Der Geist saget aber, du hast keine Ursache dazu, daß
du den richtest, der besser ist als du. Haben wir nicht alle ein Fleisch, und
unser Leben bestehet in Gott, es sei gleich in Liebe oder in Zorn. Denn was
du säest, das wirst du ernten. 11.31. Gott
ist nicht Ursache dran, daß du verloren wirst, denn das Gesetze, recht zu
tun, ist in die Natur geschrieben und du hast dasselbe Buch in deinem Herzen.
Du weißt wohl, daß du sollst wohl und freundlich handeln gegen deinen
Nächsten. So weißt du auch wohl, daß du dein eigen Leben, das ist, dein Leib
und Seele nicht sollst schänden und beflecken. 11.32. Wahrlich
in diesem stehet der Kern und die Liebe Gottes: Gott siehet nicht auf
jemandes Namen oder Geburt. Wer aber in der Liebe Gottes wallet, der wallet
im Lichte. Das Licht aber ist das Herze Gottes. Wer nun Gott im Herzen
sitzet, wer will den rausspeien? Niemand, denn er wird Gott geboren. 11.33. O
du blinde und halbtote Welt, stehe ab von deinem Richten! O du blinder Jude,
Türke und Heide, stehe ab von deiner Lästerung und ergib dich dem Gehorsam
Gottes und wandele im Licht, so siehest du, wie du in deinem Falle sollst
aufstehen und wie du dich in dieser Welt wider die höllische Grimmigkeit
wehren sollst und wie du kannst überwinden und mit Gott ewig leben. 11.34. Wahrlich, es ist nur ein Gott. Wenn
aber die Decke von deinen Augen getan wird, daß du ihn siehst und erkennest,
so wirst du auch alle deine Brüder sehen und erkennen, es seien gleich
Christen, Juden, Türken oder Heiden. Oder meinest du, daß Gott nur der
Christen Gott sei? Leben doch die Heiden auch in Gott! Wer recht tut, der ist
ihm lieb und angenehm. Act 10,35. Oder was wußtest du, der du ein Christ
bist, wie dich Gott wollte von dem Bösen erlösen? Was hattest du für
Freundschaft mit ihm oder was hattest du für einen Bund mit ihm, da Gott
seinen Sohn ließ einen Mensch werden, zu erlösen das menschliche Geschlechte?
Ist er nur dein König? Stehet nicht geschrieben: Er ist aller Heiden Trost?
Hagg 2,8. 11.35. Höre,
durch einen Menschen kam die Sünde in die Welt und drang durch den einen auf
alle, Röm 5,18. Und durch einen kam die Erlösung in die Welt und drang durch
den einen auf alle. Was liegt nun an jemands Wissenschaft? Wußtest du doch
auch nicht, wie Gott mit dir fahren wollte, da du in Sünden tot warest. 11.36. Nun,
gleichwie die Sünde ohne Unterscheid herrschet durch Einen über alle, also
auch herrschet die Barmherzigkeit und Erlösung durch Einen über alle. Den
Heiden, Juden und Türken aber ist Blindheit widerfahren. Sie stehen aber
gleichwohl in ängstlicher Geburt und suchen die Ruhe, begehren Gnade und
suchens nicht am rechten Ziele. Gott aber ist allenthalben und siehet auf des
Herzens Grund. So aber in ihrer ängstlichen Geburt das Licht in ihnen geboren
wird, wer bist du, der du sie richtest? 11.37. Siehe,
du blinder Mensch, ich will dirs zeigen: Gehe auf eine Wiese, da siehest du
mancherlei Kraut und Blumen. Du siehest bittere, du siehest herbe, süße,
saure, weiße, gelbe, rote, blaue, grüne und mancherlei. Wachsen sie nicht
alle aus der Erden? Stehen sie nicht nebeneinander? Mißgönnet auch eins dem
andern seine schöne Gestalt? Ob sich aber eines unter ihnen zu hoch erhübe
mit seinem Gewächse und verdorrete, weil es nicht Saft genug hat, was kann
ihm die Erde tun? Gibt sie ihm doch seinen Saft sowohl als dem andern. Wenn
aber Dornen drunter wachsen und der Mähder kommt einzuernten, so hauet er
dieselben mit ab und wirft sie weg, und sie werden im Feuer verbrannt, aber
die mancherlei Blumen sammlet er in seine Scheuern. 11.38. Also
ists auch mit den Menschen. Es sind mancherlei Gaben und Geschicklichkeiten.
Es ist einer viel Lichter in Gott als der ander. Weil sie aber nicht im Geiste
verdorren, so sind sie nicht verwerflich. Wenn aber der Geist verdorret, so
taugt er zu nichts denn zu Feuerholz. 11.39. Sind
aber die Türken der herben Qualität und die Heiden der bittern, was gehet
dichs an? So das Licht in der herben und bittern Qualität scheinend wird, so
leuchtet es auch. Du aber bist in der Hitze geboren, wo das Licht im süßen
Quellwasser aufgehet. Schaue zu, daß dich die Hitze nicht verbrennet, du
magst wohl löschen. 11.40. So
sprichst du nun: Ists dann recht, daß die Heiden, Juden und Türken in ihrer
Blindheit verharren? Nein, das sage ich aber: Wie kann der sehen, der keine
Augen hat? Was weiß der arme Laie drum, was die Pfaffen für einen Tumult
haben in ihrer Trunkenheit? Er gehet dahin in seiner Einfalt und gebäret
ängstiglich. 11.41. So
sprichst du nun: Hat denn Gott die Türken, Juden und Heiden verblendet? Nein,
sondern als ihnen Gott das Licht anzündete, so lebten sie in ihres Herzens
Lust und wollten sich den Geist nicht weisen lassen, so verlosch das
äußerliche Licht. Es ist darum nicht also gar verloschen, daß es in einem
Menschen nicht könnte geboren werden, sintemal der Mensch aus Gott ist und in
Gott lebet, es sei gleich in Liebe oder Zorn. 11.42. So
sich nun der Mensch sehnet, sollte er in seinem Sehnen nicht schwanger
werden? So er aber schwanger ist, so kann er auch gebären. Dieweil ihm aber
das äußerliche Licht nicht scheinet, so kennet er seinen Sohn nicht, den er
geboren hat. Wenn aber das Licht aufgehen wird am jüngsten Tage, so wird er
ihn sehen. 11.43. Siehe,
ich sage dir ein Geheimnis: Es ist schon die Zeit, daß der Bräutigam seine
Braut krönet. Rat, Fritz, wo liegt die Krone? - Gegen Mitternacht, denn
mitten in der herben Qualität wird das Licht helle. Von wannen kommt aber der
Bräutigam? Aus der Mitten, wo die Hitze das Licht gebäret, und fähret gegen
Mitternacht in die herbe Qualität, da wird das Licht helle. Was tun denn die
gegen Mittage? Sie sind in der Hitze entschlafen, aber ein Sturmwetter wird
sie aufwecken. Unter diesen werden viele zum Tode erschrecken. 11.44. Was
tun dann die vom Abend? Ihre bittere Qualität will sich mit den andern
reiben. Aber wenn sie das süße Wasser kosten, so wird ihr Geist sanft. Was
tun dann die im Morgen? Du bist eine stolze Braut von Anfang. Die Krone ist
dir von Anfang immer geboten worden, aber du däuchtest dich vorhin zu schöne
zu sein, du lebest mit den andern. Von
der göttlichen und himmlischen Natur, Wirkung und Eigenscbaft
11.45. So
du nun willst wissen, was im Himmel für eine Natur sei und was die hl. Engel
für eine Natur an sich haben, und was Adam vor dem Fall für eine Natur an
sich gehabt hat, und was eigentlich die heilige, himmlische und göttliche
Natur sei, so merke die Umstände bei diesem siebenten Quellgeiste Gottes
eigentlich wie folget: 11.46. Der
siebte Quellgeist Gottes ist der Quellgeist der Natur, denn die andern sechs
gebären den siebenten. Und der siebte, wenn er geboren ist, so ist er
gleichwie eine Mutter der andern sechs, der die andern sechse umschleußt und
gebäret sie wiederum, denn das körperliche und natürliche Wesen stehet in dem
siebenten. 11.47. Hie
merke den Sinn: die sechs steigen auf in voller Geburt nach jedes Kraft und
Art, und wenn sie aufgestiegen sind, so ist ihre Kraft ineinander vermenget,
und die Härtigkeit vertrocknete und ist gleichwie das ganze Wesen. Diese
körperliche Vertrocknung heiße ich in diesem Buche den göttlichen Salitter.
Denn es ist darinnen der Same der ganzen Gottheit und ist gleichwie eine
Mutter, die den Samen empfähet und immer wieder Frucht gebäret nach aller
Qualität des Samens. 11.48. Nun
in diesem Aufsteigen der sechs Geister steiget auch mit auf der Marcurius,
Ton oder Schall aller sechs Geister, und in dem siebenten bestehet er als in
der Mutter. Alsdann gebäret der siebente allerlei Frucht und Farben nach der
sechsten Wirkung. 11.49. Du
mußt aber allhie wissen, daß die Gottheit nicht stille stehet, sondern ohn
Unterlaß wirket und aufsteiget als ein liebliches Ringen, Bewegen oder
Kämpfen, gleichwie zwei Kreaturen, die in großer Liebe miteinander spielen
und sich miteinander hälsen oder würgen. Bald liegt eines oben, bald das
andere. Und so eines überwunden hat, so gibts nach und lässet das andere
wieder auf die Füße. 11.50. Du
magsts auch im Gleichnis also verstehen, als wenn sieben Personen ein freundliches
Freudenspiel anfingen, da je eines dem andern obsieget und das dritte käme
dem überwundenen zuhilfe, und wäre eine liebliche freundliche Kurzweil unter
ihnen, da sie zwar alle einen Liebewillen untereinander hätten und doch eines
gegen den andern in Kurzweil oder Liebe kämpfete. 11.51. Also
ist auch die Wirkung der sechs Geister Gottes in dem siebenten. Bald hat
einer ein starkes Aufsteigen, bald der andere, und ringen also in Liebe
miteinander. Und wenn das Licht in diesem Kämpfen aufsteiget, so wallet der
Hl. Geist in Kraft des Lichtes in der andern sechs Geister Spiele. Alsdann
gehet auf in dem siebenten allerlei Frucht des Lebens, dazu allerlei Farben
und Gewächse. 11.52. Wie
nun die Qualität am stärksten ist, so bildet sich auch der Corpus der Frucht
und auch die Farben. In diesem Kämpfen oder Ringen formieret sich die
Gottheit in unendlicher und unerforschlicher vielerlei Art, Weise und
Bildung. 11.53. Denn
die sieben Geister sind sieben Hauptquellen. Wenn der Marcurius drinnen
aufsteiget, so macht er alles rege und die bittere Qualität beweget es und
unterscheidet es, und die herbe vertrocknet es. 11.54. Nun
merke hie, wie da sei die Bildung in der Natur in dem siebenten Geist. Das
süße Wasser ist der Natur Anfang oder die herbe Qualität zeucht es zusammen,
daß es natürlich und begreiflich wird, auf engelische Art zu reden. 11.55. Nun,
wenn es zusammengezogen ist, so siehts gleich dem Himmelblau. Wenn aber das
Licht oder der Blitz drinnen aufgehet, so siehets gleich einem edlen Jaspis
oder wie ichs in meiner Sprache nennen mag, einem gläsern Meer, darin die
Sonne scheinet und ganz lauter und helle ist. 11.56. Wenn
aber die bittere Qualität darinnen aufgehet, so zerteilet sichs und formet
sichs, gleich als wenn es lebete oder als wenn das Leben da aufginge, und
formet sich in grünliche Gestalt gleich einem grünen Blitz, menschlich zu
reden, davon einem das Gesichte vergehet und nicht schauen kann. 11.57. Wenn
aber die Hitze drinnen aufgehet, so formet sich die grüne Gestalt in eine
halb rötliche, gleich als wenn ein Karfunkelstein aus dem grünen Blitz
leuchtet. 11.58. Wenn
aber das Licht, welches ist der Sohn Gottes, in dieses Naturmeer scheinet, so
bekommts seine gelblichte und weißlichte Farbe, welches ich mit nichts
vergleichen kann. Mit diesem Anschauen mußt du warten bis in jenes Leben.
Denn das ist nun der rechte Naturhimmel, der da ist aus Gott, darinnen die
hl. Engel wohnen und daraus sie im Anfang geschaffen sind. 11.59. Siehe,
wenn nun der Marcurius oder Ton in diesem Naturhimmel aufgehet, da gehet auf
die göttliche und engelische Freudenreich. Denn da gehen auf Formen,
Bildungen, Farben und engelische Frucht, die da schön blühet, wächst und in
seiner Vollkommenheit stehet, von allerlei Obstbäumen, Stauden und Gewächsen,
holdselig anzuschauen, mit lieblichem Geruch und Geschmacke. 11.60. Ich rede aber allhie mit einer Engelszunge.
Du mußt es nicht irdisch verstehen gleich dieser Welt. 11.61. Mit
dem Marcurio hat es auch diese Gestalt: Du mußt nicht denken, daß ein hartes
Pochen, Tönen oder Schallen oder Pfeifen in der Gottheit sei, als wenn einer
eine mächtige Posaune nähme und bliese drein. O nein, Mensch, du halbtoter
Engel, das ist es nicht, sondern es gehet alles in Kraft zu, denn das
göttliche Wesen stehet in Kraft, aber die hl. Engel singen, klingen, posaunen
und schallen lautbar, denn zu dem Ende hat sie Gott aus sich gemacht, daß sie
sollen die himmlische Freude vermehren. 11.62. Ein
solch Bild war Adam auch, als ihn Gott schuf, ehe daß seine Heva aus ihm
gemacht ward. Aber der verderbte Salitter in Adam hat mit dem Baum des Lebens
gerungen, bis er überwunden und Adam matt ward, davon er entschlief. Da war
es geschehen. So ihm die Barmherzigkeit Gottes nicht wäre zuhilfe kommen und
hätte ein Weib gebauet, so sollte er wohl noch schlafen. Nun von diesem
seinem Orte. 11.63. Dieses,
wie oben erzählet, ist nun der schöne und heilige Himmel, der in der ganzen
Gottheit also ist, der weder Anfang und Ende hat, dahin keine Kreatur mit
ihrem Sinne reichet. 11.64. Doch
sollst du dieses wissen, daß sich je an einem Orte bald eine Qualität
mächtiger erzeiget als die andere, bald sieget die andere, bald die dritte,
bald die vierte, bald die fünfte, bald die sechste, bald die siebente. Und
ist also ein ewiges Ringen, Wirken und freundliches Liebe-Aufsteigen, da sich
dann in diesem Aufsteigen die Gottheit immer wunderlicher und begreiflicher
und unerforschlicher erzeiget, daß also die hl. Engel sich nicht können genug
freuen und darinnen genug Liebe-Spazieren und das schöne Te Deum Laudamus genug
singen, nach jeder Qualität des großen Gottes nach seiner wunderlichen
Offenbarung und Weisheit und Schönheit und Farben und Frucht und Gestalt.
Denn die Qualitäten steigen immer und ewig also auf, und ist bei ihnen kein
Anfang, weder Mittel noch Ende. 11.65. Und
ob ich gleich allhie habe geschrieben, wie alles wird, und wie sich alles
formet und bildet, und wie die Gottheit aufgehet, so darfst du darum nicht
denken, daß es etwa eine Ruhe oder Verlöschung habe und hernach wieder also
aufgehe. 11.66. O
nein, sondern ich muß im Stückwerke schreiben, um des Lesers Unverstand
willen, damit er möchte was begreifen und in den Sinn kommen. 11.67. Du
darfst auch nicht denken, daß ich sei in Himmel gestiegen und habe solches
mit meinen fleischlichen Augen gesehen. O nein. Höre, du halb erstorbener
Engel, ich bin wie du und habe kein größer Licht in meinem äußerlichen Wesen
als du. Dazu so bin ich sowohl ein sündiger und sterblicher Mensch als du und
muß mich alle Tage und Stunden mit dem Teufel kratzen und schlagen, welcher
mich in meiner verderbten Natur in der grimmen Qualität, die in meinem
Fleische ist wie in allen Menchen, immer anficht. Bald siege ich ihm ob, gar
bald er. Er hat mich aber darum nicht überwunden, wenn er gleich vor mir oft
sieget, sondern unser Leben ist wie ein steter Krieg mit dem Teufel. Schläget
er mich, so muß ich zurückweichen. Aber die göttliche Kraft hilft mir auf,
dann bekommt er auch seinen Streich und verlieret oft die Schlacht. 11.68. Wenn
er aber überwunden ist, so gehet die Himmelspforte in meinem Geiste auf. Dann
siehet der Geist das göttliche und himmlische Wesen nicht außer dem Leibe,
sondern im Quellbrunne des Herzens gehet der Blitz auf in die Sinnlichkeit
des Hirns, darinnen spekulieret der Geist. 11.69. Denn
der Mensch ist aus allen Kräften Gottes gemacht, aus allen sieben Geistern
Gottes, gleichwie auch die Engel. Weil er aber nun verderbet ist, so quillet
nicht allezeit die göttliche Geburt in ihm, auch nicht in allen. Und ob sie
gleich in ihm quillet, so scheinet darum nicht das hohe Licht in allen
alsbald. Und obs scheinet, so ists doch der verderbten Natur unbegreiflich.
Denn der Hl. Geist lässet sich nicht in sündlichem Fleische fassen und
halten, sondern er gehet auf wie ein Blitz, gleichwie das Feuer aus dem Steine,
wenn man draufschläget. 11.70. Wenn
aber der Blitz im Quellbrunne des Herzens gefangen wird, so gehet er in den
sieben Quellgeistern auf ins Hirn wie eine Morgenröte. Und darinnen steckt
der Zweck und die Erkenntnis. Denn in demselben Lichte siehet einer den
andern und fühlet den andern und reucht den andern und schmeckt den andern
und höret den andern, und ist gleich als wenn die ganze Gottheit drinnen
aufginge. 11.71. Hierinnen
siehet nun der Geist bis in die Tiefe der Gottheit, denn in Gott ist Nahe und
Weit ein Ding. Und derselbe Gott, von dem ich in diesem Buch schreibe, der
ist sowohl in seiner Dreiheit im Corpus der heiligen Seelen als im Himmel.
Von diesem nehme ich meine Erkenntnis und von keinem andern Dinge. Ich will
auch nichts anders wissen als denselben Gott, und der macht auch die
Gewißheit meines Geistes, daß ichs beständig glaube und auf ihn traue. 11.72. Und
ob mirs gleich ein Engel vom Himmel sagte, so würde ichs doch nicht können
glauben, viel weniger fassen, denn ich würde immer zweifeln, ob sichs auch
also verhielte. Aber so gehet mir die Sonne selber in meinem Geiste auf.
Darum bin ich des gewiß und sehe selber die Ankunft und Geburt der hl. Engel
und aller Dinge im Himmel und in dieser Welt. Denn die heilige Seele ist ein
Geist mit Gott. Ob sie gleich eine Kreatur ist, so ist sie doch den Engeln
gleich. Auch so siehet des Menschen Seele tiefer als die Engel. Die Engel
sehen allein bis in die himmlische Pomp, die Seele aber siehet die himmlische
und höllische, denn sie lebet zwischen beiden. 11.73. Darum
muß sie sich wohl quetschen lassen und alle Tage und Stunden mit dem Teufel
ringen, das ist mit der höllischen Qualität, und lebet in großer
Gefährlichkeit in dieser Welt. Darum heißt dies Leben recht ein Jammertal,
voller Angst, stetiges Würgen, Kriegen, Kämpfen, Streiten. 11.74. Aber
der kalte und halbtote Leib verstehet diesen Kampf der Seelen nicht allewege.
Er weiß nicht, wie ihm geschieht, sondern er ist schwermütig und ängstlich
und gehet von einem Gemache, ja von einem Orte zum andern und suchet
Abstinenz oder Ruhe. Und wenn er dahin kommt, so findet er nichts. Da läuft
denn Zweifel und Unglauben mitunter. Ihm ist oft als wäre er gar nicht von
Gott verstoßen. Aber er verstehet nicht des Geistes Kampf wie derselbe bald
oben und bald unten lieget. Was da für ein heftig Kriegen und Kämpfen ist mit
der höllischen und himmlischen Qualität, welches Feuer die Teufel aufblasen
und die hl. Engel löschen, gebe ich einer jeden heiligen Seele zu bedenken. 11.75. Du
sollst wissen, daß ich allhie nicht schreibe als eine Historia, die mir von
andern ist erzählet worden, sondern ich muß stets in derselben Schlacht
stehen und befinde die mit großem Streite, da mir dann oft ein Bein
untergeschlagen wird wie allen Menschen. 11.76. Aber
um des heftigen Streites und Kampfes willen und um des Eifers willen, den wir
miteinander haben, ist mir diese Offenbarung gegeben worden, und der heftige
Trieb zu solcher, solches alles aufs Papier zu bringen. 11.77. Was
aber gänzlich hierunter oder hiernach folgen möchte, weiß ich nicht gänzlich,
allein daß mir etliche zukünftige Geheimnisse in der Tiefe gezeiget werden. 11.78. Denn
wenn der Blitz im Centro aufgehet, so siehet er hindurch. Aber er kanns nicht
wohl fassen, denn ihm geschieht, als wenns wetterleuchtet, da sich der Blitz
des Feuers auftut und bald wieder verschwindet. 11.79. Also
gehets in der Seelen auch zu. Wenn sie in ihrem Kampfe durchdringet, so
schauet sie die Gottheit wie ein Blitz, aber der Sündenquell deckts bald
wieder zu, denn der alte Adam gehöret in die Erde und nicht mit diesem
Fleische in die Gottheit. 11.80. Nicht
schreibe ich mir dieses zu Lobe, sondern darum, daß der Leser wisse, worinnen
meine Wissenschaft stehet, damit er nicht einen andern bei mir suche, der ich
nicht bin, sondern der ich bin, der sind alle Menschen, die in Christo Jesu
unserm Könige ringen nach der Krone der ewigen Freuden, und leben in der
Hoffnung der Vollkommenheit, welches Anfang ist am Tage der Auferstehung,
welcher nun kurz vorhanden ist, welches im Zirkel des Aufganges im Blitze gar
wohl zu sehen ist, in welchem sich die Natur erzeiget, als wenn der Tag
wollte anbrechen. 11.81. Darum
schaue zu, daß du nicht schlafend erfunden werdest in deinen Sünden. Wahrlich
die Klugen werdens merken, aber die Gottlosen bleiben in ihren Sünden. Sie
sagen: Was ist dem Narren, wann hat er ausgeträumet? Das macht, sie sind in
den fleischlichen Lüsten entschlafen. Wohlauf, siehe zu, was das für ein
Traum sein wird! 11.82. Ich
wollte auch wohl in meiner Sanftmut ruhen, so ich dies nicht tun müßte, aber
der Gott, der die Welt gemacht hat, ist mir viel zu stark. Ich bin seiner
Hände Werk. Er mag mich setzen wohin er will. 11.83. Und
ob ich gleich der Welt und des Teufels Spektakel sein muß, so ist doch meine
Hoffnung in Gott auf das zukünftige Leben. In dem will ichs wagen und dem
Geist nicht widerstreben. Amen. 12 - Von der hl. Engel Geburt und Ankunft, sowohl
von ihrem Regiment, Ordnung und himmlischen Freudenleben
12.1. Nun fraget sichs:
Was ist denn eigentlich ein Engel? Siehe, als Gott die Engel schuf, so schuf
er sie aus dem siebenten Quellgeiste, welcher ist die Natur oder der hl.
Himmel. 12.2. Das Wort Schuf,
mußt du verstehen, als wenn man spräche zusammenziehen, oder zusammentreiben,
gleichwie die Erde zusammengetrieben ist, also auch als sich der ganze Gott
bewegte, so zog die herbe Qualität den Salitter der Natur zusammen und
vertrocknete, da wurden die Engel. Wie nun die Qualität an jedem Orte war in
ihrer Bewegung, so ward auch der Engel. 12.3. Merke die Tiefe:
Es sind sieben Geister Gottes, die haben sich alle sieben beweget, und das
Licht darinnen hat sich auch bewegt, und der Geist, der aus den sieben
Geistern Gottes ausgehet, hat sich auch beweget. 12.4. Nun wollte der
Schöpfer nach seiner Dreiheit auch drei Heere schaffen nicht weit
voneinander, sondern eins am andern als ein Zirkel. Nun merke: Wie da waren
die Geister in ihrem Wallen oder Aufsteigen, also wurden auch die Kreaturen.
Inmitten jedes Heeres ward das Herze jedes Heeres zusammenkorporieret, daraus
ward ein engelischer König oder Großfürst. 12.5. Gleichwie der
Sohn Gottes mitten in den sieben Geistern Gottes geboren wird und ist der
sieben Geister Gottes Leben und Herze, also ward auch ein engelischer König
mitten in seinem Revier aus der Natur oder aus der Natur Himmel geschaffen,
aus aller sieben Quellgeister Kraft. Und der war nun das Herze in einem Heere
und hatte seines ganzen Heeres Qualität, Mächtigkeit oder Stärke in sich, und
war der allerschönste unter ihnen. 12.6. Gleichwie der
Sohn Gottes ist das Herze und das Leben und die Stärke aller sieben Geister
Gottes, also auch ein König der Engel in seinem Heere. 12.7. Nun, gleichwie in
der göttlichen Kraft sind sieben vornehme Qualitäten, daraus das Herze Gottes
geboren wird, also sind auch etliche mächtige Fürstenengel nach jeder
Hauptqualität in jedem Heere geschaffen worden, derer Zahl ich nicht
eigentliche weiß. Und die sind neben dem Könige Heerführer der andern Engel. 12.8. Allhie sollst du
wissen, daß die Engel nicht alle einer Qualität sind, auch so sind sie in der
Kraft und Mächtigkeit nicht alle einander gleich. Es hat wohl ein jeder Engel
aller sieben Quellgeister Kraft in sich. Aber es ist in jedem etwan eine
Qualität die stärkeste. Nach derselben Qualität ist er auch glorifizieret. 12.9. Gleichwie die
Wiesenblumen ein jedes seine Farbe von seiner Qualität empfähet und auch
seinen Namen nach seiner Qualität hat, also auch die hl. Engel. Etliche sind
der herben Qualität am stärksten, und die sind licht-bräunlich und der Kälte
am nähesten. 12.10. Wenn
nun das Licht des Sohnes Gottes an sie scheinet, so sind sie gleich wie ein
brauner Blitz ganz helle in ihrer Qualität. Etliche sind des Wassers Qualität
gleich dem heiligen Himmel. Und wenn das Licht an sie scheinet, so siehets
gleichwie ein kristallen Meer. 12.11. Etliche
sind der bittern Qualität am stärkesten. Die sind gleich einem köstlichen
grünen Steine, der da siehet wie ein Blitz, und wenn sie das Licht
anscheinet, so scheinets gleichwie rotgrünlich, als ob ein Karfunkel daraus
leuchtete oder als ob das Leben da Ursprung hätte. 12.12. Etliche
sind der Hitze Qualität. Die sind die allerlichtesten, gelblich und rötlich,
und wenn das Licht an sie leuchtet, so siehets gleich wie der Blitz des
Sohnes Gottes. Etliche sind der Liebe Qualität am stärkesten. Die sind ein
Anblick der himmlischen Freudenreich, ganz lichte, wenn das Licht an sie
scheinet, so siehets gleich wie lichtblau, ein lieblicher Anblick. 12.13. Etliche
sind des Tons Qualität am stärkesten. Die sind auch licht, und wenn das Licht
an sie scheinet, so siehets gleich wie ein Aufsteigen des Blitzes, als wollte
sich allda etwas erheben. 12.14. Etliche
sind der ganzen Natur als wie eine gemeine Vermischung. Wenn das Licht an sie
scheinet, so siehets gleich wie der heilige Himmel, der aus allen Geistern
Gottes formieret ist. 12.15. Der
König aber ist das Herze der Qualitäten und hat sein Revier inmitten als ein
Quellbrunn, gleichwie die Sonne mitten unter den Planeten stehet und ist ein
König der Sternen und ein Herze der Natur in dieser Welt. Also groß ist auch
ein Cherub oder Engelskönig. 12.16. Und
gleichwie die andern sechs Planeten neben der Sonnen Heerführer sind und der
Sonnen ihren Willen geben, daß sie mag in ihnen regieren und wirken, also
geben alle Engel ihren Willen dem Könige, und die Fürstenengel sind im Rate
mit dem Könige. 12.17. Du
sollst aber allhie wissen, daß sie alle einen Liebe-Willen untereinander
haben. Keiner mißgönnet dem andern seine Gestalt und Schönheit. Denn wie es
in den Geistern Gottes zugehet, also auch unter ihnen. Auch so haben sie alle
zugleich die göttlichen Freuden und genießen alle zugleich der himmlischen
Speisen, in dem ist kein Unterscheid. Nur in den Farben und Stärke der Kraft
ist ein Unterscheid, aber in der Vollkommenheit gar nichts, denn ein jeder
hat die Kraft aller Geister Gottes in sich. Darum wenn das Licht des Sohnes
Gottes an sie scheinet, so erzeiget sich jedes Engels Qualität mit der
Farben. 12.18. Ich
habe der Gestalt und Farben nur etliche erzählet, aber ihr sind viel mehr,
die ich um der Kürze willen nicht schreiben will. Denn gleichwie sich die
Gottheit in unendlich erzeiget mit ihrem Aufsteigen, also hats auch
unerforschlicher vielerlei Farben und Gestalten unter den Engeln. Ich kann
dir in dieser Welt kein recht Gleichnis zeigen als den blühenden Erdboden im
Maien, der ist ein tot und irdisch Vorbild. Von
der englischen Freude
12.19. Nun
fragt sichs: Was tun denn die Engel Gottes im Himmel oder warum oder zu was
Mittel hat sie Gott geschaffen? Das möget ihr Geizhälse merken, die ihr in
dieser Welt nach Hoffart, Ehre, Ruhm, Gewalt, Geld und Gut trachtet und
dränget dem Armen seinen Schweiß und Blut ab, und verpranget ihm seine
Arbeit, und vermeinet, ihr seid besser als der einfältige Laie, wozu euch
Gott geschaffen hat. 12.20. Frage:
Warum hat Gott Fürstenengel geschaffen und nicht alle gleiche? Siehe, Gott
ist ein Gott der Ordnung. Wie es nun in seinem Regiment in ihm selber, das
ist in seiner Geburt und in seinem Aufsteigen gehet, wallet und ist, also ist
auch der Engel Orden. 12.21. Gleichwie
in ihm sind vornehmlich sieben Qualitäten, dadurch das ganze göttliche Wesen
getrieben wird und sich in diesen sieben Qualitäten in unendlich erzeiget und
doch die sieben Qualitäten Primus in der Unendlichkeit sind, dadurch die
göttliche Geburt ewig in seiner Ordnung unveränderlich bestehet. Und
gleichwie inmitten der sieben Geister Gottes das Herze des Leben geboren
wird, davon die göttliche Freude aufgehet, also ist auch der Engel Orden. 12.22. Die
Fürstenengel sind nach den Geistern Gottes geschaffen und der Cherub nach dem
Herzen Gottes. Wie nun das göttliche Wesen wirket, also auch die Engel.
Welche Qualität im Wesen Gottes aufgehet und sich sonderlich erzeiget in
seiner Wirkung, als im Aufsteigen des Tones oder des göttlichen Wirkens,
Ringens oder Kämpfens, derselbe engelische Fürst, der derselben Qualität am
stärkesten zugetan ist, der fänget auch seinen Reihen mit seinen Legionen an,
mit Singen, Klingen, Tanzen, Freuen und Jubilieren. 12.23. Das
ist eine himmlische Musica, denn das singet ein jeder nach seiner Qualität
Stimme. Und der Fürst führet den Reihen, gleichwie ein Kantor mit seinen
Schülern. Und der König freuet sich und jubilieret mit seinen Engeln dem
großen Gott zu Ehren und zur Vermehrung der himmlischen Freuden. Und das ist
in dem Herzen Gottes wie ein heiliges Spiel, und dazu sind sie auch
geschaffen zur Freude und Ehre Gottes. 12.24. Wenn
nun aufgehet die himmlische Musica der Engel, so gehet in der himmlischen
Pomp in dem göttlichen Salitter auf allerlei Gewächse, allerlei Figuren,
allerlei Farben, denn die Gottheit erzeiget sich in unendlich und in
unerforschlicherlei Art, Farben, Formen und Freuden. 12.25. Nun
welcher Quellgeist in der Gottheit sich dazumalen sonderlich erzeiget mit
seinem Aufsteigen und Liebe-Ringen als wäre er Primus worden, derselbe
Fürstenengel hebet auch alsbald seine himmlische Musica mit seinen zugetanen
Engeln an, nach seiner Qualität mit Singen, Klingen, Pfeifen und aller
himmlischen Kunst, die in den Geistern Gottes aufgehet. 12.26. Wenn
aber das Zentrum inmitten aufgehet, das ist die Geburt des Sohnes Gottes sich
sonderlich erzeiget als ein Triumph, da gehet auf die Musica oder Freuden
aller drei königlichen Regimenten der ganzen Schöpfung aller Engel. 12.27. Was
nun allhie für Freude sein mag, gebe ich einer jeden Seelen zu bedenken. Ich
kanns in meiner verderbten Natur nicht fassen, viel weniger schreiben. Mit
diesem Gesang zitiere ich den Leser in jenes Leben. Da wird er selber mit am
Reihen sein und erst diesem Geist Glauben geben. Was er hie nicht verstehet,
das wird er dort im Schauen haben. 12.28. Du
sollst wissen, es ist aus keinem Steine gesogen, sondern wenn der Blitz im
Centro aufgehet, so siehets und erkennets der Geist. Darum schaue zu und
spiele nicht höhnisch an diesem Orte oder du wirst vor Gott ein Spötter
erfunden werden, und darf dir wohl gehen wie dem König Luzifer. 12.29. Nun
fragt sichs: Was tun denn die Engel, so sie nicht singen? Siehe, was die
Gottheit tut, das tun sie auch: Wenn die Geister Gottes in sich fein lieblich
einander gebären und ineinander aufsteigen als ein liebliches Halsen, Küssen
und voneinander Essen, in welchem Geschmack und Geruch das Leben aufgehet und
die ewige Erquickung, davon du davorne nach der Länge findest zu lesen, so gehen
auch die Engel fein freundlich, holdselig und lieblich in dem himmlischen
Revier miteinander spazieren und schauen die wunderbarliche und liebliche
Gestalt des Himmels und essen von den holdseligen Früchten des Lebens. 12.30. Nun
fragest du: Was reden sie miteinander? Siehe, du prächtiger, stolzer und
hoffärtiger Mensch, die Welt will dir allhie zu enge werden, und du denkest,
es sei dir niemand gleich. Hie bedenke dich, ob du auch Engelsart an dir hast
oder Teufels. 12.31. Wem
soll ich nun die Engel vergleichen? Den kleinen Kindern will ich sie recht
vergleichen, die im Maien, wenn die schönen Röselein blühen, miteinander in
die schönen Blümlein gehen und pflücken derselben ab, und machen feine
Kränzlein daraus, und tragen die in ihren Händen und freuen sich, und reden
immerdar von der mancherlei Gestalt der schönen Blumen, und nehmen einander
bei den Händen, wenn sie in die schönen Blümlein gehen, und wenn sie
heimkommen, so zeigen sie dieselben den Eltern und freuen sich, darob dann
die Eltern gleich eine Freude an den Kindern haben und sich mit ihnen freuen.
12.32. Also
tun auch die hl. Engel im Himmel. Die nehmen einander bei den Händen und
spazieren in den schönen Himmelsmaien, und reden von den lieblichen und
schönen Gewächsen in der himmlischen Pomp, und essen der holdseligen Früchte
Gottes, und brauchen der schönen Himmelsblümlein zu ihrem Spiel, und machen
ihnen schöne Kränzlein, und freuen sich in dem schönen Maien Gottes. 12.33. Da
ist nichts denn ein herzlich Lieben, eine sanfte Liebe, ein freundlich
Gespräch, ein holdselig Beiwohnen, da einer immer seine Lust an dem andern
siehet und den andern ehret. Sie wissen von keiner Bosheit oder List oder
Betrug, sondern die göttlichen Früchte und Lieblichkeit sind ihnen alles
gemein. Einer mag sich der gebrauchen wie der ander, da ist keine Mißgunst,
kein Widerwille, sondern ihre Herzen sind in Liebe verbunden. 12.34. Daran
hat nun die Gottheit ihren höchsten Wohlgefallen, wie die Eltern an den
Kindern, daß sich ihre lieben Kinder im Himmel also freundlich und
wohlgebären, denn die Gottheit in sich selbst spielet auch also, ein
Quellgeist in dem andern. 12.35. Darum
können die Engel auch nichts anders tun, als gleichwie der Vater tut, wie
solches auch unser engelischer König Jesus Christus bezeuget, als er bei uns
auf Erden war, wie im Evangelio stehet, indem er sprach: Wahrlich, wahrlich
der Sohn kann nichts von ihm selber tun, sondern was er siehet den Vater tun,
das tut auch gleich der Sohn, Joh 5,19. Item: So ihr nicht umkehret und
werdet gleichwie die Kinder, so könnet ihr nicht in das Himmelreich kommen,
Matth 18,3. 12.36. Damit
meinet er, daß unsere Herzen sollen in Liebe verbunden sein wie der hl. Engel
Gottes, und daß wir sollen freundlich und lieblich miteinander handeln und
einander lieben und mit Ehrerbietung zuvorkommen wie die Engel Gottes. 12.37. Nicht
daß wir sollen einander betrügen, belügen, den Bissen aus dem Munde reißen
vor großem Geize, auch nicht daß einer soll über den andern stolzieren,
prangen und verachten, der nicht seine schlimme Teufelslist brauchen kann. 12.38. O
nein, so tun die Engel im Himmel nicht, sondern sie lieben einander. Keiner
dünket sich schöner sein als der ander, sondern ein jeder hat seine Freude an
dem andern und freuet sich des andern schöner Gestalt und Lieblichkeit, davon
denn ihre Liebe gegeneinander aufsteiget, daß sie einander bei ihren Händen
führen und freundlich küssen. 12.39. Merke
die Tiefe: Gleichwie als wenn der Blitz des Lebens inmitten der göttlichen
Kraft aufgehet, da alle Geister Gottes ihr Leben bekommen und sich hoch
freuen, da ist ein lieblichs und heiliges Halsen, Küssen, Schmecken, Fühlen,
Hören, Sehen und Riechen, also auch bei den Engeln. Wenn einer den andern
siehet, höret und fühlet, so gehet in seinem Herzen auf der Blitz des Lebens
und umfänget ein Geist den andern wie in der Gottheit. 12.40. Hie
merke den Grund und höchste Geheimnis der Engel Gottes. So du nun willst
wissen, wo ihre Liebe und Demut und Freundlichkeit herkommt, die in ihrem
Herzen aufsteiget, so merke wie folget: 12.41. Ein
jeder Engel ist beschaffen wie die ganze Gottheit, und ist wie ein kleiner
Gott, denn da Gott die Engel beschuf, so beschuf er sie aus sich selber. Nun
ist Gott an einem Orte wie am andern. Er ist überall der Vater, der Sohn und
der Hl. Geist. 12.42. In
diesen drei Namen und Kraft stehet der Himmel und diese Welt und alles, wo
dein Herze hindenket. Und wenn du gleich einen kleinen Zirkel schlossest, da
du kaum hineingehen könntest oder das du kaum erkiesen könntest, so ist
dennoch die ganze göttliche Kraft drinnen und wird der Sohn Gottes drinnen
geboren, und gehet der Hl. Geist drinnen vom Vater und Sohne aus. Ists nicht
in Liebe, so ists im Zorn, wie geschrieben stehet: Bei den Heiligen bist du
heilig und bei den Verkehrten bist du verkehrt, Ps 18,26, welche den Zorn
Gottes selber über sich erwecken, welcher auch stehet in allen Geistern
Gottes an dem Orte, wo er erwecket wird. Hingegen wo die Liebe Gottes
erwecket wird, so stehet sie auch in voller Geburt der ganzen Gottheit dessen
Ortes. 12.43. Und
ist in diesem kein Unterscheid. Die Engel sind einer geschaffen wie der
ander, alle aus dem göttlichen Salitter der himmlischen Natur. Allein das ist
der Unterscheid zwischen ihnen, daß, da sie Gott beschuf, eine jede Qualität
in der großen Bewegung in höchster Geburt oder Aufsteigen stund. Dannenher
ist kommen, daß die Engel vielerlei Qualitäten sind und mancherlei Farben und
Schönheit haben, und doch alles aus Gott. 12.44. Nun
hat aber ein jeder Engel alle Qualitäten Gottes in sich. Aber eine ist die
stärkeste in ihm. Nach derselben ist er genannt und in derselben
glorifizieret. 12.45. Nun
gleichwie die Qualitäten in Gott eine die andere immer gebäret, aufsteiget
und herzlich liebet, und eine von der andern immer ihr Leben bekommt, und wie
der Blitz im süßen Wasser in der Hitze aufgehet, davon das Leben und die
Freude Ursprung hat, also ists auch in einem Engel. Seine innerliche Geburt
ist nicht anders als die äußerliche außer ihm in Gott. 12.46. Gleichwie
der Sohn Gottes außer den Engeln im mittlern Quellbrunne in der Hitze im
süßen Wasser geboren wird aus allen sieben Geistern Gottes und erleuchtet
hinwiederum alle sieben Geister Gottes, davon sie ihr Leben und Freude haben,
also auch in gleicher Gestalt wird der Sohn Gottes in einem Engel in seinem
mittlern Quellbrunne des Herzens in der Hitze im süßen Wasser geboren und
erleuchtet hinwiederum alle sieben Quellgeister des Engels. 12.47. Und
gleichwie der Hl. Geist vom Vater und Sohne ausgehet und formet und bildet
und liebet alles, also auch gehet der Hl. Geist im Engel aus in seine
Mitbrüder und liebet dieselben und freuet sich mit denselben. 12.48. Denn
es ist kein Unterscheid zwischen den Geistern Gottes und den Engeln als nur
dieser, daß die Engel Kreaturen sind und ihr körperlich Wesen einen Anfang
hat, ihre Kraft aber, daraus sie geschaffen sind, die ist Gott selber und ist
von Ewigkeit und bleibet in Ewigkeit. Darum ist ihre Behendigkeit also
geschwinde wie der Menschen Gedanken. Wo sie hin wollen, da sind sie auch
alsbald; dazu so können sie groß und klein sein, wie sie wollen. 12.49. Und
das ist das wahrhaftige Wesen Gottes im Himmel, ja der Himmel selber. So dir
deine Augen geöffnet wären, so solltest du es allhie auf Erden an der Stelle,
da du bist, klärlich sehen. Denn kann das Gott einen Geist des Menschen sehen
lassen, der doch im Leibe steckt und kann sich ihm im Fleische offenbaren, so
kann er das auch wohl außer dem Fleische tun, so er will. 12.50. O
du Sündenhaus dieser Welt, wie bist du mit der Höllen und dem Tod umfangen! Wache
auf, die Stunde deiner Wiedergeburt ist vorhanden, der Tag bricht an, die
Morgenröte zeiget sich. O du dumme und tote Welt, was forderst du doch
Zeichen; ist doch dein ganzer Leib erstattet! Willst du nicht vom Schlafe
aufwachen? Siehe, es wird dir ein groß Zeichen gegeben, aber du schläfest und
siehests nicht. Darum wird dir der Herr ein Zeichen geben in seinem Eifer,
den du erwecket hast mit deinen Sünden. Von
der ganzen himmlischen Wonne aller drei Königreiche der Engel
12.51. Allhier
zeiget der Geist, daß wo ein jeglicher Engel beschaffen ist, daß derselbe Ort
oder Locus in der himmlischen Natur, darinnen und daraus er ist eine Kreatur
worden, sei sein eigener Sitz, den er für Naturrecht besitzet, solange er in
Gottes Liebe bleibet. Denn es ist der Locus, den er von Ewigkeit gehabt hat,
ehe daß er ist eine Kreatur worden, so ist derselbe Salitter an dem Orte
gestanden, daraus er worden ist. Darum bleibet ihm derselbe Sitz für
Naturrecht, solange er in Gottes Liebe wallet. 12.52. Nicht
sollst du aber meinen, daß Gott hiermit gebunden sei, daß er ihn nicht dürfte
daraus treiben, so er anders wallete als ihn Gott zum ersten geschaffen hat.
Denn solang er in dem Gehorsam und in der Liebe bleibet, so ist der Ort für
Naturrecht sein. Wenn er sich aber erhebet und zündet den Ort im Zornfeuer
an, so zündet er seines Vaters Haus an und wird ein Widerwille wider den
Locum, daraus er gemacht ist, und machet aus dem, was vor seiner Erhebung
eines war, zwei. 12.53. Wenn
nun das geschieht, so behält er sein körperlich Naturrecht für sich und der
Locus behält seines auch für sich. Will aber die Kreatur, die einen Anfang
hat, sich wider das erste setzen, das vor der Kreatur war, das keinen Anfang
hat, und will den Locum verderben, den sie nicht gemacht hat, darinnen sie
ist eine Kreatur in der Liebe geschaffen worden und will dieselbe Liebe zum
Zornfeuer machen, so speiet billig die Liebe das Zornfeuer mit samt der
Kreatur aus. 12.54. Dannenhero
entstehen die Rechte in dieser Welt auch, denn wenn sich der Sohn wider den
Vater setzet und schläget den Vater, so hat er sein väterlich Erbe verloren,
und der Vater mag ihn aus dem Hause stoßen. Weil er aber in des Vaters
Gehorsam ist, so hat der Vater keine Macht, ihn zu enterben. 12.55. Dieses
weltliche Recht nimmt seinen Ursprung von dem Himmel, wie denn auch gar viel
andere weltliche Rechte, die in den Büchern Mosis geschrieben sind, die
nehmen ihren Anfang und Ursprung alle aus der göttlichen Natur im Himmel,
welches ich denn klar an seinem Orte beweisen will aus rechtem Grund in der
Gottheit. 12.56. Nun
möchte einer sagen: So ist dann ein Engel gar an den Ort gebunden, darin er
erschaffen ist, daß er nicht von dannen darf oder kann? Nein, so wenig als
sich die Geister Gottes binden lassen in ihrem Aufsteigen, daß sie nicht
sollten untereinander wallen, so wenig werden auch die Engel ganz in ihrem
Loco gebunden. 12.57. Denn
gleichwie die Geister Gottes immer ineinander aufsteigen und in ihrer Geburt
ein Liebesspiel haben, und behält doch ein jeder Geist seinen natürlichen
Sitz oder seinen Locum in der Geburt Gottes, und geschieht nimmer, daß sich
die Hitze in die Kälte verwandelt oder die Kälte in die Hitze, sondern ein
jedes behält seinen natürlichen Locum und steiget in dem andern auf, davon
das Leben Ursprung hat. 12.58. Also
auch die hl. Engel wallen oder wandeln in allen drei untereinander, davon
empfähet einer von dem andern, das ist von des andern schöner Gestalt,
Freundlichkeit und Tugend, seine höchste Freude, und behält doch ein jeder
seinen natürlichen Sitz oder Locum, darinnen er zur Kreatur worden, für sein
Eigentum. 12.59. Gleich
als wenn einem in dieser Welt ein Blut-Freund und lieber Mensch aus einem
andern Lande heimkommt, nach dem er ein herzlich Verlangen hat gehabt, da ist
Freude und ein freundlich Benevenieren und ein Liebe-Gespräch, und es
erzeiget der Wirt dem Gast das Allerbest, wiewohl dies nur kalt Wasser ist
gegen dem himmlischen. 12.60. Also
tun auch die hl. Engel gegeneinander. Wenn eines Königreichs Heer zu dem
andern kommt oder einer fürstlichen Qualität Heer zu der andern fürstlichen
Qualität Heere kommt, da ist nichts denn eitel Liebe-Empfangen, gar ein
holdseliges Gespräche und freundliche Ehrerbietung, gar ein holdseliges
Liebe-Spazieren, gar ein züchtiges und demütiges Wesen, ein freundliches
Küssen und Führen; da gehet an der liebliche Reihen-Tanz. 12.61. Gleichwie
die kleinen Kinder, wenn sie im Maien in die Blümlein gehen, da ihr denn
manchmal viel zusammenkommen, da haben sie ein freundlich Gespräche und
pflücken der Blümlein viel und mancherlei. Wenn nun dies geschehen ist, so
tragen sie dieselben in ihren Händen und fangen an gar einen kurzweiligen
Reihen-Tanz und singen aus ihres Herzens Freude und freuen sich. Also tun
auch die Engel im Himmel, wenn sie aus fremdem Heere zusammenkommen. 12.62. Denn
die verderbte Natur in dieser Welt arbeitet mit höchstem Fleiße, daß sie
möchte himmlische Form hervorbringen, und müssen oft die kleinen Kinder der
Eltern Lehrmeister sein, so es die Eltern könnten verstehen. Aber es ist
leider jetzunder die Verderbung bei den jungen und bei den Alten, denn das
alte Sprichwort lautet: Wie die Alten sungen, so lerneten auch die Jungen. 12.63. Bei
dieser hohen Demut der Engel ermahnet der Geist die Kinder dieser Welt, daß
sie sich sollen anschauen, ob sie auch eine solche Liebe zueinander tragen,
ob auch eine solche Demut bei ihnen sei; was sie sich bedünken lassen, was
sie wohl für Engel sind; ob sie auch denen gleich sind, da sie doch das
dritte engelische Königreich innehaben. 12.64. Siehe
deine Liebe und deine Demut und deine Freundlichkeit will dir der Geist
allhie ein wenig unter Augen stellen, du schöne engelische Braut. Beschaue
doch deinen Schmuck, welch eine schöne Freude mag wohl dein Bräutigam an dir
haben, du lieber Engel, der du alle Tage mit dem Teufel tanzest. 12.65. Wenn
jetzunder einer erhöhet wird und krieget nur ein wenig ein Amt, so ist ihm
schon kein ander, der nicht dergleichen ist, gut genug. Er achtet den Laien
nur für einen Fußschemel. Er trachtet bald danach, wie er der Laien Gut kann
mit List unter sich bringen. Kann er nicht mit List, so tut ers mit Gewalt,
damit er seinem Hochmut kann genug tun. 12.66. Kommt
ein einfältiger Mann vor ihn, der sich nicht kann wohl verhauen, so stumpt er
ihn ab gleich einem Hunde. Hat er eine Sache vor ihm, so muß der recht sein,
der ein Ansehen vor ihm hat. Rat, Fritz, was bist du wohl für ein engelischer
Fürst? Im nachfolgenden Kapitel bei dem Fall des Teufels wirst du es finden,
einen Spiegel; besiehe dich! 12.67. Zum
andern, wenn einer jetzunder etwas mehr gelernet hat in weltlicher Kunst oder
hat was mehr studieret als ein Laie, dem ist flugs kein Laie gleich; er kann
ihm nicht nach der Kunst reden, er kann seinen stolzen Gang nicht. In Summa:
Der Einfältige muß sein Narr sein, da er doch ein stolzer Engel ist und in
seiner Liebe ein toter Mensch. Diese Part hat seinen Spiegel auch im
nachfolgenden Kapitel. 12.68. Zum
dritten: Wenn einer jetzunder reicher ist als der ander, so muß der Arme Narr
sein; wenn er ein schöner Kleid kann erzeigen als sein Nächster, so ist ihm
ein Armer schon nicht mehr gut genug, und gehet der alte Gesang im Werke
jetzunder im vollen Schwange, der lautet: Der Reich den Armen zwinget und ihm
sein Schweiß abdringet, daß nur sein Groschen klinget. – Diese 'Engel' werden
auch in das nachfolgende Kapitel zu Gaste geladen vor ihren Spiegel. 12.69. Zum
vierten ist doch so gar eine teuflische in gemein Hoffart, eines über das
ander Aufsteigen, Verachten, Belügen, Betrügen, Wuchern, Geizen, Neiden,
Hassen. Es brennet jetzo in der Welt wie höllisch Feuer. Ach und ewig! O
Welt, wo ist deine Demut? Wo ist deine engelische Liebe? Wo ist deine
Freundlichkeit? Wenn jetzunder der Mund spricht: Gott grüße dich, – so denkt
das Herze: ja hüte dich! 12.70. O
du schönes engelisches Königreich, wie warest du gezieret? Wie hat der Teufel
eine Mordgrube aus dir gemacht? Meinest du, du stehest jetzund im Flor; ja
mitten in der Höllen stehest du. So dir nur die Augen eröffnet wären, so
würdest du es sehen. Oder meinest du, der Geist sei trunken und sehe dich
nicht? O, er siehet dich wohl. Deine Schande stehet vor Gott bloß, du bist
ein unzüchtig Weib und hurest Tag und Nacht und sprichst doch: Ich bin eine
züchtige Jungfrau. 12.71. Ach,
wie ein schöner Spiegel bist du vor den hl. Engeln. Reuch nur deine süße
Liebe und Demut. Reucht sie nicht nach der Höllen? Diese Part werden allein
dem künftigen Kapitel zu Gaste geladen. Von
dem königlichen Primat oder Gewalt der drei engelischen Könige
12.72. Gleichwie
die Gottheit in ihrem Wesen dreifaltig ist, indem sich der Ausgang aus den
sieben Geistern Gottes dreifaltig erzeiget und gebäret als Vater, Sohn, Hl.
Geist, einiger Gott, darinnen die ganze göttliche Kraft bestehet und alles,
was da ist; und sind die drei Personen in der Gottheit doch nicht ein
zertrennlich Wesen, sondern ineinander, also auch in gleicher Gestalt als
sich Gott bewegete und die Engel beschuf, da wurden drei sonderliche Engel
aus dem besten Kern der Natur, aus dem Wesen der Dreiheit in der Natur Gottes
und in solcher Gewalt und Macht, wie die Dreiheit in den sieben Geistern
Gottes hat. 12.73. Denn
die Dreiheit Gottes gehet auf in den sieben Geistern Gottes und ist hinwieder
aller sieben Geister Leben und Herze, also auch sind die drei engelischen
Könige ein jeder in seines Heeres oder Ortes Natur aufgangen, und ist ein
natürlicher Herr seines Orts über das Regiment der Engel. Den Locum aber
behält die Dreiheit der Gottheit, welche unveränderlich ist, für sich, und
der König behält das Regiment der Engel. 12.74. Nun
gleichwie die Dreiheit der Gottheit ist ein einig Wesen an allen Enden in dem
ganzen Vater, und ist miteinander verbunden wie die Glieder in eines Menschen
Leibe und sind alle Örter wie ein Ort, ob ein Ort gleich ein ander Geschäfte
hat als der ander wie auch des Menschen Glieder, noch ist es ein Leib Gottes.
Also auch sind die drei engelischen Königreiche miteinander verbunden und
nicht jedes insonderheit zertrennet. Es darf kein engelischer König sagen:
Das ist mein Reich, es darf mir kein ander König darein kommen. 12.75. Obs
wohl sein anfänglich natürlich Erbreich ist und bleibet auch sein, so sind
doch alle anderen Könige und Engel seine rechten natürlichen Brüder, aus
einem Vater geboren, und erben ihres Vaters Reich alle zugleich. 12.76. Gleichwie
die Quellgeister Gottes ein jeder seinen natürlichen Geburtssitz hat und
behält seinen Natur-Locum für sich, und ist doch mit den andern Geistern der
einige Gott, so die andern nicht wären, so wäre er auch nicht, auch so
steiget einer in dem andern auf, also ists auch mit dem Primat der hl. Engel
beschaffen, und hat keine andere Gestalt als in Gott. 12.77. Darum
leben sie alle freundlich und friedlich beieinander in ihres Vaters Reiche
wie die lieben Brüderlein. Es ist keine Grenze, wie weit einer darf oder
nicht. 12.78. Nun
möchte ein Einfältiger fragen: Auf was Mittel gehen die Engel oder worauf
steuern sie ihren Fuß? Ich will dich allhie des rechten Grundes berichten,
und ist im Himmel kein anderer als wie du es allhie im Buchstaben findest;
denn in diese Tiefe siehet der Geist unverrückt, auch ists gar begreiflich. 12.79. Die
ganze Natur des Himmels stehet in der sieben Quellgeister Kraft, und in dem
siebenten bestehet die Natur oder Begreiflichkeit aller Qualitäten. Die ist
nun ganz lichte und dicke wie ein Nebel, aber ganz scheinbarlich wie ein
kristallen Meer, daß man kann durch alles sehen. Es ist aber die ganze Tiefe
über sich und unter sich also. 12.80. Nun
haben die Engel auch solche Leiber, aber trockener zusammenkorporieret, und
ist ihr Leib auch der Kern aus der Natur, das Beste oder der schönste Glanz
aus der Natur. 12.81. Nun
auf den siebten Geist Gottes steuert sich der Fuß, der da ist dicke wie ein
Nebel und helle wie ein kristallen Meer. Darinnen steigen sie über sich und
unter sich, wohin sie wollen. Denn ihre Behendigkeit ist so schnelle, wie die
göttliche Kraft selber. Doch ist einer geschwinder als der ander, alles
nachdem er einer Qualität ist. 12.82. In
demselben siebenten Naturgeist gehet auch auf die himmlische Frucht und
Farben und alles, was begreiflich ist, und ist gleich einer Forma, als wenn
die Engel sollten zwischen Himmel und Erden in der Tiefe wohnen, da sie auf-
und niederstiegen und wo sie immer wären, da ruhete ihr Fuß, als stünde er
auf der Erden. 12.83. Es
haben die Alten den Menschen die Engel mit Flügeln vorgemalet, aber sie
brauchen keine, sondern sie haben Hände und Füße wie die Menschen, aber auf
himmlische Art. 12.84. Es
wird am Tage der Auferstehung der Toten zwischen den Engeln und Menschen kein
Unterschied sein, sie werden eine Formam haben. Welchs ich denn an seinem
Orte klar beweisen will, und auch solches unser König Jesus Christus selber
klar bezeuget, da er spricht: In der Auferstehung sind sie gleich den Engeln
Gottes, Matth 22,30. Von
der großen Herrlichkeit und Schönheit der drei englischen Könige
Von
dem Könige oder Großfürsten Micha-El
12.87. Nicht
der Meinung, daß er Gott der Vater sei, welcher bestehet in den sieben
Geistern der ganzen Tiefe und ist nicht kreatürlich, sondern auf daß in der
Natur unter den Kreaturen auch eine solche Kreatur sei wie Gott der Vater in
den sieben Quellgeistern ist, die da herrschen unter den Kreaturen. 12.88. Denn
da sich Gott kreatürlich machte, da machte er sich nach seiner Dreiheit
kreatürlich. Gleichwie in Gott die Dreiheit das Größte und Vornehmste ist und
doch gleichwohl seine wunderliche Proporz, Gestalt und Veränderung nicht kann
ermessen werden, in dem er sich in seiner Wirkung so mancherlei und
vielfältig erzeiget, also auch hat er drei Prinzipal- oder Fürstenengel
geschaffen nach dem höchsten Primat seiner Dreiheit. 12.89. Hernach
hat er Fürstenengel geschaffen, nach den sieben Quellgeistern, nach ihrer
Qualität, als da sind Gabri-El, ein Engel oder Fürst des Tones oder schneller
Botschaft, sowohl Rapha-El und andere mehr in dem Königreiche Micha-Els. 12.90. Dieses
mußt du nicht verstehen, als hätten diese königischen Engel in der Gottheit,
das ist in den sieben Quellgeistern Gottes, welche sind außer den Kreaturen,
zu regieren. Nein, sondern ein jeder über seine Kreaturen. 12.91. Gleichwie die Dreiheit Gottes über
das unendliche Wesen und über die Figuren und mancherlei Gestalt in der
Gottheit regieret und dasselbe verändert und bildet. Also sind auch die drei
engelischen Könige ein Herr über ihre Engel bis in das Herze und tiefsten
Grund, ob sie sie schon nicht können körperlich verändern wie Gott selber,
der sie geschaffen hat, noch regieren sie sie körperlich, und sind ihnen
verpflichtet und verbunden, wie Leib und Seele einander verbunden ist. 12.92. Denn
der König ist ihr Haupt und sie sind des Königs Glieder, und die
Quell-Fürsten-Engel sind des Königs Räte oder Geschäfte. Gleichwie im
Menschen die fünf Sinnen oder wie die Hände und Füße oder das Maul, Nasen,
Augen und Ohren, damit der König seine Geschäfte verrichtet. 12.93. Nun
gleichwie alle Engel dem Könige verbunden sind, auch ist der König Gott
seinem Schöpfer verbunden wie Leib und Seele. Der Leib bedeutet Gott und die
Seele der engelische König, der in dem Leibe Gottes ist, und ist auch im
Leibe Gottes zur Kreatur worden und bleibet ewig in dem Leibe Gottes wie die
Seele in ihrem Neste. Darum hat ihn auch Gott also hoch glorifizieret als
sein Eigentum oder wie die Seele im Leibe glorifizieret ist. 12.94. Also
siehet der König oder Großfürst Micha-El Gott dem Vater gleich in seiner
Glorifizierung oder Klarheit, und ist ein König und Fürste Gottes auf dem
Berge Gottes und hat das Amt in der Tiefe, darinnen er geschaffen ist. 12.95. Derselbe
Zirk oder Raum, darinnen er und seine Engel geschaffen sind, ist sein
Königreich, und er ist ein lieber Sohn Gottes des Vaters in der Natur, ein
kreatürlicher Sohn, an dem der Vater seine Freude hat. 12.96. Nicht
mußt du ihn dem Herzen oder dem Lichte Gottes vergleichen, das da ist in dem
ganzen Vater, das da weder Anfang noch Ende hat wie Gott der Vater selber. 12.97. Denn
dieser Fürste ist eine Kreatur und hat einen Anfang. Er ist aber in dem Vater
und ist mit ihm in seiner Liebe verbunden als sein lieber Sohn, den er aus
sich selber geschaffen hat. 12.98. Darum
hat er ihm aufgesetzet die Krone der Ehre, der Macht und Gewalt, daß im
Himmel nichts Höhers oder Schöners ist, auch nichts Mächtigers, als Gott
selber in seiner Dreiheit, als er. Und das ist der eine König mit dem rechten
Grunde in der Erkenntnis des Geistes recht beschrieben. Von dem andern Könige, Luzifer itzo
genannt, um seines Falles willen
12.99. Allhier,
König Luzifer, tue die Augen ein wenig zu und stopfe deine Ohren ein wenig
zu, daß du nichts hörest und siehest, sonst wirst du dich grausam schämen,
daß ein anderer auf deinem Stuhl sitzet und deine Schande noch vorm Ende der
Welt soll also gar offenbar werden, welche du doch von der Welt her hast
verborgen gehalten und untergedruckt, wo du nur gekonnt hast. Jetzo will ich
deinen königlichen Primat beschreiben, nicht dir, sondern den Menschen zu
gefallen. 12.100. Dieser
hochmächtige, herrliche und schöne König hat seinen rechten Namen verloren in
seinem Falle, denn er heißt jetzunder Luzifer, das ist: ein Verstoßener aus
dem Lichte Gottes. Sein Name ist anfänglich nicht also gewesen, denn er ist
ein kreatürlicher Fürste oder König des Herzens Gottes gewesen in dem hellen
Licht, der allerschönste unter den drei Königen der Engel. Von
seiner Erschaffung
12.101. Gleichwie
Micha-El ist erschaffen nach der Qualität, Art und Eigenschaft Gottes des
Vaters, also ist auch Luzifer erschaffen worden nach der Qualität, Art und
Schönheit Gottes des Sohnes, und ist in Liebe mit ihm verbunden gewesen als
ein lieber Sohn oder Herze, und sein Herze ist auch im Centro des Lichtes
gestanden, gleich als wäre er Gott selber, und seine Schönheit ist über alles
gewesen. Denn seine Umfassung oder vornehmste Mutter ist der Sohn Gottes
gewesen. Da ist er gestanden als ein König oder Fürste Gottes. 12.102. Sein
Revier, Ort und Raum mit seinem ganzen Heere, darinnen er ist zur Kreatur
worden und das sein Königreich gewesen ist, da ist der erschaffene Himmel und
diese Welt, darinnen wir mit unserm Könige Jesu Christo wohnen. 12.103. Denn
unser König sitzet in göttlicher Allmacht, gleichwie König Luzifer saß auf
dem königlichen Stuhle des verstoßenen Luzifer, und des Königes Luzifer Königreich
ist nun seine worden. Fürst Luzifer, wie schmecket dir das? 12.104. Nun
gleichwie Gott der Vater mit seinem Sohne ist mit großer Liebe verbunden,
also auch ist König Luzifer mit dem Könige Micha-El mit großer Liebe
verbunden gewesen als wie ein Herz oder ein Gott, denn der Quellbrunn des
Sohns Gottes hat gereicht bis in Luzifers Herz hinein. 12.105. Allein
daß er das Licht, das er in seinem Corpus gehabt, zum Eigentum gehabt,
welches, weil es geschienen mit dem Lichte des Sohnes Gottes, so außer ihm
gewesen ist, inqualieret oder inkorporieret hat als ein Ding, ob ihr gleich
zwei gewesen sind, noch ist es miteinander verbunden gewesen wie Leib und
Seele. 12.106. Und
gleichwie das Licht Gottes in allen Kräften des Vaters regieret, also hat er
auch in allen seinen Engeln regieret als ein mächtiger König Gottes, und hat
auf seinem Haupte getragen die schönste Krone des Himmels. 12.107. Allhierbei
will ichs jetzo bewenden lassen, dieweil ich im andern Kapitel werde also
viel mit ihm zu schaffen haben. Er mag noch ein wenig allhier in der Krone
prangen, sie soll ihm bald abgezogen werden. Von
dem dritten engelischen Könige, Uri-El genannt
12.108. Dieser holdselige Fürst und König hat
seinen Namen von dem Lichte oder von dem Blitze oder Ausgange des Lichtes,
das bedeutet recht Gott den Hl. Geist.
12.109. Gleichwie
der Hl. Geist von dem Lichte ausgehet und formet und bildet alles und
herrschet in allem, also ist auch die Gewalt und Holdseligkeit eines
Cherubin. Der ist der König und das Herze aller seiner Engel, das ist, wenn
ihn seine Engel nur anschauen, so werden sie mit dem Willen ihres Königes
infizieret. 12.110. Gleichwie
der Wille des Herzens alle Glieder des Leibes infizieret, daß der ganze Leib
tut wie das Herze beschlossen hat oder wie der Hl. Geist im Centro des
Herzens aufgehet und erleuchtet alle Glieder im Leibe, also auch infizieret
der Cherub mit seinem ganzen Glanze und Willen alle seine Engel, daß sie alle
zusammen sind wie ein Leib, und der König ist das Herze darinnen. 12.111. Nun
dieser herrliche und schöne Fürst ist nach der Art und Qualität des Hl.
Geistes gebildet, und ist wohl ein herrlicher und schöner Fürst Gottes, und
ist mit den andern Fürsten in Liebe verbunden als ein Herze. 12.112. Das
sind nun die drei Fürsten Gottes im Himmel. Wenn nun der Blitz des Lebens,
das ist der Sohn Gottes, im mittlern Zirkel in den Quellgeistern Gottes
aufgehet und sich triumphierend erzeiget, so steiget auch der Hl. Geist
triumphierend über sich. In diesem Aufsteigen steiget auch die Hl. Trinität
im Herzen dieser drei Könige auf, und triumphieret auch ein jeder nach seiner
Qualität und Art. 12.112. In
diesem Aufsteigen wird des ganzen Himmels Heer, alle Engel triumphierend und
freudenreich, und gehet auf das schöne Te Deum Laudamus. In diesem Aufsteigen
des Herzens wird der Marcurius im Herzen erwecket, sowohl in dem ganzen
Salitter des Himmels. Da gehet in der Gottheit auf die wunderliche und schöne
Bildung des Himmels in mancherlei Farben und Art, und erzeiget sich jeder
Geist in seiner Gestalt sonderlich. 12.114. Ich
kann es mit nichts vergleichen als mit den alleredelsten Steinen: als Rubin,
Smaragden, Delphin, Onyx, Saphir, Diamant, Jaspis, Hyazinth, Amethyst,
Berill, Sardis, Karfunkel und dergleichen. 12.115. In
solcher Farbe und Art erzeiget sich der Naturhimmel Gottes im Aufgehen der
Geister Gottes; wenn denn nun das Licht des Sohnes Gottes darinnen scheinet,
so ist es gleich einem hellen Meere von oben erzählter Steine Farben. Von
der wunderlichen Proporz, Veränderung und Aufsteigen der Qualitäten in der
himmlischen Natur
12.116. Weil
denn der Geist des Himmels Gestalt zu erkennen gibet, so kann ichs nicht
unterlassen also zu schreiben, und laß es dem walten, der es also haben will.
Wiewohl der Teufel möchte Spötter und Verächter darüber erwecken, so frage
ich doch nach dem nichts. Mir gnüget an der holdsigen Offenbarung Gottes. Sie
mögen so lange spotten, bis sie es mit ewiger Schande erfahren werden, dann
wird sie der Quell der Reue wohl nagen. 12.117. Ich
bin auch nicht in Himmel gestiegen und habe solches mit fleischlichen Augen
gesehen, viel weniger hat mirs jemand gesaget. Denn obgleich ein Engel käme
und sagte mirs, so könnte ichs ohne Erleuchtung Gottes doch nicht fassen,
viel weniger glauben. Denn ich stünde doch immer im Zweifel, obs auch ein
guter Engel im Befehl Gottes gewesen wäre, sintemal sich der Teufel auch in
Gestalt eines Engels verkleiden kann, die Menschen zu verführen, 2.Kor 11,14.
12.118. Weil
es aber im Centro oder Zirkel des Lebens geboren wird als ein helle scheinend
Licht, gleich der himmlischen Geburt oder Aufgehen des Hl. Geistes mit
feurigem Trieb des Geistes, so kann ich dem nicht widerstehen. Die Welt mag
meiner immerhin spotten. 12.119. Es
bezeuget der Geist, es sei noch gar ein kleines dahin, so wird der Blitz im
ganzen Zirkel dieser Welt aufgehen, zu welchem dieser Geist ein Bote oder
Verkünder des Tages ist. Welcher Mensch alsdann nicht in der Geburt des Hl.
Geistes zu derselben Zeit wird erfunden werden, in dem wird diese Geburt auch
ewig nicht aufgehen, sondern er bleibet im Quell der Finsternis als ein toter
harter Feuerstein, in welchem der Quell der Grimmigkeit und des Verderbens
ewig aufsteiget. Da wird er in der Geburt des höllischen Greuels ewig
spotten, denn waserlei Qualität der Baum ist, dessenerlei ist auch seine
Frucht. 12.120. Du
lebest zwischen Himmel und Hölle; in welches das du säest, in demselben wirst
du auch ernten, und dasselbe wird deine Speise sein in Ewigkeit. Wirst du
Spott und Verachtung säen, so wirst du auch Spott und Verachtung ernten, und
das wird deine Speise sein. 12.121. Darum,
o Menschenkind, siehe dich vor und traue nicht zuviel auf weltliche Weisheit.
Sie ist blind und ist blind geboren. Wenn aber der Blitz des Lebens darinnen
geboren wird, so ist sie nicht mehr blind, sondern siehet. Denn Joh 3,7
spricht Christus: Ihr müsset von neuem geboren werden, anders könnet ihr
nicht in das Himmelreich kommen. – Wahrlich er muß auf eine solche Weise
geboren werden im Hl. Geiste, welcher aufgehet im süßen Quellwasser des
Herzens im Blitze. 12.122. Darum
hat auch Christus die Taufe oder die Wiedergeburt des Hl. Geistes im Wasser
geordnet, dieweil die Geburt des Lichtes im süßen Wasser des Herzens
aufgehet. Welches gar ein groß Geheimnis ist, und ist auch allen Menschen von
der Welt her verborgen blieben bis auf heute. Das will ich an seinem Orte
klar beschreiben und beweisen. 12.123. Nun
merke des Himmels Gestalt: Wenn du ansiehest diese Welt, so hast du ein
Vorbild des Himmels. Die Sterne bedeuten die Engel. Denn gleichwie die Sternen
unverändert müssen bleiben bis ans Ende dieser Zeit, also müssen die Engel in
der ewigen Zeit des Himmels ewig unverändert bleiben. 12.124. Die
Elementa bedeuten die wunderliche Proporz und Veränderung des Himmels
Gestalt. Denn gleichwie sich die Tiefe zwischen Sternen und Erden in ihrer
Gestalt immer verändert, bald ist es schön lichte, bald trübe, bald Wind,
bald Regen, bald Schnee, bald ist die Tiefe blau, bald grünlich, bald
weißlich, bald dunkel. 12.125. Also
ist auch die Veränderung des Himmels in mancherlei Farben und Gestalt, aber
nicht auf solche Art wie in dieser Welt, sondern alles nach dem Aufsteigen
der Geister Gottes. Und das Licht des Sohnes Gottes scheinet ewig drinnen,
aber es hat doch einmal ein größer Aufsteigen in der Geburt als das ander.
Darum ist die wunderliche Weisheit Gottes unbegreiflich. 12.126. Die
Erde bedeutet die himmlische Natur oder den siebenten Naturgeist, darinnen
die Bildungen und Formen und Farben aufgehen. Die Vögel, Fische und Tiere
bedeuten die mancherlei Gestalt der Figuren im Himmel. 12.127. Das
sollst du wissen, denn es bezeugets der Geist im Blitze, daß im Himmel
gleichwohl allerlei Figuren aufgehen gleich den Tieren, Vögeln und Fischen
dieser Welt, aber auf himmlische Form, Klarheit und Art, sowohl allerlei
Bäume, Stauden und Blumen. Aber gleichwie es aufgehet, also vergehets auch
wieder, denn es wird nicht zusammenkorporiert gleich den Engeln, denn es
figurieret sich also in der Geburt der aufsteigenden Qualitäten in dem
Naturgeist. 12.128. Wenn
eine Figur in einem Geiste gebildet wird, daß sie bestehet und so der andere
Geist mit diesem ringet und obsieget, so wird sie wieder zertrennt oder ja
verändert, alles nach der Qualitäten Art. Und das ist in Gott wie ein
heiliges Spiel. 12.129. Darum
sind auch die Kreaturen, als Tiere, Vögel, Fische und Würmer in dieser Welt
nicht zum ewigen Wesen geschaffen, sondern zum vergänglichen, gleichwie die
Figuren des Himmels auch vergehen. Das setze ich nur zu einer Anleitung
hieher. Bei der Schöpfung dieser Welt wirst du es ausführlich geschrieben
finden. 13.1. Vor diesen
Spiegel will ich alle hoffärtigen, geizigen, neidischen und zornigen Menschen
geladen haben. Da werden sie den Ursprung ihrer Hoffart, Geizes, Neides und
Zornes sehen und auch den Ausgang und endliche Belohnung. 13.2. Es haben die
Gelehrten viel und mancherlei Monstra herfürbracht von dem Anfang der Sünden
und Ursprung des Teufels, und haben sich damit gekratzet. Ein jeder hat
gemeinet, er habe die Art bei dem Stile, und ist ihnen gleichwohl sämtlich
verborgen blieben bis auf dato. 13.3. Weil sichs aber
nunmehr will gänzlich offenbaren, als wie in einem hellen Spiegel, so ist
wohl zu vermuten, daß der große Tag der Offenbarung Gottes nunmehr vorhanden
ist, da sich die Grimmigkeit und das angezündete Feuer von dem Lichte
scheiden wird. 13.4. Darum soll sich
keiner selber stockblind machen, denn die Zeit der Wiederbringung, was der
Mensch verloren hat, die ist nunmehr vorhanden, die Morgenröte bricht an. Es
ist Zeit vom Schlafe aufzuwachen. 13.5. Nun fragt sichs:
Was ist denn der Quell der ersten Sünden des Königreichs Luzifers? Allhie muß
man die höchste Tiefe der Gottheit wieder vor die Hand nehmen und besehen,
woraus König Luzifer ist zu einer Kreatur worden, oder was der erste Quell
der Bosheit in ihm gewesen sei. 13.6. Es entschuldiget
sich der Teufel und seine Rotten, sowohl auch alle gottlosen Menschen, die in
der Verderbung gezeuget werden, noch immerdar, Gott tue ihnen unrecht, daß er
sie verstoße. 13.7. Es darf auch wohl
die jetzige Welt sagen, Gott habe es in seinem vorsätzlichen Rate also
beschlossen, daß etliche Menschen sollen selig sein und etliche verdammt.
Dazu habe Gott den Fürsten Luzifer darum verstoßen, daß er soll ein Spektakel
sein des Zorns Gottes. 13.8. Als gleich ob die
Hölle oder das Böse von Ewigkeit gewesen wäre und Gott in seinem Fürsatz
hätte, daß Kreaturen darinnen sein sollen und müssen, und kratzen und dehnen
sich also mit den Schriften solches zu erweisen, da sie doch weder Erkenntnis
des rechten Gottes noch der Schrift Verstand haben, wiewohl in die Schrift
auch etlich irrig Ding gebrauen ist. 13.9. Christus saget:
Der Teufel sei ein Mörder und Lügner vom Anfang gewesen und sei in der Wahrheit
nie bestanden, Joh 8,44. Weil ihm aber dieselben Rechtsprecher und
Disputierer so treulich bestehen und verkehren Gottes Wahrheit in Lügen,
indem sie aus Gott einen durstigen und grimmigen Teufel machen, der das Böse
geschaffen habe und noch wolle, so sind sie mit samt dem Teufel allzumal
Mörder und Lügner. 13.10. Denn
gleichwie der Teufel ein Stifter und Vater der Höllen und Verdammnis ist, und
hat ihm die höllische Qualität selber erbauet und zugerichtet zu seinem
königlichen Sitz, also sind auch solche Skribenten der Lügen und Verdammnis
Baumeister, die dem Teufel helfen seine Lügen bestätigen und aus dem
barmherzigen, lieblichen, freundlichen Gott einen Mörder und eifrigen
Verderber machen und verkehren Gottes Wahrheit in Lügen. 13.11. Denn
im Propheten spricht Gott: So wahr ich lebe, ich habe nicht Lust am Tode des
Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe, Ez 33,11. Und im Psalmen
stehet: Du bist nicht ein Gott, der das Böse will, Ps 5,5. 13.12. Dazu
hat Gott den Menschen Gesetze gegeben und das Böse verboten und das Gute
geboten. So denn Gott das Böse wollte und auch das Gute, so müßte er mit ihm
selber uneins sein, und würde folgen, daß eine Zerstörung in der Gottheit
sei, daß eines wider das ander laufe und eines das ander verderbe. 13.13. Nun
wie dieses alles beschaffen sei oder wie die Bosheit seinen ersten Quell,
Ursprung und Anfang habe genommen, will ich in höchster Einfalt in der
größten Tiefe erklären. 13.14. Es
ladet und zitieret derowegen der Geist alle verirreten und vom Teufel
verführeten Menschen auf diese Schule vor diesen Spiegel. Da werden sie dem
Mordteufel ins Herze sehen. Wer sich nun vor seiner Lügen nicht hüten will,
da er doch wohl kann, dem ist kein Rat, weder hie noch dorte. Wer mit ihm
säen will, der wird auch mit ihm ernten. Im Centro des Blitzes beweiset sich,
daß die Ernte schon gar weiß ist, da wird ein jeder einernten, was er
ausgesäet hat. 13.15. Allhie
will ich mein überantwortet Pfund auf Zins ausleihen, wie mir denn befohlen
ist. Wer nun mit mir wuchern und handeln will, dem solls frei stehen, er sei
gleich ein Christ, Jude, Türke oder Heide. Es gilt mir alles gleich. Mein
Kaufhaus soll einem jeden offen stehen, und soll keiner gefinanzet oder
betrogen werden, sondern es soll ihm recht geschehen. 13.16. Da
mag nun ein jeder zusehen, daß er handele, damit er seinem Herrn Wucher erwerbe. Denn ich fürchte wohl, es
werde sich nicht ein jeder Kaufmann können in meine Ware schicken, sintemal
sie manchem gar unbekannt wird sein. So wird auch nicht ein jeder meine
Sprache verstehen. 13.17. Derowegen
will ich einen jeden gewarnet haben, daß er vorsichtig handele und sich nicht
bedünken lasse, er sei reich, er könne nicht arm werden. Wahrlich ich habe
wunderbarliche Ware feil; es wird sich nicht ein jeder darin verstehen. 13.18. Da
nun einer in seiner vollen Weise hineinplumpte und geriete in Verderben, der
mag ihm selber die Schuld geben. Er bedarf wohl eines Lichtes in seinem
Herzen, damit sein Verstand und Gemüte möchte regieret werden. 13.19. Anders
komme er nur nicht auf mein Kaufhaus oder er betreugt sich selber, denn die
Ware, die ich feil habe, die ist gar edel und teuer und bedarf gar scharfen
Verstand. Darum siehe dich vor und steig nicht in die Höhe, wo du keine
Leiter siehest, oder du fällest. 13.20. Mir
aber ist die Leiter Jakobs gezeiget, darauf bin ich gestiegen bis in Himmel,
und habe meine Ware empfangen, die ich feil habe. Will mir nun jemand
nachsteigen, der sehe auch, daß er nicht trunken sei, sondern er muß umgürtet
sein mit dem Schwert des Geistes. 13.21. Denn
er muß durch eine grausame Tiefe steigen. Der Schwindel wird ihm oft in Kopf
kommen. Dazu muß er mitten durch der Höllen Reich steigen. Was er allda wird
für Verhöhnung und Spott müssen leiden, das wird er wohl erfahren. 13.22. Ich
habe es in diesem Kampf auch oft müssen mit traurigem Herzen erfahren. Die
Sonne ist mir oft verloschen, aber wieder aufgegangen. Und je öfter sie
verloschen ist, je heller und schöner ist sie wieder aufgegangen. 13.23. Nicht
schreibe ich mir dies zum Lobe, sondern ob dirs auch also ginge, daß du darum
nicht gar verzweifelst, denn es gehöret gar strenge Arbeit hierzu, wer
zwischen Himmel und Hölle will mit dem Teufel fechten, denn er ist ein
mächtiger Fürst. 13.24. Darum
schaue zu, daß du den Panzer des Geistes anhabest, anders komme nur nicht auf
mein Kaufhaus oder du wirst mit dieser Ware übel handel. Du mußt dem Teufel
und der Welt absagen, willst du kämpfen, sonst siegest du nicht. So du aber
nicht siegest, so laß mein Buch mit Frieden und bleibe bei dem alten oder du
wirst bösen Lohn empfahen. Irre dich nicht, Gott läßt sich nicht spotten, Gal
6,7. 13.25. Es
ist fürwahr ein enger Steg; der da will durch der Höllen Pforten zu Gott
dringen, er muß manchen Druck und Quetsch des Teufels leiden. Denn das menschliche
Fleisch ist gar jung und zart, und der Teufel rauh und hart, dazu finster,
hitzig, bitter, herb und kalt. Die zwei fügen sich übel zusammen. 13.26. Darum
will ich den Leser treulich gewarnet haben als wie mit einer Vorrede über
diese große Geheimnis, ob er dies Ding nicht verstünde und doch gern
verstehen wollte, daß er wollte Gott um seinen Hl. Geist bitten, daß er ihn
wolle mit dem selben erleuchten. 13.27. Ohne
Erleuchtung desselben wirst du diese Geheimnis nicht verstehen, denn es ist
in des Menschen Geist ein fest Schloß davor, das muß vonehe aufgeschlossen
werden. Und das kann kein Mensch tun, denn der Hl. Geist ist allein der
Schlüssel dazu. 13.28. Darum
willst du eine offene Porte in die Gottheit haben, so mußt du in Gottes Liebe
wallen. Das hab ich dir zur Nachrichtung hieher gesetzt. 13.29. Nun
merke: Ein jeder Engel ist geschaffen in dem siebenten Quellgeiste, welcher
ist die Natur. Daraus ist sein Leib zusammenkorporieret, und ist ihm sein
Leib zum Eigentum gegeben worden, und derselbe ist für sich frei, gleichwie
der ganze Gott frei ist. 13.30. Er
hat außer ihm keinen Trieb. Sein Trieb und Beweglichkeit stehet in seinem
Corpus. Derselbe ist auf Art und Weise wie der ganze Gott ist und sein Licht
und Erkenntnis, dazu sein Leben wird auf Art und Weise geboren, wie das ganze
göttliche Wesen geboren wird. Denn der Leib ist der zusammenkorporierte
Naturgeist und umschleußt die andern sechs Geister. Die gebären sich in dem
Leibe gleichwie in der Gottheit. 13.31. Nun
hat Luzifer den allerschönsten und kräftigsten Leib im Himmel unter allen
Fürsten gehabt. Und sein Licht, das er in seinem Leibe immer geboren hat, das
hat mit dem Herzen oder Sohn Gottes inkorporieret, als wäre es ein Ding. 13.32. Als
er aber gesehen hat, daß er also schöne ist, und hat empfunden seine
innerliche Geburt und große Gewalt, so hat sein Geist, den er in seinen
Corpus geboren hat, der da ist sein animalischer Geist oder Sohn oder Herze
sich enthebet, in willens über die göttliche Geburt zu triumphieren und sich
über das Herze Gottes zu erheben. 13.33. Hier
merke die Tiefe: Im mittlern Quellbrunne, welcher ist das Herze, da gehet die
Geburt auf. Die herbe Qualität reibet sich mit der bittern und Hitze. Da
zündet sich das Licht an. Das ist der Sohn, dessen er in seinem Leibe immer
schwanger ist, und das ihn erleuchtet und lebendig machet. 13.34. Nun
ist dasselbe Licht im Luzifer also schön gewesen, daß es hat des Himmels
Gestalt übertroffen, und in demselben Lichte ist der vollkommene Verstand
gewesen, denn alle sieben Quellgeister gebären dasselbe Licht. 13.35. Nun
aber sind die sieben Quellgeister des Lichtes Vater und mögen der Geburt des
Lichts zulassen, wieviel sie wollen. Das Licht kann sich nicht höher erheben
als ihm die Quellgeister zulassen. 13.36. Wenn
aber das Licht geboren ist, so erleuchtet es alle sieben Quellgeister, daß
sie alle sieben verständig sind und geben alle sieben ihren Willen zur Geburt
des Lichtes. 13.37. Nun
hat aber ein jeder Macht, seinen Willen in der Geburt des Lichtes zu ändern,
nach dem es vonnöten tut. So nun das geschieht, so kann der Geist nicht also
triumphieren, sondern muß seine Pracht legen. Und darum sind alle sieben
Geister in voller Gewalt, und hat ein jeder den Zügel bei der Hand, daß er
mag innehalten und den gebornen Geist nicht lassen höher triumphieren als ihm
gebühret. 13.38. Die
sieben Geister aber, die in einem Engel sind, die das Licht und den Verstand
gebären, die sind mit dem ganzen Gott verbunden, daß sie nicht sollen anders
oder höher oder sehrer qualifizieren als Gott selber, denn Gott hat sie darum
aus sich geschaffen, daß sie sollen in solcher Form und Weise qualifizieren
wie Gott selber. 13.39. Nun
taten aber die Quellgeister im Luzifer solches nicht, sondern weil sie sahen,
daß sie im höchsten Primat saßen, so bewegten sie sich also hart, daß der Geist, den sie geboren,
ganz feurig ward, und stieg im Quellbrunne des Herzens auf wie eine stolze
Jungfrau. 13.40. So
die Quellgeister hätten feinlich qualifizieret, wie sie taten, ehe sie
kreatürlich worden, als sie noch in gemein in Gott waren vor der Schöpfung,
so hätten sie auch einen lieblichen und sanften Sohn in sich geboren, der
wäre dem Sohn Gottes gleich gewesen, und wäre das Licht im Luzifer und der
Sohn Gottes ein Ding gewesen, eine Inqualierung oder Infizierung, ein
lieblich Halsen, Herzen und Ringen. 13.41. Denn
das große Licht, welches ist das Herze Gottes, das hätte fein sanft und
lieblich mit dem kleinen Licht im Luzifer als mit einem jungen Sohn
gespielet. Denn der kleine Sohn im Luzifer sollte des Herzens Gottes liebes
Brüderlein sein. 13.42. Zu
solchem Ende hat Gott der Vater die Engel geschaffen, daß gleichwie er in
seinen Qualitäten vielfältig und in seiner Veränderung unbegreiflich ist in
seinem Liebe-Spiel, also sollten auch die Geisterlein oder die Lichterlein
der Engel, welche sind wie der Sohn Gottes, vor dem Herzen Gottes in dem
großen Lichte fein sanft spielen, damit die Freude im Herzen Gottes möchte
hier vermehret werden, und möchte also in Gott ein heiliges Spiel sein. 13.43. Die
sieben Geister der Natur im Engel, die sollten fein lieblich in Gott ihrem
Vater spielen und aufsteigen, wie sie vor ihrem kreatürlichen Wesen getan
hatten, und sich in ihrem neugebornen Sohne freuen, den sie aus sich selbst
geboren hatten, welcher das Licht und Verstand ihres Leibes ist. 13.44. Und
dasselbe Licht sollte fein sanft in dem Herzen Gottes aufsteigen und sich in
dem Lichte Gottes freuen als wie ein Kind bei seiner Mutter. Da sollte sein
herzlich Lieben und freundlich Küssen, gar ein sanfter und lieblicher
Geschmack. 13.45. In
diesem sollte der Ton aufsteigen und schallen mit Singen und Klingen, Loben
und Jubilieren, und sollten sich alle Qualitäten darinnen freuen und ein
jeder Geist seine göttliche Arbeit treiben wie Gott der Vater selber. Denn solches
hatten die sieben Geister in vollkommlicher Erkenntnis, denn sie waren mit
Gott dem Vater inqualieret, daß sie alles konnten sehen, fühlen, schmecken,
riechen und hören, was Gott ihr Vater machte. 13.46. Als
sie sich aber erhuben in scharfer Anzündung, so taten sie ja wieder
Naturrecht anders als Gott ihr Vater tat, und das war ein Quell wider die
ganze Gottheit. Denn sie zündeten den Salitter des Corpus an und gebaren
einen hoch triumphierenden Sohn, der in der herben Qualität war und hart,
rauh, finster und kalt, in der süßen brennend, bitter und feuerig. Der Tod
war ein harter Feuerklang, die Liebe war eine hochmütige Feindschaft wider
Gott. 13.47. Da
stund nun die angezündete Braut in dem siebenten Naturgeiste wie eine stolze
Bestia, und vermeinete nun, sie wäre über Gott, es wäre ihr nichts gleich.
Die Liebe war erkaltet, das Herze Gottes konnte sie nicht berühren, denn es
war ein Widerwillen zwischen ihnen. Das Herze Gottes wallete fein sanft und
liebreich. So wallete das Herze des Engels ganz finster, hart, kalt und
feurig. 13.48. Nun
sollte das Herze Gottes mit dem Herze des Engels inqualieren, und das konnte
nicht sein, denn es war Hart wider Weich, und Sauer wider Süße und Finster
wider Licht und Feuer wider ein lieblich Wärmen, und hartes Pochen wider
einen lieblichen Gesang. 13.49. Höre
Luzifer, wer ist nun schuld dran, daß du bist ein Teufel worden? Ist Gott,
wie du lügst? O nein, du selber. Die Quellgeister in deinem Corpus, der du
selber bist, die haben dir ein solch Söhnlein geboren. Du kannst nicht sagen,
daß den Salitter, daraus er dich machte, hat angezündet, sondern deine
Quellgeister tatens, nachdem du schon ein Fürst und König Gottes warest. 13.50. Darum
wenn du sagest, Gott habe dich also geschaffen oder ohne genugsame Ursachen aus
deinem Loco gespeiet, so bist du ein Lügner und Mörder, denn das ganze
Himmelsheer gibt Zeugnis wider dich, daß du dir die grimmige Qualität hast
selber zugerichtet. 13.51. Ists
nicht wahr, so fahre vor Gottes Antlitz und verantworte dich. Aber du siehests
ohne das wohl und darfst es nicht wohl anschauen. Lieber, möchtest du nicht
einen freundlichen Kuß von dem Sohne Gottes haben, daß du dich einmal labest.
Wo du redet bist, so schau ihn doch einmal an, vielleicht wirst du gesund. 13.52. Aber
warte ein wenig, es sitzt ein anderer auf deinem Stuhle. Der lässet sich
küssen und ist seinem Vater ein gehorsamer Sohn und tut, wie der Vater tut.
Warte nur noch eine kleine Weile, so wird dich das höllische Feuer küssen.
Nimm derweil mit dem Latein fürlieb, bis dir mehr draus wird, du wirst bald
deine Krone verlieren. 13.53. Nun
möchte einer fragen: Was ist denn eigentlich im Luzifer die Feindschaft wider
Gott, darum er aus seinem Loco getrieben worden ist? Allhie will ich dir den
Kern und das Herze Luzifers eigentlich zeigen. Da wirst du sehen, was ein
Teufel ist oder wie er ein Teufel worden ist. Darum schaue zu und lade ihn
nicht zu Gaste, denn er ist Gottes und aller Engel und Menschen abgesagter
Feind, und das in seine Ewigkeit. 13.54. Wirst
du nun dieses recht verstehen und begreifen, so wirst du nicht aus Gott einen
Teufel machen, wie etliche tun, die da sagen, Gott habe das Böse geschaffen
und wolle noch, daß etliche Menschen sollen verloren werden; welche dem
Teufel seine Lügen helfen vermehren und führen über sich selbst das strenge
Urteil, indem sie Gottes Wahrheit in Lügen verkehren. 13.55. Nun
merke: Die ganze Gottheit hat in ihrer innerlichsten oder anfänglichsten
Geburt im Kern gar eine scharfe erschreckliche Schärfe, indem die herbe
Qualität gar ein erschrecklich, herb, hart, finster und kalt Zusammenziehen
ist gleich dem Winter, wenn es grimmig kalt ist, daß aus dem Wasser Eis wird,
und dazu ganz unerträglich. 13.56. Denke,
wenn im Winter, wenn es also kalt ist, sollte die Sonne weggenommen werden,
was da für eine Kälte und ganz rauhe und harte Finsternis sein würde. Da
könnte kein Leben bestehen. 13.57. Auf
eine solche Art ist die herbe Qualität im innersten Kern in sich selbst und
für sich allein außer den andern Qualitäten in Gott, denn die Strengigkeit
macht die Zusammenziehung und Haltung eines Corpus, und die Härtigkeit
vertrocknete, daß es kreatürlich bestehet. 13.58. Und
die bittere Qualität ist ein reißend, durchdringend und schneidend bitter
Quell, denn sie zerteilt und zertreibet die harte und herbe Qualität und
macht die Beweglichkeit. Und zwischen diesen zwei Qualitäten wird die Hitze
geboren von ihrem harten und grimmigen bittern Reiben, Reißen und Toben, die
steiget in der bittern und harten Qualität auf als eine grimmige Anzündung,
und fahret hindurch als ein harter Feuerklang, davon der harte Ton entstehet.
Und in solchem Aufsteigen oder solch Aufsteigen wird in der herben Qualität
umschlossen und befestigst, daß es ein Corpus ist, der bestehet. 13.59. Nun
so denn in diesem Corpus keine Qualität mehr wäre, die da könnte dieser vier
Qualitäten Grimmigkeit löschen, so wäre ja eine stete Feindschaft darinnen,
denn die bittere wäre wider die herbe, indem sie also darinnen stürmet und
reißet und die herbe zersprenget. 13.60. So
wäre die herbe auch wider die bittere, indem sie die bittere also
zusammenzeucht und gefangen hält, daß sie ihren eigenen Gang nicht haben
könnte. 13.61. Und
die Hitze wäre wider die alle beide, indem sie mit ihrem grimmen Anzünden und
Aufsteigen alles hitzig und wütend machet, und ganz wider die Kälte ist. 13.62. So
wäre der Ton eine große Feindschaft in den andern allen, indem er mit Gewalt
durch alles fähret als ein Wüterich. 13.63. Nun
dieses ist also die allertiefeste und innerlichste, verborgene Geburt Gottes,
nach welcher er sich einen zornigen, eiferigen Gott nennet, wie bei den Zehn
Geboten am Berge Sinai zu sehen ist; Ex 20,5; Deut 5,9. Und in solcher
Qualität stehet die Hölle und ewige Verderbnis, dazu die ewige Feindschaft
und Mordgrube, und eine solche Kreatur ist der Teufel worden. 13.64. Weil
er aber nun ein abgesagter Feind Gottes ist und gleichwohl die Disputierer
und Teufelshelfer wollen erzwingen, daß Gott das Böse und auch das Gute
wollte und daß Gott etliche Menschen habe zur Verdammnis geschaffen, so ladet
sie der Geist Gottes bei Pön ewiger Feindschaft vor diesen Spiegel. Da soll
ihr Herz aufgeschlossen werden und sollen sehen, was Gott ist oder wer der
Teufel ist oder wie er ein Teufel worden ist. 13.65. Ist
dein Herze nicht im Tode verriegelt durch deinen Mutwillen und
Gotteslästerung und ersoffene greuliche Sünden, in willens, davon nicht
abzustehen, so wache auf und siehe! 13.66. Ich
nehme Himmel und Erden, dazu Sternen und Elementa und alle Kreaturen und den
Menschen in seiner ganzen Substanz selber zum Zeugnis, und will es auch helle
und klar an seinem gehörenden Orte mit allen diesen erzählten Dingen
erweisen, sonderlich bei der Schöpfung aller Kreaturen. 13.67. Genüget
dir an diesen Dingen nicht, so bitte Gott, daß er dir dein Herze auftut, so
wirst du Himmel und Hölle, dazu die ganze Gottheit in aller ihrer Qualität
erkennen und sehen; alsdann wirst du wohl aufhören, dem Teufel Recht zu
sprechen. Ich kann dir dein Herze nicht aufschließen. Nun merke: Die
rechte Geburt Gottes
13.68. Siehe,
wie ich oben erzählet habe, so ist die Geburt Gottes in seinem innersten
Wesen in diesen vier Qualitäten also scharf. 13.69. Du
mußts aber nicht eigent verstehen. Die herbe Qualität ist also scharf in
ihrer eignen Qualität in sich selber. Sie ist aber nicht allein oder außer
den andern, auch nicht von sich oder in sich selber geboren, daß sie ganz
frei ist, sondern die andern sechs Geister gebären sie. Und die haben sie
auch bei dem Zügel und mögen ihr Gewalt lassen, wieviel sie wollen. Denn das süße
Quellwasser ist flugs die Peitsche über die herbe Qualität und sänftiget sie,
daß sie ganz dünne, sanft und weich wird, dazu ganz lichte. 13.70. Daß
sie aber also scharf in sich ist, das ist zu dem Ende, daß kann ein Corpus
durch ihre Zusammenziehung gebildet werden, sonst bestünde die Gottheit
nicht, viel weniger eine Kreatur. Und in dieser Schärfe ist Gott ein
allbegreiflich- und allfaßlicher scharfer Gott, denn die Geburt und Schärfe
Gottes ist allenthalben also. 13.71. So
ich dir aber die Gottheit in ihrer Geburt soll in einem kurzen runden Zirkel
recht in der höchsten Tiefe beschreiben, so ist sie also: Gleich als wenn ein
Rad vor dir stünde mit sieben Rädern, da je eines in das andere gemacht wäre,
also daß es auf Erden gehen könnte, vor sich und hinter sich und quericht und
dürfte keiner Umwendung. Und so es ginge, daß immer ein Rad in seiner
Umwendung das ander gebäre und doch keines verginge, sondern alle sieben
sichtlich wären. Und die sieben Räder gebären immer die Naben inmitten nach
ihrer Umwendung, daß also die Nabe frei ohne Veränderung immer bestünde. Die
Räder gingen gleich vor sich oder hinter sich oder quericht oder über sich
oder unter sich. Und die Nabe gebäre immer die Speichen, daß sie in dem
Umwenden überall recht wären, und doch auch keine Speiche verginge, sondern
sich immer also miteinander umdrehete, und ginge, wohin es der Wind drehete,
und dürfte keiner Umwendung. 13.72. Nun
merke, was ich dich bescheide: Die sieben Räder sind die sieben Geister
Gottes. Die gebären sich immer einer den andern, und ist wie man ein Rad
umwendet, da sieben Räder ineinander wären und eines drehete sich immer
anders als das ander in seinem Innestehen, und wären die sieben Räder
ineinandergefelget wie eine runde Kugel. Da man doch gleichwohl alle sieben
Räder, eines jeden Umgang insonderheit sähe, sowohl auch seine ganze
Geschicklichkeit mit seinen Felgen und Speichen und mit seiner Naben. Und die
sieben Naben inmitten wären wie eine Nabe, die sich im Umwenden überall
hinschickte, und die Räder gebären immer dieselben Naben, und die Nabe
gebäret immer in allen sieben Rädern die Speichen, und verginge doch auch
kein Rad, sowohl auch keine Nabe und auch keine Felge und Speiche. Und
dasselbe Rad hätte sieben Räder und wäre doch nur ein Rad, und ginge immer
vor sich, wo es der Wind hintriebe. 13.73. Nun
siehe: Die sieben Räder ineinander, da eines immer das ander gebäret, und auf
allen Seiten gehen und doch keines vergehet oder sich umwendet, das sind die
sieben Quellgeister Gottes des Vaters. Die gebären in den sieben Rädern in
jedem Rad eine Nabe und sind doch nicht sieben Naben, sondern nur eine, die
sich in alle sieben Räder schicket. 13.74. Und
das ist das Herze oder der innerste Corpus der Räder, darinnen die Räder
umlaufen. Und das bedeut den Sohn Gottes, den alle sieben Geister Gottes des
Vaters in ihrem Zirkel immer gebären. Und er ist aller sieben Geister Sohn,
und sie qualifizieren alle in seinem Lichte, und ist inmitten der Geburt und
hält alle sieben Geister Gottes. Und sie wenden sich in ihrer Geburt mit ihm
also um. 13.75. Das
ist, sie steigen nun über sich oder unter sich oder hinter sich und vor sich
oder quericht. So ist das Herze Gottes immer inmitten und schickt sich immer
zu jedem Quellgeiste. Also ists ein Herze Gottes und nicht sieben, das von
allen sieben Geistern immer geboren wird, und ist aller sieben Geister Herze
und Leben. 13.76. Nun
die Speichen, die von der Naben und den Rädern immer geboren werden und doch
sich in alle Räder im Umgehen schicken und ihre Wurzel, Anhalt oder
Einpflocken, darinne sie stehen und daraus sie geboren werden, die bedeuten
Gott den Hl. Geist, der aus dem Vater und Sohne ausgehet. Gleichwie die
Speichen aus der Naben und dem Rade, bleiben doch auch in dem Rade. 13.77. Nun
gleichwie der Speichen viele sind und gehen immer in dem Rade mit um, also
ist der Hl. Geist der Werkmeister in dem Rade Gottes und formet und bildet
alles in dem ganzen Gott. 13.78. Nun
hat das Rad sieben Räder ineinander, und eine Nabe, die sich in alle sieben
Räder schicket, und alle sieben Räder an der einen Naben. Also ist Gott ein
einiger Gott mit sieben Quellgeistern ineinander, da immer einer den andern
gebäret, und ist doch nur ein Gott, gleichwie alle sieben Räder ein Rad. 13.79. Nun merke: Das Rad in
seinem zusammenkorporierten Baue bedeutet die herbe Qualität. Die zeucht das
ganze körperliche Wesen der Gottheit zusammen und hält es und vertrocknet es,
daß es bestehet. Und das süße Quellwasser wird von dem Umtreiben oder
Aufsteigen der Geister geboren. Denn wenn sich das Licht in der Hitze
gebäret, so erschrickt die herbe Qualität vor großer Freude. Und das ist wie
ein Niederlegen oder Dünnewerden, und sinket das harte körperliche Wesen
nieder wie eine Sanftmut. 13.80. Der
Schrack oder Anblick des Lichts steiget nun in der herben Qualität fein sanft
und zitternd auf und zittert. Der ist nun in dem Wasser bitter. Und das Licht
vertrocknet ihn und macht ihn freundlich und süße. 13.81. Darinnen
stehet nun das Leben und die Freude, denn der Schrack oder Blitz steiget nun
in allen Qualitäten auf wie ein oberzählet Rad, das sich umwendet. Da steigen
alle sieben Geister ineinander auf und gebären sich gleichwie in einem
Zirkel. Und das Licht wird mitten in den sieben Geistern scheinend und
scheinet wider in alle sieben Geister. Und darinnen triumphieren alle Geister
und freuen sich in dem Lichte. 13.82. Gleichwie
die sieben Räder an der einigen Naben umgehen als an ihrem Herzen, das sie
hält. Und sie halten die Naben; also auch gebären die sieben Geister das
Herze, und das Herze hält die sieben Geister, und gehen allda auf Stimmen und
göttliche Freudenreich, herzliches Lieben und Küssen. 13.83. Denn
wenn die Geister mit ihrem Licht ineinander wallen, sich umdrehen und
aufsteigen, so wird immer das Leben geboren, denn ein Geist gibt immer dem
andern seinen Geschmack, das ist, er infizieret sich mit dem andern. 13.84. Also
kostet einer den andern und fühlet den andern. Und der Schall oder Ton
dringet von allen sieben Geistern gegen das Herz und steiget in dem Herzen im
Blitze des Lichts auf. Da gehen auf Stimmen und Freudenreich des Sohnes
Gottes. Und alle sieben Geister triumphieren und freuen sich in dem Herzen
Gottes, ein jeder nach seiner Qualität. 13.85. Denn
in dem Lichte in dem süßen Wasser wird alle Herbigkeit und Härtigkeit und
Bitterkeit und Hitze gesänftiget und lieblich, und ist in den sieben Geistern
nichts denn ein liebliches Ringen und wunderliches Gebären, wie ein heiliges
Spiel Gottes. 13.86. Ihre
scharfe Geburt aber, davon ich oben geschrieben habe, die bleibet als wie ein
Kern verborgen, denn sie wird von dem Licht und süßen Wasser gesänftiget. 13.87. Gleichwie
ein saurer und bitterer grüner Apfel von der Sonnen gezwungen wird, daß er
fein lieblich ist zu essen, und man schmecket doch alle seine Qualitäten,
also behält auch die Gottheit ihre Qualitäten, aber sie ringet fein sanft wie
ein lieblich Spiel. 13.88. So
sich aber die Quellgeister würden erheben und geschwinde ineinander
durchdringen und sich hart reiben und quetschen, so quetschte sich das süße
Wasser aus und zündete sich die grimmige Hitze an. Alsdann würde aufgehen das
Feuer aller sieben Geister wie im Luzifer. 13.89. Das
ist nun die wahrhaftige Geburt der Gottheit, die von Ewigkeit an allen Enden
ist also gewesen und bleibet in alle Ewigkeit also. Aber im Reiche Luzifers
des Verderbers hats eine andere Gestalt, wie ich oben von der Grimmigkeit
geschrieben habe. Und in dieser Welt, welche jetzt auch halb angezündet ist,
hats jetzo auch eine andere Gestalt, bis auf den Tag der Wiederbringung.
Davon will ich bei der Schöpfung dieser Welt schreiben. 13.90. Nun
in diesem herrlichen, lieblichen und himmlischen Salitter oder göttlichen
Qualitäten ist das Königreich Luzifers auch geschaffen ohne einige größere
Bewegung als der andern. Denn als Luzifer geschaffen war, so stund er da ganz
vollkommen und war der schönste Fürst im Himmel, geschmückt und angetan mit
der schönsten Klarheit des Sohnes Gottes. 13.91. So
aber Luzifer in der Bewegung der Schöpfung wäre verdorben, wie er fürgibt, so
hätte er seine Vollkommenheit, Schönheit und Klarheit niemals gehabt, sondern
wäre alsbald ein grimmiger finsterer Teufel gewesen und nicht ein Cherub. Von der herrlichen Geburt und
Schönheit des Königs Luzifer
13.92. Siehe,
du Mord- und Lügengeist, allhie will ich deine königliche Geburt beschreiben,
wie du in deiner Erschaffung worden bist, wie dich Gott erschaffen hat und
wie du also schön geworden bist und zu waserlei Ende dich Gott erschaffen
hat. 13.93. Wenn
du anders sagest, so lügst du, denn es zeuget Himmel und Erden, dazu alle
Kreaturen, ja die ganze Gottheit wider dich, daß dich Gott zu seinem Lob
erschaffen hat aus sich selber zu einem Fürsten und Könige Gottes, wie den
Fürsten Micha-El und Uri-El. 13.94. Nun
merke: Als sich die Gottheit zur Schöpfung beweget hat und hat wollen
Kreaturen in seinem Corpus bilden, so hat er nicht die Quellgeister
angezündet, sonst würden sie wohl ewig brennen; sondern er hat sich ganz
sanft in der herben Qualität beweget. Dieselbe hat den göttlichen Salitter
zusammengezogen und vertrocknet, daß es ein Corpus worden, und ist die ganz
göttliche Kraft aller sieben Quellgeister des Orts oder Raumes, soweit der
Engel begriffen, in dem Corpus gefangen und des Corpus Eigentum worden,
welches nicht wieder kann oder soll zerstöret werden in Ewigkeit, sondern
soll des Corpus Eigentum bleiben in Ewigkeit. 13.95. Nun
die gefangene oder zusammenkorporierte Kraft aller sieben Quellgeister die
hat nun in dem Corpus ihr Eigentum gehabt und ist in dem Corpus aufgestiegen
und hat sich geboren nach Art und Weise, wie sich die ganze Gottheit gebäret
aller sieben Quellgeister. 13.96. Es
hat sowohl immer eine Qualität die andere geboren, und ist doch auch keine
vergangen wie in dem ganzen Gott. So hat sich der ganze Corpus sowohl auch in
der Dreiheit geboren, gleichwie sich die Gottheit außer dem Corpus in der
Dreiheit gebäret. 13.97. Dieses
muß ich aber allhie melden, daß Luzifer der König ist aus seinem ganzen
Königreiche zusammenkorporieret worden als das Herze des ganzen Ortes oder
Raumes, soweit sein ganz engelisch Heer ist geschaffen worden und soweit der
Zirk begriffen hat, darinnen er mit seinen Engeln ist zur Kreatur worden und
Gott vor der Zeit der Schöpfung in sich beschlossen hatte zu einem Raum eines
Königreichs. 13.98. Welcher
Zirk begreift den erschaffenen Himmel und diese Welt, sowohl die Tiefe der
Erden und des ganzen Zirks. 13.99. Nach
den Qualitäten sind seine Quellfürsten geschaffen worden, welches da sind
seine königlichen Räte, sowohl alle seine Engel. Doch sollst du wissen, daß
ein jeder Engel alle sieben Geister in sich hat, aber einer unter den sieben
ist Prinzipal. 13.100. Nun
siehe: Als nun der König Luzifer also zusammenkorporieret ward als ein
Begreifer seines ganzen Königreichs, so ist alsbald zur selben Stunde und in
demselben Augenblicke, als er zusammenkorporieret worden, die Geburt der Hl.
Dreifaltigkeit Gottes, welches er in seinem Corpus zum Eigentum gehabt,
aufgestiegen und hat sich geboren wie außer der Kreatur in Gott. 13.101. Denn
im Zusammentreiben des Corpus ist gleich auch die Geburt mit großem Triumph
als in einem neugebornen Könige in Gott aufgestiegen, und haben sich alle
sieben Quellgeister ganz freudenreich und triumphierend erzeiget. Und ist
alsbald in demselben Augenblicke das Licht aus den sieben Geistern im Centro
des Herzens geboren worden und aufgegangen als ein neugeborner Sohn des
Königs, welcher auch alsbald augenblicklich den Corpus aller sieben
Quellgeister aus dem Centro des Herzens hat verkläret. Und von außen hat ihn
das Licht des Sohnes Gottes verkläret. 13.102. Denn
die Geburt des neuen Sohnes im Herzen Luzifers ist durch den ganzen Corpus
gedrungen und ist von dem Sohne Gottes, welcher außer dem Corpus gewesen,
glorifizieret und freundlich benevenieret worden mit der größten Schönheit
des Himmels nach der Schönheit Gottes des Sohnes. Und ist ihm als ein liebes
Herze oder Eigentum gewesen, mit welchem die ganze Gottheit inqualieret hat. 13.103. So
ist auch alsbald der Geist des neugebornen Sohns im Herzen vom Lichte
Luzifers durch seinen Mund ausgegangen und hat mit dem heiligen Geiste Gottes
inqualirert, und ist mit höchster Freude empfangen worden als ein liebes
Brüderlein. 13.104. Nun,
da stehet nun die schöne Braut. Was soll ich nun von ihr schreiben? Ist sie
nicht ein Fürst Gottes gewesen, dazu der allerschönste, dazu in Gottes Liebe
als ein lieber Sohn der Kreaturen? Von
dem erschecklichen hoffärtigen und nunmehr kläglichen Anfang der Sünden, die
höchste Tiefe
13.105. Hie
merke auf: Als nun König Luzifer also schön, herrlich, hoch und heilig
erbauet war, so sollt er nun anfangen und Gott seinen Schöpfer loben, preisen
und ehren, und sollte das tun, das Gott sein Schöpfer tat. 13.106. Als
nämlich Gott sein Schöpfer der qualifizierte fein sanft, lieblich und
freudenreich, und ein Quellgeist in Gott liebet immer den andern und
infizieret sich mit dem andern und hilft dem andern in der himmlischen Pomp
immer bilden und formen. 13.10. Dadurch
in der himmlischen Pomp immer schöne Figuren und Gewächse aufgehen, dazu
vielerlei Farben und Frucht. Das tun die Quellgeister Gottes, das ist in Gott
wie ein hl. Spiel. 13.108. Nun
siehe: Weil denn nun jetzo Gott hatte ewige Kreaturen aus sich selber
zusammenkorporieret, so sollten dieselben nicht in der himmlischen Pomp auf
eine solche Weise qualifizieren gleichwie Gott. Nein, denn zu dem Ende waren
sie nicht also gebildet worden. Denn der Schöpfer hatte aus den Ursachen den
Leib eines Engels trockner zusammenkorporieret als er in seiner Gottheit war
und blieb, daß die Qualitäten sollten härter und derber werden auf daß der
Ton oder Schall sollte lautbar werden; auf daß, wenn die sieben Qualitäten im
Engel im Centro des Herzen das Licht und den Geist oder Verstand gebären, daß
derselbe Geist, welcher im Licht des Herzens zum Munde des Engels ausfähret in
die göttliche Kraft, sollte als ein lautbarer Schall in aller Qualitäten
Kraft in Gott als eine liebliche Musica singen, klingen und in der Bildung
oder Qualifizierung Gottes als eine liebliche herzliebende Stimme in der
Formung Gottes aufgehen. 13.109. Wenn
der Hl. Geist die himmlische Frucht bildet, so sollte der Ton, welcher im
Lobe Gottes sollte aufgehen aus den Engeln, mit der Bildung der Frucht sein.
Hinwieder sollte die Frucht der Engel Speise sein. 13.110. Und
darum beten wir auch im Vaterunser: Gib uns unser täglich Brot, Mat 6,11. Daß
also derselbe Ton oder Wort "Gib" welches wir aus unserm Centro des
Lichts durch den animalischen Geist aus dem Munde von uns stoßen in die
göttliche Kraft, soll in der göttlichen Kraft als eine Mitformung oder Mitgebärung
helfen, unser täglich Brot bilden, welches uns hernach der Vater zur Speise
giebet. 13.111. Und
wenn dann also unser Ton in Gottes Ton inkorporieret wird und wird also die
Frucht gebildet, so muß es uns ja gesund sein und wir in Gottes Liebe sein;
und haben die Speise als für Naturrecht zu gebrauchen, dieweil unser Geist in
Gottes Liebe hat dieselbe helfen bilden und formen. Hierinnen steckt die
innerste und größte Tiefe Gottes. O Mensch, bedenke dich! An seinem Orte will
ichs ausführlich erklären. 13.112. Nun,
zu solchem Ende hat Gott die Engel geschaffen, und das tun sie auch. Denn ihr
Geist, welcher im Centro oder Herzen aus ihrem Licht in Kraft aller sieben
Quellgeister aufgehet, der gehet zu ihrem Munde aus gleichwie Gott der Hl.
Geist vom Vater und Sohne. Und hilft alles in Gott, das ist, in der
göttlichen Natur, formen und bilden durch den Marcurium, Gesang und Reden und
Freudenspiel. 13.113. Denn
gleichwie Gott in der Natur wirket allerlei Formen, Bildungen, Gewächse,
Frucht, Farben, also tun auch die Engel ganz einfältig, und sollten sie
gleich kaum auf einem Stecken reiten oder in dem himmlischen Maien sich der
schönen Blumen freuen und davon ganz einfältig reden, noch dannoch steiget
derselbe Ton oder Rede in dem göttlichen Salitter mit auf und hilft mit
bilden und formen. 13.114. Hast
du doch dessen auch viel Exempel in dieser Welt, daß wenn manche Kreatur oder
Mensch nur etwas ansiehet, so verdirbet es, von wegen der Gift in den
Kreaturen. Dagegen können etliche Menschen, sowohl auch Tiere und Kreaturen
mit ihrem Ton oder Worten die Bosheit an einem Dinge verändern und in eine
richtige Form bringen. 13.115. Das
ist nun die göttliche Kraft, der alle Kreaturen unterworfen sind. Denn alles,
was da lebet und schwebet, das ist in Gott, und Gott selber ist alles und
alles, was gebildet ist, das ist aus ihm gebildet, es sei gleich aus Liebe
oder Zorn. Der
Sünden Quellader
13.116. Nun,
wie nun Luzifer also königlich gebildet war, daß sein Geist in seiner
Formierung oder Bildung in ihm aufstieg und von Gott gar schön und lieblich
empfangen und in die Glorifizierung gesetzet war, da sollte er nun
augenblicklich seinen engelischen Gehorsam und Lauf anfangen und sollte in
Gott wallen, wie Gott selber täte, als ein lieber Sohn in des Vaters Hause; und
das tat er nicht. 13.117. Sondern
als sein Licht in ihm geboren war im Herzen und seine Quellgeister
urplötzlich mit dem hohen Lichte infizieret oder umfangen wurden, da wurden
sie also hoch erfreuet, daß sie sich in ihrem Leibe wider Naturrecht erhoben;
und fingen gleich eine höhere, stolzere, prächtigere Qualifizierung an als
Gott selber. 13.118. Indem
sich aber die Geister also erhuben und also heftig ineinander triumphierten
und wider Naturrecht aufstiegen, so zündeten sich die Quellgeister zu hart
an; als nämlich die herbe Qualität zog den Corpus zu hart zusammen, daß das
süße Wasser vertrocknete. 13.119. Und
der gewaltige und große helle Blitz, welcher im süßen Wasser in der Hitze war
aufgegangen, davon die bittere Qualität im süßen Wasser entstehet. Der rieb
sich schrecklich hart mit der herben Qualität, als wollt er sie zersprengen
vor großer Freude. 13.120. Denn
der Blitz war also helle, daß er den Quellgeistern gleichwie unerträglich
war. Darum zitterte und rieb sich die bittere Qualität also hart an der
herben, daß die Hitze wider Naturrecht angezündet war. Und die herbe
vertrocknete auch das süße Wasser durch ihre harte Zusammenziehung. 13.121. Nun
war aber der Hitze Qualität also streng und eiferig, daß sie der herben
Qualität ihre Macht nahm, denn die Hitze entstehet im Quellbrunne des süßen
Wassers. 13.122. Weil
aber das süße Wasser durch die herbe Zusammenziehung vertrocknet war, so
konnte die Hitze nunmehr zu keiner Lohe oder zu keinem Licht, denn das Licht
entstehet in der Fettigkeit des Wassers, sondern sie glomm wie ein angezündet
hitzig Eisen, das noch nicht recht glühend ist und ist noch gar dunkel; oder als wenn du einen
sehr harten Stein ins Feuer würfest und ließest den gleich in der großen
Hitze liegen, wie lange du wolltest, so würde er doch nicht glühend. Das
machts, er hat zu wenig Wasser. 13.123. Also
zündete nun die Hitze das vertrocknete Wasser an, und das Licht konnte sich
nicht mehr erheben und anzünden, denn das Wasser war vertrocknet und ward von
dem Feuer oder großen Hitze vollend verzehrst. 13.124. Nicht
der Meinung, daß darum der Geist des Wassers sei aufgefressen worden, welcher
in allen sieben Qualitäten wohnet, sondern seine Qualität oder Oberquelle
ward verwandelt in eine dunkele, hitzig und saure Qualität. 13.125. Denn
allhie an dem Orte hat die saure Qualität ihren ersten Ursprung und Anfang
genommen, welche nun auch auf diese Welt geerbet ist, welche im Himmel in
Gott auf solche Weise gar nicht ist und auch in keinem Engel. Denn sie ist
und bedeut das Haus der Trübsal und Elendes, ein Vergessung des Guten. 13.126. Als
nun dieses geschah, so rieben sich die Quellgeister ineinander nach Art und
Weise, wie ich droben bei der Figur des siebenfachen Rades vermeidet habe.
Denn sie pflegen also ineinander aufzusteigen und einander zu kosten oder
sich miteinander zu infizieren, davon das Leben und die Liebe entstehet. 13.127. Nun
aber war in allen Geistern nichts denn eitel hitzige, feurige, kalte und
harte Verderbung. Also kostete ein böser Quell den andern, davon ward der
ganze Corpus also gar grimmig, denn die Hitze war wider die Kälte und die
Kälte wider die Hitze. 13.128. Weil
denn nun das süße Wasser vertrocknet war, so fuhr die bittere Qualität,
welche von dem ersten Blitze entstanden und geboren ward, als sich das Licht
anzündete, in dem Corpus auf durch alle Geister, als wollte sie den Leib
zerstören, wütete und tobete als die ärgeste Gift. 13.129. Und
davon ist die erste Gift entstanden, darinnen wir armen Menschen nun in
dieser Welt auch zu käuen haben und dadurch der bitter giftige Tod ins
Fleisch kommen ist. 13.130. Nun
in diesem Wüten und Reißen ward nun das Leben im Luzifer geboren, das ist
sein liebes Söhnlein im Zirkel des Herzens. Was nun das für ein Leben oder
liebes Söhnlein wird gewesen sein, gebe ich einer vernünftigen Seelen zu
bedenken. 131.
Denn wie der Vater war, so ward auch nun sein Sohn, als nämlich ein finster,
herber, kalter, harter, bitter, hitziger, saurer, stinkichter Quellbrunn, und
die Liebe stund in der bittern Qualität
in ihrem Durchdringen und Schmecken. Die ward eine Feindschaft aller
Quellgeister im Leibe des hochmütigen Königes. 132.
Also stieg nun der Ton durch das Durchdringen der bittern Qualität durch die
Hitze und vertrocknete Wasser und durch die herbe, harte Qualität in das
Herze, in das liebe neue Söhnchen. 133.
Allda ging der Geist nun aus. Wie er im Herzen geboren war, so ging er nun
zum Munde aus. Was er aber für ein willkommener Gast wird vor Gott und in
Gott gewesen sein und auch vor den hl. Engeln der andern Königreiche, das
gebe ich dir zu bedenken. Er sollte nun mit dem Sohne Gottes inqualieren als
ein Herze und ein Gott. Ach und ewig, wer will das genug schreiben oder
reden! 14 - Wie Luzifer, der schönste Engel im Himmel, ist
der greulichste Teufel geworden - das Haus der Mordgruben
14.1. Allhier, König
Luzifer, zeuch den Hut in die Augen, daß du es nicht siehest: Man wird dir
die himmlische Krone abnehmen; du kannst nicht mehr im Himmel regieren. Nun
stehe noch ein wenig stille, wir wollen dich von ehe beschauen, welch eine
schöne Braut du bist, ob du vielleicht noch könntest den Unflat deiner
Hurerei abladen, daß du wieder schöne würdest. Wir wollen deine Zucht und
Tugend ein wenig beschreiben. 14.2. Wohlher, ihr
Philosophi und Rechtsprecher des Königs Luzifer! Nun tretet herzu und
verredet ihn, weil er noch die Krone hat, denn allhie wollen wir
Malefiz-Recht über ihn halten. Könnt ihr das Recht erhalten, so soll er euer
König sein, wo nicht, so soll er hinunter in die Hölle gestoßen werden, und
soll ein anderer seine königliche Krone bekommen, der besser regieret als er.
14.3. Nun merke: Als
sich nun Luzifer also greulich verderbet, so waren alle seine Quellgeister
eine Feindschaft wider Gott, denn sie qualifizierten alle viel anders als
Gott, und war eine ewige Feindschaft zwischen Gott und dem Luzifer. 14.4. Nun möchte einer
sagen: Wie lang ist denn Luzifer im Lichte Gottes gestanden? – Die Tiefe: Als
der königliche Leib des Luzifer zusammenkorporieret ward, in derselben Stunde
zündete sich auch das Licht im Luzifer an. Denn alsbald seine Quellgeister in
der Erbauung des Corpus anfingen zu qualifizieren und sich zu gebären, wie
der Natur Recht war, so ging der Blitz des Lebens im Herzen im süßen
Quellwasser auf. So war der königliche Leib schon fertig und fuhr der Geist
im Herzen von dem Lichte aus durch den Mund in das Herze Gottes. 14.5. Da war er ein
überaus schöner Fürst und König, und dem göttlichen Wesen gar lieb und
angenehm, und ward mit gar großen Freuden empfangen. Desgleichen fuhr auch
der Geist vom Herzen in alle Quelladern des Corpus und zündete alle sieben
Geister an. Da ward der königliche Leib augenblicklich glorifizieret und
stund da als ein König Gottes in unerforschlicher Klarheit, welche das ganze
Himmelsheer übertraf. 14.6. Nun in diesem
hellen und lichten Blitze wurden alsbald die sieben Quellgeister angestecket,
als wie man ein Feuer ansteckt. Denn sie erschraken vor der grausamen
Klarheit ihres Geistes, und wurden in dem ersten Blitze oder Anblicke flugs
hochtriumphierend, erheblich, stolz und zuviel freudenreich, und bewegten
sich zu höherer Geburt. 14.7. So sie aber in
ihrem Sede wären blieben sitzen und hätten qualifiziert, wie sie von Ewigkeit
getan hatten, so hätte ihnen das hohe Licht nichts geschadet. Denn sie waren
nicht neue Geister aus etwas anders gemacht, sondern es waren die alten
Geister, die keinen Anfang hatten gehabt, die in Gott waren ewig gewesen, und
wußten wohl der Gottheit und der Natur Recht, wie sie wallen sollten. 14.8. Auch als Gott den
Corpus zusammenfigurierte, so tötete er nicht zuvorhin die Quellgeister,
sondern er figurierte den Leib des Königs Luzifer aus dem Kern des Besten
zusammen, darinnen die allerbeste Wissenschaft war. 14.9. Sonst, wo die
Qualitäten wären vorhin tot gewesen, so hätten sie eines neues Lebens
bedurft, und wäre im Zweifel, ob der Engel könnte ewig bestehen. 14.10. Vernimms
nur recht: Gott schuf darum Engel aus sich selber, daß sie härter und derber
zusammenkorporieret wären als die Figuren, welche durch das Qualifizieren der
Geister Gottes in der Natur aufgingen und auch durch der Geister Bewegen
wieder vergingen, daß ihr Licht in ihrer Härtigkeit sollte heller scheinen,
und daß der Ton des Corpus hell tönete und schallete, damit die Freudenreich
in Gott größer würde. Das war die Ursache, daß Gott Engel schuf. 14.11. Daß
aber gesagt wird, der Engel habe ein neu Licht geboren oder einen neuen
Geist, ist also zu verstehen: 14.12. Als
die Quellgeister härter zusammenkorporieret waren, so schien das Licht viel
heller im Corpus und aus dem Corpus als vorhin im Salitter. Denn es ging viel
ein hellerer Blitz im Corpus auf als vorhin, weil der Salitter dünne war. 14.13. Darum
wurden auch die Quellgeister stolz und vermeinten, hätten viel ein schöner
Söhnlein oder Licht als der Sohn Gott war. Darum wollten sie auch sehrer
qualifizieren und sich erheben, und verachteten das Qualifizieren in Gott
ihrem Vater, sowohl auch die Geburt Gottes des Sohnes, und auch den Ausgang
Gottes des Hl. Geistes, und vermeinten, sie wolltens tun. Weil sie also herrlich
zusammenkorporieret wären, so wollten sie auch herrlich und prächtig
aufsteigen und sich sehen lassen als die schönste Himmelsbraut. 14.14. Sie
wußten wohl, daß sie nicht der ganze Gott wären, sondern wären ein Stück
davon. So wußten sie auch wohl, wie weit sich ihre Allmacht erstreckte. Aber
sie wollten nicht mehr das Alte, sondern wollten höher sein als der ganze
Gott, und vermeinten, sie wollten ihr Revier über die ganze Gottheit über
alle Königreiche haben. 14.15. Darum
erhuben sie sich, in willens, den ganzen Gott zu regieren. Es sollten alle
Formen und Bildungen in seiner Qualifizierung aufgehen. Er wollte der Herr
der Gottheit sein und kein anderer sollte neben ihm Herr sein. 14.16. Das
ist nun die Wurzel des Geizes, Neides, Hoffarts und Zornes, denn in dem
grimmen Qualifizieren ging der Zorn auf und brannte wie Hitze und kalt Feuer,
dazu bitter wie Gallen. 14.17. Denn
die Quellgeister hatten keinen Trieb von außen in sich, sondern der Trieb zur
Hoffart erhub sich im Corpus im Rat der sieben Quellgeister. Die vereinigten
sich, daß sie wollten alleine Gott sein. 14.18. Weil
sie es aber in ihrem alten Sede nicht konnten anfangen und ins Werk bringen,
so heuchelten sie miteinander. Sie wollten sich erheben wider die Geburt
Gottes und wollten in der höchsten Tiefe qualifizieren, so würde ihnen nichts
können gleich sein, sintemal sie der mächtige Fürst in Gott wären. 14.19. Die
herbe Qualität war der erste Mörder und Heuchler. Denn als sie sah, daß sie
also ein schön Licht gebar, druckte sie sich noch härter zusammen als sie
Gott zusammen schuf, in Meinung, sie wollte noch viel erschrecklicher sein
und alles in ihrem ganzen Revier zusammenziehen und als ein strenger Herr
halten. Inmaßen sie denn auch was getan hat, davon die Erde und Steine ihren
Ursprung haben, welches ich bei der Schöpfung der Welt schreiben will. 14.20. Die
bittere Qualität war der andere Mörder. Als sie im Blitze anfing, so riß sie
mit Brechen und großer Gewalt in der herben Qualität, als wollte sie den
Corpus zersprengen. Aber die herbe Qualität ließ ihr das zu, sonst hätte sie
wohl können den bittern Geist gefangen nehmen und im süßen Wasser baden, bis
ihm der Hochmut vergangen wäre. Aber sie wollte ein solches Brüderlein haben,
denn es dienete ihr, sintemal der bittere Geist auch von ihr als von ihrem
Vater Ursprung nimmt, und hätte dem wohl können wehren. 14.21. Die
Hitze ist der dritte Mordgeist, die hat ihre Mutter, das süße Wasser,
ermordet. Aber der herbe Geist ist Ursache dran, denn mit seiner strengen
Zusammenziehung und Hartmachung hat er mit der bittern Qualität das Feuer
also heftig erwecket und angezündet; denn das Feuer ist der herben und
bittern Qualität Schwert. 14.22. Weil
aber das Feuer im süßen Wasser aufgeht, so hat es selber die Peitsche in
eigener Gewalt, und hätte können die herbe Qualität im Wasser zurückehalten,
aber sie ward auch ein Heuchler und heuchelte mit der größten Qualität,
nämlich der herben, und half das süße Wasser ermorden. 14.23. Der
Ton ist der vierte Mörder, denn er nimmt seinen Klang im Feuer im süßen
Wasser, und steiget fein lieblich im ganzen Corpus auf. 14.24. Das
tat er auch nicht, sondern nachdem er im Wasser aufgestiegen war in die herbe
Qualität, so heuchelte er auch mit der herben Qualität und fuhr also ungestüm
auf wie ein Donnerschlag. Damit wollte er seine neue Gottheit beweisen. Und
das Feuer fuhr auf, als wenn es wetterleuchtet; damit vermeinten sie also
groß zu sein über alle Dinge in Gott. 14.25. Und
trieben solches also lange, bis sie ihre Mutter, das süße Wasser, ermordeten.
Da ward der ganze Leib ein Finstertal, und war kein Rat mehr in Gott, der da
hätte können helfen. Aus der Liebe ward eine Feindschaft; aus dem ganzen
Corpus ward ein schwarzer finsterer Teufel. 14.26. Das
Wort "Teu", hat seinen Ursprung von dem harten Pochen oder Tönen,
und das Wort "Fel", hat seinen Ursprung von dem Falle. Also heißt
nun Herr Luzifer "Teufel" und nicht mehr Cherub oder Seraph. 14.27. Einrede:
Nun möchte einer sagen: Hätte denn Gott nicht der Hoffart Luzifers können
wehren, daß er von seinem Hochmut wäre abgestanden? Das ist eine hohe Frage,
welcher sich alle Rechtsprecher des Teufels wollen behelfen. Aber sie sind
alle vor das Malefiz-Recht geladen. Sie mögen zuschauen, daß sie ihren Herrn
verantworten, oder das Recht wird über ihn ergehen, und er wird seine Krone
verlieren. Die
wunderliche Offenbarung
14.28. Siehe,
der König Luzifer ist das Haupt in seinem ganzen Revier gewesen, und ist ein
gewaltiger Herr gewesen, und ist aus dem Kern seines ganzen Reviers
geschaffen worden, und hat durch seine Erhebung wollen sein ganzes Revier
anzünden, daß alles hätte sollen also brennen und qualifizieren, wie er in
seinem Corpus. 14.29. Ob
nun gleich die Gottheit außer seinem Corpus hätte wollen sänftig gegen ihn
qualifizieren und ihn erleuchten und zur Buße vermahnen, so war doch nun kein
ander Wille im Luzifer, denn daß er wollte über den Sohn Gottes herrschen und
das ganze Revier anzünden, und wollte auf eine solche Weise selber der ganze
Gott sein über alle engelische Heere. 14.30. Wenn
nun das Herze Gottes mit seiner Sanftmut und Liebe gegen den Luzifer
stürmete, so verachtete ers nur und meinte, er wäre viel besser; und stürmete
hinwieder mit Feuer und Kälte in harten Donnerschlägen gegen den Sohn Gottes
und meinete, er müßte ihm untertänig sein, er wäre Herr, denn er verachtete
das Licht des Sohnes Gottes. 14.31. Sprichst
du nun: Wie hat er solche Macht gehabt? Ja, er hat sie gehabt, denn er ist
ein groß Teil der Gottheit gewesen und dazu aus dem Kern; denn er hat sich
auch an den König und Großfürsten Micha-El gerieben, ihn zu verderben,
welcher endlich mit ihm gestritten hat und ihn überwunden, indem die Kraft
Gottes in Luzifers Reiche auch heftig wider ihren König gestritten hat, bis
er endlich von seinem königlichen Stuhle als ein Überwundener ist gestoßen
worden. Apok 12,8 f. 14.32. Sprichst
du nun: Gott hätte ihm sollen sein Herze erleuchten, daß er hätte Buße getan.
Er wollte auch kein ander Licht annehmen, denn er verachtete das Licht des
Sohns Gottes, welches außer seinem Corpus leuchtete, dieweil er so ein
blitzend Licht in ihm hätte, und erhub sich je länger je sehrer, bis sein
Wasser gar vertrocknete und verbrannte und sein Licht gar verlosch; da war es
geschehen. Von
dem Falle aller seiner Engel
14.33. Nun
möchte einer sagen: Wie kommts dann, daß auf diesmal alle seine Engel
mitfielen? Wie der Herr gebot, also taten auch alle seine Untertanen. Als er
sich erhub und wollte Gott sein, so sahen solches auch seine Engel und taten
alle wie ihr Herr, und taten alle, als wollten sie die Gottheit stürmen. Denn
sie waren ihm alle untertänig, und er regierte in allen seinen Engeln, denn
er war aus dem Kern des Salitters geschaffen, daraus seine Engel allesamt
waren geschaffen, und war aller seiner Engel Herz und Herr. 14.34. Darum
taten sie alle wie er und wollten alle im Primat der Gottheit sitzen und mit
ihrem Herrn im ganzen Revier gewaltig regieren über die ganze göttliche
Kraft. Es war alles ein Wille bei ihnen, und ließen ihnen den nicht nehmen. 14.35. Nun
sprichst du: Hat denn der ganze Gott solches vor der Zeit der Erschaffung der
Engel nicht gewußt, daß es werde also zugehen? Nein, denn wenn es Gott vor
der Zeit der Erschaffung der Engel gewußt hätte, so wäre es ein ewiger
vorsetzlicher Wille gewesen, und wäre keine Feindschaft wider Gott, sondern
Gott hätte ihn wohl anfänglich zu einem Teufel geschaffen. 14.36. So
aber hat ihn Gott zu einem Könige des Lichtes geschaffen. Und da er
ungehorsam ward und wollte über den ganzen Gott sein, so speiete ihn Gott von
seinem Stuhl und schuf inmitten unserer Zeit einen andern König aus derselben
Gottheit, daraus der Herr Luzifer war geschaffen; - verstehe es recht: aus
dem Salitter, der außer dem Corpus des Königs Luzifer war – und setzte ihn
auf den königlichen Stuhl Luzifers und gab ihm Macht und Gewalt, wie Luzifer
vor seinem Fall hatte, und derselben König heißt Jesus Christus und ist Gottes und des Menschen Sohn. Das
will ich an seinem Orte klar beweisen und ausführen. Von
den großen Sünden und Widerwillen und dazu ewiger Feindschaft des Königs
Luzifer mit seinem ganzen Heere wider Gott
14.37. Das
ist der rechte Spiegel der Menschen: Vor dieses Malefiz-Recht ladet der Geist
alle Menschen als vor einen Spiegel. Da mögen sie sich besehen, was die
verborgene Sünde ist. 14.38. Dieses
ist von der Welt her verborgen blieben und in keines Menschen Herze also ganz
und gar offenbar worden. Ich verwundere mich auch selber viel sehrer als sich
der Leser vielleicht verwundern wird, ob der hohen Offenbarung. 14.39. Nicht
schreibe ich mir solches zum Ruhm, denn mein Ruhm stehet in meiner Hoffnung
des Zukünftigen. Ich bin so wohl ein armer Sünder wie alle Menschen und
gehöre auch vor diesen Spiegel; sondern ich verwundete mich, daß sich Gott in
so einem einfältigen Manne will also ganz und gar offenbaren, und treibet ihn
noch dazu, solches aufzuschreiben, da doch viel bessere Skribenten wären, die
es viel höher könnten schreiben und ausführen als ich, der ich nur der Welt
Spott und Narr bin. 14.40. Aber
ich kann und will ihm nicht widerstehen, denn ich bin oft in großer Arbeit
gegen ihn gestanden, so es nicht sein Trieb und Wille sei, daß er solches
wollte von mir nehmen. Aber ich befinde, daß ich mit meiner Arbeit gegen ihn
nur habe Steine zu diesem Bau zugetragen. 14.41. Nun
aber bin ich zu hoch gestiegen und darf nicht wieder zurücksehen, sonst
schwindelt mir, und habe noch ein kleines Leiterchen bis ans Ziel, da ist
alle meines Herzens Lust, vollends hinzusteigen. Denn so ich aufsteige, so
schwindelte mir garnicht, aber wenn ich zurücksehe und will wieder umkehren,
so schwindelt mir, und fürchte mich des Fallens. 14.42. Darum
habe ich meine Zuversicht auf den starken Gott gesetzt und wills wagen und
will zusehen, was doch draus werden will. Ich habe auch nicht mehr als einen
Leib, der ist ohne das sterblich und zerstörlich; den will ich gerne dran
wagen. So mir nur das Licht und Erkenntnis meines Gottes bleibet, so hab ich
genug, wohl hie und dorte. 14.43. Auch
so will ich mit meinem Gott nicht zürnen, ob ich vielleicht um seines Namens
willen müßte Schmack leiden, welches mir denn alle Tage blühet, und bin des
fast wohl gewohnet. Ich will mit dem Propheten David singen: Und wenn mir
gleich mein Leib und Seele verschmacht, so bist du Gott doch meine
Zuversicht, mein Heil und meines Herzens Trost, Ps 73,26. 14.44. Die
Sünde hat sieben Species oder Gestalten, darunter sind vier vornehme
Quellbrunnen, und die achte Gestalt ist das Haus des Todes. 14.45. Nun
merke: Die sieben Gestalten sind die sieben Quellgeister des Corpus; wenn die
angezündet werden, so gebäret ein jeder Geist eine sonderliche Feindschaft
wider Gott. 14.46. Aus
diesen sieben gebären sich nun andere vier neue Söhnlein, und die sind der
neue Gott, der ganz und gar wider den alten Gott ist, als wie zwei abgesagte
Kriegsheere, die einander ewige Feindschaft geschworen haben. 14.47. Der
erste Sohn ist die Hoffart, der ander Sohn ist der Geiz, der dritte Sohn ist
der Neid, der vierte Sohn ist der Zorn. 14.48. Dieses
wollen wir nun im Grunde besehen, wo alles seinen Ursprung nimmt, und wie es
eine Feindschaft wider Gott ist. Da wirst du sehen, was der Anfang und die
Wurzel der Sünden ist, und warum sie in Gott nicht kann geduldet werden. 14.49. Nun
wohlher, ihr Philosophi und Juristen, die ihr erhalten wollet und unterstehet
euch zu beweisen, Gott habe das Böse auch geschaffen und wolle dasselbe. Es
sei aus Gottes Fürsatz, daß der Teufel gefallen sei und daß viel Menschen
verloren werden, sonst hätte er alles können ändern. 14.50. Zitation:
Hie ladet euch der Geist unsers Königreichs mit samt eurem Fürsten Luzifer,
den ihr verteidiget, zu drittenmal vor das endliche Malefiz-Gericht; da gebet
Antwort. Denn bei diesen sieben Species und vier neuen Söhnen in des
himmlischen Vaters Hause soll das Recht vollführet werden. 14.51. Wo
ihr könnet erhalten, daß die sieben Geister Luzifers die vier neuen Söhne aus
Recht und Billigkeit geboren haben, daß sie aus Recht und Billigkeit den
Himmel und die ganze Gottheit regieren? So soll König Luzifer wieder auf
seinen Stuhl gesetzt werden, und soll im sein Königreich wieder werden. 14.52. Wo
nicht, so soll ihm eine Höhle oder Loch zur ewigen Gefängnis eingeräumt
werden, und da soll er mit seinen Söhnen ewig gefangen sein; und ihr möget
zuschauen, daß das Recht nicht über euch auch gehalten werde. 14.53. Dieweil
ihr denn das Recht des Teufels führen wollet, womit soll er euch lohen? Er
hat in seiner Gewalt nichts denn höllische Greuel. Was werdet ihr denn zu
Lohn kriegen? Rat, Fritz: sein Allerbestes, das Obst und den Weihrauch seines
Gartens. Von
der ersten Species
14.54. Der
erste Geist ist die herbe Qualität. Die ist in Gott ein fein lieblich
Zusammenziehen, Vertrocknen und Kühlen, und wird zu der Bildung gebraucht;
und ob sie in ihrer Tiefe etwas scharf ist, so temperiret sie sich doch mit
dem süßen Wasser, daß sie ganz sanft, lieblich und freudenreich ist. 14.55. Und
wenn das Licht des süßen Wassers in sie kommt, so gibt sie freundlich und
freiwillig ihre Geburt dazu und machet es trocken und helle scheinend. Und
wenn der Ton in dem Lichte aufsteiget, so gibt sie ihren Ton oder Klang fein
sanft und brüderlich dazu. Auch so nimmt sie die Liebe von allen Geistern an.
Der Hitze vergönnet sie auch, daß sie mag freundlich kühlen, und ist mit
allen Qualitäten ein freundlicher Wille. Sie hilft auch gern den Naturgeist
bilden und in demselben allerlei Formen, Figuren, Frucht und Gewächse nach
allen sechs Geister Willen. 14.56. Sie
ist gar ein demütiger Vater ihrer Kinder, der sie herzlich liebet und
freundlich mit ihnen spielt, denn sie ist recht der andern sechs Geister
Vater, welche sich in ihr gebären, und sie hilft sie alle gebären. 14.57. Nun,
als Gott den Luzifer mit seinem Heer beschuf, da schuf er ihn aus dieser
freundlichen Gottheit aus sich selber, aus dem Loco des Himmels und dieser
Welt. Es war keine andere Materia dazu. Dieser lebendige Salitter war ganz
sanft zusammengezogen, ohne Tötung oder ohne große Bewegung. 14.58. Es
hatten aber die zusammenkorporierten Geister die Erkenntnis, Wissenschaft und
das ewige unanfängliche Gesetze Gottes, und wußten wohl, wie sich die
Gottheit gebar. So wußten sie auch wohl, daß das Herze Gottes Primus in der
ganzen Gottheit war. Sie wußten auch wohl, daß sie nichts mehr zum Eigentum
hatten, damit zu tun und zu lassen, als ihren eignen zusammenkorporierten Leib;
denn sie sahen wohl, daß sich die Gottheit außer ihrem Corpus gebar, wie sie
von Ewigkeit getan hatte. 14.59. So
wußten sie auch wohl, daß sie nicht der ganze Raum oder Ort wären, sondern
daß sie Kreaturen in demselben Raum oder Orte waren, die da sollten die
Freude und wunderliche Proporzl, desselben Orts vermehren, und sollten mit
demselben Raume oder Orte der Gottheit fein freundlich kordieren, inqualieren
oder sich freundlich mit den Qualitäten außer ihrem Corpus infizieren. 14.60. Sie
hatten auch alle Macht mit allen Figuren, Formen und Gewächsen zu tun, wie
sie wollten; es war alles ein herzlich Liebesspiel in Gott. Sie hätten Gott
ihren Schöpfer mit nichts zum Widerwillen beweget, ob sie gleich alle
himmlischen Figuren und Gewächse zerbrochen, und hätten ihnen eitel
Reitpferde daraus gemacht. Gott hätte ihnen immer genug andere lassen
aufgehen, denn es wäre alles nur ein Spiel in Gott gewesen. 14.61. Denn
zu dem Ende waren sie auch also geschaffen, daß sie sollten mit den Figuren
und Gewächsen spielen und die nach ihrem Gefallen brauchen. Denn die Figuren
haben sich von Ewigkeit etwan also gebildet und sind wieder durch die
Quellgeister vergangen und verändert worden, denn das ist das ewige Spiel
Gottes vor den Zeiten der Erschaffung der Engel gewesen. 14.62. Dessen
hast du auch gar ein gut Exempel, wo du sehen willst und allhie nicht blind
bist: an den Tieren, Vögeln und allem Gewächse dieser Welt. Das war alles
zuvorhin geschaffen und aufgangen, ehe der Mensch geschaffen ward, welcher
ist und bedeut das andere Heer, das Gott an des verstoßenen Luzifers Heers
Stelle schuf, aus Luzifers Loco. 14.63. Nun,
was tat aber die herbe Qualität im Luzifer? Als sie Gott also fein sanft
hatte zusammenkorporieret, da befand sie sich mächtig und gewaltig, und sah,
daß sie einen schönen Corpus hielt, als die Figuren außer ihr waren. Darum
ward sie hochmütig und erhub sich in ihrem Corpus, und wollte strenger sein
als der Salitter außer ihrem Corpus. 14.64. Weil
sie es aber allein nicht tun konnte, so heuchelte sie mit den andern
Geistern, daß sie ihr als dem Vater folgeten und taten alle wie sie, ein
jeder in seiner eignen Qualität. 14.65. Als
sie sich nun also vereinigten, so gebaren sie auch einen solchen Geist, der
fuhr zum Munde, zu Augen, zu Ohren und zur Nasen heraus und infizierte sich
mit dem Salitter außer dem Corpus. 14.66. Denn
das war der herben Qualität Fürsatz, daß, dieweil sie also herrlich als der
Kern aus dem ganzen Königreich zusammenkorporieret war, sie auch durch ihren
Geist, den sie mit den andern Geistern gebar, wollte außer ihrem Corpus in
dem ganzen Salitter Gottes mit der Schärfe gewaltig regieren, und sollte
alles in ihrer Gewalt stehen. 14.67. Sie
wollte alles durch ihren Geist den sie gebar, bilden und formen gleichwie die
ganze Gottheit. Sie wollte Primus in der ganzen Gottheit sein, das war ihr
Fürsatz. 14.68. Dieweil
sie es aber in ihrem rechten natürlichen Sede nicht vollenden konnte, so
erhub sie sich und zündete sich an. Mit diesem Anzünden zündete sie auch
ihren Geist an. Der fuhr nun zum Munde, Ohren, Augen und Nasen aus, als ein
ganz grimmiger Geist, und stritt wider den Salitter in seinem Loco als wie
ein stiirmiger Herr, und zündete, und zündet den Salitter an und zog mit
Gewalt alles zusammen. 14.69. Du
mußts recht verstehen: Der herbe Quell in dem ausgegangenem Geiste zündet die
herbe Qualität in seinem Loco an und herrschete mit Gewalt in der herben
Qualität im Salitter. Und das wollte die herbe Qualität des Salitter nicht
haben, sondern stritt mit dem süßen Wasser gegen diesen Geist. Aber es half
nichts, der Sturm ward je länger je größer, bis die herbe Qualität des
Salitters angezündet war. 14.70. Als
nun dieses geschah, so ward der Sturm also groß, daß die herbe Qualität den
Salitter zusammenzog, daß harte Steine daraus worden. Und daher haben die
Steine in dieser Welt den Ursprung, und das Wasser im Salitter ward auch zusammengezogen, daß es gar dicke
war, wie es in dieser Welt jetzt ist. 14.71. Als
sich aber die herbe Qualität im Luzifer anzündete, so ward sie auch ganz
kalt, denn die Kälte ist ihr eigen Geist, darum zündet sie jetzt auch mit
ihrem kalten Feuer in dem Salitter alles an. Und davon ist das Wasser also
kalt, finster und dicke worden in dieser Welt, und davon ist alles so hart
und begreiflich worden, welches vor den Zeiten der Engel nicht war. Dieses
war nun ein großer Widerwillen in dem göttlichen Salitter, ein großer Kampf
und Streit und eine ewige Feindschaft. 14.72. Sprichst
du nun: Gott hätte ihm sollen Widerstand tun, daß so weit nicht wäre kommen. Ja,
lieber blinder Mensch, es stund nicht ein Mensch oder Tier vor Gott, sondern
es war Gott wider Gott, ein Starker wider einen Starken. Dazu, wie sollte ihm
Gott Widerstand tun? Mit der freundlichen Liebe wollte es nicht gelten,
Luzifer verachtete es nur und wollte selber Gott sein. 14.73. Sollte
ihm denn Gott mit Zorn begegnen, welches doch endlich geschehen mußte, so
mußte sich Gott selber in seinen Qualitäten anzünden in dem Salitter,
darinnen König Luzifer wohnete, und mußte im starken Eifer wider ihn
streiten. Von diesem Streit ist dies Königreich also finster, wüste und böse
worden, darauf he nach eine ander Schöpfung folgen mußte. 14.74. Ihr
Philosophi und Juristen des Fürsten Luzifer, hie verantwortet erstlich den
herben Geist im Luzifer, ob er recht gehandelt habe oder nicht, und beweiset
das in der Natur. Ich will nicht eure gezerrete und gedehnete gebogenen
Schriften haben zum Beweis, sondern lebendige Zeugen. 14.75. Ich
stelle euch auch lebendige Zeugen dar, als nämlich den erschaffenen und begreiflichen
Himmel, die Sternen, die Elementa, die Kreaturen, die Erde, die Steine, die
Menschen und endlich euren finstern, kalten, hitzigen, harten, rauhen, bösen
Fürsten Luzifer selber. Dieses alles ist durch seine Erhebung also worden. 14.76. Hie
leget eure Verantwortung über diesen Geist ein; wo nicht, so soll er
kondemnieret werden. Denn das ist das Recht Gottes, das keinen Anfang hat,
daß sich das Kind, das von der Mutter geboren ist, soll vor der Mutter
demütigen und ihr gehorsam sein, denn es hat sein Leben und seinen Leib von
der Mutter, die es geboren hat. 14.77. Auch
so ist der Mutter Haus, dieweil die Mutter lebet, nicht des Kindes Eigentum,
sondern sie behält es aus Liebe bei sich und nähret es und hänget ihm den
schönsten Schmuck an, den sie hat, und gibts ihm zum Eigentum, auf daß ihre
Freude an dem Kinde vermehret wird und sie mit ihm mag Freude haben. 14.78. Da
sich aber das Kind wider die Mutter auflehnet und nimmt der Mutter alles und
herrschet über sie und schlägt sie noch dazu, und zwinget sie in andere
Sitten wider Rat und Billigkeit, so ist ja recht, daß das Kind aus dem Hause
gestoßen wird, und muß hinter den Zäunen liegen und hat sein kindlich Erbteil
verloren. 14.79. Also
ist es mit Gott und seinem Kinde Luzifer auch gangen. Der Vater hatte ihm
auch den allerschönsten Schmuck angeleget, in Hoffnung, Freude mit ihm zu
haben. Als aber das Kind den Schmuck bekam, so verachtete es den Vater und
wollte über den Vater herrschen und dem Vater sein Haus zerstören, und schlug
noch dazu den Vater und wollte sich nicht weisen und lehren lassen. Von
der andern Species oder Geist der Sünden Anfang im Luzifer
14.80. Der
andere Geist ist das Wasser. Nun, gleichwie die herbe Qualität der Vater ist
der andern sechs Geister, der sie zusammenzeucht und hält, also ist das süße
Wasser die Mutter, in der alle Geister empfangen, behalten und geboren
werden, und sie sänftiget und tränket sie, darinnen und davon sie ihr Leben
bekommen, auch so gehet das Licht der Freudenreich darinnen auf. 14.81. Nun
König Luzifer hat das süße Wasser auch eben in solchermaßen zu seinem
körperlichen Regiment bekommen, und zwar den Kern und das Allerbeste, denn
Gott hing seinem Söhnlein den allerschönsten Schmuck an, in Hoffnung, viel
Freude mit ihm zu haben. 14.82. Nun,
was tat die herbe Qualität mit seiner Mutter, dem süßen Wasser? Sie heuchelte
mit der bittern und mit der Hitze, daß sie sich sollten erheben und anzünden.
Sie wollten die Mutter ermorden und in eine saure Gestalt formieren. Dadurch
wollten sie mit ihrem Geiste ganz scharf über die ganze Gottheit regieren. Es
mußte sich alles vor ihnen bücken und neigen, und sie wollten alles mit ihrer
Schärfe formen und bilden. 14.83. Nach
diesem falschen Beschluß taten sie ein Ding, und vertrockneten das süße
Wasser im Corpus Luzifers. Und die Hitze zündet es an, und die Herbe
trocknete es; da ward es ganz sauer und scharf. 14.84. Als
sie nun in solcher Qualifizierung den Geist Luzifers geboren, so war das
Leben des Geistes, welches im Wasser aufgehet sowohl auch das Licht ganz
sauer und scharf. 14.85. Nun
stürmete dieser saure Geist auch aus allen seinen Kräften wider das süße
Wasser außer dem Corpus in dem Salitter Gottes und dachte, er müßte Primus
sein und in eigener Gewalt alles formen und bilden. 14.86. Und
das war die andere Feindschaft wider Gott, davon ist die saure Qualität in
dieser Welt entstanden. Sie ist nicht ewig gewesen, als du denn dessen ein
gut Exempel hast: Wenn du etwas Süßes in die Wärme setzest und läßt es
stehen, so wird es selber sauer, welches auch Wasser oder Bier oder Wein im
Fasse tut. Der andern Qualitäten aber verändert sich keine als nur in einen
Gestank, das macht des Wassers Qualität. 14.87. Nun
sprichst du: Warum hat Gott den bösen Geist Luzifers, welcher aus dem Corpus
Luzifers gangen, in sich gelassen; hätte er ihm doch können wehren? Dieses
ist der Kern: Du sollst wissen, daß es zwischen Gott und Luzifer kein ander
Unterschied ist gewesen, als wie mit den Eltern und ihren Kindern, und noch
viel näher. Denn gleichwie die Eltern ein Kind aus ihrem Leibe gebären nach
ihrem Bilde und behalten es in ihrem Hause als einen natürlichen Leibeserben,
und pflegen des, also nahe ist auch der Corpus Luzifers der Gottheit. Denn
Gott hat ihn aus seinem Leibe geboren. Darum hat er ihn auch zum Erben seiner
Güter gemacht und ihm den ganzen Locum, darinnen er ihn schuf, zum Besitz
eingeräumt. Die
höchste Tiefe
14.88. Hie
sollst du aber wissen, womit Luzifer hat wider Gott gestritten und Gott
erzürnet; denn mit seinem Corpus hätte ers nicht tun können, denn sein Corpus
begreift nicht weiter als den Ort, da er zumaln stehet, damit würde er nicht
viel haben können tun, sondern es ist ein anders. 14.89. Hie
merke auf: Der Geist, welcher im Centro des Herzens von allen sieben
Quellgeistern geboren wird, der ist auch, weil er noch im Leibe ist, wenn er
geboren ist, mit Gott inqualierend als ein Wesen, und ist auch kein
Unterscheid. 14.90. Wenn
derselbe Geist, welcher im Corpus geboren wird, durch die Augen etwas
ansiehet oder durch die Ohren höret oder durch die Nasen reucht, so ist er
schon in demselben Dinge und arbeitet drinnen als in seinem Eigentum. Und so
es ihm gefället, so isset er davon und infizieret sich mit dem Dinge, und
ringet mit ihm, und macht eine Temperanz, es sei auch ein Ding, so weit als es
wolle. Also weit als sein ursprünglich oder anfänglich Königreich in Gott
reichet, also weit kann der Geist augenblicklich regieren und wird von nichts
gehalten. 14.91. Denn
er ist und begreift die Gewalt wie Gott der Hl. Geist, und ist in diesem
zwischen Gott dem Hl. Geist und des Corpus Geist gar kein Unterscheid als nur
dieser, daß der Hl. Geist Gottes die ganze Fülle ist und des Corpus Geist nur
ein Stücke, welcher durch die ganze Fülle dringet, und wo er hinkommt, sich
mit demselben Orte infizieret und gleich in demselben Loco mit Gott
herrschet. 14.92. Denn
er ist aus Gott und in Gott und kann nicht gehalten werden als nur durch die
sieben Naturgeister des Corpus, welche den animalischen, Geist gebären, die
haben den Zügel bei der Hand und können ihn gebären, wie sie wollen. 14.93. Wenn
die herbe Qualität, als der Vater, das Wort oder den Sohn oder Geist formet,
so stehet er im Centro des Herzens gefangen, und wird von den andern Geistern
approbieret, ob er gut ist. So er nun dem Feuer gefället, so läßt das Feuer
den Blitz, darinnen der bittere Geist stehet, durch das süße Wasser gehen,
allda empfänget es die Liebe und fährt mit ihm in die herbe Qualität. 14.94. Wenn
nun der Blitz mit der Liebe wieder in die herbe Qualität kommt mit dem jetzt
neugebornen Geiste oder Willen, so freuet sich die herbe Qualität des jungen
neuen Sohnes und erhebet sich. Da fasset ihn der Ton und fährt mit ihm zum
Munde, zu Augen, zu Ohren und zur Nasen heraus und richtet das aus, das im
Rat der sieben Geister beschlossen ist. Denn wie des Rats Beschluß ist, also
ist auch der Geist; und der Rat kann ihn ändern wie er will. 14.95. Darum
steckt die ursprüngliche Lust im Zirkel des Herzens im Rat der sieben
Geister. Wie dieselben den Geist gebären, so ist er auch. 14.96. Nun
auf eine solche Weise hat Herr Luzifer die Gottheit in Zorn bracht, dieweil
er mit allen seinen Engeln hat als ein boshaftiger Teufel wider die Gottheit
gestritten, in willens, das ganze Revier unter seine ingebornen Geister zu
bringen, daß dieselben sollten alles formen und bilden, und das ganze Revier
sollte sich beugen und mit der angezündeten Schärfe der ingebornen Geister
regieren und bilden lassen. 14.97. Und
wie dieses eine Substanz in den Engeln hat, also hats auch eine Substanz im
Menschen. Darum besinnet euch, ihr hoffärtigen, ihr geizigen, ihr neidigen,
ihr zornigen, ihr lästerischen, ihr hurischen, ihr diebischen, ihr
wucherischen Menschen, was ihr für ein Söhnlein oder Geist in Gott schicket. 14.98. Sprichst
du: Wir schicken ihn nicht in Gott, sondern in unsern Nächsten oder in seine
Arbeit, das uns liebet. – Nun, so zeige mir einen Ort, da du deinen lüsternen
Geist hinschickest, es sei gleich ein Mensch oder Vieh oder Kleider oder
Acker oder Geld oder was genannt mag werden, da nicht Gott ist. Aus ihm ist
alles und er ist in allem, und er ist selber alles und hält und träget alles.
14.99. So
sprichst du: Er ist aber in vielen Dingen mit seinem Zorne, dieweil es also
hart und böse ist und der Gottheit nicht ähnlich. Ja, lieber Mensch, es ist
alles wahr. In Silber, Gold, Steinen, Acker, Kleidern, Tieren und Menschen,
was begreiflich ist, ist freilich überall der Zorn Gottes, sonst wäre es
nicht also hart begreiflich. 14.100. Du
sollst aber wissen, daß auch der Kern der Liebe in allem im verborgenen
Centro stecket, es sei denn gar zu böse, das gefället dem Menschen auch
nicht. Oder meinest du, daß du recht tust, daß du dich in Gottes Zorn badest?
Sieh zu, daß es dir nicht Leib und Seele anzündet und du ewig darinnen
brennest wie Luzifer! 14.101. Wenn
aber Gott das Verborgene am Ende dieser Zeit wird hervorbringen, so wirst du
wohl sehen, wo Gottes Liebe oder Zorn gewesen ist. Darum schaue zu und hüte
dich und wende deine Augen vom Bösen oder du verderbest dich. 14.10. Ich
nehme Himmel und Erden zum Zeugen, daß ich allhie verrichtet habe, wie mir
Gott offenbarer hat, das sein Wille sei! 14.10. Also
hat König Luzifer in seinem Corpus das süße Wasser in eine saure Schärfe
verwandelt, in willens, hiemit in der ganzen Gottheit in seinem Übermut zu regieren.
Er hats auch so weit gebracht, daß er in dieser Welt mit derselben Schärfe
allen Kreaturen ins Herze greift, sowohl in Laub und Gras und in alles, als
ein König und Fürste dieser Welt. 14.10. So
nun nicht die göttliche Liebe noch in der ganzen Natur dieser Welt wäre und
wir armen Menschen und Kreaturen nicht den Held im Streit bei uns hätten, so
müßten wir in einem Augenblicke alle in dem höllischen Greuel verderben. 14.10. Darum
singen wir wohl recht: "Mitten wir im Leben sind / Mit dem Tod umfangen.
/ Wo sollen wir den fliehen ihn / Daß wir Gnad erlangen? / Zu dir, Herr
Christ, alleine." 106.
Da ist nun der Held im Streit, zu dem wir fliehen müssen, welcher ist unser
König Jesus Christus. Der hat in sich des Vaters Liebe und streitet in göttlicher
Macht und Gewalt wider den angezündeten höllischen Greuel. 14.10. Zu
dem müssen wir fliehen und der erhält die Liebe Gottes in dieser Welt in
allem, sonst wäre es verloren: Nur hoffe, wart und beit / Es ist noch eine
kleine Zeit, / Bis Teufels Reich darniederleit. 14.10. Ihr
Philosophi und Juristen, die ihr aus Gott einen Teufel macht und saget, er,
wolle das Böse. Allhie leget abermal eure Antwort ein, ob ihrs Recht könnt
erhalten? Wo nicht, so soll der saure Geist im Luzifer auch kondemnieret
werdet als ein Verderber und Feind Gottes und alles seines himmlischen
Heeres. 15.1. Der dritte Geist
in Gott ist der bittere Geist, welcher im Blitze des Lebens entstehet. Denn
der Blitz des Lebens gehet im süßen Wasser durch Reibung der herben und
hitzigen Qualität auf. Der Corpus des Blitzes aber bleibet im süßen Wasser
als ein Licht oder Herze fein sanft bestehen, und der Blitz ist ganz
zitternd, und vom Schrack und Feuer und Wasser und herben Geist wird er
bitter durch Ursprung des Wassers, darinnen er aufgehet. 15.2. Derselbe Blitz
oder wütende Schrack oder bittere Geist wird in der herben Qualität gefangen
und im klaren Lichte in dem herben Geiste glorifizieret und hoch
freudenreich. Der ist nun die Beweglichkeit oder die Wurzel des Lebens, die
in der herben Qualität Wort bildet oder scheidlich machet, daß im Corpus ein
Gedanken oder Willen entstehet. 15.3. Nun derselbe hoch
triumphierende und Freudengeist wird in dem göttlichen Salitter ganz löblich
und wohl zur Bildung gebraucht. Denn er wallet vornehmlich im Ton und in der
Liebe, und ist dem Herzen Gottes in der Geburt zunähest und mit ihm in der
Freude verbunden, welcher denn auch selber der Quell der Freuden oder das
Aufsteigen im Herzen Gottes ist. 15.4. Und ist hie kein
Unterscheid als nur dieser, wie Leib und Seele im Menschen: Der Leib bedeutet
die sieben Quellgeister des Vaters und die Seele bedeutet den eingebornen
Sohn Gottes des Vaters. 15.5. Gleichwie der
Leib die Seele gebäret, also gebären auch die sieben Geister Gottes den Sohn.
Und gleichwie die Seele ein Sonderliches ist, wenn sie geboren ist und ist
doch mit dem Leibe verbunden und kann ohne den Leib nicht bestehen, also ist
auch der Sohn Gottes, wenn er geboren ist, ein Sonderliches und kann doch
ohne den Vater nicht bestehen. 15.6. Nun merke: Eben
auf eine solche Art war auch die bittere Qualität im Luzifer und hatte keine
Ursache zu ihrer Erhebung und auch keinen Trieb von etwas, sondern sie folgte
dem stolzen Hochmut der herben Qualität als dem Vater, und vermeinte auch,
sie wollte in ihrer Species über die ganze Gottheit herrschen, und zündete
sich in ihrer Erhebung an. 15.7. Als sie nun den
animalischen Geist im Corpus half gebären, so ward derselbe Geist in dieser
Species ein grimmiger, stachlichter, wütender, angezündeter, gallenbitter und
reißender Geist, ein recht Qualität des höllischen Feuers, ein ganz grimmig
und feindlich Wesen. 15.8. Wenn nun dieser
Geist in dem animalischen Geiste aus dem Herzen Luzifers und seiner Legionen
in die Gottheit spekulierte, so war es nicht anders als ein Reißen, Brechen,
Stechen, Morden und Giftbrennen. Davon saget Christus: Der Teufel ist ein
Lügner und Mörder von Anfang und ist in der Wahrheit nie bestanden, Joh 8,44.
15.9. Luzifer meinete
aber, er wollte hiemit über Gott sein, es könnte niemand also ganz
erschrecklich herrschen und regieren als er; es sollte sich alles vor ihm
beugen, er wollte mit seinem Geist in der ganzen Gottheit als ein König über
alles mit Gewalt herrschen. Weil er der Schönste war, so wollte er auch der
Mächtigste sein. 15.10. Er
sah und wußte aber wohl das sanfte und demütige Wesen in Gott seinem Vater.
Dazu wußte er auch wohl, daß es von Ewigkeit war in solcher Sanftmut
gestanden und daß er auch in solcher göttlichen Sanftmut gebären sollte als
ein lieber und gehorsamer Sohn. 15.11. Weil
er aber jetzo also schön und herrlich war gebildet als ein König in der
Natur, so stach ihn seine schöne Gestalt und vermeinete: Ich bin nun in Gott
und aus Gott formieret; wer will mir obsiegen oder wer will mich verändern?
Ich will selber Herr sein und mit meiner Schärfe in allem herrschen, und mein
Corpus soll das Bild sein, denn das ganze Revier ist mein; ich bin allein
Gott, und kein anderer. 15.12. Und
schlug sich in seiner Hoffart selber mit Finsternis und Blindheit und machte
sich zum Teufel; der muß er auch sein und bleiben ewiglich. 15.13. Wenn
nun diese bösen, teufelischen Geister im Salitter Gottes - verstehe: das
Zentrum der Gebärerin – walleten und darinnen spekulierten, so war allda
nichts als Stechen, Brennen, Morden und Rauben und eitel Widerwillen, denn
das Herze Gottes wollte die Liebe und Sanftmut. So wollte Luzifer dieselbe
mit Gewalt in eine Wüterei verkehren. 15.14. Da
war nichts denn Feindschaft und Widerwillen. Er zündete mit Gewalt den
Salitter Gottes an, der von Ewigkeit hatte geruhet und in seiner Sanftmut
gestanden. 15.15. Von
dieser Anzündung in diesem Revier heißt sich nun Gott einen zornigen,
eiferigen Gott über die, so ihn hassen, Ex 20,5; Deut 5,9; das ist: über die,
so seinen Zorn und Grimm noch sehrer anzünden mit ihrem teufelischen
Geistern, mit Fluchen, Lästern und aller Grimmigkeit, die im Herzen steckt,
mit Hoffart, Geiz, Neid, Zorn; das alles, was in dir ist, wirfst du in Gott. 15.16. Sprichst
du: Wie kann das sein? Wenn du deine Augen auftust und siehest das Wesen
Gottes, so stichst du als wie mit Dornen in das Wesen Gottes und bewegest den
Zorn Gottes. Wenn der Ton in deinen Ohren schaltet, daß du ihn aus dem Wesen
Gottes auffängest, so infizierest du ihn, als ob du Donnerschläge drein
würfest. 15.17. Denke,
was du mit der Nasen und mit dem Maule tust, da dein liebes neugebornes
Söhnlein mit deiner Rede rausfähret als ein Söhnlein aller sieben Geister, ob
der nicht im Salitter Gottes stürmete, wie Luzifer tat? Oh, es ist hierinnen
gar kein Unterscheid. 15.18. Dagegen
spricht Gott: Ich bin ein barmherziger Gott über die, so mich lieben; denen
will ich wohl tun in tausend Glied, Ex 20,6; Deut 5,10. 15.19. Hie
merke auf: Das sind diejenigen, die gegen das angezündete Zornfeuer mit ihrer
Liebe, Sanftmut und emsigen Anzündungen der Liebe, mit ihrem Gebet das
Zornfeuer löschen und der angezündeten Grimmigkeit entgegendringen. 15.20. Da
ist freilich manch harter Stoß, denn das angezündete Zornfeuer Gottes stößt
manchmal auf sie, daß sie nicht wissen, wo zu bleiben. Es liegen Zentnerberge
auf ihnen; das liebe Kreuz drücket und ist schwer. 15.21. Aber
das ist ihr Trost und starker Helm wider die Grimmigkeit und das angezündete Feuer,
wie der königliche Prophet David saget: Dem Frommen gehet das Licht auf in
der Finsternis, Ps 112,4. 15.22. Eben
in diesem Streit wider den Zorn Gottes und die angezündete Grimmigkeit des
Teufels und aller gottlosen Menschen gehet dem Frommen das Licht in seinem
Herzen auf und umfänget ihn die freundliche Liebe Gottes, auf daß er in
seinem Kreuz nicht verzaget und ferner wider den Zorn und Grimm stürmet. 15.23. Wenn
nicht noch je und allewege etliche fromme Menschen auf Erden wären, die den
Zorn Gottes löscheten mit ihrem Gegensatze, so hätte sich das höllische Feuer
längst angezündet. So würdest du wohl sehen, wo die Hölle wäre, welche du
jetzo nicht glaubest. 15.24. Aber
dies saget der Geist: Alsbald die Grimmigkeit den Gegensatz der Liebe in dieser
Welt überwindet, so zündet sich das Feuer an und ist fürbaß mehr keine Zeit
in dieser Welt. 15.25. Daß
aber die Grimmigkeit jetzo schrecklich brenne, darf allhie keines Beweises,
denn es ist am Tage. Siehe, es gehet noch ein kleines Feuer im Gegensatz
wider den Zorn auf, aus Gottes sonderbarlichen Liebezwang; wenn dies auch
schwach wird, so ist das Ende dieser Zeit. 15.26. Ob
aber Luzifer Recht habe, daß er die Grimmigkeit im Salitter Gottes erwecket
hat, davon diese Welt also stachlicht, dornicht, felsicht, neidig und falsch
ist sollen die Advokaten und Vertreter Luzifers allhie auch verantworten, wo
nicht, so soll dieser dritte, bitter, stachlichte Geist auch kondemnieret
werden. Von
der vierten Species oder Gestalt der Sünden Anfang im Luzifer
15.27. Der
vierte Geist Gottes ist die Hitze, die wird zwischen der bittern und herben
Qualität geboren und wird im süßen Wasser empfangen, dazu scheinend und
leuchtend, und ist der rechte Quellbrunn des Lebens. Denn im süßen Wasser
wird sie ganz sanft, davon die Liebe entstehet, und ist nur ein lieblich
Wärmen und kein Feuer. Und obs gleich im verborgenen Kern des Feuers Qualität
oder Ursprung ist, so ist doch dasselbe Feuer nicht angezündet, denn es wird
im süßen Wasser geboren. Wo nun Wasser ist, da ist nicht Feuer, sondern ein
lieblich Wärmen und sanft Qualifizieren. Wenn aber das Wasser vertrocknete,
so würde Feuer, das da brennete. 15.28. Also
dachte Herr Luzifer auch. Er wollte sein Feuer anzünden, so könnte er im
Eifer mit Gewalt in der göttlichen Kraft herrschen. Er dachte aber, es sollte
ewig brennen und auch leuchten. Sein Vorhaben war nicht, daß er wollte das
Licht auslöschen, sondern es sollte im Feuer brennen. Er vermeinete, er
wollte das Wasser vertrocken, so würde das Licht im brennenden Feuer schweben.
Er wußte aber nicht, wenn er das vertrockente Wasser anzündete, daß sich der
Kern, das ist das Öl oder Herze des Wassers, würde verzehren und würde aus
dem Licht eine Finsternis werden und aus dem Wasser ein saurer Gestank. 15.29. Denn
das Öl oder das Fett im Wasser wird durch die Sanftmut oder Wohltun geboren,
und dasselbe Fett ists, darinnen das Licht scheinend wird. So aber das Fett
verbrannt ist, so wird aus dem Wasser ein saurer Gestank und dazu ganz
finster. 15.30. Also
gings der Hoffart auch. Er triumphierte eine kleine Weile mit seinem
angezündeten Licht. Als aber sein Licht verbrannte, so ward er ein schwarzer
Teufel. Er vermeinete aber er wollte ewig also im brennenden Lichte in der
ganzen göttlichen Kraft herrschen als ein ganz erschrecklicher Gott, und rang
also mit seinem Feuergeiste mit dem Salitter Gottes, in willens, das ganze
Revier seines Königreichs anzuzünden. Und hat auch freilich was getan, indem
er die göttlichen Kräfte hat brennend gemacht, welches sich noch an Sonne und
Sternen beweiset. Auch so zündet sich oft das Feuer im Salitter in den
Elementen an, daß man vermeinet, die Tiefe brenne, davon ich an seinem Orte
handeln will. 15.31. Nun
in dieser Qualität hat ihm König Luzifer recht das höllische Bad zugerichtet.
Er darf nicht sagen, daß ihm Gott habe die höllische Qualität erbauet und
zugerichtet, sondern er selber. Dazu hat er die Gottheit beleidiget und aus
den Kräften Gottes ein höllisch Bad gemacht, ihm zu seiner ewigen Behausung. 15.32. Denn
als er und alle seine Engel in ihren Körpern den Quellgeist des Feuers
anzündeten, so brannte das Fett im süßen Wasser und ward aus dem Blitz oder
Schracke, welcher in der Geburt des Lichts grimmig aufgehet, ein Wüten und
Reißen, Brennen und Stechen und ein ganz widerwillig Wesen. 15.33. Aus
dem Leben ward allda in dieser Qualität ein Stachel des Todes. Denn durch die
Hitze ward die bittere Qualität also grimmig, stechend, wütend und brennend,
als wäre der ganze Leib lauter Feuerstacheln worden. Die riß und wütete nun
in der herben Qualität, als ob man mit feurigen Pfriemen durch den Corpus
steche. 15.34. Dagegen
wütete und tobete nun das kalte Feuer der herben Qualität wider die Hitze und
wider die bittere Gift als wie ein groß Aufruhr, und war nun fürbaß in diesem
Corpus Luzifers nichts denn Morden, Rauben, Brennen und Stechen, ein ganz
erschrecklich höllisch Feuer. 15.35. Dieser
Feuergeist und rechter Teufelsgeist erhub sich nun auch im Centro des Herzens
und wollte durch den animalischen Geist in der ganzen göttlichen Kraft herrschen
und den ganzen Salitter Gottes anzünden als ein neuer und gewaltiger Gott.
Die Formen und himmlischen Bildungen sollten in erschrecklicher Feuerqualität
aufgehen und sich nach dieser Grimmigkeit bilden lassen. 15.36. Wenn
ich nun allhie von dem animalischen Geist schreibe, so mußt du auch ganz
eigentlich wissen, was er sei oder wo er sei, sonst wirst du diese Geburt
vergebens lesen, und wird dir gehen wie den weisen Heiden, die da stiegen bis
vor Gottes Antlitz und konnten dasselbe nicht sehen. 15.37. Der
Seelengeist ist gar viel subtiler und unbegreiflicher als der Corpus oder die
sieben Quellgeister, welche den Corpus halten und bilden; denn er gehet von
den sieben Geistern aus, gleichwie Gott der Hl. Geist vom Vater und Sohne. 15.38. Die
sieben Quellgeister haben ihren zusammenkorporierten Leib aus der Natur, das
ist aus dem siebenten Naturgeist in der göttlichen Kraft, welches ich in
diesem Buche den Salitter Gottes heiße oder die Begreiflichkeit, darinnen die
himmlischen Figuren aufgehen. Das ist ein Geist wie alle sieben Geister, denn
die göttliche Kraft gebäret sich in der Begreiflichkeit des siebenten
Naturgeistes gleichwie verborgen, den Kreaturen unbegreiflich. 15.39. Der
animalische oder Seelengeist aber gebäret sich im Herzen aus den sieben
Quellgeistern nach Art und Weise wie der Sohn Gottes geboren wird, und behält
im Herzen seinen Sitz, und gehet von demselben Sitz aus in die göttliche
Kraft wie der Hl. Geist vom Vater und Sohne, denn er hat auch eine solche
Subtiligkeit-- wie Gott der Hl. Geist, und inqualieret mit dem Gott dem Hl.
Geist. 15.40. Wenn
der animalische Geist aus dem Corpus ausgehet, so ist er mit der verborgenen
Gottheit ein Ding, und ist mit in der Bildung eines Dinges in der Natur wie
Gott der Hl. Geist selber. Dessen hast du ein Exempel: Wenn ein Zimmermann
will ein künstlich Haus bauen oder sonst ein ander Handwerker ein künstlich
Werk machen, so können es nicht zuvorhin die Hände machen, welche bedeuten
die Natur, sondern die sieben Geister sind die ersten Bauleute dran und der
animalische Geist weiset den sieben Geistern die Form. Alsdann bilden es die
sieben Geister und machen es begreiflich; alsdenn arbeiten erst die Hände
nach dem Bilde, denn du mußt ein Werk zuvorhin in Sinn bringen, willst du es
machen. 15.41. Denn
die Seele begreift den höchsten Sinn. Sie siehet, was Gott, ihr Vater, macht
und arbeitet mit in der himmlischen Formung. Darum zirkelt sie den
Naturgeistern ein Model für, wie sie sollen ein Ding bilden. Und nach dieser
Fürbildung der Seelen werden alle Dinge in dieser Welt gemacht. Denn die
verderbte Seele arbeitet immer, daß sie möchte himmlische Formen bilden, aber
sie kann nicht, denn sie hat zu ihrer Arbeit und Werk nur irdischen,
verderbten Salitter, ja eine halbtote Natur, darinnen sie nicht kann
himmlische Figuren bilden. 15.42. Bei
diesem kannst du verstehen, was die Geister der verstoßenen Engel für eine
große Macht in der himmlischen Natur haben gehabt und wie es eine Substanz
mag um die Verderbung sein, wie sie die Natur im Himmel in ihrem Loco haben
verderbet und verwüstet mit ihrer greulichen Anzündung, davon der
schreckliche Grimm, welcher in dieser Welt herrschet, ist entstanden. 15.43. Denn
die angezündete Natur brennet noch immerdar bis an jüngsten Tag, und dieser
angezündete Feuerquell ist eine ewige Feindschaft wider Gott. Ob aber dieser
angezündete Feuergeist Recht habe, und daß ihn Gott selber angezündet hat,
davon das Zornfeuer entstanden ist, sollen die Gnadenwähler auch verantworten
und in der Natur beweisen; wo nicht, so soll dieser Feuergeist auch
kondemnieret werden. Von
der fünften Species oder Gestalt der Sünden Anfang im Luzifer und seinen
Engeln
15.44. Der fünfte Quellgeist in
der göttlichen Kraft ist die holdselige Liebe. Die ist der rechte Anblick der
Sanftmut und Demut, die wird auch im Blitz des Lebens geboren. Wenn der Blitz
als ein Schrack geschwinde durchdringet, dadurch die Freude entstehet, so
bleibet der Stock des angezündeten Lichts im süßen Wasser bestehen und
dringet fein sanft dem Blitze nach durch das Feuer bis in die herbe Qualität,
und sänftiget das Feuer, und macht die herbe Qualität fein linde und weich,
welches auch eine Geburt des Wassers ist. 15.45. Wenn
aber das Feuer den linden, süßen und weichen Schmack schmecket, sänftiget
sichs und formieret sich in ein sanft Wärmen ganz lieblich, und geht gar ein
freundlich Leben im Feuer auf und durchdringet mit dieser lieben sanften
Wärme die herbe Qualität und stillet das kalte Feuer, und macht das Harte
weich und das Dicke dünne und das Finstere licht. 15.46. Wenn
aber der bittere Blitz mit samt dem herben und Feuergeiste diese Sanftmut
kostet, so ist allda nichts denn eitel Sehnen, Begehren und Erfüllen, gar ein
sanftes und liebliches Kosen, Ringen, Küssen und Liebe-Geburt. Denn aller
Quellgeister strenge Geburten werden in diesem Durchdringen ganz sanft,
lieblich, demütig und freundlich, und besteht recht die Gottheit hierinnen. 15.47. Denn
in den ersten vier Quellgeistern stehet die göttliche Geburt. Darum müssen
sie auch ganz strenge sein, wiewohl sie auch ihre sanfte Mutter, das Wasser,
unter sich haben. Und in dem fünften stehet die holdselige Liebe und in dem
sechsten die Freude und in dem siebenten die Formung oder Begreiflichkeit. 15.48. Nun
wohl her, Luzifer, mit deiner Liebe, wie hast du dich gehalten? Ist deine
Liebe auch ein solcher Quellbrunn? Wir wollen sie jetzt auch besehen, welch
ein lieber Engel du bist worden. 15.49. Merke:
So sich Luzifer nicht hätte erhoben und angezündet, so wäre sein Quellbrunn
der Liebe nicht anders als in Gott, denn es war kein ander Salitter in ihm
als in Gott. 15.50. Als
er sich aber erhub, in willens, mit seinem animalischen Geiste die ganze
Gottheit zu regieren, so war der Stock und Herze des Lichts, welches der Kern
der Liebe im süßen Wasser ist, ein grimmig und nachdringend Feuerquell, davon
in dem ganzen Corpus gar ein zitternd, brennend Regiment und Geburt entstund.
15.51. Wenn
nun der animalische Geist in dieser strengen und herben Feuersgeburt geboren
war, so drang er ganz grimmig aus dem Corpus in die Natur oder Salitter
Gottes und zerstörete die holdselige Liebe in dem Salitter. Denn er drang
ganz grimmig und feurig als ein Wüterich durch alles, und meinete, er wäre
allein Gott. Er wollte mit der Schärfe herrschen. 15.52. Von
diesen ist nun entstanden der große Widerwillen und ewige Feindschaft
zwischen Gott und dem Luzifer. Denn die Kraft Gottes wallet ganz sanft,
lieblich und freundlich, daß man auch ihre Geburt nicht begreifen kann. Und
die Geister Luzifers wallen und reißen ganz herbe, feurig und geschwind
wallend. 15.53. Dieses
hast du ein Exempel an dem angezündeten Salitter der Sternen, welche von
diesem angezündeten Grimme sich müssen mit der Eitelkeit also geschwind
rumwälzen bis an den jüngsten Tag. Dann wird die Grimmigkeit von ihnen
geschieden und dem König Luzifer zu einem ewigen Hause gegeben. 15.54. Daß
aber dies ein großer Widerwillen in Gott sei, darf keines Beweisens, sondern
ein Mensch mag denken, ob ihm ein solcher grimmiger Feuerquell im Leibe
entstünde, was Widerwillen und Unlust haben würde, und wie gar oft der ganze
Leib würde ergrimmet werden. 15.55. Welches
denn freilich denen geschieht, welche den Teufel zur Herberge einnehmen. Aber
weil er Gast ist, so liegt er stille wie ein zahm Hündlein. Aber wenn er Wirt
wird, so stürmet er das Haus, wie er dem Leibe Gottes täte. 15.56. Darum
ist nun das Zornfeuer Gottes noch in dem Leibe Gottes dieser Welt bis ans
Ende und wird manche Kreatur im Zornfeuer verschlungen, davon gar viel zu
schreiben wäre, aber es gehört an seinen gebührenden Ort. 15.57. Ob
nun Gott diese Feindschaft und grimmen Feuerquell im Luzifer habe selber also
geschaffen und angezündet? Das sollen die Vorsehungs- und Gnadenwähler
verantworten und in der Natur beweisen; wo nicht, so soll dieser verderbte
Feuerquell, welcher anstatt der Liebe stehet, auch kondemnieret werden. Von
der sechsten Species oder Gestalt der Sünden Anfang im Luzifer und seinen
Engeln
15.58. Der
sechste Quellgeist in der göttlichen Kraft ist der Marcurius oder Ton,
darinnen der Unterscheid und die himmlische Freude aufgehet. Dieser Geist
nimmt seinen Ursprung im Feuerblitz, das ist: in der bittern Qualität, und
steiget im Blitz durch das süße Wasser, darinnen sänftiget er sich, daß er
helle wird, und in der herben Qualität wird er gefangen, da rüget er alle
Geister. Von diesem Rügen steiget auf der Ton, im Blitz stehet sein
aufsteigender Quell und im süßen Wasser in der Liebe sein Leib oder Wurzel. 15.59. Nun
dieser Ton ist die göttliche Freudenreich, das Triumphieren, darinnen das
göttliche und sanfte Liebe-Spiel in Gott aufgehet, dazu die Formen, Bildungen
und allerlei Figuren. 15.60. Du
sollst aber allhie wissen, daß diese Qualität ganz sanft und lieblich mit
ihrem Regen durch alle Geister dringet, auf Art und Weise wie in eines
Menschen Herzen ein lieblich und sanft Freudenfeuer aufgehet, darinnen der
animalische Geist triumphieret, als wäre er im Himmel. 15.61. Nun
dieser Geist gehöret auch nicht zur Bildung des Corpus, sondern zum
Unterscheid und zur Beweglichkeit, sonderlich zur Freuden und zum Unterscheid
in der Bildung. 15.62. Wenn
der animalische Geist im Centro des Herzens inmitten der sieben Quellgeister
geboren ist, daß der Wille der sieben Geister zusammenkorporieret ist, so
führt ihn der Ton zum Corpus heraus, und ist sein Wagen, daraus der Geist
fähret und exequieret dasjenige, was im Rate der sieben Geister beschlossen
ist. 15.63. Denn
der Ton fähret durch den animalischen Geist in die Natur Gottes oder in den
Salitter des siebenten Quellgeistes in der göttlichen Kraft, welches seine
anfängliche Mutter ist, und inquallieret mit derselben in der Formung und
auch im Unterscheide der Bildung. 15.64. Darum,
da König Luzifer sein hochmütiges Rößlein im Ton in eine feurige Rügung in
allen sieben Geistern verwandelte, war es ein schrecklich Widerwillen im
Salitter Gottes. 15.65. Denn
als sein animalischer Geist in seinem Corpus geboren war, so stach er aus
seinem Corpus in den Salitter Gottes wie eine feurige Schlange aus einem
Loche. Wenn sich aber der Mund auftat zur Rede, das ist: wenn die sieben
Geister das Wort in ihrem Willen zusammenkorporieret hatten und durch den Ton
in den Salitter Gottes schicketen, so war es anders nicht, als wenn ein
feuriger Donnerkeil in die Natur Gottes führe oder eine grimmige Schlange,
die da wütet und tobet, als wollte sie die Natur zertrennen. 15.66. Daher
nimmts auch seinen Ursprung, daß man den Teufel, die alte Schlange heißt,
Apok 12,9, und auch daß Nattern und Schlangen in dieser verderbten Welt sind,
dazu allerlei Ungeziefer von Würmern, Kröten, Fliegen, Läusen und Flöhen, und
alles, was da ist; auch so nimmt das Wetterleuchten, Donnern, Blitzen und
Hageln von diesem seinen Ursprung in dieser Welt. 15.67. Merke:
Wenn der Ton in der göttlichen Natur aufsteiget, so steiget er fein sanft aus
allen sieben Quellgeistern zugleich auf und gebäret das Wort oder die Figuren
sanft. 15.68. Das
ist, wenn ein Quellgeist einen Willen schöpfet zur Geburt, so dringet er fein
sanft durch die andern Quellgeister bis ins Centrum des Herzens, da wird der
Wille nach allen Geistern geformet und approbieret. 15.69. Und
alldenn sprechen ihn die andern sechs Geister im Ton aus Gottes animalischem
Geiste aus, verstehe: aus Gottes Herzen, aus dem Sohn Gottes, welcher im
mittlern Centro bleibet als ein zusammengefasset und korporieret Wort stehen.
15.70. Und
der Blitz aus demselben Wort oder das Regen des Worts, welcher ist der Ton,
fähret vom Wort fein sanft aus und verrichtet den Willen des Worts. Und
derselbe Ausgang vom Wort ist der Hl. Geist, der formet und bildet alles, was
im Centro des Herzens im Rat der sieben Geister Gottes des Vaters beschlossen
ist. 15.71. Auf
eine solche sanfte Art und Weise sollte König Luzifer auch gebären,
qualifizieren und nach der Gottheit Recht mit seinem animalischen Geist im
Salitter oder in der Natur Gottes helfen bilden, als ein lieber Sohn in der
Natur. 15.72. Gleichwie
ein Sohn im Hause dem Vater hilft, sein Werk treiben nach des Vaters Art und
Kunst, also sollte auch Luzifer mit seinen Engeln in dem großen Hause Gottes
des Vaters nach Art und Weise Gottes mit seinem animalischen Geiste alle
Formen und Gewächse im Salitter Gottes helfen bilden. 15.73. Denn
der ganze Salitter sollte sein ein Lusthaus der engelischen Körper, und
sollte alles nach ihres Geistes Lust aufgehen und sich bilden, damit sie
nimmer und ewig keine Unlust an irgend einer Figur oder Kreatur hätten,
sondern ihr animalischer Geist sollte mit in aller Bildung sein, und der
Salitter sollte der Kreaturen Eigentum sein. 15.74. So
sie nur wären in ihrer sanftmütigen Geburt nach göttlichem Rechte blieben, so
wäre alles ihr eigen gewesen, und wäre ihr Wille immer und ewig erfüllet
worden, und wäre nichts denn eitel Liebe-Freude bei ihnen und in ihnen
gewesen, irdisch zu reden: gleichwie ein ewig Lachen und sich immer Freuen in
ewiger Herzenslust. 15.75. Denn
Gott und die Kreaturen wären ein Herze und Willen gewesen. 15.76. Als
sich aber Luzifer erhub und zündet seine Quellgeister an, so fuhr der
animalische Geist im Ton aus allen Körpern der Engel Luzifers aus in den Salitter
Gottes als eine feurige Schlange oder Drache, und bildete allerlei giftige
und feurige Formen und Bildnisse, gleich den wilden und bösen Tieren. 15.77. Und
daher haben die wilden und bösen Tiere in dieser Welt ihren Ursprung, denn
das Heer Luzifers hat den Salitter der Sternen und der Erden angezündet und
halb getötet und verderbet. 15.78. Denn
als Gott nach dem Fall Luzifers die Schöpfung dieser Welt verrichtet, so ward
alles aus demselben Salitter geschaffen, darinne Luzifer gesessen war. So
mußten auch hernach die Kreaturen in dieser Welt aus demselben Salitter
geschaffen werden. Die formierten sich nun nach der angezündeten Qualitäten
Art, bös und gut. 15.79. Welch
Tier nun des Feuers oder der bittern oder herben Qualität am stärkesten im
Marcurio war, das ward auch ein bitter, herbe, hitzig und grimmig Tier, alles
nachdem eine Qualität Primus in einem Tier war. 15.80. Dieses
setze ich dir allhie zu einer Anleitung hieher: Bei der Schöpfung dieser Welt
wirst du es ausführlich und beweislich finden. 15.81. Ob
nun dieser feurige Ton und Drachengeist im Luzifer und seinen Engeln recht
sei und ob ihn Gott also geschaffen habe, das sollen die Advokaten Luzifers,
die aus Gott einen Teufel machen, allhie auch verantworten und das in der
Natur beweisen, ob Gott ein Gott sei, der das Böse wolle und geschaffen habe.
15.82. Wo
nicht, so soll dieser Geist auch zur ewigen Gefängnis kondemnieret werden,
und sie mögen von ihren Lügen und Gotteslästerung abstehen, sonst sind sie
ärger als die wilden Heiden, die von Gott nichts wissen, welche doch auch in
Gott leben und vielen solchen Gotteslästerern werden zuvor das Himmelreich
besitzen, welches ich an seinem Orte auch erklären will. 16.1. Allhie magst du deine
Augen recht auftun, denn du wirst die
verborgenen Dinge sehen, die allen Menschen von der Welt her sind verborgen
gewesen, denn du wirst sehen die Mordgruben des Teufels und die grausamen
Sünden, Feindschaft und Verderbung. 16.2. Der Teufel hat
den Menschen die Zauberei gelehret, damit sein Reich zu stärken. Ja, hätte er
dem Menschen das rechte Fundament offenbaret, was drunter steckt, es sollte
es wohl mancher haben lassen bleiben. 16.3. Wohlher, ihr
Gaukler und Zauberer, die ihr mit dem Teufel buhlet, kommt auf meine Schule,
ich will euch weisen, wie ihr mit eurer Nigromantia oder Kunst in die Hölle
fahret. Ihr kitzelt euch damit, daß euch der Teufel untertänig ist, und
meinet, ihr seid Götter. Allhie will ich der Nigromantiae Urkund beschreiben,
denn ich bin auch ein Naturkündiger worden; aber nicht auf eure Art, sondern
eure Schande aufzudecken durch göttliche Offenbarung, der letzten Welt zur
Nachrichtung und zu einem Urteil ihrer Wissenschaft, denn das Gerichte folget
über die Wissenschaft. 16.4. Weil denn der
Bogen der Grimmigkeit schon gespannet ist, so mag sich ein jeder wohl
vorsehen, daß er nicht im Zielmaß befunden werde, denn die Zeit ist
vorhanden, vom Schlafe aufzuwachen. 16.5. Nun die siebente
Gestalt oder der siebente Geist in der göttlichen Kraft ist die Natur oder
der Ausgang aus den andern sechsen. Denn die herbe Qualität zeucht den
Salitter oder das Gewirke aller sechs Geister zusammen, gleichwie ein Magnet
des Eisens Salitter an sich zeucht, und wenn es nun zusammengezogen ist, so
ists eine Begreiflichkeit, in welcher die sechs Geister Gottes
unbegreiflicherweise qualifizieren. 16.6. Dieser siebente
Geist hat eine Farbe und Art wie alle Geister, denn er ist aller Geister
Leib, darinnen sie sich gebären als in einem Corpus; auch so werden aus
diesem Geiste alle Figuren und Formen gebildet; dazu sind auch die Engel
daraus geschaffen, und stehet alle Natürlichkeit darinnen. 16.7. Und wird dieser
Geist von allen sechs immer geboren, und bestehet immerdar, und vergehet
keinmal. Hinwieder gebäret er immer wieder die sechs, denn die andern sechs
sind in diesem siebenten als wie in einer Mutter umschlossen, und nehmen ihre
Nahrung, Stärke und Kraft immer in ihrer Mutter Leibe. 16.8. Denn der siebente
ist der Leib und die andern sechs sind das Leben; und im mittlern Centro ist
das Herze des Lichts, welches die sieben Geister als ein Licht des Lebens
immer gebären, und dasselbe Licht ist der Sohn. Und die wallende
Beweglichkeit oder Durchdringung durch alle Geister empöret sich im Herzen im
Aufgang des Lichts. 16.9. Und das ist der
Geist aller sieben Geister, welcher aus dem Herzen Gottes gehet, der da in
dem siebenten alles formet und bildet und darinnen sich die Quellgeister mit
ihrem Liebe-Ringen in unendlich erzeigen. 16.10. Denn
die Gottheit ist gleichwie ein Rad, das sich mit seinen Felgen und Speichen
und mitsamt der Naben umwendet, und das ineinander gefelget ist als wie
sieben Räder, daß es kann ohne Umwendung vor sich und hinter sich, sowohl
über sich, unter sich und neben sich gehen. 16.11. Da
man immer die Gestalt aller sieben Räder und die einige Nabe inmitten in
allen sieben Rädern recht siehet und doch nicht verstehen kann, wie das Rad
gemacht ist, sondern man wundert sich immer ob dem Rade, indem sichs immer
wunderlicher erzeiget mit seinem Aufsteigen, und bleibet doch auch nur an
seiner Stelle. 16.12. Auf
eine solche Art wird die Gottheit immer geboren und vergehet doch auch
keinmal, und auf eine solche Art wird das Leben in Engeln und Menschen auch
immer geboren. 16.13. Aber
nach dem Bewegen der sieben Geister Gottes werden die Figuren und Kreaturen
der Vergänglichkeit formieret und nicht also geboren. Ob sich wohl die Geburt
aller sieben Geister darinnen erzeiget, so stehet ihre Qualität doch nur
allein in dem siebenten Naturgeist, welchen die andern sechs nach ihrer
Qualität verändern. Darum werden auch die Figuren und vergänglichen Formen
und Kreaturen verändert nach Art des siebenten Naturgeistes, in welchem sie
aufgehen. 16.14. Die
Engel aber sind nicht allein aus dem siebenten Naturgeist gebildet wie die
vergänglichen Kreaturen, sondern da sich die Gottheit zur Schöpfung der Engel
bewegete, da ward in jedem Zirkel, da ein jeder Engel zusainmenkorporieret
ward, die Gottheit mit ihrer ganzen Substanz und Wesen zusammenkorporieret,
und ward ein Leib draus und blieb doch auch die Gottheit in ihrem Sede wie
vorhin. 16.15. Verstehe
dies recht: Der Leib des Engels oder die Begreiflichkeit ist aus dem
siebenten Geiste, und die Geburt in demselben Leibe sind die sechs
Quellgeister, und der Geist oder das Herze, den die sechs Geister im mittlern
Centro des Leibes gebären, darinnen das Licht aufgehet und aus dem Licht der
animalische Geist, welcher auch außerhalb des Corpus mit der Gottheit inqualieret,
das bedeut das Herze Gottes, aus welchem der Hl. Geist ausgehet. Und es ist
auch aus dem Herzen Gottes in den Leib des Engels in der ersten
Zusammenkorporierung mit einqualieret worden. Darum gebäret sich nun des
Engels Regiment im Gemüte wie die Gottheit. 16.16. Und
gleichwie in dem siebenten Naturgeist Gottes, welcher aus den andern sechs
entstehet, nicht die ganze vollkömmliche Erkenntnis der andern sechs Geister
stehet – denn er kann ihre tiefe Geburt nicht erforschen, indem sie sein
Vater sind und ihn aus sich gebären – also stehet auch nicht die ganze
vollkömmliche Erkenntnis Gottes in dem englischen Leibe, sondern in dem
Geiste, welcher im Herzen geboren wird, welcher von dem Lichte ausgehet, der
mit dem Herzen und Geiste Gottes inqualieret, darinnen stehet die
vollkömmliche Erkenntnis Gottes. Aber der Leib kann denselben animalischen
Geist nicht ergreifen, wie auch der siebente Naturgeist nicht die tiefeste
Geburt Gottes. 16.17. Denn
wenn der siebente Naturgeist geboren wird, so wird er von der herben Qualität
getrocknet und als wie vom Vater gehalten, und kann nicht wieder zurücke in
die Tiefe, das ist, in das Zentrum des Herzens, wo der Sohn geboren wird und
daraus der Hl. Geist ausgehet, sondern muß als ein geborner Leib stillehalten
und die Quelladern, das ist, die Geister in sich lassen qualifizieren und
arbeiten nach ihrem Gefallen. Denn er ist der sechs Geister Haus oder
Eigentum, das sie immer bauen nach ihrem Gefallen, oder wie ein Lustgarten,
darein der Hausvater allerlei Früchte säet nach seinem Gefallen und des
genießt. 16.18. Also
bauen die andern sechs Geister immer diesen Lustgarten und säen ihre Frucht
drein und genießen derselben zu Stärkung ihrer Macht und Freuden. Und das ist
der Garten, da die Engel innen wohnen und spazieren gehen und darinnen die
himmlische Frucht wächset. 16.19. Die
wunderliche Proporz aber, so sich in Gewächsen und Figuren in diesem Garten
erzeiget, die entstehet durch die Qualifizierung und durch das Liebe-Ringen
der andern Geister. Denn welcher Primus wird in dem Kampfe, der bildet die
Gewächse nach seiner Art. Dazu helfen die andern immerdar, bald ist es einer
an einem Orte, bald der ander, bald der dritte und so fort. 16.20. Darum
gehen auch so mancherlei Gewächse und Figuren auf, welches der leiblichen
Vernunft der Engel ganz unerforschlich und unbegreiflich ist, aber der
animalischen Vernunft des Engels ganz vollkömmlich begreiflich. 16.21. Solches
ist meinem Leibe auch ganz verborgen, aber meinem animalischen Geiste nicht.
Solange er mit Gott inqualieret, so begreift ers; wenn er aber in Sünden
fället, so wird ihm die Tür verriegelt, welche ihm der Teufel zuriegelt; die
muß durch große Arbeit des Geistes wieder aufgemacht werden. 16.22. Ich
weiß wohl, daß der Zorn des Teufels dieser Offenbarung in vieler gottlosen
Herzen wird spotten, denn er schämet sich sehr ob dieser Offenbarung. Er hat
meiner Seelen auch manchen Druck hiemit gegeben, aber ich laß es den walten,
der es also haben will, ich kann ihm nicht widerstehen. Und sollte gleich
mein irdischer Leib damit zugrunde gehen, so wird mich doch mein Gott in
meiner Erkenntnis glorifizieren. 16.23. Dieser
meiner Erkenntnis Glorifizierung begehre ich auch und keiner andern. Denn ich
weiß, so dieser Geist in meinem neuen Leibe, welchen ich am Tage meiner
Auferstehung aus diesem meinem jetzigen verderbten Leibe bekommen werde,
aufgehen wird, daß er wird der Gottheit ähnlich sehen, dazu den heiligen
Engeln. 16.24. Denn
das triumphierende Freudenlicht in meinem Geiste zeiget mirs gnugsam an,
darinnen ich auch bis in die Tiefe der Gottheit habe geforschet, und dieselbe
nach meinen Gaben und Trieb des Geistes recht beschrieben, obwohl in großer
Ohnmacht und Schwachheit, indem mir meine angebornen und wirklichen Sünden
haben oft die Tür verriegelt und der Teufel davor getanzet als ein hurisch
Weib und sich meiner Gefängnis und Angst gefreuet, so wirds ihm doch wenig
Nutz zu seinem Reiche bringen. 16.25. Darum
habe ich nur nichts als seinen grimmen Zorn zu gewarten. Aber meine
Zuversicht ist der Held im Streit, der mich oft von seinen Banden erlöset
hat. In dem will ich mit ihm fechten bis auf meine Vonhinnenfahrt. Von
der erscbrecklichen, kläglichen und elenden Verderbung des Luzifer in dem
siebenten Naturgeist - Das Trauerhaus des Todes
16.26. Wenn
alle Bäume Schreiber wären und alle Aste Schreibfedern und alle Berge Bücher
und alle Wasser Tinten, so könnten sie den Jammer und Elend nicht genugsam
beschreiben, den Luzifer mit seinen Engeln in seinen Locum bracht hat. 16.27. Denn
er hat aus dem Hause des Lichts ein Haus der Finsternis gemacht und aus dem
Hause der Freuden ein Trauerhaus, aus dem Hause der Lust und Erquickung ein
Haus des Dursts und Hungers, aus dem Hause der Liebe eine ewige Feindschaft,
aus dem Hause der Sanftmut ein ewig Pochen, Donnern und Blitzen, aus dem
Hause des Friedens ein ewig Jammer- und Heulehaus, aus dem Hause des Lachens
ein ewig Zittern- und Schreckenhaus, aus der Geburt des Lichts und Wohltuns
eine ewige höllische Pein, aus den Speisen der Lieblichkeit einen ewigen
Greuel und Gestank, einen Ekel vor aller Frucht, aus dem Hause der Libanon
und Zedern ein steinicht, felsicht und Feuerhaus, aus dem süßen Geruch einen
Stank, ein Haus des Wustes und Zerstörung, ein Ende alles Guten, aus dem
göttlichen Leibe einen schwarzen, finstern, kalten, hitzigen, in sich
fressenden und doch nicht verzehrenden Teufel, der da ist eine Feindschaft
wider Gott und seine Engel und alles Himmelsheer wider ihn. 16.28. Nun
merke: Es haben die Gelehrten viel Disputierends, Fragens und Nachdenkens
gehabt von der grimmigen Bosheit in allen Kreaturen, sowohl an Sonne und
Sternen in dieser Welt, desgleichen sind etliche sogar giftige böse Tiere,
Würmer und Gewächse in dieser Welt, darum sich die Vernünftigen billig
gewundert haben, und haben etliche entschlossen, Gott müsse ja das Böse auch
wollen, dieweil er so viel Böses geschaffen habe; etliche haben dem Fall des
Menschen die Schuld gegeben, etliche der Wirkung des Teufels. 16.29. Dieweil
aber alle Kreaturen und Gewächse sind vor der Zeit des Menschen geschaffen
worden, so darfst du dem Menschen nicht die Schuld geben, denn der Mensch hat
nicht der Tiefe Leib in seiner Schöpfung kriegt, sondern ist ihm in seinem
Fall erst so worden. Auch so hat der Mensch nicht die Bosheit und Gift in der
Tiefe, Vögel, Würmer und Steine bracht, denn er hatte nicht derselben Leib,
sonst wo er den Grimm in alle Kreaturen bracht hätte, so hätte er bei Gott
ewig keine Gnade gehabt wie die Teufel. Der arme Mensch ist nicht aus seinem
vorsätzlichen Willen gefallen, sondern durch des Teufels infizierte Gift,
sonst wäre ihm kein Rat gewesen. 16.30. Nun,
diese rechte Unterweisung wirst du allhie folgend beschrieben finden, nicht
aus Eifer, jemanden hiermit zu schmähen, sondern aus Liebe und zu demütiger
Unterweisung aus dem Abgrunde meines Geistes und zu gewissem Trost dem armen,
kranken alten Adam, der jetzt an seiner letzten Vonhinnenfahrt lieget. 16.31. Denn
wir sind in Christo alle ein Leib. Darum wollte auch dieser Geist herzlich
gerne, daß seine Mitglieder möchten mit einem Trunke des edlen Weines Gottes
vor ihrer Hinfahrt gelabet werden, damit den großen Streit des Teufels zu
bestehen und den Sieg zu erhalten, damit der Sieg des Teufels in dieser jetzt
vollen Welt möchte zerstöret und der große Name des Herrn geheiliget werden. 16.32. Nun
siehe: Als König Luzifer mit seinen Engeln also herrlich, schön und göttlich
erschaffen worden war als ein Cherub und König in Gott, so ließ er sich seine
Gestalt betören, indem er sah, was für ein edler, schöner und herrlicher
Geist in ihm aufging. Da meineten seine sieben Quellgeister, sie wollten sich
erheben und anzünden, so würden sie auch also schöne, herrlich und mächtig
sein wie der animalische Geist, damit wollten sie in dem ganzen Revier mit
eigener Kraft und Gewalt herrschen als ein neuer Gott. 16.33. Sie
sahen wohl, daß der animalische Geist mit dem Herzen Gottes inqualierete.
Darum war das ihr Beschluß, daß sie sich wollten erheben und anzünden, in
Hoffnung also klar, tief und allmächtig zu sein, als der tiefeste Grund im
Centro des Herzens Gottes. 16.34. Denn
sie vermeineten, den natürlichen Leib, der aus dem Naturgeiste Gottes war
zusammenkorporieret, in die verborgene Geburt Gottes zu erheben, daß ihre
sieben Quellgeister möchten also hoch sein und also allbegreiflich wie der animalische
Geist. Und der animalische Geist sollte über das Zentrum des Herzens Gottes
triumphieren, und sollte ihm das Herze Gottes untertänig sein. Und die sieben
Geister wollten mit ihrem animalischen Geiste alles bilden und formieren. 16.35. Und
dieser Hochmut und eigener Wille war gänzlich wider die Geburt Gottes. Denn
der Leib des Engels sollte in seinem Sede bleiben und eine Natur sein und als
eine demütige Mutter stille halten und nicht die Allwissenheit und eigene
vernünftige Begreiflichkeit des Herzens oder der tiefesten Geburt der Hl.
Dreifaltigkeit haben, sondern die sieben Geister sollten sich in ihrem
natürlichen Leibe gebären wie in Gott. 16.36. Und
ihre Begreiflichkeit sollte nicht im verborgenen Kern oder in der
innerlichsten Geburt Gottes sein, sondern der animalische Geist, welchen sie
in ihrem Centro des Herzens gebaren, der sollte mit der innerlichsten Geburt
Gottes inqualieren und alle Figuren helfen formieren und bilden nach der
sieben Geister Lust und Willen, damit in der göttlichen Pomp alles ein Herz
und Willen wäre. 16.37. Denn
also ist die Geburt Gottes auch. Der siebente Naturgeist greift nicht zurücke
in seinen Vater, der ihn gebäret, sondern hält als ein Leib stille und läßt
des Vaters Willen, welcher ist die andern sechs Geister, in sich formen und
bilden, wie sie wollen. 16.38. Auch
so greift kein Geist besonders mit seinem körperlichen Wesen nach dem Herzen
Gottes, sondern er schleußt seinen Willen mit den andern ins Zentrum zur
Geburt des Herzens, daß also das Herze und die sieben Geister Gottes ein
Willen sind. 16.39. Denn
das ist der Begreiflichkeit Gesetze, daß sie sich nicht in die
Unbegreiflichkeit erhebe, denn die Kraft, welche im Centro oder inmitten
zusammenkorporieret wird aus allen sieben Geistern, die ist unbegreiflich und
unerforschlich, aber nicht unsichtlich, denn es ist nicht eines Geistes Kraft
allein, sondern aller sieben. 16.40. So
kann nun ein Geist in seinem eignen Corpus, außer seiner instehenden Geburt,
nicht in das ganze Herze Gottes greifen und alles approbieren und forschen,
denn er begreift außer seiner instehenden Geburt nur seine eigene Geburt im
Herzen Gottes, aber alle sieben Geister zugleich begreifen das ganze Herze
Gottes. 16.41. Aber
in der anstehenden Geburt der Geister, da einer den andern immer gebäret, da
begreift ein jeder Geist alle sieben Geister, aber nur im aufgehenden Blitze
des Lebens. 16.42. Das
Herze aber ist nun ein sonderliches, wenn es geboren ist, eine sonderliche
Person, und doch nicht von den Geistern abgetrennet, aber die Geister können
sich in ihrer ersten Geburt nicht in die andere verwandeln. 16.43. Auch
so kann sich die andere nicht in die dritte verwandeln, welches ist der
Ausgang des Geistes, sondern eine jede Geburt bleibet in ihrem Sede, und sind
alle Geburten zusammen doch nur der einige Gott. 16.44. Weil
aber der Leib Luzifers aus der Natur und äußerlichsten Geburt geschaffen war,
so war es ja ganz unrecht, daß er sich in die innerlichste und tiefste erhub,
welches er doch im göttlichen Recht nicht tun konnte, sondern er mußte sich
erheben und anzünden, damit die Quellgeister in das schärfste Durchdringen
und Infizieren gesetzet würden. 16.45. Ich
meine ja, du schöner Nigromanticus, du hast dich wohl verwandelt. Du magst
die Menschen billig auch deine Kunst lehren, ob sie vielleicht möchten auch
so gewaltige Götter werden, wie du bist worden. 16.46. Ihr
blinden und hoffärtigen nigromatischen Gaukler, hierinnen steckt eure Kunst.
Ihr verwandelt die Elementa eures Leibes durch eure Coniurationes und
Instrumenta der Qualitäten, die ihr dazu brauchet, und meinet, ihr habt Recht
hiemit. Ists aber nicht wider die Geburt Gottes, so beweiset das! 16.47. Wie
vermeinet ihr wohl, daß ihr euch könnet verwandeln in eine andere
Gestalt? Ihr lasset euch den Teufel also äffen und seid doch in der
Kunst blind. Und ob ihr sie noch so wohl gelernet hättet, so wisset ihr doch
den Zweck darinnen nicht, denn das Herze darinnen ist die Verwandlung der
Quellgeister, wie Herr Luzifer tat, da er wollte Gott sein. 16.48. Sprichst
du nun, wie kann das sein? Siehe, wenn die körperlichen Quellgeister
ihren Willen in die Zauberei setzen, so ist der animalische Geist, den sie
gebären und der in der Sternen und Elementen Qualität im verborgenen und
tiefsten Centro herrschet, schon ein Zauberer und hat sich in die Zauberei
verwandelt. 16.49. Der
tierische Leib aber kann nicht bald hernach, sondern muß durch Characteres
und Coniurationes und etliche dazu dienliche Instrumente verzaubert werden,
damit der animalische Geist den tierischen Leib unsichtbar machet und in die
Gestalt verwandelt, wie der Quellgeister anfänglicher Wille war. 16.50. Das
tierische Fleisch kann sich wohl nicht verwandeln oder in eine andere Geburt
setzen, sondern es wird in eine geringe und dünne Forma bracht, gleich einem
Tier oder Holz und dergleichen, das seinen Leib in den Elementen
qualifizierend hat. 16.51. Aber
die siderischen Geister können sich in eine andere Gestalt verkleiden, aber
auch nur so lange, als ihnen die Geburt der Natur über ihrem Polo zulässet.
Denn wenn sich die mit ihrem Umwenden und Durchdringen verändert, daß ein
Quellgeist Primus wird, so liegt ihre Kunst danieder und hat ihre Gottheit in
dem ersten Quellgeiste, in welchem sie ihre Kunst haben angefangen, ein Ende.
16.52. Soll
sie nun länger bestehen, so muß sie aufs neue nach dem jetzt regierenden
Quellgeiste gemacht werden oder muß der Teufel mit seinem animalischen Geiste
in den siderischen Geistern des Körpers sein, der ihn flugs anders
verwandelt, sonst hat seine Kunst allhie ein Ende. Denn die Natur lässet
nicht alle Stunden mit sich gaukeln, wie die Geister wollen, sondern es muß
alles nach dem Geiste geschehen, welcher dazumalen Primus ist. 16.53. Nicht
macht derselbe Geist Gottes, welcher in der Natur Primus ist, die Gaukelei,
sondern es wird in der Grimmigkeit des Salitters, welche Herr Luzifer mit
seiner Erhebung hat angezünder, welches sein ewiges Königreich ist, gemacht. 16.54. Wenn
sich aber die Macht desselben Geistes leget, so kann das angezündete Feuer
dem Gaukler auch nicht mehr dienen. Denn das Zornfeuer in der Natur ist nicht
in dieser jetzigen Zeit des Teufels eigen Gewalthaus, sintemal die Liebe im
Centro des Zornfeuers verborgen stehet und Luzifer mit seinen Engeln im
äußerlichen Zornfeuer gefangen lieget bis in das Gerichte Gottes, da wird er
das Zornfeuer abteilig von der Liebe zum ewigen Bade bekommen und wird ohne
Zweifel seinen Gauklern das Haupt mit waschen. 16.55. Dieses
setze ich dir nur zu einer Warnung hieher, damit du wissest, was die Zauberei
für einen Grund hat, nicht dergestalt, daß ich wollte heidnische Zauberei
schreiben, ich habe sie auch nicht gelernet, sondern der animalische Geist
siehet ihre Gaukelei, welche ich im Leibe nicht verstehe. 16.56. Dieweil
sie aber ganz und gar wider die Liebe und Sanftmut der Geburt Gottes laufet
und ist ein Widerwillen in der Liebe Gottes, dem Menschen ohne dazu dringend
große Not verderblich zu tun, so will der Geist den Gauklern und Veränderern
der Ordnung Gottes das Zornbad der Natur zu einer ewigen Abtrocknung bescheiden
haben, da mögen sie ihre neue Gottheit inne beweisen. Von
der Anzündung des Zornfeuers
16.57. Als
sich nun König Luzifer mit allen seinen Engeln anzündete, so ging das
Zornfeuer augenblicklich im Corpus auf und verlosch das holdselige Licht in
dem animalischen Geiste und ward ein grimmiger Teufelsgeist; alles nach der
Anzündung und Willen der Quellgeister. 16.58. Nun
dieser animalische Geist war nun mit der Gottheit in der Natur verbunden und
konnte mit derselben inqualieren, als wäre es ein Ding. Der stach nun aus den
Corpussen der Teufel in die Natur Gottes als ein Mörder und Dieb, der da
begehrte, alles zu ermorden und zu rauben und unter seine Gewalt zu bringen,
und zündet alle sieben Geister in der Natur an. Da war nichts denn ein herbe,
bitter, feurig und krachend, brennend Reißen und Toben. 16.59. Nicht
sollst du denken, daß der Teufel habe die Gottheit also mächtig überwunden.
Nein, sondern er hat den Zorn Gottes angezündet, welcher wohl in Ewigkeit
hatte im Verborgenen geruhet, und hat aus dem Salitter Gottes eine Mordgruben
gemacht, denn wenn man Feuer ins Stroh stecket, so brennet es. Nicht ist aus
Gott darum ein Teufel worden. 16.60. Auch
so reicht das Zornfeuer Gottes in der Natur nicht bis auf den innersten Kern
des Herzens, welcher ist der Sohn Gottes, vielweniger in die verborgene
Heiligkeit des Geistes, sondern bis in die Geburt der sechs Quellgeister, in
den Locum, wo der siebente geboren wird. 16.61. Denn
an dem Orte oder in dieser Geburt ist Herr Luzifer zu einer Kreatur worden,
und reichte seine Herrschaft nicht tiefer. So er aber wäre in der Liebe
blieben, so hätte sein animalischer Geist gereicht bis ins Centrum des
Herzens Gottes, denn die Liebe dringet durch die ganze Gottheit. 16.62. Als
aber seine Liebe verlosch, so konnte der animalische Geist nicht mehr in das
Herze Gottes und war sein Führnehmen vergeblich, sondern er wütete und tobete
in der Natur, das ist: in dem siebenten Quellgeiste Gottes. 16.63. Weil
aber die Kraft aller sieben Geister in diesem stund, so wurden sie auch alle
sieben im Zorn angesteckt, aber nur in der äußerlichen und begreiflichen
Qualifizierung. Denn das Herze konnte der Teufel nicht berühren, so konnte er
auch die innerste Geburt der Quellgeister nicht berühren, denn seine
Herrlichkeit der sieben Geister war im ersten Blitz des Anzündens schon
erstorben und alsbald im ersten Ausgang des animalischen Geistes gefangen
gehalten. 16.64. In
dieser Stunde hat ihm König Luzifer die Hölle und ewige Verderbung selber
zugerichtet. Die stehet nun in dem äußersten Quellgeiste der Natur Gottes
oder in der äußersten Geburt dieser Welt. 16.65. Als
sich aber die Natur also erschrecklich anzündete, so ward aus dem Hause der
Freuden ein Haus der Trübsal, denn die herbe Qualität ward angezündet in
ihrem eignen Hause. Die war nun ein ganz hart, kalt und finster Wesen gleich
dem kalten und harten Winter. Die zog nun den Salitter zusammen und
vertrocknete ihn, daß er ganz rauh, kalt und scharf ward gleich den Steinen.
Darinen ward die Hitze gefangen und mitsammengezogen und in ein hart, kalt,
finster Wesen formieret. 16.66. Als
dieses geschah, so verlosch auch das Licht in der Natur in der äußersten
Geburt, und ward alles ganz finster und verderbet. Das Wasser ward ganz kalt
und dicke und hielt sich etwan in den Klüften. Da ist der Ursprung des
elementischen Wassers auf Erden. 16.67. Denn
vor den Zeiten der Welt ist das Wasser ganz dünne gleich der Luft gewesen;
dazu ist das Leben darinnen geboren worden, welches jetzo also tödlich und
verderblich ist und also walzet und läuft. 16.68. Aus
der holdseligen Liebe, welche im Blitz des Lebens aufging, ward eine grimmige
und bittere Gift, eine rechte Mordgrube, ein Stachel des Todes; aus dem Ton
ward ein hart Pochen der Steine, ein Haus des Elends. 16.69. In
Summa: Es war alles ein ganz finster und elend Wesen in dem ganzen Revier, in
der äußersten Geburt des Königreiches Luzifers. 16.70. Du
mußt aber nicht denken, daß die Natur sei bis auf den innersten Grund also
verderbet und angezündet worden, sondern nur die äußerste Geburt. Die
innerliche aber, in welcher sich die sieben Quellgeister gebären, behielt
sein Recht für sich, dieweil der angezündete Teufel nicht konnte
hineingreifen. 16.71. Nun
aber hat die innerliche Geburt die Wurfschaufel in der Hand und wird einmal
ihre Tennen fegen und die Spreu dem Reiche Luzifers zu einer ewigen Speise
geben. Denn so der Teufel hätte können in die innerste Geburt greifen, so
wäre alsbald aus dem ganzen Revier seines Königreichs die angezündet
brennende Hölle worden. 16.72. Aber
also muß er als ein Gefangener in der äußersten Geburt bis an jüngsten Tag
gefangen liegen, welcher nunmehr vorhanden ist und gar nahe zu gewarten. 16.73. Luzifer
aber hat seine Quellgeister bis in die innerste Geburt angezündet, und
gebären seine Quellgeister nun einen animalischen Teufelsgeist, der ein
ewiger Feind Gottes ist. 16.74. Denn
da sich Gott in seiner äußersten Geburt in der Natur erzürnete, so war es
nicht sein vorsätzlicher Wille, daß er sich wollte anzünden. Er hats auch
nicht getan, sondern er hat den Salitter zusammengezogen und dem Teufel
hiemit eine ewige Herberge zugerichtet. 16.75. Denn
außer Gott kann er nicht gestoßen werden in ein ander Königreich der Engel,
sondern es muß ihm ein Locus zur Behausung bleiben. So wollte er ihm den
angezündeten Salitter auch nicht alsbald zur ewigen Behausung geben, denn die
innerliche Geburt der Geister stund noch darinnen verborgen. Denn Gott hatte
ein anders im Sinne hiemit zu tun; und sollte König Luzifer ein Gefangener
bleiben, bis ein ander englisch Heer aus demselben Salitter an seine Stelle
würde, welches sind die Menschen. 16.76. Nun
wohlher, ihr Juristen Luzifers, allhie verantwortet euren König, ob er Recht
habe; wo nicht, so soll er ewig darinnen brennen und eure Lügen wider die
Wahrheit mit ihm. 16.77. Das
sind also die sieben Species oder Gestalten der Sünden Anfang und ewiger
Feindschaft wider Gott. 16.78. Nun
folget mit Kürze von den vier neuen Söhnchen Luzifers, die er in seinem
körperlichen Regiment in sich geboren hat, darum er ist aus seinem Loco
gestoßen und der greuliche Teufel worden. Von
der Hoffart, dem ersten Sohn
16.79. Nun
fraget sichs: Was hat denn den Luzifer dazu beweget, daß er wollte über Gott
sein? Allhie sollst du wissen, daß er außer ihm gar keinen Trieb hat
gehabt zu seiner Hoffart, sondern seine Schönheit betrog ihn, da er sah, daß
er der schöneste Fürst im Himmel war, so verachtete er das freundliche
Qualifizieren und Gebären der Gottheit, und dachte, er wollte mit seiner
fürstlichen Kraft in der ganzen Gottheit regieren, es sollte sich alles vor
ihm beugen. 16.80. Als
er aber befand, daß er solches nicht tun konnte, so zündete er sich selber
an, in willens, solches auf eine andere Weise zu tun. Da ward aus dem Sohn
des Lichts ein Sohn der Finsternis, denn er verzehrete seine süße Wasserkraft
selber und machte daraus einen sauren Gestank. Von dem anderen Sohn, dem Geize
16.81. Der
andere Wille war der Geiz, der wuchs aus der Hoffart; denn er vermeinte, er
wollte über alle engelischen Könige herrschen als einiger Gott. Vor ihm
sollte sich alles beugen. Er wollte mit seiner Kraft alles bilden, dazu
betrog ihn auch seine schöne Gestalt, daß er vermeinte, er wollte alles
allein innehaben. 16.82. Bei
dieser Hoffart und Geiz mag sich die jetzige Welt spiegeln und dem nachdenken,
wie es eine Feindschaft wider Gott ist und sie damit zum Teufel fahren und
ihren Rachen ewig müssen offen haben zu rauben und zu verschlingen, und
finden doch nichts als höllische Greuel. Der
dritte Sohn ist der Neid
16.83. Dieser
Sohn ist das rechte Podagra der jetzigen Welt, denn er nimmt seinen Ursprung
im Blitz der Hoffart und des Geizes und stehet auf der Wurzel des Lebens wie
eine stachlichte und bittere Galle. 16.84. Dieser
Geist kam auch anfänglich aus der Hoffart, denn die Hoffart dachte: Du bist
schön und mächtig. So dachte der Geiz: Es muß alles dein sein. Und der Neid
dachte: Du willst alles erstechen, das dir nicht gehorsam ist, und stach
hiermit auf die andern Porten der Engel, aber ganz vergeblich, denn seine
Macht erstreckte sich nicht weiter als in seinem Locum, daraus er geschaffen
war. Der vierte Sohn ist der Zorn
16.85. Dieser
Sohn ist das rechte brennende höllische Feuer, und nimmt seinen Ursprung auch
von der Hoffart, denn als er seiner Hoffart und Geize mit seinem
anfeindlichen Neide nicht konnte gnug tun, so zündete er das Zornfeuer in
sich an und brüllete damit in die Natur Gottes als ein grimmiger Löwe, davon
denn der Zorn Gottes aufging und alles Übel. 16.86. Davon
gar viel zu schreiben wäre. Du wirst es aber bei der Schöpfung begreiflicher
finden, denn daselbst findet man lebendige Zeugen gar gnugsam, daß also
keiner zweifeln darf, es verhalte sich nicht also. 16.87. Also
ist König Luzifer ein Anfang der Sünden und Stachel des Todes und eine
Anzündung des Zorns Gottes und Anfang alles Bösen, eine Verderbung dieser
Welt und was je Böses geschieht; da ist er der erste Ursacher dran. 16.88. Auch
so ist er ein Mörder und Vater der Lügen und Stifter der Höllen, ein
Verderber alles Guten und ein ewiger Feind Gottes und aller guten Engel und
Menschen, mit dem ich und alle Menschen, die gedenken selig zu werden, müssen
alle Tage und Stunden streiten und fechten als gegen den ärgesten Feind. Die
endliche Kondemnation
16.89. Weil
ihn aber Gott als einen ewigen Feind verflucht hat und zur ewigen Gefängnis
verurteilet, da er ihm denn sein Stundenglas nunmehr vor Augen siehet und mir
durch Gottes Geist sein höllisch Reich ist offenbar worden, also verfluche
ich ihn auch mit und neben allen heiligen Seelen der Menschen und absage ihm
als einem ewigen Feinde, der mir oft meinen Weinberg zerrissen hat. 16.90. Dazu
absage ich allen seinen Juristen und Helfern und will mit göttlichen Gnaden
hinfort sein Reich ganz offenbaren und beweisen, daß Gott ist ein Gott der
Liebe und Sanftmut, der nicht das Böse will, der auch nicht Lust und Gefallen
an jemands Verderben hat, sondern will, daß allen Menschen geholfen werde: Ps
5,5; Ez 18,23; 33,11; 1.Tim 2,4. Dazu will ich beweisen, daß alles Böse vom
Teufel herkommt und seinen Anfang von ihm nimmt. Von
dem endlichen Streite und Verstoßung des Königes Luzifer samt aller seiner
Engel
16.91. Als
sich nun der greuliche Luzifer als ein Wüter, Tober und Verderber alles Guten
also ganz erschrecklich erzeigete, als wollte er alles verderben und
anzünden, in willens, unter seine Botmäßigkeit zu bringen, so war nun alles
Himmelsheer wider ihn und er auch wider alles. Da ging nun der Streit an,
denn es stund alles ganz schrecklich gegeneinander. Und der Großfürste
Micha-El mit seinen Legionen stritt gegen ihn, und der Teufel mit seinen
Legionen siegete nicht, sondern ward aus seinem Loco getrieben als ein
Überwundener, Apok 12,8 f. 16.92. Nun
möchte einer fragen, was doch das für ein Streit gewesen sei, womit sie doch
gegeneinander gestritten haben ohne Waffen? Dies verborgene Ding
verstehet allein der Geist, welcher alle Tage und Stunden mit dem Teufel
streiten muß. Das äußerliche Fleisch kann es nicht begreifen, auch so können
es die siderischen Geister in dem Menschen nicht verstehen, und wird von dem
Menschen gar nicht begriffen, es sei denn, daß der animalische Geist mit der
innersten Geburt in der Natur inqualiere im Centro, wo das Licht Gottes des
Teufels Reich entgegengesetzt ist, das ist: in der dritten Geburt in der
Natur dieser Welt. 16.93. Wenn
er in diesem Sede mit Gott inqualieret, so bringets der animalische Geist in
die siderischen, denn die siderischen müssen in diesem Loco alle Stunden mit
dem Teufel streiten. Denn in der äußersten Geburt des Menschen hat der Teufel
Gewalt, und ist das Haus des Elends, darinnen wetzet der Teufel den Stachel
des Todes und greift durch seinen animalischen Geist dem Menschen in seiner
äußersten Geburt ins Herze hinein. 16.94. Wenn
aber die siderischen Geister von dem animalischen Geiste, welcher im Lichte
mit Gott inqualieret, erleuchtet werden, so werden sie ganz inbrünstig und
des Lichts begierig. Dagegen wird der animalische Geist des Teufels, welcher
in der äußersten Geburt im Menschen herrschet, ganz erschrecklich und zornig,
dazu ganz widerwillig. 16.95. Und
da gehet alsdann das Streitfeuer im Menschen auf, wie es im Himmel mit
Micha-El und Luzifer aufging, und muß sich die arme Seele wohl quetschen und
radebrechen lassen. 16.96. So
sie aber sieget, so bringet sie ihr Licht und Erkenntnis mit ihrem
Durchdringen bis in die äußerste Geburt des Menschen, denn sie dringet mit
Gewalt zurück durch die sieben Geister der Natur, welche ich allhie die
siderischen Geister heiße, und herrschet mit im Rate der Vernunft. 16.97. Alsdann
erkennet erst der Mensch, was der Teufel sei, wie er ihm so feindig sei und
wie groß seine Macht sei, auch wie er alle Tage und Stunden ganz verborgen
mit ihm streiten muß. 16.98. Welches
die Vernunft oder äußerliche Geburt des Menschen ohne diesen Kampf nicht
begreifen kann. Denn die dritte oder alleräußerste Geburt im Menschen,
welches die fleischliche Geburt ist und ihm der Mensch durch den ersten
Lust-Fall selber erbauet und zugerichtet hat, ist des Teufels Raubschloß und
Wohnhaus, da der Teufel als wie in einer Festung mit der Seelen streitet und
ihr manchen harten Kopfstoß gibet. 16.99. Diese
Geburt des Fleisches ist nun nicht der Seelen Wohnhaus, sondern sie fähret im
Streit mit ihrem Lichte in göttlicher Kraft hinein und streitet wider den
Mord des Teufels. Dagegen schleußt der Teufel mit seiner Gift auf die sieben
Quellgeister, welche die Seele gebären, in willens, die zu verderben und
anzuzünden, damit er den ganzen Leib zum Eigentum bekomme. 16.100. So
nun die Seele soll ihr Licht und Erkenntnis in des Menschen Gemüte bringen,
so muß sie gar hart kämpfen und streiten, und hat gar einen engen Steig
hindurch. Sie wird oft vom Teufel zu Boden geschlagen, aber sie muß stehen
als ein Rittersmann in der Schlacht. So sie nun sieget, so hat sie den Teufel
überwunden; sieget aber der Teufel, so wird die Seele gefangen. 16.101. Weil
aber die fleischliche Geburt nicht der Seelen eigen Haus ist und sie dasselbe
nicht erblich besitzen kann wie der Teufel, so währet der Kampf so lang als
das Fleischhaus währet. Wenn aber das Fleischhaus zerstöret wird und die
Seele noch in ihrem Hause unüberwunden und ungefangen frei ist, so hat der
Streit ein Ende und muß der Teufel ewig von diesem Geiste weichen. 16.102. Darum
ist dieses gar ein schwerer Artikel zu verstehen, und kann gar nicht denn nur
in diesem Kampfe verstanden werden. Wenn ich gleich viel Bücher davon
schriebe, so verstehest du doch nichts, es sei denn, daß dein Geist in
solcher Geburt stehe und daß die Erkenntnis in dir selber geboren werde,
außer dem kannst du es weder fassen noch glauben. 16.103. So
du aber dies begreifest, so verstehest du auch den Streit, welchen die Engel
mit den Teufeln gehalten haben, denn die Engel haben nicht Fleisch und Bein,
so hats der Teufel auch nicht. Denn ihre leibliche Geburt stehet nur in den
sieben Quellgeistern, aber die animalische Geburt in den Engeln, die
inqualieret mit Gott, in den Teufeln aber nicht. 16.104. Darum
sollst du hie wissen, daß die Engel mit ihrer animalischen Geburt, in welcher
sie mit Gott inqualieren, haben in Gottes Kraft und Geist wider die
angezündeten Teufel gestritten und sie aus dem Lichte Gottes ausgestoßen und
zusammengetrieben in eine Höhle, das ist: in ein enges Revier gleich einer
Gefängnis, welches ist der Ort auf und über der Erden bis an Monden, welcher
ist eine Göttin der irdischen Geburt. 16.105. Also
weit haben sie ihr Revier jetzt bis an Jüngsten Tag, alsdann werden sie ein
Haus bekommen an dem Loco, wo jetzt die Erde ist, und das wird heißen die
brennende Hölle. 16.106. Herr
Luzifer, da warte auf und laß dir diese Prophezeiung derweil gewiß sein, denn
du wirst den angezündeten Salitter in der äußersten Geburt, welche du selber
hast also zugerichtet zu eine ewigen Hause bekommen. 16.107. Aber
nicht in solcher Forma, wie er jetzt stehet, sondern es wird sich alles im angezündeten
Zornfeuer scheiden und wird dir der finstere, hitzige und kalte, rauhe,
harte, bittere, stinkichte Wust zur ewigen Herberge eingeräumt werden. 16.108. Da
sollst du ein ewiger, allmächtiger Gott innen sein, wie ein Gefangener in
einem tiefen Kerker. Da wirst du Gottes Licht ewig weder sehen noch
erreichen, und der angezündete bittere Zorn Gottes wird deine Grenze sein,
daraus du nimmer kannst. 17 - Von dem kläglichen und elenden Zustande der
verderbten Natur und Ursprung der vier Elementen anstatt der hl. Regierung
Gottes
17.1. Wiewohl Gott ein
ewiger allmächtiger Regent ist, dem niemand widerstehen kann, so hat die
Natur in ihrer Anzündung doch nun gar ein wunderlich Regiment bekommen,
welches vor den Zeiten des Zorns nicht gewesen ist. 17.2. Denn die sechs
Quellgeister haben den siebenten Naturgeist vor den Zeiten des Zorns in dem
Loco dieser Welt ganz sanft und lieblich geboren, gleichwie jetzo im Himmel
geschieht, und ist gar kein Funke des Zorns darinnen aufgangen. 17.3. Dazu ist alles
ganz licht darinnen gewesen, und hat doch keines andern Lichts darinnen
bedurft, sondern der Quellbrunn des Herzens Gottes hat alles erleuchtet und
ist ein Licht in allem gewesen, das überall unauflöslich und unaufhaltlich
hat geschienen, denn die Natur ist ganz dünne gewesen, und ist alles nur in
Kraft gestanden und ist gar eine liebliche Temperanz gewesen. 17.4. Alsbald sich aber
der Streit in der Natur mit den stolzen Teufeln hat angefangen, da hat in dem
siebenten Naturgeiste in dem Revier Luzifers, welches ist der Locus dieser
Welt, alles eine andere Gestalt und Wirkung bekommen. 17.5. Denn die Natur
kriegte einen zweifachen Quell, und ward die äußerste Geburt in der Natur im
Zornfeuer angezündet, welches Feuer man nun heißet den Zorn Gottes oder die
brennende Hölle. 17.6. Hierzu gehöret
nun der allerinnerste Sinn zum Verstande: Der Locus, wo das Licht im Herzen
geboren wird, der begreift dieses nur; der äußerliche Mensch begreift es
nicht. Siehe, als Luzifer mit seinem Heere das Zornfeuer in der Natur Gottes
erweckte, daß sich Gott in der Natur in dem Loco Luzifers erzürnete, so
kriegte die äußerste Geburt in der Natur eine andere Qualität, ganz grimmig,
herbe, kalt, hitzig, bitter und sauer. Der wallende Geist, welcher zuvorhin
in der Natur hatte fein sanft qualifizieret, der ward in seiner äußersten
Geburt ganz erheblich und schrecklich, welchen man jetzunder in der äußersten
Geburt den Wind oder das Element Luft heißet von wegen seiner Erhebung. 17.7. Denn als sich die
sieben Geister in ihrer äußersten Geburt anzündeten, so gebaren sie einen
solchen hartwallenden Geist. Auch so ward das süße Wasser, welches vor den
Zeiten des Zorns ganz dünne und unbegreiflich war, ganz dicke und erheblich,
und die herbe Qualität ward ganz scharf und kaltfeurig, denn sie kriegte eine
strenge Zusammenziehung gleich dem Salze. 17.8. Denn das
Salzwasser oder Salz, welches auch heute noch in der Erden gefunden wird, das
hat seinen Ursprung und Herkommen von der ersten Anzündung der herben
Qualität. So haben die Steine auch ihren Anfang und Herkommen davon, sowohl
auch die Erde. 17.9. Denn die herbe
Qualität zog nun den Salitter ganz herbe und strenge zusammen und
vertrocknete ihn. Davon ist die bittere Erde worden. Die Steine aber sind aus
dem Salitter, welcher diesmals in Kraft des Tones gestanden, worden. 17.10. Denn
wie die Natur mit ihrem Wirken, Ringen und Aufsteigen der Geburt in der Zeit
des Anzündens ist gestanden, also hat sich auch eine Materia zusammengezogen.
17.11. Nun
fraget sichs: Wie ist denn ein begreiflicher Sohn aus der unbegreiflichen
Mutter worden? Dessen hast du ein Gleichnis, wie die Erde und Steine aus der
Unbegreiflichkeit sind worden. 17.12. Siehe,
die Tiefe zwischen Himmel und Erden ist auch unbegreiflich. Noch gebären der
Elementen Qualitäten gleichwohl zu manchen Zeiten ein lebendig und
begreiflich Fleisch darinnen, als Heuschrecken, Fliegen und Würmer. 17.13. Das
machen der Qualitäten strenge Zusammenziehungen, in welchem zusammengezogenem
Salitter sich dann alsbald das Leben gebäret. Denn wenn die Hitze die herbe
Qualität anzündet, so gehet das Leben auf, denn die bittere Qualität beweget
sich, welche des Lebens Ursprung ist. 17.14. Also
auch in gleicher Gestalt hat die Erde und Steine ihr Herkommen. Denn als sich
der Salitter in der Natur anzündete, so ward alles ganz rauh, dicke und
finster wie ein dicker, finsterer Nebel, welche die herbe Qualität mit ihrer
Kälte vertrocknete. 17.15. Weil
aber das Licht in der äußersten Geburt verlosch, so ward die Hitze in der
Begreiflichkeit gefangen und konnte ihr Leben nicht mehr gebären. Davon ist
der Tod in die Natur kommen, daß ihr die Natur oder die verderbte Erde nicht
mehr helfen kann. Und darauf hat eine andere Schöpfung des Lichts müssen
erfolgen, sonst wäre die Erde ein ewiger unauflöslicher Tod; nun aber gebäret
sie ihre Frucht in Kraft und Anzündung des erschaffenen Lichtes. 17.16. Nun
möchte einer fragen: Wie hats denn eine Gestalt mit der zweifachen Geburt
bekommen? Ist denn Gott in der Anzündung des Zornfeuers in dem Loco
dieser Welt erloschen, daß also nichts als nur ein Zornfeuer ist? Oder
ist aus dem einigen Gott ein zweifacher Gott worden? Antwort: Dieses
kannst du nicht besser begreifen oder verstehen als nur an deinem eignen
Leibe. Der ist durch den ersten Fall Adams mit aller Geburt, Geschicklichkeit
und Willen ein solch Haus worden, wie der Locus dieser Welt ist worden. 17.17. Erstlich
hast du das tierische Fleisch, das ist durch den Lustbiß also worden, denn es
ist das Haus der Verderbung. 17.18. Als
Adam aus dem verderbeten Salitter der Erden, das ist: aus dem Samen oder
Massa, welchen der Schöpfer aus der verderbten Erden zog, gemacht ward, so
war er erstlich nicht ein solch Fleisch, sonst wäre sein Leib sterblich
geschaffen gewesen, sondern er hatte einen englischen Kraftleib, darinnen
sollte er ewig bestehen und sollte von englischer Frucht essen, welche ihm
denn auch im Paradies wuchs vor seinem Falle, ehe der Herr die Erden
verfluchte. 17.19. Weil
aber der Same oder die Massa, daraus Adam gemacht ward, mit der verderbten Sucht
des Teufels etwas infizieret war, so lüsterte Adam nach seiner Mutter, das
ist: von der Frucht der verderbten Erden zu essen, welche da in ihrer
äußerlichen Begreiflichkeit böse und im Zornfeuer also hart begreiflich war
worden. 17.20. Weil
aber Adams Geist nach seiner Frucht lüsterte, die da war wie die verderbete
Erde, so figurierte ihm auch die Natur einen solchen Baum zusammen, der da
war wie die verderbete Erde. Denn Adam war das Herz in der Natur; darum half
sein animalischer Geist auch diesen Baum bilden, davon er gerne essen wollte.
17.21. Als
aber der Teufel sah, daß die Lust in Adam war, so stach er getrost auf den
Salitter in Adam und infizierte den Salitter, daraus Adam gemacht war, noch
sehrer. 17.22. Da
war es nun Zeit, daß ihm der Schöpfer ein Weib bauete, welche hernach die
Sünde zu Werk richtete und von der falschen Frucht aß. Sonst wo Adam hätte
von dem Baum gessen, ehe das Weib aus ihm gemacht war, so wäre es noch übler
zugangen. 17.23. Weil
aber dieses gar eine hohe und tiefe Beschreibung bedarf, dazu viel Raumes
gehöret, so suche es bei dem Fall Adams, da wirst du es ausführlich
beschrieben finden. Ich wende mich jetzo zu dem vorgenommenen Gleichnis. 17.24. Als
nun Adam von der Frucht aß, die da böse und gut war, so kriegte er auch bald
einen solchen Leib. Die Frucht war verderbet und begreiflich, wie noch heute
alle Früchte auf Erden sind. Einen solchen fleischlichen und begreiflichen
Leib kriegten auch Adam und Eva zuhand. 17.25. Nun
aber ist das Fleisch nicht der ganze Mensch, denn dieses Fleisch kann die
Gottheit nicht fassen oder begreifen, sonst wäre das Fleisch nicht sterblich
und verweslich. Denn Christus saget Joh 6,63: Der Geist ist das Leben, das
Fleisch ist kein Nütze. 17.26. Denn
dieses Fleisch kann das Himmelreich nicht erben, sondern es ist nur ein Same,
der in die Erde gesäet wird, daraus wird wieder ein unbegreiflicher Leib
wachsen, wie der erste war vorm Falle. Der Geist aber ist das ewige Leben,
welcher mit Gott inqualieret und die innerliche Gottheit in der Natur
begreift. 17.27. Nun
gleichwie der Mensch ist in seinem äußerlichen Menschen verderbet und ist
nach seiner fleischlichen Geburt im Zorne Gottes und auch dazu ein Feind
Gottes, und ist doch nur ein einiger Mensch und nicht zween – dagegen ist er
in seiner geistlichen Geburt ein Kind und Erbe Gottes, der mit Gott herrschet
und lebet und mit der innersten Geburt Gottes inqualieret - also ist auch der
Locus dieser Welt nun worden. 17.28. Die
äußerliche Begreiflichkeit in der ganzen Natur dieser Welt und aller Dinge,
die darinnen sind, stehen alle im Zornfeuer Gottes. Denn es ist durch die
Anzündung der Natur also worden, und Herr Luzifer mit seinen Engeln hat seine
Wohnung auf jetzo in derselben äußerlichen Geburt, welche im Zornfeuer
stehet. 17.29. Nun
aber ist die Gottheit von der äußerlichen Geburt nicht abgeteilet, daß es auf
jetzo in dieser Welt zwei Dinge wären, sonst hätte der Mensch keine Hoffnung,
auch so stünde diese Welt nicht in der Kraft und Liebe Gottes. 17.30. Sondern
es ist die Gottheit in der äußerlichen Geburt verborgen und hat die
Wurfschaufel in der Hand und wird einmal die Spreu und den angezündeten
Salitter auf einen Haufen werfen und seine innerliche Geburt davon entziehen
und solches dem Herrn Luzifer und seinem Anhange zu einem ewigen Hause gehen.
17.31. Unterdessen
muß Herr Luzifer in der äußersten Geburt, in der Natur dieser Welt, im
angezündeten Zornfeuer gefangen liegen. Und darin hat er große Gewalt und
kann allen Kreaturen mit seinem animalischen Geiste in der äußersten Geburt,
welche im Zornfeuer stehet, ins Herze greifen. 17.32. Darum
muß die Seele des Menschen stets mit dem Teufel kämpfen und streiten, denn er
hält ihr stets die Säuäpfel des Paradieses für. Sie soll auch anbeißen, damit
er sie auch in seine Gefängnis möchte bringen. 17.33. Wenn
ihm aber das nicht will gelingen, so gibt er ihr manchen harten Kopfstoß, und
muß derselbe Mensch immer im Kreuz und Elende in dieser Welt stecken. Denn er
verdeckt das edle Senfkörnlein, daß sich der Mensch selber nicht kennet. So meinet
denn die Welt, er werde von Gott also geplaget und zerschlagen, damit ist des
Teufels Reich immer verborgen blieben. 17.34. Aber
warte, Fritz, du hast mir auch manchen Stoß gegeben; ich habe dich lernen
kennen und will dir deine Tür allhie ein wenig aufschließen, damit ein
anderer auch sehe, wer du bist. 18.1. Davon schreibt
Moses in seinem ersten Buch, als wäre er dabei gewesen und hätte es selber
gesehen. Ohne Zweifel hat ers in Schriften von seinen Vorfahren empfangen; er
mag auch wohl im Geiste etwas mehr in diesem erkannt haben als seine
Vorfahren. 18.2. Dieweil aber zu
der Zeit, da Gott Himmel und Erden geschaffen hat, noch kein Mensch gewesen
ist, der solches gesehen hat, so ist schließlich, daß Adam vor seinem Fall,
weil er noch in tiefer Erkenntnis Gottes gewesen ist, solches im Geist
erkannt hat. Als er aber gefallen und in die äußerste Geburt gesetzet ward,
solches nicht mehr erkannt hat, sondern als eine dunkele und verdeckte Geschichte
im Gedächtnis behalten und auf seine Nachkömmlinge gebracht hat. 18.3. Sintemal offenbar
ist, daß die erste Welt vor der Sündflut so wenig von den Qualitäten und
Geburt Gottes gewußt hat als eben die letzte, in welcher wir jetzt leben.
Denn die äußerste, fleischliche Geburt hat die Gottheit niemaln können
ergreifen oder verstehen, sonst würde wohl etwas mehr davon geschrieben sein.
18.4. Weil mir aber
durch göttliche Gnade in diesem hohen Artikel diese große Geheimnis in meinem
Geiste nach dem inwendigen Menschen, welcher mit der Gottheit inqualieret,
etwas offenbar ist worden, so kann ich nicht unterlassen, solches nach meinen
Gaben zu beschreiben, und will den Leser treulich ermahnet haben, sich an der
Einfalt des Autors nicht zu ärgern. 18.5. Denn ich tue es
aus keiner Begierde des Ruhms, sondern in demütiger Unterweisung dem Leser,
damit die Werke Gottes möchten dem Leser etwas besser bekannt werden und des
Teufels Reich offenbart, dieweil die jetzige Welt in aller Bosheit und
Lastern des Teufels lebet und wallet, damit sie doch sehen möchte, in was für
Kraft und Trieb sie lebet und in waserelei Herberge sie zu Gast ist. 18.6. Ob ich vielleicht
mit meinem überantworteten Pfunde möchte auch wuchern und dasselbe meinem
Gott und Schöpfer nicht einfach und leer wieder überantworten als ein fauler
Knecht, der in dem Weinberge des Herrn wäre müßig gestanden und wollte seinen
Lohn ohne Arbeit fordern. 18.7. Ob aber
vielleicht der Teufel Spötter und Verächter erwecken möchte, die da würden
sagen, es gezieme mir nicht, also hoch in die Gottheit zu steigen und
darinnen zu grübeln. Denen allen gebe ich zur Antwort, daß ich nicht in die
Gott bin gestiegen, denn mir als einem geringen Menschen solches auch nicht
möglich wäre zu tun, sondern die Gottheit ist in mich gestiegen, und ist mir
solches aus seiner Liebe offenbar, welches ich in meiner halbtoten
fleischlichen Geburt sonst wohl würde müssen bleiben lassen. 18.8. Weil ich aber den
Trieb dazu habe, so laß ichs den walten und machen, der es weiß und versteht
und der es also haben will; ich armer Staub und Erdenmensch könnte nichts
tun. 18.9. Es ladet aber der
Geist alle diese Spötter und Verächter vor die innerste Geburt Gottes in
dieser Welt, von ihrer Bosheit abzustehen, wo nicht, so sollen sie als höllische
Spreu in die äußerste Geburt, in Zorn Gottes gespeiet werden. 18.10. Nun
merke: Als nun Gott in der dritten Geburt in dem Revier Luzifers, welches da
war der ganze Ort und Raum dieser Welt, erzürnet ward, so verlosch das Licht
in der dritten Geburt, und ward alles eine Finsternis, und ward der Salitter
in der dritten Geburt alles ganz rauh, wild, kalt, hart, bitter, sauer, an
etlichen Enden stinkicht, rühricht und brüchicht, alles nach der Quellgeister
diesmal wirkenden Geburt. 18.11. Denn
an welchem Orte die herbe Qualität Primus war, da ward der Salitter
zusammengezogen und vertrocknet, daß harte, derbe Steine wurden. An denen
Orten aber, wo der herbe Geist mit dem bittern zugleich Primus gewesen, da
ist stachlichter Sand worden, denn der wütende bittere Geist hat den Salitter
zerbrochen. 18.12. An
denen Orten aber, wo der Ton mit dem herben Geiste im Wasser ist Primus
gewesen, da ist Kupfer, Eisen und dergleichen Steinerz worden. Wo aber das
Wasser ist Primus gewesen mit allen Geistern zugleich, da ist die wilde Erde
worden; und das Wasser ist etwan in Klüften gleich einer Wolken gefangen
gehalten worden, denn der herbe Geist, als der Vater der verderbten Natur,
hat es gefangen gehalten mit seiner scharfen Zusammenziehung. 18.13. Der
bittere Geist aber ist die vornehmste Ursache der schwarzen Erden, denn durch
seine grimme Bitterkeit ist der Salitter nach seiner äußersten Geburt ertötet
worden, daraus dann die wilde Erde ist worden. 18.14. Die
Hitze aber hat sonderlich in dem herben Geiste die Härtigkeit helfen machen.
Wo sie aber ist Primus gewesen, da hat sie den alleredelsten Salitter in der
Erden geboren, als Gold, Silber und die edelsten Steine. 18.15. Denn
als das scheinende Licht ist von wegen der harten, derben und rauhen Materia
verlöschen, so ist es in der Hitze, welche des Lichtes Vater ist,
mitvertrocknet und inkorporieret worden. 18.16. Doch
mußt du dies verstehen: Wo der hitzige Geist im süßenWasser in der Liebe ist
Primus gewesen, da hat der herbe Geist die Materiam zusammengezogen. So ist
das alleredelste Erz und Gesteine worden. 18.17. Anlangend
aber die köstlichen Steine, als Karfunkel, Rubin, Smaragden, Delphin, Onyx
und dergleichen, die die allerbesten sind, die haben ihren Ursprung, wo der
Blitz des Lichts in der Liebe aufgangen ist. Denn derselbe Blitz wird in der
Sanftmut geboren, und ist das Herze im Centro der Quellgeister; darum sind
dieselben Steine auch sanft, kräftig und lieblich. 18.18. Es
möchte einer sagen, warum doch der Mensch in dieser Welt das Gold, Silber und
Edelgesteine vor allem andern Dinge liebet und solches zur Wehr oder Schutz
seines Leibes gebrauchet? Hierinnen steckt der Kern, denn das Gold, Silber,
Edelgesteine und alles lichte Erz hat seinen Ursprung vom Lichte, welches vor
den Zeiten des Zorns in der äußersten Geburt in der Natur, das ist in dem
siebenten Naturgeiste geschienen hat. 18.19. Weil
denn ein jeder Mensch ist wie das ganze Haus dieser Welt, so lieben auch
seine Quellgeister den Kern oder das allerbeste in der verderbten Natur, und
brauchen das zu ihrem Schutz und Wehr. 18.20. Den
innersten Kern aber, welcher ist die Gottheit, können sie nirgend begreifen,
denn das Zornfeuer liegt davor wie eine starke Mauer, und muß diese Mauer mit
hartem Sturme zersprenget werden, wollen die siderischen Geister hineingehen.
Dem animalischen aber stehet die Tür offen, denn er wird von nichts
abgehalten und ist gleichwie Gott in seiner innersten Geburt. 18.21. Nun
möchte einer fragen: Wie soll ich mich denn in die dreifache Geburt in der
Natur verstehen? – Die Tiefe: Siehe, die innerste und tiefeste Geburt stehet
in der Mitten und ist das Herze der Gottheit, welches aus den Quellgeistern
Gottes geboren wird. Und diese Geburt ist das Licht, welches, obs gleich aus
den Quellgeistern geboren wird, doch auch kein Quellgeist für sich allein
begreifen kann, sondern ein jeder Quellgeist begreift nur seinen instehenden
Locum in dem Lichte. Aber alle sieben Geister zugleich begreifen das ganze
Licht, denn sie sind des Lichts Vater. 18.22. Also
auch begreifen die Quellgeister des Menschen nicht gänzlich die innerste
Geburt der Gottheit, welche im Lichte stehet, sondern ein jeder Quellgeist
greift mit seiner animalischen Geburt in das Herze Gottes und inqualieret in
demselben Loco mit ihm. 18.23. Und
das ist die verborgene Geburt in der Natur, welche kein Mensch in seiner
Vernunft oder Geschicklichkeit begreifen kann, sondern die Seele des Menschen
begreifts allein, welche im Lichte Gottes stehet, aber die andern nicht. 18.24. Die
andere Geburt in der Natur sind die sieben Geister der Natur. Diese Geburt
ist verständlicher und begreiflicher, aber doch auch nur den Kindern dieser
Geheimnis. Der Bauer verstehets wohl nicht, ob ers gleich siehet, reucht,
schmeckst, höret und fühlet. Noch siehet ers an und weiß nicht, wie das Wesen
ist. 18.25. Nun
dieses sind die Geister, darinnen alle Dinge stehen im Himmel und in dieser
Welt, und daraus ist der dritte und äußerste Geist geboren, darinnen die
Verderblichkeit stehet. 18.26. Dieser
Geist aber oder diese Geburt hat sieben Species: als Herbe, Süße, Bitter,
Hitze. Diese vier gebären die Begreiflichkeit in der dritten Geburt. Der
fünfte Geist ist die Liebe, die entstehet vom Lichte des Lebens, die gebäret
die Sinnlichkeit und Vernunft. Der sechste Geist ist der Ton, der gebäret den
Schall und die Freude und ist der aufsteigende Quell durch alle Geister. 18.27. In
diesen sechsen stehet nun der Geist des Lebens und der Wille oder die
Vernunft und Gedanken aller Kreaturen, dazu alle Künste und Veränderungen,
sowohl Formungen und Bildungen alles des, was im Geiste in der
Unbegreiflichkeit stehet. 18.28. Der
siebente Geist ist die Natur, in welcher das körperliche Wesen aller sechs
Geister stehet, denn die andern sechs gebären den siebenten. In diesem Geiste
stehet das körperliche Wesen der Engel, Teufel und Menschen, und ist eine
Mutter der andern sechs Geister, in welcher sie sich gebären und in welcher
sie auch das Licht gebären, welches ist das Herze Gottes. 18.29. Von
der dritten Geburt: Nun die dritte Geburt ist die Begreiflichkeit der Natur.
Die ist vor der Zeit des Zorns ganz dünne, lieblich und helle gewesen, daß
die Quellgeister haben können durch alles sehen. Es ist darinnen weder Steine
noch Erde gewesen und hat auch kein solch geschaffen Licht bedürft wie jetzo,
sondern das Licht hat sich überall in der Mitten geboren und ist alles im
Lichte gestanden. 18.30. Als
aber König Luzifer ist geschaffen worden, so hat er in dieser dritten Geburt
den Zorn Gottes erwecket, denn der Engel Leiber sind in dieser dritten Geburt
zur Kreatur worden. 18.31. Weil
denn nun die Teufel ihre Leiber haben angezündet, in willens, damit über die
ganze Gottheit zu herrschen, so hat der Schöpfer diesen dritten Geist oder
die dritte Geburt in der Natur gefangen genommen und ihm eine ewige Herberge
darinnen zugerichtet, auf daß er nicht höher sei als der ganze Gott. 18.32. Weil
sich aber die Teufel aus Hoffart und Mutwillen haben selber angezündet, so
sind sie aus der Geburt des Lichts ganz und gar ausgestoßen worden und können
dasselbe ewiglich weder fassen noch begreifen. 18.33. Denn
das Licht ihres Herzens, welches mit dem Herzen Gottes inqualierete, haben
sie selber verlöschet und an dessen Statt einen grimmigen, hitzigen, herben,
bittern und harten stinkichten Teufelsgeist geboren. 18.34. Nun
mußt du aber nicht denken, daß darum aus der ganzen Natur oder Loco dieser
Welt sei ein eitel bitterer Zorn Gottes worden. Nein, allhie steckt der
Zweck: Der Zorn begreift nicht die innerste Geburt in der Natur, denn die
Liebe Gottes ist noch in dem ganzen Loco dieser Welt im Centro verborgen,
auch so ist das Haus, darein Herr Luzifer gehöret, noch nicht ganz
entschieden, sondern es ist in allen Dingen in dieser Welt noch Liebe und
Zorn ineinander und ringet und kämpfet immer miteinander. 18.35. Aber
die Teufel können das Ringen des Lichts nicht ergreifen, sondern nur das
Ringen des Zorns. Darinnen sind sie Scharfrichter und exequieren das Recht,
welches im Zorn Gottes gesprochen wird über alle gottlosen Menschen. 18.36. Es
darf auch kein Mensch sagen, daß er im Zornfeuer des ganzen Verderbnis
geboren sei aus Gottes Vorsatze. Nein, stehet doch die verderbte Erde nicht
im ganzen Zornfeuer Gottes, sondern nur in ihrer äußerlichen Begreiflichkeit,
in welcher sie also hart, derb und bitter ist. Dabei ein jeder wohl merken
kann, daß derselbe Gift und Grimmigkeit nicht in die Liebe Gottes gehöret, in
welcher nur eitel Sanftmut ist. 18.37. Nicht
sage ich darum, daß ein jeder Mensch heilig von Mutterleibe komme, sondern
wie der Baum ist, also ist auch seine Frucht. Nun aber ist die Schuld nicht
Gottes, ob eine Mutter ein Kind des Teufels gebäre, sondern ihre Bosheit. 18.38. So
aber ein wilder Zweig in einen süßen Acker gesetzt wird und wird mit etlichen
dazu dienenden Reisern und gutem Geschmack eingepropft, so wächst ein milder
Baum, obgleich der Zweig wild war. Denn es ist hie alles möglich, es
verwandelt sich so bald das Gute ins Böse als das Böse ins Gute. 18.39. Denn
ein jeder Mensch ist frei und ist wie ein eigener Gott, er mag sich in diesem
Leben in Zorn oder ins Licht verwandeln. Was einer für ein Kleid anzeucht,
das verkläret ist, und was der Mensch für einen Corpus in die Erde säet, ein
solcher wird auch aufwachsen, obgleich in anderer Form und Klarheit, jedoch
alles nach des Samens Qualität. 18.40. Denn
so die Erde ganz von Gott verlassen wäre, so trüge sie nimmer keine guten
Früchte, sondern eitel böse. Weil aber die Erde noch in Gottes Liebe stehet,
so wird sein Zorn nicht ewig darinnen brennen, sondern die Liebe, die
überwunden hat, wird das Zornfeuer ausspeien. 18.41. Alsdann
wird angehen die brennende Hölle, indem sich die Liebe von dem Zorn scheiden
wird. In dieser Welt aber ist Liebe und Zorn ineinander in allen Kreaturen,
welches in seinem Ringen obsieget, das erbet sein Haus mit Recht, es sei
gleich das Himmelreich oder Höllenreich. 18.42. Nicht
sage ich darum, daß die Tiere darum sollten in ihrer Geburt das Himmelreich
erben, denn sie sind gleich der verderbten Erden böse und gut, so sie aber
wieder in ihre Mutter, die Erde, gesäet werden, so sind sie Erden. 18.43. Es
wird aber derselbe Salitter in einem guten Tiere darum nicht dem Teufel zum
Eigentum eingeräumt werden, sondern wird im abgeschiedenen Teile ewig in der
Natur Gottes blühen und andere himmlische Figuren bringen. Aber der Salitter
des Tieres des Zorns Gottes wird in dem Zorn Gottes ewige höllische Frucht
tragen. 18.44. Denn
so die Erde angezündet wird, so brennet im Zorn das Feuer und in der Liebe
das Licht. Dann wird sich alles scheiden, denn eines wird das ander nicht
mehr können begreifen. In dieser Zeit aber hat alles einen zweifachen Quell.
Was du allhie im Geiste bauest oder säest, es sei gleich mit Worten, Werken
oder Gedanken, das wird dein ewig Haus sein. 18.45. Also
siehest und verstehest du, woraus die Erde und Steine sind worden. So aber
derselbe angezündete Salitter hätte sollen also in der ganzen Tiefe dieser
Welt bleiben, so wäre der ganze Locus ein Finstertal gewesen, denn das Licht
war in der dritten Geburt mitgefangen. 18.46. Nicht
ist darum das Licht des Herzens Gottes in seiner innersten Geburt gefangen
worden, sondern das in der dritten Geburt schien in der äußersten
Begreiflichkeit, das ward mit einkorporieret. Darum lieben die Menschen alle
Dinge, welche in demselben Salitter stehen. 18.47. Weil
aber die ganze Tiefe in der dritten Geburt gar finster war von wegen des
verderbeten Salitters der Erden und Steine, so konnte es die Gottheit nicht
also erdulden, sondern schuf die Erde und Steine zusammen auf einen Klumpen. 18.48. Davon
schreibst nun Moses: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erden, Gen 1,1. Diese
Worte muß man eigentlich betrachten, was sie sind, denn das Wort
"Am" fasset sich im Herzen und fähret bis auf die Lippen, da wird
es gefangen und gehet schallend wieder zurücke bis an seinen ausgegangenen Ort.
18.49. Das
bedeutet nun, daß der Schall von dem Herzen Gottes ist ausgegangen und hat
den ganzen Locum dieser Welt umfasset. Als er aber böse befunden worden, so
ist der Schall wieder in seinen Locum getreten. 18.50. Das
Wort "An" das stößt aus dem Herzen zum Munde aus und hat einen
langen Nachdruck. Wenn sichs aber ausspricht, so schleußt sichs mitten in
seinem Sede mit dem obern Gaumen zu, und ist halb draußen und halb drinnen. 18.51. Das
bedeutet, daß das Herze Gottes einen Ekel an der Verderbung hat gehabt und
das verderbte Wesen von sich gestoßen, aber in der Mitten beim Herzen wieder
gefasset und gehalten. 18.52. Gleichwie
die Zunge das Wort zerbricht und hält es halb draußen und halb innen, also
auch wollte das Herze Gottes nicht den angezündeten Salitter gar verwerfen,
sondern die Bosheit und Sucht des Teufels, und das andere sollte nach dieser
Zeit wieder erbauet werden. 18.53. Das
Wort "fang" fähret schnell vom Herzen zum Munde raus und wird am
hintern Orte der Zungen mit dem Gaumen gehalten, und wenn es losgelassen
wird, so tuts noch einen schnellen Druck vom Herzen zum Munde aus. 18.54. Das
bedeutet die schnelle Verstoßung des Aberaums der Teufel mit samt dem
verderbeten Salitter. Denn der starke und schnelle Geist stößet den Odem
stark von sich und behält den rechten Ton des Worts oder den Ausspruch am
hintern Gaumen bei sich, das ist: den rechten Geist des Wortes. 18.55. Das
bedeutet, daß die verderbte Grimmigkeit ewig aus dem Lichte Gottes verstoßen
ist, aber der innerliche Geist, der wider seinen Willen damit beladen ist,
wieder in sein erstes Haus soll gesetzet werden. 18.56. Der
letzte Nachdruck "ang" bedeutet, daß die innersten Geister in der
Verderbung auch nicht gar rein sind und derowegen wertlose Abraumstoffe der
Erde eine Fegung oder Verzehrung des Zornes im Feuer bedürfen, welches am
Ende dieser Zeit geschehen wird. 18.57. Das
Wort "Schuf" fasset sich über und unter der Zungen und machet die
Zähne in beiden Gaumen zusammen, und druckt sich also zusammen, und wenn es
zusammengefasset und ausgesprochen ist, so macht es das Maul schnell wie ein
Blitz wieder auf. 18.58. Das
bedeutet des herben Geistes starke Zusammentreibung des verderbten Salitters
auf einen Klumpen, denn die Zähne halten das Wort und lassen den Geist
zwischen den Zähnen durch gar langsam. Das bedeutet, daß die herbe Qualität
die Erde und Steine beisammen feste hält und lässet gleichwohl die Geister
der Erden auf dem herben Geiste grünen und blühen, welches bedeutet die
Wiedergeburt oder Wiederbringung der Geister der Erden. 18.59. Daß
aber das Maul wird nach dem Worte schnell wieder aufgemacht, bedeutet die
Tiefe über der Erden, daß Gott der Herr dennoch daselbst wohnen will und sein
Regiment für sich behalten und den Teufel als einen Gefangenen im Zornfeuer
halten. 18.60. Das
Wort "Gott" fasset sich mitten oben auf der Zungen und stößet aus
dem Herzen dahin, und lässet das Maul offen, und bleibet auf seinem
königlichen Sessel sitzen und schaltet aus sich und in sich, wenn es aber
ausgesprochen ist, so tut es noch einen Druck zwischen den oberen Zähnen und
Zungen heraus. 18.61. Das
bedeutet: Als Gott Himmel und Erden dazu alle Kreaturen geschaffen hat, daß
er gleichwohl in seinem göttlichen, ewigen, allmächtigen Sitze ist blieben
und von dem nie abgewichen, und daß er allein alles ist. Der letzte Druck
bedeutet die Schärfe seines Geistes, damit er augenblicklich alles ausrichtet
in seinem ganzen Corpus. 18.62. Das
Wort "Himmel" fasset sich im Herzen und stößet bis auf die Lippen,
da wird es verschlossen, und die Silbe "Mel" macht die Lippen
wieder auf, und wird mitten auf der Zungen gehalten, und fähret der Geist auf
beiden Seiten der Zungen aus dem Maule. 18.63. Das
bedeutet, daß die innerste Geburt vor der äußeren ist durch die greuliche
Sünde verschlossen worden, und ist der äußersten Geburt unbegreiflich. 18.64. Dieweil
es aber ein Wort mit einer zweifachen Silbe ist und die ander Silbe
"Mel" das Maul wieder aufmachet, so bedeutete, daß die Porten der
Gottheit ist wieder aufgeschlossen worden. 18.65. Daß
sichs aber mit dem Wort "Mel" auf der Zungen mit dem obern Gaumen
wieder fasset und feste hält und der Geist auf beiden Seiten daneben
ausgehet, das bedeutet, daß Gott diesem verderbten Königreiche oder Loco in
Gott wollte wieder einen König und Großfürsten geben, der die innerste Geburt
der klaren Gottheit sollte wieder aufschließen und dadurch der Hl. Geist zu
beiden Seiten, das ist, aus der innersten Tiefe des Vaters und Sohnes, sollte
wieder ausgehen in diese Welt, und sollte diese Welt durch den neuen König
wieder neugeboren werden. 18.66. Das
Wort "Und" fasset sich im Herzen und wird mit der Zungen im obern
Gaumen gefangen und zusammenkorporieret; wenn es aber loslässet, so tuts noch
einen Druck aus dem Herzen zum Munde aus, das bedeutet nun den Unterschied
zwischen der heiligen und irdischen Geburt. 18.67. Die
Silbe fährt wohl aus dem Herzen, aber sie wird mit der Zungen im obern Gaumen
gehalten, daß man nicht verstehen kann, was das für ein Wort ist. Das
bedeutet, daß die irdische und verderbte Geburt die innerste Geburt nicht
ergreifen kann, sondern sie ist eine Törin und Närrin. 18.68. Der
letzte Druck aus dem Herzen bedeutet, daß sie wohl mit der innersten Geburt
in ihrer Söhnlichkeit inqualieren werde, aber in ihrer Vernunft nicht
ergreifen. Darum ist die Silbe stumm und hat keinen Verstand und wird nur zum
Untersche,d gebrauchet. 18.69. Das
Wort "Erden" stößet vom Herzen und fasset sich am hintern Teil über
der Zungen im hintern Gaumen und zittert. Es braucht sich aber die Zunge zu
der ersten Silben "Er" nicht, sondern sie schmäuget sich in den
untern Gaumen hinein und verkreucht sich als vor einem Feinde. 18.70. Die
andere Silbe "Den" fasset sich mit der Zungen mit dem obern Gaumen
und lässet das Maul offen, und der Geist der Formung fähret zur Nasen raus
und will nicht in diesem Worte zum Munde mit raus. Und ob er gleich etwa mit
rausfähret, so fähret der rechte Klang des rechten Geistes doch nur durch den
Geruch oder die Nase heraus. 18.71. Das
ist ein groß Geheimnis: Das Wort "Er" bedeutet die angezündete
herbe und bittere Qualität, den ernsten Zorn Gottes, der zittert im hintern
Gaumen, davor fürchtet sich die Zunge und schmäuget sich im unter Gaumen und
fleucht als vor einem Feinde. 18.72. Das
Wort "Den" fasset sich wieder auf der Zungen, und der Geist zeucht
die Kraft aus dem Wort und fähret einen andern Weg damit zur Nasen raus, auch
so fähret er damit hinauf ins Hirn vor den königlichen Stuhl. 18.73. Das
bedeutet, daß der äußerste Salitter der Erden ewiglich von Gottes Licht und
Heiligkeit verworfen ist. Daß aber der Geist die Kraft des Worts fasset und
einen andern Weg durch die Nasen ins Hirn vor den Stuhl der Sinnen fährt, das
bedeutet, daß Gott will das Herze der Erden aus dem Zorn der Bosheit ziehen
und zu seinem ewigen königlichen Lobe brauchen. 18.74. (Diese Nummer fehlt im Original) 18.75. Merke:
Er will den Kern und das Beste oder den guten Geist aus der Erden ziehen und
wieder neu gebären zu seiner Ehre und Herrlichkeit. 18.76. Hie,
Mensch, besinne dich: Was du für einen Samen wirst in die Erde säen, ein
solcher wird auch aufgehen und ewig blühen und Frucht tragen, entweder in
Liebe oder im Zorne. 18.77. Wenn
aber das Gute wird von dem Bösen geschieden werden, alsdann wirst du in
deinem hie erworbenen Teile leben, es sei gleich im Himmel oder im höllischen
Feuer. Wohin du jetzt wirbest, da fähret deine Seele hin, wenn du stirbest. 18.78. Oder
meinest du, daß mein Geist dieses aus der verderbten Erden gesogen hat oder
aus einem Filzhute? Wahrlich nein, sondern der Geist hat zu dieser Zeit
meiner Beschreibung mit der tiefesten Geburt Gottes inqualieret, in dem habe
ich meine Erkenntnis genommen und daraus ist sie gesogen, nicht in großer
irdischer Freuden, sondern in ängstlicher Geburt und Trübsal. 18.79. Denn
was ich hierüber habe müssen vom Teufel und der höllischen Qualität erleiden,
welche in meinem äußerlichen Menschen sowohl herrschet als in allen Menschen,
das wirst du wohl nicht fassen, du tanzest denn auch an diesem Reihen. 18.80. Hätten
unsere Philosophi und Doctores nicht immer auf der Fiedel der Hoffart
gegeiget, sondern auf der Propheten und Apostel Geigen, es sollte wohl eine
andere Erkenntnis und Philosophia in der Welt sein. Dazu ich von wegen meiner
Schwachheit und wenig Studierens dazu wegen meiner blöden Zungen fast zu
wenig bin, aber in der Erkenntnis nicht zu einfältig. Allein ich kanns nicht
nach der tiefen Sprache und Zierlichkeit geben, aber ich lasse mir an meiner
Gabe genügen und bin ein Philosophus der Einfältigen. Von
der Schöpfung des Lichtes in dieser Welt
18.81. Allhier
tue die Augen deines Fleisches ein wenig zu, denn sie sind dir allhie nichts
nütze, dieweil sie blind und erstorben sind, und tue die Augen deines Geistes
auf, so will ich dir die Schöpfung Gottes recht zeigen. 18.82. Merke:
Als nun Gott den verderbten Salitter der Erden und Steine, welcher sich in
der äußersten Geburt durch die Anzündung geboren hatte, zusammengetrieben hat
auf einen Klumpen, so war darum die dritte Geburt in der Natur in der Tiefe
über der Erden nicht rein und helle, sintemal der Zorn Gottes noch darinnen
brennete. 18.83. Und
obgleich die innerste Geburt licht und helle war, so konnte es doch die
äußerste, welche im Zornfeuer stund, nicht begreifen, sondern sie war ganz
finster. 18.84. Denn
Moses schreibt: Und es war finster auf der Tiefe, Gen 1,2 f. Das Wort
"Auf" bedeutet die äußerste Geburt, und das Wort "In"
bedeutet die innerste Geburt. 18.85. So
aber die innerste wäre finster gewesen, so hätte der Zorn Gottes ewig in
dieser Welt geruhet und wäre ewiglich nicht lichte worden, aber also hat der
Zorn das Herze Gottes nicht berühret. 18.86. Darum
ist er ein süßer, freundlicher, gütiger, sanfter, reiner und barmherziger
Gott nach seinem Herzen in der innersten Geburt in dem Loco dieser Welt
blieben, und seine sanfte Liebe dringet aus seinem Herzen in die äußerste
Geburt des Zorns und löschet denselben. Darum sprach er: Es werde licht! 18.87. Hie
merke den Sinn in der höchsten Tiefe. Das Wort "Sprach" ist auf
Menschenweise geredet. Ihr Philosophi tut die Augen auf, ich will euch in
meiner Einfalt die Sprache Gottes lehren, als es dann sein muß. 18.88. Das
Wort "Sprach" fasset sich zwischen den Zähnen, denn die beißen sich
zusammen, und zischet der Geist durch die Zähne raus, und die Zunge beuget
sich in der Mitten und vorne spitzet sie sich, als ob sie hörete, was da
zischete, und sich fürchtete. 18.89. Wenn
aber der Geist das Wort fasset, so machet er das Maul zu und fassets am
hintern Gaumen über der Zungen in der Höhle in der bittern und herben
Qualität. 18.90. Da
erschrickt die Zunge und schmäuget sich in den untern Gaumen. Alsdann fähret
der Geist aus dem Herzen und schleußt das Wort, welches sich am hinter Gaumen
in der herben und bittern Qualität im Zorn fasset, und fähret durch die
Grimmigkeit stark und mächtig als ein König oder Fürst hervor und schleußt
das Maul auch auf, und herrschet mit starkem Geiste aus dem Herzen durch den
ganzen Mund und außerhalb des Mundes, und macht eine mächtige lange Silbe als
ein Geist, der den Zorn zerbrochen hat, gegen welchen sich der Zorn mit
seinem Kirren in der herben und bittern Qualität im hintern Gaumen in der
Höhle auf der Zungen spreuzet, und behält sein Recht für sich und bleibet an
seinem Orte sitzen, und läßt den
sanften Geist aus dem Herzen durch sich aus, und donnert mit seinem Kirren
hernach, und hilft das Wort bilden und formen, und kann aber mit seinem
Donner nicht von seinem Sede, sondern bleibet in seiner Höhle als ein
Gefangener, und erzeiget sich schrecklich. 18.91. Das
ist gar ein groß Geheimnis. Hie merke den Sinn: Begreifest du das, so
verstehest du die Gottheit recht; wo nicht, so bist du noch blind im Geiste.
Richte nicht, oder du laufest allhie wider eine starke Porten und wirst
gefangen, fängt dich das Zornfeuer, so bleibest du ewig drinnen. 18.92. Nun
siehe, du Menschenkind, was dir der Geist für eine Porten des Himmels, der
Höllen und der Erden dazu der ganzen Gottheit aufschleußt. 18.93. Du
sollst nicht denken, daß Gott zu der Zeit auf Menschenweise geredet hat, daß
es nur ein ohnmächtig Wort gleich einem Menschen gewesen sei. Des Menschen
Wort fasset sich wohl auch in solcher Form, Proporz, Qualität und
Geschicklichkeit, allein daß es der halbtote Mensch nicht verstehe; und ist
dieser Verstand gar edel und teuer, denn er wird allein in Erkenntnis des Hl.
Geistes geboren. 18.94. Gottes
Wort aber, das er dazumal in Kraft geredet hat, das hat Himmel und Erden und
aller Himmel Himmel, ja die ganze Gottheit umfasset. 18.95. Es
fasset sich aber erstlich zwischen den zusammengebissenen Zähnen und zischet.
Das bedeutet, daß der Hl. Geist ist im Anfange der Schöpfung durch die harte
verschlossene Mauer der dritten und äußersten Geburt, welche im Zornfeuer in
dieser Welt stehet, gefangen. Denn es stehet geschrieben: Und es war finster
auf der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser, Gen 1,2. 18.96. Die
Tiefe bedeutet die innerste Geburt, und die Finsternis bedeutet die äußerste
verderbte, in welcher der Zorn brannte; das Wasser bedeutet die Sänftigung
des Geistes. 18.97. Daß
aber der Geist durch die Zähne zischet, bedeutet, daß der Geist ist aus dem
Herzen Gottes durch den Zorn gefahren. Daß aber die Zähne zubleiben, weil der
Geist zischet, und sich nicht auftun, das bedeutet, daß der Zorn den Hl.
Geist nicht hat begriffen. 18.98. Daß
sich aber die Zunge im untern Gaumen schmäuget und vorne spitzet und läßt
sich zu dem Zischen nicht gebrauchen, das bedeutet, daß die äußerste Geburt
samt allen Kreaturen, die darinnen sind, den Hl. Geist, der aus der innersten
Geburt aus dem Herzen Gottes ausgehet, nicht können begreifen, auch mit ihrer
Macht nicht aufhalten und ihm wehren. 18.99. Denn
er gehet durch alle verschlossenen Gemache und Geburten und darf keiner
Aufschließung gleichwie ihn die Zähne nicht können halten, daß er nicht durch
sie ausgehet. 18.100. Daß
aber die Lippen offen stehen, wenn er durch die Zähne zischet, bedeutet, daß
er mit seinem Ausgange aus dem Herzen Gottes in der Schöpfung dieser Welt hat
die Himmelsporten wieder aufgeschlossen und ist durch die Porten des Zorns
Gottes gegangen, und hat den Zorn Gottes feste verriegelt und zugelassen, und
dem Teufel sein ewig angezündet Zornhaus feste zugeschlossen, daraus er ewig
nicht kommen kann. 18.101. Weiter
bedeuts, daß der Hl. Geist gleichwohl eine offene Porten in dem Zornhause dieser
Welt habe, da er sein Werk treibe, der Höllenporten unbegreiflich, und da er
ihm einen heiligen Samen sammle zu seinem ewigen Lobe, ohne Willen der festen
höllischen Porten und derselben auch ganz unbegreiflich. 18.102. Gleichwie
der Geist seinen Ausgang und gefaßten Willen durch die Zähne verrichtet und
sich die Zähne doch nicht bewegen oder des Geistes Willen begreifen können,
also bauet ihm der Hl. Geist, ohne Begreifung des Teufels und des Zorns
Gottes, ohn Unterlaß einen heiligen Samen und Tempel in dem Hause dieser
Welt. 18.103. Daß
sich aber das ganze Wort "Sprach" im hintern Gaumen über der Zungen
in der Höhle mitten in der herben und bittern Qualität fasset und kirret, das
bedeutet, daß Gott den Locum dieser Welt beim Herzen in der Mitten gefasset
hat und hat ihm wieder ein Haus zu seinem Lobe gebauet wider alles Grunzen
und Murren des Teufels, darinnen er mit seinem Hl. Geiste herrschet. 18.104. Gleichwie
der Geist vom Herzen durch das Murren und Kirren der herben und bittern
Qualität stark und mächtig ausgehet und herrschet mit seinem Ausgange in der
herben und bittern Qualität, der herben und bittern Qualität unbegreiflich,
als ein mächtiger König, also auch herrschet der Geist Gottes in der
äußersten Geburt dieser Welt, in dem Zornhause, mächtig und gebäret ihm einen
Tempel darinnen, dem Zornhause unbegreiflich. 18.105. Daß
aber der herbe und bittere Geist also murret, wenn der Geist vom Herzen durch
sein Haus gehet und mit Gewalt herrschet, das bedeutet, daß der Zorn Gottes
samt den Teufeln sei in dem Hause dieser Welt der Liebe entgegengesetzt, daß
die beiden werden die ganze Zeit dieser Welt miteinander kämpfen und streiten
wie zwei Kriegsheere, daher dann auch der menschliche und tierische Krieg und
Streit aller Kreaturen seinen Ursprung hat. 18.106. Daß
sich aber die herbe und bittere Qualität mit zum Wort fasset und miteinander
konkordieren und doch gleichwohl nur der Geist des Herzens das Wort zum Munde
ausspricht, bedeutet, daß alle Kreaturen, welche allein durchs Wort sind
hervorgegangen, als da sind die Tiere, Vögel, Fische, Würmer, Kraut und Gras,
dazu Bäume und Stauden, werden von dem ganzen Leibe böse und gut formieret
werden, und daß in denen allen wird stehen die zornige und verderbete
Qualität und auch die Liebe Gottes, und wird doch alles durch den Geist der
Liebe getrieben werden, und werden sich die zwei miteinander reiben,
quetschen und pressen. 18.107. Dadurch
dann in mancher Kreatur wird das Zornfeuer also hart entzündet werden, daß
der Leib mit samt dem Geiste wird einen ewigen Zornsalitter in der Höllen
geben. 18.108. Denn
der Geist, der im Herzen geboren wird, der muß mitten durch der Höllen Porten
in seinem Leibe wandeln, und kann gar leicht entzündet werden; es ist wie
Holz und Feuer, geußt du nicht drein, so brennets. 18.109. O
Mensch, du warest nicht mit den Tieren durchs Wort geschaffen von Böse und
Gut. Hättest du nur nicht von Böse und Gut gessen, so wäre in dir nicht das
Zornfeuer, aber so hast du auch einen tierischen Leib kriegt; nun erbarme es
die Liebe Gottes, es ist geschehen. 18.110. Daß
sich aber nach Zusammenfassung des Worts in der herben und bittern Qualität
im hinter Gaumen über der Zunge das Maul weit auftut und fähret der
zusammengefaßte Geist miteinander zum Munde aus, der da ist aus dem Herzen
und auch aus der herben und bittern Qualität geboren, bedeutet, daß die
Kreaturen werden in großer Angst und Widerwärtigkeit leben und sich nicht
werden können durch einen Leib gebären, sondern durch zweene. 18.111. Denn
die herbe und bittere Qualität nimmt dem Geist aus dem Herzen die Kraft und
infizieret sich mit demselben. Darum ist die Natur nun zu schwach worden im
Geiste des Herzens und vermag die eigene innerste Geburt des Herzens nicht zu
entheben, und hat derowegen die Natur ein Weiblein und Männlein geschaffen. 18.112. Auch
so bedeutet es den bösen und guten Willen in der ganzen Natur, sowohl in
allen Kreaturen, daß nun werde ein stetiges Ringen, Kämpfen und Würgen sein,
davon diese Welt recht ein Jammertal voller Kreuz, Verfolgung, Mühe und Arbeit
heißt. Denn als der Geist der Schöpfung ist ins Mittel getreten, da hat er
mitten in der Höllen Reiche müssen die Schöpfung formieren. 18.113. Weil
dann nun die äußerste Geburt in der Natur zweifach ist, das ist: böse und
gut, so ist ein stetiges Martern, Quetschen, Jammern und Heulen, und miissen
sich alle Kreaturen in diesem Leben wohl martern lassen, und heißt diese böse
Welt billig eine Mordgrube des Teufels. 18.114. Daß
aber der herbe und bittere Geist im hintern Gaumen auf der Zungen bleibet in
seinem Sede sitzen, und bellet durchs Wort mit dem Munde raus, und kann doch
nicht von dannen, bedeutet, daß der Teufel und der Zorn Gottes werde wohl in
allen Kreaturen herrschen, werde aber nicht vollen Gewalt in ihnen haben,
sondern werde in seiner Gefängnis müssen bleiben und werde in alle Kreaturen
bellen und dieselben plagen, aber nicht überwältigen. Sie wollen dann selber
gerne aus eignem Willen in seinem Loco bleiben. 18.115. Gleichwie
der sanfte Geist des Herzens durch die herbe und bittere Qualität fähret und
überwindet dieselbe, und ob er gleich mit dem herben und bittern Geiste
infizieret wird, noch dennoch reißt er durch als ein Überwinder; so er aber
wollte freiwillig in der Hölle im herben und bittern Geiste bleiben sitzen
und sich lassen fangen und nicht kämpfen, so wäre die Schuld seine. 18.116. Also
auch ists mit den Kreaturen, die da nur wollen stets im höllischen Feuer säen
und ernten, sonderlich der Mensch, welcher in stetiger Begierde der Hoffart,
Geizes, Neides und Zornes lebet und will keinmal wider dasselbe mit dem
Liebegeist und Feuer kämpfen und streiten, der zeucht ihm den Zorn Gottes und
das brennende höllische Feuer selber über Leib und Seele. 18.117. Daß
sich aber die Zunge also hart in den untern Gaumen schmäuget, wenn das Wort
ausfähret, bedeutet den animalischen Geist der Kreaturen, sonderlich des
Menschen. Das Wort, welches sich im obern Gaumen fasset, welches mit dem
herben und bittern Geiste inqualieret, bedeutet die sieben Geister der Natur
oder die siderische Geburt, in welcher der Teufel herrscht und der Hl. Geist
sich ihm darinnen entgegensetzet und den Teufel überwindet. 18.118. Die
Zunge aber bedeutet die Seele, die wird von den sieben Geistern der Natur
geboren und ist ihr Sohn; wenn nun die sieben Geister wollen, so muß sich die
Zunge nach ihrem Gefallen bewegen und muß ihre Sachen fördern. 18.119. Wenn
nun die siderischen Geister nur nicht falsch werden und buhlen mit dem
Teufel, so verstecken sie den animalischen Geist und halten ihn selbst in
ihren Banden gefangen als einen Schatz, wenn sie mit dem Teufel fechten,
gleichwie sie die Zungen verstecken, wenn sie mit der herben und bittern
Qualität ringen als ihr bestes Kleinod. 18.120. Also
hast du eine kurze und doch wahrhaftige Anleitung des Worts, das Gott gesprochen
hat, in Erkenntnis des Geistes recht beschrieben nach meinen Gaben und
überantwortetem Pfunde recht mitgeteilet. 18.121. Nun
fragt sichs: Was hat denn Gott gesprochen? Er sprach: Es werde Licht, und es
ward Licht, Gen 1,3. 18.122. Die
Tiefe: Das Licht ist aus der innersten Geburt gegangen und hat die äußerste
wieder angezündet. 18.123. Merke:
Es hat der äußersten wieder ein eigentümlich Licht gegeben. Nicht sollst du
denken, daß das Licht der Sonnen und der Natur sei das Herze Gottes, welches
im Verborgenen leuchtet. Nein, du sollst das Licht der Natur nicht anbeten.
Es ist nicht das Herz Gottes, sondern es ist ein angezündet Licht in der
Natur, welches Kraft und Herze stehet in der Fettigkeit des süßen Wassers,
und der andern Geister alle in der dritten Geburt, die man nicht Gott heißt,
ob sie gleich in Gott und aus Gott geboren ist, so ist es doch nur sein
Handwerksgezeug, welches die klare Gottheit in die Geburt zurücke nicht wider
ergreifen kann, gleich wie das Fleisch nicht kann die Seele begreifen. 18.124. Aber
nicht also zu verstehen, daß darum die Gottheit von der Natur abgetrennet
sei; nein, sondern es ist wie Leib und Seele. Die Natur ist der Leib, das
Herze Gottes ist die Seele. 18.125. Nun
möchte einer fragen: Was ists denn für ein Licht gewesen, das da ist
angezündet worden? Ist es die Sonne und Sterne gewesen? Nein, die Sonne und
Sternen sind erst den vierten Tag aus demselben Lichte geschaffen worden. Es
ist ein Licht in den sieben Geistern der Natur aufgangen, das hat keinen
eigenen Sitz oder Ort gehabt, sondern hat überall geschienen, aber nicht
helle gleich der Sonnen, sondern gleich im Himmelblau und Lichte nach der
Quellgeister Art, bis hernach ist die rechte Schöpfung und Anzündung des
Feuers im Wasser in dem herben Geiste mit der Sonnen erfolget. 19 - Von dem erschaffenen Himmel und der Gestalt der
Erden und des Wassers, sowohl von dem Lichte und Finsternis
19.1. Der rechte
Himmel, welcher ist unser menschlicher eigener Himmel, da die Seele
hinfähret, wenn sie vom Leibe scheidet - und da Christus unser König ist
eingegangen und von dannenher er von seinem Vater kommen und geboren ist und
ein Mensch in der Jungfrauen Marien Leibe worden ist – ist bis anhero den
Kindern der Menschen fast verborgen gewesen, und haben mancherlei Meinung
gehabt. 19.2. Es haben sich
auch die Gelehrten darum gekratzet mit vielen seltsamen Schreiben, und sind
einander in die Haare gefallen mit Schmähen und Schänden, dadurch dann der
hl. Name Gottes ist geschändet und seine Glieder verwundet und sein Tempel
zerstöret und der hl. Himmel mit diesem Lästern und Anfeinden entheiliget
worden. 19.3. Es haben die
Menschen je und allwege gemeinet, der Himmel sei viel hundert oder tausend
Meilen von diesem Erdenboden und Gott wohne allein in demselben Himmel. Es haben
auch wohl etliche Physici sich unterstanden, dieselbe Höhe zu messen, und gar
seltsame Dinge herfürbracht. 19.4. Zwar ich habe es
selber vor dieser meiner Erkenntnis und Offenbarung Gottes dafür gehalten,
daß das allein der rechte Himmel sei, der sich mit einem runden Zirk ganz
lichtblau hoch über den Sternen schleußt, in Meinung, Gott habe allein da
innen sein sonderliches Wesen und regiere nur allein in Kraft seines Hl.
Geistes in dieser Welt. 19.5. Als mir aber
dieses gar manchen harten Stoß gegeben hat, ohne Zweifel von dem Geiste, der
da Lust zu mir hat gehabt, bin ich endlich gar in eine harte Melancholei und
Traurigkeit geraten, als ich anschauete die große Tiefe dieser Welt, dazu die
Sonne und Sternen, sowohl die Wolken, dazu Regen und Schnee, und betrachtete
in meinem Geiste die ganze Schöpfung dieser Welt. 19.6. Darinnen ich dann
in allen Dingen Böses und Gutes fand, Liebe und Zorn, in den unvernünftigen
Kreaturen als in Holz, Steinen, Erden und Elementen sowohl als in Menschen
und Tieren. 19.7. Dazu betrachtete
ich das kleine Fünklein des Menschen, was er doch gegen diesem großen Werke
Himmels und Erden vor Gott möchte geachtet sein. 19.8. Weil ich aber
befand, daß in allen Dingen Böses und Gutes war, in den Elementen sowohl als
in den Kreaturen, und daß es in dieser Welt dem Gottlosen so wohl ginge als
den Frommen, auch daß die barbarischen Völker die besten Länder innen hätten
und daß ihnen das Glücke noch wohl mehr beistünde als den Frommen. 19.9. Ward ich
derowegen ganz melancholisch und hoch betrübet, und konnte mich keine Schrift
trösten, welche mir doch fast wohl bekannt war; dabei dann gewißlich der
Teufel nicht wird gefeiert haben, welcher mir dann oft heidnische Gedanken
einbleuete, derer ich allhie verschweigen will. 19.10. Als
sich aber in solcher Trübsal mein Geist – denn ich wenig und nichts verstund,
was er war – ernstlich in Gott erhub als mit einem großen Sturme, und mein
ganz Herz und Gemüte samt allen andern Gedanken und Willen sich alles darein
schloß, ohne Nachlassen, mit der Liebe und Barmherzigkeit Gottes zu ringen,
und nicht nachzulassen, er segenete mich denn, das ist: er erleuchtete mich
denn mit seinem Hl. Geiste, damit ich seinen Willen möchte verstehen und
meiner Traurigkeit los werden; – so brach der Geist durch. 19.11. Als
ich aber in meinem angesetzten Eifer also hart wider Gott und aller Höllen
Porten stürmete, als wären meiner Kräften noch mehr vorhanden, in willens,
das Leben daran zu setzen welches freilich nicht mein Vermögen wäre gewesen
ohne des Geistes Gottes Beistand - alsbald nach etlichen harten Stürmen ist
mein Geist durch der Höllen Porten durchgebrochen bis in die innerste Geburt
der Gottheit und allda mit Liebe umfangen worden, wie ein Bräutigam seine
liebe Braut umfähet. 19.12. Was
aber für ein Triumphieren im Geiste gewesen, kann ich nicht schreiben oder
reden. Es läßt sich auch mit nichts vergleichen als nur mit dem, wo mitten im
Tode das Leben geboren wird, und vergleicht sich der Auferstehung von den
Toten. 19.13. In
diesem Lichte hat mein Geist alsbald durch alles gesehen und an allen
Kreaturen, sowohl an Kraut und Gras, Gott erkannt, wer der sei und wie der
sei und was sein Wille sei. Auch so ist alsbald in diesem Lichte mein Willen
gewachsen, mit großem Trieb das Wesen Gottes zu beschreiben. 19.14. Weil
ich aber nicht alsbald die tiefsten Geburten Gottes in ihrem Wesen konnte
fassen und in meiner Vernunft begreifen, so hat sichs wohl zwölf Jahr
verzogen, ehe mir ist der rechte Verstand gegeben worden, und ist gangen wie
mit einem jungen Baume, den man in die Erde pflanzet; der ist erstlich jung
und zart und hat ein freundlich Ansehen, sonderlich wenn er sich zum Gewächse
wohl anlässet. Er trägt aber nicht alsbald Früchte, und ob er gleich blühet,
so fallen sie doch ab. Es gehet auch mancher kalte Wind, Frost und Schnee
darüber, ehe er erwächst und Frucht träget. 19.15. Also
ists diesem Geiste auch gangen: Das erste Feuer war nur ein Samen, aber nicht
ein immer beharrlich Licht. Es ist seit der Zeit mancher kalte Wind drüber
gangen, aber der Wille ist nie verloschen. 19.16. Es
hat sich dieser Baum auch oft versucht, ob er möchte Früchte tragen und sich
mit Blühen erzeiget, aber die Blüte ist von dem Baume abgeschlagen worden bis
auf dato. Da stehet er in seiner ersten Frucht im Gewächse. 19.17. Von
diesem Lichte habe ich nun meine Erkenntnis, dazu meinen Willen und Trieb,
und will diese Erkenntnis nach meinen Gaben schreiben und es Gott walten
lassen, und sollte ich gleich hiemit erzürnen die Welt, den Teufel und aller
Höllen Porten, und will zusehen, was Gott damit meinet. Denn seinen Fürsatz
bin ich viel zu schwach zu erkennen, obgleich der Geist etliche Dinge, die
zukünftig sind, im Lichte zu erkennen gibt. So bin ich doch dem äußerlichen
Menschen nach viel zu schwach, solches zu begreifen. 19.18. Aber
der animalische Geist, welcher mit Gott inqualieret, der begreifts wohl, der
tierische Leib aber krieget nur einen Blick davon, gleich als wenn es
wetterleuchtet. Denn also stellet sich die innerste Geburt der Seelen, wenn
sie durch die äußerste Geburt in Erhebung des Hl. Geistes durch die Porten
der Höllen reißet. Aber die äußerste Geburt tut sich bald wieder zu, denn der
Zorn Gottes verriegelt die feste und hält sie in seiner Macht gefangen. 19.19. Alsdann
ist die Erkenntnis des äußersten Menschen dahin und gehet in seiner
trübseligen und ängstlichen Geburt um wie ein schwanger Weib, der die Wehe
ankommt, und wollte immer gerne gebären, und kann doch nicht und ängstet sich
immerdar. 19.20. Also
gehets dem tierischen Leibe auch: Wenn er einmal hat die Süßigkeit Gottes
geschmecket, so hungert und dürstet ihn immerdar danach, aber der Teufel in
Kraft des Zorns Gottes wehret sich trefflich, und muß ein Mensch in solchem
Laufe nur immer in ängstlicher Geburt stehen, und ist nichts denn Kämpfen und
Fechten in seinen Geburten. 19.21. Dieses
habe ich nicht mir zum Lobe geschrieben, sondern dem Leser zum Trost, ob ihn
vielleicht lüsterte, auf meinem schmalen Stege mit mir zu wandern, daß er
darum nicht bald verzweifele, wenn ihm die Porten der Höllen und des Zorns
Gottes begegnen und unter Augen stoßen. 19.22. Wenn
wir werden miteinander über diesen schmalen Steg der fleischlichen Geburt auf
jene grüne Wiese kommen, da der Zorn Gottes nicht hinreicht, alsdann wollen
wir uns dieses erlittenen Schadens wohl ergötzen, ob wir gleich jetzo müssen
der Welt Narr sein und den Teufel in Kraft des Zorns Gottes lassen über uns
herrauschen. Es lieget nichts daran, es wird uns in jenem Leben schöner
anstehen, denn es ist gar eine kurze Zeit dahin, und ist nicht wert, daß es
eine Zeit genannt wird. 19.23. Nun
merke: Wenn du deine Gedanken von dem Himmel fassest, was der sei oder wo der
sei, so darfst du deine Gedanken nicht viel tausend Meilen von hinnen
schwingen, denn derselbe Locus oder Himmel ist nicht dein Himmel. Und ob er
gleich mit deinem Himmel verbunden ist wie ein Leib, und es ist auch nur ein
Leib Gottes, so bist du doch nicht in demselben Loco, der über viel
hunderttausend Meilen ist zur Kreatur worden, sondern in dem Himmel dieser
Welt, die auch eine solche Tiefe in sich hat, das keine menschliche Zahl ist.
19.24. Denn
der rechte Himmel ist allenthalben, auch an dem Orte, wo du stehest und
gehest. Wenn dein Geist die innerste Geburt Gottes ergreift und durch die
siderische und fleischliche hindurchdringet, so ist er schon im Himmel. 19.25. Daß
aber wahrhaftig ist, daß ein reiner, schöner Himmel in allen dreien Geburten
über der Tiefe dieser Welt sei, in welchem Gottes Wesen mit samt den hl.
Engeln ganz lauter, schön und freudenreich aufgehet, das ist unleugbar, und
wäre der nicht aus Gott geboren, der solches vemeinte. 19.26. Du
sollst aber wissen, daß der Locus dieser Welt mit seiner innersten Geburt mit
dem Himmel über uns inqualieret und ist ein Herze, ein Wesen, ein Willen, ein
Gott, alles in allem. Daß aber der Locus dieser Welt nicht ein Himmel genennt
wird und daß ein Schluß zwischen dem obern Himmel über uns sei, das hat
diesen Verstand: 19.27. Der
obere Himmel begreift die zwei Königreiche Micha-Els und Uri-Els und alle der
hl. Engel, die nicht mit Luzifer gefallen sind, und derselbe Himmel ist
blieben, wie er von Ewigkeit ist gewesen, ehe die Engel sind geschaffen
worden. 19.28. Der
andere Himmel ist diese Welt, in welchem Luzifer ein König war. Der hat die
äußerste Geburt in der Natur angezündet. Und das ist nun der Zorn Gottes, und
kann nicht Gott oder Himmel geheißen werden, sondern die Verderbung. 19.29. Darum
schleußt sich der obere Himmel in seiner äußersten Geburt also weit zu als
weit der Zorn Gottes reicht und so weit als das Regiment Luzifers hat
gereicht, denn die verderbte Geburt kann die reine nicht begreifen. 19.30. Das
ist, die äußerste Geburt dieser Welt kann die äußerste Geburt des Himmels
über dieser Welt nicht ergreifen, denn es ist wie das Leben und der Tod
gegeneinander oder wie ein Mensch und ein Stein gegeneinander. 19.31. Darum
ist ein fester Schluß zwischen der äußersten Geburt des obern Himmels und
dieser Welt. Denn die Feste zwischen ihnen ist der Tod, der herrschet an
allen Enden in der äußersten Geburt in dieser Welt, und damit ist diese Welt
verriegelt, daß die äußerste Geburt des obern Himmels nicht in die äußerste
Geburt dieser Welt kann, es ist eine große Kluft zwischen ihnen. 19.32. Und
darum können wir die Engel in unserer äußersten Geburt nicht sehen, und die
Engel können auch nicht in der äußersten Geburt dieser Welt bei uns wohnen.
In der innersten aber wohnen sie bei uns. Und so wir mit dem Teufel kämpfen,
so halten sie seine Schläge in der innersten Geburt auf und sind der hl.
Seelen Schutz. Darum können wir die Engel nicht sehen oder begreifen, denn
die äußerste Geburt ihrer Leiber ist der äußersten Geburt dieser Welt
unbegreiflich. 19.33. Die
andere Geburt dieser Welt steht im Leben, denn es ist die siderische Geburt,
daraus die dritte und hl. Geburt geboren wird, und darinnen Liebe und Zorn
miteinander streiten. Denn die andere Geburt stehet in den sieben
Quellgeistern dieser Welt und ist an allen Enden und in allen Kreaturen
sowohl auch im Menschen also. Nun aber herrschet der Hl. Geist auch in der
andern Geburt und hilft die dritte heilige Geburt gebären. 19.34. Die
dritte aber ist der klare und heilige Himmel, welcher mit dem Herzen Gottes
außer und über allen Himmeln inqualieret als ein Herze, und ist auch ein
Herze, das den Locum dieser Welt hält und träget und das den Teufel in der
äußersten Geburt im Zornfeuer gefangen hält als ein allmächtiger,
unbegreiflicher Gott. 19.35. Und
aus diesem Herzen ist Jesus Christus, Gottes Sohn, in der Jungfrauen Marien
Leib in alle drei Geburten gangen und hat dieselben wahrhaftig an sich
genommen, auf daß er durch und mit seiner innersten Geburt den Teufel, Tod
und Hölle in der äußersten Geburt gefangen nehme und den Zorn Gottes
überwinde als ein König und Siegsfürst, und in Kraft seiner Geburt im
Fleische durch alle Menschen durchdringe. 19.36. Und
durch solch Eingehen der innersten Geburt des Herzens des Himmels dieser Welt
in die siderische und äußerste ist Jesus Christus, Gottes und Marien Sohn,
ein Herr und König dieses unsers Himmels und der Erden worden, der in allen
dreien Geburten herrschet über die Sünde, Teufel, Tod und Hölle, und mit dem
dringen wir durch des Fleisches sündliche, verderbte und äußerste tote Geburt
den Tod und Zorn Gottes in unsern Himmel. 19.37. In
diesem Himmel sitztet itzunder unser König Jesus Christus zur rechten Gottes
und umfasset alle drei Geburten als ein mächtiger Sohn des Vaters, der durch
und in allen drei Geburten in dieser Welt allen Räumen und Orten gegenwärtig
ist und alles fasset, hält und träget als der neugeborne Sohn vom Vater in
der Gewalt und auf dem Sitze des großmächtig gewesenen und nunmehr
verstoßenen, verfluchten und verdammten Königs Luzifer, des Teufels. 19.38. Darum,
du Menschenkind, sei nicht so furchtsam und verzaget. Wenn du in deinem Eifer
und Ernst deinen Tränensamen säest, so säest du ihn nicht auf Erden, sondern
im Himmel, denn in deiner siderischen Geburt säest du und in der animalischen
erntest du, und im Himmelreiche besitzest du es und genießt des. 19.39. Weil
du in dieser streitigen Geburt lebest, so mußt du dich drücken und den Teufel
lassen auf dir herreiten, aber also hart er dich schläget, so hart schlägest
du ihn wieder, so du dich wehrest. Denn wenn du gegen ihn streitest, so
schürest du ihm sein Zornfeuer auf und zerstörest ihm sein Nest, das ist
alsdann wie ein großer Aufruhr, als hieltest du eine gewaltige Schlacht mit
ihm. 19.40. Und
obgleich deinem Leibe etwas wehe geschieht, so geschieht ihm doch viel
übeler, wenn er überwunden ist; so brüllet er wie ein Löwe, dem seine Jungen
geraubet sind, denn der Grimm und Zorn Gottes peiniget ihn. Wenn du ihn aber
zur Herberge einläßt, so wird er fett und geil und überwindet dich mit der
Zeit. 19.41. Also
hast du eine wahrhaftige Beschreibung des Himmels. Und ob du es gleich mit
deiner Vernunft nicht fassen kannst, so kann ichs doch gar wohl fassen; so
denke ihm doch nur vernünftig nach, was Gott sei. 19.42. Du
siehest in dieser Welt nichts als die Tiefe, und darinnen die Sterne und die
Geburt der Elementen. Wolltest du nun sagen, daß allda nicht Gott sei?
Lieber, was ist dann an diesem Orte gewesen vor der Zeit der Welt? Wolltest
du sagen, nichts, so redest du ohne Vernunft. Du mußt ja sagen, daß Gott
allda gewesen sei, sonst wäre allda nichts worden. 19.43. Ist
dann nun Gott allda gewesen, wer hat ihn dann weggestoßen oder überwunden,
daß er nicht mehr da ist? Ist aber Gott da, so ist er ja in seinem Himmel und
dazu in seiner Dreifaltigkeit. 19.44. Der
Teufel aber hat das Zornbad angezündet, davon ist die Erde und die Steine,
dazu die Elementa also beweglich, dazu also kalt, bitter und hitzig worden,
und hat die äußerste Geburt ermordet. 19.45. Davon
ist nun der Handel und mein ganz Fürnehmen zu schreiben, wie sie wieder sei
lebendig worden und wie sie sich wieder gebäre. Und davon ist auch in den
Kreaturen das tierische Fleisch worden; die Sünde aber in dem Fleische ist
der Zorn Gottes. 19.46. Zum
andern ist die Frage und der Handel in diesem Buche, wo dann der Zorn Gottes
werde hinkommen. Da gibt der Geist Antwort, daß am Ende dieser verderbten
Geburtzeit dem Teufel werde nach Auferstehung der Toten der Locus oder Raum,
wo jetzt die Erde stehet, zum Eigentum und Zornhaus eingeräumt werden, und
doch nicht durch alle drei Geburten, sondern nur die äußerste, in welcher er
jetzt stehet. Die innerste aber wird ihn in ihrer Macht gefangen halten und
zum Fußschemel brauchen, welche er ewig weder ergreifen noch berühren wird
können. 19.47. Denn
es hat nicht den Verstand, daß das Zornfeuer werde ausgelöschet werden und
nicht mehr sein, sonst müßten die Teufel auch wieder heilige Engel werden und
in dem heiligen Himmel leben; wo aber nicht, so muß ihnen ein Loch in dieser
Welt zur Herberge werden. 19.48. Wenn
dem Menschen seine Augen nur eröffnet würden, so sähe er überall Gott in
seinem Himmel, denn der Himmel stehet in der innersten Geburt. Dazu da
Stephanus den Himmel hat offen gesehen und den Herrn Jesum zur Rechten
Gottes, Apg 7,55, da hat sich sein Geist nicht erst in den obern Himmel
geschwungen, sondern er hat durchgedrungen in die innerste Geburt, da ist der
Himmel an allen Enden. 19.49. Du
darfst auch nicht denken, daß die Gottheit etwan ein Wesen sei, die nur im
obern Himmel sei und daß unsere Seele, wenn sie vom Leibe scheidet, auf in
den obern Himmel fahre viel hundert Meilen. Es darf des gar nicht, sondern
sie wird in die innerste Geburt gesetzet; da ist sie bei Gott und in Gott und
bei allen heiligen Engeln und kann bald droben sein und auch bald drunten;
sie wird von nichts gehalten. 19.50. Denn
in der innersten Geburt ist die obere und untere Gottheit ein Leib, eine
offene Porten. Die heiligen Engel spazieren sowohl in der innersten Geburt
dieser Welt bei unserem Könige Jesu Christo als im obern in ihrem Revier. 19.51. Und
wo wollte die Seele des Menschen dann gern sein als bei ihrem Könige und
Erlöser Jesu Christo? Denn in Gott ist Weit und Nahe als ein Ding, eine
Begreiflichkeit, überall Vater, Sohn, Heiliger Geist. 19.52. Die
Porten der Gottheit ist im obern Himmel nichts anders, auch nichts hellers
als in dieser Welt. Und wo könnte doch größere Freude sein als an dem Orte,
wo alle Stunden schöne, liebe, neugeborne Kinder und Engel zu Christo kommen,
die durch den Tod sind ins Leben gedrungen? Die werden ohne Zweifel von
vielen Streiten wissen zu sagen. Und wo möchte doch größere Freude sein, als
wo mitten im Tode ohn Unterlaß immerdar das Leben geboren wird? 19.53. Bringt
doch eine jede Seele einen neuen Triumph mit sich und ist nichts denn ein
eitel freundlich Benevenieren und Willkommen. Denke, wenn die Seelen der
Kinder zu den Eltern kommen, die sie in ihrem Leibe geboren haben, ob allda
nicht möchte Himmel sein? Oder meinest du, ich schreibe zu irdisch? Wirst du
an dieses Fenster kommen, du wirst nicht sagen, es sei irdisch; ob ich gleich
muß eine irdische Zunge brauchen, so ist doch rechter himmlischer Verstand
darunter, das ich in meiner äußersten Geburt weder schreiben noch reden kann.
19.54. Ich
weiß wohl, daß das Wort von den drei Geburten nicht wird in einem jeden
Herzen können begriffen werden, sonderlich wo das Herze zuviel im Fleische
ersoffen ist und mit der äußersten Geburt verriegelt. Ich kanns aber nicht
anders geben, denn es ist also. Und wenn ich gleich lauter Geist schreibe,
wie es denn auch in Wahrheit nicht anders ist, so verstehet das Herze doch
nur Fleisch, wie ich sehe. Von
der Gestalt der Erden
19.55. Es
haben zwar viel Skribenten geschrieben, der Himmel und die Erde sei aus
Nichts geschaffen; nimmt mich aber Wunder, daß unter so trefflichen Männern
nicht einer ist gefunden worden, der doch hätte den rechten Grund können
beschreiben, sintemal doch derselbe Gott ist von Ewigkeit gewesen, der jetzt
ist. 19.56. Wo
nun nichts ist, da wird auch nichts. Alles Ding muß eine Wurzel haben, sonst
wächst nichts. Wären nicht die sieben Geister der Natur von Ewigkeit gewesen,
so wäre kein Engel, auch kein Himmel und auch keine Erden worden. 19.57. Die
Erde aber ist aus dem verderbten Salitter der äußersten Geburt worden, du
kannst das nicht leugnen. Wenn du die Erde und Steine ansiehest, so mußt du
ja sagen, daß der Tod drinnen sei; hingegen mußt du auch sagen, daß ein Leben
darinnen sei, sonst wüchse darinnen weder Gold noch Silber, auch weder Kraut
noch Gras. 19.58. Nun
möchte einer fragen: Sind denn auch alle drei Geburten darinnen? Ja, das
Leben dringet durch den Tod. Die äußerste Geburt ist der Tod, die andere ist
das Leben, welches im Zornfeuer und in der Liebe stehet, die dritte ist das
hl. Leben. 19.59. Unterricht:
Die äußerliche Erde ist ein bitter Gestank und ist tot, das verstehet auch
ein jeder Mensch. Der Salitter ist auch durch den Zorn ermordet worden, denn
du kannsts nicht leugnen, daß nicht Gottes Zorn in der Erden sei, sonst wäre
sie nicht also herbe, bitter, sauer und giftig, und gebäre auch nicht solche
giftige, böse Würmer. So du aber wolltest sagen, Gott habe sie aus seinem
Fürsatze also geschaffen, so würdest du sagen, daß Gott selber die Bosheit
sei. 19.60. Lieber,
sage mir doch, warum ist doch der Teufel verstoßen worden? Du wirst freilich
sagen, um seiner Hoffart willen, daß er hat wollen über Gott sein. Rat,
Fritz, womit? Was hat er für Gewalt gehabt? Hie sage, weißt du was, weißt du
nichts, so schweig und höre: 19.61. In
dem Salitter der Erden saß er vor den Zeiten der Schöpfung, als derselbe noch
dünne und in himmlischer heiliger Geburt stund, und war in dem ganzen
Königreiche dieser Welt. Daselbst war es nicht Erde und Steine, sondern ein
himmlischer Same, welcher aus den sieben Quellgeistern der Natur geboren
ward. Denn darinnen gingen himmlische Früchte und Formen auf, welches war
eine Lustspeise der Engel. 19.62. Als
aber der Zorn darinnen anbrannte, so wards im Tode ermordet; aber nicht also
zu verstehen, daß sie darum gar tot sei, denn wie kann in Gott etwas gar
sterben, das sein Leben von Ewigkeit hat gehabt? Sondern die äußerste Geburt
ist verbrannt, erfroren, ersoffen und erstarret. 19.63. Die
andere Geburt aber gebäret in der äußersten wieder das Leben, und die dritte
wird zwischen der ersten und andern geboren, das ist: zwischen Himmel und
Hölle mitten im Zornfeuer, und dringet der Geist im Zornfeuer durch und
gebäret das hl. Leben, welches stehet in Kraft der Liebe. 19.64. Und
in derselben Geburt werden die Toten auferstehen, die da haben einen heiligen
Samen gesäet, die werden im Zornfeuer auferstehen. Denn die Erde wird wieder
lebendig werden, sintemal sie die Gottheit in Christo hat wieder neugeboren
durch sein Fleisch und zur Rechten Gottes erhöhet; aber das Zornfeuer bleibet
in seiner Geburt. 19.65. Daß
du aber wolltest sagen, es sei kein Leben in der Erden, so redest du blind.
Du siehest ja, daß Kraut und Gras daraus wächset. Daß du aber wolltest sagen,
sie hätte nur einerlei Geburt, so redest du auch blind, denn das Kraut und
Holz, das daraus wächst, ist nicht Erde. Auch so ist die Frucht auf dem Baume
nicht Holz, auch so ist die Kraft der Frucht nicht Gott, sondern Gott ist im
Centro der innersten Geburt in allen drei natürlichen Geburten verborgen und
wird nicht erkannt als nur im Geiste des Menschen. Auch so kann ihn die
äußerliche Geburt in der Frucht nicht fassen oder halten, sondern er hält die
äußerste Geburt der Frucht und formieret sie. 19.66. Die
andere Frage: Warum ist denn die Erde also bergicht, steinicht und uneben?
Die Berge sind in der Zusammentreibung also worden, denn des verderbten
Salitters ist je an einem Orte mehr gewesen als an andern, als nachdem wie das Rad Gottes mit
seinen anstehenden Quellgeistern ist gewesen. 19.67. An
denen Orten, wo das süße Wasser im anstehenden Rade Gottes ist Primus
gewesen, da ist viel irdisch begreiflich Wasser worden. Wo aber die herbe
Qualität in der Bitterkeit im Marcurio ist Primus gewesen, da ist viel Erde
und Steine worden. Wo aber die Hitze im Lichte ist Primus gewesen, da ist
viel Silber und Gold, dazu etliche schöne Steine im Blitze des Lichtes
worden, sonderlich wo die Liebe im Lichte ist Primus gewesen, da sind die
edelsten Steine worden und das beste Gold. 19.68. Als
sich aber der Klump der Erden hat zusammengedruckt, so ist das Wasser
herausgequetschet worden. Wo es aber mit der herben Qualität mit harten
Felsen ist eingepreßt worden, da ist es noch in der Erden und hat seit der
Zeit etliche große Löcher zu seinem Gang geweicht und gemacht. 19.69. An
denen Orten, wo große Meere und See sind, da ist das Wasser über demselben
Pol Primus gewesen, und weil es dann nicht viel Salitter daselbst hat gehabt,
so ist in die Erde gleichwie ein Tal worden, darinnen ist das Wasser stehen
blieben. 19.70. Denn
das dünne Wasser sucht das Tal und ist eine Demütigkeit des Lebens, welches
sich nicht erhebet, wie die herbe, bittere und Feuersqualität hat getan in
den Kreaturen der Teufel. 19.71. Darum
suchet es immer die niedrigsten Stellen auf Erden. Das bedeutet recht den
Geist der Sanftmut, in welchem das Leben wird geboren, wie du bei Erschaffung
des Menschen kannst lesen und auch davorne bei seiner Species. Vom
Tag und Nacht
19.72. Die
ganze Gottheit mit allen Kräften und Wirkungen, mit samt ihrem anstehenden
Wesen, sowohl ihr Aufsteigen und Durchdringen und Veränderung, das ist das
ganze Gewirke oder die ganze Gebärung, wird alles verstanden im Geiste des
Wortes. 19.73. In
welcher Proporz oder anstehenden Gebärung der Qualitäten der Geist das Wort
fasset und formet und damit ausfähret, eben eine solche anstehende Geburt,
Durchdringen, Aufsteigen, Ringen und Siegen hats auch in der Natur. 19.74. Denn
als der Mensch in die Sünde fiel, da ward er aus der innersten Geburt in die
andern zwo gesetzt; die umfingen ihn bald und inqualierten mit ihm und in
ihm, als in ihrem Eigentum. Und empfing der Mensch alsbald den Geist und alle
Gebärung der siderischen und auch der äußersten Geburt. 19.75. Darum
spricht er nun alle Wörter nach der anstehenden Gebärung der Natur aus, denn
der Geist des Menschen, welcher in der siderischen Geburt stehet und mit der
ganzen Natur inqualieret und ist gleichwie die ganze Natur selber, der formet
das Wort nach der anstehenden Geburt. 19.76. Wenn
er was siehet, so gibt er ihm den Namen nach seiner Qualifizierung. Soll er
aber das tun, so muß er sich auch in eine solche Gestalt formieren und sich
mit seinem Schalle also gebären, wie sich das Ding, das er nennen will,
gebäret. Und hierinnen steckt der Kern des ganzen Verstandes der Gottheit. 19.77. Nicht
schreibe ich solches und gebe es ans Licht, daß mir alsbald ein jeder soll
nachkratzen und hierinnen seines Geistes Gutdünken an Tag geben und es für
Heiligtum ausschreien. Höre Geselle, es gehöret was mehr dazu. Dein
animalischer Geist muß vorhin mit der innersten Geburt in Gott inqualieren
und im Lichte stehen, daß er die siderische Geburt recht kennet, daß er eine
freie Porte in allen Geburten hat, anders wirst du nicht heilige und recht
Philosophiam schreiben, sondern Läuse und Flöh, und wirst ein Spötter Gottes
erfunden. 19.78. Ich
lasse mich schon wohl bedünken, der Teufel werde sein hoffärtiges Rößlein
allhie mit manchem reiten und wird sich mancher auf die Bahn machen, ehe er
gegürtet ist, daran ich will unschuldig sein. Denn was ich allhie offenbare,
das muß ich tun, denn es ist die Zeit der Durchbrechung vorhanden. Wer nun
will schlafen, den wird das Sturmwetter der Grimmigkeit aufwecken. Damit nun
ein jeder acht auf seine Sache habe, will ichs treulich angezeiget haben nach
des Geistes Trieb und Willen. 19.79. Merke.
Der Skribent Moses schreibet, Gott habe das Licht von der Finsternis
geschieden und das Licht Tag geheißen und die Finsternis Nacht; da sei aus
Abend und Morgen der erste Tag worden, Gen 1,4 f. Weil dies Wort "Abend
und Morgen" ganz wider die Philosophia und Vernunft laufet, so ist dafür
zu halten, daß Moses nicht der Autor dazu ist, sondern es ist von seinen
Vorfahren auf ihn gebracht worden, welche alle sechs Tage der Schöpfung haben
in einem Lauf gerechnet und die Schöpfung von Adam nur in einem dunkelen
Worte behalten und auf die Nachkommen gebracht. 19.80. Denn
Abend und Morgen ist nicht gewesen vor der Zeit der Sonnen und Sternen,
welche erst gewiß und wahrhaftig am vierten Tage sind erschaffen worden,
welche ich dann aus gewissem Grunde bei Erschaffung der Sonnen und Sternen
erweisen will. 19.81. Tag
und Nacht aber sind gewesen, das will ich allhie nach meiner Erkenntnis
erklären. Du magst allhie die Augen deines Geistes abermal weit aufsperren,
willst du es verstehen, wo nicht, so wirst du blind sein. 19.82. Wie
denn dieses große Werk in den Menschen ist verborgen blieben bis auf dato, da
wills Gott lob einmal Tag werden, denn die Morgenröte bricht an, der
Durchbrecher der innersten Geburt erzeiget sich mit seinem roten, grünen und
weißen Fähnlein in der äußersten Geburt auf dem Regenbogen. 19.83. Merke:
Nun sprichst du: Wie kann denn Tag und Nacht gewesen sein und nicht auch
Morgen und Abend? Morgen und Abend ist allein über der Erden unter dem Monden
und nimmt seinen Ursprung vom Lichte der Sonnen, die macht Abend und Morgen
und auch den äußerlichen Tag und auch die äußerliche finstere Nacht; das weiß
ein jeder Mann. Es hat aber zu der Zeit nicht zweierlei Schöpfung des Abends
und Morgens gehabt, sondern da sich Abend und Morgen hat angefangen, so ist
er in seinem Laufe blieben bis daher. Vom
Tage
19.84. Das
Wort "Tag" fasset sich im Herzen und fährt hervor zum Munde und
fährt durch die Straße der herben und bittern Qualität, und wecket die herbe
und bittere Qualität nicht auf, sondern gehet stark durch ihren Locum,
welcher am hintern Gaumen über der Zungen ist, hervor ganz sanft und der
herben und bittern Qualität unbegreiflich. 19.85. Wenn
es aber hervor auf die Zunge kommt, so schleußt die Zunge mit dem Obergaumen
das Maul zu. Wenn aber der Geist an die Zähne stößet und will raus, so
schleußt die Zunge das Maul auf und will vorm Worte raus, und tut gleich
einen Freudensprung zum Maule raus. 19.86. Wenn
aber das Wort durchbricht so macht sich das Maul inwendig weit auf, und das
Wort fasset sich mit seinem Schallen hinter der herben und bittern Qualität
noch einmal und wecket dieselbe als einen faulen Schläfer in der Finsternis
auf und fähret jähling zum Munde aus. 19.87. Alsdann
zerret die herbe Qualität hernach als ein schläferiger Mensch, der vom
Schlafe aufgeweckt wird. Aber der bittere Geist, welcher vom Feuerblitz
ausgehet, bleibet liegen und höret nichts, beweget sich auch nicht. Dieses
sind nun gar große Dinge und nicht so schlechte, wie der Bauer wohl
vermeinet. 19.88. Daß
sich nun erstlich der Geist im Herzen fasset und bricht durch alle Wachen bis
auf die Zunge unvermerkt, das bedeutet, daß das Licht aus dem Herzen Gottes
ist hervorgebrochen durch die äußerste, verderbte, grimmige, tote, bittere
und herbe Geburt in der Natur dieser Welt, dem Tode und Teufel samt dem Zorne
Gottes unbegreiflich, wie denn geschrieben stehet im Evangelio St. Johannes
1,5: Das Licht schien in der Finsternis; und die Finsternis hats nicht
begriffen. 19.89. Daß
aber die Zunge mit dem obern Gaumen das Maul zuschleußt, wenn der Geist auf
die Zunge kömmt, bedeutet, daß die sieben Quellgeister der Natur in dieser
Welt zur Zeit der Schöpfung durch den Zorn Gottes nicht sind erstorben
gewesen, sondern lebendig und wacker. Denn die Zunge bedeut das Leben der
Natur, in welchem die animalische oder heilige Geburt stehet, denn sie ist
ein Vorbild der Seelen. 19.90. Daß
aber der Geist die Zunge alsobald infizieret, wenn er auf sie kommt, davon
sie einen Freudensprung tut und will noch vorm Geiste zum Maul raus,
bedeutet, daß die sieben Quellgeister der Natur, welches die siderische
Geburt heißet, als das Licht Gottes, welches der Tag heißet, und ihnen
aufging, alsbald göttlich Leben und Willen bekommen haben und sich hoch
erfreuet wie die Zunge im Maule. 19.91. Daß
sich aber die vordern Gaumen inwendig erweitern und dem Geiste Raum geben
nach seinem Gefallen, bedeutet, daß sich die ganze siderische Geburt ganz
freundlich in des Lichtes Willen gegeben hat und den Grimm in ihr nicht
aufgewecket. 19.92. Daß
sich aber der Geist, wenn er zum Munde ausfähret, erst noch einmal hinter der
herben Qualität auf der Zungen im hintern Gaumen fasset und wecket die herbe
Qualität als einen Schläfer auf und fähret schnell zum Munde aus, bedeutet,
daß der herbe Geist zwar alles in der ganzen Natur muß halten und bilden,
aber allererste wenn es der Geist des Lichts hat formieret, dann weckt er
erst den herben Geist auf und gibts ihm in die Hände, daß ers hält. 19.93. Und
das muß sein von wegen der äußersten Begreiflichkeit, die muß im herben
Grimme gehalten werden, sonst bestünde nichts im Corpus, auch so bestünde die
zusammengedruckte Erde und Steine nicht, sondern es würde wieder ein
zerbrochener, dicker und finsterer Salitter, welcher in der ganzen Tiefe
schwebete. 19.94. Auch
so bedeutet es, daß dieser Salitter auf die Letzt, wann der Geist wird sein
Geschöpfe und Werke in dieser Welt ausgerichtet haben, soll wieder
aufgewecket und lebendig werden am jüngsten Tage. 19.95. Daß
sich aber der Geist hinter der herben Qualität fasset und nicht in der herben
Qualität, und weckt dieselbe auf, bedeutet, daß die herbe Natur das Licht
Gottes nicht werde eigentümlich begreifen, sondern werde sich in den Willen
des Lichts verrichten, gleichwie der tierische Leib des Menschen den Willen
des Geistes verrichtet, und sind doch nicht zwei Dinge. 19.96. Daß
aber der bittere Geist stille liegt und des Geistes Werk nicht höret und
begreift, bedeutet, daß das bittere Zornfeuer, welches im Feuerblitze
entstehet zur Zeit der Geburt des Lichtes, und auch noch vom Lichte nicht
aufgeweckt wird und das selbe nicht begreift, sondern liegt in der äußersten
Geburt gefangen und muß den Geist des Lichts sein Werk in der Natur lassen
machen, wie er will, und kann die Werke des Lichts weder sehen, hören noch
begreifen. 19.97. Darum
soll kein Mensch denken, daß ihm der Teufel die Werke des Lichts werde können
aus dem Herzen reißen, denn er kann sie weder sehen noch begreifen, und ob er
gleich in der äußersten Geburt im Fleische wütet und tobet als in seinem
Raubschlosse, verzage nicht. Bringe nur nicht selber die Werke des Zorns in
deines Herzens Licht, so wird deine Seele vor dem tauben, stummen und im
Lichte blinden Teufel wohl sicher sein. 19.98. Du
sollst nicht meinen, daß ich allhie schreibe als einen Wahn, obs also sei
oder nicht, sondern dem Geiste stehet des Himmels und der Höllen Porten offen
und dringet im Lichte durch beide und schauet die und kann die auch gar wohl
approbieren, denn die siderische Geburt lebet zwischen beiden und muß sich
wohl quetschen lassen. 19.99. Und
ob mir gleich der Teufel das Licht nicht nehmen kann; noch verdecket er mirs
oft mit der äußersten und fleischlichen Geburt, daß sich die siderische
Geburt ängstet, als wäre sie gefangen. 19.100. Das
sind allein seine Schläge, damit das Senfkörnlein verdecket wird. Davon saget
der heilige Apostel Paulus auch, es sei ihm ein großer Pfahl ins Fleisch
gegeben worden, und er habe dem Herrn geflehet, er wollte doch solches von
ihm nehmen; darauf ihm der Herr geantwortet, er solle sich lassen an seiner
Gnaden genügen, 2.Kor 12,7-9. 19.101. Denn
er war auch kommen bis an diesen Locum und hätte gern das Licht ohne
Verhinderung zum Eigentum in der siderischen Geburt gehabt, aber es konnte
nicht sein, denn der Zorn ruhet in der fleischlichen Geburt und mußte die
Verwesung im Fleische tragen. So aber der Grimm ganz von der siderischen Geburt
genommen würde, so wäre er in derselben Gott gleich und wüßte alle Dinge wie
Gott selber. 19.102. Welches
allein jetzo die Seele weiß, welche mit dem Lichte Gottes inqualieret. Sie
kanns aber nicht vollkömmlich zurücke in die siderische Geburt bringen, denn
sie ist eine andere Person. Gleichwie auch der Apfel auf dem Baume seinen
Geruch und Geschmack nicht kann wieder zurücke in den Baum oder in die Erde
bringen, und ob er gleich des Baumes Sohn ist, also ist auch in der Natur. 19.103. Der
heilige Mann Moses war also hoch und tief in diesem Lichte, daß auch das
Licht die siderische Geburt verklärete, davon die äußerste Geburt des
Fleisches in seinem Angesicht verkläret ward, und begehrte auch Gottes Licht
vollkömmlich in der siderischen Geburt zu sehen. 19.104. Aber
es konnte nicht sein, denn es liegt der Zornriegel davor, denn es kann auch
die ganze Natur der siderischen Geburt in dieser Welt das Licht Gottes nicht
ergreifen, darum ist das Herze Gottes verborgen, das doch an allen Enden
wohnet und alles begreifet. 19.105. Also
siehest du, daß der Tag sei vor der Zeit der Sonnen und Sternen gewesen, denn
da Gott sprach: Es werde Licht, Gen 1,3, da ist das Licht durch die
Finsternis gebrochen, und die Finsternis hats nicht begriffen, sondern ist in
seinem Sede blieben sitzen. 19.106. Auch
so siehest du, wie der Zorn Gottes in der äußersten Geburt der Natur
verborgen liege und ruhe und kann nicht aufgeweckt werden, die Menschen
wecken ihn denn selber auf, welche auch mit ihrer fleischlichen Geburt mit dem
Zorne in der äußersten Geburt der Natur inqualieren. 19.107. Darum
ob nun jemand zur Höllen verdammt würde, darf er nicht sagen, Gott habe es
getan oder er wolle dasselbe, sondern der Mensch erwecket das Zornfeuer
selber in ihm, welches, wenn es brennend wird, hernach mit Gottes Zorne und
dem höllischen Feuer inqualieret als ein Ding. 19.108. Wenn
dein Licht verlöschen ist, so stehest du in der Finsternis, und in der
Finsternis ist der Zorn Gottes verborgen; wenn du ihn aufweckest, so brennet
er in dir. 19.109. In
einem Steine ist auch Feuer. Wenn man aber nicht drauf schläget, so bleibet
das Feuer verborgen. Wenn man aber darauf schläget, so springt das Feuer
heraus. Ist dann etwas vorhanden, das des Feuers fähig ist, so brennets und
wird ein groß Feuer; also gehets auch mit dem Menschen zu, wenn er das
ruhende Zornfeuer anzündet. Von
der Nacht
19.110. Das
Wort "Nacht" fasset sich erstlich auf dem Herzen und grunzet der
Geist mit der herben Qualität, doch der herben Qualität nicht ganz
begreiflich. Hernach fasset sichs auf der Zungen. Weil es aber auf dem Herzen
grunzet, so schleußt die Zunge das Maul derweil zu, bis der Geist kommt, und
fasset sich auf der Zungen. Dann macht sie das Maul geschwinde auf und lässet
den Geist hinaus. 19.111. Daß
sich das Wort erstlich auf dem Herzen fasset und grunzet mit der herben
Qualität, bedeut, daß sich der Hl. Geist habe in der Finsternis gefasset über
dem Herzen Gottes in der siderischen Geburt der sieben Quellgeister. Daß er
aber mit der herben Qualität grunzet, bedeut, daß die Finsternis sei ein
Widerwille wider den Hl. Geist gewesen, an dem der Geist einen Mißfallen hat
getragen. 19.112. Daß
er aber gleichwohl durch die finstere Straße gehet, bedeutet, daß der Geist
durch die Finsternis, welche noch in stiller Ruhe ist, auch gehe und die zum
Lichte gebäre, so sie nur stille hält und nicht das Feuer anzündet. 19.113. Allhier
soll billig die richtende Welt sehen, welche den Menschen in Mutterleibe will
verdammen, da er doch nicht weiß, ob das Zornfeuer von den Eltern in der
Frucht sei ganz angezündet oder nicht; daß auch der Geist Gottes in der
Finsternis wallet, welche noch in der Ruhe stehet und kann die Finsternis
wohl zum Licht gebären. Dazu ist aber nun des Menschen Geburtstunde dem
Menschen sehr zuträglich und auch manchem sehr schädlich, aber nicht
zwinglich. 19.114. Daß
sich aber das Maul zutut, wenn sich der Geist über dem Herzen fasset und die
herbe Qualität grunzet gegen und mit ihm, bedeut, daß das ganze Revier oder
der ganze Locus dieser Welt ist in der siderischen und auch in der äußersten
Geburt ganz finster gewesen und von dem starken Ausgange des Geistes lichte
worden. 19.115. Daß
sich aber der bittere Geist nicht aufwecket, indem der Geist durch seinen
Locum gehet, bedeut die finstere Nacht in der äußersten Geburt dieser Welt,
die hat das Licht nie ergriffen und wirds auch in Ewigkeit nicht ergreifen. 19.116. Dannenhero
kommt, daß die Kreaturen nur mit den Augen das siderische Licht sehen, sonst
wo die Finsternis nicht noch in der äußersten Geburt wäre, so könnte der
siderische Geist durch Holz,und Steine sehen, sowohl durch die ganze Erden,
und würde von nichts abgehalten, wie es im Himmel ist. 19.117. Aber
nun ist die Finsternis von dem Licht geschieden und bleibet in der äußersten
Geburt. Darinnen ruhet der Zorn Gottes bis an Jüngsten Tag, alsdann wird der
Zorn angezündet werden, und wird die Finsternis das Haus der ewigen
Verderbnis sein. Darinnen wird Herr Luzifer mit allen gottlosen Menschen,
welche in die Finsternis im Zornacker gesäet haben, ihre ewige Wohnung haben.
19.118. Die
siderische Geburt aber, in welcher jetzunder das natürliche Licht stehet und
darinnen die heilige Geburt geboren wird, die wird am Ende dieser Zeit auch
angezündet werden, und wird sich der Zorn und die heilige Geburt voneinander
scheiden, denn der Zorn wird die heilige Geburt nicht begreifen. 19.119. Es
wird aber der Zorn in der siderischen Geburt dem Hause der Finsternis zu
einem Leben gegeben werden, und der Zorn wird heißen das höllische Feuer, und
das Haus der Finsternis, welches ist die äußerste Geburt, wird heißen der
Tod, und König Luzifer wird darinnen Gott sein und seine Engel mit allen
verdammten Menschen werden seine Diener sein. 19.120. In
diesem Schlunde wird nun allerlei höllische Frucht und Bildung aufgehen,
alles nach höllischer Qualität und Art, gleichwie im Himmel himmlische nach
himmlischer Qualität und Art. 19.121. Also
kannst du verstehen, was die Schöpfung Himmels und der Erden bedeut und ist,
und was Gott den ersten Tag gemacht hat, wiewohl die ersten drei Tage mit
Abend und Morgen nicht sind abgeteilet gewesen, sondern es wird eine Zeit als
24 Stunden gerechnet, wie es in der Höhe übern Monden eine Zeit und Tag ist. 19.122. Zum
andern wird auch darum für einen menschlichen Tag gerechnet, dieweil ohne
Zweifel der Erdboden alsbald seine Umwendung hat angefangen und sich in
solcher Zeit, weil Gott das Licht von der Finsternis geschieden hat, einmal
umgewendet hat und seinen Lauf zum erstenmal verrichtet. 20.1. Von dem andern Tage
stehet geschrieben: Und Gott sprach: Feste
werde, eine Feste zwischen den Wassern und die sei ein Unterscheid zwischen
den Wasser. Da machte Gott die Feste und scheidete das Wasser unter der
Festen von dem Wasser über der Festen, und es geschah also, und Gott nennete
die Feste Himmel; da ward aus Abend und Morgen der andere Tag, Gen 1,6-8. 20.2. Diese
Beschreibung zeiget abermal an, daß nicht der teure Mann Moses der Autor dazu
sei, denn es ist ganz unverständig und einfältig geschrieben, wiewohl es doch
gar trefflichen Verstand hat. 20.3. Ohne Zweifel hat
solches der Hl. Geist nicht wollen offenbaren, damit der Teufel nicht alle
Geheimnisse in der Schöpfung wüßte. Denn er selber, der Teufel, weiß nicht
die Schöpfung des Lichts, wie der Himmel aus dem Mittel des Wasser ist
gemacht. 20.4. Denn er kann das
Licht und die heilige Gebärung, welche im Wasser des Himmels stehet, weder
sehen noch begreifen, sondern nur die Gebärung, welche in der herben,
bittern, sauren und hitzigen Qualität stehet, davon die äußerste Geburt ist
entstanden, das ist sein königlich Schloß. 20.5. Nicht also zu
verstehen, daß er in dem elementischen Wasser keine Gewalt habe, dasselbe zu
besitzen, denn die äußerste verderbte Geburt in dem elementischen Wasser
gehöret auch zum Zorn Gottes, und ist auch der Tod darinnen wie in der Erden.
20.6. Allein der Geist
in Mose meinet allhie viel ein ander Wasser, das der Teufel weder verstehen
noch begreifen kann. So es aber hätte sollen eine solche lange Zeit erkläret
sein, so hätte es der Teufel von dem Menschen erlernet und hätte ohne Zweifel
seine höllische Spreu auch drein gestreuet. 20.7. Darum hat es der
Hl. Geist verborgen gehalten bis auf die letzte Stunde vorm Abend, da seine
tausend Jahre vollendet sind, da er soll wieder los werden auf eine kleine
Zeit, wie in der Offenbarung zu lesen ist, Apok 20,3. 20.8. Weil er aber
jetzo von den Ketten der Finsternis los ist, so läßt Gott allenthalben in
dieser Welt Lichter aufstecken, damit ihn die Menschen sollen lernen kennen
und sich vor ihm hüten. 20.9. Ob er nicht los
sei, gebe ich einem jeden zu erkennen. Schaue nur die Welt bei dem hellen
Lichte an, so wirst du finden, daß jetzo alle vier neuen Söhne, welche der
Teufel hat geboren, als (1) Hoffart, (2) Geiz, (3) Neid, (4) Zorn. Diese
regieren jetzo die Welt und sind des Teufels Herze, seine animalischen
Geister. 20.10. Darum
schaue die Welt nur recht an, so wirst du befinden, daß sie gänzlich mit
diesen vier neuen Söhnen des Teufels inqualieret. Darum ist sich nun
vorzusehen, denn das ist die Zeit, davon alle Propheten haben geweissaget und
Christus saget im Evangelio: Meinest du auch, daß des Menschen Sohn wird
Glauben finden, wenn er wird wiederkommen, die Welt zu richten? Luk 18,8. 20.11. Die
Welt meinet wohl, sie stehe jetzt im Flor, weil sie das helle Licht hat über
sich schweben, aber der Geist zeiget mir, daß sie mitten in der Höllen stehe.
Denn sie verlässet die Liebe und hanget am Geize, Wucher und Schinderei; es
ist keine Barmherzigkeit bei ihr. 20.12. Ein
jeder schreiet: Hätt ich nur Geld! Der Gewaltige sauget dem Niedrigen das
Mark aus den Beinen und nimmt ihm seinen Schweiß mit Gewalt. 20.13. In
Summa, es ist nur Lügen, Trügen, Morden und Rauben, und heißt wohl recht des
Teufels Nest oder Wohnhaus. 20.14. Das
heilige Licht ist jetzo nur eine Historia und Wissenschaft. Der Geist will
darinnen nicht arbeiten, und vermeinen, das sei der Glaube, den sie mit dem
Munde bekennen. 20.15. O
du blinde und törichte Welt, voll des Teufels! Es ist kein Glaube, daß du
weißt, daß Christus für dich gestorben ist und hat sein Blut für dich
vergossen, daß du sollst selig werden. Es ist nur eine Historia und
Wissenschaft. Der Teufel weiß es auch wohl, es hilft ihm aber nichts, also
auch du törichte Welt, lässets bei der Wissenschaft bleiben, darum wird dich
deine Wissenschaft richten. 20.16. Willst
du aber wissen, was der recht Glaube sei, so merke: Dein Herz muß nicht mit
den vier Söhnen des Teufels inqualieren in Hoffart, Geiz, Neid, Zorn, Wucher,
Schinden, Schaben, in Lügen, Trügen und Morden, dem Nächsten den Bissen vor
Geiz aus dem Halse reißen und nur Tag und Nacht auf List sinnen, wie du
möchtest dem Hoffart-Geiz-Neid- und Zornteufel wohl hofieren und genugtun,
dich in weltlichen Lüsten zu üben. 20.17. So
spricht der Geist in seinem Eifer des Zorns Gottes in dieser Welt: Weil dein
Geist und Willen mit den vier Lastern des Teufels inqualieret, so bist du
nicht ein Geist mit Gott, und wenn du mir gleich alle Stunden deine Lippen
bötest und deine Knie vor mir beugtest, so mag ich doch deiner Arbeit nicht,
ist doch dein Odem ohne das immer vor mir. Was soll mir der Weihrauch im
grimmen Zorne? Meinest du, ich wolle den Teufel in mich lassen oder wollte
die Hölle in Himmel heben? 20.18. Kehre
um und streite wider die Bosheit des Teufels, und neide dein Herz gegen den
Herrn deinen Gott und wandele in seinem Willen. Wird sich dein Herze zu mir
neigen, so will ich mich auch zu dir neigen, oder meinest du, ich bin falsch
wie du? 20.19. Also
sage nun ich: So dein Herze in deiner Wissenschaft nicht mit Gott inqualieret
aus einem rechten Fürsatze der Lieb so bist du ein Heuchler, Lügner und
Mörder vor Gott; denn Gott erhöret niemandes Gebet, das Herze richte sich
denn in Gehorsam ganz in Gott. 20.20. Willst
du wider den Zorn Gottes kämpfen, so mußt du den Helm des Gehorsams und der
Liebe anziehen, sonst brichst du nicht durch; brichst du aber nicht durch, so
ist dein Streit umsonst, und bleibest einmal ein Diener des Teufels wie das
ander. 20.21. Was
hilft dich deine Wissenschaft, wenn du nicht willst darinnen streiten? Nicht,
es ist eben, als wenn einer einen großen Schatz wüßte und suchte den nicht,
den er doch wohl wüßte zu bekommen, und stürbe Hungers bei seiner
Wissenschaft. 20.22. Das
saget der Geist: Viel Heiden, die deine Wissenschaft nicht haben und streiten
aber wider den Grimm werden dir das Himmelreich zuvor besitzen. Wer will sie
richten, wenn ihr Herze mit Gott inqualieret, ob sie den gleich nicht kennen
und arbeiten doch in seinem Geiste in Gerechtigkeit und Reinigkeit ihres
Herzens in rechter Liebe gegeneinander. Die bezeugen ja, daß das Gesetze
Gottes in ihrem Herzen sei, Rom 2,15. 20.23. Weils
du es aber weißt und tusts nicht, jene aber wissens nicht und tuns doch, so
richten sie mit ihrem Tun deine Wissenschaft, und du wirst als ein Heuchler
erfunden, ein unnützer Knecht, der in den Weinberg des Herrn ist gestellet
und will darinnen nicht arbeiten. 20.24. Was
meinest du wohl daß der Hausvater wird sagen, wenn er sein überantwortet
Pfund wird von mir fordern, und du wirst in die Erde vergraben haben? Wird er
nicht sagen: Du Schalksknecht, warum liehest du nicht mein Pfund auf Zins
aus, so hätte ich das Meine mit Wucher gefordert? 20.25. Und
es wird von dir das Leiden Christi gar genommen und den Heiden gegeben
werden, welche nur ein Pfund hatten und gewähereten dem Hausvater fünfe, und
du wirst mit den Hunden heulen müssen. 20.26. Nun
merke: Wenn man nun will recht betrachten, wie Gott habe das Wasser unter der
Festen von dem Wasser über der Festen geschieden, so finden sich allhier gar
große Dinge. Denn das Wasser, das auf Erden ruhet, da ist eben ein verderbet
und tödlich Wesen wie die Erde und gehöret auch zu äußersten Geburt, welche
mit ihrer Begreiflichkeit im Tode stehet gleichwie die Erde und Steine. 20.27. Nicht
der Meinung, daß es gar von Gott verstoßen sei, denn das Herze darinnen
gehöret noch zur siderischen Geburt, aus welcher die heilige Geburt geboren
wird. 20.28. Es
stehet aber der Tod in der äußersten Geburt; darum ist das begreifliche
Wasser von dem unbegreiflichen geschieden worden. 20.29. Nun
sprichst du, wie das ist? Siehe, das Wasser in der Tiefe über der Erden,
welches mit dem Element Luft und Feuer inqualieret, das ist das Wasser der
siderischen Geburt, darinnen das siderische Leben stehet und darinnen
vornehmlich der Hl. Geist wallet, auch dadurch die dritte und innerste Geburt
gebäret, dem Zorn Gottes darinnen unbegreiflich. Es ist auch dasselbe Wasser
vor unsern Augen gleich der Luft anzusehen. 20.30. Daß
aber wahrhaftig Wasser und Luft und Feuer in der Tiefe über der Erden
ineinander sei, kann ein jeder vernünftige Mensch sehen und verstehen. 20.31. Denn
du siehest oft die ganze Tiefe gar hell und lauter und in einer Viertelstunde
mit Wasserwolken bedeckt. 20.32. Das
ist, wenn sie die Sternen von oben und das Wasser auf Erden von unten
anzündet, so gebäret sich alsbald Wasser, welches wohl nicht geschehen würde,
so nicht der Zorn in der siderischen Geburt auch stünde. 20.33. Weil
es aber alles verderbet ist, so muß das obere Wasser im Zorn Gottes der
herben, bittern und hitzigen Qualität der Erden zuhilfe kommen und ihr Feuer
löschen und sie sänftigen, damit das Leben immer kann geboren und auch die
heilige Geburt zwischen dem Tode und Zorn Gottes könnte geboren werden. 20.34. Daß
aber auch das Element-Feuer in der Tiefe in Luft und Wasser regieren und sei,
siehest du ja an dem Wetterleuchten. Auch so siehest du, wie das Licht der
Sonnen das Element-Feuer auf der Erden mit ihrem Anstoße anzündet, da es doch
manchmal in der Höhe in des Monden Zirk gar kalt ist. 20.35. Nun
aber hat Gott das begreifliche Wasser von dem unbegreiflichen geschieden, und
hat das begreifliche auf die Erden gestellet und das unbegreifliche ist in
der Tiefe blieben in seinem eigenen Sitze, wie es von Ewigkeit gewesen ist. 20.36. Weil
aber der Zorn auch in demselben Wasser in der Tiefe über der Erden ist, so
gebäret sich stets durch die Anzündung der Sternen und des Wassers im Zorne
solch begreiflich Wasser, welches mit seiner äußersten Geburt im Tode stehet.
20.37. Welches,
weil es mit der innersten Geburt mit der siderischen inqualieret, dem
Salitter der verderbten Erden zuhilfe kommt und seinen Zorn löschet, damit in
der siderischen Geburt alles im Leben stehet und die Erde durch den Tod das
Leben gebäret. Die
Porten der Geheimnis
20.38. Daß
aber eine Feste sei zwischen den Wassern, die da Himmel heißen, hat diesen
Verstand: 20.39. Die
ganze Tiefe vom Monden bis an die Erde stehet mit ihrer Wirkung alles in der
zornigen und begreiflichen Geburt, denn der Mond ist eine Göttin der
begreiflichen Geburt, auch so ist das Haus des Teufels, Todes und der Höllen
in dem Revier und Zirk zwischen dem Monden und der Erden. 20.40. Da
dann der grimme Zorn Gottes in der äußersten Geburt in der Tiefe von Teufeln
und allen gottlosen Menschen täglich angezündet und aufgeblasen wird durch
die großen Sünden der Menschen, welche noch mit der siderischen Geburt in der
Tiefe inqualieren. 20.41. Nun
hat Gott die Feste, welche Himmel heißt, zwischen der äußersten und innersten
Geburt gemacht, und die ist ein Unterscheid zwischen der äußersten und
innersten Geburt. 20.42. Denn
die äußerste Geburt des Wassers kann die innerste Geburt des Wassers nicht
begreifen, welche Himmel heißt, der aus dem Mittel des Wassers ist gemacht. 20.43. Nun
aber stößet die innerste Geburt des Himmels auf der Erden hart an und hält
das äußerste Wasser auf Erden mit samt der Erden hart gefangen. 20.44. Wenn
das nicht wäre, so würde sich das Wasser mit Umwendung des Erdbodens wieder
zerteilen, auch so würde die Erde zerbrechen und in die Tiefe zerstieben. 20.45. Nun
aber hält dieselbe Feste zwischen dem äußersten begreiflichen Wasser und dem
innerlichen die Erde und das begreifliche Wasser gefangen. 20.46. Möchtest
du nun fragen: Was ist denn das für eine Feste des Himmels, die ich weder
sehen noch verstehen kann? Es ist die Feste zwischen der klaren Gottheit und
der verderbten Natur, durch welche du mußt durchbrechen, wenn du zu Gott
willst. Und ist eben die Feste, welche nicht ganz im Zorne stehet und doch
auch nicht ganz rein ist im Feuer, davon geschrieben stehet: Es sind auch die
Himmel nicht rein vor Gott, Hiob 15,15. Und wird am Jüngsten Tage der Zorn
davon gefeget werden. 20.47. Denn
es stehet geschrieben: Himmel und Erde vergehen, aber meine Worte vergehen nicht,
spricht Christus Mat 24,35, Mark 13,31. 20.48. Nun
aber ist das Unreine in demselben Himmel der Zorn, das Reine aber ist das
Wort Gottes, welches er einmal gesprochen hat: Es scheide sich das Wasser
unter der Festen von dem Wasser über der Festen, Gen 1,7. Dasselbe Wort
stehet nun da, und ist in die Feste des Wassers gefasset und hält das
äußerliche Wasser gefangen. Die
Porten der Gottheit
20.49. Hie
merke nun die verborgene Geheimnis Gottes: Wenn du nun ansiehest die Tiefe
über der Erden, so mußt du nicht sagen, hie ist nicht die Porten Gottes, da
Gott in seiner Heiligkeit wohnt. Nein, nein, so denke nicht, sondern die
ganze heilige Dreifaltigkeit Gott Vater, Sohn, Hl. Geist, wohnet im Centro
unter der Festen des Himmels, und dieselbe Feste kann ihn nicht begreifen. 20.50. Es
ist wohl alles ein Corpus, die äußerste Geburt und auch die innerste mit samt
der Festen des Himmels sowohl auch die siderische Geburt darinnen, in welcher
der Zorn Gottes mit qualifizieret, aber es ist gegeneinander wie das Regiment
im Menschen. 20.51. Das
Fleisch bedeut die äußerste Geburt, welches ist das Haus des Todes; die
andere Geburt im Menschen ist die siderische, in welcher das Leben stehet und
da Liebe und Zorn miteinander streiten. 20.52. Und
also weit kennet sich der Mensch selber, denn die siderische Geburt gebäret
in der äußersten, das ist im toten Fleische das Leben. 20.53. Die
dritte Geburt wird zwischen der siderischen und äußersten geboren, und
dieselbe heißt die animalische oder die Seele und ist so groß als der ganze
Mensch. Und dieselbe Geburt kennet und begreift der äußere Mensch nicht, auch
so begreifts der siderische nicht, sondern ein jeder Quellgeist begreift nur
seine anstehende Wurzel, welche bedeut den Himmel. 20.54. Und
derselbe animalische Mensch muß durch die Feste des Himmels zu Gott dringen
und mit Gott leben, anders kann der ganze Mensch nicht in Himmel zu Gott
kommen. 20.55. Denn
ein jeder Mensch, der da will selig werden, der muß mit seinen anstehenden
Geburten sein wie die ganze Gottheit mit allen drei Geburten in dieser Welt. 20.56. Nicht
kann der Mensch ganz rein ohne Zorn und Sünden sein, die die Geburten in der
Tiefe dieser Welt sind auch nicht ganz rein vor dem Herzen Gottes, Hieb 15,
15, sondern es ringet immer Liebe und Zorn miteinander, davon sich Gott einen
zornigen, eiferigen Gott heißt, Ex 20,5; 5,9. 20.57. Nun
wie der Mensch ist in seinem Geburt-Regimente also ist auch der ganze Leib
Gottes dieser Welt. In dem Wasser aber stehet das sanfte Leben. Erstlich ist
in dem äußerlichen Leibe Gottes dieser Welt der erstarrete, herbe, bittere
und hitzige Tod, in welchem das begreifliche Wasser auch erstarret und tot
ist. 20.58. Und
darinnen ist nun die Finsternis, darinnen König Luzifer mit seinen Engeln,
sowohl alle fleischlichen, gottlosen Menschen auch noch mit lebendigem Leibe
gefangen liegen, sowohl auch die abgeschiedenen Geister der verdammten
Menschen. 20.59. Diese
Geburt kann das Herze Gottes weder sehen, hören, fühlen, riechen noch
begreifen, und ist eine Närrin, die König Luzifer hat mit seiner Hoffart also
zugerichtet. 20.60. Die
andere Geburt ist die siderische: du mußt verstehen der sieben Quellgeister
Leben. Darinnen ist nun Liebe und Zorn gegeneinander und darinnen stehet nun
das Oberwasser, welches ein Geist des Lebens ist, und darinnen oder
dazwischen ist nun die Feste des Himmels, welche aus dem Mittel des Wassers
ist gemacht. 20.61. Diese
Geburt dringet nun durch die äußerliche erstarrete durch den Tod durch und
gebäret das siderische Leben im Tod, das ist, in der erstarreten Erden,
Wasser und Fleisch der Tiere und Menschen, auch Vögeln, Fischen und Würmern. 20.62. Bis
in diese Geburt halb, alsviel der Zorn begreift, kann der Teufel reichen, und
tiefer nicht; und so weit ist seine Wohnung, und tiefer nicht. Darum kann der
Teufel nicht wissen, wie das ander Teil in dieser Geburt eine Wurzel hat. 20.63. Und
bis hieher ist der Mensch in seiner Erkenntnis von der Welt her nach seinem
Fall kommen. Die andere Wurzel, welche Himmel heißt, hat der Geist dem
Menschen verborgen gehalten bis daher, damit sie der Teufel nicht von dem
Menschen erlernete und dem Menschen vor seinen Augen Gift drein streuete. 20.64. Dieses
andere Teil der siderischen Geburt, welches in der Liebe im süßen Wasser
stehet, ist nun die Feste des Himmels, die den angezündeten Zorn mit samt
allen Teufeln gefangen hält. Denn darein können sie nicht, und in diesem
Himmel wohnet der Hl. Geist, der aus dem Herzen Gottes ausgehet und streitet
wider die Grimmigkeit und gebäret ihm einen Tempel mitten in der Grimmigkeit
des Zorns Gottes. 20.65. Und
in diesem Himmel wohnet der Mensch, der Gott fürchtet, auch noch mit
lebendigem Leibe, denn derselbe Himmel ist in dem Menschen sowohl als in der
Tiefe über der Erden. Und wie die Tiefe über der Erden ist, also ist auch der
Mensch beides in Liebe und Zorn bis nach Abscheidung der Seelen. Alsdann,
wenn die Seele vom Leibe scheidet, so bleibet sie allein im Himmel der Liebe
oder im Himmel des Zorns. 20.66. Welch
Teil sie allhie im Abscheiden hat begriffen, das ist nun ihr ewig
unauflöslich Wohnhaus und kann ewig daraus nicht kommen, denn es ist eine
Kluft zwischen ihnen, wie Christus beim reichen Manne saget, Luk 16,26. 20.67. Und
in diesem Himmel wohnen uns die heiligen Engel bei, und in dem andern Teile
die Teufel. Und in diesem Himmel lebet der Mensch zwischen Himmel und Hölle,
und muß von dem Grimme manchen harten Stoß, Versuchung und Verfolgung leiden
und sich manchmal wohl martern und quetschen lassen. 20.68. Der
Zorn heißt das Kreuze, und der Liebe-Himmel heißt die Geduld, und der
darinnen aufgehende Geist heißt die Hoffnung und der Glaube, der mit Gott
inqualieret und mit dem Zorne ringet bis er sieget und überwindet, 1.Joh 5,4.
20.69. Und
hierinnen steckt die ganze christliche Lehre. Wer anders lehret, der weiß nicht,
was er lehret, denn seine Lehre hat keinen Fuß oder Grund, und sein Herze
zappelt immer und jammert und weiß nicht, was es tun soll. 20.70. Denn
sein Geist suchet immer der Ruhe und findet ihr nicht, dann ist er ungeduldig
und suchet immer was Neues, und wenn ers findet, so erkitzelt er sich
darinnen, als hätte er einen neuen Schatz funden, und ist doch keine
Beständigkeit in ihm, sondern suchet stets Abstinentia. 20.71. Ihr
Theologi, allhier tut euch der Geist Tür und Tor auf. Wollt ihr nun nicht sehen
und eure Schäflein auf grüner Weide weiden, sondern auf dürrer Heide, so
sollt ihr das vor dem ernsten und zornigen Gerichte Gottes verantworten; da
sehet eben zu! 20.72. Ich
nehme den Himmel zum Zeugen, daß ich allhie verrichte, was ich tun muß, denn
der Geist treibet mich dazu, daß ich auch mit ihm gänzlich gefangen bin und
mich seiner nicht erwehren kann, vielleicht was mir auch immer hernach
begegnen möchte. Die
heilige Porten
20.73. Die
dritte Geburt in dem Leibe Gottes dieser Welt ist unter der Festen des
Himmels verborgen, und die Feste des Himmels inqualieret mit derselben, aber
doch nicht ganz leiblich, sondern kreatürlich gleichwie die Engel und die
Seele des Menschen. 20.74. Und
dieselbe dritte Geburt ist das allmächtige und heilige Herze Gottes. Darinnen
sitzet unser König Jesus Christus mit seinem natürlichen Leibe zur Rechten
Gottes als ein König und Herr des ganzen Leibes oder Loci dieser Welt, der
mit seinem Herzen alles umfasset und hält. 20.75. Und
dieselbe Feste des Himmels ist sein Stuhl, und die Quellgeister seines
natürlichen Leibes herrschen in dem ganzen Leibe dieser Welt, und ist alles
mit ihnen verbunden, was in der siderischen Geburt im Teil der Liebe stehet,
das andere Teil dieser Welt ist mit dem Teufel verbunden. 20.76. Du
mußt nicht denken, wie Johannes Calvus oder Calvinus gedacht hat, der Leib
Christi sei ein unallmächtig Wesen und begreife nicht weiter als den Locum in
sich. 20.77. Nein,
du Menschenkind, du irrest und verstehest die göttliche Kraft nicht recht.
Begreift doch ein jeder Mensch in seinen siderischen Quellgeistern den ganzen
Locum oder Leib dieser Welt und der Locus begreift den Menschen. Es ist als
ein Leib, allein nur unterschiedliche Glieder. 20.78. Wie
wollten denn die Quellgeister in dem natürlichen Leibe Christi nicht mit den
Quellgeistern der Natur inqualieren? Ist doch sein Leib auch aus den
Quellgeistern der Natur und sein Herze animalisch aus der dritten Geburt,
welches ist das Herze Gottes, das aller Engel und aller Himmel Himmel, ja den
ganzen Vater begreift. 20.79. Ihr
Calvanisten, allhier stehet ab von eurer Meinung, ihr irret, und martert euch
nicht mit dem begreiflichen Wesen, denn Gott ist ein Geist, Joh 4,24; und in
der Begreiflichkeit stehet der Tod. 20.80. Der
Leib Christi ist nicht mehr in der harten Begreiflichkeit, sondern in der
göttlichen Begreiflichkeit der Natur, gleich den Engeln. 20.81. Denn
unsere Leiber werden auch in der Auferstehung nicht in solchem harten
Fleische und Beinen bestehen, sondern sind gleich den Engeln, und obgleich
alle Forma und Kraft wird darinnen sein, auch alle Geschicklichkeit, bis auf
die Geburtsglieder, die werden in einer andern Forma stehen, sowohl auch das
Eingeweide der Därme, so werden wir doch nicht die harte Begreiflichkeit
haben. 20.82. Denn
Christus saget zu Maria Magdalena im Garten Josephs beim Grabe nach seiner
Auferstehung: Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zu
meinem Gott und zu eurem Gott, Joh 20.17. Als wollte er sagen: Ich habe nun
nicht mehr den tierischen Leib, und ob ich mich dir gleich in meiner alten
Gestalt erzeige, sonst könntest du mich in deinem tierischen Leibe nicht
sehen. 20.83. Auch
so wandelte er die 40 Tage nach seiner Auferstehung nicht immer unter den
Jüngern sichtlich, sondern unsichtlich nach seiner himmlischen und englischen
Eigenschaft, sondern wenn er wollte mit den Jüngern reden, so erzeigte er
sich in begreiflicher Gestalt, damit er könnte natürliche Worte mit ihnen
reden, denn die göttliche kann die Verderbung nicht begreifen. 20.84. Auch
so zeigets genug an, daß sein Leib englische Art habe, indem er ist zu seinen
Jüngern durch verschlossene Tür gegangen, Joh 20.19. 20.85. Also
sollst du nun wissen, daß sein Leib mit allen sieben Geistern in der Natur
inqualieret in der siderischen Geburt im Teil der Liebe und hält die Sünde,
den Tod und Teufel in einem Zornteil gefangen. 20.86. Also
verstehest du nun, was Gott den andern Tag gemacht hat, als er das Wasser
unter der Festen von dem Wasser über der Festen geschieden hat. Auch so
siehest du, wie du in dieser Welt überall im Himmel und auch in der Hölle
bist, und wohnest zwischen Himmel und Hölle in großer Gefahr. 20.87. Auch
so siehest du, wie auch der Himmel in einem heiligen Menschen ist und
allenthalten, wo du stehest oder gehest oder liegest, so dein Geist nur mit
Gott inqualieret, so bist du demselben Teil nach im Himmel und deine Seele in
Gott. Darum spricht auch Christus: Meine Schäflein sind in meinen Händen und
niemand wird mir sie ausreißen, Joh 10,28. 20.88. Desgleichen
siehest du, wie du dem Zorn nach allezeit in der Höllen bist bei allen
Teufeln. Wenn dir deine Augen nur eröffnet wären, so solltest Wunder sehen,
aber du stehest zwischen Himmel und Hölle, und kannst sehen und wandelst gar
auf einem schmalen Stege. 20.89. Es
sind etliche Menschen zu mancher Stunde dem siderischen Geiste nach in
entritten worden, wie man es nennet, und haben alsbald auch des Himmels und
der Höllen Porten erkannt, auch angezeiget, wie mancher Mensch mit lebendigem
Leibe in der Höllen wohnet. Derer hat man zwar gespottet, aber mit großem
Unverstande, denn es verhält sich also. Dieses will ich an seinem Orte
ausführlich auch beschreiben, was es für eine Gestalt mit ihnen hat. 20.90. Daß
es aber eine zweifache Geburt mit dem Wasser habe, will ich allhie mit der
Sprache der Natur auch beweisen, denn es ist die Wurzel oder Mutter aller
Sprachen, die in dieser Welt sind, und stehet die ganze vollkömmliche
Erkenntnis aller Dinge hierinnen. 20.91. Denn
als Adam erstlich geredet hat, so hat er allen Kreaturen nach ihren
Qualitäten und anstehenden Wirkungen den Namen gegeben. Und ist eben die
Sprache der ganzen Natur, aber es kann sie nicht ein jeder, denn es ist ein
Geheimnis, Mysterium, welches mir von Gnaden Gottes in mitgeteilet worden von
dem Geiste, der Lust zu mir hat. 20.92. Nun
merke: Das Wort "Wasser" stößet aus dem Herzen und macht die Zähne
zu, und gehet über die herbe und bittere Qualität und reget sie nicht, und
führt durch die Zähne raus, und die Zunge rafft sich mit zum Geiste und hilft
zischen, und inqualieret mit dem Geiste, und der Geist gehet ganz mächtig
durch die Zähne raus. 20.93. Wenn
aber der Geist zum meisten Teil raus ist, so rafft sich erst der herbe und
bittere Geist auf und inqualieret erst hinten nach mit dem Worte. Er bleibet
aber in seinem Sede sitzen und zerret mächtig in der Silbe "Ser"
nach. 20.94. Daß
sich nun der Geist im Herzen fasset und fährt hervor und macht die Zähne zu
und zischet mit der Zungen durch die Zähne, bedeutet, daß sich das Herze
Gottes habe beweget und mit seinem Geiste einen Schluß um sich gemacht,
welches ist die Feste des Himmels; gleichwie sich die Zähne zumachen und der
Geist gehet durch die Zähne, also auch gehet der Geist aus dem Herzen in die
siderische Geburt. 20.95. Und
gleichwie sich die Zunge mit zum Zischen bildet und inqualieret mit dem
Geiste und wallet mit ihm, also bildet sich die Seele des Menschen mit den
Hl. Geiste und inqualieret mit demselben, und dringet mit in Kraft desselben
durch den Himmel und herrschet mit im Worte Gottes. 20.96. Daß
sich aber erst hinten nach die herbe und bittere Qualität aufwecket und
bildet sich hinten nach zum Wort, bedeut, daß es zwar alles ein Leib ist,
aber der Himmel und der Hl. Geist samt dem Herzen Gottes hat seinen Sedem für
sich; und kann der Teufel samt dem Zorne weder den Hl. Geist noch den Himmel
ergreifen, sondern es hänget der Teufel mit dem Zorne in der äußersten Geburt
am Worte, und hilft der Zorn in der äußersten Geburt in dieser Welt alles
bilden, was in der Begreiflichkeit stehet, gleichwie die herbe und bittere
Qualität sich hinten nach zum Worte bilden und inqualieren mit demselben. 20.97. Daß
aber der Geist erstlich also über die herbe und bittere Qualität gehet
unvermerkt, bedeut, daß die Porten Gottes überall in dieser Welt ist, da der Hl.
Geist herrschet, und daß der Himmel überall offen stehet, auch mitten in der
Erden, und daß der Teufel den Himmel nirgends kann weder sehen noch
begreifen, sondern er ist ein murrender und kirrender Höllenhund, der erst
hinten nachkommt, wenn der Hl. Geist ihme hat eine Kirche und Tempel gebauet,
und denselben im Zorne zerstöret, und hanget hinten nach am Worte als ein
Feind, der nicht will, daß ihm in seinem Lande soll ein Tempel Gottes gebauet
werden, damit sein Reich möchte geschmälert werden. 21.1. Obgleich der
Geist in den Schriften Mosis die tiefesten Geheimnisse im Buchstaben hat
verborgen gehalten, gleichwohl ist alles so gar ordentlich beschrieben, daß
an der Ordnung kein Mangel ist. 21.2. Denn als Gott
durchs Wort hat Himmel und Erden geschaffen und hat das Licht von der
Finsternis geschieden und hat jedem Dinge seinem Sedem gegebem, so hat
alsbald jedes seine Geburt und Qualifizierung angefangen. 21.3. Den ersten Tag
hat Gott den verderbten Salitter, welcher ist in der Anzündung seines Zorns
worden, zusammengetrieben oder durch den starken Geist geschaffen, denn das
Wort "Schuf" heißt hie eine Zusammentreibung. 21.4. In dieser
Zusammentreibung des verderbten Zorn-Salitters ist auch König Luzifer als ein
unmächtiger Fürst mit samt seinen Engeln in die Hölle des Zorn-Salitters in
den Locum, wo die äußerliche halbtote Begreiflichkeit geboren wird, getrieben
worden, welches ist der Raum zwischen der Naturgöttin, dem Monden und der
toten Erden. 21.5. Als nun dieses
geschehen ist, so ist die Tiefe helle worden und hat sich mit dem verborgenen
Himmel das Licht von der Finsternis geschieden, und ist die Kugel der Erden
in dem großen Rade der Natur einmal umgewandt gewesen, und ist hiermit die
Zeit einer Umwendung oder eines Tages vergangen, welches 24 Stunden in sich
hält. 21.6. Die andere
Tagelänge ist die scharfe Scheidung angegangen, und ist die unbegreifliche
Kluft zwischen den Zorn und zwischen die Liebe des Lichts gemacht worden, und
ist König Luzifer in dem Hause der Finsternis feste verriegelt und zum
endlichen Gerichte behalten worden. 21.7. Auch so ist das
Wasser des Lebens von dem Wasser des Todes geschieden worden, jedoch mit der
Gestalt, daß es in dieser Zeit der Welt aneinander bange wie Leib und Seele,
und doch keines das ander begreife, sondern der Himmel, welcher aus dem
Mittel des Wassers ist gemacht worden, ist eine Kluft zwischen ihnen, daß
also das begreifliche Wasser sei ein Tod und das unbegreifliche sei das
Leben. 21.8. Also regieret nun
der unbegreifliche Geist, welcher ist Gott, allenthalben in dieser Welt und
erfüllet alles. Und der Begreifliche hanget an ihm und wohnet in der
Finsternis und kann den Unbegreiflichen weder sehen, hören, riechen noch
fühlen, sondern seine Werke siehet er und ist ein Zerstörer derselben. 21.9. Als nun Gott den
Teufel in die Finsternis gebunden durch den Schluß des Himmels, welcher
Himmel allenthalben an allen Enden ist, so fing er wieder an seine
wunderliche Geburt in dem siebenten Naturgeiste und gebar sich alles wiederum,
wie es von Ewigkeit getan hatte. Denn so schreibet Moses: Und Gott sprach: Es
lasse die Erde aufgehen Kraut und Gras, das sich besame, und fruchtbare
Bäume, da ein jegliches nach seiner Art Frucht trage und habe seinen eigenen
Samen bei ihm selbst auf Erden, und es geschah also. Und die Erde lies
aufgehen Gras und Kraut, das sich besamet, ein jegliches nach seiner Art, und
Bäume, die da Frucht trugen und ihren eignen Samen bei sich hatten, ein
jeglicher nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war; da ward aus Abend
und Morgen der dritte Tag, Gen 1,11-13. 21.10. Dieses
ist zwar ganz recht und eigentlich beschrieben, aber der rechte Grund steckt
im Worte verborgen und ist von dem Menschen niemalen verstanden worden. Denn
der Mensch hat seit der Zeit des Falles niemals können die innerliche Geburt
begreifen, wie da sei die himmlische Geburt, sondern seine Vernunft ist in
der äußerlichen Begreiflichkeit gefangen gelegen und hat nicht können durch
den Himmel durchdringen und die innerliche Geburt Gottes schauen, welche auch
ist in der verderbten Erden und allenhalben. 21.11. Du
darfst allhie nicht denken, daß Gott was Neues gemacht habe, das vorhin nicht
gewesen sei, denn wenn das wäre, so wäre ein anderer Gott worden, welches
doch nicht möglich ist. 21.12. Denn
außer diesem einigen Gott ist nichts. Denn es ist auch der Höllen Porten
nicht außer diesem einigen Gott; allein eine Entscheidung ist worden zwischen
der Liebe im Lichte und zwischen dem angezündeten Zorn in der Finsternis, und
kann eines das ander nicht begreifen, und bangen doch aneinander als ein
Leib. 21.13. Der
Salitter, daraus die Erde ist worden, der ist von Ewigkeit gewesen, und ist
in dem siebenten Quellgeiste gestanden, welches ist der Naturgeist, und die
andern sechs haben den siebenten immer geboren, und sie sind damit
umschlossen oder als in ihrer Mutter Leibe gefangen gelegen, und sind des
siebenten Kraft und Leben gewesen, gleichwie die siderische Geburt im
Fleische. 21.14. Als
aber König Luzifer den Zorn in dieser Geburt erreget hat und mit seinem
Hochmut den Gift und Tod drein bracht hat, so hat sich in der zornigen
Geburt, in der Grimmigkeit oder Stachel des Todes solche Erde und Steine
geboren. 21.15. Auf
dieses ist nun die Ausspeiung erfolget, denn die Gottheit konnte solche Geburt
in der Liebe und im Lichte Gottes nicht leiden, sondern der verderbte
Salitter mußte auf einen Klumpen getrieben werden und Herr Luzifer mit ihm,
und verlosch zuhand das eingeborne Licht in dem verderbten Salitter, und ward
der Schluß des Himmels zwischen den Zorn und zwischen die Liebe gemacht, auf
daß sich nicht mehr solcher Salitter gebäre, und daß der Himmel den Zorn in
der äußersten Geburt in der Natur in der Finsternis gefangen hielte und eine
ewige Entscheidung zwischen ihnen sei. 21.16. Als
aber dies in zwei Tagen vollendet war, so ging am dritten Tage das Licht auf
in der Finsternis, und die Finsternis samt ihrem Fürsten konnte es nicht
begreifen. Denn da ging aus der Erden auf Gras und Kraut und Bäume, dabei
stehet nun geschrieben: Ein jegliches nach seiner Art, Gen 1,12. 21.17. In
diesem Worte steckt der Kern der ewigen Geburt verborgen und kann mit Fleisch
und Blut nicht ergriffen werden, sondem der Hl. Geist muß durch die seelische
Geburt die siderische im Menschen anzünden, sonst ist er hierinnen blind und
verstehet nichts als von Erden und Steinen und von Gras, Kraut und hölzernen
Bäumen. Allhie stehet nun geschrieben: Gott sprach: Es lasse die Erde
aufgehen Gras und Kraut und fruchtbare Bäume. 21.18. Hie
merke: Das Wort "Sprach" ist ein ewiges Wort, und ist vor den
Zeiten des Zorns von Ewigkeit in diesem Salitter gewesen als er noch in
himmlischer Form und Leben stund, und ist auch in seinem Centro nie gar
gestorben, sondern nur in der Begreiflichkeit. 21.19. Als
aber das Licht in der äußerlichen Begreiflichkeit oder im Tode wieder
aufging, so stund das ewige Wort in voller Geburt und gebar durch und aus dem
Tode das Leben, und brachte der verderbte Salitter nun wieder Früchte hervor.
21.20. Weil
aber das ewige Wort mit der Verderbung im Zorn mußte inqualieren, so wurden
die Leiber der Früchte bös und gut. Denn aus der Erden, welche ist im Tode,
mußte die äußerliche Geburt der Früchte werden. So mußte aus der siderischen
Geburt, welche stehet in Liebe und Zorn der Geist oder das Leben werden. 21.21. Denn
also stund die Geburt der Natur in der Zeit der Anzündung, und ward also in
die Erde mit einkorporieret, und mußte auch in solcher Geburt wieder
aufgehen. Denn es stehet geschrieben, daß die tote Erde soll lassen Gras und
Kraut und Bäume aufgehen, ein jegliches nach seiner Art. 21.22. Das
ist nach Art und Qualität, wie es von Ewigkeit in himmlischer Qualität, Art
und Form gewesen war. Denn das heißt seine eigene Art, die in Mutterleibe
empfangen ist, und ist für Naturrecht sein als sein eigen Leben. 21.23. Also
hat auch die Erde kein fremd Leben hervorbracht als das, das von Ewigkeit in
ihr gewesen ist. Gleichwie sie vor der Zeit des Zorns hat himmlische Früchte
bracht, die da haben einen heiligen, reinen, himmlischen Leib gehabt, und sind
eine Speise der Engel gewesen; also brachte sie nun auch jetzt Früchte hervor
nach ihrer begreiflichen, harten, bösen, zornigen, giftigen, halbtoten Art,
denn wie die Mutter war, also wurden auch die Kinder. 21.24. Nicht
sind die Früchte der Erden darum ganz in Zorn Gottes, denn das
eingekorporierte Wort, welches unsterblich und unverderblich ist, das von
Ewigkeit ist in dem Salitter der Erden gewesen, das grünete wieder in dem
Leibe des Todes und brachte Früchte aus dem erstorbenen Leibe der Erden, aber
die Erde hat das Wort nicht ergriffen, sondern das Wort die Erde. 21.25. Und
wie nun war die ganze Erde mit samt dem Wort, also war auch die Frucht. Das
Wort aber blieb im Centro des Himmels, welcher an dieser Stätte auch ist,
verborgen, und ließ die Geburt der sieben Quellgeister aus der äußersten,
verderbten und toten den Leib formieren, und sie blieb als das Wort und Herze
Gottes in ihrem himmlischen Sede sitzen, auf dem Throne der Majestät, und
erfüllete die siderische und auch tote Geburt, aber ihnen als das heilige
Leben ganz unbegreiflich. 21.26. Nicht
sollst du denken, daß darum die äußerste tote Geburt der Erden habe ein solch
Leben durchs aufgegangene Wort kriegt, daß sie nicht mehr ein Tod sei und daß
in ihrer Frucht nicht der Tod sei; nein, das kann ewig nicht sein, denn was
in Gott einmal tot ist, das ist tot und wird in seiner eigenen Gewalt ewig
nicht wieder lebendig, sondern das Wort, welches mit der siderischen Geburt
inqualieret im Teil der Liebe, das gebäret durch die siderische Geburt durch
den Tod das Leben. 21.27. Denn
du siehest ja, wie alle Früchte der Erden, was sie aus sich gebieret,
verfaulen müssen und sind auch ein Tod. 21.28. Daß
aber die Früchte einen andern Leib bekommen als die Erde, der da viel
kräftiger, schöner, wohlschmeckender und wohlriechender ist, das machts, daß
die siderische Geburt vom Worte die Kraft nimmt und formet einen andern Leib,
der da stehet halb im Tod und halb im Leben, und stehet zwischen der Liebe
verborgen. 21.29. Daß
aber die Früchte auf dem Leibe viel lieblicher, süßer und milder sind mit
gutem Geschmacke, das ist die dritte Geburt aus der Erden, nach welcher die
Erde wird gereiniget werden am Ende dieser Zeit und wieder in ihren ersten
Locum gesetzt werden; aber der Zorn wird im Tode bleiben. Die
freudenreiche Porten der Menschen
21.30. Siehe,
so spricht der Geist im Worte, der da ist das Herze der Erden, der da
aufgehet in seinem Himmel im hellen Blitze des Lebens, mit dem mein Geist in
seiner Erkenntnis inqualieret und durch den ich diese Worte schreibe: Der
Mensch ist aus dem Samen der Erden, aus einer zusammenkorporierten Massen
gemacht und nicht aus dem Zorne, sondern aus der Geburt der Erden als ein
König oder Herze der Erden, und stund in der siderischen Geburt im Teil der
Liebe; aber der Zorn hing ihm an. Den sollte er von sich gebären, wie die
Frucht der Bitterkeit des Baumes von sich gebäret. 21.31. Und
das tat er nicht, sondern griff zurück aus der Liebe in Zorn und ließ sich
nach seiner toten Mutter gelüsten, davon zu essen und ihre Brust zu saugen
und auf ihrem Stamme zu stehen. 21.32. Nun
wie er rang, so gelang es ihm auch. Der hat sich mit seiner äußersten Geburt
in Tod seiner Mutter bracht und mit seinem Leben aus der Liebe in das Teil
der zornigen siderischen Geburt. 21.33. Da
stehet er nun zwischen Himmel und Hölle dem Teufel im Augenscheine in seinem
Reiche, wider welchen der Teufel stets krieget und streitet, ihn entweder aus
seinem Lande zu verbannen in die Erde oder ein Kind des Zorns in der Hölle
aus ihm zu machen. 21.34. Was
ist nun seine Hoffnung? Siehe, du blinder Heide, siehe, du Schriftzerrer und
-dehner, tue deine Augen weit auf und schäme dich nicht vor dieser Einfalt,
denn Gott liegt im Centro verborgen und ist noch viel einfältiger, aber du
siehest ihn nicht. 21.35. Siehe,
dein Geist oder deine Seele wird aus deiner siderischen Geburt geboren und
ist die dritte Geburt in dir, gleichwie der Apfel auf dem Baum die dritte
Geburt von der Erden ist und sein Gewächs nicht in der Erden hat, sondern
über der Erden. So er nun ein Geist wäre wie deine Seele, so würde er sich
die Erde wohl nicht mehr binden lassen zu verderben. 21.36. Das
sollst du aber wissen, daß der Apfel auf seinem Stamme gleichwohl mit seiner
innersten Geburt mit dem Wort Gottes inqualieret, durch welches Kraft er ist
aus der Erden gewachsen. Weil aber der Zorn in seiner leiblichen Mutter ist,
so kann sie ihn nicht aus der begreiflichen Geburt setzen, sondern er muß mit
seinem Leibe in der Begreiflichkeit im Tode bleiben, 21.37. Aber
in seiner Kraft, in welcher sein Leben stehet, mit welcher mit dem Worte
Gottes inqualieret, wird er am Jüngsten Tage in seiner Mutter in Kraft des
Worts wieder in seinen himmlischen Locum gesetzet und von der zornigen und
toten Begreiflichkeit geschieden werden, und im Himmel dieser Welt aufgehen
in himmlischer Form und eine Frucht sein der Menschen in jenem Leben. 21.38. Weil
du aber bist aus dem Samen der Erden gemacht im Worte und hast deinen Leib
wieder zurücke in die Mutter gesetzt, so ist dein Leib auch ein begreiflich
toter Leib worden, wie deine Mutter ist. Und dein Leib hat die Hoffnung wie
die Erde seine Mutter, daß er wird am Jüngsten Tage in Kraft des Wortes
wieder in seinen ersten Locum gesetzet werden. 21.39. Weil
aber deine siderische Geburt allhie auf Erden im Zorn stehet und inqualieret
mit der Liebe im Worte, gleichwie die Frucht auf dem Baume, denn die Kraft
der Frucht inqualieret mit dem Worte, so stehet deine Hoffnung in Gott. 21.40. Denn
die siderische Geburt stehet in Liebe und Zorn, und des kann sie sich in
dieser Zeit nicht benehmen von wegen der äußersten Geburt im Fleische, welche
im Tode stehet. 21.41. Denn
das tote Fleisch hat die siderische Geburt umfangen, und ist des Menschen
Fleisch ein tot Aas, weil es noch im Mutterleib ist und mit der Höllen und
Gottes Zorn umfangen. 21.42. Nun
aber gebäret die siderische Geburt die animalische als die dritte, welche im
Worte stehet, da das Wort eingekorporieret im Centro verborgen lieget in
seinem Himmel. 21.43. Weil
du nun aber deine Vernunft hast und bist nicht wie der Apfel auf dem Baume,
sondern bist zu einem Engel und Gottes Ebenbilde an der verstoßenen Teufel
Stelle geschaffen und weißt, wie du kannst mit deiner siderischen Geburt im
Teil der Liebe mit dem Wort Gottes inqualieren, so kannst du deine
animalische Geburt im Centro in das Wort im Himmel setzen, und kannst mit
deiner Seelen mit lebendigem Leibe in dieser toten Begreiflichkeit mit Gott
im Himmel herrschen. 21.44. Denn
das Wort ist in deinem Herzen und inqualieret mit der Seelen als ein Wesen,
und so deine Seele in der Liebe stehet, so ist es auch ein Wesen, und magst
sagen, daß du deiner Seelen nach im Himmel sitzest und lebest und herrschest
mit Gott. 21.45. Denn
die Seele, welche das Wort ergreifet, die hat eine offene Porten im Himmel
und kann von nichts gehalten werden, auch so siehet sie der Teufel nicht,
denn sie ist nicht in seinem Lande. 21.46. Weil
aber deine siderische Geburt mit dem einen Teil im Zorne und das Fleisch
durch den Zorn im Tode stehet, so siehet dir der Teufel im Teil des Zorns
stets bis in dein Herz hinein; und lässest du ihm Raum, so reißt er dir das
Teil der siderischen Geburt, welches in der Liebe stehet, aus dem Worte. 21.47. Alsdann
ist dein Herze ein finster Tal. Arbeitest du nicht bald wieder zur Geburt des
Lichts, so zündet er dir das Zornfeuer drinnen an. Alsdann wird deine Seele
aus dem Worte ausgespeiet und inqualieret mit dem Zorn Gottes, und du bist
hernach ein Teufel und nicht ein Engel und kannst mit deiner animalischen
Geburt nicht die Porten des Himmels erreichen. 21.48. So
du aber mit dem Teufel streitest und behältst die Porten der Liebe in deiner
siderischen Geburt und fährest also dem Leibe nach von hinnen, so bleibet
deine Seele im Worte dem Teufel ganz verborgen, und herrschet mit Gott bis an
den Tag der Wiederbringung, was verloren ist. 21.49. So
du aber im Zorne stehest mit deiner siderischen Geburt, wenn du dem Leibe
nach von hinnen fährest und deine Seele nicht ins Wort gefasset ist, so
erreichest du die Porten des Himmels ewig nicht, sondern wo du deinen Samen,
das ist deine Seele hingesäet hast, in demselben Teil wird auch der Leib
aufstehen. Die
Porten der Kraft
21.50. Daß
sich aber Leib und Seele werde wieder zusammenfinden am Tage der
Auferstehung, siehest du allhie an der Geburt der Erden. Denn der Schöpfer
sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras, Kraut und fruchtbare Bäume, ein
jegliches nach seiner Art. Da ging ein jegliches nach seiner Art auf und
grünete, und wie es vor der Zeit des Zorns hatte einen himmlischen Leib
gehabt, so kriegete es nun einen irdischen nach seiner Mutter, Gen 1,11. 21.51. Das
ist aber zu bedenken, wie alles in dem großen Aufruhr des Teufels ist ins
Wort eingefaßt gewesen, daß alles ist in seinem eigenen Wesen nach seiner
Kraft und Art aufgangen, als wäre es nie zerstöret, sondern nur verändert
worden. 21.52. Ist
es nun zu der Zeit geschehen, da solch Morden und Rauben ist gewesen, so wird
es am Jüngsten Tage vielmehr geschehen, wenn sich die Erde im angezündeten
Zornfeuer wird scheiden und wieder lebendig werden. So wird sie ja freilich
ins Wort der Liebe sein eingefaßt, gleichwie sie in demselben Worte allhie
hat ihre Frucht geboren von Gras und Kraut und Bäumen, sowohl allerlei Erz
von Silber und Gold. 21.53. Weil
aber die siderische Geburt der Erden in der Liebe stehet und die äußerliche
im Tode, so wird auch ein jedes in seinem Sede bleiben und sich Leben und Tod
scheiden. 21.54. Wo
wollte nun die Seele des Menschen am Tage der Wiedergeburt wollen lieber sein
als in ihrem Vater, das ist in dem Leibe, der sie geboren hat? 21.55. Weil
sie aber diese Zeit, weil der Leib ist im Tode gewesen, ist im Worte
verborgen blieben und dasselbe Wort auch die Erde hält in der siderischen
Geburt in der Liebe, so inqualieret sie auch durchs Wort die Zeit ihrer
Verborgenheit mit ihrer Mutter dem Leibe nach der siderischen Geburt in der
Erden und ist Leib und Seele in dem Worte nie voneinander geschieden, sondern
leben zugleich in Gott. 21.56. Und
obgleich der tierische Leib muß verfaulen, noch lebet seine Kraft und wachsen
aus seiner Kraft derweil in seiner Mutter schöne Röslein und Blümlein, und ob
er gleich im Feuer verbrannt wäre, so stehet seine Kraft doch in den vier
Elementen im Worte und inqualieret die Seele mit ihm, denn die Seele ist im
Himmel und derselbe Himmel ist überall, auch mitten in der Erden. 21.57. Mensch,
in diesem Spiegel besiehe dich derweil. Bei der Schöpfung des Menschen wirst
du es ausführlicher finden zu lesen. Dieses setze ich dir nur hierher aus den
Ursache, daß du die Kraft der Schöpfung möchtest besser verstehen und daß du
dich in diesen Geist lernest desto baß schicken und seine Sprache erlernen. Die
offene Porten der Erden
21.58. Nun
möchte einer fragen: Aus waserlei Materia oder Kraft ist denn das Gras, Kraut
und Bäume herfürgangen? Wie hats doch eine Substanz und Gelegenheit mit
diesem Geschöpf? Der Einfältige spricht: Gott hat alles aus Nichts gemacht.
Er kennet aber denselben Gott nicht und weiß nicht, was er ist. Wenn er die
Erde ansiehet mit samt der Tiefen über der Erden, so denket er, das ist nicht
Gott oder da ist nicht Gott. Er bildet ihm allezeit für, Gott wohne allein
über dem blauen Himmel der Sterne und regiere etwa mit einem Geiste, der von
ihm ausgehe in dieser Welt, sein Corpus sei nicht hie auf Erden und in der
Erden gegenwärtig. 21.59. Solche
Meinungen habe ich in der Doktoren Bücher und Schriften gelesen; und eben
darum ist auch so vielerlei Meinung und Zank unter den Gelehrten entstanden. 21.60. Weil
mir aber Gott die Porten seines Wesens in seiner großen Liebe eröffnet und
denket an den Bund, den er mit dem Menschen hat, so will ich alle Porten
Gottes ganz treulich und ernstlich nach meinen Gaben eröffnen und
aufschließen, so weit mir Gott zulässet. 21.61. Nicht
also zu verstehen, daß ich diesen Dingen mächtig genug sei, sondern soviel
ich begreifen kann. Denn das Wesen Gottes ist wie ein Rad, da viel Räder
quericht, über sich und unter sich ineinander gemacht sind, und sich immer
miteinander umwenden; da man zwar das Rad siehet und sich hoch verwundert und
doch auf einmal in seiner Umwendung nicht erlernen noch begreifen kann,
sondern je mehr man das Rad ansiehet, je mehr erlernet man seine Gestalt; und
je mehr man lernet, je größere Lust hat man zu dem Rade, denn man siehet
immer was Wunderbarliches, und kann sich ein Mensch nicht genug sehen und
lernen. 21.62. Also
auch ich, was ich an einem Orte nicht genug beschreibe von dieser großen
Geheimnis, das wirst du am andern finden. Und was ich in diesem Buche nicht
kann beschreiben von wegen der Länge und meiner Unbegreiflichkeit, das sollst
du in dem andern nachfolgenden finden. 21.63. Denn
dieses Buch ist das erste Gewächse dieses Zweigleins, das da grünet in seiner
Mutter, gleichwie ein Kind, das da lernet gehen und kann nicht bald sehr
laufen. 21.64. Denn
obgleich der Geist das Rad siehet und will seine Cestalt an jedem Orte
begreifen, so kann er doch nicht genugsam von wegen des Rades Umwendung. Wenn
aber das wiederum kommt, daß er seine erste gefaßte Gestalt wieder siehet, so
lernet er immer was mehr und wird dem Rade immer günstiger und liebet
dasselbe. 21.65. Nun
merke: Die Erde hat eben solche Qualitäten und Quellgeister wie die Tiefe
über der Erden oder wie die Himmel, und gehöret alles miteinander zusammen zu
einem Leibe. Und der ganze Gott ist derselbe einige Leib. Daß du ihn aber
nicht gänzlich siehest und kennest, das ist der Sünden Ursache, mit welcher
du in diesem göttlichen großen Leibe im toten Fleische verschlossen liegest.
Und ist dir die Kraft der Gottheit verborgen, gleichwie das Mark in den
Beinen dem Fleische verborgen ist. So du aber im Geiste durchbrichst durch
den Tod des Fleisches, so siehest du den verborgenen Gott. Gleichwie das Mark
in den Beinen durchbricht und gibt dem Fleische Kraft und Stärke, und das
Fleisch kann doch nicht das Mark ergreifen, sondern nur seine Kraft, also
auch du kannst die verborgene Gottheit nicht im Fleische sehen, sondern du
empfähest seine Kraft und verstehest darinnen, daß Gott in dir wohnet. 21.66. Denn
das tote Fleisch gehöret nicht in die Geburt des Lebens, daß es das Leben des
Lichts eigentümlich empfahe, sondern das Leben des Lichts in Gott gehet in
dem toten Fleische auf und gebäret ihm aus dem toten Fleische einen andern
himmlischen und lebendigen Leib, welcher das Licht kennet und verstehet. 21.67. Denn
dieser Leib ist nur eine Hülse, daraus der neue Leib wächset, gleichwie mit
dem Weizenkorne auf Erden. Die Hülse aber wird nicht wieder aufstehen und
lebendig werden, gleichwie auch am Weizen nicht geschieht, sondern wird ewig
im Tode und in der Höllen bleiben. 21.68. Darum
träget der Mensch des Teufels ewig Wohnhaus allhie auf Erden in seinem Leibe
mit sich. Du magst wohl damit prangen, du schöne Göttin, und magst den Teufel
derweil in die neue Geburt zu Gaste laden, es wird dir viel Nutzen schaffen;
schaue zu, daß du nicht einen neuen Teufel gebärest, der in seinem eignen
Hause bleibe. 21.69. Schaue
die Geheimnis der Erden an, wie sie gebäret, so mußt du auch gebären. Die
Erde ist nicht der Leib, der herauswächst, sondern sie ist dessen Leibes
Mutter, gleichwie auch dein Fleisch nicht ist der Geist, sondern das Fleisch
ist des Geistes Mutter. 21.70. Nun
aber stehet in beiden, in der Erden und auch in deinem Fleische das Licht der
klaren Gottheit verborgen und bricht durch, und gebäret ihm einen Leib nach jedes
Leibes Art dem Menschen nach seinem Leibe und der Erden nach ihrem Leibe;
denn wie die Mutter ist, so wird auch das Kind. Des Menschen Kind ist die
Seele, sie wird aus der siderischen Geburt aus dem Fleische geboren; und der
Erden Kind sind Gras, Kraut, Bäume, Silber, Gold, allerlei Erz. 21.71. Nun
sprichst du: Wie soll ich mich denn in die Geburt der Erden schicken, daß ich
was verstehe? Siehe, die Geburt der Erden stehet in ihrer Geburt gleichwie
die ganze Gottheit, und ist gar kein Unterschied als nur die Verderbung im
Zorne, darinnen die Begreiflichkeit stehet. Das ist allein der Unterschied
und der Tod zwischen Gott und der Erden. 21.72. Du
sollst wissen, daß alle sieben Geister Gottes in der Erden sind und gebären
gleichwie im Himmel, denn die Erde ist in Gott, und Gott ist nie gestorben,
sondern die äußerste Geburt ist tot, darinnen der Zorn ruhet und wird König
Luzifern zu einem Hause des Todes und zu einer ewigen Gefängnis vorbehalten. Von den sieben Geistern Gottes und
ihrer Wirkung in der Erden
21.73. Erstlich
ist der herbe Geist, der zeucht in der siderischen Geburt der sieben
Quellgeister in der Erden eine Massam zusammen durch Anzündung der obern
Geburt über der Erden, und vertrocknet dieselbe mit seiner scharfen Kälte,
gleichwie er das Wasser zusammenzeucht und macht Eis draus, also zeucht er
auch das Wasser in der Erden zusammen und macht eine trockene Massam draus. 21.74. Hernach
so ist der bittere Geist, welcher im Feuerblitz entstehet, auch in der
Materia oder Massa. Der kann nicht leiden, daß er gefangen sei im
Vertrockneten, sondern er reibet sich mit dem herben Geiste in der
vertrockneten Massa, bis er das Feuer anzündet. Wenn nun dies geschieht, so
erschrickt der bittere Geist und krieget sein Leben. 21.75. Nimm
hie dies recht ein: In der Erden kannst du außer den Kräutern oder Metallen
nichts spüren noch finden als Herbe und Bitter und Wasser. Nun ist aber das
Wasser süße darinnen, den andern zweien ganz zuwider. 21.76. Auch
so ist es dünne und die andern beiden hart, rauh und bitter, und ist immer
eines wider das ander; ist derowegen ein stetiges Würgen, Kämpfen und Ringen,
aber in dieser dreier Würgen stehet noch nicht das Leben, sondern sie sind
ein finster Tal, und sind drei Dinge, die sich nimmer miteinander vertragen,
sondern es ist ein ewiges Würgen unter ihnen. 21.77. Und
davon nimmt die Beweglichkeit ihren Ursprung. Auch so nimmt Gottes Zorn,
welcher im Verborgenen ruhet, davon seinen Ursprung. Auch so ist der Ursprung
des Teufels, des Todes und der Höllen davon entstanden, wie du davorne beim
Falle des Teufels kannst lesen. Die
Tiefe im Centro der Geburt
21.78. Wenn
sich nun die drei Dinge, als Herbe, Bitter und Süße also miteinander reiben,
so wird die herbe Qualität Primus, denn sie ist die stärkeste und zeucht mit
Gewalt die süße zusammen; denn die süße ist sanft und ausdehnend von wegen
ihrer Weiche und muß sich gefangen geben. 21.79. Wenn
nun das geschieht, so wird die bittere mit gefangen in dem Leibe des süßen
Wassers und wird mit eingetrocknet. Als. dann ist Herbe, Süße und Bitter
ineinander und würget sich so streng in der vertrockneten Massa, bis die
Massa trocken wird, denn die herbe Qualität zeuchts immer trockener zusammen.
21.80. Wenn
sich aber das süße Wasser nicht mehr kann wehren, so steiget die Angst in ihm
auf gleichwie im Menschen, wenn er stirbet, daß sich der Geist vom Leibe
scheidet und sich der Leib dem Tode gefangen gibt, also gibt sich das Wasser
gefangen. 21.81. Und
in demselben Angstaufsteigen gebäret sich eine Angsthitze, dadurch ein
Schweiß dringet gleichwie durch einen sterbenden Menschen. Und derselbe
Schweiß inqualieret mit der herben und bittern Qualität, denn es ist ihr
Sohn, den sie aus dem süßen Wasser geboren haben, als sie das haben ermordet
und zum Tode bracht. 21.82. Wenn
nun das geschieht, so freuen sich die herbe und bittere Qualität in dem
Sohne, verstehe: in dem Schweiße, und ein jeder gibt ihm seine Kraft und
Leben und frätzen ein in ihm gleichwie ein geizig Ferkel, daß sie ihn bald
groß ziehen. Denn die herbe Qualität, sowohl auch die bittere ziehen immer
den Saft aus der Erden und füllen ihn in den jungen Sohn. 21.83. Der
Leib aber, der aus dem süßen Wasser erstlich ward zusammengezogen, der
bleibet erstorben, und hat nun der Schweiß des Leibes, welcher mit der herben
und bittern Qualität inqualieret, das Haus inne und breitet sich da aus und
wird groß, fett und geil. 21.84. Nun
aber können die zwei Qualitäten, als herbe und bittere, ihren Zank und
Widerwillen nicht lassen, sondern sie ringen stets miteinander. Die herbe ist
stark, so ist die bittere geschwinde. 21.85. Wenn
nun die herbe nach der bittern greift, so springt die bittere beiseit und
nimmt des Sohnes Saft mit, alsdann dringet ihr die herbe überall nach und
will sie gefangen nehmen, so reißt dann die bittere aus dem Leibe und dehnet
sich so weit als sie kann. 21.86. Alsdann,
wenn der Leib zu enge wird, daß sie ihn nicht mehr kann ausdehnen, und der
bittere Zank zu groß, so muß sich die bittere gefangen geben. Doch kann die
herbe die bittere nicht errnorden, sondern hält sie nur gefangen, und ist der
Streit also groß in ihnen, daß die bittere noch aus dem Leibe bricht und
nimmt den Leib ihres Sohnes mit. 21.87. Dieses
ist nun die Wachsung und Zusammenkorporierung oder Leibwerdung einer Wurzel,
wie die in der Erden wird. 21.88. Nun
sprichst du: Wie kann in dieser Geburt Gott sein? Siehe, das ist die Geburt
der Natur. So nun in diesen drei Qualitäten als Herbe, Bittere und Süße nicht
das angezündete Zornfeuer wäre, so solltest du wohl sehen, wo Gott wäre. 21.89. Nun
aber ist das Zornfeuer in allen dreien, denn die Herbe ist viel zu kalt und
zeucht den Leib viel zu hart zusammen, so ist die Süße viel zu dicke und
finster, welche die herbe bald ergreift und hält sie gefangen und vertrocknet
sie zu sehr, so ist die Bittere viel zu stachlicht, mörderisch und wütend,
und können nicht der Sachen eines werden. 21.90. Sonst,
wenn die Herbe nicht also hart im kalten Feuer angezündet wäre und das Wasser
nicht so dick wäre und die Bittere nicht so erheblich und mörderisch, so könnten
sie das Feuer anzünden, davon das Licht entstände, und aus dein Licht die
Liebe und aus dem Feuerblitz der Ton; dann würdest du wohl sehen, ob allda
nicht würde ein himmlischer Leib sein, darinnen das Licht Gottes würde
scheinen. 21.91. Weil
aber die Herbe zu kalt ist und vertrocknet das Wasser zu sehr, so nimmt sie
das hitzige Feuer in ihrer Kälte gefangen und ermordet den Leib des süßen
Wassers, auch so nimmt sie die Bittere gefangen und vertrocknet sie mit. 21.92. In
dieser Vertrocknung wird nun das Fette im süßen Wasser ermordet, in welchem
sich das Feuer anzündet, und wird aus demselben Fette ein herber und bitterer
Geist. Denn wenn das Fette im süßen Wasser erstirbet, so verwandelt sichs in
einen Angstschweiß, darinnen die herbe und bittere inqualieren. 21.93. Nicht
ists also gemeinet, daß das Wasser ganz ersterbe; nein, das kann nicht sein,
sondern der herbe Geist nimmt die Süßigkeit oder des Wassers Fettigkeit in
seinem kalten Feuer gefangen und inqualieret mit demselben und brauchts zu
seinem Geiste. 21.94. Denn
sein Geist ist ganz erstarret und im Tode, so braucht er nun das Wasser zu
seinem Leben und zeucht ihm seine Fettigkeit aus und nimmt ihm seine Macht. 21.95. Alsdann
wird aus dem Wasser ein Angstschweiß, welcher zwischen Tod und Leben stehet,
und kann sich das Feuer der Hitze nicht anzünden. Denn das Fette wird im
kalten Feuer gefangen, und bleibet der ganze Leib ein finster Tal, welcher in
einer ängstlichen Geburt stehet, und kann das Leben nicht ergreifen. 21.96. Denn
das Leben, welches im Lichte stehet, kann sich in dem harten, bittern und
herben Leibe nicht erheben, denn es ist in dem kalten Feuer gefangen aber
nicht gar erstorben. 21.97. Denn
du siehest, daß dieses alles wahrhaftig ist. Nimm eine Wurzel, die der Hitze
Qualität ist, und tue sie in warm Wasser, oder nimm sie ins Maul und mache
sie warm und feucht, so wirst du bald ihr Leben sehen, wie sie wird operieren
und wirken. Weil sie aber außer der Hitze ist, so ist sie im Tode gefangen
und ist kalt wie eine andere Wurzel oder Holz. 21.98. So
siehest du auch wohl, daß der Leib an der Wurzel tot ist, denn wenn die Kraft
aus der Wurzel ist, so ist der Leib ein tot Aas und kann nichts wirken. Das
macht es nun, daß der herbe und bittere Geist haben den Leib des Wassers
ermordet und die Fertigkeit zu sich gezogen, und haben ihren Geist in dem
toten Leibe aufgezogen. 21.99. Sonst,
wo das süße Wasser könnte seine Fettigkeit in eigener Gewalt behalten, und
daß sich der herbe und bittere Geist fein sanft in dem süßen Wasser miteinander
reiben, so zündeten sie das Fette in dem süßen Wasser an, so würde sich
zuhand in dem Wasser das Licht gebären und würde die herbe und bittere
Qualität erleuchten. 21.100. Davon
würden sie ihr recht Leben bekommen und würden sich an dem Lichte begnügen
lassen und sich darinnen hoch erfreuen; und von derselben lebendigen Freude
ging die Liebe auf und erhub sich im Blitzfeuer durch Aufsteigen der bittern
Qualität in der herben der Ton. Wenn nun das geschähe, so wäre es eine
himmlische Frucht, wie sie im Himmel aufgehet. 21.101. Du
sollst aber wissen, daß die Erde alle sieben Quellgeister hat, denn durch die
Anzündung des Teufels sind die Geister des Lebens mit in Tod einkorporieret
und gleichwie gefangen worden, aber nicht ermordet. 21.102. Die
ersten drei, als Herbe, Süße und Bitter gehören zur Bildung des Corpus, und
darinnen stehet die Beweglichkeit und der Leib. Die haben nun die
Begreiflichkeit und sind die Geburt der äußersten Natur. 21.103. Die
andern drei, als Hitze, Liebe und Ton, stehen in der Unbegreiflichkeit, und
werden aus den ersten dreien geboren. Und das ist nun die innerliche Geburt,
mit welcher die Gottheit inqualieret. 21.104. So
nun die ersten drei nicht im Tode erstarret wären, daß sie könnten die Hitze
anzünden, so würdest du halb einen lichten, himmlischen Leib sehen, und
würdest wohl sehen, wo Gott wäre. 21.105. Weil
aber die ersten drei Qualitäten der Erden im Tode erstarret sind, so bleiben
sie auch ein Tod und können ihr Leben nicht ins Licht erheben, sondern
bleiben ein finster Tal, in welchem Gottes Zorn, der Tod und die Hölle
stehet, sowohl auch die ewige Gefängnis und Qual des Teufels. 21.106. Nicht
sind diese drei Qualitäten von der äußersten Geburt, in welcher das Zornfeuer
stehet, bis auf die innerste verworfen, sondern nur der äußerliche
begreifliche Leib und darinnen die äußerliche höllische Qual. 21.107. Allhie
siehest du nun abermals wie Gottes und der Höllen Reich aneinander hänget als
ein Leib, und kann doch eines das ander nicht begreifen. Denn die andere Geburt,
als Hitze, Licht, Liebe und Schall, ist in der äußersten verborgen und macht
die äußerliche beweglich, daß sich die äußerliche zusammenraffet und gebäret
einen Leib. 21.108. Obgleich
nun der Leib in der äußerlichen Begreiflichkeit stehet, so wird er doch nach
der Art der innern Geburt formieret, denn in der innern Geburt stehet das
Wort, und das Wort ist der Schall, welcher im Feuerblitze im Lichte durch die
bittere und herbe Qualität aufgehet. 21.109. Weil
aber der Schall des Worts Gottes muß durch den herben, bittern Tod aufgehen
und im halbtoten Wasser einen Leib gebären, so wird derselbe Leib auch böse
und gut, tot und lebendig, denn der muß den Saft der Grimmigkeit und den Leib
des Todes bald an sich ziehen und in solchem Leibe und Kraft stehen wie die
Erde, die Mutter. 21.110. Daß
aber das Leben unter und in dem Tode der Erden verborgen liege, sowohl auch
in der Erden Kindern, will ich beweisen. 21.111. Siehe,
der Mensch wird siech und krank. Und so ihm nicht geraten wird, gerät er in
Tod durch ein bitter und herbes Kraut, das aus der Erden wächst oder auch
durch ein bös tödlich Wasser oder mancherlei Kraut der Erden, sowohl auch
durch ein bös Fleisch oder Ekel desselben. 21.112. So
aber nun ein kluger Arzt ist und erforschet von dem Kranken, wovon ihm der
Schade ist entstanden, und nimmt dieselben Ursachen der Krankheit, es sei
gleich Fleisch, Kraut oder Wasser, und destillierets oder brennets zu Pulver,
nachdem die Materia ist da sichs schicket, und brennet ihm den äußersten Gift
ab, welcher im Tode stehet, so bleibet hernach in dem Wasser oder Pulver die
siderische Geburt in seinem Sede, da Leben und Tod miteinander ringet, und
sind beide erheblich, denn der tote Leib ist weg. 21.113. So
du nun unter dieses Wasser oder Pulver einen guten Theriak oder dergleichen
Dinge nimmst, das das Aufsteigen und die Macht des Grimmes in der siderischen
Geburt gefangen hält, und gibsts dem Kranken in einem wenig warmen Tranke
ein, es sei Bier oder Wein, so operiert die innerste oder verborgene Geburt
des Dinges, das dem Menschen hat die Krankheit durch seine äußerste tote
Geburt zugefüget. 21.114. Denn
wenn es in warme Feuchtigkeit getan wird, so wird das Leben in dem Dinge
aufsteigend und wollte sich gern erheben und im Lichte anzünden. Es kann aber
nicht von wegen des Grimmes, der ihm in der siderischen Geburt entgegen ist. 21.115. Soviel
kann es aber, daß es dem Menschen die Krankheit benimmt, denn das siderische
Leben gehet durch den Tod auf und nimmt dem Stachel des Todes seine Gewalt;
wenn es nun sieget, so wird der Mensch wieder gesund. 21.116. Also
siehest du, wie die Kraft des Worts und ewigen Lebens in der Erden und ihren
Kindern im Centro im Tode verborgen lieget und grünet durch den Tod, dem Tod
unbegreiflich, und ängstet sich immer zur Geburt des Lichts, und kann doch
nicht blühen, bis der Tod von ihr geschieden wird. 21.117. Es
hat aber in seinem Sede sein Leben und kann ihm nicht genommen werden, aber
der Tod hänget ihm in der äußersten Geburt an, sowohl auch der Zorn im Tode,
denn der Zorn ist des Todes und Teufels Leben, und im Zorne stehet auch das
körperliche Wesen oder die Leiber der Teufel, die tote Geburt aber ist ihr
ewig Wohnhaus. Die
Tiefe im Zirkel der Geburt
21.118. Nun
möchte einer fragen: Wie hats denn eine Substanz und Gelegenheit um dies, daß
die siderische Geburt der Erden ihr Qualifizieren und Gebären hat einen Tag
eher angefangen als die siderische in der Tiefe über der Erden, sintemal doch
das Feuer in der Tiefe über der Erden viel schärfer und anzündlicher ist als
das Feuer in der Erden. Und auch die Erde muß von dem Feuer in der Tiefe über
der Erden angezündet werden, soll sie aber Frucht gebären? Siehe, du
verständiger Geist, mit dir redet der Geist und nicht mit dem toten Geist des
Fleisches. Sperre die Tür deiner siderischen Geburt weit auf und erhebe das
eine Teil der siderischen Geburt ins Licht, und laß das ander im Zorne
stehen, und schaue auch zu, daß deine animalische Geburt mit dem Lichte ganz
inqualiere. 21.119. So
du nun in solcher Form stehest, so bist du gleichwie Himmel und Erden oder
wie die ganze Gottheit mit allen Geburten in dieser Welt. Wo du nun nicht
also bist, so bist du allhie blind, und wenn du gleich der klügeste Doktor
bist, der in der Welt mag gefunden werden. 21.120. Bist
du aber also, so erhebe deinen Geist und siehe: Durch deine astrologische
Kunst, tiefen Sinn und Zirkelmessen kannst du es auch nicht ergreifen; es muß
nur in dir geboren werden, sonst begreifst weder Gunst noch Kunst. 21.121. Sollen
dir die Augen des Geistes offen stehen, so mußt du also gebären, sonst ist
deine Begreiflichkeit eine Närrin und geschieht dir eben als wenn dir ein
Maler die Gottheit auf ein Epitaphium malet und saget, er habe es recht
gemalet, sie sei also. So geschieht dem Glauber und dem Maler, einem wie dem
andern, und sehen doch alle beide nichts als Holz und Farben, und führet ein
Blinder den andern. Wahrlich, du mußt allhie nicht mit Tieren, sondern mit
Göttern kämpfen. 21.122. Nun
merke: Als sich die ganze Gottheit in dieser Welt zur Schöpfung bewegte, da bewegte
sich nicht nur ein Teil und ruhete das ander, sondern es stund alles zugleich
in der Beweglichkeit, die ganze Tiefe, so weit als Herr Luzifer war ein König
gewesen, und so weit als der Locus seines Königreichs reichete, und so weit
als der Salitter im Zornfeuer war angezündet. 21.123. Die
Bewegung der drei Geburten währete sechs Tag- und Nachtlängen, da alle sieben
Geister Gottes in voller bewegender Geburt stunden, sowohl auch das Herze der
Geister, und wendete sich der Salitter der Erden in dieser Zeit sechsmal in
dem großen Rade um. Welches Rad sind die sieben Quellgeister Gottes, und ward
in jeder Umwendung ein sonderlich Gemächte nach der instehenden Quellgeistern
geboren. 21.124. Denn
der erste Quellgeist ist die herbe, kalte, scharfe und harte Geburt. Und der
gehöret dem ersten Tage zu. In der siderischen Geburt heißens die Astrologi
die saturnalische, die ist an dem ersten Tage verrichtet worden. 21.125. Denn
da ist die harte, derbe, scharfe Erde und Steine worden, und sind
zusammenkorporieret worden. Dazu ist die starke Feste des Himmels geboren
worden, und ist das Herze der sieben Geister in der harten Schärfe verborgen
gestanden. 21.126. Den
andern Tag eignen die Astrologi der Sonnen zu. Er gehöret aber dem Jupiter,
astrologisch zu reden, denn den andern Tag ist das Licht aus dem Herzen der
sieben Quellgeister durch die harte Qualität des Himmels durchgebrochen und
hat eine Sänftigung in dem harten Wasser des Himmels gemacht, und ist das
Licht in der Sanftmut scheinend worden. 21.127. Da
hat sich die Sanftmut und das harte Wasser voneinander geschieden, und ist
das harte in seinem harten Sede blieben als ein harter Tod, und das sanfte
ist in Kraft des Lichts durch das harte gebrochen. 21.128. Und
das ist nun das Wasser des Lebens, welches im Lichte Gottes aus dem harten
Tode wird geboren. Und also ist das Licht Gottes im süßen Wasser des Himmels
durch den herben und harten finstern Tod gebrochen, und also ist der Himmel
aus dem Mittel des Wassers gemacht. 21.129. Die
harte Feste ist die herbe Qualität, und die linde Feste ist das Wasser, in
welchem das Licht des Lebens aufgehet, welches ist die Klarheit des Sohnes
Gottes. 21.130. Und
in solcher Forma gehet die Erkenntnis und das Licht des Lebens im Menschen
auch auf und stehet das ganze Licht Gottes in dieser Welt in solcher Forma,
Geburt und Aufgehen. 21.131. Der
dritte Tag wird dem Mars ganz recht zugeeignet, weil derselbe ist bitter und
ein Wüter und bewegender Geist. Im dritten Umgange der Erden hat sich die
bittere Qualität mit der herben gerieben. 21.132. Verstehe
das hohe Ding recht: Als das Licht im süßen Wasser durch den herben Geist
gedrungen, so ist der Feuerblitz oder Schrack des Lichts, als sich im Wasser
angezündet, in der herben und harten toten Qualität aufgegangen und hat alles
rege gemacht, davon ist die Beweglichkeit entstanden. 21.133. Nun
rede ich allhie nicht allein vom Himmel über der Erden, sondern diese Regung
und Geburt ist zugleich in der Erden und überall gewesen. 21.134. Weil
aber die himmlischen Früchte vor der Zeit des Zorns nur in dieser Regung der
Quellgeister sind aufgegangen und auch durch ihre Regung wieder vergangen und
sich verändert haben, so sind sie am dritten Tage der Schöpfungsgeburt auch
durch die Regung des Feuerblitzes in der herben Qualität der Erden
aufgegangen. 21.135. Ob
nun gleich die ganze Gottheit im Centro der Erden verborgen ist, so hat die
Erde darum nicht können himmlische Früchte gebären, denn der herbe Geist hat
den harten Riegel des Todes vorgeschlossen, daß also das Herze der Gottheit
in aller Geburt in seinem sanften und lichten Himmel verborgen bliebe. 21.136. Denn
die äußerste Geburt ist die Natur, und gebühret ihr nicht, daß sie zurücke in
das Herze Gottes greife, sie kann auch nicht, sondern sie ist der Leib, in
dem sich die Quellgeister gebären und ihre Geburt mit ihrer Frucht erzeigen
und dartun. 21.137. Darum
hat die Erde am dritten Tage angefangen zu grünen, als die Quellgeister im
Schracke des Wortes oder Feuerblitz sind gestanden. 22.1. Allhie wird nun
angefangen die siderische Geburt zu beschreiben, und ist wohl zu merken, was
der erste Titel dieses Buchs meinet, der da lautet "Morgenröte im
Aufgang", denn allhier wird auch gar ein Einfältiger können das Wesen
Gottes sehen und begreifen. 22.2. Es macht sich nur
der Leser nicht selber blind durch seinen Unglauben und zähe Begreiflichkeit,
denn ich habe hiemit die ganze Natur mit allen ihren Kindern zum Zeugen und
Beweis. Bist du nun vernünftig, so schaue dich um und siehe dich selber an
und bedenke dich recht, so wirst du bald finden, aus waserlei Geist ich
schreibe. 22.3. Ich will zwar den
Befehl des Geistes gehorsamlich ausrichten. Schaue du nun zu und laß dich
nicht in einer offenen Tür verschließen, denn allhie stehet dir die Porten
der Erkenntnis offen. 22.4. Und obgleich der
Geist wider etliche Astrologos wird laufen, so liegt mir nicht viel dran; ich
muß Gott mehr gehorsam sein als den Menschen. Sie sind im Geiste blind,
wollen sie nicht sehen, so mögen sie blind bleiben. 22.5. Nun merke. Als
nun am dritten Tage der Feuerblitz aus dem Lichte, welches im süßen Wasser
scheinend ward, aufging – welcher Blitz ist die bittere Qualität, der sich
aus dem angezündeten Schracke des Feuers im Wasser gebäret. 22.6. So war nun die
ganze Natur dieser Welt quallend und beweglich, in der Erden sowohl als über
der Erden, und fing sich in allen Dingen wieder an, das Leben zu gebären. 22.7. Aus der Erden
ging auf Gras, Kraut und Bäume, und in der Erden ging auf Silber, Gold und
allerlei Erz, und in der Tiefe über der Erden ging auf die wunderbarliche
Formung der Kräfte. 22.8. Damit du aber
möchtest verstehen, wie es eine Substanz und Gelegenheit mit allen diesen
Dingen und Geburten habe, so will ich alles nacheinander, ein jedes in seiner
Ordnung beschreiben, damit du den Grund dieser Geheimnis recht verstehest;
und will erstens an der Erden anfangen, hernach zweitens von der Tiefe über
der Erden, und zum dritten von der Zusammenkorporierung der Körper der
Sternen, zum vierten von den sieben Hauptqualitäten der Planeten und von
derselben Herze, welches ist die Sonne, zum fünften von den vier Elementen,
und zum sechsten von der äußerlichen begreiflichen Geburt, welche entstehet
aus diesem ganzen Regiment, und zum siebenten von der wunderlichen Proporz
und Geschicklichkeit des ganzen Rades der Natur. 22.9. Vor diesen
Spiegel will ich nun alle Liebhaber der heiligen und hochgelobten Künste der
Philosophiae, Astrologiae und Theologiae geladen haben. Da will ich ihnen die
Wurzel und den Grund eröffnen. 22.10. Und
ob ich schon nicht ihre Kunst studieret und gelernet habe und weiß auch nicht
mit ihrem Zirkelmessen umzugehen, daran liegt mir keine Bekümmernis. Sie
werden dennoch soviel zu lernen haben, daß es mancher die Zeit seiner
Lebentage nicht wird ergründen oder begreifen. 22.11. Denn
ich brauche nicht ihrer Formula und Art, sintemal ichs von ihnen nicht
gelernet habe, sondern habe einen andern Lehrmeister, welcher ist die ganze
Natura. Von derselben ganzen Natur mit ihrer anstehenden Geburt habe ich
meine Philosophia, Astrologia und Theologia studieret und gelernet, und nicht
von Menschen oder durch Menschen. 22.12. Weil
aber die Menschen Götter sind und haben die Erkenntnis Gottes des einigen
Vaters, aus dem sie sind herkommen und in dem sie leben, so verachte ich ihre
Formulam der Philosophiae, Astrologiae und Theologiae gar nicht. Denn ich
befinde, daß sie meistenteils gar auf rechtem Grunde stehet, und will mich
auch befleißen, daß ich ihrer Formula möchte nachfahren. 22.13. Denn
ich muß ja sagen, daß ihre Formula mein Meister ist und ich aus ihrer Formula
meinen Anfang und erste Erkenntnis habe. Ich bin auch nicht des Willens, daß
ich ihre Formula will umkehren und verbessern, denn ich kann auch nicht, habe
sie auch nie gelernet, sondern lasse sie in ihrem Sede sitzen. 22.14. Ich
will auch auf ihren Grund nicht bauen, sondern ich will als ein mühsamer
Knecht die Erde von der Wurzel scharren, damit man kann den ganzen Baum sehen
mit der Wurzel, Stamme, Ästen, Zweigen und Früchten, und daß also mein
Schreiben nichts Neues sei, sondern daß ihre Philosophia und meine
Philosophia sei ein Leib, ein Baum, der einerlei Früchte trage. 22.15. Ich
habe dessen auch keinen Befehl, daß ich mich über sie soll hoch beschweren
und sie verdammen, ohne über ihre Laster der Hoffart, Neid, Geizes und
Zornes. Über das beschweret sich der Geist der Natur mächtig sehr, nicht ich.
Was wollte ich armer Staub tun, der ich doch fast ohnmächtig bin? 22.16. Allein
das zeiget der Geist: Ihnen ist das Pfund des Gewichtes und der Schlüssel
überantwortet worden, und sie sind in ihren Wollüsten des Fleisches ersoffen
und haben das Pfund des Gewichtes in die Erde vergraben und den Schlüssel in
ihrer hoffärtigen Trunkenheit verloren. 22.17. Der
Geist hat lange Zeit bei ihnen angehalten, sie sollen einmal aufschließen,
der helle Tag sei vorhanden. So gehen sie in ihrer Trunkenheit um und suchen
den Schlüssel, und haben doch den bei sich und kennen ihn nicht, und gehen
also in ihrer hoffärtigen und ehrgeizigen Trunkenheit immer um suchen als wie
jener Bauer, der sein Pferd suchte und ritt auch darauf. 22.18. Darum
spricht der Geist der Natur: Weil sie nicht wollen aufwachen vom Schlafe und
die Tür aufmachen, so will ichs selber tun. 22.19. Wie
könnte ich armer, einfältiger Laie sonst von ihrer hohen Kunst lehren oder
schreiben, so es mir nicht von dem Geiste der Natur gegeben wäre, in dem ich
lebe und bin? Habe ich doch nur einen Laienstand und habe von diesem
Schreiben keine Soldung. Sollte ich aber darum dem Geiste wehren, daß er
nicht anfange aufzuschließen, wo er wolle? Bin ich doch nicht die Tür,
sondern ein gemeiner Riegel davor. So mich nun der Geist auszöge und würfe
mich ins Feuer, könnte ich ihm auch das wehren? 22.20. So
ich aber ein unnützer Riegel sein wollte, der sich nicht wollte lassen
ausziehen und dem Geiste aufschließen, würde nicht der Geist über mir
erzürnen und mich abreißen und wegwerfen und ihm einen nützern und gefügern
Riegel machen? Alsdann läge ich und würde mit Füßen getreten, da ich doch
vorhin an der schönen Tür gepranget hatte. Wozu wäre der Riegel sonst als zu
Feuerholz? 22.21. Siehe,
ich sage dir ein Geheimnis: Sobald die Tür bis an ihren Angel aufgehet, so
werden alle unnützen, festen eingekeilten Riegel weggeworfen werden, denn die
Tür wird fürbaß nicht mehr zugeschlossen werden, sondern steht offen und
gehen die vier Winde da aus und ein. Aber der Zauberer sitzet im Wege und
wird manchen verblenden, daß er die Tür nicht sehen wird, dann kommt er heim
und saget: Es ist keine Tür da, sondern es ist ein Gedichte, gehet nicht mehr
dahin. 22.22. Also
lassen sich die Menschen abweisen und leben in ihrer Trunkenheit. 22.23. Wenn
nun dieses geschieht, so ergrimmet der Geist, der die Porten hat aufgemacht,
dieweil niemand mehr will zu seinen Toren aus- und eingehen, und wirft die
Pfosten der Toren in Abgrund, und ist fürbaß nunmehr keine Zeit; die hinnen
sind, bleiben hinnen, und die draußen sind, bleiben draußen. Amen. 22.24. Nun
fragt sichs: Was sind die Sterne? Davon schreibet nun Moses: Und Gott sprach:
Es werden Lichter an der Festen des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht
und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre, und seien Lichter an der Feste des
Himmels, daß sie scheinen auf Erden. 22.25. Und
es geschah also, und Gott machte zwei große Lichter; ein groß Licht, das den
Tag regiere, und ein klein Licht, das die Nacht regiere, dazu auch Sternen.
Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, daß sie schienen auf die Erde
und den Tag und die Nacht regierten, und scheideten Licht und Finsternis. Und
Gott sah, daß es gut war. Da ward aus Abend und Morgen der vierte Tag. Gen
1,14-19. 22.26. Diese
Beschreibung zeiget genug an, daß der teure Mann Moses nicht der Autor sei,
denn der Skribent hat weder den rechten Gott noch die Sternen erkannt, was
die sind. Und ist wohl zu vermuten, daß die Schöpfung vor der Sündflut nicht
ist beschrieben worden, sondern als ein dunkel Wort im Gedächtnis, von einem
Geschlecht aufs ander gebracht, bis nach der Sündflut, da die Welt hat wieder
angefangen epikurisch zu leben. 22.27. Da
haben die heiligen Väter, als sie solches gesehen, die Schöpfung beschrieben,
damit es nicht möchte vergessen werden und die epikurische Welt doch möchte
einen Spiegel an der Schöpfung haben und daran sehen, daß ein Gott sei und
daß dies Wesen der Welt nicht von Ewigkeit also gestanden sei, damit sie doch
möchten einen Spiegel daran haben und denselben verborgenen Gott fürchten. 22.28. Dieses
ist auch der Altväter nach der Sündflut und auch davor ihre vornehmste Unterweisung
und Lehre gewesen, daß sie die Menschen an die Schöpfung gewiesen haben, wie
solches auch das ganze Buch Hiob treibet. 22.29. Nach
denselben Vätern sind die weisen Heiden kommen, die sind in der Erkenntnis
der Natur was tiefer kommen; und muß mit Grund der Wahrheit sagen, daß sie in
ihrer Philosophia und Erkenntnis sind vor Gottes Antlitz kommen und haben
denselben doch weder sehen noch erkennen können. 22.30. Also
gar ist der Mensch im Tode erstorben und in die äußerste Geburt in die tote
Begreiflichkeit verriegelt worden, sonst würden sie ja gedacht haben, daß in
der Begreiflichkeit müßte eine göttliche Kraft im Centro verborgen sein, der
die Begreiflichkeit also erschaffen hätte, dazu erhielte, trüge und regierte.
22.31. Sie
haben zwar die Sonne und Sternen für Götter geehret und angebetet, aber nicht
erkannt, wie dieselben geschaffen oder worden sind oder woraus dieselben
worden sind. 22.32. Denn
sie möchten doch gedacht haben, daß sie von etwas herkommen wären und daß
dasselbe, das sie geschaffen haben, rnüsse größer und älter sein als die
Sternen. 22.33. Dazu
haben sie ja die Erde und Steine zum Exempel, daß dieselben müßten von etwas
sein herkommen, sowohl auch die Menschen und alle Kreaturen auf Erden. Das
alles überzeuget sie, daß in diesen Dingen noch eine mächtigere Kraft
vorhanden sei, die dieses alles also geschaffen habe. 22.34. Zwar
was soll ich viel von der Heiden Blindheit schreiben, sind doch unsere
Doctores in ihren gekrönten Hütlein gleich also blind. Sie wissen zwar, daß
ein Gott ist, der dieses alles geschaffen habe, sie wissen aber nicht, wo
derselbe Gott ist oder wie derselbe ist. 22.35. Wenn
sie wollen von Gott schreiben, so suchen sie ihn außer dieser Welt in einem
Himmel allein, gleich als wäre er ein Bild mit etwas zu vergleichen. Sie
lassen zwar zu, daß derselbe Gott mit einem Geiste in dieser Welt alles
regiere, aber sein körperlich Eigentum wollen sie schlechts über viel tausend
Meilen in einem Himmel haben. 22.36. Wohlher,
ihr Doctores, wo ihr Recht habt, so gebet dem Geiste Antwort; ich will euch
ein wenig fragen: 22.37. Was
vermeinet ihr wohl, daß vor der Zeit der Welt sei anstatt dieser Welt
gestanden oder woraus vermeinet ihr wohl, daß die Erde und Sternen sind
worden? Oder was vermeinet ihr wohl, daß in der Tiefe über der Erden sei oder
wovon die Tiefe worden sei? Oder wie vermeinet ihr wohl, daß der Mensch
Gottes Bild sei, in dem Gott wohnt? Oder was lasset ihr euch bedünken, daß
der Zorn Gottes sei oder was Gott für einen Mißfallen an dem Menschen habe,
daß er denselben peinige, sintemal er ihn geschaffen hat, daß er demselben
Sünde zugerechnet und zur ewigen Pein verurteilet? 22.38. Warum
hat er dann das erschaffen, daran sich der Mensch vergreift? So muß ja
dasselbe noch viel böser sein. Warum oder woraus ist dasselbe worden oder was
ist die Ursache oder der Anfang oder die Geburt des grimmen Zornes Gottes,
daraus Hölle und Teufel worden sind? Oder wie kommts, daß sich alle Kreaturen
in dieser Welt miteinander beißen, stoßen und schlagen, und wird doch dem Menschen
allein Sünde zugerechnet? 22.39. Oder
woraus sind die giftigen und bösen Tiere und Würmer worden mit allem
Ungeziefer? Oder woraus sind die heiligen Engel worden? Und letztlich, was
ist die Seele des Menschen und der große Gott selber? 22.40. Hierauf
gebet richtige und gründliche Antwort, und beweiset das und lasset von eurem
Wortzank ab! Wo ihr nun aus euren vorigen Schriften könnet erweisen, daß ihr
den rechten einigen Gott kennet, wie derselbe sei in Liebe und Zorne und was
derselbe sei, und könnet beweisen, daß nicht in Sternen, Elementen, Erden,
Steinen, Menschen, Tieren, Würmern, in Laub, Kraut und Gras, in Himmel und
Erden Gott sei, und daß dieses alles nicht Gott selber sei, und daß mein
Geist falsch sei, so will ich der erste sein und mein Buch im Feuer
verbrennen und alles dasjenige, was ich geschrieben habe, widerrufen und
verfluchen, und will mich gehorsamlich unterweisen lassen. 22.41. Jedoch
nicht also gemeinet, daß ich gar nicht irren könnte, denn es sind etliche
Dinge nicht genug erkläret und sind gleich als wie von einem Anblick des
großen Gottes beschrieben worden, da sich das Rad der Natur zu geschwinde
umwendet und der Mensch mit seiner halbtoten und zähen Begreiflichkeit nicht
genugsarn fassen kann. 22.42. Was
du aber an einem Orte nicht erkläret und ausführlich findest, das wirst du am
andern finden; wo nicht in diesem, doch in dem andern Buche. 22.43. Nun
wirst du sagen: Es gezieme mir nicht also zu fragen, denn die Gottheit sei
ein Geheimnis, die niemand erforschen kann. Höre, geziemet mir nicht zu
fragen, so geziemet dir auch nicht, daß du mich richtest. Rühmest du dich
aber der Erkenntnis des Lichtes und einen Leiter der Blinden und bist selber
blind, wie willst du dann dem Blinden den Weg weisen? Werdet ihr nicht beide in
eurer Blindheit fallen? 22.44. Willst
du aber nun sagen: Wir sind nicht blind und sehen wohl den Weg des Lichtes,
warum zankt ihr dann um den Weg des Lichtes, den doch keiner recht siehet?
Ihr lehret andere den Weg und suchet ihn doch selber immerdar und tappet im
Finstern und sehet ihn nicht. Oder vermeinet ihr, daß es Sünde sei, so einer
nach dem Wege frage? 22.45. O,
ihr blinden Menschen, lasset ab vom Zanke und vergießet nicht unschuldig
Blut, und verwüstet darum nicht Land und Städte nach Teufels Willen, sondern
ziehet an den Helm des Friedens und gürtet euch mit Liebe gegen einander , und braucht euch der Sanftmut.
Lasset ab von Hoffart und Geiz; mißgönne keiner dem andern seine Gestalt.
Lasset euch das Zornfeuer nicht anzünden, sondern lebet in Sanftmut,
Keuschheit, Freundlichkeit und Reinigkeit, so seid und lebet ihr alle in
Gott. 22.46. Denn
du darfst nicht sagen: Wo ist Gott? Höre, du blinder Mensch, du lebest in
Gott und Gott ist in dir; und so du heilig lebest, so bist du selber Gott. Wo
du nur hinsiehest, da ist Gott. 22.47. Wenn
du die Tiefe zwischen den Sternen und Erden ansiehest, wolltest du sagen: Das
ist nicht Gott oder hie ist nicht Gott? O, du armer, verderbter Mensch, laß
dich unterweisen, denn in der Tiefe über der Erden, da du nichts siehest und
erkennest, und sprichst, da ist nichts, daselbst ist gleichwohl der
lichtheilige Gott in seiner Dreifaltigkeit, und wird allda geboren wie in dem
hohen Himmel über dieser Welt. 22.48. Oder
meinest du, daß er von seinem Sede, da er von Ewigkeit ist gesessen, in Zeit
der Schöpfung dieser Welt ist abgewichen? O nein, das kann nicht sein. Und ob
er wollte, so kann er das selber nicht tun, denn er ist selber alles; so
wenig ein Glied vom Leibe kann von ihm selber abtreten, so wenig kann auch Gott
zertrennt werden. 22.49. Daß
aber so mancherlei Formungen in ihm ist, das macht seine ewige Geburt, welche
erstlich ist dreifächig. Und aus derselben Dreiheit gebäret sie sich in
unendlich oder in unermeßlich. 22.50. Von
denselben Geburten will ich allhie schreiben und der letzten Welt Kindern
anzeigen, was Gott ist. Nicht aus Ruhm oder Hoffart jemanden hiermit zu
schmähen oder verachten; nein, der Geist will dich sänftig und freundlich
unterweisen wie ein Vater seine Kinder. Denn das Werk ist nicht meines
Fleisches Vernunft, sondern des Hl. Gottes Liebe-Offenbarung oder
Durchbrechung im Fleische. 22.51. In
meinen eigenen Kräften bin ich so ein blinder Mensch als irgend einer ist und
vermag nichts. Aber im Geiste Gottes siehet mein ingeborner Geist durch
alles, aber nicht immerdar beharrlich, sondern wenn der Geist der Liebe
Gottes durch meinen Geist durchbricht. Alsdann ist die animalische Geburt und
die Gottheit ein Wesen, eine Begreiflichkeit und ein Licht. 22.52. Nicht
bin allein ich also, sondern es sind alle Menschen also, es seien gleich
Christen, Juden, Türken oder Heiden; in welchem die Liebe und Sanftmut ist,
in dem ist auch Gottes Licht. 22.53. Wolltest
sagen: nein? Es leben die Türken, Juden und Heiden ja auch in demselben
Corpus, darinnen du lebest, und brauchen auch desselben Leibes Kraft, die du
brauchest. Dazu haben sie auch denselben Leib, den du hast, und derselbe
Gott, der dein Gott ist, ist auch ihr Gott. 22.54. So
wirst du sagen: Sie kennen ihn aber nicht und ehren ihn nicht. Ja, lieber
Mensch, rühme dich nur, du hasts wohl getroffen; du kennest ihn vor andern
wohl. Siehe, du blinder Mensch, wo die Liebe in Sanftmut aufgehet, da gehet
das Herze Gottes auf, Denn das Herze Gottes wird im sanften Wasser des
angezündeten Lichtes geboren, es sei gleich im Menschen oder außer dem
Menschen. Es wird überall im Centro in der Mitten zwischen der äußersten und
innersten Geburt geboren. 22.55. Und
was du nur ansiehest, da ist Gott. Die Begreiflichkeit aber stehet in dieser
Welt im Zorne. Die hat der Teufel angezündet. Und im verborgenen Kerne mitten
im Zorne wird das Licht oder Herze Gottes geboren, dem Zorne unbegreiflich;
und bleibet ein jedes in seinem Sede. 22.56. Nicht
rühme ich darum der Juden, Türken und Heiden Unglauben und Halsstarrigkeit
und ihren Grimm und Bosheit wider die Christen. Nein, das sind eitel Stricke
des Teufels, der die Menschen dadurch in Hoffart, Geiz, Neid und Zorn reizet,
damit er das höllische Feuer in ihnen anzünde. Auch so kann ich nicht sagen,
daß diese vier Söhne des Teufels in der Christenheit nicht auch regieren,
jawohl in einem jeden Menschen. 22.57. Nun
sprichst du: Was ist dann der Unterscheid zwischen Christen, Juden, Türken
und Heiden? Hie tut der Geist Tür und Tor auf. Willst du nicht sehen, so sei
blind. Da ist der Unterscheid, den Gott je und allwege gehalten hat, daß
diejenigen, die da wissen, was Gott ist und wie sie ihm dienen sollen, können
durch ihre Wissenschaft durch den Zorn in die Liebe Gottes dringen und den
Teufel überwinden. Tun sie es nicht, so sind sie nichts besser als die, die
es nicht wissen. 22.58. So
aber derjenige, der den Weg nicht weiß, durch den Zorn in die Liebe dringet,
so ist er dem gleich, der durch seine Wissenschaft ist durchgedrungen. Die
aber im Zorn beharren und zünden den in sich gar an, die sind einander auch
alle gleich, es seien gleich Christen, Juden, Türken oder Heiden, Rom. 2,11;
29. 22.59. Oder
was meinest du, damit man kann Gott dienen? Wolltest du mit ihm heucheln und
deine Geburt schmücken? 22.60. Ich
meine ja, du bist ein schöner Engel. Wer Liebe in seinem Herzen hat und
führet ein barmherziges und sanftmütiges Leben und streitet wider die Bosheit
und dringet durch den Zorn Gottes ins Licht, der lebet mit Gott und ist ein
Geist mit Gott. 22.61. Denn
Gott bedarf keines andern Dienstes, als daß sich sein Geschöpfe, welches in
seinem Leibe ist, nicht von ihm verrücke, sondern heilig sei, wie er ist. 22.62. Darum
gab auch Gott den Juden das Gesetze, daß sie sich sollten der sanften
Heiligkeit und Liebe befleißen, damit die ganze Welt einen Spiegel an ihnen
hätte. Als sie aber in Hoffart gerieten und rühmeten sich ihrer Geburt vor
der Liebe, und machten aus dem Gesetze der Liebe eine Schärfe des Zorns, so
stieß ihnen Gott den Leuchter weg und zog zu den Heiden. 22.63. Zum
andern ist das der Unterscheid zwischen den Christen, Juden, Türken und
Heiden, daß die Christen den Baum des Lebens wissen, welcher ist Christus,
der da ist der Fürst unsers Himmels und dieser Welt und regieret in allen
Geburten als ein König in Gott seinem Vater, und die Menschen sind seine
Glieder. 22.64. Nun
wissen die Christen, wie sie können in Kraft dieses Baumes aus ihrem Tode
durch seinen Tod zu ihm in sein Leben eindringen und mit ihm herrschen und
leben, da sie dann auch mit ihrem Durchdringen mit ihrer neuen Geburt aus
diesem toten Leibe bei ihm im Himmel sein. 22.65. Und
obschon der tote Leib mitten in der Höllen ist bei allen Teufeln, dennoch
herrschet der neue Mensch mit Gott im Himmel, und ist ihnen der Baum des
Lebens eine starke Porte, durch welche sie ins Leben eingehen. Nun dieses
wirst du an seinem Orte ausführlich finden. 22.66. Nun
merke: Es schreibet Moses, Gott habe gesprochen: Es werden Lichter an der
Feste des Himmels, die da leuchten auf Erden, und scheiden Tag und Nacht, und
machen Jahr und Zeit, Gen 1,14. 22.67. Diese
Beschreibung zeiget an, daß der erste Skribent nicht gewußt hat, was die
Sternen sind, wiewohl er doch des rechten Gottes ist fähig gewesen. Er hat
aber die Gottheit beim Herzen genommen und aufs Herze gesehen, was das Herze
und der Kern dieser Schöpfung sei, und der Geist hat ihm die siderische und
äußerste tote Geburt verborgen gehalten, und hat ihn allein auf den Glauben
an das Herze der Gottheit getrieben. 22.68. Welches
auch das Hauptstück ist, das dem Menschen am nötigsten ist, denn wenn er den
rechten Glauben ergreift, so dringet er durch den Zorn Gottes durch den Tod
ins Leben und herrschet mit Gott. 22.69. Weil
aber die Menschen jetzo am Ende dieser Zeit sehr lüstern nach der Wurzel des
Baumes, durch welches die Natur anzeiget, daß die Zeit des Baumes Entblößung
vorhanden sei, als will ihnen der Geist dieselbe zeigen und sich die Gottheit
ganz offenbaren, welches ist die Morgenröte und Anbrechung des großen Tages
Gottes, an dem soll wiederbracht werden und aufgehen, was aus dem Tode zur
Wiedergeburt des Leben geboren ist. 22.70. Siehe,
als Gott sprach: Es werde Licht, so ist das Licht in den Kräften der Natur
oder sieben Geistern Gottes aufgegangen, und ist die Feste des Himmels,
welche stehet im Worte im Herzen des Wassers zwischen die siderische und
äußerste Geburt mit dem Worte und Herzen des Wassers geschlossen worden, und
ist die siderische Geburt der Locus des Scheideziels, welche stehet halb im
Himmel und halb im Zorne. 22.71. Denn
aus demselben halben Teil des Zorns gebäret sich nun immer die tote Geburt,
und aus der andern Hälfte, welche reichet mit seinem innersten Grad bis in
das innerste Herze und Licht Gottes, gebäret sich nun immer durch den Tod das
Leben, und ist doch die siderische Geburt nicht zwei, sondern ein Leib. 22.72. Als
aber in zweien Tagen die Schöpfung des Himmels und der Erden verrichtet war
und der Himmel in dem Herzen des Wassers zum Unterscheid zwischen dem Lichte
Gottes und dem Zorn Gottes gemacht war, so gingen nun am dritten Tage durch
den Schrack des Feuerblitzes – welcher in dem Herzen des Wassers aufging und
drang durch den Tod, dem Tod unbegreiflich wieder auf allerlei Figuren, wie
es vor der Zeit des angezündeten Zorns war geschehen. 22.73. Weil
aber das Wasser, welches ist der Geist des siderischen Lebens mit im Zorn und
auch im Tode stund, figurierte sich auch ein jeder Leib also, wie die Geburt
zum Leben und zur Beweglichkeit war. Von
der Erden
22.74. Die
Erde war nun der Salitter, welcher aus der innersten Geburt ausgespeiet war
und im Tode stund. Als aber der Feuerblitz durchs Wort im Wasser aufging, so
war es ein Schrack, davon entstund die Beweglichkeit im Tode, und dieselbe
Beweglichkeit in allen sieben Geistern ist nun die siderische Geburt. Die
Tiefe
22.75. Verstehe
dies recht: Als sich am dritten Tage der Feuerblitz im Wasser des Todes hat
angezündet, so ist durch den toten Leib des Wassers und der Erden das Leben
durchgedrungen. 22.76. Nun
aber begreift das tote Wasser und Erde nicht mehr als den Blitz oder Schrack
des Feuers, dadurch ihre Beweglichkeit entstehet. Das Licht aber, welches in
dem Feuerblitz ganz sanft aufgehet, das kann weder die Erde noch das tote
Wasser ergreifen. 22.77. Es
behält aber seinen Sitz in dem Kern, welches ist das Fette oder Wasser des
Lebens oder der Himmel, denn es ist der Leib des Lebens, das der Tod nicht
ergreifen kann, und gehet doch in dem Tode auf. Auch so kann es der Zorn
nicht ergreifen, sondern der Zorn bleibet im Schracke des Feuerblitzes und
macht die Beweglichkeit im toten Leibe der Erden und dem Wasser. 22.78. Das
Licht aber dringet ganz sanft hinnach und formieret die Geburt, welche durch
den Schrack des Feuerblitzes hat seinen zusammenkorporierten Leib bekommen. Die
Gewächse der Erden
22.79. Wenn
nun der zornige Feuerblitz die Geister der Natur, welche in der Erden im Tode
stehen, mit seinem grimmen Schrack aufgewecket und beweglich macht, so fangen
die Geister an, nach ihrem eigentümlichen göttlichen Rechte sich zu gebären,
wie sie von Ewigkeit getan haben, und figurieren einen Leib zusammen nach
desselben Orts anstehenden Qualitäten. 22.80. Was
für Salitter in der Zeit des Zorns Anzündung ist im Tode erstorben und wie er
zur selben Zeit ist im instehenden Leben der sieben Geister Gottes
qualifizierend gewesen, also ist er auch in der Zeit der Wiedergeburt im
Feuerblitze wieder aufgegangen, und ist nichts Neues worden als nur eine
andere Gestalt des Leibes, welcher in der Begreiflichkeit im Tode stehet. 22.81. Nun
aber vermag sich der Salitter der Erden und des Wassers jetzo in seinem toten
Wesen nicht mehr zu verändern und in unendlich zu erzeigen, wie er im
himmlischen Sede tat, sondern wenn die Quellgeister den Leib formen, so gehet
er in Kraft des Lichtes auf. 22.82. Und
das Leben des Lichts bricht durch den Tod und gebäret ihm einen andern Leib
aus dem Tode, welcher nicht ist dem Wasser und der toten Erden ähnlich, und
krieget auch nicht ihren Geschmack und Geruch, sondern die Kraft des Lichts
dringet durch und temperieret sich mit der Kraft der Erden, und nimmt dem
Tode seinen Stachel und dem Zorn seine giftige Gewalt, und dringet in Mitten
des Leibes in dem Gewächse als ein Herze mit auf. 22.83. Und
hierinnen steckt der Kern der Gottheit im Centro in seinem Himmel, welcher
stehet im Wasser des Lebens verborgen. Kannst du nun, so greife zu. Von
den Metallen in der Erden
22.84. Mit
den Metallen hats eben eine Substanz und Geburt wie mit den Gewächsen über
der Erden. Denn das Metall oder Erz ist in Zeit der Anzündung des Zorns im
anstehenden Rade des siebenten Naturgeistes im Gewirke der Liebe gestanden,
da sich hinter dem Feuerblitz das sanfte Wohltun gebäret, darinnen der
heilige Himmel stehet, der sich in dieser Geburt, wenn die Liebe Primus wird,
in solcher holdseligen Klarheit und schönen Farben erzeiget, gleich dem
Golde, Silber und edelsten Steinen. 22.85. Aber
das Silber und Gold in der toten Begreiflichkeit ist nur ein finsterer Stein
gegen der Wurzel der himmlischen Gebärung. Ich setzte es nur darum hieher,
daß du wissest, wovon es seinen Ursprung hat. 22.86. Weil
es denn ist das schönste Aufsteigen und Gebären in der heiligen, himmlischen
Natur gewesen, so wird es auch in dieser Welt vom Menschen vor allen andern
geliebet. Denn die Natur hat dem Menschen wohl in sein Herze geschrieben, daß
es besser sei als andre Steine und Erde. Sie hat ihm aber den Grund nicht
können offenbaren, wovon es worden oder herkommen sei, dabei du nun die
Morgenröte des Tages merken kannst. 22.87. Des
Erzes ist aber viel und mancherlei, alles nach dem, wie der Salitter in dem
Naturhimmel in seinem Aufsteigen im Licht der Liebe ist Prirnus gewesen. Denn
ein jeder Quellgeist in der himmlischen Natur hat aller Quellgeister Art und
Eigenschaft an sich, denn er wird immer mit den andern infizieret, davon das
Leben und die unerforschliche Geburt Gottes entstehe. Aber nach einer Kraft
ist er Primus, und das ist sein eigen Corpus, davon er den Namen hat. 22.88. Nun
aber hat ein jeder Quellgeist die Eigenschaft der ganzen Natur, und ist sein
Gewirk in Zeit der Anzündung des Zorns Gottes mit in Tod einkorporieret
worden, und ist aus eines jeden Geistes Gewirke Erde, Steine, Erz und Wasser
worden. 22.89. Darum
findest du auch nach jedes Geistes Qualität in der Erden Erz, Steine, Wasser
und Erden. Und darum ist die Erde so viel und mancherlei Qualität, alles nach
dem, wie ein jeder Quellgeist mit seiner instehenden Geburt in Zeit der
Anzündung ist Primus gewesen. 22.90. Die
Natur hat gleichwohl dem Menschen so viel offenbaret, daß er weiß, wie er von
eines jeden Quellgeistes fremdem infizierten Eingeburt kann die fremde
Materiam abschmelzen, damit derselbe Quellgeist in seinem eigenen Primat
Primus bleibet. 22.91. Dieses
hast du an Gold und Silber ein Exempel. Du kannst dasselbe nicht eher rein
machen, daß es rein Silber und Gold sei, es werde denn siebenmal im Feuer
geschmelzet. Wenn das geschieht, so bleibts in mittlern Sede im Herzen der
Natur, welches ist das Wasser, in seiner eigenen Qualität und Farben sitzen. 22.92. Erstlich
muß ihm die herbe Qualität, welche dem Salitter im harten Tode gefangen hält,
abgeschmelzet werden; das ist der grobe steinichte Abraum. Hernach der herbe
Tod vom Wasser, davon wird ein giftig Scheidewasser, welches stehet im
Aufgang des Feuerblitzes im Tode. Welches ist ein böser, ja der allerböseste
Quell im Tode, ja der herbe und bittere Tod selber, denn das ist der Locus,
wo das Leben, welches im süßen Wasser entstehet, ist im Tode erstorben. Das
scheidet sich nun in der anderen Schmelzung. 22.93. Zum
dritten wird der Bittere, welcher in der Anzündung des Wassers im Feuerblitz
entstehet, abgeschmelzet, denn derselbe ist ein Wüter, Tober und Zerbrecher,
und kann kein Silber noch Gold bestehen, wenn der noch nicht getötet ist,
denn er macht alles bröde und erzeiget sich in mancherlei Farben, denn er reitet
durch alle Geister und nimmt aller Geister Farben an sich. 22.94. Zum
vierten muß der Feuergeist, welcher stehet in der grausamen Angst und Wehetun
des Lebens, auch abgeschmelzet werden, denn er ist ein steter Vater des
Zorns, und aus ihm gebäret sich die höllische Wehe. 22.95. Wenn
nun dieser vier Geister Zorn getötet ist, so bleibet der Erzsalitter in dem
Wasser eine zähe Materia und siehet dem Geist, welcher in demselben Erze
Primus ist, ähnlich. Und das Licht, welches im Feuer stehet, färbet ihn nach
seiner eigenen Qualität, es sei Silber oder Gold. 22.96. Und
siehet nun die Materia in der vierten Abschmelzung dem Silber oder Golde
ähnlich. Es bestehet aber noch nicht und ist noch nicht genug zäh und rein;
der Leib besteht wohl darinnen, aber nicht der Geist. 22.97. Wenn
es nun zum fünften Mal geschmelzet wird, so steiget der Liebegeist in dem
Wasser durchs Licht auf und macht den toten Leib wieder lebendig, daß also
die Materia, die von den ersten vier Abschmelzungen ist blieben, wieder die
Kraft bekommt, die desselben Quellgeistes, welcher in diesem Erze Primus ist,
Eigentum ist gewesen. 22.98. Wenn
es nun zum sechsten Mal geschmelzet wird, so wird es etwas härter. Da beweget
sich das Leben, welches in der Liebe ist aufgangen, und reget sich, und von
demselben Regen entstehet der Ton in der Härtigkeit, und krieget das Erz
einen hellen Klang, denn die harte, kochende und bitter-feurige Materia ist
weg. 22.99. In
dieser sechsten Schmelzung, halte ich dafür, sei die größte Gefahr bei den
Alchymisten mit ihrem Silber- und Goldmachen. Denn hie gehöret ein recht
subtil Feuer zu, und kann bald verbrannt und taub werden, und auch viel zu
blind durch ein zu kalt Feuer. Denn es muß ein Median-Feuer sein, daß der
Geist im Herzen nicht aufstehen werde, sondern fein sanft walle. So krieget
es einen feinen süßen und sanften Klang, und freuet sich immer, als sollte
sichs wieder im Lichte Gottes anzünden. 22.100. So
aber das Feuer in der fünften und sechsten Schmelzung ist, so wird das neue
Leben, welches sich in der Liebe hat im Aufgang des Lichts Kraft aus dem
Wasser geboren, wieder in der Grimmigkeit, im Zornfeuer angestecket und wird
aus dem Erze ein verbrannter Schaum und Abraum, und hat der Alchymist Dreck
für Gold. 22.101. Wenn
es nun zum siebenten Mal geschmelzet wird, so gehöret noch ein subtiler Feuer
dazu, denn daselbst steiget das Leben auf und freuet sich in der Liebe, und
will sich in unendlich erzeigen, wie es vor der Zeit des Zorns im Himmel hat
getan. 22.102. Und
in dieser Bewegung wird es wieder fett und geil und nimmt zu, und breitet
sich aus und gebäret sich die höchste Tiefe aus dem Herzen des Geistes ganz
freudenreich, gleich als wollte es einen englischen Triumph anfangen und sich
in göttlicher Kraft und Form in unendlich, nach der Gottheit Recht, erzeigen.
Und dadurch bekommt der Leib seine größte Stärke und Kraft, und färbet sich
der Leib mit dem höchsten Grad und krieget seine rechte Schönheit und Tugend.
22.103. Und
wenn es nun kalt gemacht wird, so hat es seine rechte Kraft und Farbe, und
mangelt an nichts als nur an dem, daß sich der Geist nicht kann ins Licht mit
seinem Leibe erheben, sondern muß ein toter Stein bleiben, ob er wohl viel
kräftiger ist als andere Steine, noch bleibet der Leib gleich wohl im Tod. 22.104. Und
das ist nun der blinden Menschen irdischen Gott, den sie lieben und ehren,
und lassen den lebendigen Gott, der im Centro verborgen stehet, immer in
seinem Sede sitzen. Denn das tote Fleisch begreift auch nur einen toten Gott
und sehnet sich auch nur nach einem solchen toten Gott. Aber es ist ein Gott,
der manchen Menschen hat in die Hölle gestürzet. 22.105. Du
darfst mich darum für keinen Alchymisten halten, denn ich schreibe allein in
Erkenntnis des Geistes und nicht durch Erfahrenheit. Wiewohl ich zwar allhie
etwas mehrers anzeigen könnte, in wieviel Tagen und in welchen Stunden solche
Dinge müssen präparieret werden, denn man nicht Gold in einem Tage machen
kann, sondern es gehöret ein ganzer Monden dazu. 22.106. Es
ist aber nicht mein Fürnehmen, mich auf das zu versuchen, sintemal ich nicht
weiß mit dem Feuer umzugehen, auch so kenne ich der Quellgeister Farben in
der äußersten Geburt nicht, welches großer Mängel zweene sind, sondern ich
kenne sie nach einem andern Menschen, der nicht in der Begreiflichkeit stehet.
22.107. Bei
der Beschreibung der Sonnen wirst du etwas mehrers und tiefers davon finden.
Meine Meinung ist allein dahin gerichtet, die ganze Gottheit, als viel mir in
meiner Schwachheit begreiflich ist, zu beschreiben, wie dieselbe sei in Liebe
und Zorne, und wie sie sich jetzo in dieser Welt gebäre. Von den köstlichen
Steinen wirst du bei der Beschreibung der sieben Planeten finden. 23.1. Wenn der Mensch
die Tiefe über der Erden ansiehet, so siehet er nichts als Sternen und
Wasserwolken. Dann denket er, es müsse ein anderer Ort sein, da sich die
Gottheit mit dem himmlischen und englischen Regiment erzeige. Er will
schlecht die Tiefe samt ihrem Regiment von der Gottheit unterscheiden, denn
er siehet allda nichts als Sternen, und das Regiment dazwischen ist Feuer,
Luft und Wasser. 23.2. Da denkt er dann:
Das hat Gott aus seinem Vorsatz aus nichts also gemacht. Wie könnte in dem
Wesen Gott sein oder wie könnte das Gott selber sein? Er bildet ihm immer
ein, es sei nur also ein Haus, darinnen Gott mit seinem Geiste regiere und
wohne. Gott könne ja nicht ein Gott sein, dessen Wesen in Kraft dieses
Regiments bestehe. 23.3. Es dürfte mancher
wohl sagen: Was wäre das für ein Gott, dessen Leib, Wesen und Kraft in Feuer,
Luft, Wasser und Erde stünde? 23.4. Siehe, du
unbegreiflicher Mensch, ich will dir den rechten Grund der Gottheit zeigen.
Wo dieses ganze Wesen nicht Gott ist, so bist du nicht Gottes Bild; wo irgend
ein fremder Gott ist, so hast du kein Teil an ihm. Denn du bist aus diesem
Gott geschaffen und lebest in demselben, und derselbe gibt dir stets aus ihm
Kraft, Segen, Speise und Trank. Auch so stehet alle deine Wissenschaft in
diesem Gott, und wenn du stirbest, so wirst du in diesem Gott begraben. 23.5. Wo nun ein fremder
Gott ist, der außer diesem ist, wer wird dich dann aus diesem Gott, darinnen
du verwesen bist, wieder lebendig machen? Wie wird dir der fremde Gott, aus
dem du nicht geschaffen bist und in dem du nie gelebt hast, deinen Leib und
Geist wieder zusammenfigurieren? 23.6. So du nun eine
andere Materia bist als Gott selber, wie wirst du dann sein Kind sein? Oder
wie wird der Mensch und König Christus können Gottes leiblicher Sohn sein,
den er aus seinem Herzen geboren hat? 23.7. So nun seine
Gottheit ein ander Wesen ist als sein Leib, so müßte zweierlei Gottheit in
ihm sein. Sein Leib wäre von dem Gott dieser Welt und sein Herze wäre von dem
unbekannten Gott. 23.8. O tue die Augen
deines Geistes auf, du Menschenkind, ich will dir allhie die rechte und wahrhaftige
eigentliche Porten der Gottheit zeigen, als es dann derselbe einige Gott
haben will. 23.9. Siehe, das ist
der rechte einige Gott, aus dem du geschaffen bist und in dem du lebest: Wenn
du ansiehest die Tiefe und die Sternen und die Erden, so siehest du deinen
Gott. Und in demselben Gott lebest und bist du auch, und derselbe Gott
regieret dich auch, und aus demselben Gott hast du auch deine Sinnen und bist
eine Kreatur aus ihm und in ihm, sonst wärest du nichts. 23.10. Nun
wirst du sagen, ich schreibe heidnisch. Höre und siehe und merke den
Unterschied, wie dieses alles sei, denn ich schreibe nicht heidnisch, sondern
philosophisch. So bin ich auch kein Heide, sondern ich habe die tiefe und
wahre Erkenntnis des einigen großen Gottes, der alles ist. 23.11. Wenn
du ansiehest die Tiefe, die Sternen, die Elementa, die Erde, so begreifest du
mit deinen Augen nicht die helle und klare Gottheit. Und ob sie wohl allda
und darinnen ist, sondern du siehest und begreifest erstlich mit deinen Augen
den Tod, danach den Zorn Gottes und das höllische Feuer. 23.12. So
du aber deine Gedanken erhebest und denkest, wo Gott sei, so ergreifest du
die siderische Geburt, da Liebe und Zorn gegeneinander wallen. Wenn du aber
den Glauben schöpfest an den Gott, der in Heiligkeit in diesem Regimente
regieret, so brichst du durch den Himmel und ergreifest Gott bei seinem
heiligen Herzen. 23.13. Wenn
nun dieses geschieht, so bist du wie der ganze Gott ist, der da selber
Himmel, Erde, Sternen und Elementa ist, und hast auch ein solch Regiment in
dir und bist auch eine solche Person, wie der ganze Gott in dem Loco dieser
Welt ist. 23.14. Nun
sprichst du: Wie soll ich das verstehen? Es ist ja Gottes und der Höllen oder
des Teufels Reich voneinander unterschieden und kann nicht ein Leib sein?
Auch so ist die Erde und Steine nicht Gott, sowohl auch der Himmel und die
Sternen, auch nicht die Elementa, vielweniger kann ein Mensch Gott sein,
sonst würde er nicht können von Gott verstoßen werden. Hie will ich dir nun
nacheinander den Grund erzählen; behalt die Frage im Sinne. Von
der siderischen Geburt und Geburt Gottes
23.15. Von
den Zeiten des erschaffenen Himmels und der Sternen und Elementen und vor der
Erschaffung der Engel ist kein solch Zorn Gottes gewesen, auch kein Tod, auch
kein Teufel, auch weder Erde noch Steine, auch so hats keine Sternen gehabt,
sondern die Gottheit hat sich fein sanft und lieblich geboren und in
Bildnisse figurieret, welche nach den Quellgeistern sind korporieret worden
mit ihrem Gebären, Ringen und Aufsteigen, und sind auch wieder durch ihr
Ringen vergangen und haben sich in eine andere Gestalt formieret, alles nach
dem, wie ein jeder Quellgeist ist Primus gewesen, wie du davorne kannst
lesen. 23.16. Aber
merke hie recht: Die ernste und strenge Geburt, daraus der Zorn Gottes, die
Hölle und der Tod ist worden, die ist wohl von Ewigkeit in Gott gewesen, aber
nicht anzündlich oder erheblich. Denn der ganze Gott stehet in sieben Species
oder siebenerlei Gestalt oder Gebärungen. Und wenn diese Geburten nicht wären,
so wäre kein Gott, auch kein Leben, auch kein Engel, noch einige Kreatur. 23.17. Und
dieselben Geburten haben keinen Anfang, sondern haben sich von Ewigkeit also
geboren. Und nach dieser Tiefe weiß Gott selber nicht, was er ist. Denn er
weiß keinen Anfang und auch nichts seinesgleichen und auch kein Ende. 23.18. Dieser
sieben Gebärungen in allem ist keine die erste und auch keine die ander,
dritte und letzte, sondern sie sind alle sieben eine jede die erste, ander,
dritte, vierte und letzte. Doch muß ich nach kreatürlicher Art und Weise eine
nach der andern setzen, sonst verstehest du es nicht, denn die Gottheit ist
wie ein Rad mit sieben Rädern ineinander gemacht, da man weder Anfang noch
Ende siehet. 23.19. Nun
merke: Erstlich ist die herbe Qualität, die wird von den andern sechs
Geistern immer geboren. Die ist in sich selbst hart, kalt, scharf gleich dem
Salze und noch viel schärfer. Denn eine Kreatur kann ihre Schärfe nicht genug
ergreifen, sintemal sie in einer Kreaturen nicht einig und allein ist, aber
nach der angezündeten höllischen Qualität Art weiß ichs, wie sie ist. Diese
herbe, scharfe Qualität zeucht zusammen und hält in dem göttlichen Leibe die
Formen und Bildnisse und vertrocknet sie, daß sie bestehen. 23.20. Die
andere Gebärung ist das süße Wasser, das wird aus allen sechs Geistern
geboren, denn es ist die Sanftmut, welche aus den andern sechs geboren wird
und sich in der herben Gebärung auspresset und die herbe immer wieder
anzündet, löschet und sänftiget, daß sie ihre Herbigkeit nicht kann erzeigen,
wie sie wohl in ihrer eignen Schärfe außer dem Wasser Gewalt hätte. 23.21. Die
dritte Gebärung ist die Bitterkeit, welche entstehet aus dem Feuer im Wasser,
denn sie reibet oder ängstiget sich in der herben und scharfen Kälte und
macht die Kälte beweglich, davon die Beweglichkeit entstehet. 23.22. Die
vierte Gebärung ist das Feuer. Das entstehet von der Beweglichkeit oder
Reibung in dem herben Geiste. Und das ist nun scharf brennend, und die
bittere ist stechend und wütend. Wenn sich aber der Feuergeist in der herben
Kälte also wütend reibet so ist allda ein ängstlich erschrecklich, zitternd
und scharf widerwillig Gebären. 23.23. Merke
hie tief: Denn ich rede allhie auf teufelische Art, als ob sich das Licht
Gottes noch nicht hätte in diesen vier Species angezündet, als ob die
Gottheit einen Anfang hätte. Ich kann dich aber nicht anders und näher
unterrichten, damit du es fassest. 23.24. In
dieser vierten Reibung ist hart und ganz erschreckliche, scharfe und grimmige
Kälte gleich einem zerschmelzten und sehr kalten Salzwasser, welches doch
nicht Wasser wäre, sondern eine solche harte Kraft gleich den Steinen. Auch
so ist darinnen ein Wüten, Toben, Stechen und Brennen, und ist das Wasser
immer wie ein sterbend Mensch, wenn sich Leib und Seele scheidet, eine ganz
erschreckliche Ängstlichkeit, eine Wehegebärung. 23.25. Hie,
Mensch, besinne dich, hie siehest du, wo der Teufel und seine grimmige,
zornige Bosheit Ursprung hat, dazu Gottes Zorn und das höllische Feuer, auch
der Tod und die Hölle und ewige Verdammnis. Ihr Philosphi, merket das! 23.26. Wenn
sich nun diese vier Gebärungen also miteinander reiben, so wird die Hitze
Primus und zündet sich im süßen Wasser an; da gehet zuhand das Licht auf. 23.27. Verstehe
dies recht: Wenn sich das Licht anzündet, so gehet der Feuerschrack vorher,
als wenn du auf einen Stein schlägest, so siehest du von ehe den
Feuerschrack, alsdann fasset sich erst das Licht aus dem Feuerschracke. 23.28. Nun
fähret der Feuerschrack in dem Wasser durch die herbe Qualität und macht sie
beweglich. Das Licht aber gebäret sich im Wasser und wird scheinend, und ist
ein unbegreifliches, sanftes und liebreiches Wesen, das ich noch keine
Kreatur genugsam weder schreiben noch reden kann, sondern ich stammle nur wie
ein Kind, das da gerne wollte lernen reden. 23.29. Dasselbe
Licht wird inmitten aus diesen vier Species geboren aus dem Fetten des süßen
Wassers und erfüllet den ganzen Leib dieser Gebärung. Es ist aber ein solch
sanftes Wohltun, Wohlriechen und Wohlschmecken, daß ich zu diesem kein
Gleichnis weiß als nur, wo mitten im Tode das Leben geboren wird, oder als
wenn ein Mensch in einer großen Feuersglut säße und würde urplötzlich
rausgezogen und in eine solche große Sanftmut gesetzet, da er zuvor des
Feuers Schmerzen gefühlet hätte und nun urplötzlich verging und würde in ein
solch sanftes Wohltun gesetzet. 23.30. Also
wird die Gebärung der vier Species in ein solch sanftes Wohltun gesetzet,
wenn das Licht in ihnen aufgehet. 23.31. Du
rnußt mich aber hie recht verstehen: Ich schreibe auf kreatürliche Art, als
wenn ein Mensch wäre des Teufels Gefangener gewesen und würde urplötzlich aus
dem höllischen Feuer ins Licht Gottes gesetzet. 23.32. Denn
das Licht hat in der Gebärung Gottes keinen Anfang, sondern es hat von
Ewigkeit also in der Gebärung geleuchtet, und weiß Gott selber keinen Anfang
darinnen. Allein der Geist tut dir hie der Höllen Porten auf, daß du siehest,
wie es eine Gelegenheit in den Teufeln und der Höllen hat und wie es im
Menschen ist, wenn das göttliche Licht verlischet und er in Gottes Zorne
sitzet, so lebet er in einer solchen Gebärung und in solcher Angst, Schmerzen
und Wehe. 23.33. Ich
kann dirs auch in keiner andern Gestalt fürschreiben denn ich muß also
schreiben, als wenn die Gebärung Gottes einen Anfang hätte oder nähme, da es
also worden wäre. Ich schreibe allhie gar wahrhaftige und teure Worte, welche
allein der Geist verstehet. Nun merke die Porten Gottes. 23.34. Das
Licht, das sich nun aus dem Feuer gebäret und in dem Wasser scheinend wird,
und erfüllet die ganze Gebärung, und erleuchtet sie und sänftiget sie, das
ist das wahrhaftige Herze Gottes oder der Sohn Gottes, denn er wird aus dem
Vater immer also geboren, und ist eine andere Person als die Qualitäten und
Gebärung des Vaters. 23.35. Denn
die Gebärung des Vaters kann das Licht nicht erhaschen oder begreifen und zu
seinem Gebären gebrauchen, sondern das Licht stehet frei für sich und wird
von keiner Gebärung begriffen, und erfüllet und erleuchtet die ganze Gebärung
als der eingeborne Sohn vom Vater, Joh 1,14. 23.36. Und
dieses Licht heiße ich in der menschlichen Geburt die animalische Geburt oder
der Seelen Geburt, welche mit dieser Gottes animalischen Geburt inqualieret.
Und hierinnen ist des Menschen Seele ein Herze mit Gott, wenn sie aber auch
in diesem Lichte stehet. 23.37. Die
fünfte Gebärung in Gott ist nun, wenn dieses Licht also sanft und lieblich
durch die ersten vier Gebärungen dringet, so bringt es des süßen Wassers
Herze und lieblichste Kraft mit sich. Und wenn es nun die scharfen Geburten
kosten, so werden sie ganz sanft und liebreich und ist, wie immer das Leben
im Tode aufginge. 23.38. Da
schmecket ein jeder Geist den andern und krieget eitel, neue Kraft, denn die
herbe Qualität wird nun gar linde, denn des Lichts Kraft aus dem süßen Wasser
sänftiget sie, und in dem Feuer gehet die sanfte Liebe auf; denn es erwärmet
die Kälte und das süße Wasser macht den scharfen Schmack gar lieblich und
sanft. 23.39. Und
ist in den scharfen und feurigen Gebärungen nichts denn eitel Liebes-Sehnen,
Kosten, freundlich Infizieren, holdselige Gebärung. Da ist eitel Liebe, und
aller Zorn und Bitterkeit im Centro als in einer großen Festen verriegelt,
sondern diese Gebärung ist gar ein sanftes Wohltun. Der bittere Geist ist nun
die lebende Beweglichkeit. 23.40. Die
sechste Gebärung in Gott ist nun: Wenn die Geister in ihrer Geburt also
voneinander kosten, so werden sie ganz freudenreich, denn der Feuerblitz oder
die Schärfe aus der Geburt steiget nun über sich und wallet gleichwie die
Luft in dieser Welt. 23.41. Denn
wenn eine Kraft die andere reget, so kosten sie voneinander und werden ganz
freudenreich, denn das Licht wird aus allen Kräften geboren und dringet
wieder durch alle Kräfte. Dadurch und darinnen gebäret sich die erhebliche
Freude, davon der Ton entstehet. Denn von dem Regen und Bewegen gebäret sich
der lebendige Geist, und derselbige Geist dringet durch alle Gebärungen, der
Geburt ganz unfaßlich und unbegreiflich, und ist eine ganz freudenreiche,
liebliche Schärfe, als wie eine liebliche Musica. Und wenn nun die Geburt
gebäret, so fasset es das Licht und spricht es wieder in die Geburt durch den
wallenden Geist. 23.42. Und
dieser wallende Geist ist die dritte Person in der Geburt Gottes und heißet
Gott der Heilige Geist. 23.43. Die
siebente Gebärung ist und behält seine Geburt und Formung in dem Heiligen
Geist. Wenn derselbe durch die scharfen Geburten gehet, so gehet er mit dem
Tone und formet und bildet allerlei Figuren, alles nach dem, wie die scharfen
Geburten miteinander ringen. 23.44. Denn
sie ringen in der Geburt stets miteinander wie ein Liebespiel. Und nachdem
die Geburt mit den Farben und Geschmacke im Aufsteigen ist, so werden auch
die Figuren gebildet. 23.45. Und
diese Geburt heißt nun Gott Vater, Sohn, Heiliger Geist und ist keine die
erste und auch keine die letzte, und ob ich gleich einen Unterscheid mache
und eine nach der andern setze, so ist doch keine die erste und keine die
letzte, sondern sie sind von Ewigkeit zu einem gleichen Wesen und Sitze also
gewesen. 23.46. Ich
muß nur unterschiedlich schreiben, daß es der Leser verstehet, denn ich kann
nicht himmlische, sondern menschliche Worte schreiben. Es ist zwar wohl gar
recht geschrieben. Allein das Wesen Gottes stehet in Kraft, und es begreift
es nur der Geist und nicht das tote Fleisch. 23.47. Also
kannst du verstehen, was die Gottheit für ein Wesen ist und wie die drei
Personen in der Gottheit sind. Du darfst die Gottheit nicht irgend einer
Bildnis vergleichen, denn sie ist die Geburt aller Dinge, auch so in den
ersten vier Species nicht die scharfe Gebärung wäre, so wäre keine
Beweglichkeit, und könnte sich nicht das Licht anzünden und das Leben
gebären. 23.48. Aber
nun ist diese scharfe Geburt der Beweglichkeit und des Lebens, sowohl auch
des Lichtes Ursprung, daraus der lebendige und vernünftige Geist entstehet,
der da in dieser Gebärung unterscheidet, formet und bildet. Denn die herbe
kalte Geburt ist ein Anfang aller Dinge. Die ist herbe, strenge,
zusammenziehend und festhaltend, und die formet und zeucht aus der Gebärung
zusammen und macht die Geburt dicke, daß daraus wird eine Natur. Und daher
hat die Natur und Begreiflichkeit ihren Ursprung in dem ganzen Leibe Gottes. 23.49. Diese
Natur ist nun wie ein totes, unverständiges Wesen, und stehet nicht mit in
der Kraft der Geburt, sondern ist ein Leib, in welchem die Kraft gebäret. Sie
ist aber der Leib Gottes und hat alle Kraft wie die ganze Gebärung, und die
Geburtsgeister nehmen ihre Stärke und Kraft aus dem Leibe der Natur und
gebären immer wieder. Und der herbe Geist zeucht immer wieder zusammen und
vertrocknet. Also bestehet der Leib und auch die Geburtsgeister. 23.50. Die
andere Geburt ist das Wasser. Das nimmt seinen Ursprung in dem Leibe der
Natur. 23.51. Merke:
Wenn das Licht den herben zusammengezogenen Leib der Natur durchscheinet und
denselben sänftiget, so gebäret sich in dem Leibe das sanfte Wohltun. Alsdann
wird die harte Kraft gar sanft und zerschmelzet wie ein Eis von der Sonnen,
und wird dünne gleichwie das Wasser in der Luft. jedoch bleibet der Stock der
Natur der himmlischen Begreiflichkeit stehen. Denn der herbe und Feuergeist
hält ihn, und das sanfte Wasser, das von dem Leibe der Natur in Anzündung des
Lichts schmelzet, das gehet durch die strenge und ernste, kalte und feurige
Geburt, und ist gar süße und lieblich. 23.52. Davon
wird nun die ernste und strenge Geburt gelabet, und wenn sie es schmecket, so
wird sie erheblich und erfreuet sich, und ist ein Freudenaufsteigen, da sich
das Leben der Sanftmut gebäret. Denn das ist das Wasser des Lebens, darinnen
sich die Liebe in Gott, sowohl in Engeln und Menschen gebäret, denn es hat
alles einerlei Kraft und Geburt. 23.53. Und
wenn nun die Geburt der Kräfte das Wasser des Lebens kosten, so werden sie
zitternd vor Liebefreuden. Und dasselbe Zittern oder Bewegen, welches mitten
in der Geburt aufsteiget, ist bitter. Denn es steiget geschwinde aus der
Geburt auf, wenn das Wasser des Lebens in die Geburt kommt als ein
Freudensprung der Geburt. 23.54. Weil
es aber also geschwinde aufgehet, daß sich die Geburt also geschwinde
erhebet, ehe sie mit dem Wasser des Lebens ganz infizieret wird, so behält
derselbe Schrack seine Bitterkeit aus der strengen Geburt. Denn die
anfängliche Geburt ist ganz strenge, kalt, feurig und herbe. 23.55. Darum
ist nun der Schrack auch also erheblich und zitternd, denn er beweget die
ganze Geburt und reibet sich darinnen, bis er das Feuer in der harten
Grimmigkeit anzündet, davon das Licht seinen Ursprung nimmt. Alsdann wird der
zitternde Schrack mit der Sanftmut des Lichtes erleuchtet und gehet in der
Geburt auf und nieder, quericht, über sich und unter sich, wie ein Rad mit
sieben Rädern ineinander gemacht. 23.56. Von
diesem Durchdringen und Drehen entstehet der Schall oder Ton nach jedes
Geistes Art, und infizieret sich immer eine Kraft in der andern, denn die
Kräfte sind als leibliche Brüder in einem Leibe, und steiget die Sanftmut
auf, und der Geist gebäret und erzeiget sich unendlich. 23.57. Denn
welche Kraft sich nun in dem Umwenden am stärkesten erzeiget, das ist in der
Gebärung, nach derselben Kraft, Art und Farben bildet der Hl. Geist auch die
Figuren in dem Leibe der Natur. 23.58. Also
siehest du, wie keine Kraft die erste ist und auch keine die andere, dritte,
vierte und letzte, sondern die letzte gebäret die erste sowohl als die erste
und letzte, und die mittelste nimmt ihren Ursprung sowohl von der letzten,
ersten, andern, dritten und so fort an. 23.59. Auch
so siehest du, wie die Natur nicht könne von den Kräften Gottes unterschieden
werden, sondern es ist alles ein Leib. Die Gottheit, das ist die heilige
Kraft des Herzens Gottes, wird in der Natur geboren. Auch so entstehet oder
gehet der Hl. Geist aus dem Herzen des Lichts durch alle Kräfte des Vaters
immer aus und figurieret alles und bildet alles. 23.60. Diese
ganze Geburt wird nun in drei Unterscheide geteilet, da ein jedes ein
sonderliches und ganzes ist, und ist doch keines von dem andern getrennet. Die
Porten der heiligen Dreifaltigkeit
23.61. Die
ganze Geburt, welche ist aller Himmel Himmel, sowohl diese Welt, welche ist
in dem Leibe des Ganzen, sowohl der Locus der Erden und aller Kreaturen und
wo du nur hinsinnest und denkest, das alles zusammen ist Gott der Vater, der
weder Anfang noch Ende hat. Und wo du nur hinsinnest und denkest, auch in dem
kleinesten Zirkel, den du erkiesen magst, ist die ganze Geburt Gottes
vollkömmlich und unaufhaltlich und unwiderstreblich. 23.62. Ists
aber, daß in einer Kreatur oder in einem Orte ist das Licht verlöschen, so
ist die strenge Geburt allda, welche im Lichte im innersten Kern verborgen
lieget. Das ist nun ein Teil. 23.63. Das
andere Teil oder die andere Person ist das Licht, welches aus allen Kräften
immer geboren wird, und erleuchtet hinwiederum alle Kräfte des Vaters, und
hat aller Kräfte Quellbrunn. 23.64. Es
wird aber darum von dem Vater als eine sonderliche Person entschieden, daß es
die Geburt des Vaters nicht kann ergreifen, und ist doch des Vaters Sohn, der
aus dem Vater immer geboren wird. Dessen hast du ein Exempel an allen
angezündeten Feuern in dieser Welt; denke ihm nur nach. 23.65. Und
der Vater liebet diesen seinen eingeborenen Sohn darum also herzlich sehr,
daß er das Licht und das sanfte Wohltun in seinem Leibe ist, durch welches
Kraft aufgehet des Vaters Freud und Wonne. 23.66. Dieses
sind nun zwei Personen, und können keine die andere fassen, halten noch
begreifen, und ist eine so groß als die andere, und wenn eine nicht wäre, so
wäre die andere auch nicht. 23.67. Hie
merket ihr Juden, Türken und Heiden, denn euch gilts, euch wird allhie die
Porten Gottes eröffnet. Verstocket euch nicht selber, denn es ist jetzo die
angenehme Zeit. Ihr seid mit nichten in Gott vergessen, sondern wo ihr euch
bekehret, so wird das Licht und Herze Gottes in euch aufgehen wie die helle
Sonne. 23.68. Solches
schreibe ich als in Kraft und vollkömmlicher Erkenntnis des großen Gottes,
und verstehe seinen Willen hierinnen gar wohl. Denn ich lebe und bin in ihm
und grüne mit dieser Arbeit aus seiner Wurzel und Stamm, auch so muß es sein.
Nur schaue zu, verblendest du dich, so ist kein Rat mehr, und darfst nicht
sagen, du hasts nicht gewußt. Stehe auf, der Tag bricht an! 23.69. Der
dritte Unterscheid oder die dritte Person in dem Wesen Gottes ist der
wallende Geist, welcher von dem Aufstehen in dem Schracke, wo das Leben geboren
wird, entsteht; der wallet nun in allen Kräften und ist der Geist des Lebens.
Und die Kräfte können ihn nicht wieder ergreifen oder fassen, sondern er
zündet die Kräfte an, und macht durch sein Wallen Figuren und Bildnisse, und
formet dieselben nach der Art, wie die ringende Geburt an jedem Orte stehet. 23.70. Und
so du nicht willst blind sein, so sollst du wissen, daß die Luft derselben
Geist ist. Aber im Loco dieser Welt ist die Natur darinnen ganz erheblich im
Zornfeuer angezündet, welches Herr Luzifer getan hat. Und lieget der Heilige
Geist, der da ist der Geist der Sanftmut, darinnen in seinem Himmel
verborgen. 23.71. Du
darfst nicht fragen, wo ist derselben Himmel. Er ist in deinem Herzen,
schleuß ihn nur auf. Allhie wird dir der Schlüssel gezeiget. 23.72. Also
ist ein Ort und drei unterschiedliche Personen ineinander, und kann keine die
andere fassen oder aufhalten oder der andern Ursprung ergründen, sondern der
Vater gebäret den Sohn, und der Sohn ist des Vaters Herze und seine Liebe und
sein Licht, und ist ein Ursprung der Freuden und alles Lebens Anfang. 23.73. Und
der Heilige Geist ist des Lebens Geist und ein Formierer und Schöpfer aller
Dinge und ein Verrichter des Willens in Gott. Der hat formieret und
geschaffen aus dem Leibe und in dem Leibe des Vaters alle Engel und
Kreaturen, und hält und formieret noch täglich alles, und ist die Schärfe und
der lebendige Geist Gottes. Wie der Vater das Wort aus seinen Kräften
spricht, so formets der Geist. Von
der großen Einfältigkeit Gottes
23.74. Wohlher,
Junker Hans im braunen Rössel, der du reitest vom Himmel in die Hölle und aus
der Höllen bis in Tod, darinnen der Stachel des Teufels lieget, besiehe dich
hie, du weltkluger Mensch, der du voll böser Klugheit steckest. 23.75. Merkets
ihr weltklugen Juristen, wo ihr nicht vor diesen Spiegel vor das helle und
klare Angesicht Gottes wollet und euch allda bespiegeln, so beut euch der
Geist die Geburt im innersten herben Zirkel an, wo die Klugheit geboren wird,
da die Schärfe der ängstlichen Geburt Gottes ist, denn daselbst wird eure
Klugheit und tiefer Verstand geboren. 23.76. Wollet
ihr nun Götter und nicht Teufel sein, so braucht euch des heiligen und
sanften Rechten Gottes, wo nicht, so sollet ihr immer und ewig in der
strengen und ernsten Geburt Gottes gebären. Solches saget der Geist als ein
Wort Gottes und nicht mein totes Fleisch. 23.77. Du
sollst wissen, daß ichs aus der toten Vernunft nicht sauge, sondern mein
Geist inqualieret mit Gott und approbieret die Gottheit, wie die sei mit
allem ihrem Gebären, Geschmack und Geruch. Befinde demnach, daß die Gottheit
sei gar ein einfältiges, sanftes, liebliches und stilles Wesen, daß sich die
Geburt der Dreiheit Gottes gar sanft, freundlich, lieblich und einig gebäret,
und kann sich die Schärfe der innerlichsten Geburt niemalen in die Sanftmut
der Dreiheit erheben, sondern bleibet in der Tiefe verborgen. 23.78. Und
heißet die Schärfe im Verborgenen Gottes Zorn, und das Wesen der Sanftmut in
der Dreiheit heißet Gott. Da gehet nichts aus der Schärfe aus, das da
verderbe oder den Zorn anzünde, sondern die Geister spielen fein sanft
ineinander wie die kleinen Kinder, wenn sie sich miteinander freuen, da ein
jedes sein Werk hat, und spielen miteinander und liebkosen einander. 23.79. Solch
Werk treiben auch die heiligen Engel. Und ist in der Dreiheit Gottes gar ein
sanftes, liebliches und süßes Wesen, da sich der Geist in dem Tone immer
erhebet, und reget eine Kraft die andere, als ob allda liebliche Gesänge oder
Saitenspiele aufgingen. 23.80. Und
wie das Aufsteigen der Geister an jedem Orte ist, also formet sich auch der
Ton, aber ganz sanft, den Leibern der Engel unbegreiflich, aber der
animalischen Geburt der Engel gar begreiflich. Und wie sich die Gottheit an
jedem Orte erzeiget, also erzeigen sich auch die Engel. Denn die Engel sind
aus diesem Wesen erschaffen und haben ihre Fürsten der Quellgeister Gottes
unter sich, wie sie in der Geburt Gottes sind. 23.81. Darum
wie sich das Wesen Gottes in der Geburt erzeiget, also auch die Engel. Welche
Kraft in der Geburt Gottes zu jeden Zeiten Primus wird, und jubilieret aus
dem Herzen Gottes in dem Heiligen Geiste, dessen Kraftfürst der Engel fänget
auch seinen Lobgesang vor allen andern an und jubilieret mit seinem Heere,
bald ist einer, bald der ander, denn die Geburt Gottes ist wie ein Rad. 23.82. Wenn
sich aber das Herze Gottes mit seiner Klarheit sonderlich erzeiget, so gehet
auf das ganze Heer aller drei Königreiche der heiligen Engel. Und in diesem
Aufgehen des Herzens Gottes ist König und Primus der Mensch Jesus Christus,
der führet den königlichen Reihen mit allen heiligen Seelen der Menschen bis
an Jüngsten Tag. Alsdann werden die heiligen Menschen vollkömmliche Engel und
die Gottlosen vollkömmliche Teufel und das in seine Ewigkeit. Hie bespiegele
dich, du kluge Welt, woher deine Klugheit kommt. 23.83. Nun
wirst du sagen: Suchest du doch viel tiefer Klugheit als wir, du willst in
die Verborgenheit Gottes steigen, das keinem Menschen gebühret. Wir suchen
nur menschliche Klugheit, und du willst Gott gleich sein und alles wissen,
wie Gott ist, dazu in allen Dingen, beides im Himmel und Hölle, in Teufeln,
Engeln und Menschen. Darum ists ja nicht unrecht, alle spitzfindigen,
scharfen Listen zu suchen, denn es bringet Ehre und Gewalt, dazu Reichtum. 23.84. Einrede:
Wo du mir auf dieser Leiter, darauf ich in die Tiefe Gottes steige,
nachsteigest, so wirst du wohl gestiegen haben. Ich bin nicht durch meine
Vernunft oder durch meinen vorgesetzten Willen auf diese Meinung oder in
diese Arbeit und Erkenntnis kommen. Ich habe auch diese Wissenschaft nicht
gesucht, auch nichts davor gewußt, ich habe allein das Herz Gottes gesucht,
mich vor dem Ungewitter des Teufels darein zu verbergen. 23.85. Als
ich aber dahin gelanget bin, so ist mir diese große und schwere Arbeit aufgeleget
worden, der Welt zu offenbaren und anzukündigen den großen Tag des Herrn. Und
weil sie hart nach des Baumes Wurze lüstert, ihnen zu offenbaren, was der
ganze Baum sei, damit anzumelden, daß es die Morgenröte des Tages sei, das
Gott in seinem Rat vorlängst beschlossen hat. Amen. 23.86. Also
siehest du nun, was Gott sei und wie seine Liebe und Zorn von Ewigkeit
gewesen ist, und darfst nicht sagen, daß du nicht in Gott lebest und bist
oder daß Gott etwas fremdes sei, zu dem du nicht kannst kommen, sondern wo du
bist, da ist die Porten Gottes. Bist du nun heilig, so bist du deiner Seelen
nach bei Gott im Himmel; bist du aber gottlos, so bist du deiner Seelen nach
im höllischen Feuer. 23.87. Nun
merke weiter: Als Gott die Engel allesamt schuf, so wurden sie nun aus dieser
Gebärung Gottes geschaffen. Ihr Leib ward aus der Natur zusammenkorporieret,
darinnen gebar sich ihr Geist und Licht, wie sich die Gottheit gebar.
Und wie die Quellgeister Gottes ihre Kraft und Stärke immer aus dem Leibe der
Natur nahmen, also auch die Engel, die nahmen ihre Kraft und Stärke immer aus
der Natur Gottes. 23.88. Und
wie der Heilige Geist in der Natur alles formete und bildete, also
inqualierete auch der Engelgeist in dem Heiligen Geiste und half alles formen
und bilden, damit alles ein Herze und Wille wäre und eitel Lust und Freude. 23.89. Denn
die Engel sind des großen Gottes Kinder, die er in seinem Leibe der Natur
geboren hat zur Vermehrung der göttlichen Freude. 23.90. Hie
sollst du aber wissen, daß der Engel Leiber nicht können die Geburt Gottes
ergreifen. Ihr Leib verstehet sie auch nicht, allein ihr Geist verstehet sie.
Der Leib aber hält stille gleichwie die Natur in Gott, und lässet den Geist
mit Gott arbeiten und liebespielen. Denn die Engel spielen vor Gott und in
Gott gleichwie die kleinen Kinder vor den Eltern, damit wird die göttliche
Freude vermehret. 23.91. Als
aber der großmächtige Fürst und König Luzifer erschaffen war, so wollte er
solches nicht tun, sondern erhub sich und wollte allein Gott sein, und zündete
das Zornfeuer in ihm an. Also taten auch alle seine Engel. 23.92. Als
aber dieses geschah, so brüllete er mit seinem angezündeten Feuergeiste in
der Natur Gottes; da ward der ganze Leib in der Natur Gottes, alsoweit seine
Herrschaft reichete, angezündet. Weil aber sein Licht zuhand verlosch, so
konnte er mit seinem Geiste in den zweien Geburten, des Sohnes Gottes und des
Heiligen Geistes Gottes, nicht mehr inqualieren, sondern blieb in der
scharfen Geburt Gottes stehen. 23.93. Denn
das Licht Gottes und den Geist Gottes kann die scharfe Gebärung nicht
begreifen, darum sind es auch zwei sonderliche Personen. Darum so konnte Herr
Luzifer mit seiner strengen, kalten und harten Feuergeburt das Herze und den
Hl. Geist Gottes nicht mehr berühren noch sehen, weder schmecken noch fühlen,
sondern ward mit seinem Feuergeiste ausgespeiet in die äußerste Natur,
darinnen er das Zornfeuer hatte angezündet. 23.94. Dieselbe
Natur ist zwar der Leib Gottes, in welcher sich die Gottheit gebäret. Aber
die Teufel können die sanfte Geburt Gottes, welche im Lichte aufgehet, nicht
ergreifen. Denn ihr Leib ist im Lichte erstorben und lebet in der wüsten und
strengen Geburt Gottes, da sich das Licht nimmermehr wieder anzündet. 23.95. Denn
ihr Fettes im süßen Wasser ist verbrannt, und ist aus demselben Wasser ein
saurer Gestank worden, darinnen sich das Licht Gottes nicht mehr kann
anzünden und das Licht Gottes kann darin nicht mehr gehen. 23.96. Denn
die Quellgeister in den Teufeln sind im harten Zorne verschlossen. Ihre Leiber
sind ein harter Tod und ihre Geister sind ein grimmiger Stachel des Zorns
Gottes, und ihre Quellgeister gebären sich immer in der innersten Schärfe
nach der scharfen Gottheit Recht. 23.97. Denn
anders können sie sich nicht gebären, auch so können sie nicht ersterben noch
vergehen, sondern sie stehen in der allerängstlichsten Geburt, und ist nichts
denn eitel Grimmigkeit, Zorn und Bosheit in ihnen. Der angezündete Feuerquell
steiget auf von Ewigkeit zu Ewigkeit, und können die süße und lichte Geburt
Gottes ewiglich nicht mehr berühren, weder sehen noch begreifen. Von
der angezündeten Natur
23.98. Die
Natur aber hat Gott darum also hart angezündet und sich darinnen erzürnet,
daß er den Teufeln damit ein Wohnhaus bauete und sie darinnen gefangen
hielte, auf daß sie wären Kinder seines Zorns, in denen er mit seinem grimmen
Eifer herrschete und sie in dem Zorne. 24.1. Als nun der ganze
Leib der Natur in der Räumlichkeit dieser Welt gleichwie im harten Tode
erstattet war und doch das Leben darinnen verborgen war, so bewegete Gott den
ganzen Leib der Natur dieser Welt am vierten Tage und gebar aus der Natur aus
dem aufgegangenen Lichte die Sternen. Denn das Rad der Geburt Gottes bewegete
sich wieder, wie es von Ewigkeit getan hatte. 24.2. Es hat sich zwar
wohl am ersten Tage beweget und die Geburt in dem Leibe der verderbten Natur
angefangen, denn am ersten Tage hat sich das Leben vom Tode entschieden, und
am andern Tage ist eine Feste dazwischen geschaffen worden, und am dritten
Tage ist das Leben durch den Tod gebrochen. Denn da ist das Licht durch die
Finsternis gebrochen und hat den toten Leib der Natur grünend und beweglich
gemacht. 24.3. Denn am dritten
Tage hat sich der Leib der Natur also hart geängstet bis sich das Liebefeuer
hat in dem Tode angezündet. Und ist das Lebenslicht durch den erstatteten
Leib des Todes gebrochen und hat aus dem Tode gegrünet. Es ist aber am
dritten Tage nur im Feuerschracke gestanden, davon die Beweglichkeit ist
entstanden. 24.4. Am vierten Tage
aber ist das Licht aufgangen und hat seinen Sitz in das Haus des Todes
gemacht, welches doch der Tod nicht kann begreifen. So wenig als die strenge
Geburt Gottes, welche im innersten Kerne stehet, davon das Leben entstehet,
kann die Sanftmut ergreifen, so wenig kann auch die tote Finsternis dieser
Welt das Licht der Natur ergreifen, sowohl auch kein Teufel. 24.5. Sondern das Licht
scheinet durch den Tod und hat ihm seinen königlichen Sitz mitten im Hause
des Todes und des Zornes Gottes gemacht und gebäret ihm einen neuen Leib
Gottes aus dem Hause des Zornes, der ewig in der Liebe Gottes bestehet, dem
alten angezündeten in der äußersten Geburt unbegreiflich. 24.6. Nun fragest du,
wie soll ich das verstehen? Ich kann dirs wohl nicht in dein Herze schreiben,
denn es ist nicht jedermanns Verstand und Begreiflichkeit, vorab wo der Geist
im Hause des Zornes stehet und nicht mit dem Lichte Gottes inqualieret. Ich
will dirs aber in irdischen Gleichnissen zeigen, ob du möchtest ein wenig in
tiefen Sinn kommen. 24.7. Siehe an einen
Baum, der hat von auswendig eine harte, grobe Schale, die ist tot und
erstarret. Doch ist sie nicht ganz im Tode, sondern in der Ohnmacht, und ist
ein Unterscheid zwischen ihr und dem Leibe, so unter der Schalen wächset. Der
Leib aber hat seine lebendige Kraft und bricht durch die verdorrete Schalen
aus und gebäret ihm viel schöner junger Leiber, welche doch alle in dem alten
Leibe stehen. 24.8. Aber die Schale
ist wie ein Tod und kann das Leben des Baumes nicht ergreifen, sondern hänget
ihm nur an und ist eine Decke des Baumes, in welcher die Würmer nisten und
zerstören dadurch endlich auch den Baum. 24.9. Also ist auch das
ganze Haus dieser Welt. Die äußerliche Finsternis ist das Haus des Zornes
Gottes, darinnen wohnen die Teufel, und ist recht das Haus des Todes, denn
das heilige Licht Gottes ist darinnen erstorben. 24.10. Der
Leib aber dieses großen Hauses, welcher unter der Schalen der Finsternis
verborgen lieget, der Finsternis unbegreiflich, der ist das Haus des Lebens,
darinnen Liebe und Zorn miteinander ringen. 24.11. Nun
bricht die Liebe immer durch das Haus des Todes und gebäret heilige,
himmlische Zweige in dem großen Baurne, welche im Lichte stehen. Denn sie
grünen durch die Schale der Finsternis, gleichwie der Zweig durch die Schale
des Baumes, und sind ein Leben mit Gott. 24.12. Und
der Zorn grünet auch in dem Hause der Finsternis und behält manchen edlen
Zweig durch seine Infizierung in dem Hause der Grimmigkeit, im Tode gefangen.
24.13. Das
ist nun die Summa oder der Inhalt der siderischen Geburt, davon ich hie
schreiben will. 24.14. Nun
fraget sichs: Was sind die Sternen oder woraus sind sie worden? Sie sind die
Kraft der sieben Geister Gottes. Denn als der Zorn Gottes durch die Teufel in
dieser Welt angezündet ward, so ward das ganze Haus dieser Welt in der Natur
oder äußersten Geburt gleich wie im Tode erstarret, davon die Erde und Steine
sind. Als aber derselbe harte Abraum zusammen auf einem Klumpen getrieben
ward, so ward die Tiefe lauter, aber ganz finster, denn das Licht darinnen
war im Zorne erstorben. 24.15. Nun
aber konnte der Leib Gottes dieser Welt nicht im Tode bleiben, sondern Gott
bewegte sich mit seinen sieben Quellgeistern zur Geburt. 24.16. Du
mußt aber diese hohe Ding recht verstehen. Das Licht Gottes, welches ist der
Sohn Gottes, sowohl auch der Hl. Geist, ist nicht erstorben gewesen, sondern
das Licht, welches von Ewigkeit ist aus dem Herzen Gottes gangen, und die
Natur, welche aus den sieben Geistern geboren wird, erleuchtet hat, das ist
aus der hart-verderbten Natur gewichen. Davon ist die Natur dieser Welt mit
ihrer Begreiflichkeit im Tode blieben und kann das Licht Gottes nicht
ergreifen, sondern ist ein finster Haus des Teufels. 24.17. Nach
diesem hat Gott am vierten Tage der Schöpfung das ganze Haus dieser Welt mit
den Qualitäten wieder neugeboren, und hat die Quellgeister gestellet in das
Haus der Finsternis, auf daß er ihm wieder einen neuen Leib daraus gebäre zu
seinen Lob und Ehren. 24.18. Denn
sein Vornehmen war, daß er wollte wieder ein ander englisch Heer schaffen aus
diesem Hause, das sollte also getan sein: Er wollte schaffen einen Engel,
welches war Adam, der sollte aus sich gebären seinesgleichen Kreaturen, die
da besäßen das Haus der neuen Geburt. Und in Mitte der Zeit sollte ihr König
aus dem Leibe eines Menschen geboren werden und das neugeborne Reich als ein
König dieser Kreaturen besitzen anstelle des verdorbenen und verstoßenen
Luzifers. 24.19. Unter
Vollziehung dieser Zeit wollte Gotte dieses Haus mit seinen Qualitäten als
ein königlich Regiment schmücken und denselben Quellgeistern das ganze Haus
einräumen, damit sie in dem Hause der Finsternis und des Todes wiederum
Kreaturen und Bildnisse herfürbrächten, wie sie von Ewigkeit getan hatten,
bis da vollendet würde das ganze Heer der neugeschaffenen Engel, welches
waren die Menschen. Alsdann wollte Gott den Teufel in das Haus der Finsternis
in eine enge Hölle verriegeln und das ganze Haus in seinem Lichte wieder
anzünden bis auf die Hölle des Teufels. 24.20. Nun
fraget sichs: Warum hat ihn nicht Gott bald verriegelt, so hätte er nicht so
viel Unglück angerichtet? Siehe, das war Gottes Vorsatz und der mußte auch
bestehen, daß er ihm aus der verderbten Natur der Erden wollte wieder ein
englisch Heer erbauen, verstehe: einen neuen Leib, der in Gott ewiglich
bestünde. 24.21. Es
war mit nichten Gottes Meinung, daß er die ganze Erde wollte dem Teufel zu
einem ewigen Wohnhause geben, sondern nur den Tod und die Grimmigkeit der
Erden, den der Teufel dreingebracht hat. 24.22. Denn
was hat der Salitter der Erden vor Gott gesündiget, daß er sollte ganz und
gar in ewiger Schande stehen? Nichts, er war nur ein Leib, der da mußte
stille halten, als sich der Teufel darinnen erhub. 24.23. So
er nun hätte sollen dem Teufel alsbald ein ewig Wohnhaus einräumen, so hätte
aus demselben Loco nicht können ein neuer Leib erbauet werden. Was hätte nun
derselbe Raum in Gott gesündiget, daß er sollte in ewiger Schande stehen?
Nichts, es wäre eine Unbilligkeit. 24.24. Nun
aber war das Vornehmen Gottes, daß er wollte ein schön englisch Heer aus der
Erden machen, dazu allerlei Bildung. Denn es sollte darinnen und darauf alles
grünen und sich neu gebären, wie man denn siehet an Erz, Steinen, Bäumen,
Kraut und Gras und allerlei Tieren nach himmlischer Bildnis. 24.25. Und
ob dieselbe Bildung gleich zergänglich war, dieweil sie vor Gott nicht rein
war, so wollte doch Gott am Ende dieser Zeit das Herze und den Kern daraus
ziehen aus der neuen Wiedergeburt und von dem Tode und Zorne entscheiden, und
sollte die neue Wiedergeburt außer diesem Loco in Gott ewig grünen und wieder
himmlische Frucht tragen. 24.26. Der
Tod aber der Erden und der Zorn darinnen sollte Herrn Luzifern zu einem
ewigen Hause werden, nach Vollziehung der neuen Geburt. Unterdessen sollte
Herr Luzifer in der Tiefe über der Erden in der Finsternis gefangen liegen.
Und da ist er auch jetzunder, er mag nun seines Glücks gar nahe gewärtig
sein. 24.27. Daß
aber nun solche neue Geburt könnte vollzogen werden ohne des Teufels Willens,
so hat sich der Schöpfer in dem Leibe dieser Welt gleich wie kreatürlich
geboren in seinen Quellgeistern, und sind alle die Sternen nichts als Kräfte
Gottes, und bestehet der ganze Leib dieser Welt in den sieben Quellgeistern. 24.28. Daß
aber so gar viel Sternen mit so mancherlei Wirkungen sind, das ist die
Unendlichkeit, die sich in den sieben Geistern Gottes ineinander infizieret
und in unendlich gebäret. 24.29. Daß
sich die Geburt oder der Sternen Corpus in ihrem Sitze nicht verändert, wie
sie von Ewigkeit getan haben, bedeut, daß es soll eine stete Geburt sein,
dadurch der erstarrete Leib der Erden sollte stets wieder in einerlei
Wirkung, welche doch in der Unendlichkeit stehet, angezündet werden und sich
neu gebären, sowohl auch das Haus der tiefsten Finsternis über der Erden,
dadurch der neue Leib möchte immer aus dem Tode geboren werden, bis vollendet
würde die Zeit und der ganze neugeborne Leib. 24.30. Nun
sprichst du: So sind die Sternen dennoch Gott, die man für Gott ehren und
anbeten soll? Bis hieher sind auch die weisen Heiden kommen, welche zwar mit
ihrem scharfen Verstande unsere Philosophos gar weit übertroffen haben, aber
die rechte Tür der Erkenntnis ist ihnen noch verborgen blieben. 24.31. Siehe,
die Sternen sind ja aus Gott zusammenkorporieret. Du mußt aber dessen
Unterscheid verstehen, denn sie sind nicht das Herze und die sanfte, reine
Gottheit, die man für Gott ehren und anbeten soll, sondern sie sind die
innerste und schärfeste Geburt, da alles in Kämpfen und Ringen stehet, da
sich zwar das Herze Gottes immer gebäret und der Heilige Geist aus dem
Aufgange des Lebens immer ausgehet. 24.32. Aber
die scharfe Geburt der Sternen kann das Herze Gottes nicht wieder ergreifen,
sowohl auch den Hl. Geist, sondern das Licht Gottes, welches in der Ängstlichkeit
aufgehet mit samt dem Wallen des Hl. Geistes bleibet als das Herze für sich
frei und herrschet inmitten in dem Schluße des verborgenen Himmels, der aus
dem Wasser des Lebens ist. 24.33. Denn
von demselben Himmel haben die Sternen ihre erste Anzündung bekommen, und
sind nur wie ein Werkzeug, das Gott zur Geburt brauchet. 24.34. Es
ist eben eine solche Geburt wie im Menschen; der Leib ist auch der Seelen
Vater, denn die Seele wird aus der Kraft des Leibes geboren. Und so der Leib
in ängstlicher Geburt Gottes stehet wie die Sterne und nicht in der
grimmigen, höllischen, so inqualieret die Seele des Menschen mit der reinen
Gottheit als ein Glied mit seinem Leibe. 24.35. Also
auch wird das Herze oder Licht Gottes in dem Leibe dieser Welt immer geboren.
Und dasselbe geborne Herze ist ein Herze mit dem ewigen, unanfänglichen
Herzen Gottes, das da ist in und über alle Himmeln. 24.36. Nicht
wird es allein in und aus den Sternen geboren, sondern in dem ganzen Leibe
dieser Welt. Die Sterne aber zünden den Leib dieser Welt immer an, daß die
Geburt überall bestehet. 24.37. Du
mußt aber dies hie wohl merken: Das Licht oder Herze Gottes nimmt seinen
Ursprung nicht nur bloß von den wilden, rauhen Sternen, da zwar Liebe und
Zorn ineinander ist, sondern aus dem Sitze, wo das sanfte Wasser des Lebens
immer geboren wird. 24.38. Denn
dasselbe Wasser ist in der Anzündung des Zornes von dem Tode nicht ergriffen
worden, sondern es bestehet von Ewigkeit zu Ewigkeit und reicht an alle Ende
in dieser Welt; und ist das Wasser des Lebens, welches durch den Tod bricht,
daraus der neue Leib Gottes in dieser Welt erbauet wird. 24.39. Es
ist aber in den Sternen sowohl als an allen Enden, aber an deinem Orte
faßlich und begreiflich, sondern erfüllet zugleich auf einmal alles. Auch ist
es in dem Leibe des Menschen. Und wen nach diesem Wasser dürstet und trinket
des, in dem zündet sich das Licht des Lebens an, welches ist das Herze
Gottes. Da quillet zuhand aus der Heilige Geist. 24.40. Nun
sprichst du: Wie bestehen denn die Sternen in Liebe und Zorne? Siehe, die
Sternen sind aus dem angezündeten Hause des Zorns Gottes aufgangen gleichwie
die Beweglichkeit eines Kindes im Mutterleibe im dritten Monat. Nun aber
haben dieselben ihre Anzündung von dem ewigen unerstorbenen Wasser des Lebens
bekommen, denn dasselbe Wasser ist in der Natur nie erstorben. 24.41. Als
sich aber Gott in dem Leibe dieser Welt hat beweget, da hat sich am dritten
Tage die Ängstlichkeit in der Geburt dieser Welt gerieben. Davon ist der
Feuerblitz entstanden und hat sich das Licht der Sternen im Wasser des Lebens
angezündet. Denn bis an dritten Tag von der Zeit der Anzündung des Zorns
Gottes in dieser Welt ist die Natur in der Ängstlichkeit ein finster Tal
gewesen und im Tode gestanden. Am dritten Tage aber ist das Leben durch den
Tod gebrochen und hat sich die neue Geburt angefangen. 24.42. Denn
also lang und keine Stunde länger hat auch der neugeborne König und Großfürst
dieser Welt, Jesus Christus in dem Tode geruhet, und hat die ersten drei Tage
der Schöpfung der Natur und dieselbe Zeit im Tode wieder zum Licht geboren,
auf daß diese Zeit mit der ewigen Zeit wieder eine Zeit und kein Tag des
Todes zwischen ihnen sein, und daß die ewige Liebe und die neugeborne Liebe
aus dem neuen Leib der Natur sei eine ewige Liebe, und daß kein Unterscheid
zwischen der ewigen Liebe und der neugebornen Liebe sei, sondern daß die
neugeborne Liebe reiche bis ins Wesen, das von Ewigkeit gewesen ist und auf
für sich bis in Ewigkeit. 24.43. Also
gar ist die neugeborne Liebe, welche ist aus dem Wasser des Lebens im Lichte
aufgangen in Sternen und in dem ganzen Leibe dieser Welt mit der ewigen,
unanfänglichen Liebe verbunden, daß es sei ein Herz und ein Geist, der alles
träget und erhält. 24.44. In
dieser Anzündung des Lichts in Sternen und Elementen hat sich darum die
Geburt der Natur nicht ganz in die heilige Sanftmut verwandelt, wie es vor
der Zeit des Zorns ist gewesen, daß die Geburt der Natur nur ganz heilig und
rein sei. Nein, sondern sie siehet in ihrer schärfsten, strengsten und
ängstlichsten Geburt, da der Zorn Gottes ohn Unterlaß grünet gleich dem
höllischen Feuer. 24.45. Denn
so sich die Natur hätte ganz und gar mit ihrer scharfen Geburt in die Liebe
verwandelt nach himmlischem Recht, so wären die Teufel wieder in dem heiligen
Sitze Gottes. 24.46. Auch
so kannst du das gar wohl sehen und verstehen an der grausamen Hitze und
Kälte, sowohl an der Gift der Bitterkeit und Saurigkeit in dieser Welt,
welches alles in der Sternen Geburt stehet, darinnen die Teufel gefangen
liegen. 24.47. Die
Sterne sind nur die Anzündung des großen Hauses, denn das ganze Haus ist im
Tode erstarret gleichwie die Erde, denn die äußerste Geburt ist tot und
erstarret, wie die Schale auf dem Baum. Die siderische Geburt aber ist der
Leib, da das Leben innen aufgehet. 24.48. Sie
ist aber in ihrem Leibe ganz scharf. Aber die neue Geburt, welche im Wasser
des Lebens aufgehet und dringet durch den Tod, die macht sie sanft. Sie kann
aber den Kern der scharfen Geburt nicht verändern, sondern sie gebäret sich
aus demselben und behält ihr heilig neu Leben für sich, und dringet durch den
zornigen Tod, und der zornige Tod begreift es nicht. 24.49. Diese
Liebe und Zorn ist nun wohl ein Leib, aber das Wasser des Lebens ist der
Himmel des Unterscheides zwischen ihnen, daß also die Liebe nicht den Zorn in
sich fasset oder begreifet, und auch der Zorn nicht die Liebe, sondern die
Liebe gehet auf im Wasser des Lebens und nimmt von der ersten und strengen
Geburt die Kraft in sich, welche im Lichte ist, die aus dem Zorne geboren
wird, daß also der neue Leib aus dem alten geboren wird. Denn der alte,
welcher stehet in der strengen Geburt, gehöret dem Teufel zum Hause, und der
neue dem Reich Christi. 24.50. Nun
fraget sichs: So sind denn nun nicht alle drei Personen in der Gottheit in
der Geburt der Sanftmut in dieser Welt? Ja, sie sind alle drei in dieser Welt
in voller Geburt der Liebe, Sanftmut, Heiligkeit und Reinigkeit, und werden
immer in solcher Substanz und Wesen geboren, wie von Ewigkeit geschehen ist. 24.51. Siehe,
Gott der Vater spricht zu dem Volk Israel am Berge Sinai, als er ihnen das
Gesetze gab: Ich bin ein zorniger, eifriger Gott über die, so mich hassen, Ex
20,5; Deut 5,9. 24.52. Nun
aber kannst du aus diesem einigen Vater, der da ist zornig und auch liebreich,
nicht zwei Personen machen, sondern es ist ein einiger Vater, der da seinen
herzlieben Sohn immer gebäret, und von denen beiden der Heilige Geist immer
ausgehet. 24.53. Merke
die Tiefe im Centro: Der Vater ist das einige Wesen, der selber alles ist und
der seinen herzlieben Sohn von Ewigkeit immer geboren hat, und in den beiden
ist der Hl. Geist im Blitze, wo das Leben Gottes geboren wird, immer
entstanden. 24.54. Nun
aber ist von der strengen und ernsten Geburt der Quellgeister des Vaters,
darinnen der Eifer und Zorn stehet, immer der Leib der Natur worden, darinnen
das Licht des Sohnes als des Vaters Herze stehet, der Natur unbegreiflich. 24.55. Denn
das Licht ist in der Geburt in Mitten, und ist die Stätte des Lebens, wo das
sanfte Leben Gottes geboren wird aus allen Kräften des Vaters, und in
demselben Loco gehet der Heilige Geist vom Vater und Sohn aus. 24.56. Nun
aber sind dieselben Kräfte des Vaters, welche in der Anzündung des Lichts
stehen, der Heilige Vater und der sanfte Vater und die reine Geburt Gottes.
Und der darinnen aufgehende Geist ist der Heilige Geist; die scharfe Geburt
aber ist der Leib, darinnen dieses heilige Leben immer geboren wird. 24.57. Wenn
aber das Licht Gottes durch diese scharfe Geburt scheinet, so wird sie ganz
sanfte und ist wie ein schlafender Mensch, da sich das Leben in ihm immer
beweget und der Leib ruhet fein sanft. 24.58. In
diesem Leibe der Natur ist nun die Anzündung geschehen denn aus diesem Leibe
waren auch die Engel geschaffen. Und so sie sich nicht hätten in ihrem
Übermut erhoben und angezündet, so wäre ihr Leib ewig in der stillen und
unbegreiflichen Sanftmut gestanden wie in den andern Fürstentümern der Engel
außer dieser Welt. Und ihr Geist hätte sich ewig in ihrem Leibe der Sanftmut
geboren wie in dem Leibe Gottes die hl. Dreifaltigkeit, und wäre ihr
eingeborner Geist mit der heiligen Dreifaltigkeit ein Herze, Willen und Liebe
gewesen, denn zu dem Mittel waren sie auch in dem Leibe Gottes erschaffen zur Freude der Gottheit. 24.59. Herr
Luzifer aber wollte selber der mächtigste Gott sein, und zündete seinen Leib
an und weckte die scharfe Geburt Gottes darinnen auf und setzte sich wider
das lichte Herze Gottes, in willens, mit seiner Schärfe darinnen zu
herrschen, welches doch unmöglich war. 24.60. Weil
er sich aber wider der Gottheit Recht erhub und anzündete, so erhub sich auch
die scharfe Geburt im Leibe des Vaters wider ihn und nahm ihn als einen
zornigen Sohn in der schärfsten Geburt gefangen, und darinnen ist nun seine
ewige Herrschaft. 24.61. Als
sich aber nun der Vater in dem Leibe der Schärfe anzündete, so hat er darum
nicht den heiligen Quell angezündet, wo sich sein liebreiches Herz gebäret,
daß darum sollte sein Herze irn Zornquell sitzen. 24.62. Nein,
das ist unmöglich, denn die scharfe Geburt kann die heilige und reine nicht
ergreifen, sondern die heilige und reine dringet durch die Schärfe durch und
gebäret ihm einen neuen Leib, welcher wieder in der Sanftmut stehet. 24.63. Und
derselbe neue Leib ist das Wasser des Lebens, welches geboren wird, wenn das
Licht durch den Zorn dringet, und der Hl. Geist ist der Formierer darinnen.
Der Himmel aber ist der Unterscheid zwischen der Liebe und dem Zorn, und ist
der Sitz, wo sich der Zorn in die Liebe verwandelt. 24.64. Wenn
du nun ansiehest die Sonne und Sternen, so mußt du nicht denken, das ist der
heilige und reine Gott, und mußt dir nicht fürnehmen, von denselben etwas zu
bitten oder zu begehren, denn sie sind nicht der heilige Gott, sondern sie
sind die angezündete strenge Geburt seines Leibes, da Liebe und Zorn
miteinander ringet. 24.65. Der
heilige Gott aber ist inmitten aller dieser Dinge in seinem Himmel verborgen
und kannst ihn nicht sehen oder begreifen. Die Seele aber begreift ihn und
die siderische Geburt halb, denn der Himmel ist der Unterscheid zwischen
Liebe und Zorn. Derselbe Himmel ist überall, auch in dir selber. 24.66. Und
wenn du nun den heiligen Gott in seinem Himmel anbetest, so betest du ihn in
dem Himmel, der in dir ist, an. Und derselbe Gott bricht mit seinem Licht und
darinnen der Hl. Geist durch dein Herze, und gebäret deine Seele zu einem
neuen Leibe Gottes, der mit Gott in seinem Himmel herrschst. 24.67. Denn
der irdische Leib, den du trägest, der ist ein Leib mit dem ganzen
angezündeten Leibe dieser Welt, und dein Leib inqualieret mit dem ganzen
Leibe dieser Welt, und ist kein Unterscheid zwischen den Sternen und der
Tiefe mit samt der Erden und deinem Leibe, es ist alles ein Corpus. Allein
das ist nur der Unterscheid, daß dein Leib ist ein Sohn des Ganzen und ist wie
das ganze Wesen selber. 24.68. Wie
sich nun der neue Leib dieser Welt in seinem Himmel gebäret, also gebäret
sich auch dein neuer Mensch in seinem Himmel, denn es ist alles ein Himmel,
darinnen Gott wohnet und darinnen dein neuer Mensch wohnet, und kann nicht
voneinander getrennet werden. 24.69. So
du aber gottlos bist, so ist deine Geburt des Himmels nicht fähig, sondern
des Zorns, und bleibest im andern Teile der siderischen Geburt, wo der ernste
und strenge Feuerquell aufgehet, und bist im Tode verriegelt so lange, bis du
durch den Himmel brichst und lebest mit Gott. 24.70. Denn
an der Stelle deines Himmels hast du den Zornteufel sitzen. So du aber
durchbrichst, so muß er allda weichen, und herrschet der Hl. Geist in diesem
Sitze; und in dem andern Teile der Grimmigkeit ficht dich der Teufel an, denn
es ist sein Nest, und der Hl. Geist tut ihm Widerstand. Und der neue Mensch
liegt in seinem Himmel unter dem Schutz des Hl. Geistes verborgen, und der
Teufel kennet den neuen Menschen
nicht, denn er ist nicht in seinem Hause, sondern im Himmel in der Feste
Gottes. 24.71. Solches
schreibe ich als ein Wort, welches in seinem Himmel ist geboren, wo sich die
heilige Gottheit immer gebäret, da der wallende Geist im Blitz des Lebens
aufgeht. Daselbst ist dieses Wort und diese Erkenntnis geboren worden und im
Liebefeuer durch den Eifergeist Gottes aufgegangen. 24.72. Ich
weiß wohl, was der Teufel im Sinn hat, denn das Teil der ernsten und strengen
Geburt, da Liebe und Zorn einander entgegengesetzt sind, siehet ihm ins
Herze. Denn wenn er mit seiner grimmigen und höllischen Versuchung kommt wie
ein schmeichelnder Hund, so setzt er mit seinem Zorn in dem Teile, wo die
strenge Geburt stehet, an. Und daselbst ist ihm der Himmel entgegengesetzt.
Da wird die schöne Braut erkannt. 24.73. Denn
er sticht durch den alten Menschen, in willens, den neuen zu verderben. Wenn
sich aber der neue gegen ihn erhebet, so weicht der Höllenhund. Alsdann
befindet der neue Mensch wohl, was der Höllenhund her für einen Ratschlag in
die siderische Geburt geschleift, und ist Zeit auszufegen. 24.74. Ich
befinde aber, daß mir der klügeste Teufel ist entgegengesetzt. Der wird
Spötter erregen, die werden sagen, ich wolle durch meinen eigenen Wahn die
Gottheit ausgrübeln. 24.75. Ja,
lieber Spötter, du bist wohl ein gehorsamer Sohn des Teufels. Du magst billig
der Kinder Gottes spotten. Ich sollte wohl die Gottheit in meinem Vermögen
können also tief ergründen, so sich die Gottheit nicht in mir gründete.
Meinest du aber auch, daß ich stark genug sei zum Widerstand? 24.76. Ja,
lieber stolzer Mensch, die Gottheit ist auch gar ein sanftes, einfältiges und
stilles Wesen und grübelt nicht im Grund der Höllen und des Todes, sondern in
seinem Himmel, da nichts als einmütige Sanftmut ist. Darum mir auch nicht
gebühren wollte, solches zu tun. 24.77. Aber
siehe, ich habe dieses auch nicht
auf die Bahn bracht, sondern deine Begierde und hocherhabene Lust, die hat
die Gottheit bewogen, dir deines Herzens Begierde in höchster Einfalt in der
größten Tiefe zu offenbaren, auf daß es sei ein Zeugnis über dich und eine
Anmeldung des ernsten Tages Gottes, sage ich als ein Wort des ernsten Gottes,
welches geboren ist im Blitz des Lebens. 25 - Von dem ganzen Leibe der Sternengeburt, das ist
die ganze Astrologia oder der ganze Leib dieser Welt
25.1. Die gelehrten und
hocherfahrnen Meister der Sternenkunst sind in ihrem Verstande so hoch und
tief kommen, daß sie wissen der Sternen Lauf und Wirkung, was ihre
Zusammenkünften, Infizieren und Durchbrechen der Kräfte bedeutet und
rnitbringet; und wie sich dadurch Wind, Regen, Schnee und Hitze empöret, auch
Böses und Gutes, Glück und Unglück, dazu Leben und Tod und alles Treiben
dieser Welt. 25.2. Dieses ist zwar
das rechte Fundament, welches ich im Geist erkenne, daß es also sei. Ihre
Erkenntnis aber stehet nur im Hause des Todes in der äußerlichen
Begreiflichkeit und im Anschauen der Augen des Leibes, und ist ihnen die
Wurzel des Baumes bis daher verborgen blieben. 25.3. Es ist auch nicht
mein Fürnehmen, daß ich wollte von des Baumes Ästen schreiben und ihre
Erkenntnis umkehren. Auch so baue ich nicht auf ihren Grund, sondern lasse
ihre Erkenntnis in ihrem Sede sitzen, dieweil ich sie nicht studieret habe;
und schreibe im Geiste meiner Erkenntnis von des Baumes Wurzel, Stamme, Ästen
und Frucht als ein mühsamer Knecht seines Herrn, den ganzen Baum dieser Welt
zu blößen. 25.4. Nicht der
Meinung, etwas Neues auf die Bahn zu bringen, denn ich habe dessen keinen
Befehl, sondern meine Erkenntnis stehet in dieser Geburt der Sternen,
inmitten wo sich das Leben gebäret und durch den Tod bricht, und wo der
wallende Geist entstehet und durchbricht, und in dessen Trieb und Wallen
schreibe ich auch. 25.5. Ich weiß auch gar
wohl, daß die Kinder des Fleisches werden meiner spotten und sagen, ich
sollte meines Berufs warten und mich um diese Dinge unbekümmert lassen und
mich lieber um das fleißiger annehmen, das da mir und den Meinigen den Bauch
füllet, und die lassen pholosophieren, die es studieret und dazu berufen
sind. 25.6. Mit dieser
Anfechtung hat mir auch der Teufel so manchen Stoß gegeben und mir solches
selber eingebleuet, daß ich mich oft verwogen habe, dieses zu unterlassen.
Aber mein Fürnehmen ist mir zu schwer worden. Denn wenn ich dem Bauch
nachgedacht und bei mir entschlossen, dieses mein Vorhaben zu unterlassen, so
ist mir die Porten des Himmels in meiner Erkenntnis zugeriegelt worden. 25.7. Alsdann hat sich
meine Seele geängstet, als wäre sie vom Teufel gefangen, dadurch die Vernunft
so manchen Stoß bekommen, als sollte der Leib zugrunde gehn. Und hat auch der
Geist nicht eher nachgelassen, bis er ist wieder durch die tote Vernunft
gebrochen und hat die Toren der Finsternis zersprenget und seinen Sitz wieder
an seine Stelle bekommen, dadurch er dann allezeit neu Leben und Kraft
bekommen. 25.8. Dadurch ich denn
verstehe, daß der Geist muß durch Kreuz und Trübsal bewähret werden. Auch so
hat mirs an leiblicher Anfechtung nicht gefehlet, sondern habe immer müssen
im Kampf stehen, sogar ist der Teufel dawider gewesen. 25.9. Weil ich aber
spüre, daß mein ewig Heil darauf stehet und daß mir durch mein Nachlassen
wollte die Porten des Lichts zugeschlossen werden; welches doch ist die
Festung meines Himmels, darein sich meine Seele verbirget vor dem Ungewitter
des Teufels, welche ich doch mit großer Mühe und manchem harten Sturme durch
die Liebe Gottes erobert habe durch die
Durchbrechung meines Erlösers und Königes Jesu Christi. So will ichs lassen
Gott walten und meine fleischliche Vernunft gefangen nehmen. 25.10. Und
habe mir erwählet die Porten der Erkenntnis des Lichtes und will des Geistes
Trieb und Erkenntnis nachfahren. Und sollte gleich mein tierischer Leib an
Bettelstab gereichen oder gar zugrunde gehen, so frage ich nun weiter nichts
danach. Und will mit dem königlichen Propheten David sagen: Und wenn mir
gleich mein Leib und Seele verschmacht, so bist du, o Gott, doch mein Heil,
mein Trost und meines Herzens Zuversicht, Ps 73,26. Auf dich will ichs wagen
und deinem Geiste nicht widerstreben. Und ob es gleich dem Fleische wehe tut,
noch dennoch muß der Glaube in Erkenntnis des Lichts über der Vernunft
schweben. 25.11. Ich
weiß auch gar wohl, daß einem Jünger nicht gebühret wider den Meister zu
kämpfen und daß die hocherfahrnen Meister der Astrologie mir weit überlegen
sind. Aber ich arbeite in meinem Berufe und sie in ihrem, auf daß ich nicht
ein fauler Knecht meines Herrn erfunden werde, wenn derselbe wird kommen und
sein überantwortetes Pfund von mir fordern, daß ich ihn dasselbe möge mit
Wucher darstellen. Also will ich sein Pfund nicht in die Erde vergraben,
sondern auf Wucher ausleihen, damit er nicht in Zeit seiner Abforderung
möchte zu mir sagen: Du Schalksknecht, warum hast du mein Pfund in die
Finsternis versteckt und nicht damit gewuchert? (Mat 25,21; Luk 19,23). So
bekäme ich jetzunder das Meine mit Wucher; – und dasselbe gar von mir nähme
und einem andern gäbe, der mit seinem Pfunde viel gewuchert hätte. Also will
ich säen, er mag begießen, und es ihn lassen walten. 25.12. Nun
merke: Das ganze Haus dieser Welt, das im sichtbarlichen und begreiflichen
Wesen stehet, das ist das alte Haus Gottes oder der alte Leib, welcher vor
der Zeit des Zornes ist in himmlischer Klarheit gestanden. Als aber der
Teufel hat darin neu den Zorn erweckt, so ist es ein Haus der Finsternis und
des Todes worden. 25.13. Darum
sich dann auch die hl. Geburt Gottes als ein sonderlicher Leib von dem Zorne
entschieden und die Feste des Himmels zwischen Liebe und Zorn gemacht hat,
daß also die Sternengeburt in Mitten stehet. Verstehe, mit ihrer äußerlichen
Begreiflichkeit und Sichtlichkeit stehet sie im Zorne des Todes, und mit der
darinnen aufgehenden neuen Geburt, welche stehet im mittlern Sede, wo der
Schluß des Himmels ist, stehet sie in der Sanftmut des Lebens. 25.14. Denn
die Sanftmut wallet gegen den Zorn, und der Zorn gegen die Sanftmut, und sind
also zwei unterschiedliche Reiche in dem einigen Leibe dieser Welt. 25.15. Dieweil
aber die Liebe und Sanftmut Gottes den Leib oder Locum dieser angezündeten
Zornwelt nicht wollte im ewigen Zorne und Schanden lassen stehen, so gebar er
den ganzen alten Leib dieser Welt wieder recht förmlich zu einem Leibe,
darinnen das Leben regierte nach göttlicher Art und Weise. Obwohl im
angezündeten Zorne, noch dennoch mußte er nach der Gottheit Recht bestehen,
auf daß daraus könnte ein neuer Leib geboren werden, der da bestünde in
Heiligkeit und Reinigkeit in Ewigkeit. 25.16. Um
solcher Ursache willen ist auch ein endlicher Scheidetag in Gott bestimmt
worden, das sich Liebe und Zorn sollen voneinander scheiden. 25.17. Wenn
du nun ansiehest die Sternen und die Tiefe mit samt der Erden, so siehest du
mit deinen leiblichen Augen nichts als den alten Leib im zornigen Tode. Den
Himmel kannst du mit deinen leiblichen Augen nicht sehen, denn die blaue
Kugel, die du in der Höhe siehest, das ist nicht der Himmel, sondern es ist
nur der alte Leib, den man billig die verderbte Natur heißet. 25.18. Daß
es aber scheinet, als wäre eine blaue Kugel über den Sternen, damit der Locus
dieser Welt vor dem heiligen Himmel sei verschlossen, wie denn die Menschen
bisher gedacht haben, das ist nicht also, sondern es ist das Oberwasser der
Natur. Das ist viel heller als das Wasser unter dem Monden. Wenn nun die
Sonne durch die Tiefe scheinet, so ists gleich wie lichtblau. 25.19. Wie
tief oder weit der Locus dieser Welt sei, weiß kein Mensch. Und ob sich
gleich etliche Physici oder Astrologi haben unterstanden, die Tiefe mit ihrem
Zirkel zu messen, so ist ihr Messen doch nur Fabelei oder eine Messung der
Begreiflichkeit, gleich als wollte einer den Wind haschen. 25.20. Der
rechte Himmel aber ist überall in dieser jetzigen Zeit bis an Jüngsten Tag,
und das Zornhaus der Höllen und des Todes ist auch in dieser Welt jetzt
überall bis an Jüngsten Tag. Aber die Wohnung der Teufel ist jetzunder vom
Monden bis an und in die Erden in den tiefen Spelunken und Höhlen, sonderlich
wo wüste und wilde Einöden sind und wo die Erde sehr steinicht und bitter
ist. 25.21. Ihr
königlich Regiment aber ist in der Tiefe in den vier Enden der Aequinoctial-Circul,
davon ich an einem andern Orte schreiben will. Allhie aber will ich dir
anzeigen, wie das sei der Leib dieser Welt worden und wie er auch auf jetzo
noch stehet, und wie das Regiment darinnen ist. 25.22. Der
ganze Leib dieser Welt ist gleichwie ein menschlicher Leib, denn er ist in
seinem äußersten Zirk mit den Sternen oder aufgegangenen Kräften der Natur
umschlossen, und in dem Leibe regieren sieben Geister der Natur, und das
Herze der Natur stehet mitten inne. 25.23. Die
allgemeinen Sternen aber, die sind die wunderliche Proporz oder Veränderung
Gottes, denn als Gott die Sternen schuf, so schuf er sie aus dem Aufsteigen
der Unendlichkeit aus dem alten nunmehr angezündeten Leibe Gottes. 25.24. Denn
gleichwie sich die sieben Quellgeister Gottes hatten vor der Zeit des Zornes
mit ihrem Aufsteigen und Infizieren in unendlich geboren, daraus dann auch so
mancherlei Figuren und himmlische Gewächse sind aufgegangen. Also auch
figurierete der heilige Gott seinen alten Leib dieser verderbten Natur in so
viel und mancherlei Kräfte als jemalen in der Heiligkeit waren in der Geburt
gestanden. 25.25. Verstehe
dies hohe Ding recht: Ein jeder Stern hat eine sonderliche Eigenschaft,
welches du auch an der Zierheit oder an blühenden Erden siehest. Und hat der
Schöpfer den alten angezündeten Leib darum in so viel und mancherlei Kräften
wieder erbauet und lebendig gemacht, auf daß sich durch dieses alte Leben im
Zorne wieder ein solch neu Leben durch den Schluß des Himmels darinnen
gebäre, auf daß das neue Leben hätte alle Kraft und Wirkungen, wie das alte
jemals vor Zeit des Zorns hatte gehabt und daß es könnte mit der reinen
Gottheit außer dieser Welt inqualieren, und daß es mit der Gottheit außer
dieser Welt sei ein heiliger Ort. 25.26. Auch
so war die neue Geburt in Zeit der Schöpfung blühend, wenns der Mensch nicht
hätte verderbet, durch welches die Natur noch sehrer verderbet ward und Gott
den Acker verfluchte. 25.27. Dieweil
der Mensch zu der Frucht des alten Leibes griff, so blieb nun die Frucht des
neuen Leibes in seinem Himmel verborgen, und muß der Mensch dieselbe nun mit
dem neuen Leibe anschauen und kann ihr mit dem natürlichen Leibe nicht
genießen. 25.28. Davon
mich wohl lüstert zu essen; ich kann sie aber nicht erreichen, denn der
Himmel ist der Schluß zwischen dem alten und neuen Leibe, muß es derowegen
darben bis in jenes Leben und meinem tierischen Leibe Mutter Evas Zornäpfel
zu essen geben. Von
der Anzündung des Herzens oder Lebens dieser Welt
25.29. Als
Gott den Leib dieser Welt hatte in zween Tagen in eine rechte Formam
gebracht, und hatte den Himmel zum Unterscheid zwischen die Liebe und den
Zorn gemacht, so drang nun am dritten Tage die Liebe durch den Himmel durch
den Zorn; da bewegete sich zuhand der alte Leib im Tode und ängstete sich zur
Geburt. 25.30. Denn
die Liebe ist hitzig. Die zündet den Feuerquell an. Der rieb sich in der
herben und kalten Qualität des erstarreten Todes, bis sich die herbe Qualität
am dritten Tage erhitzete, davon dann die Beweglichkeit oder die herbe Erde
beweglich ward. 25.31. Denn
es stund alles im Feuerschracke bis an vierten Tag. Da zündete sich das Licht
der Sonnen an, denn der ganze Leib ängstete sich in der Geburt als ein
gebärend Weib. 25.32. Die
herbe Qualität war der Umfasser oder der Einschließer des Lebens gewesen. In
der ängstete sich nun die Hitze, welche durch die Liebe Gottes angezündet
ward, und dringete die herbe Qualität als einen toten Leib aus. Die Hitze
aber behielt im mittlern Punkt des Leibes seinen Sitz und drang durch. 25.33. Als
sich aber nun das Licht der Sonnen anzündete, so stund der näheste Zirk um
die Sonne im Feuerschracke, denn die Sonne oder das Licht ward im Wasser
scheinend, und die Bitterkeit aus dem Wasser fuhr im Feuerschracke mit auf.
Das Licht aber war also geschwinde hinnach eilend und ergriff den
Feuerschrack. Da blieb er als ein Gefangener stehen und ward körperlich. 25.34. Davon
ist in dem ersten Umgang worden der Planeta Mars, welches Kraft in dem
bittern Feuerschracke stehet, denn er ist ein Wüter, Tober und Stürmer wie ein
Feuerschrack. Dazu ist er hitzig und ein giftiger Feind der Natur, durch
welches Aufgang und Geburt in der Erden sind allerlei giftige, böse Würmer
worden. 25.35. Weil
aber die Hitze im mittlern Punkt des Leibes also mächtig groß war, so drang
sie auch alsoweit von sich und eröffnete die Kammer des Todes vor ihrer
Anzündung des Lichts alsoweit, daß Sie
der größte Stern ist. 25.36. Alsbald
sich aber das Licht in der Hitze anzündete, sobald ward der hitzige Locus in
dem Lichte gefangen und konnte der Corpus der Sonnen nicht größer werden.
Denn das Licht sänftiget die Hitze. Da blieb der Corpus der Sonnen als ein
Herze in Mitten stehen, denn das Licht ist das Herze der Natur und nicht die
Hitze. 25.37. Hie
mußt du aber eigentlich merken: Alsoweit als sich der mittlere Punkt hat
angezündet, also groß ist auch die Sonne, denn die Sonne ist anders nichts
als ein angezündeter Punkt in dem Leibe der Natur. 25.38. Du
darfst nicht denken, daß etwa eine andere Kraft dazu sei als in der ganzen
Tiefe des Leibes überall ist. 25.39. Wenn
die Liebe Gottes durch ihren Himmel wollte den ganzen Leib dieser Welt durch
die Hitze anzünden, so würde es überall also licht wie in der Sonnen. 25.40. Wenn
nun von der Sonnen könnte die große Hitze genommen werden, so wäre sie ein
Licht mit Gott. Weil aber dasselbe in dieser Zeit nicht sein kann, so bleibet
sie ein König und Regent in dem alten verderbten und angezündeten Leibe der
Natur. Und die klare Gottheit bleibet in dem sanften Himmel verborgen. 25.41. Aber
das Licht der Sanftmut der Sonnen inqualieret mit der reinen Gottheit. Aber
die Hitze kann das Licht nicht ergreifen, darum bleibet auch der Locus der
Sonnen in dem Leibe des Zorns Gottes. Und darfst die Sonne nicht anbeten oder
für Gott ehren, denn ihr Locus oder Corpus kann das Wasser des Lebens von
wegen ihrer Grimmigkeit nicht ergreifen. Der
höchste Grund der Sonnen und aller Planeten
25.42. Allhie
werde ich Anfechter genugsam haben, die da werden wissen zu tadeln, denn sie
werden nicht auf den Geist Achtung haben, sondern auf ihr Altes, und werden
sagen, die Astrologi verstehens besser. Sie haben geschrieben, und werden die
große offene Porten Gottes ansehen wie eine Kuh ein neu Scheunentor. 25.43. Ja,
lieber Leser, ich verstehe der Astrologorum Meinung auch wohl. Ich habe
auch ein paar Zeilen in ihren Schriften gelesen und weiß wohl, wie sie den
Lauf der Sonnen und Sternen schreiben. Ich verachte es auch nicht, sondern
halte es meistenteils für gut und recht. 25.44. Daß
ich aber etliche Dinge anders schreibe, tue ich nicht aus einem Wollen oder
Wahn, daß ich zweifele, obs also sei. Ich darf auch keinen Zweifel, so kann
mich auch kein Mensch hierinnen unterrichten. 25.45. Denn
ich habe meine Wissenschaft nicht vom Studio. Zwar der sieben Planeten
Ordnung und Innestehen habe ich in der Astrologorum Bücher gelesen, befinde
sie auch ganz recht, aber die Wurzel, wie sie worden und herkommen sind, kann
ich nicht von Menschen erlernen, denn sie wissens nicht. Ich bin auch nicht dabei gewesen, da sie
Gott geschaffen hat. 25.46. Weil
mir aber in meinem Geiste die Toren der Tiefe und Porten des Zorns, auch die
Kammer des Todes ist aufgeschlossen worden durch die Liebe Gottes, so siehet
der Geist hindurch. Befinde demnach, daß die Geburt der Natur heute noch
stehet und sich also gebäret, wie sie erstlich ihren Anfang genommen hat. Und
alles, was da aufgehet in dieser Welt, es seien gleich Menschen, Tiere,
Bäume, Kraut, Gras, Erz oder was es wolle, so gehet alles in solcher Qualität
und Form auf. Und alles Leben, es sei bös oder gut, nimmt seinen Ursprung
also. 25.47. Denn
das ist der Gottheit Recht, daß sich alles Leben in dem Leibe Gottes auf
einerlei Weise gebäre. Obs wohl durch mancherlei Bildungen geschieht, so hat
doch das Leben alles einerlei Ursprung. 25.48. Solche
Erkenntnis sehe ich nicht mit fleischlichen Augen, sondern mit denen Augen,
wo sich das Leben in mir gebäret. In demselben Sitze stehet mir des Himmels
und der Höllen Porten offen und spekulieret der neue Mensch inmitten der
siderischen Geburt, und stehet ihm die innere und äußerste Geburt offen. 25.49. Dieweil
er noch in dem alten Menschen des Zorns und Todes stecket und sitzet auch in
seinem Himmel, so siehet er durch beide. Auf solche Weise siehet er auch die
Sternen und Elementa, denn in Gott ist kein Ort der Aufhaltung, denn das Auge
des Herrn siehet alles. 25.50. So
nun mein Geist nicht durch seinen Geist sähe, so wäre ich ein blinder Stock.
Weil ich aber die Porten Gottes in meinem Geist sehe und habe auch den Trieb
dazu, so will ich nach meinem Anschauen recht schreiben und keines Menschen
Autorität ansehen. 25.51. Nicht
sollst du es verstehen, als wäre mein alter Mensch ein lebendiger Heiliger
oder Engel. Nein, Geselle, er sitzet mit allen Menschen im Hause des Zorns
und des Todes und ist ein steter Feind Gottes, der in seinen Sünden und
Bosheit steckt wie alle Menschen, und ist voller Gebrechen und Mängel. 25.52. Das
sollst du aber wissen, daß er in steter ängstlicher Gebärung steckt und
wollte des Zorns und Bosheit gerne los sein, und kann doch nicht. Denn er ist
wie das ganze Haus dieser Welt, da immer Liebe und Zorn miteinander ringet,
und gebäret sich immer der neue Leib mitten in der Angst. Denn also muß es
sein, willst du aber von neuem geboren werden; anders erreicht kein Mensch
die Wiedergeburt. 25.53. Der
Mensch trachtet allhie immer nach sanften Tagen des Fleisches und nach
Reichtum und Schönheit, und weiß nicht, daß er damit in der Kammer des Todes
sitzet, da der Stachel des Zorns auf ihn zielet. 25.54. Siehe,
ich sage dirs als ein Wort des Lebens, welches ich nehme in Erkenntnis des
Geistes mitten in der Geburt des neuen Leibes dieser Welt, über welchen ist
ein Herrscher und König, der Mensch Jesus Christus, samt seinem ewigen Vater.
Auch nehme ichs vor dem Stuhle seines Thrones, da alle heiligen Seelen der
Menschen vor ihm stehen und freuen sich vor ihm. Daß die Begierde des
Fleisches in sanftem Wohltun reich sein, schön sein, mächtig sein, ist ein
lauter höllisch Zornbad, darein du dringest und laufest, als würdest du
hineingezogen, denn es ist große Gefahr darinnen. 25.55. Willst
du es aber wissen, wie es ist, siehe, ich sage dirs im Gleichnis. Wenn du
nach deines Herzens Lust in Reichtum und Gewalt bist gedrungen, so ists eben
mit dir, als stündest du in einem tiefen Wasser, da dir das Wasser immer bis
ans Maul ging, und unter deinen Füßen wäre kein Grund, sondern schwimmst also
mit den Händen und schützest dich. Bald wärest du tief im Wasser, bald
seicht, und wärest doch immer mit großem Schrekken gewärtig, wenn du zugrunde
gingest, da dir dann das Wasser manchmal ins Maul ginge und immer des Todes
gewärtig wärest. 25.56. In
solcher Gestalt und nicht anders sitzest du in deinen Wollüsten des
Fleisches. Willst du nun nicht kämpfen, so wirst du auch nicht siegen,
sondern du wirst in deinem sanften Bette ermordet. Denn der Mensch hat stets
ein gewaltiges Heer vor ihm, das da stets mit ihm kämpfet. Will er sich nicht
wehren, so wird er gefangen und erschlagen. 25.57. Wie
will sich aber der wohl wehren, der im tiefen Wasser schwimmst? Der hat genug
zu tun, daß er sich des Wassers schützet, und wird doch gleichwohl von den
Teufel bestürmet. 25.58. O,
Gefahr über Gefahr! Wie auch unser
König Christus saget: Es wird schwerlich ein Reicher ins Himmelreich
eingehen. Es wird ein Kamel leichter durch ein Nadelöhr gehen als ein Reicher
ins Himmelreich, Matth. 19,25; Mark. 10,25. 25.59. Will
aber jemand neugeboren werden, der muß sich nicht dem Geize, Hoffart und
eigen Gewalt zum Knechte geben, sich in seines Fleisches Willen zu
belustigen, sondern er muß kämpfen und streiten wider sich selber, auch wider
den Teufel und wider alle Fleischeslust, und muß denken, daß er nur ein
Knecht und Pilgram auf Erden ist, der da muß wandern durch das gefährliche
Jammermeer in eine andere Welt. Da wird er ein Herr sein, und seine
Herrschaft wird in Kraft und vollkömmlicher Lust und Schönheit stehen; sage
ich als ein Wort des Geistes. 25.60. Nun
merke: Die Sonne hat ihren eigenen königlichen Locum für sich und weicht von
ihrem Orte, da sie ist zum erstenmal worden, nicht ab, wie etliche meinen,
sie laufe in Tag und Nacht um den Erdboden, und auch solches etliche
Astrologi schreiben, und haben sich etliche unterstanden zu messen, wie weit
ihr Umzirk sei. 25.61. Diese
Meinung ist unrecht, sondern die Erde drehet sich um und laufet mit den
andern Planeten als wie in einem Rade um die Sonne. Die Erde bleibet nicht an
einem Orte stehen, sondern laufet in einem Jahr einmal um die Sonne, wie auch
die andern Planeten unter der Sonnen, ausgenommen Saturnus und Jupiter könnens
von wegen ihres weiten Umgangs und großen Höhe nicht tun, dieweil sie hoch
über der Sonnen stehen. 25.62. Nun
fraget sichs: Was ist dann die Sonne und die andern Planeten oder wie sind
die worden? Siehe, die andern Planeten sind eigne Körper, die ihr körperlich
Eigentum haben, und sind an keinen stillstehenden Ort gebunden als nur an
ihren Umzirk, da sie inne laufen. Die Sonne aber ist kein solcher Körper,
sondern sie ist ein angezündeter Locus durch das Licht Gottes. 25.63. Verstehe
es recht: Der Ort, wo die Sonne ist, der ist ein solcher Ort, wie du irgend
einen Ort über der Erden erkiesen möchtest. So Gott wollte das Licht durch
die Hitze anzünden, so wäre die ganze Welt ein eitel solche Sonne, denn
dieselbe Kraft, darinnen die Sonne stehet, ist überall. Und vor der Zeit des
Zorns ists überall in dem Loco dieser Welt also lichte gewesen, wie die Sonne
ist, aber nicht so unerträglich. 25.64. Denn
die Hitze ist nicht so groß gewesen wie in der Sonne, darum ist das Licht
auch gar sanft gewesen, und von wegen der grausamen Grimmigkeit der Sonnen
wird die Sonne von der Sanftmut Gottes unterschieden. Daß man darum nicht
sagen darf, die Sonne sei eine offene Porten des Lichts Gottes, sondern sie
ist wie das Licht in des Menschen Auge. Da gehöret der Ort des Auges auch zu
dem Leibe, aber das Licht wird von dem Leibe unterschieden. 25.65. Und
ob es gleich durch die Hitze im Wasser des Leibes entstehet, noch ist es ein
sonderliches, welches der Leib nicht begreifen kann. Ein solcher Unterscheid
ist auch zwischen Gott dem Vater und dem Sohne. 25.66. Also
ist am vierten Tage in der Angstgeburt dieser Welt im mittlern Punkt dieser
Welt die Sonne aufgegangen und stehet an ihrem ewigen körperlichen Ort
stille, denn sie kann sich nicht an einem andern setzen. 25.67. Denn
sie ist das einige natürliche Licht dieser Welt, und außer ihr ist kein recht
Licht mehr in dem Hause des Todes. Und obs gleich scheinet, als schienen die
andern Sternen auch hell, so ists doch nichts, sondern sie nehmen ihren Glanz
alle von der Sonnen, wie bald hernach folget. Die
rechte Geburt und Herkommen der Sonnen und Planeten
25.68. Als
nun der Himmel zum Unterscheid gemacht ward zwischen das Licht Gottes und
zwischen die angezündete Verderbung des Leibes dieser Welt, so war nun der
Leib dieser Welt ein finster Tal und hatte kein Licht, das in dem äußerlichen
Leibe außer dem Himmel geschienen hätte. Da stunden alle Kräfte gleich wie
in, Tode gefangen und ängsteten sich also sehr, bis sie sich in der Mitten
des Leibes erhitzeten. 25.69. Als
aber dieses geschah, daß die ängstliche Geburt so streng in der Hitze stund,
so brach die Liebe im Lichte Gottes durch den Himmel des Unterscheids und
zündete die Hitze an. Da ging in der Hitze im Wasser oder im Fetten des
Wassers das scheinende Licht auf und zündete sich des Wasser Herze an. Und
dies ist in einem Augenblick geschehen. 25.70. Denn
alsbald daß das Licht hat den Corpus recht ergriffen, so ist der Corpus in
dem Lichte gefangen worden, und ist die Hitze gefangen worden und in eine
ziemliche Sanftmut verwandelt worden und hat nicht weiter können in solcher
Angst stehen. 25.71. Weil
aber die Hitze von dem Licht ist erschrocken, so hat sich ihr grausamer
Feuerquall geleget und hat sich nicht weiter können anzünden. Auch so hat
sich die Durchbrechung der Liebe im Lichte Gottes durch den Himmel auf
diesmal mit ihrem Durchbrechen nicht weiter erstreckt aus Gottes Fürsatze,
darum ist die Sonne auch nicht größer worden. Von
dem Planeten Mars
25.72. Als
sich aber die Sonne angezündet, so ist der grausame Feuerschrack aus dem Loco
der Sonnen über sich gefahren außer dem Loco der Sonnen als ein grausamer,
ungestümer Blitz und hat in seinem körperlichen Wesen mitgenommen die
Grimmigkeit des Feuers. Davon ist das Wasser ganz bitter worden. Und das
Wasser ist der Kern oder der Stock des Schracks. 25.73. Nun
schreiben die Astrologi, daß der Planet Mars über der Sonnen hoch stehe 15
750 Meilen, welches ich lasse gut sein, dieweil ich mit dem Zirkel nicht
umgehe. Also weit ist der geschwinde Feuerschrack von seinem eignen Loco
gefahren, bis ihn auch das Licht hat ergriffen. Da ist er auch vom Licht
gefangen worden, und ist still gestanden und hat den Locum eingenommen. 25.74. Daß
ihn aber das Licht nicht hat ehe ergriffen, das macht der ernste Grimm und
geschwinde Blitz, denn er ist von dem Lichte nicht eher gehalten worden, bis
ihn das Licht ganz infizieret hat. 25.75. Da
stehet er nun als ein Wüter, Tober und Beweger des ganzen Leibes dieser Welt.
Denn das ist auch sein Amt, daß er mit seinem Umgange in dem Rade der Natur
alles beweget, davon alles Leben seinen Ursprung nimmt. Von
dem Planeten Jupiter
25.76. Als
nun der bittere Feuerschrack von dem Lichte gefangen ward, so drang das Licht
in seiner eigenen Gewalt noch höher in die Tiefe hinaus, bis es reichte in
den harten und kalten Sitz der Natur. Da konnte die Kraft des ersten
Aufganges aus der Sonnen nicht höher und blieb allda körperlich sitzen und
nahm denselben Locum zur Wohnung ein. 25.77. Du
mußt aber dies Ding recht verstehen. Es ist die Kraft des Lichts gewesen, die
an diesem Ort ist blieben stehen. Die ist ein ganz sanftes, freundliches,
holdseliges und süßes Wesen. Von diesem schreiben die Astrologi, daß er über
dem Mars hoch stehe 7875 Meilen. Er ist aber der Sänftiger des Zerstörers und
wütenden Martis und ein Ursprung der Sanftmut in allem Leben und auch ein
Ursprung des Wassers, davon sich das Leben gebäret, wie ich hernach melden
will. 25.78. Also
weit hat nun des Lebens Kraft aus der Sonnen gereichet und nicht höher. Der
Glanz oder Schein aber, welcher auch seine Kraft hat, der reichet bis an die
Sternen und durch den ganzen Leib dieser Welt. 25.79. Du
mußt aber dies Ding eigentlich verstehen, wovon diese zwei Planeten sind
worden. Als die Kraft des Herzens Gottes aus dem ewigen, unerstorbenen Brunnquell
des Wassers des Lebens durch den Himmel des Unterscheides drang und zündete
das Wasser in dem Loco der Sonnen an, so fuhr der Blitz, verstehe den
Feuerblitz, aus dem Wasser. Der war ganz erschrecklich und bitter, daraus ist
Mars worden. 25.80. Nach
demselben Blitz fuhr die Kraft des Lichts geschwinde hernach als wie ein
sanftes, erhebendes Leben, und ereilete den Feuerschrack und sänftigte ihn,
daß er etwas ohnmächtig ward, und konnte nicht mehr oder weiter durch die
Tiefe brechen, sondern blieb zitternd stehen. 25.81. Die
ausgegangene Kraft im Lichte aber war viel mächtiger als der Feuerschrack.
Darum stieg sie auch höher als der Feuerblitz, bis sie in der Natur
Strengheit zu tief kam. Da ward sie auch gleichwie ohnmächtig und blieb
stehen. 25.82. Aus
derselben Kraft ist der Planet Jupiter worden, und nicht aus demselben Loco,
da er stehet, sondern er zündet denselben Locum mit seiner Kraft immer an. Er
aber ist wie ein Hausgenoß in demselben Loco, der immer in seinem Lehnhaus
rumwandern muß. Die Sonne aber hat ihr eigen Haus, sonst hat kein Planet ein
eigen Haus. 25.83. So
man will recht erkunden der Sternen Geburt oder Anfang, so muß man eigentlich
wissen die Geburt des Lebens, wie sich das Leben in einem Leibe gebäret, denn
es ist alles einerlei Geburt. 25.84. Wer
das nicht weiß und verstehet, der weiß auch nicht die Geburt der Sternen,
denn es ist alles zusammen ein Leib. Eine jede Kreatur, wenn in der das Leben
geboren ist, so steht ihre Geburt hernach in ihrem Leibe wie die Geburt des
natürlichen Leibes dieser Welt, denn alles Leben muß sich nach der Gottheit
Recht gebären, wie sich die Gottheit immer gebäret. 25.85. Wenn
man nun dies recht betrachtet und bedenket, welches doch ohne sonderliche
Erleuchtung des heiligen Gottes nicht geschehn kann, so findet man anfänglich
die herbe, kalte und strenge Geburt, welche ist eine Ursache der leiblichen
Natur oder der Bildung eines Dinges. 25.86. So
nun diese strenge und kalte, scharfe zusammenziehende Kraft nicht wäre, so
wäre kein natürlich oder leiblich Wesen. Auch so bestünde die Geburt Gottes
nicht und wäre alles unerforschlich. 25.87. Aber
in dieser harten, strengen und kalten Kraft stehet das leibliche Wesen oder
der Leib, darinnen sich dann des Lebens Geist gebäret, und aus demselben Geiste
das Licht und der Verstand, dadurch dann die Sinnen und die Approbierung
aller Kräfte entstehet. 25.88. Denn
wenn das Licht geboren wird, so wird es inmitten des Leibes als ein Herze
oder Geist aus allen Kräften geboren. Und da stehet es auch in seinem
anfänglichen Orte stille und gehet durch alle Kräfte. 25.89. Denn
gleichwie es aus allen Kräften geboren ist und hat aller Kräfte Quellbrunn,
also bringet es auch mit seinem Scheine aller Kräfte Quellbrunn in eine jede
Kraft, davon dann der Geschmack und Geruch, sowohl auch das Sehen, Fühlen und
Hören entstehet und die Vernunft und der Verstand. 25.90. Nun
wie des Lebens Urkund und Anfang in einer Kreatur ist, also ist auch die
erste Wiedergeburt der Natur des neuen Lebens in dem verderbten Leibe dieser Welt.
25.91. Und
wer das leugnet, der hat weder rechten Verstand noch einige Erkenntnis der
Natur. Auch so ist seine Erkenntnis nicht in Gott geboren, sondern er ist ein
Spötter Gottes. 25.92. Denn
siehe, du kannsts nicht leugnen, daß das Leben in einer Kreatur nicht in der
Hitze des Herzens entstehe. Und in demselben Leben stehet auch das Licht der
animalischen Geburt. 25.93. Nun
bedeutet das Herz die Sonn. Sie ist auch des Lebens Anfang in dem äußerlichen
Leibe dieser Welt. Nun kannst du ja nicht sagen, daß die animalische Geburt
vom Herzen abweiche, weil der Leib in der Beweglichkeit stehet. 25.94. Also
auch weichet die Sonne nicht von ihrem Sitze ab, sondern behält ihren eignen
Locum als ein Herze für sich und leuchtet als ein Licht oder als ein Geist
des ganzen Leibes dieser Welt in allen Kräften des Leibes. 25.95. Denn
ihre Geburt ist auch anfänglich aus allen Kräften. Darum ist sie mit ihrem
Licht und Hitze auch wieder ein Geist und Herze in dem ganzen Leibe dieser
Welt. 25.96. Weiter
so kannst du das auch nicht leugnen, daß die Galle in einer Kreatur nicht sei
vom Herzen entstanden, denn sie hat eine Ader zum Herzen und ist des Herzens
Beweglichkeit, davon die Hitze entstehst. 25.97. Sie
hat ihren ersten Ursprung vom Blitz des Lebens. Wenn sich das Leben im Herzen
gebäret und daß das Licht im Wasser aufgehet, so gehet der Feuerschrack
vorher. Der steiget aus der Angstlichkeit des Wassers in der Hitze auf. 25.98. Denn
wenn sich die Hitze in der Kälte in der herben Qualität also ängstet und daß
sich das Licht durch den verborgenen Himmel des Herzens in der Leiblichkeit
anzündet, so erschrickt der ängstliche Tod im Zorn Gottes und weichet als ein
Schrack oder Blitz von dem Licht und steiget ganz erschrecklich, zitternd und
furchtsam über sich. Und des Herzens Licht eilet ihm nach und infizieret den;
alsdann bleibet er sitzen. 25.99. Und
das ist und bedeutet den Planeten Mars, denn also ist er auch worden. Und
seine eigene Qualität ist anders nichts denn ein giftig, bitter Feuerschrack,
welcher aus dem Loco der Sonnen ist aufgegangen. 25.100. Er
ist aber nun immer ein Anzünder der Sonnen gleichwie die Galle des Herzens,
davon die Hitze, beides in der Sonnen und im Herzen, bestehet, und davon das
Leben in allen Dingen seinen Ursprung nimmt. 25.101. Zum
dritten kannst du auch nicht leugnen, daß das Gehirne im Haupte in einer
Kreatur nicht sei des Herzens Kraft, denn aus dem Herzen steigen alle Kräfte
auf ins Hirn. Davon entstehen in dem Hirne die Sinnen des Herzens. 25.102. Das
Hirn im Haupt nimmt seinen Ursprung von der Kraft des Herzens. 25.103. Merke:
Nachdem der Feuerschrack der Gallen oder des Martis ist von dem Lichte des
Lebens abgewichen, so dringet die Kraft aus dem Herzen durch das Licht des
Lebens hernach bis ins Haupt in die strenge Qualität. Und wenn dann die Kraft
nicht höher kann, so wird sie von der strengen Geburt gefangen und von der
Kälte vertrocknet. 25.104. Da
stehet sie nun und inqualieret mit des Lebens Geiste im Herzen und ist ein
königlicher Stuhl des Geistes des Herzens, denn bis dahin bringt der Geist
des Herzens Kraft und da wird es approbieret. 25.105. Denn
das Hirn sitzet in der strengen Geburt und ist in seinem eigenen Corpus die
sanfte Kraft des Herzens und bedeutet recht die neue Wiedergeburt, welche
mitten in der Strengheit des Todes und Zornes in seinem Himmel wieder
neugeboren wird und dringet durch den Tod ins Leben. Denn da wird der Geist
oder die Gedanken wieder eine ganze kreatürliche Person durch die Infizierung
oder Approbierung aller Kräfte, welches ich im Menschen die animalische
Geburt heiße. 25.106. Denn
wenn der neue Geist im Hirne recht vertieret ist, so fähret er wieder in
seine Mutter in das Herze. Alsdann stehet er als ein vollkömmlicher Geist
oder Wille oder als eine neugeborne Person, welche im Menschen die Seele
heißet. 25.107. Nun
siehe, wie im Menschen das Hirn ein Wesen und Herkommen ist, also ist auch
der Planet Jupiter ein Wesen und Herkommen, denn er hat seinen Ursprung vom
Aufgang des Lebens von der Kraft, welche aus dem Wasser des Lebens aus dem
Loco der Sonnen durch das Licht ist aufgangen. 25.108. Und
ist dieselbe Kraft so hoch gestiegen, bis sie ist wieder in der strengen,
harten und kalten Kraft gefangen worden. Allda ist sie blieben stehen und
durch den ersten Umgang oder Fortgang körperlich worden und von der strengen
und kalten Kraft vertrocknet. 25.109. Und
ist wohl recht das Hirn in dem leiblichen Regiment dieser Welt, davon die
Sinnen und Vernunft geboren werden, auch alle Sanftmut und Weisheit in der
Natürlichkeit. Aber der rechte und Hl. Geist im Menschen wird im verborgenen
Himmel im Wasser des Lebens geboren. 25.110. Der
äußerliche Jupiter ist nur die Sanftmut und der Verstand in der äußerlichen
Begreiflichkeit. Der heilige Brunnquell aber ist unbegreiflich und der
äußerlichen Vernunft unerforschlich. Denn die siderische Geburt stehet nur
mit der Wurzel im heiligen Himmel und mit der Leiblichkeit im Zorne. 26.1. Saturnus, der
kalte, scharfe und strenge, herbe Regent, nimmt seinen Anfang und Herkommen
nicht von der Sonnen, denn er hat in seiner Gewalt die Kammer des Todes, und
ist ein Vertrockner aller Kräfte, davon die Leiblichkeit entstehet. 26.2. Gleichwie die
Sonne ist des Lebens Herze und ein Ursprung aller Geister in dem Leibe dieser
Welt, also ist Saturnus ein Anfänger aller Leiblichkeit und Begreiflichkeit,
und stehet in dieser zwei Planeten Gewalt der ganze Leib dieser Welt und mag
keine Kreatur oder Bildung, sowohl auch keine Beweglichkeit außer dieser
beider Gewalt in dem natürlichen Leibe dieser Welt werden. 26.3. Sein Ursprung
aber ist die ernstliche, herbe und strenge Ängstlichkeit des ganzen Leibes
dieser Welt, denn als in Zeit der Anzündung des Zorns das Licht in der
äußersten Geburt dieser Welt verlosch - welche Geburt ist die Natürlichkeit
oder Begreiflichkeit oder das Aufsteigen der Geburt aller Quellgeister – so
stund die herbe Qualität in ihrer schärfesten und strengesten Geburt, und zog
aller Quellgeister Gewirke ganz herb und streng zusammen. Davon dann die Erde
und Steine sind worden. Und war wohl recht das Haus des Todes oder die
Einschließung des Lebens, darinnen dann König Luzifer ist gefangen worden. 26.4. Als aber am
ersten Tage das Licht durch das Wort oder Herze Gottes etwas in der Wurzel
der Natur des Leibes dieser Welt wieder anbrach, gleichwie eine Erkiesung des
Tages oder Anfang der Beweglichkeit des Lebens, so kriegte die strenge und
herbe Geburt wieder einen Anblick oder Aufgang des Lebens in der Geburt. 26.5. Von diesem an ist
sie gleichwie im ängstlichen Tode gestanden bis an dritten Tag, da die Liebe
Gottes ist durch den Himmel des Unterscheides gedrungen und hat das Licht der
Sonnen angezündet. 26.6. Weil aber der
Sonnen Herze oder Kraft nicht konnte die ängstliche Geburt oder die Qualität
des Grimmes und Zorns aufschließen und temperieren, vorab in der Höhe über
dem Jupiter, so stund derselbe ganze Umzirk in grausamer Ängstlichkeit als
ein Weib in der Geburt, und konnte doch die Hitze nicht erwecken von wegen
der grausamen Kälte und Herbigkeit. 26.7. Weil aber
gleichwohl allda die Beweglichkeit war aufgangen durch Kraft des verborgenen
Himmels, so konnte die Natur nicht ruhen, sondern ängstete sich zur Geburt,
und gebar aus dem Geiste der Schärfe den herben, kalten und strengen Sohn
oder Stern Saturnum. 26.8. Denn der Geist
der Hitze konnte sich nicht anzünden, davon das Licht und aus dem Licht durch
das Wasser die Liebe und Sanftmut entstehet, sondern es war eine Geburt der
strengen, kalten und ernsten Grimmigkeit, der da ist ein Vertrocknet,
Verderber und Feind der Sanftmut, der in den Kreaturen die harten Beine
gebäret. 26.9. Saturnus aber ist
nicht an seinen Locum gebunden wie die Sonne, denn er ist nicht ein
leiblicher Ort in dem Raume der Tiefe, sondern er ist ein Sohn, der aus der
Kammer des Todes, aus der angezündeten, harten und kalten Angstlichkeit
geboren ist, und ist nur ein Hausgenoß in dem Raume, da er in umlaufet. Denn
er hat sein körperlich Eigentum für sich wie ein Kind, wenn es von der Mutter
geboren ist. 26.10. Warum
er aber von Gott also aus der strengen Geburt ist aufgangen und was sein Amt
ist, will ich hernach melden vom Umtreiben der Planeten. 26.11. Seine
Höhe aber kann man nicht gar eigentlich wissen. Ich halte es aber gänzlich
dafür, daß er zwischen dem Jupiter und dem allgemeinen Gestirne in der Tiefe
inmitten steht, denn er ist das Herze der Leiblichkeit in der Natur. 26.12. Gleichwie
die Sonne ist das Herze des Lebens und eine Ursache der Naturgeister, also
ist er das Herze und eine Ursache aller Körper und Bildungen in der Erden und
auf der Erden, sowohl in dem ganzen Leibe dieser Welt. 26.13. Und
wie im Menschen die Hirnschale ist ein Umfasser und Einschließer des Hirns,
darinnen sich die Gedanken gebären, also ist die saturnalische Kraft ein
Umfasser, Vertrockner und Behalter aller Leiblichkeit und Begreiflichkeit. 26.14. Und
gleichwie der Planet Jupiter, welcher ist ein Aufschließer und Gebärer der
Sanftmut zwischen dem grimmigen Mars und dem strengen Saturnus stehet und
gebäret die Sanftmut und Weisheit in den Kreaturen, also auch wird das Leben
und der Sinn aller Kreaturen zwischen diesen zwei Qualitäten geboren, vorab
der neue Leib dieser Welt, sowohl auch der neue Mensch, davon du bei
Beschreibung des Menschen finden wirst. Von
dem Planeten Venus
26.15. Venus,
der holdselige Planet oder der Anzünder der Liebe in der Natur, hat seinen
Ursprung und Herkommen auch von dem Aufgang der Sonnen. Seine Qualität, Wesen
und Herkommen ist aber also beschaffen. 26.16. Hie
merke dies recht und eigentlich: Als die Liebe Gottes den Locum der Sonnen
oder die Sonne anzündete, so ging erstlich aus der Ängstlichkeit aus dem Loco
der Sonnen, aus den sieben Quellgeistern der Natur auf der erschreckliche und
grimmige bittere Feuerschrack, welches Geburt und anfänglicher Ursprung ist
der angezündete bittere Zorn Gottes in der herben Qualität durch das Wasser. 26.17. Der
ging zuerst in der Anzündung der Sonnen aus der Kammer des Todes auf und war
ein Aufwecker des Todes und ein Anfänger des Lebens, und stieg ganz grimmig
und zitternd über sich, bis ihn das Licht der Sonnen ergriff und infizierte.
Da ward er durch die Sanftmut des Lichtes gefangen und blieb stehen. Davon
ist der Planet Mars worden. 26.18. Nach
demselben Feuerschrack ist die Kraft des Lichts, welche sich anfänglich aus
dem Fetten des Wassers hinter dem Feuerschracke hat geboren, urplötzlich als
eine Mächtigkeit hinach gefahren, und hat den grimmigen Feuerschrack gefangen
genommen und sich über demselben hoch erhoben als ein Fürst und Zähmer der
Grimmigkeit. Davon ist nun die Sinnlichkeit der Natur oder der Planet Jupiter
worden. Porten
der Liebe
26.19. Als
aber die zween Geister der Beweglichkeit und des Lebens aus dem Loco der
Sonnen durch die Anzündung des Wassers waren aufgangen, so drang die Sanftmut
als ein Same des Wassers mit der Kraft des Lichts ganz sanft infizierend und
freundlich unter sich in der Kammer des Todes. Davon ist die Liebe des Lebens
oder der Planet Venus worden. 26.20. Du
mußt aber allhier dies hohe Ding recht verstehen: Die Geburt oder der Aufgang
der sieben Planeten und aller Sternen ist nichts anders als wie sich das
Leben und die wunderliche Proporz der Gottheit von Ewigkeit geboren hat. 26.21. Denn
als ihm König Luzifer den Locum dieser Welt als ein Zornhaus zugerichtet
hatte und vermeinte, also grimmig und gewaltig darinnen zu herrschen, so
verlosch zuhand das Licht in der Natur, darinnen er verrneinte, ein Herr zu
sein, und erstarrete die ganze Natur als ein Leib des Todes, darinnen keine
Beweglichkeit war, und mußte er als ein ewig Gefangener in der Finsternis
bleiben. 26.22. Nun
wollte aber der heilige Gott diesen Locum seines Leibes, verstehe den Raum
dieser Welt, nicht lassen in ewiger Finsternis und Schande stehen und den
Teufeln eigentümlich lassen, sondern gebar ein neu Regiment des Lichts und
aller sieben Quellgeister der Gottheit, welches der Teufel nicht ergreifen
noch fassen konnte, es war ihm auch nichts nütze. 26.23. Denn
er kann in dem Lichte der Sonnen nichts mehr sehen als in der Finsternis,
denn er ist in diesem Lichte nicht zur Kreatur worden, darum ists ihm auch
nichts nütze. 26.24. Dieweil
es aber sollte ein neu Regiment sein, so mußte es ein Regiment sein, das der
Teufel nicht fassen konnte, und das er nicht zu seinem körperlichen Eigentum
brauchen könnte. 26.25. Das
ist nun also beschaffen: Es hat die Liebe oder das Wort oder das Herze, das
ist: der eingeborne Sohn Gottes des Vaters, der da ist das Licht und die
Sanftmut und die Liebe und die Freude der Gottheit, wie er selber saget, als
er die Menschheit hatte an sich genommen: Ich bin das Licht der Welt, Joh
8,12 – den Locum dieser Welt beim Herzen genommen und in der Mitten des
Raumes an der Stelle, wo der mächtige Fürst und König Luzifer war gesessen
vor seinem Falle, und da er war zur Kreatur worden, neugeboren. 26.26. Und
sind aus diesem angezündeten Loco der Sonnen sonderlich sechserlei Qualitäten
entstanden und geboren worden, alles nach der göttlichen Geburt Recht. 26.27. Erstlich
ist aufgangen der Feuerschrack oder die Beweglichkeit in der Hitze, das ist
der Anfang des Lebens in der Kammer des Todes. Nach demselben ists zweitens
das Licht in dem Fetten des Wassers in der Hitze scheinend worden. Das ist
nun die Sonne. 26.28. Zum
dritten als nun das Licht der Sonnen hat den ganzen Corpus der Sonnen
infizieret, so ist die Kraft des Lebens, welche aus der ersten Infizierung
ist aufgangen, über sich gestiegen, als gleich wenn man ein Holz anzündet
oder so man Feuer aus einem Steine schläget. 26.29. So
siehet man zuerst den Glanz und aus dem Glanz den Feuerschrack und nach dem
Feuerschrack die Kraft des angezündeten Corporis. Und das Licht mit der Kraft
des Corpus erhebet sich urplötzlich über den Schrack und regieret viel höher,
tiefer und mächtiger als der Feuerschrack. 26.30. Auch
qualifizieret die Kraft des angezündeten Corpus in der ausgegangenen Kraft
außer dem Feuer sanft, lieblich und sinnreich, und verstehet man hierinnen
das göttliche Wesen recht. Also hats auch eine Gestalt mit Werdung der Sonnen
und der zwei Planeten Mars und Jupiter. 26.31. Weil
aber der Locus der Sonnen, das ist die Sonne, alle Qualitäten nach der
Gottheit Recht, wie auch alle anderen Örter in sich hatte, so stiegen auch
zuhand in der ersten Anzündung alle Qualitäten auf und nieder und gebaren
sich nach ewigem unanfänglichem Recht. 26.32. Denn
die Kraft des Lichts, welche die herbe und bittere Qualität in dem Loco der
Sonnen sänftigte und dünne machte gleich dem Wasser oder der Liebe des
Lebens, stieg unter sich nach der Demütigkeit Art. 26.33. Daraus
ist der Planet Venus worden, denn er ist in dem Hause des Todes ein
Aufschließer der Sanftmut oder Anzünder des Wassers und ein weicher
Durchdringer in der Härtigkeit, ein Anzünder der Liebe, in welchem das
Oberregiment als der bittern Hitze des Mars und die herzliche Sinnlichkeit
des Jupiters begierlich wird. 26.34. Davon
entsteht die Infizierung, denn die Venuskraft macht den grimmen Mars oder
Feuerschrack linde und sänftiget ihn. Und den Jupiter macht sie demütig,
sonst bräche die Kraft Jupiters durch die harte Kammer Saturni und den
Menschen und Tieren durch die Hirnschale und verwandelte sich die
Sinnlichkeit in Hochmut über der Gottheit Geburtrecht auf Art und Weise des
stolzen Teufels. Von
dem Planeten Marcurius
26.35. So
man will gründlich und eigentlich wissen, wie da sei die Geburt oder der Anfang
der Planeten und Sternen und des Wesens aller Wesens in der Tiefe dieser
Welt, so muß man eigentlich die instehende Geburt oder des Lebens Anfang im
Menschen betrachten. 26.36. Denn
dasselbe nimmt einen solchen Anfang und Aufgang und stehet auch in solchem
Orden wie die Geburt des Wesens aller Wesen in dem Leibe dieser Welt. 26.37. Denn
das anstehende Rad der Sternen und Planeten ist anders nicht als wie die
Geburt in dem siebenten Naturgeiste vor den Zeiten der Welt ist aufgangen,
darinnen sich haben Bildnisse und Figuren, sowohl himmlische Früchte,
figurieret nach der ewigen Gottheit Recht. 26.38. Weil
denn der Mensch ist nach der Qualifizierung Gottes und auch aus dem
göttlichen Wesen geschaffen, so hat das menschliche Leben einen solchen
Anfang und Aufgang, wie der Planeten und Sternen gewesen ist. 26.39. Denn
der Planeten und Sternen Anfang, Instehen, Lauf und Wesen ist anders nicht
als der Anfang und Trieb oder das Regiment im Menschen. 26.40. Wie
nun das menschliche Leben aufgehet, also ist auch die Geburt der sieben
Planeten und Sternen aufgangen, und ist in diesem gar kein Unterscheid. Das
Centrum oder Zirkel des Lebens Geburt – Die große Tiefe
26.41. Vor
diesen Spiegel fordert der Geist die Medicos, sonderlich aber die Anatomicos
und Menschenschinder, die durch ihre Schinderei haben wollen die Geburt und
Aufgang des menschlichen Lebens erfahren, und haben manchen unschuldigen
Menschen wider Gottes und der Natur Recht und Gesetz ermordet, in Hoffnung,
die wunderliche Proporz und Gestalt der Natur zu erkundigen, damit sie vielen
andern könnten zur Gesundheit dienen. 26.42. Weil
sie aber in der Natur erfunden werden als Mörder und Übeltäter wider Gottes
und der Natur Gesetz und Recht, so spricht ihnen der Geist, welcher mit Gott
inqualieret, ihre Mörderei nicht für recht. 26.43. Hätten
sie doch die wunderliche Geburt der Menschen können viel näher und gewisser
erfahren, wenn sie ihr stolzer Hochmut und teuflischer mörderischer Suchlust
hätte lassen dazu kommen, welcher ihnen die rechten göttlichen Sinnen
verkehrst hat. Sie haben nur wollen mit Menschen und nicht mit Göttern
kämpfen. Darum ist ihnen der Lohn ihres Irrtums billig zuteil worden. 26.44. Wohlauf,
ihr gekröneten Hütlein, laßt sehen, ob auch ein einfältiger Laie könne die
Geburt des Mensch Lebens in der Erkenntnis Gottes erforschen. Ists unrecht,
so widerlegts; ists aber recht, so lassets stehen. 26.45. Diese
Beschreibung von des Menschen Lebensgeburt setze ich darum hieher, damit der
Ursprung der Sternen und Planeten könne besser gefasset werden. Bei der
Beschreibung von Erschaffung des Menschen wirst du alles urkundlicher und
tiefer finden, wie der Anfang des Menschen sei. 26.46. Nun
merke: Der Same im Menschen wird auf Art und Weise geboren, wie die
wunderliche Proporz und Gestalt der Natur ist in ihrem Ringen und Aufgang von
Ewigkeit geboren worden. 26.47. Denn
das menschliche Fleisch ist und bedeutet die Natur in dem Leibe Gottes,
welche von den andern sechs Quellgeistern geboren wird, darinnen sich die
Quellgeister wiederum gebären und in unendlich erzeigen, darinnen Formen und
Bildungen aufgehen und darinnen sich das Herze Gottes oder die heilige klare
Gottheit im mittlern Sede über der Natur gebäret im Centro, wo des Lebens
Licht aufgehet. 26.48. Nun
aber sind in dem menschlichen Leib in dem Geburtregiment drei
unterschiedliche Dinge, da ein jedes ein sonderliches ist, und sind doch auch
nicht voneinander getrennt, sondern sind alle drei zusammen nur der einige
Mensch nach Art und Weise der Dreiheit in dem göttlichen Wesen. 26.49. Das
Fleisch ist nicht das Leben, sondern es ist ein tot unverständiges Wesen,
welches, wenn des Geistes Regiment darinnen aufhöret zu qualifizieren,
alsbald ein tot Aas wird, verfaulen und zerstieben muß. 26.50. Nun
aber kann auch kein Geist außer dem Leibe in seiner Vollkommenheit bestehen,
denn alsbald er von dem Leibe entschieden wird, verlieret er das Regiment.
Denn der Leib ist die Mutter des Geistes, in welcher der Geist geboren wird
und in welcher er seine Stärke und Kraft nimmt. Er ist und bleibet wohl der
Geist, wenn er vom Leibe geschieden wird, aber er verlieret das Regiment. 26.51. Diese
drei Regimente sind der ganze Mensch mit Fleisch und Geiste, und haben zu
ihrem Anfang und Regiment sonderlich siebenerlei Gestalt nach Art und Weise
der sieben Geister Gottes oder der sieben Planeten. 26.52. Wie
nun Gottes ewiges, unanfängliches Geburtregiment ist, also ist auch der
Anfang und Aufgang der sieben Planeten und Sternen, und also ist auch der
Aufgang des Menschen Lebens. 26.53. Nun
merke: Wenn du sinnest und denkest, was da sei in dieser Welt und außer
dieser Welt oder das Wesen aller Wesen, so spekulierest du oder sinnest du in
dem ganzen Leibe Gottes, welcher ist das Wesen aller Wesen, und der ist ein
unanfängliches Wesen. 26.54. Er
hat aber in seinem eigenen Sede seine Beweglichkeit, Vernünftigkeit oder
Begreiflichkeit, sondern ist eine finstere Tiefe, die weder Anfang noch Ende
hat. Es ist darinnen weder dicke noch dünne, sondern ist eine finstere Kammer
des Todes, da nichts gespüret wird, auch weder kalt noch warm, sondern ist
das Ende aller Dinge. 26.55. Dieses
ist nun der Leib der Tiefe oder die wahrhaftige Kammer des Todes. 26.56. Nun
aber sind in diesem finstern Tale die sieben Geister Gottes, die auch weder
Anfang noch Ende haben, da keiner der erste und auch keiner der ander, dritte
und letzte ist. 26.57. In
diesen sieben Regimenten teilet sich das Regiment in drei unterschiedliche
Wesen, da keines außer dem andern ist oder von dem andern getrennet wird. Die
sieben Geister aber gebären auch je einer den andern von Ewigkeit zu
Ewigkeit. 26.58. Das
erste Regiment stehet in dem Corpus aller Dinge, das ist in der ganzen Tiefe
oder Wesen aller Wesen. Der hat an allen Enden und Orten die sieben Geister
in sich habhaftig und eigentümlich, unabtrennlich oder unverrücklich zum
Eigentum. 26.59. So
nun die sieben Geister nirgends an einem Orte nicht triumphierend ringen, so
ist am selben Orte keine Beweglichkeit, sondern eine tiefe Finsternis. Und ob
gleich die Geister am selben Orte vollkömmlich sind, noch ist der Locus ein
finster Haus, wie du solches an einem finstern Gemache kannst verstehen,
darinnen die angezündeten Geister der Planeten und Sternen nicht können die
Elementa anzünden. 26.60. Nun
aber ist die Wurzel der sieben Geister an allen Enden, aber außer dem Ringen
stehet sie stille, und spüret man keine Beweglichkeit. 26.61. Ein
solch Haus ist die ganze Tiefe außer, in und über allen Himmeln, welches Haus
heißt die Ewigkeit. Und ein solch Haus ist auch das Fleischhaus in Menschen
und allen Kreaturen. 26.62. Und
diesen Wesen zusammen begreift die Ewigkeit, welche nicht Gott heißt, sondern
der unallmächtige Leib der Natur, da zwar die Gottheit unerstorben im Kern
der sieben Geister verborgen stehet, aber nicht begriffen noch verstanden
wird. 26.63. Ein
solch Haus ist auch der ganze Raum dieser Welt worden, als sich die Gottheit
in den sieben Geistern vor den greulichen Teufeln verborgen hat. Wäre es auch
noch, wenn nun nicht die sieben Planeten und Sternen wären aus den Geistern Gottes
aufgangen, welche die Kammer des Todes in dem finstern Hause dieser Welt an
allen Enden wieder aufschließen und anzünden, davon das Regiment der
Elementen entstehet. 26.64. Ferner
sollst du aber gleichwohl auch wissen, daß das Regiment der sieben Geister
Gottes in dem Hause dieser Welt darum nicht sei im Tode vertrocknet, daß nur
alles müsse von den Planeten und Sternen sein Leben und Anfang bekommen. 26.65. Nein,
denn die klare Gottheit stehet allenthalben im Zirkel im Herzen der ganzen
Tiefe verborgen, und die sieben Geister stehen in dem Leibe der Tiefe in
Ängstlichkeit und großer Sehnlichkeit und werden von den Planeten und Sternen
immer angezündet, davon die Beweglichkeit und die Geburt in der ganzen Tiefe
entstehet. 26.66. Dieweil
sich aber das Herze der Gottheit in dem Leibe dieser Welt in der äußersten
Geburt, welches ist die Leiblichkeit, verbirget, so ist die Leiblichkeit ein
finster Haus, und stehet alles in großer Ängstlichkeit und bedarf eines
Lichts, welches in der Kammer der Finsternis leuchtet, welches ist die Sonne,
also lange bis sich das Herze Gottes in den sieben Geistern Gottes in dem
Hause dieser Welt wieder wird bewegen und die sieben Geister anzünden. 26.67. Alsdann
werden die Sonne und die Sternen wieder in ihren ersten Locum treten und in
solcher Forma vergehen, denn es wird das Herz oder Licht Gottes wiederum in
der Leiblichkeit, das ist in dem Leibe dieser Welt leuchten und alles
erfüllen. 26.68. Alsdann
höret die Ängstlichkeit auf, denn wenn die Ängstlichkeit im Geburtregiment
die Süßigkeit des Lichts Gottes kostet, daß das Herze Gottes mit im
Geburtregiment triumphieret, so ist alles freudenreich und triumphieret der
ganze Leib. 26.69. Welches
jetzunder in dieser Zeit in dem Hause dieser Welt nicht sein kann von wegen
der grimmigen gefangenen Teufel, welche in der äußersten Geburt in dem Leibe
dieser Welt haushalten bis in das Gerichte Gottes. 26.70. Hie
kannst du nun verstehen, wie das Herze Gottes die Wurfschaufel in der Hand
hat und wird einmal seine Tennen fegen, welches ich hiemit ernstlich anmelden
tue als in Erkenntnis im Lichte des Lebens, wo das Herze im Lichte des Lebens
durchbricht und verkündet den hellen Tag. Vom
Menschen und Sternen
26.71. Wie
nun die Tiefe oder das Haus dieser Welt ist ein finster Haus, da sich die
Leiblichkeit ganz dicke, finster, ängstlich und halb tot gebäret und nimmt
von den Planeten und Sternen sein Wallen, welche den Leib in der äußersten
Geburt anzünden, davon der Elementen Beweglichkeit entstehet, sowohl das
figurliche und kreatürliche Wesen, also ist auch das Fleischhaus des Menschen
ein finster Tal, da zwar die Ängstlichkeit zur Geburt des Lebens innen ist
und sich immer hoch bemühet, in willens sich ins Licht zu erheben, davon sich
möchte das Leben anzünden. 26.72. Weil
sich aber das Herze Gottes im Centro oder Kern verbirget, so kann es nicht
sein, gebäret derowegen die Ängstlichkeit nicht mehr als einen Samen. Das
Fleischhaus gebäret einen Samen seines gleichen wieder zu einem Menschen, und
des Geistes Haus in dem Instehen der sieben Geister gebäret in dem Samen
einen andern Geist seines gleichen wieder zu einem Menschengeist. 26.73. Und
des verborgenen Herzens Haus gebäret ihm auch wieder einen solchen Geist, der
dem Fleischhause und auch den siderischen Geburtgeistern im Leibe verborgen
stehet, gleichwie das Herze Gottes in den sieben Geistern Gottes in der Tiefe
dieser Welt in den Geistern verborgen stehet und sie nicht anzündet bis nach
dieser Enummeration oder Zeitrechnung. 26.74. Dieser
dritte Geist ist die Seele im Menschen, und inqualieret mit dem Herzen Gottes
als ein Sohn oder kleines Götterlein in dem großen unermeßlichen Gott. 26.75. Nun
diese drei unterschiedlichen Regimente werden in dem Samen geboren, welcher
seinen Ursprung im Fleische nimmt, wie ich davorne angemeldet habe. 26.76. Nun
merke die verborgene Geheimnis: Ihr Naturkünder, nun merket die Porten der
großen Geheimnis: Aus der ängstlichen Kammer in dem Leibe dieser Welt aus den
sieben Geistern Gottes sind aufgangen die Sternen, die zünden an den Leib dieser
Welt, und aus dem Leibe gebäret sich nun die Frucht oder der Same, welcher
ist Wasser, Feuer, Luft, Erde. 26.77. Die
Erste ist des siebenten Geistes Gottes Frucht, welcher ist die Natur der
Leiblichkeit, darinnen sich die andern sechs Geister wieder gebären und den
Salitter des siebenten Geistes in unendlicher Gestalt und Formen figurieren,
also daß die Erde auch ihren Samen gebäret, welches ist die Frucht der
Gewächse, wie solches vor Augen ist. 26.78. Nun
ist des Menschen Fleischhaus auch ein solch Haus wie die finstere Tiefe
dieser Welt, darinnen sich die sieben Geister Gottes gebären. 26.79. Weil
aber der Mensch ein eigen Leib ist, der da ist ein Sohn des ganzen Leibes
Gottes, so gebäret er auch einen eigenen Samen nach dem Regiment seiner
körperlichen Quellgeister. 26.80. Der
Leib nimmt seine Speise von dem Samen der sieben Geister Gottes in dem Leibe
der großen Tiefe, welcher ist Feuer, Luft, Wasser, Erde. Von der Erden nimmt
er die Geburt der Erden oder die Frucht, denn er ist viel edler als die Erde.
Er ist eine ausgezogene Masse aus dem Salitter aus dem siebenten Naturgeiste.
26.81. Denn
als der Leib der Natur durch die Teufel angezündet war, so zog das Wort oder
Herze Gottes die Massam zusammen, noch ehe als der verderbte Salitter
zusammengedrückt war, welcher nun Erde heißt, von wegen der harten
Grimmigkeit oder Verderbung. 26.82. Als
aber die Erde zusammengedrückt war, so stund die Massa in der finstern Tiefe
in dem erschaffenen Himmel zwischen der ängstlichen Geburt und der Liebe des
Herzens Gottes bis an den sechsten Tag. Da blies das Herze Gottes das Licht
des Lebens aus seinem Herzen in der Massa innerste oder dritte Geburt. 26.83. Als
dieses geschah, so fingen in der Massa die sieben Quellgeister an zu
qualifizieren, und gebar sich in der Massa der Same der sieben Quellgeister,
als Feuer, Luft und Wasser, wie in dem Leibe der Tiefe. 26.84. Also
ward der Mensch eine lebendige Seele nach Art und Weise, wie da ist
aufgegangen die Sonne und daraus die sieben Planeten. 26.85. Das
Licht im Menschen, welches das Herze Gottes hat neingeblasen, bedeut die
Sonne, welche in der ganzen Tiefe leuchtet, davon du bei der Schöpfung des
Menschen wirst klarer finden. 26.86. Nun
siehe: Gleichwie in der Tiefe dieser Welt durch Anzündung der Sternen wird
aus dem Leibe der finstern Tiefe ein Same geboren gleich dem kreatürlichen
Leibe, also auch in gleicher Gestalt wird in dem Fleischhause des Menschen
ein Same geboren nach der sieben Quellgeister ewigem Geburtrecht. 26.87. Und
in dem Samen sind drei unterschiedliche Dinge, da je eines das andere nicht
ergründen kann. Und sind doch nur in dem einigen Samen, und inqualieren auch
miteinander als ein Wesen, und ist auch nur ein Wesen und auch drei
unterschiedliche Dinge nach Art und Weise der Dreiheit in der Gottheit. 26.88. Erstlich
ist der ganze Körper des Menschen, der ist ein finster Haus und hat außer der
sieben Geister Qualifizieren keine Beweglichkeit, sondern ist ein finster Tal
gleichwie der Leib der Tiefe dieser Welt. 26.89. Nun
ist in dem finstern Leibe des Menschen auch ein solch Regiment mit den sieben
Geistern gleichwie in dem Leibe der Tiefe. Wenn die sieben Geister nach der
Gottheit Geburtrecht qualifizieren, so gebäret sich aus dem Ringen der sieben
Geister ein Same nach ihres gleichen. 26.90. Derselbe
Same hat nun erstlich eine Mutter, das ist die finstere Kammer des
Fleischhauses. Zum zweiten hat er eine Mutter, das ist das Rad der sieben
Geister nach Art der sieben Planeten. Zum dritten hat er eine Mutter, die
wird im Zirkel der sieben Geister geboren inmitten und ist das Herze der
sieben Geister. 26.91. Das
ist nun die Mutter der Seelen, welche die sieben Geister durchscheinet und
lebendig macht. Und an dieser Stätte inqualieret der Same mit dem Herzen
Gottes, aber nur derjenige, in welchem das Licht angezündet wird. In welchem
aber das Zornfeuer brennet, da bleibet diese dritte Mutter in der finstern
Kammer gefangen. 26.92. Und
ob sie gleich die dritte Mutter ist, so bleibt sie doch eine Närrin, so das
Licht in ihr sich nicht anzündet, gleichwie die Tiefe dieser Welt eine Närrin
vor dem Herzen Gottes ist, in dem das Rad der sieben Geister in so großer
Ängstlichkeit stehet, in so vielem Verderben und Erlösen, in Hitze und Kälte,
wie vor Augen ist. 26.93. Wenn
aber die dritte Mutter im Lichte angezündet wird, so stehet sie im
geschaffenen Himmel des heiligen Lebens und durchleuchtet die andere Mutter,
davon die sieben Geister einen freundlichen Willen bekommen, welcher ist die
Liebe des Lebens, wie du kannst davorne im 8. Kapitel von der Liebegeburt
Gottes lesen. 26.94. Die
dritte Mutter aber kann sie nicht immer beharrlich durchleuchten, denn sie
stehet in dem Hause der Finsternis, sondern sie gibt ihr manchmal einen
Blick, gleich als wenns wetterleuchtet, davon die dritte Mutter manchmal auch
ganz lüsternd wird und sich hoch erfreuet, aber von der Grimmigkeit des Zorns
Gottes bald wieder zugeriegelt wird. 26.95. Auch
so tanzet der Teufel auf dieser Porten, denn es ist die Gefängnis, darinnen
der neue Mensch verborgen lieget und darinnen der Teufel gefangen liegt. 26.96. Ich
meine aber in dem Hause der Tiefe dieser Welt, wiewohl das Fleischhaus und
die Tiefe alles zusammen miteinander inqualieret als ein Leib, und ist auch
ein Leib, allein unterschiedliche Partes, oder Glieder. Die
Tiefe im Centro
26.97. Siehe,
wenn nun der Same geboren ist, so stehet er inmitten des Leibes im Herzen,
denn daselbst fänget die Mutter der Dreiheit. 26.98. Erstlich
fänget der herbe Geist, der zeucht eine Massa aus dem süßen Wasser zusammen,
das ist aus der Fettigkeit des Herzengeblütes oder Saftes oder Öles des
Herzens. Dasselbe Öl hat nun schon die Wurzel der Dreiheit in sich wie der
ganze Mensch, denn es ist eben, als würfe man einen Zunderfeuer in Stroh. 26.99. Nun
fraget sichs, wie das zugebe. Hie ist nun der rechte Grund des Menschen. Nun
merke eigentlich, denn es ist der Spiegel des großen Geheimnis, die tiefe
Verborgenheit der Menschheit, darum alle Gelehrten von der Welt her haben
getanzet und haben diese Tür gesucht und doch nicht funden. 26.100. Nun
muß ich aber einmal anmelden, daß es die Morgenröte des Tages sei, als es
dann der Türhüter haben will. 26.101. Nun
merke: Gleichwie die erste Massa ist worden, daraus Adam ein lebendiger
Mensch ward, also auch in gleicher Gestalt wird ein jeder Massa oder Same der
Dreiheit in jedem Menschen. 26.102. Merke:
Als der Salitter oder das Gewirke der sechs Quellgeister, welches ist der
siebente Naturgeist, in dem Raum dieser Welt angezündet ward, so stund das
Wort oder Herze Gottes allenthalben mitten im Zirkel der sieben Geister als
ein Herze, das alles, verstehe den ganzen Raum dieser Welt, auf einmal
zugleich erfüllet. 26.103. Weil
aber die Tiefe, das ist der ganze Raum dieser Welt seines Vaters, verstehe
des Herzes, Gottes Leib war, verstehe des Vaters Leib und das Herze in dem
ganzen Leibe leuchtete als des Vaters Glanz, so war der verderbte Salitter
allenthalben mit dem Lichte oder Herzen Gottes infizieret und konnte das
Herze Gottes auch nicht daraus fliehen, sondern verbarg seinen Glanz und
Schein in dem Leibe der ganzen Tiefe vor den greulichen angezündeten Geistern
der Teufel. 26.104. Als
dieses geschah, so wurden die Quellgeister alle ganz grimmig und hart
ringend, und der herbe Geist als der stärkeste zog in dem siebenten
Naturgeiste das Gewirke der andern fünf ganz schrecklich zusammen, davon die
bittere Erde und Steine worden, waren aber noch nicht zusammengetrieben,
sondern schwebeten in der ganzen Tiefe. 26.105. In
dieser Stunde ist die Massa zusammengezogen worden. Denn als sich das Herze
Gottes in dem Salitter verbarg, so blickte es den ganzen Raum oder Leib
wieder an und dachte, wie ihm wieder zu helfen wäre, damit wieder ein
englisch Reich in der Tiefe dieser Welt würde. 26.106. Der
Anblick aber war der Liebegeist im Herzen Gottes. Der infizierte an dem Orte
des Anblickes das Öle des Wassers, wo zuvorhin war das Licht aufgegangen. 26.107. Hie
bedenke St. Petri Anblick im Hause Kaiphä, es ist eben das. 26.108. Gleichwie
der Mann das Weib anblicket und das Weib den Mann, und des Mannes Geist,
verstehe die Wurzel der Liebe, welche im Aufgang des Lebens aus dem Wasser
durch Feuer aufgehet, so wohl auch des Weibes Geist, ein Geist den andern in
demselben Öle des Herzens fänget, davon alsbald eine Massa, Same oder
treibender Wille eines andern Menschen in der Massa entstehet. 26.109. Eben
auf solche Weise ist auch die erste Massa worden, denn der Liebegeist im
Herzen Gottes blickte in dem Leibe des angezündeten zornigen Vaters das
Wasser des Lebens an, davon und daraus die Liebe im Feuerblitz aufging vor
der Zeit des Zorns. 26.110. In
diesem Anblicke hat ein Geist den andern gefangen. Das Öle oder Wasser im
Zorn hat den Liebegeist im Herzen Gottes empfangen und mit demselben
inqualieret, und der herbe Geist hat die Massam zusammengezogen. Allda ist es
schon eine Geburt oder ein Wille einer ganzen Kreatur gewesen gleichwie der
Same im Menschen. 26.111. Nun
ist aber die Feste des Himmels zwischen das Herze Gottes und die angezündete
harte Kammer des Todes geschlossen worden, sonst hätte sich alsbald das Leben
in der Massa angezündet. Denn die Feste war in der Massa sowohl als außer der
Massa, welche ist das Scheideziel zwischen dem Herzen Gottes und den
grimmigen Teufeln. 26.112. Darum
mußte das Wort oder Herze Gottes den wallenden Geist in der Massa aufblasen,
welches erst am sechsten Tage geschah aus gewissen Ursachen. 26.113. So
aber der Himmel nicht wäre als eine Feste in der Massa zwischen das Herze
Gottes und der Massa körperliche Quellgeister geschlossen gewesen, so hätte
die Massa können die Seele aus eigner Kraft anzünden, gleich wie mit den
heiligen Engeln geschah. 26.114. Es
wäre aber zu fürchten gewesen, daß es würde sein zugangen wie mit dem schönen
Söhnlein Luzifer, dieweil die körperlichen Quellgeister in der Massa schon im
Zornfeuer angesteckt waren. 26.115. Darum
mußte der Himmel eine Feste zwischen dem Funken, welcher das Herze Gottes im
ersten Anblick hatte empfangen, sein, im Fall, da ja der Corpus im Zornfeuer
verdürbe, daß doch der heilige Same bliebe, welcher ist die Seele, die mit
dem Herzen Gottes inqualieret, daraus dann könnte ein neuer Leib werden, wenn
der ganze Gott würde die Tiefe dieser Welt wieder im Lichte des Herzens
Gottes anzünden, wie es dann auch also geschehen ist, erbarme es die Liebe
Gottes. 26.116. Der
teure Mann Moses schreibet: Gott habe den Menschen aus einem Erdenkloße
gemacht, wie es die Gelehrten verdeutschet haben. Er ist aber nicht dabei
gewesen, als es geschehen ist. 26.117. Dies
muß ich aber sagen, daß Moses wohl recht geschrieben hat. Aber der rechte
Verstand, woraus die Erde worden sei, ist beides dem Mosi und auch seinen
Nachkömmlingen im Buchstaben verborgen blieben und hat es der Geist bis auf
diese Zeit verborgen gehalten. 26.118. Es
ist auch Adam, weil er noch im Paradeis gewesen, verborgen gewesen. Nun aber
wird es ganz offenbar, denn das Herz Gottes hat an die Kammer des Todes
angesetzet und will nahen durchbrechen. 26.119. Darum
werden jetzunder je länger je mehr etliche Strahlen des Tages in etlicher
Menschen Herzen durchbrechen und den Tag verkündigen. 26.120. Wenn
aber diese Morgenröte wird vom Aufgang zum Niedergang scheinen, so ist vorbaß
mehr keine Zeit, sondern die Sonne des Herzens Gottes gehet auf und wird RA.
RA. RP. in der Kelter außer der Stadt gestoßen und mit ihm AM. R. P. 26.121. Dies
sind verborgene Worte und werden allein in der Sprache der Natur verstanden. 26.122. Moses
schreibet wohl recht, daß der Mensch sei aus Erde geschaffen worden. Aber zu
der Zeit, als die Massa vom Worte gehalten ward, war die Massa noch nicht
Erde. So sie aber nicht wäre vom Worte gehalten worden, so wäre dieselbe
Stunde schwarze Erde daraus worden, aber das kalte Zornfeuer war schon
darinnen. 26.123. Denn
dieselbe Stunde, als sich Luzifer erhub, ergrimmete der Vater in den
Quellgeistern gegen die Legionen Luzifers und verbarg sich das Herze Gottes
in der Festen des Himmels. Da war der Salitter oder das Gewirke der
Leiblichkeit schon brennend, denn außer dem Lichte ist die finstere Kammer
des Todes. 26.124. Die
Massa aber ward in der Festen des Himmels gehalten, daß sie nicht erstarb,
denn als das Herze Gottes mit ihrer hitzigen die Massam anblickete, so fing
das Öl in der Massa, welches aus dem Wasser durchs Feuer aufstieg, daraus das
Licht aufgehet und daraus der Liebegeist aufgehet, das Herze Gottes, und ward
eines jungen Sohnes schwanger. 26.125. Das
war der Same der Liebe, denn eine Liebe empfing die andere. Der Massa Liebe
empfing die Liebe aus dem Anblicke des Herzens Gottes und ward damit
infizieret und schwanger. Und das ist der Seelen Geburt. Nach diesem Sohne
ist der Mensch Gottes Bild. 26.126. Die
Quellgeister in der Massa konnten aber hiemit nicht bald von der Seelen
angezündet werden, denn die Seele stund nur im Samen der Massa mit dem Herzen
Gottes in seinem Hirnmel verborgen, bis der Schöpfer die Massam aufblies. Da
zündeten die Quellgeister die Seele auch an; da lebete Leib und Seele
zugleich. 26.127. Die
Seele hatte wohl vor dem Leibe ihr Leben, aber es stund in dem Herzen Gottes
in der Massa im Himmel verborgen und war nur ein heiliger mit Gott
inqualierender Same, welcher ewig, unvergänglich und unzerstörlich war, denn
es war ein neuer und reiner Same zu einem Engel und Bilde Gottes. 26.128. Das
Gewirke aber der ganzen Massa war ein Auszug oder Anziehung des Wortes Gottes
aus dem Gewirke der Quellgeister oder des Salitters, daraus Erde ward. 26.129. Dieser
Auszug war noch nicht zu Erde worden, obs gleich der Erden Salitter war,
sondern ward vom Worte gehalten. Denn als der Liebegeist aus dem Herzen
Gottes den Salitter der Massa anblickte, so fing der Salitter und ward im
Centro der Seelen schwanger. Und das Wort stund in der Massa im Schalle, aber
das Licht blieb im Centro der Massa in der Festen des Himmels im Öle des
Herzens verborgen stehen und bewegete sich nicht außer der Festen des Himmels
in der Geburt der Quellgeister. 26.130. Sonsten
wo sich das Licht in der Seelen Geburt hätte angezündet, so hätten alle
sieben Quellgeister, auch der ewigen Gottheit Recht, in dem Lichte
triumphieret und qualifizieret, und wäre ein lebendiger Engel gewesen. Weil
aber der Zorn den Salitter schon hat infizieret, so war der Schade zu
fürchten wie beim Luzifer. 26.131. Nun
fraget sichs, warum denn nicht auf diesmal sind viel Massen geschaffen
worden, daraus alsbald wäre auf einmal ein ganz englisch Heer an des
gefallenen Luzifers Stelle worden? Warum sich doch sollte eine solche lange
Zeit im Zorne verlängern und warum doch das ganze Heer sollte aus der einigen
Massa geboren werden in solcher gar langen Zeit? Oder hat der Schöpfer diesmal
nicht den Fall des Menschen gesehen und erkannt? Dieses ist nun das rechte
Tor der Verborgenheit Gottes, daran der Leser ja merken soll, daß es nicht
eines Menschen Vermögen wäre, solches zu erkennen oder zu wissen, wo nicht
die Morgenröte im Centro in der Seelen anbräche. Denn es sind göttliche
Geheimnisse, die kein Mensch aus eigener Vernunft erforschen kann. Ich achte
mich auch zu unwürdig dazu. Ich werde auch Spötter genug haben, denn die
verderbte Natur schämet sich grausam sehr vor dem Lichte. 26.132. Ich
kann es aber darum nicht unterlassen, denn wenn das göttliche Licht im Zirkel
des Lebens Geburt anbricht, so freuen sich die Quellgeister und sehen im
Zirkel des Lebens in ihrer Mutter zurück in die Ewigkeit und auch vor sich in
die Ewigkeit. 26.133. Es
ist aber nicht ein beharrliches Wesen oder Verklärung der Quellgeister, viel
weniger des tierischen Leibes, sondern es sind Strahlen der Durchbrechung des
Lichts Gottes mit feurigem Trieb, welcher aufsteiget durch das sanfte Wasser
des Lebens in der Liebe und bleibet in seinem Himmel stehen. 26.134. Darum
kann ichs weiter nicht bringen als vom Herzen ins Hirn vor den fürstlichen
Stuhl der Sinnen. Da wird es in der Festen des Himmels verschlossen und gehet
nicht wieder durch die Quellgeister zurück in die Mutter des Herzens, daß es
könnte auf die Zunge kommen. So dies geschähe, wollte ichs mündlich sagen und
der Welt verkündigen. 26.135. Will
es derowegen in seinem Himmel lassen stehen und nach meinen Gaben schreiben
und mit Verwunderung zusehen, was doch werden will, denn ich kann es in den
Quellgeistern nicht genug begreifen, dieweil sie in der ängstlichen Kammer
stehen. Der Seelen nach sehe ichs wohl, aber die Feste des Himmels ist
dazwischen, in welche sich die Seele verbirgt und allda selbst ihre Strahlen
vom Lichte Gottes empfähet, gehet derowegen durch die Feste des Himmels, wie
es wetterleuchtet, aber ganz sanft gleich einer lieblichen Wonne. 26.136. Daß
ich also in der Begreiflichkeit meiner instehenden Quellgeister oder im
Zirkel des Lebens anders nicht erkennen kann, denn der Tag breche an. Will
derowegen dieser Erkenntnis nach schreiben, und sollte gleich der Teufel die
Welt stürmen, welches er doch nicht tun kann, sondern es wird ihm auch
hiermit sein Stundenglas gezeiget. 26.137. Nun
wohlher, ihr Gnadenwähler, die ihr vermeinet, ihr treffts und den einfältigen
Glauben für eine Närrin haltet. Ihr habt lange vor dieser Tür getanzet und
euch der Schrift berühmet, wie Gott etliche Menschen habe in Mutterleibe in
Gnaden zum Himmelreich erwählet und etliche verstoßen. 26.138. Hie
macht euch nun viel Massen; daraus können andere Menschen anderer Qualität
werden, so könnt ihr recht werden. Aus der einigen Massa könnt ihr nicht mehr
als eine Liebe Gottes machen, die durch den ersten Menschen auf und durch
alle dringet. Gott gebe, es habe gleich Petrus oder Paulus anders
geschrieben, so sehet doch auf den Grund, aufs Herze. So ihr nur das Herze
Gottes erhaschet, so habt ihr Grundes genug. Lässet mich Gott noch eine Weile
leben, so will ich euch die Gnadenwahl St. Pauli wohl weisen. [1612] ________
* ________ Beschluß des Autoris – Epist. 10, 38
Ich
bescheide den Gott liebenden Leser, daß dies Buch »Morgenröte« nicht ist
vollendet worden, denn der Teufel gedachte Feierabend damit zu machen, weil er
sah, daß der Tag darinnen wollte anbrechen. Auch hat der Tag die Morgenröte
schon übereilet, daß es fast licht ist worden. Es gehöreten noch wohl ein 30
Bogen dazu. Weil es aber der Sturm hat abgebrochen, so ists nicht vollendet
worden, und ist unterdessen Tag worden, daß die Morgenröte ist verloschen und
ist seit der Zeit am Tage gearbeitet. Soll auch also bleiben stehen zu einer
ewigen Gedächtnis, weil der Mangel in den andern Büchern ist erstattet
worden. [1620] ________
* ________ 1 - Von Erforschung des göttlichen Wesens in der
Natur- Von beiden Qualitäten Von der Luft und des Wassers Qualifizierung Von der herben oder gesalzenen Qualität 2 - Anleitung, wie man das göttliche und natürliche
Wesen betrachten soll Von der Substanz und Eigenschaft des Vaters Von der heiligen Dreifaltigkeit 4 - Von Erschaffung der heiligen Engel - Eine
Anweisung oder offene Porte des Himmels 5 - Von der körperlichen Substanz, Wesen und
Eigentum eines Engels Von der Qualifizierung eines Engels 6 - Wie ein Engel und Mensch Gottes Gleichnis und
Bild sei Von der holdseligen und freudenreichen Liebe der
Engel gegen Gott, aus rechtem Grunde Von den Nativitäten der engelischen Könige, wie die
worden sind 8 - Von dem ganzen Corpus eines engelischen
Königreichs; die große Geheimnis Von der andern Umstände oder Species Von der dritten Umstände oder Species Von der vierten Umstände oder Species Von der fünften Umstände oder Species Von der freundlichen Liebe, Holdseligkeit und
Einigkeit dieser fünf Quellgeister Gottes 10 - Von dem sechsten Quellgeist in der göttlichen
Kraft Nun merke hie weiter vom Marcurio, Ton oder Schalle 11 - Von dem siebenten Quellgeist in der göttlichen
Kraft Von der göttlichen und himmlischen Natur, Wirkung
und Eigenscbaft Von der ganzen himmlischen Wonne aller drei
Königreiche der Engel Von dem königlichen Primat oder Gewalt der drei
engelischen Könige Von der großen Herrlichkeit und Schönheit der drei
englischen Könige Von dem Könige oder Großfürsten Micha-El Von dem andern Könige, Luzifer itzo genannt, um
seines Falles willen Von dem dritten engelischen Könige, Uri-El genannt Von der wunderlichen Proporz, Veränderung und
Aufsteigen der Qualitäten in der himmlischen Natur 13 - Von dem schrecklichen, kläglichen und elenden
Falle des Königreichs Luzifers Von der herrlichen Geburt und Schönheit des Königs
Luzifer Von dem erschecklichen hoffärtigen und nunmehr
kläglichen Anfang der Sünden, die höchste Tiefe Von dem Falle aller seiner Engel Von der andern Species oder Geist der Sünden Anfang
im Luzifer 15 - Von der dritten Species oder Gestalt der Sünden
Anfang im Luzifer Von der vierten Species oder Gestalt der Sünden
Anfang im Luzifer Von der fünften Species oder Gestalt der Sünden
Anfang im Luzifer und seinen Engeln Von der sechsten Species oder Gestalt der Sünden
Anfang im Luzifer und seinen Engeln 16 - Von der siebten Species oder Gestalt der Sünden
Anfang im Luzifer und seinen Engeln Von der Anzündung des Zornfeuers Von der Hoffart, dem ersten Sohn Von dem anderen Sohn, dem Geize Von dem endlichen Streite und Verstoßung des Königes
Luzifer samt aller seiner Engel 18 - Von der Schöpfung Himmels und Erden und des
ersten Tages Von der Schöpfung des Lichtes in dieser Welt Die freudenreiche Porten der Menschen Von den sieben Geistern Gottes und ihrer Wirkung in
der Erden Die Tiefe im Centro der Geburt Die Tiefe im Zirkel der Geburt 22 - Von der Geburt der Sternen und Schöpfung des
vierten Tages 23 - Von der Tiefe über der Erden Von der siderischen Geburt und Geburt Gottes Die Porten der heiligen Dreifaltigkeit Von der großen Einfältigkeit Gottes 24 - Von der Zusammenkorporierung der Sternen Von der Anzündung des Herzens oder Lebens dieser
Welt Der höchste Grund der Sonnen und aller Planeten Die rechte Geburt und Herkommen der Sonnen und
Planeten Das Centrum oder Zirkel des Lebens Geburt – Die
große Tiefe Beschluß des Autoris – Epist. 10, 38 ________
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